HANDY-APPS auf Android SmartPhones

München, 30. Januar 2011: Ob iPhones, BlackBerrys, Androids oder Windows Smartphones: Die neuen Super-Handys eignen sich nicht nur zum Posen. Man kann damit auch Mails, Termine und Kontakte managen. Dazu kommen APPS wie Navi, Öffi, Facebook und AroundMe, die uns immer eleganter durch das Leben steuern. Hier präsentiere ich mal meine liebsten.

 

Handy Highlights 2010: Erst hat mich das coole HTC Legend von Vodafone (links) mit seinem perfekten Aluminium-Body begeistert. Dann wurde das HTC Desire (mittig) mit seinem brillanten Samsung-AMOLED-Display mein absolutes Lieblings-Handy. Zuletzt hat mich das mächtige HTC Desire HD Smartphone (rechts) mit seinem großen Sony-Display durch das Leben gesteuert. Alle drei Handys hatten per Ende 2010 die geniale Software Android Version 2.2. unter der edlen Haube. Foto Harald Karcher & Nikon Coolpix S8000, 2010-12-12, 11:05.

 

Besonders wertvoll können die Funktionen eines Handys werden, wenn sie sich gegenseitig ergänzen und verzahnen: Machen wir ein Beispiel: Als Journalist werde ich oft in ganz neue Restaurants und ähnliche Locations eingeladen. Manchmal schon vor dem offiziellen Opening. Da kennt sie dann noch keiner. Ich auch nicht. Da ist man dann besonders froh, wenn man ein Navi hat: Adresse eintippen. Losfahren. Früher kamen solche Einladungen oft auf edlen Papiersorten oder in irrwitzigen Designer-Verpackungen von Werbe- und PR-Agenturen. Verschwendung pur, nur um Aufzufallen. Heute kommen die meisten Presse-Einladungen gottlob nur noch schlicht und umweltschonend per E-Mail. Seitdem kann ich endlich mit geringem Aufwand ein papierloses Büro betreiben, auch ohne den Posteingang täglich erst noch durch den Dokumenten-Scanner zu jagen.


Ist eine Einladung relevant, dann kopiere ich die komplette E-Mail mit der Maus online in meinen Google Terminkalender. Habe ich das Datum und den Ort der Veranstaltung in die richtigen Felder kopiert, dann ist die weitere Termin-Überwachung und Erinnerung damit auch schon komplett an das Handy delegiert. Das Handy hat in der Regel keinen Gedächtnis-Schwund und keine Befindlichkeiten. Es funktioniert herzlos, aber zuverlässig, wie ein Roboter. Genauer gesagt funktioniert das Internet, von dem aus mein Google Handy ferngesteuert wird, recht zuverlässig.

 

Spielen wir das mal konkret an einer Einladung zur CeBIT Preview vom 20. Januar 2011 in das Sofitel Hotel in München durch: Eine Stunde vor dem Anpfiff des Events durch die Veranstalter Christine Lange und Peter Becker piepst und zittert mein HTC Desire HD Smartphone in der Hosentasche. Ich ziehe es spontan wie im Reflex heraus, wische mit der Hand über das gesperrte Handy-Display und sehe nun die Einladungs-Email des CeBIT Preview Teams von vor vier Wochen auf dem Handy-Monitor. Ganz oben über der Email-Einladung prangt ein Ortssymbol. Dahinter steht: Bayerstraße 12, 80355 München. Dieses Symbol tippe ich jetzt an, und das Handy fragt nun, ob ich mit öffentlichen Verkehrsmitteln (OEFFI) oder per Google Maps dorthin gelotst werden möchte. Ich entscheide mich erst mal für Google Maps: Das Handy zeigt mir nun das Sofitel Hotel aus der Satellitenperspektive, gleich neben dem Münchner Hauptbahnhof. Ich klicke auf „Menü“, dann auf „Route“: Das Handy merkt sofort, dass ich gerade noch in meinem Dachstudio im Ina-Seidel-Bogen 70 stehe und schlägt als Routen-Ziel die Bayerstraße 12 vor. Das passt, ich tippe LOS. Das Handy stellt zur Wahl, ob ich per Auto, per Bus, oder zu Fuß in die Bayerstraße 12 gelangen möchte. Ich übernehme erst mal den Standard-Vorschlag „Auto“. Prompt wird der Auto-Routenplaner abgerufen, erstellt ruck zuck eine komplette Beschreibung der Strecke über die Prinzregentenstraße bis in die City hinein und verkündet, dass es acht Kilometer bis zum Sofitel sind, und ich vermutlich 16 Minuten mit dem Auto dazu brauchen werde. Das passt, ich klicke das blaue Start-Symbol für die Google Maps Navigation an, und plötzlich sieht das HTC-Handy-Display so ähnlich aus, wie mein guter alter TomTom.

