Der Kunstraum Mitte 37 ist ein lebendiger Ort für zeitgenössische Kunst, kulturellen Austausch und temporäres Wohnen im kreativen Umfeld. Ausgehend vom Atelier der Künstlerin Susanne Schumacher entsteht hier ein hybrider Raum, der Ausstellungspraxis, künstlerische Produktion, Residenzformate und nachbarschaftliche Kulturarbeit miteinander verbindet.
Der Kunstraum versteht sich als offenes Forum für aktuelle künstlerische Positionen, das jenseits des kommerziellen Galeriebetriebs arbeitet und bewusst die Nähe zwischen Kunstschaffenden, Publikum und Gästen sucht. Präsentiert werden Arbeiten aus Malerei, Fotografie, Zeichnung, Objektkunst, Installation, Video und experimentellen Medien. Kommunikation, Austausch und gemeinsames Erleben bilden das Zentrum des Programms.
Formate im Kunstraum:
TIMEPICTURE
Susanne Schumacher zeigt Samstag, 9.5.26 und Sonntag, 10.5.26, jeweils 12 bis 18 Uhr im Offenen Atelier ihre Ausstellung 2026 unter dem Titel „Light & Shadow I Licht und Schatten" bis zum 31.5.26
EXPANDED FIELD I CHICAGO - THE OCEAN BETWEEN
Start 6.6.26 um 17 Uhr - 21 Uhr bis
25.6.26 um 17:30 Uhr bis 21:00 Uhr - Zeitgenössische Positionen aus Chicago
EXPANDED FIELD II - THE TREE
Start 6.9.26 ab 12 Uhr - Ausstellung bis 04.10.26
37 * HAVE A LOOK
Zum 1. Advent werden 37 internationale Positionen gezeigt. Start 27.11.2026 ab 17:00 Uhr
SAMMLUNG SCHUMACHER I DONATION
Zum Jahresbeginn 2027 ein offenes Format für Kunst, Netzwerk, Gespräch.
Vorgestellt werden Neuzugänge - Die Sharon Silverman Schenkung aus Boston, Massachusetts (USA)
FRESH MOVES
Ein regionales Format im März für Kunstschaffende, Begegnung und Kreativität. Verbunden mit der Auszeichnung "Golden Ivy" für Werke, die wachsen, verbinden und bestehen. Start 14.3.27 um 12:00 Uhr
Zeitgenössische Positionen aus Chicago in Burgdorf:
„EXPANDED FIELD I migrating the colour fields“ im Kunstraum MITTE37“
Vom 6. bis 25. Juni 2026 präsentiert der neue Kunstraum MITTE37 in Burgdorf die Ausstellung „EXPANDED FIELD I migrating the colour fields“ und zeigt damit erstmals zwölf zeitgenössische Positionen aus Chicago gemeinsam in Deutschland. Die Schau eröffnet einen transatlantischen Resonanzraum, in dem Kunstschaffende aus Malerei, Performance, Tanz, Musik und Film ihre Arbeiten vorstellen und in direkten Austausch mit dem Publikum treten. Die Ausstellung ist Teil des internationalen Kunstsymposiums THE OCEAN BETWEEN, das seit 2016 von der in Chicago und Hannover wirkenden Künstlerin und Kuratorin Marianna Buchwald geleitet wird. Buchwald versteht den Ozean nicht als trennende Linie, sondern als lebendigen Zwischenraum, in dem künstlerische Energien, kulturelle Erfahrungen und ästhetische Impulse frei zirkulieren.
Aus diesem Netzwerk heraus entstanden in den vergangenen Jahren zahlreiche Kooperationen zwischen Chicago und der Region Hannover – und schließlich auch der Kontakt nach Burgdorf. Zu den beteiligten Künstlerinnen gehören Amy Hanks, Daniela Castro, Juan Enrique Roque Irizarry Jr., Judith Meyer, Kao Ra Zen, Kathryn Hempel, Kevin B. Chatham, Lori Kaplan, Marianna Buchwald, Sarah W. Holmes und Takako – alle aus Chicago – sowie Beate Axmann aus dem Schwarzwald. Ihre Arbeiten wurzeln in der experimentellen Tradition Chicagos, einer Stadt, in der Jazz, Improvisation, Bauhaus-Einflüsse, Performance Art und unabhängige Off-Spaces ein Klima geschaffen haben, das kreative Kühnheit und interdisziplinäre Offenheit selbstverständlich macht.
