Erläuterung:
Das erste der zehn Ochsenbilder beschreibt eine Phase, in welcher die Suche nach einem wesenhaften, bzw. uranfänglichen Selbst - dargestellt durch den Ochsen – in uns aufkeimt. Im Grunde sind alle Menschen, die mir ihrem Alltag unzufrieden sind und sich auf die spirituelle Suche machen auf dieser Ebene. Wird dieser Keim, der Wunsch nach spiritueller Entwicklung, gesehen und gepflegt, bietet sich eine großartige Change zur Erkenntnis allen Seins. In der heutigen Zeit des Materialismus sind viele „blind“ bzw. „verblendet“. Die Grundübel GIER, WUT (Hass) und die so verbreitete „Ich Zentriertheit“, also der Glaube an ein inhärentes „EGO“ gilt es zu überwinden. Somit sind es nur sehr wenige, welche die letztendliche Wahrheit persönlich realisiert und in ihr Leben integriert haben. Der erste Mensch, der diese Erkenntnis erlangt hat, war Shakyamuni Buddha. Er realisierte, dass unser Wesen, unser „Geist“ vollkommen und grenzenlos ist. Sobald man dies realisiert hat, erkennt man, dass auch unser „Geist“, dass unser vollkommenes Selbst, - der Ochse - nirgendwohin kann. Er ist IMMER da. Schon Buddha sagte, dass es nicht nötig sei, nach „Erleuchtung“ zu suchen, weil wir von Anfang an mit vollkommenen Buddha Natur ausgestattet sind. Das meinte er mit dem Satz: "Alle Lebewesen sind seit jeher Buddhas." Leider erkennen dies die Wenigsten. Wenn wir den illusorischen Täuschungen des Alltages verfallen, gehen wir von einem Ding zum anderen und geraten immer weiter in einen Kreislauf. Bis wir schlussendlich im Staub der unendlichen Illusionen den Blick auf das wahre Selbst völlig verloren haben. Was jedoch bedeutet Wirklichkeit? Im Zen / Chan-Buddhismus hat der Begriff „Wirklichkeit“ keinerlei metaphysische oder mystische Bedeutung. Wirklichkeit ist HIER und JETZT. Und obwohl uns dies logisch erscheint, sind wir nicht in der Lage dies in der Gesamtheit seiner Bedeutung zu erfassen. Wir schauen meist
nur auf die objektive, gegenständliche Welt außerhalb von uns und entfernen uns dadurch zunehmend von unserem wahren Selbst. Getrieben von Gier verschwenden wir unsere Zeit mit
dem Streben nach materiellem Besitz und merken oft nicht, dass sobald wir etwas besitzen, der Wunsch nach weiteren Besitztümern aufkeimt und dies in eine „Konsum-Falle“ führt, aus der wir nur schwer entrinnen können. In heutiger Zeit mehr als je zuvor. Mit gigantischem Aufwand werden wir fortlaufend durch Werbung und mediale Manipulation in diesem Hamsterrad gefangen gehalten. Und selbst, wenn es durch z.B. den Verlust von Angehörigen, eine schwere Krankheit oder andere Gründe zu einem kurzen Innehalten und Nachdenken kommt, so ist dies oft nur von kurzer Dauer, da der „Geist“ fortlaufend von AUSSEN manipuliert und mit Reizen jeglicher Art überflutet wird. Wir denken in „Schubladen“ wie GUT und BÖSE, sind auf den eigenen Vorteil bedacht und tuen „Gute Werke“ oft nur zur Beruhigung unseres zu Recht schlechten „Gewissens“. Dabei bieten Zeiten der der Selbstkritik und der Zweifel eine enorme Change zu Veränderungen. Man sollte sich nicht zurück in den „Rausch“ der Sinne, in Reizüberflutung und Gewinnstreben begeben, sondern sich auf den Weg zu einem in sich ruhenden, sich am Leben erfreuenden, jedoch nicht den Verführungen des Alltags unterworfenen Menschen machen. Ein Mensch, der mit rein materiellen
Errungenschaften unzufrieden ist und nach einem tragfähigen spirituellen Fundament sucht, hat die Phase der "Suche nach dem Ochsen" erreicht. Nun gilt es auf der Suche den richtigen Weg einzuschlagen und diesem Weg kontinuierlich zu folgen...