Tägliche Andachten zu den Losungen
Autoren: Daniel Muhl und andere
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Der Himmel ist der Himmel des HERRN; aber die Erde hat er den Menschenkindern gegeben.
Deshalb beuge ich meine Knie vor dem Vater, von dem jedes Geschlecht im Himmel und auf Erden seinen Namen hat.
Epheser 3,14–15
In Psalm 115 stellt der Liederdichter den Gott Israels den selbstgemachten Götzen der Völker gegenüber (Ps 115:4). Obwohl diese nur lebloses Menschenwerk sind, setzen die Götzendiener ihr Vertrauen auf sie und erwarten, von ihnen gerettet zu werden.
Für den Psalmisten war klar: Wenn der Mensch jemandem Vertrauen schenken kann, dann dem, der den Menschen erschuf und sich als gnädig und treu erwiesen hat (Ps 115:1). Er ist es, der im Himmel thront und über das ganze Universum regiert (Ps 103:19).
Der allerhöchste Gott steht über allem, was existiert (Ps 97:9). Er handelt souverän – zu jeder Zeit und an jedem Ort (Dan 4:32). Nichts entzieht sich seiner Macht, und kein Wille ist stärker als der seine (Jes 46:10).
Die Bibel spricht davon, dass es mehrere Himmel gibt – doch Gott ist nicht auf einen Ort begrenzt (1Kö 8:27). Durch seinen Sohn hat er alles geschaffen: die Himmel und die Erde (Kol 1:16).
Der Gott des Himmels und der Schöpfer des Menschen hat uns dadurch gewürdigt, dass er uns nach seinem Bild erschuf (1Mo 1:27) und uns die Erde anvertraute, damit wir sie bebauen und bewahren – also gestalten und zugleich schützen (1Mo 2:15). Ebenso sollen wir verantwortungsvoll über die Tiere herrschen (1Mo 1:28). Doch der Mensch versagte, weil er Gott misstraute und ihm in der Folge ungehorsam wurde (1Mo 3:6).
Durch diese Sünde drangen Fluch und Tod in diese Welt (Röm 5:12). Die Menschheit war verloren und brauchte einen Erlöser, der zu uns herabkommen würde, um wiederherzustellen, was zerstört worden war – nämlich die vertrauensvolle Liebesbeziehung zu Gott (Kol 1:20). Darum sandte Gott seinen Sohn, der ihn als Einziger gesehen hat und ihn durch und durch kannte (Joh 1:18).
Der Sohn Gottes erkannte, dass der Vater ihm die Gläubigen als Brüder und Schwestern geschenkt hatte (Hebr 2:11). Darum sagte er:
„Mein Vater, der sie mir gegeben hat, ist größer als alles, und niemand kann sie aus der Hand meines Vaters reißen.“ (Joh 10:29)
Dass dieser höchste Gott (hebr. El Eljon) Vater sein möchte, ist ein unfassbares Wunder (Ps 68:6). Paulus schreibt, dass er der Vater aller Vaterschaften ist (Eph 3:14-15).
Diese Aussage macht jedoch nicht alle gleichermaßen glücklich, weil jede Person den Begriff „Vater“ zunächst mit den eigenen Erfahrungen verbindet. Manche hatten einen liebevollen und fürsorglichen Vater, andere litten unter einem strengen Vater, dem sie nie genügen konnten. Einige erlebten einen Vater, der kaum Zeit hatte oder gar nicht präsent war; andere erinnern sich gern an viele schöne Stunden, in denen er für sie da war: aufmerksam, zugewandt, motivierend, inspirierend und zuverlässig. Und doch bleibt selbst das Beste, was wir als Menschen an Vaterschaft erleben, nur ein schwacher Abglanz dessen, wer Gott als Vater ist (Mt 7:11). Denn bei ihm ist Macht nie kalt und Nähe nie unzuverlässig.
Darum lädt uns die Bibel ein, den Vater nicht zuerst durch die Brille unserer eigenen Geschichte zu beurteilen, sondern unsere Geschichte im Licht seines Wesens neu zu verstehen. Wie der vollkommene himmlische Vater ist, erkennen wir, wenn wir auf Jesus schauen und darüber nachdenken, was die Bibel über ihn berichtet – und so sehen, wie er ist, was er sagte und was er tat (Joh 14:9).
Wenn Paulus seine Knie beugt, dann nicht vor einem unbekannten Gott, sondern vor dem, der jedem Lebewesen seinen Namen – und damit seine Bestimmung – gibt (Jes 43:1) und uns in Christus als seine Kinder annimmt (Joh 1:12).
Gebet: Lieber himmlischer Vater, hab von Herzen Dank, dass du dich durch deinen Sohn zu uns herabgeneigt und uns zu deinen Kindern gemacht hast. Vor diesem Wunder deiner Liebe können wir nur die Knie beugen und dich voller Bewunderung anbeten!
Du erkennst ja in deinem Herzen, dass der HERR, dein Gott, dich erzogen hat, wie ein Mann seinen Sohn erzieht.
Alle Schrift, von Gott eingegeben, ist nütze zur Lehre, zur Zurechtweisung, zur Besserung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit.
von Eberhard Klein
Gott erzieht sein auserwähltes Volk Israel und seine glaubenden Kinder. Erziehung Gottes ist in der Bibel immer wieder ein Thema und durchweg positiv besetzt. Erziehung, ja sogar Züchtigung, ist Ausdruck von Liebe. So steht in Hebr 12:6-8:
Denn wen der Herr liebt, den züchtigt er; er schlägt aber jeden Sohn, den er aufnimmt. Was ihr erduldet, ist zur Züchtigung: Gott behandelt euch als Söhne. Denn ist der ein Sohn, den der Vater nicht züchtigt? Wenn ihr aber ohne Züchtigung seid, deren alle teilhaftig geworden sind, so seid ihr Bastarde und nicht Söhne.
Bei jedem, der die Verse in Losung und Lehrtext und auch in Hebräer 12 liest, schwingt bewusst oder unbewusst die eigene Erfahrung in puncto Erziehung mit – wie wir unsere Eltern und ihre Erziehung erlebt und bewertet haben, und vielleicht auch, wie wir selbst als Vater oder Mutter unsere eigenen Kinder erziehen oder erzogen haben (Spr 22:6 / Eph 6:4). Bei uns Menschen gibt es da eine große Bandbreite an eigenen Erfahrungen, die von Dankbarkeit bis hin zu Verbitterung, von gesunder Persönlichkeit bis zu tiefen Verletzungen reichen können (Kol 3:21 / Hebr 12:11).
Jenseits von allen Erfahrungen richte ich meinen Blick auf Gott, meinen Vater, durch Jesus Christus, der in seinen Wegen mit mir, mit dir und mit allen seinen Menschen voller Liebe, voller Weisheit und voller Vermögen redet und handelt (Ps 25:10 / Röm 8:28 / Jak 1:5).
So spricht Gott in 5. Mose 8 von dem Weg mit seinem Volk Israel während der 40-jährigen Wanderung durch die Wüste. Dieser Weg war für das Volk nicht einfach, aber auch geprägt von Gottes Versorgen und Bewahren. Gott erinnert sein Volk daran, dass dieser Weg ein Erziehungsweg war, und zugleich an das Ziel der Wüstenwanderung: das Land Kanaan – „ein gutes Land, ein Land von Wasserbächen, Quellen und Gewässern, die in der Ebene und im Gebirge entspringen; ein Land des Weizens und der Gerste, der Weinstöcke, Feigenbäume und Granatbäume; ein Land mit ölreichen Olivenbäumen und Honig; ein Land, in dem du nicht in Armut <dein> Brot essen wirst, in dem es dir an nichts fehlen wird; […]. Und du wirst essen und satt werden, und du sollst den HERRN, deinen Gott, für das gute Land preisen, das er dir gegeben hat.“ (5Mo 8:7-10)
Erziehung und Erziehungswege bei Gott sind immer Ausdruck seiner Liebe und haben immer ein gutes Ziel, das alle Mühe lohnt. So heisst es in Hebr 12:11:
“Alle Züchtigung scheint uns zwar für die Gegenwart nicht Freude, sondern Traurigkeit zu sein; nachher aber gibt sie denen, die durch sie geübt sind, die friedvolle Frucht der Gerechtigkeit.”
Als Söhne und Töchter Gottes stehen wir in der Erziehung unseres Vatergottes. Das geht gar nicht anders. Es kann gar nicht anders sein, weil Gott uns liebt und als gutes Ziel für uns die ewige Gemeinschaft mit sich selbst im Blick hat.
2. Timotheus 3:16 erinnert uns daran, dass die vom Geist Gottes inspirierte Schrift (= die Bibel) zu den Erziehungsmitteln Gottes gehört. Das geistinspirierte Wort beginnt durch den Geist Gottes in uns zu reden und gibt uns gute Ermunterung und nötige Ermahnung (Joh 16:13 / Röm 15:4).
Interessanterweise setzen 2Tim 3:16 und Hebr 12:11 die Erziehung in eine direkte Beziehung zur Gerechtigkeit und deren Frucht in unserem Leben. Gottes Erziehung will in uns Gerechtigkeit wirken und reiche Früchte der Gerechtigkeit tragen. Gerechtigkeit gehört neben der Liebe zutiefst zum Wesen Gottes (Ps 89:15 / 1Jo 4:8). Erziehung in der Gerechtigkeit macht uns also – wenn wir sie zulassen und annehmen können – unserem Gott ähnlicher, dem Bilde Gottes, in dem wir geschaffen sind (Röm 8:29 / 2Kor 3:18). Und Paulus betet dafür, dass uns die Augen und das Herz dafür aufgehen, worauf es letztlich ankommt: dass unser Leben ein Ziel hat und Jesus Christus selbst durch alle Erziehungswege Gottes eine reiche Frucht der Gerechtigkeit in uns wirken möchte (Kol 1:10). So schreibt er in Phil 1:9-11:
“Und um dieses bete ich, dass eure Liebe noch mehr und mehr überreich werde in Erkenntnis und aller Einsicht, damit ihr prüft, worauf es ankommt, damit ihr lauter und unanstößig seid auf den Tag Christi, erfüllt mit der Frucht der Gerechtigkeit, die durch Jesus Christus gewirkt wird, zur Herrlichkeit und zum Lobpreis Gottes.”
Gott, du bleibst, wie du bist, und deine Jahre nehmen kein Ende.
Dem alleinigen Gott, unserm Heiland durch unsern Herrn Jesus Christus, sei Ehre und Majestät und Gewalt und Macht vor aller Zeit, jetzt und in alle Ewigkeit! Amen.
Wenn wir in die Welt blicken, erkennen wir schnell: Alles ist vergänglich (Pred 1:4 / Jes 40:6–8). Jede Pflanze, jedes Tier und jeder Mensch vergeht – und selbst das, was beständig erscheint, hat ein Ende (Hi 14:1–2 / 1Petr 1:24). Sogar die Sterne, so sagen Astronomen, werden eines Tages vergehen. Das bedeutet, dass auch unsere Sonne irgendwann einmal aufhören wird zu existieren.
Die Bibel bezeugt das schon seit über 3.000 Jahren. Vielleicht fragt man sich: Woher hatten die Schreiber der biblischen Texte dieses Wissen (2Petr 1:21)? Warum gingen sie ganz selbstverständlich davon aus, dass Himmel und Erde vergehen werden, obwohl ihnen die wissenschaftlichen Erkenntnisse von heute noch fehlten?
Diese Frage kann man unterschiedlich beantworten. Ich bin jedoch überzeugt, dass der Schöpfer es ihnen offenbart hat. Auch der Psalmist des heutigen Losungsverses hat das erkannt. Zuerst klagt er über sein eigenes Elend. Dabei fleht er den HERRN an, ihn zu erhören und ihm zu helfen (Ps 102:2–3). Er rechnet mit der Gnade und Barmherzigkeit seines Gottes (Ps 102:14).
Der Liederdichter erkannte jedoch nicht nur die Vergänglichkeit der Schöpfung, sondern auch die ewige Unveränderlichkeit des Schöpfers. Alles verändert sich und alles vergeht, doch Gott ist und bleibt derselbe, für immer und ewig (Mal 3:6 / Jak 1:17). Er besitzt allezeit Majestät, Gewalt und Macht – eine Herrlichkeit, die alles umfasst und über allem steht (Jud 1:25). Letztere beinhaltet die absolute Autorität sowohl über das Vergängliche als auch über alles Bleibende.
Beim Lesen der Verse 26-28 aus Psalm 102, ist einem nicht unbedingt bewusst, dass sie auch in Hebräer 1 zitiert werden. Dort lesen wir in den Versen 10-12 Folgendes:
“Du, Herr, hast im Anfang die Erde gegründet, und die Himmel sind Werke deiner Hände; sie werden untergehen, du aber bleibst; und sie alle werden veralten wie ein Gewand, und wie einen Mantel wirst du sie zusammenrollen, wie ein Gewand, und sie werden verwandelt werden. Du aber bist derselbe, und deine Jahre werden nicht aufhören.”
Wenn Menschen sterben und die ganze Schöpfung vergeht, fragt man sich vielleicht, welchen Sinn unsere irdische Existenz hat (Ps 90:10 / Hebr 9:27). Unser irdisches Leben ist nicht das Ziel, sondern die Vorbereitung auf das ewige Leben (Joh 3:16) und zugleich Voraussetzung dafür, Gottes Erbarmen erfahren zu können (Eph 2:8–9). Denn nur so können wir die unfassbare Tiefe der Liebe Gottes erkennen (Röm 5:8).
Wenn Himmel und Erde vergehen und nur Gott bleibt, bedeutet das nicht, dass wir aufhören zu existieren (Joh 11:25 / 1Thes 4:14). Es bedeutet vielmehr, dass unsere Existenz im Fleisch, das heißt in diesem natürlichen Leib, ein Ende nimmt (Pred 12:7) und Gott uns einen neuen geistlichen und unverweslichen Leib geben wird (2Kor 5:1). So bezeugt es Paulus in 1Kor 15:42–44. Aber auch für die übrige vergängliche Schöpfung gibt es eine sichere Hoffnung. Paulus schreibt dazu in Römer 8:20–21:
“Denn die Schöpfung ist der Vergänglichkeit unterworfen worden – nicht freiwillig, sondern durch den, der sie unterworfen hat – auf Hoffnung hin, dass auch selbst die Schöpfung von der Knechtschaft der Vergänglichkeit frei gemacht werden wird zur Freiheit der Herrlichkeit der Kinder Gottes.”
Welch herrliche und verheißungsvolle Perspektive!
Gebet: Treuer Gott und Vater, du bleibst derselbe, auch wenn in mir und um mich herum vieles wankt. Danke, dass deine Jahre kein Ende nehmen und deine Liebe nicht aufhört. Richte meinen Blick weg von dem, was vergeht, hin zu deiner beständigen Treue. Schenke mir heute ein Herz, das dich anbetet und dir vertraut – mit Ruhe, Klarheit und Mut. Dir allein sei Ehre, Majestät, Gewalt und Macht, jetzt und in Ewigkeit. Amen.
Haltet mich nicht auf, denn der HERR hat Gnade zu meiner Reise gegeben.
Jesus sprach: Es ist gut für euch, dass ich weggehe. Denn wenn ich nicht weggehe, kommt der Tröster nicht zu euch. Wenn ich aber gehe, werde ich ihn zu euch senden.
Wer sich schon einmal von einem geliebten Menschen verabschieden musste und zugleich wusste, dass es vermutlich kein Wiedersehen mehr gibt, weiß, wie schmerzhaft das ist. Das mussten sowohl Rebekka und ihre Familie als auch die Jünger Jesu erfahren (Joh 16:6). Abschied tut weh, aber er eröffnet oft auch eine neue Chance (Pred 3:1). Wer loslassen kann, darf erleben, wie Gott etwas Neues schenkt (Jes 43:19).
Das 24. Kapitel des ersten Buches der Bibel ist nicht nur eine schöne Geschichte über eine Brautschau, sondern auch ein Text voller Glauben, Zuversicht und wunderbarer Begegnungen (1Mo 24. Im hohen Alter beauftragt Abraham seinen Knecht, eine geeignete Frau für seinen geliebten Sohn zu suchen (1Mo 24:4). Dazu soll er in das weit entfernte Land seiner Verwandtschaft reisen (1Mo 24:10).
Abrahams Glaube war inzwischen so gewachsen, dass er diese wichtige Aufgabe voller Zuversicht seinem Knecht übertrug und fest damit rechnete, dass der HERR seinem Vorhaben Gelingen schenken würde (1Mo 24:7). Dieses lange Kapitel zeigt jedoch nicht nur Abrahams Glauben, sondern in besonderer Weise auch den seines Knechtes (1Mo 24:12). Vermutlich handelte es sich dabei um Elieser, der diesen Auftrag mit großer Treue und Hingabe ausführte.
Die Bibel berichtet uns nicht, wie dieser Knecht zum Glauben an Jahweh fand. Doch es liegt nahe, dass er über viele Jahre Abrahams Gottesfurcht, sein tiefes Gottvertrauen und seinen Gehorsam miterleben durfte (1Mo 18:19). So erkannte er: Abraham glaubt an den lebendigen Gott, der Himmel und Erde erschuf und dem alles möglich ist. Dadurch entstand zwischen Abraham und seinem Knecht eine große Vertrautheit, die man auch als Freundschaft bezeichnen könnte.
Als der Knecht in dem „Land der Verwandtschaft“ ankam, bat er Gott, ihm die richtige Frau für Isaak zu zeigen – eine, die sich auch durch freiwillige Hilfsbereitschaft auszeichnete (1Mo 24:14). Das war nicht nur ein Gebet des Glaubens, sondern auch sehr weise (Jak 1:5). Denn so würde Isaak eine Frau bekommen, die von tätiger Liebe geprägt war (1Jo 3:18).
Dann begegnet er Rebekka, die seine Kamele unaufgefordert tränkt (1Mo 24:20). Gleichzeitig wird deutlich, dass sie eine Verwandte Abrahams ist (1Mo 24:24). Nachdem der Knecht ihr wertvollen Schmuck angelegt hat, betet er voller Dankbarkeit seinen Gott an und gibt ihm die Ehre (1Mo 24:26).
Als Laban, der Bruder Rebekkas, ihn einlud, erzählte er die ganze Geschichte. Alle erkannten darin die einzigartige Führung Gottes (1Mo 24:50). Rebekka war auch bereit, ihre Familie zu verlassen, um sich mit diesem „fremden Mann“ auf eine lange Reise zu begeben und einen Mann zu heiraten, von dem sie nicht einmal wusste, wer er war oder wie er aussah (1Mo 24:58).
Die Familie Rebekkas wollte sich natürlich noch gebührend von ihr verabschieden und die Abreise hinauszögern, denn alle wussten: Dieser Abschied bedeutete vermutlich eine endgültige Trennung, und das war schmerzhaft (1Mo 24:55). Der Knecht jedoch erkennt, dass man Gottes Wirken nicht durch menschliche Sentimentalität verzögern darf (1Mo 24:56).
Diese Trennung führte jedoch dazu, dass Rebekka die Frau des verheißenen Sohnes werden durfte, der sie liebte (1Mo 24:67). Außerdem wurde sie zu einer Frau, die zur Ahnenreihe des Messias gehören durfte (Mt 1:2).
Die Jünger des Messias empfanden vermutlich ebenfalls Schmerz, als Jesus in seinen Abschiedsreden sagte: „Es ist gut für euch, dass ich weggehe“ (Joh 16:7). Das Zusammenleben mit Jesus war zwar oft herausfordernd, aber auch zutiefst erfüllend (Joh 15:11). Vielleicht könnte man es sogar als „berauschend“ bezeichnen.
Doch als Mensch konnte Jesus nicht überall zugleich sein. Er konnte nur den Menschen begegnen, die sich in seiner unmittelbaren Nähe befanden. Darum musste er gehen, damit er vom Vater her den Tröster und Beistand – den Heiligen Geist – in die Herzen der Menschen senden konnte (Joh 14:16).
Durch seinen Abschied als Mensch erhielt Jesus nach der Auferstehung einen neuen Leib, der nicht mehr an Raum und Zeit gebunden war (Lk 24:31). Und durch den Heiligen Geist, den er in unsere Herzen gegeben hat, wohnt er in jedem gläubigen Christen weltweit (Röm 8:9). Das ist weit besser, als wenn Jesus – wie damals – nur an einem Ort sein könnte.
Der schmerzhafte Abschied von damals verwandelte sich nicht nur in eine große Chance, sondern wurde für uns alle zu einem großen Segen. Durch den Glauben wohnt nun der Heilige Geist in uns – was für ein unbezahlbares Geschenk! (Eph 1:13–14)
Ich will das Verlorene wieder suchen und das Verirrte zurückbringen und das Verwundete verbinden und das Schwache stärken.
Ihr irrtet umher wie Schafe, doch jetzt seid ihr zurückgekehrt zum Hirten, zum Beschützer eurer Seelen.
Es gibt mächtige Menschen, die unter dem Wohlgefallen Gottes stehen, und solche, die um Machtpositionen kämpfen, um sich zu bereichern und Anerkennung bei anderen Mächtigen zu gewinnen (Mk 10:42). Letztere stehen meist nicht unter dem Wohlgefallen Gottes, weil sie ihre Stellung zum eigenen Vorteil nutzen, statt in Gottesfurcht ein Segen für das Volk zu sein (1Petr 5:2).
Sowohl in der Bibel als auch in der Weltgeschichte finden wir Mächtige, die Gott gefürchtet haben und dem Volk zum Segen wurden (Spr 14:34). Ich denke an Joseph (1Mo 41:39), Mose (2Mo 3:10), Josua (Jos 1:7), David (1Sam 13:14), Hiskia (2Kö 18:5) oder Daniel (Dan 6:4), der als ranghoher Minister in Babylon zeitweise über große Machtfülle verfügte. Vermutlich gehören solche Vorbilder jedoch eher zu einer Minderheit.
In Hesekiel 34 beklagt sich der HERR über die Mächtigen in Jerusalem, die eigentlich einen gottgemäßen »Hirtendienst« hätten leisten sollen. In Vers 4–6 (Hes 34:4) wirft er ihnen Folgendes vor:
“Die Schwachen habt ihr nicht gestärkt und das Kranke nicht geheilt und das Gebrochene nicht verbunden und das Versprengte nicht zurückgebracht und das Verlorene nicht gesucht, sondern mit Härte habt ihr über sie geherrscht und mit Gewalt. Und sie zerstreuten sich, weil sie ohne Hirten waren, und wurden allen Tieren des Feldes zum Fraß. So zerstreuten sich ⟨und⟩ irrten umher meine Schafe.”
Lange genug sah Gott zu, wie die Hirten Israels sich selbst geweidet haben; darum verkündigt er in den Versen 11–12 und 16:
“Siehe, ich bin es, und ich will nach meinen Schafen fragen und mich ihrer annehmen. Wie ein Hirte sich seiner Herde annimmt am Tag, da er unter seinen zerstreuten Schafen ist, so werde ich mich meiner Schafe annehmen und werde sie retten aus allen Orten, wohin sie zerstreut worden sind am Tag des Gewölks und des Wolkendunkels. … Das Verlorene will ich suchen und das Versprengte zurückbringen, und das Gebrochene will ich verbinden, und das Kranke will ich stärken.”
In Psalm 23 bezeichnet David den HERRN als seinen Hirten, der ihn versorgt und führt. Jesus nimmt diesen Titel für sich in Anspruch und erklärt zugleich, woran man einen wahrhaft guten Hirten erkennt:
“Ich bin der gute Hirte; der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe.” (Joh 10:11)
In Lukas 15 erzählt Jesus das Gleichnis vom verlorenen Schaf: Eines von hundert Schafen geht verloren. Der Hirte lässt 99 Schafe in der Wüste zurück, um dieses eine zu suchen. Für einen Herdenbesitzer, der aus seiner Herde möglichst viel Gewinn ziehen will, wirkt dieses Verhalten unvernünftig und zu riskant. Doch dem HERRN geht es um jeden einzelnen. Jedes verlorene Schaf, jeder verlorene Sünder, ist ihm so wichtig, dass er ihm nachgeht, bis er ihn findet.
Petrus spricht im Lehrtext die Gläubigen als Schafe an, die einst umherirrten. Ohne eine vertrauensvolle Beziehung zum Schöpfer irrt jeder Mensch in der Ungewissheit umher – unabhängig davon, wie begabt oder intelligent jemand ist.
Wer Jesus als persönlichen Hirten gefunden hat, hat den gefunden, der in die Ewigkeit führt und die Seele beschützt.
Gebet: Herr Jesus Christus, du bist der Hirte meiner Seele. Danke, dass du mich nicht aufgibst, wenn ich mich verirre, und dass du Wunden siehst, die andere nicht erkennen. Bitte suche mich neu, wo ich mich verloren fühle, und stärke mich, wo ich schwach bin. Lehre mich, deiner Stimme zu vertrauen und Schritte in deine Nähe zu gehen. Mach mich aufmerksam für Menschen, die Ermutigung brauchen, und schenke mir dein Herz für sie. Amen.
Der HERR, dein Gott, ist ein verzehrendes Feuer und ein eifernder Gott.
Darum, weil wir ein Reich empfangen, das nicht erschüttert wird, lasst uns dankbar sein und so Gott dienen mit Scheu und Furcht, wie es ihm gefällt.
Stell dir einen Mann vor, der mit großer, leidenschaftlicher Liebe um eine junge Frau wirbt. Er begegnet ihr mit größter Wertschätzung und schenkt ihr seine ganze Aufmerksamkeit. Er tut alles, um sie zu beschenken und zu gewinnen. Und tatsächlich: Sie lässt sich auf sein Werben ein und stimmt einer Verlobung zu. Die beiden vereinbaren einen Hochzeitstermin, und der Bräutigam teilt seiner Braut mit, dass er zuvor das gemeinsame Zuhause fertigstellen müsse und dass sie sich bis zur Hochzeit nicht oft sehen würden. (Eph 5:25 / Offb 19:7)
Mit großer Freude und voller Motivation geht der Mann nach Hause, um das gemeinsame Heim für sie vorzubereiten. Währenddessen wird der Braut langweilig, und das Warten auf die Hochzeit erscheint ihr zu mühsam. Warum sollte sie sich in dieser Zeit nicht auch ein wenig Spaß gönnen und sich mit anderen Männern treffen? – Gedacht, getan. Doch es bleibt nicht bei harmlosen Treffen, sondern es kommt zu einer erotischen Affäre. Als der Bräutigam davon erfährt, empfindet er sofort eine schmerzhafte Eifersucht. (2Mo 34:14)
Ich denke, die meisten können diese Eifersucht nachempfinden. Es wäre eher befremdlich, wenn der Bräutigam gesagt hätte: „Ich liebe meine Braut, und warum sollte sie sich die Wartezeit nicht auch etwas versüßen?“ Wahre Liebe wünscht sich gegenseitige Treue, und darum ist eine solche Eifersucht die logische Folge. (Spr 6:34)
Dabei geht es nicht um einen Neid, der das begehrt, was einem anderen gehört, sondern um einen Schmerz, der aus der Zerstörung einer vertrauensvollen Liebesbeziehung entstanden ist. Es geht auch nicht um eine krankhafte Eifersucht, die schon so manche Beziehung zerstört hat, weil sie aus Misstrauen, Kontrollsucht oder verletztem Stolz geboren ist. (1Kor 13:4)
Gottes „Eifer“ ist keine krankhafte menschliche Eifersucht. Er entspringt seiner heiligen Liebe und seiner Bundestreue. Er richtet sich gegen alles, was seine Menschen an Götzen bindet und sie innerlich kaputtmacht. (2Mo 20:5 / 2Kor 11:2)
Darum kann man dieses „eifernd“ auch mit „eifersüchtig“ übersetzen, wie es zum Beispiel die Elberfelder an dieser Stelle tut. Damit wird deutlich: Es geht nicht um launische Besitzgier, sondern um die leidenschaftliche Treue Gottes, der seine Braut nicht verlieren will. Gottes „Eifersucht“ ist die schmerzhafte Reaktion seiner Liebe auf Untreue, weil Untreue zerstört, was im Bund Leben schenken soll. (Hos 2:21 / Jak 4:4)
Und genau darum ist er wie ein „verzehrendes Feuer“: nicht willkürlich zerstörend, sondern heilig reinigend. Was vor ihm nicht bestehen kann, ist nicht der Mensch, der zu ihm flieht, sondern die Lüge, die Ausrede, der Götze, das Doppelherz. Gottes Feuer brennt nicht gegen uns, sondern gegen das, was uns von ihm wegzieht – damit wir frei werden, um wirklich leben zu können. (1Petr 1:16)
Die Liebe Gottes ist ein verzehrendes Feuer, das alles verbrennt, was nicht Liebe ist!
Er liebt uns so sehr, dass er uns seinen Sohn geschenkt hat und mit ihm auch das Königreich Gottes. Paulus stellt sogar die rhetorische Frage:
„Er, der doch seinen eigenen Sohn nicht verschont, sondern ihn für uns alle hingegeben hat – wie wird er uns mit ihm nicht auch alles schenken?“ (Röm 8:32)
Wer diese Liebe zu würdigen weiß, wird unendlich dankbar sein. Voller Freude und Hingabe wird man diesem Gott der Liebe dienen, um ihm wohlzugefallen – wie eine liebende Braut, die sich auf die Hochzeit vorbereitet. (Kol 3:17 / Eph 5:27)
Die beiden letzten Verse aus Hebräer 12 lauten in der Elberfelder Bibel wie folgt:
Deshalb lasst uns, da wir ein unerschütterliches Reich empfangen, dankbar sein, wodurch wir Gott wohlgefällig dienen mit Scheu und Furcht! Denn auch unser Gott »ist ein verzehrendes Feuer«. (Hebr 12:28-29)
Scheu und Furcht lässt sich auch mit Schamhaftigkeit und Ehrfurcht wiedergeben. Wer die Liebe Gottes und seines Sohnes Jesus Christus wirklich erkannt hat, läuft keinem anderen Gott mehr nach, sondern dient ihm voller Vorfreude und wartet auf sein Wiederkommen! (1Petr 1:15 / Tit 2:13)
Gott, du holst mich wieder herauf aus den Tiefen der Erde. Du machst mich sehr groß und tröstest mich wieder.
Jesus sprach: Jüngling, ich sage dir, steh auf! Und der Tote richtete sich auf und fing an zu reden, und Jesus gab ihn seiner Mutter.
In Psalm 90:12 betet Mose: „So lehre uns denn zählen unsere Tage, damit wir ein weises Herz erlangen!“ Mein Computer hat mir eben ausgerechnet, dass ich heute 23.413 Tage alt bin. Wie viele Tage noch vor mir liegen, weiß ich nicht, aber es dürften deutlich weniger sein – zumindest, was mein Dasein in diesem vergänglichen Körper betrifft.
Habe ich nun das getan, worum Mose in diesem Vers gebeten hat? Nur zum Teil. In dieser Aussage geht es weniger darum, zu wissen, wie viele Tage alt ich bin, sondern vielmehr um das Bewusstsein, dass mein Leben zeitlich begrenzt ist und jederzeit zu Ende gehen könnte. Je älter wir werden, desto mehr sollten wir uns das vor Augen halten und fragen: Was hat der Schöpfer des Menschen über den Sinn unseres irdischen Lebens gesagt – und über das, was danach kommt?
Für die Autoren des Alten Testaments war klar, dass sie nach dem Sterben in das Totenreich (hebr. Scheol) kommen. In Daniel 12:2 wird es als ein „Land des Staubes“ bezeichnet, in dem viele „schlafen“ und aus dem am Ende der Zeit viele aufwachen werden. Der Hebräerbrief schreibt, dass es dem Menschen gesetzt ist, einmal zu sterben, und danach kommt das Gericht (Hebr 9:27). Was dort geschieht, wird u.a. sehr eindrücklich in Matthäus 25:31-46 berichtet. Daraus geht deutlich hervor, was entscheidend ist: Wurde aus der Liebe gelebt und Barmherzigkeit praktiziert – oder nicht. Oder kurz gesagt: Es geht um Beziehung – zu Gott und zu den Menschen (Mt 22:37 / Mt 22:39). Daraus ergibt sich auch der Sinn unseres Lebens: dass wir lernen, aus Liebesbeziehungen zu leben (1Jo 4:7 / 1Jo 4:8).
Der Liederdichter von Psalm 71 befand sich bereits im fortgeschrittenen Alter. Er wusste, dass seine eigene Kraft schwand, und zugleich wurde er von Gottlosen und Ungerechten bedroht. Das war eine äußerst bedrohliche Situation. Aus dem gesamten Psalm wird ersichtlich, wie wichtig ihm seine Vertrauensbeziehung zum HERRN ist. Dem Psalmisten war klar, dass er nur bei Gott Schutz und Hilfe finden kann (Ps 71:1).
Der heutige Losungsvers zeigt indirekt, dass er nach dem Sterben in die Tiefen der Erde und damit in den Scheol gelegt würde. Zugleich rechnete er damit, dass Gott ihn von dort wieder heraufholen würde. Er hatte also eine klare Auferstehungshoffnung. Diese beruhte nicht auf seinem Willen, sondern auf seiner Vertrauensbeziehung zum HERRN.
Der Psalmdichter rechnete auch damit, in ein neues Leben zurückgebracht zu werden, in dem Gott ihn tröstet und groß macht (Ps 71:20-21). Damit glaubte er bereits ansatzweise das, was Jesus zu Marta sagte:
„Ich bin die Auferstehung und das Leben; wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er gestorben ist“ (Joh 11:25)
Doch nicht nur ältere Menschen müssen jederzeit mit dem Sterben rechnen, sondern auch junge. Das zeigt unsere Erfahrung und auch der Lehrtext aus Lukas 7: Dort starb ein Jüngling, der einzige Sohn einer Witwe (Lk 7:12).
Die Trauergemeinde war gerade dabei, den Leichnam aus der Stadt zu tragen, um ihn zu beerdigen. Jesus war innerlich so sehr bewegt, dass er zur Mutter des Verstorbenen sagte: „Weine nicht!“ Wie soll man nicht weinen, wenn der einzige Sohn gestorben ist? Ist es nicht eine absolute Überforderung, wenn man sämtliche Trauergefühle unterdrücken soll? – Ja, das ist es! Aber wenn aus dieser Aufforderung eine Auferstehungshoffnung wächst, dann ist das möglich.
Vielleicht flammte diese Hoffnung auf, als die Witwe Jesus in die Augen schaute und seine Liebe und Vollmacht erkannte. Wir wissen es jedoch nicht. Jesus berührte die Bahre und sagte: „Jüngling, ich sage dir, steh auf!“ Danach richtete sich der Tote auf und fing an zu reden (Lk 7:14).
Dieses „Ich-sage-dir“ offenbarte Jesus als denjenigen, der durch sein schöpferisches Wort Tote ins Leben zurückrufen kann (Joh 5:28). Jesus ist der Einzige, der drei Tote auferweckt hat:
Der tote Jüngling von Nain, der auf einer Bahre aus der Stadt getragen wurde (Lk 7:14).
Die Tochter des Jairus, die vermutlich noch im Haus auf dem Bett lag (Mk 5:41).
Lazarus von Bethanien, der bereits vier Tage in der Gruft lag und schon nach Verwesung roch (Joh 11:39).
Letzterer wurde tatsächlich aus den „Tiefen der Erde“ herausgeholt – so, wie es der Liederdichter in Psalm 71 erwartete.
Wer an Jesus glaubt und in einer Vertrauensbeziehung zu dem lebt, der gesagt hat, er sei die Auferstehung und das Leben, darf auch wissen, dass er einmal auferstehen und einen herrlichen, unverweslichen Leib bekommen wird (1Kor 15:52).
Der HERR sprach zu Jona: Meinst du, dass du mit Recht zürnst?
Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.
Es gibt wohl kaum jemanden, der als Kind biblischen Unterricht erhielt und dabei nicht auch die Geschichte von Jona gehört hat (Jon 1:1). Viele Kinder fasziniert die Vorstellung, dass ein Prophet von einem großen Fisch verschluckt wird, drei Tage darin überlebt und anschließend wieder ausgespuckt wird (Mt 12:40). Ebenso beeindruckt sie, dass es da einen Mann gibt, der Gott einfach nicht gehorchen wollte (Jon 1:3). Vielleicht finden sie es auch tröstlich zu sehen, dass Erwachsene manchmal mit denselben Schwierigkeiten kämpfen wie sie selbst.
Bibelkritiker finden die Geschichte als Metapher vielleicht auch interessant. Gleichzeitig halten sie es für naiv, wörtlich zu glauben, dass ein Mann drei Tage im Bauch eines Fisches überlebt und anschließend wieder ausgespuckt wird (Jon 2:1). Natürlich ist das ein übernatürliches Wunder (Mt 19:26). Aber für den Erschaffer aller Lebewesen sind solche Wunder eine Kleinigkeit (Hebr 11:3). Für Jesus selbst entsprach das Schicksal Jonas auf jeden Fall der Realität (Mt 12:40 / Lk 11:30).
Die vier Kapitel des Propheten Jona sind jedoch nicht nur wegen Jonas Ungehorsam und seines Aufenthalts im Bauch des Fisches bemerkenswert, sondern auch wegen vieler anderer Aspekte (Jon 4:1). Diese Geschichte umfasst beinahe die gesamte Bandbreite menschlicher Emotionen und Verhaltensweisen. Sie zeigt Widerspenstigkeit und Glauben und schildert tiefste Verzweiflung, Todesnot, Ärger und Frust, aber auch Freude, göttliche Geduld, Liebe und Barmherzigkeit. Das Büchlein Jona ist nicht nur eine unterhaltsame „Sonntagschulgeschichte“, sondern ein literarisches Meisterwerk, das Jung und Alt gleichermaßen fasziniert.
Beim Lesen von Kapitel 4 kann ich mir ein Schmunzeln kaum verkneifen – irgendwie sehe ich darin auch eine Art Humor Gottes. Während jeder andere Evangelist in Jubel ausbrechen würde, wenn eine ganze Stadt aufgrund seiner Predigt Buße täte, war Jona zutiefst frustriert darüber, dass ausgerechnet seine „dürftige und lustlose Predigt“ dazu führte, dass 120.000 Menschen von ihren bösen Taten umkehrten und Gott sich über die Feinde Israels erbarmte.
Sein prophetischer Dienst in seinem eigenen Volk, das er so sehr liebte, blieb mehr oder weniger erfolglos. Währenddessen bewirkte sein göttlicher Auftrag bei den Feinden Israels genau das, was er sich nie gewünscht hatte: Gott erbarmt sich über die brutalen und götzendienerischen Assyrer. Jona war zutiefst frustriert und im wahrsten Sinne des Wortes „zu Tode betrübt“. In den ersten drei Versen von Kapitel vier heißt es:
“Und es missfiel Jona sehr, und er wurde zornig. Und er betete zum HERRN und sagte: Ach, HERR! War das nicht meine Rede, als ich noch in meinem Land war? Deshalb floh ich schnell nach Tarsis! Denn ich wusste, dass du ein gnädiger und barmherziger Gott bist, langsam zum Zorn und groß an Güte, und einer, der sich das Unheil gereuen lässt. Und nun, HERR, nimm doch meine Seele von mir! Denn es ist besser, dass ich sterbe, als dass ich lebe!”
Darauf folgt das heutige Losungswort, in dem Gott fragt: „Meinst du, dass du mit Recht zürnst?“ (Jon 4:4). Danach fand Jona keine Worte mehr. Er ging aus der Stadt und machte es sich östlich von Ninive bequem, um abzuwarten, was geschehen würde (Jon 4:5). Vielleicht hegte er immer noch die leise Hoffnung, dass Gott Ninive doch noch vernichten würde.
Manch eine Person fragt sich da: „Wie kann man sich darüber ärgern, dass Gott gnädig und barmherzig ist?“ Dabei ist es doch wunderbar, wenn Gott viel barmherziger ist, als wir vermuten (Jon 4:2). Jona würde vielleicht entgegnen: „Ja – aber nicht, wenn dadurch die Feinde des auserwählten Volkes gestärkt werden und am Ende sogar dazu beitragen, dass Israel vernichtet wird“ (2Kö 17:6).
Wie würden wir reagieren, wenn Gott sich über unsere Todfeinde erbarmen würde, während die Gebete für unsere geliebte Familie vorerst unerhört bleiben?
Jesus lehrt uns die Feindesliebe (Lk 6:27 / Mt 5:44). Sie ist ein Ausdruck göttlicher Vollkommenheit und schließt auch das Erbarmen gegenüber Feinden ein, die Buße getan und umgekehrt sind. Jesus wurde zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel gesandt (Mt 15:24). Jesus liebte sein Volk und weinte über die Stadt Jerusalem (Lk 19:41). Aber die Seinen nahmen ihn nicht auf (Joh 1:11). Dafür taten viele von den unbeschnittenen Heiden Buße und kehrten um (Apg 13:46). So hat sich Gott auch über uns Heiden erbarmt (Röm 11:30). Doch Gott wird sich auch über sein Volk erbarmen. Deshalb sagte auch Paulus, dass ganz Israel gerettet wird (Röm 11:26).
In Matthäus 5 sagt Jesus: „Ihr nun sollt vollkommen sein, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist.“ Im heutigen Lehrtext heißt es: „Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist!“
Göttliche Vollkommenheit bedeutet nicht in erster Linie Perfektion, sondern bedingungslose Liebe, geprägt von Gnade und Barmherzigkeit. Darum gilt:
“Barmherzigkeit ist hier nicht primär ‘Gefühl’, sondern gelebte Gnade im Umgang mit anderen – besonders dort, wo Menschen es nicht ‘verdient’ haben.”
Vor dem HERRN her kam ein großer und gewaltiger Sturmwind, der Berge zerriss und Felsen zerbrach, in dem Sturmwind aber war der HERR nicht. Und nach dem Sturmwind kam ein Erdbeben, in dem Erdbeben aber war der HERR nicht. Und nach dem Erdbeben kam ein Feuer, in dem Feuer aber war der HERR nicht. Nach dem Feuer aber kam das Flüstern eines sanften Windhauchs.
Kein Mensch hat Gott jemals gesehen. Nur der Eine, der selbst Gott ist und mit dem Vater in engster Gemeinschaft steht, hat uns gesagt und gezeigt, wer Gott ist.
Während der Entstehung des Wortes Gottes hat der HERR auf unterschiedliche Weise zu den Menschen gesprochen, vielfach anders als erwartet und oft unerwartet. Zwar ist er derselbe gestern, heute und in Ewigkeit, und doch lässt er sich nicht festlegen oder berechnen (Hebr 13:8). Immer wieder entzieht er sich unseren Vorstellungen und zeigt sich auf überraschende Weise (Jes 55:8).
Trotz seiner Unfassbarkeit hat er sich stufenweise offenbart. Man könnte auch sagen: Er hat sein Wesen Schritt für Schritt entfaltet und uns alles gesagt, was für unser Menschsein sowie für unsere Beziehung zu ihm wichtig ist (2Tim 3:16). Allerdings können wir sein Reden ohne den Geist Gottes nicht verstehen (1Kor 2:14).
Neben Mose gehört Elia zu den herausragendsten Propheten des Alten Bundes. Wie Mose befand er sich am Horeb, wo Gott zu ihm sprach – jedoch anders als erwartet. Auch er stand auf „heiligem Boden“ (2Mo 3:5). Hier begegnete Gott Mose in einem brennenden Dornbusch, der nicht verbrannte (2Mo 3:2). Hier übermittelte Gott dem Volk Israel durch Mose seine Gebote (2Mo 20:1). Dabei zeigte er seine ehrfurchtgebietende Macht: Der Berg war in Rauch gehüllt, weil der HERR im Feuer auf ihn herabkam (2Mo 19:18). Es gab Donner, Blitze und ein dichtes Wolkendunkel (2Mo 19:16). Gleichzeitig ertönte ein immer lauter werdender, übernatürlicher Posaunenschall, und der ganze Berg bebte. Gott erschien in einer dichten, dunklen Wolke, sodass seine Gestalt nicht direkt sichtbar war. Das war tief beeindruckend, aber zugleich beängstigend, sodass das Volk sagte:
„Rede du mit uns, dann wollen wir hören; aber Gott soll nicht mit uns reden, damit wir nicht sterben.“ (2Mo 20:19)
Gottes Heiligkeit und Macht waren real – und doch war die Distanz ebenso real: Der Mensch spürt, dass er vor Gott nicht einfach bestehen kann. Genau hier wird verständlich, weshalb Gott sich später auch anders offenbart. Interessant ist: Der HERR weist Mose darauf hin, dass das Volk in seiner Furcht nicht einfach „unrecht“ hat. Als sie bitten, Mose solle stellvertretend für sie hören, sagt Gott sinngemäß: „Sie haben recht geredet“ (vgl. 5Mo 5:28). Warum? Denn der Mensch wird nicht allein durch spektakuläre Machtdemonstrationen verändert, sondern vor allem durch Gottes sanftes und liebevolles Herabneigen. Aus neutestamentlicher Sicht zeigt sich das im Herabkommen des Sohnes Gottes und in der Sendung des Heiligen Geistes in die Herzen der Menschen.
Nachdem Elia auf dem Berg Karmel dem Volk Israel durch spektakuläre Zeichen und Wunder Gottes Allmacht demonstriert hatte und kurz darauf aus Angst vor Königin Isebel fliehen musste, stellte er am Horeb ernüchtert fest:
„Ich habe sehr geeifert für den HERRN, den Gott der Heerscharen. Deinen Bund haben die Söhne Israel verlassen, haben deine Altäre niedergerissen und deine Propheten mit dem Schwert umgebracht! Und ich allein bin übrig geblieben, ich allein, und nun trachten sie danach, auch mir das Leben zu nehmen.“ (1Kö 19:10)
Kaum hatte Elia das gesagt, erhielt er die Anweisung, hinauszugehen und sich auf dem Berg vor dem HERRN aufzustellen, wo der HERR an ihm vorüberzog. Zuerst kamen mächtige Naturgewalten: Sturmwind, Erdbeben und Feuer. Doch der HERR war nicht in diesen beeindruckenden Ereignissen, sondern erst im „Flüstern eines sanften Windhauchs“ (1Kö 19:12). Wörtlich könnte man auch von der „Stimme einer dünnen Stille“ sprechen.
Das wirkt zunächst widersprüchlich: Wie kann in einer „dünnen, sanften Stille“ überhaupt eine Stimme hörbar sein? Und doch liegt genau darin eine geistliche Wahrheit, die auch uns betrifft.
Vor Gott still zu werden ist alles andere als einfach. Es ist ein Zur-Ruhe-Kommen, bei dem man zunächst die eigenen, geschäftigen Gedanken ablegen muss, um das sanfte Reden Gottes im Herzen wahrnehmen zu können. Im betenden Lesen der Bibel spricht Gott zu uns: in der Stille und nicht mit einer akustisch hörbaren Stimme, auch wenn es in seltenen Ausnahmefällen dazu kommen kann.
Im Neuen Testament offenbarte sich Gott in seinem Sohn. Obwohl er unvergleichliche Wunder tat, blieb sein äußeres Erscheinungsbild unspektakulär. So lesen wir in Jes 53:2: „Er hatte keine Gestalt und keine Pracht. Und als wir ihn sahen, da hatte er kein Aussehen, dass wir Gefallen an ihm gefunden hätten.“ Und auch von großem Aufsehen ist nicht die Rede, wie Jes 42:2 es prophezeit:
„Er wird nicht schreien und ⟨die Stimme⟩ nicht erheben und seine Stimme nicht hören lassen auf der Straße.“
Doch ausgerechnet dieser unscheinbare Bauhandwerkersohn offenbarte uns den himmlischen Vater. Durch ihn redete der allmächtige Gott zu uns. Er ist es, der uns seinen Heiligen Geist sandte, damit wir heute in unseren Herzen die „Stimme einer dünnen Stille“ hören können (Joh 14:26 / Röm 8:16).
Gott ist nicht fern, wenn es still ist. Manchmal ist die Stille gerade das Zeichen seiner Barmherzigkeit: Er kommt nicht, um zu überfahren, sondern um zu gewinnen. Wer Christus anschaut, findet in der „dünnen Stille“ nicht Leere, sondern den lebendigen Gott, der ruft, vergibt und führt (Joh 1:18).
Gebet: Vater im Himmel, ich danke dir, dass du nicht fern und unnahbar bleibst. Bitte hilf mir, dein leises Reden wahrzunehmen, besonders wenn ich müde, unruhig oder enttäuscht bin. Herr Jesus Christus, danke, dass du mir zeigst, wie Gott wirklich ist: voller Gnade und Wahrheit. Richte mein Herz neu aus und gib mir Mut zu dem nächsten einfachen Schritt. Amen.
David sprach zum HERRN: Ich habe schwer gesündigt, dass ich das getan habe. Und nun, HERR, nimm weg die Schuld deines Knechts.
Wenn wir unsre Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und reinigt uns von aller Ungerechtigkeit.
In 2Sam 24:1 geht es nicht um Davids bekannte Verfehlungen, sondern um die Volkszählung, die David zunächst für sinnvoll hält und später als Sünde erkennt (2Sam 24:10).
Die Frage ist: Warum wurde diese Zählung für David zur Schuld, obwohl Volkszählungen auch bei anderen Herrschern vorkamen? Denken wir an Kaiser Augustus, der damit eine Steuererhebung durchführte (Lk 2:1), oder an andere, die die Anzahl wehrfähiger Männer erfassen wollten.
Grundsätzlich ist eine staatliche Volkszählung nicht automatisch sündhaft, denn die Bibel nennt häufig Zahlen von Stämmen, Völkern und Heeren, ohne dies als Sünde zu bewerten (4Mo 1:2 / 4Mo 26:2).
Was war bei David anders? Warum hatte David plötzlich ein schlechtes Gewissen? In Vers 10 heißt es wörtlich: „Aber David schlug das Herz, nachdem er das Volk gezählt hatte.“ Dadurch wurde David innerlich sofort bewusst, dass er dies aus falschen Motiven tat. Er hatte Beweggründe, die Gott nicht gefielen (Spr 16:2).
Im Kapitel zuvor werden die „beeindruckenden Helden“ aus Davids Armee aufgezählt (2Sam 23:8). Neben diesen überaus kampffähigen Leuten wusste David auch, dass er über eine große Anzahl wehrfähiger Männer verfügte. Nun wollte er für seine persönliche „Statistik“ auch noch die genaue Anzahl seiner Soldaten kennen (2Sam 24:2). Am Ende seines Lebens war es ganz anders als früher, als er oft allein war oder nur über eine sehr kleine Truppe verfügte. Die Qualität und die Größe seiner Armee weckten in ihm vermutlich auch einen gewissen Stolz und ein neues Sicherheitsgefühl, das weniger auf dem Vertrauen auf Gott beruhte und mehr auf menschlicher Stärke (Spr 28:26 / Jer 17:5).
Für David wurde die Volkszählung zur Schuld, weil es zu einer geistlichen Verschiebung kam: Seine Sicherheit beruhte mehr auf Zahlen als auf Gott. Statt weiter in Demut zu leben, schlich sich der Hochmut durch die „Hintertür“ ein. Er löste ein Machtbewusstsein aus, das die Abhängigkeit von Gott scheinbar verringerte (Spr 16:18). Zählen kann auch heißen: Kontrolle gewinnen, Besitz markieren, Menschen „verfügbar machen“. Gott aber erinnert David: Israel gehört nicht dir – es ist mein Volk. Bevor David den Befehl gab, das Volk zu zählen, fehlte es zudem an einer Rückfrage bei Gott: „HERR, soll ich mein Volk zählen lassen? Ist das jetzt dran?“ (Jak 4:13). In 2. Samuel 24:4 wirkt David getrieben. Später wird deutlich, wie der Weg der Sünde oft aussieht: Am Anfang wirkt eine Entscheidung plausibel, später erzeugt sie Bitterkeit (Jak 1:14).
Ein großes Machtbewusstsein empfinden viele Menschen als angenehm, weil man damit den eigenen Willen oft besser durchsetzen kann und es scheinbar mehr Unabhängigkeit vermittelt. Tatsächlich fördert es jedoch den eigenen Hochmut. Dieser führt immer zur Entwertung anderer Menschen, die ebenfalls im Bilde Gottes erschaffen wurden (1Mo 1:27). Wer hochmütig ist, steht nicht nur unter dem Missfallen Gottes, sondern macht sich Gott auch zum Gegner (Jak 4:6) – und das wünsche ich niemandem.
Macht zu besitzen, ohne sie zu missbrauchen, ist genauso schwer wie ein Leben ohne Sünde zu führen. Machtmissbrauch ist wie jede andere Sünde eine Ungerechtigkeit, die uns vor Gott verunreinigt, weil sie nicht aus Liebe entsteht (1Jo 3:4). Jede Sünde verfehlt das Ziel, Gott und den Mitmenschen zu lieben (Mt 22:37).
Sowohl Sünde als auch Ungerechtigkeit führen zu Schuld und geistlicher Verunreinigung, die unsere Seele krank machen kann (Ps 32:3). Weil aber alle Menschen sich durch Sünde und Ungerechtigkeit beschmutzt haben und schuldig geworden sind, brauchen wir Vergebung und Reinigung (Röm 3:23). Gott bietet uns beides in seiner unermesslichen Gnade in Fülle an. Doch Vergebung und Reinigung werden in unserem Leben erst wirksam, wenn wir zu unserer Schuld stehen und unsere Sünde bekennen (1Jo 1:9 / Spr 28:13).
Vergebung der Sünden und Reinigung von Ungerechtigkeit sind Gottes Sache (1Jo 1:9). Das Sündenbekenntnis dagegen muss von uns kommen (Ps 32:5). Dafür braucht es Demut, die uns oft fehlt, wenn wir andere Menschen verachten oder geringschätzen (Phil 2:3).
Wer bekennt, verliert nicht die Würde, sondern gewinnt Wahrheit. Und Wahrheit führt nicht in die Dunkelheit, sondern in das Licht der Gnade (Joh 8:32 / Joh 3:21).
Demut ist und bleibt der Schlüssel zu Gottes Gnade (Jak 4:6 / 1Petr 5:5). Ich wünsche allen, dass sie diesen Schlüssel finden, denn er macht unendlich reich (Spr 22:4).
Meine Zeit steht in deinen Händen.
So seht nun sorgfältig darauf, wie ihr euer Leben führt, nicht als Unweise, sondern als Weise.
von Ingo Mees
David schrieb den 31. Psalm in einer Situation äußerster Bedrängnis (Ps 31:10-14). Tiefe Traurigkeit hatte sich seiner bemächtigt, körperliche Schwachheit machte ihm zu schaffen, und den Spott seiner Feinde konnte er kaum ertragen. In dieser depressiven Phase seines Lebens kannte David nur einen Ausweg: Er änderte seine Blickrichtung – weg von seiner Not hin zu dem, der als einziger seine Not wenden konnte (Ps 31:6). David schrie zu Gott und sprach ihm sein volles Vertrauen aus (Ps 31:15 / Spr 3:5). Augenblicklich kam er zur Ruhe und begriff, dass seine Zukunft allein in Gottes Hand liegt: „In deiner Hand liegt mein Geschick“ (Ps 31:16). David konnte wieder klarer sehen und sich im Rückblick an die vielen Gnadenerweise seines Gottes erinnern (Ps 31:20-22).
Diese Erfahrung hatte David so beeindruckt, dass er allen Menschen, die sich in einer ähnlichen Lebenssituation befinden, wie er sie durchlebt hatte, am Schluss seines Liedes den guten Ratschlag gab, es ihm gleichzutun und den Blick auf Gott zu richten: „Seid stark, und euer Herz fasse Mut, alle, die ihr auf den HERRN harrt!“ (Ps 31:25).
Wer sich Gott ganz anvertraut und seine Zukunft in der Hand des himmlischen Vaters weiß, fasst Mut und kommt innerlich zur Ruhe – auch in Zeiten der Not und der Bedrängnis. Diese Erfahrung hat großen Einfluss auf den eigenen Lebensstil: Der Wunsch, dem himmlischen Vater Ehre zu bereiten, wird stärker – denn dazu sind wir als Gotteskinder berufen (Eph 1:6 / Eph 1:12). Und doch haben wir es immer wieder nötig, daran erinnert zu werden.
Der Apostel Paulus ermuntert uns, unseren Lebensstil mit Bedacht und weise zu gestalten: „So seht nun sorgfältig darauf, wie ihr euer Leben führt, nicht als Unweise, sondern als Weise.“ (Eph 5:15 / Eph 5:16). Aus eigener Kraft ist das nicht zu stemmen – allein Gottes Geist befähigt uns dazu. Diese Kraftquelle steht allen Kindern Gottes zur Verfügung, denn der Geist Gottes ist uns bei unserer geistlichen Neugeburt als Siegel der Gotteskindschaft geschenkt worden (Eph 1:13-14).
Die entscheidende Frage für einen weisen Lebenswandel ist, welchen Raum wir dem Geist Gottes in unserem Herzen einräumen. Welche Priorität hat der Heilige Geist in deinem Leben? (Gal 5:25 / Kol 3:15) Ein Gradmesser zur Beantwortung dieser Frage ist, wie wir unsere freie Zeit ausfüllen. Beschäftigen wir uns hauptsächlich mit den Dingen, die diese Welt uns anbietet, oder pflegen wir unsere Beziehung zu unserem himmlischen Vater (Mt 6:33 / Kol 3:2)?
Paulus wusste, dass wir es immer wieder nötig haben, dem Geist Gottes bewusst neu Raum in uns zu geben. Es war sein Gebet für die Gemeindeglieder in Ephesus, dass sie mit dem „Geist der Weisheit“ erfüllt würden (Kol 1:9). Und er gab den Ephesern einen Hinweis, wie das geschehen kann:
„Werdet voller Geist, indem ihr zueinander in Psalmen und Lobliedern und geistlichen Liedern redet und dem Herrn in euren Herzen singt und spielt!“ (Eph 5:18b-19)
Den Kolossern empfiehlt Paulus darüber hinaus, sich so oft wie möglich mit dem Wort Gottes zu beschäftigen:
„Das Wort des Christus wohne reichlich in euch; in aller Weisheit lehrt und ermahnt euch gegenseitig! Mit Psalmen, Lobliedern und geistlichen Liedern singt Gott in euren Herzen in Gnade!“ (Kol 3:16)
Was die Zukunft bringt, wissen wir nicht. In einer Welt, in der Gott und sein Wort – das Evangelium von Christus – kaum mehr Gehör finden, kann es eigentlich nur abwärts gehen. Wer aber sein Geschick bewusst in die liebenden Hände des himmlischen Vaters legt und seinen Lebenswandel vom Geist Gottes prägen lässt, geht einer herrlichen Zukunft entgegen. Die Frucht des Geistes Gottes (Gal 5:22) wird zu einer Segensquelle werden – für uns selbst und für unsere Nächsten. Unserem Gott sei Lob und Dank dafür!
Sei nun wieder zufrieden, meine Seele; denn der HERR tut dir Gutes.
Jesus kam, obwohl die Türen verschlossen waren, und er trat in ihre Mitte und sprach: Friede sei mit euch!
Seelsorge hat in vielen Gemeinden einen hohen Stellenwert. Dennoch gibt es vereinzelt Gläubige, die behaupten, es brauche gar keine Seelsorge, sondern vielmehr eine „Geistsorge“. Wieder andere meinen, das Wort Gottes reiche völlig aus, um geistlich und seelisch gesund zu werden.
Um diese Sichtweisen richtig einordnen zu können, ist es hilfreich, die Vertreter der jeweiligen Meinung zu fragen, wie sie ihre Aussage verstehen, was sie genau damit meinen und weshalb sie zu dieser Schlussfolgerung kommen. Anschliessend lassen sich diese Behauptungen am Wort Gottes prüfen (Apg 17:11).
In der säkularen Welt spricht man im professionellen Bereich häufig von Psychotherapie. In bestimmten Fällen kann sie eine hilfreiche Ergänzung sein – etwa bei der Verarbeitung von Traumata oder bei festgefahrenen Denk- und Verhaltensmustern.
Gleichzeitig ist zu bedenken, dass therapeutische Ansätze ohne Bezug zu Gott zentrale Fragen – wie Schuld, Vergebung und Versöhnung – anders beurteilen als die Bibel. Deshalb kann Psychotherapie biblische Seelsorge nicht ersetzen, sondern höchstens ergänzen.
Das Wort „Seelsorge“ finden wir so nicht direkt in der Bibel. Dennoch finden wir viele Aussagen, in denen der Seele zugesprochen wird – sei es durch Gottes Wort und seinen Geist, durch Geschwister oder durch einen selbst (Kol 3:16 / Gal 6:2). Im heutigen Losungsvers spricht der Autor zu seiner eigenen Seele und ermutigt sie zur Zufriedenheit. Wörtlich übersetzt heisst es da:
“Kehre zurück, du, meine Seele, zu deiner Ruhe”
Das Wort menuchah bezeichnet nicht nur Stille, sondern einen Ort der Sicherheit und des Friedens, den wir letztlich nur bei Jesus Christus finden. Ähnliche Stellen finden sich in Psalm 42:6 und 43:5. Dort spricht der Psalmist seine eigene Seele an und erinnert sich selbst daran, auf Gott zu hoffen. In der Elberfelder Bibel heisst es:
“Was bist du so aufgelöst, meine Seele, und stöhnst in mir? Harre auf Gott! – denn ich werde ihn noch preisen für die Heilstaten seines Angesichts.”
Dieser “Selbstzuspruch” ermutigt die eigene Seele, auf Gott zu vertrauen, und erinnert sie daran, dass der HERR eine Rettung verheißen hat, die zum richtigen Zeitpunkt eintreffen wird – auch wenn es vielleicht später geschieht als erhofft. Hier sehen wir eine klare Form biblischer Selbstseelsorge. Sie bedeutet aber nicht, dass wir uns selbst retten oder uns aus eigener Kraft „heilen“. Es bedeutet vielmehr, dass wir unsere Seele bewusst unter Gottes Wahrheit stellen.
Selbstseelsorge ersetzt jedoch nicht den Trost, den Zuspruch, die Ermutigung, die Erbauung und die Ermahnung durch unsere Glaubensgeschwister (Hebr 10:24-25). Paulus schreibt von gegenseitigem Trösten und Ermutigen (1Thes 4:18 / 1Thes 5:11). In Kolosser 3:16 geht es um ein gegenseitiges Lehren und Ermahnen.
Solche Liebesdienste sprechen der Seele zu, die immer wieder einmal niedergeschlagen ist und vielleicht die Orientierung verloren hat (Spr 12:25). Dieser gegenseitige Zuspruch dient auch zur Erbauung unseres Geistes, also des inneren Menschen (2Kor 4:16). Hier darf man daher sowohl von biblischer Seelsorge als auch von einer Art „Geistsorge“ sprechen.
Seelsorge ist letztlich immer eine Form von Hirtendienst: Eine Seele wird zum Herrn zurückgeführt (Jak 5:19-20). Wer sich vom Geist Gottes führen lässt, tut einen solchen Hirtendienst, auch wenn es der Person nicht einmal bewusst ist (Röm 8:14). Die Bibel nennt dies auch „prophetisches Reden“ (1Kor 14:3).
Der beste Seelsorger ist natürlich unser Herr Jesus Christus (Joh 10:11). Doch oft hilft er auch durch seine Diener, die sich in den Gemeinden um andere kümmern und ihnen beistehen (Eph 4:11-12 / Gal 6:2).
Der Apostel Thomas brauchte nach der Auferstehung Jesu besondere Seelsorge, weil er nicht glauben konnte, dass Jesus von den Toten auferstanden war (Joh 20:24-29). Die Aussagen seiner Geschwister genügten ihm nicht. Er wollte es mit eigenen Augen sehen und mit seinen Händen ertasten, dass dies wirklich Realität war. Thomas konnte sich in diesem Moment nicht selbst zur Ruhe bringen – er brauchte die Begegnung mit Jesus. Das zeigt: Selbstseelsorge hat ihre Grenzen.
Jesus ließ ihn eine Woche warten und zeigte sich ihm nicht sofort. Diese Wartezeit war für ihn wichtig, weil genau in dieser Zeit ein Prozess stattfand, der ihn dann für die Begegnung mit Jesus reif werden ließ! Als Jesus dann erschien – obwohl die Türen verschlossen waren – verkündete er seinen Jüngern den “Schalom Gottes” und als Thomas seine Wundmale betasten durfte, sagte er: “Mein Herr und mein Gott!”
Gottes Seelsorge geschieht nicht immer sofort, aber immer rechtzeitig und so, dass unser Herz bereit ist, wenn er kommt.
Meine Schuld ist mir über den Kopf gewachsen; sie wiegt zu schwer, ich kann sie nicht mehr tragen.
Der Übeltäter sprach: Jesus, gedenke an mich, wenn du in dein Reich kommst! Und Jesus sprach zu ihm: Wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradies sein.
Als jemand, der bereits im 65. Lebensjahr steht, kenne ich mich mit der Sprache der Jugendlichen nicht so gut aus. Vielleicht würden sie Psalm 38 als einen echten „Depri-Psalm“ bezeichnen. Als ich diesen Psalm erneut las und versuchte, mich in Davids Gefühlszustand hineinzuversetzen, wurde mir ganz elend.
David empfand eine Schuld, die ihn zu erdrücken drohte und ihn völlig überforderte (Ps 38:5). Er war von Angst und tiefer Bedrängnis geplagt. Körperliche Schmerzen und seelische Niedergeschlagenheit belasteten ihn zugleich (Ps 38:4). Doch damit nicht genug: Er fürchtete, von Gottes Zorn getroffen zu werden, weil er die Ursache dieser Not mit seiner großen Schuld verband (Ps 38:2).
An welche Schuld dachte David hier? War es sein Ehebruch mit Bathseba und der geplante Mord an Uria (2Sam 11:2-17), oder etwas anderes? Wir wissen es nicht; es bleibt reine Spekulation.
Viel wichtiger als die konkrete Sünde ist das Thema dieses Psalms: Davids tiefes Schuldbewusstsein und der Glaube daran, dass Gott ihn trotz allem rettet (Ps 38:16 / Ps 38:23). David ignoriert seine Sünde nicht. Er beschönigt und bestreitet sie auch nicht, sondern bekennt sich dazu (Ps 51:5; Spr 28:13). Für David war klar: Ohne ein klares Schuldbekenntnis vor Gott hat Gottes Vergebung keine heilende Auswirkung auf die Seele (Ps 32:5; 1Jo 1:9).
Trotz dieses niederschmetternden Zustands hoffte und vertraute David auf Rettung aus Sünde und Strafe. Das ist bemerkenswert, denn viele hätten an diesem Punkt aufgegeben. Warum blieb David vor endgültiger Resignation bewahrt? Ich denke, es war eine Kombination aus Gottes Gnade und seinem Glauben – der letztlich ebenfalls ein Geschenk Gottes ist (Eph 2:8).
Auch beim Verbrecher, der mit Jesus gekreuzigt wurde, wissen wir nicht, weshalb er diese grausame Todesstrafe erleiden musste. Vielleicht war er ein Mörder oder ein Zelot, der einen Anschlag auf den römischen Machtapparat verübt hatte; wir können darüber nur Vermutungen anstellen. Doch eines ist klar: Er hielt seine Bestrafung nicht für unverdient. Er selbst bezeugte:
„Wir empfangen, was unsere Taten verdienen; dieser aber hat nichts Unrechtes getan.“ (Lk 23:41)
Damit ist der Verurteilte zum alles entscheidenden Punkt gekommen: Er versucht nicht, seine Schuld kleinzureden, er rechtfertigt sich nicht, und er verschiebt die Verantwortung nicht. Er steht zu dem, was war – und gerade deshalb kann er sich auch an Jesus wenden, ohne etwas vorweisen zu müssen (Hebr 4:16).
Und nun kommt das Erstaunliche: Seine Bitte ist äußerst schlicht. Er bittet nicht um Flucht vom Kreuz, nicht um ein Wunder und nicht um eine nachträgliche Wiedergutmachung. Er bittet nur:
„Jesus, gedenke an mich, wenn du in dein Reich kommst!“ (Lk 23:42)
Mehr ist da nicht: kein langes Gebet, kein Gelöbnis, keine Leistung. Nur ein Vertrauen darauf, dass Jesus ein Reich hat – und dass Jesus Menschen in dieses Reich hineinnehmen kann. Jesus antwortet mit einer Zusage, die jedes Maß sprengt:
„Wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradies sein.“ (Lk 23:43)
Das ist Gnade in ihrer reinsten Form: nicht „wenn du dich bewährst“, nicht „wenn du es gutmachst“, nicht „wenn du erst einmal …“ – sondern: Heute. Mit mir. (Röm 5:8)
Wenn David in Psalm 38 unter der Last seiner Schuld zusammenzubrechen droht, dann sehen wir in Lukas 23: Schuld ist real – aber Gnade und Glaube sind stärker als Schuld.
Schuld sagt: Du bist zu weit gegangen. Das ist nicht mehr zu reparieren.
Gnade sagt: Ich trage dich, wo du dich selbst nicht mehr tragen kannst. (2Kor 12:9; Mt 11:28)
Glaube sagt: Jesus kann mich trotzdem aufnehmen. (Joh 6:37)
Vielleicht ist genau das die Not, die viele kennen: nicht nur die Tat an sich, sondern das Gefühl: Ich habe es verdorben. Ich habe es zu oft getan. Ich kann das nicht mehr tragen.
Psalm 38 gibt uns Worte für dieses Empfinden – und das Kreuz gibt uns Gottes Antwort darauf.
Denn am Kreuz ist Jesus nicht nur neben dem Schuldigen, sondern für Schuldige. Er trägt das, was uns zu schwer ist (Jes 53:4; 1Petr 2:24). Und er schenkt nicht nur Vergebung als „Freispruch“, sondern Gemeinschaft mit ihm (1Jo 1:7).
Wer wie David Schuld nicht verleugnet, sondern sie vor Gott ausspricht, und wer wie der Verbrecher Jesus anruft, der erfährt: Gottes Erbarmen ist nicht kleiner als unsere Schuld, sondern größer (Ps 103:10).
Darum: Lass dich nicht von Schuld wegtreiben – lass dich von Schuld zu Christus treiben. Dort ist nicht Verdammnis, sondern Rettung (Röm 8:1).
Der HERR sprach zu Jakob: Siehe, ich bin mit dir und will dich behüten, wo du hinziehst, und will dich wieder herbringen in dies Land.
Jesus sprach zu den Jüngern: Als ich euch ausgesandt habe ohne Geldbeutel, ohne Tasche und ohne Schuhe, habt ihr je Mangel gehabt? Sie sprachen: Nein, keinen.
Manche Träume sind so nebulös und verschwommen, dass man kaum sagen kann, worum es eigentlich ging. Andere wiederum wirken so real, dass man sich an fast jedes Detail erinnert. Neulich legte ich mich noch kurz hin, um mich auszuruhen, und schlief dabei ein. Ich träumte, dass Personen in mein Zimmer kamen und mich in eine stressige Situation brachten. Alles wirkte so „real“, dass ich zunächst gar nicht merkte, dass ich träumte. Erst als mir ein Detail unserer Wohnung auffiel, von dem ich wusste, dass es in Wirklichkeit gar nicht existiert, wurde mir klar: Ich träume – und will jetzt aufwachen. Tatsächlich wachte ich dann auch auf – was eher selten der Fall ist. (Hi 33:14-16)
Eine ganz andere Kategorie von Träumen ist die, in der Gott oder ein Engel zu jemandem spricht, wie es die Bibel an manchen Stellen berichtet. Ich selbst kann mich nicht erinnern, je einen solchen Traum gehabt zu haben. Meine erste Schwiegermutter erzählte jedoch, dass sie Mitte der achtziger Jahre einmal einen solchen Traum hatte. Damals war sie an Krebs erkrankt, und die Ärzte stellten ihr die niederschmetternde Diagnose, dass sie vermutlich nicht mehr lange leben würde. In dieser Zeit erschien ihr der Herr Jesus im Traum und fragte sie: „Willst du, dass ich dich gesund mache, oder willst du sterben, um zu mir zu kommen …?“ (Mt 1:20 / Mt 2:12)
Sofort dachte sie über die erste Option nach: Ja, ich will gesund werden. Dann aber wurde sie unsicher und überlegte: Zu Jesus zu gehen, wäre eigentlich auch ganz schön. Doch da gab es noch eine dritte Möglichkeit. Während sie über die beiden ersten Optionen nachdachte, überhörte sie diese. Dann wurde sie jedoch daran erinnert, was das Letzte war, das der HERR zu ihr sagte: „… oder willst du mich machen lassen?“ Da wurde ihr klar: Wenn der HERR das entscheidet, ist das die beste Wahl. Tatsächlich schenkte ihr der HERR noch einmal fast 20 Jahre, sodass sie erst Ende Februar 2005 starb – drei Tage vor Beginn meiner Tätigkeit als vollzeitlicher Prediger.
Die wunderbare Zusage aus dem heutigen Losungsvers erhielt Jakob, als der HERR ihm im Traum begegnete. Zuvor legte er seinen Kopf auf einen Stein, weil er vor seinem Zwillingsbruder Esau fliehen musste und draußen übernachtete. Ab Vers 12 heißt es dann:
“Und er träumte: Und siehe, eine Leiter war auf die Erde gestellt, und ihre Spitze berührte den Himmel; und siehe, Engel Gottes stiegen darauf auf und nieder. Und siehe, der HERR stand über ihr und sprach: Ich bin der HERR, der Gott deines Vaters Abraham und der Gott Isaaks; das Land, auf dem du liegst, dir will ich es geben und deiner Nachkommenschaft … Und siehe, ich bin mit dir, und ich will dich behüten überall, wohin du gehst, und dich in dieses Land zurückbringen; denn ich werde dich nicht verlassen, bis ich getan habe, was ich zu dir geredet habe.”
Das war nicht nur eine Zusage im Traum, sondern eine göttliche Verheißung, die man durchaus als „traumhaft schön“ bezeichnen kann. Wer von Gott die Zusage bekommt: „Ich bin mit dir!“, darf sich sicher fühlen. (Mt 28:20)
Auch uns hat Gott durch den Apostel Paulus zugesagt, dass Gott mit uns ist. Darum gibt es niemanden, der erfolgreich gegen uns sein könnte. (Röm 8:31)
Jakob stand unter dem persönlichen Schutz Gottes und durfte wissen, dass Gott ihn nicht verlassen und wieder in die Heimat zurückbringen würde. Das sind Zusagen, die Gott auch uns gemacht hat – und zwar schriftlich durch sein Wort! (Hebr 13:5)
Das Schönste dabei ist, dass einmal der Tag kommen wird, an dem der HERR uns in die himmlische Heimat führen wird – in das Haus des Vaters.
Jakob musste fliehen, wurde aber von Gott beschützt und wunderbar versorgt. Bei den Jüngern Jesu war es etwas anders: Jesus sandte sie aus – ohne Geldbeutel, ohne Tasche und ohne Schuhe. Das erforderte großes Vertrauen auf Gott, und vielleicht fragte sich der eine oder andere: „Wie werde ich diesen Auftrag überleben?“ Doch dann machten sie die wunderbare Erfahrung, dass sie in dieser Zeit überhaupt keinen Mangel hatten. (Lk 22:35)
Kurz vor seinem Sterben erinnerte Jesus sie daran, um ihnen die Zuversicht zu geben, dass Gott sie auch in Zukunft versorgen und durchtragen würde – auch wenn Jesus leiblich nicht mehr anwesend ist. Darum sagte Jesus im Johannesevangelium auch: „Euer Herz werde nicht bestürzt. Ihr glaubt an Gott, glaubt auch an mich! Im Hause meines Vaters sind viele Wohnungen.“ Daran dürfen auch wir uns festhalten und voller Zuversicht in die Zukunft blicken. (Joh 14:1-2)
Sei nicht schnell mit deinem Munde und lass dein Herz nicht eilen, etwas zu reden vor Gott; denn Gott ist im Himmel und du auf Erden; darum lass deiner Worte wenig sein.
Jesus spricht: Euer Vater weiß, was ihr braucht, noch ehe ihr ihn bittet.
Manchmal ertappe ich mich beim Beten dabei, dass ich Gott über dieses oder jenes informieren müsse. Dann frage ich mich: „Habe ich wirklich gelernt, auf Gott zu hören und ihm zu gehorchen (Joh 10:27 / Jak 1:22)? Oder kann es sein, dass mir zwischenzeitlich die Hörbereitschaft abhandengekommen ist?“
Während ich mir diese Fragen stelle, wird mir wieder neu bewusst, wie oft meine Gedanken von meiner „To-do-Liste“ bestimmt sind und wie sehr ich sie ins Gebet mitnehme. Die Folge: Ich „informiere“ Gott über meine vermeintlichen Aufgaben und bitte ihn inständig um die nötige Kraft und Weisheit. Dann beschreibe ich ihm in vielen Worten meine Probleme. Natürlich fallen mir dabei auch etliche Lösungen ein, die ich ihm ebenfalls mitteile, damit er schon einmal Vorschläge bekommt, wie er die Sache für mich lösen könnte – was für eine Torheit!
Weil meine Gedanken von Problembeschreibungen und der Suche nach Lösungsvorschlägen belegt sind, fehlt mir die Zeit und die Stille, dieses innere Zur-Ruhe-Kommen, um auf Gott zu hören. Das dürfte einer der Gründe sein, warum Jakobus schreibt:
„Jeder Mensch sei schnell zum Hören und langsam zum Reden!“ (Jak 1:19)
Unsere Gebetszeit sollte mehr vom Hören und weniger vom Reden geprägt sein. Aber wie komme ich in dieses Hören hinein, und wie praktiziere ich eine Stille, die Gott ehrt?
Eigentlich solltest du jetzt nicht mehr weiterlesen oder weiterhören. Lege diese Andacht auf die Seite oder drücke auf die Pause-Taste, damit du dir selbst die Frage stellen kannst: „Wie kann ich innerlich still werden und zur Ruhe kommen, um wirklich auf Gott zu hören?“ (Ps 62:2 / Joh 10:27)
Mache jetzt eine Lesepause oder drücke auf die Pause-Taste und bete!
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Wir brauchen Gebete, die nicht nur ausatmen, sondern auch tief einatmen. So wie nur durch das Einatmen Sauerstoff in meinen Körper gelangt, so kommt durch das Hören auf Gott der Geist Gottes in mein Leben hinein (Joh 20:22).
Doch was bedeutet das ganz praktisch? Heißt „Stillwerden“, nichts zu denken? Kann man überhaupt nichts denken, und ist das überhaupt erstrebenswert? Ich glaube nicht, dass das im Sinne Gottes ist, denn die Bibel fordert uns immer wieder zum Umdenken und Mitdenken auf (Röm 12:2).
In der Stille vor Gott geht es nicht um Gedankenlosigkeit, sondern um einen Fokuswechsel: Ich wende mich ganz bewusst ab von meinen Aufgaben, von der Suche nach Lösungen, von den Nachrichten und von all den Informationen. So komme ich zur Ruhe von meinen eigenen Werken, wie es uns in Hebräer 4:10 beschrieben wird. Ich richte meinen Blick allein auf meinen wunderbaren HERRN, der für alles eine Lösung hat, die tausendmal besser ist, als ich sie mir in meinen kühnsten Träumen ausdenken könnte (Eph 3:20).
Natürlich kann ich mit den Augen meines Herzens nur dann auf den HERRN schauen, wenn ich ihn kenne. Kennen lerne ich ihn jedoch nur, wenn ich betend sein Wort, die Bibel, lese und mich beim Lesen immer wieder frage: „Lieber Vater, was willst du mir damit sagen? Was sagt das Gelesene über dich und über mich, und was bedeutet das für mein Leben?“ (2Tim 3:16 / Ps 119:105)
Selbstverständlich dürfen wir im Gebet Gott sagen, was uns beschäftigt und wie wir uns fühlen (Phil 4:6), aber zwei oder drei Sätze reichen oft aus; und dann dürfen wir auf das schauen, was er getan hat, ihn für seine Liebe und Güte anbeten und ihm bereits dafür danken, dass er auch jetzt wieder eine wunderbare Lösung bereithält – eine Lösung, die oft anders aussieht, als wir gedacht haben (Röm 8:28)!
Bedrückt nicht die Witwen, Waisen, Fremdlinge und Armen!
Da wird dann der König sagen zu denen zu seiner Rechten: Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbt das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt! Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich aufgenommen.
Vielleicht denkst du heute: „Hatten wir diesen Text nicht gerade gestern auch schon?“ Tatsächlich waren der gestrige Losungs- und Lehrtext sehr ähnlich: Es ging ebenfalls um Witwen, Waisen, Fremdlinge und um den König, der im Gericht die Fürsorglichen belohnt.
Der gestrige Losungstext stammte jedoch aus dem fünften Buch, der heutige aus dem zweitletzten Buch des Alten Testaments. Während Mose zu den ersten Propheten gehört, war Sacharja einer der letzten. Das zeigt: Die Fürsorge für Schwache und Benachteiligte ist ein wiederkehrendes Thema der Bibel (5Mo 10:18 / Sach 7:10). Zugleich verweist es auf ein latentes Problem innerhalb der menschlichen Gesellschaft.
Aber warum ist das so? Die Elenden und Rechtlosen gehören zu jenen, die leicht übervorteilt werden können. Darum werden sie leider allzu oft unterdrückt, statt dass man ihnen besondere Aufmerksamkeit und liebevolle Wertschätzung zukommen lässt (Spr 14:31).
Doch der allmächtige Gott richtet sein Auge ganz besonders auf jene, die in der menschlichen Gesellschaft vernachlässigt werden. Er steht ihnen auf besondere Weise bei, und Jesus erwähnt sie nicht nur im Endgericht von Matthäus 25, sondern auch im fünften Kapitel, wo er sie glückselig nennt, weil sie von Gott einen besonderen Segen empfangen (Mt 5:3-6).
In Sacharja 7 geht es um die Frage nach dem rechten Gottesdienst. Die heimgekehrten Juden wollten wissen, welche Regeln sie befolgen müssen, um Gott wohlgefällig zu sein. Daraufhin ließ Gott ihnen durch den Propheten sagen:
„So spricht der HERR der Heerscharen und sagt: Übt ein wahrhaftiges Gericht und erweist Güte und Barmherzigkeit einer dem anderen; und bedrückt nicht die Witwe und die Waise, den Fremden und den Elenden; und sinnt keiner auf das Unglück seines Bruders in euren Herzen.“ (Sach 7:9)
Für Gott sind eine perfekte Gottesdienstliturgie und das Einhalten religiöser Regeln wertlos, wenn zugleich Menschen, die am Rand der Gesellschaft stehen, unterdrückt werden (Jes 1:17 / Jak 1:27). Gott empfindet es geradezu als widerlich, wenn jemand meint, besonders fromm zu sein, weil ein vorbildlicher Gottesdienst zelebriert wird, zugleich aber weder wahrhaftiges Gericht noch Güte und Barmherzigkeit praktiziert werden.
Wahrhaftigkeit, Treue, Gnade und Barmherzigkeit sind Eigenschaften, die aus einem liebenden Herzen entspringen (Spr 21:3). Genau das wünscht sich Gott. Wer Gottesdienst feiert und zugleich aus der Liebe lebt, indem Güte und Barmherzigkeit praktisch werden, steht unter Gottes Wohlgefallen (Mi 6:8).
Alle, die liebevoll jene Fremden aufnehmen, in denen Jesus Christus wohnt, nehmen damit auch ihn selbst auf: den König, der am Ende dieses Zeitalters auf seinem Thron sitzt und die Menschen für ihr barmherziges Handeln belohnt. Sie erben das Reich, das Gott für sie von Anbeginn der Welt bereitet hat.
Gelebte Barmherzigkeit kostet oft Zeit, Kraft und Geld. Zugleich schenkt sie schon in der Gegenwart viel Freude und wird in der Zukunft reich belohnt (Spr 19:17 / Gal 6:9). Wer liebt und Barmherzigkeit übt, erfährt tiefe Lebenserfüllung und investiert in die Ewigkeit (Mt 6:20).
Der HERR schafft Recht den Waisen und Witwen und hat Fremdlinge lieb, dass er ihnen Speise und Kleider gibt. Drum sollt ihr auch die Fremdlinge lieben.
Da wird dann der König sagen zu denen zu seiner Rechten: Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbt das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt! Ich bin nackt gewesen und ihr habt mich gekleidet.
In manchen Situationen spricht man vom sogenannten „Helfersyndrom“. Gemeint ist ein Drang, anderen übermäßig zu helfen – oft auf Kosten der eigenen Bedürfnisse. Häufig entspringt dieser Drang nicht mehr aus Liebe und Freiheit, sondern aus innerem Druck: Man fühlt sich nur dann wertvoll, wenn man gebraucht wird oder „gut dasteht“. Dadurch fällt es schwer, Nein zu sagen; man übernimmt Verantwortung, die Gott einem gar nicht zugedacht hat und überfordert sich. Am Ende brennt man aus. (Mt 11:28-30 / Ps 127:2)
Haben nun alle hilfsbereiten Menschen ein Helfersyndrom, und worin unterscheidet sich dieses von einer liebenden Fürsorge? Dass sich Nächstenliebe auch in praktischer Hilfsbereitschaft zeigt, dürfte unbestritten sein. Jeder, der der Not seines Nächsten gleichgültig gegenübersteht – obwohl er die Möglichkeit hätte, ihn zu unterstützen –, wird zu Recht als lieblos bezeichnet. (1Jo 3:17-18 / Jak 2:15-16)
Tätige Liebe hängt mit dem höchsten Gebot zusammen und darf gemäß Gottes Wort nicht vernachlässigt werden. Wie aber kann diese Liebe konkret gelebt werden – ohne dass wir dabei ausbrennen oder uns verlieren? (Mt 22:37-39 / Gal 6:2)
Bevor ich dazu ein paar Gedanken weitergeben möchte, will ich noch auf den Textzusammenhang hinweisen. In [5. Mose 10](https://bibelwissen.ch/wiki/5Mo_10.) zeigt sich Gott als einer, der sich um Arme und Rechtlose kümmert. Er erinnert die Israeliten daran, dass auch sie einst Fremdlinge waren und unter Unterdrückung zu leiden hatten. Gottes gütiges Wesen und ihre leidvolle Vergangenheit sollten sie dazu motivieren, wie ihr Gott aus Mitleid und Barmherzigkeit zu leben. In Matthäus 25 identifiziert sich Jesus mit den Hungernden, Kranken, Bedürftigen und Gefangenen und belohnt alle, die sich um sie gekümmert haben.
Paulus schreibt in 1. Korinther 13 sinngemäß, dass Hilfsbereitschaft ohne Liebe vor Gott keinen wirklichen Wert hat. Darum ist ein Herz, das von Gottes Liebe erfüllt ist, die unverzichtbare Grundlage für einen praktischen Hilfsdienst, der wirklich gut ist. Wer aus einer vertrauensvollen Beziehung zu Gott lebt, lernt zunehmend dort zu helfen, wo Gott es aufs Herz legt. Gott führt uns dabei sowohl durch sein inneres Reden als auch durch die konkreten Situationen, die er uns anvertraut.
Ein einfaches Beispiel kann das verdeutlichen: Wenn ein Angestellter in einer Firma nicht das tut, was sein Arbeitgeber von ihm erwartet, sondern stattdessen allen Mitarbeitenden dient, indem er ihnen „Gutes“ tut, zum Beispiel Kaffee an den Arbeitsplatz bringt, dann ist er dennoch mehr oder weniger „unbrauchbar“. Wenn ich immer dort helfe, wo ich es für gut halte, ohne es im Gebet mit dem HERRN zu besprechen, also ohne bewusst zu fragen: ‚Herr, ist das jetzt mein Auftrag?‘, gleiche ich einem solchen Arbeitnehmer. Ich habe mich selbst bei diesem Verhalten immer wieder ertappt, oft erst dann, wenn mir jede Kraft zum Weitermachen fehlte.
Wir können letztlich nur dann ohne Helfersyndrom beistehen, wenn wir von Gottes Liebe erfüllt sind und uns von ihm führen lassen. Richtiges Helfen lernt man in kleinen Schritten, das heißt in kleinen Aktionen, die uns der HERR „vor die Füße legt“. Wir müssen nicht meinen, sofort mit einem Großprojekt starten zu müssen, ohne zuvor im Kleinen gelernt zu haben. Wenn ein junger Mensch denkt, ab sofort die Hilfe leisten zu müssen, die zum Beispiel der Waisenhausvater Georg Müller erst nach Jahrzehnten geleistet hat, ist ein Burnout vorprogrammiert.
Je größer unsere Hilfsbereitschaft wird und je mehr wir uns in tätiger Liebe üben, desto deutlicher wird, dass auch unser Vertrauen auf Gott wachsen muss – auf den, der uns die Kraft dazu schenkt. Tätige Liebe wächst parallel zum Glauben, also zum Vertrauen auf Gott. Nicht zuletzt schreibt Paulus, wie dankbar er für die Thessalonicher ist, die im Glauben wachsen und stetig an Liebe zunehmen. Ich schließe mit den Worten aus 1Jo 3:18:
“Kinder, lasst uns nicht lieben mit Worten noch mit der Zunge, sondern in Tat und Wahrheit.”
Tätige Liebe wächst aus der Beziehung zu Gott – nicht aus Druck, sondern aus seiner Kraft.
Gebet: Herr, danke, dass du gerecht bist und dich den Schwachen zuwendest. Du siehst die, die leicht übersehen werden, und du versorgst sie. Öffne mir die Augen für Menschen, die Hilfe brauchen, und schenke mir ein barmherziges Herz, das gern teilt. Lass meine Liebe konkret werden – ohne Druck, sondern aus deiner Gnade. Jesus, lehre mich, dich im Nächsten zu erkennen und dir mit meinem Leben zu dienen. Amen.
Er behütete sein Volk wie seinen Augapfel.
Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch irgendeine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn.
An unserem Leib gibt es wohl kaum ein Körperteil, auf das wir mehr achten, als auf unseren Augapfel. Einerseits ist das Auge äußerst sensibel, andererseits lassen sich schwere Verletzungen kaum noch heilen. Für viele ist schon die Vorstellung, das Augenlicht zu verlieren, bedrückend.
Wenn der Allmächtige sein auserwähltes Volk wie seinen Augapfel schützt, beschreibt das keine distanzierte Fürsorge, sondern eine wache, zärtliche und zugleich entschlossene Bewahrung. Gott ist nicht nur ein Begleiter am Rand, sondern der Hüter, der sofort reagiert, wenn Gefahr naht. (Ps 121:3)
Gerade dann, wenn wir uns klein, verletzlich oder überfordert fühlen, ist dieses Bild vom „Augapfel“ so tröstlich. Wer sein Auge schützt, zögert nicht. So ist Gott nicht gleichgültig gegenüber dem, was dich trifft. Seine Liebe ist wachsam und umgibt dich. Er bleibt nicht fern, wenn du leidest. Seine Nähe ist real — auch dann, wenn deine Umstände etwas anderes zu sagen scheinen. (Ps 34:19 / Jes 41:10)
Das ist eine Wahrheit, die man nicht nur einmal im Kopf „abhakt“, sondern die immer wieder ins Herz sinken darf. Manchmal erleben wir Bewahrung sichtbar: Türen öffnen sich, Gefahren bleiben aus, Hilfe kommt zur rechten Zeit. Und manchmal erleben wir Bewahrung verborgen: Gott führt durch schwere Wege, gibt Kraft zum Ausharren, schenkt Trost im Innern und bewahrt den Glauben, wenn alles wankt. (Ps 46:2 / 2Kor 4:16)
Die innige Verbundenheit, die Paulus gegen Ende von Römer 8 beschreibt, zeichnet ein ähnliches Bild. In 1. Korinther 12 macht er zudem deutlich, dass die Gläubigen Glieder am Leib des Christus sein dürfen. Aus dieser Zugehörigkeit zum Herrn der Herrlichkeit darf jede und jeder Gläubige wissen: Auf nichts gibt Gott zurzeit mehr Acht als auf seine Kinder und sein Volk. (1Kor 12:12)
Doch genau hier entsteht eine Spannung, die wir nicht übersehen dürfen: Wenn wir den Zustand der Christen weltweit betrachten, die derzeit zu Hunderten von Millionen unter Diskriminierung und Verfolgung leiden, scheint sich die Tatsache, dass Gott seine Kinder beschützt, nicht unbedingt zu bestätigen. Ähnliches gilt, wenn wir den Antisemitismus betrachten, der seit fast viertausend Jahren mehr oder weniger stark präsent ist. (Joh 16:33 / 2Tim 3:12)
Der Apostel Paulus war sowohl Jude als auch Christ, und seine Lebensgeschichte war – was die äußeren Umstände betrifft – vermutlich deutlich schwerer als unsere. Er wurde häufig verfolgt. Zeitweise litt er unter Hunger und Kälte, wurde verleumdet und geschlagen. Nicht selten war er auch von Traurigkeit und Verzweiflung geprägt. (2Kor 11:23)
Stellt man sich so ein „Behütetsein“ vor? Wie kam Paulus zu der Überzeugung, dass ihn nichts von der Liebe Gottes trennen konnte? Warum konnte er angesichts dieser Nöte dennoch schreiben: „Freut euch allezeit“? Weshalb wusste sich Jesus von seinem Vater unendlich geliebt, als er in Johannes 17 betete und ihm zugleich klar war, welch leidvoller Weg ihm bevorstand?
Da Jesus bereits existierte, bevor er von Maria geboren wurde, und die unendliche Liebe seines Vaters für ihn die Kraft war, die ihn aus der Ewigkeit heraus trug, spielten die zeitlich begrenzten Leiden eine untergeordnete Rolle. Zugleich war ihm klar, dass gerade durch dieses Leid eine unfassbare Herrlichkeit entstehen würde. (Hebr 12:2)
Auch Paulus durfte die tiefe Liebe Gottes erkennen und immer wieder neu erfahren – trotz und inmitten seiner Bedrängnisse. Deshalb konnte er schreiben:
„Wer wird uns scheiden von der Liebe Christi? Bedrängnis oder Angst oder Verfolgung oder Hungersnot oder Blöße oder Gefahr oder Schwert?“ (Röm 8:35)
Der Apostel war sich absolut gewiss: Gott ist für uns — und deshalb gibt es keine Kraft im ganzen Universum, die uns von ihm und seiner Liebe trennen kann.
Gottes Liebe lässt sich nicht an unserem momentanen Wohlbefinden messen. Sie trägt gerade dort, wo wir am wenigsten „Beweise“ dafür sehen.
Paulus konnte sogar in die Zukunft blicken und sagen:
„Denn ich denke, dass die Leiden der jetzigen Zeit nicht ins Gewicht fallen gegenüber der zukünftigen Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll.“ (Röm 8:18)
Mit anderen Worten: Das Leid ist real — aber es ist nicht das Letzte. Die Liebe Gottes ist nicht an die Wetterlage unseres Lebens gebunden. Sie ist ein fester Anker, der in Christus selbst verankert ist. (Hebr 6:19)
Die Liebe Gottes bleibt: still, unerschütterlich und untrennbar — selbst dann, wenn wir sie kaum noch spüren.
Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein.
Der letzte Feind, der vernichtet wird, ist der Tod.
Was ist das für eine seltsame Situation: Zwei feindliche Parteien stehen sich gegenüber, und vielleicht weiß niemand, was als Nächstes passiert. Und dann kommt der HERR und bereitet dazwischen – vor David und im Angesicht seiner Feinde – einen Tisch. Ob David dabei an eine konkrete Situation in seinem Leben dachte, lässt sich nicht genau sagen. Aber mit dieser Aussage wollte er auf jeden Fall etwas ganz Besonderes zum Ausdruck bringen.
Der vom HERRN bereitete Tisch ist ein Bild für den „Schutz durch den Gastgeber“. Wer am Tisch des HERRN sitzt, steht unter seiner Ehre und Garantie, und die Feinde dürfen nicht angreifen. Der „Tisch“ steht für Fülle, Reichtum, Frieden und Gemeinschaft, während die „Feinde“ eine reale Bedrohung darstellen. Die Verbindung beider Bilder deutet auf eine unerwartete Ruhe mitten im Chaos hin. Man könnte sagen: Frieden gibt es nicht erst nach dem Sieg, sondern mitten in der Bedrohung.
Nachdem der HERR einen gedeckten Tisch bereitet hatte, salbte er Davids Haupt mit Öl und schenkte ihm voll ein. Diese Aussage erinnert ein wenig an Davids Salbung durch Samuel (1Sam 16:13). Damals war er zwar nicht von Feinden umringt, aber von seinen Brüdern, die ihm ebenfalls nicht besonders wohlgesinnt waren.
Im Alten Bund wurden Priester, Propheten und Könige mit Öl gesalbt, um öffentlich zu zeigen: Diese Person ist von Gott beauftragt, geschützt und für einen besonderen Dienst ausgesondert (2Mo 30:30). Die Salbung bedeutete nicht, dass der Weg von nun an leicht würde, sondern dass Gott Verantwortung und Würde zuspricht.
So liegt in Psalm 23:5 ein erstaunlicher Trost: Der HERR deckt nicht nur einen Tisch. Er lässt David Platz nehmen, ehrt ihn, stärkt ihn und schenkt ihm „voll ein“. Es ist, als ob Gott sagt:
„Du bist kein Opfer deiner Umstände. Du bist mein Gast. Und ich kümmere mich um dich – mitten im Kampf.“
Dieses Bild der Salbung bleibt nicht auf das Alte Testament beschränkt. Im Neuen Testament greift Johannes dieses Bild auf, wenn er schreibt, dass die Gläubigen eine „Salbung von dem Heiligen“ haben (1Jo 2:20 / 1Jo 2:27). Damit meint er kein äußeres Ritual, sondern ein unsichtbares Wirken Gottes: Er erfüllt die wiedergeborenen Christen mit seinem Heiligen Geist (vgl. Röm 8:9). Christus macht die Seinen zu Menschen, die zu ihm gehören, bewahrt werden und mit seiner Liebe erfüllt sind (vgl. Eph 1:13 / Röm 5:5). So wird die Salbung zu einem Zeichen der Zugehörigkeit, der Bewahrung und der Bevollmächtigung – gerade in Zeiten von Verführung, Angst und innerem Kampf.
Doch dann kommt der Lehrtext hinzu und weitet den Blick: Paulus nennt den Tod den „letzten Feind“ (1Kor 15:26). Er ist derjenige, der durch Misstrauen Gott gegenüber und durch die Sünde alle Menschen vom wahren Leben trennen konnte (vgl. 1Mo 3:1 / Röm 5:12). Er hatte die ungeheure Kraft, die Schöpfung unter seinen Machtbereich zu bringen. Doch schon Salomo durfte erkennen, dass es noch eine andere Kraft gibt, die diesen Vorgang umkehren wird, als er im Lied der Lieder schrieb (Hl 8:6):
“Leg mich wie ein Siegel an dein Herz, wie ein Siegel an deinen Arm! Denn stark wie der Tod ist die Liebe, hart wie der Scheol (das Totenreich) die Leidenschaft. Ihre Gluten sind Feuergluten, eine Flamme des HERRN. Mächtige Wasser sind nicht in der Lage, die Liebe auszulöschen, und Ströme schwemmen sie nicht fort.”
Alle finsteren Mächte dieser Welt versuchten, die Liebe des Sohnes Gottes auszulöschen, als sie ihn voller Hass und Verachtung ans Kreuz schlugen. Sie hofften, er würde dabei von Bitterkeit erfüllt und seine Feinde voller Hass verfluchen. Stattdessen schrie er :
“Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!” (vgl. Lk 23:34)
Damit besiegte er den Hass mit Liebe und legte die Grundlage dafür, dass alle, die durch die Macht des Todes vom Leben getrennt wurden, wieder zum wahren Leben zurückgeführt werden können.
An dem Tag, als Jesus Christus von den Toten auferstanden ist – ein Tag, den Christen heute feiern – wurde der Tod ein für alle Mal besiegt (vgl. Apg 2:24), auch wenn seine Folgen bis heute spürbar sind. Aber es kommt der Tag, an dem er endgültig weggetan wird und sich erfüllt, was Jesaja, Paulus und Johannes prophezeien durften: dass der Tod nicht mehr sein wird (Jes 25:8 / Offb 21:4), dass jede Träne abgetrocknet wird (Offb 21:4) und dass Gott alles neu macht (Offb 21:5).
Was für eine hoffnungsvolle Verheißung und was für eine ultimative Heilsperspektive! Dem HERRN aller Herren gebührt dafür allein Dank und Anbetung!
Wie lieblich sind deine Wohnungen, HERR Zebaoth!
In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen. Wenn's nicht so wäre, hätte ich dann zu euch gesagt: Ich gehe hin, euch die Stätte zu bereiten?
Wer schon einmal ein Haus oder eine Wohnung geplant hat, weiß, wie viel Freude darin liegen kann. Man gestaltet Räume nach den eigenen Bedürfnissen und wählt Materialien und Farben nach persönlichem Geschmack. Das kann allerdings auch Stress bedeuten, wenn einen die riesige Auswahl überfordert. Sehr wohlhabende Bauherren können sich zusätzlich einen bekannten Innenarchitekten leisten, der es versteht, die Räume so einzurichten, dass eine ganz besondere Atmosphäre entsteht. Wenn dann der Tag kommt, an dem man einziehen kann und zum ersten Mal in den fertig eingerichteten Räumen steht, ist die Freude besonders groß. So mancher sagt dann: „Wow! Ist das schön geworden!“
Psalm 84 ist ein Wallfahrtslied, das die Sehnsucht nach Gottes Gegenwart und dem Tempel ausdrückt (Ps 84:2-5). Für den Psalmisten ist der Tempel nicht in erster Linie ein religiöses Gebäude, sondern der Ort, an dem Gott zu finden ist: ein Ort des Gebets, der Anbetung und der Zuflucht. Der Psalm bringt die Freude darüber zum Ausdruck, Gott nahe zu sein, und beschreibt die Pilgerreise als geistliche Stärkung. Fast hat man den Eindruck, der oder die Liederdichter beneiden die Schwalbe, die an den Tempelmauern ihr Nest gefunden hat und dort immer wohnen darf.
Was der Psalmist nur erahnt, wird in den Worten Jesu konkret. Wie viel schöner muss es sein, wenn der Schöpfer des Himmels und der Erde unsere ewige Wohnstätte bereitet (Hebr 11:10), wenn er für uns eine Bleibestätte gestaltet, die genau zu uns passt und alle unsere Vorstellungen bei Weitem übertrifft? Dann werden wir noch viel mehr sagen als: „Wow, ist das schön geworden!“ Die Wohnungen des HERRN sind lieblich, weil sie von seiner Gegenwart erfüllt sind (Offb 21:3) – voller Liebe, Licht und Herrlichkeit, die alles Irdische übersteigt (2Kor 4:17).
Als Jesus den Jüngern zusagte, ihnen eine Wohnung zu bereiten, griff er ein geläufiges Bild auf, das möglicherweise den damaligen Gepflogenheiten entsprach: Nachdem Braut und Bräutigam sich verlobt hatten, ging der Bräutigam nach Hause und baute für sich und seine zukünftige Frau eine Wohnung. Erst wenn diese fertig war und der Vater des Bräutigams sie abgenommen und seine Zustimmung gegeben hatte, durfte der Bräutigam seine Braut zur Hochzeit heimholen. Bis dahin musste die Braut auf den Bräutigam warten (vgl. Mt 25:1-13.
Da in Johannes 14 Jesu Weggang unmittelbar bevorstand und er wusste, dass die Jünger durch das, was sie in den nächsten Tagen erleben würden, zutiefst erschüttert werden würden, wollte er ihnen Mut zusprechen, indem er sagte:
„Euer Herz werde nicht bestürzt. Ihr glaubt an Gott, glaubt auch an mich! Im Hause meines Vaters sind viele Wohnungen. Wenn es nicht so wäre, hätte ich dann zu euch gesagt: Ich gehe hin, euch eine Stätte zu bereiten?“ (Joh 14:1-2)
Jesus bestätigte den Jüngern ihren Glauben an den Gott Israels. Doch jetzt, da sie miterleben würden, wie Jesus sich verhaften und töten lässt, würde ihr Glaube an ihn besonders auf die Probe gestellt werden. Es würde schwer werden, an Jesus zu glauben und ihm zu vertrauen, dass er „alles im Griff“ hat. In dieser Situation war es äußerst anspruchsvoll, darauf zu vertrauen, dass nichts geschah, was Vater und Sohn nicht zuvor geplant hatten (Apg 2:23).
Das Opfer des Sohnes und damit unsere Befreiung von aller Schuld war zwingend notwendig (Röm 3:24-25), damit sowohl die Jünger als auch wir in nicht allzu ferner Zukunft in das Haus des Vaters einziehen können (Joh 14:3) – in die unbeschreiblich schönen Wohnungen, die Jesus für uns bereitet hat.
Das Wort „Wohnungen“ (gr. monai) hat denselben Wortstamm wie „bleiben“ (Joh 15:4). Es geht nicht nur um „Räume“, sondern um bleibende Gemeinschaft. Jesus bereitet nicht einfach Immobilien vor, sondern einen Ort des Bleibens bei Gott – und letztlich ein Bleiben Gottes bei uns (Joh 14:23). Das Ziel der Erlösung ist nicht, dass wir irgendwo „untergebracht“ werden, sondern dass wir bei dem sind, der uns liebt (Joh 17:24).
Darum dürfen wir heute beten:
HERR Zebaoth, du bist der Gott der Heerscharen und doch zugleich der Vater, der seine Kinder aufnimmt. Schenke uns ein Herz, das nach deiner Gegenwart verlangt. Tröste uns, wenn wir unruhig sind. Stärke uns, wenn der Weg durch ein „Tal des Weinens“ führt. Und richte unseren Blick auf das Vaterhaus, das du durch Christus geöffnet hast. Amen.
„Lobt den HERRN, alle Völker! Rühmt ihn, ihr Nationen alle!“
„Das Lamm, das geschlachtet ist, ist würdig, zu nehmen Kraft und Reichtum und Weisheit und Stärke und Ehre und Preis und Lob.“
Zwei Kapitel vor dem längsten Kapitel der Bibel steht das kürzeste: Während Psalm 119 aus 176 Versen besteht, umfasst Psalm 117 gerade einmal zwei Verse. In der Elberfelder Bibel wird der Psalm wie folgt übersetzt:
“Lobt den HERRN, alle Nationen! Rühmt ihn, alle Völker! Denn mächtig über uns ist seine Gnade! Die Treue des HERRN währt ewig! Halleluja!”
Dieser Psalm beginnt mit „Lobt den HERRN“ (hebräisch: halelu et jahweh) und endet mit halelujah, was „Lobt Jah“ bedeutet. Alle Völker und Nationen werden zum Lob aufgefordert und dazu motiviert, weil Gottes Gnade (oder Güte) so mächtig über seinem Volk ist und weil seine Treue beziehungsweise Wahrheit ewig währt. (Ps 117:1)
Dieser universale Aufruf ist bemerkenswert: Im Alten Testament war Israel kaum missionarisch ausgerichtet. Und doch ruft dieser Psalm bereits alle Nationen zum Lob Gottes auf. Er weist damit über sich hinaus, hin zu dem Moment, in dem Gottes Heil allen Völkern verkündet wird. (Ps 67:4 / Jes 49:6) Erst nachdem Jesus Christus von den Toten auferstanden war, gab er seinen Jüngern den Auftrag, das Evangelium allen Völkern zu verkündigen. (Mt 28:19 / Mk 16:15 / Apg 1:8)
Das kleinste Kapitel der Bibel bezeugt allen Nationen die Güte, Gnade, Wahrheit und Treue des HERRN, die es zu loben gilt. Denn diese wunderbaren Eigenschaften des HERRN wurden in Jesus Christus offenbar, der als sanftmütiger und demütiger Wanderprediger zu uns Menschen kam. Johannes schreibt dazu:
“Und das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns, und wir haben seine Herrlichkeit angeschaut, eine Herrlichkeit als eines Einzigen vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.” (Joh 1:14)
Trotz seiner unendlichen Liebe zu uns Menschen wurde er wie ein Schwerverbrecher verurteilt und am Kreuz hingerichtet. Darum gedenken heute viele Christen weltweit seines Opfertods. Seine bedingungslose Liebe, die bereit war, sich in voller Hingabe zu opfern, ist auch der Grund, warum er als einziger würdig ist, von Gott alle Ehre und Macht zu empfangen.
Als Jesus am Kreuz hing, sah es aus, als wäre er der größte Verlierer aller Zeiten. Viele verspotteten ihn, und kaum jemand schenkte ihm Beachtung. Hilflos, ohnmächtig und ohne jede Bewegungsfreiheit hing er dort. Freiwillig ließ er sich zu einem „Stein“ machen, den die Bauleute nicht verwenden wollten, wie es im nächsten Psalm bezeugt wird.
Unter den Tieren zählt das Lamm zu den wehrlosesten. Es kann sich nicht tarnen wie andere Beutetiere, ist zu langsam, um einem Wolf zu entkommen, und findet keinen Schutz in einer Höhle. Es verfügt weder über Warnsignale noch über Stacheln, besitzt keinen schützenden Panzer und kann auch keine abschreckenden Gerüche absondern. Kurz gesagt: Ihm fehlt nahezu jede Form der Verteidigung. Ohne einen Hirten ist es fast schutzlos – und steht damit sinnbildlich für das genaue Gegenteil von Macht und Stärke.
Ausgerechnet das „geschlachtete Lamm“ ist als einziges würdig, von Gott alles zu empfangen und als ultimativer Herrscher über das ganze Universum zu regieren. Nur dieses Lamm bekommt Kraft, Reichtum, Weisheit, Stärke, Ehre, Preis und Lob! Derjenige, der ohnmächtig am Kreuz hing, erhält die größte Kraft und Stärke. Derjenige, der arm und bloß war, wird mit größtem Reichtum beschenkt, und jener, der den Menschen wie ein großer Tor erschien, wird mit umfassender Weisheit ausgestattet. Der Verachtete wird von Gott mit höchsten Ehren geehrt, und der Verspottete empfängt von allen Preis, Lob und Anbetung. Gerade darin zeigt sich Gottes Wesen: Stärke in der Schwachheit, Herrlichkeit im Leiden. Deshalb ist das Lamm würdig – und ihm gebühren Ehre, Lob und Anbetung.
Wohl dem, dessen Hilfe der Gott Jakobs ist, der seine Hoffnung setzt auf den HERRN.
Jesus nahm den Kelch und dankte, gab ihnen den und sprach: Trinket alle daraus; das ist mein Blut des Bundes, das vergossen wird für viele zur Vergebung der Sünden.
Nach dem Fall der Berliner Mauer 1989 und der Unterzeichnung des START-I-Vertrags zur Reduzierung strategischer Atomwaffen 1991 entstand große Zuversicht und die Hoffnung, dass die Menschheit von nun an stetig vernünftiger würde und endlich damit aufhören würde, sich gegenseitig “die Köpfe einzuschlagen”.
Und heute? Sind wir immer noch zuversichtlich, dass die Menschheit endlich zur Vernunft kommt? Hoffen wir weiterhin darauf, dass die Menschheit endlich etwas aus der Geschichte gelernt hat, oder bestätigt sich erneut das Zitat des Philosophen Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770-1831), der sinngemäß sagte:
“Die Geschichte lehrt, dass die Menschheit aus der Geschichte nichts lernt!”
Der Autor von Psalm 146 mahnte in den Versen 3 und 4:
“Vertraut nicht auf Edle, auf einen Menschensohn, bei dem keine Rettung ist! Sein Geist geht aus, er kehrt wieder zu seiner Erde: am selben Tag gehen seine Pläne verloren.”
Wer darauf vertraut, dass Menschen alle anstehenden Probleme lösen können, setzt automatisch seine Hoffnung auf sie und erwartet von ihnen die nötige Hilfe (Jer 17:5). Es ist zwar wichtig, einander zu helfen und sich in Treue und Zuverlässigkeit zu üben (Gal 6:2), doch aufgrund unserer Fehlerhaftigkeit und begrenzten Möglichkeiten sind wir nicht in der Lage, alle Erwartungen an eine umfassende Hilfe zu erfüllen.
Wenn ich von Menschen eine allumfassende Hilfe erwarte, überfordere ich sie. Sie sind auch nicht in der Lage, mich von meiner Schuld zu befreien (Ps 49:8). Nur der allmächtige Gott, der seinen Sohn aus den Toten auferweckt und ihm einen neuen, unverweslichen Leib gegeben hat, kann mir umfassend helfen (Apg 2:24 / 1Kor 15:42). Und mehr noch: Er ist der Einzige, dem nichts unmöglich ist und der alle meine Erwartungen bei Weitem übertreffen wird (Mk 10:27 / Eph 3:20).
Doch der Allmächtige ist im Gegensatz zu den Menschen unsichtbar (2Kor 5:7). Darum neigen wir dazu, eher Menschen als ihm zu vertrauen. Gott ist für uns heute zwar nicht sichtbar, doch er hat durch sein Wort zu uns geredet, und wir können jederzeit nachlesen, was er uns zu sagen hat. Er wünscht sich, dass wir seinen Worten vertrauen (Ps 33:4). Wer das tut, darf immer wieder neu seine Hilfe erfahren, auch wenn sie manchmal anders aussieht, als erwartet. Das Vertrauen und die Hoffnung auf den HERRN werden nicht beschämt werden (Röm 5:5). Darum preist der Psalmist auch all jene glücklich, die alle Hilfe von Gott erwarten. Denn wahre Hoffnung ruht nicht auf Stimmung oder Umständen, sondern auf Gottes Charakter (Hebr 6:19).
Gottes Charakter zeigt sich in seiner Liebe, Barmherzigkeit und Treue (2Mo 34:6). Weil er sein Volk liebte, schloss er mit ihm am Berg Sinai einen Bund. Diesen bestätigte er mit dem Blut eines Opfertieres. In 2. Mose 24:8 lesen wir:
“Darauf nahm Mose das Blut, besprengte damit das Volk und sagte: Siehe, das Blut des Bundes, den der HERR auf all diese Worte mit euch geschlossen hat!”
Dieser Bund wurde vollzogen, nachdem Gott seinem Volk die Zehn Gebote gegeben hatte. Doch weil Israel diesen Bund nicht einhalten konnte, verhieß Gott durch Jeremia einen neuen Bund (Jer 31:31). Diesen neuen Bund setzte Jesus unmittelbar vor dem Passahfest ein, weil er an Passah als das Lamm Gottes geschlachtet wurde, das die Sünde der ganzen Welt wegtrug und so umfassende Vergebung ermöglichte (Joh 1:29 / 1Kor 5:7 / Eph 1:7). In Lukas 22:20 sagte Jesus:
“Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut, das für euch vergossen wird.”
Obwohl Jesus wusste, dass dieser Weinkelch ein Symbol für sein unsagbares Leiden ist (Jes 53:5), dankte er dafür (Mt 26:27). Denn er wusste, dass genau dieses Leiden die heilsgeschichtliche Wende einleiten würde (Jes 53:10-11), durch die Sünder nicht nur umfassende Vergebung empfangen (Kol 1:14), sondern auch mit göttlicher Gerechtigkeit beschenkt und gerechtfertigt werden (2Kor 5:21 / Röm 5:1). An dieses göttliche Wunder dürfen wir uns an diesem Tag erinnern und Gott dafür die Ehre geben.
Ich will dir danken in großer Gemeinde; unter vielem Volk will ich dich rühmen.
Alle Zungen sollen bekennen, dass Jesus Christus der Herr ist, zur Ehre Gottes, des Vaters.
In Psalm 35 bittet David den HERRN, ihm beizustehen, indem er gegen seine Feinde kämpft (Ps 35:1). Das klingt nicht gerade nach Feindesliebe (Mt 5:44). Jeder Bibelleser, der auch die Bergpredigt Jesu kennt, würde von einem „Mann nach dem Herzen Gottes“ vielleicht etwas anderes erwarten (1Sam 13:14 / Apg 13:22).
Doch dieser einseitige Eindruck, David habe sich das Unglück seiner Feinde gewünscht, täuscht. In den Versen 12–14 schreibt er:
„Sie vergelten mir Böses für Gutes; vereinsamt ist meine Seele. Ich aber, als sie krank waren, kleidete mich in Sacktuch; ich demütigte meine Seele mit Fasten. Ach, dass mein Gebet in meine Brust zurückkehrte! Als wäre es mir ein Freund, ein Bruder gewesen, so bin ich einhergegangen; wie leidtragend um die Mutter habe ich mich trauernd niedergebeugt.“
Diese Aussagen zeigen, wie betroffen David war, als es seinen Feinden schlecht ging, und wie sehr er mitgelitten hatte, als sie krank waren (Spr 24:17). Das „Kleiden in Sacktuch“ und das „Fasten“ zeigen zudem, wie intensiv er für seine Feinde betete. Anschließend wurden sie vermutlich gesund, denn erst nachdem sie genesen waren, konnten sie wieder gegen David kämpfen und waren darauf aus, ihn ins Verderben zu stürzen und umzubringen. (Ps 35:15).
Als David den HERRN bat, gegen seine Feinde zu kämpfen, tat er das nicht unbedingt aus Hass, sondern eher, weil er von Gott gerettet werden wollte.
In diesem Zusammenhang klingt der Losungsvers wie ein Gelübde: David will den HERRN öffentlich preisen – als Antwort auf seine Rettung. Sein Lob ist keine Pflicht, sondern die Folge dessen, was er mit Gott erlebt hat.
David wollte den HERRN als Retter ehren und bekennen, um auch andere zu ermutigen, ihm zu vertrauen.
Ein Bekenntnis, das sich nicht nur auf ein zahlreiches Volk erstreckt, sondern eines Tages jeden Menschen betreffen wird, verheißt Gott sowohl durch den Propheten Jesaja als auch durch den Apostel Paulus. In Jesaja 45:23-24 spricht der HERR:
“Ich habe bei mir selbst geschworen, aus meinem Mund ist Gerechtigkeit hervorgegangen, ein Wort, das nicht zurückkehrt: Ja, jedes Knie wird sich vor mir beugen, jede Zunge ⟨mir⟩ schwören und sagen: Nur in dem HERRN ist Gerechtigkeit und Stärke.”
Paulus präzisiert dies in Philipper 2:9-11:
“Darum hat Gott ihn (d.h. Christus) auch hoch erhoben und ihm den Namen verliehen, der über jeden Namen ist, damit in dem Namen Jesu jedes Knie sich beugt, der Himmlischen und Irdischen und Unterirdischen, und jede Zunge bekennt, dass Jesus Christus Herr ist, zur Ehre Gottes, des Vaters.”
Das griechische Wort für „bekennen“ lautet homologeo und bedeutet wörtlich: „gleiche Worte (sagen)", „übereinstimmen" oder „zustimmen". Es beschreibt also nicht nur ein inneres Gefühl, sondern ein übereinstimmendes Zeugnis über das, was der Wahrheit entspricht.
Doch wie kommt dieses universale Bekenntnis zustande? Ist es erzwungen? (Phil 2:10)
Der biblische Zusammenhang legt eine andere Spur nahe: Es entsteht als Antwort auf Gottes Handeln. So wie David Gott nach erfahrener Rettung preist, so wird auch das endgültige Bekenntnis zu Christus nicht bloß auferlegt sein, sondern aus der Erkenntnis seiner Wahrheit und Gnade hervorgehen (vgl. 1Tim 4:10; Röm 11:32).
Dieses Bekenntnis ist also nicht in erster Linie ein Druckmittel („Du musst…“), sondern die Frucht von Gottes Handeln. In Psalm 35 ist das Lob die Antwort auf Rettung; im Philipperbrief ist das Bekenntnis die Antwort auf Gottes Erhöhung Christi.
So verbindet der heutige Tag zwei Linien:
Gott rettet und hilft konkret – und das führt zu Dank.
Gott erhöht Christus endgültig – und das führt zu Anbetung.
Beides mündet darin, dass Gott geehrt wird.
Gebet: Herr Jesus Christus, du bist der Herr. Ich will dir nicht nur im Stillen danken, sondern dich bekennen. Gib mir Mut und Demut, dass mein Leben dich ehrt und der Vater verherrlicht wird. Amen.
Der HERR, unser Gott, ist gerecht in allen seinen Werken, die er tut.
Musste nicht der Christus dies erleiden und in seine Herrlichkeit eingehen?
Ist es gerecht, dass vorbildliche – ja vermutlich sogar unschuldige – Jugendliche aus dem Königshaus Jerusalems nach Babel verschleppt werden, weil die verantwortlichen Könige und Priester auf ganzer Linie versagt haben (Dan 1:1 / Dan 1:3 / 2Kö 24:14)? Man kann es biblisch nicht belegen, aber einige Historiker vermuten sogar, dass Daniel und seine Freunde in Babylon zu Eunuchen gemacht wurden. Das wäre ein unsagbar schweres Schicksal gewesen.
Ist es gerecht, dass viele kleine Kinder in Jerusalem oder anderswo umgekommen sind – einfach deshalb, weil sie Eltern hatten, die sich böse verhielten, Gott ungehorsam waren und Götzendienst trieben?
Man könnte diesen „Fragenkatalog“ endlos fortsetzen – und letztlich sind es Fragen, die wir indirekt an Gott richten. Ist Gottes Handeln gerecht? Trifft Schuld immer nur die Schuldigen? Oder trifft Leid oft auch die, die scheinbar nichts dafür können (Joh 9:2 / Röm 8:28)?
Manche stellen diese Fragen anklagend, andere, weil es für sie offene Fragen sind, die mit ihrem Gottesbild verknüpft sind. Schließlich möchten wir wissen, ob der Gott der Bibel wirklich die Liebe ist (1Jo 4:8) oder eher jemand, der aus reiner Willkür handelt.
Wer das ganze Buch Daniel gelesen hat, erkennt, wie oft Daniel und seine drei Freunde in lebensbedrohliche Situationen gerieten (Dan 3:20 / Dan 6:17). Dennoch verhielten sie sich in den Berichten der Bibel vorbildlich und handelten in großem Vertrauen auf den Gott Israels (Dan 1:8).
Sie ordneten sich dem babylonischen Staat unter und begegneten selbst bösen Herrschern mit großer Wertschätzung (Dan 2:27 / Dan 4:16; vgl. auch Röm 13:1 / 1Petr 2:13).
Auch wenn diese vier Männer nicht wie Christus sündlos waren, berichtet die Bibel von keinem konkreten Fehlverhalten (Dan 6:5). War das Schicksal, das sie erleiden mussten, gerecht?
Im neunten Kapitel finden wir das priesterliche Gebet Daniels, das er als betagter Mann sprach (Dan 9:3). Es offenbart seine große Liebe zu seinem Volk. Es zeigt, wie er sich mit den Sünden seines Volkes identifiziert, um Vergebung bittet und voller Hoffnung auf die Barmherzigkeit Gottes vor sein Angesicht tritt (Dan 9:18). Mit keiner Silbe sagt er etwas wie: „Ich habe mich so sehr bemüht, ein frommes Leben zu führen, und es ist einfach nicht gerecht, dass du mir so viel Schweres zugemutet hast!“ Stattdessen betet er:
“Wir haben gesündigt und haben uns vergangen und haben gottlos gehandelt, und wir haben uns aufgelehnt und sind von deinen Geboten und von deinen Rechtsbestimmungen abgewichen. … Bei dir, Herr, ist die Gerechtigkeit, bei uns aber ist die Beschämung des Angesichts … Denn der HERR, unser Gott, ist gerecht in allen seinen Taten, die er tut. … Denn nicht aufgrund unserer Gerechtigkeiten legen wir unser Flehen vor dich hin, sondern aufgrund deiner vielen Erbarmungen. Herr, höre! Herr, vergib! Herr, merke auf und handle!”
Was für eine beeindruckende Liebe und Hingabe! Was für ein Glaube und welche Hoffnung aus diesen Zeilen strahlen (Dan 9:4)!
Die Bibel gibt auf viele unserer „Warum“-Fragen keine direkten Antworten. Aber sie zeigt uns, dass Gottes Gerechtigkeit größer ist als unser Verständnis (Jes 55:8) – und dass sie sich letztlich nicht nur in Gericht, sondern vor allem in Rettung offenbart (Röm 3:25).
Die Frage, ob Gottes Handeln gerecht ist, kulminiert an einem Punkt der Weltgeschichte: „Ist es gerecht, dass dem einzig Sündlosen die Sünde der ganzen Welt aufgeladen wird (2Kor 5:21)? Ist es gerecht, dass Gott zugelassen hat, dass ein völlig Schuldloser zum Tode verurteilt und auf grausame Art und Weise umgebracht wird (Jes 53:5 / Apg 2:23)?“
Dieser Schuldlose stellt die Gerechtigkeit Gottes bemerkenswerterweise nicht infrage, sondern antwortet mit den Worten: „Musste nicht der Christus dies erleiden und in seine Herrlichkeit eingehen?“ (Lk 24:26)
Durch dieses unverdiente Leiden verhalf der einzig Schuldlose allen Schuldigen – die es als Geschenk im Glauben annehmen (Eph 2:8) – zur göttlichen Gerechtigkeit (Röm 3:22). Die unendliche Liebe von Jesus Christus erduldete die größte Ungerechtigkeit gegen ihn (1Petr 3:18), weil er den Schuldigen zur Gerechtigkeit verhelfen wollte. Das umfasst eine göttliche Gerechtigkeit, die weit über menschliche Fairness hinausgeht (Röm 11:33)!
Ich war ein schuldbeladener Sünder, war ungerecht und verhalte mich auch immer wieder ungerecht. Doch durch den Glauben an Christus ist mir nun seine göttliche Gerechtigkeit geschenkt.
Was für ein anbetungswürdiges Wunder: Gottes Gerechtigkeit verurteilt die Sünde – und rechtfertigt zugleich den Sünder, der an Christus glaubt.
Ihr sollt nichts dazutun zu dem, was ich euch gebiete, und sollt auch nichts davontun, auf dass ihr bewahrt die Gebote des HERRN, eures Gottes.
Paulus schreibt: Ich werde es nicht wagen, etwas vorzubringen, das nicht Christus durch mich gewirkt hat. Er hat es durch mein Wort und meine Tat bewirkt, dass die Völker nun Gott gehorsam sind.
Dr. Martin Luther dichtete im Jahre 1529 in seinem berühmten Lied „Ein feste Burg ist unser Gott“ den Vers: „Das Wort sie sollen lassen stahn ...“. In diesem bekannten Satz steckt eine geistliche Grundhaltung: Gottes Wort steht fest (Ps 119:89). Es braucht keine Korrektur durch unsere Klugheit, keine Ergänzung durch unsere Erfahrungen und keine Abschwächung, wenn es uns unbequem wird (Spr 30:5). Gerade weil Gottes Wort Leben schafft, rettet und richtet, darf es nicht in unsere Hände geraten, als wäre es ein Rohmaterial, das wir nach Belieben formen könnten.
Wie bei Mose finden wir auch bei den Propheten (hebr. neviim), in den Schriften (hebr. ketuvim) und im Neuen Testament ähnliche Worte. Jeremia warnt in Kap. 23:30-32 die Propheten davor, Worte des HERRN zu „stehlen“, das heißt, etwas davon wegzunehmen, und davor, aus sich selbst zu reden. Auch Agur betont in Sprüche 30:5–6 eindringlich, dass niemand der Rede Gottes etwas hinzufügen darf. Und ganz am Ende des Neuen Testaments muss Johannes schreiben:
“Ich bezeuge jedem, der die Worte der Weissagung dieses Buches hört: Wenn jemand ⟨etwas⟩ zu diesen Dingen hinzufügt, so wird Gott ihm die Plagen hinzufügen, die in diesem Buch geschrieben sind; und wenn jemand ⟨etwas⟩ von den Worten des Buches dieser Weissagung wegnimmt, so wird Gott seinen Teil wegnehmen von dem Baum des Lebens und aus der heiligen Stadt, von denen in diesem Buch geschrieben ist.” (Offb 22:18)
„Nicht hinzufügen, nicht wegnehmen“ heißt: Gottes Wort nicht nach eigenem Geschmack zu „verbessern“ oder abzuschwächen. Weil wir Menschen längst nicht alles verstehen, was Gott uns in seinem Wort gesagt hat, sind wir manchmal versucht, seine Worte zu kürzen, zu relativieren oder zu ignorieren. So stellen wir – bewusst oder unbewusst – unseren eigenen Verstand über Gottes Anweisungen (Jes 55:8). Die Folge ist, dass wir das Ziel, das uns der Schöpfer gegeben hat, aus den Augen verlieren (Spr 14:12). Wer sich über Gottes Wort erhebt und meint, besser als der Schöpfer zu wissen, was gut für uns ist, verliert die Orientierung (Jer 17:9).
Wer hingegen mit großer Ehrfurcht über Gottes Wort nachdenkt und an das glaubt, was Gott uns durch die Bibel zu sagen hat, hat nicht nur den Sinn des Lebens, sondern auch dessen Quelle entdeckt (Ps 36:10 / Joh 6:68).
Diese durchgehende Mahnung, Gottes Wort unverfälscht zu bewahren, bleibt jedoch nicht nur eine allgemeine Lehre; sie zeigt sich auch konkret im Leben einzelner Menschen (2Tim 3:16).
Ein besonders eindrückliches Beispiel dafür ist Paulus. Er begegnete Gottes Wort mit tiefer Ehrfurcht und wollte nichts Eigenes hinzufügen. Stattdessen verstand er sich als Werkzeug, durch das Christus selbst wirkt. Sein Ziel war nicht, Menschen zu gefallen, sondern Gott zu dienen (Gal 1:10).
Paulus wollte nur schreiben und reden, wozu Gott ihn beauftragte. Er verstand sich als Werkzeug in Gottes Hand. Darum wollte er nicht in erster Linie Menschen gefallen, sondern Gott. Dass das so war, zeigt sich daran, dass er voller Hingabe das Evangelium in Kleinasien und Europa verkündigte – trotz massivsten Widerstands (Apg 20:24).
Doch er war nicht nur ein leidenschaftlicher Evangelist und Prediger, sondern lebte auch aus der göttlichen Liebe (2Kor 5:14). Das zeigte sich darin, dass er den Menschen mit Hingabe diente (1Thes 2:8). Deshalb schrieb er, dass Christus durch seine Worte und Taten in ihm wirkte, sodass viele Menschen aus allen Nationen Gott gehorsam wurden.
Gottes Wort braucht keine Ergänzung und keine Kürzung. Christus selbst wirkt durch Wort und Leben, sodass Glauben zu einem gelebten Gehorsam wird (Jak 2:17 / Joh 15:5).
Gebet: Herr Jesus Christus, danke, dass dein Wort zuverlässig ist und ich es nicht zurechtbiegen muss. Hilf mir, es zu hören, zu verstehen und im Alltag zu bewahren. Bewahre mich davor, aus Stolz etwas hinzuzufügen oder aus Angst etwas wegzulassen. Wirke du durch mich, dass mein Reden und mein Handeln zusammenpassen. Schenke mir heute einen Gehorsam aus Vertrauen und Freude. Amen.
Mose sprach zu dem HERRN: Wenn nicht dein Angesicht vorangeht, so führe uns nicht von hier hinauf.
Sie nahmen Palmzweige und gingen hinaus Jesus entgegen und schrien: Hosianna! Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn, der König von Israel!
Wenn der allmächtige Retter für uns ist und uns jederzeit zur Seite steht, ist das ein unbezahlbares Privileg (Röm 8:31). Es übertrifft jeden menschlichen Schutz, selbst den eines mächtigen Staatsoberhauptes. Was auch immer geschieht: Dieser Retter hat alles im Griff und kann uns selbst aus den unmöglichsten Situationen befreien (Ps 46:2 / Jes 43:2).
Als das Volk Israel durch die Wüste zog, hatten sie diesen Retter bei sich (2Mo 33:14). Damals machte er sich durch die Wolkensäule, die sogenannte Schechina, und die Feuersäule sichtbar (2Mo 13:21-22). In Johannes 12 war er in der Person Jesu anwesend (Joh 1:14).
Trotz dieses unfassbaren Vorrechts gab es in beiden Fällen ein schwerwiegendes Problem: Die Gegenwart des HERRN erfüllte nicht die menschlichen Erwartungen (Jes 55:8-9). Gott und seine Vertreter verhielten sich nicht so, wie man es von ihnen erwartete. Nebenbei bemerkt: Würde er das tun, wäre er eher ein Geldautomat als ein allwissender Gott, der tausendmal besser weiß, was gut für uns ist, als wir selbst (Röm 11:33).
Mose, der als Mittler zwischen Gott und dem Volk fungierte, war schon viele Tage auf dem Berg (2Mo 24:18). Immer mehr Menschen befürchteten, dass er vielleicht nicht mehr am Leben sei, denn aus menschlicher Sicht konnte niemand mehrere Tage ohne Wasser in der Wüste überleben (Ps 63:2). Durch seine Abwesenheit fehlte dem Volk der sichtbare Vertreter Gottes. Das machte sie nervös, und deshalb mussten unbedingt Ersatzgötter her. Sie bedrängten Aaron mit den Worten:
“Mache uns Götter, die vor uns herziehen! Denn dieser Mose, der Mann, der uns aus dem Land Ägypten heraufgeführt hat – wir wissen nicht, was ihm geschehen ist.” (2Mo 32:1)
Diese Treulosigkeit Gott gegenüber hätte beinahe dazu geführt, dass Gott sein Volk ausgelöscht hätte (2Mo 32:10). Etwas später sagte der HERR:
“… ich werde einen Engel vor dir hersenden und die Kanaaniter … vertreiben – in ein Land, das von Milch und Honig fließt; denn ich werde nicht in deiner Mitte hinaufziehen, denn du bist ein hartnäckiges Volk, dass ich dich nicht vernichte auf dem Weg.”
Für Mose war klar: Wir brauchen nicht nur einen Weg aus der Wüste, sondern die Gegenwart Gottes (2Mo 33:14). Ohne das Angesicht Gottes, das die Gegenwart des HERRN symbolisiert, ist das Ziel leer (Ps 16:11). Darum sagte er zum HERRN: “Wenn nicht dein Angesicht vorangeht, so führe uns nicht von hier hinauf.” (2Mo 33:15)
Zur Zeit Jesu war Gott weder durch die Schechina noch durch einen vermittelnden Propheten gegenwärtig, sondern in seinem Sohn, dem fleischgewordenen Wort Gottes (Joh 1:14 / Kol 2:9). Als Jesus unter dem Jubel des Volkes auf einem Eselsfüllen in Jerusalem einzog, glaubten viele, er sei der verheißene Messias. Deshalb riefen sie in Anlehnung an Psalm 118:25-26: “Hosianna! Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn, der König von Israel!” (Joh 12:13)
Aber auch da wurde vom Messias etwas anderes erwartet als das, was er tun wollte (Jes 55:8). Viele erwarteten, dass er jetzt endlich mit Macht eingreift, die Römer vertreibt, Israel politisch wieder aufrichtet und das Reich Gottes sichtbar und triumphal aufrichtet (Apg 1:6). Sie wollten einen König, der ihre äußeren Feinde besiegt, ihre nationale Ehre wiederherstellt und ihre Probleme sofort löst.
Doch Jesus kam, um zuerst etwas viel Tieferes zu tun: Er kam nicht primär, um eine politische Ordnung zu ändern, sondern um die Wurzel allen Elends zu treffen – die Sünde, die Trennung von Gott und die Schuld, die jeden Menschen bindet (Röm 3:23 / Jes 59:2). Darum ritt er nicht auf einem Kriegspferd, sondern auf einem Eselsfüllen: ein König der Sanftmut, der sich nicht nimmt, sondern gibt, der nicht herrscht, indem er tötet, sondern indem er sein Leben hingibt (Sach 9:9 / Mk 10:45).
So führte sein Weg nicht zuerst in den Palast, sondern ans Kreuz (Phil 2:8). Und genau dort – in der scheinbaren Niederlage – geschah die eigentliche Rettung: Versöhnung mit Gott, Vergebung der Schuld und ein neues Leben aus der Kraft des Heiligen Geistes (2Kor 5:18 / Eph 1:7 / Tit 3:5).
Durch unseren Herrn Jesus Christus haben wir den allmächtigen Retter auf unserer Seite (Röm 8:31). Wenn wir ihn lieben, müssen uns auch alle Geschehnisse zum Besten dienen (Röm 8:28). Jede Person, die ihr Leben dem Herrn Jesus Christus anvertraut hat, durfte das Geschenk des Heiligen Geistes empfangen – unabhängig davon, ob dabei etwas zu fühlen ist oder nicht (Eph 1:13). Durch den Heiligen Geist wohnt Christus in unseren Herzen; das ist weit mehr, als wenn er uns nur zur Seite stünde (Eph 3:16).
Darum bleibt für mich nur eine Schlussfolgerung – und vielleicht auch für dich:
Nicht ein Leben mit möglichst wenig Problemen ist das Ziel, sondern ein Leben in seiner Gegenwart. (Ps 73:28)
Nie mehr ohne den Herrn Jesus Christus.
Lass uns leben, so wollen wir deinen Namen anrufen.
Einer aber unter den zehn aussätzigen Männern, als er sah, dass er gesund geworden war, kehrte er um und pries Gott mit lauter Stimme.
Heute stammt der erste Teil zu Psalm 80 sinngemäß von Heinz Schumacher aus dem Buch: “Die Psalmen Israels” (siehe hier).
In den Asaf-Psalmen wird immer wieder über Gottes rätselhaftes, scheinbar unverständliches Handeln nachgedacht: Warum lässt er sein auserwähltes Volk, an dem er früher so Großes getan hat, scheinbar im Stich? Warum dürfen die Feinde triumphieren? (Siehe besonders die Psalmen 74, 77 und 79). Während die Psalmen 74 und 79 an die Zerstörung Jerusalems durch Nebukadnezar im Jahr 587 v. Chr. erinnern, dürfte im 80. Psalm wegen der Überschrift der Septuaginta ("den Assyrer betreffend") und der Erwähnung der Stämme Ephraim und Manasse eher an die Wegführung der Bewohner Nordisraels nach Assyrien im Jahr 722 zu denken sein.
In einem dreimal vorkommenden Kehrvers bittet Asaf inbrünstig: „Gott, stell uns wieder her!“ (Ps 80:4, 8 + 20). Das Großreich Davids, das doch Gott selbst hatte erstehen lassen, wurde zerschnitten, verbrannt und ruiniert, so als hätten Wildschweine einen Weinberg verwüstet (Ps 80:14). Warum ließ Gott das zu? Der Bibelausleger H. Lamparter schreibt dazu: „Die Absicht des Psalmisten ist, Gott selbst das Unbegreifliche, scheinbar Widersinnige seines Verhaltens vor Augen zu führen. Wozu all diese Mühe und Pflege, die er seinem Weinstock angedeihen ließ, wenn er selbst nun die schützende Mauer abriss, sodass ihn die wilden Tiere ungestraft zerpflücken und zertreten können?“ (Jes 5:5).
Ja, Gottes Erziehungswege erscheinen unserem Verstand oft „widersinnig“, so als handle Gott gegen die eigenen Interessen. Dann sind wir versucht, Gott klarzumachen, wie Gott das „verkehrte“ Tun „korrigieren“ solle (Hi 11:7 / Jes 55:8). Doch es ist besser, sich wie Asaf im Dennoch des Glaubens demütig an Gott zu klammern und um Wiederherstellung und Rettung zu bitten (Ps 80:4 / Ps 80:19). Und wir dürfen persönlich wissen: Gott will uns noch mehr schenken als die Wiederherstellung eines früheren, besseren Zustandes. Gott will uns als „Söhne Gottes“ in Jesu Bild gestalten (Röm 8:29 / Gal 4:19) und uns „erfüllen zur ganzen Fülle Gottes“ (Eph 3:19). Auch Israel will Gott im kommenden Königreich Jesu Christi noch viel mehr schenken als die Wiederherstellung früherer Größe (Jer 31:33 / Hes 36:26).
Während in Psalm 80 hauptsächlich vom Nordreich Israel die Rede ist – das aus zehn Stämmen bestand (vgl. 1Kö 12:20) –, finden wir im heutigen Lehrtext zehn aussätzige Männer, die das große Glück hatten, von Jesus geheilt zu werden (Lk 17:12). Aussätzige Menschen hatten ein besonders schweres Schicksal, weil sie nicht nur körperlich litten, sondern auch sozial ausgegrenzt waren: Sie mussten Abstand halten und galten als „unrein“ (vgl. 3Mo 13:45 / 4Mo 5:2). Dadurch waren sie praktisch von Gemeinschaft, Gottesdienst und normalem Alltag abgeschnitten. Die Krankheit wurde so zu einem Gesamtpaket aus Schmerz, Scham, Einsamkeit und Hoffnungslosigkeit.
Als Jesus ihnen begegnet, spricht er kein langes Heilritual. Er weist sie an, sich den Priestern zu zeigen (Lk 17:14) – also den Ort aufzusuchen, an dem ihre Wiederaufnahme in die Gemeinschaft offiziell bestätigt werden konnte (vgl. 3Mo 14:2). Das Erstaunliche: Während sie gehen, werden sie rein.
Der Weg des Gehorsams wird zum Weg der Heilung (vgl. Joh 14:21 / Jak 1:22).
Doch dann zeigt sich ein zweiter, tieferer Aspekt: Nur einer hält inne, kehrt um und verherrlicht Gott mit lauter Stimme (Lk 17:15). Ausgerechnet ein Samariter – jemand, von dem man es religiös vielleicht „weniger“ erwartet hätte (vgl. Joh 4:9). Dieser eine erkennt: Die Heilung ist nicht nur ein glücklicher Ausgang, sondern ein Zeichen der Gnade (vgl. Eph 2:8). Darum fällt er Jesus zu Füßen und dankt (Lk 17:16).
Durch sein Zurückkehren zu Jesus und durch seine Dankbarkeit erhielt er wesentlich mehr als das, was er vor seiner Krankheit hatte: Jesus spricht ihm nicht nur Heilung, sondern Rettung zu (Lk 17:19). Dankbarkeit gegenüber Jesus fördert nicht nur Freude und Zufriedenheit, sondern auch Liebe und Vertrauen (vgl. Ps 50:23 / Kol 3:15). Damit ist auch der Weg zum himmlischen Vater frei (vgl. Joh 14:6).
Genau da berühren sich Psalm 80 und Lukas 17: In der Not ruft Asaf: „Lass uns leben!“ – und verbindet es sofort mit einer Antwort: „So wollen wir deinen Namen anrufen“ (Ps 80:19). Leben, das Gott schenkt, will erwidert werden: durch Umkehr, Vertrauen, Anrufen seines Namens und durch Dank (vgl. Ps 116:12 / 1Thes 5:18). Wer wieder aufatmet, darf nicht nur weitergehen, sondern darf auch umkehren, Gott loben und sich neu an ihn binden.
Gerechtigkeit führt zum Leben; aber dem Bösen nachjagen führt zum Tode.
Wer auf den Boden seiner selbstsüchtigen Natur sät, wird von seiner Selbstsucht das Verderben ernten. Wer aber auf den Boden von Gottes Geist sät, wird von diesem Geist das ewige Leben ernten.
Die Bibel beschreibt immer wieder zwei unterschiedliche Wege:
den Weg des Lebens und
den Weg, der zum Tod führt (Mt 7:13–14).
Auch Psalm 1 zeigt diese beiden Wege. Dort wird beschrieben, was der Gerechte und der Gottlose tun bzw. nicht tun (Ps 1:1–6).
Der Gerechte wird dort als jemand beschrieben, der sich nicht vom Rat der Gottlosen prägen lässt, nicht in Muster hineinrutscht, die Gott ausklammern, und sich nicht von der trügerischen Leichtigkeit der Spötter täuschen lässt. Stattdessen hat er Freude an Gottes Weisung und richtet sein Inneres daran aus (Ps 1:2). Der Gerechte ist wie ein Baum am Wasser, weil er nicht nur gelegentlich „Gutes tut“, sondern weil sein Leben aus der göttlichen Quelle gespeist wird (Ps 1:3). Das ist kein oberflächliches „Frommsein“, sondern ein Herz, das sich immer wieder an Gottes Wort ausrichtet und darüber nachdenkt (Jos 1:8).
Der Gottlose dagegen wird als jemand beschrieben, der sich von Menschen beraten lässt, die ein selbstbestimmtes Leben führen und einen Weg gehen, der Gottes Zielvorgaben ignoriert. Die Gemeinschaft mit den Spöttern bestätigt diesen Weg und vermittelt ein Gefühl von Unbeschwertheit. Weil jedoch die Verwurzelung fehlt, wird er wie Spreu im Wind verweht (Ps 1:4).
Gottes Wort zeigt, dass Gerechtigkeit zum Leben führt, während das Verfolgen böser Absichten den Tod zur Folge hat (Spr 11:19). Dieses Phänomen lässt sich weltweit beobachten: Dort, wo es einen gut funktionierenden Rechtsstaat gibt und sich eine große Mehrheit um korrektes Verhalten bemüht, herrschen deutlich mehr Frieden und Beständigkeit als dort, wo Korruption und Rücksichtslosigkeit überhandnehmen. Ein solches Verhalten führt ein Volk ins Verderben und richtet es zugrunde (Spr 14:34).
Dennoch könnte man einwenden, dass letztlich alle sterben – sowohl die Guten als auch die Bösen – und im Grab enden.
Bis hierhin lässt sich vieles durch Erfahrung und Beobachtung bestätigen. Doch diese Perspektive bleibt auf das sichtbare Leben begrenzt. Die entscheidende Frage geht darüber hinaus: Was ist mit dem, was nach dem Tod kommt?
Genau an diesem Punkt spricht die Bibel nicht mehr nur von erfahrbaren Zusammenhängen, sondern von einer Wirklichkeit, die nur durch Gottes Offenbarung zugänglich ist.
Der Sohn Gottes sagte zu Marta einen entscheidenden Satz:
„Ich bin die Auferstehung und das Leben; wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt.“ (Joh 11:25)
Das Wort Gottes macht an vielen Stellen deutlich, dass die einen nach dem Sterben in das Leben und andere in den Tod kommen werden (Dan 12:2). Diese Wirklichkeit liegt außerhalb dessen, was wir mit unseren Mitteln überprüfen können. Sie ist keine Frage des Beweises, sondern des Vertrauens in Gottes Wort.
Genau dieses Vertrauen ist der Weg, der zum Leben führt. Warum? Weil dieses Vertrauen auf Gott die Grundlage für eine Beziehung zu dem legt, der das wahre Leben selbst ist (Joh 17:3).
Nur durch die Verbindung mit dem, der alles Leben erschuf, gibt es wahres und ewiges Leben.
Selbstsucht bzw. Egoismus zerstört Beziehungen. Dadurch erntet man Verderben (Gal 6:8). Der Geist Gottes bewirkt das Gegenteil: Er schenkt Vertrauen auf Gott und damit auch die Liebesbeziehung zu ihm. Daraus erwächst die Liebe zum Nächsten (Röm 5:5). Diese vom Geist gewirkte Liebe führt dazu, dass wir ewiges Leben ernten dürfen – und das ist ein Geschenk der Gnade Gottes (Eph 2:8).
Ich will den HERRN loben allezeit; sein Lob soll immerdar in meinem Munde sein.
Gott hat uns dazu vorherbestimmt, seine Kinder zu sein durch Jesus Christus nach dem Wohlgefallen seines Willens, zum Lob seiner herrlichen Gnade.
Ein Lob – im richtigen Sinne ausgesprochen – ist eine große Kostbarkeit. Wenn wir unsere Kinder loben, motiviert sie das.
Als Erwachsene empfinden wir Lob unterschiedlich: Es kann wohltuende Wertschätzung sein – aber auch oberflächliche Schmeichelei oder sogar manipulativ wirken. Übermäßiges Loben von Menschen empfinden wir oft als unangemessen. So mancher selbstverliebte Machthaber wünscht sich eine Vergötterung seiner Person – und das wirkt nicht nur befremdlich, sondern abstoßend.
Doch wie steht es um das Lob Gottes? Will er auch verherrlicht werden, weil er narzisstische Züge hat wie die genannten Machthaber? Nein! Wer so denkt, projiziert menschliches Denken auf den allmächtigen Gott. Die alten Griechen haben das mit ihren Göttern getan – sie übertrugen menschliche Eigenschaften und Schwächen auf ihre Gottheiten.
Bei dem Gott der Bibel ist es anders: Er ist heilig, vollkommen und seine Gnade ist keine berechnende Manipulation, sondern reine Liebe (1Jo 4:8). Wenn wir Gott loben, geben wir ihm die Ehre, die ihm gebührt – nicht weil er sie braucht, sondern weil es der Wahrheit entspricht und uns selbst in die richtige Perspektive stellt (Ps 29:2).
Im heutigen Losungs- und Lehrtext finden sich im Grundtext drei Begriffe, die die Lutherbibel mit „loben" bzw. „Lob" übersetzt:
Das hebräische Wort barak bedeutet „segnen" oder „preisen". Gegenüber Gott drückt es Ehrerbietung und Dank aus. Wenn Gott uns segnet, schenkt er uns Gutes, Kraft und Leben (4Mo 6:24-26).
Das Lob, das immerdar in Davids Mund sein soll, lautet im Hebräischen tehillah und beschreibt einen Lobgesang, der Gottes Taten und Charakter rühmt. Dieses Wort ist verwandt mit tehillim, was „Psalmen" bedeutet – das alttestamentliche Buch mit seinen 150 Lobgesängen.
Das griechische Wort epainos in Epheser 1,6 meint „Lob" oder „Preis". Es beinhaltet eine Antwort auf Gottes herrliche Gnade und verherrlicht den himmlischen Vater.
Wahres Gotteslob entspringt nicht menschlicher Pflichterfüllung, sondern der Erkenntnis, wer Gott ist und was er getan hat (Ps 103:1-5).
Ihm gebührt unser Lob – nicht aus Pflicht oder Manipulation, sondern weil er es würdig ist (Offb 4:11). Seine unendliche Liebe und Gnade sind so überwältigend, dass sie Lob hervorrufen. Lobpreis ist nicht nur eine Reaktion auf „gute Tage", sondern Ausdruck einer Haltung: Gott bleibt lobwürdig, auch wenn Umstände drücken (Hab 3:17-18). Das „immerdar" bzw. „allezeit" betont Beständigkeit. Und „in meinem Munde" macht es konkret: Gotteslob soll hörbar werden.
Gott hat uns nicht als seine „Spielzeuge" geschaffen – mit denen er sich die „Zeit vertreibt" – sondern mit der Absicht, uns als seine geliebten Kinder anzunehmen und uns zu mündigen Söhnen zu machen (Röm 8:14-17 / Gal 4:4-7). Was für eine Ehre! Und was für eine unfassbare Wertschätzung uns der himmlische Vater damit schenkt – vor allem deshalb, weil wir so klein, so schwach und fehlerhaft sind. Wenn Gott uns das nicht durch sein Wort gesagt hätte, wäre die Behauptung, dass wir Kinder Gottes sein dürfen, eine völlige Anmaßung!
Gott zu loben gibt ihm nicht nur die Ehre, die ihm gebührt – es verändert auch uns selbst: Es richtet unseren Blick auf Gottes Größe und Güte, stärkt unser Vertrauen und formt unser Herz (Ps 34:2-4). Wer Gott lobt, richtet sein Leben neu aus – weg von sich selbst hin zu ihm. Darin liegt eine tiefe Quelle von Freude und Frieden (Phil 4:4-7).
Gebet: Vater im Himmel, danke, dass du mich in Jesus Christus angenommen hast und ich zu dir gehören darf. Lass deine Gnade mein Herz neu erfüllen, damit mein Lob nicht nur Worte sind, sondern eine Haltung, die dich ehrt. Hilf mir, in Bedrängnis nicht zu verstummen, sondern dir zu vertrauen. Zeig mir heute, wo ich deine Güte sehen und aussprechen kann. Amen.
HERR, steh auf, dass nicht Menschen die Oberhand gewinnen.
Jesus sprach zu seinen Jüngern: Der Menschensohn wird überantwortet werden in die Hände der Menschen, und sie werden ihn töten; und wenn er getötet ist, so wird er nach drei Tagen auferstehen.
Obwohl Stephanus im Recht war und auf der Seite der Wahrheit stand, gewannen seine Gegner die Oberhand und steinigten ihn (Apg 7:54-60). Doch gerade durch diese Niederlage wurde sein Martyrium zum Zeugnis der Treue Gottes. Gott nahm den ersten christlichen Märtyrer in seine Herrlichkeit auf, und das Zeugnis über Jesus Christus – den verheißenen Retter – verbreitete sich über die ganze Erde, bis heute!