 

Beim TomTom Navi-System musste ich allerdings die Ziel-Adresse immer selber eintippen, denn ich konnte sie aus keiner Email mit der Maus herüber kopieren. Das ging dann meistens so: Erst mal hektisch aus der Garage heraus fahren, weil's ja schon wieder pressiert, dann in der ersten Kurve noch schnell den TomTom einschalten, damit er schon mal den Kontakt zu den GPS Satelliten suchen kann, dann irgendwann rechts ran fahren, weil man neben dem Fahren doch bittschön keine Adresse in den TomTom tippen sollte. Inzwischen hängt mein jahrelang geliebter TomTom nur noch funktionslos an der Windschutzscheibe: Das Google Android Handy kommt meiner Faulheit viel mehr entgegen: Das hat nämlich die Ziel-Adresse zum Sofitel schon seit vier Wochen drin, weil ich sie schon vor vier Wochen aus der Einladungs-E-Mail gleich online in den Google Terminkalender hinüber kopiert hatte.

 

Die Befürchtung, dass Google Maps mich schlechter durch München navigiert als mein uralter TomTom One, hat sich nicht bestätigt: Im Gegenteil: Google Maps kennt sich erschreckend gut in München aus und gibt sogar ausgesprochen verständliche, präzise und eindeutige Sprachanweisungen. Ich muss nicht einmal auf das Handy-Display schauen: Selbst aus der Hemdentasche heraus macht die Stimme aus dem Google Handy richtig gute Ansagen, und zwar fast immer früh genug, um im fließenden Verkehr noch gut darauf reagieren zu können. Da ich, wie viele andere Google Handynutzer auch, meine Bewegungsdaten ja bewusst oder unbewusst stillschweigend laufend an den großen Google Bruder sende, wissen die Google Server offenbar auch ziemlich genau, auf welcher Route ich heute am schnellsten in die City komme und auf welcher Strecke sich der Verkehr heute staut. So kann mich das Google Handy jeweils auf die beste Route schicken.

 

Die kürzlich von mir ebenfalls kurz angetesteten Navi-Systeme TomTom GO 750 LIVE und TomTom GO LIVE 1005 Europe führten mich zwar ebenfalls über die weniger verstauten Routen in die Münchner Innenstadt, aber ich hatte das Gefühl, dass Google Maps & Streetview das inzwischen auch nicht schlechter macht, als die teuersten TomToms mit fest eingebauter Vodafone-SIM-Karte.

 

Navi mit Maps & Streetview

 

Am 25. November 2010 war ich in das brandneue Restaurant Isargold des Fernsehkochs Martin Baudrexel in die Ismaninger Straße 48 eingeladen. Das kannte ich bis dato nicht: Also ließ ich mich vom HTC Desire HD dort hin navigieren. Ein paar Dutzend Meter vor dem Ziel suchte ich krampfhaft die exakte Hausnummer und gleichzeitig eine Parklücke. Plötzlich sehe ich ein rötliches Haus auf dem Google-Handy. Fast gleichzeitig erkenne ich auch ein rötliches Haus im echten Leben rechts vor mir durch die Windschutzscheibe. Juhu, das ist dann wohl das neue Restaurant! Doch wie kommt das Foto von diesem roten Restaurant jetzt plötzlich auf mein Handy? Na klar: Google Maps blendet neuerdings kurz vor dem Ziel das passende Haus aus Google Streetview auf mein Google Android Handy ein: Seit jenem 25.11.2010 muss ich keine Hausnummern mehr suchen, jetzt zeigt mir die Google Maps Navigation ganz einfach per Foto, wie das gesuchte Haus aussieht. Da ist es schon fast nervig, dass einige Bewohner ihre Häuser in Streetview haben unkenntlich machen lassen. Nur bei derart verpixelten Objekten muss ich die Hausnummern dann wohl auch anno 2011 noch immer selber suchen.

