Das Thema 18 Hektar Bannwald, Arbeitsplätze und Gewerbesteuer hat unsere Gemeinde jahrelang beschäftigt. Die Fakten liegen auf dem Tisch. Deshalb folgt hier eine sachliche, abschließende Bewertung bis zum Verkauf des Unternehmens – auf Grundlage der veröffentlichten Jahresabschlüsse 2017–2023
1. Ausgangspunkt: Die Erzählung
2020 wurde die Erweiterung im Neuburger Wald mit drei zentralen Argumenten begründet:
Sicherung und Ausbau von Arbeitsplätzen
Existenzielle Bedeutung für die Gewerbesteuer
Langfristige Zukunftssicherung eines Familienunternehmens
Tatsächlich wurde später an einen internationalen Konzern verkauft:
Brummer Logistik GmbH → heute Teil von Dachser SE.
Diese Tatsache verändert die Bewertung dieses ganzen Vorganges grundlegend.
2. Die Gewerbesteuer – Verhältnis von Belastung und Ertrag
Auf Basis der Jahresüberschüsse 2019–2023 und bei einem Hebesatz von 380 % ergibt sich näherungsweise folgende Größenordnung
2019: Gewinn 3.259 T€; geschätzte Gewerbesteuer (ca. 15%) ~490 T€
2020: Gewinn 3.622 T€; geschätzte Gewerbesteuer (ca. 15%) ~540 T€
2021: Gewinn 2.945 T€; geschätzte Gewerbesteuer (ca. 15%) ~440 T€
2022: Gewinn 2.333 T€; geschätzte Gewerbesteuer (ca. 15%) ~350 T€
2023: Gewinn 6.488 T€; geschätzte Gewerbesteuer (ca. 15%) ~970 T€
(Quelle. Bundesanzeiger)
Hoher Anteil an Leasing statt eigenem Anlagevermögen
Massive Ausweitung von Forderungen und Ausleihungen
Gewinne stark schwankend
Die Steuerbasis war nicht strukturell stabil, sondern wachstumsgetrieben. Eindeutig im Hinblick auf den später erfolgten Verkauf, der von Anfang an geplant war..
3. Die Bilanzstruktur – Exit statt Generationenplanung
Auffälligkeiten in den Abschlüssen 2018–2023
Forderungen + Ausleihungen 2023: rund 36 Mio. €
Bilanzsumme +122 % (2019–2023)
Mitarbeiter +110 %
Gewinne nahezu verdoppelt
Das ist kein typisches Muster einer langfristig konsolidierenden Familienstruktur.
Es entspricht vielmehr einem Unternehmen in Expansionsphase, das sich auf einen Verkauf vorbereitet.
Die geplante 18-Hektar-Fläche hätte die Expansion räumlich abgesichert – und damit den strategischen Wert für einen Käufer wie Dachser wesentlich erhöht.
4. Das Arbeitsplatzargument – fiskalisch begrenzt wirksam
2023: 762 Mitarbeiter
Die überwiegende Zahl sind Einpendler und ortsfremde Fahrer.
Das bedeutet:
zusätzliche Verkehrsbelastung in Neuburg
Einkommensteuerzufluss überwiegend in andere Gemeinden
Infrastrukturkosten lokal
Das Arbeitsplatzargument war real – aber die fiskalische Wirkung für Neuburg war deutlich geringer als öffentlich dargestellt. Neuburg hatte zusätzliche Belastungen aber keine Vorteile.
5. Der Wendepunkt: Widerstand und Verfahrensprobleme
Die Planungsunterlagen waren unvollständig; Fachstellen verweigerten eine abschließende Prüfung
Das Bauleitverfahren verlor zunehmend an Realisierungschancen.
Parallel erfolgte der Aufbau eines Alternativstandorts im Ausland (Österreich).
Kurz darauf kam der Verkauf.
Damit war die zentrale Prämisse – „Erweiterung für kommende Generationen des Familienunternehmens“ – von der Realität überholt.
6. Die heutige Lage
Heute ist der Standort Teil eines internationalen Netzwerks.
Die Logik hat sich verändert:
Netzwerkoptimierung und lokale Kapazitätserweiterungen durch bauliche Änderungen
Verkehrsvolumen steigt
Gewerbesteuer kann konzernintern verlagert werden
Eine weitere Rodung im Neuburger Wald wäre heute nicht mehr mit der ursprünglichen Argumentation begründbar.
Schlussfolgerung
Die Erweiterungsdebatte war keine einfache Abwägung zwischen Wirtschaft und Naturschutz.
Rückblickend zeigt sich:
Die Expansion war Teil einer strategischen Verkaufsphase.
Die Steuerwirkung für Neuburg am Inn stand in keinem vernünftigen Verhältnis zur beabsichtigten Flächenerweiterung im Neuburger Wald.
Die behauptete langfristige Standortbindung war nicht belastbar.
Der Widerstand aus Bevölkerung und Fachbehörden hat verhindert, dass 18 Hektar geschützter Wald für eine kurzfristige Wertsteigerungsphase geopfert wurden.
Damit ist das Thema für uns abgeschlossen.
Sachlich. Nüchtern. Bilanzgestützt.