Dieses Phänomen zieht sich durch die ganze Bibel: Gott steht in besonderer Weise denen bei, die nach Gerechtigkeit hungern und unter Unrecht leiden (Mt 5:6). Zu Beginn sehen sie wie die großen Verlierer aus. Doch am Ende werden sie durch ihr geschenktes Gottvertrauen zu den Siegern gehören.
Dieses Muster zeigt sich auch bei David: Er schien auf verlorenem Posten zu stehen – als er Goliath gegenüberstand (1Sam 17 und ständig vor König Saul fliehen musste (1Sam 19-27. Schließlich schenkte Gott ihm den Sieg, und er wurde zum großen König Israels (2Sam 5:1-5.
In Ps 9:10 spricht David von den Unterdrückten, die in Zeiten der Bedrängnis den HERRN als ihre Festung besitzen dürfen. Weil sie den HERRN kennen und seinem Namen vertrauen, steht er ihnen bei (Ps 9:11) – denn er vergisst das Schreien der Elenden nicht (Ps 9:13). Darum schreibt David in den letzten drei Versen dieses Psalms:
"Denn nicht für immer wird der Arme vergessen, ⟨noch⟩ geht der Elenden Hoffnung für ewig verloren. Steh auf, HERR, dass nicht der Mensch Gewalt hat! Mögen gerichtet werden die Nationen vor deinem Angesicht! Lege Furcht auf sie, HERR! Mögen die Nationen erkennen, dass sie Menschen sind!" (Ps 9:19-21)
David ist auch ein Bild auf Jesus Christus, der in seiner Auseinandersetzung mit den Bösen als scheinbarer Verlierer endete. Als die Menschen bei seiner Verurteilung und Hinrichtung die Oberhand gewannen, errang er paradoxerweise den größten Sieg über die Sünde (Röm 5:8-9). Und als Gott ihn aus den Toten auferweckte, besiegte er die Macht des Todes (1Kor 15:54-57).
Dieses Ereignis war längst geplant! Schon vor Grundlegung der Welt hatte Gott den Plan gefasst, durch den Tod und die Auferstehung seines Sohnes die Menschheit zu erlösen (1Petr 1:18-20). Was wie eine absolute Niederlage aussah, war in Wirklichkeit der göttliche Heilsplan zur Rettung der Welt (Apg 2:23-24).
In Mk 9:31 kündigte Jesus zum zweiten von insgesamt drei Malen sein Leiden an. Er hatte seinen Jüngern mehrfach deutlich gesagt, dass er getötet und am dritten Tag auferweckt werden würde. Obwohl diese Prophezeiung klar war, waren seine Jünger damit völlig überfordert. Sie passte nicht in ihr Bild eines glorreichen Messias. Anscheinend hatten sie diese dreifache Vorhersage „erfolgreich" verdrängt – so sehr, dass sie bei Jesu Verurteilung völlig die Fassung verloren. Und bei seiner Auferstehung konnten sie zunächst nicht glauben, dass sie tatsächlich geschehen war (Lk 24:9-11).
Ihre Verdrängung war so stark, dass sie nach dieser zweiten Leidensankündigung darüber diskutierten, wer von ihnen der Größte sei (Mk 9:33-34). Ist das nicht erstaunlich – oder sogar erschreckend? Jesus hatte ihnen gerade gesagt, dass er sterben würde – und sie dachten an Rangordnung und Ehre? Das zeigt, wie schwer es ist, Gottes Wege zu begreifen, wenn sie unseren Erwartungen widersprechen.
Auch wir dürfen darauf vertrauen, dass Gott am Ende eingreift – selbst wenn es im Moment anders aussieht (Röm 8:28). Ich schließe mit den beiden letzten Versen aus dem Auferstehungskapitel des Apostels Paulus:
"Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gibt durch unseren Herrn Jesus Christus! Daher, meine geliebten Brüder, seid fest, unerschütterlich, allezeit überreich in dem Werk des Herrn, da ihr wisst, dass eure Mühe im Herrn nicht vergeblich ist!" (1Kor 15:57-58)
Gerade dann, wenn es so aussieht, als würde Unrecht gewinnen, dürfen wir wissen: Gottes Sieg steht fest (Offb 21:4-5).
Der HERR wird seinen Engel vor dir her senden.
Jesus sprach: Vater, willst du, so nimm diesen Kelch von mir; doch nicht mein, sondern dein Wille geschehe! Es erschien ihm aber ein Engel vom Himmel und stärkte ihn.
Manche Herausforderungen sind aus menschlicher Sicht nicht zu bewältigen. Ein vor uns liegender Weg erscheint manchmal wie ein unüberwindbares Hindernis, das ohne „himmlische Hilfe" nicht gemeistert werden kann. Solche Bewährungsproben führen dazu, dass uns entweder die Sorgen überwältigen oder wir nach übernatürlicher Hilfe suchen. Wenn diese nicht Gott selbst ist, öffnen wir uns fast zwangsläufig für andere Mächte – die uns jedoch nicht in die Freiheit, sondern in Gebundenheit führen.
Diese Momente der Überforderung sind oft genau die Situationen, in denen Gott seine Engel sendet – nicht um uns den Weg abzunehmen, sondern um uns die Kraft zu geben, ihn zu gehen.
Nach seiner größten Bewährungsprobe – als er aus Gehorsam Gott gegenüber bereit war, seinen geliebten Sohn zu opfern – durfte Abraham erleben, wie Gott selbst ein anderes Opfer schenkte (1Mo 22:13). Sein Vertrauen war dadurch so sehr gewachsen, dass er nicht mehr daran zweifelte, dass Gott seinem Sohn auch die richtige Frau schenken würde.
1. Mose 24 berichtet von einer einzigartigen „Brautschau". Abraham beauftragte seinen ältesten Knecht – vermutlich Elieser – in seine alte Heimat zu reisen, um dort eine Frau für seinen Sohn Isaak zu gewinnen. Die Heimat lag mehrere hundert Kilometer entfernt. Diese Aufgabe war in mehrfacher Hinsicht äußerst schwierig: Die Entfernung war groß, und Reisen waren damals gefährlich und beschwerlich. Hinzu kam, dass der Knecht die Familie nicht kannte und unsicher war, ob er sie überhaupt finden würde. Auch die Frage, wie er die richtige Frau für Isaak erkennen sollte, beschäftigte ihn vermutlich. Zudem wusste er nicht, ob sie überhaupt zustimmen würde, mit ihm in ein fremdes Land zu ziehen.
Doch Abraham sorgte sich nicht um diese Dinge, sondern vertraute darauf, dass Gott seinen Engel voraussenden würde, damit es seinem Knecht gelingen würde (1Mo 24:7). Wie der Engel Gottes in diese Situation ganz konkret einwirkte, lässt sich schwer sagen. Tatsache ist: Der Knecht kam genau zum richtigen Zeitpunkt an die richtige Wasserstelle (1Mo 24:15). Vorher hatte er den Gedanken gefasst, jene Frau anzusprechen, die nicht nur ihm, sondern auch seinen Kamelen unaufgefordert Wasser geben würde (1Mo 24:14). Daran würde er erkennen, wer die richtige Frau sei – nicht zuletzt, weil es sich dabei um eine hilfsbereite Frau handelte, die freiwillig mehr tat, als man ihr auftrug.
Das wirft die Frage auf: Wie wirkte der Engel Gottes konkret – auf Zeit, Umstände und das Denken der Beteiligten? Ich weiß es nicht. Aber ich weiß: Gott lenkt auch heute noch Wege, Gedanken und Begegnungen – oft unmerklich, aber zielgerichtet (Spr 16:9). Hier sehen wir auch: Der Engel konnte alles so fügen, dass die Mission erfolgreich war und der Knecht die „beste Braut" für den verheißenen Sohn nach Hause bringen konnte.
Während der Knecht geführt wurde, um eine Aufgabe zu erfüllen, stand Jesus vor einem Weg, den niemand ihm abnehmen konnte. Die Herausforderung, vor der Jesus stand, war ungleich schwerer. Der Gebetskampf im Garten Gethsemane – was übersetzt Ölpresse oder Ölkelter heißt – war für die Seele Jesu vielleicht noch belastender als das Sterben am Kreuz. Der „Kelch" steht für das Leiden, das vor ihm lag (Lk 22:42). Jesus sprach seinen Wunsch offen aus, ihn nicht trinken zu müssen. Doch er band diesen Wunsch an sein Vertrauen: Gottes Wille ist gut, auch wenn er schwer ist.
Dass ein Engel Jesus stärkt, ist kein „Ausweg" aus dem Leid, sondern Kraft zum Durchhalten im Gehorsam (Lk 22:43). Möglicherweise war dies der schwerste Moment seines Lebens – und genau da schenkte ihm Gott die stärkende Gegenwart eines Engels. Hier zeigt sich auch, dass allein der himmlische Vater Jesu Ansprechpartner war, nicht der Engel. Auch wir haben direkten Zugang zu Gott und sollen unsere Hilfe nicht bei Engeln suchen (Hebr 4:16).
Beide Beispiele zeigen: Herausforderungen, die wir aus eigener Kraft nicht bewältigen können, sind kein Grund zur Verzweiflung. Für Gott ist nichts unmöglich (Lk 1:37), und er kann jederzeit seine Engel senden, die uns führen, stärken und durchtragen (Ps 91:11-12). Himmlische Hilfe bedeutet nicht, dass Schwierigkeiten vermieden werden, sondern dass wir durch sie hindurch begleitet werden.
Dem HERRN sei Dank: Er legt uns nichts auf, was wir nicht tragen können (1Kor 10:13). Und wo unsere Kraft endet, beginnt seine – eine himmlische Kraft, die uns hindurchträgt (2Kor 12:9).
Ich, ich bin der HERR, und außer mir ist kein Heiland.
Jesus spricht: Ich und der Vater sind eins.
Das Wort, das die Lutherbibel mit Heiland übersetzt, lautet im Hebräischen moshia. Es bedeutet „Retter" oder „Helfer" und bezeichnet jemanden, der aus Gefahr, Not oder Unterdrückung befreit. Gott selbst nimmt diesen Titel in Anspruch und macht deutlich: Niemand sonst kann diese Rolle ausfüllen.
In Jesaja 43 spricht der HERR sein Volk an und macht klar: „Ich bin es, der dich geschaffen und gebildet hat. Ich habe dich erlöst! Ich habe dich gerufen und damit auch erwählt." (Jes 43:1) Anschließend beschreibt der HERR, wie er sein Volk rettet und wie wertvoll es ihm ist. Deshalb will er sein zerstreutes Volk wieder heimführen (Jes 43:5-7). Diese Rückführung hat sich in der Geschichte Israels mehrfach wiederholt. Gott hat sie durch mehrere Propheten immer wieder vorausgesagt. Zwei Kapitel später fordert Gott die Israeliten auf zu prüfen, wer außer ihm den Beweis erbracht hat, dass er Gott ist, indem er künftige Ereignisse prophezeite. Gott ließ durch den Propheten sagen:
"Berichtet und bringt [Beweise] herbei! … Wer hat dies von alters her hören lassen, schon längst es verkündet? Nicht ich, der HERR? Und sonst gibt es keinen Gott außer mir. Einen gerechten und rettenden Gott gibt es außer mir nicht!" (Jes 45:21)
Da in dieser Welt viele Personen oder Geister als Gott verehrt werden, stellt sich die Frage: Welcher von ihnen ist der allmächtige Gott? Welcher hat alles ins Leben gerufen – und kann deshalb auch als einziger den Menschen dauerhaft retten?
Um die richtige Antwort zu finden, fordert Gott sein Volk – und letztendlich alle Menschen – auf zu prüfen, welcher Gott künftige Ereignisse schon längst verkündigt hat. Denn nur der Gott, der die Zukunft nachweislich vorausgesagt hat, hat auch die Weltgeschichte im Griff und kann somit bleibend retten.
Kein anderes Buch der Weltliteratur, das von sich behauptet, Gottes Wort zu sein, enthält so viele erfüllte Prophezeiungen wie die Bibel! (Siehe auch hier!)
Der Gott der Bibel ist derjenige, der die Menschen von Schuld und Sünde befreit hat – nicht durch einen Preis, den sie bezahlen, oder durch gute Werke, die sie vollbringen mussten (Eph 2:8-9). Stattdessen wurde Gott selbst in Jesus Christus Mensch (Joh 1:14) und nahm stellvertretend für uns die Strafe auf sich (1Petr 2:24). So wurde er zum verheißenen Retter – zum moshia – der uns aus der Macht der Sünde und des Todes befreit.
In Johannes 10 erklärte Jesus, dass er der gute Hirte ist, der sein Leben für die Schafe lässt (Joh 10:11). Die anwesenden Juden erkannten schnell, dass sich Jesus mit dem HERRN aus Hesekiel 34:11-12 gleichsetzte. Dort wird der HERR als der wahre Hirte Israels beschrieben, der selbst kommen wird, um sein Volk zu sammeln und zu retten. Diese Aussage wurde als Gotteslästerung interpretiert. Tatsächlich wäre es eine Gotteslästerung gewesen – wenn Jesus nur ein normaler Mensch und nicht zugleich der Sohn Gottes gewesen wäre.
Als Jesus dann sagte: „Ich und der Vater sind eins" (Joh 10:30), war die Botschaft unmissverständlich: Er beanspruchte, selbst der HERR zu sein – der einzige Retter aus Jesaja 43:11. Deshalb hoben die Juden Steine auf, um ihn zu steinigen (Joh 10:31).
Doch Jesus vollbrachte auch messianische Wunder, indem er Blinden die Augen öffnete (Joh 10:21 / (Ps 146:8 / Jes 42:6-7)). Und als er nach seinem Opfertod am Kreuz starb, bestätigte der himmlische Vater ihn als seinen geliebten Sohn – an dem er Wohlgefallen hatte – indem er ihn aus den Toten auferweckte (Röm 1:4 / Apg 2:24). Darum ist er der HERR über Leben und Tod (Offb 1:18). Nur er kann uns aus den Klauen des Todes retten und uns das ewige Leben schenken (Joh 11:25-26).
Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten.
Ihr wisst, dass keine Lüge aus der Wahrheit kommt.
Josephine R. erzählte eine Geschichte, die niemand anzweifeln wollte. Leise, eindringlich und voller Details schilderte sie Jahre des Leids – und die Welt glaubte ihr. Ihre eigenen Eltern, die sie anklagte, wurden abgeführt und verurteilt. Sie verschwanden hinter Gefängnismauern, während ihr Leben draußen zerfiel.
684 Tage später begann die Wahrheit zu bröckeln. Zweifel wurden laut, Gutachten stellten Fragen. Schließlich fiel das Kartenhaus zusammen. Die Vorwürfe hielten nicht stand.
Als die Eltern freigesprochen wurden, waren sie zwar wieder frei – doch ihr altes Leben war verschwunden. Zurück blieben Narben, Misstrauen und die bittere Erkenntnis, welch unsagbaren Schaden ein falsches Zeugnis anrichten kann (Spr 19:5).
Sowohl Jesus als auch Stephanus – der erste christliche Märtyrer – wurden aufgrund falscher Zeugen zum Tode verurteilt (Mt 26:59-60 / Apg 6:13). Was bewegte diese falschen Zeugen zu solch einer Abscheulichkeit? Ein falsches Zeugnis gegen den Nächsten ist selten nur ein Versehen. Oft steht dahinter eine Entscheidung – bewusst oder schleichend gewachsen –, die Wahrheit zu verzerren und dem anderen dadurch Schaden zuzufügen. Doch die Motive sind vielschichtig: Manchmal sind es Eigennutz oder Hass, manchmal Angst, Selbstschutz oder der Wunsch, anerkannt zu werden.
Beim Eigennutz geht es darum, durch die Lüge persönliche Vorteile zu erlangen – sei es Macht, Ansehen oder materielle Gewinne. Bei böswilliger Absicht steht der Wunsch im Vordergrund, dem anderen gezielt zu schaden, ihn zu erniedrigen oder zu vernichten (Spr 6:16-19).
Gerade darin liegt die Gefahr: Die Grenze zwischen Irrtum, Selbsttäuschung und bewusster Lüge ist nicht immer klar. Umso wichtiger ist es, das eigene Herz zu prüfen (Jer 17:9-10).
Während ein falsches Zeugnis ein gezielter Angriff sein kann, begegnet uns die Lüge im Alltag oft viel subtiler. Sie zeigt sich in kleinen Übertreibungen, in Auslassungen oder darin, dass wir uns besser darstellen, als wir sind. Doch auch diese „kleinen" Unwahrheiten untergraben Vertrauen und entfernen uns von der Wirklichkeit (Eph 4:25).
Die Wahrheit mag unbequem sein, aber sie schafft Klarheit. Sie führt zu Ehrlichkeit und Vertrauen – und diese bilden die Grundlage für jede Liebesgemeinschaft und letztlich für echte Freiheit (Joh 8:32).
Weil die Wahrheit manchmal unbequem ist, wird die Lüge oft bevorzugt. Das zeigt sich daran, dass man dem Gehör schenkt, was man hören will – der klassische Selbstbetrug, unter dem wir alle in irgendeiner Weise gelitten haben oder noch leiden (2Tim 4:3-4). Die Lüge und der Selbstbetrug binden uns ähnlich wie ein Insekt in einem klebrigen Spinnennetz.
Die Wahrheit bewirkt etwas ganz anderes: Ehrlichkeit, Authentizität und Vertrauen. Diese Dinge gehören untrennbar zur Liebe! Wer sich um Wahrheit bemüht, hört auf, sich selbst zu betrügen – und kann sich durch die Gnade Gottes aus dem „Spinnennetz" der Lüge befreien (1Jo 1:6-7).
„Wahrheit ist nicht nur eine Tugend, sondern Ausdruck von Gottes Wesen. Unwahrheit ist mehr als ein ‚Fehler'; sie trennt Menschen voneinander und verdunkelt das Herz."
In Religion, Philosophie und Glauben wird oft behauptet, dass Wahrheit relativ sei. Das würde stimmen, wenn der Mensch das Produkt eines evolutionären Prozesses wäre. Gibt es aber einen Schöpfer des Universums und des Menschen, dann ist dieser Schöpfer die absolute Wahrheit.
Die Bibel bietet zahlreiche Argumente dafür, dass sie Gottes Wort ist und dass er seinen Sohn als Mensch zu uns sandte (2Tim 3:16-17 / Joh 1:14). Deshalb konnte Jesus als einziger Mensch sagen: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben!" (Joh 14:6).
Jesus Christus ist die Wahrheit in Person – er befreit uns von Schuld und Lüge. Darum sagte er: „Die Wahrheit wird euch frei machen!" (Joh 8:32). Wer in der Wahrheit lebt, muss sich nicht verstellen, verstecken oder verteidigen – die Wahrheit selbst trägt und befreit.
Wenn du gegessen hast und satt bist, sollst du den HERRN, deinen Gott, loben.
Gott sei Dank für seine unaussprechliche Gabe!
Nach vierzig Jahren in einer öden Wüstenlandschaft bereitet Mose sein Volk auf den künftigen Segen vor, den Gott ihm schenken wird (5Mo 8:1-10. Der vollständige Losungsvers lautet:
"Und du wirst essen und satt werden, und du sollst den HERRN, deinen Gott, für das gute Land preisen, das er dir gegeben hat." (5Mo 8:10)
Das „gute Land" wird in 5Mo 8:7–9 ausführlich beschrieben: ein Land mit Wasserquellen, Getreide, Weinbergen, Ölbäumen und Bodenschätzen – ein starker Kontrast zur kargen Wüste. Doch dieser materielle Segen birgt auch eine Gefahr: Sattwerden und Sicherheit können dazu führen, dass man Gott vergisst und in Selbstgenügsamkeit verfällt (5Mo 8:11-14).
Das beste Gegenmittel ist aufrichtige Dankbarkeit gegenüber Gott. Dankbarkeit schützt vor Unzufriedenheit und fördert die Freude an Gott – und damit auch die Liebe zu ihm. Wer dankbar ist, verherrlicht Gott und tut sich selbst den größten Gefallen. Ein einfaches Leben mit Dankbarkeit ist weit besser als ein Leben in materiellem Reichtum bei gleichzeitiger Unzufriedenheit (Spr 15:16-17 / 1Tim 6:6-8).
Leider zeigt die Geschichte, dass andauernder Wohlstand mit der Zeit zur Selbstverständlichkeit wird und viele dabei ihre Dankbarkeit verlieren (5Mo 31:20 / Hos 13:6).
Viele Christen beten vor dem Essen und danken Gott für seine guten Gaben (1Tim 4:4-5). Manche tun es – wie Mose es hier rät – auch nach dem Essen, oder sie singen ein Loblied. Im Losungsvers geht es nicht nur ums Essen, sondern auch um das gute Land, das die Israeliten von Gott erhielten. Es war keine karge Wildnis, sondern ein fruchtbares Land, in dem „Milch und Honig" fließt (2Mo 3:8).
Alles, was wir sind und haben, ist ein Geschenk von Gott (1Chr 29:14 / Jak 1:17)! Das größte Geschenk ist sein geliebter Sohn (Joh 3:16 / Röm 8:32). In ihm hat Gott uns eine unfassbare Gnade geschenkt (Eph 2:8-9). Die einzig angemessene Antwort auf dieses Geschenk aller Geschenke ist Dank und Anbetung (Kol 2:6-7).
Das griechische Wort für „danken" lautet eucharisteo und bedeutet wörtlich „gute Gnade". Echte Dankbarkeit ist daher immer mit dem Erkennen von Gnade verbunden – und das schenkt bleibende Freude (Phil 4:4-7).
Im Kontext von 2. Korinther 9 ermutigt Paulus zu großzügigem Geben für andere Christen in Not. Geben ist hier kein Druck, sondern eine Antwort auf Gottes Überfluss und Gnade (2Kor 9:6-8). Dieses Bewusstsein lässt uns zu fröhlichen Gebern werden. Der Abschnitt endet in Anbetung: Gottes Gabe ist so groß, dass Worte nicht ausreichen (2Kor 9:15).
Ich schließe mit einem Zitat, das ich in jungen Jahren oft gehört habe:
"Danken schützt vor Wanken und Loben zieht nach oben!"
Sieh an meinen Jammer und mein Elend und vergib mir alle meine Sünden!
Ich elender Mensch! Wer wird mich erlösen von diesem Leib des Todes? Dank sei Gott durch Jesus Christus, unsern Herrn!
Als junger Mann fiel mir ein Schuld-Eingeständnis oft schwer, weil es das Gefühl verstärkte, unbedeutend oder minderwertig zu sein. Für Menschen mit Minderwertigkeitsgefühlen ist es schwierig zuzugeben, dass sie schwerwiegende Fehler gemacht haben und auf Gnade angewiesen sind, sodass sie einen Erlöser brauchen, um vor Gott bestehen zu können (Röm 3:23-24). Überhebliche Personen tun sich meist noch schwerer damit, weil sie sich aus verschiedenen Gründen besser als andere fühlen. Das liegt daran, dass sie sich – durch den subjektiven Vergleich mit anderen – als überlegen empfinden (Lk 18:9-14).
Traurigerweise entsteht das Selbstwertgefühl oft durch das, was wir erreicht oder nicht erreicht haben. Es wird durch unsere Leistung oder Stellung in der Gesellschaft definiert.
Wer sich mit Gott und seinem Wort beschäftigt, fühlt seine eigene Schuldhaftigkeit intensiver. Ihm wird seine Unfähigkeit, das göttlich Vollkommene zu tun, noch klarer vor Augen geführt (Röm 7:18-19). Das verstärkt das Gefühl vermeintlicher Wertlosigkeit. Darum meiden viele – bewusst oder unbewusst – einen intensiven Umgang mit Gott und seinem Wort. Selbst diejenigen, die Gott lieben, spüren ihre eigene Kleinheit und Verlorenheit, wenn sie Gott begegnen oder ihn in seiner Erhabenheit sehen. So schreibt Jesaja, als er den HERRN auf seinem himmlischen Thron sitzen sah:
"Wehe mir, denn ich bin verloren. Denn ein Mann mit unreinen Lippen bin ich, und mitten in einem Volk mit unreinen Lippen wohne ich. Denn meine Augen haben den König, den HERRN der Heerscharen, gesehen." (Jes 6:5)
Je intensiver wir uns mit Gott und seinem herrlichen Wesen beschäftigen, desto fehlerhafter und kleiner kommen wir uns vor. Doch die Schlussfolgerung, wir seien deshalb für Gott wertlos und unbedeutend, ist völlig falsch. Wir ziehen diesen Rückschluss nur, weil wir unser menschliches Denken auf Gott übertragen – die Annahme, dass nur derjenige wertvoll sei, der etwas geleistet hat und Gottes Anforderungen genügen konnte.
David und Paulus erkannten beide, dass sie Gottes vollkommenen Anforderungen niemals genügen können. Ohne Gottes Gnade wären sie verloren gewesen. David sah seine Sündhaftigkeit klar vor Augen und schrieb darum in Psalm 25:18: „HERR, sieh an meinen Jammer und mein Elend und vergib mir alle meine Sünden."
Paulus beschreibt in Römer 7 seinen inneren Kampf zwischen dem Wunsch, das Richtige zu tun, und der praktischen Umsetzung, die ihm nicht gelingen will. Das lag unter anderem daran, dass er eine Zeit lang versuchte, ein Gott wohlgefälliges Leben aus eigener Kraft und Frömmigkeit zu führen. Der Versuch, durch die Kraft seiner Seele das göttlich Vollkommene zu erreichen, scheiterte vollständig. Das verstärkte sein Gefühl der eigenen Verlorenheit – bis hin zur absoluten Kapitulation, in der er sagen musste:
"Ich elender Mensch! Wer wird mich erlösen von diesem Leib des Todes?" (Röm 7:24)
Doch genau an diesem Punkt kommt die alles überwältigende Gnade Gottes ins Spiel. Der letzte Vers aus Römer 7 lautet im Griechischen „charis de to theo". Das bedeutet nicht nur „Dank aber (sei) Gott", sondern wörtlich auch „Gnade aber (ist bei) dem Gott" (Röm 7:25). Die Gnade Gottes ist so groß, dass er uns durch den Glauben „in seinen Sohn hineinversetzt", sodass wir nicht mehr verurteilt werden – obwohl wir es verdient hätten (Röm 8:1). Wer in Christus ist, ist in die absolute Gerechtigkeit und göttliche Vollkommenheit hineinversetzt (2Kor 5:21).
Darum schreibt Paulus weiter: „Also ⟨gibt es⟩ jetzt keine Verdammnis für die, die in Christus Jesus sind" (Röm 8:1). Der Apostel entfaltet diese Gnade in den darauffolgenden Versen weiter, bis er zu einer universalen Hoffnung gelangt, in der er schreiben darf, dass auch selbst die ganze Schöpfung von der Knechtschaft der Vergänglichkeit frei gemacht werden wird, um zur Freiheit der Herrlichkeit der Kinder Gottes zu gelangen (Röm 8:21). – Das ist die ultimative Hoffnung für alle! Dafür sei unserem himmlischen Vater allen Dank und die Anbetung!
Ich will die Übriggebliebenen meiner Herde sammeln aus allen Ländern und will sie wiederbringen zu ihren Weideplätzen, dass sie fruchtbar sein sollen und sich mehren.
Jesus spricht: Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und volle Genüge.
Die wertvolle Arbeit eines Schafhirten kenne ich nur aus der Bibel und vom Hörensagen. Viele entscheidende Personen im Alten Testament waren Hirten: Abraham, Isaak, Jakob, Joseph, Mose und David. Auch der HERR selbst wird in Psalm 23 von David als Hirte bezeichnet.
In Jeremia 23 und Hesekiel 34 tadelt der HERR die Führer des Volkes als schlechte „Hirten", die die Herde nur ausnutzen, statt sich liebevoll um sie zu kümmern. Darum kündigte er durch die Propheten an, sich selbst um seine „Schafe" zu kümmern (Hes 34:11-16).
Im heutigen Losungstext verspricht Gott, die zerstreuten Schafe Israels zu sammeln – ein Versprechen, das in Jesus Christus seine vollständige Erfüllung findet (Jer 23:3 / Joh 10:16).
Als der Sohn Gottes Mensch wurde, sagte er von sich selbst: „Ich bin der gute Hirte!" (Joh 10:11). Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe. Er kennt jedes einzelne beim Namen, sucht das Verlorene und trägt das Schwache (Joh 10:3 / Lk 15:4-7 / Jes 40:11). Seine Schafe kennen seine Stimme und folgen ihm (Joh 10:4-5). Er gibt ihnen das wahre Leben und alle guten Gaben im Überfluss. Diese persönliche Fürsorge steht im krassen Gegensatz zu den selbstsüchtigen Hirten, die Jeremia anklagt.
Ich habe selbst keine Erfahrung als Hirte. Dennoch wollte ich verstehen, wie ein Hirte seine Schafe sammelt, um die biblische Bildsprache besser zu begreifen. Ein Hirte sammelt seine Herde auf verschiedene Weise:
Er ruft sie: Schafe erkennen die Stimme ihres Hirten und folgen seinen Rufen. Im Laufe der Geschichte Israels hat der HERR sein Volk immer wieder durch die Propheten und die Verkündiger seines Wortes nach Hause gerufen (Jes 40:3-5 / Jer 31:10). Jesus selbst hat sich als der eine gute Hirte offenbart, der seine „Schafe" ruft, sodass sie ihm folgen.
Er leitet sie durch ruhige Bewegungen: Der Hirte bewegt sich gezielt, um die Tiere nicht zu erschrecken, sondern sie sanft in die gewünschte Richtung zu lenken. Das zeigt die ruhige, sanftmütige und demütige Art, wie Jesus seine Herde leitet (Mt 11:29). Er kennt den besten Weg und geht voran (Joh 10:4).
Er bewahrt sie vor falschen Wegen: Ein Hirte stellt sich so, dass Schafe nicht in gefährliche Richtungen laufen. Auch Christus weiß, wo Gefahr droht, und hält seine Herde auf dem richtigen Weg (Ps 23:3). Darum ist es so wichtig, bei der Herde zu bleiben (Joh 10:28-29).
Er verwendet Lockmittel: Der Hirte nutzt Futter oder bekannte Wege, um die Schafe anzulocken. Der gute Hirte weiß, wo die „grünen Auen" und das „frische Wasser" sind (Ps 23:2). Sein Wort ist die Speise, die Geist und Seele zum wahren Leben brauchen (Mt 4:4 / Joh 6:63). Das Wort Gottes zeigt uns den Weg zum Leben – und Jesus Christus selbst ist dieser Weg (Joh 14:6).
Heute wird eine Herde auch durch gut trainierte Hütehunde zusammengehalten: Sie lenken die Schafe zur Herde zurück. Hirtenhunde schrecken diejenigen auf, die sich zu weit von der Herde entfernt haben und Gefahr laufen, verloren zu gehen. In biblischen Zeiten lag der Schwerpunkt stärker auf der direkten Führung durch den Hirten. Dennoch kann auch das ein Bild sein: Manchmal gebraucht Gott Wege, die uns korrigieren und zurückführen, wenn wir uns entfernen (Hebr 12:6-11 / Offb 3:19).
In der Geschichte hat Gott sein Volk immer wieder aus allen Ländern gesammelt und in sein Land zurückgeführt (Jer 29:14). Die Rückkehr aus dem babylonischen Exil war nur ein Vorgeschmack auf das, was Jesus als der gute Hirte vollständig erfüllt hat (Joh 11:52). Er sammelt Menschen aus allen Nationen zu einer Herde unter seiner liebevollen Führung (Joh 10:16).
Im vergangenen Jahrhundert sammelte er auch das jüdische Volk aus allen Nationen und siedelte es in seinem Land an, wo es auf das Kommen des Messias vorbereitet wird (Hes 36:24 / Sach 12:10).
Bei seinem nächsten Kommen erscheint er jedoch nicht mehr als Mensch aus Fleisch und Blut, sondern mit großer Macht und Herrlichkeit, um das messianische Friedensreich aufzurichten (Mt 24:30 / Offb 19:11-16 / Jes 11:6-9).
Wende dich zu mir und sei mir gnädig; stärke deinen Knecht mit deiner Kraft!
Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr den Vater um etwas bitten werdet in meinem Namen, wird er's euch geben.
Wie in vielen anderen Psalmen schüttet David auch hier sein Herz vor Gott aus. Er beschreibt seine Not und bittet inständig um Hilfe. Doch er verweilt nicht nur in Klage und Bitte, sondern hält auch inne, um Gott für seine Güte und Treue zu loben.
David zeigt uns hier etwas, das wir in der Bibel immer wieder finden: Beter sagen ihrem Gott alles, was sie empfinden. Sie breiten ihre innersten Emotionen vor Gott aus und richten dann ihren Blick auf ihn (Ps 42:6 / Ps 62:9). Dieser Blickwechsel schenkt ein neues Bewusstsein – er lässt die eigenen Probleme kleiner und Gott größer werden. So gewinnen Hoffnung und Zuversicht immer mehr Raum im Herzen.
In den drei mittleren Versen dieses Klagepsalms gewährt Gott David einen Blick in die Vollendung, sodass er folgende Verheißung aussprechen kann:
"Keiner ist wie du, Herr, unter den Göttern, und nichts gleicht deinen Werken. Alle Nationen, die du gemacht hast, werden kommen und vor dir anbeten, Herr, und deinen Namen verherrlichen. Denn groß bist du und tust Wunder, du bist Gott, du allein." (Ps 86:8-10)
Diese Zusage eröffnet eine Perspektive auf Gottes Pläne und seine Macht. Sie gewährt David zugleich einen Einblick in Gottes ureigenstes Wesen, sodass er Gott wie folgt beschreibt: "Du aber, Herr, bist ein barmherziger und gnädiger Gott, langsam zum Zorn und groß an Gnade und Wahrheit" (Ps 86:15 / 2Mo 34:6).
Nachdem David diese Aussage macht, äußert er im heutigen Losungsvers eine vierfache Bitte, die in der Lutherbibel jedoch nicht deutlich genug zum Ausdruck kommt:
Wende dich zu mir
Sei mir gnädig
Gib deinem Knecht Kraft
Rette den Sohn deiner Magd
Wenn Gott sich uns voller Gnade zuwendet, erfahren wir sein rettendes Handeln, das uns neue Kraft schenkt.
Gottes Zuwendung zeigt sich nirgends deutlicher als in der Sendung seines Sohnes (Joh 3:16). Dadurch wird klar: Gott ist mit uns – obwohl wir es nicht verdient haben! Jesus Christus kam voller Gnade und Wahrheit zu uns und schenkte uns eine Gnade nach der anderen (Joh 1:14-16). Er erlöste uns von Schuld, vergab uns, rechtfertigte uns und rettete uns aus den Klauen der Sünde und des Todes (Röm 3:23-24 / Röm 6:23). Durch sein Liebeshandeln dürfen wir Kinder Gottes sein, die im Namen Jesu alles erbitten dürfen (1Jo 3:1 / Joh 16:23).
Jesus gibt uns die unglaubliche Zusage, dass der Vater uns alles geben wird, worum wir ihn bitten. Dabei sind zwei Dinge zu beachten:
Nur Bitten im Namen Jesu haben die Verheißung der Erfüllung (Joh 14:13-14). Solche Bitten werden im Auftrag und im Sinne Jesu ausgesprochen – sie entsprechen seinem Willen. Es geht dabei nicht um die Befriedigung eigener Begierden, sondern um Wünsche, die aus der Liebe stammen, zur Ehre Gottes beitragen und für andere zum Segen werden können (Jak 4:3 / 1Jo 5:14).
Gott bestimmt in seiner Souveränität, wann er eine Bitte erfüllt. Manche Bitten werden erst nach unserem irdischen Leben erhört (Offb 21:4).
Aber die Zusage Jesu bleibt – und sie ist absolut zuverlässig! Das Geniale daran: Am Ende werden wir sehen, dass Gott alles noch viel besser gemacht hat, als wir es uns gewünscht haben, und dass er alle unsere Vorstellungen bei Weitem übertroffen hat (Eph 3:20 / Röm 8:28)!
„Sehet, dass ich's allein bin und ist kein Gott neben mir! Ich kann töten und lebendig machen, ich kann schlagen und kann heilen, und niemand kann aus meiner Hand reißen."
„Jesus betete: Vater, du hast dem Sohn Macht gegeben über alle Menschen, auf dass er ihnen alles gebe, was du ihm gegeben hast: das ewige Leben."
Beim Lesen des heutigen Losungswortes fühlt sich mancher vielleicht unwohl und fragt sich: Ist Gott manchmal gut und ein andermal hart? Schlägt er uns, sobald wir einen Fehler begehen? Wie sollen wir diesen Vers verstehen?
Um seine Bedeutung zu erfassen, lohnt sich ein Blick in den Zusammenhang.
5. Mose 32 enthält die letzten mahnenden Worte von Mose und wird auch das „Lied des Mose" genannt. Man könnte diesen Text als das „Vermächtnis des Mose" bezeichnen. Er war der erste Führer des Volkes Israel und der Vermittler der Worte Gottes und seiner Gebote.
Mose spricht in diesem Lied prophetisch ein immer wiederkehrendes Problem an: den Hang zu anderen Göttern. Ihre verführerische Anziehungskraft war groß. Die Götzendiener rechneten damit, dass ihre Götter sie auch vor den „Erziehungsschlägen" des HERRN schützen könnten – denn Jahweh, der Gott Israels, sei doch auch nur ein Gott unter vielen. Da kamen Zweifel auf: „Wer kann schon mit Bestimmtheit sagen, dass Jahweh der Stärkste von allen Göttern ist? Vielleicht ist es einmal Jahweh und ein andermal Baal, Kemosch oder Marduk."
Denjenigen, die dachten, die fremden Götter würden sie auch vor dem Gott Israels schützen, musste Mose sagen: „Jahweh ist der einzige Herr über Leben und Tod. Er kann euch töten und schlagen, wenn ihr fremden Göttern nachlauft, die euch allesamt nicht vor dem Tod retten können – und schon gar nicht lebendig machen. Nur der Erschaffer des Menschen kann lebendig machen und uns Menschen von den Toten auferwecken."
Wer das erkennt, entwickelt eine ehrfürchtige Haltung gegenüber Gott. Gottesfurcht bedeutet nicht Angst im lähmenden Sinn, sondern ein tiefes Ernstnehmen seines Wortes. Für den Gottesfürchtigen haben Gottes Worte größeres Gewicht als alle anderen Stimmen.
Wer die Worte Gottes ernst nimmt und ihn als den einzig maßgebenden HERRN erkennt, darf die Gewissheit haben, dass dieser Gott ihn lebendig macht und aus den Toten zum ewigen Leben auferweckt. Er darf darauf vertrauen, dass Gott ihn von der Krankheit der Sünde vollständig heilt. Der auf Gott Vertrauende weiß zwar um seine Sterblichkeit, darf aber auch die Gewissheit haben: Wenn er stirbt, kommt er nicht in den Bereich des Todes, sondern in das Haus des himmlischen Vaters — und somit ins Leben (Joh 14:2-3). Darum sagte Jesus zu Marta, nachdem Lazarus schon vier Tage im Grab lag:
„Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, auch wenn er stirbt; und wer da lebt und glaubt an mich, der wird nimmermehr sterben." (Joh 11:25-26)
Der Prophet Hesekiel schrieb: „Jede Seele, die sündigt, muss sterben!" (Hes 18:4). Da alle Menschen gesündigt haben (Röm 3:23), müssen auch alle sterben. Doch diejenigen, die darauf vertrauen, dass Jesus für sie in den Tod ging — indem er seine eigene Seele in den Tod ausschüttete (Jes 53:12) — brauchen den Tod nicht mehr zu fürchten. Denn der himmlische Vater gab dem Sohn die Macht über alle Menschen, damit er jenen, die der Vater ihm gegeben hat, das ewige Leben schenkt (Joh 17:2).
Ich schließe mit den Worten, die Andreas Schäfer während der Jesuswoche auf der Langensteinbacher Höhe sinngemäß sagte:
„Es ist tausendmal besser, mit Jesus durch die Dunkelheit, den Todesschatten und das Leid zu gehen, als ohne ihn!"
Wenn wir dem HERRN vertrauen, brauchen wir den Tod nicht mehr zu fürchten. Denn der HERR hat uns geheilt und lebendig gemacht. Er wird unseren Leib auferwecken und verwandeln, sodass wir einen unverweslichen und herrlichen Leib erhalten werden (1Kor 15:42-44 / Phil 3:21). Ihm sei Lob, Preis und Anbetung dafür!
„Gott, du hast mich von Jugend auf gelehrt, und noch jetzt verkündige ich deine Wunder."
„Paulus schreibt an Timotheus: Du kennst von Kind auf die heiligen Schriften, die dich unterweisen können zur Seligkeit durch den Glauben an Christus Jesus."
Wenn wiedergeborene Christen davon berichten, wie sie zum Glauben an Jesus Christus gefunden haben, stellen wir fest: Jede Geschichte ist einzigartig. Das gilt selbst dann, wenn einige Bekehrungen auf den ersten Blick Ähnlichkeiten aufweisen. Jede Wegführung Gottes ist auf ihre Weise ein großes Wunder und ein Geschenk seiner Gnade (Eph 2:8-9).
Dennoch lassen sich viele Bekehrungsgeschichten zwei grundlegenden Wegen zuordnen:
Viele berichten davon, wie sie in einem gottesfürchtigen Elternhaus aufgewachsen sind und deshalb von klein auf mit dem Glauben an Gott konfrontiert wurden (5Mo 6:6-7).
Andere erzählen, wie sie atheistisch oder in einer anderen Religion aufwuchsen und durch ein besonderes Erlebnis den Erlöser Jesus Christus kennenlernen durften.
Menschen aus dieser zweiten Gruppe erleben den Unterschied zwischen ihrem alten und ihrem neuen Leben oft besonders stark – vor allem dann, wenn sie zuvor in großer geistlicher Dunkelheit lebten (2Kor 5:17 / Eph 5:8).
Wer dagegen in einem christlichen Elternhaus aufwächst, findet oft auf einem stilleren und schrittweisen Weg zum Glauben. Daher können viele nicht genau sagen, wann sie zum Glauben gekommen sind.
Besonders bei Menschen, die schon früh mit Gottes Wort in Berührung kommen, zeigt sich, wie prägend eine geistliche Erziehung sein kann (Spr 22:6).
Der Psalmist aus Psalm 71 und Timotheus wurden beide von klein auf von Gott gelehrt. Sie hatten das besondere Vorrecht, schon früh durch die heiligen Schriften geprägt zu werden – Schriften, die ihnen die Lebensanweisungen des Schöpfers nahebrachten. Timotheus hatte eine jüdische Mutter und Großmutter, die diese Aufgabe in vorbildlicher Weise wahrnahmen (2Tim 1:5).
Dabei stellt sich die Frage: Wie können wir Kindern das Wort Gottes auf die richtige Weise nahebringen? Zu diesem Thema ließe sich ein ganzes Buch schreiben, aber ich möchte hier einige wesentliche Punkte ansprechen:
Eltern, Großeltern und Erzieher können Kindern das Wort Gottes am besten weitergeben, wenn sie selbst im Alltag aus dem Vertrauen auf Gott leben und regelmäßig die Bibel lesen und studieren (Jos 1:8 / Ps 1:2-3). Ohne eine vertrauensvolle Liebesbeziehung zu Gott – die auch von Freude über Gott geprägt ist – wird es schwierig, Kindern das Wort Gottes nahezubringen (5Mo 6:5).
Der Glaube der Erwachsenen muss vorgelebt werden, ohne die Kinder unter religiösen Druck zu setzen. Während die Eltern gewisse Verhaltensregeln einfordern müssen, damit die Kinder zu anständigen und rücksichtsvollen Menschen werden, basiert der Glaube an Gott auf Freiwilligkeit. Wenn Eltern ihre Kinder mit psychologischem Druck zu Christen machen wollen, endet dies oft im Gegenteil.
Auch wenn die Hinwendung zu Gott auf freiwilliger Basis geschehen soll, ist es wichtig, dass Eltern ihren Kindern täglich aus der Bibel vorlesen und mit ihnen darüber sprechen (5Mo 11:18-19). Dies scheint oft schwierig zu sein, während man Kinder problemlos stundenlang vor den Fernseher, Computer oder das Smartphone setzen kann. Dabei überlässt man die Prägung der eigenen Kinder anderen „Erziehern", die oft alles andere als gut sind.
Das tägliche gemeinsame Beten gehört ebenso dazu – auch über alltägliche Situationen (1Thes 5:17 / Phil 4:6). Die Kinder sollen miterleben, wie die Eltern mit Gott leben. Aber auch hier gilt: Kinder sollen zwar zum Beten motiviert, aber niemals unter Druck gesetzt oder dazu gezwungen werden. Sowohl das Gespräch mit Gott als auch die Beziehung zu ihm soll von Anfang an freiwillig geschehen.
Eltern und Erzieher sollen vor allem Vorbilder sein, an denen Kinder die Liebe Gottes erkennen und im Alltag erleben können (1Kor 11:1 / 1Petr 5:3). Doch trotz aller Bemühungen bleibt eines immer wahr: Der Glaube eines Menschen entsteht letztlich nicht durch menschliche Erziehung, sondern durch Gottes Gnade (Joh 6:44 / 1Kor 3:6-7).
Eltern dürfen säen und begleiten – aber Gott allein schenkt neues Leben im Herzen (Hes 36:26 / Joh 3:5-6).
„Bei Gott steht die Kraft zu helfen und fallen zu lassen."
„Verkauft man nicht zwei Sperlinge für einen Groschen? Dennoch fällt keiner von ihnen auf die Erde ohne euren Vater. Darum fürchtet euch nicht; ihr seid kostbarer als viele Sperlinge."
Die beiden Situationen im heutigen Losungs- und Lehrtext könnten kaum unterschiedlicher sein. Während sich der jüdische König Amazja in einer relativ komfortablen Lage befand, schildert Jesus eine furchteinflößende Begebenheit. Doch in beiden Fällen geht es letztlich darum, nicht auf die eigenen Möglichkeiten zu vertrauen, sondern auf Gott.
Amazja plante einen Feldzug gegen Edom (2Chr 25:5-13). Zuvor musterte er seine Armee und stellte fest, dass er über 300.000 Mann verfügte. Da er aber auf „sicher" gehen wollte und über das nötige Geld verfügte, heuerte er aus dem Nordreich Israel noch zusätzlich 100.000 Mann an. Durch diese Maßnahme wollte er seinem Vorhaben eine größere Erfolgschance verleihen. Doch dann kam ein Mann Gottes zu ihm und sagte:
"König, lass das Heer von Israel nicht mit dir ziehen! Denn der HERR ist nicht mit Israel und mit allen Söhnen Ephraim. Wenn du denkst, dadurch stark zu sein zum Kampf, dann wird Gott dich zum Stürzen bringen vor dem Feind. Denn bei Gott ist Macht, zu helfen und zum Stürzen zu bringen." (2Chr 25:7-8)
Der Mann Gottes sagte dies aus zwei Gründen:
Die Männer aus Israel waren vom Götzendienst geprägt. Ein Zusammenschluss hätte negative Folgen für Amazja und seine Truppe gehabt.
Amazja sollte nicht auf seine Vorkehrungen und Stärke vertrauen, sondern auf Gott. Denn er allein entscheidet, ob eine Sache gelingt oder nicht.
Amazja hörte auf den Mann Gottes – obwohl er dadurch hundert Talente Silber verlor (2Chr 25:9-10). Tatsächlich errang er anschließend einen Sieg über Edom (2Chr 25:11-12). Allerdings faszinierten ihn die Götzen Edoms so sehr, dass er sie mitnahm und anbetete (2Chr 25:14).
Zu Beginn seiner Regentschaft hörte Amazja auf Gott und vertraute ihm. Doch im Laufe seines Lebens wandte er sich fremden Göttern zu. Das wurde ihm zum Verhängnis und führte zu seinem tragischen Ende (2Chr 25:27). Das zeigt uns: Vertrauen auf Gott muss immer wieder neu geübt werden – bis zum letzten Atemzug!
In Matthäus 10 geht es nicht um einen Feldzug mit großer Beute, sondern um eine Prophezeiung, die kein Nachfolger Jesu erleben möchte. Jesus kündigt seinen Jüngern eine künftige Verfolgung an (Mt 10:17-23). In die Hände böser Menschen zu fallen gehört zu den schlimmsten Szenarien. Doch Jesus sagt hier einen seltsamen, aber aufschlussreichen Satz:
"Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht zu töten vermögen." (Mt 10:28)
Wie ist das möglich? Was können wir tun, um uns nicht vor Menschen zu fürchten, die uns umbringen wollen? Ist das nicht eine totale Überforderung?
Das ist nur mit völligem Vertrauen auf den liebenden himmlischen Vater möglich! Um dieses Vertrauen zu stärken, macht Jesus deutlich: Gott sieht jeden kleinen, noch so unbedeutenden Sperling und wacht über seinem Leben. Keiner von ihnen fällt ohne den Vater vom Himmel (Mt 10:29)! Auch hat der himmlische Vater alle unsere Haare gezählt (Mt 10:30). Das zeigt: Gott hat alles im Griff – bis ins Kleinste! Jesus macht dann klar: Ihr seid viel wertvoller als die Sperlinge! Darum wacht der Vater im Himmel noch viel intensiver über euch (Mt 10:31).
Und sollte es tatsächlich so weit kommen, dass Menschen uns töten dürfen, dann steht der HERR uns bei – wie er dem Stephanus beistand und ihm sogar vor seinem Tod einen Blick in den Himmel gewährte (Apg 7:55-56)!
Darum dürfen wir uns immer und überall in Gottes Hand geborgen wissen. Wir müssen uns nicht an menschliche Sicherheiten klammern, sondern dürfen mutig vertrauen, weil wir Gott kostbar sind (Jes 43:4).
Gebet: Vater, du siehst auch das Kleine, und nichts entgleitet dir. Danke, dass ich dir kostbar bin und nicht aus Angst leben muss. Bitte schenke mir Vertrauen, wenn ich am liebsten alles absichern und kontrollieren will. Hilf mir, deinen Weg zu wählen, auch wenn er weniger „vernünftig" wirkt. Gib mir heute Mut und Frieden, weil du bei mir bist. Amen.
„Ich bin der HERR, dein Gott, der ich dich aus Ägyptenland, aus der Knechtschaft, geführt habe."
„Zur Freiheit seid ihr berufen worden, liebe Brüder und Schwestern. Auf eins jedoch gebt acht: dass die Freiheit nicht zu einem Vorwand für die Selbstsucht werde, sondern dient einander in der Liebe!"
von Ingo Mees
Die Sehnsucht nach Freiheit ist tief in jedem Menschen verankert (Gal 5:1). Deshalb gilt Freiheit in unserer Gesellschaft als kostbares Gut. Die Meinungsfreiheit, die Redefreiheit, die Versammlungsfreiheit und die Freiheit der Kunst gelten in unserer Demokratie als unantastbar. Aber bereits an diesen Beispielen wird deutlich, dass Freiheit nie grenzenlos sein kann (1Kor 10:23). Die künstlerische Freiheit hört da auf, wo andere Mitglieder der Gesellschaft verhöhnt oder beleidigt werden. Auch die Redefreiheit und die Versammlungsfreiheit können eingeschränkt werden, wenn unsere Verfassung von Feinden der Demokratie infrage gestellt wird, oder – wie wir es aktuell erleben – wenn das Existenzrecht Israels verneint wird.
Dem Philosophen Immanuel Kant wird das folgende Zitat zugeschrieben:
„Die Freiheit des Einzelnen endet dort, wo die Freiheit des Anderen beginnt.“
Grenzenlose Freiheit ist also eine Illusion und auch nicht erstrebenswert. Regeln, die das Zusammenleben von Menschen in guter Weise ermöglichen, aber eben auch die persönliche Freiheit einschränken, sind unverzichtbar. Die Zehn Gebote, die Gott am Sinai seinem Volk vorgestellt hat, sind solche guten Regeln (2Mo 20:1-17). Daher ist es bemerkenswert, dass Gott sich bei der mündlichen Verkündigung der Zehn Gebote durch Mose einleitend mit den folgenden Worten vorstellt:
„Ich bin der HERR, dein Gott, der ich dich aus Ägyptenland, aus der Knechtschaft, geführt habe.“
Gott ist derjenige, der Israel aus der Knechtschaft in Ägypten erlöst hat und diese neugewonnene Freiheit durch seine Gesetzgebung stärken und manifestieren will. Zudem möchte Gott durch seine Gebote sein Volk an sich binden (5Mo 10:12-13). Damit ist klar: Freiheit, wie Gott sie versteht, ist nicht Bindungslosigkeit. Im Gegenteil – in der Bindung an Gott und im Glauben an Jesus Christus wird uns die größtmögliche Freiheit zuteil. „Wenn nun der Sohn euch frei machen wird, so werdet ihr wirklich frei sein." So spricht Jesus von sich in Johhannes 8:36. In der Bindung an Jesus wird unsere Sehnsucht nach Freiheit gestillt (2Kor 3:17).
Dabei geht es nicht in erster Linie um eine äußere Freiheit. Wir wissen um die Nöte unserer Glaubensgeschwister in den Ländern der Erde, in denen sie um ihres Glaubens willen verfolgt und ihrer äußeren Freiheit beraubt werden. Aber Jesus hat uns durch sein Blut, das er am Kreuz vergossen hat, erlöst und erkauft aus dem Machtbereich des Teufels (1Petr 1:18-19 / Röm 8:1-2). Die Sünde hat keine Macht mehr über uns, denn wir sind der Sünde gestorben (Röm 6:1-10 – das ist echte Freiheit! In der Bindung an Jesus hat alles, was uns je gefesselt hat, seine Gewalt verloren. Unsere Abhängigkeiten, Süchte und zerstörerischen Triebe wird Jesus uns nehmen, wenn wir ihn darum bitten und alles, was uns belastet, zum Kreuz Jesu bringen. Zur Freiheit sind wir berufen!
Nun gilt es aber auch, mit dieser neuen Freiheit verantwortungsvoll umzugehen. Manche Freiheiten, die wir uns auf der Grundlage unseres Glaubens nehmen, werden anderen Glaubensgeschwistern möglicherweise zum Anstoß (1Kor 8:9). Vielleicht missverstehen wir die uns von Jesus geschenkte Freiheit und wir rechtfertigen damit selbstsüchtiges Verhalten. Dann sollten wir uns bewusst werden, dass sich unsere Freiheit immer der Liebe unterzuordnen hat:
„Zur Freiheit seid ihr berufen worden, liebe Brüder und Schwestern. Auf eins jedoch gebt acht: dass die Freiheit nicht zu einem Vorwand für die Selbstsucht werde, sondern dient einander in der Liebe!" (Gal 5:13)
Die Freiheit, die uns in Christus geschenkt ist, beinhaltet auch die Freiheit, einander in Liebe zu dienen. Lasst uns von dieser Freiheit freimütig Gebrauch machen!
„Der HERR festigt dem die Schritte, dessen Weg ihm gefällt. Kommt er zu Fall, so stürzt er doch nicht, denn der HERR stützt seine Hand."
„Petrus schrie: Herr, rette mich! Jesus aber streckte sogleich die Hand aus und ergriff ihn und sprach zu ihm: Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt?"
Während unserer Sommerferien wanderten wir als Familie manchmal in den Schweizer Bergen. Manchmal führte der Weg dicht an einem steilen Abhang entlang. Dann nahmen wir unsere kleinen Kinder an die Hand, weil sie noch unsicher gingen. Wenn sie stolperten, konnten wir sie sofort festhalten.
Psalm 37 enthält viele lebensnahe Weisungen für Menschen, die Gott vertrauen. David beschreibt darin Erfahrungen aus seinem eigenen Glaubensweg und gibt uns wichtige Hinweise für den Alltag. Mehrfach rät er uns: Beneide die Gottlosen nicht und ärgere dich nicht über sie (Ps 37:1-3).
Ähnlich wie Asaf in Psalm 73 machte David die Erfahrung, dass Gottesfürchtige in der Gefahr stehen, auf das Wohlergehen und den Erfolg der Überheblichen zu schauen. Sie könnten sie beneiden und über sie zornig werden. Doch diese Haltung birgt die Gefahr zu fallen und am Glauben Schiffbruch zu erleiden. Asaf stellte fest:
"Ich aber – fast wären meine Füße ausgeglitten, beinahe hätten gewankt meine Schritte. Denn ich beneidete die Übermütigen, als ich das Wohlergehen der Gottlosen sah" (Ps 73:2-3).
Der neidische Blick auf das Wohlergehen rücksichtsloser und überheblicher Menschen kann uns mit Zorn und Bitterkeit erfüllen, sodass wir vom guten Weg des Vertrauens abirren. In solchen Momenten verändert sich unsere Blickrichtung: Statt auf Gott zu schauen, richten wir unsere Aufmerksamkeit auf die Umstände – auf das scheinbare Wohlergehen der Gottlosen oder auf die Stürme unseres Lebens.
Sowohl David als auch Asaf weisen uns darauf hin, dass der Weg gewissenloser und gieriger Menschen nicht gut endet, mag er anfänglich noch so erfolgreich aussehen (Ps 37:35-36 / Ps 73:17-20). Darum sollten wir uns weder ärgern noch empören, noch neidisch auf sie sein.
Psalm 37:24 übersetzt die Elberfelder Bibel wie folgt:
"… fällt er, so wird er doch nicht hingestreckt, denn der HERR stützt seine Hand."
Das hebräische Verb tuwal bedeutet „hingeworfen" oder „hingestreckt werden". Es beschreibt einen Zustand völliger Hilflosigkeit, aus dem man sich nicht selbst befreien kann. Der Glaubende kann zwar hinfallen oder stolpern, doch weil Gottes Hand ihn hält, bleibt er nicht hingestreckt liegen.
David und Asaf blieben nicht hingeworfen liegen. Petrus ging in den Wellen nicht unter. Warum? Weil die starke Hand des HERRN sie hielt. Zwar drohte Petrus zu versinken, als er auf den Wind statt auf Jesus sah. Doch nachdem er zu Jesus schrie: „Herr, rette mich!", streckte Jesus seine Hand aus und zog ihn aus den Fluten (Mt 14:30-31).
David, Asaf und Petrus neigten alle zu einer falschen Blickrichtung. Statt auf den HERRN zu schauen, richteten sie ihren Blick zeitweise auf die Bösen, die Stürme oder die Probleme des Lebens. Während der Blick auf den HERRN den Glauben stärkt, schwächt der Blick auf Umstände, Probleme oder das scheinbare Wohlergehen der Gottlosen den Glauben und kann uns zu Fall bringen.
Heute leben wir in chaotischen und stürmischen Zeiten. Gerade in solchen Zeiten ist es entscheidend, wohin wir schauen. Wenn wir nur auf die Ereignisse um uns herum blicken, gerät unser Herz leicht in Unruhe. Doch der Glaube richtet den Blick nach oben – auf Christus (Hebr 12:2).
In seiner Endzeitpredigt sprach Jesus von Erdbeben, Kriegen, Kriegsgerüchten, Hungersnöten und Verfolgung. Dann sagte er: Wir sollen unsere Häupter erheben, weil sich unsere Erlösung naht (Lk 21:28).
Schauen wir voller Vertrauen auf Jesus – er hält uns auch in den größten Stürmen.
Gebet: Herr Jesus Christus, danke, dass du meine Schritte festigen willst und mich nicht fallen lässt. Wenn Angst in mir laut wird, lehre mich, wie Petrus zu rufen: „Herr, rette mich!" Danke, dass du meine Hand hältst, wo mein Vertrauen wankt. Führe mich heute in deinen Frieden und in den nächsten guten Schritt. Amen.
„Durch seine Wunden sind wir geheilt."
„Gott hat Jesus wegen unserer Verfehlungen in den Tod gegeben. Und er hat ihn auferweckt, damit wir vor Gott gerecht sind."
Für einen Leukämiepatienten kann es ein großer Segen sein, wenn ein passender Knochenmarkspender gefunden wird. Einige wurden durch eine solche Transplantation von ihrem Blutkrebs geheilt. Das Gleiche gilt auch bei einer Nierenspende. Der Spender erleidet dabei eine kleinere oder größere Verwundung, und sein Körper wird bewusst belastet, um einen anderen Menschen zu retten.
Menschen, die seelische Verletzungen erlitten haben und dann Trost und Wiederherstellung erfahren durften, sind viel eher dazu befähigt, anderen in ihren psychischen Nöten zu helfen (2Kor 1:3-4).
Diese Beispiele zeigen: Manchmal wird das Leiden eines Menschen zum Segen für andere. Doch was hier nur ansatzweise sichtbar wird, erfüllt sich in einzigartiger Weise in Jesus Christus.
Das ist ein Grund, warum Paulus den Kolossern schrieb: „Was ich für euch erleiden muss, nehme ich gern auf mich; ich freue mich sogar darüber." (Kol 1:24a)
Der heutige Losungsvers stammt aus einem Textabschnitt, der den Gottesknecht beschreibt (Jes 52:13 / Jes 53:5). Er hat stellvertretend für sein Volk – und letztlich für alle Menschen – unsagbar gelitten. Hier wird besonders deutlich: Durch die Wunden eines Einzelnen konnten andere umfassend geheilt werden.
Aber wie genau geschieht diese Heilung?
Die Heilung geschieht durch das stellvertretende Übernehmen der geistlichen Krankheit, die durch die Trennung von Gott entstanden ist (Jes 59:2). Wie ein Körperteil ohne Blutzufuhr abstirbt, so verliert auch die Seele ohne Verbindung zu Gott das Leben.
Der Gottesknecht aus Jesaja 53 – den das Neue Testament auf Jesus bezieht – hat genau diese Trennung auf sich genommen. Er wurde am Kreuz von Gott verlassen (Mt 27:46), damit wir wieder Zugang zum Leben haben können.
Deshalb heißt es in Jes 53:4-5, dass er „unsere Krankheiten getragen" und „unsere Schmerzen auf sich geladen" hat. Er wurde „um unserer Missetat willen verwundet" und „um unserer Sünde willen zerschlagen". Das bedeutet: Jesus nimmt stellvertretend auf sich, was uns von Gott trennt – unsere Schuld, unsere Sünde, unsere Gottesferne.
Dadurch sind wir wieder mit Gott verbunden – sofern wir im Glauben annehmen, was Jesus für uns am Kreuz getan hat (Joh 3:16 / Röm 5:1).
Doch das Kreuz ist nicht das Ende der Geschichte. Paulus erklärt im Römerbrief, warum die Auferstehung Jesu so entscheidend ist (Röm 4:25).
Er beschreibt in Kapitel 4, wie Abraham Gott die Ehre gab, indem er ihm vertraute (Röm 4:18-21). Abraham glaubte, dass Gott ihm einen Sohn schenken würde – obwohl seine natürliche Fähigkeit, ein Kind zu zeugen, bereits „abgestorben" war. Dasselbe galt für seine Frau Sara.
Wer darauf vertraut, dass Gott tun wird, was er versprochen hat – auch wenn es aus menschlicher Sicht unmöglich erscheint – ehrt Gott. Dadurch wird die Vertrauensbeziehung zu Gott wiederhergestellt.
Paulus folgert: Jesus wurde auferweckt, damit wir „vor Gott gerecht" sind – oder, anders ausgedrückt, damit wir „gerechtfertigt würden" (Röm 4:25). Ohne die Auferstehung wäre der Tod Jesu nur ein tragisches Ende gewesen. Doch durch die Auferstehung bestätigt Gott, dass das Opfer angenommen ist, die Schuld getilgt ist und wir nun in einer neuen Stellung vor Gott stehen – als Gerechte, als Versöhnte, als Geliebte.
Heilung bedeutet deshalb mehr als nur innere Besserung. Gott selbst kommt in Jesus in unsere zerbrochene Welt. Er trägt unsere Schuld, überwindet die Trennung und eröffnet uns neues Leben (2Kor 5:17).
Wer darauf vertraut, dass Jesus für ihn gestorben und auferstanden ist, darf wissen: Die Wunden Christi sind zur Quelle unserer Heilung geworden (1Petr 2:24). Seine Auferstehung ist der Grund unserer Rechtfertigung vor Gott. Und sie ist die Ursache dafür, dass Gott uns neues, geheiltes, versöhntes Leben schenkt – jetzt schon und für alle Ewigkeit (Joh 10:10).
„Meine Seele verlangt nach deinem Heil; ich hoffe auf dein Wort."
„Am Abend brachten sie viele Besessene zu ihm; und er trieb die Geister aus durch sein Wort und machte alle Kranken gesund."
Mehrere wissenschaftliche Studien zeigen, dass wertschätzende, hoffnungsvolle und empathische Worte den Genesungsprozess positiv beeinflussen können (siehe hier). Worte können trösten, Mut machen und neue Hoffnung schenken.
Diese Erkenntnis ist jedoch keineswegs neu. Schon vor rund 3.000 Jahren schrieb König Salomo in Sprüche 12,18:
"Die Zunge der Weisen bringt Heilung."
Weise und liebevolle Worte wirken sich positiv auf Psyche und Leib aus. Wenn schon wertschätzende Worte von Menschen eine wohltuende und heilende Wirkung entfalten können – wie viel mehr dann die Worte Gottes, der die Liebe in Person ist (1Jo 4:8) und durch sein Wort alles erschaffen hat (1Mo 1:3 / Joh 1:1-3).
Psalm 119 ist nicht nur das längste Kapitel der Bibel, sondern auch ein einzigartiger Lobgesang auf das Wort Gottes. Der Autor erkannte die Kostbarkeit von Gottes Wort. Ihm wurde bewusst: Das Wort Gottes hat nicht nur alles ins Dasein gerufen – es ist auch mächtig zu retten, zu erlösen und zu heilen, an Geist, Seele und Leib.
Psalm 107 spricht von Toren, die einen gottlosen Weg gingen und dadurch an die Pforten des Todes gelangten. In ihrer großen Not schrieen sie zum HERRN. In den Versen 19b und 20 heißt es dann:
"Aus ihren Bedrängnissen rettete er sie. Er sandte sein Wort und heilte sie, er rettete ⟨sie⟩ aus ihren Gruben."
Leider haben etliche Menschen – aus unterschiedlichen Gründen – eine gewisse Abneigung gegen die Worte Gottes. Vielleicht fühlen sie sich durch sie eingeengt oder überfordert. Nicht wenige haben auch ein verzerrtes Gottesbild. Das führt dann dazu, dass sie das Wort Gottes entweder falsch interpretieren oder es ganz ablehnen.
Wer die Worte Gottes als Forderungskatalog an uns Menschen interpretiert, fühlt sich berechtigterweise überfordert. Die Bibel führt uns zwar deutlich vor Augen, dass wir Sünder sind und nicht in der Lage, aus eigener Kraft vor Gott gerecht zu werden, um das Ziel des ewigen Lebens zu erreichen (Röm 3:23). Doch sie zeigt uns ebenso, dass Gott uns von aller Sünde befreit und uns mit seiner Gerechtigkeit beschenkt hat, wenn wir auf das vertrauen, was er für uns getan hat (Röm 3:24-25 / 2Kor 5:21). Das ist die Erwartung, die wir haben dürfen – kein bloßer Optimismus, sondern ein bewusstes Festmachen an Gottes Zusagen.
Jesus ist das fleischgewordene Wort Gottes (Joh 1:14), das zu uns kam, um uns durch sein Wort zu befreien und zu heilen. Zu Beginn seines öffentlichen Wirkens war er vor allem am nördlichen Ufer des Sees Genezareth tätig, wo er eine Zeit lang in Kapernaum wohnte. In dieser Gegend hielt er die Bergpredigt (Mt 5:1 und heilte unzählige Kranke. Darunter waren viele Besessene, die von dämonischen Geistern geplagt wurden. Er kümmerte sich um Menschen, die geistlich, seelisch oder körperlich krank waren.
In Kapitel 8, Vers 17 zitiert Matthäus eine Stelle aus Jesaja 53,4. Dort heißt es:
"Jedoch unsere Leiden - er hat sie getragen, und unsere Schmerzen - er hat sie auf sich geladen. Wir aber, wir hielten ihn für bestraft, von Gott geschlagen und niedergebeugt."
Auf den ersten Blick erinnert diese Prophetie eher an den Kreuzestod Jesu als an sein heilendes Wirken am See Genezareth. Diesen Vers aus Jesaja 53 darf man gewiss auch auf Golgatha beziehen, doch hier erhält er eine zusätzliche Bedeutung. Die vielen Heilungen und Dämonenaustreibungen kosteten Jesus – so vermute ich – viel Kraft. In gewisser Weise hat er schon in seinem irdischen Dienst die Leiden und Schmerzen der Menschen getragen.
Die Worte Jesu waren in jeder Hinsicht vollmächtig:
Bis heute werden wohl kaum Worte so häufig zitiert wie die Worte Jesu aus der Bergpredigt.
Mit seinen Worten wies er böse Geister in die Schranken und befreite viele Menschen aus seelischer Not (Mk 1:25-26).
Mit seinen Worten heilte er auch körperliche Krankheiten und Gebrechen – oft genügte ein einziges Wort (Mt 8:8-13).
Auch heute gibt es unzählige Zeugnisse von Menschen, die berichten, wie sie durch das Wort Gottes Heilung erfahren haben. Ich denke dabei nicht in erster Linie an körperliche Heilung – obwohl auch solche geschehen – sondern vor allem an psychische und geistliche Heilungen.
Wenn Jesus wiederkommt, wird er zu seiner Zeit alles, was zerbrochen ist, endgültig heilen. Dann wird sich erfüllen, was in der Offenbarung verheißen ist (Offb 21:5): „Siehe, ich mache alles neu." Darauf dürfen wir hoffen.
„Fürchte dich nicht, ich bin mit dir; weiche nicht, denn ich bin dein Gott."
„Hilf uns, deinen Dienern, deine Botschaft mutig und offen zu verkünden."
von Christoph Buch
Furcht ist menschlich. Wir alle haben uns sicher schon einmal gefürchtet. Als Kinder vor der Dunkelheit, dem Alleinsein oder vor dem Gewitter. In der Schule vielleicht vor Lehrern oder Mitschülern. In der Ausbildung oder dem Studium vor schweren Prüfungen, im Beruf vor Chefs oder Kollegen und im Alter vor Krankheit und Einsamkeit und dann zuletzt vor dem Tod (Hebr 2:15).
Auch das Volk Israel, Gottes auserwähltes Volk, hatte Gründe, sich zu fürchten. Immer wieder, und das gilt bis heute, wird Israel angefeindet und angegriffen (Ps 83:2-5). Und genau in diese Situation hinein spricht der lebendige Gott das Wort aus Jesaja 41:10 zu seinem Volk:
„Fürchte dich nicht, ich bin mit dir; weiche nicht, denn ich bin dein Gott.“
Gott ist hier wie ein Vater oder eine Mutter, die ihrem Kind Mut machen und es vor Angriffen und Gefahren schützen will. Auch ich habe als Kind Schutz bei meinen Eltern gesucht und gefunden. Das gab mir Sicherheit und inneren Frieden. Und genau das gibt uns unser himmlischer Vater: Sicherheit und Frieden. Allerdings stehen dahinter seine göttliche Autorität und Stärke und nicht menschliche Unvollkommenheit und Schwäche. Wir dürfen immer wissen, dass wir es mit dem Allmächtigen zu tun haben (1Mo 17:1 / Offb 1:8). Weil der lebendige Gott, unser himmlischer Vater, bei uns ist, brauchen wir uns nicht zu fürchten (Ps 23:4).
Das hat auch Paulus erfahren, als er in Korinth Jesus Christus bezeugte und deshalb angefeindet wurde. So lesen wir in Apostelgeschichte 18:9-10: „Der Herr aber sprach durch eine Erscheinung in der Nacht zu Paulus: Fürchte dich nicht, sondern rede, und schweige nicht! Denn ich bin mit dir, und niemand soll dich angreifen, dir Böses zu tun; denn ich habe ein großes Volk in dieser Stadt." Diese Zusage gab Paulus die Zuversicht und Sicherheit, Jesus Christus weiterhin ohne Furcht zu bezeugen.
Und Paulus ist es auch, der bezeugt, dass Jesus Christus unser Friede ist: „Denn er ist unser Friede. Er hat aus beiden eins gemacht und die Zwischenwand der Umzäunung, die Feindschaft, in seinem Fleisch abgebrochen." (Eph 2:14)
Der Frieden Jesu ist ein beständiger, göttlicher und kein brüchiger, menschlicher Friede. In Johannes 14:27 bezeugt Jesus: „Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch; nicht wie die Welt gibt, gebe ich euch. Euer Herz werde nicht bestürzt, sei auch nicht furchtsam." Der Frieden Jesu ist ein innerer Frieden, der uns vor Angst und Furcht schützt (Phil 4:7).
Mit der Ermunterung „Fürchte dich nicht" und der Zusage des göttlichen Friedens dürfen wir mutig in den heutigen Tag gehen und auch in eine für uns ungewisse Zukunft. Wir müssen nicht zurückweichen, wenn uns der Wind der Verachtung und des Spotts entgegenweht. Jesus Christus ist jeden Tag bei uns, denn ER hat verheißen: „Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende." (Mt 28:20)
Das gibt Kraft und Zuversicht nicht nur für die Herausforderungen des Alltags, sondern auch dazu, Jesu Botschaft mutig und offen zu verkündigen (Apg 4:29). Das muss keine „Frontalevangelisation" sein. Das kann das stille Gebet vor dem Essen in der Kantine sein oder der Hinweis beim Bezahlen im Geschäft oder Restaurant, dass mir zu viel Geld herausgegeben wurde. Oft sind es scheinbare Kleinigkeiten, die zeigen, dass wir zu Jesus Christus gehören (Joh 13:35). Und vielleicht werden wir auch gefragt, warum wir so anders als erwartet gehandelt haben.
Dann dürfen wir uns mutig und offen zu IHM bekennen und SEIN Heil bezeugen (Röm 10:9-10). Ganz wichtig dabei ist, dass wir unseren HERRN Jesus Christus mit Liebe und Freude verkündigen und nicht verkrampft oder aus innerem Zwang. Nur wenn das Licht SEINER Freude und SEINES Friedens in uns strahlt, dürfen wir leuchten wie Himmelslichter in einer dunklen Welt (Phil 2:15). Dann sind wir Botschafter an Christi statt und dürfen den Menschen verkündigen: „Lasst euch versöhnen mit Gott!" (2Kor 5:20)
Dazu möge der HERR uns SEINEN Segen geben!
„Himmel und Erde sind dein, du hast gegründet den Erdkreis und was darinnen ist. Nord und Süd hast du geschaffen."
„Gott hat aus einem Menschen das ganze Menschengeschlecht gemacht, damit sie auf dem ganzen Erdboden wohnen."
Manche träumen davon, auf den Mars zu fliegen und dort eine Raumstation zu errichten, in der Menschen leben können. Der Mars soll besiedelt und zu einer neuen Heimat werden. Doch wenn ich an die öde, wasser- und pflanzenlose Oberfläche des Mars denke, gruselt mich diese Vorstellung.
Unsere Erde mit ihren Flüssen, Seen und ihrer unzählbaren Pflanzen- und Tierwelt erscheint gegenüber der Mars- oder Mondoberfläche wie ein Paradies. Bei einer möglichen Besiedelung des Mars geht es weniger um eine begehrenswerte Wohnalternative zur Erde, sondern vielmehr um Ruhm, technische Höchstleistungen und den Wunsch, Grenzen zu überwinden.
Diese Bestrebungen sind nicht neu! Bereits in 1. Mose 11 lesen wir von Menschen, die „einen Turm bis zum Himmel" bauen wollten, um sich einen Namen zu machen. Gott jedoch durchkreuzte ihre Pläne, weil sie ihre eigene Ehre suchten statt seine.
In Obadja 1:4 lesen wir etwas sehr Erstaunliches: „Wenn du auch in die Höhe führest wie ein Adler und machtest dein Nest zwischen den Sternen, dennoch will ich dich von dort herunterstürzen, spricht der Herr." Ähnlich heißt es in Psalm 73:9: „Sie setzen in den Himmel ihren Mund, und ihre Zunge ergeht sich auf der Erde." Diese Stellen werden meist als poetische Sprache für den menschlichen Drang verstanden, immer höher hinaus zu wollen. Ich persönlich sehe darin aber auch einen verdeckten Hinweis auf die Raumfahrt und die moderne Satellitentechnik.
Psalm 89 ist einer der längeren Psalmen und preist Gottes Größe und Treue. Die Verse 12–13 heben seine Macht hervor: Niemand ist ihm gleich, und die Schöpfung bezeugt seine Herrschaft. Wenn der Psalm sagt „Himmel und Erde sind dein", geht es um mehr als Besitz. Es ist eine Aussage über Gottes Souveränität: Alles Existierende steht unter seiner Hand und ist auf ihn bezogen.
Genau das verdeutlichte Paulus den Athenern auf dem Areopag (Apg 17:24–27):
„Der Gott, der die Welt gemacht hat und alles, was darin ist, er, der Herr des Himmels und der Erde, wohnt nicht in Tempeln, die mit Händen gemacht sind, auch wird er nicht von Menschenhänden bedient, als wenn er noch etwas nötig hätte, da er selbst allen Leben und Odem und alles gibt. Und er hat aus [einem] jede Nation der Menschen gemacht, dass sie auf dem ganzen Erdboden wohnen, wobei er festgesetzte Zeiten und die Grenzen ihrer Wohnung bestimmt hat, dass sie Gott suchen, ob sie ihn vielleicht tastend fühlen und finden möchten, obwohl er ja nicht fern ist von jedem von uns."
Gott hat aus einem Menschen – Adam – alle Menschen gemacht. Paulus widersprach damit der griechischen Vorstellung, die Athener seien aus der Erde Athens entstanden. Die biblische Lehre der gemeinsamen Abstammung von Adam zeigt die Würde und Gleichheit aller Menschen.
Gott hat allen Menschen die Erde als Wohnort gegeben. So heißt es auch in Psalm 115:16:
„Der Himmel ist der Himmel des HERRN, aber die Erde hat er den Menschenkindern gegeben."
Was für ein einmaliges Privileg – besonders wenn wir an den Mars und andere Planeten denken! Zugleich hat Gott die Grenzen jedes Wohnraums festgelegt, damit die Menschen ihn suchen. Er befindet sich nicht in einer fernen Galaxie, sondern ist uns ganz nah, denn „in ihm leben und bewegen wir uns", wie Paulus weiter erklärt. Das zeigt: Begrenzungen sind – geistlich gesehen – keine Einschränkung, sondern die große Chance, Gott zu entdecken.
Durch Jesus Christus ist Gott uns ganz nah gekommen und hat sich uns offenbart (Joh 1:14). Seit er den gläubigen Menschen seinen Heiligen Geist geschenkt hat, lebt er sogar in uns (1Kor 3:16 / 6:19). Was für eine geschenkte Würde und was für ein Vorrecht!
Gebet: Lieber himmlischer Vater, danke, dass du die Erde so schön gemacht hast und sie uns als wunderbaren Wohnort gegeben hast. Danke, dass du uns in deinem Sohn so nahe gekommen bist und uns durch deinen Heiligen Geist mit so viel Würde beschenkt hast. Öffne mir heute die Augen für deine Wunder und deine Güte. Amen.
„Herr, hab ich Gnade gefunden vor deinen Augen, so geh nicht an deinem Knecht vorüber."
„Jesus sprach zu ihm: Zachäus, steig eilend herunter; denn ich muss heute in deinem Haus einkehren."
Leo Tolstoi schrieb die schöne Erzählung über „Vater Martin", einen einfachen Schuster, der plötzlich den Eindruck hatte, dass Jesus ihn am nächsten Tag besuchen würde.
Martin wartet daraufhin den ganzen Tag am Fenster und an der Tür. Statt eines „sichtbaren" Jesus begegnen ihm jedoch nacheinander verschiedene Menschen in Not, zum Beispiel:
jemand, der friert und Hilfe braucht,
jemand, der hungrig oder erschöpft ist,
jemand, der Trost, Verständnis oder Versöhnung braucht.
Martin hilft ihnen allen, teilt, was er hat, und handelt barmherzig. Am Ende erkennt er: Jesus ist tatsächlich gekommen – aber in diesen Menschen, denen er gedient hat.
Diese Geschichte erinnert an das, was Jesus im Weltgericht zu denen sagt, die zu seiner Rechten sind:
„Kommt her, Gesegnete meines Vaters, erbt das Reich, das euch bereitet ist von Grundlegung der Welt an! Denn mich hungerte, und ihr gabt mir zu essen; mich dürstete, und ihr gabt mir zu trinken; ich war Fremdling, und ihr nahmt mich auf; nackt, und ihr bekleidetet mich; ich war krank, und ihr besuchtet mich; ich war im Gefängnis, und ihr kamt zu mir." (Mt 25:34-40)
Als die „Gesegneten" erstaunt fragen, wann sie das getan haben, antwortet Jesus: „Wahrlich, ich sage euch: Was ihr einem dieser meiner geringsten Brüder getan habt, habt ihr mir getan."
Im heutigen Losungs- und Lehrtext kam der HERR jedoch nicht durch einen seiner „geringsten Brüder", sondern persönlich zu Abraham und zu Zachäus.
Abraham saß während der Mittagshitze am Eingang seines Zeltes, als er drei Männer kommen sah (1Mo 18:1-3). Irgendetwas an ihnen ließ ihn spüren, dass es keine gewöhnlichen Besucher waren. Ich habe mich gefragt, wie er das wohl bemerkte. War es ihre Ausstrahlung? Ihre Haltung? Oder das innere Zeugnis des Heiligen Geistes?
Die Bibel berichtet nur, dass Abraham sofort aufsprang und ihnen entgegenlief – eine bemerkenswerte Reaktion für einen alten Mann in der Hitze des Tages.
Abraham lebte in einer engen Beziehung zu seinem HERRN. Er rechnete damit, dass Gott ihm begegnen und zu ihm sprechen könnte. Intuitiv spürte er, dass ihm der HERR womöglich durch diese Männer begegnen würde. Darum lief er ihnen entgegen und verneigte sich zur Erde. Er nannte einen von ihnen Adonai – was so viel wie „Herr" heißt. Bei dieser Begegnung erhielten Abraham und Sara die Verheißung, dass ihnen innerhalb eines Jahres ein Sohn geboren würde (1Mo 18:10).
Wer sein Leben dem Herrn Jesus Christus anvertraut hat und aus Glauben lebt, rechnet jederzeit damit, dass dieser Herr zu ihm spricht und ihm begegnet – auf welche Art auch immer.
Auch Zachäus suchte eine Begegnung mit Jesus (Lk 19:1-10. Er wollte ihn unbedingt sehen. Weil er klein war und durch die Menschenmenge nichts erkennen konnte, kletterte er auf einen Baum.
Doch dann geschieht etwas Unerwartetes: Jesus schaut zu ihm hinauf und spricht ihn mit seinem Namen an. Obwohl sie sich nie zuvor begegnet waren, sagt Jesus:
„Zachäus, steig eilend herunter; denn ich muss heute in deinem Haus einkehren."
Jesus lädt sich selbst bei ihm ein. Für den verachteten Zöllner war das eine unglaubliche Ehre.
Die Tischgemeinschaft mit Jesus veränderte sein Leben komplett: Weil er sich vielleicht zum ersten Mal richtig angenommen und geliebt fühlte, wollte er fortan aus der Liebe leben. Zachäus gibt die Hälfte seines Besitzes den Armen und erstattet alles vierfach zurück, was er unrechtmäßig genommen hat. Daraufhin sagt Jesus:
„Heute ist diesem Haus Heil widerfahren."
Vielleicht steht Jesus auch jetzt vor deiner Herzenstür und sagt:
„Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wenn jemand meine Stimme hört und die Tür öffnet, werde ich bei ihm einkehren und mit ihm essen, und er mit mir." (Offb 3:20)
Vielleicht geschieht das genau jetzt – während du diese Zeilen liest.
Wer Jesus die Tür seines Herzens öffnet, erlebt, wie sein Leben verändert wird. Er wird mit der Liebe Gottes, seinem Frieden und göttlicher Freude beschenkt – Geschenke, die wertvoller sind als jeder irdische Reichtum (Gal 5:22-23).
Gebet:
Herr Jesus, gehe nicht an mir vorüber. Kehre in mein „Haus" ein. Lass mich deine Liebe erfahren und verändere mein Herz. Schenke mir deine Gnade, deinen Frieden und deine Freude. Amen.
Warum sollen die Heiden sagen: Wo ist denn ihr Gott? Unser Gott ist im Himmel; er kann schaffen, was er will.
Jesus spricht: Wer mich sieht, der sieht den Vater.
In Zeiten von Ohnmacht und Hilflosigkeit fiel es den Israeliten manchmal besonders schwer, ihrem unsichtbaren Gott zu vertrauen. Die umliegenden Völker verehrten vorwiegend sichtbare Götter und schienen gerade besonders erfolgreich zu sein. Darum fragten die Heiden immer wieder spöttisch: „Wo ist denn ihr Gott?". Dabei konnten auch Zweifel auftauchen, die gläubige Israeliten fragen ließen: „Haben wir wirklich einen allmächtigen Gott? Und warum lässt er es dann zu, dass wir wie die größten Verlierer aussehen?".
Neben den Zweifeln kamen vielleicht auch Gefühle der Scham und Ehrlosigkeit auf. In solchen Zeiten wünschte man sich, dass der HERR mächtig auftritt und allen zeigt, dass man dem richtigen Gott nachgefolgt ist. Das würde auch die eigene Ehre wiederherstellen. Doch darum geht es nicht! Der Psalmist hat das erkannt und beginnt diesen Psalm deshalb mit den Worten:
"Nicht uns, HERR, nicht uns, sondern deinem Namen gib Ehre wegen deiner Gnade, wegen deiner Treue!" (Ps 115:1)
Er hat erkannt, dass es nur um die Ehre Gottes geht – und Gott ist durchaus in der Lage, selbst für seine Ehre zu sorgen. Zwar dürfen und sollen wir Gott die Ehre geben, indem wir anderen erzählen, was er an uns getan hat, aber wir müssen nicht versuchen, Gottes Ehre zu retten. Wenn Gläubige meinen, Gottes Ehre verteidigen zu müssen und anderen beweisen wollen, dass sie recht haben, erreichen sie oft genau das Gegenteil.
Gefragt ist kein Versuch, Gott zu rechtfertigen, sondern das Bekenntnis zu einem unsichtbaren, allmächtigen Gott, der im Himmel thront und absolut souverän entscheidet, wie er uns Menschen führt, wie er sich zeigt und wie er seine Macht demonstriert (Ps 115:3).
Als Gott durch seinen Sohn sichtbar zu uns Menschen kam, zeigte er sich ganz anders, als alle es erwartet hatten: Er kam nicht, um feindlich gesinnte Menschen niederzuschlagen oder mit einer Armee ein sichtbares Königreich aufzurichten. Stattdessen kam er voller Demut und Sanftmut (Mt 11:29). Er war weder reich noch verfügte er über einen menschlichen Machtapparat. Er trat schlicht als Wanderprediger auf. Seine göttliche Vollmacht zeigte sich in Heilungswundern und in der einzigartigen Autorität seiner Worte (Mt 7:28-29).
Jesu Demut ging so weit, dass er am Kreuz wie der größte Verlierer der Geschichte erschien. Niemand verstand ihn, und nahezu alle verspotteten ihn (Mt 27:39-44). Das größte Wunder dabei ist, dass genau diese Situation zur Grundlage einer universalen Anbetung wurde! Warum? Weil genau dort die Tiefe der Liebe Gottes sichtbar wurde – wie sonst nirgends (Joh 3:16 / Röm 5:8).
Doch gerade diese verborgene Herrlichkeit Gottes wurde von vielen nicht erkannt – selbst von seinen Jüngern nicht immer sofort. Kurz vor seinem Tod bat Philippus in den Abschiedsreden darum, dass Jesus ihnen den himmlischen Vater zeige (Joh 14:8). Er wollte mehr sehen als das, was er in den vergangenen drei Jahren sehen durfte. Doch er hatte noch nicht verstanden, dass es darum ging, den Vater mit den Augen des Herzens zu sehen – indem sie in Jesus den himmlischen Vater erkannten. Darum sagte Jesus zu ihm:
"So lange Zeit bin ich bei euch, und du hast mich nicht erkannt, Philippus? Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen. Und wie sagst du: Zeige uns den Vater? Glaubst du nicht, dass ich in dem Vater bin und der Vater in mir ist? Die Worte, die ich zu euch rede, rede ich nicht von mir selbst; der Vater aber, der in mir bleibt, tut seine Werke. Glaubt mir, dass ich in dem Vater bin und der Vater in mir ist; wenn aber nicht, so glaubt um der Werke selbst willen!" (Joh 14:9-11)
Was die Jünger Jesu sehen durften, war mehr als alles, was die Propheten vor ihnen gesehen hatten (Mt 13:16-17). Die sichtbare Herrlichkeit des Vaters können wir als Menschen aus Fleisch und Blut noch nicht sehen – erst dann, wenn Gott uns den neuen, unverweslichen Leib schenkt (1Kor 15:42-44 / 1Jo 3:2).
Danke, lieber Vater, dass du in Jesus sichtbar geworden bist und mir zeigst, wie du bist: voller Wahrheit, Gnade und Liebe (Joh 1:14). Handle in meinem Leben nach deinem Willen und gib mir heute Mut für den nächsten Schritt. Amen.
Der Gerechte erkennt die Sache der Armen.
Jesus sprach zu dem Oberen: Es fehlt dir noch eines. Verkaufe alles, was du hast, und gib's den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben, und komm und folge mir nach!
Wir empfinden einen Gerechten oft als jemanden, der sich korrekt und fair verhält. Doch Gottes Wort beschreibt einen Gerechten anders: als einen Menschen, der aus einer Vertrauensbeziehung zu Gott lebt (Röm 4:3). So wird von Abraham gesagt, dass er Gottes Zusagen glaubte – und Gott rechnete ihm diesen Glauben als Gerechtigkeit an (1Mo 15:6). Eine solche Beziehung wächst, wenn ein Mensch Gott kennen und lieben lernt. Das ist auch der Grund, warum der Gerechte jubeln und fröhlich sein darf – wie wir es einen Vers vor dem heutigen Losungstext lesen (Spr 29:6).
Die Freude an der Liebesbeziehung zu Gott weckt im Gerechten das Bedürfnis, sich der Sache der Armen anzunehmen. Denn echte Liebe zu Gott führt immer auch zur Liebe zum Nächsten (1Jo 4:20-21). Die Elberfelder Bibel übersetzt Spr 29:7 so:
"Der Gerechte ist bedacht auf den Rechtsanspruch der Geringen."
Leider werden die Rechte mittelloser Menschen allzu oft übersehen oder missachtet. Sie können sich kaum wehren und werden so zu einer leichten Beute für gierige Menschen.
„Gerechte" hingegen dürfen das Geheimnis des Gebens und der liebenden Fürsorge entdecken: Es ist eine Tätigkeit, die Frieden und Freude schenkt. Darum sagte Jesus auch: Geben ist seliger als Nehmen (Apg 20:35).
Der reiche Oberste aus dem Lehrtext hatte dieses Geheimnis noch nicht entdeckt. Er führte zwar ein tadelloses Leben, doch sein Herz hing am Besitz. Das Vorgespräch ist sehr aufschlussreich. Es begann mit der Frage: „Guter Lehrer, was muss ich getan haben, um ewiges Leben zu erben?" (Lk 18:18). Nachdem Jesus feststellte, dass nur Gott gut ist (Lk 18:19), zählte er einige der Zehn Gebote auf – jene, die zwischenmenschliche Beziehungen betreffen (Lk 18:20). Interessanterweise erwähnte Jesus die beiden wichtigsten Gebote der Tora nicht: „Liebe Gott mit ganzem Herzen und deinen Nächsten wie dich selbst!" (Mt 22:37-39). Warum nicht?
Eine mögliche Antwort ist, dass der reiche Mann in seiner fehlerhaften Selbsteinschätzung womöglich ebenfalls geantwortet hätte: "Ja, das mache ich!" Doch dass dem nicht so war, zeigte sich erst, als Jesus ihn aufforderte, alles zu verkaufen, den Erlös an die Armen zu verteilen und ihm nachzufolgen (Lk 18:22).
Sein materieller Besitz war ihm wichtiger als Gott – er liebte sein Vermögen mehr als den Herrn. Dies offenbarte: „Für ihn waren die Gaben wichtiger geworden als der Geber!" Auch seine Nächstenliebe war mangelhaft: „Lieber wohlhabend bleiben, als den Bedürftigen Gutes zu tun."
Hätte der reiche Mann seinen irdischen Besitz losgelassen und wäre er Jesus nachgefolgt, hätte er einen unvergleichlich größeren Schatz gewonnen: ein Leben in der Gegenwart Gottes, erfüllt von echter Freude und tiefer Erfüllung. Doch seine Reaktion zeigte, wie schwer es ihm fiel, das Vergängliche loszulassen und der Einladung Jesu zu folgen (Lk 18:23). Dies zeigt uns: Nur wer bereit ist loszulassen, kann das Wertvollste empfangen.
Diese Begebenheit bedeutet nicht automatisch, dass jeder Gläubige seinen gesamten Besitz verkaufen muss, um ihn den Armen zu geben – sodass er selbst mittellos wird und auf die Hilfe anderer angewiesen ist. Doch eine Frage sollten wir uns aufgrund dieser Geschichte stellen:
„Ist mir Jesus wichtiger als alles, was ich besitze? Liebe ich den Geber mehr als seine Gaben?"
Viele verfolgte Christen lassen alles los, weil ihnen Jesus und die Ewigkeit wichtiger geworden sind als das Materielle (Hebr 10:34). Wer das Vergängliche loslassen kann, gewinnt das Ewige – einen Schatz im Himmel – und damit weit mehr, als er verliert! Er tritt in eine Liebesgemeinschaft mit Gott ein, die niemals vergeht (1Jo 2:17)!
Gebet: Herr Jesus, du kennst mein Herz und weißt, woran es hängt. Hilf mir, alles loszulassen, was mich von dir trennt. Gib mir ein Herz für die Armen und Schwachen, damit ich deine Liebe weitergeben kann. Schenke mir die Freude, die aus dem Geben kommt, und lass mich erkennen, dass wahrer Reichtum in der Gemeinschaft mit dir liegt. Amen.
Meine Hand hat die Erde gegründet, und meine Rechte hat den Himmel ausgespannt. Ich rufe, und alles steht da.
Herr, unser Gott, du bist würdig, zu nehmen Preis und Ehre und Kraft; denn du hast alle Dinge geschaffen, und durch deinen Willen waren sie und wurden sie geschaffen.
Autoren und Philosophen haben schon lange von einer „Zeitmaschine" geträumt, mit der man in die Vergangenheit oder Zukunft reisen könnte. Im Internet kursieren wilde Gerüchte über Menschen, die angeblich aus der Vergangenheit kommen oder bereits in der Zukunft waren. Von solchen Berichten halte ich nichts. Allerdings bin ich überzeugt, dass der Schöpfer von Himmel und Erde über Raum und Zeit steht (1Mo 1:1 / Ps 90:2). Er ist der Erschaffer von Raum und Zeit und hätte jederzeit die Möglichkeit, einen Menschen in die Zukunft zu versetzen. Diese Sichtweise basiert nicht auf wissenschaftlichen Erkenntnissen, sondern auf Aussagen des Wortes Gottes.
Ich denke dabei an die vielen biblischen Aussagen über den Anfang (1Mo 1:1 / Spr 8:22-31) und an die zahlreichen Prophezeiungen über die Vollendung in fernster Zukunft (Offb 21:1-5). Die Bibel enthält mehrere hundert erfüllte Prophezeiungen – für mich ein starkes Indiz dafür, dass Gott selbst der Autor der Bibel ist und die menschlichen Autoren durch seinen Heiligen Geist inspirierte (2Tim 3:16 / 2Petr 1:21). Diese Vielzahl erfüllter Weissagungen – wie sie in keinem anderen Buch zu finden sind – geben uns allen Grund zu glauben, dass sich auch alle anderen Verheißungen noch erfüllen werden. Dies gilt selbst dann, wenn unsere Vorstellungen über diese noch unerfüllten Verheißungen fehlerhaft sein können.
Mit der Schöpfung entstand auch der Raum, in dem wir leben. Der heutige Losungsvers deutet dies an, wenn Gott sagt, dass er den Himmel ausspannte (Jes 48:13).
In Jesaja 48 macht Gott seinem Volk klar, dass er das „Frühere" schon längst verkündet hat (Jes 48:3) und dass er auch das „Künftige" mitgeteilt hat (Jes 48:6-7 / Jes 46:10). In Hebräer 1:2 wird gesagt, dass Gott durch seinen Sohn die Weltzeiten (griech. aion) geschaffen hat. Diese und viele andere Stellen zeigen deutlich: Gott ist der Herr über Raum und Zeit – er hat beides erschaffen.
In diesem Kapitel kritisiert der Prophet, dass sein Volk sich selbst Götter und Götzenbilder gemacht hat und diese anbetet – obwohl sie weder hören noch sprechen können (Jes 48:5). Für manche Menschen ist heute die künstliche Intelligenz (KI) zu einem Götzen geworden. Im Unterschied zu früheren Götzen kann die KI „hören", „denken" und „sprechen".
Trotzdem besteht auch hier ein gewaltiger Unterschied zum allmächtigen Gott: Die KI wurde von Menschen geschaffen, während der Mensch und alle anderen Wesen von Gott erschaffen wurden (1Mo 1:27). KI verarbeitet Daten nach programmierten Algorithmen. Sie besitzt kein Bewusstsein, keinen eigenen Willen und keine moralische Verantwortlichkeit. Gott hingegen weiß alles und verfügt über ein Wissen, das uns Menschen noch vollständig verborgen ist (Ps 139:1-6). Der allmächtige Gott ist der Einzige, der alle Herzen der Menschen kennt (1Sam 16:7 / Jer 17:10). Er allein weiß, was in fernster Zukunft geschehen wird (Jes 46:10). Gott ist allmächtig – die KI nicht!
Gott liebt unendlich und bedingungslos (Joh 3:16 / 1Jo 4:8)! Die KI kann Liebe zwar aufgrund ihrer Daten beschreiben, aber sie kann nicht lieben – und schon gar nicht für uns sterben (Röm 5:8)!
Offenbarung 4 gewährt uns einen Einblick in den himmlischen Thronsaal (Offb 4:1-11). Dort rufen die vier lebendigen Wesen Tag und Nacht:
"Heilig, heilig, heilig, Herr, Gott, Allmächtiger, der war und der ist und der kommt!" (Offb 4:8)
Überwältigt von dieser Herrlichkeit fallen die 24 Ältesten nieder, beten an, werfen ihre Siegeskränze vor dem Thron nieder und sagen:
"Du bist würdig, unser Herr und Gott, die Herrlichkeit und die Ehre und die Macht zu nehmen, denn du hast alle Dinge erschaffen, und deines Willens wegen waren sie und sind sie erschaffen worden." (Offb 4:11)
Diese Anbetung wächst dann auf Zehntausende mal Zehntausende und Tausende mal Tausende an (Offb 5:11). Gegen Ende des fünften Kapitels wird eine universale Huldigung prophezeit. Dort heißt es in Vers 13:
"Und jedes Geschöpf, das im Himmel und auf der Erde und unter der Erde und auf dem Meer ist, und alles, was in ihnen ist, hörte ich sagen: Dem, der auf dem Thron sitzt, und dem Lamm den Lobpreis und die Ehre und die Herrlichkeit und die Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit!" (wörtlich: 'hinein in die Äonen der Äonen') (Offb 5:13)
Das größte Wunder ist nicht, dass Gott in die Zukunft sieht, sondern dass er es in seiner Weisheit vollbringt, alle Geschöpfe freiwillig und aus innerster Überzeugung zur Anbetung zu bewegen (Phil 2:10-11).
Ansehen Habe deine Lust am HERRN; der wird dir geben, was dein Herz wünscht.
Wenn nun ihr, die ihr doch böse seid, dennoch euren Kindern gute Gaben zu geben wisst, wie viel mehr wird euer Vater im Himmel Gutes geben denen, die ihn bitten!
Verspricht David im Losungsvers zu viel? Klingt es nicht nach „Wohlstandsevangelium" — als würde Gott jedem, der fromm lebt, automatisch alle Herzenswünsche erfüllen? Eine solche Lesart wäre tatsächlich problematisch, weil sie falsche Erwartungen wecken kann.
Darum ist der erste Teil des Verses entscheidend: „Habe deine Lust am HERRN" (Ps 37:4). Die Zusage steht nicht isoliert, sondern ist an eine Haltung gebunden. Doch was bedeutet es, Lust am HERRN zu haben? Viele erleben ihre Beziehung zu Gott eher als Pflicht denn als Freude — Gebet und Bibellese erscheinen als fromme Übungen statt als lebendige Begegnung.
Das hebräische Wort für „Lust" (anag) meint mehr als ein flüchtiges Gefühl. Es beschreibt ein tiefes Behagen, innere Freude, genießendes Wohlbefinden — ein zartes, vertrauensvolles Sich-Hingeben. Es geht um ein freudiges Verweilen bei Gott, um eine Beziehung, die von Nähe und innerer Zustimmung geprägt ist.
Es beschreibt einen Zustand tiefer Vertrautheit. Am ehesten lässt er sich mit der Nähe zweier Menschen vergleichen, die einander lieben und einander ganz vertrauen. Es ist das stille, selbstverständliche Zusammensein, in dem man nichts beweisen muss und einfach sein darf. Eine solche Nähe meint die „Lust am HERRN": bei Gott zur Ruhe kommen und sich in seiner Gegenwart geborgen wissen (Ps 16:11).
Doch wie kann das entstehen? Die Voraussetzung ist eine innere Sehnsucht und der Herzenswunsch danach. Wir dürfen uns bewusst Zeit nehmen, Gott zu begegnen — nicht aus Pflicht, sondern in der Erwartung, dass er sich uns schenken will (Jak 4:8). Dabei ist wichtig, dass wir ehrlich vor ihm werden: ihm unsere Kämpfe, Zweifel und Sehnsüchte bringen und in seinem Wort sowie in der Stille nach seinen Antworten suchen.
Wer die „Lust am HERRN" entdeckt, wird feststellen, dass sich seine Herzenswünsche nach und nach verändern. Durch die Vertrautheit mit Gott erkennen wir immer mehr seine Liebe, Gnade und Barmherzigkeit (Röm 5:5). Dies führt dazu, dass die Lust am HERRN zunimmt, während irdische Lüste an Reiz verlieren (1Jo 2:15-17).
So verstanden beschreibt die „Lust am HERRN" keinen Leistungsweg zu erfüllten Wünschen, sondern eine Herzenshaltung. Unsere Wünsche richten sich zunehmend auf das aus, was Gott gefällt — und genau das schenkt er gerne (Phil 2:13). Es geht darum, dass Gott selbst zum Inhalt unserer Freude wird — nicht primär seine Gaben, sondern er selbst (Ps 73:25-26). Zwar erfüllt er unsere Herzenswünsche oft nicht sofort — einige vielleicht erst in der Ewigkeit — doch dann ist das, was er gibt, so überwältigend, dass es alle unsere Erwartungen übertrifft (1Kor 2:9).
Gott ist der vollkommene Vater, der uns — aus Sicht der Ewigkeit — nur das Beste schenkt (Röm 8:28). Selbst wir fehlerhaften Menschen geben unseren Kindern das, was wir als gut beurteilen (Mt 7:11). Wie viel mehr gibt uns der himmlische Vater genau das, was sich unser Herz zutiefst wünscht: das Wissen, bedingungslos geliebt zu sein. Darum hat Gott uns seinen Heiligen Geist geschenkt — damit dieser unser Herz ganz mit seiner Liebe erfüllt (Röm 5:5)!
Die Israeliten schrien zu dem HERRN und sprachen: Wir haben an dir gesündigt, denn wir haben unsern Gott verlassen.
Johannes der Täufer sprach: Kehrt um! Denn nahe gekommen ist das Himmelreich.
Gottes Gericht im Richterbuch ist keine willkürliche Vergeltung. Es ist bundestreues Erziehungshandeln, das auf Wiederherstellung zielt. Um Gottes erzieherisches Handeln zu verstehen, ist die Antwort auf eine Frage entscheidend: Warum und wozu hat Gott den Menschen erschaffen? Ohne diese Antwort — die nur in Gottes Wort zu finden ist — bleiben viele Geschehnisse unbegreiflich.
Gott hat uns Menschen nicht als gut funktionierende Körper geschaffen, damit wir unser eigenes Überleben sichern. Er hat uns als Wesen geschaffen, die in einer liebevollen Vertrauensbeziehung zu ihrem Schöpfer stehen sollen — und dürfen. Wir wurden im Bilde Gottes geschaffen (1Mo 1:26-27). Da Gottes Wesen Liebe ist (1Jo 4:8), haben auch wir die Bestimmung, Wesen der Liebe zu werden.
Das Ziel unserer Existenz ist Beziehung, nicht das Funktionieren.
Ein Blick auf die alttestamentliche Geschichte zeigt, dass sich Treue und Untreue gegenüber dem allmächtigen Gott ständig abwechselten. Es gab Zeiten, in denen die Gottesfurcht hochgehalten wurde, und dann wieder andere, in denen der Götzendienst vorherrschte. Dabei stellt sich die Frage: Wie kam es zu dieser wiederkehrenden Ambivalenz?
Dazu dürften mehrere Faktoren eine Rolle gespielt haben, aber einer scheint mir besonders wesentlich: die Frage, als was man Gott sieht. Wenn wir in ihm einen nützlichen Gehilfen sehen, der möglichst viele unserer eigenen Wünsche befriedigen soll, werden wir ihn schnell verlassen, sobald er nicht mehr nach unseren Vorstellungen funktioniert. Dann halten wir nach anderen „Göttern" Ausschau, die uns ein genussvolleres Leben versprechen.
Genau das passierte immer wieder in der Geschichte Israels: Solange es ihnen gut ging, vergaßen sie Gott und wandten sich anderen Göttern zu, die scheinbar noch mehr Genuss versprachen (Ri 2:11-13). Statt für das dankbar zu sein, was sie von Gott bekommen hatten, wollten sie immer noch mehr. Sie sahen, was die Nachbarvölker hatten — etwa die Tempelprostitution — und dachten, dies und anderes fehle ihnen noch. Darum wandten sich viele zum Götzendienst zu. Doch sie merkten erst zu spät, dass dies alles nur leerer Betrug war.
Als sie in Not gerieten, erkannten sie den Zusammenhang mit ihrer Untreue. Deshalb schrien sie zu Gott: „Wir haben an dir gesündigt, denn wir haben unseren Gott verlassen" (Ri 10:10).
Doch Gottes Antwort war überraschend scharf. In den Versen 11–13 sagte er ihnen sinngemäß:
„Habe ich euch nicht schon so oft aus der Hand eurer Feinde gerettet? Und immer wieder habt ihr mich verlassen und anderen Göttern gedient. Darum werde ich euch jetzt nicht mehr retten!" (Ri 10:11-13)
Mit anderen Worten: „Wenn ihr mich nur als Notlösung seht — als allerletzte Option, wenn alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft sind — dann ist das nicht die Beziehung, die ich mir vorstelle."
Verhalten wir uns nicht manchmal ähnlich? Wir schöpfen zuerst alle eigenen Möglichkeiten aus, und erst wenn keine Lösung mehr in Sicht ist, rufen wir verzweifelt zu Gott. Dabei wünscht sich der liebende himmlische Vater, dass wir ihn in allen Situationen zuerst voller Vertrauen ansprechen (Spr 3:5-6 / Phil 4:6). Das bedeutet nicht, dass wir keine menschliche Hilfe in Anspruch nehmen dürfen — aber unser primäres Vertrauen sollte Gott gehören, nicht unseren menschlichen Errungenschaften wie Vermögen, Versicherungen oder Medizin.
Obwohl Gott seine Hilfe zunächst verweigerte, tat das Volk Israel trotzdem Buße und kehrte zu ihm um. Das war erstaunlich — und führte dazu, dass Gott sich über sein Volk erbarmte (Ri 10:15-16).
Umkehr ist das Fundament für eine vertrauensvolle Liebesbeziehung zu Gott. Echte Umkehr zeigt sich nicht im Schreien, sondern im Loslassen der Götzen (1Jo 1:9 / Apg 3:19). Wenn sich unsere Motive und Gesinnung nicht grundlegend verändern, entsteht keine – oder nur eine oberflächliche – Beziehung zu ihm.
Bevor Jesus an die Öffentlichkeit trat, bereitete Johannes der Täufer das Volk auf das Erscheinen des Messias vor. Er rief die Menschen zur Umkehr auf (Mt 3:2). Weil Jesus Christus der Himmelskönig ist, war das Reich der Himmel ganz nah zu den Menschen gekommen. Und weil Jesus Christus bald wiederkommt (Offb 22:12), dürfen auch wir uns fragen: Wo sollten wir umdenken, um ganz aus dem Vertrauen zu Gott zu leben und bereit zu sein, wenn er wiederkommt?
Es werden sich zum HERRN bekehren aller Welt Enden.
Viele werden kommen von Osten und von Westen und mit Abraham und Isaak und Jakob im Himmelreich zu Tisch sitzen.
Psalm 22 zeigt bemerkenswerte Gegensätze. Der Psalm bewegt sich von tiefster Not und totaler Gottverlassenheit über den Dank für die Rettung bis hin zur universalen Umkehr und dem Lobpreis aller. Dieses Psalmlied spannt den heilsgeschichtlichen Bogen von der Not Davids – die zutiefst eine Beschreibung der Leiden Christi ist (Ps 22:2) – bis zur Veränderung aller Völker. Wie kommt David dazu, von einer Gottverlassenheit zu sprechen und wenig später die weltweite Anbetung aller Völker zu prophezeien, obwohl das Königreich Israel zur damaligen Zeit kein Weltreich war?
Dies war nur möglich, weil David vom Heiligen Geist inspiriert wurde (2Tim 3:16). Das zeigt sich auch daran, dass David das Leiden des Messias sehr detailgetreu prophezeien konnte.
Psalm 22 lässt sich in drei Abschnitte gliedern, die einen heilsgeschichtlichen Prozess bis zur Vollendung beschreiben:
Die ersten 22 Verse schildern intensives Leiden und Gottverlassenheit
In den Versen 23–27 lobt der Psalmist die Rettung in der Gemeinde Israels und fordert auch sie zum Lob auf
Die Verse 28–32 prophezeien die Hinwendung aller Nationen zu Gott und die Ausweitung des Lobpreises auf alle Völker
Der vollständige Vers 28 lautet:
"Es werden daran denken und zum HERRN umkehren alle Enden der Erde, und vor dir werden niederfallen alle Geschlechter der Nationen."
Diese bemerkenswerte Verheißung umfasst drei Aspekte der Verwandlung aller:
Das Gedenken. Das Verb zakar (H2142) bedeutet mehr als nur erinnern – es bezeichnet ein aktives, bewusstes Sich-Zuwenden und Besinnen auf Gott.
Die Umkehr. Der hebräische Begriff shuv (H7725) ist ein zentraler Begriff für Buße und Umkehr im Alten Testament. Er beschreibt eine Kehrtwende, eine Rückkehr zu Gott.
Das Sich-Niederwerfen. Das Verb hishtachavah (H7812) beschreibt die physische Geste der Anbetung – das Sich-Niederwerfen vor Gott als Zeichen der Unterwerfung und Verehrung.
Die Umkehr der Völker ist eine direkte Folge der Erkenntnis dessen, was Gott durch den Messias getan hat (Jes 53:11). Neben Psalm 22 werden die Auswirkungen der intensiven Leiden des Messias auch sehr eindrücklich in Jesaja 53 beschrieben.
Diese prophetische Perspektive bleibt jedoch nicht theoretisch, sondern hat unmittelbare Bedeutung für den Glauben heute. Diese 3.000 Jahre alte Prophezeiung Davids geht bereits ansatzweise in Erfüllung: In allen Ländern dieser Welt gibt es gläubige Christen, die Buße getan und sich zu Gott bekehrt haben. Sie beten heute den Gott Israels an – und sie sind es, die einmal im Königreich der Himmel mit den Patriarchen Israels Tischgemeinschaft haben werden (Mt 8:11). Diese Verheißung deutet indirekt eine Auferstehung und ein ewiges Leben in Gottes Gegenwart an (Joh 11:25-26).
Auch Jesaja 25:6 spricht von einem Festmahl für alle Völker. Zwei Verse später wird verkündet, dass der Tod für immer verschlungen sein wird und der HERR alle Tränen von jedem Angesicht abwischen wird (Jes 25:8 / Offb 21:4). Was für eine anbetungswürdige Perspektive!
Wer diesen Verheißungen Gottes Glauben schenkt, darf sich schon heute auf das größte Fest in der Heilsgeschichte freuen (Offb 19:9). Wer jetzt Buße tut und umkehrt, gehört bereits zu den Gästen dieses kommenden Festmahls (Lk 14:15-24). Diesen Glauben wünsche ich allen von Herzen!
Achtet ernstlich darauf um eures Lebens willen, dass ihr den HERRN, euren Gott, lieb habt.
Das ist die Liebe zu Gott, dass wir seine Gebote halten; und seine Gebote sind nicht schwer.
Wenn Menschen aufgefordert werden, die Gebote Gottes zu halten, reagieren sie sehr unterschiedlich. Die einen wittern sofort Gesetzlichkeit. Andere fühlen sich überfordert, weil sie intuitiv spüren, dass sie niemals alle Gebote einhalten können. Wieder andere empfinden die Gebote als so einengend, dass sie sagen: „Lasst uns zerreißen ihre Fesseln und von uns werfen ihre Seile!" (Ps 2:3). Manche willensstarke und disziplinierte Menschen glauben, sie könnten es mit großer Anstrengung und Konsequenz irgendwann schaffen. Deshalb sind sie anfänglich motiviert und nehmen die Gebote Gottes als positive Herausforderung wahr. Paulus schrieb, dass er – was die Gerechtigkeit betrifft, die im Gesetz ist – untadelig war (Phil 3:6). Andere empfinden die Gebote Gottes weniger als Last, sondern vielmehr als göttliche Orientierungshilfe, die einem hilft, mit dem Leben besser klarzukommen. Für sie sind die Gebote Gottes eine Anleitung zum Leben.
Wie man die Gebote Gottes empfindet, hängt im Wesentlichen davon ab, ob man Gott liebt oder nicht. Aber auch die Liebe zu Gott ist ein Thema, das völlig unterschiedliche Emotionen auslöst. Das hängt nicht nur damit zusammen, ob man an Gott glaubt oder nicht, sondern auch ganz entscheidend damit, welches Gottesbild man hat. Wer in Gott nur den strengen Lehrmeister sieht, dem man nie genügen kann und der sofort straft, wenn man einen Fehler begeht, wird Gott kaum lieben können. Das Gleiche gilt für jene, die in Gott eine launische Person sehen, die willkürlich die einen leiden lässt, während er andere mit Glück und Erfolg überschüttet.
Wie aber entsteht diese Liebe zu Gott konkret? Jesus selbst beschreibt sie im sogenannten höchsten Gebot (Mt 22:37-38). Im griechischen Grundtext steht das erste Gebot im Futur und ist somit auch eine Prophezeiung. Darum könnte man Mt 22:37 wörtlich auch wie folgt übersetzen:
„Du wirst den Herrn, deinen Gott, lieben in deinem ganzen Herzen und in deiner ganzen Seele und in deiner ganzen Denkart."
Erst wenn jemand Gott in seiner Liebe erkennen und erfahren durfte, wird er in der Lage sein, diesen Gott freiwillig und mit großer Freude zu lieben. Wer die Liebe des himmlischen Vaters erleben durfte, hat erkannt, dass nichts schöner und erfüllender ist als diese bedingungslose Liebe (1Jo 4:19).
Nichts in dieser Welt fasziniert und erfüllt mich mehr mit Freude als die Liebe Gottes, die sich in Jesus Christus offenbart hat (Joh 3:16). In seinen Abschiedsreden sagte Jesus in Joh 13:34-35:
„Ein neues Gebot gebe ich euch, dass ihr einander liebt, damit, wie ich euch geliebt habe, auch ihr einander liebt. Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt."
Warum bezeichnet Jesus das Gebot der Bruderliebe als ein „neues Gebot", obwohl es bereits in der Tora zu finden ist? In 3Mo 19:18 heißt es: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst." Doch nachdem Jesus Christus auf die Welt kam, um den Menschen zu dienen – indem er ihnen vergab, sie heilte, ihnen Hoffnung durch das Evangelium gab und sich selbst hingab, als er für die Schuld der Welt starb – offenbarte die göttliche Liebe eine ganz neue Dimension. Die Tiefe der Liebe Jesu zeigt sich in Joh 15:12–13:
„Dies ist mein Gebot, dass ihr einander liebt, wie ich euch geliebt habe. Größere Liebe hat niemand als diese, dass jemand sein Leben lässt für seine Freunde."
Im Alten Bund wurde die Liebe zum Nächsten gefordert, doch Jesus offenbart nun ihr endgültiges Maß: die hingebende Selbstaufopferung. Darum bekam das Gebot der Nächstenliebe durch Jesu vorbildliche Liebe einen vertieften Inhalt!
Doch ist eine solche Opferbereitschaft nicht unglaublich schwer? Wie kann Johannes dann behaupten, dass Gottes Gebote nicht schwer sind (1Jo 5:3)? Weil wahre Liebe nicht aus Zwang entsteht, sondern aus Dankbarkeit. Wenn wir die Liebe Gottes zu uns wirklich verstanden haben – dass er uns zuerst geliebt hat, obwohl wir noch Sünder waren (Röm 5:8) – dann werden seine Gebote zu einer natürlichen Antwort unserer Herzen. Die Kraft, nach seinen Geboten zu leben, kommt nicht aus unserer eigenen Anstrengung. Sie entspringt der Liebe, die Gott selbst durch den Heiligen Geist in unsere Herzen ausgegossen hat (Röm 5:5). Wer die göttliche Liebe aus sich selbst heraus praktizieren will – ohne sich unendlich von Gott geliebt zu wissen – wird scheitern.
„Gebote halten" kann man auch mit „die innersten Ziele Gottes hüten" übersetzen. Dies zeigt: Der Liebende richtet seinen Blick auf das zentrale Gebot der Liebe und hat dabei die unendliche, bedingungslose Liebe Jesu vor Augen. Diesen Blick nach oben wünsche ich allen von ganzem Herzen – besonders heute, wo wir nicht wissen, was morgen sein wird (Jak 4:14).
Wie kehrt ihr alles um! Als ob der Ton dem Töpfer gleich wäre, dass das Werk spräche von seinem Meister: Er hat mich nicht gemacht!, und ein Bildwerk spräche von seinem Bildner: Er versteht nichts!
Wir sind sein Werk, geschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, die Gott zuvor bereitet hat, dass wir darin wandeln sollen.
von Ingo Mees
Wieder einmal muss Gott an seinem Volk Israel Gericht üben. Er beklagt, dass die Gottesdienste zu Ritualen verkommen sind, in denen Gott zwar mit den Lippen geehrt wird, die Herzen aber fern von Gott gehalten werden (Jes 29:13; Mt 15:8). Das kann Gott nicht gefallen! Er möchte von ganzem Herzen geehrt werden, von Menschen, die ihrem Schöpfer ihr Herz, ihre Persönlichkeit, ihr ganzes Leben im Glauben anvertraut haben (Spr 23:26). Dann freut unser himmlischer Vater sich auch über Lippen, die voller Lob für ihn sind und ihn bekennen (Röm 10:9-10; Hebr 13:15).
Gottes Diagnose für die fehlende Gottesfurcht in seinem Volk ist eindeutig: Die Menschen verneinen Gott als ihren Schöpfer und weigern sich, die Autorität Gottes über sich anzuerkennen. Das war nicht nur damals in Israel so. Seit Anbeginn der Menschheit wollte der Mensch wie Gott sein (1Mo 3:5-6). Selbstbestimmung und fehlende Bereitschaft zur Unterordnung sind das Grundbestreben des gefallenen Menschen. Das hat sich bis heute nicht geändert. Der Mensch schwingt sich auf, über das Leben zu bestimmen, und bringt es fertig, ungeborenes Leben in seinem ureigensten Schutzraum, dem Mutterleib, mittels Abtreibung zu töten (Ps 139:13-16). Und auf der anderen Seite schwärmt unsere Gesellschaft von dem Modell des selbstbestimmten Sterbens.
„Sie haben ein Recht auf Selbstbestimmung am Lebensende." – So lautet der erste Satz auf der Webseite der Deutschen Gesellschaft für Humanes Sterben. Was für eine Lüge! Es ist allein Gott, der die Fähigkeit hat, Leben zu schaffen und der über den Beginn und das Ende dieses Lebens bestimmt (Hiob 1:21). Dass Gott der Schöpfer allen Lebens ist, wird weitgehend geleugnet, „weil nicht sein kann, was nicht sein darf", so hat es Christian Morgenstern einmal formuliert. Gott bezeichnet das als eine Umkehrung der Tatsachen:
„Wie kehrt ihr alles um! Als ob der Ton dem Töpfer gleich wäre, dass das Werk spräche von seinem Meister: Er hat mich nicht gemacht!, und ein Bildwerk spräche von seinem Bildner: Er versteht nichts!“ (Jes 29:16)
Die Bilder vom Töpfer und dem Ton sowie vom Kunstwerk und seinem Bildner lassen an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Sie zeigen die ganze Absurdität des menschlichen Strebens nach Unabhängigkeit und Emanzipation von Gott (Jer 18:6).
Wie sieht die Therapie Gottes aus? Zunächst erinnert Gott uns daran, dass wir „sein Werk" sind (Eph 2:10a). Gott möchte, dass wir ihn als unseren Schöpfer anerkennen und uns ihm mit Gottesfurcht zuwenden (Ps 2:11 / Hebr 12:28). Der zentrale Therapieansatz folgt gleich anschließend: „… geschaffen in Christus Jesus …". Wir sind also ein Liebesgedanke Gottes und seines Sohnes Jesus Christus! Wir sind gedacht als „Liebes-Gegenüber" von Vater und Sohn – das ist ein überwältigender Gedanke (1Jo 3:1)! Wer Jesus Christus als seinen Herrn und Heiland angenommen und ihm die Herrschaft über das Leben eingeräumt hat, der ist in diesen Liebesbund von Schöpfer und Geschöpf eingetaucht (2Kor 5:17 / Joh 15:9).
Wer die unbeschreibliche Liebe Gottes und Jesu jemals erfahren hat, wird keine Mühe haben, sich seinem Gott in großer Ehrfurcht unterzuordnen und mehr und mehr alles Eigene in die Hände Gottes abzugeben. Wie der Ton sich vom Töpfer formen lässt, so wollen die Kinder Gottes sich von ihrem Schöpfer durch den Heiligen Geist formen und prägen lassen (Jer 18:6 / Röm 8:29). Die Folge wird unweigerlich ein für Gott fruchtbares Leben sein (Gal 5:22). Gute Werke stellen dann keinen Leistungsdruck mehr dar, denn „Gott hat sie zuvor bereitet" und wir dürfen diese in der Kraft des Geistes Gottes vollenden (Phil 2:13). Ich wünsche Ihnen die wunderbare Erfahrung der Liebesbeziehung zwischen Ihrem Herrn und Ihnen als überaus wertvolles Kunstwerk Ihres Schöpfers.
Ach, HERR, lass doch deine Ohren aufmerken, dass du das Gebet hörst, das ich jetzt vor dir bete Tag und Nacht für deine Knechte.
Sollte Gott nicht Recht schaffen seinen Auserwählten, die zu ihm Tag und Nacht rufen, und sollte er bei ihnen lange warten? Ich sage euch: Er wird ihnen Recht schaffen in Kürze.
Als Nehemia vom Zustand Jerusalems hörte, traf ihn die Nachricht tief ins Herz (Neh 1:3-4). Jahrzehnte nach der Rückkehr aus dem Exil lag Jerusalem noch immer in Trümmern. Obwohl er ein sicheres und angesehenes Leben am persischen Königshof führte, ließ ihn die Not seines Volkes nicht los. Er war zutiefst erschüttert und es ergriff ihn eine heilige Betroffenheit. Er trauerte, betete und flehte inständig zu Gott um Erbarmen (Neh 1:4-6). Er bekannte die Sünden seines Volkes sowie seine eigenen und bat um Vergebung (Neh 1:6-7 / 1Jo 1:9). Seine Trauer und Betroffenheit dauerte nicht nur Stunden oder Tage, sondern mehrere Monate. In seinem Herzen solidarisierte sich Nehemia so sehr mit seinem Volk, dass er beständig Fürbitte tat – bis Gott ihm zeigte, was er tun sollte (Neh 2:4-5).
Der Tempel in Jerusalem war für die Juden der heiligste Ort, an dem sie Gott begegnen und sich ihm ganz nahe fühlen konnten (1Kön 8:27-30). Hier traten sie mit Buße (Umkehr), Dankbarkeit und Freude vor ihn. Der HERR war im Tempel gegenwärtig – das machte ihn so besonders.
So wird das Haus Gottes zu einem Bild für unser Herz, in dem der Herr Jesus Christus wohnen möchte (1Kor 3:16 / Eph 3:17). Er möchte unser Herz ganz erfüllen. Damit das geschehen kann, muss alles Eigene ausgeräumt werden – zum Beispiel die Suche nach der eigenen Ehre oder der frommen Selbstbestätigung, in der man sich selbst als „überdurchschnittlich guter Christ" erkennen möchte (Phil 2:3).
Die Mauern Jerusalems schützten den Tempel. Ebenso braucht unser Herz, das Gott gehören darf, eine Schutzmauer. Diese Mauer besteht aus dem Vertrauen auf Gottes Wort, dem Gebet und der Gemeinschaft mit anderen Gläubigen – sie bewahrt uns vor den Angriffen des Feindes (Eph 6:16-18 / Spr 4:23). Ohne diesen Schutz ist unser Herz verwundbar und den Versuchungen der Welt ausgesetzt.
Ohne ernsthaftes Gebet fehlt dem Herzen ein entscheidender Schutz. Wie oft habe ich schon aus Pflichtgefühl gebetet, um einen Punkt auf meiner To-Do-Liste abzuhaken, oder mit innerem Zweifel, ob Gott mich wirklich erhören würde. Mit „Erhörung" meine ich nicht die Erfüllung meiner Wünsche, sondern ein Handeln Gottes – das oft ganz anders aussieht, als ich es mir vorstelle (Jes 55:8-9).
Zweifel an einer Erhörung entstehen vor allem dadurch, dass man im eigenen Herzen noch etwas Hinderliches nicht ausgeräumt hat (Ps 66:18). Manchmal wollte ich es zwar ausräumen, aber es gelang mir nicht – nicht, weil ich meine gestörte Beziehung mit Gott wiederherstellen wollte, sondern weil ich mir selbst bestätigen wollte, ein „guter Christ" zu sein. Das war und ist manchmal noch immer ein verborgener Grund für mein geistliches Blockiert-Sein.
Jesus ermutigte die Jünger zu einer beständigen Gebetshaltung, indem er das Gleichnis einer Witwe erzählte, die bei einem ungerechten Richter ihr Recht einforderte (Lk 18:1-8). Ohne viel Geld und ohne gesellschaftliche Stellung hatte sie aus menschlicher Sicht kaum eine Chance, zu ihrem Recht zu gelangen. Doch ihre Beharrlichkeit führte schließlich dazu, dass der Richter ihr half. Wenn schon ein ungerechter Richter durch Beharrlichkeit zum Recht verhilft – wie viel mehr dann der liebende himmlische Vater!
Doch etwas in diesem Gleichnis scheint widersprüchlich: Jesus spricht von Auserwählten, die Tag und Nacht beharrlich zu Gott rufen. Es wirkt, als müssten sie geduldig warten, bis Gott endlich eingreift – und dann sagt Jesus, dass Gott den Gläubigen schnell zu ihrem Recht verhilft (Lk 18:7-8). Wie passt das zusammen?
Die Antwort liegt darin, dass Gott aus seiner Perspektive tatsächlich schnell handelt – sobald wir innerlich an den Punkt gelangen, wo es nicht mehr um unsere eigene fromme Ehre geht, sondern um seine Verherrlichung (Joh 14:13). Was für uns wie langes Warten erscheint, ist in Gottes Augen oft der notwendige Prozess, in dem er unser Herz vorbereitet, unseren Glauben stärkt und die Umstände so fügt, dass seine Antwort zur rechten Zeit kommt (Röm 8:28). Das beharrliche Gebet ist also nicht dazu da, Gott zu überzeugen oder seine Meinung zu ändern. Es soll uns selbst verändern und auf seine Antwort vorbereiten (Jak 5:16).
Möge uns der Herr Jesus Christus dazu Gnade schenken!
Der Gerechten Pfad glänzt wie das Licht am Morgen, das immer heller leuchtet bis zum vollen Tag.
Wenn ihr auch leidet um der Gerechtigkeit willen, so seid ihr doch selig.
Als Jugendlicher — und auch später — verbrachte ich den Sommerurlaub regelmäßig in den Schweizer Bergen. Mehrmals machten wir uns als Gruppe bereits in der Dunkelheit auf den Weg, um dann auf einem Berggipfel den Sonnenaufgang zu bestaunen. Es ist ein erhebendes und tief beeindruckendes Erlebnis, in der ersten Morgendämmerung dabei zu sein. Während es noch fast dunkel ist, wirken alle Wiesen, Steine und Bäume dunkelgrau. Wenn es dämmert, „erwachen" die Farben. Beim Aufgehen der Sonne wird es nicht nur strahlend hell — die Natur erscheint auch in beeindruckender Farbenpracht.
Der Weg der Gerechten gleicht einer aufgehenden Sonne, die immer höher steigt — bis zum Mittag, wenn selbst jedes Tal mit Licht durchflutet wird. Die langen Schatten verschwinden, und alles erstrahlt in Helligkeit und Farbenpracht.
Wie der Mittag alles in klares Licht taucht, so beschreibt die Bibel die Vollendung eines Lebens mit Gott. Der Weg des Gerechten beginnt mit der Erleuchtung durch Gottes Geist und sein Wort (Ps 119:105). Er führt zur Vollendung, wo alles von Licht durchflutet ist — wo Wahrheit, Leben und Liebe alles erfüllen.
Aber wer ist schon gerecht — und wie sieht ein „Weg des Gerechten" aus? In der Bibel wurde Noah als Gerechter bezeichnet, weil er mit Gott wandelte und Seinem Willen folgte (1Mo 6:9). Von Abraham heißt es, dass er Gott glaubte — das heißt, ihm vertraute. Gott rechnete ihm das als Gerechtigkeit an (1Mo 15:6 / Röm 4:3). Darum macht der Glaube einen Menschen vor Gott gerecht, nicht sein perfektes oder fehlerloses Verhalten — das es bei keinem Menschen gibt.
Deshalb kam Paulus im Römerbrief zu dem Schluss, dass niemand aus sich selbst heraus — ohne Verbindung zu Gott — gerecht ist (Röm 3:10). Der einzig absolut Gerechte ist Jesus Christus. Er allein war ohne Sünde und lebte vollkommen aus der göttlichen Liebe (2Kor 5:21 / 1Petr 2:22).
Der Glaubende ist also nicht deshalb gerecht, weil er fehlerlos wäre, sondern weil er durch sein Vertrauen mit Gott verbunden ist und weil Gott ihn mit der Gerechtigkeit Jesu Christi beschenkt (Röm 3:22 / 2Kor 5:21).
Der Weg des Glaubenden ist geprägt von wachsender Gotteserkenntnis und einem Leben, das sich zunehmend an Seinem Willen ausrichtet (2Petr 3:18). Je näher er Gott kommt, desto klarer erkennt er die Wahrheit — und desto heller wird sein Lebensweg.
Wer sich mit der Gerechtigkeit Gottes beschenken lässt, beginnt eine Lebensweise, die sich an Gottes Maßstäben ausrichtet. Sein Verhalten orientiert sich an der göttlichen Gerechtigkeit.
Doch das zunehmende Licht bleibt nicht unbeachtet. Wo Gottes Wahrheit sichtbar wird, entsteht auch Widerstand. Warum? Weil man böses und rücksichtsloses Verhalten ablehnt und verurteilt — jedoch nicht den Menschen, der so handelt. Doch allein die Missbilligung ungerechten Verhaltens kann Neider und Feinde hervorrufen, sodass man um der Gerechtigkeit willen leidet oder verfolgt wird (Mt 5:10).
Wie Jesus verfolgt wurde, werden auch seine Nachfolger angefeindet (Joh 15:20). Wer bezeugt, dass Jesus Christus der Weg, die Wahrheit und das Leben ist (Joh 14:6), wird nicht von allen geliebt.
Wer aber trotz Ablehnung und Feindschaft an der von Gott geschenkten Gerechtigkeit festhält, bleibt auf dem Weg, der direkt in die Vollendung führt. Darum schrieb Petrus:
"Wenn ihr auch leidet um der Gerechtigkeit willen, so seid ihr doch selig" (1Petr 3:14).
Damit unterstreicht er, was er vermutlich bereits bei der Bergpredigt von Jesus gehört hat:
"Glückselig die um Gerechtigkeit willen Verfolgten, denn ihrer ist das Reich der Himmel" (Mt 5:10).
Der Weg der Gerechten ist nicht leicht. Manchmal gleicht er einem Aufstieg im Morgengrauen, wenn der Weg noch im Schatten liegt und das Ziel kaum sichtbar ist. Doch wer mit Gott geht, bleibt nicht in der Dunkelheit (Joh 8:12).
Wie das Licht der aufgehenden Sonne unaufhaltsam wächst, so wird auch das Leben dessen heller, der auf Gottes Wegen bleibt — bis der volle Tag anbricht und alles im Licht Gottes steht.
Was für eine erwartungsvolle Perspektive: Der Weg beginnt im ersten Licht und endet in der vollkommenen Helligkeit des Reiches Gottes (Offb 21:23-25).
Ich, der HERR, habe dich gerufen in Gerechtigkeit und halte dich bei der Hand.
Und siehe, eine Stimme aus der Wolke sprach: Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe; den sollt ihr hören!
Jesaja 42,1–9 enthält das erste Lied über den wohlgefälligen Knecht Gottes, auf dessen Stimme man hören soll. Es beschreibt eindrücklich die wunderbaren Eigenschaften des Messias. An ihm hat Gottes Seele Wohlgefallen. Auf ihm ruht der Geist Gottes, und er bringt das Recht zu den Nationen (Jes 42:1). Er kommt nicht mit großem Aufheben oder öffentlicher Selbstdarstellung, sondern still, demütig, sanftmütig und friedlich (Jes 42:2 / Mt 11:29).
Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen (Jes 42:3). Er geht sanft und barmherzig mit den Schwachen, Gebrochenen und Verzagten um. Er richtet die auf, die am Ende ihrer Kraft sind, und gibt denen neue Hoffnung, deren Glaube nur noch schwach glimmt.
Obwohl er abgelehnt und gehasst wird, verzagt er nicht und bricht nicht zusammen. Stattdessen legt er den Grund für ein rechtschaffendes Gericht, das von Gerechtigkeit geprägt ist (Jes 42:4).
Der HERR hat ihn in Gerechtigkeit gerufen und bei der Hand ergriffen (Jes 42:6). Er wurde zum Bund für das Volk und zum Licht der Nationen gemacht. Er öffnet den Blinden die Augen, führt Gefangene aus dem Kerker und befreit jene, die in finsteren Gefängnissen sitzen (Jes 42:7).
Jahwe, der ewigseiende HERR, gibt seine Ehre keinem anderen (Jes 42:8). Das ist das Neue, das er durch Jesaja verkündigt hat – etwas, das zur Zeit Jesajas noch nicht da war (Jes 42:9).
Diese Verheißung des Knechtes erreicht ihren tiefsten Ausdruck im vierten Gottesknechtlied in Jesaja 53. Dort wird beschrieben, wie der Gottesknecht für die Sünden der Menschen leidet und stirbt. Er wird als Schuldopfer dargebracht, um viele zu rechtfertigen (Jes 53:10-11).
Diese eindrücklichen Beschreibungen des einzigartigen Gottesknechts gehören zu den unzähligen Prophezeiungen über den Messias, der sich zugleich als Sohn Gottes offenbarte. Jahrhunderte vor seinem Kommen wurde sein Werk bereits angekündigt – ein eindrucksvolles Zeugnis göttlicher Inspiration.
Der Sohn selbst sagte in Psalm 2,7:
Lasst mich die Anordnung des HERRN bekanntgeben! Er hat zu mir gesprochen: „Mein Sohn bist du, ich habe dich heute gezeugt."
Im Neuen Testament spricht Gott selbst dreimal über seinen Sohn:
Bei der Taufe Jesu sagte Gott: „Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe." (Mt 3:17)
Auf dem Berg der Verklärung sprach eine Stimme aus der Wolke: „Dieser ist mein geliebter Sohn, ihn hört!" (Mk 9:7 / Lk 9:35)
In Jerusalem, als Jesus seinen Vater bat: „Vater, verherrliche deinen Namen!", ertönte eine Stimme aus dem Himmel: „Ich habe ihn verherrlicht und werde ihn auch wieder verherrlichen." (Joh 12:28)
Wer auf die Stimme des Sohnes Gottes hört und an seine Worte glaubt, lernt den himmlischen Vater kennen und ihm zu vertrauen. Durch den Sündenfall – der uns in 1. Mose 3 geschildert wird – zerbrach die Vertrauensbeziehung zu Gott. Doch durch das Hören auf die Worte des Sohnes und das Vertrauen auf ihn wird die Liebesbeziehung zu Gott wiederhergestellt. Darum sagte Jesus zu uns:
„Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater als nur durch mich." (Joh 14:6)
Wer auf seine Stimme hört, findet den Weg zurück zum Vater – zu Leben und Frieden.
Ich weiß, dass der HERR des Elenden Sache führen und den Armen Recht schaffen wird.
Wenn ein Bruder oder eine Schwester nackt ist und Mangel hat an täglicher Nahrung und jemand unter euch spricht zu ihnen: Geht hin in Frieden, wärmt euch und sättigt euch!, ihr gebt ihnen aber nicht, was der Leib nötig hat - was hilft ihnen das?
David fühlte sich von Feinden bedroht und bittet seinen Gott in den Versen 1+2:
"Rette mich, HERR, von bösen Menschen. Vor gewalttätigen Männern behüte mich, die Bosheiten ersinnen im Herzen, die täglich Kriege erregen."
Aus Psalm 140 wird ersichtlich, dass David sich selbst als elend und arm sieht. Vermutlich befand er sich in einer Verfolgungssituation, in der er sich ohnmächtig und möglicherweise mittellos fühlte.
In dieser bedrängten Lage klammerte er sich ganz an Gott und wandte sich voller Vertrauen an ihn. David kannte Gottes Herz. Er wusste: Gott übersieht die Bedürftigen nicht.
"Ich weiß, dass der HERR die Rechtssache des Elenden wahrnimmt, das Recht der Armen." (Ps 140:13)
Vermutlich sah er Gottes Hilfe und Beistand noch nicht, doch er war überzeugt: „Gott hat ein Herz für die Bedürftigen und wird auch mir in meiner Not beistehen!"
Im Alten Testament bleibt diese Hoffnung oft eine Erwartung: Gott wird eingreifen und Recht schaffen.
Im Neuen Testament erkennen wir, wie Gott dieses Recht endgültig schafft: durch Jesus Christus. In ihm ist Gottes Einsatz für die Elenden sichtbar geworden. Er tritt für die Schuldigen ein, nimmt sich der Schwachen an und vertritt ihre Sache vor Gott selbst (1Jo 2:1).
Als meine Brüder und ich noch gemeinsam ein Architekturbüro hatten, kam es zu einem Rechtsstreit mit einem Bauherrn. Wir dachten, das Recht sei auf unserer Seite – was auch der Friedensrichter so empfand. Doch der reiche Bauherr nahm sich einen der teuersten Anwälte, sodass wir in der nächsten höheren Instanz den Rechtsstreit verloren.
Dieses Beispiel zeigt, wie entscheidend ein guter Anwalt sein kann. Die Elenden und Bedürftigen haben jedoch den besten Fürsprecher, den man sich vorstellen kann: Jesus Christus. Die Bibel sagt, dass Christus für die Seinen eintritt und sie vor Gott vertritt (Hebr 7:25). Er steht gewissermaßen als ihr Fürsprecher vor dem göttlichen Gericht.
In einem Rechtsstreit vor weltlichen Gerichten können Menschen unterliegen – wie das eben genannte Beispiel zeigt. Doch vor Gottes Gericht dürfen diejenigen bestehen, die ihr Vertrauen auf das Erlösungswerk Jesu Christi setzen (Röm 8:1).
Wer sich ein Kind des himmlischen Vaters nennen darf, sollte sich auch als solches erweisen. Als seine Kinder dürfen wir uns das Verhalten aneignen, das seinen barmherzigen Eigenschaften entspricht. Wenn er sich in seiner Liebe um Arme und Elende kümmert, sollten auch wir das tun (1Jo 4:11). Darum sagte Jesus in Mt 5:48:
"Ihr nun sollt vollkommen sein, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist."
Jakobus schildert eine Situation, die unser Handeln erfordert – zumindest dann, wenn wir dazu in der Lage sind. Stellen wir uns vor: Ein Bruder oder eine Schwester ist dürftig gekleidet, friert und hat Hunger. Wir haben Geld, Kleidung oder Nahrung, geben ihnen aber nichts. Stattdessen sagen wir nur: „Kleide dich und sättige dich" – obwohl es ihnen gar nicht möglich ist. Das wäre völlig lieblos, und wir hätten uns nicht wie Kinder des himmlischen Vaters verhalten. In diesem Fall sollte ich mein Herz prüfen, ob mein Glaube von Gottes Liebe geprägt ist. Denn ein authentischer Glaube lässt sich nicht von Liebe und Fürsorge trennen (Jak 2:15-17). Darum motiviert Paulus in 1. Timotheus 6:18, Gutes zu tun, reich zu sein an guten Werken, freigebig und mitteilsam zu sein.
Möge Gott uns die Gnade schenken, dass wir uns wie seine Kinder verhalten und seine Liebe zu den Bedürftigen widerspiegeln. Lasst uns nicht nur mit Worten glauben, sondern mit Taten der Barmherzigkeit (1Jo 3:18).
Ruft laut, rühmt und sprecht: HERR, hilf deinem Volk!
Gepriesen sei der Herr, der Gott Israels! Denn er hat sich seines Volkes angenommen und ihm Erlösung verschafft.
Was bedeutet es, Gott zu loben, wenn Rettung noch nicht sichtbar ist? Das 31. Kapitel aus dem Propheten Jeremia stammt aus einer Zeit, als das Nordreich Israel bereits gefallen war (722 v. Chr.) und Juda unter der Bedrohung Babylons stand. Bevor Jeremia dieses hoffnungsvolle Kapitel schrieb, musste er bereits mehrfach den künftigen Untergang Jerusalems ankündigen.
Ist das nicht bemerkenswert? Der Prophet sieht die bevorstehende Katastrophe kommen, und in diesem Kapitel darf er seinem Volk mitteilen, dass Gott sie trotzdem mit ewiger Liebe liebt und seine Güte für sie aufbewahrt hat (Jer 31:3). Er prophezeit dem „widerspenstigen Volk Gottes" also nicht nur das künftige Gericht, sondern auch die Wiederherstellung Israels. So schreibt der Prophet in den Versen 4–5:
"Ich will dich wieder bauen, und du wirst gebaut sein, Jungfrau Israel! Du wirst dich wieder mit deinen Tamburinen schmücken und ausziehen im Reigen der Tanzenden. Du wirst wieder Weinberge pflanzen auf den Bergen Samarias; die Pflanzer pflanzen und werden genießen."
Durch die ganze Bibel zieht sich ein bemerkenswertes Muster: Gott kündigt durch seine Propheten sowohl das kommende Gericht als auch die Rettung, Heilung und Erneuerung an. Damit bringt er mehrere wichtige Aspekte zum Ausdruck:
Die Erziehungsgerichte Gottes sind nicht das Letzte
Gott verfolgt bei allem, was er tut, ein wunderbares Ziel (Röm 8:28)
Gottes Handeln ist nie zweck- und ziellos
Der HERR vermittelt durch sein Wort – selbst vor dem Strafgericht – eine untrügliche Hoffnung auf Erlösung und Wiederherstellung
All dies zeigt, was Gott durch Jeremia auch an anderer Stelle sagt:
"Denn nicht für ewig verstößt der Herr, sondern wenn er betrübt hat, erbarmt er sich nach der Fülle seiner Gnadenerweise. Denn nicht von Herzen demütigt und betrübt er die Menschenkinder." (Klag 3:31-33)
Im heutigen Losungsvers werden die Empfänger der Botschaft dazu aufgefordert, zu jubeln, den HERRN zu rühmen und ihn zu loben – und gleichzeitig zu bitten: „HERR, rette dein Volk" (Jer 31:7).
Das ist bemerkenswert, denn normalerweise folgt solcher Lobpreis auf die Rettung – nicht davor. Wer Gott vor der Rettung lobt, zeigt damit sein großes Gottvertrauen und die Gewissheit: Gott ist treu, er hält, was er verspricht, und ich will ihn dafür jetzt schon anbeten.
Der Glaubende weiß, dass alle Dinge, die Gott verheißen hat, so gewiss sind, als wären sie schon da (Hebr 11:1). In den Worten Gottes verschmelzen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu einem Ganzen. Er allein steht über der Zeit. Darum ist er der unveränderliche und ewigseiende Gott (2Mo 3:14).
Dieses Vertrauen, Gott schon vor erfüllter Verheißung zu loben, begegnet uns auch im Neuen Testament, und wir finden es auch bei Zacharias. Im hohen Alter bekam er von seiner ebenfalls hochbetagten Frau einen Sohn. Nachdem er allen Anwesenden mitteilte, dass dieses Kind Johannes heißen soll, lobte er Gott und sprach:
"Gepriesen sei der Herr, der Gott Israels, dass er sein Volk angesehen und ihm Erlösung geschaffen hat. Er hat uns ein Horn des Heils aufgerichtet im Hause Davids, seines Knechtes, …" (Lk 1:68-69)
Die Geburt seines Sohnes war zwar ein Wunder Gottes, doch die Erlösung seines Volkes war noch nicht sichtbar. Es befand sich nach wie vor in äußerer Knechtschaft unter den Römern und in innerer Sklaverei unter der Sünde. Trotzdem sah Zacharias durch den Heiligen Geist bereits die von Gott geschaffene Erlösung und lobte ihn dafür.
Auch wir leben in einer Welt voller Unsicherheit und ungelöster Fragen. Doch wer den Worten Gottes vertraut, darf ihn schon heute für die kommende Erlösung loben und anbeten – denn die Verheißung Gottes, dass er alles neu machen wird, ist gewiss (Offb 21:5). Sie wird eintreffen, auch wenn das heute noch nicht erkennbar ist. Seine Zusagen stehen fest. Sie sind gewisser als jede sichtbare Wirklichkeit – sicherer als das Amen in der Kirche.
Die Elenden werden wieder Freude haben am HERRN, und die Ärmsten unter den Menschen werden fröhlich sein in dem Heiligen Israels.
Ihr kennt die Gnade unseres Herrn Jesus Christus: Obwohl er reich ist, wurde er doch arm um euretwillen, auf dass ihr durch seine Armut reich würdet.
Armut ist eines der größten Probleme dieser Welt. Die Ursachen sind vielfältig:
Fehlender Zugang zu Arbeit und Einkommen
Mangelnde Bildung
Politische Instabilität, Krieg und schlechte Institutionen
Gesundheitliche Probleme und fehlende medizinische Versorgung
Ungleichheit und soziale Ausgrenzung
Umweltfaktoren
Diese äußeren Ursachen sind jedoch nicht losgelöst vom menschlichen Herzen. Sie stehen oft im Zusammenhang mit den inneren Werten von uns Menschen. Egoismus und Habgier schaffen den Nährboden für Korruption, Machtmissbrauch, Betrug, unfaire Handelsbedingungen und Ausbeutung. Dadurch entsteht ein Klima der Rücksichtslosigkeit und Gleichgültigkeit, das die Armut weiter vergrößert.
Ein Unternehmen erfolgreich zu führen, ist ein Geschenk Gottes. Solche Menschen sind wichtig, damit eine Wirtschaft gut funktioniert. Doch Gott hat Führungspersönlichkeiten auch die Verantwortung gegeben, sich gegenüber Schwächeren – sei es Angestellten oder Geschäftspartnern – fair zu verhalten, sodass diese unter menschenwürdigen Umständen leben können (5Mo 24:14-15 / Kol 4:1). Wer weniger Begabte ausbeutet und sie „über den Tisch zieht", wird von Gott zur Rechenschaft gezogen (Jak 5:4).
In Israel – wie auch bei allen anderen Völkern – gab es erfolgreiche Händler und Großgrundbesitzer, die aufgrund ihrer intellektuellen Überlegenheit die Schwächeren ausbeuten konnten und dadurch immer reicher wurden. Dieses Verhalten wurde von den Propheten Gottes immer wieder scharf kritisiert (Am 2:6-7 / Mi 2:1-2).
Solch ungerechtes Handeln offenbart das Wertesystem dieser Menschen: Für sie stehen Ansehen, Erfolg, Reichtum und Genuss an erster Stelle – letztendlich geht es ihnen um das Materielle und Sichtbare (1Jo 2:15-16).
Solche Menschen zeigen zwar manchmal eine gewisse Frömmigkeit, die sich jedoch lediglich auf religiösen Formalismus beschränkt – ein Verhalten, das Jesaja in Kapitel 29 ebenfalls kritisiert. In Vers 13-14 heißt es:
"Und der Herr hat gesprochen: Weil dieses Volk mit seinem Mund sich naht und mit seinen Lippen mich ehrt, aber sein Herz fern von mir hält und ihre Furcht vor mir ⟨nur⟩ angelerntes Menschengebot ist; darum, siehe, will ich weiterhin wunderbar mit diesem Volk handeln, wunderbar und wundersam. Und die Weisheit seiner Weisen wird verloren gehen und der Verstand seiner Verständigen sich verbergen."
Wenn Religiosität oder Gottesfurcht nicht authentisch ist und nicht von Herzen kommt, gehen Weisheit und Verstand verloren (Spr 1:7). Menschen, die ihren Reichtum nur über das Sichtbare definieren, sind innerlich arm – und irgendwann verlieren sie auch alles, was sie erworben haben (Lk 12:16-21).
Die Elenden (w. die Demütigen) und die Armen in dieser Welt sind zwar zunächst die Benachteiligten. Armut kann Menschen offener machen, weil falsche Sicherheiten fehlen. Wenn sie das Leben entdecken, das aus einer Vertrauensbeziehung zu Gott entsteht, erhalten sie einen geistlichen Reichtum, der im Reich Gottes auch zu einem sichtbaren Reichtum werden wird (Mt 5:3 / Jak 2:5).
Diese Botschaft durchzieht die ganze Schrift: Gott erschüttert menschliche Sicherheiten und offenbart einen Reichtum, der nicht im Besitz, sondern in der Gemeinschaft mit ihm besteht (Ps 73:25-26). Wer seinen Reichtum nur im Sichtbaren sucht, wird innerlich verarmen – doch wer seine Hoffnung auf Gott setzt, entdeckt einen Reichtum, der nicht vergeht (1Tim 6:17-19).
Damit das alles geschehen kann, kam der Sohn Gottes – der Reichste von allen – auf diese Erde und wurde arm, um uns überreich zu beschenken. Darum schreibt Paulus:
"Obwohl er reich ist, wurde er doch arm um euretwillen, auf dass ihr durch seine Armut reich würdet." (2Kor 8:9)
Und in Epheser 1:3 stellt er fest:
"Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus! Er hat uns gesegnet mit jeder geistlichen Segnung in der Himmelswelt in Christus."
In Jesus Christus begegnet uns die größte Umkehr aller Maßstäbe: Der wahrhaft Reiche wurde arm. Nicht weil Armut an sich rettet, sondern weil Gott selbst unsere geistliche Armut auf sich nahm (Phil 2:6-8). Durch seine Erniedrigung schenkt er uns Anteil an seinem Reichtum – Vergebung, neues Leben und Gemeinschaft mit Gott (Eph 2:4-7).
Gedenkt nicht an das Frühere und achtet nicht auf das Vorige! Denn siehe, ich will ein Neues schaffen, jetzt wächst es auf, erkennt ihr's denn nicht?
