Ber Bau eines Bogens nach der mehrtausendjährigen Tradition der prähistorischen Langbögen gliederte sich, ausgehend von einem vorbereiteten Rohling aus Eschenholz, in folgende Arbeiten, die insgesamt einen bis eineinhalb Tage in Anspruch nahmen:
Spezielle Vorkenntnisse oder Fertigkeiten mussten die SchülerInnen keine mitbringen. Es zeigte sich allerdings, dass den Leuten, die nicht gerade zwei linke Hände haben, die Arbeiten etwas leichter fielen als den anderen. Schlussendlich haben aber alle unsere TeilnehmerInnen erfolreich einen leistungsfähigen und haltbaren Bogen fertigstellen können. Anschliessend an den Bau des Bogens selbst, wurden weitere, für das Schiessen nötige Ausrüstungsgegenstände angefertigt:
Wie bereits mehrere Male zuvor konnten wir als Kursleiter für unsere Bogenbau-Projektwoche Gian-Luca Bernasconi gewinnen. Gianni hat unseren Kurs mit seiner kompetenten, engagierten und gewinnenden Art, mit seinem Können sowie mit grossem Fachwissen - auch in historischen Belangen - wesentlich geprägt. Ganz herzlichen Dank!
Gianni ist seit 2005 professioneller Bogenbauer, Schmied und Kursleiter. Er unterhält an der Gaselstrasse 30 in Schliern bei Köniz die Alte Schmiede, wo er Bogenbau- und Schmiede-Kurse sowie entsprechende Produkte aus eigener Hand anbietet. Entsprechend der Verknüfung seiner beiden Handwerke ist seine Homepage unter www.bogenschmiede.ch zu finden. Dabeben ist er z.B. auch am Kuszentrum Ballenberg und für Strebel Bogenpsport aktiv.
Giannis Kompetenzen beschränken sich jedoch nicht nur auf den Bau von Bögen, sondern auch auf das Schiessen mit denselben. So leitet er seit Jahren an der Universität Bern Bogenschiess-Kurse, und wir durften auch hier von einer guten Anleitung sowie wertvollen Tipps und Tricks profitieren.
Ber Bogenbau fand am Gynmasium Thun (Standort Schadau) statt. Dank schönem Wetter konnten wir die meisten Arbeiten im Freien vor dem Bistro durchführen.
Eines der wichtigsten Arbeitsgeräte, das die SchülerInnen benutzen, waren die Schnitzbänke aus Giannis eigener Produktion. Dieses in seiner Art historische Gerät verbindet eine praktische und unkomplizierte Weise das Werkstück mit Hilfe der Beine festzuklemmen mit einer (mehr oder weniger) bequemen Arbeitshaltung und vor allem freien Händen. Die Bearbeitung des Holzes konnte je nach Zweck und Vorliebe mit Ziehmessern, Raspeln, Feilen und Schleifpapier vorgenommen werden.
Schnitzbank, Modell Gianni
Auswahl an Werkzeugen
Mit Ziehmesser, Raspel und Feile werden zuerst die Kanten der Bogenarme abgerundet. Dies dient dazu, möglichen Spannungen vorzubeugen und damit einen drohenden Bruch zu verhindern. Anschliessend ist der Rohling bereit um mit dem Bodentillern weiterzufahren.
... so sieht ein schön abgerundeter Bogenrücken aus.
Beim Bodentillern wird der Bogenbauch so weit geschwächt, dass es möglich ist zum ersten Mal eine Sehne auf den Bogen zu spannen.
Unterstützung bei der Feinarbeit an der Nocke. Die Nocken am Ende der Bogenarme ermöglichen das Einhängen der Sehne.
Die Auszugslänge des Bogens wird individuell an den Schützen bzw. die Schützin angepasst und mit Hilfe eines Messpfeiles an einem fertigen Bogen ausgemessen.
Als Tillern wird der Vorgang bezeichent, bei dem der Bogen auf der Bauchseite (Seite, die zum Schützen zeigt) nach und nach durch Entfernen von Holz geschwächt wird. Dabei wird der Bogen immer wieder an der Tillerwand ausgezogen, seine Krümmung wird kontrolliert und es wird die bereits erreichte Auszugslänge gemessen. So wird festgestellt, wo die Bogenarme weiter geschwächt werden müssen und wo nicht.
... hier muss noch etwas Holz weg ...
... einige Auszugslängen und Bogengewichte
... ob der Tiller schon passt?
... auch das Aufspannen des Bogens will geübt sein...
... Gianni demonstriert...
... und so sieht ein richtiger Sehnenknoten aus...
... Arbeit am Griffsstück...
... Anbringen des Griffleders...
... Lederstücke für die Pfeilauflage...
Die Sehne haben wir - historisch nicht ganz korrekt - aus einer Dacron-Faser (Nylon) geflochten. Diese ist einfacher zu verarbeiten als traditionelle Materialien wie Hanf- oder Leinen. Zudem wird die Sehne aus Dacron deutlich leichter und haltbarer.
Am einen Ende wird ein flämisch gespleisstes Öhrchen zum Einhängen an der Bogennocke angebracht. Das andere Ende wird gerade gelassen, aber verstärkt, damit dort mit dem Sehnenknoten die Länge flexibel eingestellt werden kann.
Je nach Kraft des Bogens werden mehr oder weniger Fasern für die Sehen verwendet.
Als Erstes werden an den Pfeilen die Nocken angebracht. Dazu spitzt man den Schaft wie einen Bleistift an und klebt die Nocke mit Leim auf.
Gefärbte Truthahnfedern werden auf die gewünschte Form und Grösse zugeschnitten und mit Hilfe eines Befiederungsgerätes auf den Schaft geklebt.
Mit dem Anbringen einer Fadenwicklung am vorderen Ende der Federn ist die Befiederung abgesschlossen.
Jetzt wird der Pfeil auf die benötige Länge zugeschnitten und mit einer Metallspitze versehen.
... und als die ersten Bögen fertig oder fast fertig sind...
... fliegen auch schon die Pfeile.