Dieser Artikel setzt auf den Wikipedia-Artikeln
auf, so dass ich darauf verzichte, das dort beschriebene hier zu wiederholen.
Aktuell sind folgende Formen des Genderns üblich, die allesamt unglücklich/ungünstig sind:
Sichtbarmachung der Geschlechter:
Beidnennung (z. B. "Lehrerinnen und Lehrer"): Durch die fehlende dritte Option (divers) findet eine Benachteiligung bzw. Nicht-Differenzierung der betroffenen Personen statt
Verkürzte Paarform (z. B. "Lehrer/-in"; "Lehrer(in)"; "LehrerIn"): Durch die fehlende dritte Option (divers) findet eine Benachteiligung bzw. Nicht-Differenzierung der betroffenen Personen statt
Mehrgeschlechtliche Schreibweisen (z. B. "Lehrer*in"; "Lehrer:in"; "Lehrer_in"): Hier geht die Spiegelbildlichkeit zwischen geschriebenem und gesprochenem Text verloren: Das Gendersternchen bzw. der Gender-Doppelpunkt oder der Gender-Unterstrich (Gender-Gap) soll ja nicht ausgesprochen, sondern durch eine Gender-Pause ersetzt werden. Aus dem schriftlichen Text lässt sich somit zwar die mündliche Aussprache eindeutig ableiten, umgekehrt jedoch nicht, da die Aussprachen von "Lehrer*in", "Lehrer:in" und "Lehrer_in" identisch sind
geschlechtsanzeigende Adjektive (z. B. "Lehrer (m/w/d)"): Wie wollen wir dies so aussprechen, dass aus dem mündlichen Text wieder der schritliche Text eindeutig abgeleitet werden kann? "Lehrer em we de" oder "Lehrer Klammer auf em we de Klammer zu" oder "Lehrer (Pause) in Klammern em we de (Pause)"?
Neutralisierung der Geschlechter:
geschlechtsneutrale Benennung:
sexusindifferente Personenbezeichnungen (z. B. "Lehrperson"): Im Falle dieses Berufes ist dies eine denkbare Lösung; es gibt allerdings nicht für alle Begriffe solche geschlechtsneutralen Benennungen, und es wirft Fragen zur intuitiven Wortbildung auf (z. B. wollen wir "Maurperson", "Mauerperson" oder "Maurerperson" sagen?)
Sachbezeichnungen (z. B. "Lehrkaft", "Lehrkörper"): Im Falle dieses Berufes ist dies eine denkbare Lösung; es gibt allerdings erstens nicht für alle Begriffe solche geschlechtsneutralen Benennungen, und es wirft Fragen zur intuitiven Wortbildung auf (z. B. "Maurkraft", "Mauerkraft" oder "Maurerkraft"? Bzw. "Maurkörper", "Mauerkörper" oder "Maurerkörper"?) Und zweitens wird bei dieser Benennung der Mensch von der Person zur Sache degradiert.
substantivierte Partizipien oder Adjektive (z. B. "die Lehrenden"): Erstens ist dies nur für den Plural eine Lösung. Im Singular (z. B. "der Lehrende"/"die Lehrende") gibt es wieder die Sichtbarmachung der Geschlechter (s. o.), und dann können wir auch wie gewohnt bei "der Lehrer"/"die Lehrerin" bleiben, und es fehlt außerdem die dritte Option (divers) mit den damit verbundenen Nachteilen. Zweitens ist dies eine Zweckentfremdung des Sprachinstruments: Mit "Lehrenden" sind eigentlich die gemeint, die aktiv gerade (oder zu einem bestimmten Zeitpunkt) etwas lehren - dies müssen außerdem nicht notwendigerweise ausgebildete Lehrkräfte sein, sondern können auch z. B. die Eltern sein, die ihren Kindern etwas beibringen - etwa im Rahmen von Homeschooling -, oder Hochschulpersonal, welches im Hörsal unterrichtet, oder ganz allgemein jemand, der jemandem etwas beibringt.
geschlechtsneutrale Umformulierung (z. B. "alle, die unterrichten,"): Erstens ist dies ebenfalls nur für den Plural eine Lösung (wie bei den substantivierten Partizipien oder Adjektiven, s. o.) Im Singular (z. B. "der, der unterrichtet"/"die, die unterrichtet") gibt es wieder die Sichtbarmachung der Geschlechter (s. o.), und dann können wir auch wie gewohnt bei "der Lehrer"/"die Lehrerin" bleiben, und es fehlt außerdem die dritte Option (divers) mit den damit verbundenen Nachteilen. Zweitens wird durch die Bildung von Nebensätzen der Satzbau verkompliziert.
Im Artikel Movierung wird beschrieben, dass bzw. wie aus männlichen Begriffen weibliche Begriffe abgeleitet werden (z. B. "Lehrer" -> "Lehrerin") oder umgekehrt aus weiblichen männliche (z. B. "Hexe" -> "Hexer").
Allerdings fehlt hier die dritte Option (divers).
