Im November 2025 trafen sich Forschende der Universitäten Sevilla, Münster und Genua zum ersten Mal persönlich in Sevilla, um ihr kürzlich bewilligtes Seed-Fund-Projekt zu starten, welches durch das Ulysseus-Konsortium finanziert wird. Dieses Kick-off-Meeting war von entscheidender Bedeutung für den Zusammenhalt der Gruppe, da es die klare Definition kurz- und mittelfristiger Ziele sowie die Festlegung konkreter Fristen (Deadlines) für alle laufenden Aktivitäten ermöglichte. Nach diesem erfolgreichen ersten Treffen wurden die gemeinsamen Anstrengungen intensiviert, um das grundlegende Fundament für die anstehenden internationalen Kooperationen des Projekts zu legen.
Ein Feldaufenthalt im grenznahen Stadtpark „La Corchuela“ (Parque Periurbano La Corchuela) bot dem internationalen Team einen essenziellen ökologischen Kontext zu den Besonderheiten und Managementherausforderungen mediterraner, seminatürlicher Systeme. Während des Besuchs untersuchten die Forschenden die spezifischen Anpassungen der lokalen Biota an die ausgeprägten saisonalen Kontraste des mediterranen Klimas, in dem Ökosysteme mit intensiven Sommerdürren und variablen Winterniederschlägen umgehen müssen. Die Beobachtungen vor Ort lieferten eine wertvolle praktische Grundlage für die Koordination standardisierter Probenahmeprotokolle und technischer Analysen, die das Team entlang verschiedener urbaner und periurbaner Gradienten durchführen wird.
Im Verlaufe des Treffens arbeiteten die Teilnehmenden intensiv daran, ihre jeweiligen Forschungsschwerpunkte aufeinander abzustimmen und dabei Bodenökologie, Vegetationsdynamik und Biodiversitätsschutz miteinander zu verknüpfen. Durch die Klärung der unmittelbar bevorstehenden Meilensteine und der Aufgabenverteilung konnte das Seminar den operativen Rahmen des Konsortiums erfolgreich konsolidieren.
Damit hat das Refuge-Projekt seine Reise auf einem stark kollaborativen Weg begonnen, mit dem Ziel, neue Erkenntnisse über urbane und periurbane Lebensräume als ökologische Refugien zu gewinnen und solide, interdisziplinäre Strategien für den Umweltschutz innerhalb des Ulysseus-Netzwerks zu entwickeln.
Im April 2026 feierte das Refuge-Projekt einen wichtigen Meilenstein im Rahmen seiner Citizen-Science-Agenda durch die Organisation eines Bioblitzes in Sevilla. Ein Bioblitz ist eine intensive, gemeinschaftliche Aktion zur biologischen Bestandsaufnahme, bei der Bürgerinnen und Bürger, Studierende und Forschende zusammenarbeiten, um innerhalb eines festgelegten Gebiets und Zeitraums so viele lebende Arten wie möglich zu entdecken und zu dokumentieren. Diese Initiative zielte darauf ab, die Brücke zwischen akademischer Forschung und der lokalen Gemeinschaft zu schlagen und die Öffentlichkeit aktiv in das Monitoring der urbanen Biodiversität sowie in das Bewusstsein für Klimaresistenz einzubinden.
Die Veranstaltung fand in einer einzigartigen, seminatürlichen Umgebung statt: dem Campus der Universität Pablo de Olavide. Dieser Standort bot den idealen Rahmen für die Untersuchung mediterraner, seminatürlicher Systeme und urbaner Randbereiche, die durch eine vielfältige Mischung aus offenen Flächen, einheimischer Vegetation und Übergangshabitaten gekennzeichnet sind. Der Bioblitz war ein herausragender Erfolg und zog eine engagierte Gruppe von über 300 Teilnehmenden an. Durch diesen gemeinsamen Einsatz wurden insgesamt beachtliche 604 biologische Beobachtungen registriert, wodurch mehr als 300 verschiedene Flora- und Faunaarten auf dem Campusgelände erfolgreich dokumentiert werden konnten.
Um das Refuge-Projekt in der Öffentlichkeit bekannt zu machen und das Bewusstsein dafür zu schärfen, verteilte das Team eigens im Siebdruckverfahren bedruckte T-Shirts sowie einen neu gestalteten Informationsflyer. Dieses Informationsmaterial erwies sich als entscheidend, um den größeren Kontext des Projekts zu vermitteln. Dabei wurde erläutert, wie urbane und periurbane Wälder als lebenswichtige ökologische Refugien fungieren, und die langfristigen Naturschutzziele unseres internationalen Netzwerks aufgezeigt.
Damit stärkt das Refuge-Projekt weiterhin seine Verankerung in der Gemeinschaft und beweist, dass Bürgerwissenschaft nicht nur ein leistungsstarkes Werkzeug für die großflächige Datenerhebung ist, sondern auch ein essenzieller Rahmen, um die städtische Gesellschaft mit dem Schutz der lokalen Biodiversität zu verbinden.
Im Mai 2026 trafen sich Wissenschaftler*innen der Universitäten Sevilla, Genua, Münster und Bielefeld zum zweiten Mal persönlich - diesmal in Münster - um die Fortschritte des Refuge-Projekts zu besprechen und neue Forschungsideen zu entwickeln. Nach dem erfolgreichen Auftakt des Ulysseus-Konsortiums im November 2025 in Sevilla wurden die gemeinsamen Aktivitäten fortgeführt. Im Anschluss an die Bioblitz-Aktion in Sevilla, einer Citizen-Science-Aktivität, bei der mehr als 300 Bürger:inenn und Schüler:innen aktiv in die Forschung einbezogen wurden, ist eine weitere Aktion Ende Juni in Münster geplant. Das Besondere in Münster: Masterstudierende der Landschaftsökologie führen diese Aktion durch - unter Leitung von Nadja Pernat. Bereits in der Vorbereitungsphase begeisterte eine Video-Botschaft aus Genua von Paolo Giordani, dem Flechtenspezialisten des Teams, die Studierenden in Münster.
Ein besonderes Highlight des Meetings war die Exkursion durch urbane und peri-urbane Wälder im Stadtgebiet Münster, die den internationalen Expert*innen einen Einblick in standortökologische Eigenschaften temperater Eichenwälder bot. Die Bodenökologin im Team, Ute Hamer, erklärte insbesondere an welche Anforderungen Organismen angepasst sein müssen, die an Standorten mit Stauwassereinfluss leben. Hier können die Böden im Sommer extrem trocken sein, im Winter dagegen sehr feucht und sauerstoffarm. Passend dazu zeigte Lorenz Ruhl erste Ergebnisse seiner Masterarbeit über Asseln und Tausendfüßler, also Tiergruppen, die besonders eng an die Bedingungen des Bodens gebunden sind. Nach der Freilandaktivität wurde in den nächsten zwei Tage intensiv an einem Review Artikel gearbeitet und gemeinsam Ideen für ein weiteres Forschungsprojekt entwickelt.
Das Refuge Projekt bleibt somit auf einem spannenden Weg, neue Erkenntnisse über urbane und peri-urbane Wälder als Rückzugsorte für zahlreiche Organismen zu gewinnen und innovative Strategien für deren Schutz und Förderung zu entwickeln.