 

Die grandiose Öffi-APP

 

Natürlich habe ich seit Jahren schon ein schlechtes Gewissen, wenn ich aus reiner Faulheit mit dem Auto in die Innenstadt fahre, die Luft verpeste, die Straßen verstaue, und am Ende auch noch mindestens zehn Euro für ein paar Stunden Parken in der City zahle. Nun hat mir dankenswerterweise Nina Eichinger eine tolle APP namens Öffi empfohlen. Diese „Öffi für DE/AT/CH/BE“ habe ich kostenlos aus dem Android Market auf mein Google Handy geladen. Seitdem bietet mir das HTC Handy neben der Google Maps Navigation beim Antippen des Zieles Bayerstraße 12 nun alternativ auch noch die „Hinfahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln“ an: Diese Alternative tippe ich jetzt mal an: Da sich mein Schreibtisch im Dachstudio unter einem Dachfenster befindet, bekommt mein Handy offenbar auch innerhalb des Gebäudes genug Kontakt zu den GPS Satelliten. Auf alle Fälle erkennt das Handy punktgenau, dass ich just im Ina-Seidel-Bogen Nummer 70 starten möchte. Ich tippe auf LOS, die Route wird abgerufen. Das Handy bestätigt: Start: Ina-Seidel-Bogen 70. Ende: München Bayerstraße 12. Das Android Handy meldet, dass innerhalb der nächsten 60 Minuten immerhin zehn verschiedene Verbindungen von den umliegenden Haltestellen in Richtung Bayerstrasse 12 abfahren: Wie bitte? Zehn? In dieser ruhigen Lage? Nie hätte ich es für möglich gehalten, dass so viele Alternativen fast vor meiner Haustüre in die Innenstadt abfahren.


Ganz oben in der Öffi-APP steht gleich mal der Preis: MVV Einzelfahrt: Erwachsener 2,50 €, zwei Streifen. Child 1,20 €, ein Streifen. Dann folgt der erste von zehn Vorschlägen für die Route: Neun Minuten Fußweg nach Marienburger Straße, dann den Bus 188 Richtung Unterföhring nehmen, dann nach acht Bus-Stopps bei Richard-Strauss-Straße in die U4 Richtung Westendstraße umsteigen, dann am siebten U-Bahn-Stopp im Hauptbahnhof aussteigen und dann noch 4 Minuten Fußweg in das Sofitel Hotel in der Bayerstraße 12 marschieren. Klingt schlimmer, als es ist. Das Handy kalkuliert dafür 36 Minuten Reisezeit von Tür zu Tür, inklusive aller Fußwege. Wenn es blöd läuft und ich nicht gleich auf Anhieb einen Parkplatz in der City finde, dauert es mit dem Auto tagsüber sogar länger. Nachts, wenn die Straßen frei sind, ist das Auto aber definitiv schneller. Dank Android Handy, dem netten Tipp von Nina Eichinger, und der genialen Öffi-APP des APP-Entwicklers Andreas Schildbach, lasse ich nun immer öfter das Auto in der Garage stehen, komme dadurch häufiger an die frische Luft, zumindest bis zur nächsten Haltestelle, und habe auch mehr Zeit, meine E-Mails im Bus und in der U-Bahn zeitnah durch zu ackern.

 

Neben der gerade beschriebenen APP namens „Öffi Verbindungen“ wurde mit Öffi automatisch gleich noch eine zweite APP namens „Öffi Haltestellen“ auf das Android Handy installiert: Die tippe ich jetzt mal im Handy an, und es meldet: Ermittle Standort… Etwa eine Sekunde später sehe ich eine schier endlose Auflistung, welche Busse und welche S-Bahnen mich in den nächsten Minuten in welcher Entfernung von meinem aktuellen Standort in das öffentliche Verkehrssystem hinein bringen. Endlich kapiere ich, dass es in nur 199 m Entfernung von meinem Dachstudio eine Haltestelle namens Ruth-Schaumann-Straße gibt, die ich jahrelang in meiner nächsten Nachbarschaft noch nie bemerkt hatte. Stattdessen rannte ich immer 700m quer durch den Zamilapark auf die Flughafenlinie S8, um damit in die Innenstadt oder auf den Flughafen zu kommen. Bei tollem Wetter ist das ja ein schöner Spaziergang durch den Park, aber bei Regen, Schnee und Graupelschauer nehme ich ab sofort nur noch den 191er Bus in 199 Meter Entfernung und lasse das Auto in der Garage stehen.