Paulus schreibt: Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.
von Ingo Mees
Die Jahreslosung 2026 aus Offenbarung 21:5 stellt uns Gott als den vor, der auf dem Thron sitzt und verheißt, dass er alles neu machen wird. Was für eine gewaltige Verheißung! Es war Gottes schöpferisches und kraftvolles Wort, mit dem er die Schöpfung, in der wir leben dürfen, hervorbrachte (1Mo 1:1-31 / Joh 1:1-3). Und es wird auch sein Wort sein, mit dem er eine Totalerneuerung dieser gefallenen Schöpfung vollbringt (2Petr 3:13 / Offb 21:1). Gott schafft Neues durch sein Wort!
Das erfährt jeder, den der Vater zu sich zieht (Joh 6:44) und der das Gnadenangebot Gottes angenommen hat – die Erlösung und die Rechtfertigung durch den Sühnetod Jesu Christi und die Vergebung der Schuld durch das Blut des Sohnes Gottes (Eph 1:7 / Röm 5:9 / 1Petr 1:18-19). Mit dem Tag der Bekehrung und der Wiedergeburt eines Menschen ist der alte Mensch gestorben – mitgekreuzigt mit Jesus (Röm 6:6) – und etwas völlig Neues hat angefangen, nämlich ein Prozess der Umgestaltung in das Bild Christi (Röm 8:29 / 2Kor 3:18). Diese Umgestaltung ist eine Wirkung des Wortes Gottes (1Thes 2:13). Darum ist es von großer Wichtigkeit, dass wir uns dem Wort Gottes aussetzen, durch das Lesen in der Bibel und dem Hören der Predigten in unserer Gemeinde, und dass wir ein hörendes Herz haben (Offb 2:29). Gott prägt uns aber auch auf andere Weise in das Bild Christi. Er lässt Dinge in unserem Leben zu, die uns zunächst befremden, uns Angst machen und in denen wir das Wirken Gottes nicht erkennen können: Siehe, ich wirke Neues! Jetzt sprosst es auf. Erkennt ihr es nicht? (Jes 43:19a)
Mir ist das heutige Losungswort aus Jesaja 43:18-19 zum ersten Mal wichtig geworden, als mein Vater völlig unerwartet in die himmlische Heimat ging – ich war damals 18 Jahre alt und hatte gerade mein Studium begonnen. Was Gott meiner Mutter und uns drei Kindern damals zugemutet hat, konnte ich nicht verstehen. Aber dann sprach Gott zu mir: Siehe, ich wirke Neues! Jetzt sprosst es auf. Erkennst du es nicht?
Dieses Gotteswort ließ mich ruhig werden im Vertrauen darauf, dass Gott keine Fehler macht und dass dieser Umbruch in unserem Familienleben etwas Neues und Gutes zur Folge haben würde. Und ich kann bezeugen, dass Gott uns in unserer Not und in unserer Trauer nie im Stich gelassen hat. Er hat diesen Umbruch, dieses Neue und Unerwartete in meinem Leben und dem meiner Familie zugelassen, um sich als der treue Helfer und Versorger zu beweisen. So wurde diese Erfahrung zu einem Schritt in dem Prozess der Umgestaltung in das Bild Christi (Röm 8:29 / 2Kor 3:18).
Vielleicht befindest du dich gerade in einer Lebenssituation, in der es heißt, von Altem und Vertrautem Abschied nehmen zu müssen und Schritte in fremdes, völlig neues Land zu machen. Vielleicht mutet Gott dir etwas zu, das du nicht verstehst und in dem du das Handeln Gottes nicht erkennen kannst (Spr 3:5-6). Wenn du im Vertrauen auf die nie endende Treue Gottes und seine tiefe Liebe zu dir (Jer 31:3) diese Situation annimmst, dann kannst du erkennen, dass ER es ist, der an dir arbeitet, der dich formen will und der dich dem großen Ziel näher bringt, dem Bild seines Sohnes gleichförmig zu werden. Unser himmlischer Vater will nur das Beste für dich, das hat er versprochen (Röm 8:28). Du darfst getrost das „Frühere" und „Vorige" hinter dir lassen, dich in Gottes Hand fallen lassen und wissen: Er schafft Neues – zu seiner Ehre und dir zugut!
Du, HERR, wollest deine Barmherzigkeit nicht von mir wenden; lass deine Güte und Treue allewege mich behüten.
Gott gebe euch viel Barmherzigkeit und Frieden und Liebe!
Der heutige Losungsvers offenbart ein großes Vertrauen auf Gottes Barmherzigkeit und seine wunderbare Güte. Dieser Psalm weist jedoch eine ungewöhnliche Eigenheit auf. In den ersten Versen beschreibt König David, wie Gott sein Schreien gehört und ihn aus dem Schlamm und der „Grube des Verderbens" gerettet hat (Ps 40:2-3). Der HERR tat dies, indem er Davids Füße auf einen Felsen stellte und ihm ein neues Lied – einen Lobgesang – in den Mund gab.
Doch merkwürdigerweise endet der Psalm mit diesen Worten:
"Es mögen fröhlich sein und sich freuen an dir alle, die dich suchen; es mögen stets sagen: »Groß ist der HERR!«, die deine Rettung lieben. Ich aber bin elend und arm, der Herr denkt an mich. Meine Hilfe und mein Retter bist du; mein Gott, zögere nicht!" (Ps 40:17-18)
Normalerweise ist die Reihenfolge umgekehrt: Zuerst kommt die Not, dann die Bitte um Rettung und schließlich die Befreiung. Warum ist Psalm 40 anders aufgebaut?
Eine mögliche Erklärung wäre, dass David zwischen der erlebten Rettung und dem Verfassen dieses Psalms erneut in eine schwierige Lage geriet. Trotz dieser neuen Bedrängnis bleibt sein Vertrauen in Gottes frühere Hilfe bestehen – es wird zum Fundament seiner gegenwärtigen Hoffnung. Dies zeigt uns: Gottes vergangene Treue kann uns Mut geben, auch in aktuellen Nöten auf ihn zu vertrauen (Röm 8:28).
Davids Gewissheit, dass der HERR ein gnädiger und barmherziger Gott ist, schenkte ihm immer wieder Mut und neue Zuversicht (2Mo 34:6). Ohne das Wissen um einen Gott voller Liebe und Erbarmen gäbe es keine Hoffnung auf Erlösung vom Tod.
David erkannte Gottes Barmherzigkeit aus zwei Quellen: der Geschichte Israels und seiner eigenen Erfahrung. Das ermutigte ihn, weiterhin voller Zuversicht auf Gott zu vertrauen.
Doch Psalm 40 spricht nicht nur von Davids persönlicher Erfahrung. Der Heilige Geist weist über David hinaus und gibt ihm eine neue Erkenntnis – eine messianische Prophetie. Die Verse 7–9 werden in Hebräer 10,5–9 aufgegriffen und auf Jesus Christus bezogen. Dort heißt es:
"Darum spricht er (d.h. Christus), als er in die Welt kommt: »Schlachtopfer und Opfergabe hast du nicht gewollt, einen Leib aber hast du mir bereitet; an Brandopfern und Sündopfern hast du kein Wohlgefallen gefunden. Da sprach ich: Siehe, ich komme – in der Buchrolle steht von mir geschrieben –, um deinen Willen, Gott, zu tun.« Vorher sagt er: »Schlachtopfer und Opfergaben und Brandopfer und Sündopfer hast du nicht gewollt, auch kein Wohlgefallen daran gefunden« – die doch nach dem Gesetz dargebracht werden –; dann sprach er: »Siehe, ich komme, um deinen Willen zu tun« – er nimmt das Erste weg, um das Zweite aufzurichten."
Der Sohn Gottes kam in die Welt, um im menschlichen Leib den Willen Gottes zu erfüllen (Joh 6:38). Dieses Kommen wurde im Alten Bund auf vielfältige Weise vorausgesagt. Darum heißt es: „In der Buchrolle steht von mir geschrieben – um deinen Willen, Gott, zu tun." Gott wollte letztlich keine Tieropfer, sondern den gehorsamen Willen Christi, der das alte Opfersystem ablöst (1Sam 15:22). Der levitische Opferdienst war nur ein Vorbild – ein Schatten – auf das eine wahre Opfer Gottes, das die Sünde der Welt wegtrug (Joh 1:29) / (Hebr 10:1).
Die Hingabe seines Sohnes war der größte Beweis für Gottes Liebe und Barmherzigkeit (Röm 5:8) / (1Jo 4:9-10). Durch dieses stellvertretende Opfer kann Gott sich über jeden Sünder erbarmen – selbst über den größten – ohne dabei ungerecht zu sein (Röm 3:25-26).
Diese wunderbare Liebe und Barmherzigkeit wird uns auch im heutigen Lehrtext zugesprochen (Jud 1:2). Die wörtliche Übersetzung lautet: „Erbarmen euch und Friede und Liebe." Dieser Satz lässt sich daher sowohl als Feststellung als auch als Wunsch übersetzen:
"Erbarmen (ist) euch (gegeben) und Friede und Liebe"
"Erbarmen (sei) euch (gegeben) und Friede und Liebe"
Was David erhoffte, ist uns in Christus geschenkt: Barmherzigkeit, Friede und Liebe. Darum dürfen wir mit Vertrauen leben – und diesen Segen einander weitergeben (2Kor 13:13).
Lobet, ihr Völker, unsern Gott, lasst seinen Ruhm weit erschallen, der unsre Seelen am Leben erhält und lässt unsere Füße nicht gleiten.
Der Gott der Geduld und des Trostes gebe euch, dass ihr einträchtig gesinnt seid untereinander, wie es Christus Jesus entspricht, damit ihr einmütig mit einem Munde Gott lobt, den Vater unseres Herrn Jesus Christus.
Ein gemeinsames, von Herzen kommendes Gebet bewirkt oft Wunderbares und Unerklärliches. Das durften die Engländer während des Zweiten Weltkriegs erleben.
Im Mai 1940 waren über 300.000 britische und alliierte Soldaten bei Dünkirchen eingeschlossen. Der damalige Premierminister Winston Churchill rief am 26. Mai 1940 einen nationalen Gebetstag aus. Im ganzen Vereinigten Königreich – unter anderem in der Westminster Abbey – versammelten sich Tausende Menschen, um Gott um Rettung zu bitten.
Die folgenden Ereignisse wurden von zahlreichen Menschen als bemerkenswert empfunden: Ein dichter Nebel erschwerte die deutschen Luftangriffe, das Meer blieb ungewöhnlich ruhig, und Hunderte zivile Boote halfen bei der Evakuierung. Mehr als 338.000 Soldaten konnten gerettet werden – entgegen vieler militärischer Erwartungen. Für viele Gläubige wurde diese Rettung zu einem eindrücklichen Zeichen dafür, wie Gott auf gemeinsames Gebet antworten kann (Jak 5:16).
So wie damals ein ganzes Volk im Gebet vereint war, braucht auch die christliche Gemeinde diese gemeinsame Ausrichtung auf Gott (Apg 2:42).
Manche Menschen sehen ihre Berufung darin, Gott anzubeten und ihn für seine Größe zu loben. Es gibt auch Gebetsgruppen, die dies als ihre primäre Aufgabe verstehen – nicht als „mühsame religiöse Pflicht", sondern aus Liebe zu Gott. Sie wissen, dass es sich um einen grundlegenden „Gottesdienst" handelt, der viel mehr bewirkt, als man gemeinhin vermutet. Dieser oft unsichtbare Dienst trägt alle anderen Werke der Liebe – auch wenn man es nicht sofort sieht.
Aber nicht nur das: Ein von Herzen kommendes Gotteslob bewirkt, dass wir von uns selbst wegschauen und unseren Blick ganz auf den wunderbaren Herrn Jesus Christus richten (Hebr 12:2). Dabei entsteht ein Staunen, das in Freude und Dankbarkeit übergeht. Dies lässt auch die Liebe zu Gott und unserem Mitmenschen wachsen – ein Kreislauf des Segens (1Jo 4:19)!
Individuelles Gebet und gemeinsames Gotteslob helfen wesentlich dabei, zwischenmenschliche Spannungen zu überwinden. Diese entstehen durch unsere Unterschiedlichkeit, die sich auch auf das Gewissen auswirkt. Paulus beschreibt dieses Konfliktfeld in Römer 14 und 15. Er zeigt auf, wie Christen mit unterschiedlichen Überzeugungen in Glaubensfragen umgehen sollen.
Manche Dinge können einige Gläubige ohne schlechtes Gewissen tun, während dieselbe Handlung bei anderen ein schlechtes Gewissen auslöst. Paulus nennt konkrete Beispiele:
Manche Christen aßen bedenkenlos Fleisch, das möglicherweise Götzen geopfert worden war, während andere aus Gewissensgründen nur Gemüse aßen (Röm 14:2).
Einige – insbesondere jüdische Gläubige – hielten bestimmte Tage (wie den Sabbat oder jüdische Festtage) für besonders wichtig, während andere alle Tage gleich bewerteten (Röm 14:5-6).
Manche enthielten sich völlig des Weins, um nicht anzustoßen oder weil es für sie selbst zu einer Versuchung wurde, während andere in Freiheit tranken (Röm 14:21).
Das unterschiedliche Gewissen hängt mit der Prägung und den gemachten Erfahrungen zusammen. Wenn ein ehemaliger Götzendiener Fleisch aß, erinnerte ihn das an seinen früheren Götzendienst. Das Essen von Fleisch löste bei ihm negative Gefühle aus, weshalb er nicht mehr ohne schlechtes Gewissen Fleisch essen konnte (1Kor 8:7). Andere hingegen können dies ohne schlechtes Gewissen und mit Dankbarkeit tun.
Bei so unterschiedlichen Empfindungen sollten wir aufeinander Rücksicht nehmen. Paulus betont: Weder die „Starken" (die mehr Freiheit haben) noch die „Schwachen" (die aus Gewissensgründen weniger Freiheit haben) sollen verurteilt werden (Röm 14:3). Jeder soll in seiner eigenen Überzeugung fest sein und den anderen in Liebe annehmen – denn Christus hat beide angenommen (Röm 15:7).
Wenn wir trotz unserer Unterschiedlichkeit gemeinsam vor Gott treten und ihn anbeten, rückt das Verbindende in den Vordergrund: unsere gemeinsame Ausrichtung auf Christus (Röm 15:5-6). Gemeinsames Gebet und Gotteslob werden so zum Fundament für Einheit und gegenseitiges Verständnis in der Gemeinde.
HERR, lass mir deine Gnade widerfahren, deine Hilfe nach deinem Wort.
Es kam eine Furcht über sie alle, und sie redeten miteinander und sprachen: Was ist das für ein Wort? Jesus gebietet mit Vollmacht und Gewalt den unreinen Geistern, und sie fahren aus.
Psalm 119 ist das längste Kapitel der Bibel. In kunstvoller Ordnung besingt es in 22 Abschnitten die Schönheit und Kraft von Gottes Wort – kaum ein anderer Text rühmt Gottes Weisungen so intensiv. Jeder Abschnitt beginnt mit demselben Buchstaben des hebräischen Alphabets: Die ersten acht Verse beginnen mit Alef, die nächsten acht mit Beth und so weiter. Der heutige Losungsvers stammt aus dem sechsten Abschnitt, in dem alle Verse mit dem Buchstaben Waw beginnen. Heinz Schumacher schreibt dazu:
"Wieder rühmt der Beter Gottes Wort und Gerichtsurteile und Ordnungen. Wenn er Gegnern zu antworten hat, möchte er auch dann Worte der Wahrheit reden (Ps 119:42-43). Er empfindet ein Leben nach Gottes Ordnungen nicht als Zwang und Einengung, sondern als ein Leben in Freiheit (weitem Raum) (V. 45)."
Viele Menschen empfinden das zuerst einmal anders. Das liegt zum einen daran, dass uns die Bibel einen Spiegel vor Augen hält, der uns zeigt, wie fehlerhaft wir sind. Zum anderen sehen wir etliche Gebote und Anweisungen, die uns scheinbar einschränken, weil wir dann nicht das tun können, was wir wollen.
Aber warum empfand der Psalmist das anders? Weil er erkannte, dass Gottes Wort ihm nicht nur Orientierung gab, sondern auch Schutz und Freiheit schenkte. Die Gebote Gottes sind keine willkürlichen Einschränkungen, sondern Leitplanken auf dem Weg zu einem erfüllten Leben (Ps 119:105). Wenn wir uns an Gottes Wort halten, bewahrt es uns vor Irrwegen und führt uns in die wahre Freiheit (Joh 8:32).
Dass Worte eine große Kraft haben, haben wir wahrscheinlich alle schon erfahren. Die Bibel enthält dazu sehr eindringliche Verse, wie zum Beispiel diese:
"Worte haben Macht: Sie können über Leben und Tod entscheiden. Wer sich gerne reden hört, muss mit den Folgen leben." (Spr 18:21 - HFA)
"Da ist ein Schwätzer, dessen Worte sind wie Schwertstiche; aber die Zunge der Weisen ist Heilung." (Spr 12:18)
Ein einziger böser Satz kann große seelische Schmerzen verursachen. Würde ich einem meiner besten Freunde sagen: „Meine Freundlichkeit dir gegenüber war immer nur vorgetäuscht – in Wirklichkeit habe ich dich immer verachtet!", wäre das wie ein Schwertstich in seine Seele.
Andererseits ist es eine große Herausforderung, Worte zu finden, die beim Gegenüber Heilung für seine verletzte Seele bewirken – oder zumindest einleiten. Letztlich sind es Gottes Worte, die authentisch, mit tiefem Verständnis und aus liebender Wertschätzung ausgesprochen werden müssen.
Der Erschaffer des Menschen weiß am besten, welche Worte wir brauchen, damit unsere Seelen gesund werden. Darum ist es so wichtig und befreiend, die Worte Gottes zu Herzen zu nehmen und weiterzugeben (Ps 119:11).
In Psalm 107:20 heißt es: „Er sandte sein Wort und heilte und errettete sie, dass sie nicht starben." Gottes Wort hat die Kraft zu heilen, Leben zu retten und zu verändern. Jesus ist dieses von Gott gesandte Wort, das die Menschen heilt und rettet.
Das sehen wir auch im Lehrtext, wo Jesus mit Vollmacht den unreinen Geistern gebietet – und sie müssen gehorchen. Durch die Kraft seiner Worte heilte Jesus einen besessenen Menschen.
In Jesus Christus wird sichtbar, was Gottes Wort von Anfang an war: schöpferische Kraft, rettende Gnade und befreiende Wahrheit.
Wenn wir Gottes Wort hören und ihm vertrauen, begegnen wir nicht nur Buchstaben. Wir begegnen dem lebendigen Gott (Hebr 4:12). Sein Wort richtet auf, schenkt Gnade und führt uns in die wahre Freiheit. Durch sein Wort werden wir gesund – nicht zuletzt deshalb, weil es uns Gnade und Wahrheit vermittelt (Joh 1:17).
Durch das Wort Gottes erkennen wir die Schönheit seiner Gnade, Liebe und Barmherzigkeit, was tiefe und bleibende Freude sowie Dankbarkeit auslöst (Ps 119:162). Wer dem Wort Gottes Raum gibt, erlebt Freiheit statt Enge – und Gnade statt Verdammnis (Röm 8:1).
Hier noch das schöne Lied:
Das sind Worte voll Weisheit
Was verborgen ist, ist des HERRN, unseres Gottes; was aber offenbart ist, das gilt uns und unsern Kindern ewiglich.
Sie sollen das Geheimnis Gottes erkennen: Christus. In ihm sind alle Schätze der Weisheit und Erkenntnis verborgen.
Jedes Kind ist von Natur aus neugierig. Es will wissen, wie die Dinge funktionieren, warum etwas so ist und was hinter verschlossenen Türen liegt. Diese Neugier ist ein Geschenk Gottes – sie treibt uns an zu lernen und die Welt zu entdecken. Man könnte sagen: Die Neugier ist der Motor des Lernens. Sie lässt uns so manches Wunder entdecken. Ohne sie wären die vielen Wissenschaften, die unser Wissen erweitern, wohl kaum entstanden. Doch je mehr wir erforschen, desto mehr Fragen und Rätsel tun sich auf.
König Salomo sagte ein sehr aufschlussreiches Wort:
"Gottes Ehre ist es, eine Sache zu verbergen, aber die Ehre der Könige, eine Sache zu erforschen." (Spr 25:2)
Der allmächtige Gott verbirgt viele Dinge bewusst — aus verschiedenen Gründen. Nur er überblickt in seiner Weisheit und Heiligkeit die ganze Heilsgeschichte. Wir können sie nicht fassen. Das ist ein Grund, warum wir nicht alle Geheimnisse ergründen können.
Ein weiterer Grund ist unsere begrenzte Reife. Würde ich mit meinem sechsjährigen Enkel die gleichen Dinge besprechen wie mit meiner 42-jährigen Tochter, wäre er völlig überfordert. Mehr noch: Ich würde seinen gesunden Entwicklungsprozess gefährden. Genau deshalb sagte Jesus zu seinen Jüngern:
"Noch vieles habe ich euch zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht tragen." (Joh 16:12).
Gott offenbart uns seine Wahrheiten schrittweise – entsprechend unserer geistlichen Reife (1Kor 3:2). Was heute noch verborgen ist, kann morgen zu einer kostbaren Erkenntnis werden.
Doch es gibt einen entscheidenden Schlüssel, um Gottes Geheimnisse entdecken zu können. Wir finden ihn in Psalm 25:14, wo es heißt:
"Das Geheimnis des HERRN ist für die, welche ihn fürchten, …"
Durch Respekt und Ehrfurcht vor Gottes Wort öffnen wir die Tür zu den Geheimnissen Gottes (Spr 1:7). Natürlich offenbart uns Gott auch dann noch nicht alle seine Geheimnisse, weil sie uns überfordern würden und wir sie in unserer Begrenztheit gar nicht ertragen könnten. Vieles verstehen und entdecken wir erst dann, wenn wir bei ihm sind (1Kor 13:12).
Paulus berichtet von einem Menschen, der in den dritten Himmel entrückt wurde. Dieser Mensch hörte unaussprechliche Worte – Worte, die ein Mensch nicht aussprechen darf (2Kor 12:4). Warum? Weil wir unter anderem noch nicht reif dafür sind.
Statt zu akzeptieren, dass Gott uns nur die Geheimnisse offenbart, die wir ertragen können, versuchen wir manchmal, sie mit Mitteln zu ergründen, die uns letztlich schaden. Es gibt viele Angebote, die scheinbar außergewöhnliches Geheimwissen versprechen – vor allem mehr Macht und Ansehen. Ich denke da an alle möglichen Geheimlehren außerhalb der Bibel: die Kabbala, die Esoterik, den Okkultismus, den Schamanismus und Totenbeschwörungen (5Mo 18:10-12).
Paulus warnt im Kolosserbrief vor jüdischer Gesetzlichkeit (Kol 2:16), griechischer Philosophie (Kol 2:8) und mystischer Engelverehrung (Kol 2:18). Selbst in christlichen Kreisen spekuliert man über geheimnisvolle Sonderlehren, die sich scheinbar aus der Bibel ableiten lassen – nur um sich damit ins Rampenlicht zu stellen. Man will den anderen zeigen, dass man zu einer besonderen „Elite" innerhalb des Leibes Jesu gehört. Solche Verhaltensweisen sind menschlich und alles andere als geistlich!
Diese Dinge erwecken nur den Anschein von Weisheit und führen letztlich in die Irre (Kol 2:23). Warum? Weil sie nicht von dem stammen, der uns geschaffen hat. Nur derjenige, der das Leben in Person ist, kann uns zum Leben führen und uns das göttliche Leben schenken (Joh 14:6).
Deshalb schreibt Paulus ganz klar: Das größte aller Geheimnisse ist Christus (Kol 2:2-3)! Wer ihn hat, hat auch alle Schätze der Weisheit und Erkenntnis. Gott offenbart uns heute noch nicht jedes Geheimnis. Doch das größte und wichtigste Geheimnis hat er uns geoffenbart: Christus wohnt in uns, und dadurch dürfen wir die Hoffnung auf die künftige Herrlichkeit besitzen (Kol 1:27). Diese Herrlichkeit übersteigt jede Vorstellungskraft (1Kor 2:9).
Lasst uns die Geheimnisse erforschen, die Gott uns in seinem Wort gegeben hat (Ps 119:18). Gott hat uns nicht alles erklärt – aber er hat uns sich selbst und damit alles gegeben (Röm 8:32).
Siehe, ich will meinen Engel senden, der vor mir her den Weg bereiten soll.
Der Menschensohn wird die Engel senden und wird seine Auserwählten versammeln von den vier Winden, vom Ende der Erde bis zum Ende des Himmels.
In biblischen Zeiten – und weit darüber hinaus – kündigten Gesandte eines Königs das baldige Kommen ihres Herrschers an. Boten eilten voraus, um die Straßen zu ebnen und die Menschen auf die Ankunft vorzubereiten. Heute, wo die Straßen bereits vorhanden sind, wird Staatsoberhäuptern stattdessen oft ein roter Teppich ausgerollt.
Die heutigen Verse sprechen von Engeln, die das Kommen des HERRN vorbereiten. Sowohl der hebräische Begriff malak als auch das griechische Wort angelos bezeichnen einen Boten oder Gesandten. Meist handelt es sich um himmlische Boten Gottes, die in seinem Auftrag eine Botschaft überbringen oder andere Befehle des Höchsten ausführen (Ps 103:20). Die Bibel berichtet umfangreich über diese übernatürlichen Wesen – nicht zuletzt deshalb, weil es Gott ein Anliegen ist, dass wir Menschen wissen: Vieles, was passiert, hat seine Ursache in der unsichtbaren Welt (Eph 6:12 / Dan 10:13).
Doch malak und angelos bezeichnen nicht immer himmlische Wesen – manchmal sind auch menschliche Boten gemeint. So auch im heutigen Losungstext. Der HERR kündigt hier seinen Boten an, der ihm den Weg bereitet. Das Neue Testament verbindet diesen Vers mit Johannes dem Täufer (Mt 11:10, Mk 1:2, Lk 7:27). Seine Aufgabe war es, den Weg zu bereiten – eine Anspielung an Jesaja 40:3-4, wo es heißt:
„Eine Stimme ruft: In der Wüste bahnt den Weg des HERRN! Ebnet in der Steppe eine Straße für unseren Gott! Jedes Tal soll erhöht und jeder Berg und Hügel erniedrigt werden! Und das Unebene soll zur Ebene werden und das Hügelige zur Talebene!"
Damit ein König mit seinem ganzen Tross in eine Stadt einziehen konnte, musste eine Straße vorbereitet werden – Unebenheiten wurden beseitigt. Doch in der Bibel ist dieses Bild eine Metapher für die Veränderung der Herzen, und eine solche ist für das Kommen des HERRN entscheidend. Damit der HERR kommen kann, müssen wir unsere Herzen vom Heiligen Geist verändern lassen – unsere Haltung und unsere Motive (Hes 36:26 / Röm 12:2).
Aber was bedeutet das im Zusammenhang mit der Einebnung einer Straße? Hochmütige und stolze Herzen sollen sich erniedrigen, demütigen und Buße tun (Jak 4:10 / 1Petr 5:6). Überhebliche Herzen sollen umkehren und sich ein ganz neues Denken aneignen (Apg 3:19). Sie sollen sich vom sanftmütigen und demütigen Wesen der Boten Gottes inspirieren und verändern lassen. Das waren einerseits die Propheten und im höchsten Maß der Herr Jesus selbst, der von sich sagte, dass er von Herzen demütig und sanftmütig ist (Mt 11:29).
Es gibt aber auch vieles, das in unserem Denken einen zu niedrigen Stellenwert hat und nun erhöht werden soll. Dazu gehören die Nächstenliebe (Mt 22:39), die Barmherzigkeit (Mi 6:8), die Vergebungsbereitschaft (Eph 4:32) und die Hingabe an Gott (Röm 12:1). Diese Eigenschaften sind in Gottes Augen von größter Bedeutung. Sie sollen in unserem Leben einen zentralen Platz einnehmen und praktisch gelebt werden.
Bevor der Herr Jesus kommen konnte, musste Johannes der Täufer die Menschen zur Umkehr aufrufen und ihre Herzen erneuern (Mt 3:2). Nur so konnten sie den HERRN der Herrlichkeit erkennen und annehmen (Joh 1:11-12).
Der heutige Lehrtext spricht von der Wiederkunft des HERRN mit großer Macht und Herrlichkeit (Mt 24:30). Dann werden die himmlischen Boten Gottes ausgesandt, um die Auserwählten des HERRN zu versammeln. Diese werden ihre Herzen vorbereitet haben, um am Ende dieses Zeitalters vor dem HERRN erscheinen zu können. Meiner Meinung nach findet zuvor jedoch noch die Entrückung der Gemeinde Jesu statt (1Thes 4:16-17). Auch hier gilt: Wir müssen unsere Herzen von Gott verändern und vorbereiten lassen.
Doch wie sieht es mit unserem Herzen aus? Ist der Weg für den kommenden König geebnet? Das geschieht, indem wir unser Denken durch das Wort Gottes und den Heiligen Geist erneuern lassen (2Kor 3:18). Ein verändertes Herz zeigt sich daran, dass wir nur noch zur Ehre Gottes leben und für unsere Mitmenschen zum Segen werden wollen (1Kor 10:31 / Gal 5:13).
Möge der HERR unsere Herzen so verändern, dass wir bereit sind, wenn er schon bald kommt (Mt 24:44 / 1Jo 3:2-3)!
Josefs Brüder baten ihn: Nun vergib doch diese Missetat uns, den Dienern des Gottes deines Vaters!
Seid untereinander freundlich und herzlich und vergebt einer dem andern, wie auch Gott euch vergeben hat in Christus.
War es für Jesus schwer, am Kreuz zu rufen:
„Vater, vergib ihnen; denn sie wissen nicht, was sie tun" (Lk 23:34)?
Als Unschuldiger wurde er verleumdet, verspottet und unsagbar gequält – obwohl er doch der größte Wohltäter war. Er heilte unzählige Kranke, tröstete Zerbrochene und brachte die rettende Botschaft Gottes. Jesus war der Segen Gottes in Person. Und doch behandelte man ihn wie einen Verbrecher.
Aus menschlicher Sicht scheint es nahezu unmöglich, in einer solchen Situation zu vergeben. Das Leiden am Kreuz war unfassbar. Noch schwerer wog vermutlich das Gefühl der Gottverlassenheit (Mt 27:46). Doch ob ihm die Vergebung selbst schwerfiel, können wir nicht einfach mit unserem Empfinden beantworten.
Als Mensch, der manchmal Wut und Bitterkeit verspürt, würde ich sagen: „Ja, in dieser Situation musste es sehr schwer gewesen sein, seinen Peinigern zu vergeben!" Aber war es das auch für ihn?
Wir neigen dazu, unsere eigenen Gefühle auf ihn zu übertragen. Uns fällt Vergebung schwer, weil wir Wut, Bitterkeit oder sogar Hass verspüren. Jesus jedoch liebte vollkommen – auch im Leiden (Joh 13:1). Seine Bitte um Vergebung war kein Ringen gegen Hass, sondern Ausdruck seines Wesens.
Aus unserer Wut entsteht manchmal der Wunsch nach Vergeltung. Vielleicht möchten wir uns an demjenigen rächen, der uns verletzt hat – indem wir ihm die Vergebung verweigern.
Auch Josef hätte allen Grund gehabt, sich an seinen Brüdern zu rächen. Sie hatten ihn als Sklave verkauft, und er verbrachte jahrelang in einem ägyptischen Gefängnis (1Mo 37:28). Im Gegensatz zu Jesus war Josef ein fehlerhafter Mensch. Vielleicht kämpfte er zeitweise mit Gefühlen wie Wut und Bitterkeit. Aber durch eine bewusste Entscheidung zur Vergebung konnte er diese überwinden. So verspürte er auch kein Bedürfnis mehr, sich an seinen Brüdern zu rächen.
Genau das befürchteten seine Brüder jedoch, nachdem ihr Vater Jakob starb. Deshalb baten sie Josef: „Nun vergib doch diese Missetat uns, den Dienern des Gottes deines Vaters!" (1Mo 50:17)
Diese Bitte machte Josef traurig. Sie zeigte ihm, dass seine Brüder ihn noch nicht richtig erkannt hatten. Sie hatten nicht begriffen, dass Josef ihnen längst vergeben hatte und sie von Herzen liebte – obwohl sie ihn so sehr verletzt hatten (1Mo 50:19-21).
Vergeben fällt manchmal so schwer, weil man nach einer tiefen Verletzung Wut verspürt. Die Entscheidung zu vergeben kann sich dann heuchlerisch anfühlen – schließlich ist der Wunsch nach Rache viel stärker.
Doch gerade die Entscheidung zu vergeben – obwohl man noch Wut verspürt – ist die Grundlage, um sich von aufsteigender Bitterkeit zu befreien. Das ist das Geheimnis der Vergebung: Sie befreit uns, trägt zur Heilung unserer Seele bei und schenkt uns einen wunderbaren Herzensfrieden (Mt 6:14-15). Wenn wir vergeben, tun wir uns zuallererst selbst einen Gefallen. Gleichzeitig schaffen wir die Voraussetzung für eine Versöhnung.
So wie echte Liebe, so ist auch die Vergebung eine bewusste Entscheidung – unabhängig von unseren Gefühlen (Eph 4:32).
Möge uns der HERR dazu Gnade schenken.
Der das Leben seiner Getreuen behütet, wird sie retten aus der Hand der Frevler.
So hatte nun die Gemeinde Frieden in ganz Judäa und Galiläa und Samarien und baute sich auf und lebte in der Furcht des Herrn und mehrte sich unter dem Beistand des Heiligen Geistes.
Was gibt einem Menschen echten Frieden — selbst im Angesicht von Gericht oder Chaos? Es ist das wunderbare Bewusstsein, von Gott gerettet und durch den Beistand des Heiligen Geistes behütet zu sein. Dieses Bewusstsein schenkt Frieden und Freude — gerade auch dann, wenn der HERR zum Gericht kommt, wie es in Psalm 97 beschrieben wird.
Die ersten neun Verse beschreiben mit eindrücklichen Worten Gottes Erhabenheit. Die letzten drei Verse erwähnen die Gottesfürchtigen und Verheißungen für sie:
"Die ihr den HERRN liebt, hasst das Böse! Er bewahrt die Seelen seiner Frommen. Aus der Hand der Gottlosen errettet er sie. Licht ist dem Gerechten gesät, und Freude den von Herzen Aufrichtigen. Freut euch, ihr Gerechten, im HERRN, und preist sein heiliges Gedächtnis!" (Ps 97:10-12)
Die Gerechten und Frommen zeichnen sich durch Gottesfurcht und Vertrauen auf den HERRN aus. Wer die große Liebe Gottes erkannt und erfahren hat, ist von tiefer Ehrfurcht erfüllt. Dadurch kann er darauf vertrauen, dass Gott ihn aus der Hand des Bösen retten wird.
Für manche hat der Begriff „Gottesfurcht" einen negativen Beigeschmack, weil sie ihn mit der Angst vor einem zornigen Gott verbinden. Sie können sich kaum vorstellen, wie man einen solchen Gott wirklich lieben kann, da sie denken, dass man ihm ohnehin nicht genügen kann.
Böse und rücksichtslose Menschen sollten tatsächlich den Zorn Gottes fürchten – das wäre ein erster Schritt zur Umkehr. Doch meistens tun sie das nicht, weil sie entweder nicht an seine Existenz glauben oder nicht damit rechnen, jemals für ihren Lebensstil Rechenschaft ablegen zu müssen.
Wer als Sünder umgekehrt ist, Gottes Vergebung angenommen hat und aus Liebe leben will, muss den Zorn Gottes nicht mehr fürchten (Röm 8:1). Aber er hat Ehrfurcht und Respekt vor ihm.
Ohne eine ehrfürchtige Beziehung zu Gott hat man noch nicht begonnen, weise zu werden – denn dadurch ignoriert man die größte Macht im Universum. Darum heißt es in der Bibel, dass die Furcht des HERRN der Weisheit Anfang ist (Spr 1:7). Jesus, der sich vollkommen von seinem Vater geliebt wusste, hatte Wohlgefallen an der Furcht des HERRN (Jes 11:3). Das zeigt, dass Gottesfurcht und eine innige Liebe zu Gott einander nicht ausschließen. Die Bibel nennt mehrere Eigenschaften der Gottesfurcht. Eine davon finden wir in Spr 8:13. Dort heißt es:
"Die Furcht des HERRN ist: das Böse hassen. Stolz und Hochmut und den Weg des Bösen und den Mund der Verkehrtheit hasse ich."
Gottesfurcht bedeutet also auch, das Böse zu hassen – zuallererst das Böse in uns selbst. Wenn wir Stolz, Hochmut und Unehrlichkeit bei uns entdecken, sollten wir diese Eigenschaften verabscheuen. Wer dem Guten nachjagt, will lieben, wahrhaftig sein und aus der Wertschätzung leben (Mi 6:8).
Wie kann das im Alltag aussehen? Eine ehrfürchtige Beziehung zu Gott zeigt sich nicht nur in großen Entscheidungen, sondern oft in kleinen Momenten des täglichen Lebens. Wer das Böse hasst, entscheidet sich zum Beispiel bewusst gegen verletzende Worte, auch wenn Ärger oder Enttäuschung groß sind (Eph 4:29). Er widersteht der Versuchung, sich über andere zu erheben oder hinter ihrem Rücken schlecht zu reden. Stattdessen sucht er Versöhnung, spricht ehrlich und übernimmt Verantwortung für eigene Fehler (Mt 5:23-24).
Auch im Umgang mit Erfolg oder Anerkennung zeigt sich Gottesfurcht: Wer sich seiner Abhängigkeit von Gott bewusst ist, bleibt demütig und dankbar (Jak 4:6). Und wenn niemand zuschaut – etwa bei der Arbeit, im Umgang mit Geld oder in persönlichen Beziehungen – entscheidet sich ein Mensch mit Gottesfurcht für Ehrlichkeit statt für den einfachen, aber falschen Weg (Kol 3:23).
So wird Gottesfurcht sichtbar: nicht als Angst, sondern als eine Haltung, die den Alltag prägt und in konkreten Handlungen Ausdruck findet.
Genau diese Haltung sehen wir auch im Leben der frühen Gemeinde. In der Apostelgeschichte wird beschrieben, wie die Gemeinde nach der Verfolgung durch Saulus und seiner Bekehrung eine Zeit des Friedens erlebte. Sie wuchs zahlenmäßig und geistlich – durch das Leben in der Furcht des Herrn und unter dem Beistand des Heiligen Geistes (Apg 9:31).
Auch heute gilt: Wer in Gottesfurcht lebt, wird bewahrt und gerettet (Ps 97:10). Doch das ist nicht alles. Er trägt auch zum Aufbau der Gemeinde bei – indem er eine Atmosphäre gegenseitiger Wertschätzung schafft, die wächst, je mehr Mitglieder sich darum bemühen. Der HERR schenkt Licht und Freude denen, die aufrichtig sind, ihn ernst nehmen und ihm vertrauen (Ps 97:11).
Werdet ihr der Stimme des HERRN nicht gehorchen, so wird die Hand des HERRN gegen euch sein wie gegen eure Väter.
Wie ihr nun Christus Jesus, den Herrn, angenommen habt, so lebt nun auch in ihm: verwurzelt in ihm und aufgebaut auf diesem Fundament, gefestigt im Glauben, so wie ihr unterrichtet worden seid.
In der Bibel bedeutet Auserwählung zuerst Berufung zu einer Aufgabe – nicht automatisch Privileg. Für manche Juden heute ist der Gedanke, zum „auserwählten Volk" zu gehören, ambivalent (5Mo 7:6). Das ist verständlich, denn ihre Identität – die sie sich nicht selbst gewählt haben – bereitet ihnen immer wieder Probleme. Der weltweite Antisemitismus führt dazu, dass sie oft ausgegrenzt, bedroht oder angefeindet werden. Dies geschieht nicht wegen ihres Verhaltens, sondern allein wegen ihrer Herkunft. Darum sehnen sich manche Israelis danach, einfach so zu sein wie alle anderen Menschen auch.
Dieser Wunsch, wie alle anderen Nationen zu sein, zeigte sich bereits gegen Ende der Richterzeit. Damals wurde deutlich, dass Samuel das Volk Israel nicht mehr lange führen würde. Die Ältesten sagten zu ihm:
"Siehe, du bist alt geworden, und deine Söhne wandeln nicht in deinen Wegen. Nun setze über uns doch einen König, uns zu richten, wie es bei allen Nationen ist!" (1Sam 8:5)
Das gefiel Samuel nicht. Doch der HERR sprach zu ihm: „Höre auf die Stimme des Volkes in allem, was sie dir sagen! Denn nicht dich haben sie verworfen, sondern mich haben sie verworfen, dass ich nicht König über sie sein soll." (1Sam 8:7) Warum war das so? Der HERR stellt fest: „Weil sie lieber anderen Göttern als dem HERRN dienen wollen!" (1Sam 8:8) Die anderen Völker hatten Götter und auch Könige, die man anschauen konnte, während Jahweh ein unsichtbarer Gott und König war.
Nachdem Saul zum König über Israel eingesetzt worden war, hielt Samuel seine Abschiedspredigt und stellte fest:
"Siehe, ich habe auf eure Stimme gehört in allem, was ihr zu mir gesagt habt, und habe einen König über euch gesetzt." (1Sam 12:1)
Gott kam seinem Volk also entgegen und gab ihnen den gewünschten König. Doch dieser würde vom Volk auch einiges abverlangen – wie aus dem ganzen Kapitel 12 ersichtlich wird. Die Tatsache, dass sie nun einen König hatten, entband sie nicht von der Verantwortung, weiterhin dem HERRN als ihrem Gott zu gehorchen. Deshalb warnte Samuel sie mit den Worten:
"Wenn ihr den HERRN fürchtet und ihm dient, auf seine Stimme hört und dem Mund des HERRN nicht widerspenstig seid und wenn ihr und der König, der über euch regiert, dem HERRN, eurem Gott, nachfolgt, so wird der HERR mit euch sein! Wenn ihr aber nicht auf die Stimme des HERRN hört und dem Mund des HERRN widerspenstig seid, so wird die Hand des HERRN gegen euch sein wie gegen eure Väter." (1Sam 12:14-15)
Wie Samuel Israel aufrief, dem HERRN nachzufolgen, so ruft Jesus Christus uns auf, ihm nachzufolgen (Mt 4:19). Wer diesen Ruf hört und Jesus Christus als Herrn annimmt, darf sich als Auserwählter Gottes erkennen (1Petr 2:9). Das ist ein unfassbares Privileg – dadurch dürfen wir Kinder Gottes sein (Joh 1:12). Doch Nachfolge bringt Widerstand und kann auch als Last empfunden werden: Juden leiden unter Antisemitismus und so mancher Nachfolger Jesu leidet unter Verfolgung. Laut Open Doors gibt es mittlerweile 388 Mio. Christen, die unter Diskriminierung zu leiden haben.
Umso wichtiger ist es, dass wir uns ganz in Christus bergen und in ihm leben (Kol 2:6-7). Dazu gehört, dass unser Vertrauen tief in Jesus verwurzelt ist und unser Glaube auf einem unerschütterlichen Fundament steht – unabhängig von äußeren Umständen. Doch wie gelingt das?
Paulus gibt uns hier drei wichtige Hinweise: Erstens müssen wir in Christus verwurzelt sein – das heißt, unsere Beziehung zu ihm muss tief und beständig sein, wie die Wurzeln eines Baumes, die ihn nähren und stabilisieren. Zweitens sollen wir auf diesem Fundament aufgebaut werden – indem wir uns kontinuierlich mit seinem Wort beschäftigen und es in unserem Leben anwenden (Ps 119:105). Drittens werden wir durch Unterweisung im Glauben gefestigt – durch regelmäßiges Studium der Schrift, Gebet und Gemeinschaft mit anderen Gläubigen (Hebr 10:24-25).
Möge der HERR uns dazu Gnade schenken!
Ich tilge deine Missetat wie eine Wolke und deine Sünden wie den Nebel. Kehre dich zu mir, denn ich erlöse dich!
Ihr wisst, dass Jesus Christus erschienen ist, damit er die Sünden wegnehme, und in ihm ist keine Sünde.
Nach der schrecklichen Brandkatastrophe von Crans-Montana, bei der 41 Menschen starben und über 100 verletzt wurden, stellt sich die Frage: „Wer trägt die Schuld und wie hoch ist der jeweilige Anteil?" War es das Personal, die Barbetreiber, der Brandschutzbeauftragte oder die Gemeinde? Möglicherweise haben alle durch Nachlässigkeit Schuld auf sich geladen. Die Gerichte müssen nun bestimmen, wer wie viel Entschädigung zahlen muss.
Stellen wir uns vor, ein Milliardär würde auftreten und sagen: „Ich bezahle alle finanziellen Forderungen!" Dann wären alle schuldenfrei — zumindest finanziell. Die moralische Schuld wäre dadurch allerdings nicht beseitigt. Angesichts der unsagbaren körperlichen und seelischen Verletzungen ist eine Schuld entstanden, die nicht mit Geld gelöscht werden kann. Auch eine Gefängnisstrafe kann die moralische Schuld nicht wirklich tilgen.
Wie anders ist es mit der Schuld, die wir vor Gott haben! Gott verspricht uns durch den Propheten Jesaja, dass er unsere Missetat wie eine Wolke tilgt und unsere Sünden wie den Nebel. Im hebräischen Grundtext steht hier wörtlich: „Ich habe deine Verbrechen ausgelöscht wie einen Nebel" oder „Ich wischte deine Missetaten wie eine Wolke weg".
Christen wissen, wo und wann die große Schuld der ganzen Welt beseitigt wurde: am Kreuz, wo der Sohn Gottes alle Schuld auf sich lud und für alle starb (1Petr 2:24). Jesaja hatte dieses Ereignis bereits im 53. Kapitel prophezeit. Darum erstaunt es, dass der HERR im heutigen Losungstext durch Jesaja verkündigt, Gott habe die Verbrechen Israels bereits ausgelöscht — obwohl der Opfertod Jesu noch bevorstand.
Dahinter steht ein sprachliches Phänomen des Hebräischen: Zukünftige Ereignisse werden manchmal in einer abgeschlossenen Verbform beschrieben, weil sie aus Gottes Sicht so gewiss sind, dass sie wie bereits erfüllt erscheinen. Man nennt dies „prophetisches Perfekt" (siehe dazu auch Jes 53:5).
Gott spricht also aus seiner Perspektive der Gewissheit. Was er beschlossen hat, gilt als vollendete Realität — auch wenn seine Erfüllung in der Geschichte noch bevorsteht (Jes 46:10). So wird verständlich, warum Jesaja von bereits ausgelöschter Schuld sprechen kann, obwohl das Kreuz noch Jahrhunderte entfernt war.
Dennoch stelle ich mir die Frage: „Warum kann ein einziges Opfer die Schuld der ganzen Welt auslöschen?" Die Antwort ist vielschichtig und lässt sich kaum in wenigen Sätzen beschreiben. Trotzdem versuche ich hier, eine Antwort zu geben:
Als Erschaffer des Menschen und als universaler Gesetzgeber kann Gott auch festlegen, was es braucht, damit die gesamte Schuld der Welt ausgelöscht werden kann (1Mo 1:27 / Ps 19:8-10). Jede Sünde, die wir gegen einen Mitmenschen begehen, ist auch eine Verfehlung gegen Gott, weil er jeden Menschen schuf und sich mit jedem Menschen identifiziert (Ps 51:6 / Mt 25:40).
Das Opfer Gottes ist nicht nur Mensch, sondern Gottes Sohn – von unendlichem Wert. Ein Opfer von göttlicher Natur hat unendliche Wirkkraft (Joh 1:1 / Kol 1:15-20). Darum konnte Jesus als unschuldiger Stellvertreter für alle Menschen eintreten. Er nahm die Strafe auf sich, die wir verdient hätten (Jes 53:5-6 / 2Kor 5:21). Im Gegensatz zu den wiederholten Tieropfern des Alten Bundes war Jesu Opfer ein für alle Mal vollkommen und ausreichend (Hebr 10:10-14). Am Kreuz begegnen sich Gottes heilige Gerechtigkeit (eine Schuld muss beglichen werden) und seine unendliche Liebe (er selbst trägt die Schuld und Sünde) (Röm 3:25-26). Weil das Wort Gottes bezeugt, dass Christi Opfer für alle Menschen und für alle Sünden ausreicht, dürfen wir dies auch mit dankbarem Herzen glauben und annehmen (1Jo 2:2 / 1Tim 2:6).
Weder Geldzahlungen noch eine abgesessene Gefängnisstrafe können von moralischer Schuld befreien. Auch gute Taten können es nicht — aber Gott hat es durch den Opfertod seines Sohnes getan (Eph 2:8-9 / Tit 3:5). Darum ist uns vergeben, wenn wir unsere Schuld nicht nur erkennen, sondern auch vor Gott bekennen (1Jo 1:9).
Ist nicht Ephraim mein teurer Sohn und mein liebes Kind? Denn sooft ich ihm auch drohe, muss ich doch seiner gedenken; darum bricht mir mein Herz, dass ich mich seiner erbarmen muss, spricht der HERR.
Gott hat sein Volk nicht verstoßen, das er zuvor erwählt hat.
Als Vater von vier erwachsenen Kindern habe ich keines weniger geliebt. Dennoch gab es immer wieder Phasen, in denen eines meiner Kinder mehr Aufmerksamkeit und auch mehr Korrektur brauchte. Vielleicht fühlte es sich in solchen Momenten weniger geliebt – doch in Wahrheit war oft das Gegenteil der Fall: Gerade das Kind, das mir Sorgen machte, beschäftigte mein Herz besonders. Ich dachte intensiver darüber nach, wie ich ihm helfen konnte. Mehr Korrektur bedeutete nicht weniger Liebe, sondern eine Liebe, die genauer hinsieht.
Ephraim — der im Losungstext aus Jeremia 31 als Bild für die zehn Stämme Israels steht — war für Gott wie ein „Sorgenkind", das er intensiv liebte. Der Vers schildert Gottes starke väterliche Empfindungen. Die Elberfelder Bibel übersetzt ihn so:
"Ist mir Ephraim ein teurer Sohn oder ein Kind, an dem ich Freude habe? Denn sooft ich auch gegen ihn geredet habe, muss ich ⟨doch⟩ immer wieder an ihn denken. Darum ist mein Innerstes (w. meine Eingeweide) um ihn erregt. Ich muss mich über ihn erbarmen, spricht der HERR."
Die wörtliche Übersetzung „Meine Eingeweide sind tumultartig erregt" zeigt, wie stark Gottes innerste Gefühle als Vater Ephraims bewegt waren. Es ist bemerkenswert, dass die Bibel Gott solch intensive, geradezu körperliche Emotionen zuschreibt. Gott entscheidet sich aus seinem Wesen heraus immer wieder zum Erbarmen – aus tiefer Liebe. Gleichzeitig bereitet Ephraim ihm großen Kummer, weil er sich dem Götzendienst und der Gottlosigkeit verschrieben hat.
Trotz des Vollzugs seiner Strafgerichte an Ephraim war der himmlische Vater voller Mitgefühl. Er kann letztendlich gar nicht anders, als sich über seinen „Sohn" zu erbarmen. Das erinnert an eine Aussage aus dem Jakobusbrief: “Die Barmherzigkeit triumphiert über das Gericht.” (Jak 2:13)
Der Vers in der Losung endet mit der Aussage: „gewiss werde ich mich erbarmen" oder „mich erbarmend erbarme ich mich". Das Verb racham stammt von derselben Wurzel wie „Mutterleib" (rechem) und drückt Gottes tiefes, mütterliches Erbarmen aus.
Wer Gottes Herz in Jeremia 31 sieht, wird sich über Paulus' leidenschaftliche Worte in Römer 9–11 nicht wundern. Der Gott, dessen Innerstes sich über Ephraim bewegt, ist derselbe Gott, der auch in der Heilsgeschichte mit Israel und den Heiden treu bleibt – selbst dort, wo sein Volk untreu wird. In der Heilsgeschichte macht er zwar einen Einschub, in dem er auch Heiden – also nichtjüdische Völker – in seinen Heilsplan einbezieht. Diese Zuwendung zu den Heiden deutete der HERR bereits in 5. Mose 32:21 an, als er Folgendes prophezeite:
„Sie haben mich zur Eifersucht gereizt durch einen Nicht-Gott, haben mich gekränkt durch ihre Nichtigkeiten; so will auch ich sie zur Eifersucht reizen durch ein Nicht-Volk, durch eine törichte Nation will ich sie kränken."
Und Paulus zitiert in Römer 10:20 Jesaja 65:1, wo es heißt:
„Ich war zu erfragen für die, die nicht ⟨nach mir⟩ fragten; ich war zu finden für die, die mich nicht suchten. Ich sprach: Hier bin ich, hier bin ich!, zu einer Nation, die meinen Namen nicht anrief."
Solche Aussagen haben manchmal dazu geführt, dass einige Ausleger fälschlicherweise annahmen, Gott habe die Juden für immer verstoßen. Paulus widerspricht dem in Römer 11 entschieden! Er schreibt:
„Hat Gott etwa sein Volk verstoßen? Auf keinen Fall! Denn auch ich bin ein Israelit aus der Nachkommenschaft Abrahams, vom Stamm Benjamin. Gott hat sein Volk nicht verstoßen, das er vorher erkannt hat." (Röm 11:1-2)
Gott bleibt treu! Auch wenn er sein Volk aufgrund seiner Treulosigkeit durch Gerichte führt, kann er nicht anders, als sich am Ende zu erbarmen. Deshalb kommt Paulus gegen Ende von Römer 11 zu dem Schluss:
„Denn Gott hat alle zusammen in den Ungehorsam eingeschlossen, damit er sich aller erbarmt. Welche Tiefe des Reichtums, sowohl der Weisheit als auch der Erkenntnis Gottes! Wie unerforschlich sind seine Gerichte und unaufspürbar seine Wege! … Denn aus ihm und durch ihn und zu ihm hin sind alle Dinge! Ihm sei die Herrlichkeit in Ewigkeit! Amen." (Röm 11:32-36)
Infolge dieser wunderbaren Verheißungen dürfen wir mit Hoffnung leben – für uns selbst und für andere. Wir dürfen geduldig lieben, weil Gott geduldig mit uns ist. Und wir dürfen staunen über einen Gott, dessen Wege wir nicht immer verstehen, dessen Erbarmen aber das letzte Wort behält.
Jakob sprach: HERR, ich bin zu gering aller Barmherzigkeit und aller Treue, die du an deinem Knechte getan hast.
Paulus schreibt: Mir ist Barmherzigkeit widerfahren, dass Christus Jesus an mir als Erstem alle Geduld erweise, zum Vorbild denen, die an ihn glauben sollten zum ewigen Leben.
Wie oft habe ich im Gebet schon gefragt: „Lieber himmlischer Vater, warum hast du gerade mich erwählt, dein Kind zu sein?" (Eph 1:4-5) Aus meiner Sicht gab es keinen Grund dafür. Als Teenager waren mir die betenden Christen nicht sonderlich sympathisch – ich empfand sie als „fromme Heuchler", die mit ihren „religiösen Übungen" sich selbst und Gott etwas beweisen wollten. Außerdem hatte ich den Eindruck, dass sie sich für etwas „Besseres" hielten.
Gleichzeitig war ich vom Egoismus geprägt und verhielt mich alles andere als vorbildlich. In meiner Klasse wollte ich immer der Größte sein, obwohl mir das nie gelang und ich meist ein Außenseiter war. Doch auch nachdem ich zum Glauben an Jesus Christus kam, tat ich manches, was alles andere als rühmlich war. Kurz gesagt: Es gab nichts, was mich in irgendeiner Weise qualifizierte, von Gott ausgewählt zu werden! (Eph 2:8-9)
Diese Erfahrung der eigenen Unwürdigkeit ist kein Einzelfall – sie begegnet uns bereits bei den großen Glaubensgestalten der Bibel. Vermutlich empfand es Jakob ganz ähnlich, als er nach zwanzig Jahren in seine Heimat zurückkehrte. Er empfand sich selbst als unwürdig und zu gering. Er konnte den großen Segen und die Treue Gottes nicht erklären und wusste: „Den empfangenen Segen konnte ich nicht erarbeiten. Ich habe meinen Vater betrogen und habe die Treue Gottes nicht verdient."
Als er aus seiner Heimat fliehen musste, weil sein Bruder Esau ihn umbringen wollte, hatte er nur einen Hirtenstab bei sich, mit dem er den Jordan überquerte. (1Mo 32:11) Nun kehrte er zurück – mit einer großen Familie und viel Vieh. Voller Demut staunte Jakob über den gewaltigen Segen Gottes. Er erkannte darin die Treue, Gnade und Barmherzigkeit des HERRN.
Doch nun stand ihm die Begegnung mit seinem Bruder Esau bevor, der ihm mit vierhundert Mann entgegenkam. (1Mo 32:7) Diese Nachricht beunruhigte ihn zutiefst. Jakob erinnerte Gott daran, dass er es war, der ihn zur Rückkehr aufgefordert hatte. (1Mo 31:3) Sinngemäß könnte man Jakobs Gebet so zusammenfassen: „HERR, du kannst mich jetzt nicht in die Hände meines Bruders fallen und umkommen lassen – nachdem ich dir gehorsam war und hierher zurückkehrte!"
Obwohl Jakob über Gottes große Güte staunte und ihn anbetete, ging der Kampf des Glaubens weiter. Daraus wird deutlich: Das Vertrauen auf Gott muss in jeder Situation neu geübt werden. (Spr 3:5-6) Auch müssen wir uns immer wieder bewusst machen, dass wir allein aus Gnade erwählt und gerettet wurden. (Eph 2:8)
Um allen Christen deutlich zu machen, dass sie nur durch Gottes Barmherzigkeit und Geduld erwählt wurden, bestimmte er den eifrigsten Christenverfolger seiner Zeit zum Apostel für alle Nationen. (Apg 9:1-19) Paulus konnte kaum fassen, warum gerade er – der Erste unter allen Sündern – so viel Gnade und Barmherzigkeit von Gott empfangen durfte. (1Tim 1:15-16) Doch er durfte erkennen, dass er zu einem „Demonstrationsobjekt" der unverdienten Gnade Gottes werden sollte. Das zeigt: Bei Gott gibt es keine hoffnungslosen Fälle. Und für die Treue Gottes gibt es keine menschliche Ursache – sie entspringt einzig und allein seiner Liebe! (Röm 5:8)
Darum möchte ich mit den Worten des Apostels Paulus aus 1. Korinther 1,26–29 schließen – in der Neuen Genfer Übersetzung lesen wir da:
„Seht euch doch einmal in euren eigenen Reihen um, Geschwister: Was für Leute hat Gott sich ausgesucht, als er euch berief? Es sind nicht viele Kluge und Gebildete darunter, wenn man nach menschlichen Maßstäben urteilt, nicht viele Mächtige, nicht viele von vornehmer Herkunft. Im Gegenteil: Was nach dem Urteil der Welt ungebildet ist, das hat Gott erwählt, um die Klugheit der Klugen zunichtezumachen, und was nach dem Urteil der Welt schwach ist, das hat Gott erwählt, um die Stärke der Starken zunichtezumachen. Was in dieser Welt unbedeutend und verachtet ist und was ´bei den Menschen nichts gilt, das hat Gott erwählt, damit ans Licht kommt, wie nichtig das ist, was ´bei ihnen etwas gilt. Denn niemand soll gegenüber Gott ´mit vermeintlichen Vorzügen` prahlen können." (1Kor 1:26-29)
Wer sich heute zu gering, zu schwach oder zu ungeeignet fühlt, ist Gott nicht im Weg – sondern genau am richtigen Ort. (2Kor 12:9-10)
Wenn ein Fremdling bei euch wohnt in eurem Lande, den sollt ihr nicht bedrücken.
Jesus spricht: Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch gebiete.
Vielleicht warst du schon einmal in einem fremden Land, wo du niemanden kanntest und gleichzeitig das Gefühl hattest, dass sich niemand für dich interessiert. Das erzeugt ein Gefühl von Ausgrenzung und Verlassenheit. Besonders schlimm wird es, wenn die Einheimischen dich als Fremden erkennen und als potenzielles Opfer sehen, das man leicht ausbeuten und diskriminieren kann.
Aus 3. Mose 19 geht deutlich hervor, dass Gott von seinem Volk ein anderes Verhalten erwartete. Darum gab er in den Versen 33 und 34 folgende Anweisung:
„Und wenn ein Fremder bei dir – in eurem Land – als Fremder wohnt, sollt ihr ihn nicht unterdrücken. 34 Wie ein Einheimischer unter euch soll euch der Fremde sein, der bei euch als Fremder wohnt; du sollst ihn lieben wie dich selbst. Denn Fremde seid ihr im Land Ägypten gewesen. Ich bin der HERR, euer Gott." (3Mo 19:33-34)
Die Israeliten sollten die Ausländer, die bei ihnen lebten, wie sich selbst lieben. Die Begründung lautete: „Denn Fremde seid ihr im Land Ägypten gewesen." Mit anderen Worten: „Erinnert euch, wie es euch damals erging und was ihr empfunden habt – besonders daran, wie ihr als Sklaven ausgebeutet wurdet" (2Mo 1:11-14). Deshalb sollten sich die Israeliten gegenüber Fremden gastfreundlich, wertschätzend und fair verhalten.
Wer die ganze Bibel durchgelesen hat, erinnert sich vielleicht an Aussagen, die weniger gastfreundlich gegenüber Fremden klingen. Im Hebräischen gibt es zwei unterschiedliche Begriffe für Fremdlinge, die jeweils ein anderes Verhalten erforderten:
Der Begriff ger (גֵּר) – bezeichnet einen Fremden, der sich dauerhaft in Israel niedergelassen hat und sich der israelitischen Gemeinschaft angeschlossen hat. Er respektierte nicht nur den Glauben der Israeliten, sondern übernahm ihn auch. Er integrierte sich. Darum wurde er wie Einheimische behandelt (2Mo 12:48-49).
Das Wort nokri (נָכְרִי) – bezeichnet einen Ausländer, der nur vorübergehend im Land war und keine Bindung zur israelitischen Gemeinschaft hatte. Gegenüber dieser Gruppe galten teilweise andere Regeln, besonders wenn sie eine Bedrohung für den Glauben Israels darstellten.
In 5. Mose 7,3–4 wird ein Verbot von Ehen mit Personen aus anderen Völkern ausgesprochen, was in unseren Ohren fremdenfeindlich klingen mag. Das war es aber nicht. Es ging nicht um eine Geringschätzung von Ausländern, sondern um den Schutz des Glaubens an den einen wahren Gott. Mehrfach wird berichtet, dass Israeliten, die götzendienerische Frauen aus anderen Völkern heirateten, zum Götzendienst verführt wurden und dadurch vom wahren Glauben abfielen (1Kö 11:1-4).
Ausländische Frauen wie Rahab und Rut erhielten in Israel größte Wertschätzung, weil sie sich dem Volk Israel anschlossen und den Glauben an den allmächtigen Gott der Liebe und Barmherzigkeit übernahmen (Jos 2:9-11 / Rut 1:16-17).
Für Glaubensgemeinschaften bedeutet das: Offenheit gegenüber Fremden und gleichzeitig ein bewusstes Festhalten an den eigenen Glaubensüberzeugungen schließen sich nicht aus, sondern gehören zusammen.
Gottes Liebe zeigt sich im Umgang mit Fremden – und dieselbe Liebe prägt auch die Beziehung zu Jesus.
Wer Gottes Worte ernst nimmt, sie beachtet und sein Leben daran ausrichtet, wird Freund Gottes genannt. Abraham erhielt diesen Titel, weil er Gottes Worten glaubte und ganz auf ihn vertraute (Jak 2:23).
Das Gleiche gilt bei Jesus: Wer tut, was er sagt, ist sein Freund geworden (Joh 15:14). Als Jesus Christus starb, offenbarte er seine Feindesliebe, indem er seinen Vater um Vergebung für seine Feinde bat (Lk 23:34). Doch seine Feinde sind (noch) nicht seine Freunde.
Der Gehorsam gegenüber Jesu Geboten ist kein kaltes Pflichterfüllen, sondern Ausdruck der Liebe zu ihm (Joh 14:15 / Joh 14:21 / 1Jo 5:3). Die Bedingung „wenn ihr tut" zeigt, dass wahre Freundschaft mit Jesus nicht nur auf Worten, sondern auf Taten beruht, die von der Liebe geprägt sind. Im unmittelbaren Kontext hat Jesus das Gebot der Liebe gegeben: „Liebt einander, wie ich euch geliebt habe" (Joh 15:12 / Joh 13:34).
Wer aus der Liebe zu Gott und den Menschen lebt, ist auch zu einem Freund Jesu geworden!
Der HERR hat Großes an uns getan; des sind wir fröhlich.
Sie waren täglich einmütig beieinander im Tempel und brachen das Brot hier und dort in den Häusern, hielten die Mahlzeiten mit Freude und lauterem Herzen und lobten Gott und fanden Wohlwollen beim ganzen Volk.
Als nach dem Zweiten Weltkrieg die Soldaten von der Front oder aus der Gefangenschaft in ihre Heimat zurückkehren durften, war das für die meisten eine große Freude. „Endlich wieder zu Hause, endlich wieder mit der geliebten Familie vereint, endlich wieder Frieden!" Doch es gab auch andere Emotionen. Etliche waren schwer verletzt und hatten wenig Hoffnung auf eine glückliche Zukunft. Viele hatten Familienangehörige und Freunde verloren. Nicht wenige waren traumatisiert und kämpften mit Depressionen und Schuldgefühlen. Trotzdem empfanden die meisten Erleichterung, nicht mehr im Krieg oder in der Gefangenschaft sein zu müssen.
Dieses „Nach-Hause-Kommen" durften auch die Juden im Laufe ihrer Geschichte immer wieder erfahren. Wie oft waren sie Vertriebene im Exil! Und jedes Mal, wenn sie in ihre Heimat zurückkehren durften, war das eine große Freude – obwohl sie auch dort wieder mit Problemen zu kämpfen hatten.
Gottesfürchtige Israeliten empfanden besondere Vorfreude, wenn sie bald den Tempelplatz erreichen würden, weil sie sich dort Gott besonders nahe fühlten.
Wahrscheinlich sangen sie während des Aufstiegs zum Tempel den Psalm 126. In Vers 1 heißt es:
"Ein Stufenlied. Als der HERR die Gefangenen (w. die Heimkehrenden) Zions zurückführte, waren wir wie Träumende."
Voller Dankbarkeit erkannten sie, welche Wunder der HERR an ihnen getan hatte und wie er sie mit Lachen und Jubel erfüllte (Ps 126:2). Selbst die Nationen mussten sagen: „Der HERR hat Großes an ihnen getan!" Darum konnten sie bezeugen: „Des sind wir fröhlich!" (Ps 126:3)
Die letzten beiden Verse dieses Wallfahrtspsalms offenbaren ein göttliches Geheimnis:
"Die mit Tränen säen, werden mit Jubel ernten. Er geht weinend hin und trägt den Samen zum Säen. Er kommt heim mit Jubel und trägt seine Garben." (Ps 126:5-6)
Hier zeigt sich erneut: Gott verwandelt Leid in Herrlichkeit und Trauer in überwältigende Freude. Der allmächtige Gott kann jeden Fluch in Segen verwandeln (Röm 8:28).
Interessanterweise ist hier zuerst von Säenden die Rede und dann von Einem, der weinend hingeht und Samen zum Säen trägt. Bei diesem Einen dürfte es sich um den leidenden „Gottesknecht" handeln, der auch in Jesaja 53 beschrieben wird. Es dürfte auch derjenige sein, der sich selbst als Weizenkorn bezeichnet, das in die Erde fällt, um viel Frucht zu bringen (Joh 12:24).
Nachdem Jesus Christus von den Toten auferstanden und in den Himmel gefahren ist (Apg 1:9), hat er mit Jubel seine „Garben" heimgetragen. Und er wird noch mehr heimbringen, wenn er wiederkommt (Joh 14:3).
Die erste christliche Gemeinde war jüdisch und bestand anfänglich aus mehrheitlich einfachen Leuten ohne besondere Bildung (Apg 4:13). Doch nachdem Gott sie mit Heiligem Geist erfüllte (Apg 2:4), erkannten sie, wie unsagbar reich sie beschenkt wurden. Durch den Heiligen Geist wurden sie mit der Liebe Gottes erfüllt (Röm 5:5), und diese erfüllte sie mit Freude über all das Große, das der HERR an ihnen tat. Daraus entstand eine Liebe untereinander, die unglaublich wohltuend war. Hinzu kam die Freude an der Gemeinschaft (Apg 2:46-47), sodass sie in einen Segenskreislauf der Freude kamen. Diesen könnte man wie folgt beschreiben:
Das Geschenk des Heiligen Geistes brachte die Liebe Gottes in die Herzen. Daraus entstand Dankbarkeit über Gottes Wirken, die wiederum Zufriedenheit und Freude auslöste. Die Liebe Gottes und die Liebe untereinander bewirkten Frieden und noch größere Dankbarkeit!
Möge der Herr Jesus uns die Gnade schenken, dass auch wir immer mehr in diesen Segenskreislauf der Liebe hineinfinden.
Seine Herrschaft wird groß und des Friedens kein Ende sein.
Christus ist unser Friede.
Jesaja 9:5–6 enthält eine der erstaunlichsten Messias-Verheißungen des Alten Testaments:
"Denn ein Kind ist uns geboren, ein Sohn uns gegeben, und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter; und man nennt seinen Namen: Wunderbarer Ratgeber, starker Gott, Vater der Ewigkeit, Fürst des Friedens. Groß ist die Herrschaft, und der Friede wird kein Ende haben auf dem Thron Davids und über seinem Königreich, es zu festigen und zu stützen durch Recht und Gerechtigkeit von nun an bis in Ewigkeit."
Die Sehnsucht nach dem verheißenen Sohn zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte und das Warten auf den verheißenen Messias – der die entscheidende Wende bringt – ist beinahe so alt wie die Menschheit selbst.
Die erste Verheißung nach dem Sündenfall galt einem Nachkommen, der den Bösen besiegen würde (1Mo 3:15). Der HERR sagte zu Eva, dass „ihr Nachkomme" (w. ihr Same) der Schlange – und damit dem Bösen – den Kopf zertreten würde. Als sie Kain gebar, dachte sie womöglich an diese Verheißung und sagte: „Ich habe einen Mann hervorgebracht mit dem HERRN" (1Mo 4:1). Noch ahnte sie nicht, dass dieser eine Katastrophe verursachen und den ersten Mord begehen würde.
Als Noah zur Welt kam, sagte sein Vater: "Dieser wird uns trösten über unsere Arbeit und über die Mühe unserer Hände wegen des Erdbodens, den der HERR verflucht hat" (1Mo 5:29). Bei Noah kam es zu einem Neuanfang, aber er war noch nicht der verheißene Nachkomme.
Als die „unfruchtbare" Sarah im hohen Alter ihren ersten und verheißenen Sohn gebar, verwandelte Gott ihre Trauer in ein einzigartiges Lachen (1Mo 21:6). Dieser verheißene Sohn, den Abraham opfern sollte (1Mo 22:2), wurde zu einem Vorausbild auf den einen Sohn, der als „Lamm Gottes" die Sünde der ganzen Welt wegnehmen sollte (Joh 1:29).
Zu König David sagte Gott über seinen Nachkommen: „Ich will ihm Vater sein, und er soll mir Sohn sein" (2Sam 7:14). Möglicherweise dichtete David zur Krönung seines Sohnes Salomo den Psalm 2, wo er Gott zitiert, der zu seinem Sohn sagte: „Mein Sohn bist du, ich habe dich heute gezeugt" (Ps 2:7). Ein paar Verse später heißt es dann: „Küsst den Sohn, dass er nicht zürne und ihr umkommt auf dem Weg; denn leicht entbrennt sein Zorn. Glücklich alle, die sich bei ihm bergen!" (Ps 2:12) Als durch König Salomo ein außergewöhnliches Friedensreich entstand, dachten vielleicht einige, dass das messianische Zeitalter begonnen habe.
Nachdem Jesaja von einem Sohn sprach, auf dessen Schulter die Herrschaft ruht und dessen Friede kein Ende haben wird, rechneten möglicherweise einige damit, dass der einzigartige König Hiskia gemeint sein könnte. Während seiner Herrschaft schlug ein Engel Gottes die bedrohliche assyrische Großmacht vor den Toren Jerusalems – 185.000 Mann –, sodass Frieden entstand (2Kön 19:35). Einige Zeit davor verhieß Gott durch Jesaja dem Ahas, dem Vater von Hiskia, dass eine Jungfrau schwanger werden würde (Jes 7:14).
Etwa 700 Jahre später erkannte die Jungfrau Maria, dass sie einen Sohn gebären würde, der durch den Heiligen Geist gezeugt wurde (Lk 1:35). Das war Jesus, der verheißene Nachkomme. Er zertrat Satan den Kopf, indem er dem Tod die Macht nahm und die Sünde der ganzen Welt auf sich nahm und beseitigte (Hebr 2:14). Mit seiner Auferstehung wurde der Tod besiegt. Damit bestätigte der Vater ihn sichtbar als seinen Sohn. Deshalb wird er seither als „Erstgeborener aus den Toten" bezeichnet (Kol 1:18).
Wer den Sohn küsst – sich ihm also unterordnet und sich in eine vertrauensvolle Liebesbeziehung zu ihm begibt – wird auf seinem Weg nicht umkommen, weil er in ihm geborgen ist (Ps 2:12).
Durch seine Menschwerdung kam der Sohn Gottes in diese Welt, sah das Elend, liebte die Menschen und besiegte den Tod (Joh 1:14). So eroberte er die Herzen von Millionen. Deshalb sitzt er auf dem Thron meines Herzens und schenkt mir Frieden mit Gott (Röm 5:1). Jesus Christus regiert als Friedensfürst in den Herzen der Menschen.
So erfüllt sich die alte Verheißung eines Friedens, der nicht zuerst durch veränderte äußere Umstände entsteht, sondern im Herzen beginnt. Wo Christus Raum bekommt, wächst Versöhnung mit Gott und Hoffnung für den Alltag (Kol 1:27).
Hast du ihm auch schon die Tür deines Herzens geöffnet und ihn gebeten, sich auf den Thron zu setzen? (Offb 3:20) Denn schon bald kommt er wieder – zuerst, um seine Gemeinde zu sich zu holen (1Thess 4:16-17), und später mit großer Macht und Herrlichkeit, um ein ewiges Friedensreich auf Erden zu gründen (Offb 19:11-16).
Du, Herr, bist gerecht, wir aber müssen uns alle heute schämen.
Der König wird ihnen antworten und sagen: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr nicht getan habt einem von diesen Geringsten, das habt ihr mir auch nicht getan.
Viele von uns würden zustimmen, dass boshaftes Verhalten Sünde ist. Es hat oft Konsequenzen – sei es im Gewissen, in Beziehungen oder vor Gott – und führt normalerweise zur Bestrafung des Schuldigen. Doch was wir vielleicht weniger realisiert haben, ist der Umstand, dass bei Gott unterlassene Barmherzigkeit ebenso schwer wiegt. Unterlassene Hilfsbereitschaft zeigt ein fehlendes Erbarmen. Gott sieht darin nicht nur Passivität, sondern Gleichgültigkeit gegenüber dem Nächsten. Letztlich ist es eine Lieblosigkeit, wenn ich die Möglichkeit hätte, meinem Nächsten zu helfen, es aber aus Bequemlichkeit oder Unsicherheit unterlasse.
Manchmal fürchten wir uns davor, einen Fehler zu begehen, und kommen zu dem Schluss: „Ich mache lieber nichts, dann mache ich nichts falsch!" Das ist ein folgenschwerer Irrtum. Es stimmt zwar, dass wir Fehler machen, wenn wir aktiv werden. Doch gerade daraus entstehen wertvolle Lernprozesse, die uns weiterführen. Gott erwartet von uns nicht in erster Linie ein fehlerfreies Leben. Er wünscht sich vielmehr, dass wir uns in der Barmherzigkeit üben – denn sie ist der Ausdruck eines liebenden Herzens. Darum schreibt der Prophet Hosea (Hos 6:6):
Denn ich habe Lust an der Liebe und nicht am Opfer, an der Erkenntnis Gottes und nicht am Brandopfer.
Jesus zitiert diese Stelle in Matthäus 9:13 und sagt:
„Geht aber hin und lernt, was das heißt: »Ich habe Wohlgefallen an Barmherzigkeit und nicht am Opfer.« Denn ich bin gekommen, die Sünder zu rufen und nicht die Gerechten."
Gelebtes Erbarmen lindert die Not der Bedürftigen und bewirkt, dass der Barmherzige selbst Barmherzigkeit von Gott erfährt. Darum sagte Jesus in der Bergpredigt (Mt 5:7):
„Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen."
Ein barmherziges Herz zeigt sich nicht nur in praktischer Hilfsbereitschaft, sondern auch in der Fürbitte. Ein berührendes Beispiel finden wir in Daniel 9. Dort identifiziert sich Daniel mit dem sündhaften Verhalten seines Volkes und bringt es im Gebet vor Gott – er bittet um Erbarmen und Vergebung für sein Volk, obwohl wir bei ihm selbst von keiner begangenen Sünde lesen. Darin ist er ein Bild auf Jesus, der als einzig Sündloser die Sünde seines Volkes auf sich nimmt und Gott bat: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun." (Lk 23:34)
Ganz anders verhält es sich mit jenen, die im heutigen Lehrtext aus Matthäus 25:45 angesprochen werden. Sie hätten die Möglichkeit gehabt, den „geringsten Brüdern" Jesu – die in Not geraten sind – Barmherzigkeit zu erweisen, haben es aber unterlassen. Das ist eine folgenschwere Unterlassungssünde, die dazu führt, dass sie vor dem Angesicht Jesu ebenfalls keine Barmherzigkeit erfahren werden.
Als Christen sollten wir jedoch nicht nur aus Furcht vor dem kommenden Gericht Gottes barmherzig sein, sondern weil Barmherzigkeit ein Ausdruck der Liebe ist. Erfahrene und gelebte Liebe erfüllt unser Leben zutiefst – nichts bringt dauerhafter Freude und Frieden als die göttliche Liebe, die uns in 1. Korinther 13 so wunderbar beschrieben wird!
Darum dürfen wir uns fragen: „Wo habe ich heute die Möglichkeit, Barmherzigkeit zu leben?"
Bewahre mich, Gott; denn ich traue auf dich.
Der Herr ist treu; der wird euch stärken und bewahren vor dem Bösen.
Als David in Psalm 16 um Gottes Bewahrung bat, befand er sich vermutlich in Verfolgungsnot. Er hoffte, dass Gott ihn nicht in die Hände seiner Feinde fallen lässt. Der ganze Vers 1 lautet:
"Ein Miktam. Von David. Bewahre mich, Gott, denn ich berge mich bei dir!"
Das hebräische Wort „Miktam" bedeutet „goldenes Kleinod" oder „Inschrift". Das weist möglicherweise auf einen besonders wertvollen oder lehrreichen Psalm hin. Psalm 16 gilt als messianischer Psalm, denn die Verse 8–11 werden im Neuen Testament auf Jesus bezogen (Apg 2:25-28 / Apg 13:35).
Davids Gebet zeigt sein tiefes Vertrauen in Gott. Doch wie findet man Zuflucht bei einem unsichtbaren Gott? Und wie konnte Jesus das tun, als er am Kreuz hing (Mt 27:46)?
Vielleicht kennen wir solche Momente: Situationen, in denen wir keinen Ausweg sehen. Gerade dort lernen wir, was es heißt, sich im HERRN zu bergen — nicht als Gefühl, sondern als bewusste Entscheidung des Vertrauens (Spr 3:5-6).
Paulus durfte dieses Geheimnis im Laufe seines Lebens immer tiefer entdecken (2Kor 4:7-10 / 2Kor 12:9-10). Wer sich entschieden hat — „Ich will mich im HERRN bergen" — darf auch in unmöglichen Situationen die unsichtbare Kraft Gottes erfahren.
Es geht darum, im Glauben festzuhalten, dass Gott in jeder Situation die Kontrolle behält und das Schwierige zum Guten wenden kann — selbst wenn wir es nicht begreifen (Röm 8:28 / Ps 115:3).
Die Bewahrung vor dem Bösen ist ein wiederkehrendes Thema in der Bibel. Jesus hat es uns im Vaterunser vorgebetet (Mt 6:13):
"… und führe uns nicht in Versuchung, sondern errette uns von dem Bösen!"
Im hohenpriesterlichen Gebet bittet Jesus:
"Ich bitte nicht, dass du sie aus der Welt wegnimmst, sondern dass du sie (die Jünger) bewahrst vor dem Bösen." (Joh 17:15)
Wenn wir Gott um Bewahrung bitten, wünschen wir uns oft Bewahrung vor dem Leid. Doch aus göttlicher Sicht ist die Bewahrung vor dem Bösen wesentlich wichtiger. Der Widersacher Gottes möchte uns durch seine Verführungskünste zu Fall bringen (1Petr 5:8). Ich glaube, wir überschätzen unsere Fähigkeit, seine Versuchungen zu entlarven. Nicht selten weckt er in uns — unbemerkt — Gier, Habsucht, Überheblichkeit, Neid oder Selbstgefälligkeit (Jak 1:14-15). Diese Dinge schleichen sich oft durch die „Hintertür" ein.
In Offenbarung 3:10 lesen wir:
"Weil du das Wort meines Ausharrens bewahrt hast, werde auch ich dich bewahren vor der Stunde der Versuchung, die über den ganzen Erdkreis kommen wird, um die zu versuchen, die auf der Erde wohnen."
Es gibt viele Vermutungen über diese Versuchung: weltweite Christenverfolgung, globale Katastrophen oder Druck, sich dem antichristlichen System zu unterwerfen (Offb 13:16-17).
Versuchung zeigt sich nicht nur in offenen Angriffen, sondern oft in subtilen Abhängigkeiten. Eine geistliche Versuchung könnte auch darin bestehen, die künstliche Intelligenz zum persönlichen Lebensratgeber zu machen — wodurch sie an die Stelle Gottes tritt und zum modernen Götzen wird (2Mo 20:3).
Was auch immer diese weltweite Versuchung sein mag — klar ist, dass wir die Bewahrung vor dem Bösen immer dringender benötigen. Gottes Bewahrung bedeutet nicht immer Bewahrung vor Leid — aber immer Bewahrung in der Beziehung zu ihm (Röm 8:38-39).
Deshalb dürfen wir lernen, unser Vertrauen nicht auf unsere eigene Stärke zu setzen, sondern auf den treuen Herrn und sein Wort (2Thes 3:3) — er stärkt und bewahrt uns gestern, heute und in jeder kommenden Versuchung (Hebr 13:8).
Wessen Zuversicht der HERR ist, der ist wie ein Baum, am Wasser gepflanzt, der seine Wurzeln zum Bach hin streckt. Er sorgt sich nicht, wenn ein dürres Jahr kommt, sondern bringt ohne Aufhören Früchte.
Jesus spricht: Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht.
Jeremia 17 und Johannes 15 nutzen beide die Metapher eines Baumes, um zu zeigen, wie wichtig eine lebendige Verbindung zu Gott ist. Ein Baum am Wasser, der seine Wurzeln tief zum Bach streckt, bleibt auch in schweren Zeiten grün und fruchtbar. Eine Rebe, die mit dem Weinstock verbunden bleibt, bringt viel Frucht.
Diese Aussagen zeigen: Es kommt auf eine kontinuierliche Verbindung zum Lebensspender an. Der Losungs- und Lehrtext zeigt, dass der Mensch eine gewisse Verantwortung trägt – er wird indirekt aufgefordert, „den HERRN zu seiner Zuversicht zu machen" und „in Christus zu bleiben". Doch die botanischen Bilder weisen gleichzeitig auf etwas anderes hin. Man könnte berechtigterweise fragen: „Was kann ein Baum dafür, wenn er in einer Gegend aufwächst, wo es einmal Wasser gab, die aber zwischenzeitlich dürr geworden ist? Und wie kann eine Rebe von sich aus ihre Verbindung zum Weinstock unterbrechen? Die Rebe wird doch nur dann vom Weinstock getrennt, wenn sie Frostschäden erleidet, verletzt oder von Parasiten und Krankheiten befallen wird!"
Diese Bilder zeigen eine wichtige theologische Spannung: die Balance zwischen menschlicher Verantwortung und göttlicher Souveränität (Phil 2:12-13). Unsere geistliche Verbindung zu Gott hängt nicht allein von unserer Willenskraft ab. Wir sind auf Gottes Gnade und Schutz angewiesen (Eph 2:8-9). Äußere Umstände – Dürre, Frost, Krankheiten – können uns von der Lebensquelle trennen. Diese Faktoren liegen außerhalb unserer Kontrolle. Dabei ist nicht jede Dürre ein Abbruch der Beziehung, sondern oft gerade der Ort, an dem Gott die Wurzeln tiefer wachsen lässt (Jak 1:2-4).
Diese wechselseitige Dynamik lädt zur Demut ein: Wir sind aufgerufen, die Verbindung zu Christus zu suchen. Zugleich müssen wir anerkennen, dass wir letztlich auf seine tragende, erneuernde und wiederherstellende Kraft angewiesen sind (2Kor 12:9).
Diese Spannung ist keine theoretische Frage, sondern begegnet uns ganz konkret im Leben von Glaubenszeugen – etwa bei Petrus. Als er felsenfest überzeugt war, einen so starken Glauben zu haben, dass er seinen Herrn niemals verleugnen würde, musste er bitter erfahren, dass er ohne die Gnade und Kraft Gottes nichts vermag (Mt 26:33-35 / Mt 26:69-75). Er war sogar bereit, für Jesus zu sterben. Doch seine Entschlossenheit und Willenskraft reichten nicht aus, um Jesus treu zu bleiben.
In Jeremia 17:5–6 warnt der Prophet davor, auf Menschen zu vertrauen. Wer dies tut, wird wie ein kahler Strauch in der Steppe sein, der nicht sieht, wenn Gutes kommt. Das bedeutet: Er verliert die Hoffnung, wenn dürre Zeiten kommen.
Das Vertrauen auf den HERRN hingegen vermittelt uns – inmitten schwerer Zeiten – feste Hoffnung und die Gewissheit, in Gott sicher geborgen zu sein (Ps 46:2-3). Wenn der HERR unsere Zuversicht ist, sitzen wir an einer unerschöpflichen Quelle, an einem Strom, der nie versiegt (Ps 1:3).
Eine lebendige Verbindung zu Jesus bringt gute Früchte hervor. Aus der Vertrauensbeziehung zu Christus wächst die Frucht des Geistes, die Paulus in Galater 5,22-23 beschreibt: Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung. Diese Frucht entsteht nicht durch eigene Anstrengung, sondern durch das Bleiben in Christus. Sie zeigt, dass der Heilige Geist in uns wirkt und uns von innen heraus verändert (2Kor 3:18). Nicht unsere Stärke hält die Verbindung, sondern seine Treue (2Tim 2:13).
Wer den Armen verspottet, verhöhnt dessen Schöpfer; und wer sich über eines andern Unglück freut, wird nicht ungestraft bleiben.
Hat nicht Gott erwählt die Armen in der Welt, die im Glauben reich sind und Erben des Reichs, das er verheißen hat denen, die ihn lieb haben?
Vermutlich stammt der Text aus Sprüche 17 von Salomo, dem weisesten, wohlhabendsten und erfolgreichsten König, der je in Israel regiert hatte (1Kö 3). Bemerkenswert daran ist, dass der heutige Losungstext vor allem jene anspricht, die davon überzeugt sind, es in ihrem Leben besser gemacht zu haben als jene, denen der Erfolg versagt blieb.
Der heutige Losungsvers spricht nicht nur von Spott und Hohn, sondern von einer verächtlichen Haltung anderen gegenüber – und jeder Mensch steht in der Gefahr, sich eine solche anzueignen (Röm 3:23). Jene, die auf der „Verliererseite des Lebens" stehen, beneiden vielleicht die Erfolgreichen. Sie würden sich wünschen, auch einmal über andere „erhaben" zu sein, weil das ihr fehlendes Selbstwertgefühl beseitigen würde.
Wir Menschen lieben das Gefühl, es besser als andere gemacht zu haben, weil es uns wertvoll erscheinen lässt. Die Verachtung anderer verleiht diesem Empfinden noch zusätzlichen Schub (Spr 16:5).
Die Armut anderer könnte echtes Mitleid und Barmherzigkeit auslösen – doch stattdessen begegnen nicht wenige diesen Menschen mit Spott und Hohn. Warum ist das so? Dazu gibt es unterschiedliche Motive:
Wer seinen Wert über Besitz, Status oder Leistung definiert, wird durch die Armen daran erinnert, dass dieser Wert brüchig ist – also reagiert er mit Abwertung, um sich selbst überlegen zu fühlen. Eine verächtliche Haltung macht es leichter, sich selbst zu rechtfertigen. Sie dient dazu, die eigene Bequemlichkeit zu entschuldigen, indem man sagt: „Die Armen sind an ihrem Schicksal selbst schuld!" So lässt sich das Mitgefühl umgehen (1Jo 3:17).
Darüber hinaus fördert unsere Gesellschaft das Leistungsdenken mit Aussagen wie „Jeder ist seines Glückes Schmied". Das erzeugt eine Kultur, in der Schwäche verachtet statt aufgefangen wird. Diese Denkweise bleibt jedoch nicht folgenlos – sie prägt auch unser geistliches Wahrnehmungsvermögen (1Kor 1:27-28).
Das alles führt zu einer geistlichen Blindheit: Das Bewusstsein dafür, dass jeder Mensch von Gott geschaffen ist und eine besondere Würde erhalten hat – unabhängig von Besitz oder sozialem Rang – geht verloren (1Mo 1:27). Wer den Geringen verachtet, verhöhnt auch den Schöpfer (Spr 17:5). Er bringt damit indirekt zum Ausdruck, als würde Gott bei der Erschaffung mancher Menschen einen Fehler gemacht haben – ein Gedanke, der dem Wesen Gottes völlig widerspricht (Ps 139:13-14).
Dabei verfolgt Gott mit den Schwachen, Elenden und Armen ein besonderes Ziel – wobei er mit einem Umstand immer gleich mehrere Prozesse in Gang bringt: Durch die Existenz der Unterprivilegierten offenbart er hochmütige und stolze Herzen auf der einen Seite, demütige und erbarmende Herzen auf der anderen (Mt 25:31-46). Es wird auch offenbar, ob der Erfolgreiche seine Verantwortung wahrnimmt – die er von Gott erhalten hat – oder nicht. Während Hiob als reicher Mann seine Verantwortung gegenüber den Elenden wahrgenommen hat (Hiob 29:12-17), zeigte der reiche Mann aus Lukas 16 verächtliche Gleichgültigkeit (Lk 16:19-31).
Die Armen haben jedoch einen entscheidenden Vorteil: Durch ihren Mangel fehlt ihnen die weltliche Absicherung – und das erzeugt bei vielen das Bewusstsein, von Gott abhängig zu sein. Durch diese Abhängigkeit können sie die wunderbare Welt des Glaubens entdecken: ein Leben, das von absolutem Vertrauen auf den Schöpfer geprägt ist (Mt 5:3). Sie lernen, sich alles vom allmächtigen Gott schenken zu lassen. Und mit einem Mal entdecken sie die Aussage des Apostels Paulus, dass ihnen Christus geschenkt ist – und mit ihm auch alles (Röm 8:32).
Plötzlich wird ihnen klar: Durch Christus sind sie mit jedem geistlichen Segen aus der Himmelswelt gesegnet – und deshalb gehören sie zu den Reichsten der Reichen (Eph 1:3)!
"Darum ist Reichtum vor Gott keine Auszeichnung, sondern ein Auftrag – und Armut kein Makel, sondern oft ein Ort tiefer Gotteserfahrung."
Die Israeliten schrien zu dem HERRN, und der HERR erweckte ihnen einen Retter, der sie errettete.
Werft euer Vertrauen nicht weg, welches eine große Belohnung hat.
Nachdem die Israeliten unter Josuas Führung das verheißene Land eingenommen hatten, kritisierte der Engel des HERRN in Richter 2 ihren mangelnden Gehorsam und sagte:
"Ich habe euch aus Ägypten heraufgeführt und euch in das Land gebracht, … Und ich sagte: Ich werde meinen Bund mit euch nicht brechen in Ewigkeit; und ihr, ihr sollt keinen Bund mit den Bewohnern dieses Landes schließen, ihre Altäre sollt ihr niederreißen. Aber ihr habt meiner Stimme nicht gehorcht. … So habe ich auch gesagt: Ich werde sie nicht vor euch vertreiben! Sie werden euch zu Geißeln für eure Seiten werden, und ihre Götter werden euch zur Falle werden." (Ri 2:1-3)
Die Altäre der Götzen wurden also nicht beseitigt, und das blieb nicht folgenlos: Die Israeliten liefen immer wieder an ihnen vorbei, sahen sie neugierig an und wurden dadurch ständig an die Götter der Kanaaniter erinnert. Diese hatten eine große Anziehungskraft, und all jene, die den HERRN nicht von ganzem Herzen liebten und ihm vertrauten, gerieten in ihren Bann (5Mo 6:5). Darum heißt es in Richter 3:1 auch:
"Das sind die Nationen, die der HERR bleiben ließ, um durch sie Israel auf die Probe zu stellen, …"
Der Verbleib dieser Völker war also kein Zufall. Einerseits war er Folge des Ungehorsams Israels, andererseits wurde er von Gott bewusst als Prüfung eingesetzt (Ri 3:4). Sie sollten zeigen, ob sie mit ganzem Herzen dem HERRN dienten – oder ob sie immer noch anfällig waren für die Faszination der Götzen, die ihnen ein genussreiches Leben versprachen.
Leider zeigte sich, dass viele noch ein „geteiltes und unerneuertes Herz" hatten und auf die Versuchung der Götter hereinfielen (Ri 3:6-7). Der einbrechende Götzendienst führte zu einem Gericht Gottes: Fremde Völker fielen in das Land ein und unterdrückten Israel (Ri 3:8). In dieser Not schrien die Israeliten zum HERRN um Hilfe, und er erweckte ihnen Richter als Retter, die sie aus der Hand ihrer Feinde befreiten (Ri 3:9).
Der erste hieß Othniël und war ein Neffe Kalebs, der seinerzeit – wie Josua – voller Glauben das Volk davon überzeugen wollte, dass der HERR ihnen helfen würde, das verheißene Land einzunehmen, obwohl es stark befestigt und von Riesen bewohnt war (4Mo 13:30).
Der Name Othniël lässt sich mit „Zeit Gottes" oder „Gott ist meine Kraft" übersetzen. Nachdem die Israeliten zum HERRN schrien, kam der göttliche Zeitpunkt: Gott schenkte seinem Volk die Kraft, sich von ihren Unterdrückern zu befreien (Ri 3:10).
Diese Begebenheiten zeigen, dass ein geteiltes Herz den Versuchungen der Götzen nicht standhalten kann. Halbherzigkeit gegenüber Gott führt früher oder später dazu, dass andere Mächte unser Vertrauen gewinnen (Jak 1:8). Nur wer sich ganz auf den HERRN ausrichtet und sein Vertrauen ungeteilt auf ihn setzt, vermag in der Erprobung zu bestehen (Ps 86:11).
In einer ähnlichen Spannung lebten auch die Empfänger des Hebräerbriefes. Unter Verfolgung und sozialem Druck standen sie in der Gefahr, ihren Glauben an Christus aufzugeben und zum vertrauten Judentum zurückzukehren. Darum ermahnt der Verfasser sie eindringlich, ihr Vertrauen nicht wegzuwerfen – denn dieses Vertrauen trägt eine große Belohnung in sich (Hebr 10:35).
Das griechische Wort parrhesia, das die Lutherbibel mit „Vertrauen" übersetzt, bedeutet wörtlich „alles sagen" oder „frei heraus reden". Wer durch Verfolgung eingeschüchtert wurde, dem fehlt oft der Mut, sich frei und offen zur Wahrheit zu bekennen und das ganze Evangelium zu bezeugen (Apg 4:29).
Auch wir stehen heute in ähnlichen Spannungen. Der Druck kommt oft nicht durch offene Verfolgung, sondern durch subtile Anpassung: die Angst, anzuecken; die Versuchung zu schweigen, wo ein klares Zeugnis gefragt wäre; oder die Müdigkeit, die uns dazu bringt, Kompromisse einzugehen (Mt 10:32-33). In solchen Situationen zeigt sich, worauf unser Herz wirklich vertraut.
Gerade dann sind wir eingeladen, wie die Israeliten mutig zum HERRN zu schreien – nicht erst, wenn alles zusammengebrochen ist, sondern mitten in der Prüfung (Ps 50:15). Gott wartet nicht auf perfekte Menschen, sondern auf ein ungeteiltes Vertrauen (2Chr 16:9). Wer sich ihm ganz zuwendet, erfährt, dass er auch heute noch rettet, stärkt und zur rechten Zeit eingreift (Jes 41:10).
Darum gilt auch uns die Ermahnung des Hebräerbriefes: Werft euer Vertrauen nicht weg (Hebr 10:35). Haltet fest an der Freimütigkeit, Christus offen zu bekennen – im Gebet vor Gott und im Zeugnis vor Menschen. Denn die Belohnung, die Gott verheißt, ist größer und schöner, als wir uns vorstellen können.
Eure Liebe ist wie der Tau, der frühmorgens vergeht!
Jesus spricht: Bleibt in meiner Liebe!
Wer kennt das nicht? Man verliebt sich zum ersten Mal – oder auch zum wiederholten Mal – und ist überwältigt von Gefühlen. Die Sehnsucht nach der anderen Person ist so stark, dass der Gedanke an Trennung kaum auszuhalten scheint. Alles im Inneren schreit: Das ist Liebe! Man ist bereit, alles zu geben, alles zu investieren, alles zu riskieren.
Doch ist dieses intensive Gefühl wirklich schon Liebe – oder erst ihr Anfang?
Oft folgt nach Monaten oder Jahren die Ernüchterung. Man entdeckt die Schwächen des Partners, Konflikte treten auf, Erwartungen bleiben unerfüllt. Die starken Gefühle lassen nach. Spätestens dann wird deutlich: Wahre Liebe trägt nicht allein durch Emotionen. Sie beginnt dort, wo Begeisterung vergeht und Entscheidung gefragt ist (1Kor 13:4-8). Darum gilt:
Wahre Liebe ist keine Emotion, sondern eine uneigennützige Entscheidung: treu, verbindlich und selbstlos zum Wohl des anderen zu handeln.
Gott ist Liebe (1Jo 4:8), und für ihn ist klar: Eine Ewigkeit ist nur dann erfüllend und herrlich, wenn alle mit seiner vollkommenen Liebe erfüllt sind. Alles andere wäre unvollkommen und für die Ewigkeit unbrauchbar.
Die anfängliche Begeisterung und Liebe des Volkes Israel zu Gott verflüchtigte sich sehr schnell, als sie feststellten, dass Gott ihnen nicht immer sofort gab, was sie sich wünschten. Sie hatten ein Bedürfnis und erwarteten, dass Gott es sogleich stillen würde. Als er das nicht tat, suchten sie nach anderen „Liebhabern" – nach anderen Göttern, die möglicherweise ein genussvolleres Leben ermöglichten. Da bei diesen Göttern das Ausleben von Begierde und Lust teilweise nicht verboten war, erschienen sie ihnen als brauchbare Alternative zu Jahwe, ihrem HERRN. So verflüchtigte sich ihre Bundestreue (hebr. chesed) so schnell wie eine Morgenwolke oder wie der Tau, sobald die Sonne darauf scheint (Hos 6:4). Deshalb fragt Gott: „Was soll ich mit euch tun?"
Damit wollte Gott auf sein Problem aufmerksam machen. In Vers 6 erklärt der HERR, was ihm wichtig ist: „Denn an Güte bzw. Bundestreue (chesed) habe ich Gefallen, nicht an Schlachtopfern, und an der Erkenntnis Gottes mehr als an Brandopfern" (Hos 6:6). Mit anderen Worten: „Hört auf mit euren formalen Gottesdiensten, wenn ihr euch nicht für mich und mein Wesen interessiert. Wenn ihr mich liebt, würdet ihr auch dann an der Treue und am Vertrauen auf mich festhalten, obwohl ich euch nicht alles sofort gebe, was ihr euch wünscht. Lernt mich und meine Wege mit euch kennen und haltet an der Bundestreue fest!" Das war die Botschaft, die der Prophet Hosea dem Volk Israel übermitteln musste.
Wo Israel an der Treue scheiterte, sehen wir in Jesus das vollkommene Gegenbild. Er liebte seinen himmlischen Vater unendlich und bedingungslos, weil er die Liebe seines Vaters kannte (Joh 15:9). Seine Liebe zum Vater und zu seinen Jüngern war an keine Bedingung geknüpft. Als Jesus 40 Tage in der Wüste hungerte, sagte er nicht: „Vater, du liebst mich nicht, sonst würdest du mich nicht so lange hungern lassen" (Mt 4:1-11). Als er vor seinem schrecklichen und schmerzhaften Tod stand, redete er so oft von der Liebe seines Vaters zu ihm wie sonst nirgends (Joh 17:23-26). Wie passt das zusammen? Trotz des schweren Weges, den der Vater seinem Sohn zumutete, wusste Jesus um die unendliche Liebe seines Vaters und stellte diese nie infrage.
Diese Begebenheiten zeigen zugleich, dass seine Liebe zum Vater bedingungslos war. Genauso liebt Jesus auch uns – ohne Bedingungen (Joh 13:1).
Die Einladung Jesu – „Bleibt in meiner Liebe" – ist mehr als ein tröstlicher Zuspruch (Joh 15:9). Sie ist eine bewusste Entscheidung des Vertrauens. In seiner Liebe zu bleiben bedeutet, auch dann an Gott festzuhalten, wenn wir ihn nicht verstehen, wenn Gebete unbeantwortet bleiben oder wenn sein Weg mit uns schwerer ist, als wir es uns wünschen.
In Jesu Liebe zu bleiben heißt: ihm nicht die Liebe abzusprechen, nur weil er uns nicht sofort gibt, was wir erbitten. Es bedeutet, ihm zu glauben, dass seine Liebe nicht kleiner wird in Zeiten des Leidens, sondern uns gerade dort trägt (Röm 8:35-39). So wie Jesus dem Vater vertraute – selbst im Hunger der Wüste und im Schatten des Kreuzes –, sind auch wir eingeladen, uns dieser Liebe anzuvertrauen.
Dieser Ort, die bleibende Liebe Jesu, ist der sicherste Platz unseres Lebens. Auch wenn der Weg durch Dunkelheit führt, dürfen wir wissen: Das ewige Glück und die allumfassende Freude kommen (Offb 21:4). Und sie werden kein Ende haben.
HERR, du lässest mich fröhlich singen von deinen Werken, und ich rühme die Taten deiner Hände.
Der Gelähmte sprang auf, konnte stehen und gehen und ging mit ihnen in den Tempel, lief und sprang umher und lobte Gott.
„Ein Psalm. Ein Lied. Für den Tag des Sabbats." So beginnt dieser besondere Psalm. Kein anderer trägt ausdrücklich die Bezeichnung „Lied für den Sabbat". Das zeigt: Dieser Psalm wird am Sabbat gesungen und enthält wertvolle Anweisungen für diesen Tag.
In Israel und im Judentum ist der Sabbat, der von Freitagabend bis Samstagabend dauert, der von Gott eingesetzte wöchentliche Ruhetag (2Mo 20:8-11). Er ist mehr als eine Arbeitsunterbrechung: Er ist ein heiliger Tag, der dem HERRN gehört.
Auch wenn in anderen Religionen und Kulturen unterschiedliche Tage eine besondere Bedeutung als Gebets- oder Ruhetag haben, bleibt der Sabbat in der Bibel einzigartig: Gott selbst hat ihn eingesetzt, gesegnet und geheiligt (1Mo 2:2-3). Er erinnert den Menschen daran, dass sein Leben nicht vom eigenen Tun, sondern vom Wirken Gottes getragen ist.
In den Zehn Geboten wird das Halten des Sabbats als viertes Gebot aufgeführt. Dieser Tag ist „für den HERRN" bestimmt. Die Israeliten sollen ihn heiligen, indem sie nicht arbeiten und ruhen. Dadurch haben sie mehr Zeit für Gott.
In den Versen 2–6 von Psalm 92 wird dazu aufgefordert, den HERRN zu preisen und seinen Namen zu besingen. Auch sollen seine Güte (hebr. chesed) und Treue oder Wahrheit (hebr. emunah) verkündet werden. Dazu gehört das Benennen der Wunderwerke Gottes.
Seine Wunder kann man überall entdecken: angefangen im Himmel, wo es eine unzählige Vielfalt von Galaxien mit ihren Sternen gibt und wo Astronomen immer wieder neue rätselhafte Dinge entdecken (Ps 19:2). Auch auf der Erde finden wir eine unfassbare Vielfalt an Wunderwerken – im Gestein, in der Pflanzen- und Tierwelt, bis hin zum Wunder des Menschen (Ps 139:14). Gott erschuf aber nicht nur die unsichtbare und sichtbare Welt, sondern er lenkt auch die Weltgeschichte ((Kol 1:16 / Hebr 1:2). Er ist der HERR über Raum und Zeit.
Damit nicht genug! Er gab uns auch sein Wort – und zwar schriftlich. Auch sein Wort ist voller Wunder, weil es die ewig gültige Weisheit und die Offenbarung Gottes selbst enthält (2Tim 3:16). Die Bibel ist das einzige Buch, das viele jahrtausendealte Prophezeiungen enthält, die sich bis in die heutige Zeit erfüllen (2Petr 1:20-21).
Gestern dachte ich darüber nach, was es für mich bedeuten würde, ohne die Bibel und ohne Gottes Worte im Herzen zu leben. Ich hätte keine Orientierung, weil ich nicht wüsste, durch wen und wofür wir Menschen geschaffen wurden (1Mo 1:27). Alles Geschehen wäre sinn- und ziellos – es ginge nur darum, möglichst gut über die Runden zu kommen, bevor man stirbt und für immer verschwindet. Ich hätte keine Hoffnung und könnte nur auf Menschen vertrauen, die mir in vielen Situationen nicht weiterhelfen können (Ps 146:3). Ich könnte nicht in Gott ruhen und wäre von Sorgen geplagt (Mt 11:28). Ich hätte niemanden, der meine Schuld getragen hat (Jes 53:5). Ich wüsste nicht, wer der allmächtige Gott ist und welche Eigenschaften er hat. Kurz gesagt: Ein Leben ohne Gottes Wort wäre für mich eine Katastrophe – es ist für mich unvorstellbar geworden.
All das gipfelt letztlich in dem größten aller Wunder, dass der Sohn Gottes – der auch das ganze Universum erschuf – zu uns kam und selbst Mensch wurde, um uns von Schuld zu befreien und uns gleichzeitig mit seiner Gerechtigkeit zu beschenken (Joh 1:14 / 2Kor 5:21). Er heilte uns von der unheilbaren Sünde und heilte auch unheilbare Kranke (Mt 8:16-17). Seine Vollmacht gab er an jene weiter, die er auserwählt hat und die ihm wohlgefällig sind (Mt 10:1).
So durften auch die einfachen Fischer Petrus und Johannes durch die Vollmacht des Sohnes Gottes einen von Geburt an Gelähmten heilen (Apg 3:1-8). Das löste in ihm einen übersprudelnden Lobpreis Gottes und unbeschreibliche Freude aus. Es sorgte auch für großes Aufsehen.
Ja, die ganze Welt ist erfüllt von Gottes wunderbaren Werken (Ps 92:6). Doch sie bleiben nicht Selbstzweck. Sie laden uns ein, innezuhalten, still zu werden und den Blick auf den Schöpfer zu richten. Gerade der Sabbat erinnert uns daran, dass unser Leben nicht vom eigenen Tun lebt, sondern von Gottes Gnade getragen ist.
Wenn wir seine Werke betrachten – in der Schöpfung, in der Geschichte und vor allem in der Erlösung durch Jesus Christus –, dann bleibt uns letztlich nur eines: Gott zu loben (Ps 92:5). So wie der Geheilte im Tempel, der ging, sprang und Gott pries (Apg 3:8), dürfen auch wir mit Freude und Dankbarkeit auf das antworten, was der HERR an uns getan hat.
Der HERR sprach zu seinem Volk: Siehe, ich will euch Getreide, Wein und Öl die Fülle schicken, dass ihr genug daran haben sollt.
Jesus nahm die fünf Brote und zwei Fische und sah auf zum Himmel, dankte und brach die Brote und gab sie den Jüngern, dass sie sie ihnen austeilten, und die zwei Fische teilte er unter sie alle. Und sie aßen alle und wurden satt.
In Joel 2 kündigt der HERR das Gericht am „Tag des HERRN" an (Joel 2:1). Dabei ist auch von einer Heuschreckenplage die Rede (Joel 2:25). Eine solche Plage frisst nahezu alles leer, was sich auf den Feldern der Bauern befindet. Darauf folgt meist eine katastrophale Hungersnot.
Wenn in Israel eine solche Heuschreckenplage grassierte, wurde das von den umliegenden Völkern als Strafe der Götter interpretiert. Darum rechnete kaum jemand mit einer baldigen Erholung der Situation. Umso erstaunlicher ist die Verheißung des Propheten Joel, der im Namen Gottes einen Überfluss zusagen durfte – vorausgesetzt, das Volk würde mit ganzem Herzen zum HERRN umkehren und echte Buße tun (Joel 2:12-13).
Gott kann jederzeit aus wenig, oder sogar aus nichts, eine Fülle machen. Die Trias „Getreide, Most und Öl" entspricht den drei Haupternten im landwirtschaftlichen Kalender Israels: Das Getreide wurde im Frühjahr, die Trauben für Most im Spätsommer und die Oliven für Öl im Herbst geerntet. Die Verheißung aller drei Ernten bedeutet einen vollständigen Jahreskreis des Segens (5Mo 11:14). Die Wiederherstellung des landwirtschaftlichen Segens dient daher nicht nur der Versorgung Israels, sondern auch der Demonstration von JHWHs Macht und Treue gegenüber den Nationen.
Wie wunderbar, dass Gott aus absolutem Mangel Fülle entstehen lässt! Genau dieses Handeln Gottes begegnet uns auch im Neuen Testament. Was Joel als Verheißung für Israel ankündigt, wird in Jesus Christus konkret und sichtbar.
In Markus 6 wird berichtet, wie fünftausend Männer samt Frauen und Kindern Jesus in die Einöde gefolgt sind und seinen Lehren zugehört haben (Mk 6:34). Als der Tag sich neigte, sagten die Jünger zu Jesus: „Schicke die Leute weg, damit sie in die umliegenden Dörfer und Gehöfte gehen und sich etwas zu essen kaufen können." Doch Jesus antwortete: „Gebt ihr ihnen zu essen!" (Mk 6:36-37). Die Jünger waren verwirrt und zeigten Jesus, was sie hatten: fünf Brote und zwei Fische. In Johannes 6:9 wird berichtet, wie Petrus auf einen kleinen Jungen aufmerksam machte, der fünf Gerstenbrote und zwei Fische bei sich hatte (Joh 6:9).
Manche Ausleger sehen in den fünf Broten und zwei Fischen ein Symbol für die fünf Bücher Mose (Tora), die Propheten (hebr. nevi'im) und die Schriften (hebr. ketuvim). Diese symbolische Lesart ist keine explizite Aussage des Textes, eröffnet aber eine geistliche Perspektive, aus der gefolgert werden kann: Wer das Wort Gottes aus dem Tanach (AT) zu Jesus bzw. mit Christus in Verbindung bringt, darf erleben, wie daraus eine geistliche Fülle entsteht, die alle Erwartungen übertrifft.
Jesus nahm das Wenige, dankte Gott dafür, und die Jünger begannen es auszuteilen (Mk 6:41). Und das Wunder geschah: Alle aßen und wurden satt – mehr als 5000 Menschen! Am Ende blieben sogar noch zwölf Körbe voll Brocken übrig (Mk 6:42-43). Das erinnert an Gottes übernatürliche Versorgung in der Wüste nach dem Auszug aus Ägypten, wo das Volk mit Himmelsbrot – dem Manna – versorgt wurde (2Mo 16:15). Darum nahm Jesus dieses Wunder in Johannes 6 zum Anlass, sich selbst als das wahre Himmelsbrot zu offenbaren (Joh 6:35).
Diese Begebenheit zeigt auf wunderbare Weise: Wenn wir das Wenige, das wir besitzen, zu Jesus bringen, wird es zu einer Fülle, die wir großzügig austeilen können. Am Ende bleibt sogar mehr übrig, als wir zu Beginn hatten. Ob Zeit, Kraft, Geld oder Gaben – was wir Jesus anvertrauen, ist bei ihm nie zu wenig.
Hier zeigt sich die göttliche Mathematik: Wenig + Jesus = Überfluss. Was in unseren Händen gering und unzureichend erscheint, kann Jesus in seine Hände nehmen, segnen und daraus mehr machen, als wir je für möglich gehalten hätten (2Kor 9:8).
HERR, mein Gott, groß sind deine Wunder und deine Gedanken, die du an uns beweisest; dir ist nichts gleich!
Der Geheilte stand auf und nahm sogleich sein Bett und ging hinaus vor aller Augen, sodass sie sich alle entsetzten und Gott priesen und sprachen: Wir haben solches noch nie gesehen.
von Ingo Mees
David hatte eine leidvolle und notvolle Erfahrung hinter sich. Im geduldigen Vertrauen auf die rechtzeitige Hilfe Gottes schrie er zu seinem Gott und erlebte eine wunderbare Errettung aus seiner schwierigen Lage (Ps 40:2-3). In seiner Freude über die herrliche Erfahrung der Barmherzigkeit Gottes stimmt er nun ein Loblied an und preist seinen Gott in aller Öffentlichkeit in der Hoffnung, dass die Hörer seines Liedes sich dem Gott Israels in Ehrfurcht zuwenden (Ps 40:4-5). David erkennt, dass das wunderbare Handeln Gottes in seinem Leben einem Plan entspringt, den Gott für sein Leben und auch für das Leben aller Gotteskinder hat (Ps 40:6, NGÜ): „HERR, mein Gott! Wie oft hast du Wunder geschehen lassen, wie zahlreich sind deine Pläne, die du mit uns hast! Keiner ist wie du!"
Gott hat einen Plan mit unserem Leben – das darf und sollte jedem Gotteskind zu einer festen Glaubensgewissheit werden! Es ist ein Plan, der Gottes Liebe zu uns entsprungen ist und den er ganz sicher zum Ziel bringt – Jesus Christus ist der Garant dafür (2Kor 1:20-22)! Dabei spart unser himmlischer Vater nicht mit Wundern. Jedes Glaubensleben beginnt mit dem Wunder der Erweckung: Gott hat seine Kinder aus ihrem Todeszustand erweckt (Eph 2:1), begegnet ihnen in seinem Wort und beschenkt sie mit seiner Erlösungs- und Vergebungsgnade (Eph 1:7). Der Geist Gottes, der jedem Kind Gottes mit der Wiedergeburt geschenkt wird, ist das Siegel der Errettung (Eph 1:13-14). Auch das ist ein Wunder: Gott wohnt durch seinen Geist in jedem seiner Kinder (1Kor 3:16)!
Jeder christusgläubige Mensch wird auf seinem Lebensweg das wunderbare und planvolle Handeln Gottes erleben. Manchmal geschieht das sehr offensichtlich, wie bei dem Gelähmten, den seine Freunde mit der Bitte um Heilung zu Jesus bringen (Mk 2:1-5). Nach seiner Begegnung mit Jesus ist der ehemals Gelähmte körperlich vollständig wiederhergestellt, was dazu führte, dass Gott über dieses Wunder gepriesen wurde. Viel bedeutender war aber, dass auch der innere Mensch des Gelähmten geheilt wurde: Jesus vergab dem Mann seine Sünden (Mk 2:5 / 1Joh 1:9). So konnte dieser ein völlig neues Leben beginnen (Röm 6:4), zur Ehre Gottes.
Manchmal aber ist es ein noch größeres Wunder, wenn Gott uns nicht aus unserer Not befreit, sondern uns Kraft zum Durchhalten und Überwinden schenkt. Eine wunderbare Heilung ist kein größeres Wunder als das Zeugnis eines Menschen, der in seiner Not vertrauensvoll am Glauben festhält und sich von seinem himmlischen Vater mit Kraft zum Ertragen des Leids beschenken lässt (2Kor 12:9). Nicht nur die Mitmenschen sehen das oft mit Staunen, sondern auch die Bewohner der unsichtbaren Welt, die uns beobachten, bekommen eine Lektion (Eph 3:10 / 1Kor 4:9). Gott führt die Seinen mit großer Liebe und Treue durch ihr irdisches Leben (Ps 23:3). Er bereitet seine Kinder planvoll und auf wunderbare Weise auf das Leben in der Herrlichkeit vor, für das sie bestimmt sind (Röm 8:29-30). Sein Weg mit uns ist perfekt auf unsere Persönlichkeit abgestimmt und wird bestimmt von seiner väterlichen Liebe und Fürsorge. Nichts wird uns erreichen, was nicht dazu dient, dass der Plan Gottes für unser Leben zum Ziel kommt (Röm 8:28). Auch wenn unsere Seele das nicht immer so empfindet, dürfen wir im Glauben daran festhalten.
Im Vertrauen auf die große Güte und die nie endende Gnade Gottes können wir in jeder Lebenslage unsere Knie beugen und unseren Gott anbeten: „Keiner ist wie du!"
Verlass mich nicht, HERR, mein Gott, sei nicht ferne von mir!
Jaïrus bat Jesus sehr und sprach: Meine Tochter liegt in den letzten Zügen; komm und lege ihr die Hände auf, dass sie gesund werde und lebe.
Die Verse 2–15 aus Psalm 38 beschreiben eine unfassbare Not. Wenn ich versuche, mich gedanklich in dieses Leid hineinzuversetzen, wird mir selbst körperlich unwohl. Die hier beschriebene Tiefe der Not ist beinahe unerträglich. Es würde uns kaum wundern, wenn man aus heutiger Sicht von einer schweren depressiven Phase sprechen würde.
Derselbe David – der so heldenhaft den Riesen Goliath bezwang (1Sam 17) und über den die Frauen in Israel tanzten, sangen und sprachen: „Saul hat seine Tausende erschlagen und David seine Zehntausende" (1Sam 18:7) – lässt hier so tief in sein Innerstes blicken. In der antiken Königswelt gab es zwar auch andere Herrscher, die über irgendwelche Nöte – oder manchmal über eine persönliche Schuld – klagten. Doch im Gegensatz zu diesen war Psalm 38 kein Staatsgebet, sondern ein Tagebucheintrag einer verzweifelten Seele. Das war in jener Zeit äußerst selten.
In Psalm 22,2 beschreibt David das intensive Gefühl der Gottverlassenheit. Im heutigen Losungsvers bringt er hingegen die Angst davor zum Ausdruck. David stand am Rande der Hoffnungslosigkeit.
Eigentlich sind solche Texte „keine gute Werbung" für einen Gott, der die Liebe in Person ist (1Joh 4:8). Doch genau das zeigt die Stärke und Authentizität der Bibel: Sie beschreibt echte Menschen mit echten Problemen – und einen Gott, der trotz allem treu bleibt (2Tim 2:13). Das Wort Gottes enthält keine „Schönfärberei der menschlichen Existenz", sondern eine realistische Darstellung unseres irdischen Lebens – mit allen Facetten.
Wer das alles sieht, fragt sich vielleicht, warum David sich nicht enttäuscht von Gott abgewandt hat. Er hätte sich sagen können: „Es lohnt sich nicht, diesem Gott zu vertrauen, wenn er zulässt, dass ich so schwer leiden muss!" Doch David kannte seinen Gott mittlerweile so gut, dass er wusste: „Gott kann und wird mich retten, wenn ich ihm vertraue!" (Ps 34:5)
Diese Erfahrung des Wartens am Rand der Hoffnungslosigkeit begegnet uns nicht nur bei David, sondern auch im Neuen Testament. Das Beispiel von Jaïrus im heutigen Lehrtext zeigt genau diese Dynamik (Mk 5:21-43): Auch er stand am Abgrund der Verzweiflung, als seine zwölfjährige Tochter im Sterben lag. Seine einzige Hoffnung war, dass Jesus – der mittlerweile bekannte Lehrer, Prophet und Wunderheiler – noch rechtzeitig kommen würde, um sein todkrankes Kind zu heilen. Darum wandte er sich in dieser hoffnungslosen Situation an ihn.
Doch mitten im Gedränge kam es zu einer Verzögerung, die Jaïrus befürchten ließ, dass Jesus zu spät kommen könnte: Eine Frau, die seit zwölf Jahren an Blutfluss litt, mischte sich unter die Menge. Das war ihr eigentlich verboten, denn sie galt als unrein (3Mo 15:25-27). Nachdem sie ihr gesamtes Vermögen an erfolglose Ärzte verloren hatte, blieb ihr nur noch eine Hoffnung: Wenn sie nur die Quaste (hebr. Zizit) seines Gewandes berühren könnte (Lk 8:44).
Die Zizit war ein sichtbares Zeichen der Bundestreue und der Zugehörigkeit zum Volk Gottes (4Mo 15:38-39). Dass ausgerechnet diese Frau sie berührte, zeigt: Sie klammerte sich im Glauben an Gottes Verheißung – und Jesus, der das Gesetz nicht nur hielt, sondern erfüllte (Mt 5:17), ließ diesen Glauben nicht unbeantwortet. Tatsächlich wurde sie durch diese Berührung geheilt.
Doch genau in diesem Moment brachte jemand aus dem Haus des Jaïrus die Hiobsbotschaft:
„Deine Tochter ist gestorben. Bemühe den Lehrer nicht!" (Mk 5:35)
Doch als Jesus das hörte, ermutigte er ihn:
„Fürchte dich nicht, glaube nur! Und sie wird gerettet werden." (Lk 8:50)
Als Jesus ins Haus kam und sagte, dass das Mädchen nur schläft, lachten ihn alle aus – sie wussten genau, dass das Mädchen gestorben war (Mk 5:39-40). Doch Jesus ergriff ihre Hand und sprach: „Mädchen, steh auf!" Ihr Geist kehrte zurück und sogleich stand sie auf (Mk 5:41-42).
Auch wir kennen solche Situationen, in denen Gottes Eingreifen auf sich warten lässt. Manchmal scheint es, als käme Jesus zu spät – und die Hoffnung stirbt leise in uns ab. Doch gerade dann gilt sein Zuspruch: „Fürchte dich nicht, glaube nur." Wer sich daran festhält, wird erfahren, dass Gottes Hilfe nicht ausbleibt, sondern zur rechten Zeit kommt (Ps 46:2 / Hebr 4:16).
Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege, spricht der HERR.
Wohlan, die ihr sagt: Heute oder morgen werden wir in die und die Stadt aufbrechen, ein Jahr dort verbringen, gute Geschäfte machen und Gewinne erzielen! Ihr solltet sagen: Wenn der Herr es will, werden wir leben und dies oder jenes tun.
Wir planen Termine, Karrieren, Urlaube, Projekte – oft Monate im Voraus. Und manchmal reicht ein einziger Anruf, um alles über den Haufen zu werfen.
Gott hat uns Menschen nach seinem Bild geschaffen (1Mo 1:27). Deshalb können wir kreative Pläne entwickeln und Projekte umsetzen. Wir planen fast automatisch unsere nächsten Schritte. Das ist nicht verkehrt – ich glaube sogar, dass es im Sinne Gottes ist. Der HERR möchte jedoch, dass wir beim Planen drei grundlegende Dinge beachten:
Planen mit dem richtigen Motiv. Wir dürfen uns immer wieder fragen: Dienen unsere Projekte in erster Linie unserer Selbstverwirklichung oder stammen unsere Pläne aus dem Motiv der Liebe? Die Apostel planten Reisen und überlegten, wie sie den Menschen die gute Botschaft weitergeben können (Apg 16:6-10). Sie initiierten Spendensammlungen, um Bedürftige zu unterstützen (1Kor 16:1-4), und dachten im Gebet darüber nach, wie die Gemeinden geistlich auferbaut werden können (Apg 20:28). Im Gegensatz dazu planten die Händler, die Jakobus ermahnte, gewinnbringende Geschäfte, um sich ein möglichst genussvolles Leben zu ermöglichen. Das Problem war nicht das Planen oder der Handel an sich, sondern dass Gott in diesen Plänen keine Rolle spielte und der Egoismus das Hauptmotiv war (Jak 4:13-16).
Planen mit Gebet. Wenn wir unsere nächsten Schritte mit dem Motiv der Liebe planen, ist es von großer Bedeutung, dass wir das, was wir umsetzen wollen, mit unserem HERRN im Gebet besprechen (Spr 3:5-6). Wir sollten ihn fragen, ob wir in diese oder jene Richtung gehen sollen. Während ich betend die Bibel lese, geschieht es immer wieder, dass ich für den einen oder anderen Schritt Klarheit bekomme. Letztlich geht es um eine Führung durch den Heiligen Geist (Röm 8:14). Oft leitet er uns durch einen inneren Frieden, den wir bei einer Entscheidung spüren dürfen (Kol 3:15).
Planen mit Demut. Leider überschätzen wir unsere Planungskünste allzu oft. Im Gegensatz zu unserem Schöpfer fehlt uns der Gesamtüberblick. Wir betrachten alles aus unserer „Froschperspektive", während unser himmlischer Vater „wie ein Adler" alles überblickt (Jes 55:8-9). Gott hat Pläne mit uns, die wir noch nicht erkennen. Dieses Wissen vermittelt uns das Bewusstsein, dass Gott in seiner Souveränität jederzeit unsere Pläne durchkreuzen kann. Wenn er uns andere Schritte lenkt, als wir geplant haben, gefallen sie uns vielleicht nicht – aber sie sind in jedem Fall besser als das, was wir uns ausgedacht haben (Röm 8:28). Darum schreibt Jakobus, dass wir immer mit dem Bewusstsein planen sollten: „So der Herr will und wir leben, wollen wir dies oder jenes tun!" (Jak 4:15)
Gerade diese Demut führt uns zu einer wichtigen Erkenntnis: Wir werden Gottes Wege nicht immer verstehen (Röm 11:33). Es ist durchaus legitim zu sagen, dass wir dies oder jenes nicht verstehen, was Gott gemacht oder zugelassen hat. Doch es ist völlig vermessen, wenn wir kleinen Menschen uns anmaßen, gewisse Dinge besser machen zu können als Gott (Jes 45:9).
Wenn alle Gedanken Gottes in unserem kleinen Hirn Platz fänden und wir alles verstehen würden, was Gott tut, dann wäre Gott sehr klein – dann wäre er nicht Gott!
Das Buch der Sprüche enthält faszinierende Aussagen, die uns die göttliche Realität vor Augen führen. Sie sind schwer verständlich und kaum erfassbar. Trotzdem lohnt es sich, darüber nachzudenken, weil sie uns hinter die Kulissen schauen lassen. Da heißt es:
"Beim Menschen sind die Überlegungen des Herzens, aber vom HERRN kommt die Antwort der Zunge." (Spr 16:1)
"Das Herz des Menschen plant seinen Weg, aber der HERR lenkt seinen Schritt." (Spr 16:9)
"Viele Gedanken sind im Herzen eines Mannes; aber der Ratschluss des HERRN, er kommt zustande." (Spr 19:21)
Diese Aussagen verdeutlichen unsere Beschränktheit und machen gleichzeitig klar, dass Gott absolut souverän ist. Wir haben zwar einen eigenen Willen und tragen Verantwortung für das, was wir wollen. Doch der HERR kontrolliert das Weltgeschehen, und nichts geschieht ohne Gottes Zulassung (Dan 4:32). Darum sagte Jesus: Kein Sperling fällt auf die Erde ohne den Willen des Vaters (Mt 10:29). Alles, was ER will, kommt zustande. Deshalb werden wir immer wieder Wege geführt, die wir so nicht geplant hatten!
Doch wenn wir Gott vertrauen und ihn lieben, wirken alle Ereignisse zu unserem Besten zusammen (Röm 8:28). Am Ziel werden wir erkennen, was Gott durch Jeremia verheißen hatte:
"Denn ich kenne ja die Gedanken, die ich über euch denke, spricht der HERR, Gedanken des Friedens und nicht zum Unheil, um euch Zukunft und Hoffnung zu gewähren." (Jer 29:11)
Vielleicht stehst du gerade an einem Punkt, an dem Gottes Weg ganz anders aussieht als deiner. Dann darfst du wissen: Seine Gedanken sind größer – und sie sind Gedanken des Friedens.
Gott ändert Zeit und Stunde; er setzt Könige ab und setzt Könige ein.
Insbesondere bitte ich euch nun, vor Gott einzutreten für alle Menschen in Bitte, Gebet, Fürbitte und Danksagung, für die Könige und alle Amtsträger.
Autokraten fordern von ihren Untergebenen manchmal das Unmögliche und überfordern sie damit völlig. Doch gelegentlich führt dies zu erstaunlichen Ergebnissen.
Der babylonische König Nebukadnezar verlangte von seinen Traumdeutern und Beratern das Unmögliche: Sie sollten nicht nur seinen Traum deuten, sondern ihn zunächst erraten – eine unmögliche Aufgabe, da niemand die Gedanken des Königs lesen konnte (Dan 2:1–11). Damit wollte er sicherstellen, dass die Deutung wirklich aus göttlicher Quelle stammte und nicht nur eine erfundene Interpretation war. Der König glaubte offensichtlich, dass ein Gott die Macht besaß, den Traum einem seiner Untergebenen zu offenbaren.
Als niemand das Rätsel lösen konnte, befahl Nebukadnezar, alle Traumdeuter hinzurichten – darunter auch Daniel und seine Freunde (Dan 2:12-13). Doch Daniel bat um Aufschub, der ihm gewährt wurde (Dan 2:14-16). Dann heißt es weiter:
"Darauf ging Daniel in sein Haus; und er teilte seinen Gefährten Hananja, Mischaël und Asarja die Sache mit, damit sie den Gott des Himmels um Erbarmen baten wegen dieses Geheimnisses, damit Daniel und seine Gefährten nicht mit den übrigen Weisen von Babel umkamen." (Dan 2:17-18)
Daniel wusste: Ohne göttliche Offenbarung war diese Aufgabe unmöglich. Nur wenn Gott Gnade schenkte und den Traum offenbarte, konnten sie gerettet werden. Doch er wusste auch, dass Gott aufrichtige Gebete ernst nimmt und daraufhin handelt und antwortet (Jak 5:16). Deshalb wies er seine Freunde an, gemeinsam mit ihm für diese Sache zu beten.
Gott erhörte ihre Gebete und offenbarte Daniel sowohl den Traum als auch dessen Deutung (Dan 2:19). Daraufhin betete Daniel den Gott des Himmels an, dankte ihm und sagte:
"Gepriesen sei der Name Gottes von Ewigkeit zu Ewigkeit! Denn Weisheit und Macht, sie sind sein. Er ändert Zeiten und Fristen, er setzt Könige ab und setzt Könige ein; er gibt den Weisen Weisheit und Erkenntnis den Einsichtigen; er offenbart das Tiefe und das Verborgene; er weiß, was in der Finsternis ist, und bei ihm wohnt das Licht." (Dan 2:20-22)
Wahre Anbeter Gottes wissen, dass alles, was sie erkennen und tun können, ein Geschenk der Gnade Gottes ist (Jak 1:17). Deshalb können sie nie sich selbst rühmen, sondern nur Gott allein (1Kor 1:31). Gleichzeitig wissen und glauben sie, dass ihrem Gott alles möglich ist (Mt 19:26). Wahre Anbeter sind von Herzen demütig. Sie erkennen, dass Gott alle Mächte des gesamten Universums im Griff hat und nichts ohne seinen Willen geschieht (Röm 8:28). Das bewirkt ein großes Vertrauen und eine wohltuende Gelassenheit.
Ein Gebet, das von Herzen kommt, bewirkt viel mehr, als wir denken – zuerst bei uns selbst und dann auch in unserem Umfeld, bis hinein in die Weltpolitik. Letzteres sehen wir allerdings in den allermeisten Fällen nicht.
Was wir bei Daniel sehen, wird im Neuen Testament ausdrücklich zur bleibenden Praxis der Gemeinde erklärt. Deshalb ermahnt uns der Apostel Paulus „vor allen Dingen", dass Flehen, Gebete, Fürbitten, Danksagungen getan werden für alle Menschen – für Könige und alle, die in Hoheit sind – damit wir ein ruhiges und stilles Leben führen in aller Gottesfurcht und Ehrbarkeit.
Das Gebet für alle Menschen hat also oberste Priorität und sollte immer an erster Stelle stehen. Bevor wir irgendetwas sagen oder tun, sollten wir zuerst für die Menschen beten, mit denen wir zu tun haben – und sei es auch nur ein kurzes Stoßgebet (1Thes 5:17). Statt über unsere Regierung zu schimpfen, haben wir den Auftrag, für sie zu beten und zu danken!
Was würde sich verändern – in uns und in unserem Land –, wenn wir diesen Auftrag wirklich ernst nähmen? Vielleicht beginnt Veränderung nicht mit neuen Worten oder Taten, sondern mit einem stillen Gebet im Verborgenen (Mt 6:6). Darum gilt bei allem, was wir tun: Zuerst mit liebendem Herzen beten, dann reden und handeln!
Ich habe die Erde gemacht und Menschen und Tiere, die auf Erden sind, durch meine große Kraft und meinen ausgestreckten Arm und gebe sie, wem ich will.
Gottes unsichtbares Wesen - das ist seine ewige Kraft und Gottheit - wird seit der Schöpfung der Welt, wenn man es mit Vernunft wahrnimmt, an seinen Werken ersehen.
In Jeremia 27 offenbart Gott seinem Volk und den Nachbarvölkern seinen souveränen Willen: Die damalige Welt soll sich dem babylonischen König Nebukadnezar unterwerfen (Jer 27:6-7). Für Juda und die umliegenden Staaten – Edom, Moab, Ammon, Tyrus und Sidon – bedeutete dies den weitgehenden Verlust ihrer Selbstständigkeit. Dass diese Botschaft auf wenig Begeisterung stieß, versteht sich von selbst.
Das fühlte sich ähnlich an, als würde in Europa ein Prophet aufstehen und allen Europäern verkünden, Gott habe entschieden, dass eine fremde Großmacht ganz Europa einnehmen wird. Wir würden unsere Selbstständigkeit verlieren, einen Teil unseres Wohlstands und wahrscheinlich alle unsere demokratischen Rechte. Ich kenne niemanden, dem das gefallen würde.
Aber genau so fühlte sich zur Zeit Jeremias die Lage im Nahen Osten an. Die Bedrohung war so ernst, dass alle darüber nachdachten, ob sie ein Militärbündnis schmieden sollten, um der babylonischen Großmacht die Stirn zu bieten – oder ob sie Tribut zahlen oder sich gleich ergeben sollten.
Der Prophet Jeremia überbringt den Ländern des Nahen Ostens eine göttliche Botschaft: Sie sollen sich dem König Nebukadnezar unterwerfen (Jer 27:8). Wer diese Botschaft ablehnt und stattdessen auf Wahrsager, Beschwörer und Zauberer hört, wird durch das Schwert, den Hunger oder die Pest umkommen.
Die umliegenden Länder standen vor einer Entscheidung: Entweder sie glaubten dem unbequemen Wort Gottes und akzeptierten ihr schmerzhaftes Schicksal – oder sie hörten auf Stimmen, die ihnen sagten, was sie hören wollten (Jer 27:9-10). Letzteres war verständlich und verlockend, aber es war Selbstbetrug. Wahrheit lässt sich nicht durch Wunschdenken ersetzen, und wer sie ablehnt, steuert auf das Unglück zu.
Historisch unterwarfen sich damals tatsächlich einige Staaten Nebukadnezar. Ob das aufgrund von Jeremias Schreiben geschah, lässt sich allerdings nicht sagen.
Das Wort Gottes enthält die wahre Anleitung für unser Leben (Ps 119:105). Wer sie beachtet, erfährt viel Segen – obwohl sie uns Dinge rät, die uns von Natur aus nicht behagen, wie zum Beispiel Enthaltsamkeit oder eine Dienstbereitschaft aus Liebe.
Viele Menschen möchten ein selbstbestimmtes Leben führen. Deshalb fällt es ihnen leichter, die Existenz eines Schöpfergottes infrage zu stellen oder jenen zu glauben, die im Brustton der Überzeugung behaupten, es gebe keinen Schöpfer des Menschen – und somit auch niemanden, der den Menschen mit einer ganz bestimmten Absicht erschuf.
Was sich in Jeremia 27 auf politischer Ebene zeigt, beschreibt Paulus in Römer 1 auf geistlicher Ebene. Der Apostel hält fest, dass die Existenz eines allmächtigen Gottes an der Schöpfung erkannt werden kann (Röm 1:20).
Wer die unermessliche Vielfalt und Komplexität der Natur betrachtet, erkennt darin Hinweise auf Ordnung, Zielgerichtetheit und Sinn, die sich nicht zufriedenstellend auf Zufall reduzieren lassen. Doch weil Menschen Gott nicht als Herrn anerkennen wollen, unterdrücken sie diese Wahrheit bewusst und erfinden alternative Erklärungen für die Entstehung der Welt (Röm 1:18-19). Der Glaube an Gott ist nicht in erster Linie ein intellektuelles Problem, sondern eine Frage des Herzens – der Bereitschaft, sich Gott zu unterstellen.
Wie die Menschen zur Zeit Jeremias lieber den angenehmen Lügen falscher Propheten glaubten, hören heute viele lieber auf Stimmen, die ihnen sagen, sie seien niemandem Rechenschaft schuldig. Doch diese Selbsttäuschung führt ins Verderben (Röm 1:21-22). Das Anerkennen von Gottes Herrschaft hingegen bringt Leben und Frieden (Röm 8:6).
Es lohnt sich, den Schöpfer des Universums anzuerkennen und ihm Ehre und Dank zu geben (Röm 1:21)!
Ihre Gemeinde soll vor mir fest gegründet stehen.
Ihr seid erbaut auf den Grund der Apostel und Propheten, da Jesus Christus der Eckstein ist.
In Jeremia 30 beschreibt der Prophet das eigenwillige Handeln seines Volkes, das zu einem „unheilbaren Bruch" und einer „bösartigen Wunde" führte (Jer 30:12). Er schreibt weiter: „Niemand führt deine Rechtssache, für das Geschwür gibt es keine Heilung, keine heilende Haut für dich!" (Jer 30:13). In Vers 15 fragt der HERR sein Volk: „Was schreist du um Hilfe über deinen Bruch, dass dein Schmerz unheilbar ist?" Anschließend erklärt Gott die Ursache dieses unsagbaren Leids: „Um der Größe deiner Schuld willen, weil deine Sünden zahlreich sind, habe ich dir das angetan".
Doch dann folgt ab Vers 17 die erstaunliche Verheißung:
„Denn ich will dir Genesung bringen und dich von deinen Wunden heilen, spricht der HERR, weil man dich eine Verstoßene nennt: »Das ist Zion, nach dem niemand fragt!« … Siehe, ich will das Geschick der Zelte Jakobs wenden, und über seine Wohnungen will ich mich erbarmen. Und die Stadt wird auf ihrem Hügel wieder erbaut, und der Palast wird an seinem rechten Platz stehen; und Lobgesang und die Stimme der Spielenden soll ⟨wieder⟩ von ihnen ausgehen. … Und ich will sie herrlich machen, und sie werden nicht gering geachtet werden. Und seine Söhne werden sein wie früher, und seine Gemeinde wird vor mir fest stehen; alle seine Unterdrücker aber werde ich heimsuchen." (Jer 30:17-20)
Gott selbst will sein Volk wiederherstellen und ihre Wohnungen aufbauen. Trotz aller Untreue und allem Versagen bleibt seine Treue bestehen – er will sein Volk fest gründen, damit es vor ihm Bestand hat (Klgl 3:22-23).
Aus der Geschichte Israels wissen wir, dass der zerstörte Tempel und die verwüstete Stadt wieder aufgebaut wurden (Esra 3:10-11 / Neh 6:15). Der „unheilbare Bruch" war für die Menschen nicht heilbar – aber für Gott schon (Jer 32:27).
Wo jegliche Hoffnung auf Wiederherstellung verloren geht, greift Gott ein und macht das Unmögliche möglich.
Der Tempel in Jerusalem war der Ort der Gottesbegegnung. Jesus bezeichnet ihn als ein „Haus des Gebets" (Mt 21:13). In diesem Haus konnte die Vertrauensbeziehung zum HERRN gepflegt und gestärkt werden. Der zerstörte Tempel war zugleich ein Bild für eine zerstörte Gottesbeziehung – eine Trennung vom wahren Leben, die den Tod zur Folge hatte (Röm 6:23).
Was Gott an Israel historisch tat, offenbart zugleich ein geistliches Prinzip, das sich in Christus endgültig erfüllt und heute in seiner Gemeinde sichtbar wird. Seit der Auferstehung Jesu Christi geht es nicht mehr um einen steinernen Tempel, sondern um einen geistlichen (1Kor 3:16). Jesus Christus wurde als Baustein von den Bauleuten – den geistlichen Leitern in Israel – verworfen. Doch nun ist er zum Eckstein geworden, an dem sich alle anderen Steine ausrichten, damit ein geistlicher Tempel aufgebaut werden kann (Ps 118:22 / 1Petr 2:6-7).
Die Apostel und Propheten erweiterten das Fundament, indem sie der Gemeinde Jesu – dem Tempel Gottes – die göttliche Lehre gaben (Eph 2:20). Mit den „Aposteln und Propheten" sind nicht wechselnde Offenbarungsträger gemeint, sondern das einmal gelegte Zeugnis der Heiligen Schrift, das auf Christus hinweist (Jud 1:3). Auf dieser Lehre kann der „Tempel" weiter gebaut werden. Paulus sagte, dass er als weiser Baumeister den Grund gelegt hat (1Kor 3:10). Petrus bezeichnet die Gläubigen als „lebendige Steine", die zu einem geistlichen Haus gebaut werden (1Petr 2:5). Dieses geistliche Haus weist auf die endgültige Vollendung im himmlischen Jerusalem hin (Offb 21:2-3).
Paulus erklärt: „Einen anderen Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus" (1Kor 3:11). Dieser Grund ist unverrückbar und ewig – gelegt durch Gottes Gnade in Jesus Christus.
Was für die Gemeinde gilt, gilt auch für jeden Einzelnen: Wo wir auf diesen Grund bauen – indem wir uns von Jesus Christus führen und leiten lassen und unser Leben an der Lehre der Apostel und Propheten ausrichten – da steht unser Leben fest (Mt 7:24-25). So darf die Gemeinde Jesu Christi aufgebaut werden, wie Gott es geplant hat.
Lasst uns auf Christus vertrauen und auf die Lehre der Apostel und Propheten fokussiert bleiben, damit wir nicht auf ein falsches Fundament bauen, das wieder abgebrochen werden muss (1Kor 3:12-15).
Das nachfolgende Bild veranschaulicht dies:
Der HERR wird König sein immer und ewig.
Jesus wird König sein über das Haus Jakob in Ewigkeit, und seine Herrschaft wird kein Ende haben.
Der heutige Losungstext stammt aus dem Lied, das Mose und die Israeliten sangen, nachdem Gott sie vor dem ägyptischen Heer gerettet hatte (2Mo 15:1-18). Gott teilte das Schilfmeer, sodass sie trockenen Fußes hindurchziehen konnten. Als die Ägypter ihnen folgten, ließ Gott das Meer über sie hereinbrechen, sodass alle umkamen. Über Jahrhunderte kannten die Israeliten nur einen König: den Pharao. Er regierte mit scheinbar unbegrenzter Macht. Doch nun war der Punkt gekommen, wo der ägyptische König seine Macht über das Volk Israel endgültig verloren hatte. Sie durften erkennen, wer der wahre König ist – nämlich Gott der HERR, der auch König aller Könige genannt wird (Offb 19:16)!
Gott war der König seines Volkes. In dieser ersten Zeit erlebte das Volk eine Theokratie – eine Regierungsform, die damals einmalig war, denn die Welt kannte fast ausschließlich die Monarchie. Heute leben wir – zumindest im Westen – überwiegend in demokratischen Staatsformen. Die Monarchie, die über Jahrtausende hinweg vorherrschend war, gilt vielen als überholt, weil menschliche Herrscher oft ihr eigenes Wohlergehen über das des Volkes stellten.
Auch eine Demokratie ist auf verantwortungsvolle Leitung angewiesen – denn ein Volk ohne Orientierung und Führung ist auf Dauer dem Scheitern ausgeliefert (Spr 11:14). Eine Demokratie kann jedoch nur dann bestehen, wenn die Mehrheit des Volkes Werte vertritt, die dem Leben dienen. Entfernt sich eine Gesellschaft zunehmend von Gottes Maßstäben, gerät auch ein demokratischer Staat in ernste Gefahr. Selbst der Kommunismus funktioniert nicht ohne Regierung. Egal für welche Staatsform wir uns entscheiden – wir brauchen immer eine Führung.
Bis heute gelangen meist jene Menschen in Machtpositionen, die nach Macht streben. Dieses Streben entspringt jedoch oft dem Motiv der Selbstverherrlichung und ist an Machtgier gekoppelt. Diese Eigenschaften führen zu einer gewissen Rücksichtslosigkeit. Ein Regent, der von solchen Eigenschaften dominiert wird, entspricht niemals dem göttlichen Anforderungsprofil für einen Regenten.
Doch wie sieht ein Herrscher aus, der wirklich im Sinne Gottes regiert? Ein solcher König lässt sich von Gottes vollkommener Liebe leiten und inspirieren (1Jo 4:16). Er sucht nur die Verherrlichung Gottes und das bleibende Wohl des Volkes. Er ist Gott wohlgefällig, wenn er voller Demut und Sanftmut ist und zugleich für Recht und Gerechtigkeit kämpft (Ps 45:5-8). Er muss sich um die Schwachen und Elenden kümmern (Ps 72:12-14) und gleichzeitig den egoistischen, selbstherrlichen und hochmütigen Personen entschlossen entgegentreten.
All diese Maßstäbe übersteigen jede menschliche Herrschaft – und führen unweigerlich zu einer Person. Der Einzige, der diesem göttlichen Anforderungsprofil für einen ewigen König entspricht, ist der verheißene Sohn Davids – Jesus Christus (Jes 9:5-6). Er vereint alles, was ein Gott wohlgefälliger König haben muss. Weil Jesus sich freiwillig erniedrigte, hat Gott ihn über alle erhöht und zu seiner Rechten eingesetzt (Phil 2:5-11). Dort regiert er auf dem himmlischen Thron, bis Gott alle seine Feinde zum Schemel seiner Füße gelegt hat (Ps 110:1).
Jesus Christus ist der König aller Könige – auch wenn das für uns heute noch nicht sichtbar ist (1Tim 6:15). Ihm ist alle Macht im Himmel und auf Erden gegeben (Mt 28:18). Doch das wird erst sichtbar werden, wenn er mit großer Macht und Herrlichkeit vom Himmel wiederkommt und sein Reich auf der Erde aufrichtet (Offb 11:15).
Dieser sanftmütige und dienende König klopft noch an deine Herzenstür und bittet um Einlass (Offb 3:20). Wenn du ihn einlässt und auf deinem Herzensthron sitzen lässt, hast du nicht nur den besten Führer deines Lebens, sondern auch jemanden bei dir, der dich unendlich liebt (Joh 3:16)!
Die er aus den Ländern zusammengebracht hat von Osten und Westen, von Norden und Süden: Die sollen dem HERRN danken für seine Güte und für seine Wunder, die er an den Menschenkindern tut.
Ihr hattet keine Hoffnung und wart ohne Gott in der Welt. Jetzt aber in Christus Jesus seid ihr, die ihr einst fern wart, nahe geworden durch das Blut Christi.
Was bleibt, wenn ein Mensch seine Heimat verliert – äußerlich oder innerlich? Psalm 107 gibt darauf eine überraschend hoffnungsvolle Antwort. Dieser Psalm eröffnet das fünfte und letzte Buch der Psalmen. Die Elberfelder Bibel überschreibt ihn mit „Danklied der Erlösten". Dieses Lied beschreibt Gottes rettende Güte und seine herrlichen Wundertaten auf einmalige Weise. Doch es zeigt noch mehr: Die tiefen und schweren Gerichte Gottes sind nicht das Letzte. Am Ende steht jeweils Lobpreis und Dank für sein rettendes Handeln.
Abgesehen vom Einleitungsvers und den beiden Schlussversen lässt sich dieser Psalm in fünf Abschnitte aufteilen. Die ersten vier Abschnitte beschreiben unterschiedliche Menschengruppen, die in tiefe Bedrängnisse geraten und dann zum HERRN rufen (V. 2-32). Anschließend werden sie durch die Gnade Gottes aus der Not gerettet, damit sie seine große Güte und Huld preisen (hebr. chesed). Der letzte Abschnitt zeigt ein Erniedrigen und Erhöhen Gottes, das mehr oder weniger die ganze Schöpfung betrifft (V. 33-41).
Die vier Gruppen lassen sich wie folgt beschreiben:
Die Erlösten des HERRN, die unter der Hand des Bedrängers leiden und in alle Länder zerstreut wurden (Ps 107:2-9)
Die Widerspenstigen, die Gottes Wort ablehnten und deshalb zu Gefangenen der Finsternis wurden (Ps 107:10-16)
Die Toren, die sich infolge ihres gottlosen Weges am Rande des Todes befanden (Ps 107:17-22)
Die Seefahrer, die in große Seenot gerieten (Ps 107:23-32)
Jede Gruppe befand sich in großer Not, und bei allen heißt es vor ihrer Errettung: „Da schrien sie zum HERRN!" Dieser Notschrei war jeweils der Auslöser für Gottes rettendes Handeln.
Der heutige Losungstext betrifft die erste Gruppe – die Erlösten des HERRN. Historisch spricht der Psalm zunächst von Israel, das im Laufe seiner Geschichte immer wieder bedrängt und aus allen Ländern gesammelt wurde (Ps 107:2-3). Geistlich jedoch weist er darüber hinaus.
Mit den Erlösten des HERRN können aber auch die Gläubigen generell gemeint sein, die vom Feind Gottes bedrängt werden und in dieser Welt nicht heimisch sind (Hebr 11:13). Sie gehen auf einem Wüstenweg, wo ihre Seele nach Gerechtigkeit hungert und nach dem wahren Lebenswasser dürstet (Mt 5:6 / Joh 7:37-38). Dieser Durst ist ein Bild für die Sehnsucht des Herzens nach wahrer, bedingungsloser Liebe.
Große Teile des Volkes Israel befinden sich nach wie vor im Exil, fern von ihrer gottgegebenen Heimat – dem verheißenen Land. In den letzten Jahrzehnten hat Gott jedoch viele gesammelt und in ihre Heimat geführt, sodass sie wieder in ihrem Land wohnen können (Hes 36:24).
Auch die Gottesfürchtigen aus aller Welt fanden keinen bewohnten Ort, wo sie sich zuhause fühlten und sagen konnten: Hier wohnt Gott.
Bevor Jesus die Schuld der ganzen Welt weggetragen hatte (Joh 1:29), hatten die Gottesfürchtigen aus den Nationen keinen Zugang zu Gott. Sie hatten keinen Anspruch auf die göttlichen Verheißungen wie Israel. Sie lebten ohne feste Hoffnung und ohne Gott in der Welt – fern von ihm, anders als das auserwählte Volk Israel, das im Besitz der Bündnisse und des Wortes Gottes war (Röm 9:4-5).
Doch durch den Tod Jesu am Kreuz und sein vergossenes Blut sind wir Gläubigen aus den Nationen in die Nähe Gottes versetzt worden. Aber nicht nur das: Er schenkte uns seinen Heiligen Geist, und dadurch sind wir selbst zu einem Tempel Gottes geworden, weil Jesus Christus in unseren Herzen wohnt (1Kor 3:16 / Eph 3:17). Nun warten wir voller Sehnsucht auf den Tag, an dem der HERR uns Gläubige aus allen Ländern sammelt und uns an einen „bewohnten Ort" führt, den Gott für immer bewohnt – in unsere himmlische Heimat (Joh 14:2-3 / Offb 21:3)! Unsere himmlische Heimat ist nicht nur ein Ort, sondern die vollkommene Gemeinschaft mit Christus selbst.