Die Werke bewegen sich zwischen Performance, Film, Installation, Malerei, Poesie und Bewegungskunst und erweitern das Feld der Wahrnehmung – ein expanded field, das sich in Burgdorf neu entfaltet. Der Untertitel „migrating the colour fields“ verweist auf wandernde Farbräume, verschobene Perspektiven und fluide Übergänge zwischen Körper, Raum und Bild. Farbe erscheint hier nicht als Fläche, sondern als bewegliche Energie, die sich zwischen Kulturen, Medien und Menschen ausbreitet.
Ein besonderer Fokus liegt auf dem Erfahrungsaustausch. Aufgrund aktueller Reise- und Zollbedingungen wird eine kuratierte Auswahl der Werke gezeigt, dafür stehen die Künstlerinnen selbst im Mittelpunkt. Am 6. Juni finden in der Mittelstraße 37 drei Kunstgespräche statt, in denen das Symposium und die verbindende Idee des Austauschs vorgestellt werden. Dabei wird auch die Frage beleuchtet, welche Erfahrungen deutsche Künstlerinnen machen, wenn sie in den USA ausstellen. Hierzu berichtet unter anderem die im Schwarzwald arbeitende Künstlerin Beate Axmann, die nach mehreren Arbeitsaufenthalten in Chicago und mehreren Einzelausstellungen in Chicago seit Jahren Teil des Austauschs ist.
Beate Axmann zeigt in Burgdorf Arbeiten auf Papier, die während ihrer Zeit in Chicago entstanden sind – Werke, die urbane Energie, kulturelle Vielfalt und persönliche Begegnungen reflektieren und exemplarisch für die Kraft des Unterwegsseins stehen: für das Finden, Verlieren und Wiederentdecken von Sichtweisen, die uns verändern. Die Ausstellung macht sichtbar, wie Kunst Brücken schlägt – zwischen Chicago und Burgdorf, zwischen Atelier und Straße, zwischen persönlicher Erfahrung und gesellschaftlicher Beobachtung.
In MITTE37 entsteht so ein Ort, an dem der Ozean zwischen zwei Kulturräumen zu einem offenen Feld wird, das sich ständig erweitert, wie Lars Schumacher betont, der durch diesen Kontakt bereits in Chicago arbeiten und ausstellen konnte und hier die freundschaftlichen Beziehungen pflegt. Kunstraum-Initiatorin und Künstlerin Susanne Schumacher, die seit vielen Jahren international ausstellt und als kulturelle Vermittlerin tätig ist, freut sich darauf, mit MITTE37 das kulturelle Angebot der Stadt zu erweitern und künftig regelmäßig internationale Kunstschaffende aus verschiedenen Netzwerken nach Burgdorf einzuladen.
Die Finissage am 25. Juni 2026 ist bewusst als kulturelle Begegnung gestaltet. Ab 17:30 Uhr besteht die Möglichkeit, weitere Künstlerinnen aus Chicago persönlich kennenzulernen. Die Filmpräsentation der Chicago Film Group 312 mit dem Titel „dislocation“ von Richard Syska & Kevin B. Chatham sowie zwei Kunstgespräche runden den finalen Abend ab. Die Gruppe 312 gilt als „Chicago’s most innovative Video Collective“ – die Besucher*innen dürfen also gespannt sein. Anschließend klingt der Tag mit einem Besuch des traditionellen Zapfenstreichs zum Burgdorfer Schützenfest aus – ein Moment, der Kunst und lokale Kultur auf besondere Weise verbindet.
