Ernährungskonzept

Alle Kinder haben ein Recht auf Gesundheit – unabhängig von ihrer Herkunft, der sozialen Lage und den Möglichkeiten ihrer Familie. Die UN-Kinderrechtskonvention spricht davon, dass Kinder ein Recht auf das „erreichbare Höchstmaß an Gesundheit" haben. Das verpflichtet uns als Kita, nicht nur zu gewährleisten, dass Kinder satt werden, sondern auch, dass sie sich gesund ernähren können, hierbei Gemeinschaft erleben können und sich Fachwissen zur Ernährung über alle Sinne aneignen. Neben der Bewegung spielt die gesunde Ernährung eine wichtige Rolle in unserer Kita.

Vollwertige, regionale, vegetarische Bio-Ganztagesverpflegung

Schon lange ist es ein Wunsch des Kita-Teams, die Ernährung der Kinder in das pädagogische Gesamtkonzept der Evang. Montessori-Kindertagesstätte mit aufzunehmen.

Schließlich ist Essen mehr als nur Kalorienaufnahme. Man weiß heute, wie wichtig eine ausgeglichene Vollwerternährung im Kindesalter ist und was sie für das körperliche und seelische Wohlbefinden im Jugend- und Erwachsenenalter bedeutet.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) publiziert seit über 50 Jahren Informationen bezüglich der Eckpfeiler einer gesunden Ernährung. Doch das eigentlich weit verbreitete Wissen um gesunde Ernährung trägt kaum Früchte: jeder dritte Jugendliche ist heute übergewichtig und bei den Kindern ist es jedes fünfte. Probleme wie Essstörungen, Übergewicht, Bluthochdruck, Diabetes, Magen-Darm-Erkrankungen, Unverträglichkeiten und Mangelerscheinungen nehmen rasant zu und lassen Eltern, Einrichtungen, Krankenkassen.... bis hin zu staatlichen Stellen über Veränderungen nachdenken.

s. Bertelsmann-Studie 2014: "Is(s)t Kita gut?"

https://www.bertelsmann-stiftung.de/fileadmin/files/BSt/Publikationen/GrauePublikationen/GP_Isst_Kita_gut.pdf

Weder externe Catering-Anbieter noch das mitgegebene Essen der Eltern in den Brotdosen brachten ein zufriedenstellendes Ergebnis für die gesunde Ernährung der Kinder.

Die immer mehr zunehmenden längeren Buchungszeiten sind Grund genug, den Kindern ein gesundes Essen zu bieten.

Die Kita hat sich für ein ganzheitliches Ernährungskonzept entschieden, das sie inhaltlich vertreten und praktisch durchführen kann.

1. Warum Vollwertverpflegung

Die Grundsteine lebenslanger Ernährungsgewohnheiten werden in der Kindheit gelegt. Das ist ein starkes Motiv für Eltern, der Ernährung ihrer Kinder große Aufmerksamkeit zu schenken. Da die Kinder geraume Zeit im Kindergarten verbringen, bietet sich hier eine große Chance, Einfluss auf die Ernährungsgewohnheiten zu nehmen. Dieser Einfluss prägt für das ganze Leben!

Vollwerternährung besteht aus:

- frisch gemahlenem Vollkorngetreide mit hochwertigen Eiweißverbindungen, Vitaminen A, E, B-Komplex, Spurenelementen und lebenswichtigen Vitalstoffen.
- viel frischem Obst und Gemüse, Salat, Nüssen und Samen.
- naturbelassenen Fetten in Form von Butter, kalt gepressten Ölen.
- Käse, Milchprodukten und Eiern
- Hülsenfrüchte aufgrund ihres hohen Eiweiß- und Ballaststoffgehalts.

2. Warum fleischlos in der Kita

Es besteht keine Notwendigkeit zur Fleischzubereitung, da unser Speiseplan so abgestimmt ist, dass alle Komponenten tierischer Produkte auf gesündere und natürlichere Weise in unseren Mahlzeiten enthalten sind und der Körper alle Nährstoffe erhält, die er für ein gesundes Wachstum benötigt.

