Seltene undokumentierte Briefmarken der Schweizer Bundespost
Seltene undokumentierte Briefmarken der Schweizer Bundespost
Die Sitzende Helvetia geschnitten (Strubel, 1854 - 1862) kann mit einigen, in der Literatur undokumentierten Raritäten aufwarten. So gibt es beispielsweise gebrauchte Essays (Essays II), die Datumstempel in der Zeit von 1852 bis 1853 tragen, obwohl die reguläre Verausgabung erst Ende September 1854 erfolgte. Zusätzlich gibt es einen 15 Rp. Farbfehldruck, der in der Zeit der ersten regulären Münchner Auflage entstanden sein muss.
Die nebenstehende Publikation unterlegt die geschichtlich dokumentierten Ereignisse mit den entsprechenden Briefmarkenabbildungen. Sie ist auch in der DBZ SE / 19/2020 erschienen.
Die Schweiz-Ausgabe der Sitzenden Helvetia (gezähnt, 1862-1882) ist eine sehr gut untersuchte Freimarken-Serie.
Es ist daher erstaunlich, dass in 2024 erstmalig eine Rarität entdeckt werden konnte, die in den Katalogen bisher nicht verzeichnet ist. Die Geschichte des Faserpapiers muss offensichtlich umgeschrieben werden.
Auch die Beschreibung der 30 Rp. in Blau (1867) wirft Fragen auf:
Was ist unter der seltenen Farbe Reinblau (SBK) der 30 Rp. Sitzende Helvetia gezähnt zu verstehen?
Ist es eine Sammelbezeichnung für unterschiedliche Farben?
Sind die Farben korrekt sortiert?
Gibt es bisher unbeschriebene Varianten?
Welche Beschreibung (Michel, SBK) ist nachvollziehbar?
Auch die Stehende Helvetia Ausgabe der Schweiz (1882 - 1907) ist eine sehr gut untersuchte Freimarken-Serie.
Es ist daher erstaunlich, dass in 2024 erstmalig eine unbekannte Farbe bei den regulären Ausgaben in der zeitlichen Nähe zur UPU-Farbumstellung (1899) nachweistechnisch belegt werden konnte. Es sei erwähnt, dass zuständige Prüfer, nach Vorlage von Scans, keinen Unterschied einer blauen 50 Rp. gegenüber einer grünschwarzen Marke erkennen können, resp. die Identität zu den Probedrucken als Zufälligkeit oder als oxidische Verfärbung interpretieren. Merkwürdig ist aber, dass eine Differenzierung der blauen Varianten vorgenommen werden kann. Die Suche nach weiteren Exemplaren in WWW Online-Shops und -Versteigerungen ergab, dass voraussichtlich zwei weitere Exemplare der 50 Rp. Briefmarke in Grünschwarz bei einer Corinphila-Versteigerung in einer Sammlung versteckt waren. Der Käufer dieses Lots ist gut beraten, diese Exemplare nachweistechnisch prüfen zu lassen.
Eine weitere Entdeckung betrifft eine 25 Rp. Briefmarke in Grünschwarz, wobei vermutet werden kann, dass es sich wie bei der 50 Rp. Marke um ein kubisches Rinmans Grün (Kobaltgrün) handelt.
Die Kombination von Zähnung und Farbe ist bei der seltenen 1 Fr. Ausgabe (ab 1901) noch nicht genau genug dargestellt worden. Die Farben spielen bei den Katalogisierungen bisher eher keine Rolle. Auch die Angabe im Michel vs. der Angabe im Schweizer Briefmarken Katalog (SBK) differieren bezgl. der gemischten Zähnungsweite der neuen Zähnung (Einführung ab Ende 1899).
Jedes Herz eines Philatelisten mineralogischer Prägung wird wohl höherschlagen, wenn eine Farbwechsel-Briefmarke (Metamerie, mineralogisch Alexandriteffekt) entdeckt wird, die zudem eine neue Merkmalkombination aufweist. Zuerst wurde die 25 Rp. Briefmarke für eine Ausgabe nach der UPU-Farbumstellung gehalten, weil sie unter dem Lichtmikroskop und über einen CCD-Scan einen deutlich blauen Grundton zeigt. Als jedoch ein Scan mit einem CIS-Scanner angefertigt wurde, stellte sich die Farbe als ein Blaugrün heraus. Es sei angemerkt, dass ein Rinmans Grün mit hexagonaler Struktur für seinen deutlichen Farbwechsel bekannt ist. Ein Kobaltgrün mit kubischer Struktur zeigt dagegen eine grünschwarze Farbe.
Die Kontrollzeichenanalyse der Kontrollzeichen I/II sollte für andere Philatelisten stets nachvollziehbar durchgeführt werden. Dabei wird die Vergleichbarkeit dadurch gewahrt, dass zwei Vergleichsmarken mit unterschiedlichen Kontrollzeichen zusammen mit dem Prüfobjekt analysiert werden. Die Präsentation einzelner Abbildungen hat dagegen keine Aussagekraft, wenn nicht sichergestellt ist, dass die Abbildungen unter identischen Bedingungen angefertigt wurden.
Die Ausgabe der Sitzenden Helvetia mit Schwert (ab 1908) ist aufgrund des Zweifarbenbuchdrucks eine der farbenreichsten Ausgaben. Die 50 Rp. Wertstufe zeigt eine prägnante Farbabweichung des Unterdrucks und auch Farbrestdrucke (poröse Drucke) sind bei der ersten amtlichen Flugpostausgabe bei dieser Wertstufe nachweisbar. Die 40 Rp. Wertstufe wartet mit einem zusätzlichen, nicht beschrieben Typenunterschied (Z), resp. einer Retusche auf.