Chicagoer Künstler*innen
Die Chicagoer Künstler*innen Amy Hanks, Daniela Castro, Judith Meyer, Lori Kaplan, Sarah W. Holmes und Takako bewegen sich überwiegend in den Bereichen Malerei, Collage, Mixed Media und Installation. Sie werden über Farbe, Wahrnehmung, Materialität, Körper–Raum-Beziehungen und poetische Bildwelten Erfahrungen austauschen und sprechen. Die Künstler*innen Kathryn Hempel, Kevin B. Chatham und Juan Enrique Roque Irizarry Jr. arbeiten stark medial und zum Teil auch filmisch – von experimentellem Film über Videokunst bis zu dokumentarischen und performativen Formaten. Gespräche drehen sich hier um Bildsprache, Montage, Wahrnehmung, Medienkritik und die Chicagoer Filmszene. Marianna Buchwald verbindet Performance, Maskenspiel, Bewegungstheater und interkulturelle Kunstvermittlung. Mit ihr spricht man über Körperausdruck, Ritual, Migration, Begegnung und Community-Arbeit. Kao Ra Zen bringt als Rapper und Spoken-Word-Künstler eine musikalisch-performative Position ein. Themen sind Rhythmus, Sprache, Identität, urbane Kultur und Improvisation. Die Schwarzwälder Künstlerin Beate Axmann steht für expressive Malerei, oft mit figurativen, gesellschaftlich aufgeladenen Motiven. Mit ihr spricht man über Farbe, Emotion, politische und soziale Themen sowie europäische Kunsttraditionen.
Kunstraum MITTE37
Der Kunstraum MITTE37 in Burgdorf hat sich in kurzer Zeit zu einem lebendigen Ort für zeitgenössische Kunst entwickelt. In der Mittelstraße 37 gelegen, verbindet er die Intimität eines Arbeitsraums mit der Offenheit eines öffentlichen Forums. Von Beginn an war MITTE37 als Raum gedacht, in dem Kunst nicht nur gezeigt, sondern gemeinsam gedacht, diskutiert und erlebt wird. Die Geschichte des Hauses – ein Ort des Arbeitens, Begegnens und Experimentierens – prägt bis heute die Atmosphäre: flexibel, neugierig und nahbar. Als neuer Kunstort möchte MITTE37 künftig verstärkt Positionen aus Malerei, Collage, Mixed Media, Installation und Fotografie zeigen und dabei regionale Kunstschaffende ebenso einbeziehen wie internationale Gäste. Die kommenden Ausstellungen sollen den Raum als wandelbares Labor sichtbar machen: mal als Atelier, mal als Bühne, mal als Ort für Gespräche, Workshops oder spontane künstlerische Interventionen.
Ein zentrales Ziel ist es, MITTE37 als Plattform für interdisziplinären Austausch zu etablieren. Künstler*innen aus Burgdorf anderen Städten sollen hier zusammenkommen, um über Wahrnehmung, Materialität, Körper–Raum-Beziehungen, Medienkritik und gesellschaftliche Themen ins Gespräch zu kommen. Projekte wie diese Ausstellung markieren eine internationale Ausrichtung und werden in den nächsten Jahren weitergeführt und vertieft. Zukünftige Ausstellungen werden sich verstärkt mit Fragen der Transformation, der Bewegung, der Identität und der Begegnung beschäftigen. MITTE37 möchte Kunst als gemeinschaftliches Erleben erfahrbar machen – offen, prozesshaft und dialogorientiert. So entsteht ein Ort, der nicht nur Kunst zeigt, sondern Kunst ermöglicht: ein Raum, der sich mit jeder Ausstellung neu erfindet und zugleich seine Geschichte als kreativer Mittelpunkt der Stadt weiterträgt.
Veranstaltungen in Burgdorf
Ausstellungseröffnung 6.6.26 ab 17 Uhr – Eröffnung 18 Uhr, Gespräche über Kunst mit Marianna Buchwald, Takako und Beate Axmann; Eröffnung Susanne Schumacher, Einführung Lars Schumacher
Finnissage Chicago Film Group 312 am 25.6.26 ab 18 Uhr – DISLOCATION Filme aus dem Chicagoer Underground von Richard Syska & Kevin B. Chatham
Kunstsymposium
„THE OCEAN BETWEEN“ ist ein internationales, transatlantisches Kunstsymposium, das seit 2016 besteht und Künstler*innen aus Chicago und Deutschland miteinander verbindet. Die 9. Ausgabe im Jahr 2026 wird von Marianna Buchwald, Kristin Heike und dem Netzwerk The Culture Bridge / Kultur Brücke organisiert; für den Kunstraum MITTE37 in Burgdorf übernimmt Lars Schumacher die Organisation. In diesem Zusammenhang finden Veranstaltungen an mehreren Orten in Hannover und Burgdorf statt.