Ich schlage daher vor, dass wir bei Begriffen, die aktuell geschlechtsspezifische Movierungen haben (z. B. "der Lehrer" -> "die Lehrerin" bzw. "die Hexe" -> "der Hexer") folgendes tun:
Wenn die Grundform männlich ist: Schaffung eine Movierung für "explizit männlich", z. B. Singular "der Lehrerich" bzw. Plural "die Lehreriche" (in Anlehnung an "die Ente" -> "der Enterich" bzw. "die Gans" -> "der Gänserich")
Wenn die Grundform weiblich ist: Schaffung einer neuen bzw. Nutzung der bereits vorhandenen Movierung für "explizit weiblich", z. B. Singular "die Hexerin" bzw. Plural "die Hexerinnen"
Schaffung einer Movierung für "explizit divers", z. B. Singular "das Lehreron" bzw. "das Hexeron" bzw. Plural "die Lehreronnen" bzw. "die Hexeronnen"
Schaffung einer zulässigen Nutzbarkeit der Grundform mit sächlichem Artikel, z. B. "das Lehrer" bzw. "das Hexe", welches eine geschlechtsindifferente bzw. -übergreifende Bedeutung hat; steht nicht explizit für die dritte Option (divers), diese hat ja ihre eigene Movierung, s. o.
Da nun explizit männliche, explizit weibliche und explizit diverse Movierungen existieren, sowohl im Singular als auch im Plural, insinuiert die Grundform im Plural (z. B. "die Lehrer" bzw. "die Hexen") nun nicht mehr implizit "die (überwiegend bis ausschließlich männlichen) Lehrer" bzw. "die (überwiegend bis ausschließlich weiblichen) Hexen", sondern stellt eine geschlechtsindifferente Form dar (denn wollte man zum Ausdruck bringen, dass es sich um explizit männliche Lehrer handelt, könnte man ja "Lehreriche" verwenden)
Durch diese Änderungen wird
An die dritte Option (divers) gedacht, sowohl im Singular (z. B. "das Lehreron" bzw. "das Hexeron") als auch im Plural (z. B. "die Lehreronnen" bzw. "die Hexeronnen")
Können die seit Jahrhunderten eingebürgerten Begriffe im Plural (z. B. "die Lehrer", "die Hexen") ohne schlechtes Gewissen weiter verwendet werden, da sie nun geschlechtsindifferent sind. Die frühere geschlechtsspezifische Insinuierung (z. B. "die Lehrer" = "die Lehreriche" bzw. "die Hexen" = "die Hexerinnen") entfällt, da es ja nun für alle drei Geschlechter explizit geschlechtsspezifische Movierungen gibt.
Die seit Jahrhunderten eingebürgerten Begriffe im Singular (z. B. "der Lehrer", "die Hexe") sind nun durch ihren jeweiligen Artikel als "alter Sprachgebrauch" zu erkennen und meinen nach wie vor - je nach Kontext - entweder geschlechtsspezifisch "der Lehrerich" bzw. "die Hexerin" oder aber geschlechtsindifferent "das Lehrer" bzw. "das Hexe". Diese Begriffe sollten für neu entstehende Texte nicht mehr verwendet werden, da aufgrund von Doppeldeutigkeiten hier geschlechtsspezifische Präferenzen gegeben sind.
Gegenüberstellung alter und neuer Sprachgebrauch:
alter Sprachgebrauch:
explizit männlich:
Singular "der Herr Lehrer", "der Hexer"
Plural "die Herren Lehrer", "die Hexer"
explizit weiblich
Singular "die Lehrerin", "die Frau Hexe"
Plural "die Lehrerinnen", "die Damen Hexen"
explizit divers:
Singular "der Lehrer (d)", "die Hexe (d)" - unüblich und jeweils erklärungsbedürftig mit Fußnoten oder zentralen Einleitungen
Plural "die Lehrer (d)", "die Hexen (d)" - unüblich und jeweils erklärungsbedürftig mit Fußnoten oder zentralen Einleitungen
geschlechtsindifferent:
Singular "der Lehrer", "die Hexe" - kann jedoch - je nach Kontext - "der Herr Lehrer" bzw. "die Frau Hexe" insinuieren, da es noch kein "der Lehrerich"/"das Lehreron" bzw. "die Hexerin"/"das Hexeron" gibt
Plural "die Lehrer", "die Hexen" - kann jedoch - je nach Kontext - "die Herren Lehrer" bzw. "die Damen Hexen" insinuieren, da es noch kein "die Lehreriche"/"die Lehreronnen" bzw. "die Hexerinnen"/"die Hexeronnen" gibt
neuer Sprachgebrauch:
explizit männlich:
Singular "der Lehrerich", "der Hexer"
Plural "die Lehreriche", "die Hexer"
explizit weiblich:
Singular "die Lehrerin", "die Hexerin"
Plural "die Lehrerinnen", "die Hexerinnen"
explizit divers:
Singular "das Lehreron", "das Hexeron"
Plural "die Lehreronnen", "die Hexeronnen"
geschlechtsindifferent:
Singular "das Lehrer", "das Hexe"
Plural "die Lehrer", "die Hexen"