27.05. - 30.05.2026
Ústí nad Labem
Moderation: Veronika Ruthner Jičínská
28.5.2026, 18 Uhr, Kaisersaal, Regionalmuseum der Stadt Ústí nad Labem
Anknüpfend an den Plenarvortrag Digitale Kreuzwege des Lesens: Ästhetik, Interface und literarische Kompetenz von Zdeněk Pecka findet vor dem feierlichen Empfang, ebenfalls im Stadtmuseum, eine Podiumsdiskussion zum Wandel der Literaturkritik im digitalen Zeitalter statt.
Eingeleitet wird die Diskussion mit dem Kurzvortrag Literaturkritik online – ein Streifzug durch Booktok, Booktube und Bookstagram von Annabelle Jänchen (UJEP/Bayreuth), in dem ein Einblick in diesen von der Wissenschaft bisher wenig wahrgenommenen Bereich der Literaturkritik geboten wird.
Die folgende Podiumsdiskussion, zu der die renommierten österreichischen Literaturkritiker:innen Daniela Strigl (Universität Wien) und Clemens Ruthner (Trinity College Dublin/Universität Wien) sowie der Betreiber des erfolgreichen Instagram-Kanals @literatur_kanon Florian Lorenzen (Berlin) eingeladen wurden, repräsentiert unterschiedliche Generationen der Literaturkritik und zeichnet somit ein differenziertes Bild ihres Strukturwandels.
Die massive Digitalisierung und Archivierung von Textkorpora, neue literarische Formen und Genres (E-Mail-Roman oder Thread-Fiction) sowie neue technologische Entwicklungen (z.B. die Verbindung von Text mit Sound oder Video) bringen tiefgreifende ästhetische Fragen mit sich. Wie verändern diese Phänomene unser ästhetisches Empfinden und die Maßstäbe der literarischen Bewertung? Ein zentrales Thema der Podiumsdiskussion wird das Spannungsfeld zwischen den traditionellen Gatekeepern (wie DIE ZEIT, Der Standard oder der ORF) und den dynamischen, bildgewaltigen und algorithmengetriebenen Kurzformaten auf Instagram und TikTok sein. Während die ‚klassischen‘ Medien für Gründlichkeit und Expertise stehen, bieten die sozialen Plattformen unmittelbare Reichweite und Interaktion. Stehen wir somit am Beginn einer fruchtbaren Demokratisierung des Diskurses, in der jeder Leser zum Kritiker werden kann, oder führt der kritische Umgang in kurzen Videoblogs und Kommentarsektionen zwangsläufig zur Trivialisierung der Literaturvermittlung, bei der Nuancen und Komplexität verloren gehen?
Literaturwissenschaftlerin und Publizistin, derzeit Doktorandin an der UJEP in Ústí nad Labem und der Universität Bayreuth (Cotutelle). In ihrem Podcast „Jerne jelesen“ bespricht sie gemeinsam mit der Bloggerin Juliane Noßack Klassiker, Gegenwartsliteratur und die moderne Literaturszene. Sie interessiert sich für Interkulturalität mit Ost- und Zentraleuropa-Bezug sowie für Grenzüberschreitungen und die Poetik der Grenze in der Gegenwartsliteratur.
Der Kopf hinter dem erfolgreichen Instagram-Kanal @literatur_kanon, verkörpert die neue Generation von Literaturvermittlern. Er demonstriert, wie visuelle Ästhetik und komprimierte, zugängliche Inhalte ein junges, breites Publikum für Literatur begeistern können. Seine Präsenz verdeutlicht die Notwendigkeit, Kritik als Teil der Content Creation zu verstehen.
Ein renommierter österreichischer Literatur- und Kulturwissenschaftler, der vor allem für seine Arbeiten zur Habsburgermonarchie und zur Theorie der Monstrosität bekannt ist. Er lehrt derzeit als Associate Professor für Germanistik und European Studies am Trinity College Dublin in Irland. Als erfahrener Rezensent für den ORF, Publizist, Essayist und Blogger repräsentiert er die etablierte mediale Vermittlung und kann die Verschiebung von Radio und Fernsehen hin zu Online-Formaten einordnen.
Eine der profiliertesten Literaturkritikerinnen Österreichs, steht für die Tiefe und analytische Schärfe der klassischen Kritik. Derzeit ist sie als Privatdozentin für Neuere deutsche Literatur am Institut für Germanistik der Universität Wien tätig. Ihr Fokus liegt auf der österreichischen Literatur des 19. bis 21. Jahrhunderts (u. a. Marie von Ebner-Eschenbach, Marlen Haushofer und Ingeborg Bachmann). Als Literaturkritikerin beleuchtet ihre Perspektive die Herausforderungen, denen sich das gedruckte Leitmedium gegen die Flüchtigkeit des Digitalen stellen muss.