Ausstellung im Kunstraum Mitte37 von Susanne Schumacher
Burgdorf | 9. Mai – 31. Mai 2026
Mit der Ausstellung "light & shadow" präsentiert die Burgdorfer Künstlerin Susanne Schumacher erstmals ihre neuesten Arbeiten im frisch eröffneten Kunstraum Mitte37. Die Schau markiert nicht nur ihre Premiere in diesem Raum, sondern auch einen wichtigen Schritt innerhalb ihres fortlaufenden Projekts timepicture, das sich mit der Wahrnehmung von Zeit, Erinnerung und Identität auseinandersetzt.
Kuratorische Einordnung
Schumachers Werk bewegt sich seit Jahren im Spannungsfeld von Fotografie, Fluxus und Mail Art. Mit Light & Shadow erweitert sie dieses Feld um eine neue fotografische Serie, die das Wechselspiel von Helligkeit und Dunkelheit als Metapher für die fragile Balance zwischen Sichtbarkeit und Verbergen untersucht. Die Arbeiten sind geprägt von einer präzisen Bildsprache, die sowohl dokumentarische Genauigkeit als auch poetische Abstraktion vereint.
Inhaltliche Schwerpunkte
Projekt timepicture: Fortführung einer langjährigen Werkreihe, die Zeit als kulturelles und individuelles Konstrukt reflektiert.
Neue Serie Light & Shadow: Fotografien, die Licht und Schatten nicht nur als physische Phänomene, sondern als Symbole für Identität und gesellschaftliche Resonanz inszenieren.
Ausblick auf Gemeinschaftsausstellungen: Die Ausstellung versteht sich als Auftakt für künftige Kooperationen und kollektive Präsentationen, die den Kunstraum Mitte37 als Plattform für internationale Vernetzung etablieren sollen.
Bedeutung für den Kunstraum
Die Premiere von Susanne Schumacher im Kunstraum Mitte37 unterstreicht die programmatische Ausrichtung des Hauses: zeitgenössische Positionen mit internationaler Strahlkraft in Burgdorf sichtbar zu machen. Schumachers Arbeiten verbinden lokale Verankerung mit globalen Diskursen und eröffnen den Besuchenden einen vielschichtigen Zugang zu Fragen von Identität, Erinnerung und künstlerischer Praxis.
MITTE37
MITTE37 – schon der Name trägt eine stille Kraft in sich. Die 37 ist keine Zahl, die sich in den Vordergrund drängt. Sie bleibt zurückhaltend, fast unscheinbar, und doch beginnt sie überall aufzutauchen, sobald man auf sie achtet – wie ein leiser Begleiter. MITTE37 setzt sich aus einem Teil des Straßennamens und der Hausnummer zusammen und trägt zugleich die Wärme von 37 °C in sich, jener Temperatur, die unseren Körper im Gleichgewicht hält. So erinnert sie daran, dass auch Kunst etwas Lebendiges ist: etwas, das atmet, wächst und sich verändert.
Als Primzahl bleibt die 37 unteilbar. Sie steht für Eigenständigkeit, für eine Haltung, die sich nicht glätten lässt. Sie ist nicht rund, nicht perfekt, nicht gefällig – und gerade deshalb offen für Neues. Eine Zahl, die Raum lässt. In vielen Kulturen trägt sie Spuren von Atem, Gelassenheit und Klarheit. Diese Bedeutungen sind nicht laut; sie wirken wie ein Hintergrundlicht, das zeigt, dass jede Kultur ihre eigene Vorstellung von Mitte hat.
In der Kunst erscheint die 37 dort, wo Zahlen zu Werkzeugen werden: in Konzeptkunst, Fluxus, Mail Art, Editionen und Scores. Sie fügt sich in Reihen ein und fällt doch auf. Sie kann Ordnungen brechen, Rhythmen setzen, Strukturen öffnen. Sie liebt Zwischenräume – und macht sie sichtbar. Auch in der Popkultur taucht sie immer wieder auf: als Running Gag, als Zimmernummer, als versteckter Code. Und manchmal genügt eine beiläufige Zeile wie „You’re number 37, have a look.“ Ein Satz aus Velvet Undergrounds Album „Andy Warhol“, kühl und doch voller Atmosphäre, der einen Raum öffnet – nicht als Distanz, sondern als Einladung, genauer hinzusehen.
