Entstehen des Diskussionskreises
Erste lose Treffen im Frühjahr 1966 in der Ülleberstraße (Gartenlaube, die Hütte!) bei Fred Drews.
Später dann in Wohnungen bei Wilfried Woigk und Jürgen Creutzburg.
Der Zusammenhalt entstand hauptsächlich über die Beatmusik, speziell der Polars, später auch der Capers.
Nach Verbot der Musikgruppen intensiveres Beschäftigen mit den Ursachen der restriktiven Kulturpolitik, infolge dann auch mit den Herrschafts- und Staatsstrukturen in Ost und West.
Ab 67 systematischeres thematisiertes Arbeiten mit westlich "klassenfeindlicher" Literatur.
In der aktivsten Phase, zwischen Sommer 68 und 1972 als Dubcekkreis, Herstellen und Verteilen der 2000 Worte und der Charta der UN-Menschenrechte als Ormigabzüge (< hier das Original) .
Der Höhepunkt unsere Arbeit fällt durch unzählige Anregungen und Literatur, die wir 1968 aus Prag mitbrachten, zweifellos in das Jahr 68 und vielleicht noch 69.
Einzelne persönliche Berichte sollen das im folgenden unterstreichen.
Im Jahre 68/69 wurden auch Kontakte zu Arbeitskreisen in Halle und Magdeburg hergestellt. Als Horst Friedow - ein wegen aktiver Arbeit für die Sache des Prager Frühlings an der Uni-Halle geexter Mitstreiter (für ein Jahr) - in Gotha war, kam es zu Beobachtungen durch die Staatssicherheit.
Einen großen Verlust stellte im besonderen der Weggang zu Ende des Jahres 69 - auch noch ein "Republikflüchtling" in unseren Reihen !!! - von Günther Heinzel und dann auch Horst Friedow (Halle) dar. Siehe Bericht weiter unten!
Das Ende der Arbeitskreises muss ungefähr mit Sommer 1974 angesetzt werden.
Erinnerungen an die ersten Jahre
von Günther Heinzel (aus einer e-mail an J.C.) :
Ich meine, ab 67 sind wir dann etwas enger gerückt, haben uns in Gotha in Privatwohnungen getroffen zum Diskutieren und wahrscheinlich auch 67 schon erstmals in Freds Hütte.
Aufgrund unserer nichtobrigkeitskonformen Gespräche, die den Hauptinhalt unserer Zusammenkünfte bildeten, begingen wir aus Stasi-Sicht jedenfalls eine "Staatsfeindliche Gruppenbildung". Dazu reichte "wiederholtes Zusammentreffen in ähnlicher Personen-Zusammensatzung".
(1972 begegnete mir in West-Berlin ein gleichaltriger aus Parchim, der mit fünf-sechs Leuten exakt das gleiche getan hatte wie wir und wo drei Exemplare SPIEGEL, von Verwandten eingeschmuggelt, herumgereicht wurden. Einer war unvorsichtig, ein Spitzel hat es mitgekriegt und der Besagte - Student in Leipzig- kriegt vier Jahre, von denen er fast drei gesessen hatte. Dann freigekauft)
Genau erinnerlich ist mir von Anfang 68, daß wir uns kurz vor der "Volksabstimmung über neue DDR-Verfassung" in einer Gothaer Privatwohnung trafen (wo???) Und während es ganzen I. Halbjahres 68 stieg die Frequenz unserer Zusammenkünfte - werweißwie oft. Nach der Invasion dann Ende August wieder in Freds Hütte und im Herbst wieder.
So ging das auch 69 weiter, bis zu unserem letzten Treffen wahrscheinlich an dem Wochenende 20./21.Dezember - das war mit Sicherheit in Freds Hütte.
Da waren auf jeden Fall Bart-Günter, Willie, Du (J.C.) und ich (auch Ali Albrecht???) anwesend. Wir verabschiedeten uns mit Weihnachts - und Neujahrswünschen, ich wußte schon, daß ich (nicht bekannt, zu welchem Zweck) am 26.12. zu einem Geheim-Treffen nach Ost-Berlin fahren sollte, verbrannte dann alle meine Papiere zu Hause (Short-Story "Benzin"), als die Russen nachts klingelten... Unvergeßlich auch, wie sich Deine und meine Wege trennten in Gotha am Viadukt.
Damit war erstmal Schluß.
Anfang Januar 70 begann sich herumzusprechen, daß ich im Westen bin.
(Haussuchung bei Heinzels, Stasi-Mann: "Ihr Sohn hat gründlich aufgeräumt").
Eine - ich glaube - Cousine von Willie aus Sarstedt bei Hannvoer war kurz darauf zu Besuch im Osten und sie berichtete mir nach der Rückkehr: der Freundeskreis habe alle Kontakte untereinander gekappt, weil Willie (und andere??) Stasi-Beschattung entdeckt hatte.
So kommen wir zu den Stasi-Akten und ich empfehle Euch allen, noch einmal gründlichst die Eueren durchzusehen. Bei mit sieht das so aus:
Es wurde umfänglich ermittelt, daß der Republikfluchtverbrecher GH in Gotha freundschaftliche Beziehungen unterhalten hatte zu a); b); c); d); (ich muß nochmal genau nachsehen, wer alles vermerkt war). Jedenfalls wurde Willie mehrfach besonders hervorgehoben und (-Lacher!!!): "Die Person Günter Bart konnte nicht ermittelt werden".
Daß es unseren Freundes-Gesprächs- und Diskussions-Kreis und Fred`s Hütte gegeben hat, haben sie laut meinen Stasi-Akten damals nicht rausgekriegt.