Darum sollen die Erlösten des HERRN ihm danken – heute schon, mitten auf dem Weg, bis wir bei ihm zuhause sind.
Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott. Wann werde ich dahin kommen, dass ich Gottes Angesicht schaue?
So sind wir denn allezeit getrost und wissen: Solange wir im Leibe wohnen, weilen wir fern von dem Herrn; denn wir wandeln im Glauben und nicht im Schauen.
von Ingo Mees
Kennst du diese Sehnsucht nach der unmittelbaren Nähe Gottes, wie sie die Söhne Korachs in Psalm 42:3 zum Ausdruck bringen? Im zweiten Vers dieses Psalms verwenden sie ein äußerst starkes und anschauliches Bild aus der Natur: „Wie der Hirsch nach frischem Wasser lechzt, so lechzt meine Seele nach dir, o Gott" (Ps 42:2). Gerade in Zeiten der Not und der Anfechtung wünschen wir uns, wir würden die starken Arme Gottes, die uns tragen, körperlich spüren und wir könnten ihn mit unseren Augen sehen. Auch dem Apostel Paulus ist das so ergangen. Unter dem starken Eindruck seiner körperlichen Einschränkungen (2Kor 12:7) wünschte er sich sehnlichst, die Wiederkunft Jesu Christi so schnell wie möglich erleben zu können (2Kor 5:2) und in die himmlische Heimat zu gelangen, wo er um einen Bau von Gott wusste (2Kor 5:1), in dem Jesus selbst Wohnungen für die Kinder Gottes bereitet hat (Joh 14:2-3).
Diese Sehnsucht des Paulus war so stark, dass er sogar sein frühes und baldiges Sterben in Kauf genommen hätte, um bei Christus zu sein (Phil 1:23), und war sich doch der Tatsache bewusst, dass er in seinem irdischen Leben noch seinen Dienstauftrag vollenden musste (Phil 1:24-25). Und so setzte Paulus seinen irdischen Lebensweg im festen Vertrauen auf seinen Herrn fort.
Der Heilige Geist, der ihm wie jedem anderen Gotteskind geschenkt wurde, war ihm ein Unterpfand, eine Anzahlung, für das, was auf ihn wartete (2Kor 5:5). So war Paulus in jeder Lebenssituation getrost, und war sie noch so schwer. Er wusste: „Solange wir im Leibe wohnen, weilen wir fern von dem Herrn; denn wir wandeln im Glauben und nicht im Schauen" (2Kor 5:6-7). Er wusste aber auch, dass die Entrückung, das „Überkleidetwerden", oder das Sterben, das „Entkleidetwerden" (2Kor 5:4), für uns das Schauen der Herrlichkeit unseres Herrn bedeuten wird. Diese Tatsache ist Teil der großartigen Hoffnung, die jeder christusgläubige Mensch in sich trägt: Das Schönste kommt noch! Dann werden wir es erleben, dass wir Gottes Angesicht schauen!
Der Apostel Johannes drückt diese Herrlichkeitserwartung folgendermaßen aus:
„Geliebte, jetzt sind wir Kinder Gottes, und es ist noch nicht offenbar geworden, was wir sein werden; wir wissen, dass wir, wenn es offenbar werden wird, ihm gleich sein werden, denn wir werden ihn sehen, wie er ist." (1Jo 3:2)
Der Geist Gottes vollführt ein sehr schweres Werk an uns: Er verändert uns Schritt für Schritt in das Bild Jesu Christi (2Kor 3:18 / Röm 8:29). Dieser Umwandlungsprozess wird mit unserem Sterben noch nicht beendet sein, aber in der Herrlichkeit wird dieses gewaltige Ziel erreicht sein: Wir werden unserem Herrn gleich sein. Dann erst werden wir in der Lage sein, ihn zu sehen, wie er ist. Dann werden wir vom Glauben zum Schauen gelangt sein! Darauf freue ich mich unbändig, dass ich meinen Herrn von Angesicht zu Angesicht sehen werde (1Kor 13:12). Dann wird auch keine Frage, die uns hier in unserem irdischen Leben umtreibt und keine Antwort erhalten hat, offen bleiben (Joh 16:22-23). Alles wird klar sein und wir werden erkennen: Er hat alles wohl gemacht! (Mk 7:37)
Wo Träume sich mehren und Nichtigkeiten und viele Worte, da fürchte Gott!
Wir sind nicht ausgeklügelten Fabeln gefolgt, als wir euch kundgetan haben die Kraft und das Kommen unseres Herrn Jesus Christus; sondern wir haben seine Herrlichkeit mit eigenen Augen gesehen.
Salomo, der Autor des Predigerbuches, galt als der weiseste Mensch seiner Zeit – vielleicht sogar als der weiseste überhaupt, abgesehen vom Sohn Gottes (1Kö 3:12). Er verfasste drei biblische Werke: den größten Teil der Sprüche, das Predigerbuch und das Lied der Lieder, auch Hoheslied genannt. Aus diesen Texten wird eine sehr wertvolle Weisheit sichtbar.
Das Predigerbuch gilt als sein letztes Werk – er schrieb es erst im fortgeschrittenen Alter. Wahrscheinlich noch bevor er dem Götzendienst verfiel. Weil er mehr Frauen hatte als jeder andere in der biblischen Berichterstattung, wurde er durch sie zum Götzendienst verführt (1Kö 11:3-4). Das ist insofern erstaunlich, als seine ihm geschenkte Weisheit ihn nicht vor diesem Fall bewahren konnte. Offensichtlich war die Macht der Versuchung stärker als die Weisheit, die er besaß.
Wer das ganze Predigerbuch gelesen hat, erkennt: Salomo erreichte nahezu alles, was sich Menschen wünschen. Maximaler Reichtum, enormes Wissen, uneingeschränkte Macht, äußerer Frieden, höchstes Ansehen, Schönheit und Pracht – er konnte vermutlich alles genießen, was es zu genießen gibt (Pred 2:10). Da stellt sich die Frage: Kann ein Mensch unter solch optimalen Umständen trotzdem von Herzen demütig und sanftmütig bleiben? Ich kenne keinen!
Alle Menschen in der Bibel, die gut endeten – also im Glauben und in der Treue zu Gott – hatten schwere Zeiten in ihrem Leben. Sie durchlebten unterschiedlichste Nöte und Kämpfe. Diese widrigen Umstände bewahrten sie vor Überheblichkeit und führten sie in die Abhängigkeit von Gott (2Kor 12:9-10). Darum sagte einmal jemand sinngemäß:
„Kaum etwas ist so schwer auszuhalten wie ununterbrochener Erfolg!"
Im Laufe seines „erfolgreichen Lebens" erkannte Salomo, dass alle Wünsche, den eigenen Wohlstand, Erfolg, Genuss und seine Macht zu mehren, wie ein nichtiger, vergänglicher Dunst sind (Pred 1:2). Es handelt sich um Träume, die am Ende des Lebens keine Bedeutung mehr haben.
Wo Wunschträume wachsen, vermehren sich auch die Worte. Salomo erkannte dieses Prinzip bereits vor Jahrtausenden. Heute erleben wir es in nie dagewesener Weise: eine Inflation von Worten, Bildern und Botschaften, die versprechen, aber selten erfüllen. „Des Bücherschreibens ist kein Ende", schreibt Salomo an anderer Stelle (Pred 12:12). Je mehr Worte gesagt und geschrieben werden, desto mehr leidet auch die Qualität.
Die menschliche Fantasie bringt viele Erzählungen hervor, die weise klingen und beeindrucken sollen. Doch nicht alles, was tief wirkt, ist wahr – und nicht alles, was bildreich ist, trägt ewige Substanz.
Als die Jünger Jesu anderen Menschen erzählten, was sie mit Jesus erlebt hatten, hielten es einige für Hirngespinste oder Fabeln. Das lag vor allem daran, dass die Wunder Jesu allen menschlichen Erfahrungen widersprachen. Tatsächlich sind diese Wunder für Menschen unmöglich. Was von den Wundern Jesu berichtet wird, ist nur dann möglich, wenn sie durch den bewirkt wurden, der alles geschaffen hat (Joh 1:3).
Genau an diesem Punkt setzt das Zeugnis des Petrus an, indem er seinen Briefempfängern bezeugt, dass alles, was sie erlebt und berichtet haben, keine Fabeln sind (2Petr 1:16). Sie haben die überragende Herrlichkeit von Jesus Christus mit eigenen Augen gesehen. Petrus hat nicht nur unvergleichbare Wunder miterlebt, sondern ist auch mehrfach dem Auferstandenen begegnet (Joh 21:1-14). Damit hat Gott bestätigt, dass Jesus kein betrügerischer Zauberer war, sondern sein Sohn, an dem er Wohlgefallen hatte (Mt 3:17).
Jesus Christus lebt auch heute noch, und viele Menschen können bezeugen, wie er ihr Leben verändert hat und ihnen beigestanden ist – manchmal sogar durch unerklärliche Wunder (Hebr 13:8)!
Frage doch zuerst nach dem Wort des HERRN!
Jesus spricht: Die Worte, die ich zu euch geredet habe, die sind Geist und sind Leben.
Wer kennt das nicht? Man steht vor einer wichtigen Entscheidung und wünscht sich „einen Zettel vom Himmel", der klar zeigt, was richtig ist – am besten so, wie man es sich erhofft. Wenn Gott die eigenen Absichten „bestätigt", fühlt sich das gut an. Doch Gott, der über Ewigkeitserfahrung verfügt, beurteilt viele Dinge anders als wir. Er verfolgt oft völlig andere Pläne (Jes 55:8-9). Vielleicht fragen wir deshalb gar nicht wirklich nach Gottes Willen – bewusst oder unbewusst. Denn wir ahnen: Er könnte unsere eigenen Pläne durchkreuzen.
In 2. Chronik 18 und 1. Könige 22 wird eine Begebenheit geschildert, die uns „hinter den Vorhang" blicken lässt. Sie zeigt, wo die tatsächlichen Entscheidungen der Weltgeschichte gefällt werden – nämlich im himmlischen Thronsaal Gottes. Gleichzeitig offenbart dieser Text, wie ein götzendienerischer König lieber auf die überwiegende Mehrheit „seiner Propheten" hört, die genau das sagen, was er hören will. Die Worte des HERRN dagegen will er gar nicht hören. Warum? Weil er aus Erfahrung weiß, dass Gott mit seiner Lebensführung nicht einverstanden ist.
König Ahab aus dem Nordreich Israel verbündete sich mit Joschafat, dem König von Juda, um gemeinsam Ramot in Gilead zu erobern. Der gottesfürchtige Joschafat wollte jedoch zuvor Gewissheit haben, dass ihr Vorhaben im Sinne Gottes war. Darum sagte er: „Befrage doch heute das Wort des HERRN!" (2.Chr 18:4) Sogleich ließ König Ahab seine vierhundert Propheten aufmarschieren, die unisono den Erfolg des geplanten Feldzugs voraussagten. Ziemlich sicher waren das Männer, die von der Gunst des Königs lebten und gelernt hatten, genau das zu sagen, was der König hören wollte.
Joschafat spürt intuitiv, dass diese überwältigende Mehrheitsmeinung nicht dem Willen Gottes entspricht. Deshalb fragt er, ob es nicht auch einen Propheten mit einer anderen Sichtweise gibt. Ahab kannte einen solchen, ließ ihn aber nicht rufen – dieser hatte seine gesamte Lebensführung infrage gestellt. Auf Drängen Joschafats holten sie ihn schließlich doch. Als er gefragt wurde, ob sie den Eroberungsfeldzug antreten sollen, antwortete der Prophet zunächst mit spöttischer Ironie: „Geht nur!" Doch alle merkten, dass dies nicht seiner wahren Sicht entsprach, und so drängten sie ihn, die Wahrheit zu sagen – die Ahab und seine 400 Propheten eigentlich gar nicht hören wollten.
Dann berichtet Micha, wie er den HERRN auf seinem himmlischen Thron sah, umgeben vom „Heer des Himmels" – ranghohe Geisteswesen und Engelfürsten, die offensichtlich Vorschläge machen dürfen, welche der HERR dann manchmal genehmigt (2.Chr 18:18-21). Der HERR fragte die Anwesenden, wer Ahab dazu bringen könnte, nach Ramot in Gilead zu ziehen. Nach einigen Vorschlägen trat ein Geist hervor und sagte: „Ich will ein Lügengeist sein in seinen 400 Propheten, sodass Ahab in diesen Kampf zieht und dort ums Leben kommt." Gott ließ es zu – nicht, weil er Gefallen an der Lüge hätte, sondern weil Ahab sich der Wahrheit bereits verschlossen hatte (2Thes 2:10-12). Von da an war im Himmel klar, welchen Weg Ahab selbst gewählt hatte.
Vielleicht denkst du: Das ist doch unfair! Doch das war es nicht. Warum? Ahab interessierte sich nie wirklich für den Willen Gottes – er wollte stets seine eigenen Pläne umsetzen. Und jetzt, wo er durch den Propheten Micha erfahren hatte, was „der Himmel" geplant hatte, glaubte er nicht. Er glaubte viel lieber der überwältigenden Mehrheit, die das verkündigte, was er hören wollte. Das zeigt: Etwas wird nicht automatisch wahr, nur weil der Mainstream es so propagiert (Mt 7:13-14).
Wenn wir diesen Text ehrlich auf uns wirken lassen, drängt sich eine Frage auf: Finden wir in 2. Chronik 18 nicht erschreckend viele Parallelen zu unserer heutigen Zeit? Das sogenannte „christliche Abendland" interessiert sich nicht wirklich dafür, was Gott zu sagen hat. Seinen geoffenbarten Willen über Ehe, Familie, Erziehung und das Mann- und Frau-Sein will man nicht hören (1Mo 1:27). Stattdessen verkündet man heute lieber im Brustton der Überzeugung: Jeder kann selbst wählen, ob er Mann oder Frau sein möchte!
Die Worte des HERRN sind Geist und Leben (Joh 6:63) – auch dann, wenn er Dinge sagt, die man nicht versteht oder nicht hören will. Als Jesus sagte, dass man nur dann ewiges Leben haben kann, wenn man sein „Fleisch" isst und sein „Blut" trinkt, war das einerseits anstößig und andererseits völlig unverständlich (Joh 6:53-56). Die Zuhörer verstanden nicht, dass Jesus hier nicht von seinem physischen Fleisch und Blut sprach, sondern von seinem geistlichen Leib, den wir durch sein Wort aufnehmen und „verdauen" sollen.
Wer sich nicht für Gottes Worte interessiert – sei es, weil er sie nicht versteht oder weil sie nicht in sein Lebenskonzept passen – findet mühelos viele „Lehrer", die genau das sagen, was er hören will (2.Tim 4:3-4). Doch dadurch wird eine Lüge nicht zur Wahrheit.
Wenn wir für eine Entscheidung den Willen Gottes erfragen, ist das gut. Doch entscheidend ist, ob wir bereit sind, das anzunehmen, was Gott bereits klar gesagt hat. Sein Wort in der Bibel ist der Maßstab, an dem wir seinen Willen erkennen lernen – und an dem unser Herz geformt wird, damit wir ihn nicht nur erkennen, sondern auch tun (Jak 1:22-25).
Der HERR spricht: Frieden mache ich zu deiner Wache und Gerechtigkeit zu deiner Obrigkeit.
Es wird mit uns sein Gnade, Barmherzigkeit und Friede von Gott, dem Vater, und von Jesus Christus, dem Sohn des Vaters, in Wahrheit und Liebe.
Wer die Bibel von Anfang bis Ende liest, erkennt eine fortlaufende Offenbarung von Gottes Wesen (Hebr 1:1-2). Die Wesenseigenschaften und der Charakter des ewig seienden HERRN entfalten sich wie ein Fächer – Stück für Stück. Der hebräische Begriff JHWH (vermutlich Jahweh), den viele deutsche Übersetzungen mit HERRN wiedergeben, könnte man auch mit „der Ewigseiende" oder „der Werdenmachende" übersetzen (2Mo 3:14). Dieses Wort hat seinen Ursprung in „hayah" – was mit „sein", „werden" oder „geschehen" übersetzt wird. JHWH ist der Einzige, der schon immer war und immer sein wird (Offb 1:8). Er ist ohne Anfang und Ende!
Mit der zunehmenden Offenbarung von Gottes Wesen entfaltet sich auch die Heilsgeschichte Gottes mit seinen Geschöpfen. Die Bibel offenbart nicht nur Gottes Plan für seine Schöpfung, sondern auch das innerste Motiv seines Handelns: die Liebe (1Jo 4:8). Liebe war das Motiv für die Erschaffung aller Wesen. Sie ist die Grundlage für alles Wirken Gottes – in seinen Gerichten, in seinem Führen, Retten und Erlösen. Sein unabänderliches Ziel ist, dass alle mit seiner göttlichen Liebe erfüllt werden (1Kor 15:28). Darum schreibt Paulus auch, dass Gott einmal alles in allen sein wird.
Wie in der gesamten Bibel lässt sich auch im Propheten Jesaja eine fortschreitende Offenbarung der Heilsabsichten Gottes erkennen. Die letzten Kapitel eröffnen uns immer tiefere Einblicke in die Vollendung und somit in das Heilsziel Gottes (Jes 60). Hier wird beschrieben, wie das Licht und die Herrlichkeit Jahwehs „aufgeht" und wie ein messianisches Friedensreich aufgerichtet wird (Jes 60:1-3). In diesem Reich übernimmt der Messias mit seinen mit den Seinen die Herrschaft, und die äußeren Umstände verändern sich grundlegend. Gott schenkt dann eine große Wertsteigerung, die jeden Bereich betrifft. Das zeigt sich auch an dem Satz, der vor der Losung steht:
"Statt der Bronze werde ich Gold bringen und statt des Eisens werde ich Silber bringen, statt der Hölzer Bronze und statt der Steine Eisen." (Jes 60:17)
Das ist ein Bild für eine massive Wertsteigerung, die sich dann vor allem auch bei den inneren Werten zeigt. Diese sind nicht mehr von Egoismus und Rücksichtslosigkeit geprägt, sondern von Frieden und Gerechtigkeit. Im zukünftigen messianischen Reich wird keine Wache mehr benötigt, die vor heranrückenden Gefahren warnt. Stattdessen herrscht ein Friede, der die ganze Atmosphäre erfüllt (Jes 60:18). Im neuen Jerusalem braucht es keine Obrigkeit mehr, die mit Strafandrohungen für Recht und Ordnung sorgen muss. Denn jeder Bürger dieser ewigen Stadt praktiziert die göttliche Gerechtigkeit aus tiefstem Herzen.
Noch leben wir in einer Welt, die von anderen Faktoren beeinflusst und dominiert wird (1Jo 5:19). Die meisten Menschen sind auf ihr eigenes Wohlergehen und ihre Selbstverwirklichung fokussiert. Selbstlose Liebe und Dienstbereitschaft liegen nicht im Trend.
Doch gerade in dieser Umgebung dürfen Christen wie Lichter an einem dunklen Ort leuchten (Mt 5:14-16 / Phil 2:15). Sie vermitteln Gnade und Barmherzigkeit, weil sie diese persönlich von Gott geschenkt bekommen haben (Eph 2:4-5). Wer die Liebe Gottes erkennen und erfahren durfte, trägt einen inneren Frieden in sich – einen Frieden, der im Herzen regiert und über dem Denken wacht (Phil 4:7 / Kol 3:15).
Deshalb sind Kinder Gottes eingeladen, aus der Gnade heraus zu denken und ihren Mitmenschen mit Liebe und Barmherzigkeit zu begegnen (Eph 4:32). Doch diese Haltung wächst nicht aus moralischem Bemühen, sondern aus Wahrhaftigkeit und innerer Erneuerung (Röm 12:2 / 2Kor 5:17). Nur wer die Wahrheit erkannt hat – und damit Jesus Christus selbst (Joh 14:6) –, ist fähig, eine Liebe weiterzugeben, die göttlichen Ursprungs ist (1Jo 4:19).
Der HERR ist deine Zuversicht.
Als Bartimäus hörte, dass es Jesus von Nazareth war, fing er an zu schreien und zu sagen: Jesus, du Sohn Davids, erbarme dich meiner!
Nach verbreiteter Auslegung wurde Psalm 91 im Tempel gesungen oder bei Prozessionen verwendet. Einige Ausleger vermuten, dass er ein Dialog zwischen einem Priester (oder Leviten) und einem Gläubigen war. Dabei wurden die göttlichen Verheißungen von einem Tempelbediensteten ausgesprochen.
In diesem Lied bringt der Psalmist seine bewusste Entscheidung zum Ausdruck, sich ganz unter den Schutz Gottes zu stellen. Er entscheidet sich fest dafür, ganz auf den HERRN zu vertrauen und sich nur in ihm zu sichern. Das zeigen schon die ersten beiden Verse:
"Wer im Schutz des Höchsten wohnt, bleibt im Schatten des Allmächtigen. Ich sage zum HERRN: Meine Zuflucht und meine Burg, mein Gott, ich vertraue auf ihn!" (Ps 91:1-2)
Darum ist es kein Zufall, dass Satan gerade in diesem Psalm den Bibelvers fand, den er bei der Versuchung Jesu gezielt missbrauchte:
"Wenn du Gottes Sohn bist, so wirf dich hinab! Denn es steht geschrieben: »Er wird seinen Engeln über dir befehlen, und sie werden dich auf den Händen tragen, damit du nicht etwa deinen Fuß an einen Stein stößt.«" (Mt 4:6 / Ps 91:11)
Mit anderen Worten: „Beweise jetzt dein Vertrauen auf Gott und fordere ihn heraus, seine Verheißung unter Beweis zu stellen." Dieses Einfordern oder Erzwingen göttlichen Handelns entlarvt Jesus als ein „Gott-versuchen", das dem Menschen nicht zusteht.
Direkt im Anschluss an Psalm 91:12 wird beschrieben, wie der "Mann des Vertrauens" auf Löwen und Vipern tritt und dabei von Gott geschützt wird, weil er an ihm hängt (Ps 91:13). Genau das geschah bei der Versuchung Jesu – Gott schützte seinen Sohn vor der tödlichen Versuchung Satans. Der himmlische Vater rettete Jesus auch vor der "Schlinge des Fallenstellers" (Ps 91:3).
Als Jesus am Kreuz hing und unsagbare Schmerzen erlitt, forderte Satan ihn ein letztes Mal auf, seine göttliche Macht vor aller Welt zu demonstrieren. Er tat dies, indem er Menschen mit folgender Aussage inspirierte:
"Der du den Tempel abbrichst und in drei Tagen aufbaust, rette dich selbst. Wenn du Gottes Sohn bist, so steige herab vom Kreuz! … Andere hat er gerettet, sich selbst kann er nicht retten. Ist er Israels König, so steige er jetzt vom Kreuz herab, und wir wollen an ihn glauben. Er vertraute auf Gott, der rette ihn jetzt, wenn er ihn begehrt; denn er sagte: Ich bin Gottes Sohn." (Mt 27:40-43)
Angesichts dieser Ereignisse stellt sich die Frage: Hat Jesu Entscheidung, ganz auf Gott zu vertrauen, ihm tatsächlich Sicherheit gebracht? Was hat dieses schreckliche Sterben mit göttlicher Sicherheit zu tun?
Die Antwort finden wir in der Auferstehung.
Gott bewahrte Jesus nicht vor dem Tod, aber er rettete ihn durch den Tod hindurch. In der Auferstehung erfüllte sich Gottes Verheißung auf eine Weise, die alle menschlichen Erwartungen überstieg. Diese Rettung war die tiefste und endgültige Bestätigung göttlicher Treue.
Wer sich im Vertrauen auf Gott an ihn bindet, wird nicht vor jedem Leid bewahrt, aber von Gott in jeder Situation getragen und letztlich sicher ans Ziel geführt (Röm 8:28).
"Glaube führt zu Überzeugung, Überzeugung zu Gewissheit, und Gewissheit zu einem Vertrauen, das unerschütterliche Zuversicht und Gelassenheit schenkt – selbst angesichts des Todes."
Der Glaube des blinden Bartimäus zeigte sich in seiner festen Entscheidung, so lange zu schreien: „Sohn Davids, Jesus, erbarme dich meiner!", bis Jesus ihn hörte und ihm half (Mk 10:47-48). Bartimäus hing nicht am Kreuz, aber als Blinder befand er sich in einer jahrelangen Finsternis, die ebenfalls eine unsagbare Not bedeutete. Auch er vertraute darauf, dass Jesus ihn retten könne – und sein Vertrauen wurde belohnt, sodass Jesus ihn sehend machte (Mk 10:52).
Wer sich auf Gott verlässt, ist nicht vor Dunkelheit, Zweifel oder Zerbruch geschützt. Aber er ist auch dort nicht allein. Gottes Treue trägt weiter, selbst wenn das eigene Vertrauen nicht mehr trägt (2Tim 2:13).
Wir wollen mit euch gehen, denn wir haben gehört, dass Gott mit euch ist.
Wir sind durch einen Geist alle zu einem Leib getauft, wir seien Juden oder Griechen, Sklaven oder Freie, und sind alle mit einem Geist getränkt.
Sacharja 8 enthält viele wunderbare Verheißungen für die Juden, die aus Babylon heimgekehrt sind. Der HERR verspricht hier die Wiederherstellung Jerusalems. In den Versen 3–5 heißt es:
"Ich kehre nach Zion zurück und wohne mitten in Jerusalem. Und Jerusalem wird »Stadt der Treue« genannt werden und der Berg des HERRN der Heerscharen »heiliger Berg«. So spricht der HERR der Heerscharen: Es werden noch Greise und Greisinnen auf den Plätzen von Jerusalem sitzen, jeder seinen Stab in seiner Hand wegen der Fülle der Tage. Und die Plätze der Stadt werden voll von Jungen und Mädchen sein, die auf ihren Plätzen spielen."
Diese verheißungsvollen Worte der Ermutigung waren besonders wichtig, weil die zurückgekehrten Exilanten vor enormen Herausforderungen standen: wirtschaftliche Not, Widerstand von außen und innere Entmutigung. Der Tempelbau war ins Stocken geraten (Hag 1:4), und die Verheißungen der früheren Propheten über ein herrliches Jerusalem schienen in weiter Ferne zu liegen.
Sacharja verheißt den Juden eine Zeit der Ruhe, des Friedens und des Wohlstands, weil der HERR sich mit großem Eifer entschieden hat, wieder in Jerusalem zu wohnen (Sach 8:2). Als unter Nehemia die Mauern Jerusalems wiederhergestellt wurden (Neh 6:15), gab es zwar Ansätze, die diese Verheißung andeutungsweise anbrechen ließen. Doch von einer vollständigen Erfüllung konnte noch keine Rede sein. Diese wird sich erst im künftigen messianischen Friedensreich ganz verwirklichen (Jes 2:2-4).
Der vollständige Vers der heutigen Losung enthält eine bemerkenswerte Zusage (Sach 8:23):
"So spricht der HERR der Heerscharen: In jenen Tagen, da werden zehn Männer aus Nationen mit ganz verschiedenen Sprachen zugreifen, ja, sie werden den Rockzipfel eines jüdischen Mannes ergreifen und sagen: Wir wollen mit euch gehen, denn wir haben gehört, dass Gott mit euch ist."
Diese Aussage ist umso bemerkenswerter, wenn man sie vor dem Hintergrund einer Welt liest, die bis heute von Antisemitismus und Antijudaismus geprägt ist. Dass zehn nichtjüdische Männer einem einzigen Juden anhängen würden, ist in der heutigen Zeit schwer vorstellbar. Doch Vers 13 macht deutlich, dass Gott das Ansehen der Juden grundlegend verändern wird. Dort heißt es:
"Und es wird geschehen: Wie ihr ein Fluch unter den Nationen gewesen seid, Haus Juda und Haus Israel, so werde ich euch retten, und ihr werdet ein Segen sein."
Auch diese göttlichen Zusagen haben sich bereits in gewissem Sinne erfüllt – obwohl ihre vollständige Erfüllung noch aussteht. Der „Rockzipfel" (hebr. „knaf") bezieht sich auf die Quasten (hebr. tsitsit) am Gewand, die nach 4Mo 15:38 als Erinnerung an Gottes Gebote getragen werden sollten. Bereits heute gibt es viele Nichtjuden, die erkannt haben, dass auch die Tora Teil des offenbarten Wortes Gottes ist und in Christus ihre Erfüllung findet (Mt 5:17 / Röm 10:4).
Wiedergeborene Christen solidarisieren sich mit dem jüdischen Volk und bringen ihre Verbundenheit mit Israel zum Ausdruck (Röm 11:17-18). Das bedeutet nicht, dass sie alles gutheißen, was Israel tut. Ebenso wenig gehören alle Israelis zur Gemeinde Jesu. Der Leib Christi besteht aus Menschen, die Gott aus Israel und aus allen Nationen ausgewählt hat (Eph 2:11-22).
Darum hat Gott in Christus eine neue Einheit geschaffen. Die Glieder des Leibes Jesu bilden einen göttlichen Organismus, der aus Juden, Nichtjuden und Menschen aller gesellschaftlichen Schichten besteht (1Kor 12:13 / Gal 3:28). Gott hat alle wiedergeborenen Christen durch den Heiligen Geist zu einem Leib vereinigt.
Diese Vereinigung unterschiedlichster Menschen aus allen Nationen und gesellschaftlichen Schichten ist kein menschliches Projekt, sondern ein fortwährendes Wunder Gottes – gewirkt durch seinen Geist und gegründet in Christus (Kol 3:11).
Kommt herzu, lasst uns dem HERRN frohlocken und jauchzen dem Hort unsres Heils!
Ja, alle Völker werden kommen und anbeten vor dir, denn deine Urteile sind offenbar geworden.
von Ingo Mees
Der Psalmist ruft uns in die Gegenwart des Herrn (Ps 95:2), um ihn anzubeten und ihm die Ehre zukommen zu lassen, die ihm gebührt. Dabei kann und will der Psalmist seine Motivation nicht verbergen: Die Freude, die er angesichts der Größe seines und unseres Gottes empfindet, sprüht ihm ja förmlich „aus allen Knopflöchern". Frohlockend, jubelnd und jauchzend tritt er vor den Thron des Höchsten, singend und anbetend erhebt er unseren Schöpfer (Ps 95:5) und gibt ihm die Ehre.
Gründe dafür gibt es genug: Schon im ersten Vers verweist der Psalmist auf das Heil, das Gottes Gnade entspringt. Dieses göttliche Heil wird auch prophetisch durch den Propheten Jesaja gerühmt (Jes 12:2):
„Siehe, Gott ist mein Heil! Ich bin voller Vertrauen und fürchte mich nicht, denn Jahwe, der Herr, ist meine Stärke und mein Lobgesang, und er ist mir zum Heil geworden!“
So wird einst das erlöste Israel im Königreich Jesu Christi singen, und so dürfen christusgläubige Menschen bereits jetzt ihrer Freude über das Heil ihres Gottes Ausdruck verleihen.
Ein weiterer Grund zur Anbetung wird in Ps 95:3 genannt: „Denn ein großer Gott ist der HERR, ein großer König über alle Götter." Hier schwingt die Überzeugung mit, dass Gott im Regiment sitzt und ihm nichts entgleitet. Jede irdische und jede transzendente Macht muss sich Gott und seiner Regentschaft unterordnen. Gerade heute, wo die Diktatoren dieser Welt das Recht des Stärkeren proklamieren, dürfen wir unseren Herrn anbeten, der von sich gesagt hat: „Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf Erden." (Mt 28:18) Und mehr noch: Die prophetische Aussage des Liedes aus Offb 15:4 beinhaltet die Verheißung, dass die Zeit der Diktatoren und Potentaten einst ein Ende haben wird, weil allen Völkern die Gerechtigkeit Gottes klar vor Augen stehen wird. Unter diesem Eindruck heißt es im Anbetungslied von Offb 15:4: „Wer sollte dich nicht fürchten, Herr, und verherrlichen deinen Namen? Denn du allein bist heilig!"
Wie können wir in die rechte Anbetungshaltung unserem Gott gegenüber kommen? Ganz sicher spielen der gesungene Lobpreis und die Anbetungsmusik eine große Rolle, wenn es darum geht, Gott zu ehren (Ps 98:5), und wir tun gut daran, ihm immer wieder neue Lieder zu singen (Ps 40:4). Aber Anbetung und Lobpreis umfassen mehr. Der Lobpreis unserem Gott gegenüber soll letztendlich in unserem Lebensstil und unserem Lebensvollzug zum Ausdruck kommen.
Dreimal betont der Apostel Paulus im ersten Kapitel des Epheserbriefes, dass es die Bestimmung eines jeden Gotteskindes ist, sein gesamtes Sein als einen Lobpreis der Herrlichkeit und der Gnade Gottes zu verstehen (Eph 1:6 / 1:12 / 1:14). Und so tun wir gut daran, unseren großen, mächtigen und liebevollen Vatergott anzubeten – im Lied, mit unseren Instrumenten, aber besonders durch einen Lebensstil, der ihn ehrt und der unsere Mitmenschen neugierig macht auf den, den wir anbeten. So dürfen wir jetzt schon dazu beitragen, dass Gott das große Ziel seines Heilsplans erreicht, das uns in Phil 2:10-11 vorgestellt wird:
“Jedes Knie wird sich im Namen Jesu anbetend und huldigend beugen, und jede Zunge wird bekennen, dass Christus der Herr ist, zur Ehre Gottes, des Vaters.”
Der Engel des HERRN lagert sich um die her, die ihn fürchten, und hilft ihnen heraus.
Der Engel des Herrn tat in der Nacht die Türen des Gefängnisses auf und führte die Apostel heraus und sprach: Geht hin und tretet im Tempel auf und redet zum Volk alle Worte dieses Lebens.
Der Spiegel und SRF News berichteten am 2. Januar 2026 über das „Wunder von Crans-Montana": Die 17-jährige Überlebende Laetitia Place erzählte von einem Freund, der inmitten des Infernos ruhig blieb. Während um sie herum Menschen brannten und die Hitze unerträglich wurde, setzte sich dieser junge Mann einfach auf den Boden und hielt laut ihrer Aussage ein Kreuz in der Hand. Laetitia sagte wörtlich:
„Ein Freund von mir konnte nicht raus. Er setzte sich einfach hin und hielt sein Kreuz in der Hand. Das Feuer hat ihn einfach verschont. Das Feuer hat ihn einfach nicht berührt."
Er soll später unbeschadet aus dem Gebäude gelangt sein, indem er ein Fenster einschlug.
Es würde mich nicht wundern, wenn auch hier Engel Gottes ihre Finger im Spiel hatten. Ob hier ein übernatürliches Eingreifen Gottes vorlag oder ob natürliche Faktoren eine Rolle spielten, können und müssen wir letztlich offenlassen. Entscheidend ist nicht das Ereignis selbst, sondern die biblische Wahrheit, dass Gott seine Kinder nicht allein lässt (Hebr 13:5).
Die Bibel bezeugt uns mehrfach, dass Gott seine Engel sendet, um die zu schützen und zu stärken, die ihm vertrauen (Ps 34:8 / Ps 91:11). Das griechische Wort für Engel lautet angelos und kann auch mit „Bote" übersetzt werden. Tatsächlich braucht Gott sie immer wieder, um Menschen in besonderen Situationen zu retten oder ihnen eine Botschaft zu überbringen. Im Hebräerbrief steht dazu:
„Sind sie nicht alle dienstbare Geister, ausgesandt zum Dienst um derer willen, die das Heil erben sollen?" (Hebr 1:14)
Engel besitzen übernatürliche Kräfte und können Dinge tun, die wir mit unserem wissenschaftlichen Verstand nicht erklären können. Sie sind unsichtbar, können sich aber jederzeit für bestimmte Menschen sichtbar machen. Das „Wunder von Crans-Montana" erinnert mich an den Bericht aus dem Buch Daniel, wo Nebukadnezar drei Freunde Daniels in einen feurigen Ofen werfen ließ, weil sie sein goldenes Standbild nicht anbeten wollten (Dan 3:1-30). Als diese im Ofen waren, sah der babylonische König einen „vierten Mann", der mit ihnen „umherging" (Dan 3:25). Ob es sich dabei um den HERRN selbst oder um einen seiner Engel handelte, will ich an dieser Stelle offenlassen – auf jeden Fall zeigt sich auch hier, wie Gott aus jeder Situation retten kann.
Die Bibel verheißt nicht, dass Engel uns vor jedem Leid bewahren, wohl aber, dass Gott in allem gegenwärtig ist und seine Ziele auch durch Leid hindurch erreicht (Röm 8:28).
Diese himmlischen „Bodyguards" – die um ein Vielfaches besser sind als der amerikanische Secret Service, der den Präsidenten bewacht – kann man sich nicht kaufen, sondern nur schenken lassen, indem man auf den vertraut, der Himmel und Erde erschuf. Wenn ich Engel hier bildhaft als „Bodyguards" bezeichne, dann nicht im Sinne einer käuflichen Sicherheitsgarantie, sondern als Ausdruck von Gottes souveräner Fürsorge. Zu diesem Vertrauen gehören die Ehrfurcht und der Respekt vor dem allmächtigen Gott. Die Bibel nennt es die „Furcht des HERRN" und sagt uns, dass wir erst dann angefangen haben, weise zu werden, wenn wir gelernt haben, aus dieser Gottesfurcht – dem tiefen Respekt vor Gott – heraus zu leben (Spr 9:10).
Diese übernatürlichen Kräfte der Engel zeigen sich auch in Apostelgeschichte 5, wo Gott einen Engel sandte, um die gefangenen Apostel zu befreien (Apg 5:19). Der Engel öffnete die Gefängnistüren und führte sie heraus – nicht, damit sie anschließend das Leben genießen konnten, sondern damit sie weiterhin das Evangelium verkünden konnten (Apg 5:20). Die göttliche Hilfe geschah also nicht zum Selbstzweck, sondern damit sie furchtlos dem HERRN dienen konnten.
Auch wenn Engel geheimnisvolle und faszinierende Wesen sind, die uns auf Gottes Geheiß beistehen, so ist es doch nicht unsere Aufgabe, von uns aus mit ihnen in Kontakt zu treten. Die Bibel verbietet uns das eindringlich (Kol 2:18) – nicht zuletzt deshalb, weil wir allein auf Gott vertrauen und mit ihm eine Beziehung pflegen sollen. Von uns aus die Gemeinschaft mit Engeln zu suchen – wie das teilweise Esoteriker und Okkultisten tun – ist nicht im Sinne Gottes und auch „brandgefährlich". Hinzu kommt die Tatsache, dass sich Satan manchmal als Engel des Lichts ausgibt, um Menschen zu verführen und sie von Gott wegzubringen (2Kor 11:14).
Interessanterweise hat in den letzten Jahren der Hype um UFOs weltweit zugenommen. Etliche Menschen erhoffen sich Hilfe durch Außerirdische – sogenannte Aliens. Diese Bewegung ist meines Erachtens auf dämonischen Einfluss zurückzuführen. Sie soll Menschen vom Vertrauen auf Jesus Christus ablenken und sie auf eine Rettung durch Außerirdische hoffen lassen. Doch weder außerirdische Aliens noch andere „geheimnisvolle Wesen" können uns bleibend retten – das kann allein der von Gott gesandte Retter Jesus Christus (Joh 14:6 / Apg 4:12).
Lasst uns deshalb täglich neu lernen, Gott zu vertrauen – auch dann, wenn wir keine Engel sehen und keine Wunder erleben. Er ist da. Und das genügt (Mt 28:20).
Der HERR spricht: Wer mich ehrt, den will ich auch ehren; wer aber mich verachtet, der soll wieder verachtet werden.
Jesus sprach: Wer mich liebt, der wird mein Wort halten; und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen.
Was bedeutet es konkret, Gott zu ehren – und woran zeigt sich, ob wir ihn wirklich ernst nehmen?
Laut einer Umfrage des Bundesamtes für Statistik glauben etwa 38 % der Schweizer Bevölkerung an einen einzigen Gott. Davon meint etwas mehr als die Hälfte, dass der allmächtige Gott in der Bibel beschrieben wird – das wäre jeder Fünfte. Wenn rund 20 % der Schweizer Bevölkerung davon überzeugt sind, dass Gott in der Bibel zu uns spricht, dann ist Gleichgültigkeit eigentlich keine Option. Denn wenn der Schöpfer des Universums redet, dann spricht nicht irgendeine Stimme, sondern die höchste Autorität überhaupt. Seine Worte sind keine spirituelle Beigabe für interessierte Christen, sondern Wegweisung für unser Leben – mit Blick auf die Ewigkeit. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, ob Gott spricht, sondern wie ernst wir sein Reden nehmen.
Wie viele von diesen 20 % täglich die Bibel lesen und darüber nachdenken, was Gott ihnen sagen möchte, weiß ich nicht. Sehr wahrscheinlich ist der tägliche Medienkonsum um ein Vielfaches höher als die Zeit, die man sich für das Wort Gottes nimmt. Es stellt sich die Frage: Welche Relevanz hat die Bibel für unser praktisches Leben? Und wie ernst nehmen wir die Ratschläge des Wortes Gottes in unserem Alltag, die uns auf dem Weg zum Ziel leiten sollen?
Hofni und Pinhas, die beiden Söhne Elis, kannten das Wort Gottes – aber es hatte für sie keine Bedeutung (1Sam 2:12-17). Als Priester hatten sie die verantwortungsvolle Aufgabe, als Vermittler zwischen Gott und dem Volk Israel zu dienen. Sie sollten den Opfer- und Gottesdienst leiten, das Volk im Gesetz Gottes unterweisen und es segnen, damit es in eine anbetende und vertrauensvolle Beziehung zu ihrem Gott kommen konnte.
Diesen Dienst konnte man nur richtig ausführen, wenn man auf Gottes Anweisungen achtete – und diese befanden sich damals vor allem in der Tora, den fünf Büchern Mose. Doch die Söhne Elis interessierten sich überhaupt nicht für das Wort Gottes. Im Gegenteil: Sie praktizierten fast alles, was Gott verboten hatte, und missbrauchten dazu ihre Stellung als Priester. Statt Gott das Beste zu opfern, beanspruchten sie es für sich (1Sam 2:13-16). Gleichzeitig vergingen sie sich an den Frauen, die beim Zelt Gottes ihren Dienst verrichteten (1Sam 2:22). Das ähnelt den heutigen Missbrauchsfällen in den Kirchen.
Durch ihre Missachtung der Anweisungen Gottes verachteten und verunehrten die Söhne Elis den HERRN (1Sam 2:17). Das alles zeigt: Das Ignorieren des Wortes Gottes und das Desinteresse an seinen Anweisungen ist keine unbedeutende Kleinigkeit, sondern hat folgenschwere Auswirkungen. Es führt letztendlich zu einer tiefen Verachtung seiner Person – weil man anfänglich das Wort des HERRN verachtete. Nicht das Nichtwissen, sondern das Ignorieren des Wortes Gottes führt zur Verachtung Gottes.
Das positive Gegenteil finden wir in den Worten Jesu. In seinen Abschiedsreden sagte er: „Wer mich liebt, der wird mein Wort halten" (Joh 14:23). Leider wird diese Aussage manchmal missverstanden. Sehr gewissenhafte Christen geraten durch dieses Wort möglicherweise in innere Nöte. Voller Verzweiflung stellen sie fest, wie unmöglich es ist, alle Gebote Gottes einzuhalten. Daraus schließen sie, dass sie den HERRN nicht wirklich lieben. Das führt dann leider dazu, dass ihre Heilsgewissheit ins Wanken gerät.
Ein ganz ähnliches Wort finden wir im 1. Johannesbrief:
"Und hieran erkennen wir, dass wir ihn erkannt haben: wenn wir seine Gebote halten. Wer sagt: Ich habe ihn erkannt, und hält seine Gebote nicht, ist ein Lügner, und in dem ist nicht die Wahrheit. Wer aber sein Wort hält, in dem ist wahrhaftig die Liebe Gottes vollendet. Hieran erkennen wir, dass wir in ihm sind." (1Jo 2:3-5)
„Seine Gebote halten" könnte wörtlich mit „seine zentralen Ziele hüten" übersetzt werden. Das bedeutet: Wir bleiben auf die Dinge fokussiert, die Gott uns als Ziel vorgegeben hat. Paulus definiert es so: „Das Ziel der Weisung aber ist Liebe aus reinem Herzen und gutem Gewissen und ungeheucheltem Glauben" (1Tim 1:5). Wer dieses Ziel der Liebe nicht aus den Augen verliert, der hütet und bewahrt seine Gebote! Gott wird nicht dadurch geehrt, dass wir nie scheitern, sondern dadurch, dass wir sein Wort ernst nehmen und unser Leben daran ausrichten.
Wer sich danach ausstreckt und versucht, so zu leben, der ehrt Gott – auch wenn es ihm nicht immer gelingt!
HERR, es ist dir nicht schwer, dem Schwachen gegen den Starken zu helfen.
Jesus bedrohte den unreinen Geist und machte den Knaben gesund und gab ihn seinem Vater wieder.
Wie oft habe ich schon gedacht: „Ach, hätte ich doch mehr Kraft, wäre ich doch disziplinierter und konsequenter in diesen oder jenen Bereichen meines Lebens." Manchmal fragte ich mich auch: „Warum bin ich nicht schlagfertiger? Warum habe ich kein besseres Gedächtnis? Und warum fallen mir die guten Argumente immer erst nach den Diskussionen ein?" Vielleicht leidest du nicht unter denselben Schwächen wie ich, aber möglicherweise sehnst auch du dich nach mehr Kraft oder nach Begabungen, die dir fehlen.
Aus göttlicher Perspektive sind nicht unsere Schwächen oder mangelnden Fähigkeiten das Problem, sondern die Stärken, die wir nach eigenem Gutdünken einsetzen, ohne Gott zu fragen, wie wir sie nutzen sollen (Spr 3:5-6). Wenn wir uns stark fühlen, glauben wir oft zu wissen, was wir vermeintlich Gutes damit bewerkstelligen können. Dabei vergessen wir, dass der HERR ein weit besseres Werk für uns vorbereitet hat (Eph 2:10).
Wenn der allmächtige Gott uns beisteht, spielt es keine Rolle, wie schwach wir uns fühlen – denn dann besiegen wir durch ihn auch die stärksten Gegner!
Nachdem König Asa den Götzendienst in Jerusalem und Umgebung abgeschafft hatte, verschaffte der HERR ihm eine Zeit der Ruhe (2Chr 14:6). Asa ließ Städte ausbauen und verfügte über eine große Armee mit 580.000 Mann – allesamt tapfere Helden. Das war eine komfortable Situation, doch darin schlummerte eine Gefahr: fortan auf die eigene Kraft zu vertrauen. Gerade in Zeiten äußerer Sicherheit wächst die Versuchung, Gott nur noch als Ergänzung und nicht mehr als Grundlage zu sehen.
Mitten in diesem angenehmen Zustand taucht plötzlich der Kuschiter Serach auf, der eine Million Männer befehligt und dreihundert Kampfwagen hat. Er zieht Asa entgegen – eine Schlacht steht bevor. Was macht Asa? Vertraut er auf seine heldenhafte Armee und seine befestigten Städte, oder vertraut er auf seinen Gott? Er tat das einzig Richtige und betete zu Gott:
„HERR, außer dir ist keiner, der helfen könnte im Kampf zwischen einem Mächtigen und einem Kraftlosen. Hilf uns, HERR, unser Gott! Denn wir stützen uns auf dich, und in deinem Namen sind wir gegen diese Menge gezogen. Du bist der HERR, unser Gott! Kein Mensch kann etwas gegen dich ausrichten." (2Chr 14:10)
Asa erkannte seine Schwäche und vertraute auf Gottes Stärke und Beistand (2Kor 12:9-10). Dann heißt es weiter: „Und der HERR schlug die Kuschiter vor Asa und vor Juda, sodass die Kuschiter flohen" (2Chr 14:11). Es wird deutlich, dass Gottes Eingreifen untrennbar mit Asas demütigem Vertrauen verbunden war – nicht mit seiner militärischen Stärke.
Die Erkenntnis der eigenen Schwäche und das Vertrauen auf Gott sind die Grundlage für einen überwältigenden Sieg!
Bevor Jesus den unreinen Geist austrieb, fehlte den Jüngern vermutlich genau diese wichtige Erkenntnis. In Lukas 9 wird berichtet, wie Jesus ihnen Vollmacht über alle Dämonen gab und sie aussandte, das Reich Gottes zu predigen und Kranke zu heilen (Lk 9:1-2).
Diese Erfahrung bewirkte in ihnen vermutlich eine gewisse Selbstsicherheit. Sie dachten: „Wir wissen jetzt, wie es funktioniert!" Doch dann wurden sie mit einem „unlösbaren Problem" konfrontiert. Ein Vater bat sie, seinen stark besessenen Sohn zu befreien. Vielleicht dachten sie anfänglich, dass dies problemlos machbar sei – dann kam die Ernüchterung: „Wir können es nicht!" Erst als Jesus den unreinen Geist bedrohte und austrieb, wurde der Sohn geheilt (Lk 9:37-42).
Jesus kritisierte zuvor den Unglauben der Jünger (Lk 9:41). In Markus 9:29 ergänzte er, dass diese Art von Dämon nur durch Gebet ausgetrieben werden kann. Ihr Unglaube bestand weniger in Zweifel an Gottes Existenz, sondern im Vertrauen auf die eigene geistliche Erfahrung statt auf die Abhängigkeit von Gott. Damit wird deutlich: Es braucht den Aufblick zu Gott, die Erkenntnis der eigenen Unfähigkeit und das Vertrauen, dass nur Gott allein heilen kann. Ohne glaubendes Gebet lässt sich dieses Problem nicht lösen!
Die entscheidende Frage ist daher nicht: Wie stark bin ich? Sondern: Worauf verlasse ich mich – auf meine Fähigkeiten oder auf Gottes Beistand? (Spr 3:5)
Gott, der HERR, der Mächtige, redet und ruft der Welt zu vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang.
Gehet hin in alle Welt und predigt das Evangelium aller Kreatur.
Diese beiden Aussagen – Gottes weltumspannendes Reden und der Auftrag zur weltweiten Verkündigung – bilden den Rahmen der gesamten biblischen Offenbarung. Die Geschichte der Bibel ist zugleich die Geschichte davon, wie Gottes Wort trotz widrigster Umstände seinen Weg in alle Welt gefunden hat.
Die weltweite Verbreitung des Wortes Gottes ist einzigartig und bemerkenswert – und zwar aus mehreren Gründen.
Zunächst kam Gottes Offenbarung durch die Israeliten in die Welt (Röm 9:4–5). Dies geschah durch ein Volk, das nicht nur zahlenmäßig klein war (5Mo 7:7), sondern über Jahrtausende hinweg zu den meist verachtetsten und verfolgtesten Völkern der Geschichte gehörte. Ausgerechnet durch dieses unscheinbare Volk legte Gott das Fundament seiner weltweiten Heilsgeschichte.
Darüber hinaus waren die Israeliten – von wenigen Ausnahmen abgesehen – bis zur Zeit Jesu kaum missionarisch tätig. Erst Jesus Christus selbst beauftragte seine Jünger ausdrücklich, das Evangelium bis an die Enden der Erde zu tragen (Mt 28:19–20 / Apg 1:8).
Jesus selbst erfüllte dabei keinerlei weltliche Voraussetzungen für einen nachhaltigen Einfluss: Er schrieb kein Buch, besaß kein Königreich, befehligte keine Armee, hatte kaum Geld und lebte völlig bescheiden. Dennoch sprach er Worte, die die Welt veränderten (Joh 6:63). Seine Anhängerschaft bestand zunächst aus einer kleinen, ungebildeten Gruppe (Apg 4:13), und sein irdisches Leben endete im schmählichen Tod am Kreuz (Phil 2:8).
Auch nach seinem Tod schien die Ausbreitung seiner Botschaft alles andere als wahrscheinlich. In den ersten drei Jahrhunderten waren Christen eine verfolgte Minderheit (Apg 8:1 / 1Petr 4:12–16). Weltliche Vorteile brachte der christliche Glaube nicht – im Gegenteil. Was die Gläubigen jedoch erfuhren, war ein innerer Friede und eine tiefe Freude, die kein Mensch sich selbst geben kann (Joh 14:27 / Phil 4:7).
Trotz dieser denkbar ungünstigen Ausgangslage verbreitete sich die Botschaft der Bibel über die ganze Erde (Röm 10:18). Diese geschichtliche Realität steht im Einklang mit dem biblischen Zeugnis, dass Gottes Wort in Ewigkeit Bestand hat (Ps 119:89). So wurde die Bibel zum meistverbreiteten und meistübersetzten Buch der Weltgeschichte.
Unzählige Übersetzungen, Kommentare und Lieder sind aus ihr hervorgegangen. Viele Menschen lieben dieses Buch innig (Ps 119:97), während andere es leidenschaftlich ablehnen (2Tim 3:12).
Kein anderes Buch hat Menschen so tief bewegt und verändert wie die Bibel (Hebr 4:12). Böse Menschen kehren um und werden zu solchen, die nach Gerechtigkeit streben (2Kor 5:17 / Tit 3:3–5). Verfolger und Mörder werden zu liebenden Dienern (Apg 9:1–22), und egoistische Genussmenschen lernen, sich für andere hinzugeben (1Kor 6:9–11 / Eph 5:8).
Die Worte des armen und mittellosen jüdischen Wanderpredigers Jesus haben selbst mächtige Gestalten der Weltgeschichte tief beeindruckt. Überlieferten Gesprächen zufolge bekannte Napoleon Bonaparte am Ende seines Lebens:
„Ich kenne die Menschen und ich sage Ihnen, dass Jesus kein Mensch ist. … Zwischen dem Christenglauben und welcher Religion auch immer liegt die Kluft der Unendlichkeit. Alles an Christus erstaunt mich.“¹
„Zwischen ihm und jeder anderen Person in der Welt gibt es überhaupt keinen Vergleich. … Jesus Christus gründete sein Reich auf der Liebe; und zu dieser Stunde würden Millionen Menschen für ihn sterben.“²
„Ich habe mit all meinen Armeen und Generälen nicht einmal einen Kontinent dauerhaft unterwerfen können. Und dieser Jesus siegt ohne Waffengewalt über die Jahrtausende, über Völker und Kulturen.“³
„Welch ein Abstand zwischen meinem tiefen Elend und dem ewigen Reich Christi, das gepredigt, geliebt und über die ganze Erde ausgebreitet wird.“⁴
Die Wirkung des Wortes Gottes, das in Jesus Christus Mensch wurde (Joh 1:1 / Joh 1:14), ist menschlich nicht zu erklären – und doch weltweit sichtbar. Obwohl Jesus zu Beginn seines Wirkens nur eine unbedeutende Randerscheinung im Römischen Reich war, hat sich bis heute erfüllt, was er selbst ankündigte: Seine Worte werden nicht vergehen (Mt 24:35).
Das Evangelium ist eine befreiende Botschaft, weil es die Schuldfrage aller Menschen löst (Joh 1:29 / Röm 3:23–24). Jedem Menschen – unabhängig von seiner Schuld, Schwäche oder Fehlerhaftigkeit – wird aus reiner Gnade die Gerechtigkeit Gottes und das ewige Leben angeboten (Eph 2:8–9).
Das sei ferne von uns, dass wir uns auflehnen gegen den HERRN und uns heute von ihm abwenden.
Hab acht auf dich selbst und auf die Lehre; beharre in diesen Stücken! Denn wenn du das tust, wirst du dich selbst retten und die, die dich hören.
Manche Tragödie ließe sich vermeiden, wenn wir sorgfältig auf Gottes Weisungen hören, treu aufeinander achten und offen sowie ehrlich miteinander kommunizieren würden. In Josua 22 wäre es beinahe zu einer Katastrophe gekommen, die aber glücklicherweise verhindert werden konnte.
Nachdem die Stämme Ruben, Gad und der halbe Stamm Manasse den anderen Stämmen bei der Landeinnahme in Kanaan geholfen und ihren Auftrag vollendet hatten, kehrten sie – auf Geheiß Josuas – in ihr Gebiet östlich des Jordans zurück, das Mose ihnen zugeteilt hatte (Jos 22:1-9).
Auf der Rückreise kam jedoch eine Sorge auf: Künftige Generationen könnten behaupten, die Bewohner östlich des Jordans hätten keinen Anteil am Gottesdienst beim Zelt Gottes und somit auch nicht am Glauben Israels. Um dem entgegenzuwirken, beschlossen sie, nahe der Grenze einen großen Altar zu errichten – als Zeuge dafür, dass auch sie am Glauben Israels Anteil haben (Jos 22:10).
Doch genau dieser Zweck wurde offenbar nicht klar genug kommuniziert – und öffnete so Raum für Missverständnisse. Die Stämme westlich des Jordans nahmen fälschlicherweise an, die 2 ½ Stämme im Osten seien vom Glauben an Jahweh abgefallen und hätten dort einen Altar für einen fremden Gott errichtet. Diese Falschannahme löste bei den „West-Israeliten" Panik aus (Jos 22:11-12). Das eigentliche Problem war nicht der Altar, sondern mangelnde Kommunikation. Doch warum gerieten die Israeliten in Panik?
In der nicht allzu fernen Vergangenheit hatten Götzendienst und Untreue gegenüber Gott bereits mehrfach nationale Krisen ausgelöst. Das geschah beispielsweise, als die Israeliten mit den Töchtern der Moabiter Unzucht betrieben und von diesen zum Götzendienst verführt wurden (4Mo 25:1-9). Auch als Achan sich an dem vergriff, was Gott verboten hatte, erlitt Israel eine schwere Niederlage (Jos 7:1-26). Aufgrund dieser traumatischen Erfahrungen wollten die Stämme westlich des Jordans militärisch gegen jene im Osten vorgehen. Sie waren bereit, die Anweisungen Gottes durchzusetzen, um eine erneute Katastrophe zu verhindern (Jos 22:12).
Glücklicherweise kam es nicht dazu. Die „West-Israeliten" waren weise genug, die „Ost-Israeliten" vorher zur Rede zu stellen (Jos 22:13-20). Auch wenn ihre erste Reaktion übereilt war, zeigt diese Begebenheit eindrücklich, wie entscheidend offene Kommunikation, gegenseitige Verantwortung und Treue zur Lehre Gottes sind.
Auch Paulus ermahnt seinen treuen Mitarbeiter Timotheus, auf die gesunde Lehre Gottes zu achten (1Tim 4:16). Aber nicht nur das: Er soll ebenso auf sich selbst achtgeben und prüfen, ob sein Leben mit der Lehre des Evangeliums übereinstimmt. Denn dies hat direkte Auswirkungen auf seine Lebensführung und die der Gläubigen. Wo dies vernachlässigt wird, kommt man plötzlich auf einen Weg, der das Ziel verfehlt.
Hier dürfen wir uns fragen: Wo schenken wir den Lehren des Wortes Gottes zu wenig Beachtung? Wo lassen wir uns zu stark vom Mainstream beeinflussen und vernachlässigen dadurch Gottes Anweisungen?
Auch heute entstehen geistliche Konflikte oft nicht aus bösem Willen, sondern aus fehlender Kommunikation, vorschnellen Schlüssen oder einer Trennung von Lehre und Leben. Wo wir aufhören, einander zuzuhören und uns gemeinsam an Gottes Wort auszurichten, wächst Misstrauen – selbst unter Glaubensgeschwistern.
Die Aussage „Denn wenn du das tust, wirst du dich selbst retten und die, die dich hören" (1Tim 4:16) kann zunächst verunsichern. Sie erweckt den Anschein von Selbsterlösung durch gute Werke. Doch darum geht es hier nicht. Vielmehr beschreibt diese Stelle einen Prozess: den Glauben bewahren, am Heil in Christus festhalten und die Verbindung mit ihm pflegen. Zusammenfassend könnte man sagen:
„Die Formulierung ‚dich selbst retten' bedeutet nicht Selbsterlösung, sondern dass Timotheus durch seine Treue im Dienst im Glauben bewahrt bleibt und anderen zum Heil verhilft."
Lasst uns in Treue und Liebe aufeinander achtgeben und an den Worten Gottes festhalten (Hebr 10:24-25).
Ich will sie trösten und sie erfreuen nach ihrer Betrübnis.
Unsre Hoffnung steht fest für euch, weil wir wissen: Wie ihr an den Leiden teilhabt, so habt ihr auch am Trost teil.
In den nächsten Tagen findet die JUMIKO, die Jugendmissionskonferenz, in Stuttgart statt. Bei dieser Konferenz geht es darum, jungen Menschen das Wort Gottes näherzubringen, damit sie Jesus kennenlernen und gute Gemeinschaft erfahren dürfen. Ich selbst war noch nie dort, aber ich habe schon öfters sehr Positives darüber gehört.
Tobias und Andy Messner sprechen dort über das Thema: „Feuerprobe des Lebens: Ein Glaube, der nicht verbrennt". Die beiden Männer erlitten vor ein paar Jahren schwerste Brandverletzungen. Sie wissen aus eigener Erfahrung, wie lange und intensiv solche Schmerzen sind. Und sie können berichten, wie beschwerlich der Heilungsprozess verläuft.
Trotz dieses unfassbar schweren Schicksals haben sie ihren Glauben an Gott nicht verloren. Das zeigt, dass sie Gottes Beistand und Trost erfahren durften. Leider kann ich bei ihrem Zeugnis nicht dabei sein. Aber ich bin überzeugt, dass sie die Jugendlichen ermutigen können, auch in schweren Zeiten auf Gott zu vertrauen.
Diese beiden Männer könnten den verletzten Brandopfern von Crans-Montana Mut zusprechen. Ob es dazu kommen wird, weiß ich nicht.
Auch das Volk Israel, das in die Gefangenschaft geführt wurde, brauchte göttlichen Zuspruch. In den ersten 14 Versen von Jeremia 31 verheißt Gott durch den Propheten ein Ende der Betrübnis, eine Heimführung aus dem Exil und göttlichen Trost. Der vollständige Text des heutigen Losungsverses lautet:
„Dann wird die Jungfrau sich erfreuen am Reigen, junge Männer und Greise miteinander. Und ich will ihre Trauer in Freude verwandeln und will sie trösten und erfreuen in ihrem Kummer." (Jer 31:13)
Gott verwandelt die Trauer aller Generationen – jung und alt – in Freude. Die Verheißung zeigt: Gott ändert nicht nur Umstände, sondern verwandelt auch Herzen. Der Reigentanz als Ausdruck der Freude verdeutlicht, dass wahre Freude den ganzen Menschen erfasst – Körper, Seele und Geist.
An dieser Stelle verspricht Gott drei Dinge:
Das Verb „nacham" (trösten) trägt eine tiefe Bedeutung. Es kann auch „Mitleid haben" oder „bereuen" bedeuten und drückt Gottes tiefes Mitgefühl aus.
Dieses tiefe Mitgefühl bringt auch Paulus in 2. Korinther 1 zum Ausdruck, wo er in den Versen 3–5 schreibt:
„Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Erbarmungen und Gott allen Trostes, der uns tröstet in all unserer Bedrängnis, damit wir die trösten können, die in allerlei Bedrängnis sind, durch den Trost, mit dem wir selbst von Gott getröstet werden. Denn wie die Leiden des Christus überreich auf uns kommen, so ist auch durch den Christus unser Trost überreich." (2Kor 1:3-5)
Auch wenn man sich das kaum vorstellen kann: Paulus sieht trotz allem Leid, das der HERR in seinem Leben zuließ, dass Gott ein Vater der Erbarmungen und Gott allen Trostes ist, den es zu preisen gilt. Der Trost Gottes war in seinem Leben stärker als alles Leid. Trotz aller Bedrängnis liebte Paulus seinen Gott und Vater von ganzem Herzen. Das lässt die wunderbare Kostbarkeit des Trostes Gottes – den Paulus erlebte – nur erahnen.
HERR, du hast angefangen, deinem Knecht zu offenbaren deine Herrlichkeit und deine starke Hand.
Jesus betete: Vater, ich will, dass, wo ich bin, auch die bei mir seien, die du mir gegeben hast, damit sie meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast.
Mose hatte fast alles gesehen, was ein Mensch sehen kann: Gottes Macht, Gottes Gericht, Gottes Treue. Und doch blieb eine Sehnsucht offen – das verheißene Land selbst zu betreten. Und nun durfte er – mit seinen beinahe 120 Jahren – noch miterleben, wie sein Volk durch Gottes große Kraft das Ostjordanland einnahm (5Mo 3:1-11). Zuerst besiegte Israel den Amoriterkönig Sihon im Süden, dann Og, den König aus Baschan, im Norden (5Mo 3:1-3). Og war ein Riese, dessen Bett 4–4,5 Meter lang war, was auf eine Körpergröße von etwa 3–4 Metern schließen lässt (5Mo 3:11). Kein Wunder, dass die Israeliten zuvor einen göttlichen Zuspruch brauchten, als Gott zu Mose sagte:
"Fürchte ihn nicht, denn in deine Hand habe ich ihn und all sein Volk und sein Land gegeben!" (5Mo 3:2)
Nachdem Gott den Israeliten den Sieg über diese beiden Völker schenkte, staunte Mose einmal mehr über Gottes mächtiges Wirken. Trotz seines hohen Alters sehnte er sich danach, das verheißene Land zu betreten. Deshalb flehte er Gott um Gnade an:
"Herr, HERR, du hast begonnen, deinen Knecht deine Größe und deine starke Hand sehen zu lassen. Denn wo im Himmel und auf Erden ist ein Gott, der so etwas wie deine Werke und wie deine Machttaten tun könnte? Ich möchte doch auch hinüberziehen und das gute Land sehen, das jenseits des Jordan liegt, dieses gute Bergland und den Libanon." (5Mo 3:24-25)
In 4. Mose 20 stritt das Volk erneut mit Mose, weil sie kein Wasser fanden (4Mo 20:2-5). Sie hatten immer noch nicht gelernt, ihrem Gott zu vertrauen. In seinem Zorn schlug Mose den Felsen ein zweites Mal, obwohl der HERR ihm befohlen hatte, mit dem Felsen zu sprechen (4Mo 20:8-11). Wegen dieses Ungehorsams durften Mose und Aaron nicht in das verheißene Land einziehen (4Mo 20:12).
Nach seinem Flehen sagte Gott zu Mose:
"Lass es genug sein! Rede mir nicht mehr weiter von dieser Sache! Steige auf den Gipfel des Pisga und erhebe deine Augen nach Westen und nach Norden, nach Süden und nach Osten und sieh mit deinen Augen! Denn du wirst nicht über diesen Jordan gehen." (5Mo 3:26-27)
Diese Begebenheit hat auch eine heilsgeschichtliche Bedeutung: Nicht Mose als Vermittler des Gesetzes führte das auserwählte Volk in das verheißene Land, sondern Josua (5Mo 3:28). Sein Name wird im Hebräischen Jehoschua ausgesprochen und bedeutet „Jahweh ist Rettung". Josua ist ein Vorläufer von Jesus, der als einziger das ganze Gesetz erfüllt hat (Mt 5:17). Weil er stellvertretend für alle Sünder starb (Jes 53), befreit er uns von Sünde und rettet uns vor dem Tod (Röm 6:23). Was Mose verwehrt blieb, öffnet Gott in Jesus für alle, die ihm vertrauen (Joh 14:6). Er führt uns in das „verheißene Land" – das Himmelreich (Hebr 4:8-11).
Deshalb sagte Jesus im hohepriesterlichen Gebet zu seinem Vater: „Vater, ich will, dass die, welche du mir gegeben hast, auch bei mir seien, wo ich bin." (Joh 17:24) Was für eine einmalige Perspektive! Jesus will uns bei sich haben. In der Ewigkeit gibt es nichts Besseres, als bei dem zu sein, der uns vollkommen liebt und uns sogar seine eigene Herrlichkeit gegeben hat. So betete Jesus zwei Verse davor:
"Und die Herrlichkeit, die du mir gegeben hast, habe ich ihnen gegeben, dass sie eins seien, wie wir eins sind." (Joh 17:22)
Wer kann das fassen? Der Schöpfer des Himmels und der Erde gibt uns schwachen und fehlerhaften Menschen seine Herrlichkeit! Warum? Damit wir zu einer vollkommenen Einheit werden (Eph 4:13). Weil Jesus uns seine Herrlichkeit gegeben hat, dürfen wir an dem teilhaben, was er uns schenkt – seine Herrlichkeit, seine Nähe, sein ewiges Leben (1Joh 5:11-12). Dadurch dürfen wir auch Glieder seines Leibes sein (1Kor 12:27). Das macht uns eins – und lässt uns für immer bei ihm sein!
So kehrt nun um von euren bösen Wegen. Warum wollt ihr sterben?
Wer die Wahrheit tut, der kommt zu dem Licht, damit offenbar wird, dass seine Werke in Gott getan sind.
Der heutige Losungsvers ist nicht nur ein Aufruf zur Umkehr, sondern enthält auch eine wunderbare Aussage über Gott selbst. Der vollständige Vers 11 lautet:
"Doch ich, Gott, der HERR, schwöre, so wahr ich lebe: Mir macht es keine Freude, wenn ein Gottloser sterben muss. Nein, ich freue mich, wenn er von seinen falschen Wegen umkehrt und am Leben bleibt. Kehrt um, verlasst die alten Wege! Warum wollt ihr sterben, ihr Israeliten?" (HFA)
Gott freut sich nicht, wenn böse Menschen umkommen und in der Gottesferne landen. Im Gegenteil – es schmerzt ihn zutiefst (2Petr 3:9)! Gott kennt keine Schadenfreude. Wenn Gott ein Strafgericht anordnet und Vergeltung übt, dann nicht aus Wut, sondern mit dem Ziel echter Buße und Umkehr.
Die Strafgerichte Gottes dienen unter anderem dazu, dass Menschen Gerechtigkeit lernen – entweder durch Einsicht oder, wo diese verweigert wird, durch Konsequenzen. Darum schreibt auch Jesaja:
"Denn wenn deine Gerichte die Erde treffen, lernen die Bewohner des Erdkreises Gerechtigkeit. Wird dem Gottlosen Gnade zuteil, lernt er nicht Gerechtigkeit;" (Jes 26:9-10)
Wenn der Gottlose jedoch von seinen ungerechten und bösen Taten umkehrt, sich Gott zuwendet und ihn um Vergebung bittet, empfängt er Gnade (1Jo 1:9). Mit dieser Gnade kann er dann auch Gerechtigkeit üben. Wer Gerechtigkeit übt, strebt nach Liebe und praktiziert Barmherzigkeit (Mi 6:8)!
Jeder Mensch – egal wie böse er sein mag – hat jederzeit die Möglichkeit umzukehren. Deshalb heißt es in Jesaja 55:7:
"Der Gottlose verlasse seinen Weg und der Mann der Bosheit seine Gedanken! Und er kehre um zu dem HERRN, so wird er sich über ihn erbarmen, und zu unserem Gott, denn er ist reich an Vergebung!" (Jes 55:7)
Wer den Aufruf zur Umkehr jedoch immer wieder ignoriert, blockiert sich selbst. Er läuft Gefahr, Gerechtigkeit nur noch durch ein Gericht Gottes zu lernen (Röm 2:5).
Obwohl wir Gott kennen, sind wir nicht automatisch vor Fehlentwicklungen geschützt. Manchmal brauchen daher nicht nur die Gottlosen eine Umkehr, sondern auch wir Christen (Offb 3:19). Möglicherweise haben wir uns ungute Dinge angewöhnt, weil wir uns zu stark von gesellschaftlichen Trends beeinflussen ließen – statt von der gesunden Lehre des Wortes Gottes (Röm 12:2).
Um festzustellen, ob auch wir selbst eine Umkehr benötigen, brauchen wir die Wahrheit. Das heißt: Wir brauchen Christus als Licht und Ehrlichkeit vor Gott und gegenüber uns selbst (Joh 14:6).
Jesus sagte zu Nikodemus: "Wer die Wahrheit tut, der kommt zu dem Licht" (Joh 3:21). Was bedeutet es, die Wahrheit zu tun? Es bezeichnet eine Lebensweise, die mit Gottes Wahrheit übereinstimmt (1Jo 1:6, 1Jo 2:4). Die Wahrheit "tun" heißt, sie in die Praxis umzusetzen. Die Wahrheit Gottes finden wir allein in seinem Wort – der Bibel (Joh 17:17)!
Wer seine Motive, sein Denken und Handeln anhand des Wortes Gottes prüft, stellt diese Dinge ins Licht. Dadurch erkennt er auch, wo ein Umdenken nötig ist (Hebr 4:12). Eine selbstkritische Frage zeigt, wo ich selbst eine Umkehr brauche: Würde ich mich für gewisse Dinge schämen, wenn sie öffentlich bekannt würden – wenn sie ans Licht kämen?
Die Antwort kann schmerzhaft sein, aber die gute Botschaft lautet: Wir dürfen das alles vor Gott bekennen und ihn um Vergebung und einen Neuanfang bitten (1Jo 1:9).
Wer sein Handeln von der Liebe bestimmen lässt, kann jederzeit ans Licht treten, weil er sich für sein Handeln nicht schämen muss (1Jo 4:18)! Darum sagt Jesus sinngemäß: Wer eine Lebensweise führt, die mit Gottes Wahrheit übereinstimmt, der kommt zu dem Licht, damit offenbar wird, dass seine Werke der Liebe in und durch Gott getan wurden (Joh 3:21).
Nicht unsere Fehler halten uns vom Licht fern, sondern unser Festhalten an ihnen. Wer sich jedoch der Liebe Gottes öffnet, darf ohne Furcht ans Licht treten – getragen von der Gnade Christi (Röm 8:1).
Herr, bring auch mein Denken, Reden und Handeln immer wieder ans Licht deines Wortes – nicht um mich zu beschämen, sondern um mich zu erneuern (Ps 139:23-24).
Du herrschest über das ungestüme Meer, du stillest seine Wellen, wenn sie sich erheben.
Jesus sagt zu den Jüngern: Ihr Kleingläubigen, warum seid ihr so furchtsam?, und stand auf und bedrohte den Wind und das Meer; und es ward eine große Stille.
Vielleicht hast du schon von den Monsterwellen in Nazaré an der Küste Portugals gehört. Sie erreichen eine Höhe von fast 30 Metern und ziehen die weltbesten Surfer an. Von einer Aussichtsplattform beim Leuchtturm kann man diese spektakulären Wellen beobachten. Die mächtige Wucht und das Auftürmen dieser Wellen sind beeindruckend – eine für uns unzähmbare Macht.
Der Losungsvers, der das ungestüme Meer beschreibt, enthält zwei Wörter, die begrifflich mit Hochmut zusammenhängen.
Das erste ist be-ge'ut, was mit „auftürmen" oder „sich hochstelzen" übersetzt werden könnte. Das Wort ge'ut bedeutet ursprünglich „Hochmut" oder „Übermut" und beschreibt hier das aufgewühlte, tobende Meer.
Das zweite Wort lautet so' und heißt so viel wie „sich erheben". In diesem Vers werden die Wellen personifiziert, als würden sie sich in Hochmut erheben.
Das alles symbolisiert eine unbeherrschbare, chaotische Macht, die sich übermäßig erhebt – und die letztlich nur der allmächtige Gott bändigen kann. Nur er beherrscht das Unkontrollierbare. Dieses Bild des tobenden Meeres zieht sich wie ein roter Faden durch die gesamte Bibel.
Das zeigte sich bereits in der Schöpfungsgeschichte, als die Erde „wüst und leer" war (1Mo 1:2). Das hebräische Tohu-wa-bohu lässt sich auch mit „Chaos und Öde" übersetzen. Damals schwebte der Geist Gottes als ordnende Kraft über den Wassermassen.
Beim Auszug aus Ägypten teilte Gott das Schilfmeer (2Mo 14:21-22). Jesus war der Einzige, der den Wind und das Meer so „bedrohen" konnte, dass alles still wurde (Mt 8:26). Wie das aus Sicht der Physik ablief, wissen wir nicht. Aber wenn man an einen allmächtigen Gott glaubt, der außerhalb von Raum und Zeit existiert und alle physikalischen Gesetze erschuf, dann ist es für diesen Gott kein Widerspruch, auf eine Weise zu handeln, die unsere physikalischen Erklärungen übersteigt.
Bemerkenswert ist der Tadel Jesu: Die Jünger weckten ihn während des Sturms und riefen: „Herr, rette uns, wir kommen um!" (Mt 8:25) Er nennt sie Kleingläubige – Menschen mit zu wenig Vertrauen. Dabei hätte man sagen können, dass sie durch ihre Bitte gerade zeigten, dass sie Jesus zutrauten, sie retten zu können. Sie glaubten, dass Jesus das kann. Warum waren sie dann kleingläubig? Ihr mangelndes Vertrauen zeigte sich in ihrer Furcht. Hätten sie großes Vertrauen gehabt, wären sie furchtlos geblieben und hätten sich gesagt:
„Unser Herr ist da und hat alles im Griff. Deshalb geschieht nichts, ohne dass er es zulässt. Selbst wenn wir umkommen sollten – er trägt uns durch!"
Das ist leichter gesagt als getan. Ich wäre in dieser Situation vermutlich genauso panisch geworden wie die Jünger. Auch ich bin fest davon überzeugt, dass Jesus alle Macht im Himmel und auf Erden besitzt (Mt 28:18). Auch ich glaube, dass er mich aus jeder Situation retten kann. Und trotzdem gibt es „Stürme" in meinem Leben, die Angst in mir auslösen – obwohl ich weiß, dass der HERR alles im Griff hat. Dann muss der HERR auch zu mir sagen: „Daniel, du Kleingläubiger, warum bist du so furchtsam?"
„Kleinglaube bedeutet also nicht, Jesus nichts zuzutrauen – sondern ihm nicht genug zuzutrauen, um ruhig zu bleiben."
Gott wiederholte diese Vertrauenslektion in Matthäus 14, als die Jünger erneut mit Wind und Wellen zu kämpfen hatten – diesmal ohne Jesus im Boot (Mt 14:22-33). Als sie eine Person auf dem Wasser gehen sahen, hielten sie diese für ein Gespenst und fürchteten sich. Diesmal folgt kein Vorwurf, sondern nur der Ruf: „Seid guten Mutes, ich bin es; fürchtet euch nicht!" (Mt 14:27) Doch als Petrus den Herrn bat, ihn ebenfalls über das Wasser gehen zu lassen – und es auch tun durfte –, sah er plötzlich den starken Wind. Er begann zu sinken und schrie, von Angst gepackt, zu Jesus: „Herr, rette mich!" (Mt 14:30) Jesus ergriff ihn bei der Hand und sagte erneut: „Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt?" (Mt 14:31)
Damit wird deutlich: Wenn wir auf die Stürme unseres Lebens blicken, fürchten wir uns und beginnen zu sinken. Wenn wir aber inmitten des Sturms auf Jesus schauen, bleiben wir zuversichtlich und voller Vertrauen – was eine tiefe Gelassenheit zur Folge hat (Hebr 12:2). Nicht die Abwesenheit von Stürmen ist das Zeichen unseres Glaubens, sondern der Blick auf Jesus mitten im Sturm. Möge uns der HERR diese Gnade schenken.
Der HERR ist seines Volkes Stärke.
Er aber, unser Herr Jesus Christus, und Gott, unser Vater, der uns geliebt und uns einen ewigen Trost gegeben hat und eine gute Hoffnung durch Gnade, der tröste eure Herzen und stärke euch in allem guten Werk und Wort.
Wenn wir an Kraft und Stärke denken, verbinden wir das meist mit der Frage, ob wir uns kräftig oder stark fühlen. Stellen wir fest, dass wir in irgendeiner Disziplin Überdurchschnittliches leisten können, fühlen wir uns stark – und das empfinden wir als angenehm. Dieses Empfinden ist direkt mit einem Vergleich verbunden. Angenommen, unsere Leistung bliebe genau dieselbe, aber alle anderen würden plötzlich viel mehr leisten – dann würden wir unsere Leistung, die wir früher als stark beurteilten, plötzlich als schwach empfinden. Unsere Wahrnehmung von Kraft und Stärke steht also immer in Relation zu anderen.
Aus biblischer – und damit aus göttlicher – Sicht ist jedoch nicht entscheidend, ob wir uns stark oder schwach fühlen. Entscheidend ist vielmehr die Frage: Wer ist unsere Kraft und Stärke? Während wir natürlicherweise unsere Stärke an unsere Leistungsfähigkeit, an das Selbstwertgefühl, an unsere guten Beziehungen oder an unsere Stellung knüpfen, ist für David und Paulus Gott allein ihre Stärke, die zählt. Das ist nicht nur eine andere Sichtweise, sondern ein völlig neuer Denkansatz, der unser Bewusstsein grundlegend verändert.
Durch diese Veränderung werden plötzlich Dinge möglich, die vorher undenkbar waren. Wir sind nicht mehr auf unsere eigene, begrenzte Kraft angewiesen, sondern dürfen auf Gottes unerschöpfliche Stärke vertrauen – die uns zugleich demütig sein lässt (2Kor 12:9).
Als Jerusalem von einer großen Übermacht bedroht wurde, betete König Joschafat zum HERRN und sagte: „Denn in uns ist keine Kraft vor dieser großen Menge, die gegen uns kommt; und wir wissen nicht, was wir tun sollen, sondern auf dich sind unsere Augen gerichtet" (2Chr 20:12). Nachdem die Bewohner von Jerusalem die göttliche Zusage bekamen, dass der HERR sie ohne Kampf retten würde, und sie daran glaubten, stellten sie Sänger vor die eigene Armee, die Gott lobten. In 2. Chronik 20:22 wird berichtet, wie Gott sie vor ihren Feinden rettete:
„Und zu der Zeit, da sie mit Jubel und Lobgesang anfingen, legte der HERR einen Hinterhalt gegen die Söhne Ammon, Moab und die vom Gebirge Seïr, die gegen Juda gekommen waren; und sie wurden geschlagen."
Was aus menschlicher Sicht unmöglich war, wurde Wirklichkeit – weil nicht mehr die eigene Stärke, sondern Gottes Kraft im Mittelpunkt stand. Die Bewohner Jerusalems schauten auf den HERRN und vertrauten auf seine Stärke.
Die Thessalonichergemeinde wurde nicht – wie die Bewohner Jerusalems – durch eine lebensbedrohliche Nachricht erschüttert, sondern durch falsche Lehren über die Wiederkunft Jesu Christi. So unterschiedlich die Situationen auch waren – militärische Bedrohung in Jerusalem und geistliche Verunsicherung in Thessalonich –, beiden gemeinsam war die Notwendigkeit, ihre Stärke nicht in sich selbst zu suchen. Deshalb musste Paulus der Gemeinde Gottes im 2. Kapitel seines 2. Briefes die Dinge erklären, die für sie in der Endzeit von grundlegender Bedeutung sind (2Thes 2:1-12).
In den Versen 1–12 beschreibt Paulus den endzeitlichen Abfall, der in der Offenbarung des Gesetzlosen gipfelt. Dieser wird sich in den Tempel Gottes setzen und sich als Gott darstellen. Er verführt die Menschen durch Zeichen und Wunder der Lüge. Doch diesen „Höhepunkt der Gesetzlosigkeit" wird die Gemeinde Jesu nicht miterleben, da die Entrückung der Gemeinde Jesu – meines Erachtens – zuvor stattfinden wird (1Thes 4:16-17).
Dennoch wird es in einer zunehmend gesetzlosen Zeit für gläubige Christen immer schwerer, die guten Worte Gottes weiterzugeben und gute Werke zu tun. Deshalb war es Paulus ein großes Anliegen, der Gemeinde zu zeigen, dass wir dafür Gottes Kraft brauchen. Diese göttliche Stärke kommt nicht aus unseren eigenen Fähigkeiten, sondern aus dem ewigen Trost und der guten Hoffnung, die Gott uns durch seine Gnade geschenkt hat (2Thes 2:16-17). So können wir selbst in Schwachheit stark sein – denn unsere Stärke liegt nicht in uns selbst, sondern in dem, der uns liebt und trägt (2Kor 12:10).
Der himmlische Vater gibt uns nicht Kraft und Stärke für alles, was wir tun wollen. Er gibt sie uns für die guten Werke, die er zuvor für uns bereitet hat, damit wir in ihnen wandeln (Eph 2:10). Er gibt sie uns für gute Worte, die das Vertrauen in Gott wachsen lassen. Ihm sei von Herzen Lob und Dank dafür!
Ich harrte des HERRN, und er neigte sich zu mir und hörte mein Schreien.
Der Kranke antwortete Jesus: Herr, ich habe keinen Menschen, der mich in den Teich bringt, wenn das Wasser sich bewegt; wenn ich aber hinkomme, so steigt ein anderer vor mir hinein. Jesus spricht zu ihm: Steh auf, nimm dein Bett und geh hin!
Manchmal stecken wir über längere Zeit in einem Problem fest. Der Zustand scheint sich nicht zu verbessern, obwohl wir eine Option sehen, die uns weiterhelfen könnte – vielleicht eine Therapie, ein verheißungsvoller Ratgeber oder jemand, der uns mit einem Kredit aus der Notsituation befreien könnte. Doch dann bleibt die erhoffte Unterstützung aus. Die Frustration nimmt zu. Die Hoffnung auf Hilfe schwindet.
Der Kranke am Teich Betesda in Jerusalem erlebte etwas Ähnliches – nur noch intensiver. Seit 38 Jahren litt er an einer unbekannten Schwäche, die seine Beweglichkeit stark einschränkte (Joh 5:5). Am Teich mit seinen fünf Säulenhallen gab es ein besonderes Phänomen: Wenn sich das Wasser bewegte, wurde der Erste, der es erreichte, geheilt. Offenbar hofften die vielen Kranken auf diese Erfahrung, die sich immer wieder bestätigte. Sie dachten: „Ich muss den richtigen Zeitpunkt erwischen und als Erster zum Teich kommen. Vielleicht ist mir das Glück auch einmal hold."
Der Kranke kam aber – infolge seiner Behinderung – immer zu spät. Es blieb also nur noch eine einzige Hoffnung: dass ihm ein gesunder Mensch dabei half, als Erster das Wasser zu erreichen. Doch auch diese Hoffnung schwand zusehends, und wir können davon ausgehen, dass er von den Menschen um ihn herum immer mehr enttäuscht war.
Als Jesus ihn ansprach und fragte, ob er gesund werden wolle, war er immer noch auf seine einzige Hoffnung fixiert. Er antwortete:
„Herr, ich habe keinen Menschen, dass er mich, wenn das Wasser bewegt worden ist, in den Teich wirft; während ich aber komme, steigt ein anderer vor mir hinab." (Joh 5:7)
Dieser Kranke hoffte vermutlich jahrelang auf ein übernatürliches Phänomen. Doch es gibt keinen Hinweis darauf, dass er auf den Gott Israels hoffte. Auch wird nicht berichtet, dass er seine Hoffnung auf Jesus setzte oder an ihn glaubte. Dennoch erbarmte sich Jesus seiner und heilte ihn (Joh 5:8-9). Jesus begegnet ihm nicht wegen seines Glaubens, sondern trotz seines fehlenden Glaubens. So wurde er zu einem Beispiel für Gottes Auserwählung und bedingungslose Gnade (Eph 2:8-9).
Später sagte Jesus zum Geheilten: „Siehe, du bist gesund geworden. Sündige nicht mehr, damit dir nichts Ärgeres widerfährt!" (Joh 5:14). Möglicherweise war er mit einer Sünde behaftet, sodass Jesus ihn davor warnen musste, diese weiterhin zu praktizieren. Ob das der Fall war, wissen wir nicht. Auf jeden Fall deutet Jesus damit an, dass ein Leben fern von Gott letztlich schlimmere Folgen haben wird als körperliche Krankheit.
Eines lässt sich jedoch feststellen: Er setzte seine Hoffnung auf Menschen und ein übernatürliches Phänomen. Das sollte er fortan nicht mehr tun. Stattdessen sollte er lernen, sein ganzes Vertrauen auf Gott zu setzen (Spr 3:5-6). Nicht die Inanspruchnahme menschlicher Hilfe ist das Problem, sondern wenn sie den Platz einnimmt, der allein Gott zusteht. Paulus schreibt, dass alles, was nicht aus Glauben – also aus Vertrauen zu Gott – geschieht, Sünde und somit eine Zielverfehlung ist (Röm 14:23). Diesbezüglich musste der Geheilte etwas dazulernen.
Bei David war das anders: In seiner großen Not – die sich anfühlte wie eine tiefe Schlammgrube, aus der man sich nicht mehr befreien kann – schrie er zu Gott (Ps 40:2-3). Der HERR allein war seine Hoffnung. Von ihm erwartete er Hilfe. Genau das zeigt sein großes Vertrauen auf den HERRN. Er selbst bezeugt in Vers 5:
„Glücklich ist, wer sein Vertrauen auf den HERRN setzt und sich nicht mit den Überheblichen und den Lügnern einlässt!" (HFA)
Überhebliche Menschen und Lügner erwecken oft den Eindruck, helfen zu können. Durch ihr selbstsicheres Auftreten vermitteln sie: „Ich weiß, wie es läuft und was man tun muss, um glücklich zu werden! Mach es wie ich, dann wirst du glücklich und erfolgreich sein!" Doch eine solche Hoffnung erweist sich als trügerisch (Spr 14:12).
Jesus Christus ist der Einzige, der uns aus jeder Not retten kann (Apg 4:12). Er allein bewahrt uns nach dem Sterben davor, in das Totenreich (griech. Hades) zu kommen (Joh 11:25-26). Vertraue auf Jesus – er richtet dich auf und rettet dich aus den Klauen des Todes (Ps 103:4). In ihm finden wir die Hoffnung, die trägt – über dieses Leben hinaus (1Petr 1:3-4).
HERR, deine Augen, sind sie nicht auf Treue gerichtet?
Mein Lieber, du handelst treu in dem, was du an den Brüdern tust, zumal an fremden.
Während wir in den letzten Tagen eine gesegnete Freizeit mit jungen Erwachsenen am Feldberg erleben durften, ereignete sich in den Schweizer Bergen eine verheerende Brandkatastrophe, die viele Menschen tief bewegt hat. Obwohl ich niemanden persönlich kenne, beschäftigt mich das schwere Schicksal der Betroffenen innerlich so sehr, dass ich immer wieder für diese jungen Leute und ihre Angehörigen beten muss.
Mitten in diesem unsagbaren Leid berührte mich besonders das Interview mit einer jungen Frau. Sie erzählte, wie schwierig es war, den tödlichen Flammen zu entkommen. Dann nahm ein junger, ihr unbekannter Mann ihre Hand, zog sie heraus und rettete sie. Da war einer, der nicht nur an sein eigenes Überleben dachte, sondern auch einem anderen Menschen helfen wollte. Das zeugte von einer besonderen Art der Treue.
Diese Begebenheit ließ mich darüber nachdenken, wie viel Gewicht das Handeln eines Einzelnen hat – eine Frage, die auch zur Zeit Jeremias von entscheidender Bedeutung war. Damals fand der HERR in Jerusalem keine Treue mehr. Deshalb musste der Prophet im Namen Gottes schreiben:
"Durchstreift die Gassen Jerusalems, seht doch und erkundet und sucht auf ihren Plätzen, ob ihr jemanden findet, ob einer da ist, der Recht übt, der Treue sucht: so will ich ihr vergeben!" (Jer 5:1)
Dieser Vers beschreibt nicht nur das treulose Verhalten der Stadtbewohner, sondern zeigt auch, welche Auswirkungen es hat, wenn ein einziger Mensch Recht und Treue sucht. Als Folge hätte der HERR der ganzen Stadt vergeben! Was für eine Aussage! Sie zeigt, wie Gott nach einem Einzigen suchte, der sich durch Zuverlässigkeit und Vertrauenswürdigkeit auszeichnete, um dann der ganzen Stadt vergeben zu können. Die Treue eines Einzelnen hätte Vergebung für die ganze Stadt gebracht. Nicht weil dieser Mensch vollkommen gewesen wäre, sondern weil Gott auf Treue antwortet und gnädig ist.
Doch letztlich blieb dieser Eine in Jerusalem aus. Letztlich sehen wir in Jesus selbst den vollkommen Treuen – den Einen, durch den Gott nicht nur einer Stadt, sondern der ganzen Welt Vergebung anbietet.
Das erinnert mich an eine ähnliche Aussage aus 1. Mose 18:32: Damals sagte der HERR zu Abraham, dass er Sodom verschonen würde, wenn noch zehn Gerechte darin leben würden.
In Jeremia 5:1 ist das hebräische Wort für Treue emunah. Es umfasst auch Vertrauenswürdigkeit und Zuverlässigkeit. Zugleich wird dieses Wort oft mit „Glauben" übersetzt – so etwa in Habakuk 2:4, wo Gott sagt, dass der Gerechte aus Glauben leben wird. Emunah stammt von der Wurzel aman, die „fest", „sicher", „zuverlässig" oder „treu sein" bedeutet. Für Gott sind jene treu, die aus einer Vertrauensbeziehung zu ihm leben. Übrigens: Auch unser Amen stammt von aman.
Gajus – der Empfänger des letzten Briefes von Johannes – zeichnete sich ebenfalls durch ein solches Vertrauen aus. Sein Glaube zeigte sich in seiner Treue: Er beherbergte Brüder, die unterwegs waren, um das Evangelium zu verkündigen – manche davon kannte er nicht einmal persönlich. Gajus war – wie wir alle – ein Geliebter Gottes. Weil er selbst Gottes Liebe erfahren hatte, praktizierte er diese Liebe, indem er die reisenden Brüder mit großer Herzlichkeit bei sich aufnahm. Darum heißt es in Vers 6:
"– sie (die Mitarbeiter der Wahrheit) haben vor der Gemeinde von deiner Liebe Zeugnis gegeben –, und du wirst wohltun, wenn du sie zur Reise ausstattest, wie es Gottes würdig ist."
Vertrauen auf Gott, Treue und praktizierte Bruderliebe – die sich auch in Gastfreundschaft zeigt – gehören zusammen (Hebr 13:1-2). Vielleicht zeigt sich unsere Treue nicht in großen Heldentaten, sondern im offenen Haus, im verlässlichen Wort, im treuen Gebet – und doch kann Gott genau das gebrauchen, um viel mehr zu bewirken, als wir ahnen.
Der HERR segnet, die ihn fürchten, die Kleinen und die Großen.
Vergeltet nicht Böses mit Bösem oder Scheltwort mit Scheltwort, sondern segnet vielmehr, weil ihr dazu berufen seid, auf dass ihr Segen erbt.
Zu Jahresbeginn, zum Geburtstag oder bei anderen Neuanfängen wünschen wir uns oft den Segen Gottes. Doch was meinen wir eigentlich damit? Was erwarten wir, wenn wir sagen: „Gott segne dich"? Bereits im ersten Kapitel der Bibel ist vom Segnen Gottes die Rede. Da heißt es:
"Und Gott schuf den Menschen als sein Bild, als Bild Gottes schuf er ihn; als Mann und Frau schuf er sie. Und Gott segnete sie, und Gott sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und vermehrt euch, und füllt die Erde, und macht sie euch untertan." (1Mo 1:27-28)
Hier wird deutlich, dass Gottes Segen die Voraussetzung für Fruchtbarkeit und Vermehrung ist. Das Gleiche gilt für die "geistliche Fruchtbarkeit", die sich in den Eigenschaften der Liebe aus Galater 5:22 zeigt.
In Psalm 115 kommt der hebräische Begriff barak sechsmal vor. In den meisten deutschen Übersetzungen ist das jedoch nicht erkennbar, weil er die ersten fünfmal mit „segnen" bzw. „gesegnet" übersetzt wird (Verse 12-13+15), während das letzte Vorkommen oft mit „preisen" wiedergegeben wird (Vers 18). Das zeigt, dass der empfangene Segen Gottes zu einer Reaktion des Menschen führt – er gibt Gott die Ehre und preist ihn. Wenn wir Gott „segnen", geben wir ihm die Wertschätzung, die ihm gebührt. Es verhält sich ähnlich wie wenn Gott uns die Früchte des Feldes schenkt und wir ihm dann die Erstlingsfrucht opfern – aus Dankbarkeit und zu seiner Verherrlichung.
Das zeigt sich auch darin, dass der hebräische Begriff barak semantisch mit berek (knien) verwandt ist. Der Gott „Segnende" kniet vor Gott, betet ihn an und gibt ihm die Ehre. Zusätzlich besteht eine Wortverwandtschaft zu berekhah, was „Teich" oder „Wasserbecken" bedeutet. Das könnte darauf hinweisen, dass der Gott Preisende eine „Quelle des Segens" gefunden hat – was sich in der Praxis immer wieder bestätigt.
Der heutige Losungsvers zeigt, welche Verheißung die Gottesfurcht trägt. Wer Gott ehrfurchtsvollen Respekt zollt, wird von ihm mit Segen beschenkt (Ps 115:13). Dabei spielt es keine Rolle, ob man ein „großer König" oder ein „kleiner Diener" ist – alle Gottesfürchtigen werden gesegnet. Der Segen des HERRN ist weit kostbarer als materieller Reichtum, weil er uns das gibt, was aus Gottes Sicht wirklich gut für uns ist.
Im Neuen Testament begegnet uns derselbe Gedanke erneut – diesmal im griechischen Wort eulogeo. Es wird im Deutschen meist mit „segnen" übersetzt und besteht aus zwei Teilen: eu (gut) und logos (Wort). Wörtlich bedeutet eulogeo also „Gutes reden". Der Segnende spricht wohltuende und Gott wohlgefällige Worte aus, die dem Gesegneten vermitteln, was aus der Ewigkeitsperspektive gut ist.
Wiedergeborene Christen – und damit Kinder Gottes – wurden von Gott mit jedem geistlichen Segen aus den himmlischen Welten gesegnet (Eph 1:3). Diese Aussage können wir noch kaum fassen. Weil Gott uns mit so viel Segen überschüttet hat, sind wir berufen, andere Menschen zu segnen – ganz gleich, ob Freund oder Feind. Darum schreibt Petrus (1Petr 3:9):
"Vergeltet nicht Böses mit Bösem oder Beschimpfung mit Beschimpfung, sondern im Gegenteil segnet, weil ihr dazu berufen worden seid, dass ihr Segen erbt!"
In der Bergpredigt motiviert Jesus uns bereits (Lk 6:28):
"Liebt eure Feinde; tut wohl denen, die euch hassen; segnet die, die euch fluchen; betet für die, die euch beleidigen!"
Wer sich im Segnen übt und diesen Dienst aus Liebe tut, erfährt etwas von Gottes Frieden, der tiefer reicht als äußere Umstände (Phil 4:7). Segnen heißt, dem anderen mit Gottes Augen zu begegnen und ihm Gutes zuzusprechen – selbst dort, wo es menschlich schwerfällt.
Wer so lebt, wird feststellen: Der Segen, den wir weitergeben, kehrt nicht leer zurück (Jes 55:11). Er formt unser Herz, bewahrt unseren Frieden und lässt uns teilhaben an der Freude Gottes – einer Freude, die kostbarer ist als alles sichtbare Glück.
Der HERR wird aufheben die Schmach seines Volks in allen Landen.
Darin ist erschienen die Liebe Gottes unter uns, dass Gott seinen eingebornen Sohn gesandt hat in die Welt, damit wir durch ihn leben sollen.
Wie tröstlich müssen die Worte aus dem Propheten Jesaja für die weltweit geschmähten Juden sein – sofern sie daran glauben, dass der HERR dies auch tun wird! Das hebräische Wort cherpah bedeutet auch „verhöhnen, beschimpfen".
Bis heute erleben Juden weltweit Schmähung und Ablehnung – oft nicht wegen konkreter Schuld, sondern allein wegen ihrer Identität. Dieses schmerzliche Phänomen gehört zur langen Geschichte des Volkes Israel, die die Propheten bereits benannt haben (Ps 44:14-15 / 5Mo 28:37). Doch Gott wird die weltweiten Schmähungen und Beschimpfungen der Juden einmal beenden, so wie es im heutigen Losungsvers und in Sacharja 8:13 verheißen wurde. Dort heißt es:
"Und es soll geschehen: Wie ihr ein Fluch unter den Völkern gewesen seid, Haus Juda und Haus Israel, so will ich euch retten, dass ihr ein Segen sein sollt."
Die aktuelle Losung zitiert nur einen Teil des Verses. Der vollständige Vers enthält noch viel mehr und lautet:
"Den Tod verschlingt er auf ewig, und der Herr, HERR, wird die Tränen abwischen von jedem Gesicht, und die Schmach seines Volkes wird er von der ganzen Erde hinwegtun. Denn der HERR hat geredet." (Jes 25:8)
Dieser Vers passt wunderbar zur Jahreslosung 2026: "Siehe, ich mache alles neu!" (Offb 21:5). Ein Vers davor verheißt Gott:
"Und er wird jede Träne von ihren Augen abwischen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Trauer noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen." (Offb 21:4)
Damit greift die Vision der endgültigen Erneuerung die Verheißung aus dem Propheten Jesaja auf und führt sie zur Vollendung.
Das alles klingt fast zu schön, um wahr zu werden. Wer kann glauben, dass der Tod einmal nicht mehr sein wird? Diese Perspektive widerspricht unseren bisherigen Erfahrungen völlig. Bis heute sind der Tod, der Schmerz, das Leid und die Trauer allgegenwärtig.
Doch wie kann diese große Verheißung Wirklichkeit werden? Wie kann der Tod wirklich überwunden werden – nicht nur in Worten, sondern in der Realität?
Der Schöpfer des Himmels und der Erde hat verheißen, dass der Tod einmal der Vergangenheit angehören wird. Damit das zu einer sichtbaren Realität werden kann, musste Gott zuvor seinen Sohn auf die Erde senden, um dem Tod seine wirksamste Waffe zu entreißen – nämlich die Sünde, die ihm Macht über jeden Menschen gab. Der Prophet Hesekiel musste schreiben: „Jede Seele, die sündigt, muss sterben!" (Hes 18:4) Und Paulus schreibt in 1. Korinther 15:56:
"Der Stachel des Todes aber ist die Sünde, die Kraft der Sünde aber das Gesetz."
Daraus wird deutlich: Solange Menschen der Sünde versklavt sind, hat der Tod Anspruch auf sie. Deshalb musste Jesus als Lamm Gottes auf die Erde kommen (Joh 1:29), um uns von der Sünde zu befreien – damit der Tod keinen Anspruch mehr auf uns hat. Jesus Christus hat am Kreuz die Sünde besiegt und uns den Weg zum ewigen Leben eröffnet (Röm 6:23). In Christus beginnt bereits, was Gott einst für die ganze Schöpfung vollenden wird.
Jesus ist der Erste, der aus den Toten auferstand und nicht mehr sterben musste – dadurch hat er auch den Tod besiegt (1Kor 15:20).
Bevor Jesus seine weltweite Gemeinde zu sich holt, werden die Toten in Christus auferweckt (1Thes 4:16). Dann erfüllt sich, was Paulus ebenfalls schrieb:
"Wenn aber dieses Vergängliche Unvergänglichkeit anziehen und dieses Sterbliche Unsterblichkeit anziehen wird, dann wird das Wort erfüllt werden, das geschrieben steht: »Verschlungen ist der Tod in Sieg.« »Wo ist, Tod, dein Sieg? Wo ist, Tod, dein Stachel?«" (1Kor 15:54-55)
Der Tod, der zuvor alles Lebendige verschlang, wurde von Jesus selbst verschlungen. Damit ist der Tod besiegt – es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis er vollständig vernichtet wird (Offb 20:14).
Darum ist christliche Hoffnung keine Flucht aus der Welt, sondern eine Kraft zum Ausharren. Wer auf Christus vertraut, lebt schon heute aus einer Zukunft, die Gott selbst garantiert hat (Röm 8:28). Darin liegt unsere Zuversicht und unser Trost.
Der HERR schafft deinen Grenzen Frieden.
Selig sind, die Frieden stiften; denn sie werden Gottes Kinder heißen.
Seit Jahrtausenden sehnt sich die Menschheit nach einem bleibenden Frieden, und immer wieder bemühen sich viele um einen solchen. In diesem Jahr – das heute zu Ende geht – wurde im Nahen Osten von mehreren Staaten ein Friedensabkommen unterzeichnet, was durchaus bemerkenswert ist. Aber wir alle wissen, dass dieser Friede sehr zerbrechlich ist. Die weltweiten Spannungen nehmen eher zu als ab. Es gibt kaum einen Kontinent ohne Krisenherde. Zwar hört man immer wieder den Slogan „Friede und Sicherheit" (1Thess 5:3), aber wir sind viel mehr mit dem konfrontiert, was Jesus in seiner Endzeitrede prophezeite, als er sagte:
„Ihr werdet aber von Kriegen und Kriegsgerüchten hören. Seht zu, erschreckt nicht! Denn es muss geschehen, aber es ist noch nicht das Ende. Denn es wird sich Nation gegen Nation erheben und Königreich gegen Königreich, und es werden Hungersnöte und Erdbeben da und dort sein. Alles dies aber ist der Anfang der Wehen." (Mt 24:6-8)
Wenn die „Wehen" ihren Höhepunkt erreichen, wird Jesus Christus vom Himmel für alle sichtbar kommen und tausend Jahre Frieden auf die Erde bringen (Offb 20:4-6). Gegen Ende des tausendjährigen Reiches gibt es ein letztes Aufbäumen des Feindes (Offb 20:7-9), bevor Gott einen neuen Himmel und eine neue Erde schafft, in dem ewiger Friede herrschen wird (Offb 21:1-4) – etwas, das wir uns heute kaum vorstellen können.
Dann wird sich der HERR als den wahren Friedensbringer erweisen. Gegenwärtig schenkt er uns jedoch vor allem einen Herzensfrieden, wenn wir ihm vertrauen (Joh 14:27 / Phil 4:7).
Ein umfassender Frieden (schalom) bedeutet mehr als die Abwesenheit von Krieg. Er beinhaltet unter anderem …
… den Schutz vor äußeren Feinden (3Mo 26:6). Wer eine unmittelbare Bedrohung von Feinden spürt, empfindet keinen umfassenden Frieden.
… die innere zwischenmenschliche Harmonie (Ps 122:6-8). Dort, wo gegenseitige Wertschätzung und Liebe praktiziert werden, entsteht auch eine friedvolle Gemeinschaft.
… ein geistliches Wohlergehen in der Beziehung zu Gott (Jes 26:3). Da, wo die Beziehung zu Gott gestört ist, kann auch kein wirklicher Herzensfriede entstehen.
… einen materiellen Segen (Jes 54:13). Zu einem umfassenden Frieden gehört auch eine materielle Versorgung, bei der man keinen Mangel leiden muss. Obwohl wir in den letzten Jahrzehnten in Westeuropa diesen materiellen Segen erleben durften, so gibt es – solange wir noch in dieser Welt sind – keine Garantie dafür, dass dieser auch erhalten bleibt, denn Gott bleibt souverän.
Noch leben wir in einer Welt voller Kriege und Konflikte. In diesem Umfeld ein Friedensstifter zu sein, ist eine besonders anspruchsvolle Aufgabe. Ein Friedensstifter bemüht sich aktiv, Konflikte zu lösen, Vergebung und Versöhnung zu fördern und Harmonie zwischen Menschen herzustellen. Dies kann in Familien, Gemeinden und der Gesellschaft geschehen. Paulus ermutigt die Gläubigen: „Wenn möglich, so viel an euch ist, lebt mit allen Menschen in Frieden" (Röm 12:18). Leider ist das nicht immer möglich – besonders dort, wo Menschen Böses tun wollen. Jakobus betont, dass die Frucht der Gerechtigkeit in Frieden gesät wird von denen, die Frieden stiften (Jak 3:18).
Sowohl Psalm 147 als auch Matthäus 5 enthalten trostvolle Verheißungen für Gebeugte und Elende. Die Rückkehrer aus dem Exil waren entmutigt und fühlten sich angesichts der Zerstörung Jerusalems ohnmächtig. Das Volk, das die Bergpredigt Jesu hörte, saß in einem Land der Finsternis – doch als Jesus zu predigen und zu heilen begann, sahen sie ein großes Licht (Mt 4:16).
Dieses große Licht ist Jesus. Er hat uns zuerst einen Frieden des Herzens gebracht und wird in nicht allzu ferner Zukunft auch den Frieden auf die Erde bringen. Bis dahin dürfen wir uns durch die Liebe Gottes und das Wirken des Heiligen Geistes aktiv als Friedensstifter betätigen (Gal 5:22-23).
Der HERR sprach zu Mose: Du hast Gnade vor meinen Augen gefunden, und ich kenne dich mit Namen.
Das Fundament Gottes wankt nicht, und es trägt das Siegel mit der Aufschrift: Der Herr kennt die Seinen.
Bis heute kann die Wissenschaft die Anzahl der Sterne im Universum nur schätzen. Man geht von etwa 10²² bis 10²⁴ Sternen im beobachtbaren Universum aus – also eine 1 mit 22 bis 24 Nullen. Die genaue Zahl kennt niemand – außer Gott selbst, der sie schuf. So heißt es in Psalm 147:4:
"Er zählt die Zahl der Sterne, er ruft sie alle mit Namen."
Gott kennt nicht nur die Anzahl der Sterne, sondern jeden einzelnen mit Namen. Das übersteigt unser Fassungsvermögen. Wenn Gott schon alle Sterne mit Namen kennt – sollte er da nicht auch jeden Menschen mit Namen kennen? Gewiss! Aber was ist gemeint, wenn wir in der Bibel lesen, dass er die Seinen mit Namen kennt? Und wie ist es zu verstehen, wenn der HERR zu einigen sagt: „Ich kenne euch nicht" (Mt 7:23)?
Ein Mensch kann viele Namen kennen, ohne die Personen wirklich zu kennen. Der amerikanische Präsident etwa begegnet häufig Menschen, deren Namen und Lebensläufe ihm zuvor genannt wurden. Doch eine echte Beziehung verbindet ihn nur mit wenigen – mit seinen Kindern. Zu ihnen würde er niemals sagen: „Ich kenne dich nicht.“
Dieses ‚Kennen' Gottes ist also nicht mit menschlichem Wiedererkennen zu verwechseln. Gott kennt jeden Menschen durch und durch – besser, als wir uns selbst kennen (Ps 139:1-4). Doch nicht zu jedem hat er eine innige Vertrauensbeziehung.
Wenn der HERR zu jemandem sagt: „Ich kenne dich mit Namen!", bedeutet das höchste Würde. Er signalisiert damit eine persönliche Liebesbeziehung zum Angesprochenen. Wenn Gott jemanden „kennt", meint das eine liebevolle Erwählung und tiefe Verbundenheit mit ihm (Jer 1:5 / Joh 10:14).
Der HERR redete mit Mose „von Angesicht zu Angesicht", wie ein Mann sich mit seinem Freund unterhält (2Mo 33:11). Damit gab Gott dem Mose höchste Würde – obwohl Mose Gott im Kapitel zuvor "widersprochen" und doch im Vertrauen gerungen hatte. Der HERR hatte ihm „angeboten", aus ihm eine große Nation zu machen, während er das Volk vernichten würde, da es seinen Bund gebrochen hatte (2Mo 32:10). Doch Mose setzte sich für sein Volk ein und bot Gott sogar an, ihn aus „dem Buch" zu löschen, damit er dem Volk vergeben würde (2Mo 32:32). Diese priesterliche Haltung gefiel Gott sehr, denn sie spiegelte die Gesinnung Jesu Christi wider. Mose wurde für Gott zu einem Gegenüber – genau das, was sich Gott wünscht.
Gott kannte Mose mit Namen – das heißt, er erwählte ihn persönlich und gab ihm eine göttliche Bestimmung. In der Bibel ist ein Name weit mehr als eine bloße Bezeichnung. Er trägt göttliche Berufung, Auftrag und oft den von Gott gegebenen Charakter in sich.
Im Neuen Testament wird den Überwindern (oder Siegern) ein neuer Name verheißen. So heißt es in Offenbarung 2:17 und 3:12:
„… dem will ich geben von dem verborgenen Manna und einen weißen Stein; und auf dem Stein steht ein neuer Name geschrieben, den niemand kennt als der, der ihn empfängt."
„… und ich werde auf ihn schreiben den Namen meines Gottes … und meinen neuen Namen."
So erhalten alle, die zum HERRN gehören und eine Vertrauensbeziehung zu ihm haben, eine neue Berufung und Bestimmung! Jesus kennt die Seinen und hat sie „versiegelt" (2Tim 2:19 / Eph 1:13). Ein Siegel diente in der Antike zur Authentifizierung, zum Schutz und zur Kennzeichnung von Eigentum. Wer sein Leben dem Herrn Jesus Christus geschenkt hat, ist sein Eigentum. Er steht unter seiner liebevollen Aufsicht und seinem persönlichen Schutz. Er darf wissen: Mein HERR kennt mich mit Namen, und ich darf als Kind Gottes jederzeit zu ihm kommen (Hebr 4:16).
Du, HERR, sei nicht ferne; meine Stärke, eile, mir zu helfen!
Die Kraft des Herrn war mit Jesus, dass er heilen konnte.
Kaum ein anderer Psalm beschreibt so eindrücklich tiefes Leid wie Psalm 22. David bringt hier eine innere Not zum Ausdruck, die kaum zu überbieten ist (Ps 22:2):
„Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Fern von meiner Rettung sind die Worte meines Gestöhns…"
Zwar bekennt David in den folgenden Versen die Heiligkeit Gottes und erinnert daran, dass der HERR all jene rettete, die ihm vertrauten (Ps 22:4-6). Doch dieses Zeugnis scheint auf seine eigene Situation nicht zu passen. Er empfindet sich nicht mehr als Mensch, sondern als „Wurm" – verachtet, verspottet und von Feinden umringt (Ps 22:7-9). Obwohl Gott ihm von frühester Kindheit an Vertrauen geschenkt hatte, scheint ihm nun jeder Halt entzogen (Ps 22:10-12).
Spätestens bei der Beschreibung seiner Leiden stellt sich jedoch eine entscheidende Frage: Wann hat David dies alles erlebt?
Er spricht davon, in den Staub des Todes gelegt zu sein, von durchgrabenen Händen und Füßen, von öffentlich zur Schau gestellten Gebeinen und davon, dass seine Kleider unter Feinden verteilt wurden (Ps 22:15-19). Für all das finden wir in Davids Biografie keine Entsprechung. Darum deuten einige jüdische Ausleger diese Aussagen als poetische, bewusst zugespitzte Metaphern.
Für uns Christen jedoch weisen diese Worte über David hinaus. Sie finden ihre tiefste und eigentliche Erfüllung im Leiden Jesu Christi. Nicht zufällig zitiert Jesus am Kreuz den Anfang von Psalm 22 (Mt 27:46):
„Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?"
Was bei David bildhaft beschrieben wird, geschieht bei Jesus wörtlich: Seine Hände und Füße werden durchbohrt. Seine Kleider werden verteilt. Er wird dem Tod ausgeliefert (Lk 23:33) / (Joh 19:23-24). Diese Linie wird durch andere Propheten bestätigt: Jesaja spricht vom leidenden Gottesknecht, der „durchbohrt wurde um unserer Vergehen willen" (Jes 53:5), und Sacharja kündigt an, dass Israel auf den blicken wird, „den sie durchbohrt haben" (Sach 12:10).
Trotz der erfahrenen Gottverlassenheit hält David – und in vollkommener Weise auch Christus – am Vertrauen fest (Ps 22:20):
„Du aber, HERR, sei nicht fern! Meine Stärke, eile mir zu Hilfe!"
Und tatsächlich kommt im zweiten Teil von Vers 22 die Wende:
„Du hast mich erhört."
Dieses Leiden bleibt nicht folgenlos. Es hat weltweite Auswirkungen (Ps 22:28):
„Es werden daran gedenken und zum HERRN umkehren alle Enden der Erde."
Hier wird deutlich: Nicht Davids Leid bewirkt diese universale Umkehr, sondern das stellvertretende Leiden des Messias. Durch seine Striemen ist uns Heilung geworden – Heilung von der tiefsten Krankheit des Menschen: der Sünde (Jes 53:5) / (1Petr 2:24).
Darum hatte Jesus die göttliche Vollmacht, nicht nur Gelähmte zu heilen, sondern auch Sünden zu vergeben (Lk 5:17-24). Die Kraft Gottes, die mit ihm war, gründete in seinem stellvertretenden Leiden.
Wer auf Jesus vertraut, wird nicht enttäuscht werden (Röm 10:11). Er ist der Helfer und Heiler – damals wie heute. Darum: Halte fest am Vertrauen auf ihn (Hebr 10:23).
Siehe, wie fein und lieblich ist's, wenn Brüder einträchtig beieinander wohnen! Denn dort verheißt der HERR Segen und Leben bis in Ewigkeit.
Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens.
Gibt es einen Menschen, der sich im Innersten seiner Seele nicht geliebt wissen will – gerade dann, wenn er versagt hat? Ich glaube, selbst diejenigen, die sich für ein böses und liebloses Verhalten entschieden haben, wollen zutiefst geliebt werden – auch wenn ihnen das vielleicht nicht bewusst ist.
Die meisten wissen vermutlich auch, dass Nächstenliebe eine wichtige Grundlage für gute Gemeinschaft, Einheit und Frieden ist – und trotzdem fällt die praktische Umsetzung oft so schwer (Joh 13:34). Selbst die Jünger Jesu stritten immer wieder darüber, wer von ihnen der Größte sei – und das, obwohl sie dem größten Vorbild in Sachen Liebe nachfolgten (Lk 22:24).
Auch in der Politik wird immer wieder „Friede und Sicherheit" als wünschenswertes Ziel angestrebt – aber gleichzeitig wird überall massiv aufgerüstet (1Thes 5:3). Verschiedene religiöse Gruppierungen streben nach ökumenischer Einheit und scheitern allzu oft an Meinungsverschiedenheiten.
Das alles zeigt, wie schwierig es ist, Liebe und ein versöhntes Miteinander praktisch umzusetzen. Diese Spannung zwischen Sehnsucht und Realität begegnet uns nicht nur heute – sie prägte auch das Leben Davids. Auch David sehnte sich nach einer friedvollen Gemeinschaft. Stattdessen beobachteten ihn seine älteren Brüder argwöhnisch (1Sam 17:28). König Saul – dem er mit Hingabe dienen wollte – verfolgte ihn (1Sam 19:10). Seine Anhänger verstanden ihn oft nicht. Und mit seinem einzig wahren Freund Jonathan konnte er leider nicht allzu oft zusammen sein (1Sam 20:41-42).
Trotzdem gab es im Leben Davids immer wieder Momente, in denen er ein einträchtiges Miteinander erleben durfte. Solche Augenblicke kann man besonders genießen. Vielleicht erlebte er sie vor allem dann, wenn die Pilger nach Jerusalem zogen, um die Feste des HERRN zu feiern (Ps 122:1-4). Der kurze Psalm 133 wird als Wallfahrtslied bezeichnet, das bei diesen Festen gesungen wurde.
Dieses Lied besingt nicht nur die Schönheit brüderlicher Einheit, sondern enthält auch eine prophetische Aussage über eine künftige, harmonische und vollkommene Gemeinschaft. Diese entsteht durch göttliches Einwirken aus der Höhe. Oft beginnt solch einträchtiges Beisammensein damit, dass der allerhöchste Gott geehrt wird. Dadurch richtet sich der Fokus weg von uns selbst hin zu Gott, der uns seine Liebe offenbart hat, indem er seinen Sohn zu uns sandte und uns mit sich versöhnte (Joh 3:16 / 2Kor 5:18-19).
Jesus Christus hat uns von unserer Schuld befreit (1Jo 1:9). Deshalb dürfen wir Frieden mit Gott und Frieden im Herzen haben (Röm 5:1). Dieser innere Friede bildet die Grundlage für einen künftigen äußeren und allumfassenden Schalom auf der Erde – er wird kommen, wenn der HERR in großer Macht und Herrlichkeit erscheint und sein messianisches Friedensreich aufrichtet (Jes 9:5-6 / Off 21:3-4). Dann wird auch das ewige göttliche Leben sichtbar werden!
Was wir heute nur bruchstückhaft erleben, wird dann vollendet sein: Frieden mit Gott, Frieden untereinander und Leben aus seiner Gegenwart.
Der hebräische Text von Psalm 133,1 wird auch im deutschen Sprachraum gesungen:
Hineh ma tov uma na'im Shevet achim gam yachad.
Hier kannst du dieses Lied auch hören.
Ich gehe einher in der Kraft Gottes des HERRN; ich preise deine Gerechtigkeit allein.
Denen aber, die berufen sind, Juden und Griechen, predigen wir Christus als Gottes Kraft und Gottes Weisheit.
Was würdest du tun, wenn du über eine Fülle an Kraft und Weisheit verfügen würdest? Würdest du endlich umsetzen, was du dir schon immer gewünscht hast? Würdest du dein Ansehen, deinen Erfolg und dein Glück vergrößern – oder sehnt sich dein Herz nach etwas ganz anderem?
Eines ist klar: Sobald wir göttliche Weisheit besitzen, ändern sich unsere Ziele und Prioritäten. Wer ohne göttliche Weisheit viel Kraft und Macht hat, nutzt diese für Dinge ohne bleibenden Wert. Deshalb ist es besser, göttliche Weisheit ohne Macht zu haben als viel Macht ohne göttliche Weisheit – denn nur durch Weisheit können wir Kraft und Macht richtig einsetzen.
Mose betete in Psalm 90:
"So lehre uns denn zählen unsere Tage, damit wir ein weises Herz erlangen!" (Ps 90:12)
Das Zählen unserer Tage konfrontiert uns mit einer Wahrheit, der wir gern ausweichen: Unser Leben ist endlich (Jak 4:14). Gerade diese Erkenntnis lässt uns nach dem Sinn des Lebens fragen und öffnet den Raum für Weisheit – weil sie uns zwingt zu fragen, was trägt, wenn unsere eigene Kraft schwindet.
Die Bibel spricht dabei nicht von einer abstrakten Weisheit, sondern von einer Weisheit, die Gestalt angenommen hat (1Kor 1:24 / 1Kor 1:30). Der Autor von Psalm 71 sieht das Alter nahen – und mit ihm seine schwindende Kraft (Ps 71:9). Zugleich wird er von Feinden verfolgt und bedrängt. Für den Psalmisten ist das eine sehr bedrohliche Kombination. Deshalb betet er zu Beginn:
"Bei dir, HERR, habe ich mich geborgen. Lass mich niemals beschämt werden! In deiner Gerechtigkeit rette mich und befreie mich! Neige dein Ohr zu mir und hilf mir. Sei mir ein Fels zur Wohnung, zu dem ich immer kommen kann! Du hast geboten, mich zu retten. Denn mein Fels und meine Burg bist du. Mein Gott, befreie mich aus der Hand des Gottlosen, … Denn meine Hoffnung bist du, Herr; HERR, meine Zuversicht von meiner Jugend an." (Ps 71:1-5)
Im heutigen Losungsvers bringt der Liederdichter seine große Zuversicht zum Ausdruck. Heinz Schumacher übersetzt diesen Vers so:
"Ich will kommen, rühmend die Machttaten des ewigen Herrn, will allein deine Gerechtigkeit in Erinnerung bringen." (Ps 71:16)
Das zeigt sein Vertrauen und seine Gewissheit, dass Gottes Macht ihm zur Hilfe wird und er seine Hoffnung allein auf die Gerechtigkeit Gottes setzt.
Auch Paulus lernte im Laufe seines Lebens, dass die Kraft und Weisheit Gottes das Entscheidende sind. Seine eigene Kraft schwand von Tag zu Tag, und seine eigene Gerechtigkeit, die er durch die Einhaltung des Gesetzes suchte, brachte ihn nicht näher zu Gott (Phil 3:4-9). Gerade in Gefangenschaft, Krankheit und äußerer Schwäche lernte Paulus, dass Gottes Kraft dort beginnt, wo seine eigene endet (2Kor 12:9-10).
Durch die Begegnung mit Jesus Christus fand er die vollkommene Weisheit, die aus Gott stammt (1Kor 1:30), und eine nie endende Kraftquelle, die ihn gerade in seiner Schwachheit und auch im Alter durchgetragen hat. Er erkannte: Seine eigenen Fähigkeiten und Anstrengungen können ihn nicht durch alle Anfeindungen und Schwachheiten hindurchtragen – das konnte nur die Weisheit in Christus und die nie endende Kraft Gottes, die gerade in seiner Schwachheit zur Vollendung kam (2Kor 12:9).
Wenn du in Christus die Quelle von Kraft und Weisheit suchst, wirst du entdecken, was dich durch Schwachheit, Alter – und über dieses Leben hinaus – trägt (Phil 4:13 / 2Tim 4:17-18).
Die Gebote des HERRN sind lauter und erleuchten die Augen.
Alle, die im Hohen Rat saßen, blickten auf Stephanus und sahen sein Angesicht wie eines Engels Angesicht.
Einer Legende nach rief der geniale antike Mathematiker und Physiker Archimedes „Heureka!", als ihm beim Baden das Prinzip des Auftriebs klar wurde. Heureka heißt: „Ich habe es gefunden!" und drückt die Freude über eine plötzliche Erkenntnis aus. Es handelt sich um einen klassischen Aha-Moment. Die Entdeckung entstand nicht im Studierzimmer, wo er intensiv nach einer Erkenntnis suchte, sondern während der Entspannung – beim Beobachten natürlicher Dinge, die Gott in seine Schöpfung hineingelegt hat (Ps 104:24). Der Mensch entdeckt nicht Neues gegenüber Gott, sondern erkennt, was Gott bereits in seine Schöpfung hineingelegt hat (Röm 1:20). Das zeigt: Sogenannte „Entdeckungen" sind letztendlich ein Geschenk Gottes, weil der Mensch nur das entdecken kann, was Gott zuvor geschaffen und geordnet hat – wie zum Beispiel die Gesetze der Physik (Hiob 38:33).
Die Struktur von Psalm 19 zeigt uns ebenfalls eine wertvolle Kombination aus dem Beobachten der Schöpfung und einem Nachdenken über die Anweisungen Gottes:
Der Psalm Davids beginnt mit der Beobachtung des Himmels und dem „Erkennen des Tages". Der erste Abschnitt endet mit einer poetischen Beschreibung der Sonne (Ps 19:2–7).
Anschließend bezeugt er die Vorzüglichkeit und Kostbarkeit des Wortes Gottes. Dabei verwendet er unterschiedliche Begriffe: Gesetz (hebr. tora), Zeugnis (eduth), Vorschrift (o. Befehle = piqqud), Gebot (mitsvah) und Rechtsbestimmung (mischpat). Alle fünf stammen gemäß den Versen 8–10 vom HERRN und haben „erleuchtende" Auswirkungen.
So wie das Himmelsgewölbe mit all seinen Sternen dem Seefahrer Orientierung schenkt und die Sonne den Tag entstehen lässt, damit man den Weg erkennen kann – so erleuchten die Worte Gottes die Augen des Herzens (Ps 119:105). Damit dies geschehen kann, braucht es – wie David in Vers 10 schreibt – die Furcht des HERRN (Ps 19:10). Damit ist ein ehrfürchtiges Respektieren der Worte Gottes gemeint, die wir manchmal anfangs nicht verstehen können.
Die demütige Annahme der Worte Gottes hat wunderbare Auswirkungen: Sie erquickt die Seele – oder anders übersetzt: Sie lässt die Seele zu Gott zurückkehren (hebr. shub) (Ps 19:8). Sie macht den Einfältigen weise und erfreut das Herz. Sie macht die Augen „hell" (Ps 19:9). Die Rechtsbestimmungen des HERRN sind begehrenswerter als Gold und süßer als Honig (Ps 19:11). Menschen werden durch sie gewarnt, und in ihrer Befolgung liegt großer Lohn.
Die Erleuchtung der Herzensaugen entsteht nicht durch hohe Intelligenz oder intellektuelle Begabung, sondern durch eine gehorsame Offenheit gegenüber den Weisungen Gottes (Eph 1:18). Manche intelligente und äußerst begabte Menschen verfallen dem Irrtum, auf ihren „herausragenden Verstand" zu vertrauen (Spr 3:5). Sie überschätzen ihre Denkfähigkeit so sehr, dass sie meinen, die Fehler – die Gott angeblich in der Bibel gemacht hat – benennen und korrigieren zu können. Ein stolzes, hochmütiges und machthungriges Herz hat verblendete Augen, selbst wenn es eine vorzügliche theologische Ausbildung genossen hat (1Kor 1:19–21). Nicht der Verstand an sich verblendet, sondern ein Herz, das sich über Gottes Offenbarung erhebt (Spr 16:18).
Genau dieses Problem hatte der Hohe Rat in Apostelgeschichte 6: Viele von ihnen kannten die Tora und den Tanach (AT) gut, doch ihre Machtgier, Eifersucht und ihr Stolz führten zu geistlicher Blindheit (Joh 9:39–41). Überheblichkeit verblendet die Augen des Herzens, sodass man die Wahrheit Gottes nicht erkennen kann (2Kor 4:4).
Ganz anders Stephanus: Er war ein demütiger Diener in der Gemeinde (Apg 6:5). Er liebte und studierte das Wort Gottes. Er wurde so sehr mit dem Heiligen Geist erfüllt, dass seine Gegner aus den Synagogen der Diaspora seiner Weisheit und seinem Geist nicht widerstehen konnten (Apg 6:10). Er hatte erleuchtete Augen des Herzens. Stephanus wurde vor den Hohen Rat geführt, wo er durch falsche Zeugen angeklagt wurde. Doch er war so sehr mit der herrlichen Gegenwart Gottes erfüllt, dass sein Gesicht wie das eines Engels leuchtete (Apg 6:15).
Das alles zeigt: Nur durch die demütige Annahme der Worte Gottes, die Dienstbereitschaft und die Erfüllung mit dem Heiligen Geist werden die Augen des Herzens erleuchtet (Eph 1:17–18). Und das führt früher oder später zu einem strahlenden Angesicht – zu einem Gesicht, das wie ein Engel leuchtet (2Mo 34:29–30 / 2Kor 3:18)!
Bringe uns, HERR, zu dir zurück, dass wir wieder heimkommen; erneure unsre Tage wie vor alters!
Euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids.
Der Polarforscher Ernest Shackleton war 1915 mit seiner Mannschaft in der Antarktis unterwegs, als ihr Schiff vom Eis zerstört wurde. Es folgte eine lange Zeit des Wartens, der Kälte und der Ungewissheit. Am Mittwinterabend 1915 – während der längsten Nacht des Jahres auf der Südhalbkugel – sangen die Männer das Lied „Lead, Kindly Light" von John Henry Newman (1833). Darin heißt es unter anderem:
Führe mich, gütiges Licht,
durch die Dunkelheit,
die mich umgibt.
Führe mich weiter.
Die Nacht ist finster,
und fern ist das Zuhause –
…
Ich war nicht immer so demütig
und bat nicht um deine Führung.
Ich wollte meinen eigenen Weg bestimmen,
…
und folgte meinem Stolz.
Doch nun – führe mich weiter.
Zu lange schon bin ich gegangen
durch Mühe, Gefahr und Schmerz.
Lass mich nun den Morgen sehen,
und die Gesichter wiederfinden,
die ich lange geliebt habe
und doch so lange vermisst.
Die Mannschaft war über ein Jahr lang vermisst. Niemand wusste, ob sie je nach Hause zurückkehren würde. Sie verlor fast alles – doch nicht die Sehnsucht nach Zuhause. Nach vielen Monaten geschah das Unerwartete: Alle kehrten zurück, manche genau zur Weihnachtszeit. Viele Zeitungen beschrieben sie als „aus dem Tod Zurückgekehrte" (vgl. Wikipedia: Ernest Shackleton).
Der heutige Losungstext ist der zweitletzte Vers aus dem Klagelied des Propheten Jeremia. Er stimmte es vermutlich kurz nach der Zerstörung Jerusalems und des Tempels an (2Kön 25:8-10). Das Volk wurde nach Babylon verschleppt (2Kön 25:11). Kaum jemand blieb verschont von Heimweh und der schmerzvollen Sehnsucht nach einer Rückkehr in die Heimat (Ps 137:1-4).
Viele klammerten sich an die Hoffnung einer baldigen Rückkehr, denn es gab auch falsche Propheten – wie Hananja – die genau das versprachen (Jer 28:1-4). Doch Jeremia prophezeite ein siebzigjähriges Exil (Jer 29:10). Nach dieser langen Zeit hatten sich die Juden langsam an das Exil gewöhnt, und eine Rückkehr in die Heimat schien fast undenkbar. Doch dann erließ Kyros II. ein Edikt, das die Israeliten zur Heimkehr aufrief (Esra 1:1-4) – und tatsächlich kehrten viele zurück, auch wenn sich längst nicht alle dazu ermutigen ließen.
Heute gedenken wir der Geburt des Retters Jesus Christus (Lk 2:11). Er ist der HERR (griech. der kyrios), der uns durch seinen Tod und seine Auferstehung von der Schuld befreite (Röm 5:8-9). Er rechtfertigt uns unverdient vor Gott (Röm 3:24) und wird uns einmal in die langersehnte himmlische Heimat führen – in das Haus seines geliebten Vaters (Joh 14:2-3). Dort wird jedes Heimweh und jede Sehnsucht gestillt (Offb 21:4).
Lasst uns darum beten, dass auch wir auf unserem Weg von Gott geführt werden (Ps 32:8) – so wie er sein Volk wieder in die Heimat führte.
Gerechtigkeit und Recht sind deines Thrones Stütze, Gnade und Treue treten vor dein Angesicht.
Das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.
Auch wenn Jesus höchstwahrscheinlich nicht Ende Dezember geboren wurde, gedenken heute weltweit Millionen Menschen seiner Geburt. Doch gerade dieses Gedenken wird oft von Kommerz, Traditionen und Familienfesten überlagert – und verdeckt dabei das eigentliche Wunder: Der allmächtige, ewige Gott kommt als hilfloses Baby zur Welt (Lk 2:7). Nicht in einem Palast, sondern in einem Stall. Nicht zuletzt deshalb sagte jemand einmal:
„Schon viele Menschen wollten Götter sein, aber nur ein Gott wollte Mensch sein!"
Die Tatsache, dass der Schöpfer des Universums selbst Mensch wurde und voller Liebe und Gnade zu uns kam, ist ein unfassbares Geheimnis. Es ist fast so, als würde der Autor eines Buches selbst zu einer Romanfigur werden und sich in einem Wort innerhalb des Textes manifestieren.
Wenn Johannes schreibt, dass das Wort Fleisch wurde, bringt er damit zum Ausdruck, dass der Gott, der alles durch sein Wort ins Dasein rief (1Mo 1:3), sich selbst in unsere menschliche Begrenztheit hineinbegab. Er musste gewickelt werden wie wir. Er ordnete sich seinen Eltern unter (Lk 2:51), lernte ein Handwerk, erlebte Trauer, Schmerz und Ablehnung. Er kannte das Gefühl, nicht verstanden zu werden. Jesus wurde mit Einsamkeit und sogar mit Gottverlassenheit konfrontiert – bis hin zum Ruf am Kreuz (Mt 27:46). Er weinte und war erschüttert (Joh 11:35). Und das alles tat er vollkommen freiwillig!
Vielleicht fragt sich manch einer: „Wie kann man freiwillig den herrlichsten Thron verlassen und sich zum untersten Sklaven machen, zum verachtetsten aller Menschen?" Es gibt nur eine Antwort: Er tat es aus vollkommener Liebe zu uns (Joh 3:16 / Phil 2:6-8). Diese Liebe ist letztlich seine größte Herrlichkeit.
Dieses Wunder der Menschwerdung ist kein Bruch mit dem Alten Testament, sondern seine Erfüllung (Mt 5:17). Schon der Psalmist Etan erkannte, dass Gottes Wesen von Gerechtigkeit, Gnade und Treue geprägt ist. Der HERR aller himmlischen Heerscharen ist absolut gerecht und handelt immer im Recht. Gleichzeitig ist er voller Gnade und Treue, ohne die Wahrheit zu verleugnen. Ein König kann nur dann gerecht und gnädig zugleich sein, wenn die Schuld nicht ignoriert, sondern bezahlt wird. Genau hier offenbart sich das Evangelium: Gott bleibt gerecht, indem die Schuld gesühnt wird – und er bleibt gnädig, indem er sie selbst trägt (Röm 3:26).
Als der Sohn Gottes Mensch wurde, bestand seine Hauptaufgabe darin, eine verlorene und sündenbehaftete Menschheit von ihrer Schuld zu befreien – indem er sie selbst bezahlte (1Petr 2:24 / Jes 53:5). Gleichzeitig wollte er uns die unendliche und bedingungslose Liebe Gottes vor Augen führen und uns seine herrliche Gnade zeigen (Joh 1:14).
Der Psalmist ahnte, wie groß die Gnade, Güte und Treue Gottes ist, und deshalb schrieb er:
„Die Gnadenerweise des HERRN will ich ewig besingen, von Geschlecht zu Geschlecht mit meinem Mund deine Treue verkündigen. Denn ich sagte: Auf ewig wird die Gnade gebaut werden. In den Himmeln wirst du festgründen deine Treue." (Ps 89:2-3)
In Vers 7 stellt er die rhetorische Frage: „Denn wer in den Wolken ist mit dem HERRN zu vergleichen? Wer ist dem HERRN gleich unter den Göttersöhnen?" Wenn Gott so tief hinabgestiegen ist, um uns zu retten, dann bleibt uns nur Staunen, Dankbarkeit und Anbetung. Diese Gnade ruft nach einer Antwort – nicht aus Pflicht, sondern aus Liebe.
Sei getrost, alles Volk im Lande, spricht der HERR, und arbeitet! Denn ich bin mit euch.
Wer da kärglich sät, der wird auch kärglich ernten; und wer da sät im Segen, der wird auch ernten im Segen.
Kennst du das? Du siehst, wie viel zu tun wäre, aber fühlst dich völlig entmutigt und überfordert. Du fühlst dich zu schwach und unbegabt. Die Widerstände erscheinen zu groß, die Aufgabe undurchführbar. Die Motivation fehlt, und Zweifel nagen: Ist das wirklich meine Aufgabe?
So ähnlich erging es Serubbabel, dem Statthalter, sowie Joschua, dem Hohepriester, und dem ganzen Volk, das aus dem babylonischen Exil zurückgekehrt war. Knappe zwanzig Jahre zuvor hatten sie voller Freude und mit Lobgesang die Grundmauern des Tempels gelegt (Esr 3:10-11). Doch das rief ihre Gegner auf den Plan. Diese kamen zu Serubbabel und den Familienoberhäuptern und sagten: „Wir wollen mit euch bauen!" (Esra 4:2). Das klang zunächst kooperativ – war aber aus mehreren Gründen problematisch.
Erstens waren es Samaritaner, die eine Mischung aus Jahwe-Verehrung und heidnischem Götzendienst praktizierten (2Kö 17:24-41). Zweitens hätte ihre Beteiligung die Reinheit des Gottesdienstes gefährdet. Drittens wussten Serubbabel und die Führer, dass Gott ausdrücklich ihnen den Auftrag gegeben hatte, den Tempel zu bauen (Esr 1:2-3).
Als die Samaritaner abgewiesen wurden, begannen sie, das Volk zu entmutigen und ihnen Angst zu machen (Esr 4:4). Sie bestachen Ratgeber am persischen Hof, um den Bau zu verhindern (Esr 4:5). Schließlich erreichten sie einen offiziellen Baustopp durch ein königliches Edikt (Esr 4:21-24). Die Arbeiten am Tempel kamen zum Stillstand – und das für etwa 16 Jahre!
In dieser Zeit der Entmutigung richteten sich die zurückgekehrten Israeliten in ihren eigenen Häusern ein, während das Haus Gottes in Trümmern lag (Hag 1:4). Erst durch die prophetischen Worte Haggais und Sacharjas wurden sie aufgerüttelt (Esr 5:1-2). Haggai machte ihnen deutlich, dass ihre wirtschaftlichen Schwierigkeiten und ihre innere Leere damit zusammenhingen, dass sie Gottes Haus vernachlässigten (Hag 1:6-9).
Doch die Alten, die sich noch an die Herrlichkeit des salomonischen Tempels erinnern konnten, empfanden das, was sie jetzt sahen, als nichts (Hag 2:3)! Es fehlte die Pracht, das Gold und die Schechina – die sichtbare Herrlichkeitsgegenwart Gottes (2Mo 40:34-35). Diese Einschätzung war neben dem äußeren Widerstand eine innere Anfechtung, die sie entmutigte. Doch Gott verheißt durch den Propheten Haggai:
„Aber nun sei stark … denn ich bin mit euch … und die künftige Herrlichkeit dieses Hauses wird größer sein als die frühere" (Hag 2:4,9)
Das zeigt: Wenn Gott mit uns geht und unsere Arbeit segnet, entsteht weit Größeres, als wir heute erahnen können (1Kor 3:6-7). Dasselbe geistliche Prinzip gilt nicht nur für unsere Mitarbeit, sondern auch für unseren Umgang mit Geld und Besitz.
Oft erscheinen unsere Beiträge – Zeit, Geld oder Kraft – gering. Doch Gott sieht nicht die Größe des Beitrags, sondern das Vertrauen, mit dem wir geben (Mk 12:41-44). In 2. Korinther 9 ermutigt Paulus die Gemeinde zu einem freudigen und großzügigen Geben, weil er eine Sammlung für die in Not geratene Gemeinde in Jerusalem veranlasst hat (2Kor 9:1-5). Das ist insofern sehr bemerkenswert, weil sich der Apostel für eine Wohltätigkeit einsetzte, die über die Nächstenliebe in der unmittelbaren Umgebung hinausging. Paulus erkannte: Die weltweite Gemeinde Jesu ist ein geistlicher Organismus, der untrennbar zusammengehört (1Kor 12:12-27). Darum stehen die Gläubigen weltweit zusammen, indem sie füreinander beten und sich auch ganz praktisch helfen (Gal 6:2).
Paulus verheißt: Wer großzügig und mit fröhlichem Herzen gibt, wird eine reiche Ernte einfahren (2Kor 9:6-7). Gott belohnt jede Liebesgabe reichlich – weit mehr, als wir heute erahnen können (Lk 6:38)! Wo wir im Vertrauen auf Gottes Gegenwart arbeiten und geben, entsteht Frucht, die unsere Möglichkeiten bei Weitem übersteigt (Phil 4:19).
Weh dem, der sein Gut mehrt mit fremdem Gut - wie lange wird's währen?
Jesus spricht: Wer im Geringsten treu ist, der ist auch im Großen treu; und wer im Geringsten ungerecht ist, der ist auch im Großen ungerecht.
Der Prophet Habakuk klagte darüber, dass in seinem Volk viel Ungerechtigkeit herrschte und Gewalt überhandnahm (Hab 1:2-4). Daraufhin kündigte Gott an, die Chaldäer als Werkzeug des Gerichts zu senden (Hab 1:6).
Doch diese Ankündigung warf neue Fragen auf: Wie konnte ein heiliger Gott ein noch gottloseres Volk benutzen, um sein eigenes Volk zu züchtigen (Hab 1:12-13)? In Kapitel 2 antwortet Gott auf Habakuks zweite Klage und macht dabei mehrere Dinge deutlich:
Gott lässt sein Volk am eigenen Leib spüren, welche Auswirkungen Hochmut und Gottlosigkeit haben – Verhaltensweisen, die es selbst so lange praktiziert hat. Er zeigt ihnen, wohin ihr Handeln letztendlich führt (Hab 2:6-8).
Die Babylonier und alle anderen, die von Hochmut geprägt sind, werden vergehen und in Gottes ewigem Friedensreich keinen Platz haben (Hab 2:4-5).
Die Gerechten jedoch, die sich durch Treue und Vertrauen auf Gott auszeichnen, werden leben und bestehen (Hab 2:4 / Röm 1:17).
Gerade in Zeiten des göttlichen Gerichts brauchen die Gerechten ein besonders tiefes Vertrauen auf Gott. Auch die deutsche Geschichte der 1940er Jahre zeigt, wie Schuld und Unrecht ganze Völker in den Abgrund reißen können. Gleichzeitig gab es Menschen, die sich dem Bösen widersetzten – etwa Dietrich Bonhoeffer oder Paul Schneider. Sie trugen persönliche Konsequenzen, blieben aber im Vertrauen auf Gott standhaft (2Tim 4:7-8). Jetzt dürfen sie in Gottes ewigem Reich weiterleben. Ihr Leben zeigt: Treue bewahrt nicht vor Leid, aber sie bewahrt vor dem Verlust der Hoffnung (Röm 5:3-5).
Als die Babylonier Jerusalem eroberten und den Tempel plünderten, vergriffen sie sich an fremdem Gut (2Kö 25:13-17). Der Reichtum Babels entstand zu einem großen Teil durch Raub und basierte buchstäblich auf dem Leid anderer Völker. Fast 70 Jahre vergingen, bis das Gericht über das babylonische Weltreich erfolgte (Jer 25:11-12). Die Prophezeiung Gottes in Habakuk 2 erfüllte sich erst, als das Medo-Persische Reich unter Kyrus Babylon im Jahr 539 v. Chr. eroberte (Dan 5:30-31).
Mit anderen Worten: Über Jahrzehnte hinweg hatte sich die „Raubstrategie" Babylons bewährt. Erst nach längerer Zeit erfolgte der prophezeite Untergang. Die Bibel enthält viele solcher Beispiele – Gott kündigt ein Gericht an, das sich erst Jahrzehnte oder sogar Jahrhunderte später erfüllt. Die Folge: Je länger es dauert, desto mehr ignorieren die Gottlosen die Mahnungen der Propheten und wiegen sich in falscher Sicherheit (2Petr 3:3-4). Währenddessen fragen sich die Gottesfürchtigen manchmal wie Asaph in Psalm 73, warum der Gottlose so lange ungestraft bleibt (Ps 73:2-14). Doch der Glaube bleibt bestehen, während alle Ungerechtigkeit an ihr Ende kommen wird (Ps 73:17-20).
Treue und Vertrauen beginnen im Kleinen. Jesus macht in Lukas 16,10 deutlich, dass sich der Charakter eines Menschen bereits in den kleinen Dingen des Lebens zeigt.
Wer in kleinen Dingen treu und ehrlich handelt, wird dies auch in größeren Verantwortungsbereichen tun. Umgekehrt zeigt Untreue im Kleinen eine Herzenshaltung, die auch vor größerem Unrecht nicht zurückschreckt (Luk 16:10-12).
Das Gleiche gilt für das Vertrauen auf Gott. Wer in kleinen Dingen auf Gott vertraut, macht Glaubenserfahrungen, die seinen Glauben stärken (Röm 5:3-4). So kann er auch in größeren Dingen auf Gott vertrauen.
Vertrauen und Treue können kurzfristig herausfordernd sein – doch im Gegensatz zur Ungerechtigkeit haben sie in Ewigkeit Bestand (1Kor 13:13 / Ps 37:27-29). Lasst uns sowohl im Kleinen als auch im Großen in Treue und Vertrauen üben – es lohnt sich!
Meine Hand hat alles gemacht, was da ist, spricht der HERR. Ich sehe aber auf den Elenden und auf den, der zerbrochenen Geistes ist und der erzittert vor meinem Wort.
Als aber erschien die Freundlichkeit und Menschenliebe Gottes, unseres Heilands, machte er uns selig - nicht um der Werke willen, die wir in Gerechtigkeit getan hätten, sondern nach seiner Barmherzigkeit.
Als wir mit unserer Reisegruppe in Jerusalem die Klagemauer besuchten, führte uns unsere Reiseleiterin durch Tunnel tief unter die Oberfläche. Dort zeigte sie uns die Quadersteine der alten Westmauer – teilweise über 500 Tonnen schwer. Diese stammen nicht aus der Zeit des ersten Tempels, sondern wurden zur Zeit von Herodes dem Großen an diese Stelle gehievt. Ein Meisterstück der römisch-herodianischen Baukunst.
Auch wenn der salomonische Tempel zur Zeit Jesajas wesentlich kleiner war, so war auch er ein beeindruckendes Bauwerk (1Kön 6:1). Manch israelischer Pilger dachte beim Anblick dieses herrlichen Gebäudes voller Stolz: „Dieses Prachtgebäude hat unsere einmalige Nation für Gott gebaut, und wir bedienen ihn mit vielen Opfergaben. Unser Gott muss doch – mit dem, was wir für ihn tun – sehr zufrieden sein."
Für viele Tempelbesucher war Jahwe ein Gott unter vielen, den man mit rituellen Handlungen zufriedenstellen musste. Manche dachten vielleicht: „Schau mal, Gott, was wir alles für dich getan haben. Du kannst wirklich stolz auf uns sein!" Hatte der Gottesdienstbesucher seine „Pflicht" erfüllt, erwartete er Erfolg in allem, was er tat, um dann wieder selbstgefällig sein eigenes Leben zu führen (Jes 1:11-15).
Dadurch machte man Gott so klein, dass er scheinbar nicht nur im Tempel seinen Platz fand, sondern auch mit dem eigenen Verstand erfasst werden konnte. Darum sprach der HERR in Vers 1:
„Die Himmel sind mein Thron und die Erde der Schemel meiner Füße. Wo wäre denn das Haus, das ihr mir bauen könntet, und wo denn der Ort meines Ruhesitzes?"
Wir Menschen stehen immer wieder in der Gefahr, den allmächtigen Gott – den alle Himmel nicht fassen können (1Kö 8:27) – mit unserem „Ameisen-Verstand" erfassen zu wollen. Verstehen wir dann sein Reden und Handeln nicht, kommen wir womöglich zu dem Schluss, dass dieser Gott etwas falsch macht. Dieses Denken ist die ideale Grundlage, um an der Existenz eines allmächtigen und vollkommenen Gottes zu zweifeln.
Wer Gott in ein Gebäude oder in seinen eigenen Verstand presst, vergisst, dass Himmel und Erde von Gott geschaffen wurden (1Mo 1:1) und dass er außerhalb von Raum und Zeit steht. Ein so klein gemachter Gott kann nicht mehr helfen, wenn der Verstand an seine Grenzen kommt. Darum steht Gott nicht jenen bei, die auf ihren Verstand vertrauen, sondern jenen, die demütig ihre Kleinheit erkannt haben (Spr 3:5-7). Er sieht auf diejenigen, die zerbrochenen Geistes sind und verstanden haben, dass sie nicht mehr auf sich selbst vertrauen können (Ps 34:19 / Ps 51:19). Gott sieht auf jene, die seinen Worten mit tiefem Respekt begegnen – nicht aber auf jene, die ihren Verstand zum letzten Maßstab machen und sich damit über Gottes Wort stellen. Sie meinen, Gott nicht zu brauchen, weil sie auf ihren Verstand vertrauen. Gott respektiert das und wartet, bis sie mit ihrem Denken ans Ende kommen und zerbrechen – denn ihr Verstand wird angesichts des Todes versagen (1Kor 1:18-25). Nicht weil Gott Zerbruch liebt, sondern weil erst dort Raum für seine Gnade entsteht.
Ein zerbrochener Geist verachtet Gott jedoch nicht – im Gegenteil: Er ist nahe an dem Punkt, wo er nur noch auf die Gnade Gottes vertraut und nicht mehr auf seine eigene Leistung (Eph 2:8-9). Und genau das ist der Schlüssel für die alles entscheidende Vertrauensbeziehung zu Gott, in der uns Gott alles schenken will (Röm 8:32).
Gott lässt sich nicht in unsere Systeme zwängen. Aber aus Liebe zu uns wurde er so klein, dass er als armer Mensch geboren wurde und sich in eine Krippe legen ließ (Lk 2:7 / Phil 2:6-8), um uns von aller Schuld zu befreien (1Joh 1:9). Wir Menschen werden nicht durch unsere vorbildlichen Taten gerettet, sondern allein durch die Menschenliebe (griech. philanthropia), Gnade und Barmherzigkeit unseres Gottes (Tit 3:4-5)!
Josef tröstete seine Brüder und redete freundlich mit ihnen.
Seid untereinander freundlich und herzlich und vergebt einer dem andern, wie auch Gott euch vergeben hat in Christus.
Die Frage, was unser Denken prägt, ist entscheidend. Wenn meine Gedanken von Neid, Misstrauen und Rachegefühlen dominiert werden, projiziere ich diese Gesinnung bewusst oder unbewusst auf andere. Oft denken wir, dass andere ebenso „ticken" wie wir selbst. Das mag manchmal zutreffen, aber längst nicht immer. Eine solche ‚Falschprojektion' – also das Übertragen unserer eigenen inneren Maßstäbe auf andere – führt zu Missverständnissen, die ohnehin schwierige Beziehungen zusätzlich belasten.
