„Ich möchte, dass Sie mich kennenlernen, bevor Sie mich wählen.“ Getreu diesem Motto ist es mir wichtig, nicht nur Probleme zu benennen, sondern ehrlich darüber zu sprechen, wie wir unsere Gemeinde gemeinsam gestalten können. Ein Thema, das uns alle betrifft, ist das Zusammengehörigkeitsgefühl in unserer Heimat Neuburg am Inn.
Seit der bayerischen Gebietsreform 1972 sind Neukirchen, Dommelstadl, Neuburg und 18 weitere Dörfer und Weiler offiziell eine gemeinsame Gemeinde. Über 50 Jahre sind vergangen, doch die entscheidende Frage bleibt: Sind wir in dieser Zeit auch wirklich zusammengewachsen? Bilden wir nach außen und nach innen eine echte Einheit?
Wenn man die lesenswerte Chronik unserer Gemeinde studiert, erkennt man schnell, warum wir so sind, wie wir sind. Es geht nicht um Sturheit, sondern um tief verwurzelte Identität:
Neuburg: Geprägt durch die stolze, reichsunabhängige Grafschaft und die lange Zugehörigkeit zum Hause Habsburg-Österreich. Das prägt den Ort bis heute kulturell und atmosphärisch.
Neukirchen: Mit einer gesunden Distanz dazu gewachsen, tief verwurzelt in der Landwirtschaft, geprägt durch stolze Bauernhöfe und eine starke bäuerliche Tradition.
Diese unterschiedlichen Wurzeln haben dazu geführt, dass sich das Gemeindeleben in beiden Ortsteilen prächtig, aber oft getrennt entwickelt hat. Wir haben das Vereinswesen, die Feuerwehren und sogar die Kirchen doppelt – und das ist Ausdruck einer lebendigen, örtlichen Eigenständigkeit, die wir schätzen sollten.
Es ist eine tägliche Erfahrung: Die Autobahn wirkt oft wie eine unsichtbare Schranke, die unsere Gemeinde zerschneidet. Es gibt nur eine Verbindungsstraße, aber keinen Fußweg und keinen Radweg zwischen den Hauptorten. Das macht den spontanen Besuch beim Nachbarn „auf der anderen Seite“ schwierig. Die Orientierung erfolgt daher oft getrennt – sportlich, kirchlich und gesellig.
Ich bin fest überzeugt: Zusammenwachsen darf niemals mit Zwang geschehen. Druck erzeugt Gegendruck. Wir sollten Neuburg am Inn als eine kollegiale Zweckgemeinschaft begreifen, in der man sich gegenseitig ergänzt, aber nicht ersetzt.
Mein Ziel als Bürgermeister ist ein freundliches und gelassenes Nebeneinander, das durch eine starke politische Klammer zusammengehalten wird:
Eigenständigkeit fördern: Wir sollten nicht versuchen, alles „gleichzumachen“. Wo getrennte Kulturen gewachsen sind, sollen sie bleiben und gefördert werden. Vielfalt ist unsere Stärke!
Solidarität statt Proporz: Es geht mir nicht um das bloße Aufrechnen von Leistungen (Proporz), sondern um gegenseitige Hilfe und das Wissen, dass wir gemeinsam stärker sind.
Die Schule als Brücke: Die neue, gemeinsame Schule ist unsere wichtigste gemeinsame Institution. Hier begegnen sich unsere Kinder von klein auf. Das ist der Ort, an dem Gemeinsamkeit ganz natürlich wächst – ohne dass die Kinder ihre Herkunft aus Dommelstadl oder Neukirchen vergessen müssen.
Meine Aufgabe sehe ich darin, die individuelle Entwicklung jedes Ortsteils zu unterstützen und gleichzeitig nach Projekten zu suchen, von denen wir alle profitieren. Wir müssen uns fragen: Was braucht jeder einzelne Gemeindeteil, damit sich jeder – egal ob „drent oder herent“ – wirklich zu Hause fühlt?
Lassen Sie uns mit Gelassenheit und Respekt an einer Gemeinde arbeiten, die ihre Traditionen liebt und genau deshalb mutig in die Zukunft blickt.
In einem Dorf brauche es kein Programm. Es reiche, dass man sich kennt. Dass man sich vertraut. Dass man engagiert ist, vernetzt, präsent. Politik sei hier vor allem eine Frage der Persönlichkeit. Ich verstehe diesen Gedanken gut. Nähe schafft Vertrauen. Vertrauen ist ein Wert. Und Sympathie ist nichts Negatives.
Aber manchmal frage ich mich: Reicht das noch?