In der Literatur begegnet man ihr als Kapitelnummer oder Seitenzahl, oft an Stellen, an denen etwas kippt oder neu beginnt. Die 37 liebt Übergänge – und Übergänge sind der Stoff, aus dem Geschichten entstehen. Auch in der realen Welt zieht sie Linien: Die A37 verbindet Hannover und Burgdorf, eine Straße, die zeigt, dass Mitte kein Punkt ist, sondern ein Dazwischen. Zwischen Stadt und Region, Alltag und Kunst, Herkunft und Aufbruch. Genau dort entsteht häufig das, was Bedeutung bekommt.
Wissenschaftlich betrachtet ist die 37 eine klare, eigenständige Primzahl, die zwölfte ihrer Reihe. In der Chemie trägt Rubidium die Ordnungszahl 37, in der Astronomie leuchten M37 und NGC 37 im All. In der Numerologie verbindet sie die 3 – Kommunikation – mit der 7 – Erkenntnis – zu einer „kommunizierten Erkenntnis“. All das macht sie zu einer Zahl, die prägnant ist, aber nicht glatt; offen, aber nicht beliebig; eigenständig, aber nicht verschlossen. Leicht zu merken, aber nie banal. Eine Zahl, die Räume öffnet.
Und genau hier beginnt MITTE37. Dieser Ort erklärt die Zahl nicht – er lebt sie. Er zeigt, dass Mitte kein Zentrum ist, sondern ein Zustand. Ein Raum zwischen Region und Welt, zwischen Burgdorf und Hannover, zwischen Kunst und Alltag. Ein Ort, an dem Experimente möglich sind und Begegnungen wachsen. Die 37 wird hier zu einer Haltung: warm, offen, neugierig, eigenständig. MITTE37 ist die Zahl, die zum Raum wurde – und der Raum, der die Zahl weiterträgt.
Und wie die Zahl ihre Spuren trägt, so trägt auch der Ort seine eigenen Schichten. Bedeutung entsteht nicht nur in Symbolen, sondern in Geschichten, die sich übereinanderlegen.
Etwas begleitet diesen Ort – etwas, das nicht in Zahlen steckt, sondern in Schichten. Vor über hundert Jahren wurden hier, angrenzend an eine Bäckerei, in den großen Kesseln des 1810 errichteten Hauses Stoffe gefärbt: metallene Körper, in denen Farben brodelten und Materialien ihren Ton wechselten. Ein Ort der Verwandlung, an dem nicht nur Stoffe, sondern vielleicht auch Menschen ihre Farbe fanden.
In den 1980er‑Jahren zog das Büro der damals jungen Partei „Die Grünen“ ein – ein Moment, in dem politische Ideen begannen, Räume zu füllen. Farbe nicht mehr auf Stoffen, sondern als Haltung, als Zukunftsbild. Ein Ort, an dem spürbar wurde, dass Gesellschaft sich verändern lässt, wenn Menschen sich zusammentun.
Nach dem Neubau des Hauses 1995 entstand hier ein Jahr später der erste Farbfernsehbeitrag, der am 22.10.1996 über die niedersächsischen Bürgermedien (OK / h1 Hannover) ausgestrahlt wurde. Wieder Farbe, wieder Bild, wieder ein Übergang. Aus der Färberei wurde ein Ort der medialen Erzählung, an dem Bilder nicht mehr nur auf Stoffe wanderten, sondern – über ein Jahrzehnt hinweg – als „OKOK TELEVISION“ regelmäßig in die Wohnzimmer der Region gelangten. Ein Ort, der begann, Geschichten zu senden. Und zugleich ein Wohn- und Geschäftsort, an dem gelebt, geliebt und gehandelt wurde: Kurioses, Kuratiertes, Mode, Farben und Lacke – Dinge, die Geschichten tragen und weitergeben.
Heute beherbergt das Gebäude das Freiwilligenzentrum Bürger für Bürger e.V. und das Medienhaus für Kunst und Kultur e.V. – zwei Institutionen, die Menschen verbinden, Engagement ermöglichen und Kultur zugänglich machen. Hier entstehen Begegnungen, Hilfen, Ideen. Hier wird nicht gefärbt, nicht gesendet, sondern getragen: von Menschen, die etwas füreinander tun.
So zeigt die Geschichte dieses Ortes, dass Menschen und Farben hier immer ein Zusammenspiel bildeten. Dass Wandel kein Bruch ist, sondern ein Rhythmus. Dass Orte sich erinnern, sich verändern, wachsen. Und manchmal entsteht genau daraus eine Mitte.
MITTE37