 

Die AroundMe-APP

 

Wer hat das nicht schon mal erlebt: Du bist in der Innenstadt, willst Dir noch einen Kaffee und ein paar Kleinigkeiten gönnen, ein paar neue Schuhe, ein paar stylische Klamotten, einen neuen Kopfhörer, aber im Geldbeutel herrscht mal wieder gähnende Leere. Lisa Model hat mir für solche lebensnahen Fälle Ende Januar 2011 die kostenlose Android-APP AroundMe empfohlen. Ich installiere sie und tippe gleich ganz oben auf die Rubrik „Banks“: Blitzartig erscheinen alle umliegenden Banken und Sparkassen. Ich tippe mal die erste Bank an, sehe die kompletten Adressdaten, kann mir die Lage der Bank dann auf Google Maps anzeigen oder mich gleich dorthin navigieren lassen. Neben Banken konnte ich per Ende Januar 2011 auch schon die umliegenden Bars, Cafes, Tankstellen, Hotels, Krankenhäuser, Kinos, Parkhäuser, Apotheken und so weiter anzeigen lassen. Dazwischen erscheint dezente Werbung, vor allem für günstiges Essen und fette Burgers. Bleibt zu hoffen, dass die Programmierer der kostenlosen APP über Klicks auf diese Werbebanner genug Lohn und Dank für ihre  schöne Arbeit bekommen.

 

XING und Facebook-APPS

 

Natürlich habe ich auch ein paar APPS für soziale Netzwerke auf dem Handy installiert. Damit kann ich die Fotos, Infos und Profile meiner Freunde und Bekannten aus XING und Facebook allzeit auf dem Handy durchblättern. Einige meiner Freunde chatten und posten ja wie die Weltmeister in Facebook und anderen Social Networks. Da sind auch oft ganz interessante und unterhaltsame Sprüche dabei. Da habe ich schon fast ein schlechtes Gewissen, dass ich XING und Facebook noch immer überwiegend passiv, sprich nur als eine Art komfortablen Visitenkartenkasten nutze, den ich dank Android-Handy jetzt ständig mit topaktuellen Kontaktdaten in der Hosentasche dabei habe. Ich kann die in XING und Facebook von meinen Freunden allzeit selber hinterlegten, topaktuellen Telefonnummern direkt anklicken und das Telefonat baut sich dann direkt aus der XING- oder Facebook-APP heraus auf. Bequemer kann ein Visitenkartenkasten ja kaum noch funktionieren. Ich muss rein gar nichts tun, die Fotos und Telefonnummern meiner Freunde kommen immer genauso so aktuell auf mein Handy, wie sie von meinen Freunden selbst in deren XING- und Facebook-Profilen aktuell hinterlegt werden.

 

Weil aber noch nicht alle meine Kontakte, etwa meine Eltern und ein Teil meiner Verwandtschaft, komplett geschlossen im Internet auf Google, XING und Facebook angekommen sind, habe ich kürzlich auch die restlichen, persönlichen Kontakte aus Microsoft Outlook noch in die Google-Kontakt-Server, also in meine persönliche Internet Cloud, hinauf synchronisiert. Seitdem werden auch diese Kontakte auf jedes Android Handy per WLAN oder Mobilfunk herunter synchronisiert, sobald ich meine Google Zugangsdaten auf dem jeweiligen Handy oder Laptop eingetippt habe. Nie war es leichter, ein Handy oder einen Laptop zu wechseln. Denn meine Kontakt-Master-Daten liegen jetzt nicht mehr auf einem lokalen Laptop, auch nicht mehr auf einer lokalen SIM-Karte, und auch nicht mehr in einem lokalen Handy-Speicher, sondern in der Internet Cloud, sprich auf den hoch verfügbaren Servern von Google. Das Handy funktioniert jetzt eher wie ein Fenster, durch das ich auf meine Adress-Daten im Internet schaue. So ähnlich wie beim Online-Banking, da liegen die Masterdaten ja auch nicht lokal auf meinem Laptop, sondern auf einem zentralen Bank-Server.