Denn die Realität hat sich verändert. Entscheidungen, die früher überschaubar waren, bewegen sich heute in ganz anderen Dimensionen. Wenn wir über eine Kläranlage mit einem Volumen von rund 5 Millionen Euro sprechen oder über eine Schule mit inzwischen 20 Millionen Euro, dann reden wir nicht mehr über Alltagspolitik. Wir reden über Investitionen, die eine Gemeinde über Jahrzehnte prägen – finanziell, strukturell und politisch.
Solche Entscheidungen verlangen mehr als ein gutes Bauchgefühl.
Sie verlangen Planung. Prioritäten. Abwägung. Und Erklärbarkeit.
Wenn ich für ein Wahlprogramm eintrete, dann nicht, um Probleme anzuprangern. Nicht, um schmutzige Wäsche zu waschen. Und nicht, um irgendjemanden an den Pranger zu stellen.
Probleme klar zu benennen, heißt für mich etwas anderes: Sie aus dem Ungefähren herauszuholen und offen auf den Tisch zu legen. Nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern mit der Bereitschaft, gemeinsam über Lösungen nachzudenken. Offen. Gelassen. Auch mit widersprüchlichen Meinungen.
Gerade im kommunalen Bereich gibt es selten eindeutige Antworten. Oft gibt es mehrere vertretbare Wege – und fast immer wird am Ende jemand unzufrieden sein. Das lässt sich nicht ändern. Was sich ändern lässt, ist wie wir entscheiden. Mir ist wichtig, dass Menschen sagen können:
Ich bin anderer Meinung – aber ich verstehe, warum diese Entscheidung getroffen wurde.
Und: Ich trage sie mit, weil sie nachvollziehbar zustande gekommen ist.
Das ist Demokratie. Dazu gehört Transparenz. Und dazu gehört auch Kontrolle. Ich bin ausdrücklich bereit, mich an meinen Wahlversprechen messen zu lassen – nicht nur am Ende einer Legislaturperiode, sondern auch zwischendurch. Ein Wahlprogramm ist dafür die Voraussetzung. Es macht sichtbar, was angekündigt wurde, was erreicht ist und wo nachgesteuert werden muss.
Wer kein Wahlprogramm vorlegt, entzieht sich dieser demokratischen Kontrolle. Nicht aus böser Absicht – aber faktisch. Ohne festgelegte Ziele gibt es keinen Maßstab. Ohne Maßstab keine Rechenschaft. Auffällig ist: Je größer die Budgets werden, desto wichtiger wäre eigentlich die formale Klarheit. Und doch wird oft das Gegenteil propagiert: Vertrauen statt Plan, Gefühl statt Struktur.
Ich glaube, das wird der Verantwortung nicht mehr gerecht.
Politik ist für mich kein harmonischer Zustand, sondern ein Prozess, der Spannungen aushalten muss. Ein Wahlprogramm ist dabei kein starres Regelwerk, sondern ein gemeinsamer Denkrahmen: Welche Probleme sehen wir? Welche Chancen ergeben sich daraus? Und warum entscheiden wir uns – nach offenem Austausch – für diesen Weg?
Vielleicht ist die eigentliche Frage also nicht, ob ein Dorf ein Wahlprogramm braucht.
Sondern ob wir bei Investitionen in Millionenhöhe bereit sind, unsere Entscheidungen
erklärbar, überprüfbar und korrigierbar zu machen.
Nach den Ereignissen der letzten Tage ist es mir wichtig, noch einmal ganz klar Stellung zu beziehen. Politische Ämter – und erst recht das Amt des Bürgermeisters – erfordern Fachwissen, Verhandlungsgeschick und ein tiefes Verständnis für die Belange der Menschen. Ich blicke auf eine jahrzehntelange Karriere in hochrangigen Gremien und zahlreiche ehrenamtliche Funktionen zurück. Diese Erfahrung ist für mich kein Selbstzweck, sondern das Werkzeug, mit dem ich unsere Gemeinde in eine gute Zukunft führen möchte.
Damit Sie sich ein genaues Bild von meiner bisherigen und aktuellen Arbeit machen können, habe ich hier meine Tätigkeiten für Sie zusammengefasst.
In meinen derzeitigen Rollen habe ich zusammen mit anderen unmittelbaren Einfluss auf hunderte Berufsleben und gestalte aktiv rechtliche Rahmenbedingungen mit. Dies zeigt meine Belastbarkeit und meine fachliche Integrität:
Co-Vorsitzender des Vermittlungsausschusses (Zentral-KODA): Seit 2021 leite ich mitarbeiterseitig dieses Tarifgremium auf Bundesebene für ca. 800.000 kirchliche Mitarbeitende (Caritas/Kirche).
Co-Vorsitzender des Vermittlungsausschusses (Diözese Fulda): Ebenfalls seit 2021 leite ich das Tarifgremium für die Mitarbeitenden im Bistum Fulda.
