Meine Geschichte - Vom Kinderspielplatz zum Kraftplatz!
Schon als kleines Kind habe ich mit meinem Nachbarn bei diesem alten Backhaus gespielt.
Wir sind herumgesprungen und haben Stunden auf der Kuppel des alten Backofens verbracht und im Lehm gebuddelt.
Wir wurden älter und haben uns vom alten Brotbackhaus entfernt. Doch irgendwie hat mich dieses Häuschen, das neben unserem Vierkanter vor über 200 Jahren erbaut wurde immer wieder angezogen. Die letzte, die in diesem Häuschen gebacken hat, war mein Lebensmensch, meine Oma. Über 50 Jahre ist es her, dass darin Brot gebacken wurde.
Brot wurde auf unserem Hof immer gebacken, doch von da an nur noch ab und zu im E- Herd, da wie meine Oma immer erzählte, die Bäcker gekommen waren. Trotzdem habe ich durch das Erlernen des Backens für den Hausgebrauch meine Liebe zum Handwerk des Kochens und Backens gewonnen.
In der Ausbildungszeit konnte ich zum Thema viel Erfahrung sammeln und in der Arbeit durfte ich mich weiterbilden und viele Spezialisten zum Thema kennen lernen. Und immer wieder, hat es mich zum Häuschen hinuntergezogen. Vor allem auch in der Zeit, nachdem meine Oma 2013 verstorben war.
Ich hatte das Glück, Menschen kennen zu lernen, die mich ermutigt und unterstützt haben, das Brotbacken im Backhaus zu probieren. Sie haben geholfen es zu renovieren und das Backen auszuprobieren und immer mehr spürte ich, dass das meine Leidenschaft ist.
Ich spürte, dass das Arbeiten an diesem Platz, das Feuer, das sowohl im Ofen, als auch in mir entfachte, immer stärker wurde und mir Kraft und Ruhe zugleich gab.
Während Corona war dieses Häuschen nicht nur ein Brotbackhaus. Nein, es wurde ein Platz für Freunde, die sich beim Brot abholen in der Natur trafen, sich austauschen konnten, redeten, lachten, wieder ein bisschen normal zu leben versuchten und Mensch zu sein.
Ich backte immer öfter und durfte 2023 den Brotkaiser gewinnen. Somit konnte ich endlich meine Angst überwinden und mir meinen Traum erfüllen, der Anstoß, das Backhaus zu renovieren, meinen eigenen Direktvermarktungsraum zu gestalten und einen Liefervertrag mit einer regionalen Mühle, die meinen eigens angebauten Weizen und Roggen vermahlt, abzuschließen.
Mittlerweile liefere ich jede Woche Brot zum regionalen Markt und bediene meine Stammkunden. Und es gibt nach wie vor keine schönere Aufgabe, Arbeit und Arbeitsstätte.
Und jedes Mal, wenn ich den Ofen anheize, komme ich ins Staunen, ich stehe vor dem Ofen und er gibt mir so viel Wärme und Ruhe und er ist der Boss. Er gibt mir Zeit und befreit mich von Stress, denn er braucht drei Stunden um die volle Speicherwärme fürs Brotbacken entwickeln zu können.
Ich knete den Teig, mit meinem Getreide (Mehl), das ich im Sommer mit so viel Ehrfurcht ernte und jedes Mal staunend und voller Zufriedenheit vor dem Drescher stehe, wenn die Körner, das Gold, in meinen Kipper entleert werden.
Es steckt der Honig von meinem Cousin drinnen, die Erdäpfel die ich von meinem Acker ernte, das Schmalz, das ich von meinem eigens gefüttert und geschlachteten Schweinen zubereitet habe, die Buttermilch von den Bauern der Region und vieles mehr.
Und wenn dann der Ofen aufgeheizt ist, alles vorbereitet ist, der Teig von Hand gewirkt und gestreichelt wurde…. dann kommt der Moment der Freude, das Gespür in mir, das Brot einschießen zu können. Und ich rede mit dem Ofen, fühle hinein und weiß genau, jetzt geht es los oder auch noch nicht.
Wenn das Brot im Ofen ist, schließe ich das Türl, lege meine Hand darauf, sag: „Oma, bitte hilf, mir, das es gut wird!“, in Gottes Namen.
Und meistens wird es perfekt, manchmal auch ein bisschen zu hell, manchmal ein bisschen zu „resch“. Doch ist es für meine Familie, Freunde und Bekannte immer perfekt.
Alle freuen sich, wenn sie kommen können, das Brot zu holen, zu tratschen, zu lachen und dieser Duft, „Maaahhhh, Regina, es riecht soo gut!“ und alle gehen mit einem Lächeln nach Hause und freuen sich auf die gemeinsame Jause und den Genuss, voller Dankbarkeit.
Ja, es ist Tatsache, ich backe Brot. Doch da ist mehr, die Zutaten, der Ofen, das Holz, das Wetter, der Mond…. alles spielt zusammen und meine ganze Liebe die ich hineinstecke.
Ich mache diese so unglaublich schöne Arbeit, ich backe Brot und es verbirgt ein Geheimnis: Es verbindet, macht andere glücklich, lässt uns genießen. Die Leute sagen mir, deine Liebe und Leidenschaft spürt man in diesem Brot und genau so soll ein Brot schmecken…. das alles… ist ein Geheimnis, lässt aus dem Wirklichen so Erstaunliches wachsen.
Es ist immer wieder die Einsicht, gerade, wenn man so stark in der Landwirtschaft verwurzelt ist, dass es zwar vieles an Tatsachen und Wirklichkeiten gibt, aber immer ein unglaubliches Geheimnis und Staunen verbirgt und uns auch näher zu Gott bringt und uns mit ihm verbindet. So wie mein Backhaus/ Brot mich mit meiner Oma, meinen Vorfahren, die beschwerlich dieses Haus aus Steinen und Lehm erbaut haben, den Menschen die das Brot genießen und der inneren Zufriedenheit und Einklang mit Gott und mir selber, verbindet.
Staunen und ganz einfache Dinge als Geheimnis sehen zu können, denn das macht das Leben lebenswert, erfüllbar, zufriedener und lässt uns menschlich sein.
Ein Stück Brot birgt all das.
BROT IST LEBEN.
BROT VERBINDET UND GIBT KRAFT.
BROT MACHT GLÜCKLICH.
Wirklichkeit oder Erstaunlich?
Tatsache oder verbirgt es unzählige Geheimnisse?