 

Natürlich sichere ich meine Kontaktdaten auch im Zeitalter des Cloud Computing nach wie vor auch noch lokal auf einer Festplatte und lege die Platte danach in den Tresor zurück. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass meine eigenen Festplatten einmal abschmieren, ist wohl viel größer, als dass die Daten auf den Google Servern irgendwann einmal verloren gehen. Die Gefahr besteht eher darin, dass ich meine Google Passwörter einmal vergessen oder verlieren könnte und mein Google Handy dann plötzlich keinen einzigen Kontakt und keine einzige Email mehr aus der Internet Cloud auf mein lokales Handy herunter synchronisieren kann.


So lange mir aber genau dieses Pech nicht widerfährt, ist die Kontakte-Verwaltung in der Google Cloud eine sehr bequeme Sache. Jetzt werden unter anderem die schönen Profilfotos meiner Freunde aus Facebook vollautomatisch in meine Google Kontakt Adress Liste auf dem Handy eingeblendet, ohne dass ich selber auch nur ein einziges Porträtfoto in einen einzigen Google Kontakt hätte hochladen müssen. Wenn mein bester Freund sich also nun die blonden Haare plötzlich schwarz färbt und dann auch gleich sein Foto auf Facebook auswechselt, dann schaut er mich sekündlich auch aus meiner Google Handy Kontaktliste nun mit schwarzen anstatt mit blonden Haaren an. Und wenn er mich auf dem Handy anruft, dann poppt neben seinem Namen auch gleich noch ein großes Bild von ihm mit seiner neuen, schwarzen Haarpracht auf dem Handy-Display hoch.

 

Da ich zeitlebens ein schlechtes Namens- und Personen-Gedächtnis hatte, finde ich das Kontakt-Management aus der Internet-Wolke, alias Cloud, nun überaus nützlich. Wenn ich mal zwischen zwei Terminen nichts Lohnendes mehr anfangen kann, dann blättere ich ein paar Minuten durch meine Kontakte und präge mir die richtigen Namen zu den richtigen Gesichtern ein. Dass ich auch Leute, die ich selten treffe, nun viel öfter mit dem richtigen Namen begrüßen kann, ist für mich ein ganz besonders großer Nutzen aus den neuen Superhandys. Außerdem werden die Statusmeldungen meiner Facebook-Freunde seit kurzem automatisch in meine Google Master Kontaktliste eingeblendet: So sehe ich zumindest bei den engeren Freunden auch immer gleich, was sie gerade bewegt, auch schon bevor wir per Telefon oder per E-Mail den Kontakt aufnehmen.

 

WLAN-Hotspot-APPS

 

Viele Handys lassen sich mit einem kleinen Stückchen Application Software, auf neudeutsch APP, sogar in einen WLAN-Hotspot verwandeln. Das habe ich für diverse Handy-Marken auf ZDNet schon mal ausführlicher beschrieben. Mit so einer APP kommt das Internet per Mobilfunk auf das Handy herein und kann seine Internet-Connection dann per WLAN an weitere WLAN-Verbraucher in der näheren Umgebung weiter verschenken: Etwa an WLAN-Handys, an WLAN-Laptops, an WLAN-Fernseher und so weiter. Das funktioniert so ähnlich, als wenn eine AVM FRITZ!Box das Internet aus dem DSL Anschluss holt und dann per WLAN an die Laptops einer Wohnung oder eines Büros verteilt. 

 

Hier kommt das Internet gerade per Vodafone Mobilfunk auf das HTC Desire Handy recht im Bild herein. Per WLAN wird diese Internet-Connection an das HTC Legend links unten und an das Apple iPad im Hintergrund weiter gefunkt. So können die zwei letztgenannten Geräte über die Daten-Flatrate des HTC Desire Handys recht flott surfen. Foto Harald Karcher & Ricoh CX4, 2010-09-28, 13:09.

