Workshop

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Workshop Daten - Praktiken - Professionen

25./26. April 2019,

Haus Leo, Universität Luzern

Daten spielen in Organisationen aller Art eine immer wichtigere Rolle. Gemäss Fourcade/Healy (2017) sehen sich Organisationen gar einem “data imperative” ausgesetzt: Daten zu sammeln ist das Gebot der Stunde. Beratungsunternehmen und Think-Tanks preisen sie als die neue “asset class” des 21. Jahrhunderts (Schwab et al. 2011). Als “Big Data” stehen diese in unterschiedlichen und neuen Formaten, in bisher ungekannten Mengen und für eine Vielzahl von Einsatzzwecken und Tätigkeiten zur Verfügung. Genauso von Bedeutung sind die sich verändernden Methoden der Verarbeitung und Auswertung von Daten, wie auch das Interesse an vermeintlich neuen Formen der Erkenntnis, die die Daten ermöglichen sollen. Daten wurden schon immer gesammelt - aber “Big Data” scheint mehr zu bedeuten als nur größere Menge, schnelleres Tempo und größere Varianz. Zusätzlich zu beachten ist, dass Daten erst durch ihre Integration und Verarbeitung in sozio-technischen Systemen eine gesellschaftliche Bedeutung erhalten - etwa indem sie zunehmend die Art und Weise des Zusammenlebens und soziale Ordnung charakterisieren und prägen. Dazu bedarf es unterschiedlicher Werkzeuge, Methoden und Wissensbestände zu deren Erhebung, Aufbereitung, Bereinigung, Analyse oder Visualisierung.

Die Auswirkungen von global vernetzten Systemen und zunehmend datafizierter Lebensbereiche manifestieren sich deshalb auch auf der Ebene von professionellen Feldern, Disziplinen oder Berufsgruppen: Praktiken der Datenbearbeitung und –prozessierung werden durch unterschiedliche Professionen entwickelt, getestet, adaptiert, skaliert und schliesslich in neue oder bestehende sozio-technische Systeme implementiert. Organisationen stehen vor der Herausforderung, sich in ihrer Form einerseits den Erfordernissen und Herausforderungen datengetriebener Umwelten anzupassen, datenzentrierte Praktiken andererseits durch ihre Strukturen aber auch erst zu ermöglichen und unterstützen. Sowohl Professionen wie Daten sind dabei Phänomene mit einer globalen wie lokalen Ausprägung: Professionen teilen Wissensbestände, Organisationsformen sowie professionelle Normen und Praktiken grenzüberschreitend – zugleich agieren sie in zeitlich und räumlich spezifischen Kontexten, die diese global geteilten Bestände lokal prägen.

Ziel des Workshops ist es, verschiedene Nachwuchswissenschaftler*innen zusammenzubringen, die sich mit sich verändernden oder sich bereits veränderter professioneller Praktiken und Organisationsformen befassen, die als Folge des allgegenwärtigen Datenimperativs verstanden werden können. So rücken die Herausbildung neuer spezifischer Expertisen wie beispielsweise der “Data Science” (Brandt 2016) ins Blickfeld, die das Versprechen vermitteln, Erkenntnisse aus den neuen Datenformen und -mengen zu schürfen. Zudem kommt es zu Veränderungen ganzer Wissenschaftsdisziplinen, wie der datenzentrierten Biologie (Leonelli 2016), oder zu feldspezifischen Ausdifferenzierungen bestehender Berufe, wie dem Datenjournalismus (Lewis/Westlund 2015).

Der Workshop ist bewusst offen für alle methodischen und theoretischen Zugänge, denn die Bedeutung der Phänomene „Digitalisierung“ und „Big Data” für professionelle Praktiken und Organisationsformen möchten wir im Rahmen des Workshops gemeinsam empirisch klären.

Um die Breite dieser Phänomene und ihrer Erforschung in den Blick zu bekommen, möchten wir Forscher*innen unterhalb der Professur die Möglichkeit geben, eigenen Arbeiten in 45-minütigen Slots zu präsentieren und vor allem mit Peers zu diskutieren. Dabei soll der Schwerpunkt deutlich auf gemeinsamen Diskussionen statt individuellen Präsentationen liegen. Entsprechend werden alle Teilnehmenden im Vorfeld des Workshops Paper zu ihren Arbeiten herumsenden, die wiederum durch alle anderen zu lesen sind. So wird den einzelnen Forscher*innen vor Ort die Möglichkeit gegeben, die eigene Arbeit intensiv mit Kollegen*innen zu durchdenken und weiterzuentwickeln. Zugleich soll durch das geteilte Themenfeld gewährleistet werden, dass Querbezüge zwischen Projekten auf geteilte Herausforderungen und Erkenntnisse hinweisen. In diesem Sinne steht zwar pro Sitzung ein konkretes Projekt im Mittelpunkt, soll jedoch stets auch als Vergleichsfolie für die Projekte aller Diskutanten*innen dienen. Im synthetisierenden Abschluss des Workshops werden die einzelnen Projekte zueinander ins Verhältnis gesetzt und auf Ähnlichkeiten und Unterschiede im Verständnis und Zugang zum Thema untersucht.

Das Detailprogramm des Workshops findet sich hier.

Am Workshop Interessierte (ohne eigenen Beitrag) melden sich bei Rahel Estermann (rahel.estermann@unilu.ch), Philippe Saner (philippe.saner@unilu.ch) oder Lisa Kressin (lisa.kressin@unilu.ch).

Der Workshop wird finanziell unterstützt durch den Schweizerischen Nationalfonds sowie die Forschungskommission der Universität Luzern.