WARNUNG vor verfärbten Briefmarken (...und die Reaktion der Michel-Redaktion)
WARNUNG vor verfärbten Briefmarken (...und die Reaktion der Michel-Redaktion)
Das Charakteristikum der Farbe der DR MiNr. 149 IIb beschrieb Bechtold (BPP)* mit einem "Graustich", den die a-Farben nicht aufweisen würden.
*Günter Bechtold, Dieter Kamradt [2015]: Deutsche Inflation 1916-1923, Infla-Bücherei 66-2, Seite 470
Die gezeigte Verfärbungsstudie belegt jedoch, dass auch die a-Farbe diesen Grauanteil besitzt, der mit Hilfe des Tageslichts entsteht (Schaufenster-Varietät).
Es ist somit der Hinweis angebracht, dass die DR MiNr. 149 IIb in der grauen Variante nur mit aktuellem Nachweis eines "intakten" Papieraufhellers (siehe unten) erworben werden sollte.
WARNUNG vor rückseitigen Verfärbungskennzeichnungen
Beispiele
DR MiNr. 80 Ba unter UV. Die rechte Marke ist rückseitig als verfärbt gekennzeichnet. Diese Kennzeichnung ist aufgrund des rötlichgrauen Papiers nachvollziehbar, wenn sichergestellt ist, dass die Reichsdruckerei ein solches Papier nicht verwendete.
DR MiNr. 96 Ia unter UV. Die rechte Marke ist rückseitig als verfärbt gekennzeichnet. Diese Kennzeichnung ist aufgrund des unveränderten Aufhellers im Papier nicht nachvollziehbar.
Am Ende einer Verfärbungsstudie steht die Erkenntnis darüber, ob eine vermeintlich seltene Farbvariante aus einer bestehenden Farbe im Nachhinein mit einer bestimmten Farbtiefe erzeugt werden kann.
Eine solche Studie ist im Falle der DR MiNr. 149 IIb (siehe oben) und auch bei der Neuentdeckung der bisher nicht katalogisierten 20 Pf. Reichspost in Grauultramarin vorgelegt worden.
Bei rückseitigen Verfärbungsmarkierungen ist in der Vergangenheit ein Fall aufgetreten, der vermuten lässt, dass möglicherweise sachfremde Erwägungen bei solchen Kennzeichnungen Einfluss genommen haben könnten.
Es ist jetzt mit Hilfe einer graphischen Aufbereitung gelungen, einen bildgebenden UV-Beweis für oder gegen eine nachgelagerte Verfärbung zu erbringen. Anhand des Aufhellers im Papier können Rückschlüsse auf eine nachgelagerte Verfärbung gezogen werden. Rückseitige Kennzeichnungen lassen sich so nachweistechnisch überprüfen. Wichtig ist dabei, dass immer ein Vergleichsstück mit aufgenommen wird. Eine nasschemische oder lichtoptische nachträgliche Verfärbung ist ohne Beeinflussung des Aufhellers kaum vorstellbar.
WARNUNG vor Falschsortierungen
Bevor eine farblich seltene Briefmarken-Auflage preislich eingeordnet werden kann, muss zunächst deren Häufigkeit bestimmt werden. Eine sichere Bestimmung der Häufigkeit ist jedoch nur über eine sichere Farbbestimmungsmethodik möglich. Dass die derzeitige Farbbestimmungsmethodik nach lediglich makroskopisch visuellen Farbeindrücken zu fehlerhaft ist, zeigt das nebenstehende Beispiel.
Die in der Philatelie vorherrschende schlechte Farbbestimmungsmethodik über eine nur visuell makroskopische Sortierung von Vergleichssammlungen ist zur akzeptierten Norm geworden, weil sich genügend Leute gegenseitig versichern, dass sie das Richtige tun.
Um eine Differenzierung seltener Farben durchführen zu können, müssen zunächst die Farbgrenzen messtechnisch bestimmt werden. Erst danach erfolgt die Zuordnung. Durch diese Reihenfolge ist sichergestellt, dass es nicht zu falschen, subjektiven Definitionen kommt.
Richtig ins Geld gehen kann eine falsche Sortierung z. B. bei der DR MiNr. 80 Ab in postfrischer Erhaltung. In diese Michelnummer werden entgegen der DSK-Katalogisierung nicht nur der MiNr. 65 nahe kommende, violettschwarze Briefmarken, sondern auch deutlich graue Briefmarken sortiert. Nach Angaben des DSK wurde für eine graue DR MiNr. 80 Ab in postfrischer Erhaltung bei einer Auktion in 2016 ein Preis von 47.000,- € erzielt.
In der Vergangenheit ist bei der DR MiNr. 80 eine hohe Kapitalvernichtung durch eine Umstellung in der Sortierweise (Definition) nachweisbar (vergl. Michel Deutschland-Spezial z. B. von 1996 mit der aktuellen Auflage von 2024, Band 1). Hierdurch muss eine deutliche Warnung vor rückseitigen Altsortierungsvermerken auch bei der DR MiNr. 80 ausgesprochen werden.
Informative Seiten-Links
Verband Philatelistischer Experten - VPEX - Die Verbandsprüfer
Forum: Philaseiten
Zeitschrift: DBZ
Historische Philatelie: Phila Historica
Datenbank: Phila-DB
Fälschungen: Sperati (Site by Richard Frajola)
Speratis Werk: (Auktionshaus-Köhler)