 

WLAN-Hotspot-APP am Stammtisch

 

Am 1. August 2010 hatte ich gerade ein HTC Desire Handy im Test. An jenem Sonntag habe ich erlebt, wie Google im Zuge einer System-Aktualisierung von Android 2.1 auf Android 2.2 auch gleich so eine WLAN-Hotspot-APP-Software erstmals vollautomatisch auf das Handy installierte. Seitdem können zwei WLAN Laptops oder auch zwei WLAN Handys nach entsprechender Funkverkoppelung über das HTC Desire Handy im Internet surfen. Das brauche ich in meinem Homeoffice zwar nicht wirklich dringend, weil dort sowieso eine schnelle AVM FRITZ!Box 7390 an einem VDSL 50.000 Anschluss hängt und das Internet per WLAN-11n quer durch die Bude bläst. Aber ein paar Tage später, am 9. August 2010, war ich auf dem monatlichen Computer-Stammtisch der AUGE e.V. Weil dort am Tagungsort gerade kein WLAN frei zugänglich war, konnte ich das HTC Desire spontan als WLAN-Hotspot zur Verfügung stellen. Damit konnten zwei Stammtisch-Kollegen mit ihrem WLAN-Laptop und WLAN-iPad plötzlich doch recht zackig über mein HTC Desire Handy im Internet surfen. Dieser spontane Hotspot aus der Hosentasche hat schon öfter freudige Verblüffung ausgelöst. Der komplette Erfahrungsbericht steht HIER.

 

WLAN-Hotspot-APP beim Dinner

 

Ende Januar 2011 habe ich einer lieben Bekannten bei einem wunderbaren Abendessen so viel von meinen Google Handy APPS erzählt, dass sie das am Ende auch Alles sofort auf Ihrem eigenen HTC Wildfire Handy haben wollte. Als erstes wollten wir die Öffi-APP installieren. Um sich diese kostenlos im Android Market abzuholen, muss man aber offenbar einen Google Account haben, was mir bis dato nicht bewusst war, weil ich sowieso schon vor dem Aufkommen der Handy-APPS einen Google-Account hatte.

 

Also wollten wir gemeinsam einen neuen Googleaccount anlegen und auch gleich ihre vorhandenen E-Mail Postfächer bei diversen Providern allesamt auf Googlemail umleiten, damit sie alle E-Mails fortan zentral  gesammelt auf ihrem neuen HTC Wildfire Handy auch unterwegs immer gleich lesen und kurz beantworten kann. Das lässt sich im Prinzip auch alles in wenigen Minuten machen. Am großen WLAN Laptop lässt sich gerade die eMail-Umleitung allerdings viel bequemer konfigurieren, als über das winzige Handydisplay. Nur leider war der große Familien-Laptop gähnend langsam und Google meckerte ob der schier endlosen Reaktionszeiten. Nein, der neue Laptop hatte keine Macken: Bald stellte sich heraus, dass die beiden Söhne des Hauses in den oberen Gemächern das WLAN an einem normalen 3-Mbps-DSL-Anschluss mit aufwändigen Onlinespielen gerade ziemlich dicht machten.

 

Da derart spannende Gaming-Meisterschaften über Stunden hinweg laufen und auf gar keinen Fall für eine schnöde Einrichtung eines Google-Accounts unterbrochen werden dürfen, schaltete ich kurzerhand den WLAN-Hotspot meines HTC Desire HD ein und plötzlich war ihr großer WLAN Laptop wieder ziemlich zackig mit 5 Mbps im Internet unterwegs. Fast jeder meiner Freunde, der so einen WLAN-Hotspot aus dem dünnen Handy zum ersten Mal erlebte, war erstaunt, dass da mehr Durchsatz heraus kommt, als aus einem einfachen DSL Anschluss mit 3 Mbps.

