Warum man der Berichterstattung über GWD im „Mindener Tageblatt“ skeptisch gegenüberstehen sollte.
Ob man Artikel nur Minuten nach dem Abpfiff wie auf Knopfdruck überhaupt ohne Einsatz von KI druckreif erstellen kann, soll hier nicht die Frage sein.
Hier geht es um einen Interessenkonflikt:
Wie so viele Printmedien beansprucht auch das „Mindener Tageblatt“ Neutralität in der Berichterstattung. Meines Erachtens wird diese aber konterkariert von dem Bemühen, an Heimspielen von GWD Minden Geld zu verdienen.
Auf dieser Seite wird der Leser am Desktop als Allererstes von einem Aufruf empfangen:
Es ist nur extrem schwer vorzustellen, dass das Tageblatt diese Werbung und den logistischen Aufwand kostenfrei zur Verfügung stellt.
Wenn dem aber nicht so ist, dann wird ein Lieferant wohl kaum sein Produkt schlecht schreiben.
Ende 2024 hat sich nunmehr der Presserat der Sache angenommen und nur mit viel 'interessanter' Logik und dem 'Argument', von nichts (auf der eigenen Seite!) gewusst zu haben, ist das Tageblatt einer Rüge entgangen:
Und wenn man sich die Artikel zu den Spielen von GWD anschaut, dann ist es auffällig, dass immer wieder Texte nach wenigen Minuten einer Korrektur unterzogen werden, wie z. B. in diesen drei Beispielen:
Beim ersten Artikel geht es wohl nur um den Schreibfehler.
Bei den beiden anderen darf man aber durchaus von rein rhetorischen Veränderungen ausgehen.
Denn schaut man genau hin, sieht man die Grenze zwischen journalistischer Sorgfalt und subtiler Propaganda schnell verschwimmen. Und Propaganda gibt es nie umsonst. Die Frage wäre also erneut:
Wer zahlt dafür? Und warum? Und wie glaubwürdig kann ein solcher Artikel dann eigentlich noch sein?
Beim Spiel des TuS N-Lübbecke gegen Nordhorn wird die Zuschauerzahl von 3.000 nebenbei erwähnt. Wenige Tage vorher galt schon die Hälfte dieser Zahl, 1.500 Zuschauer, dem MT als zu bejubelnde "Rekordkulisse":
Ohnehin scheint es für das "Mindener Tageblatt" immer gleich in Richtung Superlativ gehen zu müssen:
Während GWD selbst in einer ersten Meldung von Aaron Ziercke klar und wahr als "Coach" spricht, mutiert er im "MT" gleich beim ersten Einsatz schon zum "Chefcoach". Das erinnert schon jetzt frappierend an die Titulierung Frank Carstens' als "Master-Coach". Für das Tageblatt kann es offenbar nie hoch genug hinaus gehen - selbst, wenn der Verein an der Schwelle zum zweiten Abstieg in Folge steht...
Und auch beim jüngsten vergeigten Spiel gegen Lübeck-Schwartau scheint man sich nicht sicher, wie man die Krise (immerhin die scheint anerkannt) noch schönschreiben soll. Also kommt der entsprechende Artikel gleich mit zwei Titeln:
Und selbst die Krisen bei GWD sind natürlich immer die größten und schönsten. Unter einem Superlativ geht da offensichtlich gar nichts. Es klingt, als wäre GWD Minden schon seit 1000 Jahren am Markt. Dabei ist höchstens die Personalpolitik von GF Torbrügge ("Die Spielmacherposition besetzen wir künftig mit zwei jungen deutschen Spielern.") gefühlt tausendjährig. Und wird vom MT nicht hinterfragt. Natürlich nicht, möchte man sagen.
Der Sieg von GWD Minden über EHV Aue war lt. "Mindener Tageblatt" also "nie gefährdet"?
Wie leider viel zu oft bei der Berichterstattung der örtlichen Presse gilt auch hier: Das ist so nicht richtig.
Schon das mit der Serie ist ja fragwürdige Rhetorik. Die Titeländerung zeigt aber, dass es immer nur Hipphipphurra sein darf für GWD Minden. Ohne Wenn und ganz sicher eben ohne Aber:
Und natürlich ist ein Unentschieden entweder ein überragender Sieg - oder eine grandiose Niederlage. Je nachdem, welcher Verein den Gleichstand eingefahren hat:
Dreist oder dämlich? Die Kollegen von "Radio Westfalica" gehen gleich einen Schritt weiter und machen aus dem Unentschieden gegen Großwallstadt mal eben einen Sieg:
Und in diesem Artikel wird ein schwer errungenes Remis gleich zum "perfekten Start ins Jahr" hochgejazzt. Welches verbale Feuerwerk dann wohl erst ein Sieg ausgelöst hätte?
Auch anderen Lesern des "Mindener Tageblatt" ist das längst aufgefallen, wie dieser Leserbrief von Heiko Dietrich bereits am 16.09.2022 zeigte:
"Ständig liest man, woran gearbeitet werden muss, ständig scheint das nicht zu fruchten und ständig wird Hofberichterstattung publiziert, die gerade mal die positivste Meinung der Fans widerspiegelt. Warum wird nicht mal das Sportliche neutral beleuchtet? Der GWD ist wie ein blutiger Anfänger vorgeführt worden, war sportlich in keiner einzigen Situation Herr der Lage und nicht einmal ansatzweise konkurrenzfähig.
Natürlich will das kein GWD-Fan lesen, es bleibt trotzdem die Realität. Und ist das MT nicht der Realität verpflichtet?"
Der Abstieg als "Heldenepos".
Wie blödsinnig kann Journalismus eigentlich noch werden?
Nur wenige Stunden vor dem Abstieg (!) von GWD Minden aus der ersten Bundesliga veröffentlichte Marcus Riechmann den Kommentar "GWD Minden schreibt an einem Heldenepos – und nun fehlt nur noch das große Finale" - und der Titel allein spricht schon Bände darüber, wie weit von der Realität sich die Berichterstattung im Mindener Tageblatt teils entfernt hat.
Und als wäre das nicht schon lächerlich genug, legt Sebastian Külbel nur wenige Stunden nach dem Abstieg (nochmal: !) nach:
" Kommentar zum GWD-Abstieg: Es kann nur heißen 'weiter so' "
Na dann: Nächster Abstieg ahoi! Es ist nur schwer zu fassen...