Eine solche klassische Falschprojektion sehen wir im letzten Abschnitt der Genesis (1Mo 50:15-21). Nach dem Tod ihres Vaters fürchteten Josefs Brüder, dass Josef sich nun für das Böse rächen könnte, das sie ihm angetan hatten. Sie ließen ihm ausrichten, ihr Vater habe befohlen, dass Josef ihnen vergeben solle. Sie erklärten sich bereit, ihm als Knechte zu dienen. Als Josef dies hörte, weinte er! Warum?
Weil er erkennen musste, dass seine Brüder ihn noch nicht wirklich verstanden hatten. Josefs Liebe und Wohlwollen waren noch zu wenig in den Herzen der Brüder angekommen.
Sie projizierten immer noch ihre alte Gesinnung – sich für Verletzungen rächen zu wollen – auf Josef.
Die Brüder trauten sich nicht, ein brüderliches Verhältnis zu Josef zu pflegen. Stattdessen boten sie sich als seine Knechte an. Diese Haltung zeigte Josef, dass sie nicht von inniger Bruderliebe, sondern immer noch von sklavischem Denken geprägt waren.
Diese Haltung der Brüder wirft eine weiterführende Frage auf: Zeigt sich darin nicht auch unser eigenes falsches Denken gegenüber unserem Herrn Jesus Christus? Wie oft projizieren wir unsere eigenen Maßstäbe auf Gott und leben in Angst vor seiner Strafe – anstatt seine bedingungslose Liebe und Vergebung anzunehmen (1Jo 4:18 / Röm 8:1)?
Möglicherweise sahen die Brüder Josefs Tränen und merkten, dass ihr Verhalten ihn kränkte. Doch Josef reagierte nicht mit Zorn oder Vergeltung, sondern sagte voller Liebe:
"Fürchtet euch nicht! Bin ich etwa an Gottes Stelle? Ihr zwar, ihr hattet Böses gegen mich beabsichtigt; Gott aber hatte beabsichtigt, es zum Guten zu wenden, um zu tun, wie es an diesem Tag ist, ein großes Volk am Leben zu erhalten. Und nun, fürchtet euch nicht! Ich werde euch und eure Kinder versorgen." (1Mo 50:19-21)
Diese wunderbaren Worte dürften die Beziehung zwischen den Brüdern vollends geheilt haben. Aber nicht nur das – sie offenbaren auch Gottes Wesen und sein Handeln in der Welt- und Heilsgeschichte: Während wir Menschen manchmal böse Absichten hegen und Böses tun, vollbringt Gott das kaum Denkbare: Er wendet alles zum Guten (Röm 8:28)! Er ist in der Lage, aus unserem Fehlverhalten Gutes zu schaffen.
Josef vergibt, versorgt und tröstet – obwohl er das Recht zur Vergeltung hätte. Darin wird er zu einem eindrücklichen Vorausbild dessen, was Christus in vollkommener Weise tut (Lk 23:34 / 1Petr 2:23-24). Josef zeigte seine Bereitschaft zu vergeben und seine Freundlichkeit. Das tröstete seine Brüder. Ohne Vergebung und aufrichtige Freundlichkeit gibt es keinen echten Trost.
Deshalb ermutigt Paulus die Christen:
"Seid untereinander freundlich und herzlich und vergebt einer dem andern, wie auch Gott euch vergeben hat in Christus." (Eph 4:32)
Gott hat uns in Christus bereits vergeben (Kol 2:13-14)! Dafür können wir nicht genug danken. Deshalb sollen auch wir einander vergeben. Das tröstet unseren Nächsten und befreit unsere Seele von Bitterkeit und Unfrieden.
Wo sind wir vielleicht noch gefangen in Angst, Schuld oder falschen Bildern von Gott – und dürfen heute neu seiner Vergebung glauben?
Es ist kein Fels, wie unser Gott ist.
Werdet stark durch eure Verbundenheit mit dem Herrn. Lasst euch stärken durch seine Kraft.
Wenn jemand als „Fels in der Brandung" bezeichnet wird, bedeutet das: Diese Person bietet in schwierigen Zeiten Stabilität und Halt. Genau das sagt das heutige Losungswort über Gott aus – er ist der Fels, auf den wir uns verlassen können (Ps 18:3). In einer Welt voller Unsicherheiten ist es tröstlich zu wissen, dass jemand unverrückbar fest steht.
Bereits Jakob bezeichnete Gott in seinem Segen über Josef als Hirte und „Stein Israels" (1Mo 49:24). Damit wird Gott schon im ersten Buch der Bibel als jemand charakterisiert, der leitet, versorgt und sich gleichzeitig durch feste Beständigkeit auszeichnet. In 5Mo 32:4 erweitert das „Lied des Mose" dieses Bild der Beständigkeit:
"Der Fels; vollkommen ist sein Tun, denn alle seine Wege sind recht. Ein Gott der Treue und ohne Trug, gerecht und gerade ist er!"
Dass Gottes Handeln vollkommen ist, durfte auch Hanna erfahren – die Mutter des Propheten Samuel (1Sam 1:1-20). Sie durchlitt eine schwere Zeit, weil sie unfruchtbar war und von Peninna gemobbt wurde. In ihrer Not schüttete sie ihr Herz vor Gott aus. Durch Eli bekam sie die Zusage, dass Gott ihr Gebet erhören würde.
Nachdem sie Samuel geboren und entwöhnt hatte, übergab sie ihn dem HERRN und vertraute ihn der Obhut Elis an (1Sam 1:24-28). In diesem Moment brach der einmalige „Lobpreis der Hanna" hervor (1Sam 2:1-10), in dem sie die unerschütterliche Zuverlässigkeit Gottes pries und ihn mit einem Felsen verglich.
Ihre Unfähigkeit, Kinder zu gebären, verwandelte sich durch ihr Vertrauen auf Gott und das gnädige Eingreifen des HERRN in eine Kraft, die sie von Natur aus nicht besaß. Ihre „Schwäche" wurde durch den Glauben zur Stärke.
Was Hanna persönlich erlebte, formuliert Paulus später theologisch: Wahre Stärke entsteht nicht aus uns selbst, sondern aus dem Wirken Gottes (Eph 6:10). Er ermutigt die Epheser, stark zu werden – und das angesichts von Mächten, die uns von Natur aus weit überlegen sind. Seine Aufforderung hat im Griechischen die Form eines Präsens Imperativ Passiv. Das bedeutet: Die Gläubigen sollen sich stärken lassen – nicht aus eigener Kraft, sondern durch Gottes Wirken. Es ist eine göttliche Stärkung, die von außen kommt. Das Präsens deutet auf eine kontinuierliche Handlung hin. Es geht darum, sich beständig im Vertrauen auf den HERRN zu üben. Nur so bekommen wir die Kraft, den geistlichen Kampf zu führen, den Paulus im nachfolgenden Text beschreibt (Eph 6:11-18).
Wir brauchen kein Trainingsprogramm, um unsere eigene Kraft zu vergrößern. Wir brauchen auch keine mentalen Übungen, um unsere Geisteskraft zu stärken. Das Einzige, was uns zu Überwindern macht, ist die vertrauensvolle Verbundenheit mit Jesus Christus, die uns die göttliche Kraft gibt, die wir brauchen (Joh 15:5). Deshalb sagte Jesaja in Kapitel 30, Vers 15:
"In Stillsein und in Vertrauen ist eure Stärke."
Paulus lernte, dass Gottes Kraft gerade in unserer Schwachheit zur Vollendung kommt (2Kor 12:9). Das ist ein Geheimnis, das wir vielleicht gar nicht entdecken möchten – schließlich meiden wir unsere Schwachheit, wo immer es geht. Doch wer sich im Vertrauen an Gott klammert, braucht sich nicht zu fürchten (Jes 41:10). Er wird mit einer Kraft gestärkt, die er zuvor nicht kannte!
Gottes Kraft ersetzt nicht unsere Schwachheit – sie offenbart sich in ihr. Wer das wagt zu glauben, findet Halt an einem Felsen, der niemals wankt (Ps 62:3).
Bessert euer Leben und euer Tun, so will ich euch wohnen lassen an diesem Ort.
Bemüht euch deshalb nach Kräften, dass zu eurem Glauben das richtige Verhalten kommt. Zum richtigen Verhalten soll die Erkenntnis kommen, zur Erkenntnis die Selbstbeherrschung, zur Selbstbeherrschung die Standhaftigkeit, zur Standhaftigkeit die Ausübung des Glaubens, zur Ausübung des Glaubens die geschwisterliche Liebe und zur geschwisterlichen Liebe die Liebe überhaupt.
Um in den innersten Raum des Tempels in Jerusalem zu gelangen, musste eine Reihe von Voraussetzungen erfüllt sein: Man musste ein Israelit aus dem Stamm Levi und ein Nachkomme Aarons sein (2Mo 29:9). Nach Aaron wurde dieses hohe Amt jeweils an den ältesten Sohn übertragen. Die Einsetzung umfasste spezielle Zeremonien und Gewänder (2Mo 28). Das Allerheiligste durfte nur einmal jährlich an Jom Kippur betreten werden (3Mo 16:29-30). Zuvor musste sich der Hohepriester intensiv reinigen, schlichte Leinenkleidung anlegen, eigene Sündopfer darbringen, das Heiligtum entsühnen und Weihrauch verbrennen (3Mo 16:3-13). Als Vermittler erwirkte er Sühne für die Sünden des Volkes und seiner eigenen Familie (3Mo 16:17). Dies erforderte tiefe Demut und strikte Einhaltung der rituellen Vorschriften.
Der Weg zu diesem innersten „Ziel" war lang und anspruchsvoll – eine Stufenfolge von Bedingungen, die nacheinander erfüllt werden mussten, bevor das Heiligste erreicht werden konnte. Das Allerheiligste symbolisiert die unmittelbare Gegenwart Gottes (2Mo 25:22). Nur der von Gott Auserwählte durfte es betreten. Er trug die Namen der zwölf Stämme Israels – also die des ganzen Volkes – sowohl auf seiner Schulter als auch auf seiner Brust (2Mo 28:9-12 / 2Mo 28:29). Damit wurde Folgendes veranschaulicht: Er trug die Last des Volkes und trug es im Herzen, um es in die Gegenwart Gottes zu bringen. Das Volk selbst durfte nur in den Vorhof kommen.
Dieser streng geregelte Weg ins Allerheiligste macht deutlich: Nähe zu Gott war nie selbstverständlich, sondern stets mit Umkehr, Reinigung und Gehorsam verbunden. In Jeremia 7:2-3 heißt es darum:
„Hört das Wort des HERRN, ganz Juda, die ihr durch diese Tore kommt, um den HERRN anzubeten! So spricht der HERR der Heerscharen, der Gott Israels: Macht gut eure Wege und eure Taten, dann will ich euch an diesem Ort wohnen lassen!"
Das Gut-machen des eigenen Weges bedeutet eine grundsätzliche Lebensausrichtung, die Gott gefällt. Dazu gehören das Vertrauen auf Gott, eine demütige Grundhaltung und der tiefe Wunsch, ganz aus der Liebe zu leben (Mi 6:8). Das Gut-machen der „Taten" meint konkrete Handlungen, die aus dieser Ausrichtung erwachsen (Jak 2:17). Beides – sowohl die Lebensausrichtung als auch die Taten – muss gebessert werden.
Petrus beschreibt in seinem Brief einen ähnlichen Weg. Der Ausgangspunkt ist der Glaube (Hebr 11:6). Der Weg zum Ziel beginnt mit dem Vertrauen auf Gott, der durch seinen Sohn bereits alles für uns vollbracht hat (Joh 19:30). Der Glaube ist sozusagen das Tor, das uns in den Vorhof des Tempels führt. Das Vertrauen auf Jesus Christus – der auch der Weg, die Wahrheit und das Leben ist (Joh 14:6) – versetzt uns in ihn hinein, sodass wir ganz „in Christus" sein dürfen (2Kor 5:17). Nur in ihm und durch ihn können wir dann mit Fleiß die anderen „Türen und Räume" durchschreiten – stets mit dem Ziel der Liebe vor Augen (1Kor 13:13).
Wie auf einer Leiter führt ein Schritt zum nächsten: vom richtigen Verhalten über Erkenntnis und Selbstbeherrschung bis hin zur geschwisterlichen Liebe und schließlich zur umfassenden Liebe. Jede Tugend baut auf der vorherigen auf und bereitet die nächste vor. Es ist ein Wachstumsprozess, der unser ganzes Leben prägt (Eph 4:15). Schritt für Schritt führt er uns näher zu Gott und zu unserem Nächsten. Diese Stufen sind nicht als starre Abfolge oder geistliche Rangordnung zu verstehen, sondern als ineinandergreifender Wachstumsprozess.
Im Glauben die Tugend: Sie umfasst ein würdevolles, wohlwollendes und liebliches Verhalten (Phil 4:8).
In der Tugend die Erkenntnis: Wer das gnädige und barmherzige Wesen Gottes erkannt hat, versteht zunehmend seinen Willen (Kol 1:9-10).
In der Erkenntnis die Enthaltsamkeit: Sie bedeutet Selbstbeherrschung – die Kontrolle über Begierden, Gefühle und Verhalten (Gal 5:23).
In der Enthaltsamkeit das geduldige Ausharren: Es meint ein „Darunterbleiben" – das Annehmen der von Gott gesetzten Lebensumstände. Es bewirkt Treue und Durchhalten in Prüfungen und Leiden (Jak 1:3-4 / Röm 5:3-4).
Im Ausharren die Gottseligkeit (griech. eusebeia): Damit ist ein Verhalten gemeint, das Gott in allem ehrt und verherrlicht (1Tim 4:7-8).
In der Gottseligkeit die Bruderliebe (griech. philadelphia): Sie umfasst eine liebevolle und freundschaftliche Haltung gegenüber allen Geschwistern (1Thes 4:9 / Hebr 13:1).
In der Bruderliebe die Liebe (griech. agape): Die göttliche Liebe ist das höchste Ziel. Sie ist bedingungslos und umfasst alle Menschen – auch die Feinde (Mt 5:44 / 1Jo 4:8).
Möge der HERR es uns schenken, diesen guten und vollkommenen Weg zur Liebe einzuschlagen (Jak 1:17).
Weh denen, die Böses gut und Gutes böse nennen, die aus Finsternis Licht und aus Licht Finsternis machen!
Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.
In Jesaja 5 vergleicht Gott sein Volk Israel mit einem Weinberg, der auf einem fruchtbaren Hügel liegt und um den sich Gott selbst liebevoll gekümmert hat (Jes 5:1-2). Er hatte ideale Voraussetzungen, um gute Frucht zu bringen – doch stattdessen brachte er „schlechte Beeren". Der HERR gab seinem Volk gute Ordnungen und versorgte Israel mit allem, was es brauchte. Er gab sogar noch mehr, indem er die Bewohner des Landes mit Wohlstand und Reichtum beschenkte. In Vers 7 spricht der Prophet aus, was Gott aufgrund dessen hätte erwarten können:
"Und er wartete auf Rechtsspruch, und siehe da: Rechtsbruch; auf Gerechtigkeit, und siehe da: Geschrei über Schlechtigkeit."
Das zeigt: Recht und Gerechtigkeit wurden gebeugt, sodass Ungerechtigkeit und Rücksichtslosigkeit überhandnahmen. Eine solche Entwicklung ist immer der schlimmste Fall innerhalb einer menschlichen Gesellschaft. Aufgrund dieser negativen Entwicklung spricht Jesaja in den Versen 8–25 sechs Weherufe aus: Zuerst warnt er die Raffgierigen (Jes 5:8), dann die Genusssüchtigen, die sich von früh bis spät berauschen wollen (Jes 5:11). Als Drittes warnt er solche, die bewusst Schuld und Sünde herbeiziehen, um ihren eigenen Willen durchzusetzen (Jes 5:18). Dann folgt in Vers 20 die Rechtfertigung des Bösen sowie die Verteufelung des Guten – indem Finsternis zu Licht gemacht wird und Licht zu Finsternis, Bitteres zu Süßem und umgekehrt (Jes 5:20). Dadurch wird die Lüge zur Wahrheit und Ehrlichkeit als Rücksichtslosigkeit deklariert.
Erkennen wir diese Tendenz nicht auch heute? Betrug wird zu „kreativer Buchführung", Habgier zu „unternehmerischem Ehrgeiz". Wer ehrlich bleibt, gilt als naiv. Wer demütig dient, wird als schwach angesehen. Wer Missstände offen anspricht, wird als Störenfried, Extremist oder Hasser etikettiert. Dagegen gelten jene, die schweigen und mitmachen, als vernünftig und angepasst. Menschen, die unter Ausbeutung leiden, wird vorgeworfen, selbst schuld zu sein – während das Handeln der Täter mit „Umständen", „Druck" oder „Systemzwängen" gerechtfertigt wird. Schuldgefühle werden nicht mehr als Hinweis auf moralische Verantwortung verstanden, sondern als psychische Störung behandelt, die „wegtherapiert" werden soll – ohne Vergebung oder Umkehr (1Joh 1:9). Treue, Keuschheit, Ehrfurcht und Gottesfurcht gelten als rückständig. Zunehmend gilt als wahr, was Mehrheit, Medien oder Machtstrukturen sagen. Wer widerspricht, wird nicht widerlegt, sondern ausgegrenzt.
Diese Verdrehung von Gut und Böse bleibt nicht ohne Folgen für das Herz des Einzelnen. Solche Verhaltensweisen verursachen tiefe Verletzungen, die Wut und Bitterkeit auslösen. Daraus entsteht der Wunsch, es dem anderen mit gleicher Münze heimzuzahlen. Oft entwickelt sich ein unbändiges Bedürfnis nach Rache, weil man sich dadurch Genugtuung erhofft. Doch Rache ist eine Form der Selbstjustiz, die nur noch mehr Ungerechtigkeit und Elend schafft. Die Bestrafung eines Übeltäters ist Sache des Staates (Röm 13:4). Die Rache sollten wir immer Gott überlassen – denn er allein kann Vergeltung üben, ohne dabei ungerecht zu werden (Röm 12:19). Seine Rache ist eine Erziehungsmaßnahme: ein gerechtes Gericht, das zur Heilung und Zurechtbringung führt und eine grundlegende Umkehr zum Ziel hat.
In Römer 12 macht Paulus deutlich, dass wir uns als Christen nicht mehr vom menschlichen Bedürfnis nach Vergeltung leiten lassen sollen. Stattdessen dürfen wir uns durch das Wort Gottes in ein neues, göttliches Denken hineinführen lassen (Röm 12:2). Wir sollen lernen, das Böse mit Gutem zu überwinden – indem wir segnen, wo geflucht wird, und lieben, wo gehasst wird (Röm 12:14). In diesem Kapitel motiviert uns der HERR, den hungernden Feind zu speisen und ihm, wenn er dürstet, zu trinken zu geben (Röm 12:20)!
Wer Böses mit Bösem bekämpft, wird selbst Teil des Problems und verliert seine moralische Integrität. Die Spirale menschlicher Vergeltung kennt kein natürliches Ende – sie führt nur zu mehr Leid und Zerstörung. Doch wenn wir durch die Kraft des Heiligen Geistes das Böse mit Gutem überwinden, durchbrechen wir den Teufelskreis der Hass- und Gewaltspirale (Röm 12:21). Zurzeit nimmt das Böse überhand, und man hat fast den Eindruck, dass es die Oberhand behält. Aber Gott hat versprochen, dass er alles neu machen wird – dass es einmal keinen Tod, kein Geschrei und keinen Schmerz mehr geben wird (Offb 21:4). Am Ende siegt die Liebe – und das ist gewiss, weil Gott es verheißen hat!
Sei nur stille zu Gott, meine Seele; denn er ist meine Hoffnung.
Wir warten auf die selige Hoffnung und Erscheinung der Herrlichkeit des großen Gottes und unseres Heilands, Jesus Christus.
von Ingo Mees
„Die Hoffnung stirbt zuletzt", sagt der Volksmund und meint damit, dass ein Leben ohne Hoffnung nicht denkbar ist. Oder anders gesagt: Die Hoffnung zu verlieren bedeutet, „aus dem Leben zu verschwinden, selbst wenn wir noch atmen". Worauf setzen wir unsere Hoffnung? Sind es menschliche Dinge wie Begabungen, Ehre, Einfluss, Macht, Ansehen oder der gute Ruf? Diese Dinge vergehen und tragen nicht, wenn sich das Leben dem Ende zuneigt. Sind es äußere Dinge wie das gut gefüllte Bankkonto, unser Aktienportfolio oder der Immobilienbesitz? All diese vermeintlichen Sicherheiten vergehen – oft schneller als gedacht – und taugen nicht als tragfähiger Hoffnungsgrund (Spr 10:28). „Das Sichtbare ist zeitlich, das Unsichtbare aber ewig" – so schreibt Paulus in 2Kor 4:18. Darum muss tragfähige Hoffnung im Unsichtbaren, in der Ewigkeit gegründet sein (Kol 1:5).
David wusste das. Er schrieb den 62. Psalm offenbar in einer druckvollen und gefährlichen Situation. Seine Feinde waren übermächtig, und er wusste genau, dass seine menschlichen Fähigkeiten und äußere Hilfestellungen nicht ausreichen würden, um gegen seine Feinde zu bestehen. Seine Hoffnung gründete in Gott selbst – einen besseren Hoffnungsgrund gibt es nicht! Angesichts der großen Not beruhigte David seine aufgescheuchte Seele mit dem Hinweis auf Gott, den Urgrund seiner Hoffnung.
Menschen, die ihr Leben Jesus Christus anvertraut haben, haben durch den Geist Gottes ein unerschöpfliches Potenzial an geistlichen Geschenken erhalten: „Was für immer bleibt, sind Glaube, Hoffnung und Liebe …" (1Kor 13:13) Der Glaube ist das Geschenk, mit dem das neue Leben unter der Führung Gottes beginnt (Eph 2:8), die Liebe ist durch den Geist Gottes in unsere Herzen ausgegossen (Röm 5:5) und die Hoffnung versetzt uns in die Lage, vertrauensvoll alles zu erwarten, was Gott uns in seinem Wort verheißen hat, auch wenn wir manches mit unseren Sinnen noch nicht wahrnehmen können (Röm 8:24-25).
Wir sollten wissen, dass die biblische Hoffnung nichts Vages oder Unbestimmtes ist, wie es im Deutschen oft gemeint ist. Wer auf einen Lottogewinn hofft, ist sich nicht sicher, ob er einen nennenswerten Geldgewinn wirklich abgreift. Im Gegenteil – jeder weiß, wie gering die Wahrscheinlichkeit auf einen Hauptgewinn im Lotto ist. Wenn die Bibel von Hoffnung spricht, dann meint sie eine sichere Erwartung fest zugesagter Heilstatsachen (Röm 8:24-25 / Hebr 11:1).
Eine dieser grundlegenden Heilstatsachen, die zum Hoffnungsgut eines jeden christusgläubigen Menschen gehören sollte, ist die verheißene Wiederkunft unseres Herrn. In 1Thes 4:13-18 und 1Kor 15:51-52 beschreibt der Apostel Paulus, wie es sein wird, wenn Jesus Christus für seine Gemeinde wiederkommt: Die Stimme eines Erzengels und göttlicher Posaunenschall wird die Wiederkunft Jesu in die Lufthimmel ankündigen, zu dem die dann lebenden Gläubigen entrückt werden — zusammen mit den in Christus Entschlafenen, die eine Auferstehung erleben werden.
Was für ein gewaltiger Vorgang: Jesus kommt uns entgegen, schließt uns in seine Arme und geleitet uns persönlich in unsere himmlischen Wohnungen, die er für uns bereitet hat (Joh 14:2-3). Wann dieses Ereignis stattfinden wird, wissen wir nicht – Warten ist angesagt (Röm 8:25): Wir warten auf die selige Hoffnung und Erscheinung der Herrlichkeit des großen Gottes und unseres Heilands, Jesus Christus (Tit 2:13). Dieses Warten führt zur Freude, während die Hoffnung der Gottlosen zerbricht (Spr 10:28). Kennst du diese Freude, die aus der Gewissheit resultiert, dass Gott alle seine Zusagen und Verheißungen erfüllt und dass er uns in dieser Wartezeit zubereitet für die himmlische Herrlichkeit (Kol 1:11-12)?
Ich wünsche dir, dass du für dich in Anspruch nehmen und erleben kannst, was Paulus den Gläubigen in Rom zuspricht:
Der Gott der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und allem Frieden im Glauben, damit ihr überreich seid in der Hoffnung durch die Kraft des Heiligen Geistes! (Röm 15:13)
Er ist um unsrer Missetat willen verwundet und um unsrer Sünde willen zerschlagen.
Gott hat auch seinen eigenen Sohn nicht verschont, sondern hat ihn für uns alle dahingegeben – wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken?
Lange bevor Jesus Christus – der Messias Israels – geboren wurde, prophezeite Jesaja in Kapitel 53 sein Leiden und Sterben. Diese Tatsache wurde durch den Fund der Qumran-Rollen vom Toten Meer bestätigt. Diese enthielten unter anderem eine vollständige Jesaja-Rolle, die nachweislich aus dem zweiten vorchristlichen Jahrhundert stammt. Die Erfüllung dieser Prophezeiung wird in allen vier Evangelien des Neuen Testaments beschrieben (Mt 27 / Mk 15 / Lk 23 / Joh 19). Auch diese Texte haben ein sehr hohes Alter. Die ältesten Fragmente werden auf die Zeit zwischen 100 und 125 n. Chr. datiert. Da Jesus Christus um 30–32 n. Chr. gekreuzigt wurde, beträgt der zeitliche Abstand weniger als 100 Jahre – was für archäologische Verhältnisse außergewöhnlich kurz ist. Zum Vergleich: Das älteste heute noch erhaltene Fragment, das Ereignisse aus dem Leben von Julius Cäsar beschreibt, stammt aus dem 9. Jahrhundert n. Chr. und ist somit fast 1000 Jahre jünger als das Geschehen selbst.
Auch die Tatsache, dass vier Autoren, die nachweislich nicht voneinander abgeschrieben haben, das Leben und Sterben eines Mannes beschreiben, der vor 2000 Jahren gelebt hat, ist für die antike Geschichtsschreibung außergewöhnlich gut belegt – vor allem deshalb, weil dieser Mann selbst keine Texte geschrieben, arm gelebt, öffentlich entehrt und hingerichtet wurde. Er war kein Mann, der Länder erobert und machthungrig andere Menschen unterdrückt und beseitigt hat, sondern ganz im Gegenteil: Er hat ein Leben in Demut und Sanftmut geführt (Mt 11:29).
Doch die historische Zuverlässigkeit allein erklärt noch nicht die Bedeutung dieses Leidens – sie erschließt sich erst im Licht der Prophetie. Der ganze Vers des heutigen Losungstextes lautet in der Elberfelder Bibel wie folgt:
"Doch er war durchbohrt um unserer Vergehen willen, zerschlagen um unserer Sünden willen. Die Strafe lag auf ihm zu unserem Frieden, und durch seine Striemen ist uns Heilung geworden." (Jes 53:5)
Jeder, der andere böswillig verletzt, muss in einem funktionierenden Rechtssystem bestraft werden – das fordert die Gerechtigkeit. Regenten haben jedoch oft die Möglichkeit, einen Straftäter zu begnadigen. Ebenso der allmächtige Gott. Weil Gott die Forderung des Gesetzes – wonach ein Übeltäter bestraft werden muss – nicht einfach ignorieren konnte, nahm er selbst die Bestrafung auf sich (Jes 53:6). Er legte die Schuld der ganzen Welt auf seinen Sohn und bestrafte ihn anstelle von uns (2Kor 5:21). Damit erfüllte er die Forderungen des Gesetzes und kann gleichzeitig alle begnadigen, die dieses Geschenk dankbar annehmen. Dabei handelt es sich nicht um einen kalten juristischen Akt, sondern um einen Akt göttlicher Selbsthingabe: Gott richtet die Sünde, indem er sie selbst trägt.
Wer begnadigt wurde, muss keine Bestrafung mehr fürchten und darf deshalb Frieden haben (Röm 5:1). Durch seinen Tod hat Jesus alles weggenommen, was uns von Gott und dem wahren Leben trennte (Kol 2:14).
Gott hat seinen Sohn aber nicht nur dahingegeben, damit wir nicht mehr bestraft werden, sondern um ihn – und sich selbst – uns zu schenken (Röm 8:32). Durch das Geschenk seines Sohnes haben wir das wahre Leben (Joh 14:6), die göttliche Gerechtigkeit (1Kor 1:30), die ewige Weisheit (1Kor 1:30), den größtmöglichen Segen (Eph 1:3), die bedingungslose und unendliche Liebe (Röm 8:39), den alles Denken übersteigenden Frieden (Phil 4:7), eine Freude, die jedes andere Glücksgefühl übersteigt (1Petr 1:8), sowie eine Erwartung, die jede andere Hoffnung in den Schatten stellt (Kol 1:27)! Es gibt keine größere Liebe als die, die uns Gott in Jesus Christus geschenkt hat (Joh 3:16 / 1Joh 4:9-10). Und weil wir ihn haben, ist uns auch alles andere geschenkt! Darum schreibt Paulus in 1Kor 3:21-23 auch:
"So rühme sich denn niemand im Blick auf Menschen, denn alles ist euer. Es sei Paulus oder Apollos oder Kephas, es sei Welt oder Leben oder Tod, es sei Gegenwärtiges oder Zukünftiges; alles ist euer; ihr aber seid Christi, Christus aber ist Gottes."
Wenn ich rufe zu dir, HERR, mein Fels, so schweige mir nicht.
Der Hauptmann bat Jesus: Sprich nur ein Wort, und mein Knecht wird gesund.
Kennst du den Schmerz, wenn der Mensch, den du liebst, schweigt? Nicht das vertraute Schweigen, das Nähe nicht bedroht – sondern das Schweigen, das Distanz schafft. Das Gefühl, dass etwas Unausgesprochenes zwischen euch steht und die Beziehung trübt.
Psalm 18:2 zeigt uns, wie sehr David seinen Gott liebte. Dort lesen wir in der Lutherbibel:
"Herzlich lieb habe ich dich, HERR, meine Stärke!"
Leider gab es im Leben Davids auch Zeiten, in denen Gott schwieg – und das war für David das Schlimmste! Vieles konnte David ertragen, aber das Schweigen seines geliebten HERRN war kaum auszuhalten. Darum flehte er voller Erwartung zu Gott (Ps 28:1):
"Zu dir, HERR, rufe ich; mein Fels, wende dich nicht schweigend von mir ab, dass du nicht gegen mich verstummst und ich ⟨so⟩ denen gleich werde, die in die Grube hinabfahren!
David empfand Gottes Schweigen wie ein Gericht. Ihm war klar: Wenn dieses anhält, kommt er in die Grube – ein Bild im Alten Testament für das Totenreich und die Gottesferne. Während Gottes Reden für die Liebenden Heil und Wiederherstellung bedeutet, wird es für den, der sich ihm bewusst verschließt, zum Gericht – nicht weil Gott zerstören will, sondern weil sein Licht das Verborgene offenlegt.
Psalm 28 gehört zur Gattung der individuellen Klagepsalmen und folgt einem typischen Muster:
Die Anrufung Gottes (Ps 28:1): Das Vertrauen darauf, dass Gott hört, spielt eine wesentliche Rolle – auch wenn er zeitweise schweigt.
Die Bitte an Gott (Ps 28:2): Der Bittende bringt seine Anliegen vor Gott – in der festen Erwartung, dass der HERR zur rechten Zeit hilft, auch wenn es manchmal länger dauert als gedacht.
Die Klage über Feinde (Ps 28:3-5): Der Psalmist beschreibt seine große seelische und manchmal auch körperliche Not. Das Aussprechen der eigenen Not ist entscheidend: Wer seine Not vor Gott ausspricht, erfährt Erleichterung und öffnet sein Herz für Gottes Trost.
Das Vertrauensbekenntnis (Ps 28:6-7): Ein solches Bekenntnis drückt die Überzeugung aus, dass Gott letztlich alle Probleme lösen kann.
Das Lob (Ps 28:8-9): Im Loben beten wir Gott an und geben ihm in allen Dingen die Ehre. Das stärkt wiederum auch das Vertrauen.
Während David darunter leidet, dass Gott schweigt, begegnen wir im Lukasevangelium einem Mann, der zutiefst davon überzeugt ist, dass ein einziges Wort Jesu genügt, um Leben zu retten (Lk 7:7). Sein Diener, den er sehr wertschätzte, war todkrank. In Lk 7:2 wird er als Sklave (griech. doulos) bezeichnet, während der Grundtext ihn in Vers 7 als "Junge" (griech. pais) benennt. Das zeigt, dass dieser Diener beim Hauptmann eine besondere Stellung hatte – er war für ihn wie ein Sohn. Manche Ausleger vermuten sogar, dass es sich um einen unehelichen Sohn handelte, oder um ein Kind, das er selbst bei einer Sklavin gezeugt hatte.
Wie dem auch sei – auf jeden Fall liebte der Hauptmann diesen Jungen sehr. Als er hörte, dass Jesus nach Kapernaum kam, sandte er die Ältesten der Juden mit der Bitte zu ihm, er möge kommen und seinen Diener heilen. Diese gingen zu Jesus und baten ihn um Heilung. Ihre Begründung: Dieser Hauptmann liebt die jüdische Nation und hat eine Synagoge bauen lassen.
Als Jesus zu seinem Haus kam, hielt sich der Hauptmann jedoch nicht für würdig. Diese Demut stand im Kontrast zu seinem hohen sozialen Status als römischer Offizier. Er wusste um die kulturellen Barrieren: Juden betrachteten sich als rituell verunreinigt, wenn sie ein heidnisches Haus betraten. Der Hauptmann wollte Jesus nicht in diese Lage bringen und darum war das auch ein Zeichen seiner Rücksichtnahme und seines Verständnisses. Er bat Jesus um eine „Fernheilung". Er glaubte, dass Jesus göttliche Vollmacht besaß – eine Autorität, die es ihm ermöglichte, Befehle aus der Ferne zu erteilen, so wie er es selbst als Hauptmann tat.
Dieser Mann war ein absolutes Vorbild in Liebe und Vertrauen – genau diese Eigenschaften sind dem HERRN wichtiger als alles andere! Lassen wir uns von diesem Glauben und dieser Liebe inspirieren.
Siehe, es kommt die Zeit, spricht der HERR, dass die Stadt für den HERRN wieder gebaut werden wird.
Und ich sah die heilige Stadt: das neue Jerusalem. Sie kam von Gott aus dem Himmel herab - für die Hochzeit bereit wie eine Braut, die sich für ihren Mann geschmückt hat. Und ich hörte eine laute Stimme vom Thron her rufen: Sieh her: Gottes Wohnung ist bei den Menschen!
Die erste biblische Erwähnung Jerusalems finden wir in 1. Mose 14:18. Dort ist von Melchisedek die Rede, dem erhabenen König von Salem. Laut Hebräerbrief war er größer als Abraham, weil Abraham von ihm gesegnet wurde und ihm den Zehnten gab (Hebr 7:1-10). Sein Name bedeutet „König der Gerechtigkeit" und er regierte über die „Stadt des Friedens". Gleichzeitig war er Priester Gottes, des Höchsten. Alle diese Eigenschaften machen ihn zu einem einzigartigen Vorausbild des ewigen und himmlischen Königs aller Könige – Jesus Christus.
In unmittelbarer Nähe befand sich der Berg Morija, wo Abraham Isaak – seinen einzigen Sohn von Sara – opfern sollte (1Mo 22:1-14). Später geriet die Stadt in die Hände der Jebusiter und wurde deshalb „Jebus" genannt (Ri 19:10). König David eroberte sie und machte sie zu seinem königlichen Wohnsitz (2Sam 5:6-9). Oberhalb der Stadt gab es eine Tenne, die dem Jebusiter Ornan gehörte. Gegen Ende einer Epidemie sah David dort einen Engel stehen. Gott zeigte ihm daraufhin, dass er diesen Platz von Ornan abkaufen sollte (1Chr 21:18-25). Hier finden wir den ersten und auch letzten dokumentierten Kaufvertrag dieses Platzes, auf dem Salomo einen Tempel für Jahweh bauen ließ (2Chr 3:1). Danach wurde dieser Platz nur noch erobert und besetzt. Kein Wunder also, dass der Tempelplatz in Jerusalem zum weltweit umstrittensten Platz gehört.
Während oder nach der Zerstörung Jerusalems prophezeite Jeremia den Wiederaufbau der Stadt (Jer 31:38). Zuerst wurde unter Serubbabel ein Altar gebaut, auf dem geopfert wurde (Esra 3:2-3). Dann folgte der zweite Tempel (Esra 6:15). Anschließend stellten Esra und Nehemia die Stadt Jerusalem wieder her (Neh 6:15). Einige Jahrhunderte später erweiterte Herodes der Große den Tempel, in dem auch Jesus lehrte (Joh 2:13-22). Vor den Toren der Stadt wurde er als Lamm Gottes geschlachtet – man kreuzigte ihn (Joh 19:17-18). Drei Tage später erweckte ihn der allmächtige Gott aus den Toten auf (Mk 16:6). Nach vierzig Tagen fuhr er in den Himmel, wo er seither zur Rechten Gottes sitzt (Apg 1:9-11 / Hebr 1:3). Zehn Tage später wurde der Heilige Geist auf die erste christliche Gemeinde ausgegossen (Apg 2:1-4). So wurde Jerusalem auch zum „Geburtsort" der weltweiten Gemeinde Jesu Christi.
Im Jahr 70 zerstörte Titus Jerusalem und den zweiten Tempel. Anschließend hatten die Juden bis 1948 keinen eigenen Staat mehr. Seit 1967 steht Jerusalem vollständig unter israelischer Kontrolle. Auch wenn dies unter Auslegern umstritten ist, gehe ich persönlich davon aus, dass in Jerusalem ein dritter Tempel gebaut wird – vermutlich ein Tempel für alle drei abrahamitischen Religionen. Doch hier zieht nicht der Gott Israels ein, sondern …
"… der Mensch der Gesetzlosigkeit … der Sohn des Verderbens; der sich widersetzt und sich überhebt über alles, was Gott heißt oder Gegenstand der Verehrung ist, sodass er sich in den Tempel Gottes setzt und sich ausweist, dass er Gott sei." (2Thes 2:3-4)
Im künftigen messianischen Friedensreich wird in Jerusalem vermutlich der Tempel gebaut, der in Hesekiel 40–42 beschrieben ist. Nach dem tausendjährigen Reich schafft Gott neue Himmel und eine neue Erde (Offb 21:1)! Auf diese Erde kommt das himmlische Jerusalem herab – wahrscheinlich ein Würfel mit einer Seitenlänge von 2.220 Kilometern (Offb 21:2 / Offb 21:16). In dieser Stadt sind Gott und das Lamm der Tempel und das Licht (Offb 21:22-23)! Der Anblick dieser Stadt ist noch schöner und faszinierender als der Anblick einer Braut für ihren Bräutigam (Offb 21:2). Dann wird die Bundesbeziehung zwischen dem HERRN als Bräutigam und seinem Volk als Braut mit unzerbrechlicher Liebe und Treue gefestigt sein. Diese gigantische Stadt wird als „Zeltwohnung" Gottes bei den Menschen bezeichnet (Offb 21:3)! Eine kaum vorstellbare Perspektive.
Dann wird Gott alles neu machen (Offb 21:5). Himmel und Erde werden erfüllt sein von seiner Gegenwart. Was für eine herrliche Erwartung – und was für eine Stadt!
Ach dass du den Himmel zerrissest und führest herab!
Der Engel sprach zu Maria: Siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären, dem sollst du den Namen Jesus geben. Der wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden.
So schön die Bodenseeregion ist – im Herbst und Winter zeigt sich ein Nachteil: An manchen Tagen liegt sie unter dichtem Nebel. Je länger dieser andauert, desto größer wird die Sehnsucht, dass der Himmel aufreißt und die Sonne die Herzen der Bewohner wieder erfreut.
Der heutige Losungsvers steht in älteren Bibelübersetzungen teilweise in Jesaja 64:1. Er schildert eine tiefe Sehnsucht des Herzens: Gott möge den Himmel aufreißen und auf die Erde kommen, um wieder zu herrschen. Jesaja weiß: Wenn Gott im Volk herrscht, wird er das Unrecht verbannen und die lang ersehnte Gerechtigkeit wird herrschen. Der gesamte Vers lautet wie folgt:
„Wir sind wie solche geworden, über die du von alters her nicht geherrscht hast, über denen dein Name nicht ausgerufen ist. Ach, dass du den Himmel zerrissest, herabstiegest, sodass vor deinem Angesicht die Berge erbebten." (Jes 63:19)
Jesaja beklagt einen gegenwärtigen oder künftigen geistlichen Zustand seines Volkes. Er vergleicht ihn mit einem Zustand, als hätte der Gott Israels im Volk nie eine Rolle gespielt. Das können wir auch heute erkennen: Viele Menschen entfernen sich bewusst vom Glauben – und mit ihnen drohen Werte wie Vergebung, Versöhnung und Nächstenliebe an Selbstverständlichkeit zu verlieren.
Wo Gottes Licht zunehmend verblasst, wächst die Erwartung, dass der Herr selbst den Himmel wieder öffnet. Daher entsteht auch unter den Gottesfürchtigen zunehmend die Sehnsucht nach dem Wiederkommen Jesu Christi – das beinhaltet dann auch ein „Aufreißen der Himmel", denn Paulus schreibt in 1Thes 4:16–17:
„Denn der Herr selbst wird beim Befehlsruf, bei der Stimme eines Erzengels und bei dem Schall der Posaune Gottes herabkommen vom Himmel, und die Toten in Christus werden zuerst auferstehen; danach werden wir, die Lebenden, die übrig bleiben, zugleich mit ihnen entrückt werden in Wolken dem Herrn entgegen in die Luft; und so werden wir allezeit beim Herrn sein."
Das erste Kommen Jesu bemerkte zunächst nur eine junge, damals unbedeutende Frau: Maria erhielt die Erscheinung eines Engels, der ihr eine göttliche Empfängnis ankündigte (Lk 1:31–32). Der Heilige Geist zeugte in ihrem Leib den Sohn des allmächtigen Gottes. Dadurch kam Gottes unsichtbare Wirklichkeit in unsere sichtbare Welt hinein. Etwas mehr als 30 Jahre später öffnete sich der Himmel erneut bei seiner Taufe:
„Und sobald er aus dem Wasser heraufstieg, sah er die Himmel sich teilen und den Geist wie eine Taube auf ihn herabkommen. Und eine Stimme kam aus den Himmeln: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen gefunden." (Mk 1:10–11)
An Pfingsten öffnete sich der Himmel ebenfalls, als der Heilige Geist auf die Gläubigen ausgegossen wurde (Apg 2:1–4). Kurz vor seinem Märtyrertod sah Stephanus einen geöffneten Himmel und den Sohn Gottes zur Rechten Gottes stehen (Apg 7:55–56).
Einige Zeit nach der Entrückung der Gemeinde wird sich der Himmel für alle Menschen öffnen – dann, wenn Jesus in großer Macht und Herrlichkeit wiederkommt. Diese Wiederkunft kündigte Jesus im letzten Buch der Bibel an. Da steht in Offb 1:7:
„Siehe, er kommt mit den Wolken, und jedes Auge wird ihn sehen, auch die, welche ihn durchstochen haben, und wehklagen werden seinetwegen alle Stämme der Erde. Ja, Amen."
Zuerst kam der Sohn des Höchsten als Mensch zu uns – sanftmütig, demütig und äußerlich unscheinbar (Phil 2:6–8). Beim nächsten Mal kommt er mit Macht und Herrlichkeit (Mt 24:30). Dann tritt er die Herrschaft an, in der Gerechtigkeit und Frieden herrschen werden (Jes 9:6). Darum leben wir voller Hoffnung – denn der Himmel ist nicht verschlossen, sondern in Christus bereits aufgerissen.
Ich habe dich je und je geliebt, darum habe ich dich zu mir gezogen aus lauter Güte.
Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.
Die persönliche Erfahrung, ewig und bedingungslos von Gott geliebt zu werden, sowie die tiefe Gewissheit seiner unzerbrechlichen Treue – das sind die schönsten und wichtigsten Erfahrungen, die ein Mensch machen kann (Röm 8:38-39). Nichts erfüllt die Seele tiefer als diese Liebe, die niemals aufhört und uns vollständig annimmt (1Kor 13:8).
In Jeremia 31 bekennt sich der allmächtige Gott zu einer Liebe für sein Volk, die schon immer da war. Der heutige Losungstext lässt sich wörtlich auch so übersetzen:
"Von fernher erschien mir Jahweh (der HERR) und ließ mich erkennen: Mit einer zeitlosen Liebe liebe ich dich und darum ziehe ich für dich die Güte herbei."
"Von fernher" bezeichnet eine räumliche oder zeitliche Distanz. Gott betont damit, dass sein Erscheinen und seine Liebe von weit her kommen – letztendlich aus der Ewigkeit.
Die Liebe Gottes bleibt nicht bei Worten stehen. In Jeremia 31 zeigt Gott, wie er diese Liebe in der Geschichte wirksam werden lässt (Jer 31:1-40). Hier gibt er wunderbare Verheißungen über das kommende Heil. Dazu gehören Gottes Erlösung und Rettung sowie seine alles umfassende Gnade und eine ewige Seligkeit. In diesem Kapitel zeigt sich Gottes unendliche Liebe, die nicht nur Verheißungen ausspricht, sondern auch einen Weg fand, sein verlorenes Volk – und letztlich die ganze Welt – aus der Verlorenheit und dem Tod zu befreien.
Ab Vers 31 kündigt Gottes Liebe einen neuen Bund an, der sein Volk von innen heraus vollkommen verändert (Jer 31:31-34). Dieser Bund führt zu einer Verwandlung des Herzens (Hes 36:26). Der zuvor geschlossene Sinai-Bund regelte hingegen vor allem äußerliche Verhaltensweisen.
Jesus setzte den neuen Bund beim Abendmahl ein, als er sagte:
"Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut, das für euch vergossen wird." (Lk 22:20)
Damit kündigte Jesus seine völlige Hingabe aus Liebe an. Nirgends zeigt sich Gottes Liebe so deutlich wie in der Opferung seines Sohnes am Kreuz von Golgatha (Röm 5:8). Dieser neue Bund ist also zutiefst mit der Liebe Gottes verbunden, die im heutigen Losungsvers erwähnt wird.
Was Jesus zu Nikodemus – dem ranghohen Theologen seiner Zeit – sagte, wird oft als „Mini-Evangelium" bezeichnet. In diesem einen Satz bezeugt Jesus, wie groß Gottes Liebe ist, was er aus Liebe getan hat und was zum ewigen Leben führt!
Gottes unendliche Liebe umfasst die ganze Welt (griech. kosmos).
Gottes große Liebe zeigt sich darin, dass er sein Liebstes für uns alle dahingab (1Jo 4:9-10).
Die Liebe des Allmächtigen fand einen Weg, wie wir das göttliche Leben finden können: Wir müssen „nur" darauf vertrauen, dass Gott alles für uns getan hat, damit wir zum wahren Leben gelangen (Eph 2:8-9).
Die vertrauensvolle Liebesbeziehung zum Sohn Gottes ist das A und O, um erlöst, gesegnet und glückselig zu werden (Joh 1:12 / 1Jo 5:11-12). Dadurch gehen wir nicht verloren, sondern gelangen aus dem Zustand des Todes in das göttliche Leben (Joh 5:24).
Das Mini-Evangelium aus Johannes 3:16 ist vielleicht der bekannteste Satz der Bibel. Er gehört zur Quintessenz der frohen Botschaft Gottes: Seine unendliche Liebe zu uns!
Du bist groß, Herr HERR! Denn es ist keiner wie du, und ist kein Gott außer dir nach allem, was wir mit unsern Ohren gehört haben.
Ich bin das A und das O, der Erste und der Letzte, der Anfang und das Ende.
Als Lebewesen in Raum und Zeit versuchen wir immer wieder, Gott mit unserer menschlichen Vernunft zu begreifen. Nicht selten interpretieren wir sein Verhalten mit unserem begrenzten Verstand. Wir projizieren unser Denken in Gottes Denken, statt umgekehrt (Jes 55:8-9). Doch gerade das macht Gott viel zu klein.
Obwohl König David größer von Gott dachte als viele seiner Zeitgenossen, dachte er immer noch viel zu klein von ihm, als er für Gott ein Haus bauen wollte (2Sam 7:1-3). Auch der Prophet Nathan hielt dies für eine gute Idee und unterstützte ihn in seinem Vorhaben. Doch in jener Nacht sprach der HERR zu Nathan: Sage meinem Knecht David:
"So spricht der HERR: Du willst mir ein Haus bauen als Wohnung für mich?" (2Sam 7:5)
Einige Verse später heißt es dann: „So verkündigt dir nun der HERR, dass der HERR dir ein Haus machen wird" (2Sam 7:11). Gott passt in nichts, was wir Menschen für ihn tun oder über ihn denken könnten. Er aber macht Dinge für uns, in die wir hineinpassen. Keine noch so große Geisteskraft kann den Schöpfer aller sichtbaren und unsichtbaren Wesen in seiner Tiefe begreifen (Hiob 11:7-8 / Röm 11:33).
Thomas von Aquin (1225–1274) war ein bemerkenswerter Philosoph und Theologe seiner Zeit. In seinem Werk Summa Theologiae sah er zwischen Vernunft und Glauben keine Konkurrenz, sondern zwei Gaben, die Gott uns geschenkt hat und die einander ergänzen. Die Vernunft führt von den geschaffenen Dingen zu Gott und lässt uns seine Existenz erkennen (Röm 1:20). Der Glaube hingegen – gegründet auf den Worten Gottes – lässt uns aus dem Licht Gottes herab sein Wesen sowie seine Absichten und Ziele erkennen (Ps 119:105). Die Vernunft erforscht von „unten", der Glaube schenkt einen Blick von „oben".
Er argumentierte, dass die Vernunft allein nicht beweisen kann, dass die Welt einen zeitlichen Anfang hat – das kann nur der Glaube offenbaren (1Mose 1:1 / Hebr 11:3). Die Vernunft kann aber zeigen, dass die Welt in jedem Moment von Gott abhängt. Alles, was existiert, existiert nur, weil Gott es jetzt ins Sein hebt (Apg 17:28 / Kol 1:17). Selbst wenn die Welt theoretisch ewig existiert haben könnte, wäre sie dennoch vollständig auf Gott als Ursache angewiesen.
Für ihn ist Gott außerhalb der Zeit – vollkommen unveränderlich, ewig und ohne Abfolge von Momenten (Mal 3:6 / Jak 1:17). Die Welt hingegen ist zeitlich und veränderlich. Gottes Ewigkeit ist kein unendlich langer Zeitstrahl, sondern vollkommenes, zugleich gegenwärtiges Sein (2Mo 3:14). Die Schöpfung ist daher kein „zeitlicher Akt" innerhalb der Zeit, sondern die beständige Abhängigkeit des Zeitlichen vom Zeitlosen. Alles, was in der Welt geschieht, existiert nur, weil Gott es fortwährend ins Sein hebt.
Die Vernunft kann anhand der Schöpfung einen Schöpfer erkennen (Röm 1:20). Sie kann verstehen, dass alles Vergängliche einen Anfang hatte. Dieser Anfang entstand jedoch nicht aus dem Nichts, sondern durch einen kreativen, schöpferischen Geist, der selbst außerhalb von Raum und Zeit existiert (1Mose 1:1-2 / Hebr 1:2).
Die Vernunft kann jedoch nicht erkennen, wer dieser Geist ist, was er beabsichtigt und welche Ziele er verfolgt. Das ist nur durch den Glauben möglich, der auf den Worten Gottes basiert, die wir in der Bibel finden (2Tim 3:16-17 / Joh 17:17). Die Vernunft kann nicht aus sich selbst heraus erkennen, was und wer das Ziel aller Dinge ist – das kann nur der von Gott geschenkte Glaube (1Kor 2:14).
Jesus Christus ist der Anfang und das Ende! Durch ihn wurde alles geschaffen, und durch ihn wird alles vollendet (Offb 22:13 / Kol 1:16-17 / Joh 1:3).
Ich will euch tragen, bis ihr grau werdet. Ich habe es getan; ich will heben und tragen und erretten.
Unterstütze die Witwen, die alleinstehend sind.
Manchmal hört man den Spruch: „Altwerden ist nichts für Feiglinge!" Er bringt zum Ausdruck, wie anspruchsvoll das Älterwerden ist. Während manche gesunde Rentner die neugefundene Freiheit durchaus genießen können, wird es für die allermeisten mit zunehmendem Alter schwierig. Die körperlichen Beschwerden und die Hilflosigkeit nehmen ständig zu. Doch gerade hier stellt sich die Frage: Wer trägt uns eigentlich – wir uns selbst oder jemand Größeres?
Je älter wir werden, desto mehr wird das Alter zu einer Frage des Vertrauens. Die einen vertrauen auf ihre „umfassende Vorsorge", die eine optimale Betreuung gewährleisten soll. Andere vertrauen auf ihre Kinder, die ihnen – hoffentlich – treu zur Seite stehen und dort helfen, wo sie gewisse Dinge selbst nicht mehr bewältigen können.
Ein Blick zurück ins Alte Israel zeigt, wie Menschen damals mit Hilfsbedürftigkeit umgingen. Jesaja 46:1–2 zeigt, dass viele Israeliten ihr Vertrauen auf Götzenbilder setzten. Sie glaubten, diese würden in Notlagen eingreifen, Übel abwenden, die Gesundheit erhalten und Wohlstand schenken. Besonders im Alter, wenn die Hilflosigkeit zunimmt, erhofften sie sich vielleicht auch von ihnen Trost und ein berauschendes Glücksgefühl.
Doch diese Götzenbilder mussten getragen werden – eine Last für das erschöpfte Vieh. Jesaja verspottet diese Vorstellung: Wenn ein selbstgemachter Gott getragen werden muss, ist er schwächer als sein Anbeter. Deshalb lässt Gott durch den Propheten sagen:
"Hört auf mich, … Haus Israel, die ihr von Mutterleib an … von mir getragen worden seid! Auch bis in euer Greisenalter bin ich derselbe, und bis zu eurem grauen Haar werde ich euch tragen. Ich habe es getan, … und ich werde tragen und werde retten." (Jes 46:3-4)
Derjenige, der uns geschaffen und ein Leben lang unsichtbar versorgt hat, kann uns auch in der Hilflosigkeit des Alters körperlich und psychisch durchtragen (Ps 71:9). Reichtum und ideale medizinische Versorgung gewährleisten vielleicht eine gute körperliche Betreuung – wenn sie denn bis zum Ende funktioniert. Doch trägt all das auch unsere Seele – bis zum Tod und darüber hinaus? Nur unser Schöpfer selbst kann uns im Sterbeprozess durchtragen und retten (Ps 23:4).
In biblischen Zeiten gab es keine staatlichen Sozialversicherungen. Die Familie war die wichtigste Absicherung. Wer keine Angehörigen oder hilfsbereiten Nachbarn hatte – besonders Kranke, Alte, Waisen und Witwen – war oft existenziell gefährdet. Zwar existierten gewisse soziale Hilfsmechanismen (z. B. das Nachlese-Gebot in 3Mo 19:9–10, die Schuldenerlassjahre von 5Mo 15:1–2 oder die Unterstützung aus Tempel- und Synagogenkassen), doch reichten sie nur begrenzt aus.
Darum waren die Anweisungen des Apostels Paulus an Timotheus für die Gemeinden so wertvoll: Sie linderten das Leid alter und hilfsbedürftiger Menschen. Das fünfte Gebot – „Ehre Vater und Mutter" (2Mo 20:12) – schließt die Versorgung der Eltern im Alter mit ein. Deshalb fordert Paulus die Kinder auf, ihren Eltern das Empfangene zu vergelten (1Tim 5:4). Ältere Witwen ohne Angehörige sollten von der Gemeinde unterstützt werden und – soweit möglich – selbst Dienste übernehmen (1Tim 5:9-10).
Die ersten Gemeinden hatten kein flächendeckendes Sozialsystem, in dem alle – einschließlich der Reichen – nach dem Gießkannenprinzip eine Rente erhielten. Unterstützt wurden nur diejenigen, die wirklich darauf angewiesen waren. Das setzte voraus, dass man in einer Gemeinschaft lebte und die Situation jedes Einzelnen beurteilen konnte. In einer Gemeinde, die von Liebe geprägt ist, versorgt Gott die Alten und Hilfsbedürftigen durch die Gemeindeglieder (Apg 2:44-45).
Falls unsere staatlichen Sozialsysteme zunehmend versagen sollten, wären die Gemeinden neu gefordert, die Anweisungen aus 1. Timotheus 5 umzusetzen. Gott trägt uns – und er ruft uns dazu auf, einander zu tragen (Gal 6:2).
Du wirst mit deinem Gott zurückkehren. Halte fest an Liebe und Recht und hoffe stets auf deinen Gott!
Paulus schreibt: Christus Jesus ist in die Welt gekommen, um Sünder zu retten - unter ihnen bin ich der erste. Doch eben darum habe ich Erbarmen gefunden: An mir als Erstem sollte Christus Jesus die ganze Fülle seiner Geduld zeigen, beispielhaft für alle, die künftig an ihn glauben und so ewiges Leben finden.
Der Prophet Hosea erhielt von Gott einen kaum fassbaren Auftrag: „Geh, nimm dir eine hurerische Frau und zeuge hurerische Kinder!" (Hos 1:2) Gomer – so hieß diese Frau – veränderte ihr Verhalten jedoch nicht. Sie traf sich weiter mit anderen Männern und verließ Hosea auch. Wir wissen nicht, wie sich Hosea dabei fühlte, aber es ist sehr wahrscheinlich, dass ihn das zutiefst schmerzte.
Das unverbindliche „Liebesleben" von Gomer beinhaltete nicht die ultimative Freiheit, wie manche denken. Es führte sie immer mehr in eine oberflächliche Lustbefriedigung, die eine wachsende innere Leere zurückließ. Wer die Treue von der Liebe abkoppelt, verliert die wahre Liebe. Sexualität ohne verbindliche Liebe führt nicht in die Freiheit, sondern in eine Gebundenheit. Man wird zum Sklaven der eigenen Lust (Joh 8:34).
Zu Beginn des dritten Kapitels wird berichtet, wie Hosea auf Geheiß Gottes eine Frau für 15 Silberstücke kauft (Hos 3:1-2). Viele Ausleger vermuten, dass Hosea hier Gomer freikaufte, die in der Zwischenzeit in eine Art „Schuldknechtschaft" geriet. Möglicherweise fiel sie sogar in die Fänge eines Zuhälters.
Gottes auserwähltes Volk verhielt sich Gott gegenüber ähnlich wie Gomer. Das Verhalten Israels verursachte bei Gott ebenso Schmerzen (Jer 3:20). Auch er musste sein Volk von der Sklaverei der Sünde loskaufen (1Petr 1:18-19).
Der heutige Losungsvers lässt sich wörtlich auch so übersetzen:
"Und du wirst infolge deines Gottes zurückkehren. Bewahre die Gnade (o. Güte) und das Recht. Harre (wartend) auf deinen Gott."
Das zeigt: Die Umkehr zu Gott ist sein Werk (Phil 2:13). Darum ist das Zurückkehren zu Gott immer ein Geschenk seiner wunderbaren Gnade – ermöglicht durch Christus, der in die Welt kam, um Sünder zu retten. Wenn das Volk Israel durch die Gnade des HERRN zu Gott zurückkehrt, soll es diese Gnade bewahren und sich in Rechtschaffenheit üben. Dazu braucht es Ausharren – ein Warten auf Gott (Ps 27:14).
Kaum jemand durfte die Gnade Gottes so intensiv erfahren wie der Apostel Paulus. Als eifrigster Christenverfolger seiner Zeit bezeichnete er sich selbst als den „Ersten von allen Sündern". Wäre ihm der HERR vor Damaskus nicht begegnet und hätte Er ihn nicht mit seinem Erbarmen überschüttet, wäre Paulus verloren gewesen (Apg 9:3-6).
Gott demonstrierte an Paulus die überwältigende Macht seiner Gnade (1Tim 1:16). Diese Demonstration zeigt jedem Sünder – egal wie groß seine Schuld ist – dass auch er zu Gott zurückkehren und an ihn glauben kann, um das ewige Leben zu finden. Auch heute erfahren Menschen, dass Gottes Gnade stärker ist als jede Verstrickung. An Paulus wird deutlich: Die Gnade und Barmherzigkeit des allmächtigen Gottes sind keine abstrakten Begriffe, sondern Wesenseigenschaften, die jeden Menschen verändern können (Tit 3:4-5). Deshalb schreibt Paulus in Römer 11:32:
"Denn Gott hat alle zusammen in den Ungehorsam eingeschlossen, damit er sich aller erbarmt."
Wer die Liebe und das Erbarmen Gottes erkennen durfte, kann nicht anders, als diesen Gott zu lieben (1Joh 4:19)!
Der HERR richtet auf, die niedergeschlagen sind.
Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ihr werdet weinen und klagen, aber die Welt wird sich freuen; ihr werdet traurig sein, doch eure Traurigkeit soll zur Freude werden.
Die letzten fünf Psalmen werden als „Kleines Hallel" oder „Schluss-Hallel" bezeichnet. Sie gehören zu den Hallel-Psalmen und beginnen oder enden mit dem Ausruf „Halleluja" – einem kraftvollen „Lobt den HERRN!". Ein solcher Lobpreis ist eine große Kostbarkeit, sofern er von Herzen kommt:
Er gibt Gott die Ehre und macht ihn groß – sowohl vor Engeln als auch vor Menschen
Er stärkt unsere Dankbarkeit und damit unsere Zufriedenheit
Der Lobpreis erfüllt Herz und Seele mit Freude und trägt zum Glücklichsein bei
Er lässt Gott vor unserem inneren Auge größer werden und fördert unser Vertrauen
In Psalm 146 preist der Liederdichter diejenigen glückselig, die den Gott Jakobs zu ihrer Hilfe gemacht haben und ihre Hoffnung auf den HERRN setzen. Besonders freut er sich darüber, dass sich der allmächtige Gott um alle Benachteiligten kümmert. In den Versen 7–9 lesen wir:
„Er schafft Recht den Bedrückten, er gibt den Hungrigen Brot. Der HERR macht die Gefangenen frei. Der HERR öffnet die Augen der Blinden. Der HERR richtet die Gebeugten auf. Der HERR liebt die Gerechten. Der HERR behütet die Fremdlinge, Waisen und Witwen hilft er auf; aber er krümmt den Weg der Gottlosen." (Ps 146:7-9)
Zur Zeit Jesu erlebten dies diejenigen, die dem Herrn Jesus begegneten und an ihn glaubten. Für sie wurden diese Verheißungen Realität. Doch das war nur ein Vorgeschmack auf das, was noch kommen wird – nämlich dann, wenn Gott sichtbar sein Reich aufrichtet und alle Tränen abtrocknet (Offb 21:4).
Die Jünger Jesu erlebten über drei Jahre hinweg unzählige Zeichen und Wunder. Kein Wunder also, dass sie mit einem baldigen Beginn des messianischen Friedensreiches rechneten. Doch in seinen Abschiedsreden (Joh 13–17) sagte Jesus etwas ganz anderes voraus:
„Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ihr werdet weinen und klagen, aber die Welt wird sich freuen; ihr werdet traurig sein." (Joh 16:20)
Diese Aussage stand in starkem Kontrast zu dem, was sie erwarteten. So erstaunt es nicht, dass sie vieles von dem, was er damals sagte, nicht verstanden.
Als Jesus verhaftet, verhört, geschlagen und gekreuzigt wurde, brach ihre ganze Welt zusammen. Sie weinten, klagten und waren über die Maßen traurig. Die Feinde Jesu hingegen freuten sich und dachten: „Endlich haben wir diesen ‚Verführer des Volkes' beseitigt." Doch am Auferstehungstag änderte sich alles! An diesem Tag verwandelte sich die Traurigkeit der Jünger in große Freude (Joh 20:20).
Auch heute erleben viele Christen Leid, Trauer oder Situationen, die wir nicht begreifen. Doch wir dürfen uns an Gottes unveränderlicher Treue festhalten (Kla 3:22-23). Er ist derselbe, der die Gebeugten aufrichtet und die Traurigkeit in Freude verwandelt – spätestens, wenn Christus wiederkommt und alle Dinge neu macht (Offb 21:5).
O HERR, hilf! O HERR, lass wohlgelingen!
Der heilige Geist sprach: Bestimmt mir den Barnabas und den Saulus für das Werk, zu dem ich sie berufen habe. Da fasteten und beteten sie, legten ihnen die Hände auf und ließen sie gehen.
Der erste Satz des heutigen Losungsverses lautet auf Hebräisch: „Ana Jahweh hoschiah-na" – „O HERR, hilf doch!" Der uns bekannte Ruf Hosanna erinnert an Jesu Einzug in Jerusalem (Mt 21:9). Ursprünglich war „Hosanna" ein Hilferuf an Gott; später wurde daraus ein Jubelruf der Hoffnung auf seine Rettung. Als Jesus auf einem Eselsfüllen in die Stadt kam, entstand unter dem Volk große Euphorie (Mt 21:7-11). Die Volksmenge zitierte Psalm 118,25–26, einen messianischen Psalm, der die Ankunft des verheißenen Retters ankündigte.
Der Kontext von Psalm 118 ist bemerkenswert. Ab Vers 20 heißt es:
20 Dies ist das Tor des HERRN. Gerechte ziehen hier ein. 21 Ich will dich preisen, denn du hast mich erhört und bist mir zur Rettung geworden. 22 Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, ist zum Eckstein geworden. 23 Vom HERRN ist dies geschehen, es ist ein Wunder vor unseren Augen. 24 Dies ist der Tag, den der HERR gemacht hat! Seien wir fröhlich und freuen wir uns in ihm! 25 Ach, HERR, rette doch (hebr. hoschiah-na)! Ach, HERR, gib doch Gelingen! 26 Gesegnet sei, der kommt im Namen des HERRN.
An dem Tag, den die Christenheit als „Palmsonntag" feiert, zog tatsächlich der Gerechte Gottes durch das Tor des HERRN ein (Ps 118:20). Er war nicht nur der einzig wirklich Gerechte, sondern auch derjenige, der den Vielen zur Gerechtigkeit verhalf (Jes 53:11 / Röm 5:19). Alle warteten gespannt darauf, was Jesus als Nächstes tun würde. Doch sie hatten irdische Vorstellungen: Sie erwarteten politische Erlösung und ein sichtbares Königreich (Apg 1:6).
Das Volk hoffte auf den richtigen Mann – hatte aber falsche Vorstellungen davon, was er tun würde. Der Messias wurde für sein Volk und die ganze Menschheit tatsächlich zur Rettung – allerdings nicht, indem er sie von irdischen Problemen erlöste, sondern indem er sie von der Sünde befreite (Mt 1:21 / 1Petr 2:24). Das geschah, als er am Kreuz für uns starb (1Kor 15:3).
Mit den Bauleuten, die den Eckstein verwarfen, waren die religiösen Führer Israels gemeint, die Jesus als Messias ablehnten und ihn umbrachten (Mt 21:42 / Apg 4:11). Doch genau dadurch bewirkte der HERR das Wunder der Erlösung und die Befreiung von Sünde (Apg 2:23). Mit seinem Tod und seiner Auferstehung errang Jesus nicht den Sieg über eine irdische Besatzungsmacht, sondern den Sieg über die mächtigste Kraft innerhalb der Schöpfung – den Tod (1Kor 15:54-57). Darum war das der Tag, den der HERR gemacht hat (Ps 118:24). Und darum dürfen wir uns freuen und fröhlich sein.
In der Gemeinde in Antiochia herrschte keine Euphorie mit falschen Erwartungen – wie an Palmsonntag – sondern ein wartendes Ausgerichtet-Sein auf den HERRN. Die Gemeinde fokussierte sich ganz auf den HERRN, indem sie ihm diente (Apg 13:2). Gleichzeitig suchten sie in Fasten und Gebet nach dem Willen Gottes. Diese Gemeinde ließ sich nicht von ihren Wünschen und Vorstellungen dominieren. Sie sagten nicht: „Unsere zwei wunderbaren Lehrer Paulus und Barnabas wollen wir unbedingt behalten!" Nein! Sie unterordneten sich der Führung des Heiligen Geistes, der ihnen zeigte, dass sie die beiden Männer als Missionare zu den nichtjüdischen Völkern freigeben sollen (Apg 13:2-3).
Wer auf den HERRN fokussiert lebt, lässt sich nicht von eigenen Vorstellungen leiten, sondern sucht den Willen Gottes (Spr 3:5-6 / Röm 12:2). Möge der HERR uns die Gnade schenken, so auf ihn ausgerichtet zu sein.
HERR, zeige uns deine Gnade und gib uns dein Heil!
Das Heil kommt von den Juden.
Was wäre wohl passiert, wenn ein Pfarrer 1942 in Berlin „Johannes 4,22" als Predigtthema gewählt hätte? Vermutlich hätte er eine Woche später nicht mehr auf der Kanzel gestanden. Damals galt „Heil Hitler" und die neutestamentliche Aussage, dass das „Heil aus den Juden kommt", durfte in Deutschland kaum jemand ungestraft verkündigen.
Aktuell – besonders seit dem 7. Oktober 2023 – erleben wir eine massive Zunahme des Antisemitismus. In vielen Ländern und religiösen Traditionen stoßen Juden auf Ablehnung – teils offen, teils unterschwellig. Doch damit nicht genug: Gleichzeitig gönnt man ihnen auch das kleine Land im Nahen Osten nicht, wo sie ihre Heimat gefunden haben. In etlichen muslimischen Staaten sucht man auf Landkarten vergeblich nach einem Staat Israel.
Viele Menschen spüren – bewusst oder unbewusst – dass das jüdische Volk eine besondere Rolle in Gottes Geschichte spielt. Nicht zuletzt deshalb, weil die Bibel sie als das auserwählte Volk bezeichnet (5Mose 7:6). Diese Erwählung wurde in der Geschichte oft missverstanden oder missbraucht und hat Neid, Verdächtigungen und offenen Hass hervorgerufen. Leider findet sich dieses Denken vereinzelt sogar in christlichen Kreisen.
Dabei hat Jesus selbst klargestellt, dass Gottes Heil aus den Juden kommt (Joh 4:22). Diese Aussage wirkt bis heute wie ein „Stein des Anstoßes" (1Petr 2:8). Denn sie führt direkt zur zentralen Frage: Wer ist Jesus Christus? Ein Prophet? Ein moralisch vorbildlicher Mensch? Oder der Sohn Gottes, der die Welt von Schuld erlöst hat (Joh 1:29)?
Auch die aus dem babylonischen Exil zurückgekehrten Juden litten unter Antisemitismus. Die Bücher Esra und Nehemia zeigen das deutlich (Esra 4:1-5). Man vermutet, dass Psalm 85 aus dieser Zeit stammt oder zumindest prophetisch in sie hineinspricht. In den Versen 1–4 blickt der Psalmdichter auf Gottes vergangenes Heilshandeln zurück. Die Verse 5–8 offenbaren die gegenwärtige Not und die Sehnsucht nach Gottes Gnade und seinem Heil.
In Vers 9 erwartet der Psalmist die verheißungsvollen Zusagen Gottes. Aus den letzten fünf Versen erkennen wir die prophetischen Antworten, die er von Gott erhielt. Dort finden wir unter anderem die poetisch wunderschönen Worte:
"Gnade und Wahrheit sind sich begegnet, Gerechtigkeit und Frieden haben sich geküsst. Wahrheit wird sprossen aus der Erde, Gerechtigkeit herniederschauen vom Himmel." (Ps 85:11-12)
Wenn die Wahrheit Schuld ans Tageslicht bringt, fordert die Gerechtigkeit Vergeltung – der Schuldige muss bezahlen. Wer jedoch aus Gnade einen Schuldenerlass gewährt, kann nur gerecht bleiben, wenn er selbst für die Schuld aufkommt. Genau das tat der Sohn Gottes (Röm 3:25-26).
In Jesus Christus begegnen uns Gnade und Wahrheit (Joh 1:14). Durch ihn finden wir Frieden und werden mit Gottes Gerechtigkeit beschenkt (Röm 5:1). In seiner Menschwerdung „spross die Wahrheit aus der Erde". So erfüllt sich die Botschaft des Psalms: Das Heil, das Gott verheißen hat, kommt tatsächlich aus den Juden – und ist in Christus erschienen (Tit 2:11).
Kinder, die das Gesetz nicht kennen, sollen es auch hören und lernen, den HERRN, euren Gott, zu fürchten alle Tage.
Ihr Väter, reizt eure Kinder nicht zum Zorn, sondern lasst sie aufwachsen in der Erziehung und Zurechtweisung des Herrn.
Das Wort Gottes und das Evangelium weiterzugeben ist eine der wertvollsten Aufgaben überhaupt. Das gelingt uns jedoch nur, wenn wir selbst zuvor die Schönheit und Kostbarkeit der guten Botschaft Gottes entdeckt haben.
Der heutige Losungstext zeigt, was Kinder lernen sollen: Gottes Gesetz hören, es kennenlernen und dadurch Ehrfurcht vor Gott entwickeln. Ein Vers zuvor heißt es:
„Versammle das Volk – Männer, Frauen, Kinder und den Fremden in deinen Toren –, damit sie hören, lernen und den HERRN, euren Gott, fürchten und darauf achten, alle Worte dieses Gesetzes zu tun" (5Mo 31:12).
Hier wird deutlich: Zuerst sollen die Erwachsenen hören und lernen, damit ihr eigenes Leben in der Ehrfurcht vor Gott verwurzelt ist. Da die Gottesfurcht der Anfang der Weisheit ist (Spr 1:7), bildet sie das Fundament für ein zielgerichtetes Leben.
Gott wusste von Anfang an, dass wir Menschen sein Gesetz nicht vollkommen erfüllen können (Röm 3:23). Dennoch fordert er uns auf, seine Worte zu beachten, weil sie uns vor Fehlentscheidungen bewahren. Gleichzeitig macht uns das Gesetz bewusst, wie sehr wir auf die Gnade Gottes angewiesen sind (Röm 3:20). Wer ehrlich erkennt, dass er durch das Gesetz nicht gerecht werden kann, versteht umso tiefer die Schönheit des Evangeliums: Christus hat das Gesetz vollständig erfüllt und uns von der Sünde befreit (Röm 8:3-4). Er schenkt uns seine Gerechtigkeit (2Kor 5:21) – und diese Erfahrung vertieft unser Vertrauen zu Gott und macht uns barmherziger gegenüber anderen.
Solche Erfahrungen ermutigen uns und befähigen uns, auch die nächste Generation im Glauben zu stärken (Ps 78:4-6). Es ist ein Vorrecht für uns Erwachsene, Kindern Gottes Wort weiterzugeben und sie in diesen wichtigen Lernprozess einzuführen.
In Epheser 6:4 richtet Paulus ein besonderes Wort an die Väter: „Ihr Väter, reizt eure Kinder nicht zum Zorn". In einer Zeit, in der Väter fast unbegrenzte Autorität hatten, war dieses Gebot außergewöhnlich. Paulus beschreibt, wie leicht Väter ihre Kinder verletzen oder überfordern können – etwa durch …
übermäßige Kritik ohne Ermutigung
widersprüchliche Anweisungen
Vergleiche mit Geschwistern oder anderen Kindern
unrealistische Erwartungen
mangelnde Aufmerksamkeit bei gleichzeitig hohen Leistungsanforderungen
übermäßige Kontrolle ohne altersgerechten Freiraum
Spott über Schwächen oder Fehler
gebrochene Versprechen
Bevorzugung einzelner Kinder
Strenge ohne Gnade, die keinen Raum für Vergebung lässt
Paulus lädt Väter – und ebenso Mütter – ein, sich am Vorbild des himmlischen Vaters zu orientieren (Mt 5:48 / Eph 5:1). Seine Liebe, Geduld und Gnade sollen unseren Umgang mit Kindern prägen, damit sie zu Menschen heranwachsen, die Gottes gute Wege kennenlernen und ihm vertrauen.
Wollte Gott, dass alle im Volk des HERRN Propheten wären und der HERR seinen Geist über sie kommen ließe!
Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird.
Beim Auszug aus Ägypten schloss sich den Israeliten auch ein „fremdes Volk" an – Nichtisraeliten, die von den mächtigen Taten des Gottes Israels beeindruckt waren und dachten: Bei den Israeliten ist man am besten aufgehoben (2Mo 12:38).
In 4. Mose 11 war die Situation ziemlich angespannt. Fast hatte man den Eindruck, dass bei allen die Nerven blank lagen. Das fremde Volk wurde immer unzufriedener, und auch die Israeliten ließen sich von dieser „Gier nach mehr" anstecken. Deshalb klagten sie:
„Wer wird uns Fleisch zu essen geben? Wir denken an die Fische, die wir in Ägypten umsonst aßen, an die Gurken und an die Melonen und an den Lauch und an die Zwiebeln und an den Knoblauch; und nun ist unsere Kehle vertrocknet; gar nichts ist da, nur auf das Manna ⟨sehen⟩ unsere Augen." (4Mo 11:4-6)
Gott versorgte sein Volk in der Wüste mit Manna, das nachts auf das Lager herabfiel (2Mo 16:13-15). Das war zwar ein außergewöhnliches Wunder, aber alle sehnten sich nach mehr Abwechslung im Speiseplan. Mose fühlte sich von dieser ständigen Klage überfordert: „Ich allein kann dieses ganze Volk nicht tragen, denn es ist mir zu schwer." (4Mo 11:14)
Gott antwortete darauf, indem er Mose aufforderte, siebzig Älteste zu versammeln. Auf sie sollte derselbe Geist kommen, der auf Mose ruhte, damit die Last geteilt wurde (4Mo 11:16-17).
So geschah es: Die Ältesten empfingen den Geist und begannen zu prophezeien (4Mo 11:25). Zwei Männer kamen jedoch nicht zum Zelt der Begegnung, sondern blieben im Lager zurück – und auch sie prophezeiten (4.Mose 11:26). Das führte dazu, dass Josua sich bei Mose beschwerte: „Mein Herr Mose, halte sie zurück!" (4Mo 11:28) Aber Mose antwortete:
„Eiferst du um meinetwillen? Wollte Gott, dass alle im Volk des HERRN Propheten wären und der HERR seinen Geist über sie kommen ließe!" (4Mo 11:29)
Aber was würde das bedeuten? Wenn Gottes Geist auf allen läge, würde das Volk von Gottes Denken geprägt, von Vertrauen statt Unzufriedenheit erfüllt und von wahrem Gehorsam geleitet werden.
Mose sehnte sich danach, dass der Geist Gottes die Herzen des ganzen Volkes erneuern würde. Doch das sollte erst später geschehen. Der Prophet Joel kündigte dieses außergewöhnliche Wunder an:
„Und nach diesem will ich meinen Geist ausgießen über alles Fleisch, und eure Söhne und Töchter sollen weissagen, … Auch will ich zur selben Zeit über Knechte und Mägde meinen Geist ausgießen." (Joe 3:1-2)
Kurz bevor Jesus in den Himmel fuhr, bestätigte er diese Prophezeiung:
„Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird." (Apg 1:8)
Am Pfingstfest – fünfzig Tage nach Passah und zehn Tage nach der Himmelfahrt – kam der Heilige Geist bleibend auf die Gläubigen in Jerusalem (Apg 2:1-4). Sie verkündeten die großen Taten Gottes in fremden Sprachen, die sie nie gelernt hatten (Apg 2:11).
Heute besitzt jeder, der sein Leben Jesus Christus anvertraut hat, denselben Heiligen Geist (Röm 8:9). Durch ihn wohnt Christus in unseren Herzen (Eph 3:17). Er schenkt uns göttliches Denken, Kraft, Trost und eine neue Ausrichtung (Joh 14:26).
Der Heilige Geist ist eines der größten Geschenke Gottes an uns. Dafür können wir ihm nicht genug danken.
Bekehre du mich, so will ich mich bekehren; denn du, HERR, bist mein Gott!
Paulus sprach: Wir predigen euch das Evangelium, dass ihr euch bekehren sollt von diesen nichtigen Göttern zu dem lebendigen Gott, der Himmel und Erde und das Meer und alles, was darin ist, gemacht hat.
Auf der A100 in Berlin liegen zwei Ausfahrten direkt beieinander – eine davon führt Richtung Leipzig. Beim letzten Mal sorgte eine Baustelle für Verwirrung, und ich nahm die falsche Ausfahrt. Als ich es bemerkte, war die Gelegenheit zur Umkehr schon verpasst. Wer auf der Autobahn falsch abbiegt, muss häufig viele Kilometer weiterfahren, bevor die nächste Möglichkeit zur Wende kommt. Ähnlich ist es, wenn man in den falschen Zug einsteigt: Man kann es bedauern, aber nur eine bewusste Umkehr bringt einen zurück auf den richtigen Weg.
Im heutigen Losungstext geht es gleich zweimal um diese Art von Umkehr. Das hebräische Wort schuv beschreibt nicht nur ein äußeres „Zurückgehen“, sondern die innere Rückkehr zu Gott – verbunden mit Reue, Buße und einem erneuerten Denken (vgl. Joe 2:12 / Jes 55:7). Jeremia lässt Ephraim folgende Worte sagen:
„Deutlich habe ich Ephraim wehklagen hören: Du hast mich gezüchtigt, und ich wurde gezüchtigt wie ein nicht ans Joch gewöhntes Kalb.“
Anschließend folgt das Gebet: „Bekehre du mich, so will ich mich bekehren; denn du, HERR, bist mein Gott.“ (Jer 31:18) Ephraim steht hier für die zehn Stämme des Nordreiches, die sich einst unter Rehabeam vom Süden trennten. Durch jahrelangen Götzendienst, Ungerechtigkeit und geistliche Gleichgültigkeit entfernten sie sich immer weiter von Gott. Die schweren Folgen, die das Volk im Laufe der Geschichte trafen, versteht Ephraim nun als Teil von Gottes Erziehungshandeln – nicht aus Härte, sondern aus Liebe. In Ephraims Bitte lassen sich mehrere wichtige Einsichten erkennen:
Ephraim erkennt den Zusammenhang zwischen seinen Schicksalsschlägen und Gottes Erziehungshandeln.
Er versteht, dass eine Umkehr notwendig ist, um wieder in die Nähe Gottes zu gelangen.
Er spürt, dass echte Umkehr nicht aus eigener Kraft gelingt. Der Satz „Bekehre du mich“ zeigt ein Herz, das sich sehnt, aber zugleich weiß: Gott muss den entscheidenden Schritt tun.
Dieser Vers zeigt ein tiefes geistliches Prinzip: Wahre Umkehr ist letztlich ein Werk Gottes, ein Geschenk seiner Gnade (Eph 2:8). Aber gleichzeitig dürfen wir uns nach dieser Umkehr sehnen, sie erbitten und Gott unser Herz hinhalten (Hebr 3:8). Unser Anteil ist die Bereitschaft, das Verlangen, der ehrliche Ruf wie bei Ephraim: „Ich möchte umkehren – aber ich brauche deine Hilfe!“
Auch im Neuen Testament taucht dieser Gedanke auf. In Lystra hatten die Menschen Paulus und Barnabas wegen eines Wunders für Götter gehalten: Barnabas nannten sie Zeus und Paulus Hermes. Die beiden Apostel waren entsetzt und riefen:
„Männer, warum tut ihr dies? Auch wir sind Menschen mit gleichen Empfindungen wie ihr und verkündigen euch, dass ihr euch von diesen nichtigen Götzen zu dem lebendigen Gott bekehren sollt, der Himmel und Erde und das Meer gemacht hat und alles, was in ihnen ist.“
Ihre Botschaft verweist auf denselben Kern: Der lebendige Gott ruft zur Umkehr – weg von allem, was nicht tragen kann, hin zu dem, der alles geschaffen hat. Und auch hier wird deutlich: Umkehr ist nicht nur ein moralischer Appell, sondern eine Einladung des Schöpfers, der das Herz des Menschen erneuern will.
Die Umkehr zu Gott ist unverdiente Gnade und zugleich die beste Entscheidung des Lebens. Sie führt in die Nähe des Gottes, der vergibt, erneuert und mit bedingungsloser Liebe umgibt.
Sende dein Licht und deine Wahrheit, dass sie mich leiten zu deiner Wohnung.
Simeon sprach: Herr, nun lässt du deinen Diener in Frieden fahren, wie du gesagt hast; denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen, das Heil, das du bereitet hast vor allen Völkern, ein Licht zur Erleuchtung der Heiden und zum Preis deines Volkes Israel.
Wer schon einmal in einer fremden Stadt unterwegs war, kennt das Gefühl: Man sucht eine Adresse, das Navi führt in die Irre, und die Passanten wissen auch nicht wirklich Bescheid. Ohne klare Informationen findet man den Weg nicht – und je dunkler es wird, desto schwerer wird die Orientierung.
Dieses Bild beschreibt etwas Grundsätzliches: Um ein Ziel zu erreichen, brauchen wir vier Dinge – Wahrheit, eine Standortbestimmung, eine verlässliche Route und Licht. Ohne diese Elemente irren wir umher, selbst wenn wir uns große Mühe geben.
Dasselbe gilt für unser Lebensziel. Um es zu erreichen, brauchen wir genau diese vier Dinge. Wer allerdings sein Lebensziel nicht kennt oder nicht ins Auge fassen kann, braucht sie nicht. Er geht einfach dorthin, wo es ihm gerade am sinnvollsten erscheint.
Wenn Gott nicht existiert, sind wir alle nur ein Produkt des Zufalls mit einem vorgegebenen Ziel: der Tod und das Ende unseres Bewusstseins. Sollte dies der Fall sein, bleibt eigentlich nur eins: möglichst gut und genussvoll über die Runden zu kommen, bevor wir sterben und aufhören zu existieren.
Wenn es aber einen Schöpfer gibt – und vieles spricht dafür – dann hat er uns mit einer bestimmten Absicht und für ein Ziel erschaffen, das er allein kennt und definiert hat. Die Bibel beschreibt unser Ziel als ewige Liebesgemeinschaft mit Gott, unserem himmlischen Vater (Joh 14:2-3). Dort – im Haus des Vaters und im Reich des Sohnes seiner Liebe (Kol 1:13) – findet unser Leben seine eigentliche Bestimmung.
Deshalb gab Gott uns die genannten Dinge, damit wir dieses Ziel erreichen können. Durch sein Wort erkennen wir, wo wir stehen, wo unser Ziel liegt und wer uns dorthin führen kann. Das Wort Gottes ist zugleich das Licht, das uns den Weg erhellt (Ps 119:105).
Wir brauchen die Wahrheit. Eine absolute Wahrheit kann es nur beim Schöpfer der Menschen geben. In Psalm 119:160 heißt es: „Die Summe deines Wortes ist Wahrheit." Jesus Christus ist als das fleischgewordene Wort Gottes die Wahrheit in Person (Joh 14:6).
Wir brauchen eine Standortbestimmung. Die Bibel zeigt uns, wo wir stehen: getrennt von Gott durch unsere Sünde (Jes 59:2), die sich vor allem im Unglauben ausdrückt. Unglaube offenbart sich in einem tiefen Misstrauen gegenüber dem Schöpfer.
Wir brauchen eine Route und jemanden, der uns den Weg weist. Jesus Christus sagt von sich, dass er der Weg ist. Als guter Hirte führt er uns zu „grünen Auen" und „frischem Wasser" (Ps 23:2). Er selbst ist der Weg zum Vater (Joh 14:6) – und er ging ihn bereits vor uns. Jetzt bereitet er uns eine Stätte im Haus des Vaters (Joh 14:2-3). Durch sein Opfer am Kreuz hat er uns den Weg zum Vater geöffnet (Hebr 10:19-20).
Wir brauchen Licht, um den Weg zu sehen. Jesus Christus ist das Licht der Welt (Joh 8:12). Durch ihn erkennen wir, woher wir kommen, wo wir stehen und wohin die Reise führt.
Wer Jesus Christus erkennen durfte, hat auch das Heil Gottes gesehen. Der alte Simeon wartete sein Leben lang darauf, den Retter Israels und den Heiland der Welt sehen zu dürfen – der Heilige Geist hatte ihm dieses Glück verheißen (Lk 2:26). Als er den vierzig Tage alten Jesus auf seinen Armen hielt, ging dieser Wunsch in Erfüllung. Er sah mit eigenen Augen den Retter der Welt, der im Alten Testament vielfach verheißen wurde (Jes 9:1 / Jes 42:6). Nun konnte er mit Frieden im Herzen sterben und seinen Dienst als Knecht Gottes beenden (Lk 2:29).
Wer weiß, wie bald wir den Retter der Welt mit eigenen Augen sehen dürfen – den Heiland, der uns ins himmlische Vaterhaus führen wird (Joh 14:3)! Und wenn wir ihn sehen, dann werden wir wissen: Jetzt bin ich endlich zu Hause angekommen (1Jo 3:2).
Es wird keiner den andern noch ein Bruder den andern lehren und sagen: »Erkenne den HERRN«, denn sie sollen mich alle erkennen, beide, Klein und Groß, spricht der HERR.
Als aber die Hohenpriester und Schriftgelehrten die Wunder sahen, die Jesus tat, und die Kinder, die im Tempel schrien und sagten: Hosianna dem Sohn Davids!, entrüsteten sie sich und sprachen zu ihm: Hörst du auch, was diese sagen? Jesus sprach zu ihnen: Ja! Habt ihr nie gelesen: Aus dem Munde der Unmündigen und Säuglinge hast du dir Lob bereitet?
Wenn ein Mensch den allmächtigen Gott in seinem Herzen erkennen darf, ist das immer eine große Gnade — und alles andere als selbstverständlich. Die Erkenntnis Gottes ist mehr als nur das Wissen, dass es diesen Gott gibt. Sie ist auch mehr als gespeicherte Informationen über die Charaktereigenschaften des HERRN. Die Hohenpriester und Schriftgelehrten wussten sehr viel über Gott, weil sie den Tanach — das Alte Testament — gut kannten. Dennoch haben sie Gott in ihren Herzen nicht erkannt.
Dieses Problem gibt es bis heute. Sowohl im Judentum als auch im Christentum finden sich Gelehrte mit beachtlichem biblischem Wissen, die dennoch nicht zur wahren „Erkenntnis Jesu Christi" gelangt sind (Phil 3:8). In ihrer Selbsteinschätzung sehen sie das allerdings anders. Sie sind meist überzeugt, Erkenntnis Gottes zu besitzen, weil sie viel Wissen über ihn angesammelt haben.
Die Erkenntnis Gottes ist weniger eine Frage gespeicherter Informationen über ihn, sondern vielmehr eine Frage des Herzens (Jer 24:7). In Jeremia 31,31 kündigt der HERR einen neuen Bund an, der auf den Bund am Sinai folgt. In Vers 33 verheißt er:
"Ich werde mein Gesetz in ihr Inneres legen und werde es auf ihr Herz schreiben. Und ich werde ihr Gott sein, und sie werden mein Volk sein."
Das zeigt: Gott selbst handelt und legt sein Gesetz in das Innere eines Menschen. Auch der Prophet Hesekiel kündigte diese „Herzenserneuerung" an, als er schrieb:
"Und ich werde euch ein neues Herz geben und einen neuen Geist in euer Inneres geben." (Hes 36:26)
Gott erfüllt diese Verheißungen nicht durch menschliche Anstrengung, sondern durch seinen Geist, den er den Menschen schenkt. Diese zeigt sich darin, dass man sein Leben dem Herrn Jesus Christus geschenkt hat und aus Liebe leben will — nicht aus gesetzlicher Pflichterfüllung, sondern aus tiefster Überzeugung (2Kor 5:14-15). Wer den Heiligen Geist in sich haben darf, kann den HERRN in seiner Liebe und Güte immer besser erkennen (1Kor 2:10-12). Wie es dazu kommt, beschreibt Jeremia im zweiten Teil des Losungsverses:
"Denn ich werde ihre Schuld vergeben und an ihre Sünde nicht mehr denken." (Jer 31:34b)
Die persönliche Erfahrung der Vergebung und das Erkennen, dass der HERR einem die Sünde nicht mehr anrechnet (Ps 32:1-2), führt zu einer Erkenntnis Gottes, die weit über das verstandesmäßige Erfassen seiner Eigenschaften hinausgeht.
Matthäus 21,14 berichtet, wie Jesus im Tempel Blinde und Lahme heilt — eindeutige messianische Zeichen (Jes 35:5-6). Doch die Hohenpriester und Schriftgelehrten freuten sich nicht darüber, weil sie Jesus hassten. Sie hassten ihn aus Eifersucht, weil er ihre falsche Frömmigkeit und ihren Hochmut entlarvte. Sie waren stolz auf ihre eigene Gerechtigkeit und fühlten sich besser als andere Menschen (Lk 18:9-14). Sie erkannten ihre eigene Sünde nicht und hatten darum auch keine persönliche Erfahrung mit der Vergebung Gottes gemacht. Für sie war die Barmherzigkeit Gottes ein abstrakter Begriff. Das merkte man schon daran, dass sie selbst keine Barmherzigkeit übten (Mt 23:23 / Lk 20:47).
Und dann das: Ausgerechnet die Unmündigen und Ungebildeten riefen im Tempel: „Hosianna dem Sohn Davids!" Die religiöse Elite empörte sich darüber und erwartete von Jesus, dass er die Kinder zum Schweigen bringe. Doch Jesus zitierte Psalm 8,3 und bestätigte damit ihren Lobpreis (Mt 21:16). Das dürfte die Empörung der Schriftgelehrten noch vergrößert haben.
Gott offenbart sich gerne den Kleinen, Unmündigen und Demütigen (Mt 11:25). Zu den Demütigen gehören auch diejenigen, die ihre Sünden erkannten und bekannten. Ihnen schenkt Gott seine wunderbare Vergebung (1Joh 1:9) — und dadurch erkennen sie auch die bedingungslose Liebe Gottes. Wahre Demut ist der Schlüssel zur Gnade und zur Erkenntnis Gottes (Jak 4:6). Dieses Handeln Gottes ist bis heute unverändert: Wo Menschen ihre Bedürftigkeit erkennen, dort öffnet Gott ihnen das Herz und lässt sie seine Vaterliebe erleben.
Darum bleibt die wichtigste Frage nicht: Wie viel weiß ich über Gott? Sondern: Lasse ich zu, dass er mein Herz erneuert und mich in die Freiheit seiner Liebe führt? (Gal 5:1)
Ein Tag in deinen Vorhöfen ist besser als sonst tausend.
Jesus sagte zu seinen Eltern: Warum habt ihr mich gesucht? Wusstet ihr nicht, dass ich im Haus meines Vaters sein muss?
Der schönste Moment meines Lebens war, als ich für einige Minuten die beglückende Nähe Gottes spüren durfte. Diesen Moment hätte ich am liebsten festgehalten. Vielleicht erlebte Petrus etwas Ähnliches auf dem „Berg der Verklärung", wo Jesus in herrlicher Gestalt erschien (Mt 17:1-8). Auch Petrus wollte diesen Moment festhalten und Hütten bauen. Doch solche überwältigenden Erfahrungen sind Ausnahmen, keine Dauerzustände – sie sind ein Vorgeschmack auf das, was noch kommen wird.
Diese Sehnsucht ist nicht neu – schon in Psalm 84 beschreiben die Söhne Korachs ihr Verlangen nach dem Haus Gottes. Diese Sehnsucht zeigt sich auch bei dem zwölfjährigen Jesus, der drei Tage im Tempel in Jerusalem verweilte – ein Ort, den er das „Haus seines Vaters" nannte (Lk 2:49 / Joh 2:16). Dabei ging es ihm weniger um das prächtige Gebäude aus wunderbaren Steinen, die zum Teil mit Gold verkleidet waren, als vielmehr um das Glück der Gegenwart Gottes.
Der Vergleich in Vers 11 lässt erahnen, wie überwältigend groß das Glück der Gegenwart Gottes sein muss. Seine Nähe ist tausendmal besser als alles andere Glück in dieser Welt. Der zweite Teil von Vers 11 fehlt im heutigen Losungstext – dort heißt es:
"… Ich will lieber an der Schwelle stehen im Haus meines Gottes als wohnen in den Zelten der Gottlosen."
Damit bringen die Söhne Korachs zum Ausdruck, dass sie lieber die niedrigste Position im Haus Gottes einnehmen würden als einen Ehrenplatz bei den Gottlosen. Man könnte es auch so ausdrücken: „Lieber ein einfacher, unscheinbarer Diener im Reich Gottes als der oberste Fürst eines bösen und gottlosen Königs."
Hätten wir Menschen nur eine Ahnung davon, wie schön die Gegenwart des himmlischen Vaters ist – der die Liebe in Person ist (1Jo 4:8) – würden wir uns nach nichts anderem sehnen als nach dieser einzigartigen Nähe. Das Ode an Gott, bekannt als Appenzeller Landsgemeindelied, enthält eine Passage, die ausdrücklich vom „Gefühl der Gegenwart Gottes" spricht. In Vers 3 heißt es:
"Deiner Gegenwart Gefühl sei mein Engel, der mich leite, …"
Psalm 84,4 beschreibt: „Auch der Vogel hat ein Haus gefunden und die Schwalbe ein Nest für sich, wo sie ihre Jungen hingelegt hat." Die Söhne Korachs beobachteten, wie die kleinen Vögel am Tempel Nischen fanden — vielleicht unter einem Dachvorsprung —, wo sie ihre Nester bauen konnten. Das zeigt:
Die Vögel finden am Heiligtum Gottes einen sicheren Ort — so wie der Psalmbeter selbst dort Zuflucht sucht.
Die Vögel wohnen dort, wo der Psalmist selbst nur hinpilgern kann.
Diese Beobachtung verstärkt die tiefe Sehnsucht des Beters: „Wäre ich doch immer so nah bei Gott wie diese Vögel!"
Die Vögel kommen ohne kultische Reinheit, ohne Opfer, ohne Voraussetzungen in die Nähe Gottes und dürfen dort sogar wohnen — welch unbeschreibliche Gnade!
Selbst die kleinsten Vögel finden Platz an den Altären des allmächtigen Gottes. Das zeigt seine Fürsorge für das Kleine und Schwache (Mt 10:29-31).
Einmal kommt der Tag, an dem wir für immer in das Haus des himmlischen Vaters einziehen dürfen (Joh 14:2-3) — das wird die ultimative Glückseligkeit sein. Bis dahin gilt es, diesen wunderbaren Gott durch sein Wort kennenzulernen und ihm zu vertrauen — auf allen Wegen, die er uns führt (Spr 3:5-6). Schon jetzt schenkt er uns Augenblicke seiner Nähe, die uns stärken auf dem Weg dorthin.
Wie der neue Himmel und die neue Erde, die ich mache, vor mir Bestand haben, spricht der HERR, so soll auch euer Geschlecht und Name Bestand haben.
Nathanael antwortete Jesus: Rabbi, du bist Gottes Sohn, du bist der König von Israel!
In den letzten beiden Kapiteln der Jesajarolle macht der Prophet durch den Geist Gottes eine kaum vorstellbare Ankündigung: Er verheißt neue Himmel und eine neue Erde! Anders gesagt: Gott wird ein neues Universum schaffen (Offb 21:1). Gleichzeitig verspricht der HERR im heutigen Losungstext, dass das Geschlecht Israels vor Gott bestehen bleibt. Der Begriff, den die Lutherbibel mit „Geschlecht" übersetzt, lautet im Hebräischen zera und bedeutet auch „Nachkommen" oder müsste wörtlich mit „Same" übersetzt werden.
Aus menschlicher Sicht ist es viel wahrscheinlicher, dass die Menschheit vergeht, bevor das Universum an sein Ende kommt. Nach heutigem wissenschaftlichem Kenntnisstand befindet sich unsere Sonne in der Mitte ihres Lebenszyklus. Man schätzt ihr Alter auf 4,6 Milliarden Jahre und geht davon aus, dass sie noch etwa 5 Milliarden Jahre existieren wird. Doch schon in 100–500 Millionen Jahren wird die Erde unbewohnbar sein. Bis dahin ist unser Planet längst ein lebensfeindlicher Ort — und nicht wenige vermuten, dass sich die Menschheit vorher schon selbst abgeschafft haben wird.
Viele wissenschaftliche Modelle gehen davon aus, dass auch das Universum einen Anfang hatte — den sogenannten Urknall. Etliche Forscher sprechen ebenso von einem Ende: wenn es keine Sterne und keine Struktur mehr gibt. Man nennt dies den „Wärmetod" des Universums. Mit anderen Worten: Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Menschheit vergeht, bevor das Universum endet.
Darum erscheint die Prophezeiung aus Jesaja 66:22 aus menschlicher Perspektive sehr unwahrscheinlich. Doch wenn uns die Bibel eines lehrt, dann ist es dies: Gott tut immer wieder genau die Dinge, die uns unmöglich erscheinen (Lk 1:37). Es erscheint uns kaum vorstellbar, dass Gott alles Unsichtbare und Sichtbare durch sein Wort ins Dasein rief (1Mo 1:3) — obwohl wir mittlerweile selbst in der Lage sind, durch mündliche Befehle ganze Prozesse auszulösen.
Wie die meisten Leser meiner Andachten wissen, glaube ich weder an eine zufällige Entstehung des Weltalls noch an die großen Zeiträume, die die Wissenschaft errechnet hat. Die Bibel berichtet uns von einem allmächtigen Gott, der Himmel und Erde durch sein Wort erschuf (Hebr 11:3) — ein Gott, der außerhalb von Raum und Zeit existiert. Neue Himmel und eine neue Erde können nur entstehen, wenn es auch einen Schöpfer des jetzigen Universums gibt!
Der „Same" oder die Nachkommen sowie der Name Israels werden also genauso Bestand haben wie die neuen Himmel und die neue Erde, die Gott noch schaffen wird. Letztlich geht es um den einen Nachkommen — nämlich den Sohn Gottes, der allen, die an ihn glauben, das ewige Leben schenken kann (Joh 3:16). Jesus Christus, dessen Name über allen Namen steht (Phil 2:9), sagte in Matthäus 24:35:
"Der Himmel und die Erde werden vergehen, meine Worte aber werden nicht vergehen."
Jesus Christus ist der Nachkomme aus Israel — der „Same", der aus der Wurzel Isais stammt (Jes 11:1). Er ist der König Israels. Als Sohn Gottes ist er zugleich der König aller Könige und somit der König der ganzen Welt (Offb 19:16). Das durfte bereits Nathanael erkennen (Joh 1:49). Warum? Nachdem Jesus sagte, dass er ihn unter dem Feigenbaum gesehen hatte, wurde Nathanael klar, dass Jesus genau wusste, was er an dieser Stelle dachte. Daraus schloss er, dass Jesus aus Nazareth der Sohn Gottes sein muss — der König Israels und letztendlich der ganzen Welt.
Der gleiche Gott, der neue Himmel und eine neue Erde schafft, sieht auch dich — genau dort, wo du jetzt stehst (Ps 139:1-3). Er versteht dich, er liebt dich (Joh 3:16), und er will dich über alle Vorstellungen hinaus beschenken (Eph 3:20), sodass auch du, wie Nathanael, einmal einen geöffneten Himmel sehen kannst (Joh 1:51).
Gott spricht: Als du mich in der Not anriefst, half ich dir heraus.
Als Petrus den starken Wind sah, erschrak er und begann zu sinken und schrie: Herr, rette mich! Jesus aber streckte sogleich die Hand aus und ergriff ihn.
Asaf, der Psalmsänger, ruft in Psalm 81 alle Gottesdienstbesucher zu einem freudigen Lobgesang auf. Der Vers 4 über den Neumond und die Posaune zeigt, dass dieser Psalm im Rahmen der von Gott eingesetzten Feste gesungen wurde*. Diese Feste waren Erinnerungsmomente – feste Ankerpunkte im Jahr, an denen Israel sich neu vergegenwärtigte, wer Gott ist. Sie sollten das Volk immer wieder an Gottes Fürsorge, seine Rettungsgeschichte und seine Treue erinnern (3Mo 23).
Gerade während dieser festlichen Zeiten wurde die Vertrauensbeziehung des Volkes zu Gott vertieft – durch Dank, Umkehr und Anbetung. Deshalb erinnert Asaf im weiteren Verlauf des Psalms an den Auszug aus Ägypten: Gott hatte sein Volk mit mächtiger Hand errettet, nachdem es in seiner Not zu ihm geschrien hatte (2Mo 14).
Dabei erlebte Israel eine Vielzahl göttlicher Wunder – zum Beispiel die zehn Plagen, die dazu führten, dass der Pharao die Israeliten endlich freigab (2Mo 7-12). Bei der zehnten Plage wurde alle Erstgeburt in Ägypten getötet, während die Israeliten durch das Blut des Passah-Lammes verschont blieben (2Mo 12:12-13).
Das vielleicht größte Wunder erlebten sie, als der HERR das Schilfmeer teilte, sodass sie trockenen Fußes hindurchziehen konnten – während das ägyptische Heer anschließend in den Fluten ertrank (2Mo 14:21-28).
Alle diese Erfahrungen hätten das Volk zu folgender Erkenntnis führen sollen: „Wir haben einen allmächtigen Gott, dem alles möglich ist, der uns liebt und es gut mit uns meint. Wir dürfen wissen, dass er uns immer rechtzeitig zur Hilfe eilt – vielleicht später, als uns lieb ist, aber nie zu spät!" Das war die Herzenshaltung, die Gott sich gewünscht hatte. Doch als der HERR ihr Vertrauen prüfte, indem er sie kein Wasser finden ließ, war kein Vertrauen da! Israel sagte nicht: „Gott hat uns bisher so wunderbar geholfen – er wird uns auch jetzt rechtzeitig mit Wasser versorgen!" Stattdessen beklagten sie sich bei Mose und murrten:
"Gib uns Wasser, damit wir zu trinken haben! … Wozu hast du uns überhaupt aus Ägypten heraufgeführt? Um mich und meine Kinder und mein Vieh vor Durst sterben zu lassen?" (2Mo 17:2-3)
Während der Wüstenwanderung zeigte Gott seine Gegenwart durch eine Wolken- und Feuersäule, die sie begleitete (2Mo 13:21-22). Die Jünger Jesu hatten ein noch größeres Vorrecht: Jesus, der Sohn Gottes, lebte als Mensch unter ihnen – und er tat noch größere Wunder als Mose!
Je mehr wir Gott als den allmächtigen und liebenden HERRN erfahren dürfen, desto mehr erwartet er auch, dass wir ihm vertrauen (Hebr 11:6).
Nachdem Petrus das große Wunder erlebt hatte – auf Jesu Wort hin tatsächlich auf dem Wasser zu gehen – hätte er eigentlich allen Grund gehabt, seinem Herrn vollkommen zu vertrauen (Mt 14:28-29). Und doch erschrak er, als er den Wind sah. Seine Reaktion ist menschlich nachvollziehbar: Wenn wir mitten in stürmischen Umständen stehen, fällt es uns oft schwer, auf das zu schauen, was Gott bereits getan hat. Durch die falsche Blickrichtung schwand Petrus' Vertrauen auf Gott, und er begann zu sinken.
Doch genau hier zeigt sich Jesu Liebe und Geduld: Obwohl Petrus zu zweifeln begann, streckte Jesus sofort seine Hand aus und rettete ihn (Mt 14:31). Sein kurzer Moment des Versagens wurde nicht zum Ende – sondern zu einer Lektion, die seinen Glauben wachsen ließ.
Das zeigt uns: Wenn wir auf die Probleme statt auf den HERRN schauen, schwächt das unseren Glauben – und durch das mangelnde Vertrauen beginnen wir zu sinken. Aber unser HERR ist so gnädig, dass er uns immer wieder an der Hand fasst und uns rettet (Ps 37:24). Trotzdem wünscht er sich, dass unser Glaube wächst! Lasst uns ihn vor Augen haben und ihm vertrauen (Hebr 12:2). Gott kommt nie zu spät. Er handelt manchmal später, als wir es wünschen, aber immer dann, wenn wir es brauchen. Deshalb: Blick auf ihn, nicht auf den Wind.
HERR, deine Ratschlüsse von alters her sind treu und wahrhaftig.
Lasst uns festhalten an dem Bekenntnis der Hoffnung und nicht wanken; denn er ist treu, der sie verheißen hat.
In Kapitel 25 beginnt der Prophet Jesaja mit einem Lob Gottes. Er durfte erkennen, dass Gott Wunder wirkt und dass er von alters her Ratschlüsse gefasst hat, die er jetzt und in Zukunft umsetzt. Alles, was Gott tut, ist von Treue und Wahrhaftigkeit geprägt – und diese stammen letztlich aus seiner Liebe. Wer solche Einblicke in Gottes Heilshandeln empfängt, kommt unweigerlich zur Anbetung.
Gott zeigte dem Propheten, wie die uneinnehmbare Stadt der Feinde zu einem Steinhaufen wurde (Jes 25:2) – was ein prophetischer Hinweis auf die Zerstörung Ninives oder Babels sein könnte. Letztlich ist diese Stadt aber ein Sinnbild für die Macht der Völker, die Gott widerstehen. Ihre Macht gründet auf Unterdrückung und Ungerechtigkeit, darum wird sie ein Ende finden. In Vers 5 heißt es dann:
"Du demütigst das Lärmen der Fremden. Wie die Hitze durch den Schatten einer Wolke, so wird der Gesang der Gewalttätigen gedämpft."
Doch das Heilswirken Gottes geht weiter: Er verheißt allen Völkern ein üppiges Festmahl und nimmt ihnen die Hülle vom Gesicht (Jes 25:6-7). Das zeigt, dass die Denkweise der Nationen verhüllt ist – sie können die Realität und das wunderbare Wirken Gottes oft nicht erkennen.
Durch Gottes Offenbarung und Jesajas lobende Anbetung erhält der Prophet einen noch tieferen Einblick in die Heilsgeschichte: Jesaja durfte bis in die Vollendung blicken, als er in Vers 8 schrieb:
"Den Tod verschlingt er auf ewig, und der Herr HERR wird die Tränen abwischen von jedem Gesicht, und die Schmach seines Volkes wird er von der ganzen Erde hinwegtun. Denn der HERR hat geredet."
Welch unglaubliche Hoffnung! Der allgegenwärtige Tod wird verschlungen und der Herr HERR (hebr. Adonai JHWH) wird von allen Gesichtern die Tränen abwischen. Der Tod wird einmal nicht mehr sein, und alle werden getröstet werden! Was für eine Erwartung! Was für eine Perspektive!
Dieses Bild greift das Neue Testament mehrfach auf. Das, was Jesaja hier ankündigt, wurde auch von Paulus bezeugt:
"Wenn aber dieses Vergängliche Unvergänglichkeit anziehen und dieses Sterbliche Unsterblichkeit anziehen wird, dann wird das Wort erfüllt werden, das geschrieben steht: ‹Verschlungen ist der Tod in Sieg.›" (1Kor 15:54)
Johannes sieht dies eindrücklich in einer Vision in Offenbarung 21. Dort heißt es in Vers 4:
"Und er wird jede Träne von ihren Augen abwischen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Trauer, noch Geschrei, noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen."
Das wird unendlich mehr sein als oberflächlicher Trost. Gottes Trösten lässt die Menschen seine wunderbare Nähe spüren – eine Nähe, die alles zuvor Erlebte bedeutungslos erscheinen lässt. Es wird eine Erfahrung der Glückseligkeit sein, die niemand missen wird.
Diese Verheißungen scheinen kaum vorstellbar, weil sie unserer Welterfahrung vollkommen widersprechen. Man kann sie nur glauben, wenn man weiß, dass der, der sie verkündet hat, absolut treu und wahrhaftig ist (Offb 19:11). Jesus Christus – im ganzen Alten Testament prophezeit – hat sich als der Treue und Wahrhaftige erwiesen. Darum dürfen wir erwarten, dass der Tod einmal verschlungen wird. Der Sieg über den Tod ist am Kreuz bereits errungen und in der Auferstehung sichtbar bestätigt (1Kor 15:55-57), doch die vollständige Beseitigung des Todes steht noch aus.
Die Empfänger des Hebräerbriefes hatten es nicht leicht, am Bekenntnis der göttlichen Hoffnung festzuhalten – sie litten unter Verfolgung (Hebr 10:32-34). Wer Jesus Christus als HERR bekannte, musste im römischen Reich mit Repressalien rechnen, manchmal sogar mit dem Tod. Deshalb ermutigt der Briefschreiber sie, am "Bekenntnis der Hoffnung" festzuhalten (Hebr 10:23): Gott ist absolut treu und lässt alles in Erfüllung gehen, was er verheißen hat. Und mehr noch – er wird sie auch in ihren Nöten durchtragen (Hebr 13:5-6). Diese Hoffnung gilt auch uns heute – mitten in Unsicherheit, Leid und Erschöpfung.
Der HERR wird's vollenden um meinetwillen.
Nachdem Jesus nun das Ziel erreicht hat, ist er für alle, die ihm gehorchen, zum Begründer ihrer endgültigen Rettung geworden.
Vor etwa 25 Jahren war ich niedergeschlagen, traurig und verzweifelt. Ich war zutiefst frustriert, dass ich etliche Dinge in meinem Glaubensleben nicht so umsetzen konnte, wie ich mir das gewünscht und erhofft hatte. Heimlich vergoss ich Tränen. Es fühlte sich ähnlich an wie das, was Paulus in Römer 7 beschreibt. Der Apostel schildert dort die Spannung zwischen seinem Willen und seiner tatsächlichen Fähigkeit, das Gute zu tun. In diesem Kapitel stellt er mit großer Ernüchterung fest, dass er das Gute, das er von ganzem Herzen tun wollte, nicht tun konnte. Es war eine Art Kapitulation — er erkannte, dass er in seinem „Fleisch" nicht das praktizieren konnte, was er sich wünschte. Deshalb schrieb er in Vers 24:
„Ich elender Mensch! Wer wird mich retten von diesem Leibe des Todes?"
Nach dieser Frage — die seine Verzweiflung zum Ausdruck brachte — wechselt Paulus in den Dank. Zuerst schreibt er: „Ich danke Gott …" oder anders übersetzt: „Gnade ist aber bei Gott durch Jesus Christus, unseren Herrn!" (Röm 7:25) Dann erklärt er, dass er zwar mit seiner Gesinnung und seinem Denken dem Gesetz Gottes dient, während sein Fleisch dem Gesetz der Sünde dient. Er bezeugt damit, dass seine eigenen menschlichen Anstrengungen nicht in der Lage sind, das Gesetz Gottes zu erfüllen. Doch durch die Gnade Gottes durfte Paulus in Christus versetzt sein, sodass es für ihn keine Verurteilung mehr gibt — weil Christus alles vollbrachte! (Röm 8:1)
Das tiefe Erkennen seiner eigenen Unfähigkeit und Verlorenheit ließ ihn allein auf die Gnade Gottes hoffen — die er dann in Christus fand. Dadurch wurde er nicht verurteilt, sondern zum Leben gerechtfertigt (Röm 8:1-2).
Genau in diese Erfahrung hinein sprach Gott auch zu mir. In der Verzweiflung, die ich eingangs beschrieben habe, schenkte mir der HERR durch ein Wort des Apostels Paulus besonderen Trost. In Philipper 1:6 schreibt er:
„Ich bin ebenso in guter Zuversicht, dass der, der ein gutes Werk in euch angefangen hat, es vollenden wird bis auf den Tag Christi Jesu."
Plötzlich wurde mir klar: Jesus Christus hat ein Werk in mir begonnen, und er selbst wird es vollenden. Es wäre unmöglich, wenn ich mich selbst vollenden oder zum Ziel führen müsste. Aber derjenige, dem alles möglich ist, hat es verheißen — und darum ist die Vollendung und somit das Ans-Ziel-Gelangen auch garantiert.
Die letzten Worte, die David in Psalm 138 schrieb, lauten:
„… und deine Rechte wird mich retten. Der HERR wird's für mich vollenden. HERR, deine Gnade [währt] ewig. Gib die Werke deiner Hände nicht auf!" (Ps 138:7-8)
Gottes Güte, Gnade und Huld bleiben bestehen, und darum hat Christus am Kreuz alles vollbracht, damit wir Gerettete sein dürfen und einmal vollendet werden können (Joh 19:30). Er hat das Ziel erreicht, und wer in Christus ist, gehört auch zu dem, der alles vollenden und somit zum Ziel bringen wird. Was Gott beginnt, bringt er auch sicher ans Ziel.
König Nebukadnezar sprach: Es gefällt mir, die Zeichen und Wunder zu verkünden, die der höchste Gott an mir getan hat.
Jesus sprach: Wer nicht gegen uns ist, der ist für uns.
von Ewald Keck
Nebukadnezar war völlig überwältigt von dem, was er erlebt hatte. Der Gott Daniels und seiner Freunde hatte sich ihm geoffenbart durch spektakuläre Wunder und Zeichen. Er war so überzeugt von Gottes Macht, dass er beschloss, allen davon zu berichten. Nicht nur das. Er befahl allen Menschen in seinem gesamten Reich, den Gott Israels anzubeten (Dan 3:28-29).
Dabei war er kurz zuvor ein leidenschaftlicher Gegner Gottes und Anbeter der Götter Babylons gewesen. Wie kam es zu dieser radikalen Kehrtwendung? Es lohnt sich, das ganze Kapitel zu lesen:
Nebukadnezar ließ eine Statue aus Gold aufstellen (Dan 3:1). Wahrscheinlich ein Bild seines Lieblingsgottes Bel oder Marduk. In Form einer Säule mit 3 m Breite und 30 m Höhe.
Alle Beamten mussten antreten und sich vor diesem Gott anbetend niederwerfen (Dan 3:2-7). Nicht freiwillig, denn jeder, der sich weigerte, sollte verbrannt werden in einem der vielen Ziegelöfen Babylons (Dan 3:6). Die Freunde Daniels blieben dieser Festveranstaltung fern (Dan 3:12).
Einige Denunzianten zeigten die drei Freunde Daniels an, weil sie sich als Verwalter der Provinz Babel dem Befehl des Königs widersetzten (Dan 3:8-12). Nebukadnezar befahl, sie zu holen und drohte ihnen mit dem Feuertod (Dan 3:14-15). Ihre glaubensstarke Antwort (Dan 3:16-18) führte dazu, dass er völlig die Fassung verlor und den Ofen auf die höchste Stufe heizen ließ, auch wenn dadurch seine besten Krieger buchstäblich „verheizt" wurden (Dan 3:22).
Da geschah das große Wunder: Nebukadnezar sah von außen einen vierten Mann im Feuer, der die drei bewahrte, sodass das Feuer ihnen nichts anhaben konnte (Dan 3:24-25). Der König holte sie heraus und pries die Macht Gottes, der dieses Wunder vollbracht hatte (Dan 3:26-29).
Seine stolze, selbstsichere Frage: „Wer ist der Gott, der euch aus meiner Hand erretten könnte?" (Dan 3:15) war damit beantwortet. Gott zeigte seine Macht und Nebukadnezar war blamiert.
Mit der gleichen Radikalität, mit der er sich gegen Gott stellte, war er nach dieser Erfahrung für den Gott Israels. Auch wenn Nebukadnezar ein unberechenbarer Tyrann war, können wir von seiner „Logik" etwas lernen: Dem Mächtigsten gebührt Anbetung. Die Anbetungsfrage war für Nebukadnezar untrennbar verbunden mit der Machtfrage.
Die Bibel bezeugt den allmächtigen Gott, der sich in Jesus Christus geoffenbart hat (Joh 1:1-3 / Kol 1:15-17). Keine Macht dieser Welt ist größer und stärker als der dreieinige Gott (Ps 95:3 / Jes 40:25-26). Wenn wir davon überzeugt sind, dann ist die entscheidende Frage: Wie sieht es mit unserer Anbetung aus? (Joh 4:23-24)
Der Lehrtext betont, dass es nur zwei Optionen gibt (Mk 9:40 / Mt 12:30): Entweder stehen wir auf der Seite von Jesus oder auf der Gegenseite. Entweder sind wir für ihn und beten ihn an oder nicht. Ein Dazwischen gibt es nicht.
Und doch kommt es vor, dass wir auf moderne Götzen hereinfallen. Paulus warnt daher an mehreren Stellen seine Gemeinden vor dem Götzendienst wie z.B. der Habgier (Eph 5:5 / Kol 3:5). Der griechische Begriff bezeichnet das Streben, immer mehr haben zu wollen. Diese Lebenseinstellung zerstört den Glauben an die Macht Gottes und damit die Anbetung.
Jesus warnte seine Jünger: „Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon" (Mt 6:24). Anbetung ist nicht teilbar. Wir müssen uns entscheiden (Jos 24:15). Je mehr das Wort Gottes die Augen öffnet für die Größe und Macht Jesu Christi (Eph 1:18-19) und je enger unsere Beziehung zu ihm wird, desto leichter fällt diese Entscheidung – wie bei den Freunden Daniels.
Rechne mit dem Gott, der über allem steht, der dich sieht und mächtig ist, jederzeit in dein Leben einzugreifen – auf natürliche oder übernatürliche Weise. Vertraue ihm, denn er ist der Einzige, der hält, was er verspricht.
Der HERR spricht: Ich habe dich zum Licht der Völker gemacht, dass mein Heil reiche bis an die Enden der Erde.
Paulus sah eine Erscheinung bei Nacht: Ein Mann aus Makedonien stand da und bat ihn: Komm herüber nach Makedonien und hilf uns! Als er aber die Erscheinung gesehen hatte, da suchten wir sogleich nach Makedonien zu reisen, gewiss, dass uns Gott dahin berufen hatte, ihnen das Evangelium zu predigen.
von Ingo Mees
Wer ist das eigentlich, den der Herr zum „Licht der Völker" gemacht hat, mit dem Ziel, dass das Heil Gottes „reiche bis an die Enden der Erde"? Es ist der gleiche Gottesknecht (Jes 49:3.5.6), von dem bereits in Jes 42:1-7 und dann auch in Jes 52:13-53:12 die Rede ist. Wer diese prophetischen Worte des Jesaja liest, erkennt unschwer, dass vom Messias, unserem Herrn Jesus Christus, die Rede ist. ER ist es, der die Herrlichkeit und die Gemeinschaft seines Vaters verließ und Knechtsgestalt annahm (Phil 2:6-7) und als hilfloses Kind in einem Stall geboren wurde (Lk 2:7).
ER ist es, der von sich gesagt hat: „Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, wird nicht mehr in der Finsternis umherirren, sondern wird das Licht des Lebens haben." (Joh 8:12)
ER ist es, der angesichts all der ungerechtfertigten Anklagen durch die Vertreter des auserwählten Volkes Gottes und trotz aller Misshandlungen schwieg und sich wie ein Lamm zum Ort der Schlachtung führen ließ (Jes 53:7 / Joh 1:29).
ER ist es, der um unsertwillen einen grauenhaften Tod am Kreuz starb und das Gericht, das eigentlich jeden von uns hätte treffen müssen, auf sich nahm (Jes 53:5 / Phil 2:8).
Aber ER ist es auch, der aufgrund des Gehorsams seinem Vater gegenüber hoch erhoben wurde und einen Namen erhalten hat, der über jeden Namen ist (Phil 2:9).
ER ist es, der jetzt zur Rechten des Vaters sitzt und sich für seine Gemeinde verwendet, die er bis zu seiner Wiederkunft sammelt (Röm 8:34).
ER ist der Garant dafür, dass jede Verheißung Gottes ihre Erfüllung findet (2Kor 1:20).
Eine dieser Verheißungen ist, dass Jesus Christus nach seiner Wiederkunft in Macht und Herrlichkeit (Mt 24:30) nicht nur das Licht seiner Nachfolger, sondern das Licht aller Völker sein wird, mit dem großen Ziel, dass das Heil Gottes bis an die Enden der Erde reicht und schließlich allumfassend sein wird (1Kor 15:28). Was für eine großartige Perspektive!
Zur Erreichung dieses Zieles bedient sich Gott seiner Kinder, der Glieder der Leibesgemeinde Jesu (1Kor 12:27). Es ist kaum zu fassen, dass der große Schöpfergott dich und mich in die Erfüllung seines Heilsplans einbindet – was für eine Ehre! Schließlich sind wir als Kinder Gottes Botschafter und Gesandte an Christi statt (2Kor 5:18 / 2Kor 5:20) – jeder auf seine eigene von Gott geschenkte Art und Weise.
Für den Apostel Paulus war seine Botschafterfunktion eine Lebensaufgabe. Bei seiner Bekehrung und Berufung in den Dienst für den Herrn, den er einst verfolgte, sagte dieser über Paulus: „Dieser ist mir ein auserwähltes Werkzeug, meinen Namen zu tragen sowohl vor Nationen als auch vor Könige und Söhne Israels" (Apg 9:15). Und so verstand sich Paulus als ein Diener seines Herrn mit dem besonderen Auftrag, das Evangelium in die nicht-jüdische Völkerwelt hinauszutragen (Apg 13:45-47). Eine wichtige Etappe auf diesem Weg war die Überfahrt nach Europa. Eine nächtliche Erscheinung begriffen Paulus und seine Begleiter als den Ruf Gottes, nach Makedonien zu reisen und dort das Evangelium von Jesus Christus zu predigen (Apg 16:9-10). Paulus gehorchte diesem Ruf und brachte viel Frucht.
Der Herr hat die Seinen dazu berufen, Licht in einer dunklen und orientierungslosen Welt zu sein (Mt 5:14). Wenn wir bereit sind, diese Berufung zu leben, werden wir unserem Herrn – genau wie der Apostel Paulus – viel Frucht bringen (Joh 15:5) und unvergängliche Schätze im Himmel sammeln (Mt 6:20). Bist du bereit dazu?
Ich bin gnädig, spricht der HERR, und will nicht ewiglich zürnen. Allein erkenne deine Schuld, dass du wider den HERRN, deinen Gott, gesündigt hast.
Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben haben jenen, die an uns schuldig geworden sind.
von Eberhard Klein
Die heutige Losung aus dem Propheten Jeremia beginnt mit zwei gewaltigen Selbstaussagen Gottes: „Ich bin gnädig" und „Ich will nicht ewiglich zürnen". Gott ist gnädig. Das ist auch das jubelnde Zeugnis mehrerer Psalmworte: „Gott ist barmherzig und gnädig" (Ps 103:8 / Ps 111:4) und „Gott ist barmherzig, gnädig und gerecht" (Ps 112:4 / Ps 116:5).
Dieser wunderbare Dreiklang vom barmherzigen, gnädigen und gerechten Gott enthält im Horizont des Alten Testaments eine enorme „Sprengkraft". Wie kann ein barmherziger Gott gleichzeitig gerecht und gnädig sein? Das geht doch gar nicht! Unsere menschliche Bosheit und Verlogenheit, verbunden mit unserem gottlosen Stolz, unserer Selbstgerechtigkeit und Selbstgefälligkeit, unserer Undankbarkeit ist Gott ein Gräuel (Spr 21:4 / Jes 13:11 / 1Joh 2:16). Die Folge ist Gottes heiliger Zorn und sein gerechtes Gericht (Röm 1:18 / Röm 2:5). Wir haben unser Leben vor Gott verwirkt. Gottes Zorn und Gericht sind gerecht (Offb 16:7) und lassen keinen Raum für Gnade.
Und dann findet der barmherzige Gott diesen einen, einzigartigen Weg, dass er wahrhaftig gerecht sein kann und gleichzeitig doch gnädig. Er sendet seinen einzig geborenen Sohn auf diese Erde, lädt ihm die Schuld und Sünde der ganzen Welt und Schöpfung auf und bestraft und richtet diese Sünde — deine und meine Schuld — an seinem Sohn, Jesus Christus (Jes 53:2-6 / Joh 3:16 / 1Petr 2:24). Jesus Christus wurde für uns zur Sünde gemacht (2Kor 5:21) und ließ an sich, stellvertretend für uns, die Todesstrafe vollstrecken. Der große und heilige Zorn des ewigen Gottes über seine rebellische und verdorbene Schöpfung entlud sich auf Golgatha über seinem geliebten Sohn aus Liebe und Barmherzigkeit zu uns Menschen (Röm 5:8 / 1Jo 4:10).
Diese gewaltige Rettungs-, Erlösungs- und Versöhnungstat Gottes in seinem Sohn, Jesus Christus, ist der Grund, dass Jeremia Jahrhunderte vor Christi Geburt prophetisch, vorausschauend Gottes Worte bezeugen konnte: „Ich bin gnädig, spricht der Herr, und will nicht ewiglich zürnen." Gott will nicht ewiglich zürnen. Gottes Zorn geht zu Ende (Ps 103:9 / Jes 57:16).
Und jetzt sind wir beim zweiten Teil der Losung: „Allein erkenne deine Schuld, dass du wider den HERRN, deinen Gott, gesündigt hast." und bei Matthäus 6:12: „Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben haben jenen, die an uns schuldig geworden sind."
Jetzt wird es ganz persönlich. Jetzt sind wir gefragt, ich und du, ob wir in der Lage sind und ob wir bereit sind, unsere Schuld und Sünde vor dem ewigen, lebendigen und heiligen Gott zu erkennen (Ps 51:5). Dass eine solide Diagnose die Voraussetzung für eine gute und erfolgversprechende Therapie ist, werden wir in medizinischen Belangen zweifellos anerkennen. Und auch in der Autowerkstatt sind wir dankbar, wenn der richtige Fehler schnell gefunden wird und dann zielgerichtet und kostengünstig repariert wird. Und so ist es auch bei Gott. Er stellt uns Menschen die Diagnose – und die ist vernichtend, ob uns das schmeckt oder nicht. In Psalm 14:1-3 heißt es:
Der Tor spricht in seinem Herzen: »Es ist kein Gott!« Sie haben Verderben angerichtet, sie tun abscheuliche Taten; da ist keiner, der Gutes tut. 2 Der HERR hat vom Himmel herniedergeschaut auf die Menschenkinder, um zu sehen, ob ein Verständiger da ist, einer, der Gott sucht! 3 Alle sind abgewichen, sie sind alle verdorben; da ist keiner, der Gutes tut, auch nicht einer. (Vgl. Ps 53:1-4 / Röm 3:9-12)
Wer das erkennen und bejahen kann, der kann dann von Herzen mit den Worten Jesu beten: „Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben haben jenen, die an uns schuldig geworden sind.“
Gottes gnädige Therapie für seine Menschen, für mich und für dich, ist seine Vergebung in Jesus Christus, so wie der Apostel Johannes schreibt:
Wenn wir sagen, dass wir keine Sünde haben, betrügen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns. Wenn wir unsere Sünden bekennen, ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von jeder Ungerechtigkeit. (1Jo 1:8-9)
Halleluja! Amen!
HERR, du bist Gott, und deine Worte sind Wahrheit.
Wenn ihr bleiben werdet an meinem Wort, so seid ihr wahrhaftig meine Jünger und werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen.
Von Christoph Buch
„Was ist Wahrheit?" Diese Frage stellte bereits Pilatus, als er Jesus vor der Kreuzigung verhörte (Joh 18:38).
Diese Frage ist auch heute noch aktuell. Laut Wikipedia ist Wahrheit „die Übereinstimmung von Aussagen oder Urteilen mit einem Sachverhalt, einer Tatsache oder der Wirklichkeit im Sinne einer korrekten Wiedergabe".
Allerdings wird in den letzten Jahren sehr oft von einer „gefühlten" oder einer „relativen" Wahrheit gesprochen. Die Frage ist, ob diese Auffassung von Wahrheit wirklich Bestand hat. Bei komplexen Berechnungen, beispielsweise der Statik für ein Bauwerk, müssen mathematische und physikalische Grundregeln beachtet werden. Dass 1+1 = 2 ergibt, wird wohl keiner infrage stellen. Wenn der Statiker hier aber von einer gefühlten oder relativen Wahrheit ausgehen würde und mit 1+1=3 oder 2x5=14 rechnen würde, möchte ich sein Bauwerk nicht betreten, weil Einsturzgefahr droht. Wahrheiten dürfen nicht mit Meinungen verwechselt werden. Wenn Meinungen als Wahrheiten verkauft werden, besteht Einsturzgefahr.
Leider stürzen viele Lebensgebäude ein, weil sie nicht auf der Wahrheit gegründet sind (Mt 7:24-27). Trotz Warnungen oder schlechtem Gewissen wird dann der eigene Wille oder die eigene Meinung umgesetzt. Deshalb ist es gut, immer mal wieder innezuhalten und zu prüfen, ob die vermeintlichen Wahrheiten meines Lebens Bestand haben (2Kor 13:5).
Das hat auch der König David getan, als er betete: „Herr, du bist Gott, und deine Worte sind Wahrheit". Er glaubte dem lebendigen Gott und seinem Wort. Er stellte Gottes Wort nicht infrage und verließ sich darauf. Im Licht der Wahrheit erkannte er seine Schuld nach dem Ehebruch mit Batseba und dem Mord an ihrem Mann Uria (2Sam 11), erfuhr Vergebung (Ps 51 / 2Sam 12:13) und durfte König bleiben. Weil David den lebendigen Gott in seinem Leben wirken ließ und SEINEM Wort vertraute, stürzte sein Lebenshaus nicht ein.
In Johannes 14:6 sagt Jesus:
„Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich."
Das ist ein hoher Anspruch! Jesus ist DER Weg, nicht nur ein Weg, Er ist DIE Wahrheit und nicht nur eine Wahrheit, und Er ist DAS Leben und nicht nur ein Leben.
Damit ist auch die Frage von Pilatus beantwortet: „Was ist Wahrheit?" (Joh 18:38) Zutiefst ist die Wahrheit keine Sache, sondern eine Person! Jesus Christus selbst ist die Wahrheit, und deshalb ist auch sein Wort Wahrheit (Joh 17:17). Auf sein Wort können wir uns verlassen – immer!
Heutzutage werden uns viele Wahrheiten angeboten. Aber woher soll ich wissen, welche Wahrheit wirklich Wahrheit ist und nicht enttäuscht? In einem Lied heißt es:
„Heute will dich Jesus fragen: "Bist du ganz für mich bereit?" Du verlierst dich sonst im Jagen nach den Gütern dieser Zeit. Wag es mit Jesus, was deine Not auch sei! Wag es mit Jesus, er macht dich frei!“ (Quelle: https://lyricstranslate.com/de/die-mundorgel-heute-will-dich-jesus-fra-lyrics)
Wir dürfen es mit Jesus wagen. Er selbst lädt uns dazu ein:
„Kommt her zu mir, alle ihr Mühseligen und Beladenen! Und ich werde euch Ruhe geben.“ (Mt 11:28)
Wir dürfen immer und jederzeit zu ihm kommen. Im Gebet dürfen wir mit ihm reden (Phil 4:6), und er redet durch sein Wort und seinen Heiligen Geist mit uns (Joh 16:13 / 2Tim 3:16), manchmal auch durch andere Menschen oder durch Lebensumstände (Röm 8:28).
Wenn wir uns auf Jesus Christus und sein Wort verlassen, werden wir der Wahrheit begegnen und das erfahren, was er uns in seinem Wort zusagt: „Wenn ihr bleiben werdet an meinem Wort, so seid ihr wahrhaftig meine Jünger und werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen" (Joh 8:31-32). Lasst uns in dieser Freiheit Jesu leben!
Gott der HERR machte den Menschen aus Staub von der Erde und blies ihm den Odem des Lebens in seine Nase. Und so ward der Mensch ein lebendiges Wesen.
Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir; sofern ich jetzt noch im Fleisch lebe, lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt und sich für mich hingegeben hat.
Der Schöpfungsbericht und die Erschaffung des Menschen geben uns fundamental wichtige Anhaltspunkte für unser gesamtes Menschsein (1Mo 1:26-27). Wer den Ursprung seiner Existenz nicht kennt, dem fehlt die Orientierung für sein Leben — er weiß nicht, woher er kommt und wohin er geht. Ohne das Wissen um den Schöpfer erscheint das Leben als zufällige Abfolge von Geburt, Existenz und Tod. Was davor und danach kommt, bleibt dann ein Bereich endloser Theorien und Spekulationen. Mir ist durchaus bewusst, dass Atheisten oder Andersgläubige auch die biblische Darstellung als eine von vielen Spekulationen sehen. Doch es gibt starke Gründe dafür, dass die Bibel mit ihren 66 Büchern das Wort des allmächtigen Schöpfers ist (siehe mehr dazu: Realität und Einmaligkeit der Bibel).
Der Schöpfungsbericht zeigt uns, dass wir Menschen im Bilde Gottes geschaffen wurden (1Mo 1:27). Deshalb haben wir die Bestimmung, Gott in seinem Wesen widerzuspiegeln. Die gesamte Bibel offenbart, dass Gott die Liebe in Person ist — gerecht, voller Gnade, Güte und Barmherzigkeit (1Jo 4:8 / 2Mo 34:6). Daraus folgt: Wir sind als sein Ebenbild dazu bestimmt, Wesen der göttlichen Liebe zu werden.
Gott wusste von Anfang an, dass wir in einem Körper aus Fleisch und Blut das Endziel niemals erreichen würden. Doch in seiner Weisheit sah er, dass unser Weg auf dieser Erde — der durch Schwachheit und Sterben führt — eine wichtige Grundlage für die zukünftige Herrlichkeit im Reich Gottes bildet (Röm 8:18). Hier durchlaufen wir wertvolle Lernprozesse, in denen wir zu demütigen und barmherzigen Ebenbildern Gottes heranwachsen. Letztendlich gelangen wir jedoch nur durch eine Neuzeugung von Gott zur Gotteskindschaft und damit zum Ziel (Joh 3:3 / 1Petr 1:3).
In der Schöpfungsgeschichte lesen wir vom kreativen und gestaltenden Geist Gottes (hebr. ruach elohim), der alles ins Dasein rief (1Mo 1:2). Bei der Erschaffung des Menschen nahm Gott Staub aus dem Erdboden (hebr. adamah) und formte den Menschen (1Mo 2:7). Bildlich gesprochen könnte man sagen, dass Gott den Menschen bis in seine innerste Struktur hinein gestaltete — möglicherweise an dieser Stelle sogar die DNA des Menschen schrieb. Anschließend hauchte er ihm seinen Odem oder Hauch ein. Hier verwendet die Bibel das hebräische Wort Neschamah. Das deutet auf eine persönliche Lebensverbindung zwischen Gott und dem Menschen hin.
Durch den Hauch Gottes wurde der Mensch zu einer lebendigen Seele (1Mo 2:7). Was beim ersten Menschen durch den Odem Gottes begann, vollendet sich in Christus — durch den Heiligen Geist. Paulus nennt diesen Menschen den ersten Adam, während er Christus als den „letztem Adam" bezeichnet (1Kor 15:45). Christus, der letzte Adam — und somit der wahre Menschensohn — ist ein lebendigmachender Geist! Dies deutete Jesus bereits nach seiner Auferstehung an, als er seine Jünger anhauchte und sagte:
"Empfangt den Heiligen Geist!" (Joh 20:22)
An Pfingsten kam der Heilige Geist bleibend in sie (Apg 2:1-4). Dadurch nahm auch Jesus bleibend Wohnung in ihnen. Durch den Heiligen Geist und den Glauben wohnt Jesus Christus auch in uns — und so dürfen wir neugeborene Kinder Gottes sein (Joh 1:12 / Gal 4:6).
Was meint Paulus, wenn er schreibt: "Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir!" (Gal 2:20)? Er meint, dass sein alter, sündiger Mensch mit Christus am Kreuz gestorben ist (Röm 6:6). Nun führt er durch den Heiligen Geist ein neues Leben — nicht mehr bestimmt von seinem eigenen egoistischen Willen, sondern von Christus selbst. Das bedeutet nicht, dass Paulus als Person aufhört zu existieren. Vielmehr ist sein Leben nun völlig von der Gegenwart und dem Wirken Christi in ihm geprägt. Christus ist nicht nur ein Vorbild oder eine äußere Autorität. Er ist die innere Kraftquelle und der eigentliche Lebensinhalt von uns Gläubigen (Kol 3:4).
So führt uns Christus nicht nur in ein neues Leben, sondern auch in unsere wahre Identität als geliebte Kinder Gottes (1Jo 3:1). Das ist ein Geschenk seiner wunderbaren Gnade!
Weh denen, die Unheil planen, weil sie die Macht haben!
Jesus rief die Jünger zu sich und sprach: Ihr wisst, dass die Herrscher ihre Völker niederhalten und die Mächtigen ihnen Gewalt antun. So soll es nicht sein unter euch.
Wer den Allmächtigen auf seiner Seite weiß, braucht keine eigene Macht. Dennoch wünschen sich viele Menschen mehr Einfluss über andere. Macht scheint das ideale Mittel zu sein, um eigene Interessen durchzusetzen, andere zu kontrollieren und gefürchtet oder geehrt zu werden. Manche streben sogar nach Macht, um vermeintlich Frieden zu schaffen. Doch irdische Macht geht immer mit der Schwächung anderer einher. Der Machthungrige muss Gegner diskreditieren, lächerlich machen oder sogar mit Gewalt ausschalten. Dieses Prinzip ist für das Reich Gottes, das von Liebe geprägt ist, völlig untauglich (1Kor 13:4-7).
„Macht haben" ist an sich keine Sünde – Machtmissbrauch hingegen schon. Es gibt einzelne Menschen, die in Machtpositionen gelangen, ohne sie gesucht zu haben, und die ihre Macht nicht missbrauchen, weil sie nicht ihren eigenen Vorteil oder ihre Ehre suchen (Phil 2:3-4). Wer Macht auf diese Weise ausübt und zugleich das Wohl anderer im Blick hat, gehört zu den wenigen, die mächtig sind, ohne zu sündigen.
Doch in der Macht schlummert eine große Versuchung – und je größer die Macht, desto größer die Versuchung (1Tim 6:9-10). Manche Mächtige meinen genau zu wissen, was gut für uns Menschen ist. Deshalb versuchen sie mit allen Mitteln, ihre Macht zu vergrößern, um anderen das vermeintlich Gute aufzuzwingen. Doch was, wenn das, was gut erscheint, in Wahrheit gar nicht gut ist? Macht neigt zu Gewalt. Und Gewalt schafft keinen Frieden, sondern Hass und Gegengewalt (Mt 26:52).
Die Mächtigen zur Zeit des Propheten Micha – der ein Zeitgenosse Jesajas war – konnten ihren Wohlstand leicht vermehren, indem sie die Schwachen ausraubten (Mi 2:1-2). Oft geschah dies mit perfiden Mitteln, die nach außen fast legal wirkten. So lockte man Kleinbauern in Schuldenfallen, aus denen sie sich nicht mehr befreien konnten. Dadurch konnte man ihre Häuser und ihr Land an sich reißen. Viele Privilegierte verfügten über erhebliche Macht und nutzten sie gezielt, um sich zu bereichern und andere ins Elend zu stürzen.
Doch der Allmächtige sieht diese Dinge und wird die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen (Spr 15:3). Wehe denen, die nicht von solchen Machenschaften umkehren und ihr Verhalten ändern. Sie werden ein schweres Gericht tragen müssen (Mi 2:3).
Die Jünger Jesu gehörten größtenteils zu denen, die kaum Macht hatten. Dennoch geht aus den Evangelien hervor, dass auch sie sich Einfluss und Bedeutung wünschten. Mehrfach kam es zu Auseinandersetzungen darüber, wer der Größte unter ihnen sei (Mk 9:34). Auch sie ließen sich anfangs von den Mächtigen beeindrucken und sehnten sich nach ähnlicher Macht. Als Jesus ihnen Vollmacht über die Dämonen gab, freuten sie sich sehr. Doch Jesus machte ihnen unmissverständlich klar (Lk 10:20):
"Freut euch nicht, dass euch die Geister untertan sind; freut euch vielmehr, dass eure Namen in den Himmeln angeschrieben sind."
Nicht die Macht ist entscheidend, sondern die Tatsache, dass der Allmächtige für dich ist und an deiner Seite steht (Röm 8:31). Selbst die Mutter von Johannes und Jakobus wünschte sich, dass ihre Söhne im Reich Jesu einmal zur Rechten und zur Linken Jesu sitzen (Mt 20:20-21). Vermutlich, damit sie allen voller Stolz sagen könnte: „Die beiden Männer zur Rechten und Linken Jesu – das sind meine Söhne!"
Jesus, der König des Friedens, setzte völlig neue Maßstäbe, die bis dahin unbekannt waren und die niemand anstrebte (Mt 20:25-28):
"Unter euch wird es nicht so sein; sondern wenn jemand unter euch groß werden will, wird er euer Diener sein, und wenn jemand unter euch der Erste sein will, wird er euer Sklave sein; gleichwie der Sohn des Menschen nicht gekommen ist, um bedient zu werden, sondern um zu dienen und sein Leben zu geben als Lösegeld für viele."
Wer beim Allmächtigen groß sein will, erniedrige sich selbst und werde ein Diener für andere (Phil 2:5-8). Ein solches Verhalten zeigt Vertrauen in Gott und ist von Liebe und Wertschätzung geprägt. Genau diese Eigenschaften zählen im Reich Gottes. Wer sich in den Dienst stellt, wird erfahren, dass Gott selbst stärkt, schützt und erhöht (1Petr 5:6-7).
Der HERR ist ein Schild allen, die ihm vertrauen.
Wo keine Hoffnung war, hat Abraham auf Hoffnung hin geglaubt, auf dass er der Vater vieler Völker werde.
Die Schutzschilder zur Zeit Davids sahen anders aus als das klassische römische Langschild, das rechteckig und leicht gewölbt war. Die Römer konnten mit ihrem Langschild Kopf und Oberkörper praktisch vollständig schützen. Wenn sie in Reih und Glied vorwärtsschritten, bildeten sie nach vorne eine geschlossene Schutzmauer, während die hinteren Reihen ihre Schilder nach oben hielten, um auch von oben geschützt zu sein. Diese Formation nannte man „Testudo" – eine Schildkrötenformation.
Für Paulus war dieses Langschild eine Metapher für den Glauben – das Vertrauen auf Gott. In Epheser 6:16 schreibt er:
"Bei alledem ergreift den Schild des Glaubens, mit dem ihr alle feurigen Pfeile des Bösen auslöschen könnt!"
Die feurigen Pfeile des Bösen zeigen sich in verschiedenen Formen:
als Zweifel an Gottes Güte und Treue
als Angst vor der Zukunft
als Versuchung, auf eigene Kraft statt auf Gott zu vertrauen
David beschreibt den HERRN selbst als Schild. Das hebräische Wort „magen" bezeichnet nicht nur ein Schutzschild, sondern eine umfassende Rüstung, die den ganzen Menschen schützt. Gott ist nicht nur ein Teil unserer Verteidigung – Er ist unsere vollständige Sicherheit. Wenn wir Ihm vertrauen, umgibt Er uns wie ein Schild und wehrt alle Angriffe des Feindes ab (Spr 30:5).
Gott schützt alles: Geist, Seele und Leib – besonders auch unser Herz (1Thes 5:23). Das bedeutet nicht, dass unser Leib und unsere Psyche vor Schmerzen verschont bleiben. Aber es bedeutet, dass unser innerster Kern – unsere Identität als Gottes geliebte Kinder – unantastbar bleibt (Röm 8:38-39). Selbst in den schwersten Prüfungen bewahrt Er unseren Glauben und unsere Hoffnung.
Es mag so aussehen, als wäre ein Märtyrer leiblich nicht von Gott geschützt worden. Doch auch wenn Märtyrer leiblich scheinbar nicht verschont blieben, hat Gott sie im tiefsten Sinne bewahrt. Ihren Glauben, ihre Würde und ihre Zugehörigkeit zu Ihm konnte niemand antasten (Röm 8:35-37). Bei der Totenauferstehung werden sie einen vollkommenen und unverweslichen Leib erhalten (1Kor 15:42-44).
Gottes Schutz zeigt sich auf vielfältige Weise: durch unsichtbare Engelheere (Ps 34:8 / 2Kön 6:17), durch Verwirrung feindlicher Mächte (1Sam 14:15-20), durch Bewahrung vor falschen Entscheidungen und durch die Kraft des Heiligen Geistes, der uns in der Wahrheit leitet (Joh 16:13). Oft erkennen wir Seinen Schutz erst im Rückblick – wenn wir sehen, wie Er uns durch gefährliche Situationen hindurchgetragen hat (Ps 23:4).
Dieser Schutz dient nicht nur der Abwehr des Bösen, sondern stärkt auch unser Vertrauen in Situationen, die menschlich völlig aussichtslos erscheinen – wie im Fall Abrahams und Sarahs (Röm 4:18-21).
Als fast Hundert- bzw. Neunzigjährige konnten sie keine natürliche Hoffnung mehr haben, einen gemeinsamen Sohn zu bekommen (1Mo 18:11). Ihre Herzen hätten in Apathie und Bitterkeit versinken können. Doch der HERR gab ihnen eine Verheißung (1Mo 17:19). Dadurch versanken sie nicht in Hoffnungslosigkeit, sondern vertrauten darauf, dass Gott das menschlich Unmögliche tun kann (Röm 4:18).
Wer an die Verheißungen Gottes glaubt, hat mehr als eine vage Hoffnung – er hat eine feste Erwartung (Hebr 11:1). Eine Erwartung, die sich zu Gottes Zeit erfüllen und alle Vorstellungen übertreffen wird (Eph 3:20)! Dem HERRN sei alle Ehre und Anbetung!
Herr, lehre uns, dir zu vertrauen, auch wenn wir keinen Ausweg sehen. Sei unser Schild, unsere Hoffnung und unsere Stärke. Amen.
Die Wege des HERRN sind lauter Güte und Treue für alle, die seinen Bund und seine Zeugnisse halten.
Jesus spricht: Selig seid ihr, wenn euch die Menschen um meinetwillen schmähen und verfolgen und allerlei Böses gegen euch reden und dabei lügen. Seid fröhlich und jubelt; es wird euch im Himmel reichlich belohnt werden.
Im heutigen Losungsvers preist David die Wege des HERRN, die von lauter Güte und Treue geprägt sind – für alle, die seinen Bund und seine Zeugnisse beachten. Doch was meint die Bibel mit Gottes Wegen? Sie beschreibt damit Gottes Führung und sein Handeln an seinem Volk und der gesamten Schöpfung. Letztlich gehört unser gesamter Lebenslauf mit all seinen Lebensumständen zum Weg Gottes mit uns.
In Psalm 25 preist David die Güte Gottes. Er bezeugt, dass der HERR die Sanftmütigen im Recht leitet (Ps 25:9). In Vers 3 schreibt er, dass alle, die auf den HERRN harren – das heißt, geduldig auf seine Hilfe warten – nicht beschämt werden (Ps 25:3).
Wie gelangt David zu dieser Gewissheit, obwohl er gleichzeitig sagt, dass er einsam und elend ist (Ps 25:16)? Von Feinden gehasst, befindet sich David in großer Not – und trotzdem bezeugt er:
"Meine Augen sind stets auf den HERRN gerichtet; denn er, er wird meine Füße aus dem Netz herausziehen." (Ps 25:15)
Wie kann David trotz dieser Bedrängnisse sagen: „Die Wege des HERRN sind lauter Güte und Treue"? Und wie kann Jesus diejenigen glückselig preisen, die nur wegen ihres Glaubens an ihn geschmäht und verfolgt werden (Mt 5:11)? Jesus geht sogar noch weiter: „Seid fröhlich und jubelt!" (Mt 5:12) Welcher Mensch kann jubeln und sich freuen, wenn er von Feinden bedrängt wird? Ist diese von Jesus geforderte Fröhlichkeit nicht eine Zumutung?
Jesus begründet seine Aufforderung zur Fröhlichkeit mit dem Hinweis auf die große Belohnung Gottes im Himmel (Mt 5:12). Jesus fordert keine oberflächliche oder emotionale Fröhlichkeit, sondern eine Freude, die aus der Perspektive der Ewigkeit entsteht. Weil Jesus vom Himmel kommt – und sich dort „auskennt" – weiß er, wie unbeschreiblich herrlich diese Belohnung sein wird. Sie steht in keinem Vergleich zu dem Leid, das wir hier auf Erden erdulden. Paulus, der selbst vermutlich in den dritten Himmel entrückt wurde (2Kor 12:2), kann voller Überzeugung sagen:
"Denn ich denke, dass die Leiden der jetzigen Zeit nicht ins Gewicht fallen gegenüber der zukünftigen Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll." (Röm 8:18)
Jesus selbst wusste, wie groß die Herrlichkeit sein würde, die ihn beim Vater erwartet (Hebr 12:2). Deshalb konnte er freiwillig und aus Liebe zu uns den qualvollen Tod am Kreuz erdulden, ohne ihm auszuweichen.