Wir achten auf wertvolle Eiweißkombinationen (z.B. Kartoffeln und Eier oder Getreide und Milchprodukte, oder Hülsenfrüchte mit Getreide wie z.B. Linsen mit Spätzle) sowie täglich wechselnde Getreidesorten, z.B. Reis, Hafer, Hirse, Dinkel, Buchweizen, Roggen und Gerste. Diese Kombinationen sind teilweise sogar hochwertiger als tierisches Eiweiß.

Die Versorgung mit Eisen, Folsäure, Vitamin B 12 wird über das Vollkorngetreide (Hafer, Hirse usw.) und Eigelb, Mandeln, Gemüse usw. gedeckt.

Durch die schonende und frische Zubereitung der Lebensmittel haben wir den großen Vorteil, dass wenig Verlust von Vitaminen und Mineralstoffen besteht. Wir verarbeiten aus Überzeugung viel ungespritztes Obst und Gemüse mitsamt der Schale. Vitamine und sekundäre Pflanzenwirkstoffe sitzen zu einem großen Teil direkt unter der Schale.

Brote und Gebäck werden ausschließlich selbst produziert. Der Anteil an Vollkornmehl beträgt mindestens 80%.

Es ist uns wichtig mitzuteilen, dass wir niemanden mit unserer Verpflegung bevormunden wollen. Es liegt im Ermessen der jeweiligen Familien, ihre bisherigen Essgewohnheiten zu Hause beizubehalten. Es ist jedem überlassen, ob und wie viel Fleisch er isst. Der Verzicht auf Fleisch und die biologisch vollwertige Ernährung in der Kita trägt aber ihren Teil dazu bei, ernährungsbedingte Zivilisationskrankheiten wie Magen- und Darmerkrankungen, Verstopfung, Gebissschäden, Erkrankungen des Bewegungsapparates, Stoffwechselstörungen, Fettsucht, Zuckerkrankheit, von den Allergien ganz abgesehen, zu verringern. Und die Kinder werden mit allen Nährstoffen versorgt, die der Körper in diesem Alter benötigt.

3. Warum “bio”

Nachhaltigkeit und Umweltschutz

Der ökologische Landbau ist eine Form der Landwirtschaft, bei welcher Umwelt, Natur- und Tierschutz im Vordergrund stehen. Dies bedeutet Verzicht auf Gentechnik, Antibiotika, Masthilfen und Tiermehl im Futter, sowie Verzicht auf chemische, synthetische Düngung. Es wird mit vielseitiger Fruchtfolge auf den Feldern gearbeitet und durch verminderte Nitrat- und Pestizidrückstände z.B. aktiver Trinkwasserschutz betrieben.

Der Verzicht auf Fleisch läuft der aktuellen bedrohlichen Entwicklung entgegen, nach der immer mehr unserer wertvollen Getreideanbauflächen für die Produktion von Tierfutter genutzt werden müssen.

In der Montessoripädagogik ist der achtsame Umgang mit Natur und Umwelt verankert und selbstverständlich.

In unserer Kita werden diese Gedanken folgendermaßen in die Praxis umgesetzt:
- eigene Hühnerhaltung im Kita-Garten, die Kinder versorgen mit pädagogischer Unterstützung drei Zwerghühner.
- eigener Bienenstock mit Schaufenster (Honigschleudern, Honigabfüllung, Honigverkostung)
- Gartengestaltung nach den Richtlinien der Permakultur

4. Weitere Vorteile der biologischen, vollwertigen, vegetarischen Ganztagsverpflegung:

- vielseitige Speisenangebote, die immer wieder probiert werden können
- Absolute Transparenz bzgl. der Waren bei Herkunft, Zusammensetzung, Qualität....
- Kennenlernen der Vielfalt der heimischen Obst- Gemüse- und Getreidesorten, sowie deren geschmacklicher Vielfalt.
- Essen in der Gemeinschaft (was der Freund isst, schmeckt mir auch)
- Erlernen von Tischsitten und selbstständigem Essen: Zeit und Geduld sind durch unser pädagogisches Personal für jedes Kind ausreichend vorhanden.