Bayerische Regional-KODA: Seit 2015 bin ich mitarbeiterseitiges externes Mitglied des Vermittlungsausschusses für ca. 55.000 Mitarbeitende in den bayerischen Diözesen.
Sprecher der Versichertenvertreter: Bei der Pensionskasse der Caritas in Köln setze ich mich seit 2018 für die betriebliche Altersversorgung ein.
Rechtsexperte & Autor:
Ich bin Mitherausgeber des Eichstätter MAVO-Kommentars (seit 2012) und Autor beim AVR-Kommentar (seit 2009).
Aktuell arbeite ich am Arbeitsgerichtsgesetzkommentar (Neuerscheinung 2026).
Ich schreibe regelmäßig für wissenschaftliche Zeitschriften und bin ständiger Mitarbeiter der Fachzeitschrift ZMV.
Richterliche & beratende Tätigkeit: Ich bin als Diözesanrichter in Passau und Augsburg tätig und vertrete seit 2014 Mitarbeitervertretungen vor kirchlichen Arbeitsgerichten und Schlichtungsstellen. Zudem berate ich beim Abschluss von Dienstvereinbarungen.
Bildung: Ich gebe mein Wissen im Bereich des kirchlichen Arbeitsrechts in Schulungen und Moderationen weiter.
Mein Engagement für Neuburg am Inn und darüber hinaus ist für mich eine Herzensangelegenheit. Es war immer ein wesentlicher Bestandteil meines Alltags:
Behindertenhilfe: 1992 habe ich die „Selbsthilfegruppe für behinderte Kinder im Landkreis und in der Stadt Passau“ (SHG Passau) mitbegründet und war lange Jahre deren Vorsitzender.
Kommunalpolitik: Ich durfte bereits 14 Jahre lang als Mitglied im Gemeinderat (1996–2002 und 2014–2022) wertvolle Erfahrungen für unseren Ort sammeln.
Einsatz für Neuburg:
Ich habe verschiedene Aktionen und Demonstrationen zur Verkehrsproblematik in unserer Gemeinde initiiert und organisiert.
Ich setze mich aktiv für die Bannwald-Thematik ein.
Sicherheit liegt mir am Herzen: Deshalb übernehme ich den „Ampeldienst“ in Dommelstadl für die Verkehrswacht.
Bildung & Erziehung: Von 1992 bis 1995 war ich Elternbeiratsvorsitzender im Kindergarten Dommelstadl.
Parteiarbeit: In den 90er Jahren war ich langjähriger Vorsitzender des SPD-Ortsvereins.
Kirchliches Leben: Ich bringe mich permanent und aktiv bei pfarrlichen Aufgaben ein.
Mein Leben war und ist geprägt von Arbeit für andere – fachlich fundiert und ehrenamtlich engagiert. Genau diese Kombination möchte ich als Ihr Bürgermeister für Neuburg am Inn einsetzen.
Ein persönlicher Beitrag von Dr. Joachim Eder
Am 5. Februar 2026 um 18 Uhr fand in Neuburg am Inn der politische Stammtisch der Passauer Neuen Presse zur Bürgermeisterwahl statt.
Rund 250 Bürgerinnen und Bürger waren anwesend.
Ziel dieser Veranstaltung war es, den Kandidaten eine Plattform zu geben, ihre Positionen darzustellen und den Wählerinnen und Wählern eine fundierte Entscheidungsgrundlage zu ermöglichen.
Ich schreibe diesen Beitrag nicht aus persönlicher Empfindlichkeit.
Wer sich um ein öffentliches Amt bewirbt, stellt sich bewusst der öffentlichen Kritik.
Doch was an diesem Abend geschah, berührt nicht nur meine Person.
Es betrifft die Rolle der Presse als vierte Gewalt in unserer Demokratie.
Die Pressefreiheit ist in Artikel 5 des Grundgesetzes verankert. Sie schützt nicht die Medienhäuser, sondern die Bürgerinnen und Bürger. Ihre Funktion ist konstitutiv für die Demokratie:
Sie informiert.
Sie kontrolliert.
Sie schafft Transparenz.
Sie gewährleistet Chancengleichheit im politischen Wettbewerb.
Gerade im Wahlkampf trägt die Presse eine besondere Verantwortung. Wenn sie selbst Podiumsdiskussionen veranstaltet, tritt sie nicht nur als Beobachterin auf, sondern gestaltet aktiv den politischen Diskurs.
Damit wächst ihre Verantwortung.
Die Moderation begann mit der Bemerkung (nach persönlicher Mitschrift meiner Ehefrau Bianca):
„Wir beginnen mit Ihnen – Alter vor Schönheit.“
Im weiteren Verlauf wurde mein Alter mehrfach thematisiert – unter anderem mit folgenden
Formulierungen:
„Warum tun Sie sich das mit 71 noch an?“
„Ist das eine trumpsche Eingebung?“
„Es braucht doch frische Kräfte mitten im Saft stehend“ – verbunden mit einem Blick zu meiner Frau und verstärktem Gelächter im Saal.