Diese Zusagen sind nicht nur biblische Wahrheiten, sondern sprechen auch direkt in meine aktuelle Situation hinein. Zurzeit geht es mir nicht gerade gut. Innerlich bin ich wegen bevorstehender Dienste angefochten, und körperlich plagt mich ein Stechen, das sich zeitweise wie ein „Stachel im Fleisch" anfühlt (2Kor 12:7). Ehrlich gesagt verursacht dieser Zustand bei mir weder Jubel noch Fröhlichkeit – sondern eher Klagen und Jammern.
Trotzdem schenkt mir der HERR eine große Gewissheit, dass er aus allem Leid eine unvorstellbare Herrlichkeit entstehen lässt (Röm 8:28). Das ist nicht nur eine vage Hoffnung, sondern eine feste Erwartung. Sie gründet sich auf die untrügliche Zusage des treuen und allmächtigen Gottes – und darum freue ich mich jetzt schon auf dieses künftige Beschenktwerden vom himmlischen Vater! Die Verheißung Gottes lässt mich mit fester Zuversicht nach vorn blicken. Denn Gottes Treue garantiert mir eine Herrlichkeit, die jedes Leid überstrahlt. Und das lässt mich schon heute danken.
Der HERR sah ihre Not an, als er ihre Klage hörte, und gedachte um ihretwillen an seinen Bund.
Und sie steinigten Stephanus; der rief den Herrn an und sprach: Herr Jesus, nimm meinen Geist auf!
Die Ursachen für die Not in Psalm 106 und Apostelgeschichte 7 sind grundverschieden. Das Volk Israel geriet durch Götzendienst und Blutvergießen in Bedrängnis (Ps 106:34-39). Stephanus hingegen wurde gesteinigt, weil er den Zuhörern Unbußfertigkeit vorwarf. Doch damit nicht genug: Er beschuldigte sie der gleichen Sünde wie ihre Väter, die die Propheten Gottes verfolgt hatten (Apg 7:51-52). Das verärgerte die Anwesenden so sehr, dass sie ihn sofort steinigten. Dadurch bestätigten sie selbst, dass auch sie zu den Prophetenmördern gehören.
Obwohl die Not in Psalm 106 mit der zuvor begangenen Sünde zusammenhängt, rettet Gott sein Volk trotzdem. In Vers 46 lesen wir:
"Er ließ sie Erbarmen finden bei allen, die sie gefangen weggeführt hatten."
Der Psalmist blickt zurück und beschreibt, wie Gott das Schreien seines Volkes hörte (Ps 106:44). Einige taten damals vermutlich Buße und änderten ihre Gesinnung – aber längst nicht alle. Trotzdem rettete der HERR sein Volk immer wieder, weil er an seinen Bund mit Abraham dachte (Ps 106:45).
Nicht jeder Hilfeschrei und jede Rettung führt automatisch zu einer Umkehr, wie es eigentlich wünschenswert wäre. Was uns Christen vielleicht zu wenig bewusst ist: Gott hilft den Menschen aufgrund seiner Barmherzigkeit oft auch ohne Buße (Röm 2:4).
Während der Wüstenwanderung gab es mehrfach Situationen, in denen das Volk bei Mose murrte und um Hilfe bat – worauf eine Rettung aus der Not folgte (2Mo 16:2-3). Doch diese Art „erzwungener Hilfe" stärkte ihren Glauben nicht. Sie lernten: Jammern funktioniert. Sie gewöhnten sich ein Lebensprinzip an, das zwar in gewissem Sinne „half", aber gleichzeitig verhinderte, dass sie ihr Ziel erreichten. Die murrende, ungläubige Generation kam nicht ins verheißene Land (4Mo 14:22-23 / Hebr 3:19).
Das heißt: Wenn Gott uns in seiner Barmherzigkeit hilft, ohne dass wir unsere egoistische Gesinnung geändert haben, bedeutet das nicht, dass Buße und Umkehr unnötig wären. Ohne ein Umdenken – oder ein Mitdenken mit den Gedanken Gottes – erreichen wir das göttliche Ziel nicht (Lk 13:3)!
Stephanus dagegen erreichte sein Lebensziel gerade dadurch, dass er Gott vertraute, obwohl ihm kein äußerlicher Ausweg gewährt wurde. Er wurde zum ersten christlichen Märtyrer – zu einem, der die Wahrheit trotz Todesgefahr bezeugte (Apg 7:59-60). Im Laufe seines Lebens lernte Stephanus immer mehr, auf Gott zu vertrauen, während die Herausforderungen und Glaubensprüfungen immer anspruchsvoller wurden.
Doch Gott schenkte ihm Gnade, sodass er selbst in Todesgefahr treu die Wahrheit bezeugen konnte. Das führte dazu, dass Gott ihm sogar vor der Steinigung einen Blick in den geöffneten Himmel schenkte, wo er den Sohn des Menschen zur Rechten Gottes stehen sah (Apg 7:55-56)! Auch das war Gottes Erbarmen. Dabei wurde Stephanus so sehr von der göttlichen Liebe erfüllt, dass er sogar während der Steinigung mit lauter Stimme rufen konnte:
"Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht zu!" (Apg 7:60)
Stephanus erlebte am Ende seines Lebens keine physische Rettung, sondern eine geistliche! So erreichte er sein endgültiges Ziel: die himmlische Heimat – das wahre verheißene Land (Hebr 11:16 / Phil 3:20)!
Fülle uns frühe mit deiner Gnade, so wollen wir rühmen und fröhlich sein unser Leben lang.
Das Ziel der Unterweisung ist Liebe aus reinem Herzen und aus gutem Gewissen und aus ungeheucheltem Glauben.
Psalm 90 ist vermutlich der älteste der 150 Psalmen und der einzige von Mose. Er war der erste große Führer Israels und der Vermittler des Gesetzes, das Paulus als geistlich, heilig, gerecht und gut bezeichnet (Röm 7:12 / Röm 7:14). Das Gesetz war und ist eine wichtige Grundlage für das Volk, das eine gut funktionierende Ordnung braucht. Kein Staat auf dieser Welt kommt ohne Gesetzgebung aus.
Das Gesetz vom Sinai gibt uns durch die beiden wichtigsten Gebote das Ziel vor: „Liebe Gott und deinen Nächsten wie dich selbst" (Mt 22:37-39 / 5Mo 6:5 / 3Mo 19:18). Der hebräische Begriff „torah", meist mit „Weisung" übersetzt, könnte wörtlich auch mit „Zielgebung" wiedergegeben werden.
In Psalm 90 beschreibt Mose den Kontrast zwischen menschlicher Vergänglichkeit und göttlicher Beständigkeit (Ps 90:1-6). Ihm war klar, dass wir Menschen vollständig auf die Gnade und Güte Gottes angewiesen sind (hebr. chesed). Denn das Gesetz lehrt uns vor allem eines: Wir können es aus eigener Kraft niemals einhalten (Röm 3:20 / Gal 2:16). Ohne die Gnade Gottes ist das göttliche Ziel für uns unerreichbar! Das Gesetz gibt uns zwar das Ziel vor, aber es ist nicht das Mittel, das uns dorthin bringt. Das vermag allein die Gnade Gottes – und die ist uns in Jesus Christus erschienen (Tit 2:11). Sie führt und trägt uns zum Ziel.
Der heutige Losungsvers kann auch wie folgt übersetzt werden:
„Sättige uns am Morgen mit deiner Güte, so werden wir jubeln und uns freuen in allen unseren Tagen."
Es ist ermutigend und motivierend, den Tag mit der Gnade Gottes zu beginnen. Jeden Morgen ist es ein Geschenk, aufzustehen und uns mit Brot zu stärken (Klgl 3:22-23). Vor allem brauchen wir Gottes Gnade, um am Morgen vor Gott still zu werden, sein Wort zu lesen und zu beten – damit wir auf ihn fokussiert sein können (Ps 5:4 / Ps 63:2). So können wir unseren Alltag gelassener und segensreicher durchlaufen.
Der Psalmvers ist aber auch ein Bild dafür, dass wir unseren Lebensweg nur dann mit Freude gehen können, wenn wir zu Beginn unseres Glaubenslebens mit Gottes Gnade gesättigt wurden und wissen: „Allein die Gnade Gottes bringt mich ans Ziel" (Eph 2:8-9).
Der Lehrtext zeigt uns, was das Ziel der Unterweisung ist. Es geht ausschließlich um geistliche Eigenschaften und eine Herzenshaltung. Entscheidend sind nicht äußere Handlungen oder religiöse Rituale, sondern eine geistgeprägte Herzenseinstellung mit drei Aspekten:
Liebe aus reinem Herzen. Das bedeutet Liebe ohne berechnende Hintergedanken – also nicht: „Ich bin nur deshalb freundlich und hilfsbereit, weil ich mir einen Vorteil erhoffe" (1Petr 1:22 / 1Kor 13:5).
Gutes Gewissen. Ein schlechtes Gewissen offenbart meist ein unlauteres Motiv. Es zeigt, dass etwas nicht stimmt (Apg 24:16 / 1Tim 1:19). Es kann ein Hinweis darauf sein, dass unser Reden oder Handeln nicht aus Liebe und Wertschätzung geschieht.
Ungeheuchelter Glaube. Wer nur vorgibt, auf Gott zu vertrauen, aber letztendlich mehr auf sich selbst vertraut, hat noch keinen echten Glauben (2Tim 1:5 / Jak 3:17). Ungeheuchelter Glaube ist ein von Herzen kommendes Vertrauen auf Gott allein!
Lasst uns dieses von Gott gegebene Ziel im Auge behalten und ihm nachjagen – im Wissen, dass wir es nur durch die Gnade Gottes erreichen werden (Phil 3:12-14 / 1Kor 15:10).
Wie ein Adler ausführt seine Jungen und über ihnen schwebt, so breitete der HERR seine Fittiche aus und nahm sein Volk und trug es auf seinen Flügeln.
Jesus spricht: Mein Vater, der sie mir anvertraut hat, ist mächtiger als alle. Niemand kann sie aus seiner Hand reißen.
1991 wurde die Operation Solomon durchgeführt, bei der über 14.000 äthiopische Juden von Addis Abeba nach Israel geflogen wurden. Die Rettungsaktion erfolgte durch El Al und die israelischen Streitkräfte (IDF). Für viele Juden waren diese großen Flugzeuge fremd und furchteinflößend. Verständlicherweise fürchteten sich einige vor dem Einstieg in diese großen Maschinen.
Eine oft erzählte Anekdote berichtet, wie ein Rabbiner den Auswanderern erklärte, sie könnten ohne Furcht in die Flugzeuge steigen, denn Gott habe sein Volk „auf Adlerflügeln" getragen (2Mo 19:4 / Jes 40:31). Daraufhin stiegen die jüdischen Heimkehrer in die Flugzeuge ein. Diese Geschichte veranschaulicht den neuzeitlichen Exodus und erfüllt zugleich die biblische Verheißung aus Jesaja 43:5-6, wonach Gott sein Volk aus dem Süden nach Hause holt:
"Fürchte dich nicht, denn ich bin mit dir! Vom Sonnenaufgang her werde ich deine Nachkommen bringen, und vom Sonnenuntergang her werde ich dich sammeln. Ich werde zum Norden sagen: Gib her!, und zum Süden: Halte nicht zurück! Bring meine Söhne von fern her und meine Töchter vom Ende der Erde."
Wenn Adlereltern ihren Jungen das Fliegen beibringen, gehen sie so vor: Zuerst drängen sie ihre Jungen aus der Komfortzone, indem sie das Nest unbequem machen und das Futter entziehen. So motivieren sie die Jungen zum Verlassen des Nests. Während der ersten Flugversuche bleiben die Elterntiere in der Nähe, fliegen mit und überwachen die Flugversuche ihrer Jungen.
Die Bibel verwendet dieses Bild, um Gottes Fürsorge und Schutz zu veranschaulichen. Beim ersten Exodus machte Gott für Israel „ihr Nest" unbequem, indem sie in Ägypten als Sklaven dienen mussten. Beim Auszug aus Ägypten waren sie wie ein junger Adler, der noch nicht fliegen gelernt hat – sie hatten keine Erfahrung als selbstständiges Volk. Doch der HERR stand ihnen bei, versorgte und beschützte sie, sodass sie 40 Jahre später das verheißene Land einnehmen konnten (2Mo 19:4).
Was damals für Israel galt, gilt im geistlichen Sinn auch für uns. So wie der Adler seine Jungen versorgt und beschützt, trägt Gott auch uns durch alle Schwierigkeiten und Herausforderungen des Lebens (Ps 91:4). Wir dürfen darauf vertrauen, dass wir in seiner Hand sicher geborgen sind – und niemand kann uns aus dieser Geborgenheit reißen.
Dieses Bild der göttlichen Geborgenheit findet sich auch im Neuen Testament. In Johannes 10 erklärte Jesus, dass er der gute Hirte ist, der sein Leben für seine Schafe lässt (Joh 10:11). Dabei machte er deutlich, dass seine Schafe in der Hand seines Vaters geborgen sind (Joh 10:29).
Wer vom himmlischen Vater gehalten wird, ist um ein Vielfaches besser geschützt als der amerikanische Präsident mit dem bestorganisierten Sicherheitsdienst der Welt. Warum? Weil der Vater größer ist als alle! Würde man sämtliche Mächte des Universums gegen den Vater aufbieten – er könnte sie alle mit seinem „kleinen Finger" beseitigen (Jes 40:12-17).
Darum dürfen wir mutig unseren Weg gehen, im Vertrauen darauf, dass Gottes Hand uns niemals loslässt (Jes 41:10 / Hebr 13:5). Oder wie Hudson Taylor es so treffend formulierte:
"Der, der für uns ist, ist größer als alle, die gegen uns sein könnten." (Röm 8:31)
HERR, ich freue mich über deine Hilfe.
Gott sei Dank, der uns den Sieg gibt durch unsern Herrn Jesus Christus!
Die Situation im Hause Elkanas war äußerst schwierig: Er hatte zwei Frauen. Die eine wurde mehr geliebt, die andere hatte Kinder (1Sam 1:1-8). Es überrascht nicht, dass Konkurrenzdenken, Neid und Eifersucht entstanden. Peninna ließ keine Gelegenheit aus, Hanna mit üblen Worten zu kränken und zu demütigen (1Sam 1:6-7). Welche Worte sie genau gebrauchte, steht nicht in der Bibel, aber es braucht nicht viel Fantasie, um sich dieses Mobbing lebhaft vorzustellen. Vielleicht sagte Peninna zu Hanna:
„Ich weiß nicht, was unser Mann an dir so besonders findet. Du bist eine völlig unbrauchbare Frau, die nicht einmal in der Lage ist, ihrem Mann Kinder zu gebären! Bestimmt bestraft dich der Gott Israels mit Kinderlosigkeit, weil du im Verborgenen eine Sünde begangen hast!"
Man könnte sich noch viel weitere hässliche Worte ausdenken, aber das reicht bereits aus, um sich Hannas Leiden lebhaft vorzustellen.
Aus heutiger Sicht ist es schwer zu verstehen, warum Polygamie damals üblich war. Wir fragen uns: Warum hat Gott sie geduldet? In jener Zeit gab es viele kriegerische Auseinandersetzungen, die dazu führten, dass es oft weit weniger Männer als Frauen gab. Das Leben als alleinstehende und kinderlose Frau war damals viel härter als heute – nicht zuletzt, weil es keine staatliche Altersvorsorge gab. Viele Frauen sagten sich: „Lieber einen Mann teilen als gar keinen haben!" Und mancher Mann nahm sich eine zweite Frau, damit diese nicht alleinstehend blieb.
Mehrfachehen waren nie Teil von Gottes ursprünglichem Plan, sondern sind eine weitere bittere Folge des Sündenfalls (1Mo 2:24). Das zeigen auch viele Familiengeschichten der Bibel – man denke nur an die Familien von Jakob (1Mo 29:15-30) und David.
Im Neuen Testament wird die Ehe zwischen einem Mann und einer Frau wieder betont (Mt 19:4-6), und für Leiter der Gemeinde wird diese Treue ausdrücklich vorausgesetzt (1Tim 3:2).
Nachdem Hanna ihr Herz vor Gott ausschüttete und um einen Sohn bat, wurde sie erhört (1Sam 1:10-20). Der Grund: Sie traute dem HERRN zu, dass er ihre Kinderlosigkeit jederzeit beenden konnte. Mit anderen Worten: Sie hatte Glauben.
Die ersten zehn Verse aus 1. Samuel 2 enthalten Hannas einzigartigen Lobpreis, nachdem der HERR ihr half und einen Sohn schenkte (1Sam 2:1-10). Dieser Lobpreis ist nicht nur ein poetisches Dankeslied. Er enthält auch heilsgeschichtliche Prophezeiungen, die damals einzigartig waren. Ich denke dabei besonders an die Verse 6–8, wo sie sagte:
„Der HERR tötet und macht lebendig; er führt in den Scheol (d.h. das Totenreich) hinab und wieder herauf. Der HERR macht arm und macht reich; er erniedrigt und erhöht. Er hebt den Geringen aus dem Staub empor, aus dem Schmutz erhöht er den Armen, um ihn sitzen zu lassen bei Edlen; und den Thron der Ehre lässt er sie erben." (1Sam 2:6-8)
Hanna beschreibt hier eindrücklich, wie der HERR Verlierer zu Siegern macht. Auch in der Bergpredigt preist Jesus die Benachteiligten dieser Welt als Glückselige, weil sie von Gott eine wunderbare Erstattung erhalten werden (Mt 5:3-12). Paulus schildert in 1. Korinther 4,12–13 seinen eigenen Zustand, der stellvertretend für viele verfolgte und geschmähte Christen steht, die in dieser Welt wie große Verlierer aussehen:
„Geschmäht, segnen wir; verfolgt, dulden wir; gelästert, reden wir gut zu; wie Unrat der Welt sind wir geworden, ein Abschaum aller bis jetzt." (1Kor 4:12-13)
Seit Christus den Tod besiegt hat (1Kor 15:54-57) und die Gläubigen „in Christus" sein dürfen (2Kor 5:17), gehören auch sie zu den Siegern. Deshalb konnte Paulus am Ende seines Auferstehungskapitels schreiben:
„Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gibt durch unseren Herrn Jesus Christus!" (1Kor 15:57)
Ihr sollt richten ohne Ansehen der Person, den Kleinen sollt ihr anhören wie den Großen, und ihr sollt euch vor niemandem fürchten, denn es ist Gottes Gericht.
Wenn ihr aber nach dem Ansehen der Person urteilt, dann begeht ihr eine Sünde und werdet überführt vom Gesetz als seine Übertreter.
Das fünfte Buch Mose heißt in der hebräischen Bibel „devarim", was mit „diese (sind) die Worte" übersetzt werden könnte. Der lateinische Begriff lautet „Deuteronomium", was „zweites Gesetz" bedeutet.
Dieses Buch enthält die Abschiedsreden des Mose an das Volk Israel, kurz bevor sie das verheißene Land betreten (5Mo 1:1-5). Es bildet den Abschluss der Tora – der „Weisung", die nicht nur das Fundament des jüdischen Glaubens, sondern auch die Grundlage für die ganze Bibel darstellt.
Dieses fünfte Buch beginnt mit der Aufforderung, das verheißene Land Kanaan einzunehmen und die Wüste zu verlassen (5Mo 1:6-8). Es war ein besonderer Moment in der Geschichte Israels. Bereits Jahrhunderte zuvor hatte Gott Abraham verheißen, seinen Nachkommen dieses Land zu geben (1Mo 12:7 / 1Mo 15:18).
Mose gibt hier nicht nur Gesetze weiter – er erinnert das Volk an Gottes Treue und mahnt zur Gerechtigkeit. Deshalb erwähnt er die Begebenheit, als er das Rechtssystem einführte und Richter einsetzte (5Mo 1:9-18). Diese sollten „ohne Ansehen der Person" richten, also unparteiisch urteilen.
Ein Rechtsstaat verdient diesen Namen nur, wenn er über ein unparteiisches Rechtssystem verfügt. Die Römer stellten das Urteilen ohne Ansehen der Person bildhaft dar: „Justitia" trägt eine Augenbinde, hält in der einen Hand die Waagschalen und in der anderen das Schwert.
Im Wort Gottes wird das Rechtssystem aber nicht mit der Göttin der Gerechtigkeit in Verbindung gebracht, sondern mit dem allmächtigen Gott selbst. Darum heißt es im heutigen Losungstext auch: „… denn es ist Gottes Gericht."
Die Richter sind somit Stellvertreter Gottes und hatten den Auftrag, im Sinne Gottes „Recht zu sprechen". Das war aber nur möglich, wenn sie erstens das Gesetz Gottes kannten und zweitens Gott fürchteten (2Mo 18:21). Sie sollten aus dem Bewusstsein heraus richten, dass auch sie selbst einmal vor dem Richter der Welt stehen und sich für ihr Handeln verantworten müssen (Röm 14:10-12). Dieses Bewusstsein trägt wesentlich dazu bei, dass ein staatliches Rechtssystem wirklich gerecht ist.
Sobald Richter auf das „Ansehen einer Person" schauen, verlassen sie den Boden der Gerechtigkeit. Manche tun es, um sich selbst zu schützen oder um sich Vorteile zu verschaffen. Dies geschieht besonders dort, wo Mächtige die Richter unter Druck setzen. Wenn ein Richter Gott mehr fürchtet als die Mächtigen, kann er wirklich unparteiisch richten – doch das erfordert Mut und Vertrauen in den Allmächtigen!
Für einen Liebenden ist es selbstverständlich, niemanden zu bevorzugen und alle mit Würde, Respekt und Wertschätzung zu behandeln (Jak 2:1). Leider war das bei den Empfängern des Jakobusbriefes nicht der Fall. Obwohl sie sich als „gläubig" bezeichneten, urteilten sie nach dem Ansehen der Person: Sie bevorzugten die Reichen und vernachlässigten die Armen (Jak 2:2-4). Sie zahlten ihren Angestellten nicht den verdienten Lohn (Jak 5:4). Und sie stritten untereinander so heftig, dass Jakobus schreiben musste:
„Woher kommen Kriege und woher Streitigkeiten unter euch? Nicht daher: aus euren Begierden, die in euren Gliedern streiten? Ihr begehrt und habt nichts; ihr mordet und neidet und könnt nichts erlangen; ihr streitet und führt Krieg; ihr habt nichts, weil ihr nicht bittet; ihr bittet und empfangt nichts, weil ihr übel bittet, damit ihr es in euren Begierden vergeudet." (Jak 4:1-3)
Manche Bibelleser empfinden Jakobus als „gesetzlich" – aber was soll man Gemeindemitgliedern schreiben, die sich völlig lieblos verhalten und gleichzeitig sagen: „Ich habe Glauben" bzw. „Ich bin gläubig"? (Jak 2:14)
Die strengen und mahnenden Worte von Jakobus sind letztlich ein Ausdruck der Liebe Gottes. Er wünscht sich, dass die Briefempfänger Buße tun und nicht länger von Egoismus und Rücksichtslosigkeit geprägt sind, sondern von gegenseitiger Liebe und Fürsorge.
Darum: Lasst uns lieben, wie Christus uns geliebt hat! (Joh 13:34 / Eph 5:2)
Fürchte dich nicht und verzage nicht!
Da berührte Jesus ihre Augen und sprach: Euch geschehe nach eurem Glauben! Und ihre Augen wurden geöffnet.
Angst ist ein ständiger Begleiter im Leben – damals wie heute. Doch Gottes Zuspruch bleibt derselbe: Fürchte dich nicht und verzage nicht!
Oft hört man, die Bibel sage 365-mal „Fürchte dich nicht" – für jeden Tag des Jahres einmal. Auch wenn das – gemäß meinen Recherchen – nicht ganz stimmt, ist die Botschaft klar: Gott möchte, dass wir ohne Angst leben und ihm vertrauen. Schon über hundertmal spricht er uns dieses „Fürchte dich nicht" zu – ein gewaltiger Zuspruch!
Josua war ein sehr mutiger Mann. Neben Kaleb war er der einzige Kundschafter, der das Volk ermutigte, das verheißene Land einzunehmen (4Mo 14:6-9). Die anderen zehn hielten dies für unmöglich, weil sie sich nicht vorstellen konnten, wie sie dieses schwer befestigte Land mit seinen starken Riesen erobern sollten. Sie sahen die große Übermacht der Feinde und ihre eigenen begrenzten Fähigkeiten, während Josua und Kaleb mit der Hilfe ihres allmächtigen Gottes rechneten. Nur diese beiden, die auch den Auszug aus Ägypten als erwachsene Männer miterlebten, kamen ins verheißene Land – weil sie auf Gott und nicht auf die eigene Stärke vertrauten (4Mo 14:30).
Trotzdem brauchte auch Josua mehrmals die Zusage: „Fürchte dich nicht". Das zeigt uns, dass selbst Menschen, die vom Vertrauen auf Gott geprägt sind, immer wieder entmutigt werden und dazu neigen, sich zu fürchten. Die sogenannten „Glaubenshelden" waren keine „Übermenschen", sondern Menschen wie wir, die mit Verzagtheit zu kämpfen hatten. Selbst der große Apostel Paulus benötigte mindestens zweimal die göttliche Ermutigung: „Fürchte dich nicht!" (Apg 18:9 / Apg 27:24)
Während der Eroberung des verheißenen Landes kam es bei der Einnahme von Ai zu einem Rückschlag. Diejenigen, die diese Stadt erobern wollten, wurden von den Verteidigern geschlagen (Jos 7:4-5). Die Ursache war der Ungehorsam von Achan. Gott hatte bei der Eroberung Jerichos verboten, irgendwelche Schätze dieser Stadt zu plündern (Jos 6:18-19). Doch Achan ließ sich von seiner Gier nach Reichtum verführen (Jos 7:21). Das führte dazu, dass Gott bei der Einnahme der nächsten Stadt – die wesentlich kleiner war als Jericho – kein Gelingen schenkte und dass Achan und seine Familie sterben mussten (Jos 7:24-26).
Josua erkannte: Das Problem war nicht die Stärke der Feinde, sondern der Zustand des Herzens seines Volkes – nämlich die Habgier und der Ungehorsam gegenüber Gott. Diese Herzenshaltung blockierte ein siegreiches Leben – damals für die Israeliten und heute für uns. Ein solcher Zustand war und ist keine gute Voraussetzung für einen erfolgreichen Kampf gegen die Feinde. Das entmutigte Josua. Darum bekam er in Kapitel 8, Vers 1 erneut den Zuspruch: „Fürchte dich nicht und verzage nicht!". Josua vertraute auf den HERRN, und so konnte er weiter sein Volk anführen und das Land in Besitz nehmen.
Auch die zwei Blinden, die mitbekamen, dass Jesus in ihrer Nähe war, vertrauten darauf, dass er ihnen helfen könnte (Mt 9:27-28). In der Geschichte Israels hatte noch nie ein Prophet die Augen von Blinden geheilt. Doch diese beiden Blinden trauten Jesus zu, dass er der Erste sein würde, der dieses Wunder vollbringen konnte. Jesus fragte sie: „Glaubt ihr, dass ich dies tun kann?" Sie antworteten: „Ja, Herr." Dann berührte er ihre Augen und sprach: „Euch geschehe nach eurem Glauben!" Und ihre Augen wurden geöffnet (Mt 9:29-30). Das war vermutlich die erste Blindenheilung überhaupt!
Wer auf Jesus vertraut, gewinnt nicht nur neuen Mut, sondern erlebt auch Dinge, die unmöglich schienen! Fürchte dich nicht und verzage nicht! – diese Worte sind mehr als eine Ermutigung. Sie sind ein göttliches Versprechen, dass Glaube stärker ist als Angst.
Warum willst du mit Gott hadern, weil er auf Menschenworte nicht Antwort gibt? Denn auf eine Weise redet Gott und auf eine zweite; nur beachtet man's nicht.
Wer Ohren hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt!
Kennst du das auch? Du hast große Probleme und brennende Fragen an Gott, die du gerne beantwortet hättest. Aber du hörst weder eine Stimme, noch fällt ein „Zettel vom Himmel", der dir die gewünschte Antwort gibt. Bevor ich auf mögliche Gründe eingehe, möchte ich zuerst zeigen, wie Gott zu uns spricht. Dabei setze ich die wichtigsten Punkte an die erste Stelle – denn Übergeordnetes sollte immer eine höhere Gewichtung haben. Gott redet durch …
… die Bibel – das geschriebene Wort Gottes (2Tim 3:16). Manchmal verstehen wir gewisse Aussagen nicht oder sogar falsch. Aber je besser wir die Bibel kennen, desto mehr verstehen wir Gottes Sinn.
… seinen Heiligen Geist, indem er uns z. B. in einer Predigt etwas eindringlich aufs Herz legt oder indem wir bei einer Entscheidung den tiefen Frieden Gottes verspüren (Joh 16:13 / Röm 8:14).
… Mitmenschen, die sich von Gott belehren lassen. Manchmal – aber eher selten – redet Gott auch durch Menschen, die ihn nicht kennen.
… das Gewissen (Röm 2:15). Dieses muss jedoch von biblischen Werten geprägt sein.
… Umstände und Schicksalsschläge, die uns in geistliche Entwicklungsprozesse führen, die durch Worte allein nicht durchlaufen werden können (Röm 8:28 / Jak 1:2-4).
… Träume und Visionen (Joel 3:1 / Apg 2:17). Gott spricht auch heute durch Träume – besonders wo Menschen keinen Zugang zu seinem Wort haben. In unseren Gemeinden sollten Träume mit Zurückhaltung beachtet werden. Intensive Träume können bedeutungslos sein. Wenn Gott durch einen Traum spricht, erkennen wir sein Reden – solche Träume widersprechen nie seinem Wort!
… die Schöpfung (Ps 19:2 / Röm 1:20). In der Natur entdecken wir eine Vielzahl von Zusammenhängen, die ein Abbild für geistliche Realitäten sind – z. B. die Verwandlung einer Raupe zum Schmetterling, die uns eine Verwandlung des irdischen Leibes andeutet.
Immer wieder wünschen wir uns von Gott eine Antwort – doch er redet oft anders, als wir es erwarten. Manchmal spricht Gott durch Leid und Krankheit, weil wir nur in solchen Zuständen etwas Entscheidendes lernen und notwendige Entwicklungsprozesse durchlaufen können (Hebr 12:5-11). Durch biblische Lehre begreifen wir zwar gewisse Dinge mit dem Verstand. Das bedeutet aber nicht, dass wir sie auch mit Herz und Seele erfasst haben. Mit dem Verstand kann ich Demut beschreiben und erkennen, dass sie einen großen Stellenwert hat. Aber das bedeutet noch lange nicht, dass ich auch von Herzen demütig bin. Wahre Demut entsteht nicht durch richtige Lehre, sondern durch Demütigungsprozesse – wie Versagen oder Schwachheit –, die uns aber meist nicht gefallen.
Hiob erwartete von Gott eine klare Antwort auf seine brennende Frage: Warum musste er als Schuldloser so massiv leiden? Zuerst schweigt Gott. Dann versuchen seine drei Freunde, Hiob klarzumachen, dass er nicht schuldlos sein kann – denn nach ihrer Einschätzung lässt Gott keinen Schuldlosen so leiden. Sowohl Hiob als auch seine drei Freunde gingen ursprünglich davon aus, dass erlittenes Leid immer etwas mit der Schuld des Betroffenen zu tun haben muss. Aber Hiob hatte ein Problem: Er konnte bei sich keine solche Schuld entdecken, weshalb er von Gott eine klare Antwort einforderte (Hiob 13:3 / Hiob 23:3-5).
Elihu, der jüngste Freund Hiobs, sprach als Letzter. Er verwies auf die Souveränität Gottes und darauf, dass Gott auf unterschiedliche Weise redet (Hiob 33:14). Wir bemerken es aber oft nicht, weil wir so stark auf unsere Vorstellung fixiert sind, wie Gott zu uns sprechen muss. Deshalb übersehen wir, dass er diesmal anders mit uns redet. Nach der Rede Elihus spricht Gott. Aber er gibt keine Antwort – er stellt nur Dutzende Fragen (Hiob 38-41). Gegen Ende seiner Rede macht er Hiob deutlich, dass er allein den unzähmbaren Leviatan kontrolliert – ein Bild für den Bösen (Hiob 41:1-26). Diese vielen Gottesfragen führten dazu, dass Hiob erkennen konnte: Alles, was Gott tut, ist letztlich richtig und gut (Hiob 42:2-3)!
Gott sprach zu den sieben Gemeinden in Kleinasien durch Johannes' Schreiben (Offb 2-3). Jede Gemeinde erhielt einen eigenen Schwerpunkt, doch alle sollten aufmerksam auf das hören, was der Geist allen sagte (Offb 2:7). Obwohl Philadelphia nicht die Probleme von Ephesus hatte, sollte jede Gemeinde auch die Botschaften an die anderen beachten – denn ihre Situation konnte sich ändern.
Gott redet zu uns – aber oft anders, als wir es erwarten. Manchmal spricht er im Schweigen, im Leid oder durch Umstände, die wir nicht verstehen (1Kön 19:11-13). Wir möchten Antworten – doch Gott schenkt uns oft Begegnungen, die tiefer wirken als Worte. So wie Hiob am Ende nicht eine Erklärung, sondern eine Offenbarung bekam: Gott selbst (Hiob 42:5).
Auch heute ruft der Geist Gottes seine Gemeinde, aufmerksam zu hören (Offb 2:7). Denn seine Wege sind vielfältig, und jede Generation braucht offene Ohren und ein empfängliches Herz (Mt 13:9).
Darum: Verschließen wir uns nicht, wenn Gott redet – auf seine Weise, in seiner Zeit und zu unserem Besten (Röm 8:28).
So hütet euch nun, dass ihr den Bund des HERRN, eures Gottes, nicht vergesst, den er mit euch geschlossen hat, und nicht ein Bildnis macht von irgendeiner Gestalt, wie es der HERR, dein Gott, geboten hat.
Gottes unsichtbares Wesen - das ist seine ewige Kraft und Gottheit - wird seit der Schöpfung der Welt, wenn man es mit Vernunft wahrnimmt, an seinen Werken ersehen.
Zur Zeit des Mose gab es außerhalb Israels keine nachweisbare Religion, die sowohl Monotheismus als auch ein strenges Bilderverbot praktizierte (2Mo 20:3-4). Der ägyptische Pharao Echnaton (Amenophis IV.), der von 1353–1336 v. Chr. regierte, vertrat zwar einen monotheistischen Glauben, in dem Aton als einziger Gott verehrt wurde. Aber er wurde nicht bildlos verehrt, sondern als Sonnenscheibe mit strahlenförmigen Händen dargestellt. Zudem lebte Echnaton nach dem Auszug aus Ägypten, der gemäß biblischer Datierung (1Kö 6:1) Mitte des 15. Jahrhunderts v. Chr. stattfand.
Sichtbare Götter waren damals der absolute Standard. Gottes Anweisung, von ihm kein Bildnis zu machen, war revolutionär – obwohl weder Noah noch Abraham, Isaak und Jakob einen bildhaften Gott verehrten (1Mo 12:7-8). In 2Mo 20 erhielt Israel die zehn Gebote, die klar zum Ausdruck bringen, dass sich niemand ein Bildnis von Gott machen darf (2Mo 20:4). Doch bereits kurze Zeit später verlangte das Volk von Aaron, dass er ihnen Götter machen solle. Das führte zur Anbetung eines goldenen Kalbs (2Mo 32:1-4). Die Bilderverehrung und der Götzendienst blieben sowohl beim Volk Israel als auch in der Kirchengeschichte ein Problem, das sich kaum aus der Welt schaffen ließ (Ri 2:11-13 / 2Kö 17:7-18). Bis heute werden Statuen von Jesus und Maria angebetet oder zumindest verehrt. Aber warum ist das so?
Da wir Menschen stark auf Visuelles reagieren, nehmen wir das Sichtbare oft als einzig verlässliche Realität wahr. Deshalb fällt es uns leichter, auf etwas zu vertrauen, das wir sehen können – seien es Menschen oder menschengemachte Dinge. Das Vertrauen auf einen unsichtbaren Gott fällt vielen schwer, weil sie daran zweifeln, ob er wirklich existiert (2Kor 5:7).
Paulus macht in seinen Briefen deutlich, dass das Sichtbare nicht durch sich selbst entstanden ist (Röm 1:20). Wir Menschen haben unseren eigenen DNA-Code nicht selbst geschrieben! Das muss jemand gewesen sein, der über der sichtbaren Materie steht. Einige Physiker vertreten die Auffassung, dass Materie ohne eine formende, immaterielle Informationsebene nicht existieren kann.
Paulus schreibt, dass wir Gottes unsichtbares Wesen anhand der Genialität der Schöpfung erkennen können. Darum will ich nachfolgend einige Aspekte aufzählen, die auf einen Schöpfer hinweisen:
Die außerordentliche Komplexität und das erkennbare Design in der Natur – von der DNA bis zu den Galaxien – weisen auf einen intelligenten Urheber hin (Ps 19:2 / Ps 139:14). Zufällige Prozesse können diese präzise Ordnung nicht vollständig erklären.
Die konstanten physikalischen Gesetze (Gravitation, Thermodynamik, Entropie etc.) zeigen eine zugrundeliegende Ordnung und Rationalität, die auf einen gesetzgebenden Verstand hinweist (Hiob 38:33 / Jer 33:25).
Kausalität und Ursprung. Das Kausalitätsprinzip besagt: Alles, was einen Anfang hat, hat eine Ursache. Das Universum hatte einen Anfang (1Mo 1:1), also muss es eine erste Ursache geben – den ungeschaffenen Schöpfer, der über Raum und Zeit steht (Joh 1:3 / Kol 1:16-17).
Die Schönheit und Zweckmäßigkeit in der Natur geht oft über bloße Funktionalität hinaus. Dies deutet auf einen Schöpfer hin, der nicht nur funktional, sondern auch ästhetisch erschafft (Ps 104:24).
Die Feinabstimmung des Universums. Die präzise Abstimmung der kosmischen Konstanten, die Leben ermöglichen (anthropisches Prinzip), lässt auf einen planenden Geist schließen (Jes 45:18).
Inneres Gottesbewusstsein. Zusätzlich zur äußeren Offenbarung hat Gott jedem Menschen ein Bewusstsein für Ewigkeit ins Herz gelegt (Pred 3:11), sodass die Erkenntnis des Schöpfers von innen und außen bezeugt wird (Röm 2:14-15).
Obwohl die Existenz eines Schöpfergottes in seiner Schöpfung erkennbar ist, passt diese Erkenntnis nicht in jedes Lebenskonzept – besonders dann nicht, wenn man einen Lebensstil führen möchte, den man nicht vor einer göttlichen Instanz verantworten will (Röm 1:18-19). Deshalb ist der Glaube an Gott weniger eine Frage des Verstandes als vielmehr des Herzens (Spr 4:23 / Mt 5:8).
Der Glaube ist nicht bloß eine intellektuelle Zustimmung, sondern eine vertrauensvolle Beziehung zu dem, der uns geschaffen hat (Joh 17:3). Er befreit von Schuld, gibt Hoffnung und verleiht dem Leben Ziel und Sinn (Joh 8:36 / Röm 15:13).
Dieses Vertrauen auf Gott ist ein unermesslich wertvolles Geschenk – und es lohnt sich, es mit Dankbarkeit anzunehmen (Heb 11:6).
Die Blinden will ich auf dem Wege leiten, den sie nicht wissen; ich will sie führen auf den Steigen, die sie nicht kennen.
Jesus sprach: Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.
1999 erschien der Film "At First Sight", der auf einer wahren Begebenheit beruht. Darin wird der blinde Virgil durch eine Operation sehend – doch das vermeintliche Wunder endet tragisch. Zwar erkennt er Licht und Farben, doch sein Gehirn kann die neuen Eindrücke nicht verarbeiten. Alles erscheint ihm fremd und verwirrend. Er verliert seine Selbstständigkeit, sein Selbstvertrauen bricht zusammen, und auch seine Beziehung zerbricht unter der Überforderung. Schließlich verliert Virgil nicht nur seine Sehkraft, sondern auch seinen inneren Halt.
Dieses Beispiel zeigt einerseits die erstaunlichen Fortschritte in Chirurgie und Medizin. Andererseits wird deutlich: Eine körperliche Heilung allein reicht nicht aus, um einen Menschen in den Zustand nach seiner Erschaffung zu versetzen. Blindheit kann nur derjenige umfassend heilen, der nicht nur das Auge, sondern den ganzen Menschen erschuf. Darum verheißt der allmächtige Gott in Jesaja 42:6–7:
„Ich, der HERR, habe dich berufen in Gerechtigkeit [...] und ich habe dich zum Bund für das Volk gemacht, zum Licht der Nationen, dass du die Augen der Blinden öffnest, die Gefangenen aus dem Kerker führst und aus dem Gefängnis die, die in der Finsternis sitzen."
Diese Aussage findet sich direkt im Anschluss an das erste Gottesknechtlied in Jesaja 42:1–4. Es handelt sich um eine messianische Verheißung, die zeigt, dass der Messias den Blinden die Augen öffnen kann (Mt 9:27-30 / Mt 20:29-34 / Mk 8:22-26 / Joh 9:1-7). Jesus heilte mehrfach Blinde – darunter auch Blindgeborene. Dadurch offenbarte er sich als der Messias Israels, der auch zum Licht für die Nationen wurde, indem er sich selbst als Schuldopfer darbrachte. Dies beschreibt Jesaja eindrücklich im letzten Gottesknechtlied (Jesaja 52:13–53:12).
In der Bibel ist auch vielfach von einer geistlichen Blindheit die Rede (Jes 6:9-10 / Mt 13:13-15 / Joh 12:40 / 2Kor 4:4). Sie beschreibt den Zustand, in dem man die Wahrheit Gottes nicht erkennen kann, obwohl man körperlich sehen kann. Diese Blindheit betrifft das Herz und den Verstand des Menschen. Sie zeigt sich unter anderem darin, dass man die materielle Welt als die eine maßgebende Realität sieht, während man das unsichtbare Wirken des Geistes Gottes lediglich als fragliche Sichtweise abtut. Nur Gottes Geist kann diese Blindheit heilen und uns die Gewissheit schenken, von der Hebräer 11:3 spricht:
„Durch unseren Glauben verstehen wir, dass die ganze Welt durch Gottes Wort geschaffen wurde, dass alles Sichtbare aus Unsichtbarem entstanden ist." (HFA)
Die Fähigkeit zu sehen nützt nichts, wenn man sich in absoluter Finsternis befindet. In einer Höhle, ohne Licht, sieht auch der Sehende nichts. Dann ist ein Führer notwendig – jemand, der den Weg kennt und sicher zum Ausgang führt (Ps 23:4).
Jesus Christus ist der gute Hirte (Joh 10:11), der uns aus dem dunklen Tal des Todesschattens zum wahren Licht führt – denn er selbst ist das Licht der Welt (Joh 8:12). Wer ihm nachfolgt, wandelt nicht in der Finsternis, sondern hat das Licht des Lebens. Sein Wort ist eine Leuchte für unseren Weg (Ps 119:105) und führt uns sicher in die Herrlichkeit Gottes.
Lass deiner sich freuen und fröhlich sein alle, die nach dir fragen.
Gelobt sei, der da kommt, der König, in dem Namen des Herrn! Friede sei im Himmel und Ehre in der Höhe!
C.S. Lewis verlor früh seinen Glauben nach dem Tod seiner Mutter. Als brillanter Professor in Oxford fühlte er sich innerlich leer, trotz intensiver Beschäftigung mit Philosophie und Literatur. Eine unerklärliche Sehnsucht begleitete ihn.
Nach Gesprächen mit Freunden wie J.R.R. Tolkien über Christus und Mythen erlebte er auf einer Motorradfahrt zum Zoo eine stille, aber tiefe Gewissheit: Christus ist der Sohn Gottes. Ohne dramatische Gefühle wurde der überzeugte Atheist zum gläubigen Menschen und schrieb fortan Bücher über den Glauben, die viele Menschen berührten.
„Ich kam nicht zu Gott," sagte Lewis,„sondern er kam zu mir. Ich wurde von Freude überfallen."
C.S. Lewis hatte eine verborgene Sehnsucht nach Gott, die ihm kaum bewusst war – vielleicht ein unbewusstes Suchen. Der HERR schenkte ihm Freude, eine Freude, die auch im heutigen Losungsvers verheißen wird.
Psalm 40 ist – wie viele andere auch – ein messianischer Psalm. Er beschreibt nicht nur das Verhältnis zwischen dem Psalmdichter und Gott, sondern auch die Eigenschaften und das Wirken des kommenden Messias. Dies zeigt sich jedoch nicht sofort offensichtlich, sondern wird deutlich, wenn man den Hebräerbrief kennt: Dort wird Psalm 40:7–9 in Hebräer 10:5–7 zitiert und auf Christus bezogen. Vers 8 klingt besonders geheimnisvoll:
"Da sprach ich: Siehe, ich komme; in der Rolle des Buches steht über mich geschrieben."
Hier erahnen wir: Christus wurde im ganzen Alten Testament prophezeit – manchmal sehr offensichtlich, an vielen Stellen auch auf verborgene Weise. Jesus selbst sagte in Johannes 5:39:
"Ihr erforscht die Schriften, denn ihr meint, in ihnen ewiges Leben zu haben, und sie sind es, die von mir zeugen."
Psalm 40:8 hat auch in Bezug auf David eine wichtige Bedeutung. Die Rolle des Buches spricht ihn persönlich an, und so bekennt er, dass er sich in den Schriften Gottes wiederfindet – als einer, der gerufen ist, Gehorsam statt Opfer zu bringen.
Durch den Gehorsam Jesu Christi werden alle glaubenden Sünder mit seiner Gerechtigkeit beschenkt (Röm 5:19). Verlorene Sünder mit einer (verborgenen) Sehnsucht nach Gott – die nach ihm fragen oder ihn suchen – können sich freuen und fröhlich sein, wenn Gott ihnen zeigt, dass er sie von aller Schuld befreit hat (1Jo 1:9).
Die Jünger Jesu freuten sich, als Jesus auf einer Eselin reitend nach Jerusalem einzog (Lk 19:28-40). Darum riefen sie: „Gelobt sei, der da kommt, der König, in dem Namen des Herrn! Friede sei im Himmel und Ehre in der Höhe!" Es war ein Tag voller Jubel und Euphorie – ein Vorgeschmack auf den Tag, an dem er wiederkommen wird, um ein bleibendes Friedensreich aufzurichten (Offb 20:4-6). Damals dachten die Jünger, dieser Tag stehe unmittelbar bevor. Doch wenige Tage später folgte tiefe Verzweiflung, als sie miterleben mussten, wie ihr Herr gekreuzigt wurde.
Erst nach der Auferstehung Jesu stellte sich wieder Freude und Jubel ein (Joh 20:20)! Bis heute freuen sich Christen weltweit über die Auferstehung Jesu und sein baldiges Wiederkommen. Dabei wird er zuerst seine Gemeinde zu sich holen (1Thes 4:16-17), um dann später in großer Macht und Herrlichkeit wiederzukommen und das tausendjährige Reich aufzurichten (Offb 19:11-16).
Gib deine Gottsuche nicht auf – sie wird dir große Freude bringen!
Um meines Namens willen halte ich meinen Zorn zurück, und um meines Ruhmes willen bezähme ich mich zu deinen Gunsten, dass ich dich nicht ausrotte.
Der Engel sprach zu Josef: Maria wird einen Sohn gebären, dem sollst du den Namen Jesus geben, denn er wird sein Volk retten von ihren Sünden.
„Welche berühmte Person hat heute einen guten Namen?" Diese Frage habe ich mir gestellt, und die Antwort fällt mir schwer. Was macht einen guten Namen aus? Ist es großes Ansehen oder Bewunderung? In den USA waren das – je nach Umfragejahr – Donald Trump oder Barack Obama. Oder sind es Menschen, die sich für Frieden einsetzen, wie die Friedensnobelpreisträger? 1994 erhielten Jitzchak Rabin, Schimon Peres und Jassir Arafat diesen Preis. Arafat war PLO-Vorsitzender – einer Organisation, die terroristische Anschläge verübte.
Die Bibel erinnert uns daran: Ein guter Name ist wertvoller als großer Reichtum, ja kostbarer als Gold (Spr 22:1). Ein guter Name steht für Charakter, Integrität und das Vertrauen, das andere in uns setzen.
Blicke ich auf die Geschichte der Menschheit, leuchtet kein Name heller als der Name Jesu Christi. Zwar gab es viele, die Menschlichkeit und Liebe predigten und einen positiven Einfluss hatten, aber keiner hat Nächstenliebe so radikal verkündigt und gelebt wie Jesus Christus (Joh 13:34-35 / 1Jo 4:8). Er war von vollkommener Liebe geprägt wie kein anderer – und das bis zu seinem letzten Atemzug (Lk 23:34)! Ich kenne niemanden, der einen besseren Namen hätte.
In Offenbarung 19,11 trägt Jesus Christus den Namen „Treu und Wahrhaftig". Dort heißt es, dass er mit Gerechtigkeit richtet und kämpft. Wer gerecht richtet, muss den Schuldigen verurteilen – auch wenn man ihm treu zur Seite stehen möchte.
Neulich hörte ich die Geschichte eines Kapitäns, der auf hoher See die Lebensmittelrationen reduzieren musste, damit alle überleben konnten. Zuwiderhandlungen würden mit Peitschenhieben bestraft. Als entdeckt wurde, dass jemand aus der Speisekammer gestohlen hatte – und es sich um die Mutter des Kapitäns handelte –, tat er etwas völlig Unerwartetes: Die Mutter wurde an den Pfosten festgebunden. Der Kapitän zog sein Hemd aus, stellte sich vor seine Mutter und nahm alle Peitschenhiebe auf seinen Rücken. Der Kapitän war nicht nur gerecht und wahrhaftig – er war auch treu und schützte seine Mutter vor der Bestrafung.
Diese Geschichte zeigt, was Jesus Christus für uns tat. Er ist absolut gerecht und wahrhaftig – und gleichzeitig auch treu (2Tim 2:13). Deshalb trug er für uns die verdiente Strafe und rettete uns so von den Konsequenzen der Sünde (Jes 53:5 / 1Petr 2:24).
Der heutige Losungsvers zeigt, dass Israel – und letztlich die gesamte Menschheit – Gottes vernichtenden Zorn verdient hätte (Röm 3:23 / Röm 6:23). Doch Gott hielt seinen Zorn zurück. Er sandte seinen Sohn Jesus (hebr. Jeschua = Jahweh rettet) und lud die Sünde der ganzen Welt auf ihn, damit wir nicht mehr unter Gottes Zorn stehen müssen (Joh 1:29 / Röm 5:9)!
Wer trägt einen herrlicheren Namen als Jesus Christus, der Sohn des lebendigen Gottes? Niemand! Niemand hat die Schuldfrage so gelöst – und niemand hat so geliebt wie er (Joh 15:13). Ihm gebührt unser Dank und unsere Anbetung (Phil 2:9-11)!
Lasst uns unsere Wege prüfen und erforschen, und lasst uns zurückkehren zum HERRN!
Ich bete darum, dass eure Liebe immer noch reicher werde an Erkenntnis und aller Erfahrung, sodass ihr prüfen könnt, was das Beste sei, damit ihr lauter und unanstößig seid für den Tag Christi.
Die Aufforderung aus den Klageliedern und das Gebet des Paulus an die Philipper verbindet ein gemeinsames Anliegen: das ehrliche Prüfen des eigenen Lebens im Licht Gottes – nicht aus Angst, sondern aus Liebe.
Erfolgreiche Unternehmer üben sich in der Selbstreflexion und haben gelernt, ihre Tätigkeiten zu prüfen, um möglichst erfolgreich zu sein. Es gab Zeiten, in denen ich die Selbstbewertung eher verdrängte, statt sie zu praktizieren, weil ich mich – wohl unbewusst – vor der Selbsterkenntnis fürchtete. Eine ehrliche Selbstwahrnehmung hätte dazu führen können, dass ich mein Handeln als unzureichend empfinde – was wiederum ein reduziertes Selbstwertgefühl zur Folge gehabt hätte.
Kaum etwas fürchtet die Seele mehr als ein vermindertes Selbstwertgefühl. Deshalb hat jeder Mensch eigene Strategien entwickelt, um sich wertvoll zu fühlen – sei es durch herausragende Leistungen, Erfolg, außergewöhnliches Wissen oder durch Verhaltensweisen, die anderen gefallen.
Wenn wir jedoch erkannt haben, dass wir in den Augen Gottes überaus wertvoll sind, müssen wir uns nicht mehr vor einem mangelnden Selbstwertgefühl fürchten und dieses durch eigene Leistungen aufbessern (Jes 43:4). Dann fällt es uns wesentlich leichter, uns selbst kritisch zu hinterfragen.
Für eine gute Selbstbewertung brauchen wir den richtigen Maßstab. Falsche Maßstäbe führen uns in die Irre – sie bestärken uns oft in einem Verhalten, das nicht aus Liebe kommt. Der ultimative Maßstab für unser Leben ist Jesus Christus und seine Worte der Liebe (Joh 13:34-35 / 1Petr 2:21). Dieser Maßstab zeigt uns einerseits, wie klein wir sind – was uns demütig macht. Andererseits erkennen wir, wie sehr wir geliebt sind, was uns wertvoll macht – ohne dass wir etwas dafür leisten müssen (Röm 5:8 / Eph 2:8-9). Das gilt sogar dort, wo wir alles falsch gemacht haben und sich unser Leben vielleicht wie ein einziger Scherbenhaufen anfühlt.
Im Buch der Klagelieder – das 7 × 22 Verse enthält – beklagt Jeremia den gewaltigen „Scherbenhaufen" seines Volkes. Es wollte nicht auf die mahnenden Worte der Propheten hören (Jer 7:13). Stattdessen praktizierte es weiter Boshaftigkeit, Ungerechtigkeit und Götzendienst. Die Folge: die totale Zerstörung Jerusalems (2Kö 25:8-10). Das Volk war am Boden zerstört. Jeremia war so niedergeschlagen, dass man bei ihm vielleicht eine tiefe Depression diagnostiziert hätte.
Trotzdem forderte er sein Volk auf: „Lasst uns unsere Wege prüfen und erforschen!" Mit anderen Worten: „Denkt selbstkritisch darüber nach, warum wir so weit gekommen sind. Erkennt, dass unser Schicksal etwas mit unseren falschen Weichenstellungen in der Vergangenheit zu tun hat und dass wir es selbst verschuldet haben."
Doch Jeremia bleibt nicht bei der niederschmetternden Selbstkritik – er zeigt auch den Ausweg:
"Lasst uns zurückkehren zum HERRN! Lasst uns unser Herz samt den Händen erheben zu Gott im Himmel!" (Kla 3:40-41)
Auch unsere christlich geprägten Länder bräuchten eine Umkehr zu Gott – eine Rückbesinnung auf die göttlichen Werte. Auch wir sollten unser Leben und unsere Wege prüfen und uns wieder neu auf die Liebe Gottes ausrichten, so wie es die Gemeinde in Philippi tat.
Der Apostel Paulus lobt die Philipper für ihre gelebte Liebe. Ihr geistlicher Zustand stand in starkem Kontrast zu dem, was Jeremia bei seinem Volk feststellte – und trotzdem: Es gab noch „Luft nach oben"! Auch für die Liebe dieser Gemeinde gab es noch Wachstumspotenzial (Phil 1:9).
Paulus ermutigt die Philipper, zu prüfen, was das Beste ist. Sie sollten auf Jesus Christus schauen und sein demütiges, wertschätzendes und liebevolles Verhalten als Maßstab nehmen (Phil 2:5-8). So konnten sie sich selbst prüfen und erkennen, was das Vollkommene ist. Dadurch wurden sie Jesus immer ähnlicher und wuchsen in der Liebe (2Kor 3:18). Das ist auch unser Ziel – das Ziel, dem wir, wie Paulus, nachjagen dürfen (Phil 3:12-14)! Lasst uns also mutig prüfen, was das Beste ist – nicht, um uns zu verurteilen, sondern um in der Liebe zu wachsen.
Ich werde wandeln vor dem HERRN im Lande der Lebendigen.
Betrachtet euch als solche, die für die Sünde tot, für Gott aber lebendig sind, in Christus Jesus.
Psalm 116 beginnt mit dem schönsten und zugleich wichtigsten Bekenntnis: „Ich liebe den HERRN, denn er hörte meine Stimme, mein Flehen" (Ps 116:1). Die Liebe zum HERRN hat immer einen Auslöser – nämlich die Erfahrung, von Gott geliebt zu werden. Ohne sie kann man Gott nicht wirklich lieben. Der Apostel Johannes beschreibt das so:
„Wir lieben, weil er uns zuerst geliebt hat" (1Joh 4:19).
Der Psalmist befand sich in großer Not und erlebte, wie der HERR sein Flehen erhörte und ihn vor dem Tod rettete (Ps 116:3-6). Er erlebte auf wunderbare Weise, dass Gott und seine Liebe eine Realität sind – keine bloße Wunschvorstellung. Dieses rettende Eingreifen Gottes bekräftigte den Psalmdichter in seinem Entschluss, im „Land der Lebendigen" und in der Gegenwart des HERRN zu wandeln.
Das „Land der Lebendigen" bezeichnete damals vor allem die leiblich-seelische Existenz des Menschen auf Erden – das diesseitige Leben im Gegensatz zum Totenreich (hebr. Scheol). Im Scheol gab es nach alttestamentlicher Vorstellung keinen Lobpreis Gottes (Ps 6:6). Der Aufenthalt im Totenreich bedeutete nicht, dass der Geist eines Menschen aufhörte zu existieren. Aber die Verbindung zum lebendigen Gott war dann unterbrochen. Jesaja prophezeite, dass der leidende Gottesknecht, der um unserer Sünde willen zerschlagen wurde, vom Land der Lebendigen abgeschnitten werden würde (Jes 53:5-8).
Doch die biblische Offenbarung bleibt hier nicht stehen – im Licht des Neuen Testaments gewinnt das „Land der Lebendigen" eine tiefere, geistliche Bedeutung.
Jesus machte deutlich: Wer ohne Vertrauensbeziehung zu Gott lebt, ist in seinen Augen tot – selbst wenn er äußerlich lebt und sogar andere zu Grabe trägt (Mt 8:22). Wahre Lebendigkeit zeigt sich aus biblischer Sicht nicht im Bewusstsein, einen funktionierenden Körper zu haben, sondern in der Verbindung zu Jesus Christus, der das Leben in Person ist (Joh 14:6).
Deshalb darf man den Ausdruck „Land der Lebendigen" im übertragenen Sinn auch auf jenen Bereich beziehen, in dem diejenigen leben werden, denen das wahre göttliche Leben geschenkt wurde. Letztendlich ist das Land der Lebendigen das Reich Gottes.
Da es im künftigen Reich Gottes keine Sünde mehr geben wird (Offb 21:27), müssen wir zuerst vollständig von der Sünde befreit werden. Doch das ist bereits geschehen – als Jesus Christus als das Lamm Gottes die Sünde der ganzen Welt wegtrug (Joh 1:29). In Gottes heilsgeschichtlicher Perspektive ist die Sünde bereits gerichtet und überwunden (Röm 6:6) – auch wenn wir ihre Wirkungen in dieser Welt noch erfahren. Wir können diese geistliche Tatsache noch nicht sehen, weil wir täglich mit unserem eigenen Fehlverhalten sowie mit dem anderer konfrontiert werden.
Diese Situation lässt sich mit folgendem Bild vergleichen: Der Besitzer einer alten, baufälligen Hütte erbt die wunderschöne Villa seines reichen Onkels. Bis zum Umzug wohnt er noch in seiner Hütte – aber er ist bereits der rechtmäßige Besitzer der Villa.
So ist es auch bei uns Gläubigen: Wir leben noch in einem irdischen Leib, der immer wieder zur Sünde neigt, während wir bereits Anteil an der göttlichen Gerechtigkeit haben – ein Geschenk reiner Gnade (Röm 5:17). Darum dürfen wir uns der Sünde für tot rechnen, wie Paulus schreibt (Röm 6:11). Das ist kein moralisches Ideal, sondern eine göttliche Wirklichkeit, die wir im Glauben annehmen dürfen.
Ein solches Bewusstsein verändert unser Denken und Handeln. Es lässt uns – wie der Psalmist – „vor dem HERRN im Land der Lebendigen" wandeln: tot für die Sünde, aber lebendig für Gott.
Siehe, auch jetzt noch ist mein Zeuge im Himmel, und mein Fürsprecher ist in der Höhe.
Weil wir denn einen großen Hohenpriester haben, Jesus, den Sohn Gottes, der die Himmel durchschritten hat, so lasst uns festhalten an dem Bekenntnis.
Als meine Brüder und ich noch ein Architekturbüro leiteten, hatte ein wohlhabender Bauherr ein Honorar bei uns offen. Er weigerte sich zu zahlen und behauptete, angebliche Garantiearbeiten seien noch nicht abgeschlossen. Unsere juristische Auseinandersetzung begann mit einem Gespräch vor dem Friedensrichter – in der Hoffnung, den Streit beizulegen. Der Friedensrichter bestätigte unseren berechtigten Anspruch auf das ausstehende Honorar. Doch der Bauherr zog die Sache vor ein ordentliches Gericht und engagierte einen sehr erfolgreichen Anwalt. Da wir vor dem Friedensrichter im Recht waren, dachten wir, wir könnten auf einen eigenen Anwalt verzichten – ein großer Fehler. Der Anwalt unseres Gegners fand ein juristisches Schlupfloch – und so musste der Bauherr das Honorar nicht zahlen. Selbst der Richter empfand die Situation als „ungerecht", aber er erklärte uns, dass er in unserem Fall nichts mehr machen konnte. Das zeigt: Wer sich einen guten – und meist teuren – Anwalt leisten kann, hat einen entscheidenden Vorteil.
Auch Hiob spürte: Ich brauche einen Anwalt – einen Fürsprecher –, um vor Gott bestehen zu können (Hi 16:19-21). Der Kontext aus Hiob 16 zeigt, dass Hiob den Eindruck hatte: Nicht nur seine Freunde verhielten sich wie Feinde, sondern auch Gott selbst behandelte ihn wie seinen ärgsten Feind. Aus Vers 21 wird ersichtlich, dass sich Hiob nach einem Mittler sehnte, der ihn vor Gott vertritt. Die Aussagen Hiobs zeigen aber nicht nur seinen Wunsch nach einem Fürsprecher, sondern auch die Gewissheit, dass es diesen „göttlichen Anwalt" gibt. Das geht aus dem wohl berühmtesten Satz Hiobs hervor, als er sagte: „Ich weiß, dass mein Erlöser lebt" (Hi 19:25). Wie kam Hiob zu dieser Gewissheit? Wie sollte es jemanden geben, der ihn erfolgreich vor Gott verteidigen könnte? Ist das nicht eine Illusion, ein reines Wunschdenken? Ich bin überzeugt: Diese erstaunliche Gewissheit bekam Hiob von seinem HERRN geschenkt. Er war es, der ihm diese Gewissheit gab.
Die Gewissheit, dass es trotz gefühlter Gottverlassenheit einen Fürsprecher und Erlöser gibt, ist das ultimative Gnadengeschenk Gottes mitten im Leid!
Hiobs Sehnsucht nach einem göttlichen Fürsprecher war letztlich ein prophetischer Ausblick auf den kommenden Erlöser, Jesus Christus (1Tim 2:5).
Nachdem wir das Neue Testament kennen, dürfen wir die Gewissheit haben, dass es diesen einmaligen Fürsprecher gibt. Jesus Christus ist weit mehr als der beste Anwalt und göttliche Fürsprecher: Er wurde das Lamm Gottes, das unsere Schuld wegnahm (Joh 1:29). Er wurde der Mittler, durch den uns Gottes Gerechtigkeit und Vollkommenheit geschenkt wird (1Tim 2:5). Er ist der vollkommene Hohepriester nach der Weise Melchisedeks (Ps 110:4 / Hebr 7:17). Er hat Fürbitte für uns getan (Röm 8:34) und sandte uns den Heiligen Geist, der sich ebenfalls mit unaussprechlichen Seufzern für uns verwendet (Röm 8:26). Würden wir dieses Seufzen des Heiligen Geistes hören – wir wären zu Tränen gerührt über so viel liebende und treue Fürsorge!
Da wir so reich beschenkt wurden, haben wir allen Grund, an dem Bekenntnis festzuhalten: Wir haben einen unübertrefflichen Erlöser, der alles für uns getan hat und alles für uns geworden ist (Hebr 4:14). Durch ihn können wir für immer im Haus des himmlischen Vaters wohnen – im Reich des Sohnes seiner Liebe (Kol 1:13) / (Joh 14:2-3). Dies ist ein Bekenntnis für die beste Botschaft überhaupt.
Es lohnt sich, daran festzuhalten, auch wenn wir mit Widerstand rechnen müssen. Wir haben den stärksten Fürsprecher an unserer Seite (1Joh 2:1). Deshalb können wir vor Gott bestehen. Ihm gebühren Ehre und Anbetung!
Es sollen viele Völker sich zum HERRN wenden und sollen mein Volk sein.
Gott wird bei ihnen wohnen, und sie werden seine Völker sein, und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein.
In den ersten 2000 Jahren nach dem Sündenfall wandte sich der HERR nur einzelnen auserwählten Menschen zu, die ihm vertrauten (1Mo 5:24 / 1Mo 6:9). In den folgenden 2000 Jahren wählte sich Gott ein kleines Volk unter vielen Völkern aus und gab ihnen sein Wort (2Mo 19:5-6 / 5Mo 7:6-7). Aus diesem einzigartigen Volk stammt der Messias und Weltenerlöser. Das zeigen die Stammbäume Jesu (Mt 1:1-17 / Lk 3:23-38), und Jesus selbst erklärte der Samariterin am Jakobsbrunnen:
"Das Heil kommt von den Juden." (Joh 4:22)
Doch mit dem Kommen des Messias öffnete sich die Tür für alle Völker (Apg 10:34-35 / Gal 3:28). Die Verheißung an Abraham — dass in ihm alle Geschlechter der Erde gesegnet werden sollen (1Mo 12:3) — fand ihre erste Erfüllung. Deshalb wandte sich Gott in den letzten 2000 Jahren auch den Völkern zu, genau wie es in den Propheten verheißen wurde (Jes 49:6 / Sach 2:15).
Bemerkenswert ist, dass Israel im Tanach (AT) von Gott keinen Auftrag erhielt, andere Völker aktiv zu missionieren oder zum Glauben an JHWH (Jahweh) zu bekehren — anders als später im NT mit dem christlichen Missionsbefehl (Mt 28:19-20).
Zwar wurden vereinzelt Propheten beauftragt, Heidenvölkern Gericht anzukündigen, aber es gab nie einen Missionsbefehl. Als Jona beauftragt wurde, gegen die Stadt Ninive zu predigen — weil ihre Bosheit ein nie dagewesenes Maß erreichte — sagte er lediglich: „Noch vierzig Tage und Ninive ist zerstört (o. umgewendet)!" (Jona 3:4). Diese Botschaft und das Wirken des Geistes Gottes führten dazu, dass 120.000 Menschen Buße taten und von ihren bösen Taten umkehrten (Jona 3:10 / Jona 4:11). Ein sensationeller „Erfolg", den sich Jona jedoch überhaupt nicht wünschte, aber zeigt, dass Gottes Erbarmen schon damals über Israel hinausging!
In Sacharja 2:14 heißt es:
"Juble und freue dich, Tochter Zion! Denn siehe, ich komme und werde in deiner Mitte wohnen, spricht der HERR."
Diese Aussage erinnert an die Zeit, als Gott in der Stiftshütte wohnte (2Mo 25:8 / 2Mo 40:34), später im Tempel (1Kö 8:10-11) und dann durch seinen Sohn inmitten seines Volkes (Joh 1:14). Auch im kommenden tausendjährigen Reich wird der HERR in der Mitte seines Volkes Israel wohnen (Hes 43:7).
Die finale Erfüllung finden wir jedoch in Offenbarung 21, wo das himmlische Jerusalem auf die Erde herabkommen wird und Gott bei den Menschen wohnen wird (Offb 21:2-3). Der heutige Lehrtext deutet an, dass Menschen aus allen Nationen zu Gottes Volk gehören werden. Das zeigt: Gott verfolgte von Anfang an einen universellen Heilsplan (Offb 7:9).
Obwohl das himmlische Jerusalem als gigantische und herrliche Stadt beschrieben wird (Offb 21:10-21), wird es in Offenbarung 21,3 als Zelthütte Gottes bezeichnet — ein Bild für die familiäre Nähe Gottes zu den Menschen. Diese wunderbare Nähe wird auch im nachfolgenden Vers ersichtlich:
"Und er wird jede Träne von ihren Augen abwischen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Trauer noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen." (Offb 21:4)
Was für eine herrliche Zukunftsperspektive! Gott selbst wird bei uns wohnen und alle Not, alles Leid und allen Schmerz für immer beenden. Diese Hoffnung sollte uns heute schon Trost und Freude schenken, besonders in schweren Zeiten (Röm 8:18 / 2Kor 4:17-18).
Wenn ich schaue allein auf deine Gebote, so werde ich nicht zuschanden.
Jesus spricht: Das aber auf dem guten Land sind die, die das Wort hören und behalten in einem feinen, guten Herzen und bringen Frucht in Geduld.
Der Beter von Psalm 119 war überzeugt: Wer sich nach Gottes Weisungen richtet, wird am Ende nicht enttäuscht. Diese Zuversicht klingt auch heute noch erstaunlich aktuell. Er war nicht der Einzige mit dieser Gewissheit. Doch wie kam er dazu? Und wie können wir wissen, dass diese Überzeugung keine Illusion ist?
Wenn die Überzeugung, dass es einen allmächtigen Gott gibt, lediglich ein Produkt der menschlichen Fantasie ist, dann ist auch ein uneingeschränktes Vertrauen auf ihn nicht mehr als der „Griff nach einem Strohhalm" – und somit ein Hirngespinst. Wenn die Bibel lediglich eine Sammlung von Geschichten und Märchen ist, dann ist auch der Glaube an einen Gott, der uns retten kann, nichts weiter als eine fatale Selbsttäuschung. Diesen Gedanken griff Paulus auf, als er schrieb:
"Wenn wir allein in diesem Leben auf Christus gehofft haben, so sind wir die elendesten von allen Menschen." (1Kor 15:19)
Weil Paulus das Evangelium verkündigte, musste er unsagbar viel leiden. Wenn es keinen allmächtigen Gott gäbe – und somit auch keine Auferstehung der Toten –, dann hätte Paulus umsonst gelitten und gearbeitet. Das war ihm durchaus bewusst. Aber weil Christus ihm persönlich begegnet war (Apg 9:3-6) und er immer wieder das rettende Eingreifen Gottes erfahren durfte, wusste er: Gott ist eine bleibende Realität – ganz im Gegensatz zur sichtbaren materiellen Welt (2Kor 4:18).
Der Psalmist war überzeugt: „Ich werde nicht beschämt oder enttäuscht, wenn ich auf Gottes Anweisungen achte" (Ps 119:6). Vielleicht denkst du jetzt: „Aber ich wurde von Gott schon enttäuscht — und kenne andere, denen es genauso ging." Ein solches Empfinden ist real und schmerzt.
Da stellt sich zwangsläufig die Frage: „Kann es sein, dass Gott manchen beisteht, während er andere ‚links liegen' lässt? Oder hatten die einen einfach Glück und die anderen Pech?" Das würde dann eher dafür sprechen, dass Gott nicht wirklich existiert!
Jesus selbst sprach diese Spannung in seinem Gleichnis vom Sämann an (Lk 8:4-15). Der Sämann streut sein Saatgut auf vier verschiedene Böden aus. Einige Körner fielen auf Felsen. Sie keimten auf — aber weil es dort zu wenig Feuchtigkeit gab, verdorrten die Pflanzen wieder. Jesus verglich dieses Bild mit Menschen, die das Wort voller Freude aufnehmen — sich dann aber in der Zeit der Versuchung oder Prüfung enttäuscht abwenden. Was meint er damit? In Mt 13:21 — wo dieses Gleichnis ebenfalls steht — spricht Jesus auch von Bedrängnis und Verfolgung.
Wer Gottes Wort mit Freude aufnimmt und zugleich erwartet, dass Gott ihm ein problemloses und genussreiches Leben schenkt, wird zwangsläufig enttäuscht. Echter Glaube zeigt sich gerade darin, dass man Gott auch dann vertraut, wenn er anders führt, als wir es wünschen (Spr 3:5-6). Gott führt uns Wege, die wir uns nicht ausgesucht hätten. Er tut dies, weil er uns in schweren Zeiten in wertvolle Lernprozesse führen kann — die wir zu Beginn oft noch nicht erkennen (Röm 8:28).
In meinem Leben lief vieles anders, als ich es mir gewünscht hatte. Oft dachte ich: „Herr, muss das sein? Geht das nicht auch anders?" Trotzdem wusste ich: Er macht es gut — auch wenn ich es in dem Moment nicht verstehe und es mir anders wünschen würde!
Im kommenden Jahr jährt sich zum fünfzigsten Mal der Tag, an dem ich mein Leben Jesus Christus anvertraut habe. Heute darf ich bezeugen: Er hat mich in allen Höhen und Tiefen wunderbar durchgetragen — auch in Zeiten, die kaum auszuhalten waren (Ps 23:4).
Vertraue ihm, auch wenn er dich anders führt, als du es dir wünschst — du wirst sehen: Wer Gottes Wort bewahrt, wird am Ende nicht enttäuscht!
Wie könnt ihr rechten mit mir? Ihr seid alle von mir abgefallen, spricht der HERR.
Es ist hier kein Unterschied: Sie sind allesamt Sünder und ermangeln des Ruhmes, den sie vor Gott haben sollen, und werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade durch die Erlösung, die durch Christus Jesus geschehen ist.
Schon zur Zeit Jeremias wie auch im Römerbrief wird deutlich: Der Mensch neigt dazu, sich von Gott zu entfernen – doch Gott selbst schafft den Weg zurück.
Heute vor 508 Jahren – am 31. Oktober 1517 – soll Dr. Martin Luther seine 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche in Wittenberg angeschlagen haben. Diese Tat löste die Reformation aus, die sich über weite Teile Europas erstreckte. Darum feiert man heute mancherorts den Reformationstag. Doch was veranlasste Luther zu dieser mutigen und für ihn gefährlichen Aktion?
Zu dieser Zeit war Latein die offizielle Sprache der römisch-katholischen Kirche in ganz Westeuropa. Die Messen und Gottesdienste wurden auf Latein gefeiert, was nur gebildete Menschen verstanden. Das einfache Volk erlebte die Liturgie mehr andächtig mit und nahm wahr, dass hier etwas „Heiliges" vollzogen wurde. Gelegentlich gab es Predigten in der jeweiligen Landessprache, um dem Volk moralische oder religiöse Belehrung verständlich zu machen.
Das schuf die ideale Voraussetzung, um das Geschäft mit der Angst zu perfektionieren. Zuerst flößte man dem Volk große Furcht vor der Hölle ein, in die jeder kam, dem die Sünden nicht erlassen wurden. Dann kam man auf die Idee, sogenannte Ablassbriefe zu verkaufen. Durch sie wurden begangene – und sogar künftige – Sünden vergeben, damit die Höllenqualen vermieden oder zumindest reduziert werden konnten. Damals entstand der Slogan:
„Wenn die Münze im Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt."
Arme opferten teilweise ihr letztes Geld, um der Hölle zu entgehen. Die Reichen hingegen konnten sich unbekümmert weitere „Zusatzsünden" leisten. Dieses böse Geschäft machte die Kirche und andere Mächtige unsagbar reich!
Anfang des 16. Jahrhunderts studierte Martin Luther intensiv den Römerbrief. Dabei fiel es ihm wie Schuppen von den Augen: Alle Menschen sind verlorene Sünder und können vor Gott mit ihren eigenen Taten nicht bestehen (Röm 3:23). Doch Gott befreite uns durch die Sendung seines Sohnes von aller Schuld (Joh 3:16). Deshalb werden wir allein aus Gnade und durch den Glauben vor Gott gerechtfertigt und erhalten umsonst das ewige Leben (Röm 3:24 / Eph 2:8-9).
Das war zutiefst befreiend und stand im krassen Gegensatz zum profitablen Ablasshandel. Jeder Mensch, der unter seiner Sündhaftigkeit litt und sich vor der Hölle fürchtete, konnte durch diese revolutionäre Botschaft endlich aufatmen.
Paulus machte in seinem Brief an die Römer aber auch deutlich, dass diese erlösende Botschaft kein Freipass für ein sündiges Leben ist (Röm 6:1-2). Gott erwartet eine echte Umkehr, in der die Menschen nicht mehr sündigen, sondern aus der Liebe leben wollen (1Jo 4:19). Dass uns das nicht immer gelingt, ist ein anderes Problem, das Paulus im siebten Kapitel thematisiert (Röm 7:15-25). Entscheidend ist, was wir von ganzem Herzen wollen! Wer die befreiende Botschaft Gottes – und somit das Evangelium – wie Luther wirklich erfassen durfte, ist von der Liebe Gottes so sehr ergriffen, dass er lieben und dadurch auch nicht mehr sündigen will (1Jo 3:9)!
Brauchen die Landeskirchen und wir Christen nicht auch wieder eine Reformation – eine Rückbesinnung auf die göttlichen Werte, die uns eine Neuausrichtung ermöglicht? Sollten wir uns nicht auch wieder ganz neu auf Gottes Wort und seine wunderbare Liebe ausrichten, damit wir bereit sind, wenn Jesus Christus wiederkommt (1Thes 4:16-18)?
Wende dich, HERR, und errette meine Seele, hilf mir um deiner Güte willen!
Gott tröstet uns in aller unserer Bedrängnis, damit wir auch trösten können, die in allerlei Bedrängnis sind, mit dem Trost, mit dem wir selber getröstet werden von Gott.
„Schöpfer der Welt, danke, dass Du mir in jedem Augenblick beigestanden bist!" So äußerte sich Omer Shem Tov (22) in einem Social-Media-Post – der 505 Tage von der Hamas als Geisel festgehalten wurde. Und Ohad Ben Ami (55, deutsch-israelische Geisel) bezeugte in einem Video: „Unser Glaube an Gott hat mich gestärkt und gerettet; dank Gott bin ich jetzt hier nach der Gefangenschaft." Gestern hörten wir von einer freigelassenen Geisel, die sich nach der beglückenden Nähe Gottes zurücksehnt, die sie in der Gefangenschaft erfahren durfte.
Solche Zeugnisse zeigen uns, dass Gott real ist und selbst in den aussichtslosesten Situationen nahe bleibt – auf eine Weise, die unser Verstehen übersteigt (Jes 41:10 / Ps 46:2).
Auch König David bezeugt in vielen Psalmen, wie ihm Gott beistand. In Psalm 6 beschreibt er seinen Zustand auf besonders bewegende Weise: „Ich bin welk, … bestürzt, … müde, … voller Seufzen, Weinen und Tränen, … geschwächt und gealtert." Zudem berichtet er, wie er von Feinden bedrängt wird.
Doch was ihm die größte Not bereitete, war die Angst, durch Gottes Zorn bestraft und durch seinen Grimm gezüchtigt zu werden (Ps 6:2). Deshalb ruft er inständig zu Gott:
„Sei mir gnädig, HERR! … Kehre um, HERR, befreie meine Seele; rette mich um deiner Gnade willen!" (Ps 6:3-5)
Dieses Flehen – getragen vom Vertrauen, dass nur Gott helfen kann – führte zu einer tiefen Gewissheit:
„Der HERR hat die Stimme meines Weinens gehört. Der HERR hat mein Flehen gehört; mein Gebet nimmt der HERR an." (Ps 6:9-10)
Eine von Gott geschenkte Gewissheit gibt Kraft zum Durchhalten und spendet großen Trost (Röm 15:13).
Wer die Kapitel 1, 11 und 12 des 2. Korintherbriefes gelesen hat, kann erahnen, wie schwer das Schicksal des Apostels Paulus war und dass er mehr als einmal an seine Grenzen kam (2Kor 1 / 2Kor 11 / 2Kor 12). Sein „Leidenskatalog" ist emotional eine Zumutung, wenn man sich in die einzelnen Situationen hineinversetzt.
Doch Gott gab ihm ein wunderbares Gegengewicht: Er erfuhr den unbeschreiblichen Trost Gottes, der in ihm einen Frieden und eine Freude auslöste, die man nur dann wirklich nachempfinden kann, wenn man selbst Ähnliches durchlebt hat (2Kor 1:3-4). Vermutlich war auch er es, der in den dritten Himmel entrückt wurde und Dinge hörte, die ein Mensch in Worten gar nicht ausdrücken kann (2Kor 12:2-4).
Ich habe mich schon einmal gefragt: Warum hat Gott Paulus so viel leiden lassen, obwohl er seinem HERRN so treu und unermüdlich gedient hat? Er war und ist der größte Lehrer für alle Christen in den letzten 2000 Jahren. Als solcher wollte Gott ihn mit vielen Schicksalen der Christenheit konfrontieren. Es gibt kaum ein Leiden, mit dem er nicht ansatzweise in Berührung kam – sei es körperlich, seelisch oder geistlich (2Kor 11:23-28)!
Doch in jeder Situation schenkte Gott ihm immer wieder Trost, Geduld, Kraft und Freude (2Kor 12:9-10 / Phil 4:13). Durch seine einzigartigen Briefe konnte er so zum Tröster für eine gesamte Christenheit werden!
Wenn auch wir leiden, werden wir auf künftige, heilbringende Aufgaben vorbereitet – damit auch wir für andere Trost und Segen sein können (2Kor 1:4 / Röm 8:28)! Dafür sei Gott allein die Ehre!
Der HERR spricht: Werdet ihr meiner Stimme gehorchen und meinen Bund halten, so sollt ihr mein Eigentum sein vor allen Völkern; denn die ganze Erde ist mein.
Jesus spricht: Wenn ihr meine Gebote haltet, bleibt ihr in meiner Liebe, so wie ich meines Vaters Gebote gehalten habe und bleibe in seiner Liebe.
Nachdem Gott Israel aus der Sklaverei befreit und vor den Ägyptern gerettet hatte, führte er das Volk an den Berg Sinai in der Wüste (2Mo 19:1-2). Dort sprach er durch Mose zu seinem Volk. Gott vergleicht seine Rettungsaktion mit dem „Tragen auf Adlersflügeln" (2Mo 19:4). Die Auserwählung und Befreiung Israels geschah mit einer besonderen Absicht: Israel sollte ein Königreich von Priestern und eine heilige Nation sein (2Mo 19:6) – ein Volk, das für Gott abgesondert und für die Welt zum Segen bestimmt ist.
Was bedeutete die Berufung zu Priestern? Priester hatten besonderen Zugang zu Gott und vermittelten zwischen dem HERRN und dem Volk (2Mo 28:1). Sie brachten Sünd- und Dankopfer dar, sprachen Segensworte und lehrten das Gesetz (3Mo 10:11). Ihr Ziel war es, das Volk in eine vertiefte Gemeinschaft mit Gott zu führen. Damit dies geschehen konnte, schloss Gott einen Bund mit seinem Volk (2Mo 24:7-8). Das Fundament dieses Bundes ist eine Vertrauensbeziehung, die durch die Beachtung der vereinbarten Gebote gestärkt wird.
Wenn Gott einen Bund schließt (wörtlich: schneidet), ist das immer ein Ausdruck seiner Liebe — er sucht eine vertrauensvolle Liebesbeziehung mit seinem Bundespartner (5Mo 7:9). Bei der Beachtung der Gebote, die zu seinem Bund gehören, geht es nicht darum, Gott zu beweisen, dass man sie einhalten kann. Es geht vielmehr darum, die Vertrauensbeziehung zu ihm zu suchen und zu bewahren.
Wir verbinden den Begriff „Gehorsam" oft mit Einschränkung und Unfreiheit — wer gehorchen „muss", kann scheinbar nicht tun, was er will. Dabei übersehen wir: Gott gehorchen bedeutet, auf denjenigen zu hören, der als einziger über Ewigkeitserfahrung verfügt (Jes 46:9-10). Wer als Unerfahrener den besten Berater mit der größten Erfahrung an seiner Seite hat, ist gegenüber anderen klar im Vorteil. Wenn ein Kind alles tun kann, was es will, macht es zahlreiche schmerzhafte Erfahrungen, die vermeidbar gewesen wären, hätte es zuerst auf seine Eltern gehört und ihnen gehorcht (Spr 1:8-9).
Jesus Christus hat uns Gebote gegeben, die uns bewahren und in die wahre Freiheit führen (Joh 8:31-32). Seine Gebote sind Gebote der Liebe, denn er sagte:
"Ein neues Gebot gebe ich euch, dass ihr einander liebt, damit, wie ich euch geliebt habe, auch ihr einander liebt." (Joh 13:34)
Das Gebot der Nächstenliebe ist nicht neu (3Mo 19:18). Doch durch das Leben und Sterben Jesu erhielt es einen vertieften und erweiterten Inhalt: Er liebte seine Jünger nicht nur wie sich selbst, sondern so sehr, dass er sein Leben für sie gab (Joh 15:13)!
Im heutigen Lehrtext aus Johannes 15:10 wird die Parallelität zwischen Jesu Beziehung zum Vater und der Beziehung der Jünger zu Jesus besonders deutlich. Jesus stellt sich als Vorbild dar, indem er auf seinen eigenen Gehorsam gegenüber dem Vater verweist.
Gehorsam gegenüber seinen Geboten und die Liebe zu Jesus gehören untrennbar zusammen — ein zentrales Thema in den Abschiedsreden Jesu (Joh 14:15). Das Halten der Gebote wird nicht als Last dargestellt, sondern als natürliche Folge der erfahrenen Liebe Jesu. Darum ist das Halten seiner Gebote ein Ausdruck der Liebesbeziehung zu ihm (1Jo 5:3).
Nur wer sich unendlich von Gott geliebt weiß und ihm vertraut, kann ihm wirklich gehorchen und seine Liebesgebote einhalten (1Jo 4:19)!
Wer zugrunde gehen soll, der wird zuvor stolz; und Hochmut kommt vor dem Fall.
Jesus sprach: Was aus dem Menschen herauskommt, das macht den Menschen unrein.
Wenn jemand überheblich auftritt, lächeln wir oft — bis wir uns selbst darin erkennen. Das Sprichwort „Hochmut kommt vor dem Fall" wird im Volksmund immer wieder zitiert — meist etwas spaßeshalber, wenn jemandem ein Missgeschick passiert ist. Damit wird dieses biblische Zitat, das vermutlich schon etwa 3000 Jahre alt ist, bagatellisiert. Doch die Bibel warnt mehrfach vor der Gefahr des Hochmuts und belegt dies mit etlichen Beispielen: Nebukadnezar, König Usija, der schirmende Cherub (Dan 4 / 2Chr 26,16–21 / Hes 28,11–19). In Markus 7,22 reiht Jesus den Hochmut zu den bösen Gedanken ein. Das zeigt, wie negativ der HERR diese Eigenschaft beurteilt.
In unserer Gesellschaft wird Überheblichkeit manchmal mit Selbstbewusstsein gleichgesetzt. Bei erfolgreichen und mächtigen Menschen wird dies oft als Stärke interpretiert – denn mit Demut kommt kaum jemand an die Macht. Es sei denn, Gott selbst beruft einen Demütigen in eine Machtposition.
Interessanterweise steht im hebräischen Grundtext von Sprüche 16:18 das Wort ruach – „Geist". Wörtlich übersetzt heißt es: „Vor dem Straucheln ist die Erhebung des Geistes." Hochmut ist also eine Aufblähung des eigenen Geistes – eine innere Selbstüberschätzung, die zur Selbsterhöhung führt.
Bemerkenswert ist auch, dass uns der eigene Stolz normalerweise kaum stört und wir ihn nur schwer erkennen können. Den Hochmut anderer empfinden wir dagegen meist als sehr „ätzend". Er ist wie ein Balken im eigenen Auge, den wir übersehen, während wir den Splitter im Auge unseres Bruders – also ein kleines Fehlverhalten – sehr gut wahrnehmen (Mt 7:3-5). Warum empfinden wir vor dem eigenen Hochmut kaum Abscheu? Weil er uns scheinbar ein besseres Selbstwertgefühl vermittelt. Das zeigt, dass wir unseren Selbstwert immer noch über unsere Leistung, Begabung oder Stellung in der Gesellschaft definieren – statt über die von Gott geschenkte Identität, ein geliebtes Kind Gottes sein zu dürfen (1Jo 3:1).
Der „pharisäische Hochmut" ist unter uns Christen wahrscheinlich weiter verbreitet, als wir denken – vor allem, weil wir ihn nicht als solchen wahrnehmen (Lk 18:9-14). Immer wenn wir auf andere Christen herabschauen und uns besser als sie fühlen, sind wir hochmütig. Durch das ständige Vergleichen mit anderen suchen wir die Fehler unserer Mitchristen. Gleichzeitig schauen wir auf unsere eigenen Begabungen, auf unser vermeintlich tieferes Wissen oder auf unsere Erfolge und guten Taten – was uns scheinbar zu „besseren Christen" macht.
Der Hochmut unseres Herzens dringt früher oder später nach außen und verunreinigt uns (Mk 7:20-23). Stolz verbreitet einen „geistlichen Gestank", während Demut bei Gott als Wohlgeruch empfunden wird. Aber nicht nur das: Hochmut nimmt Gott die Ehre und entwertet das Gegenüber, das Gott auf einmalige Art und Weise geschaffen hat. Der Hochmütige hat nicht erkannt, dass alles, was er ist und hat, ein Geschenk Gottes ist – er bläht sich auf und verhält sich töricht (1Kor 4:7). Darum widersteht Gott dem Hochmütigen, ganz im Gegensatz zum Demütigen, den er mit Gnade und letztlich auch mit Vollmacht beschenkt (Jak 4:6 / 1Petr 5:5).
Wenn wir erkannt haben, wie wertvoll wir in Gottes Augen sind – weil er uns liebt und für uns den höchsten Preis bezahlt hat (1Kor 6:20) –, brauchen wir unseren Selbstwert nicht mehr über unser vermeintliches Bessersein zu definieren. Alles, was wir sind und haben, ist Gnade. Wer das erkennt, kann Gott die Ehre geben und andere höher achten als sich selbst (Phil 2:3). Denn wer in Christus ruht, braucht sich nicht mehr zu erhöhen. In dieser Freiheit wächst wahre Demut – und mit ihr die Liebe zum Nächsten.
Reflexion:
Wo spüre ich in mir die Versuchung zur Selbstüberhöhung?
Wie kann ich heute bewusst Gott die Ehre geben – und einem anderen Menschen Wert zusprechen?
Aller Augen warten auf dich, und du gibst ihnen ihre Speise zur rechten Zeit. Du tust deine Hand auf und sättigst alles, was lebt, mit Wohlgefallen.
Johannes der Täufer sprach: Wer zwei Hemden hat, der gebe dem, der keines hat; und wer Speise hat, tue ebenso.
Der heutige Losungstext erinnert mich an einen Hund, der voller Erwartung auf sein Herrchen blickt, wenn dieser zum Schrank läuft, in dem die Hundekekse sind. Manchmal kann man seine Vorfreude in seinen Augen erkennen – meist begleitet von klassischem Schwanzwedeln.
In den meisten Ländern gibt es viele herrenlose Hunde, die herumstreunen und nach Nahrung suchen. Sie durchstöbern Essensreste und Abfälle in Städten und Dörfern. Kaum jemand mag sie – viele empfinden sie als lästig. Hunde mit einem Besitzer haben es meist wesentlich besser: Sie werden gut versorgt und geliebt. Viele Hunde leben von den Menschen, doch nur ein Teil hat einen Herrn und Besitzer.
Wie der Hund auf seine Fütterung wartet, so dürfen wir Menschen auf Gottes Versorgung vertrauen. Alle Geschöpfe leben von den guten Gaben, die uns der allmächtige Gott mit Wohlgefallen und aus Gnade schenkt – aber nur ein Teil weiß es. Diejenigen, die es wissen und daran glauben, wissen auch, dass sie einen HERRN haben, der ihnen zur rechten Zeit gibt, was sie brauchen. Das Beste aber ist die Gewissheit, sich unendlich und bedingungslos geliebt zu wissen.
Ohne einen allmächtigen Herrn bleibt nur das Vertrauen auf sich selbst und die eigenen Vorkehrungen – die jedoch keine wirkliche Sicherheit bieten. Solange man erfolgreich ist und im Leben alles gut läuft, meint man, auf sich selbst oder andere Menschen vertrauen zu können. Doch wenn ein schwerer Schicksalsschlag uns trifft, macht sich plötzlich große Unsicherheit breit – und womöglich auch Angst.
Wer Jesus Christus seinen HERRN nennen kann, weiß sich bedingungslos geliebt und darf in Sicherheit leben. Damit ist kein problemloses oder schmerzfreies Leben gemeint, sondern die wachsende Gewissheit, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen müssen (Röm 8:28).
Wer um Gottes treue Versorgung weiß, darf sich von seiner Großzügigkeit inspirieren lassen und selbst ein fröhlicher Geber werden – sofern es ihm möglich ist (2Kor 9:7).
Genau das riet auch Johannes der Täufer, als das Volk ihn fragte, was sie tun sollten (Lk 3:10-11). Sie fragten ihn, weil er sie zur Buße und damit zur Umsinnung aufrief. Die Menschen wollten wissen, welche praktischen Folgen ein Umdenken hatte. Vereinfacht gesagt: Eine echte Buße hat immer eine tätige Liebe zur Folge. Darum forderte Johannes zum Teilen auf – mit denen, die nichts oder zu wenig haben.
Johannes verlangte nicht, alles zu geben, sodass man selbst nichts mehr hat. Wer zwei Hemden hat, gebe dem, der keines hat. Jesus selbst ging in seiner Liebe noch weiter: Er gab alles, was er hatte, und am Ende sogar sein Leben. Darum sagte er:
„Größere Liebe hat niemand als die, dass er sein Leben hingibt für seine Freunde." (Joh 15:13)
Durch diese Hingabe dürfen wir uns unendlich geliebt wissen – was für ein Geschenk!
Weigere dich nicht, dem Bedürftigen Gutes zu tun, wenn deine Hand es vermag.
Wenn in eure Versammlung ein Mann kommt mit einem goldenen Ring und in herrlicher Kleidung, es kommt aber auch ein Armer in unsauberer Kleidung, und ihr seht auf den, der herrlich gekleidet ist, und sprecht zu ihm: Setz du dich hierher auf den guten Platz!, und sprecht zu dem Armen: Stell du dich dorthin!, oder: Setz dich unten zu meinen Füßen!, macht ihr dann nicht Unterschiede unter euch und urteilt mit bösen Gedanken?
In biblischen Zeiten konnte man relativ schnell in die Armut fallen. Ein Ernteausfall bedrohte die Bauern existenziell, da sie kaum etwas hatten, das sie verkaufen konnten. Um Steuern, Zölle oder andere notwendige Dinge bezahlen zu können, liehen sie sich Geld und gerieten so in die Schuldenfalle. Wenn sie die Schuld nicht zurückzahlen konnten, wurden Hab und Gut enteignet – am Ende mussten sie sogar die Kinder oder sich selbst als Sklaven verkaufen (3Mo 25:39-41). Wer sich schwer verletzte oder über längere Zeit krank wurde, geriet ebenfalls oft ins Elend.
Arbeitsunfähige konnten einigermaßen überleben, wenn sie eine fürsorgliche Familie hatten, die sie unterstützte. Ansonsten blieb nur das Betteln. Damit konnten sie – wenn sie Glück hatten – ihren ärgsten Hunger stillen. An neue Kleidung war kaum zu denken, und Schlafplätze, die vor Wind und Wetter schützten, waren oft nur spärlich vorhanden. Mittellosigkeit wurde nicht selten als Fluch und göttliche Strafe für ein Vergehen interpretiert, sodass etliche sich sagten: „Die Armen haben sich ihr Schicksal selbst zu verdanken!" (Joh 9:2)
Armut war allgegenwärtig, und viele lebten in der Angst, selbst hineinzurutschen. Diese Angst förderte Gier – und Gier führt stets zu Rücksichtslosigkeit und Ungerechtigkeit (1Tim 6:9-10).
Damals wie heute bleibt die Frage dieselbe: Wie gehen wir mit den Schwachen um, die unsere Gesellschaft lieber übersieht? (Spr 14:31)
Heute kümmert sich in weiten Teilen der Staat um Bedürftige, wobei eine Minderheit durchs soziale Netz fällt. Die staatliche Absicherung ist mittlerweile sehr umfangreich: Arbeitslosengeld, Sozialhilfe, Bürgergeld, Alters- und Invalidenrenten. Gesetze und Sozialleistungen können Not lindern – aber sie ersetzen keine Liebe. Wo das Herz sich abwendet und nur noch die Bürokratie hilft, wird Mitmenschlichkeit kalt. Es besteht nämlich die Gefahr, dass wir bei jeder Not in unserem persönlichen Umfeld sagen: „Der Staat soll sich darum kümmern – das ist nicht meine Aufgabe!" Mit einer solchen Einstellung verlernen wir auch, ganz praktisch aus der Liebe zu leben.
Jakobus spricht in diesem Abschnitt vom königlichen Gesetz und zitiert es sofort:
»Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst« (Jak 2:8)
Das ist nicht das Gesetz eines weltlichen Königs, sondern das Gesetz des Königs der Könige – das Gesetz des allmächtigen Gottes. Die Befolgung dieses Gesetzes hat nichts mit Gesetzlichkeit zu tun, denn praktizierte Gesetzlichkeit steht außerhalb der Liebe. Die Liebe praktisch zu leben gehört zum unumstößlichen Willen Gottes für uns alle! (1Jo 4:7-8)
Die ersten christlichen Gemeinden hatten einen großen Zulauf an Bedürftigen. Diese fanden dort zweierlei: Hilfe, die ihre Not linderte, und Wertschätzung, die ihnen guttat. Allein das Wissen, durch den Glauben ein Kind Gottes geworden zu sein, war für sie ein großer Trost – vor allem, weil sie jahrelang unter ihrer Identität gelitten hatten, da sie in der Gesellschaft als von Gott Verfluchte galten (Joh 9:2).
Doch die vielen Bedürftigen in den Gemeinden wurden zu einer großen Herausforderung. Es bedeutete vermehrte Opferbereitschaft und noch größere Spendenwilligkeit. Vielleicht gab es auch Arme, die sich gerne bedienen ließen und es nicht für nötig hielten, selbst mit anzupacken, obwohl es ihnen möglich gewesen wäre (2Thes 3:10).
Solche oder ähnliche Szenarien führten womöglich dazu, dass die Stimmung kippte. Die reichen Gläubigen fielen in ihr altes Verhaltensmuster der Gier zurück. Neu hinzugekommene Reiche dachten vielleicht, es sei gar nicht nötig, ihren Lebensstil zu ändern. Etliche begannen wieder, den Erfolgreichen und Wohlhabenden mehr Wertschätzung zu geben, während sie die Bedürftigen auf die „hinteren Plätze" verwiesen.
Jakobus erkannte, dass dieses Verhalten weder der Gesinnung Jesu Christi noch dem königlichen Gesetz entspricht – der göttlichen Liebe. Der Jakobusbrief ist deshalb auch eine Kampfschrift gegen Gleichgültigkeit, Geringschätzung und Lieblosigkeit.
Deshalb ermahnt er die Gläubigen in Vers 1, den Glauben Jesu Christi zu ergreifen, damit sie aus dem Vertrauen auf Gott und aus der Liebe heraus leben (Jak 2:1). Ohne Vertrauen auf Gott können wir nicht aus einer göttlichen, hingebenden und opferbereiten Liebe leben. Liebe ist keine Theorie, sondern praktizierte gegenseitige Fürsorge – darum schreibt auch Johannes:
"Kinder, lasst uns nicht lieben mit Worten noch mit der Zunge, sondern in Tat und Wahrheit!" (1Jo 3:18)
Echte Nachfolge zeigt sich nicht in schönen Worten, sondern im Dienst am Nächsten (Mt 25:40). Dort, wo Liebe praktisch wird, wird Gottes Reich sichtbar – mitten unter uns.
Ihr sollt Brot die Fülle haben und sollt sicher in eurem Lande wohnen.
Gottes Brot ist dasjenige, das vom Himmel herabkommt und der Welt Leben gibt.
"Unser tägliches Brot gib uns heute!" So lehrte Jesus im "Vaterunser" seine Jünger beten (Mt 6:11). Obwohl dieses Mustergebet nur wenige Sätze enthält, war diese Bitte für Jesus ein zentrales Anliegen und dadurch auch von grundlegender Bedeutung. Dieser Satz befindet sich sogar in der Mitte des Gebets (wenn man vom Originaltext aus Mt 6:9-13 ausgeht).
Brot war in biblischen Zeiten das Grundnahrungsmittel – und ist es für viele Menschen auf der Welt noch heute. Obwohl Brot heute etwas in Verruf gekommen ist, war es vor 2000 Jahren wesentlich gesünder: Es enthielt nur wenig Gluten und wurde aus vollwertigem Korn hergestellt. Es lieferte die notwendige Energie für den Alltag und symbolisierte Gottes Fürsorge für sein Volk.
Gott schenkt Sonne, Wind und Regen. Er lässt Weizen, Gerste und andere Körner wachsen. Er gab uns Menschen die Weisheit, durch einen komplexen Prozess Brot herzustellen. All das ist ein bemerkenswertes Wunder, das uns leider allzu oft selbstverständlich geworden ist – vielleicht, weil wir in Westeuropa seit Jahrzehnten „Brot die Fülle" haben. Darum haben wir allen Grund, während des Essens ein von Herzen kommendes Dankgebet zu sprechen. Ein solches Gebet gibt Gott die ihm gebührende Ehre und bewirkt zugleich eine größere Zufriedenheit in uns, was sich positiv auf Leib und Seele auswirkt.
Jesus sagte aber auch, dass der Mensch nicht vom Brot allein lebt, sondern von jedem Wort, das aus dem Munde Gottes kommt (Mt 4:4 / 5Mo 8:3). So wie unser Leib das tägliche Brot benötigt, um weiterleben zu können, so brauchen auch Seele und Geist eine geistliche Nahrung, um wachsen und gedeihen zu können. Was wären wir für Wesen, wenn nie ein Mensch mit uns geredet hätte? Hätten wir dann ein Bewusstsein? Könnten wir dann überhaupt existieren? Ein solches Szenario ist nur schwer vorstellbar. Ohne Worte hätten wir nie die Wunderwelt der Mathematik, der Physik und anderer Wissenschaften entdecken können.
Ohne die lebendigen Worte unseres Schöpfers wüssten wir nicht, woher wir kommen und wohin wir gehen. Wir wüssten nicht, welche Bestimmung und Identität wir haben. Ohne Gottes Worte wären wir lediglich ein organischer „Zellhaufen", der gefüttert und unterhalten werden will. Allein der Schöpfer des Menschen kann uns das Bewusstsein über unsere wahre Identität geben (1Mo 1:27).
Deshalb sind die Worte Gottes geistliche Nahrung für Seele und Geist (Ps 119:103). Jesus verwendete das Bild vom Brot, um auf das wahre „Brot des Lebens" hinzuweisen, das aus dem Himmel zu uns herabgekommen ist (Joh 6:33). Er selbst ist dieses Brot, denn er ist das fleischgewordene Wort Gottes (Joh 1:14). Wer auf ihn hört und seine Worte im Herzen bewegt, isst das geistliche Brot, das den tiefsten Hunger der Seele und die größte Sehnsucht des Geistes stillt (Joh 6:35).
Jesus Christus ist das wahre Brot, das vom Himmel gekommen ist – und wer ihn empfängt, findet den Weg und das Leben selbst (Joh 14:6).
Es gibt eine Hoffnung für deine Zukunft, spricht der HERR.
Gott wollte in den kommenden Zeiten den überwältigenden Reichtum seiner Gnade zeigen durch die Güte, die er uns erweist in Christus Jesus.
Es gibt Situationen im Leben, wo man das Gefühl hat: „Mein Leben ist ein einziger Scherbenhaufen!" Man weiß nicht mehr weiter und hat kaum noch Hoffnung, dass es wieder gut werden könnte. Es gehört zu den schwersten Stunden des Lebens, wenn sich Hoffnungslosigkeit breit macht, weil man keinen Ausweg mehr sieht (Ps 42:6). In solchen Situationen brauchen wir unbedingt einen Lichtblick – und den bekommen wir in besonderer Weise bei dem allmächtigen Gott. Denn er steht über Raum und Zeit und hat als Einziger die volle Kontrolle über alles Geschehen, sowohl in der Gegenwart als auch in allen künftigen Zeitaltern (Jes 46:10).
Die Kapitel 30 und 31 aus dem Propheten Jeremia werden auch als „Trostbüchlein" bezeichnet. Es ist nicht ganz klar, ob Jeremia diese Botschaft unmittelbar vor oder nach der Eroberung Jerusalems durch König Nebukadnezar verkündete. In diesem Text wird auch die Klage „Rahels" erwähnt, die über ihre Kinder in Rama weint (Jer 31:15). Viele gefangene Israeliten wurden in Rama zusammengeführt und dann nach Babel verschleppt. Rahel war die Mutter von Josef und Benjamin sowie die Großmutter von Ephraim und Manasse. Sie steht hier bildhaft für das Nord- und Südreich Israels. Beide Reiche wurden zerstört – verständlicherweise machte sich da auch eine tiefe Hoffnungslosigkeit breit.
Doch durch seinen Propheten schenkt der Gott Israels seinem Volk große Hoffnung: Er verheißt eine Rückkehr (Jer 31:16-17). Wer diesen Worten glaubte, hatte nicht nur vage Hoffnung, sondern eine feste Erwartung – geprägt von tiefer Gewissheit.
Doch mitten in dieser Geschichte von Schmerz und Verlust öffnet Gott selbst ein Fenster der Zukunft – einen Blick auf seine kommende Heilstat. Das „Trostbüchlein" Jeremias enthält nicht nur die Verheißung der Rückkehr, sondern auch die eines neuen Bundes. Bei diesem neuen Bund wird eine fundamentale Erneuerung angekündigt. So heißt es in den Versen 31 bis 34:
"Siehe, Tage kommen, spricht der HERR, da schließe ich mit dem Haus Israel und mit dem Haus Juda einen neuen Bund: nicht wie der Bund, den ich mit ihren Vätern geschlossen habe an dem Tag, als ich sie bei der Hand fasste, um sie aus dem Land Ägypten herauszuführen – diesen meinen Bund haben sie gebrochen, obwohl ich doch ihr Herr war, spricht der HERR. Sondern das ist der Bund, den ich mit dem Haus Israel nach jenen Tagen schließen werde, spricht der HERR: Ich lege mein Gesetz in ihr Inneres und werde es auf ihr Herz schreiben. Und ich werde ihr Gott sein, und sie werden mein Volk sein. Dann wird nicht mehr einer seinen Nächsten oder einer seinen Bruder lehren und sagen: Erkennt den HERRN! Denn sie alle werden mich erkennen von ihrem Kleinsten bis zu ihrem Größten, spricht der HERR. Denn ich werde ihre Schuld vergeben und an ihre Sünde nicht mehr denken." (Jer 31:31-34)
Jesus Christus setzte diesen neuen Bund beim Herrenmahl ein, als er sagte: „Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut, das für euch vergossen wird." (Lk 22:20)
Ein wesentliches Merkmal dieses neuen Bundes ist die vollständige Verwandlung der Herzen (Hes 36:26). Wer die hingebende Liebe Jesu erkennen durfte und mit der Liebe Gottes erfüllt wurde, ist von Gott grundlegend verändert worden (2Kor 5:17). Es geht nicht mehr um Selbstverwirklichung, sondern um eine Lebensführung, die von hingebender Liebe geprägt ist (Gal 2:20). Diese Transformation ist allein durch die Gnade Gottes möglich geworden (Eph 2:8-9).
Gott hat damit bereits begonnen, indem er eine Auswahl aus dem Volk Israel sowie eine Auswahl aus allen Nationen zu einem „Leib" gebildet hat (Eph 2:14-16). Die weltweite Gemeinde Jesu Christi bildet diesen Leib, und sie wird in den künftigen Zeitaltern zu einem „Demonstrationsobjekt" seiner göttlichen Gnade (Eph 2:7). An ihr soll die ganze Schöpfung die wunderbare Gnade Gottes erkennen, die aus den größten Sündern liebende Kinder Gottes machte (1Tim 1:15-16). Durch diese Zur-Schau-Stellung der Gnade Gottes entsteht auch eine begründete und feste Erwartung, dass auch die Schöpfung freigemacht werden wird zur Freiheit der Herrlichkeit der Kinder Gottes (Röm 8:21)! Dafür können wir unserem Gott heute schon nicht genug danken und ihn anbeten!
Bringt eine Mutter es fertig, ihren Säugling zu vergessen? Hat sie nicht Mitleid mit dem Kind, das sie in ihrem Leib getragen hat? Und selbst wenn sie es vergessen könnte, ich vergesse euch nicht!
Gott ist Liebe.
Ein Satz vor dem heutigen Losungsvers sagt „Zion": „Verlassen hat mich der HERR, der Herr hat mich vergessen" (Jes 49:14). In prophetischen Texten steht der Berg „Zion" oft bildhaft für die Bewohner Jerusalems oder das ganze Volk Israel. Beide haben im Laufe ihrer Geschichte unsagbar viel gelitten. In mancher Niedergeschlagenheit hatten sie das Gefühl der Gottverlassenheit. Manche Überlebende des Holocaust kamen gar zu dem bitteren Schluss: „Der Gott Israels ist lediglich eine Erfindung des Menschen und existiert gar nicht!"
Doch der Prophet Jesaja muss im Auftrag Gottes verkünden: „Es ist unmöglich, dass ich euch vergesse!" (Jes 49:15). Dabei benutzt er das eindrückliche Bild einer stillenden Mutter, die ihren Säugling nicht vergessen kann. Dieses Bild verdeutlicht tiefste emotionale Bindung. Normalerweise steht kein Mensch dem Säugling so nahe wie eine stillende Mutter. Für ihr Baby tut die Mutter alles, was sie kann: Sie schenkt ihm ihre ganze Liebe und Fürsorge, erkennt seine Bedürfnisse und beschützt es. Dass eine Mutter ihren Säugling vergisst, ist fast undenkbar. Doch selbst wenn es das geben sollte: Gott vergisst sein Volk nie. Er ist seinem Volk noch näher als die Mutter ihrem Kind — auch wenn das nicht immer erkennbar sein sollte.
Gott verstärkt das Bild seiner Verbundenheit noch: Im nächsten Vers sagt er durch Jesaja: „Siehe, in meine beiden Handflächen habe ich dich eingezeichnet" (Jes 49:16). Vielleicht hast du auch schon Leute beobachtet, die keinen Zettel hatten, aber einen Kugelschreiber — und etwas in ihre Handfläche schrieben, um es ja nicht zu vergessen und ständig daran erinnert zu werden. In der Antike war das Schreiben auf die Handfläche ein Symbol für bleibende Erinnerung und Schutz. Es war auch ein Zeichen tiefster Verbundenheit und inniger Liebe. Bei Gott heißt das: Wir sind unauslöschlich in sein Herz eingeschrieben. Niemand ist intensiver mit uns verbunden als der allmächtige Gott, der auch die Liebe in Person ist.
Der Apostel Johannes ist der einzige Autor in der Bibel, der zweimal schrieb: „Gott ist Liebe" (1Jo 4:8 / 1Jo 4:16). Kein anderes Buch verwendet den Begriff Liebe so oft wie der 1. Johannesbrief, und in keinem Kapitel finden wir das griechische Wort agape häufiger als in 1. Johannes 4. Der Apostel bezeichnet sich selbst im Johannesevangelium nie als Johannes, sondern immer als den „Jünger, den Jesus liebte" (Joh 13:23 / Joh 19:26 / Joh 21:7). Das heißt: Johannes definierte seine Identität darüber, ein „Geliebter Jesu" zu sein. Für ihn war das das Wichtigste, Schönste und Erfüllendste.
Nichts schenkt unserem Herzen mehr Freude und Frieden als die tiefe Erkenntnis, von Gott bedingungslos geliebt zu sein!
Das griechische Wort „agape" kommt von „agamai", was auch „anstaunen", „bewundern" oder „an etwas Freude haben" bedeutet. Die verwandten Begriffe „aga" (sehr schätzen) und „agalliao" (jubeln) machen deutlich, was die Agape auslöst. Wer die göttliche Liebe erkannt hat, ist so sehr von ihr ergriffen, dass er Gott nur noch voller Hingabe anbeten will. Er will nichts anderes mehr, als aus dieser Liebe zu leben — denn sie ist die ultimative Lebenserfüllung.
Es mag andere „Götter" geben, die behaupten, Liebe zu sein — doch keiner hat seine Liebe so sehr unter Beweis gestellt wie der Gott der Bibel. Keiner hat sie uns so deutlich vorgelebt wie der Sohn Gottes, der sich aus vollkommener Liebe für uns hingegeben hat, um uns alles zu schenken (Röm 8:32). Darum schreibt Johannes auch:
"Darin ist die Liebe Gottes zu uns offenbart worden, dass Gott seinen eingeborenen Sohn in die Welt gesandt hat, damit wir durch ihn leben" (1Jo 4:9)
Und schließlich:
"Seht, welch eine Liebe uns der Vater gegeben hat, dass wir Kinder Gottes heißen sollen! Und wir sind es." (1Jo 3:1)
So spricht der HERR: Gleichwie ich über dies Volk all dies große Unheil habe kommen lassen, so will ich auch alles Gute über sie kommen lassen, das ich ihnen zugesagt habe.
Unsre Hoffnung steht fest für euch, weil wir wissen: Wie ihr an den Leiden teilhabt, so habt ihr auch am Trost teil.
Gibt es einen Menschen, der nie gelitten hat? Gibt es jemanden, der nie ein persönliches Unglück erfahren musste? Ich kenne keinen. Sowohl Gerechte als auch Ungerechte werden früher oder später mit Leid konfrontiert (Pred 9:2). Die Ursachen dafür sind vielfältig, und unser Empfinden darüber, was „schwer" oder „leicht" ist, bleibt subjektiv.
Petrus schrieb einen aufschlussreichen Satz dazu:
"Denn es ist besser, wenn der Wille Gottes es will, für Gutestun zu leiden als für Bösestun." (1Petr 3:17)
Manches Leid ist die unmittelbare Folge von falschem Handeln. Wer stiehlt und dafür ins Gefängnis kommt, leidet, weil er Böses getan hat (1Petr 2:20). Andere hingegen leiden, weil sie das Gute tun – weil sie Wahrheit sagen oder gegen Unrecht aufstehen. So wie Dietrich Bonhoeffer, der das deutsche Volk vor dem Nationalsozialismus warnte und dafür ins Gefängnis kam und schließlich hingerichtet wurde.
Jeremia 32 macht deutlich, dass ein großes Unheil über Jerusalem kam, weil die Bevölkerung Böses getan hatte und trotz mehrfacher Warnungen nicht umkehrte (Jer 32:30-32). Sie praktizierten unter anderem den abscheulichsten Götzendienst, den man sich vorstellen kann (Jer 32:35). Die Eroberung und Zerstörung Jerusalems durch die Babylonier war das von Gott verordnete Strafgericht über diese Stadt.
Doch das Gericht war nicht das Ende! Durch Jeremia kündigt Gott zugleich Heil und Wiederherstellung an (Jer 32:42). Auf das Unheil folgt Erbarmen, auf die Zerstörung Hoffnung. Gott verfolgt in allem, was er tut, ein gutes Ziel (Röm 8:28). So ließ er Jeremia ein Feld in Anatot kaufen – ein prophetisches Zeichen dafür, dass einst wieder Häuser und Felder in Juda gebaut werden würden (Jer 32:15).
Auch Paulus erlebte Leid und Bedrängnis. Im ersten Kapitel des zweiten Korintherbriefs beschreibt er, wie sehr er und seine Mitarbeiter an die Grenze ihrer Kräfte kamen (2Kor 1:8). Doch gerade dort erfuhren sie den überströmenden Trost Gottes – so tief, dass Paulus Gott nur noch preisen und anbeten konnte (2Kor 1:3-4).
Wie eine Mutter ihr weinendes Kind auf den Schoß nimmt, es umarmt, seine Tränen abwischt und liebevoll tröstet (Jes 66:13), so wird auch Gott eines Tages alle Tränen abwischen, jeden Einzelnen trösten und ihm nahe sein (Offb 21:4). Dann wird niemand das durchlebte Leid mehr missen wollen, weil es in unvergleichlicher Herrlichkeit aufgewogen wird (Röm 8:18).
Gerade das Leid und der Schmerz schaffen die Voraussetzung für die kostbare und tröstende Nähe Gottes!
Der Trost, den der Vater der Erbarmungen schenkt (2Kor 1:3), lässt uns die alles übertreffende Liebe und Nähe Gottes spüren. Diese Erfahrung bewegt uns tief, verändert uns und befähigt uns, andere zu trösten (2Kor 1:4). Gottes wunderbarer Trost lässt sich nicht in Worte fassen – er muss erlebt werden, wenn die Zeit dafür reif ist!
Gottes Ziel ist unsere Heilung, unsere Reifung und die Erfahrung seiner Nähe (Jak 1:2-4). Wenn wir lernen, ihm auch im Dunkel zu vertrauen, werden wir erleben, dass er alles zum Guten führt (Röm 8:28).
Abram zog aus, wie der HERR zu ihm gesagt hatte.
So hat Gott auch uns berufen, nicht allein aus den Juden, sondern auch aus den Heiden.
Ursprünglich wohnten Abram und sein Vater Terach in Ur, einer Stadt der Chaldäer (1Mo 11:31). Terach entschied sich, das Land zu verlassen und mit Abram, Sarai und Lot nach Kanaan zu ziehen. Auf ihrer Reise kamen sie bis nach Haran, zogen dann aber nicht weiter, sondern blieben dort sesshaft. Haran war eine wohlhabende Handelsstadt an einer wichtigen Handelsroute. Wie Ur war auch Haran ein religiöses Zentrum des Mondgottes Sin.
Warum Terach nach Kanaan ziehen wollte und dann in Haran „hängen" blieb, wissen wir nicht. Vielleicht hatte er eine bewusste oder unbewusste Sehnsucht nach diesem Land — entweder weil er intuitiv spürte, dass man Gott dort näher kommen kann, oder weil er von der Fruchtbarkeit dieser Gegend hörte. Jedenfalls ließ es sich auch in Haran gut leben. Man konnte hier lukrative Geschäfte machen und war mit der vorhandenen Religiosität ebenfalls gut vertraut. Möglicherweise ging es Terach auch gesundheitlich nicht gut genug, um weiterziehen zu können.
Nach Terachs Tod sprach der HERR zu Abram:
"Geh aus deinem Land und aus deiner Verwandtschaft und aus dem Haus deines Vaters in das Land, das ich dir zeigen werde! Und ich will dich zu einer großen Nation machen, und ich will dich segnen, und ich will deinen Namen groß machen, und du sollst ein Segen sein!" (1Mo 12:1-2)
Inwieweit Abram vor diesem Reden bereits eine Vertrauensbeziehung zum allmächtigen Gott hatte, lässt sich nicht eindeutig sagen. Möglicherweise kannte er den Schöpfungsbericht und die Geschichten von Adam, Henoch und Noah und glaubte auch an den Schöpfer des Himmels und der Erde. Aber es ist nicht auszuschließen, dass er — geprägt von seinen Vorfahren (Jos 24:2) — auch etwas mit dem Götzendienst zu tun hatte.
Abram ließ sich auf dieses Abenteuer ein, weil er der Zusage des HERRN vertraute (1Mo 12:4). Er glaubte Gott, dass er ihn zu einer großen Nation machen würde — obwohl seine Frau Sarai unfruchtbar war (1Mo 11:30). Er vertraute darauf, dass Gott ihn segnen würde, und verließ sich auf Gottes Zusagen, sodass er mutig alles Vertraute hinter sich lassen konnte.
Ob Abram bereits ahnte, dass der HERR ihn in das Land führen wollte, das auch Terach ursprünglich ansteuerte, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen — aber genau dorthin wurde er geführt.
24 Jahre später war Abram 99 und Sarai 90 Jahre alt (1Mo 17:1 / 1Mo 17:17). Sarai war immer noch kinderlos. Vermutlich hatten beide die Hoffnung auf ein gemeinsames Kind aufgegeben. Doch dann erschien der HERR Abram und gab ihm den Namen Abraham, denn Gott wollte ihn zum Vater einer Menge von Nationen machen (1Mo 17:5). Auch Sarai erhielt einen neuen Namen und hieß fortan Sara (1Mo 17:15).
Von Abraham und Sara stammten die Israeliten und Edomiter ab. Von Abram und Hagar stammten die Ismaeliten (arabische Stämme) (1Mo 16:15), und von Abraham und Ketura die Völker der arabischen Wüste (u. a. die Midianiter) (1Mo 25:1-4). Das sind viele Nationen.
Gottes Zusage, Abraham zu einer großen Nation zu machen, erfüllte sich nicht nur biologisch, sondern auch geistlich. So gibt es aus neutestamentlicher Sicht auch eine „geistliche Nachkommenschaft" von Abraham. Paulus schreibt dazu in Galater 3:7-9 (Gal 3:7-9):
"Erkennt also: die aus dem Glauben sind, die sind Kinder Abrahams. Die Schrift aber hat vorausgesehen, dass Gott die Heiden durch den Glauben rechtfertigt, und hat dem Abraham im Voraus das Evangelium verkündigt: In dir sollen alle Völker gesegnet werden."
Was für ein Geschenk der Gnade Gottes! Unabhängig von ihrer Herkunft haben alle Menschen Zugang zum Gott Israels (Röm 3:22). Alle werden durch den Glauben gerechtfertigt — durch Vertrauen auf Gott allein (Röm 3:28). So hat der HERR nicht nur das Volk Israel berufen, sondern auch uns Heiden in seine große Geschichte hineingenommen (Röm 9:24).
Darum dürfen auch wir dem Ruf Gottes folgen — im Vertrauen, dass er uns segnet und zum Segen setzt (1Mo 12:2). Abrahams Weg beginnt mit einem Aufbruch, und jeder Schritt des Glaubens ist eine Antwort auf denselben göttlichen Ruf: „Geh – in das Land, das ich dir zeigen werde."
Seine Herrschaft wird sein von einem Meer bis zum andern und bis an die Enden der Erde.
Wiederum führte der Teufel Jesus mit sich auf einen sehr hohen Berg und zeigte ihm alle Reiche der Welt und ihre Herrlichkeit und sprach zu ihm: Das alles will ich dir geben, wenn du niederfällst und mich anbetest. Da sprach Jesus zu ihm: Weg mit dir, Satan!
Sacharja 9:9 beschreibt den König des Friedens, wie er zur Tochter Jerusalems kommt:
"Siehe, dein König kommt zu dir: Gerecht und siegreich ist er, demütig und auf einem Esel reitend, und zwar auf einem Fohlen, einem Jungen der Eselin."
Dieser König ist gerecht, siegreich und demütig – genau die Eigenschaften, die nötig sind, um eine Herrschaft zu gründen, die Bestand hat:
Ohne Gerechtigkeit kann es keinen bleibenden Frieden geben, weil jede Form der Ungerechtigkeit früher oder später Rücksichtslosigkeit, Streit, Hass und Krieg zur Folge hat.
Ohne einen endgültigen Sieg über das Böse kann keine Ruhe einkehren. Solange das Böse und damit der Satan noch wüten kann, dominieren in der Welt Lüge und Ungerechtigkeit (1Jo 5:19).
Ohne Demut gibt es keine göttliche Gnade, die unbedingt nötig ist, um ein Reich der Liebe und der gegenseitigen Wertschätzung aufzubauen. Nur die Gnade Gottes kann die Herzen der Menschen so verändern, dass sie für ein göttliches Friedensreich bereit werden (Jak 4:6).
Das kommende Friedensreich wird die ganze Welt betreffen (Sach 9:10). Es ist ein Reich, in dem zuvor alle Waffen vernichtet werden. Diese Verheißung bezieht sich auf das tausendjährige Friedensreich, das den Übergang zum ewigen Reich Gottes darstellt (Offb 20:4-6).
Wer das Neue Testament nicht kennt und Sacharja 9:9–10 liest, gewinnt den Eindruck eines nahtlosen Übergangs zwischen beiden Versen – als würde das Friedensreich unmittelbar nach dem Einzug des Königs in Jerusalem kommen. Doch laut Matthäus 21:5 erfüllte sich Vers 9 aus Sacharja 9 bereits beim Einzug Jesu in Jerusalem (Mt 21:5). Zu Jesu Zeiten dachte wohl kaum ein Schriftgelehrter, dass zwischen Vers 9 und 10 etwa 2000 Jahre liegen würden.
Jesus, der durch den Heiligen Geist gezeugt wurde (Mt 1:20), ist der einzige, der dem Anforderungsprofil der göttlichen Gerechtigkeit entsprach. Seine Demut zeigte sich nicht in erster Linie dort, wo er auf einer Eselin in Jerusalem einzog, sondern dort, wo er die ganze Ungerechtigkeit dieser Welt ertragen konnte, ohne dabei bitter und lieblos zu werden (1Petr 2:23).
Der schreckliche Tod am Kreuz von Golgatha bildete die Grundlage dafür, dass allen die göttliche Gerechtigkeit aus Gnaden geschenkt werden und das ewige Reich Gottes aufgerichtet werden kann (Röm 3:24 / 2Kor 5:21).
Das messianische Friedensreich ist eine Vorstufe zum ewigen und vollkommenen Reich Gottes. Damit dieses kommen kann, gab der himmlische Vater seinem Sohn den Auftrag, zuerst die Schuld der ganzen Welt zu beseitigen – indem er sich selbst opferte (1 Joh 2:2).
Während der Versuchung bot Satan Jesus den „einfachen Weg" an: schnell und ohne Leiden zum „Besitzer aller Reiche dieser Welt" zu werden (Mt 4:8-9). Eine kurze Anbetung Satans hätte genügt, und schon hätte er alle Reiche der Welt bekommen – zumindest laut Satans Angebot. Ob er sein Versprechen eingehalten hätte, ist mehr als fraglich. Doch das Gravierendste wäre gewesen: Jesus hätte gesündigt. Als Sünder hätte er den Tod niemals besiegen können, und alle Menschen wären für immer verloren gewesen. Der himmlische Vater hätte nicht nur seinen Sohn verloren, sondern auch seine gesamte Schöpfung. Satan hätte durch den Tod alles und für immer beherrscht.
Wahre Herrschaft erwächst nicht aus Kompromiss mit dem Bösen, sondern aus Gehorsam gegenüber Gott.
Gott sei Lob und Dank, dass Satan Jesus nicht überwinden konnte und dass Jesus ihm gehorsam war bis zum Tod am Kreuz (Phil 2:8). Mit der Auferstehung Jesu hat Gott der ganzen Welt gezeigt, dass Jesus den Tod besiegt hat (1 Kor 15:55-57). Ihm allein gebührt alle Ehre und Anbetung!
Gott, schweige doch nicht! Gott, bleib nicht so still und ruhig! Denn siehe, deine Feinde toben, und die dich hassen, erheben das Haupt.
Herr, sollen wir mit dem Schwert dreinschlagen?
In Psalm 83 ruft Asaf zu Gott in einer nationalen Bedrohungslage Israels. In Vers 5 zitiert er die Feinde des Volkes Gottes: „Kommt und lasst uns sie als Nation vertilgen, dass nicht mehr gedacht werde des Namens Israel!" Kommt uns das bekannt vor? Einige muslimische Staaten und zahlreiche Terrorgruppierungen wünschen sich nichts sehnlicher als die vollständige Auslöschung Israels. Manche sind sogar überzeugt, dass der Mahdi, der muslimische Messias, erst dann erscheinen und seine Herrschaft antreten wird, wenn der Staat Israel zerstört ist.
Israel hat aber nicht nur mit einem islamistischen, sondern auch mit einem weltweiten Antisemitismus zu kämpfen, der unter anderem dazu führt, dass Israel der weltweit meistgehasste Staat ist. Die Zahlen sprechen für sich: Laut UN Watch, einer NGO, wurden zwischen 2015 und 2023 154 UN-Generalversammlungs-Resolutionen gegen Israel angenommen — während 71 gegen alle anderen Länder zusammen gerichtet waren. Gegen Nordkorea wurden zwischen 2005 und 2024 lediglich etwa 20 UN-Resolutionen verabschiedet. Warum empört sich die Weltöffentlichkeit so viel stärker über Israel als über das nordkoreanische Regime, das seine Bevölkerung mit massiver Brutalität unterdrückt?
Zahlen allein erklären jedoch nicht, warum sich diese Feindschaft so hartnäckig hält. Hinter den politischen und religiösen Fronten steht eine tiefere Realität – ein geistlicher Kampf, und darum hat diese Feindschaft auch eine geistliche Ursache: Israel ist das auserwählte Volk des allmächtigen Gottes (5Mo 7:6).
Aber es geht jetzt nicht darum, mit dem Finger auf andere zu zeigen, denn alle Menschen sind im unerlösten Zustand Feinde Gottes. Deshalb schreibt Paulus sogar über uns Christen, die wir Gott lieben:
„Denn wenn wir, als wir Feinde waren, mit Gott versöhnt wurden durch den Tod seines Sohnes, so werden wir viel mehr, da wir versöhnt sind, durch sein Leben gerettet werden." (Röm 5:10)
Da die Mehrheit Gott noch nicht erkannt hat, befindet sich ein Großteil der Menschheit in Auflehnung gegen Gott — angestachelt durch Satan, den Urfeind Gottes (Offb 12:9). Das ist der Grund, warum David (Apg 4:25) in Psalm 2 schreibt:
„Warum toben die Nationen und sinnen Eitles die Völkerschaften? Es treten auf Könige der Erde, und Fürsten tun sich zusammen gegen den HERRN und gegen seinen Gesalbten: ›Lasst uns zerreißen ihre Bande und von uns werfen ihre Stricke!‹" (Ps 2:1-3)
Die Feindschaft gegen Gott erreichte bei der Gefangennahme, Verurteilung und Hinrichtung des Sohnes Gottes einen Höhepunkt. Kurz vor der Festnahme wollten die Jünger ihren Herrn und Meister verteidigen. Darum fragten sie ihn: „Herr, sollen wir mit dem Schwert dreinschlagen?" (Lk 22:49) Petrus wartete die Antwort nicht ab und schlug dem Knecht des Hohenpriesters das Ohr ab (Joh 18:10). Doch Jesus antwortete: „Lasst ab! Nicht weiter!" Anschließend berührte er das Ohr, heilte es (Lk 22:51) und sagte zu den Hohen Priestern und Hauptleuten:
„Seid ihr ausgezogen wie gegen einen Räuber, mit Schwertern und Stöcken? Als ich täglich bei euch im Tempel war, habt ihr die Hände nicht gegen mich ausgestreckt; aber dies ist eure Stunde und die Macht der Finsternis." (Lk 22:52-53)
Danach konnten sich die Feinde an ihm austoben und ihn aufs Äußerste misshandeln (Jes 53:7). Er blieb stumm, und der Vater im Himmel schwieg. Asaf hätte hier vielleicht auch geschrien: „Warum bist du so still? Warum schweigst du angesichts dieser himmelschreienden Ungerechtigkeit? Warum können sich deine Feinde so an dir austoben? Warum erheben sie hochmütig ihr Haupt und spotten mit hämischem Grinsen über deine Ohnmacht?"
Damals ahnte wohl niemand, dass der Allmächtige gerade in dieser „unmöglichen Situation" den Tod — und damit die stärkste Macht der Finsternis — besiegte (1Kor 15:55-57)!
Vielleicht befindest auch du dich in einer Situation, in der du fragst: „Herr, warum schweigst du? Warum unternimmst du nichts?" Doch Gottes Schweigen bedeutet nicht Abwesenheit. So wie damals am Kreuz geschah gerade im scheinbaren Stillstand das Größte: der Sieg über die Macht der Finsternis.
Manchmal wirkt Gott verborgen – nicht weil er untätig ist, sondern weil er in seiner Weisheit etwas vorbereitet, das wir erst später verstehen (Röm 8:28).
Vertraue ihm – auch im Schweigen. Er ist nicht fern, und seine Pläne enden nie im Scheitern (Jes 55:8-9).
Bei dir, Herr, unser Gott, ist Barmherzigkeit und Vergebung.
In Jesus Christus haben wir die Erlösung durch sein Blut, die Vergebung der Sünden, nach dem Reichtum seiner Gnade,
von Ingo Mees
Viele Jahre lag Jerusalem nun schon in Trümmern. Fast 70 Jahre lang sehnte sich die weggeführte Mittel- und Oberschicht Judas danach, endlich aus der babylonischen Gefangenschaft in die Heimat zurückzukehren. Das Gericht Gottes über Juda war lang und hart. Wann würde sich das Los der weggeführten Juden wenden? Diese Frage trieb auch Daniel um, als er etwa im Jahr 537 v. Chr. in den prophetischen Schriftrollen des Jeremia nach einer Antwort suchte – und fand (Dan 9:2 / Jer 25:11): 70 Jahre nach der ersten Deportationswelle (im Jahr 604 v. Chr. nach heutiger Zeitrechnung) sollte die Gefangenschaft Judas in Babylon ein Ende haben, so las Daniel. Aber das wäre ja in ca. 3 Jahren! Daniel konnte es kaum fassen. Stellvertretend für sein Volk trieb es den mittlerweile fast 80-Jährigen auf die Knie. Fastend und in Sack und Asche gehüllt (Dan 9:3) rief er seinen Gott Jahwe in einem Bußgebet an (Dan 9:4-19). Was konnte Daniel vor Gott bringen, damit dieser die prophetische Aussage Jeremias zur Realität werden ließe? Daniel hatte nichts anderes vorzubringen als einen Appell an die Güte und Gnade Gottes: „Bei dir, Herr, unser Gott, ist Barmherzigkeit und Vergebung … Nicht aufgrund unserer Gerechtigkeiten legen wir unser Flehen vor dich hin, sondern aufgrund deiner vielen Erbarmungen (Dan 9:9,18)." Die Geschichte hat gezeigt, dass Gott dieses demütige Gebet des Daniel erhört und seine Barmherzigkeit und Vergebungsbereitschaft bewiesen hat (Esra 1:1-4 / 2Chr 36:22-23)!
Was haben wir vorzubringen, wenn wir uns mit unseren Anliegen und Bitten an unseren himmlischen Vater wenden? Berufen wir uns auf unsere vorbildliche Lebensführung oder unser weitherziges Spendenbudget? Führen wir unsere regelmäßige Bibellese ins Feld oder unseren unermüdlichen Dienst in der Gemeinde? Wir wissen alle sehr wohl, dass wir mit unseren vermeintlichen Leistungen bei Gott nicht punkten können – es wird nie reichen (Jes 64:5 / Röm 3:20)! So wie Daniel können wir uns nur auf die Barmherzigkeit und die Vergebungsgnade Gottes berufen (Eph 2:8-9). Aber eines haben wir Daniel voraus: Wir können uns im Glauben auf den berufen, der uns zur Gerechtigkeit geworden ist (1Kor 1:30) – auf Jesus Christus, den Sohn Gottes! In ihm „haben wir die Erlösung durch sein Blut, die Vergebung der Sünden, nach dem Reichtum seiner Gnade" (Eph 1:7). Gott hat seine Liebe und sein Erbarmen mit seinen Geschöpfen dadurch bewiesen, dass er seinen Sohn auf diese Erde sandte und durch Jesu Tod am Kreuz und seine Auferstehung eine Erlösung für die gesamte Schöpfung erwirkt hat (Joh 3:16 / Röm 5:8). Wohl dem, der das im Glauben erfassen kann!
Der Glaubende ist erlöst und mit dem Blut Jesu freigekauft (1Petr 1:18-19 / Offb 5:9)
aus dem Machtbereich der Sünde und des Todes (Kol 1:13),
aus allen Schuldverstrickungen des Lebens (Kol 1:14) sowie
aus den Bindungen und Prägungen ungöttlicher Traditionen und Lebensweisen (1Petr 1:18 / Offb 1:5).
Gottes Gnadenreichtum ist so unermesslich groß, dass er in Christus alle Geschöpfe mit sich selbst versöhnt hat und ihnen seine nie endende Vergebungsbereitschaft zugesprochen hat (2Kor 5:19).
Gott ist ein Gott, der sich erbarmt (Ps 103:13). Das hat auch Philipp Friedrich Hiller erlebt und Gottes Erbarmen in folgendem Lied besungen:
Mir ist Erbarmung widerfahren,
Erbarmung, deren ich nicht wert;
das zähl ich zu dem Wunderbaren,
mein stolzes Herz hat's nie begehrt.
Nun weiß ich das und bin erfreut
und rühme die Barmherzigkeit.
Ich hatte nichts als Zorn verdienet
und soll bei Gott in Gnaden sein;
Gott hat mich mit sich selbst versühnet
und macht durchs Blut des Sohns mich rein.
Wo kam dies her, warum geschieht's?
Erbarmung ist's und weiter nichts.
Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn.
Da wurden Kinder zu Jesus gebracht, dass er die Hände auf sie legte und betete.
Jakob, der Stammvater Israels, gilt vielen als „Schlitzohr" – einer, der mit allen Mitteln den Segen Gottes suchte. Doch man könnte ihn auch ehrgeizig und zielstrebig nennen. Schon bei seiner Geburt hielt er die Ferse seines Zwillingsbruders Esau fest (1Mo 25:26) – ein Zeichen menschlicher Schwäche, aber auch der Entschlossenheit, sich festzuhalten.
Später erkaufte er sich das Erstgeburtsrecht (1Mo 25:31-33) und erschlich auf Rat seiner Mutter den väterlichen Segen (1Mo 27:18-29). Schließlich ringt er selbst mit Gott – und lässt nicht los, bevor er gesegnet wird (1Mo 32:27).
Für uns mag dieses Verhalten berechnend und egoistisch wirken. Doch Gott sieht tiefer: Er erkennt in Jakob einen Menschen, der sich mit ganzer Seele nach seinem Segen sehnt. Diese Sehnsucht gefiel Gott, weil sie Ausdruck des tiefen Vertrauens war, dass nur Gott allein wahre Erfüllung schenken kann.
Esau dagegen verkaufte sein Erstgeburtsrecht für ein einfaches Mahl (1Mo 25:29-34) – ein Sinnbild dafür, wie gering er den göttlichen Segen schätzte. Wer so handelt, stellt das Sichtbare über das Ewige.
Vermutlich sagt der HERR nicht zuletzt deshalb: „Ich habe Jakob geliebt, Esau aber habe ich gehasst" (Mal 1:2-3 / Röm 9:13). Dieses Wort „hassen" wirkt für uns hart, doch es meint hier etwas anderes als unser menschliches Hassen, das vom Wunsch nach Verletzung oder Vergeltung geprägt ist. Im biblischen Sprachgebrauch bezeichnet „hassen" oft ein Zurückstellen oder Nicht-Erwählen in gleicher Weise. Es beschreibt eine unterschiedliche Gewichtung innerhalb von Gottes Heilsplan – nicht eine emotionale Ablehnung. Man könnte also sagen: Gott stellte Esau zurück, damit er seine Liebe auf eine andere Weise und zu einem späteren Zeitpunkt erfahren sollte. Gottes „Hassen" schließt seine Liebe nicht aus – es ordnet sie anders ein.
Jakob sehnte sich von Anfang an nach dem göttlichen Segen und rang bis zum Ende darum. Darin ist er uns ein großes Vorbild. Wir dürfen uns fragen: „Ersehne ich den Segen Gottes ebenso, oder erscheint er mir unbedeutend bzw. zweitrangig? Würde ich auch um seinen Segen ringen und mich so sehr danach ausstrecken wie Jakob – selbst wenn ich bereits weiß, dass ich mit jedem geistlichen Segen aus der Himmelswelt gesegnet bin?" (Eph 1:3)
Auch im Neuen Testament begegnet uns dieses Thema des Segens wieder – diesmal in einer ganz anderen Gestalt. Der heutige Lehrtext zeigt uns Menschen – vermutlich waren es die Eltern oder Mütter –, die sich einen göttlichen Segen für ihre Kinder wünschten. Deshalb brachten sie ihre kleinen Kinder zu Jesus (Mt 19:13). Sie erkannten, dass es etwas ganz Besonderes wäre, wenn ihre Kinder von Jesus persönlich gesegnet würden. Diese Gelegenheit wollten sie sich nicht entgehen lassen.
Leider meinten seine Jünger, Jesus hätte Wichtigeres zu tun, als sich um kleine Kinder zu kümmern. Doch in Lukas 18:16-17 sagte Jesus zu ihnen:
„Lasst die Kinder zu mir kommen und wehrt ihnen nicht! Denn solchen gehört das Reich Gottes. Wahrlich, ich sage euch: Wer das Reich Gottes nicht annehmen wird wie ein Kind, wird nicht hineinkommen." (Lk 18:16-17)
Kinder kommen voller Vertrauen zu Jesus und lassen sich gerne von ihm beschenken. Sie fragen nicht: „Bin ich gut genug?" oder „Habe ich genug getan, um von Gott gesegnet zu werden?" Sie lassen sich einfach beschenken und nehmen die Botschaft Gottes ohne Zweifel an. Wie schön wäre es, wenn auch wir uns von diesem kindlichen Glauben inspirieren ließen und uns so von Gott segnen lassen!
Fürchte dich nicht, denn ich bin mit dir und will dich segnen.
Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns gesegnet hat mit allem geistlichen Segen im Himmel durch Christus.
Das Leben von Isaak zeigt uns eindrücklich, was es bedeutet, von Gott gesegnet zu sein (1Mo 26:24). Das beginnt bereits mit seiner Entstehung. Isaak wurde entgegen jeder Wahrscheinlichkeit gezeugt und geboren (1Mo 21:1-7). Sarah war unfruchtbar und mittlerweile so alt, dass es aus medizinischer Sicht unmöglich war, schwanger zu werden. Doch der allmächtige Gott hat sich auf Unmöglichkeiten spezialisiert – so konnte Sarah mit 90 Jahren ihren ersten und einzigen Sohn gebären (1Mo 17:17). Darum war Isaak ein „Sohn der Verheißung" (Gal 4:28) und als solcher ganz besonders gesegnet.
Doch der Segen Gottes bedeutete nicht, dass Isaak ein problemloses Leben hatte. Auch er wurde mit Nöten konfrontiert. So zeigte sich bei ihm die gleiche Schwäche wie bei seinem Vater Abraham: Auch er gab seine Frau Rebekka als seine Schwester aus – aus Angst, man könnte ihn wegen ihrer Schönheit töten (1Mo 26:7). Eigentlich hätte er sagen können: „Ich bin der verheißene Sohn und ein Gesegneter des Höchsten – mir kann nichts passieren!" Die Bibel zeigt uns an mehreren Stellen, dass auch die Auserwählten Gottes mit Furcht konfrontiert werden. Gottvertrauen muss jeder selbst lernen – es wird uns nicht in die Wiege gelegt.
Doch Gott kommt Isaak in seinem „Kleinglauben" entgegen – wie schon seinem Vater Abraham – und lässt ihn die Erfahrung machen, wie der HERR ihm beisteht. Abimelech, der Philisterkönig, erkannte, dass Rebekka die Frau Isaaks war, und ihm war klar, dass er diese Frau nicht anrühren durfte (1Mo 26:8-11). Er befahl seinem ganzen Volk: „Wer diesen Mann und seine Frau antastet, muss getötet werden."
Als die Philister erkannten, wie Gott Isaak auch materiell segnete und er reich wurde, überfiel sie der Neid (1Mo 26:12-14). Sie verstopften Isaaks Brunnen, und Abimelech forderte ihn auf, weiterzuziehen (1Mo 26:15-16). So zog Isaak weiter und grub in Gerar neue Brunnen aus. Doch auch hier kam es zum Streit über die Wasserrechte (1Mo 26:19-21). Isaak brach ein weiteres Mal auf und hob erneut einen Brunnen aus, den er dann endlich behalten konnte (1Mo 26:22).
Möglicherweise setzten Isaak diese Anfeindungen immer mehr zu, sodass der HERR ihn ermutigen musste. Er erschien ihm in der Nacht und sprach:
"Ich bin der Gott deines Vaters Abraham. Fürchte dich nicht! Denn ich bin mit dir, und ich werde dich segnen und deine Nachkommen vermehren wegen meines Knechtes Abraham." (1Mo 26:24)
Gottes Worte waren Ermutigung, Zusage und Verheißung zugleich. Er ermutigte Isaak, sich nicht zu fürchten. Er sicherte ihm seine Gegenwart und damit seine Hilfe zu (Jes 41:10). Und er verhieß ihm, ein Gesegneter zu sein, dem eine große Nachkommenschaft geschenkt würde.
Isaak erhielt zunächst einen irdischen Segen, der sich in seinem materiellen Reichtum und später in einer großen Nachkommenschaft zeigte (1Mo 26:12-14). Aus dieser sollte der verheißene Messias kommen (Mt 1:1-2).
Wie Isaak inmitten von Bedrängnis den Segen Gottes erlebte, so erfahren auch wir in Christus einen Segen, der alle irdischen Maßstäbe übersteigt. Der Segen, der einst Isaak galt, findet seine endgültige Erfüllung in Jesus Christus. Durch den Messias entsteht ein himmlischer Segen für alle, die wie Abraham und Isaak aus Gottvertrauen leben (Gal 3:14).
Paulus macht deutlich, dass dieser Segen alle unsere Vorstellungen bei Weitem übertrifft. Er erklärt den Ephesern, dass dieser geistliche und himmlische Segen alle Segnungen beinhaltet, die Christus zugesagt sind (Eph 1:3). Deshalb sagt Paulus auch, dass uns in Christus alles geschenkt wird – sogar Leben und Tod, Gegenwärtiges und Zukünftiges (1Kor 3:21-23)! Nichts ist von diesem Segen ausgeschlossen! Was für ein Geschenk und Wunder der Gnade Gottes!
Auch wir dürfen heute diese Zusage hören: „Fürchte dich nicht, denn ich bin mit dir.“ Gottes Gegenwart ist der größte Segen – selbst wenn äußere Umstände dagegen sprechen.
Ihr sollt in Freuden ausziehen und im Frieden geleitet werden.
Die 72 Jünger kehrten zurück und berichteten voller Freude: Herr, sogar die Dämonen gehorchen uns, wenn wir uns auf deinen Namen berufen. Jesus sagte zu ihnen: Ihr sollt euch nicht darüber freuen, dass euch die Geister gehorchen. Freut euch vielmehr darüber, dass eure Namen im Himmel aufgeschrieben sind.
Gestern Abend endeten die großen Herbstfeste in Israel mit der Abschlussfeier Simchat Tora, was so viel heißt wie „Freude der Tora" bzw. „Freude über die Tora". An diesem Fest, das vorgestern Abend begann, liest man den letzten Abschnitt der Tora (5Mo 33–34) und beginnt zugleich mit dem ersten (1Mo 1:1–2:3). Das bedeutet, dass orthodoxe Juden die Tora jedes Jahr einmal komplett durchlesen. Am letzten Tag der Lesung – der gleichzeitig auch den Start der neuen Lesung markiert – veranstalten sie ein Freudenfest. 2015 durfte ich in Mitzpe Ramon (in der Negev-Wüste in Israel) dabei sein und zusehen, mit welch großer Freude die Männer für sich tanzten. Diese Freude war so besonders und ansteckend, dass ich diesen Tag nie vergessen werde.
Vor zwei Jahren begann Simchat Tora am 7. Oktober — an jenem Tag, den viele Israelis als den zweiten Holocaust bezeichnen. Statt Freude herrschten großes Entsetzen und tiefe Trauer. Zwei Jahre später, unmittelbar bevor Simchat Tora (13. Okt.) gefeiert wurde, kamen die letzten lebenden Geiseln frei. Dann gab es ein doppeltes Freudenfest: die Freude über die Befreiung und die Freude über die Tora, das Wort Gottes. Eine eindrückliche Begebenheit — wie Gott Trauer in Freude verwandeln kann.
Wer das Angebot Gottes aus Jesaja 55 für sich in Anspruch nimmt, darf sich ebenfalls freuen. Gott bietet den Durstigen und Hungrigen an, lebendiges Wasser und wahres Brot ohne Geld zu empfangen (Jes 55:1). Er motiviert Gottlose, ihren selbstgewählten Weg und ihre bösen Gedanken zu verlassen, und bietet ihnen Erbarmen und Vergebung an (Jes 55:7). Das kann er, weil der allmächtige Gott als Einziger die Schuldfrage ein für alle Mal gelöst hat — indem er die Schuld der ganzen Welt auf seinen Sohn lud, der sie ans Kreuz trug und sie dadurch entfernte (Jes 53:6 / 1Petr 2:24).
In diesem Kapitel finden wir auch die bekannten Aussagen Gottes:
"Denn meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege, spricht der HERR. Denn ⟨so viel⟩ der Himmel höher ist als die Erde, so sind meine Wege höher als eure Wege und meine Gedanken als eure Gedanken. Denn wie der Regen fällt und vom Himmel der Schnee und nicht dahin zurückkehrt, sondern die Erde tränkt, sie befruchtet und sie sprießen lässt, dass sie dem Sämann Samen gibt und Brot dem Essenden, so wird mein Wort sein, das aus meinem Mund hervorgeht. Es wird nicht leer zu mir zurückkehren, sondern es bewirkt, was mir gefällt, und führt aus, wozu ich es gesandt habe." (Jes 55:8-11)
Dann folgt der heutige Losungsvers: „Denn in Freuden werdet ihr ausziehen und in Frieden geleitet werden" (Jes 55:12). Damit ist der Auszug aus der Fremde gemeint. Für manche war und wird es auch der Auszug aus der Gefangenschaft sein — so wie bei den letzten Geiseln der Hamas.
Auch die Jünger freuten sich — aber aus einem anderen Grund! Sie freuten sich darüber, dass sie Macht über die bösen Geister bekommen hatten (Lk 10:17). Für viele ist Macht ein Grund zur Freude, weil sie dann tun können, was ihnen beliebt. Doch Jesus lehnt diese Art von Freude ab. Sie beinhaltet nicht die wahrhaftige, tiefe und bleibende Freude.
Jesus weist auf den wahren Grund der Freude hin: die Tatsache, dass die Namen derer, die Gott gehören und ihm vertrauen, in den Himmeln aufgeschrieben sind (Lk 10:20 / Phil 4:3 / Offb 20:15). Aber was heißt das? Es bedeutet nichts Geringeres, als dass wir „Bürger des Himmels" sein dürfen und dort ein ewiges Bleiberecht besitzen (Phil 3:20). Das ist viel mehr und viel kostbarer als Macht zu haben, denn Macht ohne Liebe produziert letztlich nur die Hölle! Zum Glück ist der allmächtige Gott auch die Liebe in Person (1Jo 4:8), und darum wird er jeden Fluch in Segen und jede Trauer in Freude verwandeln.
Du hast meine Seele vom Tode errettet, mein Auge von den Tränen, meinen Fuß vom Gleiten.
Eine Frau hatte den Blutfluss seit zwölf Jahren; die hatte alles, was sie zum Leben hatte, für die Ärzte aufgewandt und konnte von niemandem geheilt werden. Die trat von hinten heran und berührte den Saum seines Gewandes; und sogleich hörte ihr Blutfluss auf.
von Ewald Keck
Der Psalmdichter hat Schlimmes erlebt. Er verrät nicht, worum es sich handelte (Vers 3). Auf jeden Fall geriet er an den Rand des Todes. Not und Leid erfüllten seine Tage. Seine Seele fand keine Ruhe, seine Augen waren voller Tränen. Insgesamt ein jämmerlicher Zustand.