 

Natürlich kann das Handy den umliegenden WLAN Geräten aber nur dann 5 Mbps spendieren, wenn das Mobilfunknetz an der jeweiligen Location auch tatsächlich 5 Mbps hergibt. Ich persönlich habe an den von mir häufig frequentierten Punkten in München schon seit 2004, sprich seit es hierzulande UMTS gibt, ganz oft mit dem Mobilfunknetz von Vodafone die besten Erfahrungen gesammelt. Andere dürfen das aber gerne anders sehen. Das HTC Desire HD kann übrigens die Daten mit bis zu 14 Mbps empfangen und mit bis zu 5,8 Mbps versenden, sofern die eingesteckte SIM-Karte des Providers das am jeweiligen Standort auch schon voll unterstützt.

 

APPS wollen Always Online

 

Alle bisher genannten APPS funktionieren nur dann optimal und topaktuell, wenn das Handy via WLAN oder per Mobilfunk mit dem Internet ordentlich verbunden ist. In München finde ich auch kaum noch weiße Internet-Flecken, an denen überhaupt kein Internet funkt. Mal abgesehen von einigen Tiefgaragen und Kelleretagen, wo wegen dicker Mauern oder zu tiefer Lage kein Mobilfunk hinunter strahlt.

 

In dünn besiedelten Gebieten auf dem Lande gibt es freilich auch in Germany per Januar 2011 noch mehrere Millionen Haushalte, die keinen schnellen Mobilfunk und nicht einmal ein schnelles DSL, somit auch keinen schnellen WLAN-Zugang in das Internet haben. Dort ist das Cloud Computing mit dem Smartphone noch nicht zufriedenstellend möglich. Das dürfte sich aber bald ändern, denn: Deutschland wird wohl als erster großer Flächenstaat Europas noch im Jahre 2011 den UMTS Nachfolger namens LTE mit bis zu 50 Mbps in nennenswertem Umfang auf dem Lande und mit bis zu 100 Mbps in den Städten ausrollen. Dann wird es auch in der Provinz genug Internet-Power für alle Handy-APPS geben. Und auch die WLAN-Hotspots aus den künftigen LTE-Handys werden dann noch schneller in der Hosentasche funken, als das heute schon mit den aktuellen UMTS-HSPA-Handys der Fall ist. 

 

Wieso APPS statt Internet?

 

Am Schluss stellt sich die Frage: Warum sind die kleinen Programm-Helferlein mit den knuffigen Programm-Symbolen in der Größe eines Daumens so beliebt? Immerhin haben die neuen Super-Handys mit ihren schon fast Notebook-starken Prozessoren doch in der Regel auch einen ganz normalen Internet-Browser drin, mit dem der User auch ohne APPS im freien Internet frei Surfen kann.

 

Das freie Internet ist aber nicht perfekt auf die kleinen Handy-Displays optimiert. Die meisten Web-Seiten aus dem freien Internet laden langsamer als eine schlanke APP, und wenn sie endlich kommen, ist ihr Seitenlayout oft zu groß und passt nicht recht in das kleine Handy-Display hinein. Außerdem muss man im freien Internet oft komplizierte URL-Adressen eintippen, oder den Umweg über die Google-Suchmaschine einschlagen, bevor man die Webseiten dann in den eigenen Favoriten hinterlegen kann.

 

Mit den APPS geht vieles viel bequemer: Das APP-Symbol ist meistens viel markanter, plakativer, leicht erkennbar und passt perfekt unter jeden Daumen. Die meisten APPS sind schlanker programmiert als eine fette Webseite und starten deshalb superschnell. Layout und Inhalt sind meist auf das Wesentliche reduziert und die Schrift ist groß genug, um sie auch noch in fahrenden Taxen, Bussen und Bahnen leicht auf dem kleinen Display zu entziffern.


Damit sind alle herkömmlichen Webdesigner gefordert, ihre freien Internet-Webseiten noch besser auf Internet-Handys und übrigens auch besser auf Internet-Fernseher anzupassen. Auch TV-APPS sind ja stark im Kommen. Das muss doch allen Betreibern von herkömmlichen Webseiten ein paar schlaflose Nächte bringen, wenn immer größere Teile der surfenden und klickenden Menschheit aus dem freien Internet in geschlossene Welten wie Facebook, Handy-APPS und TV-APPS abwandern.