Thema Altersheim: „Das Thema ist ja für Sie wie geschaffen.“ „Das zielt ja nicht komplett auf Sie.“
Ich halte fest: Ein einmaliger Hinweis auf das Alter eines Kandidaten wäre unproblematisch.
Die wiederholte, pointierte und mit Gelächter verbundene Thematisierung jedoch verschiebt die Diskussion von der Sachebene auf eine persönliche Ebene.
Damit wird nicht zugespitzt. Damit wird abgewertet.
Journalistische Zuspitzung ist legitim. Pointierte Fragen gehören zu einer lebendigen Debatte.
Doch es gibt eine Grenze.
Diese Grenze ist dort überschritten, wo persönliche Merkmale systematisch zur Pointe werden.
Wahlkampf ist kein Kabarett.
Eine Moderation ist keine Bühne zur Selbstinszenierung.
Ein politischer Stammtisch ist kein Unterhaltungsformat.
Die Bürgerinnen und Bürger kamen, um Positionen zu hören – nicht um über persönliche Zuschreibungen zu lachen.
Ich habe mich im Nachgang schriftlich an die Redaktion gewandt. Die Antwort individualisierte das Problem: Man bedauere, „wenn bei Ihnen dieser Eindruck entstanden sein sollte“.
Damit wird ein strukturelles Problem zu einer subjektiven Empfindlichkeit erklärt. Doch unmittelbar nach der Veranstaltung sprachen mich zahlreiche Zuhörer an.
Auch ein Mitbewerber äußerte sein Bedauern über den Verlauf des Abends.
Es ging also **nicht um meine persönliche Wahrnehmung, sondern um eine für viele spürbare Schieflage.
Wenn eine Moderation wiederholt persönliche Zuschreibungen nutzt, entsteht ein asymmetrisches Bild – unabhängig davon, ob dies beabsichtigt war oder nicht.
Im Wahlkampf gilt das Prinzip der Chancengleichheit.
Dieses Prinzip betrifft nicht nur staatliche Institutionen, sondern auch Medien, die selbst Diskussionsformate veranstalten.
Wer eine Plattform anbietet, übernimmt Verantwortung für:
Gleichbehandlung
sachliche Schwerpunktsetzung
Respekt gegenüber allen Kandidaten
Gerade bei einer Veranstaltung mit 250 Teilnehmenden prägt der unmittelbare Eindruck stärker als jede spätere Berichterstattung.
Die Wirkung des Abends bleibt im Gedächtnis– in den Familien, in Gesprächen, im sozialen Umfeld.
Deshalb ist Maß so wichtig.
Ich habe mich bewusst entschieden, zu kandidieren.
Erfahrung ist aus meiner Sicht kein Makel, sondern eine Qualifikation.
Wer Verantwortung in einer Gemeinde übernehmen will, sollte Kompetenz, Dialogfähigkeit und Gestaltungswilleneinbringen.
Erfahrung darf kritisch hinterfragt werden.
Sie darf aber nicht zur humoristischen Zielscheibe werden.
Das ist keine Frage der Eitelkeit, sondern der Würde politischer Auseinandersetzung.
Die Passauer Neue Presse versteht sich – zu Recht – als überparteiliches Medium mit hoher regionaler Bedeutung. Gerade deshalb wiegt die Verantwortung schwer.
Die vierte Gewalt lebt vom Vertrauen. Vertrauen entsteht durch:
Fairness
Selbstreflexion
klare Trennung von Zuspitzung und Herabsetzung
Wenn rote Linien überschritten werden und Kritik daran relativiert wird, entsteht ein Vertrauensproblem – nicht für einen Kandidaten, sondern für die demokratische Kultur insgesamt.
Ich fordere keine Sonderbehandlung.
Ich fordere keine juristischen Schritte.
Ich fordere keine Empörung.
Ich fordere Anerkennung dessen, was an diesem Abend geschehen ist: eine Moderation, die die eigentliche Zielsetzung – sachliche Information der Bürgerinnen und Bürger – teilweise - durchkreuzt hat.
Demokratie lebt vom Streit in der Sache.
Nicht vom Spott über Personen.
Die Presse ist eine tragende Säule unseres Gemeinwesens. Ihre Freiheit ist unverzichtbar.
Aber Freiheit bedeutet auch Verantwortung.
Wer als vierte Gewalt auftritt, darf sich nicht selbst über die Maßstäbe stellen, die er von anderen einfordert.
Ich bin bereit zur sachlichen Debatte.
Ich erwarte Fairness.
Denn nur so kann demokratische Meinungsbildung gelingen.