„Aber ich rief den Namen des HERRN an: Ach, HERR, errette mich!" (Vers 4). Das war seine Reaktion auf das Erlebte. Und dann geschah etwas Wunderbares. Der Herr hörte sein Schreien und griff ein. Er brachte seine stürmische Seele zur Ruhe. Er trocknete seine Tränen (Vers 8). Er befreite ihn von den Fesseln des Todes (Vers 3) und versetzte ihn „in das Land der Lebendigen" (Vers 9), d. h. er schenkte ihm eine neue Lebensperspektive und festen Boden unter seinen Füßen.
Können Glaubende auch heute noch solche Not erfahren?
Auf jeden Fall, denn Kinder Gottes sind den Auswirkungen der gefallenen Schöpfung nicht enthoben. Wir sind hineingenommen in das „Seufzen der Schöpfung". Dieser Zustand hat erst ein Ende, wenn Jesus wiederkommt und auch unser Leib erlöst sein wird (Röm 8:23). Trotzdem dürfen wir immer wieder erleben, wie Jesus eingreift, wenn wir seinen Namen anrufen (Ps 116:4). Wir dürfen erfahren, wie er unsere unruhige und ängstliche Seele zur Ruhe bringt (Mt 11:28).
Das erlebte auch die kranke Frau in Lukas 8. Sie wird nicht weniger verzweifelt gewesen sein als der Psalmist. Versetzen wir uns doch einen Moment in ihre Lage: Sie litt vermutlich unter einer Gebärmutterblutung, die chronisch geworden war. Und das schon 12 Jahre lang, weil kein Arzt ihr helfen konnte (Lk 8:43). Sie war komplett durchtherapiert und durch die Arztkosten inzwischen mittellos. Die Frau war am Ende. Die körperlichen Beschwerden waren das eine, aber noch viel schlimmer war, dass sie vom sozialen Leben ausgeschlossen war. Denn wer an Blutfluss litt, war nach dem Gesetz rituell unrein und durfte nicht berührt werden (vgl. 3. Mose 15:19-31). Deshalb wagt sie nur schüchtern, sich Jesus von hinten zu nähern und das herabhängende Ende seines Gewandes zu berühren (Lk 8:44). Auch sie rief in ihrer Not den Namen des Herrn an, indem sie seine Gegenwart suchte.
Was geschah? Sie wurde sofort geheilt. Und auch sie pries den Namen des Herrn vor dem ganzen Volk, nachdem Jesus sie gerettet hatte (Lk 8:47-48). Auch in ihre Seele kehrte Frieden ein, besonders nachdem Jesus sie seine Tochter nannte (Lk 8:48). Wir können nicht ermessen, was diese persönliche Zuwendung für sie bedeutet haben mag nach 12 Jahren sozialer Isolation.
So richtig nachempfinden können wir die Gefühlslage des Psalmisten und dieser Frau nur, wenn wir selbst Tiefen durchleben. Vor kurzem sagte ein Pastor: „Wer tiefgründig im Glauben werden will, muss Tiefen durchleben". Das gefällt uns zwar nicht, aber es gibt keine Tiefe, durch die Jesus uns nicht durchträgt (Ps 23:4 / Jes 43:2). Wie er das macht, ist seine Sache. Aus der Heilung der Frau einen Automatismus oder einen Anspruch auf sofortige Heilung abzuleiten, führt in die falsche Richtung.
Auf jeden Fall holt Jesus uns aus der Tiefe, indem er unsere Seele mit Frieden, Hoffnung und Freude erfüllt (Röm 15:13 / Phil 4:7). Mit oder ohne Veränderung der äußeren Umstände. Was für ein Vorrecht, dass wir in jedem Moment unseres Lebens seinen Namen anrufen dürfen (Ps 116:2 / Röm 10:13)!
So spricht der HERR: Dein Schaden ist verzweifelt böse, und deine Wunden sind unheilbar. Doch ich will dich wieder gesund machen und deine Wunden heilen.
Ihr wisst: Jesus Christus ist gekommen, um die Sünden wegzunehmen. Er selbst ist ohne Sünde.
Mit 17 Jahren sprang Joni Eareckson in seichtes Wasser und brach sich das Genick. Von diesem Moment an war sie vom Hals abwärts gelähmt. Joni kämpfte mit Depressionen und stellte ihren Glauben infrage. Sie empfand ihr Leben als sinnlos und haderte mit Gott. Für sie schien nicht nur ihr Körper unheilbar – auch ihre Seele hatte jede Hoffnung verloren.
Es gehört zu den schwersten Schicksalsschlägen, wenn Ärzte eine unheilbare Krankheit diagnostizieren. Es fühlt sich an, als würde eine ganze Welt zusammenbrechen. Alle Pläne zerplatzen wie Seifenblasen.
Doch mit der Zeit fand Joni neuen Mut – durch ihren Glauben, ihre Familie und ihren starken Willen. Sie lernte, mit dem Mund zu malen und zu schreiben. Sie begann, anderen Menschen Hoffnung zu geben. Aus tiefer Trauer wurde neue Lebensfreude – und Joni wurde zu einem Vorbild für viele.
So wie Joni in ihrer scheinbar unheilbaren Situation neuen Halt fand, sprach Gott auch zu Israel in einer ausweglosen Lage. Der erste Teil des heutigen Losungsverses aus Jeremia 30:12 klingt ebenfalls ziemlich hoffnungslos. Wie müssen sich die Israeliten gefühlt haben, als der HERR durch Jeremia sinngemäß verkündete:
„Unheilbar ist dein Bruch, bösartig deine Wunde – niemand kann dich heilen. Deine Verbündeten haben dich vergessen, und ich selbst habe dich geschlagen wegen der Größe deiner Schuld. Warum schreist du nach Hilfe? Dein Schmerz ist unheilbar – wegen deiner vielen Sünden habe ich dir das angetan." (Jer 30:12-15)
Diese Aussagen erscheinen wie ein endgültiges Urteil Gottes, das keine Hoffnung mehr zulässt. Jerusalem stand kurz vor der Zerstörung durch die Babylonier, doch manche Israeliten hofften noch immer auf Hilfe durch ihre Götzen oder auf Rettung durch den Pharao. Doch Jeremia zerstört alle diese Hoffnungen. Er macht deutlich, dass weder die fremden Götter noch irgendwelche irdischen Mächte in der Lage sein würden, die „Krankheit" der Israeliten zu heilen.
Es schien, als wollte Gott die Bewohner Judas in endlose Hoffnungslosigkeit stürzen. Doch das war nicht so. Mit dieser Aussage zerstörte Gott lediglich das Vertrauen auf Götzen, Menschen und eigene Vorkehrungen. Für die fremden Götter und für Menschen war ihr Bruch unheilbar – aber nicht für Gott! Denn bereits zwei Verse später verheißt der HERR durch Jeremia:
„Denn ich will dir Genesung bringen und dich von deinen Wunden heilen, spricht der HERR." (Jer 30:17)
Bei Gott gibt es immer Hoffnung auf Heilung – für jede Krankheit! Zwar befreit uns der HERR nicht von jeder Krankheit, solange wir hier auf der Erde leben (das geschieht erst nach der Auferstehung). Aber er hat uns von der allerschlimmsten Krankheit befreit: der Sünde (Röm 6:23). Die Sünde ist die größte und schlimmste aller Krankheiten, weil sie in den Tod und somit in die Gottesferne führt (Jes 59:2). Für uns Menschen, für alle Götter und für kosmische Mächte ist die Krankheit der Sünde unheilbar – aber nicht für Gott!
Gott sandte seinen sündlosen Sohn, um uns von der Sünde zu befreien (Joh 1:29 / 1Jo 3:5). Jesus nahm die Sünde auf sich und trug sie ans Kreuz (1Petr 2:24). Gleichzeitig schenkt Gott jedem, der daran glaubt, die Gerechtigkeit Jesu (2Kor 5:21 / Röm 3:22). Nur so werden wir geheilt – sodass wir nicht in den Tod kommen müssen, sondern in eine ewige Liebesgemeinschaft mit Gott, wo vollkommener Friede und unbeschreibliche Freude herrschen (Joh 3:16 / Offb 21:3-4)!
Seine Macht ist ewig und vergeht nicht, und sein Reich hat kein Ende.
Jesus Christus ist derselbe gestern, heute und in Ewigkeit.
Der Prophet Daniel – der vor allem durch seinen Aufenthalt in der Löwengrube bekannt ist (Dan 6) – war neben Hesekiel ein sogenannter „Exilprophet" mit jüdischen Wurzeln. Als Jugendlicher wurde er um 605 v. Chr. aus Jerusalem nach Babylon verschleppt, wo er vermutlich über 70 Jahre bis zu seinem Tod lebte.
Sein Leben und seine politische Laufbahn in der damaligen Weltmacht Babylon waren in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert. Durch die Kraft und Weisheit Gottes gelang ihm der Spagat zwischen der Bewahrung seiner jüdischen Identität, seines Gottvertrauens und einer vorbildlichen Unterordnung unter weltliche Regierungen, die stark vom Götzendienst geprägt waren (Dan 1).
Obwohl er höchste Ämter bekleidete, strebte er nie nach Macht (Dan 2:48-49). Er erkannte – wie auch der Sohn Gottes selbst –, dass ein Mensch aus Fleisch und Blut kein bleibendes Reich aufrichten und bewahren kann – denn die Mächtigen dieser Welt ziehen machtgierige Menschen an, so wie die Marmeladendose die Wespen „herbeiruft". Dort, wo sich machtgierige Menschen versammeln, herrschen immer Korruption, Hinterhältigkeit und Verleumdung. Vor Gott haben sich alle Machtgierigen für eine ewige Herrschaft disqualifiziert, weil sie nicht in Demut, Wertschätzung und Liebe handeln (Jak 4:6 / 1Petr 5:5).
Wenn Menschen – selbst in höchsten Ämtern – von einem „ewigen Frieden" sprechen, den sie herbeiführen wollen, offenbart das ihr mangelndes geistliches Verständnis von wahrer, göttlicher Beständigkeit. Damit mich niemand falsch versteht: Ich befürworte Frieden im Nahen Osten und wünsche mir sehr, dass die Menschen in dieser Region endlich zur Ruhe kommen können. Aber das, was wir Menschen bewerkstelligen, wird niemals einen ewigen Frieden zur Folge haben. Der kommt erst, wenn Jesus Christus vom Himmel wiederkommt und sein Reich aufrichtet – und zwar nicht als Mensch aus Fleisch und Blut (Offb 19:11-16 / Jes 9:6). Wenn er wiederkommt, bringt er auch eine Regierungsmannschaft mit, die von Demut, Liebe und Wertschätzung geprägt ist (Offb 20:4-6).
Daniel war nicht nur ein Exilprophet, sondern erhielt von Gott auch außergewöhnliche Offenbarungen über die Weltgeschichte. Er deutete Nebukadnezars Traum vom großen Standbild aus verschiedenen Materialien, das die aufeinanderfolgenden Weltreiche symbolisiert (Dan 2). Am Ende werden alle diese Reiche durch einen „Stein" zerstört, woraufhin das ewige Reich Gottes aufgerichtet wird (Dan 2:44-45). In Kapitel 7 erscheinen vier furchterregende Tiere, die ebenfalls Weltreiche darstellen (Dan 7). Auch dieses Kapitel endet mit der ewigen Königsherrschaft Gottes (Dan 7:13-14).
Das ewige Reich Gottes wird von Jesus Christus regiert, der sich in seinem Wesen – Liebe, Gnade, Treue und Barmherzigkeit – nie verändert hat und auch nie verändern wird. Der Schreiber des Hebräerbriefes ermutigt seine Leser, an diejenigen zu denken, die ihnen das Wort Gottes verkündigt haben (Hebr 13:7). Sie sollen sich erinnern: Was war das Ergebnis ihres Wandels? Wie haben sie im Vertrauen auf den HERRN gelebt? Wie hat der HERR sie in allen Situationen durchgetragen? Dieses treue Beistehen des HERRN verändert sich nicht – auch wenn wir das Gefühl haben, dass unser Glaube vielleicht nicht so fest ist wie bei unseren Vorbildern. Aber wir dürfen wissen: Unser Gott ist die Liebe in Person (1Jo 4:8), und diese Liebe wird sich niemals verändern. Er ist und bleibt treu und liebt uns für immer (Röm 8:38-39). Darum dürfen wir getrost in die Zukunft schauen und uns ihm anvertrauen.
Möge diese Gewissheit unser Herz festmachen – dass seine Liebe bleibt, auch wenn alles andere vergeht (1Kor 13:8).
HERR, unser Herrscher, wie herrlich ist dein Name in allen Landen.
Jesus spricht: Ihr werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an das Ende der Erde.
Der Psalmist preist den herrlichen Namen Gottes über der ganzen Erde – und Jesus greift dieses Thema auf, als er seinen Jüngern verheißt, Zeugen „bis an das Ende der Erde" zu sein (Apg 1:8). Was im Psalm prophetisch erklingt, erfüllt sich in der Geschichte.
Nach der Beschreibung des Psalms in Vers 1 beginnt und endet er mit demselben Lobpreis:
"HERR, unser Herr, wie herrlich ist dein Name auf der ganzen Erde!" (Ps 8:2 / Ps 8:10)
Dieser sogenannte „Inklusionsrahmen" zeigt: Der herrliche Name Gottes steht am Anfang und am Ende der Heilsgeschichte – mit dem Unterschied, dass die Herrlichkeit sich vermehrt hat und um vieles größer werden wird!
Zwischen diesen Lobpreisversen entfaltet sich ein erstaunlicher Kontrast: die Tiefe der Erniedrigung des Menschen – und die Erhöhung Christi. David fragt:
"Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst, und des Menschen Sohn, dass du dich um ihn kümmerst?" (Ps 8:5)
Aus dem Zusammenhang von Hebräer 2 wird deutlich, dass hier primär Jesus Christus, der Sohn Gottes, gemeint ist (Hebr 2:6-9). Als Jesus Mensch wurde, erniedrigte er sich unter die Engel, die im Alten Testament auch als „Söhne Elohims" bezeichnet werden. Dadurch erhielt Jesus Christus – der als König des Himmels herrscht – auf der ganzen Erde einen herrlichen Namen, der bereits heute über allen anderen Namen steht (Phil 2:9-11). Kein anderer Mensch hat auch nur ansatzweise einen vergleichbaren Namen! (Siehe auch: „Die Einmaligkeit von Jesus Christus")
Als Jesus diese Worte zu seinen Jüngern sagte, war er in Jerusalem bekannt – weltweit jedoch nur eine Randnotiz. Dass er heute einen weltweit herrlichen Namen hat, ist umso erstaunlicher: Er endete wie ein Schwerverbrecher, und seine Nachfolger waren eine schwache, teilweise ungebildete Gruppe unter Verfolgung. Aus menschlicher Sicht war die Wahrscheinlichkeit einer weltweiten Bewegung äußerst gering.
Der heutige Lehrtext ist eine der vielen erfüllten Prophezeiungen des Neuen Testaments. Die Apostel verteilten sich über weite Teile der Welt: Johannes wirkte in Ephesus und Patmos (Offb 1:9), Petrus starb in Rom. Paulus, der später hinzukam, durchreiste Kleinasien und Griechenland und gelangte ebenfalls bis nach Rom (Apg 28:16) – möglicherweise sogar bis Spanien (Röm 15:24). Laut Eusebius und altkirchlicher Überlieferung war Andreas in Griechenland und Skythien tätig, Philippus in Phrygien, Bartholomäus in Indien und Armenien, Thomas in Parthien und Indien, Matthäus in Äthiopien oder Persien, Thaddäus in Syrien und Persien, Simon der Zelot in Persien oder Armenien.
Laut kirchlicher Überlieferung starben alle Apostel außer Johannes als Märtyrer – sie gelten als sogenannte „Blutzeugen", die bis zuletzt die Auferstehung Jesu bezeugten. Wäre die Auferstehung erfunden gewesen, hätten sie ihr Leben nicht für eine Lüge hingegeben. Deshalb dürfen wir gewiss sein: Jesus Christus ist wahrhaftig auferstanden! (1Kor 15:3-8)
Ich hatte dich gepflanzt als einen edlen Weinstock, ein ganz echtes Gewächs. Wie bist du mir denn geworden zu einem schlechten, wilden Weinstock?
Gott hat das Volk, das er von Anfang an erwählt hatte, nicht verstoßen.
El Schadday, der allmächtige Gott, ist vollkommen und in jeder Hinsicht perfekt (1Mo 17:1 / 5Mo 32:4). Alles, was er tut, ist aus der Ewigkeitsperspektive das absolut Beste – er macht nie etwas falsch! Gott irrt sich nie und kommt auch nie in Verlegenheit (4Mo 23:19). Seine Entscheidungen und sein Handeln sind immer zielführend. Nichts, was der HERR tut, ist sinnlos, zwecklos oder ziellos (Röm 8:28)!
Das gilt auch dann, wenn wir seine Entscheidungen oder Zulassungen nicht verstehen (Jes 55:8-9). Der HERR ist der vollkommene Weinbauer, der genau weiß, was ein Weinstock braucht, damit er gedeiht und Früchte bringt (Joh 15:1). Aber wie war es dann möglich, dass der edle Weinstock – in Jeremia 2:21 ein Bild für Israel – zu einem schlechten Weinstock wurde? Hat Gott einen „Behandlungs- bzw. Erziehungsfehler" gemacht? Hat er Israel zu streng erzogen? Oder hat er sein Volk vielleicht zu stark verwöhnt?
Wer die Geschichte Israels bis zum Propheten Jeremia studiert hat, bekommt aus menschlicher Sicht fast den Eindruck, dass manchmal beides zutraf. Die lange Zeit unter der Sklaverei in Ägypten würden wir vielleicht als zu streng beurteilen (2Mo 1:13-14), während die Anfangszeit unter König Salomo eher wie ein Verwöhnprogramm aussieht (1Kö 10:23-25). Unsere Sicht ist subjektiv und begrenzt – Gott aber überblickt alles (1Sam 16:7). Er allein sieht alle Zusammenhänge und kennt die Herzen der Menschen (Jer 17:10). Der HERR weiß auch, wie sich ein Geschehen über die Jahrtausende – über die ganze Heilsgeschichte – auswirkt. Darum tut er immer wieder Dinge, die unser eingeschränktes Verständnis überfordern (Röm 11:33).
Ein guter Weingärtner gießt und düngt seinen Weinstock. Er befreit ihn von Schädlingen und schafft die ideale Umgebung für optimales Gedeihen. Aber er beschneidet ihn auch (Joh 15:2)! Manchmal so heftig, dass im Frühjahr nur ein Stamm und zwei bis drei Zweige übrigbleiben. Doch anders als ein echter Weinstock hat der Mensch – und damit auch das Volk Israel – einen eigenen Willen, auch wenn er nur eingeschränkt tun kann, was er will. Nichtsdestotrotz hat der Mensch grundsätzlich die Möglichkeit, sich aufzulehnen und gegen den offensichtlichen Willen Gottes zu entscheiden (5Mo 30:19).
Wir Menschen treffen von Natur aus Entscheidungen, die unser eigenes Wohlbefinden in den Mittelpunkt stellen (Jer 17:9). Deshalb werden wir von der Seele statt vom Geist Gottes dominiert und lehnen uns gegen das göttliche Beschneidungsprogramm auf – so ist es auch bei Israel! Der einzige „Mensch", der die vollständige Beschneidung gehorsam über sich ergehen ließ, war Jesus Christus (Phil 2:8 / Hebr 5:8). Ihm war dies nur deshalb möglich, weil er durch den Heiligen Geist gezeugt wurde und keinen menschlichen Vater hatte (Lk 1:35).
In Römer 10:21 beschreibt Paulus Gottes liebende Fürsorge für sein Volk und zitiert Jesaja 65:2: „Ich habe den ganzen Tag meine Hände ausgebreitet zu einem widerspenstigen Volk, zu solchen, die auf dem Weg, der nicht gut ist, ihren eigenen Gedanken nachlaufen." Einen Vers später stellt er die Frage: „Hat Gott etwa sein Volk verstoßen?" Die Antwort des Apostels: „Auf keinen Fall! … Gott hat sein Volk nicht verstoßen, das er vorher erkannt hat" (Röm 11:1-2).
Trotz des Ungehorsams Israels erreicht Gott sein wunderbares Ziel. Die Widerspenstigkeit des Volkes lässt ihn nicht ratlos dastehen – im Gegenteil: Durch ihren Fehltritt ist sein rettendes Heil zu den Nationen gekommen, um sie zur Eifersucht zu reizen (Röm 11:11). Doch das ist nicht das Ende! Israels Fall brachte den Nationen einen Reichtum (Röm 11:12), und seine zeitweilige Verwerfung bewirkte die Versöhnung der Welt. Aber Gott wird sich seines Volkes wieder annehmen – und das wird dann „Leben aus den Toten" zur Folge haben (Röm 11:15)!
Gott ist so groß, dass er selbst aus dem Ungehorsam seines Volkes das Beste für alle macht (Röm 8:28)! Deshalb kommt Paulus in Römer 11:32–33 zu einem Schluss, der ihn in tiefste Anbetung führt:
„Denn Gott hat alle zusammen in den Ungehorsam eingeschlossen, damit er sich aller erbarmt. Welche Tiefe des Reichtums, sowohl der Weisheit als auch der Erkenntnis Gottes! Wie unerforschlich sind seine Gerichte und unaufspürbar seine Wege!"
Gottes Wege sind nicht nur klüger als unsere – sie sind Ausdruck vollkommener Liebe (1Jo 4:8). Darum bleibt uns nur Staunen und Anbetung.
Der HERR sprach zu Abram: In dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf Erden.
Alle, die aus Glauben leben, werden zusammen mit dem glaubenden Abraham Segen empfangen.
Gott beruft Menschen auf vielfältige Weise zu besonderen, individuellen Aufgaben. Diese Berufung dient nicht in erster Linie dem eigenen Seelenheil, sondern dem Zweck, für andere zum Segen zu werden und ihnen zu helfen, eine Vertrauensbeziehung zu ihrem Schöpfer zu finden.
So wurde dies auch bei William Cameron Townsend sichtbar, dem Gründer von Wycliffe Bible Translators. Dieser junge Bibelverkäufer aus Kalifornien reiste 1917 nach Guatemala, um dort spanische Bibeln zu verteilen. Als ein Einheimischer ihn fragte, warum Gott nur Spanisch spreche und nicht ihre eigene Sprache, erkannte Townsend eine wichtige Wahrheit: Menschen können Gottes Wort nur dann wirklich verstehen, wenn es in ihrer Muttersprache vorliegt (Apg 2:6-11). Er entschloss sich zu bleiben, lernte die Sprache der Kaqchikel, entwickelte eine Schrift und übersetzte das Neue Testament – ein Schritt, der später zur Gründung von Wycliffe Bible Translators führte. Aus einem einfachen Bibelverkäufer wurde ein Pionier, der Millionen Menschen Gottes Wort in ihrer Sprache zugänglich machte.
Jeder Mensch hinterlässt ein Vermächtnis – doch kaum jemand hat die Weltgeschichte so nachhaltig geprägt wie Abraham (Hebr 11:8-10). Was war das Geheimnis seines Lebens?
Als Jahweh, der Ewigseiende, zu Abram sprach: "Geh aus deinem Land und aus deiner Verwandtschaft und aus dem Haus deines Vaters in das Land, das ich dir zeigen werde!" (1Mo 12:1), ahnte dieser kaum, welche großen Pläne Gott für ihn und seine Nachkommen bereithielt und wie diese Geschichte alle Nationen prägen würde. Doch bereits zwei Verse später verkündet der HERR: "In dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf Erden." (1Mo 12:3)
Abraham war zwar wohlhabend – er besaß viel Vieh und eine beträchtliche Anzahl Knechte (1Mo 13:2) – doch im Grunde war er ein Nomade, der in Zelten lebte und kaum Land besaß. Sein Einfluss auf die damalige Gesellschaft war eher gering. Er fürchtete sich sogar zweimal davor, von Königen getötet zu werden, sollten diese erfahren, dass die außergewöhnlich schöne Sarah seine Frau war (1Mo 12:11-13 / 1Mo 20:2).
Interessanterweise hat Abraham die Weltgeschichte stärker beeinflusst als ägyptische Pharaonen und babylonische, persische, griechische oder römische Kaiser. Dies liegt daran, dass die religiösen Wurzeln von Juden, Christen und Muslimen mit Abraham verbunden sind. Diese drei Weltreligionen – auch abrahamitische Religionen genannt – machen zusammen mehr als die Hälfte der gesamten Weltbevölkerung aus (rund 55%).
Doch bis heute hat eine Mehrheit von Juden, Christen und Muslimen nicht erkannt, was das tatsächliche geistliche Erbe Abrahams beinhaltet: eine Rechtfertigung vor Gott - allein aus Glauben! (Röm 4:1-5) Nur durch unser Vertrauen auf den allmächtigen Gott werden wir mit göttlicher Gerechtigkeit beschenkt. Darum heißt es bereits in 1. Mose 15:6:
"Und er glaubte dem HERRN; und er rechnete es ihm als Gerechtigkeit an."
Und gegen Ende des Tanach, also des Alten Testaments, sprach Gott zum Propheten Habakuk:
"Der Gerechte wird durch seinen Glauben leben." (Hab 2:4)
Im Laufe seines Lebens wuchs Abrahams Vertrauen auf seinen Gott stetig an. Bei seiner schwersten Prüfung war sein Glaube so stark, dass er sogar davon überzeugt war, Gott könne seinen Sohn Isaak von den Toten auferwecken (Hebr 11:19).
Abrahams Vermächtnis für alle Nationen geht über den bloßen Monotheismus hinaus. Es ist die grundlegende Erkenntnis, dass jeder Mensch allein durch Glauben – durch Vertrauen auf Gott – gerechtfertigt wird und göttliches Leben empfängt (Gal 3:7-9).
Nicht religiöse Pflichterfüllung oder die penible Einhaltung von Vorschriften führt zum Leben (Gal 2:16), sondern einzig das Vertrauen auf einen Gott, der alles für uns vollbracht hat. Durch das Opfer am Kreuz von Golgatha hat er uns von Schuld und Sünde befreit und uns mit der Gerechtigkeit seines Sohnes beschenkt (2Kor 5:21). Dadurch können wir ewig in Gottes Gegenwart leben, umhüllt von seiner wunderbaren Liebe (Röm 8:38-39).
Abrahams Vermächtnis ruft uns bis heute: Vertraue Gott – und werde selbst zu einem Segen für andere (Mt 5:13-16).
Das Verlangen der Elenden hörst du, HERR; du machst ihr Herz gewiss.
Und als Jesus an die Stelle kam, sah er auf und sprach zu ihm: Zachäus, steig eilend herunter; denn ich muss heute in deinem Haus einkehren. Und er stieg eilend herunter und nahm ihn auf mit Freuden.
"Es gibt keinen Gott!" Mit diesen Worten zitiert David in Vers 4 die gottlosen Frevler, die erbarmungslos über Schwache und Elende herfallen und sie ausrauben (Ps 10:4). Sie tun dies, weil sie wissen, dass ihre Opfer sich kaum wehren können. In ihrer Überzeugung, dass kein Gott existiert, fürchten sie keine göttliche Vergeltung und handeln rücksichtslos zu ihrem eigenen Vorteil – auf Kosten der Schwachen und Elenden (Ps 94:3-7).
Das hebr. Wort "anavim", das die Lutherbibel mit "Elende" übersetzt, hat auch die Bedeutung "Gebeugte", "Gedemütigte" und beschreibt auch Menschen, die "demütig" und "sanftmütig" geworden sind (Mt 5:5). Wenn Gott demütigt, führt dies früher oder später zur Demut, und erst diese Demut öffnet uns den Zugang zur Gnade und zu Gott selbst (Jak 4:6).
Menschen, die gebeugt und gedemütigt wurden, stehen in der Gefahr, ihren inneren Halt zu verlieren. Wer sich jedoch vertrauensvoll an den HERRN wendet und um Hilfe bittet, erlebt etwas Wunderbares: Gott festigt sein Herz und schenkt die Gewissheit, von ihm getragen und gerettet zu werden (Ps 34:19).
Diese Zusage Gottes erfüllt sich auch im Neuen Testament – besonders eindrücklich in der Begegnung Jesu mit Zachäus. Der reiche und korrupte Oberzöllner Zachäus gehörte eigentlich zur Kategorie der Frevler, denn er betrog regelmäßig als Zolleinnehmer (Lk 19:2). Sein Verhalten machte das Leben vieler Menschen noch schwerer. Seine korrupten Praktiken waren damals zwar üblich, führten aber dazu, dass Zöllner in der Bevölkerung weitgehend verachtet wurden. Man hasste sie auch, weil viele in ihnen Kollaborateure der römischen Besatzungsmacht sahen (Mt 9:11).
Auf den ersten Blick fragt man sich vielleicht: "Was verbindet den Elenden aus Psalm 10 mit dem betrügerischen Oberzöllner aus Lukas 19?" Obwohl wir Zachäus' inneren Prozess nicht genau kennen, ist es naheliegend, dass er mit der Zeit erkannte: "Reichtum und materieller Genuss sind nicht alles. Sie füllen die innere Leere nur kurzzeitig und lassen einen danach noch leerer zurück!" (Pred 5:9-10). Vermutlich litt er immer stärker unter der Ablehnung und Einsamkeit. So war Zachäus zwar äußerlich reich, fühlte sich aber innerlich elend!
Gerade in seiner inneren Leere war Zachäus wie der „Gedemütigte" aus dem Psalm: offen für Gottes Zuwendung, bereit, sein Herz verändern zu lassen (Mt 5:3).
Als er erfuhr, dass Jesus nach Jericho gekommen war, wollte er ihn unbedingt sehen. Vermutlich hatte er bereits gehört, dass dieser berühmte Wanderprediger mit Zöllnern Umgang pflegte und sich auch für gesellschaftlich Ausgegrenzte interessierte (Lk 15:1-2). Doch er stand vor einem Problem: Die Menschenmenge war enorm, und wegen seiner kleinen Statur hatte er praktisch keine Chance, Jesus zu erblicken. Daher entschied er sich, auf einen Baum zu klettern – an einer Stelle, wo Jesus voraussichtlich vorbeikommen würde (Lk 19:3-4).
Da Jesus die Herzen der Menschen kannte und die innere Not von Zachäus sah, ging er direkt auf ihn zu und sagte: "Zachäus, steig eilend herunter; denn ich muss heute in deinem Haus einkehren." (Lk 19:5). Welche Freude muss Zachäus empfunden haben, als er erkannte: Dieser heilige Mann Gottes möchte mit mir Gemeinschaft haben! Er kommt auf mich zu, verachtet mich nicht, schenkt mir Beachtung und gibt mir unverdiente Wertschätzung!
Die wunderbare Liebe Jesu veränderte sein Leben so tiefgreifend, dass er zu Jesus sagte:
"Siehe, Herr, die Hälfte meiner Güter gebe ich den Armen, und wenn ich von jemand etwas durch falsche Anklage genommen habe, so erstatte ich es vierfach." (Lk 19:8)
Wer die Liebe Jesu erfährt, erlebt, was der Psalmist bezeugt: Gott hört das Verlangen der Demütigen – und verwandelt ihr Herz (2Kor 5:17). Diese Erfahrung wünsche ich uns allen von ganzem Herzen.
Ich erkenne, HERR, dass du alles vermagst, und nichts, das du dir vorgenommen, ist dir zu schwer.
Bei Gott ist kein Ding unmöglich.
Hiob musste lange – aus seiner Sicht unverständlich und völlig zu Unrecht! – Leid, Schmerz und tiefe Not erleben (Hi 7:20). Dennoch hielt er fest an seinem Glauben an seinen Erlöser (Hi 19:25). Diesbezüglich ist uns Hiob ein großes Vorbild! In diese Not hinein redete Gott zu ihm, und seine Rede beginnt mit den Worten: „Mit dem Allmächtigen will der Tadler (also Hiob) rechten? (Hi 40:2)" Gott begegnete Hiob als der Allmächtige, als der, dem die Kontrolle nie entgleitet, der alles im Griff hat (Ps 115:3). Diese Rede Gottes schlug bei dem zutiefst verletzten und traumatisierten Hiob ein wie eine Bombe! Mit einem Mal sah Hiob sein ganzes Leben in neuem Licht, aus einer neuen Perspektive. Er erkannte die Größe und Allmacht des Gottes, der über seinem Leben wachte und begann seine Antwort zu Gott mit den Worten: „Ich erkenne, HERR, dass du alles vermagst, und nichts, das du dir vorgenommen, ist dir zu schwer (Hi 42:2)." Wenige Sätze später stellte er fest: „Vom Hörensagen hatte ich von dir gehört, jetzt aber hat mein Auge dich gesehen." (Hi 42:5) Hiobs langer Weg durch das Tal des Leidens und des Schmerzens und das Reden Gottes führte ihn zu einer völlig neuen Erkenntnis Gottes, und er konnte seine Not in einem anderen Licht sehen: Die Frage nach dem Recht oder Unrecht, nach dem „Warum?" und dem „Wozu?", wich dem Staunen über die Allmacht Gottes, der ihn kaum erkennbar, aber doch souverän durch dieses Tal führte (Ps 23:4 / Jes 55:8-9).
Gelingt es uns, unsere Lebenslast und persönliche Not unter der Perspektive zu sehen, die Hiob einnahm? Wir dürfen uns in Gott, der uns in seinem Sohn Jesus Christus Vater geworden ist, bergen und wissen: ER ist der Allmächtige! (Offb 19:6 / 1Mo 17:1) Wo unsere Stärke ein Ende hat, will er sich als der erweisen, dem kein Ding unmöglich ist (Lk 1:37 / Jer 32:17), wenn wir unser Vertrauen auf IHN setzen:
ER kann die tiefen Verletzungen und Traumata, die wir erlitten haben, seiner Allmacht unterstellen und unsere Seele heilen (Hos 6:1). So macht er uns zu Menschen, die eine hohe Sensibilität für unsere Nächsten haben und tiefes Mitgefühl für die empfinden, die noch unter den Erlebnissen in ihrer Vergangenheit leiden (2Kor 1:4). Gott will den „Fluch" unseres Lebens zu einem großen Segen für unsere Mitmenschen umwandeln (5Mo 23:6 / 1Mo 50:20)!
ER kann uns angesichts der bevorstehenden Herausforderungen, die uns wie eine unüberwindbare Mauer scheinen, mit seiner Kraft ausrüsten (Ps 18:30). So erweist sich seine Gnade und seine Kraft in unserer Schwachheit (2Kor 12:9)!
ER kann kriselnde Ehen, unsere zerbrochenen Freundschaften und unsere zerrütteten Beziehungen neugestalten und das Band der Liebe neu flechten (Kol 3:14). So erweist er sich als der, der zerbrochene Herzen heilt (Ps 147:3) und unseren Beziehungen ein tragfähiges Fundament gibt (Mal 3:24)!
ER kann unsere Krankheitsnot wenden und uns heilen (Ps 103:3) oder uns die Kraft schenken, das Auferlegte zu tragen und zu ertragen (2Kor 4:7). So erweist er sich als unser guter Hirte (Ps 23)!
Hören wir also auf das Reden Gottes in unserem Leben! In seinem Reden offenbart uns Gott seine Allmacht, die dann in unserem Alltag erlebbar wird. Als Maria durch den Engel Gabriel mitgeteilt wurde, dass bei Gott kein „Ding" unmöglich ist (Lk 1:37), verwendete er einen Begriff („rhema"), der auch mit „Wort" übersetzt werden kann. Daher formuliert die Elberfelder Übersetzung, dass „kein Wort, das von Gott kommt, kraftlos sein wird". Wenn wir uns dem kraftvollen und wirkungsvollen Wort Gottes öffnen und in unserem Herzen Raum geben, werden wir ganz gewiss Gottes Allmacht in unserem Leben erfahren (Mk 9:23 / Eph 3:20).
Jesus Christus, der auferstandene Sohn Gottes, der jetzt zur Rechten des Vaters sitzt (1Petr 3:22), spricht: „Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf Erden (Mt 28:18)." Vertraue dich ihm immer wieder aufs Neue an!
Ich glaube aber doch, dass ich sehen werde die Güte des HERRN im Lande der Lebendigen.
Das Gebet des Glaubens wird dem Kranken helfen, und der Herr wird ihn aufrichten; und wenn er Sünden getan hat, wird ihm vergeben werden.
Manch theologisch korrektes und schön formuliertes Gebet reicht vielleicht nur „bis an die Decke" (Spr 15:29), während ein anderes – womöglich einfach und unvollkommen gesprochen – direkt vor den Thron Gottes gelangt (Ps 66:19). Wenn ein Kind ohne großes Bibelwissen ein aufrichtiges, von Herzen kommendes Gebet spricht, wird Gott es hören und zu seiner Zeit erhören – vielleicht anders, als das Kind es erwartet (Mt 7:7-8). Das bedeutet nicht, dass Gott formelle oder theologisch korrekte Gebete verwirft – doch er hört besonders die, die aus einem aufrichtigen Herzen kommen.
Wenn ich dagegen in einer Gebetsgemeinschaft ein wohlklingendes Gebet formuliere, nur um andere zu beeindrucken, stehen die Chancen schlecht, dass dieses Gebet erhört wird. Es war kein Gebet des Glaubens, sondern eines, das vor Menschen gesprochen wurde, statt an Gott gerichtet zu sein (Mt 6:5-6).
David war ein authentischer Mann, der oft einsam war – sei es auf der Flucht oder in Momenten, in denen Menschen von ihm erwarteten, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Führungspersönlichkeiten werden häufig beachtet, bewundert und kritisiert, doch fühlen sie sich dennoch einsam. Gerade in dieser Einsamkeit lernte David, aufrichtig und von Herzen zu beten (Ps 142:2-4).
In den ersten Versen von Psalm 27 schreibt er:
„Der HERR ist mein Licht und mein Heil, vor wem sollte ich mich fürchten? Der HERR ist meines Lebens Zuflucht, vor wem sollte ich erschrecken? Wenn Übeltäter mir nahen, mein Fleisch zu fressen … Wenn sich ein Heer gegen mich lagert, so fürchtet sich mein Herz nicht; wenn sich auch Krieg gegen mich erhebt, trotzdem bin ich vertrauensvoll."
David vertraute weder auf seine Klugheit noch auf seine Erfahrung als Kämpfer, sondern allein auf Gott, der ihn retten und bewahren konnte (Ps 18:3). Sein tiefes Gottvertrauen wuchs einerseits durch das Gebet, in dem er lernte, seinen Blick auf Gott zu richten, und andererseits durch die Erfahrungen, in denen Gott seine Treue bewies (Ps 34:9).
So entstand auch seine Sehnsucht, alle Tage im Haus des HERRN zu wohnen. Er schrieb:
„Eins habe ich vom HERRN erbeten, danach trachte ich: zu wohnen im Haus des HERRN alle Tage meines Lebens, um anzuschauen die Freundlichkeit des HERRN und nachzudenken in seinem Tempel."
Durch seine Gebete gewann David die Gewissheit, dass er die Güte des HERRN sehen wird. Er erkannte, dass Gottes Liebe und Gnade alle Schönheit dieser Welt übertreffen (Ps 63:4).
Das Gebet ist auch in Krankheitstagen eine große Hilfe (Jak 5:13-14). In Westeuropa dürfen wir seit Jahrzehnten ein gut funktionierendes Gesundheitssystem genießen – etwas, wofür wir sehr dankbar sein dürfen. Doch vielleicht hat uns dieser Segen auch gelehrt, unsere körperlichen Probleme zuerst medizinisch zu lösen, statt sie im Gebet vor Gott zu bringen. Oft greifen wir zuerst zu Medikamenten oder suchen einen Arzt auf, und erst wenn diese Wege nicht helfen, wenden wir uns im Gebet an Gott.
Die umgekehrte Reihenfolge wäre jedoch besser (2Chr 16:12). Wir dürfen mit aufrichtigem Herzen beten und darauf vertrauen, dass der HERR uns den nächsten Schritt zeigt (Ps 32:8). Manchmal schenkt er Heilung oder Besserung, ohne dass wir selbst aktiv werden müssen. In anderen Fällen weist er uns darauf hin, das Gebet von Glaubensgeschwistern oder Ältesten in Anspruch zu nehmen (Jak 5:14-15). Solche Gebete führen nicht immer zu körperlicher Heilung, aber sie stärken und ermutigen die Seele des Kranken (2Kor 12:8-9).
Mitunter schenkt uns der HERR auch einen inneren Frieden darüber, ärztliche Hilfe anzunehmen oder eine Behandlung zu beginnen (Phil 4:6-7). Gebet und medizinische Maßnahmen schließen sich nicht aus – vielmehr ergänzen sie sich, wenn Gott uns durch beide Wege führt (Jes 38:21).
Gott leitet jeden von uns auf einzigartige Weise. Doch eines bleibt immer wahr:
Das Gebet sollte unser erster Schritt sein – nicht unsere letzte Möglichkeit.
Es sei Gutes oder Schlechtes - auf die Stimme des HERRN, unseres Gottes, werden wir hören.
Jesus aber antwortete den Jüngern: Gebt ihr ihnen zu essen!
Während einer Predigt sprach ein Pastor über das Thema "Partnerwahl". Humorvoll zitierte er das Gebet eines jungen Mannes, der sich entscheiden musste, welche Frau er heiraten sollte: "HERR, zeige mir, ob ich Emma oder Gretel heiraten soll – aber lass es bitte die Gretel sein!" Kommt uns das bekannt vor? Oft bitten wir um Gottes Führung, haben uns aber bereits für einen Weg entschieden – sei es, weil wir meinen zu wissen, was gut ist, oder weil wir insgeheim bezweifeln, dass Gott uns überhaupt antworten wird (Jak 1:6-8 / Spr 3:5-6).
Jeremia 42 beschreibt eine Situation von höchster Anspannung. Nebukadnezar II. hatte Jerusalem und den Tempel im Jahr 587/586 v. Chr. zerstören lassen und setzte daraufhin Gedalja als Statthalter über die im Land verbliebenen Juden ein. Doch nach der Ermordung Gedaljas machte sich unter dem Volk große Furcht breit – sie rechneten mit der harten Vergeltung der Chaldäer. Diese Sorge war keineswegs unbegründet: Juda hatte sich mehrfach den Weisungen Babylons widersetzt – zunächst unter Jojakim und Jojachin, später auch unter Zedekia. Gerade dieser wiederholte Widerstand führte schließlich zur erneuten Belagerung und zur völligen Vernichtung Jerusalems (2Kön 25:1-21).
Kein Wunder also, dass das Volk in Panik nach Ägypten fliehen wollte, um dem Zorn Nebukadnezars zu entgehen. Der Plan stand eigentlich schon fest, doch sie wollten zusätzlich den Propheten Jeremia befragen, damit ihr Vorhaben auch von Gottes Seite "abgesegnet" würde. Darum sagten sie zu ihm:
"Der HERR sei ein wahrhaftiger und zuverlässiger Zeuge gegen uns, wenn wir nicht nach jedem Wort, mit dem der HERR, dein Gott, dich zu uns senden wird, so handeln werden. Es sei Gutes oder Böses, wir wollen hören auf die Stimme des HERRN, unseres Gottes, zu dem wir dich senden, damit es uns gut geht, wenn wir auf die Stimme des HERRN, unseres Gottes, hören."
Dann aber geschah das Unerwartete: Der HERR sprach durch Jeremia und wies sie an, im Land zu bleiben. Er versprach, sie vor der Bestrafung des babylonischen Königs zu schützen (Jer 42:9-12). Diese Anweisung erschien aus menschlicher Sicht höchst unvernünftig und erforderte daher einen besonders starken Glauben, um ihr zu folgen. Doch genau dieses Vertrauen fehlte ihnen. Entgegen Gottes klaren Anweisungen flohen sie nach Ägypten, was schließlich in einem verhängnisvollen Desaster endete (Jer 43:1-7 / Jer 44:11-14).
Damit aus dem Hören auf Gottes Wort ein echtes Gehorchen wird, braucht es Vertrauen, dass Gott es gut macht – selbst wenn alle menschliche Vernunft dagegen spricht (Spr 3:5-7).
Auch die Jünger standen vor einer scheinbar unlösbaren Situation – und auch sie mussten lernen, dass Vertrauen wichtiger ist als Berechnungen. Die Situation im heutigen Lehrtext aus Markus 6 war anders gelagert, obwohl auch hier Jesus seinen Jüngern eine "Anweisung" gab: 5.000 Männern zu essen zu geben (Mk 6:35-37). Mit dieser Aufforderung waren sie allerdings völlig überfordert. Ihre menschliche Logik sagte ihnen, dass sie mindestens 200 Denare für Brot ausgeben müssten – Geld, das sie wahrscheinlich gar nicht besaßen. Für die Jünger erschien es also wie eine "Mission Impossible"!
Möglicherweise erwartete Jesus von seinen Jüngern, dass sie sich in dieser Situation an Elisa erinnern, der mit nur 20 Broten 100 Menschen gespeist hatte (2Kö 4:42-44) und dass sie darauf vertrauen, dass Jesus noch mehr tun könnte (Mt 19:26). Stattdessen taten sie, was wir Menschen so oft tun: Erst alle menschlichen Möglichkeiten abklopfen und erst, wenn keine mehr übrig sind, zum HERRN gehen und um Hilfe bitten! Sollten wir uns nicht vielmehr die umgekehrte Reihenfolge angewöhnen? Zuerst zum HERRN gehen, ihn fragen und dann darüber nachdenken, welche Möglichkeiten es gibt (Mt 6:33 / Jak 4:2-3)? Halten wir noch einmal fest:
"Damit aus dem Hören auf Gottes Wort ein echtes Gehorchen wird, braucht es Vertrauen (Hebr 11:6)!"
Salomo betete: Du hast deinem Knecht, meinem Vater David, gehalten, was du ihm zugesagt hast. Mit deinem Mund hast du es geredet, und mit deiner Hand hast du es erfüllt, wie es offenbar ist an diesem Tage.
Treu ist er, der euch ruft.
1.Thessalonicher 5,24
Die Zeit, in der Salomo das Gebet in 1. Könige 8 sprach, markiert einen Höhepunkt in der Geschichte Israels. Nach jahrhundertelangen Kämpfen und vielfältigen Nöten schenkte der HERR seinem Volk endlich Frieden, Wohlstand und überfließende Freude. Dies war ein Vorgeschmack auf das kommende messianische Friedensreich (Jes 9:6-7 / Jes 11:1-9) und zugleich ein sichtbares Zeichen von Gottes großer Treue. Viele Zusagen, die Gott seinen Dienern gegeben hatte, erfüllten sich in dieser Zeit.
Salomos Gebet bei der Tempeleinweihung ist mit den Versen 23b-53 das zweitlängste Gebet der Bibel. Das längste steht in Nehemia 9, Verse 5b-37, und wurde von den Leviten nach der Wiederherstellung der Mauern Jerusalems gesprochen. Bemerkenswert ist, dass beide Gebete – das zweitlängste im Zusammenhang mit dem Tempel und das längste im Zusammenhang mit den Mauern Jerusalems – direkt mit dem Haus und der Stadt Gottes verbunden sind.
Auch die Wahl des Tempelbauplatzes zeigt etwas von Gottes Treue: David erwarb die Tenne von Ornan, dem Jebusiter, zum offiziellen Preis von 600 Schekel Gold (1Chr 21:25) und zahlte für die Opferrinder zusätzlich 50 Schekel Silber (2Sam 24:24). Er weihte diesen Platz dem HERRN, damit dort der Tempel errichtet werden konnte. Man könnte sagen, dass der Tempelplatz in Jerusalem damals zum erworbenen Eigentum Gottes wurde und seitdem nicht mehr rechtmäßig erworben, sondern nur durch Gewalt beansprucht wurde. Rechtlich betrachtet ist dieser Ort nach wie vor Jahwehs Eigentum – und genau deshalb ist er der meistumstrittene Platz der Welt, an dem ein geistlicher Kampf tobt. Persönlich glaube ich, dass hier noch einmal ein dritter Tempel gebaut wird, in dem sich dann der Antichrist niederlassen und sich als Gott ausgeben wird (2Thes 2:4).
König Salomos Tempelbau war ein deutlicher Beweis für Gottes Treue. Der HERR hatte David zugesagt, dass sein Nachkomme ihm ein Haus bauen würde (2Sam 7:12-13). Diese Verheißung ging nun in Erfüllung – ein weiteres Zeugnis der unverbrüchlichen Treue Gottes.
Wäre Gott nicht absolut treu und würde nicht dafür sorgen, dass alle seine Verheißungen in Erfüllung gehen, könnten wir ihm nicht vollständig vertrauen. Treue ist die Grundlage jeglichen Vertrauens (5Mo 7:9 / Ps 36:6). Gottes Verlässlichkeit ist so vollkommen, dass er sein Liebstes für uns hingab (Joh 3:16), um alle seine Zusagen zu erfüllen – obwohl wir untreu waren und es manchmal noch sind. Paulus schreibt dazu in 2Tim 2:13:
"… wenn wir untreu sind – er bleibt treu, denn er kann sich selbst nicht verleugnen."
Der absolut treue Gott hat uns gerufen und berufen (Röm 8:28-30)! Seine Treue garantiert, dass wir unser Ziel erreichen werden. Daher stellt der Apostel fest:
"Ich bin ebenso in guter Zuversicht, dass der, der ein gutes Werk in euch angefangen hat, es vollenden wird bis auf den Tag Christi Jesu." (Phil 1:6)
Der allmächtige Gott hat in den Glaubenden ein Werk begonnen, und seine Unwandelbarkeit garantiert dessen Vollendung (Hebr 13:8). Diese Vollendung bedeutet nichts Geringeres als unsere vollständige Verwandlung in das Bild Jesu, sodass wir ihm gleich sein werden (2Kor 3:18 / 1Jo 3:2). Was für ein einmaliges Wunder der göttlichen Gnade und Treue!
Wer glaubt dem, was uns verkündet wurde, und an wem ist der Arm des HERRN offenbart?
Maria Magdalena geht und verkündigt den Jüngern: Ich habe den Herrn gesehen, und was er zu ihr gesagt habe.
Johannes 20,18
Im Frühjahr 1947 entdeckten beduinische Hirtenjungen zufällig mehrere Tonkrüge in einer Höhle bei Qumran am Toten Meer, als sie nach einem entlaufenen Ziegenbock suchten. In einigen dieser Krüge lagen alte Schriftrollen, darunter die große Jesaja-Rolle. Dieser Fund war eine archäologische Sensation: Über 2.000 Jahre hatte die Rolle in „Höhle 1" in einem Tonkrug geruht und wurde auf etwa 125 vor Christus datiert. Die Jesaja-Rolle war nicht nur wegen ihres hohen Alters spektakulär, sondern auch wegen ihrer beeindruckenden Übereinstimmung mit dem damals bereits bekannten Jesajabuch aus dem Tanach, den sogenannten „Späteren Propheten" (hebr. Nevi'im Acharonim).
Doch was fand sich in dieser Rolle, das bis heute von solcher Bedeutung ist? Jesaja enthält bekanntlich zahlreiche Prophezeiungen über den Messias Israels, von denen sich viele im ersten Jahrhundert durch Jesus Christus erfüllten (Mt 1:22-23 / Lk 4:16-21). Das belegt, dass Jesaja bereits Jahrhunderte zuvor reale historische Ereignisse voraussagen konnte. Es zeigt auch, wie er vom Heiligen Geist inspiriert wurde, der über Raum und Zeit steht (2Petr 1:20-21).
Jesaja 53 bildet den Abschluss der sogenannten vier Gottesknechtlieder aus der Jesaja-Rolle. Dieses letzte Lied, das bereits in Kapitel 52 ab Vers 13 beginnt, beschreibt den leidenden Messias mit bemerkenswerter Präzision. Besonders deutlich wird das, wenn man diesen Text mit den vier Passionsberichten der Evangelien (Mt, Mk, Lk und Joh) vergleicht.
Wäre Jesaja nur ein gewöhnlicher Mensch gewesen, der sich in seiner Fantasie ein paar erfundene Erzählungen ausgedacht hat, wäre er wohl nie darauf gekommen, einen unschuldigen Messias zu schildern, an dessen Aussehen das Volk kein Gefallen fand (Jes 53:2), der verachtet und von Menschen verlassen war (V. 3), den man für von Gott bestraft hielt und der die Schmerzen und das Leid anderer auf sich nahm (V. 4). Es wäre kaum denkbar gewesen, ihn als „durchbohrt" und „gestraft um unserer Sünden willen" zu beschreiben (V. 5). Ebenso unwahrscheinlich wäre es, zu schreiben, dass er wegen des Vergehens seines Volkes bestraft wurde (V. 8). Noch erstaunlicher erscheint, dass dieser verurteilte und bestrafte Gottesknecht ein Grab bei einem Reichen erhält (V. 9) und dass dieses heilsgeschichtliche Geschehen vielen zur Gerechtigkeit verhelfen würde (V. 11).
All das erscheint so unwahrscheinlich und seltsam, dass selbst Jesaja zu Beginn von Kapitel 53 fragen musste: „Wer hat unserer Verkündigung geglaubt? Wem ist der Arm des HERRN offenbart worden?" (Jes 53:1)
Der Prophet Jesaja beschreibt den Messias auch als König des Friedens: als „Wunderbarer Ratgeber, starker Gott, Vater der Ewigkeit, Fürst des Friedens" (Jes 9:1-6; Jes 11:1-10). Er zeichnet ihn als einen vom Geist erfüllten Mann, der den Armen gute Botschaft bringt, zerbrochene Herzen heilt, den Gefangenen Freiheit verkündet und das Gnadenjahr des HERRN sowie den Tag der Rache unseres Gottes ausruft, um alle Trauernden zu trösten (Jes 61:1-3).
All diese Aussagen wurden gern geglaubt – doch wie ließen sich solche wunderbaren Verheißungen mit einem leidenden Gottesknecht verbinden? Wie konnte man einen Fürsten des Friedens erwarten, der Gerechtigkeit auf Erden bringt, und zugleich an die Botschaft aus Jesaja 53 glauben? Doch der allmächtige Gott Israels tut das Undenkbare und Unvorstellbare (Eph 3:20-21).
Jesaja 53 beschreibt das Ende des ersten Kommens des Messias: Zuerst brachte er Herzensfrieden (Joh 14:27), doch erst bei seinem zweiten Kommen wird er in großer Macht und Herrlichkeit vom Himmel her auch den äußeren Frieden auf die Erde bringen – dort, wo Wolf und Lamm gemeinsam weiden werden (Jes 11:6). Auch das klingt kaum vorstellbar – aber Gott hat es verheißen, und darum wird es geschehen (4Mo 23:19)!
Für die Jünger schien es unvorstellbar, dass Jesus nach drei Tagen auferstanden war und wieder lebte – obwohl er es ihnen mehrfach verheißen hatte (Mk 8:31 / Mt 16:21). Maria aus Magdala war die Erste, die den Auferstandenen sah. Als sie es den Jüngern berichtete, konnten sie es nicht glauben – zumal das Zeugnis einer Frau damals wenig galt (Lk 24:10-11). Wie die Jünger damals mit ihrem Glauben rangen, stehen auch wir heute vor derselben Frage: „Glauben wir, dass Gott ihn von den Toten auferweckt hat und dass er heute noch lebt?" (Röm 10:9)
Kommt her und sehet an die Werke Gottes, der so wunderbar ist in seinem Tun an den Menschenkindern.
Jesus sprach zu dem Hauptmann: Geh hin; dir geschehe, wie du geglaubt hast. Und sein Knecht wurde gesund zu derselben Stunde.
In Bezug auf den Glauben an Gott gibt es im Wesentlichen nur drei Möglichkeiten:
Man glaubt nicht an die Existenz eines Gottes und somit auch nicht an einen Schöpfer des Himmels und der Erde (Ps 14:1). Nach dieser Sichtweise wären wir alle das Produkt eines Zufalls, bei dem manche etwas besser "über die Runden" kommen, während andere mit viel Leid konfrontiert sind. Doch sterben müssen letztlich alle – und damit wäre alles zu Ende (Pred 9:5).
Man glaubt an einen oder mehrere Götter, die das Weltgeschehen nach ihrem Willen oder ihren Möglichkeiten beeinflussen (1Kor 8:5-6). Dabei existiert vielleicht ein höchster Gott mit der größten Macht, der jedoch nicht allmächtig ist. Dieser Gott bemüht sich möglicherweise ständig, alles zum Besseren zu lenken, stößt dabei aber an Grenzen. Viele Anhänger dieser Sichtweise glauben zudem an Reinkarnation – einen Kreislauf der Wiedergeburt des Bewusstseins – mit der Hoffnung, eines Tages aus diesem Kreislauf befreit zu werden und den höchsten spirituellen Zustand zu erreichen (wie Brahman oder Nirvana).
Man glaubt an einen allmächtigen Gott, der das Universum mit allen Lebewesen erschaffen hat (1Mo 1:1 / Offb 4:11), der außerhalb von Raum und Zeit existiert (Ps 90:2) und alles nach seinem Willen lenkt (Eph 1:11).
Die Bibel beschreibt den Ewigseienden als einen allmächtigen Gott, der die Herzen der Könige wie Wasserbäche lenkt (Spr 21:1), jeden Spatz kennt (Mt 10:29) und alle Haare unseres Hauptes gezählt hat (Lk 12:7). Sie stellt ihn als glückseligen Gott dar (1Tim 1:11), der die absolute Liebe verkörpert (1Jo 4:8) und dem nichts entgleitet – auch wenn wir vieles nicht verstehen können. Die Vorstellung, dass Gott ständig gegen das Böse ankämpfen muss, um es einigermaßen "in Zaum" zu halten, widerspricht der Gesamtbotschaft des Wortes Gottes. Selbst der größte Feind Gottes kann nur das tun, wofür er zuvor von Gott die Erlaubnis erhalten hat (Hiob 1-2).
In Römer 9-11 beschreibt Paulus das Handeln Gottes an seinem auserwählten Volk Israel. Am Ende dieses Abschnitts erläutert er das unbegreifliche, aber zugleich wunderbare Wirken Gottes:
"Denn Gott hat alle zusammen in den Ungehorsam eingeschlossen, damit er sich aller erbarmt. Welche Tiefe des Reichtums, sowohl der Weisheit als auch der Erkenntnis Gottes! Wie unerforschlich sind seine Gerichte und unaufspürbar seine Wege! Denn wer hat des Herrn Sinn erkannt, oder wer ist sein Mitberater gewesen? Oder wer hat ihm vorher gegeben, und es wird ihm vergolten werden? Denn aus ihm und durch ihn und zu ihm hin sind alle Dinge! Ihm sei die Herrlichkeit in Ewigkeit! Amen." (Röm 11:32-36)
Wer sich mit der Menschheitsgeschichte und einzelnen Schicksalen beschäftigt, erkennt, dass praktisch alle Menschen mit Not und Leid konfrontiert werden. Dies betrifft sowohl die Gottesfürchtigen als auch die Gottlosen (Pred 9:2). Der Gottesfürchtige weiß jedoch, dass der HERR das Leid nutzt, um uns zu demütigen, barmherzigen und liebenden Menschen zu formen (Röm 5:3-4 / Jak 1:2-4). Er darf zudem darauf vertrauen, dass Gott aus dem Leid eine unvorstellbare Herrlichkeit entstehen lässt (Röm 8:18) – was tiefe Ehrfurcht und Respekt in ihm auslöst.
Doch die Bibel zeigt uns noch eine tiefere Dimension: Gott ist nicht nur derjenige, der Leid zulässt und es in seinem Ratschluss gebraucht – er ist selbst in das Leid dieser Welt hineingegangen. In Jesus Christus hat er den Schmerz, das Unrecht und den Tod am Kreuz auf sich genommen (Jes 53:4-5 / Phil 2:8). Dadurch hat er die Macht des Todes besiegt (Hebr 2:14-15) und uns gezeigt, dass Leid und Tod nicht das letzte Wort haben. Das Kreuz ist somit nicht nur ein Zeichen des größten Leids, sondern zugleich auch der größte Beweis von Gottes Liebe (Röm 5:8).
Im heutigen Losungswort aus Psalm 66 steht anstelle von "wunderbar" im Hebräischen das Wort "jare", das hauptsächlich mit "Furcht" übersetzt wird. Dieser Begriff bedeutet jedoch nicht nur Angst, sondern umfasst tiefe Ehrfurcht und Respekt vor Gottes Macht. Wenn wir erkennen, auf welchen Wegen Gott uns Menschen führt, entwickeln wir eine tiefe Ehrfurcht vor ihm – und genau diese Ehrfurcht brauchen wir, um weise zu werden (Spr 9:10).
Der römische Hauptmann bewies nicht nur tiefen Respekt vor Jesus, sondern auch außergewöhnlichen Glauben. Er vertraute darauf, dass allein Jesu Wort genügen würde, seinen Knecht zu heilen – selbst aus der Ferne, ohne physische Anwesenheit Jesu (Mt 8:8-10).
Durch diese Haltung wurde er zu einem herausragenden Vorbild für Ehrfurcht, Respekt und Gottvertrauen – Eigenschaften, nach denen auch wir streben dürfen! Möge der HERR uns dies vermehrt schenken (Hebr 12:28)!
Der HERR erweckte den Geist des Volkes, dass sie kamen und arbeiteten am Hause des HERRN Zebaoth, ihres Gottes.
Jesus spricht: Ich kenne deine Werke und deine Mühsal und deine Geduld.
Kennst du das? Du investierst viel Kraft und Zeit in etwas, aber der Erfolg bleibt aus. Oder umgekehrt: Du denkst, du hättest zu wenig Kapazität, um ein wichtiges Projekt abzuschließen, und dann geschieht das Unerwartete – alles läuft viel besser als erwartet!
Ähnliches erlebten auch die Juden, die auf Befehl des persischen Königs Kyrus aus dem babylonischen Exil in ihr Land zurückkehrten (Esra 1:1-3). Sie erhielten den Auftrag, den zerstörten Tempel in Jerusalem – das Haus des HERRN – wieder aufzubauen. Doch die Widerstände waren groß, und die Sorge um das eigene Überleben nahm so stark zu, dass sie dachten: „Zuerst müssen wir uns um unsere eigene Versorgung und um unsere Häuser kümmern."
Diese – aus menschlicher Sicht – logische Schlussfolgerung führte dazu, dass sie zueinander sagten: "Die Zeit ist noch nicht gekommen, das Haus des HERRN zu bauen" (Hag 1:2). Folglich verwendeten sie ihre ganze Kraft und Zeit darauf, den eigenen Wohlstand aufzubauen oder zu vergrößern. Doch seltsamerweise brachten auch diese Bemühungen nicht das erhoffte Ergebnis. Die gesamte Situation war frustrierend.
In diese schwierige Zeit hinein spricht der HERR durch den Propheten Haggai zu seinem Volk:
"Richtet euer Herz auf eure Wege! Ihr habt viel gesät, aber wenig eingebracht; ihr esst, aber werdet nicht satt; ihr trinkt, aber seid noch durstig; ihr kleidet euch, aber es wird keinem warm; und der Lohnarbeiter erwirbt Lohn in einen durchlöcherten Beutel." (Hag 1:5-6)
Warum war das so? Weil das Haus des HERRN verödet dalag, während sich jeder um sein eigenes Haus kümmerte (Hag 1:9). Nachdem der Prophet seine Ermahnung ausgesprochen hatte, hörte das Volk auf ihn. Gleichzeitig "erweckte" der HERR den Geist des Statthalters Serubbabel, des Hohenpriesters Jeschua und des ganzen Volkes, sodass sie neue Motivation fanden und ihre Arbeit am Haus des HERRN fortsetzten (Hag 1:12-15).
An dieser Stelle wird deutlich, dass zwei Faktoren entscheidend sind, damit etwas gelingen kann: zum einen die Bereitschaft des Einzelnen, zuzuhören und zum anderen das Wirken des Geistes Gottes (Phil 2:13 / Joh 15:5).
Seit der Entstehung der neutestamentlichen Gemeinde geht es nicht mehr um den Bau eines Tempels aus Stein und Holz, sondern um die Arbeit an einem geistlichen Tempel – und das ist die weltweite Gemeinde Jesu (1Kor 3:16-17 / Eph 2:19-22).
Die christliche Gemeinde in Ephesus bestand bereits seit mehreren Jahrzehnten und hatte schon zahlreiche Herausforderungen bewältigt. Trotz aller Widerstände und Mühen arbeiteten die Gläubigen geduldig am "Werk des HERRN" weiter. Sie setzten ihre Bemühungen fort, den geistlichen Tempel Gottes – die Gemeinde Jesu – zu bauen (Offb 2:1-3 / 1Kor 15:58).
Dieses "Bauwerk", das sich über die ganze Welt erstreckt, wird bald vollendet sein – nämlich dann, wenn Jesus wiederkommt und seine Gemeinde zu sich holt. Lasst uns bis dahin weiterbauen und nicht müde werden, denn die Belohnung wird groß sein! (1Thes 4:16-17 / Gal 6:9)
Mache dich auf, hilf uns und erlöse uns um deiner Güte willen!
Der Gott aller Gnade aber, der euch berufen hat zu seiner ewigen Herrlichkeit in Christus, der wird euch, die ihr eine kleine Zeit leidet, aufrichten, stärken, kräftigen, gründen.
Der Schrei nach Hilfe – wer kennt ihn nicht oder hat ihn nicht schon oft gehört? Der Ruf nach Rettung ist allgegenwärtig, und jeder, der in Not gerät, sehnt sich nach Hilfe. Denken wir an die Menschen in Kriegsgebieten und jene, die von Umweltkatastrophen heimgesucht wurden. Depressive und Kranke sehnen sich nach Heilung. Unterdrückte, Verfolgte und Gefangene nach Befreiung (Ps 107:10-16).
Auch in der Bibel begegnet uns der Schrei nach Rettung häufig (Ps 18:7). Bemerkenswert ist, dass die meisten dieser Hilferufe direkt an Gott gerichtet sind. In den täglichen Nachrichten sehen wir regelmäßig Interviews mit Menschen aus Krisengebieten, die nach Unterstützung rufen. Sie wenden sich an die UNO, das Rote Kreuz oder andere Hilfsorganisationen und bitten um mehr Hilfe. Das ist verständlich. In der Bibel hingegen ist der Adressat dieser Hilferufe meist der unsichtbare Gott.
Ein Hilfeschrei zu Gott macht nur Sinn, wenn man glaubt, dass Gott ihn hört – oder wenn man zumindest diese Möglichkeit in Betracht zieht. Gott selbst ermutigt uns dazu in Psalm 50:15:
"Rufe mich an am Tag der Not; ich will dich retten, und du wirst mich verherrlichen!"
Viele Bekehrungen haben genau so begonnen: Menschen in Not riefen: „Gott, wenn es dich gibt, so hilf mir jetzt – ich weiß keinen Ausweg mehr!" Manche legten dabei sogar ein Gelübde ab: „Wenn du mich rettest, dann werde ich dir mein Leben schenken und dir nachfolgen!" (Jon 2:10)
Die Söhne Korachs beteten stellvertretend für ihr Volk und baten im heutigen Losungsvers um Hilfe und Erlösung aus ihrer Verfolgungsnot (Ps 44:27). Das hebräische Wort "padah" bezeichnet nicht nur Erlösung, sondern auch Loskauf. Manche Israeliten wurden als Sklaven zu den Heidenvölkern weggeführt und sehnten sich deshalb nach einem "Loskauf" aus dieser Sklaverei (Jes 52:3).
Johannes 8 macht deutlich, dass alle Menschen von Natur aus unter der Sünde versklavt sind. Dies liegt daran, dass wir egoistisch gesinnt sind und nicht aus der Liebe leben. Doch Christus hat uns von der Sünde losgekauft, indem er für uns starb (Gal 3:13 / 1Petr 1:18-19). Er rettete uns aus reiner Güte!
Obwohl wir Christen von der Sünde erlöst sind, seufzen wir dennoch unter der Mühsal des alltäglichen Lebens und anderen Herausforderungen (Röm 8:23). Sowohl das Volk Israel als auch die Christen leiden unter Verfolgung. Deshalb wollte Petrus die Leidenden ermutigen, indem er ihnen Gottes Ziel vor Augen malte: die ewige Herrlichkeit in Christus (1Petr 5:10)! Auch wenn uns die Zeit des Leidens hier manchmal lang erscheint – im Vergleich zur zukünftigen Herrlichkeit ist sie nur von kurzer Dauer.
Auch Paulus, der viel Schweres durchlebte (2Kor 11:23-28), betont in Römer 8:18:
"Denn ich denke, dass die Leiden der jetzigen Zeit nicht ins Gewicht fallen gegenüber der zukünftigen Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll."
Und in 2. Korinther 4:17-18 drückt er es so aus:
"Denn das schnell vorübergehende Leichte unserer Bedrängnis bewirkt uns ein über die Maßen überreiches, ewiges Gewicht von Herrlichkeit, da wir nicht das Sichtbare anschauen, sondern das Unsichtbare; denn das Sichtbare ist zeitlich, das Unsichtbare aber ewig."
So wie Petrus und Paulus das künftige Ziel – die Herrlichkeit in Christus – vor Augen hatten, so dürfen auch wir die verheißene Glückseligkeit in Gott erwarten (Offb 21:3-4)! Darum lohnt es sich, den Blick auf ihn gerichtet zu halten (Kol 3:1-2).
Ich bin dein, hilf mir.
Plötzlich stand da der Engel des Herrn, und die ganze Zelle war von strahlendem Licht erfüllt. Der Engel weckte Petrus durch einen Stoß in die Seite und sagte: Schnell, steh auf! Da fielen Petrus die Ketten von den Händen.
In welcher Not sich der Psalmist befunden hat, wissen wir nicht. Vielleicht war es eine Gewissensnot, die in ihm aufstieg, als er über das Gesetz Gottes nachdachte (Ps 119:5 / Ps 119:120). Möglicherweise waren es der Spott und die Todesdrohungen seiner Feinde, die ihn schreckten (Ps 119:51 / Ps 119:95 / Ps 119:110), oder ein Kummer, der ihn nicht zur Ruhe kommen ließ (Ps 119:28). Depressive Lebensphasen und Ängste, die wohl jeder von uns schon durchlebt und erlebt hat, kannte der Psalmist jedenfalls auch (Ps 119:25 / Ps 119:143). Seine Reaktion ist die einzig Richtige: Er wendet sich in seiner Not an Gott (Ps 50:15)! Dabei nennt er nur einen einzigen Grund, warum Gott ihn aus seiner Not retten sollte: „Ich bin dein" – „Ich gehöre dir!" (NGÜ)
Das hat mich beim Nachdenken über das heutige Losungswort ganz neu ergriffen! Ich gehöre ihm, meinem Herrn! Jesus, mein Erlöser und Retter (Eph 1:7 / Eph 2:5), hat mich mit seinem eigenen Blut erkauft (1Petr 1:18-19). Wenn wir Menschen schon auf das, was uns teuer und wichtig erscheint, besonders achtgeben, wie viel mehr unser Herr, in dessen Augen wir so wertvoll sind, dass er sein Leben für uns hingegeben hat (Jes 43:4 / Röm 8:32). Ich gehöre Jesus – das ist die Garantie dafür, dass er mir in jeder Not beisteht und mit seiner Hilfe zur Stelle ist, wenn ich mich in meiner Not an ihn wende (Ps 50:15). Manchmal prüft der Herr unseren Glauben und wir haben den Eindruck, Jesus kommt mit seiner Hilfe nicht rechtzeitig, aber eines dürfen wir felsenfest glauben: Jesus kommt nie zu spät!
Das hat auch Petrus erlebt, als er im Zuge einer Christenverfolgung von Herodes ins Gefängnis gebracht wurde. Vier Abteilungen von je vier Mann wurden zu seiner Bewachung abgestellt, obwohl Petrus mit Ketten gebunden war (Apg 12:4) – eine völlig aussichtslose Situation! Und die weiteren Aussichten waren mehr als schlecht: Herodes beabsichtigte, Petrus nach dem Passafest dem Volk vorzuführen – offenbar mit dem Ziel, ihn der Lynchjustiz der fanatischen Juden zu überlassen. Ganz sicher hat – wie der Psalmist – auch Petrus gebetet: „Ich bin dein, hilf mir!" Aber der Tag verging, ohne dass seine Bitte erhört wurde.
Petrus war nicht der einzige, der um die Befreiung aus seiner misslichen Lage betete: Die ganze Jerusalemer Gemeinde stand anhaltend betend hinter ihm (Apg 12:5). Und so sandte Jesus mitten in der Nacht seinen Engel (Apg 12:11), der Petrus durch einen Stoß in die Seite weckte und sagte: „Schnell, steh auf! Da fielen Petrus die Ketten von den Händen." Jesus erlöste Petrus durch seinen Engel von den Ketten! „Aber die Wachen!?", höre ich Petrus, der das alles gar nicht fassen konnte, stöhnen. „Und was ist mit den eisernen Toren, die das Gefängnis abriegeln?" Vielleicht hat der Engel im Auftrag Gottes geantwortet: „Ich, ich werde vor dir herziehen ... Eherne Türen werde ich zerbrechen und eiserne Riegel zerschlagen." (Jes 45:2). Und genauso kam es (Apg 12:10)! Jesus befreit, und „wen der Sohn frei macht, der ist wirklich frei (Joh 8:36)!"
Was immer deine Not auch ist: Wenn du Jesus gehörst und ihn anrufst, kannst du seiner Hilfe gewiss sein – zur rechten Zeit (Ps 50:15 / Mt 11:28 / Phil 4:6-7).
Der HERR behütet die Fremdlinge und erhält Waisen und Witwen.
Vergesst die Gastfreundschaft nicht. Denn auf diese Weise haben manche, ohne es zu wissen, Engel als Gäste aufgenommen.
Psalm 146 enthält ein eindrückliches Plädoyer für das Gottvertrauen. Der Psalmist zählt Menschen auf, die am "Rande der Gesellschaft" stehen und oft übersehen werden: die Bedrückten, Hungrigen und Gefangenen. Er erwähnt auch die Blinden, Gebeugten sowie die Fremdlinge, Waisen und Witwen (Ps 146:7-9). All diese Menschen leiden unter einem schweren Schicksal – ein Los, mit dem wir, wenn möglich, nicht tauschen möchten.
Gott steht ihnen nahe und richtet sein Auge besonders auf sie. Er verschafft ihnen Recht zu seiner Zeit und stillt ihren Hunger. Als liebender Gott befreit er sie und öffnet ihre Augen. Der HERR richtet sie auf, behütet und unterstützt sie (Ps 146:7-9 / Jes 61:1-3).
In den Versen 7-9 werden neben den Benachteiligten auch Gerechte und Gottlose erwähnt. Dies hat eine besondere Bedeutung. Der Gottlose fürchtet Gott nicht und neigt daher zu skrupellosem Verhalten. Er betrachtet die Schwachen der Gesellschaft als Menschen, die „zu dumm" waren, ein „erfolgreiches" Leben zu führen – als Personen, die man leicht ausbeuten kann, weil sie sich kaum wehren können (Ps 94:3-7). Gottlose vergrößern häufig das Leid der Benachteiligten und sind nicht selten die Hauptverursacher dieses Elends.
Ganz anders die Gerechten, die wie Abraham aus einer Vertrauensbeziehung zu Gott leben: Sie empfinden tiefes Mitgefühl für Leidende und fragen sich stets: 'Wie kann ich durch Liebe und Barmherzigkeit das Leid der Bedrängten lindern?' (Spr 31:8-9 / Jak 1:27). Gerade dieses Mitgefühl macht sie zu Werkzeugen in Gottes Hand. Denn auch wenn Gott den Benachteiligten unmittelbar helfen könnte, wählt er doch meist den Weg durch Menschen, um sie in sein Heilswerk einzubeziehen. Er nutzt uns als Werkzeuge seiner Liebe, damit wir Anteil an seiner Herrlichkeit erhalten (2Kor 5:20 / Mt 25:34-40).
Dies ist auch einer der Gründe, warum der Hebräerbrief uns zur Gastfreundschaft ermutigt (Hebr 13:2). In biblischen Zeiten war der Aufenthalt in der Fremde für mittellose Flüchtende und Reisende oft beschwerlich. Die Ungewissheit, eine Übernachtungsmöglichkeit und ausreichend Nahrung zu finden, stellte eine Belastung dar, die nicht jeder gut bewältigen konnte. Im antiken Nahen Osten galt Gastfreundschaft als heilige Pflicht. Sie war jedoch mit Aufwand, Kosten und Risiken verbunden. Nicht jeder Fremde erwies sich als dankbar oder vertrauenswürdig.
Aus der Apostelgeschichte und den neutestamentlichen Briefen wird ersichtlich, dass zahlreiche Verkündiger des Evangeliums im Nahen Osten, der römischen Provinz Asien und in Europa unterwegs waren. Sie reisten oft mittellos und waren auf Gastfreundschaft angewiesen (Mt 10:9-11 / 3Jo 1:5-8). Die Gastgeber trugen zwar Kosten, empfingen jedoch durch ihre Gäste einen besonderen Segen. Sie hörten die gute Botschaft Gottes und erlebten Begegnungen, die ihr Leben veränderten. Die meisten Gastgeber wurden zudem mit einem besonderen Schalom – einem tiefen Frieden – beschenkt (Lk 10:5-6).
Als Abraham den HERRN und zwei Engel beherbergte, erhielt er die Verheißung, dass Sarah innerhalb eines Jahres einen Sohn gebären würde – einen Sohn, auf den er Jahrzehnte gewartet hatte (1Mo 18:1-15). Und als Lot zwei Engel aufnahm, wurden er und seine Familie vor dem göttlichen Feuergericht über Sodom gerettet (1Mo 19:1-22).
Manche Menschen meiden Gastfreundschaft aus Angst vor dem Aufwand. Doch wahre Gastfreundschaft braucht kein "Fünf-Gänge-Menü" – sie lebt von Offenheit und Gemeinschaft, die Herz und Seele stärkt (Lk 10:38-42).
Lasst uns Gastfreundschaft mit neuer Hingabe und von Herzen praktizieren. Sie muss nicht aufwendig sein – ein einfaches Mahl, ein offenes Ohr oder ein Platz am Tisch genügen (Röm 12:13 / 1Petr 4:9). Wo wir Fremde aufnehmen, schafft Gott Begegnungen, die uns verwandeln. Wenn wir unsere Türen öffnen, öffnen wir zugleich unsere Herzen – und erfahren einen besonderen Segen (Mt 25:35 / Hebr 13:2).
Fürchtet euch nur nicht und stärkt eure Hände!
Jesus spricht: In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.
Der HERR ermutigt durch den Propheten Sacharja alle Heimkehrer aus Babylon, sich nicht entmutigen zu lassen (Sach 8:13). Der Widerstand gegen die Rückkehr der Juden war groß. Esra berichtet, wie die "Hände derjenigen erschlafften", die sich daran machten, den zerstörten Tempel wieder aufzubauen (Esra 4:4). Dies zeigt, dass sie zwischenzeitlich völlig den Mut verloren hatten (Esra 4:23-24). Doch Gott machte ihnen Mut und versicherte ihnen: “Ich bin mit euch!”
Der vollständige Vers aus Sacharja 8:13 lautet:
"Und es wird geschehen: Wie ihr ein Fluch unter den Nationen gewesen seid, Haus Juda und Haus Israel, so werde ich euch retten, und ihr werdet ein Segen sein. Fürchtet euch nicht! Eure Hände seien stark!"
Was meint die Bibel mit "ein Fluch unter den Nationen gewesen zu sein"? Dies bedeutet nicht, dass die Juden ein Unglück für die Nationen waren, sondern dass sie zu einem Sinnbild oder Sprichwort für Unglück und göttliche Ablehnung wurden. In ihrer fast viertausendjährigen Geschichte erlebten die Juden unsägliche Verfolgung. Doch Nationen, die ihnen wohlgesinnt waren, empfingen oft besonderen Segen (1Mo 12:3).
Die christlichen Nationen empfingen besonderen Segen durch Jesus Christus und seine Apostel, die alle jüdischer Abstammung waren. Das Heil für die ganze Welt ging von den Juden aus, wie Jesus selbst der Samariterin bezeugte (Joh 4:22). Durch sie wurden wir mit dem kostbaren göttlichen Wort beschenkt – denn der Tanach, das Alte Testament, bildet zusammen mit dem Neuen Testament das unvergängliche Wort des allmächtigen Gottes (2Tim 3:16-17).
Sacharja verkündete eine Prophezeiung für die Endzeit, kurz bevor der HERR zu seinem Volk zurückkehrt – eine Vorhersage, die sich in naher Zukunft erfüllen wird:
"Und es wird geschehen an jenem Tag, da werde ich Jerusalem zu einem Laststein für alle Völker machen: Alle, die ihn aufladen wollen, werden sich gewiss daran verwunden. Und alle Nationen der Erde werden sich gegen es versammeln." (Sach 12:3)
Schon heute erkennen wir erste Vorboten dieser prophetischen Entwicklung im zunehmenden Antisemitismus und in der einseitigen Wahrnehmung des Nahostkonflikts. Der weltweit zunehmende Antisemitismus bildet die Grundlage für dieses schwere Ereignis der Endzeit, das sich bereits jetzt abzeichnet, während die mediale Aufmerksamkeit intensiv auf den Nahen Osten gerichtet ist. Zweifellos ist das Schicksal der Palästinenser im Gazastreifen unsagbar schwer, und in diesem Konflikt wurden auch von israelischer Seite Fehler begangen. Dennoch steht die unverhältnismäßig hohe mediale Aufmerksamkeit für eine Bevölkerung, die das terroristische Massaker vom 7. Oktober 2023 weiterhin rechtfertigt, in keinem angemessenen Verhältnis zu anderen gravierenden humanitären Krisen weltweit.
Bemerkenswert ist zum Beispiel die Tatsache, dass weltweit 310 Millionen Christen verfolgt werden, was in den Medien kaum Beachtung findet. Weder die öffentlichen Fernsehsender in Deutschland noch in der Schweiz haben meines Wissens jemals ausführlich über dieses Thema berichtet (2Tim 3:12).
Diese Einseitigkeit hat eine geistliche Ursache und lässt sich nicht ausschließlich mit geschichtlichen oder psychologischen Faktoren erklären. Die Hauptursache dieses Phänomens liegt darin, dass Satan alles hasst, was Gott auserwählt hat. Er hasst das auserwählte Volk Israel und er hasst die Christen, die die Botschaft der Versöhnung mit Gott verkündigen (Offb 12:17 / 1Petr 5:8).
Meiner Beurteilung nach beeinflusst und prägt der Widersacher Gottes maßgeblich den medialen Mainstream. Wie sonst ließe sich erklären, dass Juden gehasst werden, nur weil sie Juden sind, ohne etwas Böses getan zu haben (Joh 15:25)? Und warum lastet man allen Juden der Welt die Fehler an, die eine aktuelle israelische Regierung begeht? Schließlich werden auch nicht automatisch alle Iraner gehasst, weil das gegenwärtige Mullah-Regime nachweislich weltweit Terroristen unterstützt – man setzt auch nicht alle Iraner mit ihrer Regierung gleich. Aber bei den Israelis tut man es, weil der Antisemitismus durch eine dunkle Geistesmacht gefördert wird!
In dieser feindlich gesinnten Welt brauchen sowohl das Volk Israel als auch die verfolgten Christen Ermutigung. Doch Jesu Zusage gilt nicht nur ihnen, sondern auch dir und mir persönlich: „Seid getrost, ich habe die Welt überwunden." (Joh 16:33) Er hat die Macht im Himmel und auf Erden – nichts geschieht außerhalb seiner Hand (Mt 28:18). Darum dürfen wir mit gestärkten Händen und einem festen Herzen unseren Weg gehen, im Vertrauen darauf, dass er mit uns ist – heute und bis an das Ende der Welt (Mt 28:20).
Viele sagen von mir: Er hat keine Hilfe bei Gott. Aber du, HERR, bist der Schild für mich, du bist meine Ehre und hebst mein Haupt empor.
Einer aber unter den zehn aussätzigen Männern, als er sah, dass er gesund geworden war, kehrte er um und pries Gott mit lauter Stimme.
Mein erster Schwiegervater hatte als Kind keine guten Aussichten. Seine Geschwister sagten abwertend zu ihm: „Du bist nichts, du kannst nichts und du wirst nichts!" Er erkrankte zudem an Kinderlähmung und musste deshalb einige Zeit außerhalb seines Zuhauses verbringen. Diese Krankheit ließ ihn sein Leben lang hinken. Seine schulischen Leistungen waren eingeschränkt, und er konnte leider keine Berufslehre absolvieren, obwohl er liebend gerne Schreiner geworden wäre. In den Augen seiner Mitmenschen gehörte er zu den „Verlierertypen", und seine Chancen, jemals eine Familie zu gründen, erschienen gering. Entgegen aller Erwartungen schenkte Gott ihm jedoch eine wunderbare Frau, und er durfte Vater zweier Kinder werden.
Als David den Psalm 3 verfasste, befand er sich in einer äußerst schwierigen Lage: Sein eigener Sohn Absalom hatte sich gegen ihn gewandt und trachtete nach seinem Leben. (2Sam 15:13-14) Viele Israeliten schlossen sich Absalom an, was David zur überstürzten Flucht aus Jerusalem zwang. Während dieser Flucht begegnete ihm Schimi, der ihn öffentlich verfluchte. (2Sam 16:5-8) Überall hörte David: „Er hat keine Hilfe bei Gott!" – mit anderen Worten: „Gott hat ihn verlassen!" Wie niederschmetternd muss diese Erfahrung für ihn gewesen sein?
Neben der Lebensgefahr, in der David sich befand, und der tiefen Angst, die er verspürte, musste er erkennen, dass seine Feinde nicht nur seine politische Position anzweifelten, sondern auch seine Beziehung zu Gott in Frage stellten. Diese geistliche Anfechtung belastete ihn vermutlich zusätzlich zu seiner ohnehin schwierigen Lage. (Ps 22:8-9)
Doch gerade in diesem bedrängenden Tiefpunkt hält David am Herrn fest und bekennt: „Aber du, HERR, bist der Schild für mich, du bist meine Ehre und hebst mein Haupt empor." Was für ein Glaube! Was für ein Gottvertrauen! David hatte durch die Gnade Gottes die feste Zuversicht: „Gott selbst wird mein Beschützer sein, selbst wenn die Feinde zahlreicher werden. Er ist meine Ehre, auch wenn Menschen mich verachten. Gott wird mich wieder aufrichten, obwohl andere mich am Boden sehen wollen." (Ps 3:4 / Ps 27:1)
Ein solcher Glaube ist ein Geschenk Gottes – das man aber auch aktiv ergreifen sollte!
Die zehn Aussätzigen, von denen im Lehrtext die Rede ist, wurden nicht wie David verfolgt, aber ihre Krankheit (vermutlich Lepra) führte zu sozialer und religiöser Ausgrenzung. Diese Isolation verursachte neben dem körperlichen Leiden auch große seelische Not, in der sich die Betroffenen oft von Gott bestraft und verstoßen fühlten. In der Antike war die Hoffnung auf Heilung von dieser schweren Krankheit sehr gering. Schätzungen zufolge wurden nur etwa 10–20% der Erkrankten wieder gesund.
Ob die zehn Aussätzigen vor ihrer Begegnung mit Jesus noch auf Heilung hofften, wissen wir nicht – ihre Hoffnung war vermutlich auf ein Minimum gesunken. Doch als sie Jesus von fern erblickten, erfasste sie neue Zuversicht. Sie baten ihn um Heilung. Und tatsächlich: Während sie auf dem Weg zu den Priestern waren, wurden sie geheilt. Wie groß muss ihre Freude gewesen sein, als sie wieder „rein" waren und zu ihren Familien und Freunden zurückkehren konnten! Wahrscheinlich konnten sie es kaum erwarten, von ihrem Glück zu berichten. (Lk 17:11-14)
Aber nur einer kehrte zu Jesus zurück und dankte ihm für die Heilung. Wie traurig! Dies zeigt doch, wie schnell wir alle die Dankbarkeit vergessen. Gott hat uns schon so oft geholfen, Linderung geschenkt oder uns von einer Grippe genesen lassen – und dennoch vergessen wir, ihm dafür zu danken. Welchen Wohlstand durften wir in den letzten Jahrzehnten genießen, der leider immer mehr zur Selbstverständlichkeit wurde. (Ps 103:2 / 1Thess 5:18)
Leider sehen wir oft nur, was uns fehlt, und vergessen dabei, dankbar für das zu sein, was wir haben. Dabei würde gerade Dankbarkeit unser Leben mehr bereichern als ein gut gefülltes Bankkonto. Unsere Zufriedenheit wächst mit jedem Dank, was wiederum unsere Lebensqualität steigert. Vielleicht sollten wir heute bewusst einen Moment innehalten und Gott für etwas danken, das wir sonst leicht übersehen. (Phil 4:11-13 / Kol 3:15)
Siehe: Der die Berge gemacht und den Wind geschaffen hat, der dem Menschen sagt, was er im Sinne hat - er heißt »HERR, Gott Zebaoth«.
Halleluja! König geworden ist der Herr, unser Gott, der Herrscher über das All.
Ohne Fernsehen, Videos und Fotos könnte ich nicht sehen, dass die sieben Bundesräte der Schweiz unser Land regieren – da ich noch nie einem von ihnen persönlich begegnet bin. Ebenso wenig könnte ich mit eigenen Augen erkennen, dass Friedrich Merz und sein Team Deutschland regiert. Dennoch weiß ich es aus den Nachrichten und zweifle nicht daran – auch wenn im Hintergrund andere Mächtige ihre Finger im Spiel haben.
So ähnlich ist es mit Gottes Herrschaft über das Universum. Sie ist für uns noch unsichtbar. Wir können sie nur glauben, weil das Wort Gottes sie bezeugt (Hebr 11:1; 2Kor 5:7). Die Bibel lehrt klar: Gott regiert alles, und selbst sein größter Feind kann nur tun, was Gott erlaubt (Ps 103:19; Spr 21:1). Das zeigt eindrücklich die Geschichte Hiobs (Hiob 1–2), dem ältesten Buch der Bibel.
Der allmächtige Gott schuf Himmel und Erde (1Mo 1:1; Ps 115:3). Er lässt Berge entstehen, verschiebt die tektonischen Platten und bringt die Erde zum Beben (Ps 104:32; Nah 1:5). Er bestimmt, wo der Wind weht und welcher Geist gerade Einfluss hat (Joh 3:8; Dan 2:21).
Das hebräische Wort ruach bedeutet Wind, Geist oder Atem. Gott ist der „Vater der Geister“ (Hebr 12:9) und kennt die Gedanken und Motive jedes Menschen (1Sam 16:7). Nur das Wort Gottes zeigt, welche Motive gut oder böse sind. So lesen wir in Hebr 4:12–13:
“Denn das Wort Gottes ist lebendig und wirksam und schärfer als jedes zweischneidige Schwert und durchdringend bis zur Scheidung von Seele und Geist, sowohl der Gelenke als auch des Markes, und ein Richter der Gedanken und Gesinnungen des Herzens; und kein Geschöpf ist vor ihm unsichtbar, sondern alles bloß und aufgedeckt vor den Augen dessen, mit dem wir es zu tun haben.”
Vieles, was wir positiv nennen, hat in Gottes Augen keinen Ewigkeitswert – etwa Selbstvertrauen ohne Gott (Lk 18:9) oder Selbstgefälligkeit, die nichts anderes als Hochmut im „Sonntagsgewand“ ist (1Petr 5:5). Selbst Jesus gefiel sich nicht selbst, obwohl er allen Grund dazu gehabt hätte (Röm 15:3).
Umgekehrt gibt es Haltungen, die gering scheinen, aber in Gottes Augen kostbar sind – etwa Demut und eine „Niedrigkeits-Gesinnung“, wie wir sie bei David (2Sam 6:22) und bei Jesus Christus finden (Phil 2:5–8).
Der höchste Gott ist Richter der Gedanken und zugleich „Herr der Heerscharen“. Dieser Titel – Jahweh Zebaoth – erscheint im AT über 200 Mal und bezeichnet den Souverän, der alle Engelheere befehligt (Ps 103:20; Hebr 1:14). Jesus selbst spricht von zwölf Legionen Engeln (Mt 26:53).
Auch die letzte Phase der Weltgeschichte zeigt seine Herrschaft: In Offenbarung 19 werden alle gottfeindlichen Mächte entmachtet. In Kapitel 20 wird Satan für 1000 Jahre gebunden (Offb 20:1–3). Dann regiert der HERR sichtbar auf Erden, und Friede breitet sich aus (Jes 2:4; Offb 20:4). Dies geschieht, wenn er in Macht und Herrlichkeit wiederkommt (Mt 24:30). Auch wenn das tausendjährige Reich noch nicht der endgültige Zustand ist, wird darin Gottes Herrschaft für alle sichtbar sein.
Darum lohnt es sich, schon heute im Glauben auf den unsichtbaren, allmächtigen Gott zu vertrauen. Seine Herrschaft ist real – und bald wird sie für alle sichtbar.
Hilf du uns, Gott, unser Helfer, um deines Namens Ehre willen! Errette uns und vergib uns unsre Sünden um deines Namens willen!
In seinem Namen wird allen Völkern Umkehr verkündigt werden zur Vergebung der Sünden.
Wenn wir den Namen einer Person hören, erinnern wir uns nicht nur an ihr Aussehen, sondern auch an ihr gesamtes Wesen. Je besser wir jemanden kennen, desto mehr Charaktereigenschaften fallen uns ein. Ein Name funktioniert wie ein Schlüssel, der eine Fülle von Informationen und Eigenschaften erschließt (Spr 22:1 / Pred 7:1).
Die Bibel offenbart uns zahlreiche Charaktereigenschaften, durch die sich der allmächtige Gott selbst beschreibt. Dabei gibt es eine besonders prägnante Aussage, die immer wieder auftaucht:
"Jahweh, Jahweh, Gott (hebr. El), barmherzig und gnädig, langsam zum Zorn und reich an Gnade und Treue." (2Mo 34:6 / Ps 86:15 / Ps 103:8 u.a.)
Diese Eigenschaften entspringen der Liebe Gottes. Daher betont Johannes zweimal, dass Gott Liebe ist (1Jo 4:8+16), und Paulus erklärt in 1Kor 13:13, dass die Liebe das Größte unter allen bleibenden Dingen ist.
In Jesaja 45:21-22 verkündet Gott mit Nachdruck:
"Und es ist sonst kein Gott außer mir; ein gerechter und rettender Gott ist keiner außer mir! Wendet euch zu mir und werdet gerettet, alle ihr Enden der Erde! Denn ich bin Gott und keiner sonst."
Jahweh trägt den Namen und die Bestimmung, der einzige Gott zu sein, der wahrhaft und dauerhaft retten kann. Seine Ehre ist untrennbar mit dieser Eigenschaft verbunden. Paulus betont sogar, dass Gott ein Retter aller Menschen ist (1Tim 4:10).
Vermutlich schrieb Asaf den Psalm 79 nach der Zerstörung Jerusalems durch die Babylonier im Jahr 586 v.Chr. Er erkannte, dass dieses schwere Schicksal die Stadt traf, weil die Bevölkerung trotz wiederholter Warnungen nicht von ihren bösen Taten umkehrte (2Chr 36:15-16). Da sie keinen "verdienten Anspruch" auf Hilfe hatten, bittet der Psalmbeter im heutigen Losungsvers um Beistand "um seines Namens Ehre willen" und ebenso um Vergebung der Sünden "um seines Namens willen" (Ps 79:9).
Der HERR will sein Volk retten, damit sein Name von allen geehrt wird (Hes 36:22-23). Würde der Gott Israels sein Volk aufgrund ihres Ungehorsams nicht retten können, würde sein Name gelästert werden. Viele könnten dann sagen:
"Er pries sich immer als den rettenden Gott an, aber aufgrund der Widerspenstigkeit seines Volkes war es ihm letztlich nicht möglich! Der rettende Liebeswille Gottes scheiterte am Ungehorsam und an der Bosheit der Menschen."
Asaf erkannte, dass Gott sein Volk nicht aufgrund ihrer Verdienste rettet, sondern um seines eigenen Namens willen - um seine Identität als rettender Gott zu wahren (Hes 20:44 / Jes 48:11).
Jesus (hebr. Jeschua) bedeutet "JHWH ist Rettung". Der Sohn Gottes, der Mensch wurde, ist die personifizierte "Rettung Gottes". Als Lamm Gottes beseitigte er die Sünde der ganzen Welt (Joh 1:29). Jesus selbst sagte voraus, dass in seinem Namen allen Völkern die Umkehr verkündigt werden wird, die zur Vergebung der Sünden führt (Lk 24:47). Diese Prophezeiung hat sich vor unseren Augen erfüllt!
"Umkehr" lautet im Griechischen metanoia und bezeichnet eine vollständige Sinnesänderung – ein Umdenken und Mitdenken mit Gottes Gedanken oder ein Sich-Identifizieren mit seinem Wort (Röm 12:2). Wer die große Retterliebe Gottes erkannt und begriffen hat, kann nicht anders, als sich von Gottes Denken und Liebe verändern zu lassen (2Kor 5:14-15).
Ich will euch von all eurer Unreinheit erlösen.
Gott hat uns nicht zur Unsittlichkeit berufen, sondern zu einem Leben in Heiligkeit.
Was für eine Wohltat ist es, frisch gebadet oder geduscht zu sein - besonders nach längerer Zeit ohne Möglichkeit dazu.
Während meiner militärischen Grundausbildung nahm ich an einer dreitägigen Überlebensübung teil. Wir schliefen im Wald und überquerten mit 25 Kilo Gepäck einen Pass – mitten im Schneegestöber. Eine Nacht verbrachten wir in einem Kuhstall, eine andere in einer eiskalten Kiesgrube. Dazwischen marschierten wir kilometerweit. Am dritten Tag kippte mir Eintopf über die Kleidung, in der ich ohnehin schon fror. Schlaf gab es kaum. Am Ende wartete noch ein weiterer Marsch.
Wie ich nach diesen Tagen roch, kann sich jeder vorstellen. Umso herrlicher war die Dusche danach – und die frischen Kleider. Ein unvergesslicher Moment des Wohlbefindens.
Körperliche Hygiene trägt nicht nur zu unserem Wohlbefinden und einem angenehmen Geruch bei, sondern reduziert auch die Gefahr von Erkrankungen. Besonders das Händewaschen ist in der Küche sowie in Pflegeberufen unverzichtbar.
So wie wir ohne Reinigung äußerlich krank werden können, so schadet auch innere Unreinheit unserer Seele. Darum brauchen wir auch eine innere Reinigung (Ps 51:9). Wir benötigen regelmäßig eine geistliche Reinigung, um die „Beschmutzungen" des Alltags zu entfernen und inneres Wohlbefinden zu erlangen (Hebr 10:22).
In Hesekiel 36,17-18 kritisiert der HERR sein Volk, das sich unrein machte, indem sie „eigene Wege" gingen, sündhafte Taten vollbrachten, Blut vergossen und Götzendienst praktizierten. Dies führte zu einer tiefen Verunreinigung ihrer Herzen. Das Tragische dabei ist, dass Menschen sich an solche Unreinheit gewöhnen und scheinbar nicht mehr darunter leiden. Doch diese Verunreinigung führt unweigerlich ins Verderben (Spr 14:12)!
Jemand sagte einmal:
"Was wir anschauen, formt uns!" (Phil 4:8)
Die Dinge, mit denen wir uns beschäftigen, prägen unsere Gedanken und unser Unterbewusstsein weitaus stärker, als wir vermuten. Früher schaute ich bedenkenlos Action- oder Liebesfilme mit Gewalt- und Untreueszenen an – rein zur Unterhaltung. Heute erkenne ich, wie solche Darstellungen meine Gedanken, mein Gewissen und letztlich mein Herz negativ beeinflussen und verunreinigen (Mt 6:22-23). Besonders im Umgang mit Medien benötigen wir daher eine besondere Weisheit. Gleichermaßen belasten ungesunde Beziehungen und schädliche Gewohnheiten unser Herz.
Bevor Paulus in 1. Thessalonicher 4 die Wiederkunft Jesu Christi für seine Gemeinde thematisiert, ermutigt er die Gläubigen zu einem geheiligten Leben. Dies bedeutet ein Leben, das „Gott geweiht" ist und von Treue und Liebe geprägt wird (1Thes 4:3-5). Sowohl Unzucht als auch jede leidenschaftliche Begierde verunreinigen uns und behindern unser geistliches Wachstum.
Geistliche Hygiene hingegen wirkt absolut befreiend und löst letztlich Freude und einen großen Frieden aus (1Jo 1:9 / Ps 32:1-2).
In Hesekiel 36,26 verheißt der HERR seinem Volk ein neues Herz und einen neuen Geist. Wiedergeborene Christen haben dies bereits erlebt, als der HERR ihnen den Heiligen Geist schenkte und sie dadurch reinigte und erneuerte (Tit 3:5). Dennoch benötigen wir eine tägliche Reinigung, da unser alltägliches Handeln immer wieder zu Verunreinigungen führt. Diese regelmäßige Reinigung geschieht vor allem durch die drei "G's":
Gebet (Ps 139:23-24)
Gottes Wort lesen (Joh 17:17)
Gemeinschaft mit anderen Gläubigen pflegen (Hebr 10:24-25)
Diese drei Praktiken führen zu einer wirksamen geistlichen Hygiene und einem Leben in Heiligkeit. So bereiten wir uns bewusst auf die baldige Wiederkunft des HERRN vor (1Jo 3:3).
Was der HERR tut, das ist herrlich und prächtig, und seine Gerechtigkeit bleibt ewiglich.
Ich habe nicht meine eigene Gerechtigkeit, die aus dem Gesetz kommt, sondern jene Gerechtigkeit durch den Glauben an Christus, die aus Gott kommt aufgrund des Glaubens.
Unser Empfinden darüber, was gerecht und ungerecht ist, unterscheidet sich stark von Mensch zu Mensch. Es wird durch verschiedene Faktoren beeinflusst: unsere Prägung, persönliche Lebenseinstellung, subjektives Empfinden und gesellschaftliche Trends. Diese individuellen Sichtweisen erklären, warum wir bei Wahlen für unterschiedliche, teils gegensätzliche Parteien stimmen. Selbst unter Christen gibt es kein einheitliches Wahlverhalten. Ich kenne Christen, die „rechts" wählen, andere wählen „links", und wieder andere versuchen, sich in der „Mitte" zu positionieren. Politik ist im Wesentlichen eine „horizontale" Auseinandersetzung über menschliche Vorstellungen von Gerechtigkeit. Die göttliche Gerechtigkeit umfasst zwar auch diesen „horizontalen Aspekt" – die zwischenmenschliche Gerechtigkeit – doch ihr Schwerpunkt liegt auf dem „vertikalen Aspekt": der Beziehung zwischen Gott und Mensch (Mi 6:8).
Für Gott ist klar: Erst wenn die Menschen ihre Beziehung zu Ihm bereinigt haben, kann eine vollkommene zwischenmenschliche Gerechtigkeit entstehen (Mt 6:33). Jeder Versuch, zwischenmenschliche Gerechtigkeit ohne Beziehung zu Gott zu schaffen, ist von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Dies liegt vor allem daran, dass Gottesfurcht fehlt (Spr 1:7). Wer Gott nicht fürchtet, handelt nach eigenem Belieben zu seinem Vorteil. Den Mächtigen fehlt dann das Bewusstsein, sich einmal vor Gott für ihr Handeln verantworten zu müssen (Röm 14:12).
Macht ohne Gottesfurcht führt unweigerlich zu Ungerechtigkeit!
Während unser Gerechtigkeitsempfinden subjektiv und sehr unbeständig ist, bleibt Gottes Gerechtigkeit zeitlos (Ps 119:142). Sein Handeln ist absolut gerecht – und zwar gegenüber allen! So lesen wir auch im Predigerbuch:
"Ich erkannte, dass alles, was Gott tut, für ewig sein wird. Es ist ihm nichts hinzuzufügen und nichts davon wegzunehmen. Und Gott hat es ⟨so⟩ gemacht, damit man sich vor ihm fürchtet." (Pred 3:14)
Jede menschliche Bemühung, aus eigener Kraft eine umfassende Gerechtigkeit herzustellen, ist schlichtweg unmöglich (Röm 3:10-12).
Paulus versuchte eine Zeit lang, eigene Gerechtigkeit zu erlangen, indem er das gesamte Gesetz des Alten Testaments aus eigener Kraft zu erfüllen suchte. Sein Ziel war es, sich eines Tages vor Gott und Menschen rühmen zu können. Er hatte dafür ideale Voraussetzungen: Er stammte aus Israel, war ein "Hebräer von Hebräern" und hielt die gesetzlichen Vorschriften vorbildlich ein (Phil 3:4-6). Sein Eifer für Gott war so groß, dass er die "gefährliche Sekte" der Nazarener (die später Christen genannt wurden) mit allen Mitteln bekämpfen wollte (Apg 9:1-2). Jesus von Nazareth betrachtete er vermutlich als einen Mann, der unter die Bestimmung aus 5. Mose 13:2-6 fiel:
"Wenn in deiner Mitte ein Prophet aufsteht … und er gibt dir ein Zeichen oder ein Wunder, und (es) … trifft ein, von dem er zu dir geredet hat, indem er sagte: »Lass uns anderen Göttern – die du nicht gekannt hast – nachlaufen und ihnen dienen!«, dann sollst du nicht auf die Worte dieses Propheten hören … und jener Prophet … soll getötet werden. Denn er hat Abfall vom HERRN, eurem Gott, gepredigt, … ".
Für Saulus von Tarsus war klar: „Jesus machte sich zu Gott, was ein ‚anderer Gott' ist, und dieser hat das Volk verführt. Darum müssen alle seine Anhänger beseitigt werden, damit das Volk Israel nicht weiter verführt wird!" In seinem Verfolgungseifer bemerkte er nicht, dass er den Messias Israels verfolgte – bis ihm der HERR selbst erschien und ihn fragte: „Saul, Saul, warum verfolgst du mich?" (Apg 9:3-5) Diese Begegnung veränderte sein Leben vollständig. Er erkannte, dass all sein gesetzliches Streben nach Gerechtigkeit vergeblich war und dass wahre Gerechtigkeit nur durch den Glauben an Jesus Christus kommt, oder anders ausgedrückt: „durch den Glauben Jesu Christi" (Gal 2:16).
Plötzlich erkannte Paulus: So wie Abraham seine Vertrauensbeziehung zum HERRN als Gerechtigkeit angerechnet wurde (1Mo 15:6 / Röm 4:3), so kann auch er selbst nur durch eine vertrauensvolle Liebesbeziehung zu Christus mit der Gerechtigkeit Gottes beschenkt werden!
Die Gerechtigkeit Gottes ist ein Wunder, das selbst dem Gottlosen Zugang zur göttlichen Gerechtigkeit schenkt (Röm 4:5)! Hast du dich, durch den Glauben, schon mit dieser Gerechtigkeit beschenken lassen? Es ist die wichtigste Entscheidung deines Lebens – willst du sie heute treffen (2Kor 6:2)?
Rut sprach: Bedränge mich nicht, dass ich dich verlassen und von dir umkehren sollte. Wo du hingehst, da will ich auch hingehen; wo du bleibst, da bleibe ich auch. Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott.
Boas zeugte Obed; die Mutter war Rut. Obed zeugte Isai. Isai zeugte den König David. Jakob zeugte Josef, den Mann von Maria. Sie wurde die Mutter von Jesus, der Christus genannt wird.
Das Schicksal Noomis war unsagbar schwer: Zuerst musste sie mit ihrem Mann infolge einer Hungersnot ihre Heimat verlassen (Rt 1:1). Später verlor sie in der Fremde ihren Mann und danach auch noch ihre beiden einzigen Söhne (Rt 1:3-5). Sie hatte nichts mehr außer ihre Schwiegertöchter Orpa und Rut. Obwohl sie sich verpflichtet fühlte, den beiden je einen weiteren Sohn zu geben, konnte sie ihnen nichts mehr bieten.
Verständlicherweise war Noomis Trauer und Niedergeschlagenheit so überwältigend, dass sie verbitterte (Rt 1:20-21). Heute würde man dies möglicherweise als Depression bezeichnen. In dieser verzweifelten Lage sah Noomi nur einen Ausweg: die Rückkehr in ihre Heimat. Als ausländische Witwe hatte sie bei den Moabitern kaum Überlebenschancen, und von ihren kinderlosen Schwiegertöchtern konnte sie nicht erwarten, dass diese für sie sorgen würden.
Sie wünschte ihren noch relativ jungen Schwiegertöchtern eine neue Chance auf einen Ehemann und damit auch auf Kinder, denn in jener Zeit war es äußerst schwierig, kinderlos und als Witwe alt zu werden. In Israel waren die Überlebenschancen deutlich besser, da Gott seinem Volk Gesetze gegeben hatte, die den Schutz und die Versorgung von Witwen vorschrieben (5Mo 24:19-21 / Jes 1:17).
Nachdem Noomi ihre Schwiegertöchter ermutigte, in ihre Heimat zurückzukehren, wo sie wieder heiraten könnten, weigerte sich Rut – im Gegensatz zu Orpa – ihre Schwiegermutter zu verlassen und sagte:
"Dringe nicht in mich, dich zu verlassen, von dir weg umzukehren! Denn wohin du gehst, dahin will auch ich gehen, und wo du bleibst, da bleibe auch ich. Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott." (Rt 1:16)
Warum blieb Rut so beharrlich? Noomi war alt, arm, verbittert und hatte keine Söhne mehr. In Israel würde Rut als verwitwete und kinderlose Ausländerin wahrscheinlich am Rande der Gesellschaft stehen (Rt 2:10). Aus menschlicher Sicht hatte sie keine vielversprechende Zukunft vor sich, und man kann durchaus verstehen, warum Orpa in ihr Heimatland zurückkehrte.
An diesem Tiefpunkt der Geschichte, als alles verloren schien und Noomi nur noch den Rückweg in ihre Heimat sah, steht ihr Rut treu zur Seite. Inmitten von Trauer, Armut und Aussichtslosigkeit geschieht etwas völlig Unerwartetes: Ausgerechnet die junge, verwitwete Moabiterin entscheidet sich gegen jede menschliche Vernunft für den schwereren Weg. Ihre Worte markieren nicht nur eine persönliche Entscheidung, sondern einen Wendepunkt in der ganzen Heilsgeschichte (Mt 1:5-6).
Noomi hatte ihrer Schwiegertochter nichts mehr zu bieten. Nur ihre Liebe – und ihren Gott. Mittlerweile hatte Rut eine so innige Beziehung zu Noomi entwickelt, dass sie nicht mehr ohne sie leben wollte. Vermutlich lernte sie durch Noomi Jahweh, den Gott Israels, kennen und erkannte, dass dieser Gott ein völlig anderes Wesen hatte als Kemosch, der Gott der Moabiter.
In der „Mescha-Stele" – einem archäologischen Fund von 1868 östlich des Toten Meeres – werden sowohl Jahweh als auch Kemosch erwähnt, wobei Letzterer unter anderem Menschenopfer forderte (3Mo 18:21 / Jer 48:46). Zudem berichtet die Stele von den israelitischen Königen Omri und Ahab, was die biblischen Überlieferungen über diese Herrscher bestätigt.
Ihre Liebe zu Noomi und zum Gott Israels waren für Rut wohl die entscheidenden Motive, das schwere Schicksal ihrer Schwiegermutter zu teilen – trotz ihrer geringen Aussichten auf ein erfülltes Leben in Israel. Mit Treue und Hingabe wollte sie für ihre Schwiegermutter sorgen. Welch wunderbare Schwiegertochter und welch selbstlose Liebe! (Rt 2:11-12)
Nach ihrer Ankunft in Israel entdeckte Boas rasch die „innere Schönheit" dieser Moabiterin. Als er bemerkte, dass Rut bereit war, ihn zu heiraten – obwohl er deutlich älter war als sie – leitete er alle notwendigen Schritte ein, damit ihre Verbindung rechtlich einwandfrei geschlossen werden konnte (Rt 4:1-12).
So wurde Rut die Frau von Boas und gebar ihm Obed, den Großvater von König David – einen der bedeutendsten Vorfahren von Jesus Christus (Mt 1:5-16). Am Ende der Geschichte sagten die Frauen zu Noomi:
"Und er (Obed) wird dir ein Erquicker der Seele sein und ein Versorger deines Alters! Denn deine Schwiegertochter, die dich liebt, hat ihn geboren, sie, die dir mehr wert ist als sieben Söhne." (Rt 4:15)
Ein schweres Schicksal verwandelte sich in eine wunderschöne Liebesgeschichte – genauso wie die gesamte Heilsgeschichte Gottes! (Röm 8:19-28)
Lehre mich tun nach deinem Wohlgefallen, denn du bist mein Gott; dein guter Geist führe mich auf ebner Bahn.
Alle, die sich vom Geist Gottes führen lassen, die sind Gottes Söhne und Töchter.
Die Frage nach Führung ist aktueller, als wir oft denken – im Straßenverkehr wie im Leben. Eigentlich wollten meine Frau, die Kinder und ich zur Klagemauer, aber wir haben uns mit unserem Mietauto in Jerusalem heillos verfahren. Damals hatten wir noch kein Navi. Als wir den Stadtplan studierten, interpretierte ich unsere Position falsch – was mir sonst selten passiert, da ich mich gut orientieren kann. Nach größeren Umwegen kamen wir schließlich an, hatten aber Mühe, einen legalen Parkplatz zu finden. Das war 1992, und heute weiß ich nicht einmal mehr genau, ob wir es damals tatsächlich bis zur Klagemauer geschafft haben.
Bei unseren späteren Israelreisen hatten wir jedes Mal eine Reiseführerin, deren Kompetenz mir bis heute in Erinnerung geblieben ist. Sie brachte uns stets zielsicher zu unserem Bestimmungsort. Diese Erfahrung machte mir erneut bewusst: Eine gute und erfahrene Führung ist besonders an fremden Orten eine wertvolle Hilfe (Spr 3:5-6).
David befand sich häufig in ausweglosen Situationen, und man kann gut nachvollziehen, dass er sich nach göttlicher Führung sehnte (Ps 25:4-5). Er erkannte jedoch, dass er die Führung durch Gottes Geist nicht nur in Krisenzeiten brauchte, sondern für alle Lebensentscheidungen – denn er wusste, dass jede Fehlentscheidung schwerwiegende Folgen haben kann.
Beim Lesen des gesamten Psalms 143 fällt auf, dass David zahlreiche Imperative verwendet. Er bittet: "HERR, höre", "merke auf", "gehe nicht ins Gericht mit deinem Knecht", "verbirg dein Angesicht nicht", "lass mich ... hören", "Tu mir kund", "errette mich", "lehre mich", "leite mich", "belebe mich" und "führe meine Seele"!
Darf man so mit Gott reden? Sind solche "Imperative" gegenüber Gott überhaupt angemessen? Auch wenn diese Aussagen grammatikalisch als Imperative gelten, handelt es sich hier nicht um Befehle, die David Gott erteilt, sondern vielmehr um dringliche Bitten. Sie entspringen einerseits aus seiner Not und andererseits aus einem tiefen inneren Verlangen (Ps 42:2-3).
Die Bitte an Gott: "Lehre, leite und führe mich!" zeugt von großer Weisheit. Wer darum bittet und sich von ganzem Herzen danach sehnt, Gott wohlgefällig zu leben, hat seinem Leben bereits eine gute Ausrichtung gegeben (Jak 1:5 / Ps 86:11).
Im heutigen Lehrtext verdeutlicht Paulus, dass sich die Söhne Gottes vom Heiligen Geist führen lassen (Röm 8:14). In Galater 5,18 ergänzt er: "Wenn ihr aber durch den Geist geleitet werdet, seid ihr nicht unter dem Gesetz." Warum ist das so? Wer versucht, jede einzelne Gesetzesvorschrift akribisch einzuhalten, wird davon so vollständig vereinnahmt, dass keine Kapazität mehr für die lebendige Vertrauensbeziehung zu Jesus Christus bleibt (Gal 5:18 / 2Kor 3:17).
Wer im Glauben mit Gott lebt, wird vom HERRN belehrt und vom Heiligen Geist geführt. Dadurch entwickelt sich eine Sensibilität für Gottes Frieden, die hilft, Entscheidungen nach seinem Willen zu treffen – zu seinem Wohlgefallen statt zur eigenen Selbstverwirklichung. Durch diese geistliche Leitung lernt man, aus der Liebe zu Gott und den Mitmenschen zu leben (Kol 3:15 / Joh 16:13).
Die Frage bleibt: Vertraust du deinem eigenen Kompass – oder lässt du dich vom Heiligen Geist führen, der den ganzen Weg kennt (Spr 3:5-6 / Jes 30:21)?
Was vom Hause Juda errettet und übrig geblieben ist, wird von Neuem nach unten Wurzeln schlagen und oben Frucht tragen.
Jesus spricht: Bleibt in mir und ich in euch. Wie die Rebe keine Frucht bringen kann aus sich selbst, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht an mir bleibt.
Als das Nordreich Israel bereits gefallen war und auch Juda schwer bedroht wurde, sprach Gott durch Jesaja ein Wort der Hoffnung: Ein Überrest – insbesondere Jerusalem – wird überleben, neue Wurzeln schlagen und Frucht tragen. Mitten in einer scheinbar aussichtslosen Lage verheißt Gott Erneuerung und Wiederherstellung (Jes 37:31-32).
Diese Zusage schenkte den Bewohnern Hoffnung – vorausgesetzt, sie vertrauten ihr. Ohne Glauben blieb nur Panik, denn die Grausamkeit der Assyrer war weithin bekannt. Jeder musste sich fragen: „Kann ich Jesajas Worten glauben? Sprach er wirklich im Namen Gottes?" Da Jesaja sich bereits mehrfach als glaubwürdiger Prophet erwiesen hatte, durfte man darauf vertrauen, dass Gott in dieser prekären Situation wieder zu seinem Volk sprach (Jes 36-37).
All jene, die sich an Gottes Wort hielten, waren tief in ihm verwurzelt und fanden Zuflucht in seiner Gnade. So blieb Jerusalem als Rest erhalten und konnte durch Gottes Treue neu wachsen und geistliche Frucht bringen. „Wurzeln schlagen" bedeutete, dass das Volk trotz Zerstörung neu im Land Fuß fassen durfte und sein Glaube gestärkt wurde. Das „Frucht tragen" zeigte sich in geistlicher Erneuerung und Gottes Segen – selbst inmitten schwerer Verwüstungen (Ps 1:3 / Jer 17:7-8).
Dieses Bild greift Jesus auf, wenn er vom Weinstock und den Reben spricht. Dabei sagt er das bedeutsame Wort:
„Bleibt in mir und ich in euch." (Joh 15:4)
Räumlich gedacht umgibt uns der Herr von allen Seiten, weil wir in ihm sind. Zugleich erfüllt er uns, da er in uns lebt. Wir sind also sowohl von innen als auch von außen geborgen (Ps 139:5).
Auch Paulus betont dies immer wieder. So schreibt er in Römer 8,1:
„Also gibt es jetzt keine Verdammnis für die, die in Christus Jesus sind." (Röm 8:1)
Wer in Christus ist, muss weder Verurteilung noch Verdammnis fürchten. Welch kostbares Geschenk der göttlichen Gnade! In Kolosser 1,27 beschreibt Paulus prägnant, was es bedeutet, mit Christus erfüllt zu sein:
„Christus in euch, die Hoffnung der Herrlichkeit." (Kol 1:27)
Weil Christus in uns ist, dürfen wir voller Gewissheit die künftige Herrlichkeit erwarten. Diese tiefe Verbundenheit mit ihm eröffnet neue Perspektiven und bringt bleibende Frucht, weil wir im wahren Leben verwurzelt sind (Gal 2:20).
Wie wunderbar, dass wir durch den Glauben tief in Christus verwurzelt sind, er in uns lebt und uns mit seiner Gnade umhüllt (Eph 3:17-19)!
Der HERR spricht: Warum zählt ihr Geld dar für das, was kein Brot ist, und euren sauren Verdienst für das, was nicht satt macht? Hört doch auf mich, so werdet ihr Gutes essen.
Jesus sprach: Diese Witwe hat von ihrer Armut ihre ganze Habe eingelegt, alles, was sie zum Leben hatte.
Jesaja 55 beginnt mit einem wunderbaren Angebot Gottes:
"Auf, ihr Durstigen, alle, kommt zum Wasser! Und die ihr kein Geld habt, kommt, kauft und esst! Ja, kommt, kauft ohne Geld und ohne Kaufpreis Wein und Milch!" (Jes 55:1)
Es braucht kein Geld, um das zu „kaufen", was Gott anbietet. Doch warum spricht der HERR von „Kaufen", wenn es kostenlos ist? Ist das nicht ein Widerspruch? Und von welchem Wasser und Brot ist hier die Rede?
Offensichtlich nicht von gewöhnlichem Wasser und Brot, sondern von etwas Tieferem, das den Durst und Hunger der Seele stillt (Ps 42:2-3 / Mt 5:6).
In Johannes 4 bietet Jesus der Frau am Brunnen ein Wasser an, das für immer sättigt – das Wasser des Lebens, das die Sehnsucht des Herzens stillt (Joh 4:13-14). In Johannes 6 spricht er vom wahren Brot, das aus dem Himmel kommt, und meint damit sich selbst (Joh 6:35). Und als Satan ihn in der Wüste aufforderte, Steine in Brot zu verwandeln, antwortete Jesus mit 5. Mose 8:3:
"Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort, das aus dem Mund Gottes geht." (Mt 4:4)
Jesus, das fleischgewordene Wort Gottes (Joh 1:14), ist somit das Brot des Lebens. Wer Gottes Worte aufnimmt, sie im Herzen bewegt und „verdaut", nährt sich mit einer Speise, die dauerhaft sättigt. Warum? Durch das Wort Gottes erkennen wir unseren Ursprung und unsere Bestimmung: Gott schuf uns für eine Liebesgemeinschaft mit Ihm und untereinander (1Joh 4:7-8). Durch den Glauben Jesu Christi dürfen wir zu vollkommenen Kindern Gottes werden und für die ganze Schöpfung zum Segen werden (Gal 3:26 / Röm 8:19).
Wie aber „kauft" man ohne Geld? Jesaja 55:3 gibt die Antwort:
"Neigt euer Ohr und kommt zu mir! Hört, und eure Seele wird leben!"
Wahres Hören braucht Zeit. Die eigentliche Währung in Jesaja 55 ist deshalb nicht Geld, sondern Zeit mit Gott (Ps 27:4). Wer sich ihm widmet, gewinnt Vertrauen und empfängt das wahre Brot und Wasser des Lebens.
Vielleicht verbrachte die arme Witwe aus Markus 12 so viel Zeit mit Gott, dass sie dieses tiefe Vertrauen entwickelte. Ihre Spende war winzig – nur zwei kleine Münzen, kaum genug für ein Stück Brot. Dennoch gab sie alles, was sie zum Leben hatte (Mk 12:42-44). In den Augen der Menschen unbedeutend, in Gottes Augen jedoch von unschätzbarem Wert.
Sie legte ihr Leben in Gottes Hände – und gewann dadurch etwas, das kostbarer ist als alles Geld dieser Welt: Gottes Anerkennung (Hebr 11:6).
Kaufst du auch ohne Geld, was Gott dir anbietet? (Offb 3:18)
Jeremia sprach: Ich dachte: Ich will seiner nicht mehr gedenken und nicht mehr in seinem Namen predigen. Aber es ward in meinem Herzen wie ein brennendes Feuer.
Betet zugleich auch für uns, auf dass Gott uns eine Tür für das Wort auftue und wir vom Geheimnis Christi reden können, um dessentwillen ich auch in Fesseln bin, auf dass ich es so offenbar mache, wie ich es soll.
„Ich kann nicht mehr! (Jer 20:9)" – so beklagte sich Jeremia bei Gott, weil er sich in seinem Amt als Prophet Gottes total überfordert fühlte. Zu groß waren die Widerstände (Jer 20:10), zu schwer die Gerichtsbotschaft, die er zu verkündigen hatte (Jer 20:8 / Jer 1:10). Schon als Gott ihn in das Prophetenamt berufen hatte, wehrte sich Jeremia gegen diesen Auftrag: „Ach, Herr, HERR! Siehe, ich verstehe nicht zu reden, denn ich bin zu jung. (Jer 1:6)" Aber irgendwie hatte Gott es doch geschafft, Jeremia zu überzeugen. „Ich bin mit dir (Jer 1:8)", so hatte Gott versprochen. Und nun? In seiner Überforderung dachte Jeremia nur ungern an seine Berufung durch Gott zurück: „HERR, du hast mich betört, und ich habe mich betören lassen. Du hast mich ergriffen und überwältigt. (Jer 20:7)" Aber immer, wenn Jeremia den Entschluss fasste, sich von Gott und dessen Auftrag loszusagen, „ward es in seinem Herzen wie brennendes Feuer. (Jer 20:9)". Zutiefst war Jeremia klar, dass er sich seinem Gott und der Berufung Gottes nicht entziehen konnte.
Kennst du solche Gefühle und Gedanken, wie Jeremia sie hatte?
Jeder, der mit Jesus lebt und ihn seinen Herrn nennt, hat die Berufung, ein Zeuge für den Herrn zu sein. Wir alle sind Botschafter, Gesandte des Königs aller Könige. Wir sind beauftragt mit dem „Dienst der Versöhnung" und bitten im Namen Christi: „Lasst euch versöhnen mit Gott! (2Kor 5:18-20)". Um die Berufung zu „Gesandten an Christi statt" recht auszufüllen, muss man nicht im Predigtamt stehen. Jedes Gotteskind darf in seinem Umfeld, seinen Gaben und seinen Begabungen gemäß, den Zeugendienst ausführen. Durch unseren Lebensstil können und sollen unsere Nächsten erkennen, dass wir andere Werte leben und andere Prioritäten haben als die Menschen, die Gott nicht kennen. Der Apostel Paulus ermuntert uns, unseren Lebensalltag weise gegenüber denen zu gestalten, die „draußen sind" (Kol 4:5). Wenn sie dann fragend werden, wird der Geist Gottes uns „mit Salz gewürzte" Worte und gute Antworten geben, um unsere Mitmenschen in angemessener Weise auf unseren himmlischen Vater hinzuweisen (Kol 4:6 / Mt 10:19-20).
Manchmal fällt uns das schwer. Vielleicht fürchten wir den Spott oder die Verachtung unseres Gegenübers, oder wir wissen nicht, wie wir unsere Botschafterrolle in guter Weise ausfüllen können. Die Berufung wird zur Last – aber Gott will zu unserem Lastenträger werden (Ps 68:20 / Mt 11:28-30).
Der Apostel Paulus wusste sich vom erhöhten Herrn dazu berufen, den nichtjüdischen Völkern das Evangelium von der Liebe Gottes und dem Heil, das Christus erwirkt hat, zu verkündigen (Eph 3:8). Er tat dies mit Eifer und großer Freude, aber auch für ihn war es manchmal eine Last (2Kor 11:23-28). Paulus war sich bewusst, dass er seinen Verkündigungsdienst in großer äußerer Schwachheit tat (2Kor 10:10 / 2Kor 12:7-10) und wusste, dass er auf die Gebetsunterstützung seiner Glaubensgeschwister angewiesen war:
„Betet zugleich auch für uns, auf dass Gott uns eine Tür für das Wort auftue und wir vom Geheimnis Christi reden können, um dessentwillen ich auch in Fesseln bin, auf dass ich es so offenbar mache, wie ich es soll (Kol 4:3-4).“
Jeremia und Paulus waren von Gott zum Dienst Berufene – jedes Gotteskind ist dies auch, jedes auf die ihm von Gott geschenkte Weise!
Für Jeremia und Paulus wurde ihre Berufung manchmal zur Last – wir Gotteskinder empfinden das wohl auch hin und wieder. Wenn das so ist, dann blicke auf Jesus (Hebr 12:2) und die Liebe, die er uns erwiesen hat (2Kor 5:14) und die er durch seinen Geist in unsere Herzen ausgegossen hat (Röm 5:5) – das ist die beste Motivation, deiner Berufung gerecht zu werden.
Die Himmel erzählen die Ehre Gottes.
Preist Gott mit eurem Leibe.
Die Aussage "Die Himmel erzählen die Ehre Gottes" wird von vielen Bibelauslegern als poetische Ausdrucksweise verstanden, die Gottes herrliches Schaffen zum Ausdruck bringt. Die Bibel versteht unter dem Begriff "Himmel" jedoch weit mehr als nur den Lufthimmel und den Weltraum. Das Wort Gottes spricht von mehreren Himmeln und erwähnt an einigen Stellen auch einen himmlischen Thronsaal. Dieser befindet sich vermutlich in einem für uns unsichtbaren Himmel. Gleiches gilt für den dritten Himmel, den Paulus mit dem Paradies verbindet (2Kor 12:2-4). Zum Himmel gehören auch himmlische Wesen wie Engel, Cherubim und Serafim (Jes 6:1-3 / Hes 1:4-28). Und im Himmel wird entschieden, was auf der Erde geschieht (Dan 4:23 / 1Kö 22:19-23 / Hi 1:6-12).
Könnten wir alle diese Dinge sehen, würden wir aus dem Staunen nicht mehr herauskommen. Gleichzeitig würden wir unsere „kleine Welt" mit völlig anderen Augen betrachten. Doch schon der sichtbare Himmel versetzt uns immer wieder in Erstaunen. Die Bilder, die uns Satelliten und Hochleistungsteleskope übermitteln, machen uns bewusst, wie unglaublich vielfältig das Universum ist. Die Planeten und Monde bestehen nicht einfach aus „Steinkugeln", sondern aus unterschiedlichsten Materialien, Oberflächen und Farben. Darunter finden sich Gasplaneten wie Jupiter und Eismonde wie Europa, der den Jupiter umkreist (Ps 19:2 / Röm 1:20).
Sie alle bezeugen die unendliche Kreativität und Schaffenskraft Gottes. Könnten wir auch die unsichtbaren himmlischen Welten sehen, wären wir von der Größe unseres Schöpfers noch tiefer überwältigt.
In 1. Korinther 6 schreibt Paulus etwas sehr Erstaunliches über die zukünftige Aufgabe der Gläubigen in Bezug auf die himmlischen Wesen. Da lesen wir:
"Wisst ihr nicht, dass wir Engel richten werden, …" (1Kor 6:3)
Obwohl wir deutlich schwächer als die Engel sind, haben wir die Berufung erhalten, genau diese uns heute weit überlegenen Geschöpfe zu richten (Ps 8:5-7). Dies wurde nur möglich, weil Gott uns teuer erkauft und uns den Heiligen Geist geschenkt hat, wodurch unser Leib ein Tempel des Heiligen Geistes sein darf (1Kor 6:19-20).
Mit dieser unfassbaren Würde geht ein Lebenswandel einher, der Gott die Ehre gibt. In der Gemeinde von Korinth führten Streitigkeiten und Unzucht dazu, dass Gottes Name verunehrt wurde. Da der Leib eines wiedergeborenen Christen ein Tempel des Heiligen Geistes ist, soll Gott auch durch diesen Leib geehrt werden – indem er als Werkzeug der Liebe Gottes dient (Röm 12:1). Dies schließt ein treues, verbindliches und wahrhaftiges Verhalten ein, das anderen Menschen die Würde und den Wert zuspricht, die ihnen zustehen (1Thess 4:3-8).
Durch treuloses Verhalten – gerade auch im sexuellen Bereich – wird ein Mensch zum bloßen Verbrauchsartikel degradiert, was Gott verunehrt (1Kor 6:15-18). Dies steht in direktem Widerspruch zu Gottes Liebe und Treue uns gegenüber und widerspricht unserer Berufung als Kinder Gottes (Eph 5:1-3).
Wir sollen Gott nicht nur mit Worten ehren, sondern mit unserem gesamten Leben – einschließlich unseres Leibes, der ein Tempel des Heiligen Geistes sein darf. Welch außerordentliche Ehre! (1Kor 10:31 / Kol 3:17)
Der HERR sprach zu Mose: Ich will ihnen einen Propheten, wie du bist, erwecken aus ihren Brüdern und meine Worte in seinen Mund geben.
Und viele, die zuhörten, verwunderten sich und sprachen: Ist der nicht der Zimmermann?
Mose spielt bis heute eine herausragende Rolle – sowohl in der Geschichte Israels als auch in der Weltgeschichte. Durch ihn erhielten die Menschen die Zehn Gebote (2Mo 20:1-17) und die Tora, die grundlegende Unterweisung Gottes. Sie lehrt das Gesetz, führt zu Sündenerkenntnis und macht deutlich, wie vergebungsbedürftig wir sind. Das Gesetz vom Sinai beeinflusst nicht nur das Volk Israel, sondern auch die weltweite Christenheit. Es fungiert als Erzieher, der uns zur Gnade hinführt – der einzigen Kraft, die uns erlösen kann (Röm 7:7, Gal 3:24).
Moses herausragende Rolle beruhte nicht auf eigener Überlegenheit, sondern auf Gottes gnädiger Berufung (2Mo 3:10-12). In seinen jungen Jahren zeigte sich sein Jähzorn, als er einen Ägypter erschlug (2Mo 2:11-15). Gott führte ihn in die Wüste, wo er 40 Jahre Demut lernte, sodass die Bibel ihn als den sanftmütigsten Menschen aller Zeiten beschreibt (4Mo 12:3).
Mose kündigte einen Propheten wie ihn an, nachdem das Volk am Berg Horeb Gottes Macht in Feuer, Donner und Rauch erlebt hatte. Sie fürchteten zu sterben, wenn Gott weiterhin direkt zu ihnen sprechen würde (5Mo 18:15-19, 2Mo 20:19). Deshalb baten sie um einen Vermittler. Gott versprach daraufhin:
„Sie haben recht getan. Einen Propheten wie dich will ich ihnen aus der Mitte ihrer Brüder erstehen lassen. Ich will meine Worte in seinen Mund legen, und er wird alles reden, was ich ihm befehlen werde.“ 5Mo 18:16-18
Das Volk brauchte einen Mittler, um in Gottes Gegenwart nicht zu sterben – und letztlich brauchen alle Menschen einen solchen Mittler, da sie als sündige Wesen nicht in der Nähe des heiligen Gottes existieren können (Jes 59:2, 1Tim 2:5).
Das Neue Testament identifiziert diesen Propheten als Jesus Christus (Joh 1:45, Apg 3:22) und zeigt zahlreiche Parallelen zu Mose:
Beide wurden als Kinder vor einem Massenmord gerettet (2Mo 2:1-10, Mt 2:13-18)
Beide hatten eine Zeit der Zurückgezogenheit in der Wüste (2Mo 3:1, Mt 4:1-11)
Beide vollbrachten Wunder als Bestätigung ihrer Sendung (2Mo 4:1-9, Joh 20:30-31)
Beide führten eine Befreiung herbei – Mose aus der physischen Sklaverei, Jesus aus der geistlichen Sklaverei der Sünde (2Mo 14:30, Joh 8:36)
Beide waren Mittler eines Bundes zwischen Gott und Menschen (2Mo 24:8, Hebr 9:15)
Beide traten für ihr Volk ein (2Mo 32:11-14, Hebr 7:25)
Wesentliche Unterschiede bleiben: Jesus wuchs als einfacher Handwerkerssohn auf (Mk 6:3), Mose als ägyptischer Prinz. Jesus ging über Fürbitte hinaus – er starb stellvertretend für die Sünden der Welt (1Jo 2:2), sodass Gläubige seine Gerechtigkeit empfangen können (2Kor 5:21). Mose gab uns ein Gesetz, das uns unsere Sündhaftigkeit vor Augen führt, uns aber nicht befähigt, das göttliche Leben zu erlangen. Jesus vermittelt durch seinen Opfertod das Gesetz des Geistes des Lebens (Röm 8:2). Jesus überbringt die entscheidenden Worte Gottes, die zum wahren Leben führen – über den Tod hinaus (Joh 11:25-26).
Die Menschen in Nazareth kannten ihn und seine Familie, daher fiel es ihnen schwer, ihn als Messias zu erkennen (Mt 13:54-57, Joh 1:11). Wer nur seine irdische Identität sieht, erkennt ihn nicht als Erlöser, der zum göttlichen Leben führt (Joh 14:6). Jesus ist nicht nur der Prophet wie Mose, sondern auch der Messias und Sohn Gottes, der uns erlöst hat (Mt 16:16, 1Petr 1:18-19).
Ich will mich freuen des HERRN und fröhlich sein in Gott, meinem Heil.
Als der Sohn noch weit entfernt war, sah ihn sein Vater und es jammerte ihn, und er lief und fiel ihm um den Hals und küsste ihn.
Das dritte und letzte Kapitel des Propheten Habakuk ist wie ein Klagepsalm aufgebaut und wird in Vers 1 als "Gebet des Propheten Habakuk nach Schigjonot" bezeichnet. Der hebräische Begriff Schigjonot lässt sich als "ein wildes, leidenschaftliches Lied mit raschen Rhythmuswechseln" interpretieren. Das Wort stammt von der Wurzel "shagah" (Strong-Nr. H7686), was "umherirren" oder "taumeln" bedeutet und deutet auf eine geistliche Erfahrung hin, in der der Beter zwischen Verzweiflung und Hoffnung schwankt (Ps 77:3-9).
Dies ist tatsächlich eine treffende Beschreibung dieses Klageliedes. Habakuk beobachtet, wie sich "der HERR aufmacht", um ein Gericht über die Gottlosigkeit der Nationen zu vollziehen (Hab 3:3-7). Gleich zu Beginn – in Vers 2 – fleht er:
"Im Zorn gedenke des Erbarmens!" (Hab 3:2)
Gegen Ende beschreibt Habakuk seinen körperlichen Zustand, der vermutlich eine direkte Folge seines seelischen oder geistlichen Erlebens ist (Ps 6:3-4):
"Ich vernahm es, da erbebte mein Leib, bei dem Schall erzitterten meine Lippen, Fäulnis drang in meine Knochen, und unter mir bebte mein Schritt." (Hab 3:16)
Doch dieses Klagegebet beschreibt nicht nur Gottes Gerichtshandeln, sondern gipfelt in einem Lobpreis! Warum? Weil Habakuk auch Gottes rettende Hand erkennt. Die letzten beiden Verse des Propheten lauten:
"Ich aber, ich will in dem HERRN frohlocken, will jubeln über den Gott meines Heils. Der HERR, der Herr, ist meine Kraft. Den Hirschen gleich macht er meine Füße, und über meine Höhen lässt er mich einherschreiten. Dem Vorsänger, mit meinem Saitenspiel!" (Hab 3:18-19)
Habakuk erlebt hier, was schon viele Bibelausleger erkennen durften:
"Der Weg führt durch Gericht und Gnade zur Errettung!"
Sowohl Habakuk als auch Jesus machen deutlich, dass Gottes Herz zwischen Zorn und Erbarmen schlägt – doch am Ende triumphiert die Gnade (Jak 2:13).
Ein ähnliches inneres Aufgewühltsein erfährt auch der Vater, der voller Sehnsucht lange Zeit auf die Heimkehr seines Sohnes gewartet hat. Als er ihn eines Tages von ferne erblickt und seinen ausgehungerten, schmutzigen Zustand erkennt, wird er von tiefem Mitleid ergriffen (Lk 15:20).
Wie beschreibt man das Gefühl eines Vaters oder einer Mutter, die ihr Kind leiden sehen? Es ist, als würde man den Schmerz am eigenen Leib spüren. Viele Eltern wären ohne zu zögern bereit, das Leid ihres Kindes selbst zu tragen – wenn sie nur könnten (Jes 49:15).
Das Empfinden des Vaters wird im heutigen Lehrtext mit einem sehr speziellen Wort zum Ausdruck gebracht. Bei der Formulierung "es jammerte ihn" finden wir das griechische Wort "splanchnizomai". Dies ist ein kraftvoller Ausdruck für tiefes Mitgefühl, den man wörtlich übersetzen könnte als: "Er wurde in seinen Eingeweiden bewegt". Die innersten Emotionen werden dabei "in Aufruhr" versetzt, sodass der Vater gar nicht anders kann, als sich über seinen Sohn zu erbarmen (Ps 103:13).
Dieses Verb wird im NT fast ausschließlich für Jesus (Mt 9:36, Mk 6:34) oder für Gott verwendet und es offenbart uns das innerste Wesen des himmlischen Vaters (Mt 18:27). Er verfolgt nur ein Ziel: Er will sich über die Menschen erbarmen, um mit ihnen in eine wunderbare Gemeinschaft zu treten, die von innigster Liebe geprägt ist (Joh 3:16 / 1Jo 4:9-10).
Habakuk jubelt trotz Gericht, weil er Gottes Rettung erkennt. Der Vater läuft seinem Sohn entgegen, bewegt von unerschütterlichem Erbarmen. Beides zeigt uns: Gottes Herz ist nicht kalt, sondern voller Liebe. Auch in unserem Leben dürfen wir gewiss sein: Er sieht uns (Ps 139:1-3), er erbarmt sich (Klgl 3:22-23), er nimmt uns an (Röm 15:7).
Auf Gott hoffe ich und fürchte mich nicht; was können mir Menschen tun?
So hatte nun die Gemeinde Frieden in ganz Judäa und Galiläa und Samarien und baute sich auf und lebte in der Furcht des Herrn und mehrte sich unter dem Beistand des Heiligen Geistes.
Die rhetorische Frage „Was können mir Menschen tun?" ist angesichts von Davids Umständen mehr als erstaunlich! In Israel wurde er von König Saul verfolgt (1Sam 19:1-24), und als er ins Land der Philister floh, wurde er in Gat gefangen genommen (1Sam 21:10-15). David war bei den Philistern kein „unbeschriebenes Blatt" – sie wussten genau, wie er ihren Helden, den hünenhaften Riesen Goliath, mit einer Steinschleuder getötet hatte (1Sam 17:48-51). Zudem kannten sie die Reigentänze, die in Israel über David gesungen wurden: „Saul hat seine Tausende erschlagen, David aber seine Zehntausende!" (1Sam 18:7)
Sowohl im eigenen Land als auch im Feindesland befand sich David in höchster Lebensgefahr. Aus menschlicher Sicht hatte er in Gat keine Überlebenschance mehr. Doch für David war der allmächtige, unsichtbare Gott die entscheidende Realität – und so wandte er sich in seiner aussichtslosen Lage voller Vertrauen an den HERRN (Ps 56:2-14). Im Gebet konzentrierte er sich ganz auf Gott, sodass in ihm die Gewissheit wuchs: “Gott ist da! Er umgibt mich, er hält Seine Hand über mir, und darum darf ich mich in Sicherheit wissen!” (Ps 139:5)
Das hebräische Wort "batach" bedeutet mehr als nur "eine vage Hoffnung auf Gott". Es beschreibt vielmehr eine tiefe Zuversicht und das sichere Bewusstsein, in Gottes Schutz zu stehen. Daher gelangte David zu der Überzeugung: Menschen können mir nichts anhaben, wenn der HERR mich beschützt – ganz gleich, wie übermächtig sie erscheinen.
Die Aussage Davids erinnert an Paulus' Worte in Röm 8:31:
"Was sollen wir nun hierzu sagen? Wenn Gott für uns ist, wer ist gegen uns?"
Paulus macht in diesem Kontext deutlich, dass Gott uns durch den geschenkten Glauben rechtfertigt. Deshalb kann keine Macht im Universum erfolgreich Anklage gegen uns erheben. Menschen oder andere Mächte können uns zwar – mit Gottes Zulassung, die oft einem höheren Ziel dient – bedrängen oder sogar töten, aber sie können uns niemals das Heil und die Erlösung in Christus rauben (Röm 8:33-39).
Paradoxerweise verlieren Menschen, die den HERRN fürchten – also Ehrfurcht vor Ihm haben – zunehmend ihre Angst vor anderen Menschen (Spr 29:25). Warum? Weil der Gottesfürchtige den Anweisungen Gottes mehr Gewicht beimisst als menschlichen Forderungen (Apg 5:29) und sich gerade deshalb in Gottes Schutz geborgen wissen darf!
Diese Form des Vertrauens, wie sie David lebte, wurde auch für die junge Gemeinde in neutestamentlicher Zeit zum Fundament ihres Wachstums.
Nachdem der HERR den eifrigsten Christenverfolger seiner Zeit bekehrt hatte und Saulus von Tarsus zum Christen wurde (Apg 9:1-19), kehrte dieser nach Jerusalem zurück. Viele Gläubige fürchteten sich noch vor ihm, da sie an der Echtheit seiner Bekehrung zweifelten (Apg 9:26). Zusätzliche Unruhe entstand, als die Hellenisten – griechisch sprechende Juden, die außerhalb Israels lebten – mit Paulus in Streit gerieten (Apg 9:29).
Nach Paulus' Überführung nach Cäsarea erlebte die Gemeinde in Judäa, Galiläa und Samaria eine Zeit des Friedens – sowohl äußerlich als auch innerlich. Durch ihre Gottesfurcht und mit dem Beistand des Heiligen Geistes wuchs die Gemeinde stetig, sodass immer mehr Menschen zum Glauben an Jesus Christus fanden (Apg 9:31).
Wer den Blick auf den HERRN richtet (Hebr 12:2), entwickelt Ehrfurcht vor Ihm, verliert die Angst vor Menschen und darf sich in Gottes Schutz geborgen und sicher wissen (Ps 34:8-10). Dadurch entsteht ein innerer Friede, der zu einer wohltuenden Gelassenheit führt (Phil 4:6-7).
Das wünsche ich heute allen von ganzem Herzen!
Fürchte dich nicht vor plötzlichem Schrecken; denn der HERR ist deine Zuversicht.
Als die Jünger Jesus auf dem See gehen sahen, erschraken sie, weil sie meinten, es sei ein Gespenst, und sie schrien vor Angst. Sogleich aber redete Jesus mit ihnen: Seid getrost, ich bin es. Fürchtet euch nicht!
Es war der 11. September 2001. Ich war im Büro, als ein Kollege ins Zimmer kam und ganz aufgeregt berichtete, es sei ein Flugzeug in einen der Zwillingstürme des World Trade Centers in New York geflogen. Kurz danach kam die Meldung, ein zweites Flugzeug sei in den anderen Turm geflogen. Diese Nachrichten und alle folgenden Schreckensnachrichten verbreiteten sich nicht nur im Büro, sondern weltweit innerhalb weniger Minuten. Wir alle waren geschockt. Mit einem Ereignis solcher Dimension hatte keiner gerechnet.
Ähnlich war es mit dem Angriff Russlands auf die Ukraine am 21. Februar 2022 oder dem Angriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023.
Dass solche Ereignisse bei uns Schrecken und Angst auslösen, ist völlig normal. Das ist menschlich (Ps 56:4). Wie gut ist es, in solchen Situationen jemanden zu haben, dem man vertrauen kann, der uns beschützt und aus der Not retten kann (Ps 91:1-2 / Jes 41:10). Das gibt Zuversicht!
Als Kind durfte ich immer zu meinen Eltern kommen, wenn ein Gewitter aufzog und es plötzlich blitzte und donnerte. Bei ihnen war ich geborgen. Sie gaben mir die Zuversicht, dass das Gewitter vorbeizieht und ich keine Angst haben muss, weil sie bei mir sind.
Ähnlich ist es auch den Jüngern auf dem See Genezareth ergangen. Es war Sturm. Die Wellen waren hoch. Sie fühlten sich allein. Plötzlich sahen sie jemanden, der auf dem Wasser auf sie zulief (Mt 14:25). Wie kann ein Mensch auf dem Wasser laufen? Wer kann das sein? Das muss ein Gespenst sein. Die Jünger schrien vor Angst. Und in ihrer großen Not sprach die unbekannte Gestalt zu ihnen: „Seid getrost, ich bin es. Fürchtet euch nicht!" Jetzt erkannten sie Jesus, ihren Herrn. In der größten Not gab sich Jesus seinen Jüngern zu erkennen.
In Joh 16:33 sagt Jesus zu seinen Jüngern: „In der Welt habt ihr Bedrängnis; aber seid guten Mutes, ich habe die Welt überwunden" (Ps 27:14 / Phil 4:13). Im Blick auf Jesus darf ich mutig sein (Hebr 12:2). Corrie ten Boom, die im Zweiten Weltkrieg viele Juden rettete, hat einmal gesagt:
„Mut ist die Angst, die gebetet hat."
Wenn ich zu meinem HERRN Jesus Christus bete und SEIN Wort lese, blicke ich auf IHN (Ps 123:1-2). Dann kann ich ruhig werden und muss mich nicht von der Angst regieren lassen (Ps 94:19). Schon der Volksmund sagt: „Angst ist ein schlechter Ratgeber." Gerade in einer Zeit, in der es viele Gründe gibt, Angst zu haben, ist es wichtig, nicht auf die Angst, sondern auf Jesus zu blicken (2Tim 1:7). Das hat auch Petrus erfahren. Nachdem Jesus sich seinen Jüngern zu erkennen gegeben hatte, wollte er auf dem Wasser zu Jesus gehen. Im Blick auf Jesus konnte er über das Wasser gehen (Mt 14:28-29).
„Als er aber den starken Wind sah, fürchtete er sich; und als er anfing zu sinken, schrie er und sprach: Herr, rette mich! Sogleich aber streckte Jesus die Hand aus, ergriff ihn und spricht zu ihm: Kleingläubiger, warum zweifeltest du? Und als sie in das Boot gestiegen waren, legte sich der Wind." (Mt 14:30-32 / Ps 107:28-29)
Petrus hatte sich von der Angst regieren lassen. Er hatte auf die Wellen - das ist ein Bild für die Sorgen und Nöte des Lebens - geschaut und nicht auf Jesus (1Petr 5:7). Und dann drohte er zu sinken. Aber in seiner Not rief er „Herr, rette mich!" (Ps 34:7) Und Jesus streckte seine Hand aus, ergriff Petrus und rettete ihn (Ps 18:17).
Jesus Christus ist derselbe gestern und heute und in Ewigkeit (Hebr 13:8). Genauso wie er damals bei Petrus war, so ist er heute bei dir (Mt 28:20). Und genauso, wie er damals seinen Jüngern zurief „Seid getrost, ich bin es. Fürchtet euch nicht!" (Mt 14:27), ruft er dieses Wort heute in dein Leben! (Jes 41:10)
Ich bin der HERR. Was ich rede, das soll geschehen und sich nicht lange hinausziehen.
Da nun die Schrift voraussah, dass Gott die Völker aus Glauben gerecht machen würde, hat sie dem Abraham das Evangelium im Voraus verkündigt: In dir werden alle Völker gesegnet werden.
Die Bibel ist reich an Verheißungen und prophetischen Aussagen. Tausendfach hat sie bestätigt, dass ihre Autoren vom Heiligen Geist inspiriert wurden – einem Geist, der über Raum und Zeit steht (2Petr 1:21). Deshalb bleibt die Bibel stets aktuell und zeitlos.
Im heutigen Losungstext stellt sich der allmächtige Gott, wie so oft, als "Jahweh" vor – als der Ewigseiende, der ohne Anfang und Ende existiert (2Mo 3:14). Er ist der Einzige, der nicht erschaffen wurde und schon immer da war. Er hat die Zeitalter oder Weltzeiten geschaffen (griechisch: die Äonen, gemäß Hebr 1:2). Durch sein göttliches Wort wurde alles ins Dasein gerufen (1Mo 1:3), und Johannes beschreibt in seinem Prolog, wie dieses Wort Gottes durch Jesus Christus "Fleisch" wurde (Joh 1:14). Er war auch derjenige, der als Einziger sagen konnte:
"Der Himmel und die Erde werden vergehen, meine Worte aber werden nicht vergehen." (Mt 24:35)
Zahlreiche göttliche Prophezeiungen erfüllten sich rasch, doch viele Verheißungen benötigen eine längere Zeit bis zu ihrer Erfüllung. Direkt nach dem Sündenfall empfing Eva die Prophezeiung, dass sie unter Schmerzen Kinder gebären würde – was sich dann auch bald bewahrheitete (1Mo 3:16).
Sie bekam aber auch die Verheißung, dass ihr "Same" der Schlange den Kopf zertreten würde (1Mo 3:15]). In der hebräischen Ausdrucksweise umfasst dieser Begriff allgemein die Nachkommenschaft und macht keinen Unterschied zwischen männlichem Samen und weiblicher Eizelle. Als Eva Kain gebar, sagte sie: "Ich habe einen Mann hervorgebracht mit dem HERRN" (1Mo 4:1). Vielleicht glaubte sie bereits damals, dass dieser Sohn der "verheißene Same" – der angekündigte Nachkomme – sein könnte.
