08.05.2026 Sarah Nussbächer
Tausende Küken fristen ihr trauriges Leben in Massentierhaltung
Die Diskussion über Fleischkonsum, bzw. Vegetarismus und Veganismus war schon immer ein hochbrisantes Thema und deshalb wundert es mich ehrlich gesagt auch nicht, solche Aussagen schon öfter an unserer Schule gehört zu haben.
Allerdings hat sich das ganze Thema in letzter Zeit immer mehr hochgeschaukelt (nicht nur politisch, sondern auch in den sozialen Medien, siehe z.B. die militante Veganerin) und weil mich persönlich interessiert, was eigentlich genau hinter dem ganzen „Hass“ und den hitzigen Diskussionen steckt, habe ich mich ein bisschen dazu schlau gemacht. Wenn du also auch wissen möchtest, warum Fleischkonsument:innen oft so allergisch auf Vegetarier:innen und Veganer:innen reagieren, welche persönlichen Erfahrungen ich damit gemacht habe und wie andere Schüler:innen an unserer Schule das sehen, bist du hier genau richtig!
„Outet“ man sich als Vegetarier:in oder Veganer:in, bekommt man oft sofort einen Stempel aufgedrückt. Natürlich nicht von allen, ich will hier jetzt nichts verallgemeinern, aber mehr Schüler:innen als man denkt, tun das auf jeden Fall. Obwohl man noch nichts von seinen möglichen Beweggründen preisgegeben hat, gehört einem schon das Label des „Spaßverderbers“ und des „komischen, übertriebenen und nervigen Ökokinds“.
Diese ganzen Bezeichnungen, bzw. ich nenne es jetzt einfach mal Beleidigungen, (weil es das ja im Grunde auch ist), werden so gut wie jedes Mal „verharmlost“.
„Das war doch nur Spaß, wir mögen dich doch eigentlich“, heißt es dann. Und natürlich gibt es schlimmere Aussagen als diese und die meisten Leute wird es wahrscheinlich auch nicht tiefgehender treffen, allerdings nimmt nicht jeder das auf die leichte Schulter. Was man auf jeden Fall sagen kann, ist, dass solche Bemerkungen auf Dauer schon echt nerven können.
Dazu habe ich auch zwei Schülerinnen aus meiner Klasse befragt und die haben mir erzählt, dass sie oft gar keine Lust mehr haben, mit diesen Personen über Fleischkonsum zu sprechen, weil man sich immer nur blöde Sprüche anhören muss, die einfach nur noch nerven.
Aber bei Bemerkungen/Beleidigungen alleine bleibt es nicht. Die eine von beiden, mit denen ich geredet habe, hat einmal offen in der Klasse ihre Meinung über Fleischkonsum geäußert und bekommt seitdem immer wieder von anderen Schülerinnen Fleischwitze über TikTok und Instagram zugeschickt. Sie rollt einfach nur noch die Augen darüber.
,,Lustiges" Meme
Aber um nicht immer nur die eine Seite zu beleuchten, kommen wir jetzt mal zu der Frage: Warum reagieren Menschen eigentlich so allergisch auf Vegetarier:innen und Veganer:innen? Gibt es dafür eine Erklärung oder sind die Leute, die solche Aussagen treffen, einfach nur blöd und haben nicht darüber nachgedacht, was sie da von sich geben? Spoiler: Natürlich nicht!!!
Zuallererst kann man sagen, dass Diskussionen über Ernährung allgemein schon immer eher emotional statt rational waren, da wir zum einen Essen mit guten Gefühlen – und damit Emotionen – assoziieren und zum anderen Ernährung eng mit der Persönlichkeit eines Menschen verknüpft ist. Das heißt, wenn deine Ernährungsweise kritisiert wird, fühlst du dich oft gleich als ganze Person angegriffen und reagierst dann auch dementsprechend.
Außerdem wird Fleisch nicht selten als Statussymbol für Macht, soziale Zugehörigkeit und Wohlstand gesehen. Wenn also ein/e Vegetarier:in oder Veganer:in daherkommt und allein schon durch seine/ihre Aussage „Ich bin Veganer:in“ sagt: „Ich esse kein Fleisch, weil ich das nicht richtig finde“, fühlt man sich sofort moralisiert und angegriffen. Und man hat das Gefühl, der eigene Status wird bedroht.
Ein weiterer entscheidender Punkt, warum Fleischesser:innen oft gereizt auf Vegetarier:innen und Veganer:innen regieren, ist das „Meat – Paradox“.
Laut dem Ernährungspsychologen Christoph Klotter bezeichnet der Begriff „Meat – Paradox“ den Widerspruch in der persönlichen Moral der Fleischkonsument:innen, die auf der einen Seite von sich selbst behaupten tierlieb zu sein und keine Tiere leiden sehen zu wollen, auf der anderen Seite aber dann doch lieber zum Steak greifen als zu einer fleischlosen Alternative.
Mit diesem inneren Widerspruch zu leben, funktioniert deshalb so erfolgreich, weil das menschliche Gehirn extrem gut darin ist, unangenehme und störende Dinge auszublenden bzw. zu verdrängen. Doch wenn man jetzt mit vegetarischer oder sogar veganer Ernährung konfrontiert wird, dann klappt dieses Verdrängen nicht mehr. Unser Gehirn reagiert mit Stress und auf diesen folgt meistens eine trotzige Abwehrreaktion, die sich oft in Form von Ablehnung oder Verspottung gegenüber dem/der Vegetarier:in oder Veganer:in äußert.
Zusammenfassend würde ich sagen, dass diese ganze Ablehnung gegen fleischlose Ernährung kein schulinternes, sondern eher gesellschaftliches Problem bzw. Phänomen ist, was sich durchaus vermeiden lassen würde.
Allerdings muss fairerweise an dieser Stelle erwähnt werden, dass viele Vegetarier:innen und Veganer:innen die Abwehrreaktionen der Fleischesser:innen durch Belehrungen und Moralisierungen oft verstärken. Denn wenn wir alle ganz ehrlich sind: Niemand möchte gerne ins Gesicht gesagt bekommen, dass man ein schlechter Mensch ist, oder?
Deshalb denke ich, weniger Vorurteile und mehr Respekt im Umgang mit Mitschüler:innen und Lehrer:innen könnten schon ein kleiner Schritt in Richtung Verbesserung sein. Vor allem an unserer Schule, die offiziell für Toleranz und Solidarität steht.
Quellen:
https://taz.de/Psychologie-der-Vegan-Wut/!5663922/
https://www.heute.at/s/laut-studie-darum-sind-veganer-so-verhasst-120102615