sagt der Berufsbildungsexperte Friedhelm Holterhoff:
Statt junge Leute auf eine betriebliche Ausbildung vorzubereiten, werden sie von Schule zu Schule durchgereicht.
Zu viele Schülerinnen und Schüler erhalten heute eine Empfehlung für die gymnasiale Oberstufe. Ganze Kohorten drücken in Gymnasien, Oberschulen und Hochschulen bis zum 25. Lebensjahr und länger die Schulbank; auf der anderen Seite finden Ausbildungsbetriebe kaum noch motivierte Lehrlinge.
Das passt nicht zusammen und hat nachhaltig negative Folgen:
Es entsteht ein gravierender Fachkräftemangel in Handel, Handwerk und Gewerbe
Der Masse an Rentnern aus den geburtenstarken Jahrgängen stehen viel zu wenig junge Beitragszahler gegenüber
Schüler und Studenten belasten die Krankenkassen ohne eigene Beiträge einzuzahlen
Auszubildende und Lehrlinge zahlen Steuern, während Studentinnen und Studenten bis ins hohe Erwachsenenalter "Kindergeld und oft BAföG kassieren
Immer mehr Studierende verursachen Lehrermangel an Schulen und Hochschulen
Politiker und Politikerinnen wildern nach Arbeitskräften in Entwicklungs- und Schwellenländern, die selber ihre Fachkräfte bitter nötig hätten
Friedhelm Holterhoff , Berufsbildungsexperte
Der Versuch, die Fachkräftelücke mit immer neuen Bildungsmilliarden zuzuschütten, schadet nicht nur dem Haushalt: Er führt zudem zu immer weniger Kaufleuten, Facharbeitern und Handwerkern. Keine gute Entwicklung.
Es gäbe so schrecklich viel zu liberalisieren, zu deregulieren und zu entbürokratisieren. Aber die versprochenen Maßnahmen bleinen aus. Das Feld wird komplett den zweifelhaften Akteuren überlassen, die auf Angst, Wut und Vorurteile der Bürger bauen. Kein Herbst der Reformen in Sicht.
Keiner hofft ernsthaft auf einen Winter der Reformen, auf ein Frühjahr der Reformen und auch nicht auf einen Sommer der Reformen. Hilft es, sich den Mut für Reformen anzutrinken? Dann bitte zügig die Regierungsklausuren von Meseberg nach Nuttlar, Warstein oder Krombach verlegen!
Etliche Photovoltaikanlagen und Windräder bleiben unvollendet, weil zu viele Behörden mitmischen und den Machern Praktiker und Fachkräfte fehlen
Etliche Photovoltaikanlagen und Windräder bleiben unvollendet, weil motovierte Fachkräfte fehlen
Aktuell gibt es allerdings einen Hoffnungsschimmer, die Berufsausbildung wieder attraktiv und lukrativ zu machen: Der Ökonom Jens Südekum schlägt vor, den Renteneintritt künftig statt ans Lebensalter an die Beitragsjahre zu koppeln. Wer also mit 16 anfängt zu arbeiten, kann auch früher gehen. Wer spät anfängt in die Kassen einzuzahlen, sollte länger arbeiten oder Abzüge in Kauf nehmen. Das hätte m. E. den zusätzlichen Vorteil, dass Malocher, die durchschnittlich früher sterben als Akademiker, noch etwas von ihren Beiträgen hätten. Außerdem wird dem Drang nach beruflichen Auszeiten, Ruhepausen und Brüchen in der Erwerbsbiografie Einhalt geboten.
Auch der SPIEGEL stellt im Herbst 2025 fest: Noch nie waren so viele junge Akademiker arbeitslos. Zeitgleich bauen Unternehmen Stellen für Menschen mit Universitätsabschluss ab. Lohnt es sich nicht mehr, zu studieren? (S+)
Noch ist es nicht zu spät, der Überakademisierung die Stirn zu bieten:
Menschen, die mit 15 Jahren eine Lehre beginnen und mit 18 den Berufsabschluss in der Tasche haben, sind keine Bildungsverlierer. Das müssen endlich auch Ministerialbeamte und Politiker begreifen. Besserwisser haben wir längst genug. Gebraucht werden Leute, die anpacken können: Facharbeiter, Kaufleute, Handwerker, Techniker und Meister.
Die Politik versucht hingegen gebetsmühlenartig das Bildungsniveau in der Breite der Gesellschaft zu pushen, ohne Rücksicht auf den Fachkräftebedarf der Betriebe. Die Wirtschaft schweigt zu alledem und versucht die Not durch Kandidaten aus aller Welt zu lindern.
Fachkräfteeinwanderung kann die bewährte Lehrlingsausbildung aber nicht ersetzen. Die Leute verschwinden ja nicht bei einsetzender negativer Entwicklung am Arbeitsmarkt.
Standpunkt
"Fachkräfte sind zu wichtig, um einfach importiert zu werden / Was passiert mit dem importierten Leistungspotential, wenn der Arbeitsmarkt kippt?"
Impressum
Friedhelm Holterhoff
Helene-Weber-Str. 14
48317 Drensteinfurt
Bis zum Regierungswechsel 2021 war Friedhelm Holterhoff im Bundeswirtschaftsministerium für die verordnungsrechtlichen Grundlagen der dualen Berufsausbildung zuständig; einschl. des Erlasses bundesweit gültiger dualer Ausbildungsordnungen für gewerblich technische Berufe.
PS.: Unsere nächsten Verwandten, die Gorillas, wildern ihren Nachwuchs spätestens mit 12 Jahren aus. Daher ist es nicht widernatürlich, dass 15- oder 16- Jährige mit einer betrieblichen Berufsausbildung den Grundstein für ein selbstbestimmtes und selbstfinanziertes Leben setzen.
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Friedhelm Holterhoff: Leidenschaftlicher Verfechter der betrieblichen Lehre