5. Welche Pädagogik steckt im Ernährungskonzept?

Die Kleinkindphase ist eine entscheidende Phase der Prägung. Es ist in der Montessoripädagogik verankert, Selbstständigkeit und Eigenverantwortung zu erlernen, das gilt natürlich auch für die Ernährung. Die Kinder dürfen und sollen miterleben, wie Essen zubereitet wird und welche Mühe es macht, woher die Ausgangsprodukte kommen, wie sie aussehen, riechen, sich anfühlen...

Wertschätzung der Nahrung:
Wer die Zubereitung der Nahrung miterleben bzw. dabei mitarbeiten kann, weiß wie viel Arbeit die Essenszubereitung macht.
Saisonaler und regionaler Bezug: wann wächst wo welches Nahrungsmittel.

Bewusstseinsschulung:
Häufig ist es aus Zeitgründen den Eltern nicht möglich, mit den Kindern Lebensmittel regional und direkt vom Erzeuger zu kaufen. Verpackte Ware vom Supermarkt sieht oft sehr verändert aus. Wir besuchen mit den Kindern den Bauern, der uns beliefert, und bauen verschiedene Lebensmittel selbst an.
So können die Kinder von der Aussaat bis zur Ernte am Wachstum und an der Pflege teilhaben (z.B. großer Kräutergarten, Kartoffeln, Tomaten, Gurken, Bohnen usw).

Genau genommen ist unsere Arbeit „Heimat- und Sachkundeunterricht im Kindergarten“.

Es geht bei unseren Bemühungen um:

-Sinnesschulung (riechen, sehen, schmecken, fühlen):
fördert die Entwicklung und Intelligenz der Kinder. Dies ist mindestens genauso wichtig wie ein Malkurs oder Orff-Kurs am Nachmittag.

-Schulung der Sprache:
Es wird nicht nur über Bezeichnung und Aussehen der Lebensmittel gesprochen, sondern es wird den Kindern z.B. in Form von Geschichten; Kulturgut vermittelt.

-soziale Einbindung:
In großer Runde macht Kindern das Essen häufig viel Spaß und Viele probieren dabei Lebensmittel, die sie evtl. zu Hause abgelehnt haben. Indem die Erzieher mit den Kindern zusammen essen, übernehmen sie eine Vorbildfunktion.

Schlussgedanke:

Es ist uns wichtig, ein gesundes Ernährungsbewusstsein bei den Kindern mit aufzubauen. Keinesfalls wollen wir uns in Ihre Ernährungsgewohnheiten zu Hause einmischen oder diese bewerten und beurteilen.

Es ist wichtig, frühzeitig mit einer gesunden Ernährung zu beginnen, um Gewohnheiten zu verankern. Das bedeutet, dass auch die Kitazeit in der Ernährung einen hohen Stellenwert hat.

Wir sind überzeugt davon, dass es uns gelingt, Werte und Grundlagen zu vermitteln, von denen Ihr Kind ein Leben lang profitiert.

Unser tolles Küchen-Team!

Silvia Popp, Küchenleitung

Im Oktober 2015 wurden wir mit dem Vegetarischen Kinder- und Jugendpreis 2015 "KIJU" ausgezeichnet.

Verliehen von VEGETERRA - Stiftung vegetarisch leben

www.vegeterra.de

Seit Oktober 2014 sind wir zudem BIO - zertifiziert.

Unsere aktuelle Zertifizierung:

Die Kosten der Zertifizierung wurden von der Würzburger Umwelt- und Naturstiftung komplett für uns übernommen.
Wir bedanken uns hierfür ganz herzlich!

Weitere Infos zur Stiftung finden Sie hier:
http://www.umweltstiftung-wuerzburg.de/

Würzburger Umwelt- und Naturstiftung

z.H. Klaus Wenger
Händelstr. 11
97074 Würzburg
Tel. 0931 - 83152
vorstand@umweltstiftung-wuerzburg.de

Zudem nehmen wir am
"Schulobst- und -gemüseprogramm"
mit finanzieller Unterstützung der Europäischen Gemeinschaft teil.


Silvia Popp hat ihre Erfahrungen und Rezepte hier in diesem Buch zusammengefasst:

www.gesund-kochen-in-der-Kita.de