 

In ein ähnliches Horn bläst auch diese PR-Meldung: „Dallas (pte/ 01.12.2010/ 11:20) Wenn es um die Art und Weise geht, wie Verbraucher das mobile Internet nutzen, zeichnet sich ein grundlegender Paradigmenwechsel ab: Smartphone-User lassen den herkömmlichen Webbrowser zunehmend links liegen und weichen stattdessen auf mobile Applikationen aus, um unterwegs im Netz zu surfen. Wie aus einer aktuellen Untersuchung des US-Marktforschungsunternehmens Parks Associates http://www.parksassociates.com hervorgeht, zeigt sich dieser Trend besonders stark bei den jüngeren Zielgruppen unter 35 Jahren, die die zukünftige Entwicklung der Webnutzung entscheidend mitbestimmen werden. "Bei der mobilen Web-Erfahrung geht es in erster Linie um Bequemlichkeit und den sofortigen Einstieg in das Internet", erklärt Harry Wang, Director im Bereich Mobile Product Research bei Parks Associates. In Anbetracht dieser spezifischen Ansprüche hätten Apps gegenüber einem Browser eindeutig die Nase vorne. "Apps verlangen vom Nutzer nicht, dass er eine bestimmte Webadresse eingibt und zwingen ihn nicht dazu, sich mit langsamen Browser-Geschwindigkeiten herumzuschlagen", erläutert Wang.“ PR-Meldung ENDE.

 

APPS-Märkte fördern Kreativität

 

Das war jetzt nur mal eine kleine Auswahl derjenigen Handy-Apps, die ich selber oft und gerne nutze. Ich hätte noch viele weitere APPS wie Leo, MyTracks, NetCounter, Tagesschau, Twitter, WiFi Analyzer oder YouTube rezensieren und empfehlen können. Mir ist völlig klar, dass auch Acer, Apple, BlackBerry, Dell, Huawei, Fujitsu, IBM, LG, Microsoft, Motorola, Nokia, Samsung, ZTE und viele weitere Firmen geniale Handys, Apps oder dazu passende Cloud Computing Dienste haben. Nur kenne ich mich eben mit der hier verstärkt hervor gehobenen HTC-Handy-Hardware und mit der Google-Software ein bisschen besser aus als mit all den anderen Modellen. Übrigens baut auch Samsung mit dem Samsung Galaxy S und mit dem Samsung Galaxy Tab bemerkenswerte Android Smartphones.

 

Ganz sicher hat vor allen Dingen auch das Apple iPhone die kleinen Programm-Helferlein mit den knuffigen Programm-Symbolen in der Größe eines Daumens erst so richtig gesellschaftsfähig gemacht. Doch im Laufe des Jahres 2010 haben solche APPS eben auch auf anderen Handys, besonders in Verbindung mit dem Google Handy Betriebssystem Android, stark an Bedeutung und Beliebtheit zugelegt. Oft programmiert der gleiche APP-Entwickler seine Ideen für Apple und für Android. Oft muss der Apple-iPhone-User dann für die App bezahlen. Und oft bekommt der Google Android User die gleiche APP im Android Market derzeit kostenlos. Auf alle Fälle kann sich in diesen Application Märkten eine enorme Kreativität von vielen klugen und engagierten APPS-Programmierern entfalten. Wenn einige davon dann auch noch indirekt zur Reduzierung der Luftverschmutzung beitragen, wie etwa die wunderbare Öffi-APP von Andreas Schildbach, dann darf man sich über so kreative Programmierer doch wirklich freuen und den Urhebern zu ihren schönen Werken gratulieren.


Text und Fotos: Dr. Harald B. Karcher


Kommentar zu ÖFFI: Andreas Schildbach, 31. Januar 2011, 16:02, per Email: „vielen Dank fuer die Erwähnung. Der Artikel zeigt sehr schön die eigentliche Vision auf, die ich für Öffi habe: Nämlich die Leute vom Auto weg in die öffentlichen Verkehrsmittel zu bekommen, zumindest da, wo es eine Alternative ist. Ich erhalte tatsächlich regelmäßig Mails von Leuten, die nicht wussten, wie nah eigentlich die nächste Bushaltestelle ist. Im Kopf (auch bei mir) besteht das ÖPNV-Netz oft nur aus S- und U-Bahn.“