Eva rechnete wohl kaum damit, dass es noch 4000 Jahre dauern würde, bis "ihr Same" der Schlange den Kopf zertreten würde. Dieser entscheidende Sieg über die Schlange geschah erst, als Jesus Christus durch seinen Tod und seine Auferstehung die Macht des Bösen besiegte (Kol 2:15). Durch die Sünde hatte Satan die Menschheit mit der Macht des Todes beherrscht (Hebr 2:14). Seit Jesus den Tod überwand, indem er die Sünde des gesamten Kosmos "wegtrug" (Joh 1:29), hat Satan seine Macht verloren – zunächst rechtlich ("de jure") und bald auch tatsächlich ("de facto"), wenn er vor dem tausendjährigen Reich gebunden wird (Offb 20:2).
Abraham war ein einfacher, aber wohlhabender Kleinviehhirte, der auf Gottes Geheiß in ein fremdes Land zog und in Zelten lebte (Hebr 11:8-9). Aus menschlicher Sicht erschien sein Leben eher unspektakulär: Er besaß weder die Macht eines ägyptischen Pharaos noch eroberte er zahlreiche Länder wie Alexander der Große. Stattdessen war sein Leben von Warten geprägt – jahrzehntelanges Warten auf den verheißenen Sohn (1Mo 21:5). Und als dieser Sohn endlich da war, sollte Abraham ihn auf Gottes Anordnung wieder hergeben (1Mo 22:2). Ihm wurde zudem prophezeit, dass seine Nachkommenschaft 400 Jahre lang unterdrückt werden würde (1Mo 15:13). Darüber hinaus erhielt er eine Verheißung, die in fernster Zukunft lag. Dies wird in Hebr 11:10 deutlich: "… denn er erwartete die Stadt, die Grundlagen hat, deren Baumeister und Schöpfer Gott ist." Dabei handelt es sich vermutlich um das neue Jerusalem, das in Offb 21 beschrieben wird.
Gerade dieser einfache Mann wurde zu einer Schlüsselfigur der Menschheitsgeschichte, und er hat die Welt stärker geprägt als alle großen Herrscher und Eroberer! Dies zeigt sich allein daran, dass 56% der gesamten Weltbevölkerung den sogenannten "abrahamitischen Weltreligionen" angehören, auch wenn das Verständnis von Abraham und die Glaubensausrichtung in diesen Religionen sehr unterschiedlich ist (31% Christentum, 25% Islam, 0,2% Judentum).
Abraham, der im Vertrauen auf Gott geduldig wartete, wurde zum Vorbild für alle Glaubenden, die durch ihren Glauben von Gott gerecht gesprochen werden (Röm 4:3). Nach Römer 4:11-12 ist Abraham der "Vater aller Gläubigen". So wurden schließlich alle Völker durch ihn gesegnet (Gal 3:8), denn in jeder Nation gibt es Menschen, die wie Abraham auf Gott vertrauen und dadurch gerecht gemacht wurden. Auch wir leben in der Spannung zwischen Verheißung und Erfüllung. Wie Abraham dürfen wir auch auf die Stadt hoffen, deren Baumeister und Schöpfer Gott ist (Hebr 13:14).
Unser Gott, du großer Gott, mächtig und schrecklich, der du Bund und Treue hältst, achte nicht gering all das Elend, das uns getroffen hat.
Ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch irgendeine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn.
Nehemia 9 enthält das Bußgebet der Leviten nach der Wiederherstellung der Stadtmauer Jerusalems. Nach der babylonischen Gefangenschaft kehrten die Juden unter Kyros zurück, um zunächst den Tempel und später unter Nehemias Leitung die Stadtmauer wiederaufzubauen (Esr 1:1-4 / Neh 2:1-8). Nach Vollendung des Werkes versammelte sich das Volk und nachdem aus dem Gesetz des Mose vorgelesen wurde, waren sie tief betroffen, woraufhin Nehemia zu ihnen sprach:
"Dieser Tag ist dem HERRN, eurem Gott, heilig! Seid nicht traurig und weint nicht! Denn das ganze Volk weinte, als es die Worte des Gesetzes hörte. Und er sagte [weiter] zu ihnen: Geht hin, esst fette Speisen und trinkt süße Getränke und sendet dem Anteile, für den nichts zubereitet ist! Denn der Tag ist unserem Herrn heilig. Und seid nicht bekümmert, denn die Freude am HERRN, sie ist eure Stärke!" (Neh 8:9-10)
Im 9. Kapitel wird Gott von den Leviten angebetet, indem sie seine Wunderwerke in der vergangenen Geschichte Israels und seine große Treue preisen (Neh 9:5-15). Gleichzeitig bekennen sie die sich ständig wiederholende Treulosigkeit des Volkes und würdigen das Erbarmen Gottes. So lesen wir in Neh 9:31-33:
"Doch in deinen großen Erbarmungen hast du nicht ein Ende mit ihnen gemacht und sie nicht verlassen. Denn ein gnädiger und barmherziger Gott bist du! Und nun, unser Gott, du großer, starker und furchtbarer Gott, der den Bund und die Gnade bewahrt, lass nicht gering vor dir sein all die Mühsal, die uns getroffen hat, … Doch du bist gerecht bei allem, was über uns gekommen ist, denn du hast Treue bewiesen; wir aber, wir haben gottlos gehandelt."
Das Bußgebet aus Nehemia 9 trägt die Merkmale eines priesterlichen Gebets, das stellvertretend die Sünde des ganzen Volkes vor Gott bringt und um Vergebung und Erbarmen bittet (Neh 9:16-37). Solche Gebete, in denen der Betende sich mit den Sünden des Volkes identifiziert, um sie vor Gott zu tragen und seine Vergebung zu erbitten, sind geradezu das „Markenzeichen" der großen Männer Gottes. Beispiele hierfür finden wir bei Abraham (1Mo 18:23-32), Mose (2Mo 32:31-32), David (2Sam 24:17), Daniel (Dan 9) und Paulus (Röm 9:1-5).
Sie alle verkörpern die große Liebe des Messias, der als einziger die Sünde der ganzen Welt auf sich nehmen konnte (Joh 1:29 / 1Jo 2:2). Dies geschah, damit allen vergeben werden kann. Dadurch werden die Ungerechten mit der Gerechtigkeit Jesu Christi beschenkt (2Kor 5:21). So erhalten sie freien Zugang zur himmlischen Herrlichkeit – und damit zum Vaterhaus (Joh 14:2-3).
Am Kreuz von Golgatha vereinten sich alle Mächte der Finsternis gegen den Sohn Gottes und überschütteten ihn mit Hass und Grausamkeit – in der Hoffnung, ihn mit Bitterkeit zu erfüllen (Kol 2:15). Satan bedrängte Jesus bis zum Äußersten und wartete darauf, dass er fluchend mit Hass reagieren würde. Doch aus Jesus kam nur Liebe, als er betete: "Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun" (Lk 23:34). Diese überwältigende Liebe Gottes, die selbst im tiefsten Leid standhält, ist dieselbe Kraft, die uns heute trägt und von der Paulus im Römerbrief so überzeugend spricht.
Im gesamten Universum existiert keine Kraft und keine Macht, die die Liebe Gottes auslöschen oder überwinden könnte (Röm 8:35-39). Deshalb bleiben wir stets mit Gottes Liebe verbunden – auch dann, wenn wir sie nicht spüren können. Das dürfen gerade auch jene wissen, die sich in einer Depression befinden und sich von Gott verlassen fühlen – so wie es Hiob (Hi 19:25-27), David (Ps 22:2) und selbst Jesus erlebten (Mt 27:46)!
Egal, unter welchen Umständen du zu leiden hast und unabhängig davon, was in nächster Zeit passiert — es gibt rein gar nichts, was dich von Gottes Liebe trennen könnte! Auch wenn wir sterben — wir bleiben mit Gottes unendlicher Liebe verbunden (Ps 23:4 / 1Kor 15:55-57)! Glaubst du das?
Es hat dem HERRN gefallen, euch zu seinem Volk zu machen.
Die Apostel priesen Gott und sprachen: Nun hat Gott also auch den anderen Völkern die Umkehr zum Leben gewährt.
"Ein König soll über uns sein, damit auch wir seien wie alle Völker!" So lautete die Forderung des Volkes Israel an Samuel. Dies missfiel Samuel, und Gott sagte daraufhin zu ihm: "Höre auf die Stimme des Volkes in allem, was sie dir sagen! Denn nicht dich haben sie verworfen, sondern mich haben sie verworfen, dass ich nicht König über sie sein soll." (1Sam 8:7) Dies war Gottes präzise Analyse über das Motiv seines auserwählten Volkes. Für Gott war es zwar keine Überraschung, aber vermutlich dennoch schmerzhaft – besonders wenn man bedenkt, mit wie viel Liebe und Zuneigung er sich um sein Volk gekümmert hat (5Mo 7:7-8).
Israel sah die Könige der anderen Völker, die sichtbar voranzogen. Sie wünschten sich dasselbe – es schien einfacher, einem menschlichen Herrscher zu vertrauen als einem unsichtbaren Gott. Bei diesem wussten sie nie, wie lange es dauern würde, bis er wieder einen geeigneten Richter einsetzen würde. Uns Menschen fällt es generell schwerer, auf einen unsichtbaren Gott zu vertrauen als auf eine sichtbare Stütze – obwohl alles Sichtbare letztlich viel weniger Sicherheit bietet als der allmächtige Gott (Ps 20:7 / Hebr 11:1).
An dieser Stelle können wir uns auch fragen: Wo tauschen wir heute „das Bessere gegen das Schlechtere"? Woran hängen wir, weil es sichtbarer und greifbarer scheint als Gott? (Jer 2:13)
Trotzdem gab Gott seinem Volk das, was es sich wünschte, obwohl sie mit ihrem Begehren nach einem König das Bessere gegen das Schlechtere eintauschen wollten. Der HERR tat dies, damit sie mit den Folgen ihres Wunsches konfrontiert würden. Diese waren unter anderem:
Ein Königshaus verschlang Unsummen an Geldern, was die Steuerlast jedes Einzelnen erhöhte. Je nach Regent war diese Last besonders für arme Leute kaum tragbar (1Sam 8:11-17).
Häufig übernahm ein korrupter und machtgieriger Sohn die Herrschaft – ein Mann, den Gott nicht gewählt hätte, weil er genau wusste, dass dieser als Führer seines Volkes ungeeignet war (1Kön 12:1-15).
Die Menschen machten sich zu Knechten eines unvollkommenen Herrschers (1Sam 8:17).
Nachdem das Volk Israel von Gott einen König bekam, wurde ihm bewusst, dass es damit gesündigt hatte. Sie fürchteten nun, sterben zu müssen. In 1. Samuel 12 heißt es dann:
"Bitte den HERRN, deinen Gott, für deine Knechte, dass wir nicht sterben! Denn zu all unseren Sünden haben wir das Böse begangen, einen König für uns zu erbitten. Samuel aber sagte zum Volk: Fürchtet euch nicht! Ihr habt zwar all dieses Böse begangen, doch hört nicht auf, dem HERRN nachzufolgen, und dient dem HERRN mit eurem ganzen Herzen! Und weicht nicht ab und folgt nicht den nichtigen [Götzen] nach, die nichts nützen und nicht erretten können, weil sie nichtig sind! Denn der HERR wird sein Volk um seines großen Namens willen nicht verlassen. Denn es hat dem HERRN gefallen, [euch] zu seinem Volk zu machen." (1Sam 12:19-22)
Trotz ihrer Fehlentscheidung blieb Gott seinem Volk treu und machte deutlich, worauf es wirklich ankommt: weiterhin von ganzem Herzen dem HERRN nachzufolgen und den Götzendienst zu meiden. Diese Stelle zeigt eindrücklich: "Gott bleibt treu, auch wenn wir Menschen untreu werden! Seine Berufungen sind unwiderruflich, und so dürfen wir bis heute erleben, wie Gott seinem Volk Israel beisteht." (2Tim 2:13 / Röm 11:29)
Israel ist und bleibt das auserwählte Volk Gottes (Röm 11:1-2). Aufgrund dieser Überzeugung glaubten die ersten Christen in Jerusalem, dass Gott sein Heilswerk nur mit denjenigen fortsetzen würde, die bereits zu seinem Volk gehörten oder sich als Proselyten dem Volk Israel angeschlossen hatten. Proselyten übernahmen den "jüdischen Glauben" samt seiner Sitten und Gebräuche – einschließlich der Beschneidung und der Einhaltung aller religiösen Vorschriften (Apg 15:1).
In Apostelgeschichte 10 eröffnete Gott ein neues Kapitel seiner Heilsgeschichte: Durch eine eindrucksvolle Vision zeigte er dem Apostel Petrus, dass er auch Heiden auserwählt und reinigt. Diese müssen nur Buße tun und umkehren, um mit Gott in Gemeinschaft zu treten – ohne zuvor Proselyten werden zu müssen (Apg 10:15 / Apg 10:34-35).
Diese Erkenntnis war für die jüdische Gemeinde in Jerusalem zunächst "schwer verdaulich". Doch bald freuten sie sich darüber, dass Gott sein Heil – das er ihnen durch Jesus Christus geschenkt hatte – nun auf alle Menschen ausweitete. Die Apostel priesen Gott und bekannten: "Nun hat Gott also auch den anderen Völkern die Umkehr zum Leben gewährt." (Apg 11:18) Ohne das Ereignis aus Apostelgeschichte 10 hätte ich heute keine Andacht über Gottes Heil schreiben können! 😀
Wie Israel damals sehnen auch wir uns oft nach sichtbaren Sicherheiten. Doch wahre Geborgenheit finden wir nur bei Gott, der treu bleibt – auch wenn wir untreu sind (Ps 62:2-3). Und so dürfen wir mit den ersten Christen staunen: Sein Heil gilt nicht nur Israel, sondern allen Menschen. Auch dir und mir – heute (Tit 2:11 / Joh 3:16).
Gott sende seine Güte und Treue.
Die Frucht des Geistes ist Liebe, Freude, Frieden, Geduld, Güte, Rechtschaffenheit, Treue, Sanftmut, Selbstbeherrschung.
David befand sich auf der Flucht vor Saul und versteckte sich in einer Höhle (1Sam 22:1 / 1Sam 24:4). Diese Notlage löste in ihm vermutlich eine beklemmende Angst aus. Doch sie bewirkte noch etwas anderes: Sie führte dazu, dass er sich intensiv an seinen Gott klammerte. Durch diese Erfahrung vertiefte sich seine Vertrauensbeziehung zum HERRN (Ps 56:4). Aus dieser innigen Verbindung heraus verfasste David den wunderbaren Psalm 57, der mehrere herausragende Kostbarkeiten enthält. In der Elberfelder Bibel lesen wir in den Versen 3 und 4:
"Ich rufe zu Gott, dem Höchsten, zu dem Gott, der es für mich vollendet. Er sende vom Himmel und rette mich; … Gott sende seine Gnade und seine Wahrheit, [er errette] meine Seele."
David bat um göttliche Hilfe vom Himmel, indem er den HERRN anflehte, ihm seine Gnade und Wahrheit zu senden, um seine Seele zu retten (Ps 57:3-4). In dieser Situation wurde David nicht nur vor seinem Feind bewahrt; er verfasste auch Worte, die zu einer bedeutsamen Prophezeiung über den kommenden Messias wurden. Johannes schreibt dazu:
"Und das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns, und wir haben seine Herrlichkeit angeschaut, eine Herrlichkeit als eines Einzigen vom Vater, voller Gnade und Wahrheit." (Joh 1:14)
Jesus Christus ist die personifizierte Gnade und Wahrheit, der vom Himmel kam (Joh 3:13), unsere Seelen von Sünden befreite (Mt 1:21) und uns dadurch auch vom Tod errettete (Röm 6:23).
Das hebräische Wort "chesed" bedeutet nicht nur "Gnade", sondern umfasst auch "Güte, Huld und Barmherzigkeit". Ebenso trägt der Begriff "emet" mehrere Bedeutungen wie "Wahrheit, Treue, Beständigkeit".
Davids Bitten, die zugleich hoffnungsvolle Verheißungen wurden, können wir als geistliche Frucht betrachten, die aus seiner innigen Verbindung mit Gott entstanden ist. Geistliche Frucht entsteht stets aus einer vertrauensvollen Liebesbeziehung zu Jesus Christus. Deshalb vergleicht Jesus unsere Beziehung zu ihm mit einer Rebe, die am Weinstock wächst, um genießbare Früchte hervorzubringen (Joh 15:1-5).
Ohne Verbindung zum Weinstock entstehen keine genießbaren Trauben (Joh 15:4). Genau dieses Problem hatten die Galater im geistlichen Sinn. Sie versuchten, durch eigene Anstrengungen und die Einhaltung des Gesetzes vor Gott gerecht zu werden (Gal 3:2-3). Ihr Fokus lag auf dem Tun statt auf der Verbindung zu Gott.
Um es bildlich auszudrücken: Sie schnitzten eine Rebe aus Holz und bemalten sie mit schönen Farben, sodass sie ansprechend und sogar echt aussah. Diese Rebe symbolisiert die Gesetzeswerke und ist ungenießbar, weil sie von Menschen gemacht wurde – im Gegensatz zu jener Frucht, die durch eine echte Verbindung zum Weinstock natürlich gewachsen und gereift ist.
Wer aus Glauben und Vertrauen auf den HERRN lebt, ist mit Ihm verbunden (Gal 2:20). Aus dieser Liebesbeziehung entsteht dann auf natürliche Weise die geistliche Frucht, wie sie Paulus in Galater 5:22-23 beschreibt:
Die göttliche bedingungslose Liebe, die alles trägt und das Böse nicht zurechnet (1Kor 13:4-7)
Die Freude, die durch die Liebe, Gnade und Barmherzigkeit entsteht und die niemand mehr wegnehmen kann (Joh 16:22)
Der Friede, der höher ist als alles menschliche Denken und der unsere Herzen und Gedanken bewahrt (Phil 4:7)
Die Langmut oder Geduld, die Ungerechtigkeit ertragen kann, ohne Vergeltung zu üben (Kol 3:12-13)
Die Güte, die sich durch eine wohlwollende Einstellung und Handlungen gegenüber anderen zeigt und sich in den Dienst anderer stellt (Mt 5:44-45)
Die aktive Rechtschaffenheit oder Großzügigkeit, die bereit ist, anderen Gutes zu tun (Eph 5:9)
Der Glaube bzw. das Vertrauen in Gott, das auch Treue und Zuverlässigkeit im Umgang mit anderen hervorbringt (Hebr 11:1 / 2Tim 2:13)
Die Sanftmut oder Milde, die aus einer von Gott gewirkten Demut erwächst. Im Gegensatz zu Schwäche ist sie eine Stärke unter Kontrolle (Mt 5:5).
Die Selbstbeherrschung oder Enthaltsamkeit – die Fähigkeit, Begierden und Leidenschaften zu kontrollieren (2Petr 1:6 / 1Kor 9:25).
Diese neunfache Frucht wächst allein aus einer vertrauensvollen Liebesbeziehung zu Jesus Christus und nicht durch akribisches Befolgen gesetzlicher Vorschriften (Gal 5:18). Wenn wir im Weinstock bleiben, bringt Gott in uns Frucht, die bleibt (Joh 15:16).
Ich will dem HERRN sehr danken mit meinem Munde und ihn rühmen in der Menge.
Jesus legte die Hände auf die verkrümmte Frau; und sogleich richtete sie sich auf und pries Gott.
Wer den Psalm 109 liest, ist möglicherweise irritiert. Der Text spricht intensiv von Vergeltung, Rache und dem Verderben der Feinde. Es erscheint seltsam, wenn man bedenkt, dass diese Texte auch gesungen wurden. Doch das ist nicht alles. Da diese Lieder zum Wort Gottes gehören und sich kaum mit der von Jesus gepredigten Feindesliebe vereinbaren lassen (Mt 5:44), erschüttert dies vielleicht unser Gottesbild. Wir fragen uns: „Wie lassen sich solche Texte mit einem Gott der Liebe vereinbaren?" (1Jo 4:8)
Wir verbinden Vergeltung und Rache oft mit Hass und dem Wunsch, dass unsere Feinde leiden – und übertragen diese Gefühle auf Gott. Genau hier liegt das Problem! Gott erfreut sich weder am Leid der Feinde (Hes 33:11) noch wünscht er das Verderben der Gottlosen. Seine Vergeltung ist vielmehr ein Mittel, die Bösen mit den Folgen ihres Tuns zu konfrontieren, damit auch ihnen Umkehr möglich wird (Röm 12:19-21).
David wurde massiv verfolgt und bedrängt (1Sam 18:9-11)! Sein Wunsch nach Vergeltung von Seiten Gottes entsprang vor allem der Sehnsucht nach Befreiung. Möglicherweise empfand er auch Gefühle der Wut und den Wunsch nach Rache – er war ein Mensch wie wir. Doch wir sollten uns davor hüten, diese Emotionen einfach auf Gott zu übertragen.
Was die Psalmen einzigartig macht, ist ihre authentische Darstellung menschlicher Gefühle und der gesunde Umgang mit diesen (Ps 62:9). David schildert eindringlich, wie die Verfolgung ihn beeinflusste und welche Emotionen sie in ihm auslöste. Indem er alles vor Gott ausbreitet, wächst sein Vertrauen auf den HERRN. So kann er am Ende dieses „düsteren Psalms" in Dankbarkeit Gott preisen und anbeten. Der letzte Vers lautet dann:
"Denn er steht zur Rechten des Armen, um ihn von denen zu retten, die seine Seele richteten." (Ps 109:31)
So wie David am Ende trotz aller Bedrängnis zum Lobpreis findet, so erhebt sich auch die Frau nach ihrer langen Leidenszeit und preist Gott. Die verkrümmte Frau litt seit achtzehn Jahren unter einem "Geist der Schwäche" (Lk 13:11). Anders als David wurde sie nicht von Menschen verfolgt, doch Jesus beschreibt sie als eine Tochter Abrahams, die der Satan gebunden hat – eine Form der Bedrängnis, die man durchaus als Verfolgung verstehen könnte (Lk 13:16). Die Bibel berichtet nicht, ob oder wie lange sie zuvor Gott um Hilfe angefleht hatte. Fest steht jedoch: Achtzehn Jahre sind eine außerordentlich lange Zeit des Leidens.
Jesus begegnet ihr am Sabbat in einer Synagoge und heilt sie (Lk 13:10-13). Sofort tut sie das einzig Richtige: Sie verherrlicht Gott und gibt ihm die Ehre! Doch anstatt sich mit dieser befreiten Frau zu freuen, ärgert sich der Synagogenvorsteher über die Heilung am Sabbat. Er betrachtet das Heilen als "Arbeit", die am Sabbat verboten sei (2Mo 20:8-11). Vermutlich spielte auch die Eifersucht eine gewisse Rolle.
Jesus stellt klar, dass notwendige Hilfsdienste am Sabbat durchaus geboten sind (Mk 2:27). Er verweist darauf, dass selbst gesetzestreue Juden ihr Schaf am Sabbat retten würden, wenn es in eine Grube gefallen ist (Mt 12:11-12). Mir ist auch keine religiöse Gruppierung bekannt, die einem verletzten Menschen am Sabbat die notwendige Hilfe verweigern würde.
Der Tag wird kommen, an dem Jesus uns endgültig von aller Not, Krankheit und Gebundenheit befreien wird (Offb 21:4). Schon jetzt dürfen wir ihn dafür loben – so wie David, so wie die Frau in der Synagoge, so wie alle, die seine befreiende Hand erfahren haben (Ps 103:1-5).
Gott spricht: Ich will für Israel wie der Tau sein, dass es blüht wie eine Lilie.
Jesus spricht: Darum sollt ihr nicht sorgen und sagen: Was werden wir essen? Was werden wir trinken? Womit werden wir uns kleiden? Denn euer himmlischer Vater weiß, dass ihr all dessen bedürft.
Tau, der dem Erdboden Feuchtigkeit spendet, steht in der Bibel symbolisch für den himmlischen Segen Gottes (1Mo 27:28 / 5Mo 33:28 / Sach 8:12). Umgekehrt hat das Ausbleiben von Tau Trockenheit und Unfruchtbarkeit zur Folge und ist daher ein Symbol für Fluch und Gericht Gottes (2Sam 1:21 / 1Kö 17:1 / Hag 1:10).
Das Buch des Propheten Hosea endet mit einem Ausblick in die Zeit, in der Israel zu seinem Gott umkehrt (Hos 14:2-4) und den uneingeschränkten Segen Gottes genießen darf. Gott selbst, der sich mit der fruchtbaren Wirkung des Taus identifiziert, garantiert seinem Volk Gedeihen, Wohlstand und Sicherheit (Hos 14:6-9). ER wird Israel vollumfänglich mit allem versorgen, was die Bewohner des Landes benötigen, und mit einer Herrlichkeit versehen, die mit der üppigen Blütenpracht einer Lilie vergleichbar ist.
In seiner Bergpredigt greift Jesus das Bild von der prachtvollen Lilienblüte auf (Mt 6:28). Er knüpft an die Eigenschaft des menschlichen Herzens an, sich um die Dinge, die lebenswichtig erscheinen, Sorgen zu machen, und dabei die eigentlich entscheidenden Aspekte des menschlichen Lebens aus den Augen zu verlieren: „Seid nicht besorgt für euer Leben, was ihr essen und was ihr trinken sollt, noch für euren Leib, was ihr anziehen sollt! Ist nicht das Leben mehr als die Speise und der Leib mehr als die Kleidung (Mt 6:25)?"
Jesus will uns vom Sorgengeist befreien und verweist auf seinen himmlischen Vater, der ein Versorger aller seiner Kinder ist: „Seht hin auf die Vögel des Himmels, dass sie weder säen noch ernten noch in Scheunen sammeln, und euer himmlischer Vater ernährt sie ⟨doch⟩. Seid ihr nicht viel wertvoller als sie? … Und warum seid ihr um Kleidung besorgt? Betrachtet die Lilien des Feldes, wie sie wachsen; sie mühen sich nicht, auch spinnen sie nicht. Ich sage euch aber, dass selbst nicht Salomo in all seiner Herrlichkeit bekleidet war wie eine von diesen." (Mt 6:26 / Mt 6:28-29).
Gott ist unser Versorger – das ist eine geistliche Tatsache, die den Sorgengeist vertreibt und uns innerlich frei macht für das, was aus Gottes Perspektive das wirklich Wichtige ist: Die Frage, wie Seine Ehre, Seine Herrlichkeit, Seine Herrschaft und Seine Gerechtigkeit in unserem Leben Gestalt gewinnen: „Trachtet aber zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit! Und dies alles wird euch hinzugefügt werden (Mt 6:33 / Lk 12:31)." Kannst du das glauben?
Georg Müller, der „Waisenvater von Bristol", hat Jesus beim Wort genommen und auf beeindruckende Weise erlebt, dass Gott denen, die ihm vertrauen, ein Versorger ist. Als er mit dem Elend der Straßenkinder in Bristol konfrontiert wurde, fühlte er sich berufen, ein Heim für diese verwahrlosten Kinder aufzubauen (Jak 1:27). Dabei handelte er nach dem Grundsatz, dass er und seine Mitarbeiter niemals etwas von anderen Menschen erbitten sollten, sondern allein Gott ihm alles Notwendige zukommen lassen sollte (Mt 7:7-8). Was für ein Vertrauen! Gott belohnte dieses glaubensvolle Vertrauen so eindrücklich, dass Georg Müller Wunder um Wunder erlebte und am Ende seines Lebens fünf Waisenhäuser unterhielt, in denen mit Hilfe von 600 Mitarbeitern rund 2000 Waisenkinder versorgt werden konnten.
Corrie ten Boom sagte einmal: „Wer sorgt, nimmt die Verantwortung Gottes auf die eigenen Schultern." An dieser Last verheben wir uns! Gott weiß doch am besten, was wir benötigen (Mt 6:32), und er wird uns niemals im Stich lassen!
So können wir getrost dem Rat des Apostels Paulus folgen:
„Seid um nichts besorgt, sondern in allem sollen durch Gebet und Flehen mit Danksagung eure Anliegen vor Gott kundwerden; und der Friede Gottes, der allen Verstand übersteigt, wird eure Herzen und eure Gedanken bewahren in Christus Jesus (Phil 4:6-7)."
Nimm ja nicht von meinem Munde das Wort der Wahrheit.
Sie haben Gottes Wahrheit in Lüge verkehrt und das Geschöpf verehrt und ihm gedient statt dem Schöpfer, der gelobt ist in Ewigkeit.
In den USA wurde eine Zeit lang ein Blutverdünnungsmittel verkauft, das als Heparin gekennzeichnet war – ein wirksames Mittel, um Thrombosen oder Embolien zu verhindern. Doch statt Heparin enthielt das Medikament nur einen billigen und unwirksamen Ersatzstoff. Die Folgen waren katastrophal: schwere allergische Reaktionen, Blutdruckabfälle, Organversagen und dadurch auch mehrere Dutzend Todesfälle.
Dieses Beispiel zeigt, wie tödlich eine Falschinformation sein kann. Die erste Lüge aus 1. Mose 3 war ebenfalls tödlich. Die Frau glaubte der Lüge, die ihr die Schlange auftischte, und die Folgen davon spüren wir bis heute (1Mo 3:4-5). Das Lügen gehört zum Kerngeschäft Satans (Joh 8:44). Meist ist sie in Wahrheit "eingepackt", sodass man sie kaum erkennt. Je echter das Unechte erscheint, desto schwieriger ist es, die Fälschung zu durchschauen.
Weder umfangreiches Wissen noch Intelligenz schützen uns vor Satans Lügen. Zu häufig lassen sich die Mächtigen dieser Welt von Geld, Macht und Stolz blenden, ohne zu bemerken, dass sie dadurch Satan bereits "auf den Leim" gegangen sind (1Tim 6:9-10). Letztlich sind wir alle gefährdet – besonders weil die Lüge manchmal besser in unser Lebenskonzept passt als die oft unbequeme Wahrheit (2Tim 4:3-4).
Der Autor des 119. Psalms war ein echter "Wortliebhaber" – jemand, der sich am Wort Gottes und den Anweisungen des HERRN mehr erfreute als an allem anderen (Ps 119:47-48). Dies bildet eine hervorragende Grundlage, um Lügen zu erkennen und ihnen zu widerstehen.
Dennoch erkannte der Psalmist die Gefahr, dass das Wort der Wahrheit "aus seinem Mund" verschwinden könnte, wenn der HERR ihn nicht davor bewahren und ihm diese Gnade schenken würde. Auch wir benötigen dieses demütige Bewusstsein – ohne Gottes Schutz unseres Herzens könnten wir das Wort der Wahrheit leicht verlieren (Hebr 2:1).
Paulus weist in Römer 1 darauf hin, dass vielerorts Wahrheit gegen Lüge eingetauscht wurde. Hierfür gibt es zahlreiche Beispiele, doch der Apostel nennt in Vers 25 eines der bedeutendsten: Vergängliche Geschöpfe oder Gegenstände werden zu Göttern erhoben, während der allmächtige Schöpfer missachtet wird (Röm 1:25). Ägyptische Pharaonen, römische Cäsaren und andere Autokraten verlangten göttliche Verehrung von ihren Untertanen – obwohl sie alle nur sterbliche Menschen waren.
Jeder Mensch steht in der Gefahr, etwas über Gott zu stellen. Wenn wir etwas mehr verehren als Gott oder jemandem mehr vertrauen als dem Schöpfer selbst, wird dieser zum Ersatzgott in unserem Leben (Mt 6:24). In diesem Moment haben wir – vielleicht unbewusst – die Wahrheit gegen eine Lüge eingetauscht.
Der wahre Gott ist nur derjenige, der das gesamte Universum erschaffen und allen Lebewesen das Leben geschenkt hat (Joh 1:3 / Apg 17:24-25). Er allein verkörpert die absolute Wahrheit. Eine der verbreitetsten Täuschungen unserer Zeit behauptet hingegen, dass es keine absolute Wahrheit gäbe.
Die Lüge zerstört das Vertrauen, während Wahrhaftigkeit die Grundlage für jede freundschaftliche und dauerhafte Beziehung bildet – sowohl zu Gott als auch zu den Menschen (Spr 12:22).
Wenn wir wahrhaftig und authentisch leben, auf Gottes Wort achten und dem HERRN gehorchen, werden wir die Wahrheit, die uns zum wahren Licht führt, mit zunehmender Klarheit erkennen (Joh 8:31-32). Nur wer im Licht der Wahrheit lebt, bleibt frei von der zerstörerischen Macht der Lüge (Joh 3:19-21).
Von Gott werde dir geholfen, und von dem Allmächtigen seist du gesegnet.
Das Evangelium ist eine Kraft Gottes, die selig macht alle, die glauben.
Von einem Bruder hörte ich, wie er kurz vor seinem Tod alle seine Kinder und Enkel zu sich rief und sie segnete. Was für ein wunderschönes Vermächtnis! Ich denke, dass dies wertvoller war als das materielle Erbe, das er seinen Kindern hinterließ. Vermutlich ließ er sich dabei unter anderem von Jakob inspirieren, der kurz vor seinem Tod seine zwei Enkel und zwölf Söhne segnete (1Mo 48 + 49).
Die letzten drei Kapitel der Genesis (1. Mose) zeigen eine bemerkenswerte Struktur: In Kapitel 48 segnet Jakob zunächst seine beiden Enkel – Josephs Söhne Ephraim und Manasse – wobei er den jüngeren Ephraim als den "Größeren" bezeichnet. Danach, in Kapitel 49, segnet er seine zwölf Söhne. Das abschließende 50. Kapitel berichtet über Jakobs Tod, Josephs versöhnliche Haltung gegenüber seinen Brüdern und schließlich über Josephs eigenen Tod (1Mo 50:1-26).
Der heutige Losungsvers enthält einen Teil des Segens über Joseph. Neben der Zusage göttlicher Hilfe erhielt er auch die Verheißung, vom Allmächtigen gesegnet zu sein – mit Segnungen des Himmels und der Tiefe (1Mo 49:25). Welche Geheimnisse in diesem Segen verborgen liegen, können wir nur erahnen.
Der besonders gesegnete Ephraim war keineswegs ein "Musterkind" – im Gegenteil: Er war ein "Sohn", der Gott besonders viel Mühe bereitete. So lesen wir in Jer 31:20:
"Ist mir Ephraim ein teurer Sohn oder ein Kind, an dem ich Freude habe? Denn sooft ich auch gegen ihn geredet habe, muss ich ⟨doch⟩ immer wieder an ihn denken. Darum ist mein Innerstes um ihn erregt. Ich muss mich über ihn erbarmen, spricht der HERR."
Sowohl aus dieser Stelle als auch aus zahlreichen Versen des Propheten Hosea wird deutlich, dass Ephraim ein "Sorgenkind" war, das Gott dennoch besonders liebte (Hos 11:1-4). Hosea schildert, wie Ephraim und die zehn Stämme des Nordreiches ihre Identität verloren, als er ankündigte: "Ihr werdet die Bezeichnung 'mein Volk' verlieren" (Hos 1:9). Der Grund dafür lag in ihrer anhaltenden "geistlichen Hurerei" – sie beteten fremde Götter an (Hos 4:17 / 8:11).
Doch Hosea verhieß auch eine neue Identität:
„… und es wird geschehen, an dem Ort, wo zu ihnen gesagt wurde: ‚Ihr seid nicht mein Volk!', wird zu ihnen gesagt werden: ‚Söhne des lebendigen Gottes!'" (Hos 2:1)
Der Apostel Paulus zitiert diese Stelle in Röm 9:26, nachdem er erläutert hatte, dass Gott nicht nur Juden berufen hat, sondern auch Menschen aus den Nationen (Röm 9:24-25).
Diese Berufung begann, als die Apostel das Evangelium auch den Heidenvölkern verkündeten (Apg 10:34-35 / 13:46-48). Alle Menschen aus den Nationen, die dieser Guten Botschaft Gottes glauben, erfahren dann, dass das Evangelium tatsächlich eine Kraft Gottes ist – eine Kraft, die jeden Glaubenden rettet (Röm 1:16).
Paulus schreibt in Eph 1:3, dass die Gläubigen mit jedem geistlichen Segen aus den überhimmlischen Welten gesegnet sind, ähnlich wie Joseph, der von Jakob mit "Segnungen des Himmels" gesegnet wurde (1Mo 49:25-26).
Dieser Segen aus Eph 1:3 umfasst weitaus mehr als jeder vorstellbare irdische Segen. Glaubst du das?
Ich will euch ein neues Herz und einen neuen Geist in euch geben.
Liebt eure Feinde und bittet für die, die euch verfolgen, auf dass ihr Kinder seid eures Vaters im Himmel.
Die revolutionäre Aussage Jesu, seine Feinde zu lieben, ist vielen Menschen bekannt, besonders in christlich geprägten Ländern. Viele empfinden diese Aussage auch als erstrebenswert, weil sie das Potenzial hat, die Hassspirale zu durchbrechen (Röm 12:20-21). Durch die Feindesliebe können Vergebung und Versöhnung entstehen. Die Feindesliebe war nicht selten der Auslöser für die Heilung von zerstörten Beziehungen.
So schön und vollkommen die Aussage Jesu ist, so herausfordernd ist ihre praktische Umsetzung. Wut und Bitterkeit aus erfahrenen Verletzungen sowie unser eigener Stolz können uns derart blockieren, dass wir uns unfähig fühlen, Feindesliebe zu praktizieren (Eph 4:31-32). Wahre göttliche Liebe kann auch nur dort wirksam werden, wo Menschen nicht mehr von Egoismus und Gier beherrscht werden.
Um Feindesliebe wirklich praktizieren zu können, brauchen wir zum einen den Willen dazu und zum anderen eine grundlegende innere Erneuerung (Röm 12:2). Die Erfahrung hat gezeigt, dass eine Gesellschaft nicht allein durch Gesetze oder moralische Appelle verändert werden kann.
Gott wusste dies von Anfang an. Deshalb verhieß er durch die Propheten Hesekiel und Jeremia, den Menschen ein neues Herz und einen neuen Geist zu geben (Hes 36:26 / Jer 31:33). Diese tiefgreifende innere Erneuerung geschieht ausschließlich durch den Heiligen Geist, den Gott jenen schenkt, die ihm ihr Herz öffnen.
Seit dem Pfingstfest vor fast 2000 Jahren werden Menschen bleibend mit dem Heiligen Geist erfüllt, sodass er in ihnen „Wohnung nimmt" (1Kor 3:16). Durch den Heiligen Geist ist die Liebe Gottes in unsere Herzen ausgegossen (Röm 5:5), die es uns überhaupt erst ermöglicht, sogar unsere Feinde bedingungslos zu lieben.
Corrie ten Boom, eine niederländische Christin, durfte das erfahren und auch praktizieren. Während des Zweiten Weltkriegs leistete sie gegen die Nazis Widerstand, indem sie mit ihrer Familie Juden versteckte. Für diese mutige Tat wurde sie verhaftet und ins Konzentrationslager Ravensbrück deportiert.
Nach Kriegsende reiste sie weltweit umher und sprach über Vergebung (Kol 3:13). In München begegnete sie einem ehemaligen SS-Wachmann aus Ravensbrück, der sie wiedererkannte und, nachdem er zum Glauben gefunden hatte, um Vergebung bat.
In diesem Moment kämpfte Corrie mit sich selbst. Die schmerzhaften Erinnerungen an das Lager und den Tod ihrer Schwester Betsie machten es ihr zunächst unmöglich, seine ausgestreckte Hand zu ergreifen. Doch im stillen Gebet bat sie Gott um Kraft (Phil 4:13), und als sie schließlich seine Hand nahm, durchströmte sie eine Welle der Liebe, die ihr ermöglichte, ihm aufrichtig zu vergeben.
Diese Geschichte veranschaulicht eindrucksvoll, wie ein "neues Herz" und ein "neuer Geist", wie es Hesekiel verheißen hat, uns befähigen, sogar Feinde zu lieben – genau wie Jesus es in der Bergpredigt gelehrt (Mt 5:44-45) und selbst vorgelebt hat, als er am Kreuz rief:
"Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun." (Lk 23:34)
Öffne dich dem Geist Gottes und lass dich mit seiner Liebe erfüllen (Gal 5:22-23) – nur so kannst du lernen, bedingungslos zu lieben, denn das ist das wahre „Markenzeichen" der Kinder Gottes (Joh 13:35)!
Vielleicht stehst du gerade selbst vor einer Person, der du nur schwer vergeben kannst. Lade Gottes Geist ein, dein Herz zu erneuern – und er wird dich befähigen, mehr zu lieben, als du aus dir selbst könntest (2Kor 5:17).
Wer bin ich, Herr HERR, und was ist mein Haus, dass du mich bis hierher gebracht hast?
Als Lydia aber mit ihrem Hause getauft war, bat sie uns und sprach: Wenn ihr anerkennt, dass ich an den Herrn glaube, so kommt in mein Haus und bleibt da.
Nachdem König David Jerusalem erobert hatte und der HERR ihm ringsumher Ruhe verschafft hatte (2Sam 7:1), baute er sich in der Stadt ein schönes Zedernhaus zum Wohnen. David war Gott überaus dankbar für all den Segen, den er empfangen durfte. Während seiner Besinnung wurde ihm jedoch bewusst: Er wohnte in einem komfortablen Haus, während die Bundeslade, die die Gegenwart Gottes symbolisierte, in einem einfachen Zelt untergebracht war (2Sam 7:2). David empfand das Zelt als nicht mehr würdig genug und war überzeugt: Für Gott war nur das Beste gut genug. Darum fasste er den Entschluss, für Gott ein Haus zu bauen – doch zuvor wollte er sich beim Propheten Nathan rückversichern. Nathan bestärkte ihn in seinem Vorhaben (2Sam 7:3).
In der darauffolgenden Nacht aber sprach der HERR zu Nathan und gab ihm eine Botschaft für David: „Du willst mir ein Haus bauen? Ich habe nie verlangt, dass man mir ein Haus baut. Ich bin immer in einem Zelt mit euch umhergezogen!" (2Sam 7:5-7) – Welch überraschende Antwort. Der HERR erkannte Davids Wunsch, ihn zu ehren, und sicher freute er sich über dessen Haltung. Aber es war nicht seine Absicht, in einem steinernen Tempel zu wohnen. Als Salomo Jahrzehnte später den Tempel einweihte, bekannte er: Der allmächtige Gott ist so groß, dass ihn nicht einmal die Himmel der Himmel fassen können, geschweige denn ein von Menschen gebautes Haus (1Kö 8:27).
Doch warum bekam Mose in der Wüste den Auftrag, dem HERRN ein Zelt zu bauen, in dem die Bundeslade ihren Platz finden sollte? (2Mo 25:8-9) In der Bibel ist das Zelt ein Bild für den irdischen Leib (2Kor 5:1). Gott wollte in einem Zelt unter uns sein – d.h. er wollte zunächst als Mensch unter uns wohnen, damit wir sein Vaterherz kennenlernen. Darum schreibt Johannes:
„Und das Wort (d.h. Christus) wurde Fleisch und wohnte unter uns, und wir haben seine Herrlichkeit angeschaut, eine Herrlichkeit als des Eingeborenen vom Vater, voller Gnade und Wahrheit." (Joh 1:14)
Dass Gott von seinem Volk nicht verlangte, ihm einen Tempel aus Stein zu bauen, hat also eine tiefe symbolische Bedeutung.
In seiner Botschaft an David kündigte Gott an, dass er ihm selbst ein Haus bauen werde, indem er ihm einen Nachkommen schenken würde, der das Haus Gottes errichten sollte (2Sam 7:11-13). Diese Zusage erfüllte sich zunächst sichtbar, als Salomo den ersten Tempel bauen durfte (1Kö 6). Die eigentliche geistliche Erfüllung aber kam erst durch den „wahren Sohn Davids" (Mt 1:1). Durch sein Opfer begann er, das wahre Haus Gottes zu bauen – einen unsichtbaren, geistlichen Tempel. Wie die Stiftshütte in der Wüste ein Bild für den irdischen Leib Jesu war, so ist auch der steinerne Tempel ein Hinweis auf den geistlichen Leib Christi, der ewig bestehen wird (Hebr 9:11-12).
Die Gemeinde Jesu, die in der Schrift auch als „Leib Christi" bezeichnet wird (1Kor 12:27), nennt Paulus den „Tempel Gottes" (1Kor 3:16-17). Petrus wiederum ermutigt die Gläubigen, sich als lebendige Steine zu einem geistlichen Haus aufbauen zu lassen (1Petr 2:5).
Gott hatte David durch Nathan zugesagt, dass sein Nachkomme dem Namen des HERRN ein Haus bauen würde – und dass der HERR selbst den Thron seines Königtums für ewig festigen werde (2Sam 7:13-16).
Als David diese Botschaft hörte, konnte er nur demütig staunend und anbetend ausrufen: „Wer bin ich, Herr HERR, und was ist mein Haus, dass du mich bis hierher gebracht hast?" (2Sam 7:18)
Das Wort „Haus" meint in der Bibel oft nicht nur ein Gebäude, sondern auch die Familie oder die Bewohner eines Hauses (Jos 24:15). Ein schönes Beispiel dafür finden wir in Apostelgeschichte 16: Die wohlhabende Purpurhändlerin Lydia aus Philippi kam zum Glauben an Jesus Christus – und mit ihr auch ihr ganzes Haus. Alle Bewohner ihres Hauses ließen sich taufen (Apg 16:14-15).
Danach lud Lydia Paulus und seine Begleiter ein, in ihrem Haus zu bleiben. Diese gelebte Gastfreundschaft war nicht nur für sie selbst, sondern für ihr ganzes Haus ein großer Segen (Hebr 13:2). Viele erhielten dadurch die Gelegenheit, noch mehr von Paulus' Verkündigung zu hören. Manche Ausleger vermuten sogar, dass das Haus der Lydia zum ersten Versammlungsort der Gemeinde in Philippi wurde (Apg 16:40). Auch dadurch erfuhr ihr Haus eine ganz besondere Segensgeschichte.
Haltet dem HERRN, eurem Gott, die Treue, so wie ihr es bisher getan habt.
Wir wollen die Versammlung der Gemeinde nicht verlassen, wie es bei einigen üblich geworden ist, sondern einander mit Zuspruch beistehen, und dies umso mehr, als ihr den Tag nahen seht.
Durch Josua hat der HERR die lang ersehnte Verheißung erfüllt – sein auserwähltes Volk in das Land Israel zu führen. Mehrere hundert Jahre mussten sie darauf warten, doch nun ist es Wirklichkeit geworden. Dies zeugt von Gottes Zuverlässigkeit und Treue: Wenn der Allmächtige etwas verspricht, hält er es auch (4Mo 23:19 / Jos 21:45). Allerdings lässt das Verheißene oft auf sich warten und erfüllt sich meist später, als Menschen es erwarten (Hab 2:3).
Während Josuas Lebenszeit blieben die Israeliten überwiegend ihrem Gott treu. Dies geschah vermutlich aus Dankbarkeit für Gottes Segnungen in dieser Zeit und weil sie in Josua eine starke, zuverlässige Führungspersönlichkeit hatten, die durch tiefes Gottvertrauen geprägt war (Jos 24:31).
Im heutigen Losungsvers ermutigt Josua sein Volk, dem HERRN treu zu bleiben. Das hebräische Verb "tidbaku" stammt von der Wurzel "dabaq", was "anhängen, anhaften, kleben" bedeutet. Es ist dasselbe Wort, das für die Vereinigung von Mann und Frau verwendet wurde, als Gott die Ehe einsetzte (1Mo 2:24). Das Wort Gottes nutzt hier – wie an anderen Stellen auch – das Bild einer ehelichen Gemeinschaft, um die tiefe Verbundenheit zu Seinem Volk zu veranschaulichen (Hos 2:19-20). Seine Beziehung zu Israel gleicht einem idealen Ehebund, geprägt von Liebe und Treue. Deshalb ermutigte Josua die Israeliten, weiterhin fest am HERRN zu halten.
Auch Paulus verwendet das Bild der Ehe, um die innige Verbundenheit zwischen Jesus Christus und seiner Gemeinde zu veranschaulichen (Eph 5:31-32). So wie Christus sich untrennbar mit uns verbunden hat und an uns "klebt", dürfen auch wir in Liebe an ihm festhalten.
Seine Gemeinde besteht aber nicht aus "Einzelkämpfern", die unabhängig voneinander agieren, sondern aus einer Gemeinschaft, die ebenso tief miteinander verbunden ist wie Christus mit seiner Gemeinde (1Kor 12:12-27).
Die Empfänger des Hebräerbriefes litten unter Verfolgung, weshalb viele geneigt waren, die Versammlungen zu meiden, um sich selbst zu schützen. Der Autor ermahnt jedoch die Gemeindemitglieder eindringlich, dies nicht zu tun, da sie gerade in schwierigen Zeiten den gegenseitigen Zuspruch und die Stärkung durch die Gemeinschaft benötigten (Hebr 10:32-36).
Heute gibt es noch zahlreiche andere Gründe, warum Menschen die Gemeinschaft mit Christusgläubigen meiden: Meinungsverschiedenheiten, unterschiedliche theologische Auffassungen, Enttäuschungen über Fehler in der Gemeinde oder bei einzelnen Mitgliedern.
Wir sind jedoch grundlegend aufeinander angewiesen. Liebe kann nur innerhalb einer Gemeinschaft erlernt und gelebt werden (1Jo 4:7-12). In der Gemeinschaft ermutigen wir einander und leisten praktische Hilfe (Gal 6:2 / 1Thes 5:11). Zudem erhalten wir dort die notwendige Korrektur, die jeder von uns braucht (Spr 27:17).
Livestreams und digitale Angebote sind ein großer Segen – sie erweitern unseren Horizont und geben Zugang zu Lehre und Ermutigung. Doch sie können die persönliche Begegnung nicht ersetzen. Praktische Nächstenliebe, gegenseitige Ermutigung und auch Korrektur geschehen nur dort, wo wir wirklich miteinander unterwegs sind (Apg 2:42-47).
Gemeinschaft ist nicht immer einfach. Unterschiedliche Prägungen, theologische Sichtweisen oder auch Enttäuschungen gehören dazu. Und doch bleibt sie ein unverzichtbares Geschenk: Gott selbst stellt uns in eine geistliche Familie, damit wir einander tragen, stärken und in der Liebe wachsen (Kol 3:12-14 / Eph 4:15-16).
Wohl allen, die auf ihn trauen!
Durch Christus Jesus haben wir Freimut und Zugang in aller Zuversicht durch den Glauben an ihn.
Der Psalmist beendet den Psalm 2 mit einem Jubelruf, der gleichzeitig eine große Verheißung beinhaltet. Er verspricht denen Wohlergehen, vollumfängliche Glückseligkeit, die „ihm" trauen, sich bei „ihm" bergen. Der erste Teil dieses Verses macht klar, wem unser Vertrauen gehören soll: Dem „Sohn" des HERRN (Ps 2:11-12a)! Von diesem Sohn ist bereits im 7. Vers dieses Psalms die Rede – wir finden also in Psalm 2 klare Christusprophetie (Hebr 1:5)!
Der Lehrtext aus Epheser 3:12 bringt auf den Punkt, was die Grundlage unserer Glückseligkeit ist: Es ist der freie und zuversichtsvolle Zugang zum Vaterherz Gottes, der uns im Glauben an Jesus Christus geschenkt ist (Röm 5:2 / Hebr 4:16). Ist dir eigentlich bewusst, was das für ein großes und wunderbares Gnadengeschenk darstellt? Zu dieser Glückseligkeit gehören
das Wissen um Gottes nie endende Vergebungsgnade (Ps 32:1-2 / Röm 4:7-8),
die Zusage, dass wir in jeder Lebenslage eine Zuflucht bei Gott haben (Ps 34:9),
die Erfahrung, dass ER unsere Stärke und unser Wegbereiter ist, egal in welcher Schwierigkeit wir uns befinden (Ps 84:6),
das Wissen, dass Gott in der Bibel, seinem inspirierten Wort, zu uns redet und sich offenbart (Ps 119:2), um nur einige „Glückseligpreisungen" aus den Psalmen zu nennen.
Dieser Weg der Glückseligkeit schließt schwere Erfahrungen und Nöte im Leben nicht aus. Aber der Heilige Geist will die Kinder Gottes in schweren Zeiten mit Kraft, Mut, Freude und Zuversicht erfüllen.
Ein bemerkenswertes Beispiel dafür ist der Rechtsanwalt und Christ Horatio G. Spafford (1828–1888). Im Jahr 1871 verlor er bei einem Brand in Chicago den größten Teil seines Vermögens und eines seiner Kinder – seinen einzigen Sohn. Zwei Jahre später waren seine Frau und seine vier Töchter an Bord eines Schiffes, als dieses auf dem Atlantik mit einem Segelschiff zusammenstieß. Die Frau konnte gerettet werden, aber alle vier Kinder von Horatio G. Spafford kamen bei diesem Unglück ums Leben. Zur Erinnerung an ihren Tod schrieb er 1876 ein Lied, dessen deutsche Übersetzung vielen von uns bekannt ist:
Wenn Friede mit Gott meine Seele durchdringt, ob Stürme auch drohen von fern, mein Herze im Glauben doch allezeit singt: "Mir ist wohl, mir ist wohl in dem Herrn".
Auch Paul Gerhardts Lieder sind das Resultat eines leidvollen Lebens. Seinen Vater verlor er als Zwölfjähriger, seine Mutter als Vierzehnjähriger. Seine Jugend und seine besten Jahre verlebte er unter den Lasten des 30-jährigen Krieges, der das deutsche Land weithin verwüstete und die verheerende Pest mit sich brachte. Sein Geburtshaus, die Pfarrei und die Kirche seines Geburtsortes Gräfenhainichen brannten in den Wirren des Krieges nieder, gerade als er die Pfarrstelle dort übernehmen sollte. An diesem Tag verlor Paul Gerhardt seinen von den Eltern ererbten Besitz mit Gasthaus, Landwirtschaft und Wohnhaus. Wenig später starb sein Bruder an der Pest.
Vier seiner Kinder verlor er im frühen Kindesalter, eines lebte nur wenige Stunden, eines nur 7 Monate, eines 8 Monate und eines 14 Monate. Als seine Frau, die unter Schwermütigkeit litt, schließlich starb, hinterließ sie ihm einen einzigen sechsjährigen Sohn. In diesem Trauerjahr (1668) schrieb er das Lied „Ich bin ein Gast auf Erden", in dem er einige Nöte seines Lebens zum Ausdruck bringt. Dieses Lied hat das Bibelwort aus Ps 30:6 zum Grundgedanken: „Am Abend kehrt Weinen ein, und am Morgen ist Jubel."
Horatio G. Spafford und Paul Gerhardt stehen beispielhaft für viele christusgläubige Menschen, die ihr durch Jesus Christus erwirktes Recht in Anspruch nehmen, mit Freimut und Zuversicht Zugang zum Vaterherz Gottes zu haben und ihm alle Not ihres Lebens zu bringen (Röm 8:15 / Phil 4:6-7). Das darfst Du auch tun. Wohl dir, wenn du auf IHN traust, denn dann wirst du bezeugen können:
„ER hat alles wohl gemacht (Mk 7:37)."
Herr, du lässt mich genesen und am Leben bleiben.
Es traf sich aber, dass der Vater des Publius mit Fieber und Durchfall darniederlag. Da ging Paulus zu ihm hinein und betete, legte ihm die Hände auf und machte ihn gesund.
Der gestrige Losungsvers stammte aus dem 37. Kapitel des Propheten Jesaja. Dort bat Hiskia voller Vertrauen um Gottes rettende Intervention (Jes 37). Die Erhörung seines Gebets war eindrucksvoll und zeigte erneut die Allmacht Gottes. Solche Erfahrungen stärken den Glauben, manche werden sogar euphorisch und denken: „Meinem Gott ist alles möglich, ich brauche nichts mehr zu fürchten!"
Doch nachdem der größte Feind besiegt war und König Hiskia sein Leben hätte genießen können, stand er vor einer neuen Prüfung: Seine Gesundheit verschlechterte sich dramatisch, und er erhielt vom Propheten Jesaja eine erschütternde Botschaft:
"So spricht der HERR: Bestelle dein Haus, denn du wirst sterben und nicht am Leben bleiben!" (Jes 38:1)
Hiskia wusste aus Erfahrung, dass seinem Gott alle Dinge möglich sind (Mt 19:26). Er hatte bereits erlebt, dass der HERR Gebete erhört und auf Bitten eingeht. Da er mit seinen 39 Jahren noch nicht bereit war zu sterben, flehte er Gott indirekt um Heilung an, indem er auf seine Treue ihm gegenüber verwies. In den Versen 2+3 heißt es dann:
„Ach, HERR! Denke doch daran, daß ich vor deinem Angesicht in Treue und mit ungeteiltem Herzen gelebt habe …" Und Hiskia weinte sehr. (Jes 38:2-3)
Daraufhin erhörte Gott tatsächlich sein Gebet und kündigte durch Jesaja seine Genesung an (Jes 38:5). Voller Vertrauen auf seine baldige Heilung betete Hiskia seinen Gott an und gab ihm die Ehre.
Auch im Neuen Testament begegnen wir Gottes heilender Kraft – wenn auch in ganz anderem Kontext. Im letzten Kapitel der Apostelgeschichte finden wir weitere Wunderheilungen, jedoch unter völlig anderen Umständen. Paulus reiste als Gefangener nach Rom (Apg 27:1). Herbststürme peitschten das Schiff – orientierungslos trieb es übers Meer. Schließlich ereignete sich vor der Insel Melite (vermutlich Malta) ein Schiffbruch, den alle 276 Menschen an Bord überlebten (Apg 27:44).
Publius, der Oberste der Insel (vermutlich der römische Gouverneur), nahm die Schiffbrüchigen freundlich bei sich auf. Sein Vater litt an der Ruhr, und Paulus – obwohl Gefangener Roms – legte ihm die Hände auf und heilte ihn durch die Kraft des Heiligen Geistes (Apg 28:7-8). Trotz seiner misslichen Lage diente Paulus den Menschen mit der Gabe, die er von Gott erhalten hatte. Er hätte auch denken können: "Warum sollte ich mich um die Probleme der römischen Elite kümmern? Ich habe selbst genug Schwierigkeiten." Doch Paulus ließ sich nicht von Verbitterung leiten, sondern vom Geist Gottes und seiner Liebe (1Kor 13:4-7).
Obwohl Gott auch heute noch wundersame Heilungen bewirkt, sollten wir aus den biblischen Berichten nicht schließen, dass er immer eine körperliche Heilung vollzieht, wenn wir darum bitten. Die Bibel berichtet auch von anderen Fällen: Elisa starb krank (2Kön 13:14), Paulus musste mit seinem „Stachel im Fleisch" leben (2Kor 12:7-9), und Trophimus ließ er krank in Milet zurück (2Tim 4:20). Gott bleibt souverän (Jes 55:8-9). Einmal aber wird die endgültige Heilung kommen, wenn wir den unverweslichen Leib empfangen (1Kor 15:42-44).
Mit zunehmendem Alter wächst bei manchem die Sehnsucht nach der himmlischen Heimat. Oft verliert die Bitte um Heilung etwas an Gewicht, während die Aussicht auf das Vaterhaus an Anziehungskraft gewinnt (Joh 14:2-3). Wer hier noch gebraucht wird, darf bleiben – wer heimgerufen wird, empfängt das Beste (Phil 1:21-24).
Für mich gilt: Wenn der HERR mich hier haben möchte, will ich Ihm und meinen Mitmenschen von Herzen und mit Freuden dienen. Und wenn er mich zu sich nimmt – umso besser!
„Denn Christus ist mein Leben, und Sterben ist mein Gewinn." (Phil 1:21)
HERR Zebaoth, du bist allein Gott über alle Königreiche auf Erden, du hast Himmel und Erde gemacht.
Alles ist durch ihn geworden, und ohne ihn ist auch nicht eines geworden, das geworden ist.
Der jüdische König Hiskia zählt zu den herausragendsten Königen Israels – und das trotz seiner äußerst schwierigen Kindheit. Sein Vater Ahas war ein schlimmer Götzendiener, der sogar eigene Söhne den fremden Göttern im Feuer opferte (2Kön 16:3). Was dies für Hiskia als Kind bedeutet haben muss, ist kaum vorstellbar. Es muss eine schreckliche Erfahrung gewesen sein.
Doch Hiskia entschied sich, ganz dem allmächtigen Gott Israels zu vertrauen und ihm allein zu dienen (2Kön 18:5-6). Allerdings wurde sein Glaube mehrfach auf die Probe gestellt – so auch im Kontext des heutigen Losungsverses. Hiskia erhielt ein Schreiben vom mächtigen assyrischen König Sanherib, in dem dieser sich über Hiskias Glauben lustig machte und ihn als nutzlos bezeichnete. Da lesen wir u.a.:
"Dein Gott täusche dich nicht, auf den du vertraust, indem du sagst: Jerusalem wird nicht in die Hand des Königs von Assur gegeben werden! Siehe, du hast gehört, was die Könige von Assur mit allen Ländern getan haben, indem sie an ihnen den Bann vollstreckten. Und [du] solltest gerettet werden? Haben die Götter der Nationen, die meine Väter vernichtet haben, sie gerettet …?" (Jes 37:10-12)
Das assyrische Heer mit seinen 185.000 Mann vor den Toren Jerusalems bot einen furchterregenden Anblick (2Kön 19:35). Nach der Eroberung fast aller umliegenden Länder schien es aus menschlicher Perspektive unmöglich, dem bevorstehenden Untergang zu entrinnen.
Doch Hiskia war ein Mann des Glaubens. Er nahm den Brief, ging hinauf ins Haus des HERRN, breitete ihn vor dem HERRN aus und betete (Jes 37:14-15):
"HERR der Heerscharen, Gott Israels, der du über den Cherubim thronst, du bist es, der da Gott ist, du allein, für alle Königreiche der Erde. Du hast den Himmel und die Erde gemacht." (Jes 37:16)
Mit den Augen seines Herzens schaute Hiskia auf den, der über allen Engeln thront und Himmel und Erde erschaffen hat (Ps 103:19-22). Er erkannte, dass die Entscheidung über Jerusalems Schicksal allein in Gottes Händen lag. Vertrauensvoll bat er den allmächtigen Schöpfer um Rettung – und ein Wunder geschah: In einer einzigen Nacht vernichtete ein Engel des HERRN das gesamte assyrische Heer, ohne dass Hiskias Krieger auch nur kämpfen mussten (2.Kön 19:35 / Jes 37:36).
Hiskia wusste, wer der höchste Gott ist und wer am Anfang alles ins Dasein rief (1Mo 1:1). Dies zeigt uns: Das Wissen, dass Gott Himmel und Erde erschuf, spielt auch im Alltag eine entscheidende Rolle!
Wer den Anfang nicht kennt, erkennt auch das Ende nicht. Und wer nicht weiß, woher wir kommen, kann auch nicht erfassen, wohin wir gehen. Ohne das Wissen um den Anfang fehlt uns das Fundament, die Orientierung und die begründete Hoffnung auf ein wunderbares Ziel (Röm 8:28).
Am Anfang stand das alles erschaffende Wort, der „Logos", der allen Lebewesen die entsprechende DNA-Information verlieh. Sowohl für Mose (1.Mo 1) als auch für Johannes (Joh 1:1-14) und Paulus (Kol 1:16) war eindeutig: „Alles Sichtbare und Materielle entstand durch den unsichtbaren Gott, der Geist, Leben und Licht ist."
Aus Neugier bat ich die Künstliche Intelligenz zu berechnen, wie wahrscheinlich eine zufällige Entstehung der menschlichen DNA-Information ist. Die Antwort lautete schlicht: "Praktisch Null!" Bis heute können Wissenschaftler nicht schlüssig erklären, wie die ersten genetischen Informationen – etwa die ersten RNA-Stränge – überhaupt entstanden sind. Sie können lediglich Hypothesen aufstellen, aber keine beweisbare Entstehungsgeschichte liefern. Bemerkenswert ist auch, dass etliche Quantenphysiker heute davon ausgehen, dass Materie ohne geistige Information aus dem "Hyperraum" gar nicht existieren könnte (John Archibald Wheeler, Max Planck, David Bohm u.a.).
Damit bestätigen sie unbeabsichtigt, was die Bibel seit jeher lehrt: "Im Anfang war das Wort und durch das Wort wurde alles, das geworden ist!" (Joh 1:1-3)
Ich schließe mit einem Zitat des Nobelpreisträgers und Physikers Werner Heisenberg:
„Der erste Schluck aus dem Becher der Naturwissenschaft macht atheistisch, aber auf dem Grund des Bechers wartet Gott."
Du wirst sein eine schöne Krone in der Hand des HERRN und ein königlicher Reif in der Hand deines Gottes.
Jesus sprach: Wenn du eingeladen bist, so geh hin und setz dich untenan, damit, wenn der kommt, der dich eingeladen hat, er zu dir sagt: Freund, rücke hinauf! Dann wirst du Ehre haben vor allen, die mit dir zu Tisch sitzen.
Ehre und Wertschätzung zu bekommen tut uns bis ins tiefste Herz hinein gut und macht uns glücklich. Ehre bei Menschen zu suchen ist gefährlich und führt uns zu falschem Denken, Reden und Handeln. Stattdessen sollen wir die Ehre bei Gott suchen, der uns liebt und dessen Ehre zählt.
Jesaja 62:3 spricht davon, dass Zion, die Stadt Davids, also Jerusalem, in zukünftiger Zeit ein Schmuckstück erster Güte sein wird (Offb 21:2). Jerusalem wird dann eine Ehre sein für den wahren König Jesus Christus (Mt 5:35) und den lebendigen Gott und von Gott geehrt werden (Ps 132:13-14).
Das ist ein großes Wunder, denn nach einer Blütezeit in den Jahren 1000 v.Chr. bis 930 v.Chr. unter den großen Königen David und Salomo ging es mit Jerusalem bergab. Bereits unter Salomo kamen Götzendienst und Unglaube in Israel auf (1Kön 11:4-8), die sich in den folgenden Jahrzehnten und Jahrhunderten mehr und mehr ausbreiteten und verfestigten. Das Volk Gottes wurde gottlos (Jes 1:4). Jerusalem verlor seinen Glanz und seine Pracht. Schließlich wurde unter dem babylonischen König Nebukadnezar Jerusalem erobert und zerstört (2Kön 25:8-10). Die Israeliten wurden in die Gefangenschaft geführt (2Chr 36:17-21). Welch eine Tragik, welch eine große Not! Andererseits aber ist dieses Geschehen uns zur Warnung gegeben, dass wir mit ganzem Ernst aus der Gnade unseres Herrn Jesus Christus leben und mit Blick auf Ihn unseren Weg gehen – in Glauben, Hoffnung und Liebe (vgl. 1Kor 10:1-12).
Israel durfte aus der Gefangenschaft zurückkehren und den Tempel und Jerusalem wieder aufbauen (Esra 1:1-4 / Neh 2:17-18). Die weitere Geschichte Jerusalems bis zu den Erdentagen Jesu, bis zur Zerstörung durch die Römer in den Jahren 70 und 135, bis zur Staatsgründung Israels am 14. Mai 1948 und bis heute lässt sich nicht mit wenigen Zeilen in einer kurzen Andacht erzählen. Bis heute geht der Staat Israel mit seiner Hauptstadt Jerusalem einen Weg der Niedrigkeit (Sach 12:2-3), aber leider auch weitgehend einen Weg ohne seinen Gott und seinen Messias Jesus (Röm 11:25-27).
Das wird sich ändern. Der lebendige Gott hat Rettung und Herrlichkeit für Sein Volk Israel und Zion als Ziel. Jesaja 62:3 schaut nach vorn auf die kommende Herrlichkeit Zions, wenn der wahre, große König David, der Sohn Davids (vgl. Röm 1:3-4), der Messias Jesus wiederkommt (Offb 19:11-16 / Sach 14:4). Dann wird Zion, die Stadt Davids, eine schöne Krone in der Hand des Herrn und ein königlicher Reif in der Hand deines Gottes sein, voller Schönheit und zur Freude und zur Ehre Gottes. Bereits in Kapitel 2 darf Jesaja diese herrliche Zeit schauen .
"Und es wird geschehen am Ende der Tage, da wird der Berg des Hauses des HERRN fest stehen als Haupt der Berge und erhaben sein über die Hügel; und alle Nationen werden zu ihm strömen. Und viele Völker werden hingehen und sagen: Kommt, lasst uns hinaufziehen zum Berg des HERRN, zum Haus des Gottes Jakobs, dass er uns aufgrund seiner Wege belehre und wir auf seinen Pfaden gehen! Denn von Zion wird Weisung ausgehen und das Wort des HERRN von Jerusalem." (Jes 2:2-3)
Für Jerusalem geht der Weg durch Niedrigkeit zur Ehre. Und das ist auch der Weg, den Jesus für Seine glaubende Gemeinde vorgesehen hat – der Weg durch Niedrigkeit und Demut zu Herrlichkeit und Ehre. Und das ist auch der Weg, den Jesus auf dieser Erde selbst gegangen und uns vorangegangen ist (Joh 15:18-21 / Phil 2:5-11 / 1Petr 5:6).
Das Wort Jesu im Lehrtext, in Lukas 14:10, warnt uns ernstlich davor, uns selbst zu überschätzen und uns Ehre zu nehmen, die uns gar nicht zusteht (Spr 25:6-7 / Mt 23:12). Die Ehre Gottes zu suchen und die Ehre bei Gott zu suchen ist im Tiefsten der Weg der Freiheit und der Freude – der Weg zum Ziel (Joh 5:44 / 1Petr 5:5-6).
Wen der HERR liebt, den weist er zurecht, und hat doch Wohlgefallen an ihm wie ein Vater am Sohn.
Der Vater sprach zum älteren Sohn: Feiern muss man jetzt und sich freuen, denn dieser dein Bruder war tot und ist lebendig geworden, war verloren und ist gefunden worden.
Wer wissen will, ob er weise ist oder sich zumindest auf dem Weg zur Weisheit befindet, sollte sich zwei Fragen stellen:
Habe ich Ehrfurcht vor Gott, indem ich seinen Worten mehr Beachtung schenke als allen anderen Ratschlägen (Ps 111:10)?
Schätze ich Zurechtweisung und Ermahnung, obwohl sie manchmal unangenehm sind (Spr 12:1)?
Wer diese Fragen mit „Ja" beantworten kann, ist auf dem besten Weg, weise zu werden. Wer hingegen die Anweisungen Gottes missachtet und Ermahnungen hasst, verläuft sich leicht in den Irrwegen von Selbstgefälligkeit und Unvernunft (Spr 1:7).
Normalerweise mögen wir keine Zurechtweisungen, weil sie unsere Pläne durchkreuzen könnten oder weil wir eine Ermahnung oft als Angriff auf unsere Person empfinden. Dadurch fühlen wir uns entwertet – und das schmerzt – besonders wenn wir Verachtung von Seiten des Kritikers wahrnehmen. Dabei ist jede berechtigte Ermahnung eine Kostbarkeit, die uns weiterbringt (Hebr 12:11).
Ein Trainer zeigt seinem Spitzensportler stets, was er verbessern kann und worauf er achten sollte. Warum folgt der Athlet diesen Anweisungen? Weil er erfolgreicher werden möchte und letztlich auf einen großen Sieg hofft (1Kor 9:25).
Warum hören wir problemlos einem ‚fehlerhaften' Trainer zu, während wir die Ermahnungen des vollkommenen und allmächtigen Gottes lieber verdrängen?
Vielleicht liegt es daran, dass wir meinen, selbst am besten zu wissen, wie wir unser Leben gestalten müssen, um glücklich zu sein. Gottes Anweisungen erscheinen uns dagegen leicht als Einschränkung unserer Lebensqualität.
Doch ist es beim Spitzensportler nicht ähnlich? Auch er nimmt hartes Konditionstraining auf sich – alles andere als angenehm – allein, weil er erfolgreich sein möchte (1Tim 4:8).
Der himmlische Vater erzieht uns zu "volljährigen Söhnen" – ein unfassbares Vorrecht. Seine Erziehungsmaßnahmen sind nichts anderes als ein Ausdruck seiner Liebe (Hebr 12:5-6).
Im Gleichnis vom verlorenen Sohn zeigt sich die bedingungslose Liebe eines Vaters zu seinen beiden Söhnen. Der jüngere wollte sich vom Vaterhaus lösen und das Leben genießen. Das anfängliche "Glück" verwandelte sich jedoch schnell in bittere Not. Er musste schmerzhaft erfahren, dass Freiheit ohne den Vater letztlich zu Einsamkeit und Verzweiflung führt. Als er reumütig zurückkehrte, empfing ihn der Vater mit offenen Armen - ohne Vorwürfe, dafür mit einem Fest (Lk 15:11-24).
Im heutigen Lehrtext aus Lukas 15:32 ermahnt der Vater ausgerechnet den älteren, scheinbar vorbildlichen Sohn. Er erklärt ihm liebevoll, warum die Rückkehr des jüngeren Bruders ein Grund zur Freude ist, und lädt ihn ein, die Freude des Vaters zu teilen. Dies zeigt uns ein wunderbares Beispiel für eine "liebevolle Ermahnung" (Lk 15:31-32).
Vorbildliche Menschen definieren ihre Identität manchmal über ihr "Besser-sein-als-andere", statt über die Tatsache, dass sie durch Gottes Gnade Kinder des himmlischen Vaters sein dürfen. Dabei ist die Kindschaft Gottes unendlich wertvoller als jeder Vergleich mit anderen! Ohne Demut können wir jedoch den Stolz des Vergleichens nicht loslassen und folglich auch unsere wahre Identität als Gotteskinder nicht vollständig annehmen (Röm 8:15-16 / Phil 2:3).
Das Gleichnis lässt offen, wie lange der ältere Sohn brauchte, um sein Überlegenheitsgefühl gegenüber dem Bruder abzulegen und sich darüber zu freuen, dass er seinen Bruder zurückgewonnen hat und seinen Vater wieder glücklich sieht (Röm 12:15).
Bin ich bereit, Gottes liebevolle Ermahnung als Geschenk anzunehmen – und freue ich mich, wenn andere seine Gnade erfahren, auch wenn sie meinen Stolz herausfordert (Jak 4:6 / 1Petr 5:5)?
Der HERR behütet dich; der HERR ist dein Schatten über deiner rechten Hand, dass dich des Tages die Sonne nicht steche noch der Mond des Nachts.
Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus!
Als wir mit unseren Kindern noch in einem älteren Einfamilienhaus wohnten, hatten wir im Erdgeschoss eine große Werkstatt mit einer älteren Bandsäge. Diese stammte noch aus einer ehemaligen Schreinerei. Wir nutzten sie regelmäßig zum Zuschneiden von Holzstücken. Je kleiner das Holzstück, desto näher kam meine Hand dem Sägeblatt – immer mit Respekt und Vorsicht. Einmal wollte ich das Holz zu stark drehen, wodurch sich das rotierende Sägeblatt von beiden Rädern löste. Glücklicherweise blieb meine rechte Hand dabei unverletzt. Der HERR wachte wie ein Schatten über meiner rechten Hand.
Die Beschreibung des HERRN als „Schatten über der rechten Hand" wird auch als Metapher für Gottes Schutz bei jeglicher Form von Aktivität verstanden (Ps 91:1). So wie ich diese Bewahrung ganz praktisch erleben durfte, kannten auch die Pilger die Erfahrung, dass sie unterwegs gefährdet waren.
Psalm 121 ist der zweite der fünfzehn Wallfahrtspsalmen. Die Psalmen 120-134 werden auch als „Stufenlieder" bezeichnet und wurden von Pilgern auf dem Weg nach Jerusalem oder beim Aufstieg zum Tempel gesungen. Die Reise war oft beschwerlich und gefährlich. Tagsüber brannte die Sonne unbarmherzig, während die Pilger nachts unter der Kälte litten. Eine zu lange Sonnenexposition konnte zu einem „Sonnenstich" führen, und bei manchen Menschen verursachte der Vollmond schlaflose Nächte.
Das Singen des 121. Psalms war nicht nur eine wohltuende Gewohnheit zur Ermutigung der Seele, sondern erinnerte die Pilger auch daran, dass sie unter Gottes Schutz wandelten (Ps 32:7). Diese Erinnerung spendete ihnen Freude und Kraft auf ihrer beschwerlichen Reise.
Die Aussage aus Psalm 121:6 steht in deutlichem Kontrast zum Glauben heidnischer Völker: Diese verehrten Sonne und Mond als Gottheiten. Hinter diesen "Göttern" verbergen sich tatsächlich geistliche Mächte, die Menschen in Abhängigkeit halten. Das Vertrauen auf den allmächtigen Gott bewahrt uns davor, von diesen Mächten "gestochen" zu werden.
Das Ziel einer Pilgerreise war letztlich eine Begegnung mit Gott. Pilger, die nach Jerusalem kamen, suchten dort Reinigung und Erneuerung (Ps 84:5-8). Der Tempel stand als zentraler Ort der Sühne und Vergebung. Ein wesentlicher Aspekt dabei war die Versöhnung (Hebr 9:22).
So wie die Pilger durch Gottes Schutz sicher ihr Ziel erreichten, so führt Gottes Gnade auch uns zur Versöhnung – mit ihm und untereinander (2Kor 5:18-19). Der Philemonbrief handelt unter anderem von der Versöhnung zweier Brüder. Onesimus war ein Sklave Philemons, der vermutlich nach Freiheit strebte und deshalb floh. Dies war in der damaligen Zeit äußerst gefährlich, da entlaufene Sklaven oft hart bestraft wurden. Während seiner Flucht begegnete er Paulus und fand durch ihn zum Glauben an Jesus Christus (Phim 1:10). Nach einiger Zeit sandte Paulus ihn – mit dem "Philemonbrief" ausgestattet – zu seinem Herrn zurück, um eine Versöhnung zwischen den beiden zu ermöglichen.
Die Gnade Gottes und Sein Friede, der alles Verstehen übertrifft, bilden eine wunderbare Grundlage für jede Versöhnung – sowohl mit Gott als auch miteinander (Phil 4:7). Wer Gottes Gnade erkennt und Seinen tiefen Frieden erfährt, entwickelt eine völlig neue Denkweise – ein Bewusstsein, das unsere Gedanken und Herzen beschützt.
Ich schließe mit dem letzten Vers aus Psalm 121:
"Der HERR wird deinen Ausgang und deinen Eingang behüten von nun an bis in Ewigkeit."
In dieser Zusage dürfen wir heute gehen – behütet, begleitet und getragen von seiner Gnade.
Wenn du auf die Stimme des HERRN, deines Gottes, hörst: Gesegnet bist du in der Stadt, und gesegnet bist du auf dem Feld.
Ihr bittet und empfangt's nicht, weil ihr in übler Absicht bittet, nämlich damit ihr's für eure Gelüste vergeuden könnt.
Eine Mutter wäscht das Geschirr ab und bittet ihren achtjährigen Sohn, ihr beim Abtrocknen zu helfen. Dieser verweigert die Hilfe. Daraufhin fragt sie ihre vierjährige Tochter, die freudig zustimmt. Die Mutter freut sich darüber, obwohl die Arbeit nun länger dauert, als wenn sie es allein erledigen würde. Warum? Die gemeinsame Tätigkeit stärkt nicht nur ihre Beziehung, sondern bietet der Tochter auch eine Lernmöglichkeit.
Nach dem Abwasch kommt der Sohn und bittet um ein Eis. Er erwartet selbstverständlich, dass die Mutter seinen Wunsch erfüllt, obwohl er zuvor kein Gehör für ihr Anliegen hatte. Ist es pädagogisch sinnvoll, auf seine Bitte einzugehen, wenn er weder zuhören noch gehorchen will? (Eph 6:1-3)
So ähnlich verhält es sich mit unserem himmlischen Vater: Auch er freut sich mehr über unser Hören und unsere Bereitschaft, ihm zu dienen, als über perfekte Ergebnisse (1Sam 15:22). Dieses Beispiel veranschaulicht, welche Ziele der HERR verfolgt, wenn Er uns auffordert, Ihm zuzuhören und zu gehorchen. Viele Menschen, die die Bibel lesen, fühlen sich durch Gottes Anforderungen überfordert. Sie merken, dass sie den Maßstab Gottes nie aus eigener Kraft erreichen können, was dazu führt, dass sie nicht mehr hören wollen, was Gott ihnen sagen möchte (Röm 3:23).
Sie haben tatsächlich recht mit ihrer Einschätzung, dass sie das Geforderte aus eigener Kraft niemals erreichen können. Ähnlich wie die Vierjährige das Geschirr noch nicht perfekt abtrocknen und einräumen kann, sind auch wir mit Gottes Anforderungen überfordert. Dennoch tun wir – wie das kleine Mädchen – gut daran, auf den himmlischen Vater zu hören und ihm zu gehorchen, unabhängig davon, wie "perfekt" es uns gelingt (Ps 119:105). Dem himmlischen Vater geht es vor allem um die Beziehung zu uns und darum, dass wir in Lernprozesse kommen, durch die wir seine Liebe und Gnade immer tiefer erkennen dürfen (Joh 17:3).
"Hören" und "Gehorchen" sind im Hebräischen dasselbe Wort: "schama". Das Hören auf Gottes Anweisungen – beziehungsweise der Gehorsam Gott gegenüber – hatte im Alten Testament einen großen irdischen Segen zur Folge (5Mo 28:1-14). Hören und Gehorchen bleiben auch im Neuen Testament wichtig, doch spätestens seit der Apostelgeschichte erkennen wir: Es geht nicht vorrangig um einen irdischen Segen, sondern um einen noch viel größeren und höheren Segen. Paulus, der selbst wiederholt unter Mangel litt, schreibt dazu in Epheser 1:3 Folgendes:
"Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns gesegnet hat mit allem geistlichen Segen im Himmel durch Christus."
Dieser unübertreffliche Segen – der uns aus lauter Gnade geschenkt wurde – schließt das Hören und Gehorchen nicht aus – im Gegenteil: Wer vom himmlischen Vater so überaus reich beschenkt ist, möchte aus Liebe zu Ihm umso mehr auf Ihn hören und Ihm gehorchen, selbst wenn es manchmal nicht so gut gelingt, wie erhofft (Joh 14:15 / 1Jo 4:19).
Jakobus stellt traurigerweise fest, dass einige in den Gemeinden Gott lediglich um Dinge baten, die ihnen ein möglichst genussvolles Leben ermöglichen sollten. Statt den HERRN darum zu bitten, sie mit der Erkenntnis Seines Willens zu erfüllen (Kol 1:9), um das tun zu können, was den HERRN ehrt und für andere ein Segen sein kann, dachten sie nur an ihr eigenes Vergnügen. Das Motiv ihrer Gebete gefiel Gott nicht, und darum blieben ihre Gebete wirkungslos.
Darum lasst uns nicht um Dinge bitten, die nur unserem Vergnügen dienen, sondern Gott darum bitten, dass er uns lehrt, auf seine Stimme zu hören (1Sam 3:10). Wer im Vertrauen auf seine Liebe lebt, erfährt den wahren Segen: die tiefe Freude, ihm zu gehorchen (Ps 19:8-12).
Wir, dein Volk, die Schafe deiner Weide, danken dir ewiglich und verkünden deinen Ruhm für und für.
Jesus spricht: Ich bin der gute Hirte und kenne die Meinen und die Meinen kennen mich.
Asaph klagt in Psalm 79 darüber, dass heidnische Völker in das Land Israel eingefallen sind und Jerusalem samt Tempel zerstört haben. Die Heimat der Juden lag in Trümmern, und viele Menschen sind umgekommen. Psalm 79 wird zwar nicht ausdrücklich als Klagelied bezeichnet, enthält aber alle klassischen Elemente eines solchen. Mit eindrücklichen Worten beschreibt der Psalmdichter das große Leid Jerusalems. Gott ließ zu, dass Nationen, die ihn nicht kannten, sein auserwähltes Land mit großer Grausamkeit verwüsten konnten (Ps 79:1-4).
In diesem Klagelied wendet sich Asaph an Gott und schüttet ihm sein Herz aus. Er beschreibt die ganze Not und bringt auch seine Rachegefühle zum Ausdruck (V. 10). Das Neue Testament ermahnt uns, keine Rache zu üben, sondern sie Gott zu überlassen (Röm 12:19). Auch im Alten Testament ist keine Stelle bekannt, in der ein Betender Gott um die Erlaubnis bittet, sich selbst rächen zu dürfen. Fast immer wird Gott selbst um Vergeltung gebeten, da nur seine Rache gerecht sein kann (5Mo 32:35).
Ab Vers 8 wendet sich Asaph den Anliegen zu, die Gottes Herz besonders berühren: Seine Barmherzigkeit, die Ehre seines Namens und seine Bereitschaft, um seines Namens willen zu vergeben und zu retten. Asaph spricht diese Punkte an, weil er Gott gut kennt und darauf vertraut, dass Er sein Gebet erhören wird – zwar vielleicht nicht zum erhofften, aber zum richtigen Zeitpunkt (Ps 79:8-9).
Wie würdest du dich an Gott wenden, wenn du einen schweren Schicksalsschlag erlitten hast? Welche Worte würdest du wählen?
Der Losungsvers erinnert Gott daran, dass Israel "die Schafe seiner Weide" sind. Damit macht Asaph deutlich: "Du kannst doch unmöglich deine Herde vergessen und sie verloren gehen lassen!" Er appelliert an Gottes Treue und verleiht so seiner Bitte besonderen Nachdruck (Ps 23:1 / Hes 34:11-16).
Der zweite Teil des Losungsverses lautet: "Wir … danken dir ewiglich und verkünden deinen Ruhm für und für." Diese Worte können sowohl als Versprechen als auch als Feststellung verstanden werden. Ich denke: beides ist zutreffend! Viele aus dem auserwählten Volk haben dem HERRN bereits gedankt und seinen Ruhm verkündigt. Und wenn Gott rettend eingreift, werden noch mehr Menschen dies tun und ihrem Gott ewig dankbar sein (Ps 107:1-3)!
So wie Israel in seiner Not Gott als Hirten anrief, so dürfen auch wir uns heute an Jesus, den guten Hirten, wenden. Die Treue des HERRN als guter Hirte zeigt sich besonders darin, dass er selbst als Mensch zu uns kam. Er nahm sich nicht nur seines Volkes an, sondern aller Menschen, indem er die Sünde der ganzen Welt auf sich lud und dadurch die Grundlage für eine umfassende Heilung schuf (Joh 1:29 / 1Jo 2:2).
Ich kenne keine Person in der gesamten Menschheitsgeschichte, die sich so sehr als guter Hirte für die Menschen qualifiziert hat wie Jesus Christus! Er vereint scheinbare Gegensätze: sanft und demütig, doch zugleich führungsstark (Mt 11:29). Voller Gnade und dennoch vollkommen wahrhaftig (Joh 1:14). Gerecht zu allen und gleichzeitig barmherzig gegenüber verlorenen Sündern (Röm 3:26). Er fordert Gerechtigkeit und erfüllt sie zugleich selbst. Jedem Sünder, der seine Schuld bekennt, schenkt er vollständige Vergebung (1Jo 1:9). Jesus versorgt uns mit allem, was wir brauchen, und führt uns zum besten aller Ziele: ins himmlische Vaterhaus (Joh 14:2-3)!
Darum will auch ich mich ihm anvertrauen – denn es gibt wirklich keinen besseren Hirten (Ps 23).
Ist's nicht so: Wenn du fromm bist, so kannst du frei den Blick erheben. Bist du aber nicht fromm, so lauert die Sünde vor der Tür, und nach dir hat sie Verlangen; du aber herrsche über sie.
Als Judas, der Jesus verraten hatte, sah, dass er zum Tode verurteilt war, reute es ihn, und er brachte die dreißig Silberlinge den Hohenpriestern und Ältesten zurück und sprach: Ich habe gesündigt, unschuldiges Blut habe ich verraten.
Wenn meine Kinder etwas taten, von dem sie wussten, dass es mich freuen würde, kamen sie mit strahlendem Gesicht zu mir. Voller Erwartung standen sie vor mir und hofften auf Lob oder sogar eine Belohnung.
Ganz anders war es, wenn sie etwas angestellt hatten. Hatten sie etwa einem Geschwisterkind etwas weggenommen und es kam zum Streit, versuchte sich der „Übeltäter" zu verstecken. Musste er sich schließlich doch stellen, tat er es mit schlechtem Gewissen und gesenktem Blick.
Ähnlich wird es uns ergehen, wenn wir eines Tages vor dem Richter aller Menschen stehen (Röm 14:10 / 2Kor 5:10). Wer aus Liebe zu Gott und den Mitmenschen gelebt hat, darf seinen Blick frei erheben und voller Hoffnung auf Gottes Verheißungen warten. Wer sich aber von Egoismus und Sünde beherrschen ließ, wird mit gesenktem Blick vor Gottes Angesicht treten und sein Urteil fürchten müssen.
Das Opfer, das Kain Gott darbrachte, wurde von ihm nicht angenommen (1Mo 4:3-5). Der unmittelbare Kontext erklärt nicht warum, doch im Licht der gesamten Bibel lassen sich zwei Gründe erkennen:
Kain opferte Gott „minderwertige Ware", während er das Beste für sich behielt (Mal 1:8).
Oder er brachte sein Opfer widerwillig und nur aus Pflichtgefühl – nicht aus Liebe (2Kor 9:7).
Kains Herz war nicht von Dankbarkeit erfüllt, sondern von Selbstsucht beherrscht. Paulus schreibt im Römerbrief, dass alle Menschen von Natur aus Sklaven der Sünde sind (Röm 6:17-18). Doch durch Christus sind wir befreit und können nun lernen, über die Sünde zu herrschen – indem wir Gott in Liebe und Dankbarkeit dienen.
Auch Judas Iskariot ließ sich von der Sünde bestimmen. Johannes 12:6 beschreibt ihn als Dieb, der die gemeinsame Kasse verwaltete und Gelder beiseiteschaffte. Seine Geldliebe band sein Herz an das Materielle statt an das Göttliche (1Tim 6:10). Das Weltliche und Sichtbare erhält dann die höchste Priorität.
Als er Jesus für dreißig Silberstücke verriet – den damaligen Preis eines Sklaven (2Mo 21:32) – spielte diese Gier eine entscheidende Rolle. Wahrscheinlich war es aber nicht sein einziges Motiv. Wie viele andere erwartete er, dass Jesus seine Macht offenbaren und Israel von der römischen Herrschaft befreien würde. Vielleicht hoffte Judas, durch seinen Verrat Jesus geradezu „zwingen" zu können, seine Macht zu zeigen. Damit wollte er ihm seine eigenen Ziele aufzwingen.
Doch wer Jesus für die Erfüllung eigener Wünsche benutzt, verkehrt die göttliche Ordnung: der Mensch setzt sich über den Herrn, statt sich ihm zu unterstellen (Jes 55:8-9).
Als Judas schließlich erkannte, dass sein Plan gescheitert war und Jesus sich widerstandslos gefangen nehmen ließ, brach seine Welt zusammen. Er bekannte: „Ich habe gesündigt, unschuldiges Blut habe ich verraten." Dieses Zeugnis ist bemerkenswert, denn er hatte drei Jahre mit Jesus gelebt und wusste, dass Jesus ohne Schuld war (1Petr 2:22). Bei Judas ist Reue erkennbar, während es den religiösen Führern völlig gleichgültig war, dass ein Unschuldiger verurteilt wurde.
So tragisch Judas' Ende war: all dies geschah im Rahmen von Gottes Heilsplan, wie Jesaja 53 bezeugt. Durch Jesu Leiden und Sterben wurden wir von der Macht der Sünde befreit und mit seiner Gerechtigkeit beschenkt (2Kor 5:21).
Nur auf dieser Grundlage können wir über die Sünde herrschen und ein Leben aus Liebe führen (Röm 6:14 / Gal 5:13).
Ich will dich loben mein Leben lang und meine Hände in deinem Namen aufheben.
Das ganze Volk sah den Geheilten umhergehen und Gott loben.
Wüstensituation – wieder einmal! Die Sonne brennt und David, der künftige König Israels, muss mit seinen 600 treuen Gefolgsleuten vor dem Noch-König Saul in die Wüste fliehen (1Sam 23:14). David und seine Männer wissen nur zu gut, was es heißt, in dieser lebensfeindlichen Umgebung unter der Hitze und in der Folge unter starkem Durst zu leiden. In dieser Lage tut David das einzig Richtige – er wendet sich an seinen Gott: „Gott, mein Gott bist du; nach dir suche ich." (Ps 63:2a) Aber das Hauptanliegen des David ist nicht, dass sein körperlicher Durst gestillt wird, sondern dass der Durst der Seele gestillt wird, die sich nach der Nähe und dem Beistand Gottes sehnt:
„Es dürstet nach dir meine Seele, nach dir schmachtet mein Fleisch in einem dürren und erschöpften Land ohne Wasser." (Ps 63:2b)
David ist sich seiner schwierigen Lage bewusst, aber er weiß aus vielfacher Erfahrung, dass Gott seine Gnade über ihm walten lassen wird (Ps 63:4), und so kann er sich im Vertrauen auf die Gnade und Treue Gottes mitten in dieser Wüstensituation zu einem ehrlichen Gotteslob durchringen:
„Ich will dich loben mein Leben lang und meine Hände in deinem Namen aufheben." (Ps 63:5)
Jedes Lob, was wir Gott bringen, ehrt ihn und erhöht seinen Namen (Ps 69:31). ER freut sich, wenn wir IHM aus vollem Herzen singen und mit ganzem Herzen preisen (Eph 5:19). Grund genug gibt es ja: ER hat uns errettet aus der Macht der Finsternis und lässt uns jetzt schon an der Herrlichkeit seines himmlischen Reiches teilhaben (Kol 1:13). ER versorgt uns täglich mit allem, was wir benötigen (Mt 6:25-33), beschenkt uns mit seiner Freude (Joh 15:11) und sendet sein Licht in unsere Dunkelheit (Ps 27:1). ER führt und leitet uns mit treuen Väterhänden, wenn wir uns seiner Führung überlassen (Ps 119:105). ER vergibt gerne und immer wieder, wenn wir ihm unsere Schuld bekennen (1Jo 1:7). Und ER erbarmt sich unser in Krankheitsnöten und heilt diese auf wunderbare Weise, wenn es seinem Willen entspricht – ich habe das selbst erlebt.
So hat manche Heilung, die Jesus in seinen Erdentagen vollbracht hat, zu großem Lob seinem himmlischen Vater gegenüber geführt (Mt 15:30-31 / Lk 19:37). Auch die Heilung eines lahm Geborenen durch Petrus hatte zur Folge, dass der Geheilte, der nun umherlaufen und sogar springen konnte (Apg 3:8), Gott aus vollem Herzen und mit tiefer Dankbarkeit lobte: „Das ganze Volk sah den Geheilten umhergehen und Gott loben." (Apg 3:9)
Es gibt aber eine weitaus größere Art, Gott die Ehre zu geben, nämlich wenn wir ihm unseren Dank opfern (Ps 50:14a,23) und ihn loben, obwohl die Situation, in der wir uns befinden, noch keine Verbesserung der notvollen Lage erkennen lässt. Paulus und Silas sind uns diesbezüglich ein wunderbares Vorbild (Apg 16:22-34): In Philippi wurden beide gedemütigt, mit Ruten geschlagen und in eine Gefängniszelle gesperrt. Da lagen sie nun in der Dunkelheit der Zelle – mit den Füßen in einem Block fixiert, mit schmerzendem Rücken und dem quälenden Gefühl, zu Unrecht misshandelt und gedemütigt worden zu sein. Paulus und Silas hätten vielfache Gründe gehabt, zu klagen und die Gnade und Treue Gottes zu hinterfragen. Aber stattdessen beteten sie um Mitternacht und weckten die anderen Gefangenen mit ihrem lauten Lobgesang zur Ehre Gottes. (Apg 16:25) Die Antwort Gottes ließ nicht lange auf sich warten: Die Grundfesten des Gefängnisses wurden erschüttert, die Türen öffneten sich und die Fesseln aller Gefangenen lösten sich. (Apg 16:26)
Lasst uns unseren himmlischen Vater in jeder Lebenslage loben, preisen und unseren Dank darbringen (Eph 5:20 / 1Thes 5:18). Es ehrt ihn und er freut sich darüber, und er wird auf wunderbare Weise darauf antworten. So hat es auch David in der Wüste erlebt, und er konnte voller Freude ausrufen: „Du bist mir zur Hilfe geworden, und im Schatten deiner Flügel kann ich jubeln." (Ps 63:8)
Der HERR sprach: Ich habe vergeben, wie du es erbeten hast.
Wenn ihr steht und betet, so vergebt, wenn ihr etwas gegen jemanden habt, damit auch euer Vater im Himmel euch vergebe eure Übertretungen.
Vergebung ist nicht nur ein zentrales Thema des Wortes Gottes, sondern wirkt sich auch fundamental auf unser Denken und somit auf unser gesamtes Leben aus (Kol 3:13). Jeder weiß vermutlich aus eigener Erfahrung, dass Vergeben manchmal schwerfällt – besonders dort, wo wir tief verletzt wurden. Meine eigenen Verletzungen halten sich – Gott sei Dank – in Grenzen. Wenn ich jedoch an das Schicksal einer Frau denke, die von ihrem Stiefvater jahrelang geschlagen, sexuell missbraucht und mit Verachtung erniedrigt wurde, kann ich erahnen, wie unglaublich schwierig Vergebung sein kann. Einige meinen womöglich, dass in solchen Fällen Vergebung gar nicht angebracht sei, da man dadurch die tief empfundene Wut nur unterdrücke. Diese unterdrückte Wut könnte dann weiter in einem gären und langfristig noch größeren Schaden anrichten. Bevor ich diese Problematik näher beleuchte, möchte ich einige grundlegende Aspekte zur Vergebung erwähnen.
Zu Lebzeiten sprach Jesus immer wieder Vergebung aus. So vergab er zum Beispiel einem Gelähmten seine Sünden, obwohl dieser sich wohl kaum persönlich an Jesus versündigt hatte (Mt 9:2). Die Schriftgelehrten ärgerten sich darüber, weil sie überzeugt waren, dass nur Gott selbst Sünden vergeben konnte. Warum? Weil jede Sünde eine Missachtung der Gebote Gottes darstellt und letztlich auch Gott "verletzt" (Ps 51:4).
Als David Ehebruch beging und Uria umbringen ließ, bekannte er später, dass er gegen Gott gesündigt hat, obwohl eigentlich Uria der Leidtragende war (Ps 51:6). Darum lagen die Schriftgelehrten mit ihrer Überzeugung grundsätzlich nicht falsch. Doch Jesus bewies, dass er über die göttliche Vollmacht der Sündenvergebung verfügte, indem er den Gelähmten heilte (Mt 9:6-7).
Jesus wurde als Schuldloser massiv verletzt: Man hat ihn verleumdet, verachtet, gekränkt, erniedrigt, misshandelt und zum Tod verurteilt (Jes 53:3-5). Er war verlassen und erlitt die größte Ungerechtigkeit aller Zeiten. Keine Sünde wiegt schwerer als die Kreuzigung des Gottessohnes! Die ganze Menschheit hat dazu beigetragen, dass Jesus gekreuzigt wurde. Nicht nur seine Zeitgenossen versündigten sich an ihm, sondern auch ich selbst, weil auch ich seine Gebote missachtet habe (Röm 3:23). Unter größten Schmerzen und inmitten extremer Verachtung rief Jesus:
"Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!" (Lk 23:34)
Wie war das möglich? Wie konnte Jesus angesichts solcher Ungerechtigkeit und unfassbarer Verletzung vergeben und um Vergebung bitten? Es gibt nur eine Antwort: "Weil seine Liebe vollkommen göttlich war – rein, bedingungslos und unbegrenzt!" (1Jo 4:8 / Joh 3:16)
Wenn uns jemand massiv verletzt, spüren wir neben dem großen Schmerz auch Wut und eine aufkommende Bitterkeit, die sich manchmal sogar zu Hass entwickelt (Hebr 12:15). Nach unserem Leiden möchten wir, dass derjenige, der uns verletzt hat, durch unser "Nicht-Vergeben" bestraft wird – zumindest indem er unsere Ablehnung und Verachtung zu spüren bekommt. Das Nicht-Vergeben wird so zu einer Form der Rache (Röm 12:19).
Zudem fühlen wir uns oft unaufrichtig oder heuchlerisch, wenn wir jemandem vergeben, während wir noch starke Wut und Bitterkeit gegen diese Person empfinden.
Im Gegensatz zu Jesus haben wir alle gesündigt. Wir tragen Schuld, und wenn Gott uns vergeben hat, sind auch wir gerufen, anderen zu vergeben (Mt 6:14-15). Die Wut, Bitterkeit und den Hass, die unsere Seele in den Abgrund ziehen, können wir nicht durch Verweigerung der Vergebung beseitigen. Solche Verweigerung ist nur eine Form der Rache, die uns selbst schadet. Wenn wir vergeben, selbst während wir noch Zorn empfinden, helfen wir unserer Seele, sich von Bitterkeit und Hass zu befreien. Vergebung ist der erste Schritt zur Heilung unserer Seele (Jak 5:16). Letztlich tun wir durch Vergebung uns selbst den größten Gefallen.
Vergebung bedeutet nicht zwangsläufig Straffreiheit. Bei Gott führt Vergebung nur dann zur Straffreiheit, wenn echte Buße und aufrichtige Umkehr erfolgt sind. Doch auch Straffreiheit schließt nicht aus, dass Gott weiterhin erzieherisch in unserem Leben wirkt.
Dennoch stehen wir manchmal vor tiefen Verletzungen, die unsere Kraft zu vergeben übersteigen. In solchen Momenten bleibt uns nur eines: Den Blick auf den Gekreuzigten zu richten, der uns aus bedingungsloser Liebe vergeben hat (Hebr 12:2). Wer diese Liebe wahrhaft erkennt und sich von ihr durchdringen lässt, wird mit der Zeit die Kraft finden, selbst dem schlimmsten Feind zu vergeben (Mt 5:44 / Röm 5:8).
Gottes Wahrheit ist Schirm und Schild.
Wer die Wahrheit tut, der kommt zu dem Licht, damit offenbar wird, dass seine Werke in Gott getan sind.
"Was ist Wahrheit?" Diese Frage wird immer wieder gestellt – und sie ist nicht neu. Pilatus stellte sie bereits vor 2.000 Jahren – ausgerechnet dem, der die Wahrheit in Person ist (Joh 18:38). Als römischer Präfekt war Pilatus umgeben von Machtspielen, Intrigen und Menschen, die ihm schmeichelten, um Vorteile zu erlangen. Wahre Aufrichtigkeit war in seiner Welt selten.
Die Frage des Pilatus zeigt indirekt seinen Zweifel an der Existenz einer „absoluten Wahrheit".
Dieser Zweifel ist bis heute lebendig – viele Menschen empfinden Wahrheit als subjektiv. Doch diese Haltung ist nur dann stimmig, wenn das Universum durch Zufall entstanden wäre. Gibt es jedoch einen Schöpfer von Himmel und Erde, einen Gott, der uns Menschen mit bestimmter Absicht erschuf, dann verkörpert er die absolute Wahrheit. Paulus bestätigt in Kol 1:16, dass in Jesus Christus alles erschaffen wurde – sowohl das Sichtbare als auch das Unsichtbare!
Jesus Christus war der Einzige, der von sich sagen konnte: "Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben" (Joh 14:6). Jeder andere Mensch, der solch eine Aussage treffen würde, müsste als "größenwahnsinniger Hochstapler" betrachtet werden.
In Psalm 91 wird der Allmächtige besonders als derjenige beschrieben, der uns umfassenden Schutz bietet. Die Lutherbibel beginnt diesen Psalm mit den Worten:
"Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzt und unter dem Schatten des Allmächtigen bleibt, der spricht zu dem HERRN: Meine Zuversicht und meine Burg, mein Gott, auf den ich hoffe." (Ps 91:1-2)
Im heutigen Losungstext wird Gottes Wahrheit als "Schirm und Schild" bezeichnet. In Ps 119:160 heißt es, dass die Summe seines Wortes die Wahrheit ist. Wer das Wort Gottes als Ganzes betend liest und studiert, erkennt die Wahrheit. Wie ein Schild den Krieger vor Pfeilen schützt, so hält Gottes Wahrheit die unsichtbaren Pfeile der Lüge von uns fern (Eph 6:16).
Das hebräische Wort für Wahrheit, "emeth", ist eng mit den Begriffen "Treue" und "Festigkeit" verwandt. Es stammt von der Wurzel "aman", was "fest", "beständig", "treu sein" und "glauben" bedeutet. Auch das bekannte Wort "Amen" (übersetzt: "wahrlich" oder "so sei es") leitet sich von "aman" ab.
Dies verdeutlicht: Wahrheit existiert nicht ohne Vertrauen und Treue. Wer untreu ist, handelt unwahr und kann folglich kein Vertrauen aufbauen. Menschen, die Lügen verbreiten, haben sich vom Bösen verführen lassen und meiden das wahrhaftige Licht (Joh 3:20). Wer hingegen in der Wahrheit lebt, sucht das Licht bereitwillig auf, da er nichts zu verbergen hat. Nur das göttliche Licht ermöglicht uns, die wahre Realität zu erkennen (Ps 36:10).
Der heutige Lehrtext beschreibt eine Lebensweise, die mit Gottes Wahrheit übereinstimmt. Diese Lebensweise ist geprägt von Treue, bedingungsloser Liebe und Vertrauen (1Jo 1:7). All dies wurzelt in einer tiefen Beziehung zu Gott. Durch diese Verbundenheit bewirkt Gott in uns Werke der Liebe und Treue, die später im Licht Gottes sichtbar werden. Deshalb betont Paulus in Eph 2:10:
"Denn wir sind sein Gebilde, in Christus Jesus geschaffen zu guten Werken, die Gott vorher bereitet hat, damit wir in ihnen wandeln sollen."
Was für ein Gnadengeschenk: Gott selbst rüstet uns aus, damit wir im Licht leben können (1Thes 5:5).
Darum: Lass heute Gottes Wahrheit dein Schild sein – und geh mutig ins Licht, wo seine Treue dich sicher umgibt (Ps 119:114).
Der HERR lebt! Gelobt sei mein Fels!
Jesus sprach zu ihnen: So steht's geschrieben, dass der Christus leiden wird und auferstehen von den Toten am dritten Tage.
Der hebräische Gottesname "Jahweh" bedeutet "Ich bin, der ich bin" und verweist auf die Selbstexistenz Gottes (2Mo 3:14). Dabei handelt es sich um das sogenannte Tetragramm "JHWH", das in vielen deutschen Bibelübersetzungen mit den Großbuchstaben "HERR" wiedergegeben wird.
Er ist der Einzige, der schon immer da war, der ist und immer sein wird (Offb 1:8). Er hat keinen Anfang und kein Ende. Der HERR ist das Leben in Person (Joh 14:6) und der Einzige, der nicht erschaffen werden musste. Als HERR über Raum und Zeit existiert er auch jenseits dieser Dimensionen (Ps 90:2). Er erschuf alle physikalischen Gesetze und kann sie jederzeit außer Kraft setzen (Hiob 38:33). Er ist der unerschütterliche geistliche Fels (1Kor 10:4), den niemand je besiegen konnte oder können wird. Selbst in seiner scheinbar größten körperlichen Ohnmacht am Kreuz hat er alle gottfeindlichen Mächte im gesamten Universum besiegt (Kol 2:15).
David erlebte seinen wunderbaren Gott als wahren "Alleskönner". Immer wieder geriet er in ausweglose Situationen, umzingelt von Feinden und verschiedenen Gefahren. Doch jedes Mal rettete ihn der HERR, weil David sein volles Vertrauen auf ihn setzte (Ps 56:4). In Psalm 18 drückte David seine tiefe Liebe zu Gott aus. Die Lutherbibel übersetzt Vers 2 wie folgt:
"Herzlich lieb habe ich dich, HERR, meine Stärke!"
Psalm 18 beschreibt eindrücklich die vielen Nöte, die David durchlitt. Diese Schilderungen spiegeln auch die Leiden Jesu Christi wider. Wie David in seinen Kämpfen, so stand auch Jesus vor der größten Herausforderung – und überwältigte sie durch Vertrauen in den Vater (Hebr 5:7-8). Aufgrund dieses unerschütterlichen Vertrauens wurde er aus den Toten auferweckt (Apg 2:24).
Die Frage nach der körperlichen Auferstehung Jesu ist von fundamentaler Bedeutung für unseren Glauben! Ohne die Auferstehung wäre das Christentum bedeutungslos, unsere Hoffnung vergeblich und unsere Verkündigung leer. Paulus schreibt:
"Wenn aber Christus nicht auferweckt ist, so ist euer Glaube nichtig, so seid ihr noch in euren Sünden. … Wenn wir allein in diesem Leben auf Christus gehofft haben, so sind wir die elendesten von allen Menschen." (1Kor 15:17,19)
Wenn Christus nicht auferstanden ist, dann leiden die zurzeit 380 Mio. verfolgten Christen weltweit vergeblich, weil auch sie keine Auferstehung erleben werden. Doch viele der verfolgten Christen haben die Gegenwart des Auferstandenen so intensiv erlebt, dass sie die feste Gewissheit haben: Jesus Christus ist auferstanden und lebt (Offb 1:18). Auch Paulus ist dem auferstandenen und erhöhten Jesus persönlich begegnet (Apg 9:3-6). Ohne diese Begegnung hätte sich der Christenverfolger Saulus von Tarsus niemals bekehrt!
Die Zeugnisse der Auferstehung Jesu im ersten Jahrhundert waren so umfassend und überzeugend, dass selbst die Gegner Jesu das Gegenteil nicht widerlegen konnten. Als die Soldaten den Hohepriestern und Ältesten von ihren Erlebnissen am Auferstehungsmorgen berichteten, erhielten diese den Beweis für Jesu Auferstehung (Mt 28:11-15). Doch statt die Wahrheit anzuerkennen, gaben sie den Soldaten Geld, damit diese behaupteten, der Leichnam Jesu sei gestohlen worden. Zu Lüge und Bestechung mussten sie greifen – und betrogen damit letztlich sich selbst.
Nicht nur zahlreiche Indizien sprechen für die Auferstehung Jesu, sondern auch die vielen Prophezeiungen des Alten Testaments, die sowohl die Leiden als auch den Tod und die Auferstehung des Messias vorausgesagt haben (Jes 53:10-11 / Ps 16:10). Dies machte Jesus seinen Jüngern klar, als er sich ihnen zeigte (Lk 24:44-46). Das Leben, Sterben und die Auferstehung Jesu ist das am besten dokumentierte Ereignis aus dem ersten Jahrhundert (z.B. „besser belegt als die Feldzüge Cäsars").
Darum haben wir allen Grund, weiterhin an Jesus Christus zu glauben und ihm wie David ganz zu vertrauen (Röm 10:9 / Hebr 11:6)!
Hinweise und Indizien, die für die Auferstehung Jesu Christi sprechen:
Wer des HERRN Namen anrufen wird, der soll errettet werden.
Jesus sprach: Seht zu, lasst euch nicht verführen. Denn viele werden kommen unter meinem Namen und sagen: Ich bin's, und: Die Zeit ist herbeigekommen. - Lauft ihnen nicht nach!
"Rufe mich an am Tag der Not; ich will dich erretten, und du wirst mich verherrlichen!" So lautet das bekannte Wort aus Ps 50:15. Dieses wunderbare Angebot Gottes gilt allen, die sich in Not befinden.
Wenn wir in schwierigen Lagen sind, suchen wir instinktiv nach einem Ausweg. Dabei wenden wir uns oft zuerst an "sichtbare Helfer" – Freunde, Ärzte oder andere Fachleute. Einen unsichtbaren Gott um Hilfe zu bitten, erscheint vielen zu vage oder ungewiss. Menschen bevorzugen Hilfe in konkreten, greifbaren Formen (Joh 20:25).
Dabei ist der Schöpfer der Welt der Einzige, für den keine Not zu groß ist. Er kann in jeder Situation helfen – auch wenn er es manchmal anders tut als erwartet (Jes 55:8-9).
Wir sollten für die sichtbaren Helfer sehr dankbar sein, denn Gott wirkt oft durch sie. Dennoch wünscht er sich, dass wir Christen in jeder Situation zuerst ihn anrufen und um Hilfe bitten. Dies schließt nicht aus, dass wir anschließend Freunde oder Ärzte konsultieren. Ist der HERR unsere erste Anlaufstelle, erleben wir oft überraschend gute Lösungen (Mt 6:33).
Nicht nur Psalm 50:15 spricht von einer Not, sondern auch Joel 2 und 3, wo schwere Gerichtszeiten beschrieben werden. Dort werden die Menschen zur Buße und Umkehr aufgerufen, um gerettet zu werden. Petrus zitiert in seiner Pfingstpredigt Joel 3:5 (in manchen Übersetzungen ist es Joel 2:32) und ermutigt seine Zuhörer, den Namen des HERRN anzurufen, um errettet zu werden (Apg 2:21). Die Errettung von Sünde und Tod ist dabei das Wichtigste! Wer den Namen des HERRN anruft und glaubt, dass er uns von der Sünde befreit hat, darf als Geretteter leben (Röm 10:13).
Diese Zusage Gottes gilt nicht nur in unseren persönlichen Nöten, sondern wird ihre volle Bedeutung auch in den letzten Tagen entfalten. Als Befreite warten wir auf die Wiederkunft des HERRN (Tit 2:13). Die Jünger Jesu wollten wissen, wann Jesus wiederkommen wird und welche Anzeichen dies ankündigen würden (Mt 24:3). Vor seiner Wiederkunft werden verschiedene Zeichen erscheinen. Neben Kriegen, Kriegsgerüchten, Erdbeben, Hungersnöten und Seuchen werden auch Zeichen auf der Erde und am Himmel sichtbar sein (Mt 24:6-8). Der Prophet Joel beschreibt Blut, Feuer und Rauchsäulen sowie eine Sonne, die sich in Finsternis verwandelt, und einen Mond, der zu Blut wird (Joel 3:3-4). Vielleicht deutet dies auf eine Zunahme von Blutvergießen, Großbränden und Vulkanausbrüchen hin, die bewirken, dass die Sonne verdunkelt und der Mond blutrot erscheint.
Diese Gerichtszeit bezeichnet Jesus in seiner Endzeitrede auch als "Geburtswehen" (Mt 24:8). Ein Teil dieser Geburtswehen findet vor dem großen Tag des HERRN statt. In dieser Zeit wird intensiv nach einem sichtbaren Helfer gesucht, was einen Nährboden für Verführer und falsche Christusse schafft (Mt 24:24). Einige treten auf – und sind bereits aufgetreten – die behaupten: "Ich, ich bin's!", was eine Anspielung auf 2Mo 3:14 ist, wo der HERR sich als "Ich bin, der ich bin!" vorgestellt hat. Weil viele nicht auf denjenigen warten wollen, der vom Himmel kommen wird, lassen sie sich von falschen Propheten und Christussen verführen, die ihnen Hilfe und Rettung versprechen und behaupten, dass die Zeit (des Friedensreiches Gottes) angebrochen sei (Lk 21:8). Jesus warnt uns: "Lauft ihnen nicht nach!"
Stattdessen sollten wir den Namen des HERRN anrufen und geduldig auf seine Wiederkunft vom Himmel warten (Jak 5:7-8)!
Der HERR segne dich und behüte dich.
Seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.
Wir richten unseren Blick auf das Segenswort aus Numeri. Doch zunächst: Was ist Segen? Wer segnet? Und wer wird gesegnet?
Segen bedeutet Lebensmehrung, Lebensentfaltung, Wachstum – geistlich wie leiblich – vom Fürsten des Lebens. Gott selbst ist der Geber und Spender des Segens. Er segnet durch Mittler wie Priester, die als „Arbeiter im Weinberg“ dienen. Für Gott wird hier im Hebräischen „Jahwe“ verwendet. Dieser Name wird für Gott benutzt, wenn es darum geht, dass Er mit Menschen in Beziehung tritt, insbesondere mit seinem Volk Israel. Gott ist ein Gott der Nähe. Er sehnt sich nach Begegnung – auch mit uns. Was für ein Geschenk!
Gesegnet wird vor allem das Volk Gottes alten und neuen Bundes – aber auch alle Menschen, die den Segen des Herrn suchen, können ihn empfangen. Das hebräische Wort für segnen („barak") bedeutet ursprünglich „knien". Wer sich vor Gott beugt, wird gesegnet. Im NT wird die Beziehung noch klarer, da das griechische Wort („eulogeo") aus „gut" („eu") und „sprechen" („logeo") zusammengesetzt ist. Wenn wir Gott preisen, dann sprechen wir Gutes über Ihn aus. Wenn Er Gutes über uns ausspricht, dann segnet Er uns. So einfach kann man ein Gesegneter des Herrn sein. Nicht gesegnet werden können hingegen jene, die Gottes Weg bewusst ablehnen, ihre Knie nicht beugen.
1. Kontext des Segens (V. 22)
„Und der HERR redete zu Mose und sprach …“
Der sogenannte Aaronitische Segen rundet inhaltlich das Thema der Weihe (besonders des Nasiräers) ab: Es ist, als ob Gott den Finger darauflegen wollte, dass der Weg der Hingabe für uns immer ein Weg des Segens ist – jetzt schon im persönlichen Leben, zukünftig vor allem im 1000-jährigen Reich für Israel. Der Segen wird sich prophetisch vollständig über Israel entfalten – sobald das Volk Christus erkennt und Ihm in Weihe und Treue folgt.
2. Das Priestertum als Kanal des Segens (V. 23)
„So sollt ihr die Kinder Israel segnen …“
Gott spricht den Segen nicht direkt, sondern beauftragt Priester – ein prophetischer Fingerzeig auf Christus als den wahren Hohenpriester, durch den aller Segen kommt (Hebr 4:14-16). Wie Aaron mit erhobenen Händen das Volk segnete (3Mo 9:22), so segnete auch Christus seine Jünger beim Abschied (Lk 24:50-51) – mit durchbohrten Händen. Jetzt ist Er unser Fürsprecher beim Vater und segnet uns „mit jedem geistlichen Segen in der Himmelswelt" (Eph 1:3).
3. Der Inhalt des Segens (V. 24–26)
Der Segen besteht aus drei Doppelaussagen:
a) Segen und Bewahrung (V. 24)
„Der HERR segne dich und behüte dich.“
Wahrer Segen kommt von Gott, der es gut mit uns meint. Sein Segen umfasst unser ganzes Leben: Beziehungen, Gesundheit, Arbeit, Hoffnung. Und er behütet uns – nicht immer vor allem Schweren, aber mitten hindurch (Jes 43:2). Er geht mit. Seine Fürsorge zeigt sich in Bewahrung vor äußeren Feinden (für Israel) und geistlichen Gefahren (für Christen). In der Anwendung auf uns als Christen denken wir an Bewahrung vor dem Bösen (Joh 17:15). Von allen Seiten und auf ganz modernen Wegen strömt es auf uns ein. Unsere Schutzausrüstung ist eine Segensgabe Gottes (Eph 6:10-18), auf die wir heute weniger denn je verzichten sollten.
b) Licht und Gnade (V. 25)
„Der HERR lasse sein Angesicht über dir leuchten und sei dir gnädig.“
Gottes leuchtendes Angesicht steht für Zugewandtheit, Führung und Offenbarung. Es ist ein Bild für seine Nähe, für Licht auf dem manchmal so dunklen Lebensweg. Wer sich von Gott angesehen weiß, lebt nicht im Verborgenen oder Vergessenen. Und wenn wir scheitern, bleibt er gnädig – voller Erbarmen und Geduld. Christen kennen „den Lichtglanz der Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes im Angesicht Christi" (2Kor 4:6). Seine Gnade begleitet uns täglich – nicht nur als rettende, sondern auch als tragende Kraft (Eph 2:5 / 2Tim 2:1). Seine Gnade ist in Christus erschienen, sie erzieht und vollendet (Tit 2:11-13). Gott sei Dank.
c) Gemeinschaft und Frieden (V. 26)
„Der HERR erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden.“
Ein erhobenes Angesicht zeigt Gunst und ungetrübte Gemeinschaft. Nichts steht zwischen Gott und mir, das Lamm Gottes hat alles Trennende beseitigt. "Denn er ist unser Friede" und er „hat Frieden gemacht" (Eph 2:14 / Kol 1:20). Er wendet sich uns persönlich zu. Er sieht uns, hört uns, kennt uns. Und das Ziel seines Segens ist „Schalom", Friede in vollkommener Harmonie. Der Frieden Christi trägt – selbst inmitten der größten Herausforderungen.
4. Der Name Gottes (V. 27)
„Und so sollen sie meinen Namen auf die Kinder Israel legen …“
Es geht nicht um eine separate siebte Segnung, sondern vielmehr um eine Zusammenfassung: Der Name des HERRN wurde auf die Kinder Israel gelegt. Dadurch macht Gott sich mit ihnen eins, und sie werden Gottes Repräsentanten. Es ist ein Zeichen göttlicher Identifikation und Bevollmächtigung. Obwohl Israel diesem Ruf oft nicht gerecht wurde, wird Gott sein Ziel erreichen: Das Volk wird seinen Namen wieder tragen und unter Seinem vollen Segen leben (Hos 2:25). Gesegnete sind ein Segen für andere, so dass Israel dann „Licht für die Völker ist" (Jes 49:6). Die Erfüllung von Ps 134:3: „Der Herr segne dich von Zion aus".
Den Namen Gottes tragen zu dürfen, ist tatsächlich auch für uns Christen ein gewaltiges Vorrecht. Den Überwindern in Philadelphia war die Verheißung gegeben worden: „Wer überwindet, den werde ich zu einer Säule machen in dem Tempel meines Gottes … und ich werde auf ihn schreiben den Namen meines Gottes … und meinen neuen Namen" (Off 3:12). „Und sie werden sein Angesicht sehen; und sein Name wird an ihren Stirnen sein" (Off 22:4). Wir sind dazu berufen, in Gemeinschaft mit dem Vater und dem Sohn zu leben – heute im Glauben, künftig in vollkommener Klarheit und als Gesegnete ein Segen zu sein.
Tut von euch die fremden Götter, die unter euch sind, und neigt euer Herz zu dem HERRN.
Paulus sagt: Ich habe nichts verschwiegen, was für euch wichtig ist. Ich habe Juden und Griechen beschworen, zu Gott umzukehren und an Jesus, unseren Herrn, zu glauben.
Sowohl in Josua 24 als auch in Apostelgeschichte 20 finden wir die letzten Anweisungen bedeutender Führungspersönlichkeiten. Im hohen Alter von hundertzehn Jahren hielt Josua eine Abschiedspredigt, in der er die Israeliten aufrief, ihr Herz vollständig dem HERRN zuzuwenden. Dieses Kapitel, in dem Josua zurückblickt und die großen Taten Gottes hervorhebt, kann man treffend als "Josuas Vermächtnis" bezeichnen.
Josua hatte bereits als junger Mann gelernt, auf Gott zu hören, und ihm war die Gemeinschaft mit dem HERRN wichtiger als alles andere (2Mo 33:11). Neben Kaleb war er der einzige, der als erwachsener Mann die Befreiung aus Ägypten miterlebte und vierzig Jahre später ins verheißene Land einziehen konnte. Warum? Weil sie jene Kundschafter waren, die darauf vertrauten, dass Gott ihnen beistehen würde, wenn sie ein Land mit scheinbar uneinnehmbaren Festungen und übermächtigen Gegnern einnehmen sollten (4Mo 14:6-9). Die anderen zehn Kundschafter hielten dies für unmöglich, weil sie mehr auf die äußeren Umstände schauten, als auf Gott zu vertrauen. Obwohl sie miterlebten, wie Gott das Volk mit mächtigen Wundern aus Ägypten befreite, überwog ihr Unglaube das Vertrauen auf Gott. Darum starben sie während der Wüstenwanderung und konnten nicht dabei sein, als Israel in ein Land einzog, in dem "Milch und Honig floss" (4Mo 14:22-23).
Warum war der Unglaube dieser zehn Kundschafter stärker als das Vertrauen auf den HERRN? Eine mögliche Antwort finden wir darin, dass die Anbetung fremder Götter noch immer präsent war. Die aufrichtige Umkehr zu Gott hatte bei vielen nicht wirklich stattgefunden. Eine wichtige Voraussetzung dafür wäre eine entschiedene Distanzierung vom Götzendienst gewesen (Jos 24:14).
Solange bestimmte Dinge im Leben wichtiger sind als Gott selbst, fehlt auch das Vertrauen auf den HERRN, das nötig ist, um in das verheißene Land einzuziehen. Dieses „verheißene Land" befindet sich für uns Christen nicht auf dieser Erde, sondern ist das „Reich des Sohnes seiner Liebe" und somit auch das himmlische Haus des Vaters (Kol 1:13 / Joh 14:2-3).
Die Entfernung der Götzen, die Umkehr zu Gott und das von Herzen kommende Vertrauen auf den Herrn Jesus Christus waren auch die zentralen Anliegen des Apostels Paulus (Apg 20:20-21). In Apostelgeschichte 20 macht Paulus deutlich, dass er die Gemeinde in Ephesus nicht mehr besuchen können würde. Es war jene Gemeinde, in der er drei Jahre lang gewirkt hatte und in der er jeden einzelnen – Tag und Nacht, unter Tränen – ermahnt hatte (Apg 20:31).
Paulus versammelte die Ältesten der Gemeinde ein letztes Mal und teilte ihnen sein wichtigstes Anliegen mit. Mit seiner prophetischen Einsicht erkannte er die drohende Gefahr für die Gemeinde in Ephesus. In den Versen 28-30 sprach er eine eindringliche Ermahnung an die Ältesten:
"Habt acht auf euch selbst und auf die ganze Herde, in welcher der Heilige Geist euch als Aufseher eingesetzt hat, die Gemeinde Gottes zu hüten, die er sich erworben hat durch das Blut seines eigenen [Sohnes]! Ich weiß, dass nach meinem Abschied grausame Wölfe zu euch hereinkommen werden, die die Herde nicht verschonen. Und aus eurer eigenen Mitte werden Männer aufstehen, die verkehrte Dinge reden, um die Jünger abzuziehen hinter sich her." (Apg 20:28-30)
Nur eine entschiedene Hinwendung zu Gott und ein von Herzen kommendes Vertrauen auf Jesus Christus würde es den Christen in Ephesus ermöglichen, dieser drohenden Gefahr entgegenzutreten (Eph 6:10-18).
Lasst auch uns die mahnenden Worte von Josua und Paulus zu Herzen nehmen, indem wir uns auf den HERRN fokussieren und ihm von ganzem Herzen vertrauen (Spr 3:5-6).
Ich habe mir vorgenommen: Ich will mich hüten, dass ich nicht sündige mit meiner Zunge.
Aus einem Munde kommt Loben und Fluchen. Das soll nicht so sein, meine Brüder und Schwestern.
Ich kann nur vermuten, wie sich die Schweizer Bundesräte fühlten, als sie erfuhren, dass der amerikanische Präsident trotz ihrer intensiven Bemühungen an seinem Zoll von 39% festhielt. Vermutlich waren sie verärgert – und doch hielten sie in der Öffentlichkeit ihre Zunge im Zaum und verzichteten auf herabsetzende Worte gegenüber Donald Trump.
David lernte im Laufe seines Lebens, wie wichtig ein behutsamer Umgang mit Worten ist. Von Feinden bedrängt, war ihm bewusst: Würde er sich mit seinen Worten versündigen, würde er zum Gespött seiner Gegner werden (Ps 39:9). Besonders im Angesicht der Gottlosen kann „ein falsches Wort" schwerwiegende Folgen haben.
Es geht jedoch nicht nur darum, seinen Mund "im Zaum" zu halten (Jak 1:26), sondern vor allem darum, sein Herz mit der Liebe Gottes füllen zu lassen (Röm 5:5). Wenn unser Herz voll Liebe ist, wird unser Mund von selbst segnen und gar nicht auf die Idee kommen, irgendjemanden zu fluchen (Mt 12:34). Jesus sagte in Lk 6:28:
„Segnet, die euch verfluchen; bittet für die, die euch beleidigen."
Und Petrus schreibt in seinem ersten Brief: „Vergeltet nicht Böses mit Bösem oder Scheltwort mit Scheltwort; sondern im Gegenteil: Segnet, weil ihr dazu berufen seid, damit ihr den Segen ererbt" (1Petr 3:9). In der Bibel stehen „Segnen" und „Fluchen" als fundamentale Gegensätze zueinander – vergleichbar mit Gut und Böse, Liebe und Hass oder Licht und Finsternis (5Mo 30:19).
Im dritten Kapitel seines Briefes beschreibt Jakobus, wie schnell wir unsere Zunge missbrauchen können (Jak 3:1-12). In den Versen 9 und 10 heißt es:
"Mit ihr (der Zunge) preisen wir den Herrn und Vater und mit ihr verfluchen wir die Menschen, die nach dem Bilde Gottes geschaffen worden sind. Aus demselben Mund gehen lobpreisende Segnung und Fluch hervor! Dies darf, meine Brüder, so nicht geschehen!
Jakobus schreibt hier nicht "ihr", sondern "wir" und bezieht sich damit selbst mit ein. Offensichtlich erkannte er, dass dieses Problem uns alle in irgendeiner Weise betrifft (Röm 3:23).
Obwohl ich bemüht bin, meine Mitmenschen zu segnen, ertappe ich mich manchmal dabei, wie ich mich über andere ärgere und dann unüberlegt eine verächtliche Bemerkung mache. Solche Äußerungen führen dazu, dass wir diese Menschen geringschätzen und als "unbedeutend" betrachten. Mit diesem Verhalten geraten wir in den "Graubereich" des Verfluchens, denn im Hebräischen bedeutet "Fluchen" auch ein "Leichtmachen" – es entwertet den Mitmenschen (Mt 5:22).
Ich möchte damit nicht behaupten, dass man unangemessenes Verhalten nicht kritisieren darf. Jedoch sollte Kritik niemals respektlos oder aus einer verächtlichen Haltung heraus erfolgen (Gal 6:1). Selbst der Erzengel Michael sprach kein lästerndes Urteil über den Teufel (griech. diabolos) aus, als er mit ihm eine Auseinandersetzung hatte (Jud 1:9).
Das Segnen gehört zur Berufung der Kinder Gottes. Es ist eine wunderschöne Aufgabe und zugleich ein Ausdruck der Liebe! Wenn wir unsere "Feinde" regelmäßig segnen, bewirkt dies zunächst, dass wir selbst inneren Frieden finden (Phil 4:7). Nicht selten wird nach einiger Zeit auch bei den "Feinden" eine positive Veränderung spürbar (Röm 12:20-21).
Das Alte Testament enthält zahlreiche Stellen, in denen das Gesetz Flüche ausspricht (5Mo 28:15ff). Ungehorsam gegenüber Gott führt unweigerlich zum Fluch. Jesus Christus hat jedoch auf Golgatha diesen Fluch (griech. katara) getragen und für alle beseitigt, die sein Gnadengeschenk der Vergebung und Erlösung angenommen haben (Gal 3:13). Im Neuen Testament spricht Gott keine Flüche mehr aus, macht aber deutlich: Unter dem Fluch bleiben jene, die sein Gnadengeschenk ablehnen, in Gottlosigkeit verharren (2Petr 2:12-14) oder vom Glauben abfallen (Hebr 6:8).
Segnen (griech. eulogeo) bedeutet wörtlich übersetzt "Gutes reden" oder "wohltuende Worte sagen" (Eph 4:29). Darin wollen wir uns üben – nicht nur mit unseren Worten, sondern auch mit einem liebevollen Herzen (Mt 12:34-35)!
Ihr erwartet wohl viel, aber siehe, es wird wenig; und wenn ihr's schon heimbringt, so blase ich's weg. Warum das?, spricht der HERR Zebaoth. Weil mein Haus so wüst dasteht; ihr aber eilt, ein jeder für sein Haus zu sorgen.
Jesus sprach: Weh euch Pharisäern! Denn ihr gebt den Zehnten von Minze und Raute und allem Kraut und geht vorbei am Recht und an der Liebe Gottes. Doch dies sollte man tun und jenes nicht lassen.
Endlich war die Zeit der babylonischen Gefangenschaft vorbei und die Juden kehrten aus dem Exil zurück in das Land Israel (Esr 1:1-4). Nun wurde in die Hände gespuckt und eine gewaltige Aufbauarbeit begann. Schließlich gab es einen enormen Bedarf an Wohnraum und auch das Ackerland musste bebaut werden, um die Bevölkerung zu ernähren. Es wäre doch gelacht, wenn sich nicht wieder ein gewisser Wohlstand erarbeiten ließe! Aber irgendetwas lief schief: Die Ernten waren dürftig und der erhoffte Wohlstand stellte sich nicht ein. Stattdessen kam Unzufriedenheit auf (Hag 1:6). Was war da los?
In diese Situation hinein hatte der Prophet Haggai eine göttliche Botschaft zu verkünden, die an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrigließ: Die Heimkehrer hatten die falschen Prioritäten gesetzt! Haggai verurteilte im Auftrag Gottes die Entscheidung, den Aufbau des Tempels in Jerusalem hintenanzustellen (Hag 1:4). Erst die eigenen Häuser und dann der Tempel Gottes – diese Priorität hatten sich die Juden gesetzt (Hag 1:2). Das konnte Gott nicht gefallen! Die mageren Ernten und das stagnierende Wirtschaftswachstum waren also eine göttliche Erziehungsmaßnahme, um sein Volk auf die falsche Priorisierung hinzuweisen (Hag 1:9-11):
„Ihr erwartet wohl viel, aber siehe, es wird wenig; und wenn ihr's schon heimbringt, so blase ich's weg. Warum das?, spricht der HERR Zebaoth. Weil mein Haus so wüst dasteht; ihr aber eilt, ein jeder für sein Haus zu sorgen."
Der HERR rief die Juden auf, Bilanz zu ziehen: „Richtet euer Herz auf euren Weg!" (Hag 1:5). Haben wir das nicht auch immer wieder nötig? Die Frage, wer oder was in unserem Leben die oberste Priorität hat, müssen wir uns immer wieder stellen (Mt 6:33 / Kol 3:2). In der Dynamik unseres Lebens liegt die Gefahr, dass sich Prioritäten verschieben. Wir stehen in einem geistlichen Kampf, in dem der Teufel alles daransetzt, Gott an die zweite Stelle unseres Lebens zu setzen, weil uns anderes wichtiger wird. Dies geschieht oft schleichend und ohne, dass wir das sofort bemerken (Hebr 2:1). Finanzielle Sorgen können dazu führen, dass uns der Erhalt unseres Wohlstandes so viel Zeit und mentale Kraft raubt, dass die Begegnungen mit unserem Herrn in der Stille zu kurz kommen (Mt 6:24-25 / 1Tim 6:9-10). Sogar unser gutgemeinter Dienst in der Gemeinde kann dazu führen, dass unser Engagement zur „Nr. 1" unseres Lebens wird und unseren „Dienstherrn" an die zweite Stelle rückt (Offb 2:2-4). So war es wohl auch bei den Pharisäern, die vor lauter Angst, irgendeinen Paragrafen des göttlichen Gesetzes zu verletzen, das Entscheidende aus den Augen verloren: Die Gerechtigkeit Gottes in seinen Gerichten und vor allem seine Liebe zu seinen Geschöpfen (Mt 23:23).
Darum gilt auch für uns immer wieder: „Richtet euer Herz auf euren Weg!" „Zieht Bilanz"! Welcher Lebensbereich droht deinen Herrn und Gott vom ersten Platz deines Lebens zu verdrängen? Hast du noch den Wunsch und die Zeit, deinem Herrn in der Stille zu begegnen, in der Betrachtung seines Wortes und im Gebet (Mt 6:6)? Oder gibt es „Zeitkiller" in deiner Lebensgestaltung, die klammheimlich eine höhere Priorität bekommen haben (Eph 5:15-16)?
Wenn wir bereit sind, Gott die höchste Priorität in unserem Leben einzuräumen, haben wir die gleiche Zusage von ihm wie die Juden, nachdem sie auf die Stimme des Gottes Israels gehört haben:
„Ich bin mit euch, spricht der HERR." (Hag 1:13).
Ich will dem HERRN singen, denn er ist hoch erhaben.
Ich will beten mit dem Geist und will auch beten mit dem Verstand; ich will Psalmen singen mit dem Geist und will auch Psalmen singen mit dem Verstand.
Das griechische Wort psallo bedeutete ursprünglich ‚zupfen' – etwa an einer Saite. Diese Bedeutung erinnert an die 150 Lieder und Gebete, die wir im Buch der Psalmen finden. In vielen dieser Texte werden Musikinstrumente wie die Harfe oder die zehnsaitige Laute erwähnt. Bereits in 1Mo 4:21 – noch vor der Sintflut – ist von Harfe und Flöte (hebr. "kinnor" und "ugab") die Rede. In der Septuaginta, der griechischen Übersetzung des Alten Testaments, werden diese Begriffe mit "psalterion" und "kitharan" übersetzt. Das deutsche Wort Gitarre stammt übrigens vom griechischen "kithara" ab.
Das Singen und Lobpreisen Gottes wurde vermutlich seit jeher von Musik begleitet. Für König David war das Singen und Musizieren ein wesentliches Element der Gottesanbetung (Ps 150). Seine besondere Begabung zeigte sich darin, dass sogar der geplagte Geist Sauls durch sein Spiel beruhigt werden konnte (1Sam 16:23).
Im neutestamentlichen Gebrauch entwickelte sich das griechische Wort "psallo" zur Bedeutung "singen, loben", was im Deutschen oft mit "Psalmen singen" übersetzt wird. Paulus erwähnt das "Singen und Spielen" bzw. den "Lobpreis Gottes mit musikalischer Begleitung" auch in Kol 3:16 und verbindet ihn ausdrücklich mit dem Herzen. Er schreibt dort:
"Das Wort des Christus wohne reichlich in euch; in aller Weisheit lehrt und ermahnt euch gegenseitig! Mit Psalmen, Lobliedern und geistlichen Liedern singt Gott in euren Herzen in Gnade!"
Das Wesentliche liegt darin, dass Singen und Anbetung Gottes von ganzem Herzen und im Einklang mit dem Heiligen Geist geschehen (Eph 5:19). Die Freude an Gott spielt dabei eine zentrale Rolle (Ps 100:2).
Im heutigen Lehrtext unterscheidet Paulus zwischen dem Psalmen-Singen mit dem Geist und dem Psalmen-Singen mit dem Verstand (1Kor 14:15). Das Singen mit dem Geist kann sich sowohl auf den menschlichen Geist als auch auf den Heiligen Geist beziehen. Ähnlich wie bei der „Zungenrede" handelt es sich um eine innere, verborgene Verbindung mit Gott, bei der der menschliche Geist unter dem Einfluss des Heiligen Geistes steht (Röm 8:26).
Es ist eine Form intensiver "geistlicher Kommunikation", die nicht immer in gewöhnlicher Sprache ausgedrückt wird (1Kor 14:2). Dabei kommt es zu einer innerlichen Erbauung, wie Paulus in 1Kor 14:4 schreibt: "Wer in einer Sprache redet, erbaut sich selbst." Diese persönliche Erbauung stärkt den inneren Menschen und führt zu einer tieferen Gottesbeziehung sowie geistlichem Wachstum.
Gerade in der musikalischen Anbetung – ob im persönlichen Lobpreis oder in der Gemeinde – kann diese geistgeleitete Dimension eine tiefere Herzensverbindung zu Gott schaffen (Ps 33:3 / Ps 96:1-2).
Paulus betonte, dass sowohl Zungenrede als auch das ‚Singen im Geist' in der Gemeinde der Auslegung bedürfen, um für alle verständlich und somit zur Erbauung dienlich zu sein (1Kor 14:26-28).
Auf jeden Fall ist ein von Herzen kommendes Singen von Psalmen und geistlichen Liedern etwas, das Gott ehrt, unseren Glauben stärkt und uns erfreut (Jak 5:13). Es wirkt wohltuend auf Geist und Seele und lässt uns die Gegenwart Gottes auf eine Weise erfahren, die Herz, Verstand und Geist gleichermaßen berührt (Ps 98:4-6).
Der HERR sprach zu Mose: Du sollst alles reden, was ich dir gebieten werde.
Verkündige das Wort, tritt dafür ein, zur Zeit oder Unzeit, widerlege, tadle, bitte, in aller Geduld, wo die Lehre es gebietet!
In unserer heutigen Gesellschaft wird es zunehmend schwieriger, sich offen zu seinem Glauben zu bekennen – sei es als Jude oder Christ. Antisemitismus und antichristliche Tendenzen nehmen zu, nicht zuletzt, weil beide Gruppen eng mit der Bibel und deren Werten in Verbindung stehen (Joh 15:18-19). Die biblischen Werte stoßen heute vielfach auf Ablehnung, da sie nicht mehr mit der Lebensphilosophie des Mainstreams übereinstimmen (1Kor 1:18). Ein Beispiel: Die moderne Vorstellung, dass ein Mann sich entscheiden kann, eine Frau zu sein, lässt sich nicht mit der biblischen Lehre vereinbaren, nach der Gott unsere Identität bestimmt hat (1Mo 1:27).
Paulus prophezeite in 2. Timotheus 4:3 – also einen Vers nach dem heutigen Lehrtext:
"Denn es wird eine Zeit sein, da sie die gesunde Lehre nicht ertragen, sondern nach ihren eigenen Begierden sich selbst Lehrer aufhäufen werden, weil es ihnen in den Ohren kitzelt."
Obwohl es schon immer Mut erforderte, Gottes Worte weiterzugeben, wird es zunehmend schwieriger. Dies liegt daran, dass viele Menschen die lebensspendende und heilende Botschaft Gottes nicht mehr ertragen und folglich auch nicht mehr hören wollen (Jer 6:10).
Vielleicht denkst du: "Zum Glück bin ich kein Prediger, der das Wort Gottes verkündigen muss!" Es stimmt zwar, dass nicht alle zum Predigerdienst berufen sind (1Kor 12:28-29), aber jeder Christ ist von Gott dazu berufen, in persönlichen Gesprächen die Worte Gottes weiterzugeben – sei es die gute Botschaft der Erlösung oder auch korrigierende, wegweisende Worte, die er aus der Bibel kennenlernen durfte (1Petr 3:15). Die Tatsache, dass Gott aus Liebe zu uns seinen Sohn sandte, um uns von unserer Sünde zu befreien und das ewige Leben zu schenken, darf nicht verschwiegen werden (Joh 3:16 / Röm 6:23).
Sowohl Mose als auch Timotheus benötigten Ermutigung und Ermahnung, um die Botschaft zu verkünden, die Gott ihnen aufgetragen hatte. Mose zweifelte an seinen Fähigkeiten als Verkündiger und gestand Gott:
"Ach, Herr! Ich bin kein redegewandter Mann, weder seit gestern noch seit vorgestern, noch seitdem du zu deinem Knecht redest; denn unbeholfen ist mein Mund und unbeholfen meine Zunge." (2Mo 4:10)
Diese Ausrede ließ Gott nicht gelten! Zwar erhielt Mose seinen Bruder Aaron als Sprachrohr gegenüber dem Pharao (2Mo 4:14-16), doch dies entband ihn nicht von seinem Auftrag, Gottes Worte weiterzugeben. Timotheus war vermutlich eher ein schüchterner und harmoniebedürftiger Mensch, doch auch er wurde von seinem Mentor ermahnt, das Wort Gottes jederzeit zu verkündigen (2Tim 1:7-8).
Paulus bekannte in Römer 1:16, dass er sich des Evangeliums – der guten Botschaft Gottes – nicht schämt. Der Satan setzt alles daran, dass wir uns für die Worte Gottes schämen, damit wir sie verschweigen (1Petr 5:8). Er will uns mit allen möglichen Mitteln davon abhalten, das weiterzugeben, was Gott uns an guten Worten gegeben hat.
Auch wenn Gottes Wort nicht immer bequem ist – es bleibt die beste Nachricht, die je verkündet wurde! Durch sie erfahren wir, dass wir unendlich geliebt (Jer 31:3), dass uns vollkommen vergeben (1Joh 1:9) und wir zur ewigen Gemeinschaft mit Gott berufen sind (1Thes 5:9-10). Sie allein schenkt uns eine untrügliche Hoffnung, eine bleibende Freude und einen ewigen Frieden (Röm 15:13 / Phil 4:7)! Darum: Scheue dich nicht, sondern gib Gottes Worte weiter – treu, mutig und voller Hoffnung (Jos 1:9).
Der HERR ist ein Gott des Rechts. Wohl allen, die auf ihn harren!
Wenn es jemandem unter euch an Weisheit mangelt, so bitte er Gott, der jedermann gern und ohne Vorwurf gibt; so wird sie ihm gegeben werden.
Das gerechte Gericht Gottes verhilft einst all jenen zu ihrem Recht, die geduldig auf ihn warten. Bevor wir lernen, auf Gott zu warten, wartet er bereits auf uns. Das zeigt sich im heutigen Losungsvers aus Jes 30:18 genauso wie im Lehrtext aus dem Jakobusbrief.
Gott hatte seinem Volk ein erstaunliches Angebot gemacht: „Durch Umkehr und durch Ruhe würdet ihr gerettet werden; in Stille und Vertrauen würde eure Stärke sein." (Jes 30:15) Doch das Volk lehnte ab – sie wollten lieber eigene Wege gehen, auf militärische Bündnisse setzen und schnelle Lösungen erzwingen. Ihre vermeintliche Stärke wurde ihnen zum Verhängnis.
Und doch wartet Gott. Er erhebt sich nicht, um zu strafen, sondern um gnädig zu sein.
Warum zögert Gott mit seinem Eingreifen? Warum greift er nicht sofort ein? Vielleicht, weil wir noch zu sehr auf eigene Strategien vertrauen. Er sehnt sich danach, dass wir still werden, innehalten, umkehren – und ganz auf ihn hoffen.
In den Versen 16 und 17 wird beschrieben, wie die Israeliten auf schnellen Pferden fliehen wollte, dadurch aber nur noch schnellere Verfolger anzogen. Ihre selbstgewählten Lösungen verschlimmerten ihre Probleme nur. Die Niederlage war so vernichtend, dass lediglich ein einsamer Mast auf dem Berggipfel zurückblieb – ein trauriges Symbol ihrer vollständigen Verwüstung.
Deshalb heißt es dann in Jes 30:18:
"Und darum wird der HERR darauf warten, euch gnädig zu sein, und darum wird er sich erheben, sich über euch zu erbarmen. Denn ein Gott des Rechts ist der HERR. Glücklich alle, die auf ihn harren!"
Wir alle haben uns wohl schon gefragt, warum Gott manchmal wartet, nicht sofort eingreift und hilft – besonders in schwierigen Lebensumständen, die unverändert bleiben (Ps 13:2-3 / Hab 1:2).
Die Gründe, warum Gott unsere Situation manchmal unverändert lässt, sind vielfältig. Eine mögliche Antwort finden wir im Zusammenhang der heutigen Bibelverse: Gott wartet darauf, dass wir aufhören, auf unsere eigenen Lösungen zu vertrauen (Spr 3:5-6). Er sehnt sich danach, dass wir zur Ruhe kommen, still werden und unsere Hoffnung vollständig auf ihn setzen. Mit Verlangen wartet er auf unser Vertrauen, dass er uns zur richtigen Zeit Gerechtigkeit verschaffen wird (Ps 37:7).
Gott wartet auch darauf, dass wir ihn um seine Weisheit bitten. Manche Christen bitten Gott um Weisheit, damit sie Entscheidungen treffen können, die zu einem angenehmen Leben führen. Gottes Weisheit dient nicht bloß der klugen Entscheidung im Alltag, sondern vor allem dazu, dass unser Leben Frucht trägt – Frucht, die ihn ehrt (Joh 15:8). Gott eilt nicht voraus, sondern bleibt geduldig stehen, bis wir umkehren. Er drängt sich nicht auf – doch er ist bereit, sobald wir uns ihm zuwenden (Lk 15:20).
In Jak 1 geht es darum, dass wir durch die von Gott geschenkte Weisheit Prüfungen und Anfechtungen richtig bewältigen können, damit wir uns im Glauben bewähren (Jak 1:2-4 / 1Petr 1:6-7). Wer Gott um Weisheit bittet, um zu seiner Ehre zu leben, wird sie auch erhalten – ganz einfach deshalb, weil Gott es versprochen hat!
Der HERR spricht: Ich will dich unterweisen und dir den Weg zeigen, den du gehen sollst.
Jesus spricht: Folge du mir nach!
Der heutige Losungsvers erinnert mich an meine Berufung zum vollzeitlichen Prediger vor ziemlich genau 21 Jahren. Meine Brüder und ich leiteten die Sommerbibelfreizeit in Arosa, als Charles und Sonja Reichenbach uns für einen Tag besuchten. Nach dem Mittagessen sagte Charles zu mir: "Daniel, du solltest vollzeitlicher Prediger werden – Architekten gibt es genug!" Ich fühlte mich wie in einem "falschen Film". Obwohl ich mir als Familienvater mit vier Kindern nicht vorstellen konnte, wie ich vollzeitlicher Prediger werden sollte – und das ohne Festanstellung – spürte ich dennoch, dass dies ein Reden Gottes war. In jenen Tagen sandte mir mein damals zukünftiger Schwiegersohn eine SMS mit dem Bibelvers aus Ps 32:8:
"Ich will dich unterweisen und dir den Weg zeigen, den du gehen sollst."
Dies war in dieser Situation eine besondere Ermutigung, da ich wusste: Jetzt stand eine folgenschwere Entscheidung bevor, bei der es noch viele offene Fragen gab. Die Berufung schien klar, doch die Umsetzung war mit vielen ungelösten Herausforderungen verbunden, die mich beunruhigten. Es war, als würde der HERR zu mir sagen: "Mach dir keine Sorgen, ich belehre dich und führe dich! Ich kenne den Weg, den du gehen sollst!" (Spr 3:5-6)
Vielleicht befindest du dich heute ebenfalls an einem Wendepunkt, der dir Angst macht oder dich überfordert. Dann darfst du wissen: Gott kennt deinen Weg – und er wird dich sicher und liebevoll leiten (Jes 58:11).
Psalm 32 ist ein sogenannter Buß- und Dankpsalm – ein Lied, das sowohl Schuldbekenntnis als auch Gotteslob vereint. David hatte sich schwer versündigt. Zu Beginn versuchte er, seine Sünde zu verdrängen, weil das intensive Bewusstsein seiner großen Schuld kaum auszuhalten war. Doch mit der Zeit erkannte er: "Ich muss meine Schuld vor Gott bekennen, denn nur so kann ich in die harmonische Gemeinschaft mit ihm zurückfinden. Und nur in dieser Gemeinschaft finde ich wieder den wahren Frieden, den allein Gott mir geben kann." (1Joh 1:9)
Als David seine Sünde bekannte, gewährte Gott ihm Vergebung (Ps 32:5). Dies stellte seine ungetrübte Gemeinschaft mit Gott wieder her, und Gott gab ihm die wunderbare Zusage aus dem heutigen Losungsvers. Wie tröstlich muss das für David gewesen sein, als er realisierte: "Trotz meiner schweren Sünde wird Gott mich weiterhin belehren, mir Weisheit schenken und mich auf dem richtigen Weg führen!" Diese Erfahrung erfüllte David mit tiefem Frieden und neuer Freude (Ps 32:1-2).
Eine ähnliche Freude dürfte auch Petrus gespürt haben, als er erfahren durfte, wie Jesus ihm sein dreimaliges Verleugnen vergeben hatte. Später erteilte Jesus ihm den dreifachen Auftrag, seine Herde zu versorgen. Trotz – oder vielleicht sogar wegen – seines kläglichen Versagens erhielt Petrus eine zentrale Führungsrolle innerhalb der Gemeinde Jesu. Was für eine Ehre und Wertschätzung! Gleichzeitig machte Jesus Petrus auch indirekt klar: Du wirst für mich sterben müssen (Joh 21:18-19)! Auch hier sehen wir: Würde und Bürde sind ein untrennbares Gespann!
Vermutlich war das für Petrus alles „schwer verdaulich", sodass er sich etwas ablenken musste. Vielleicht fragte er deshalb – mit Blick auf Johannes: „Herr, was wird aber mit diesem?" (Joh 21:21) Doch Jesus macht ihm klar, dass es nicht seine Aufgabe ist zu wissen, wie er Johannes führen wird. Petrus sollte sich nicht mit anderen vergleichen, sondern sich ganz auf Jesus konzentrieren. Darum sagte Jesus zu ihm: „Folge du mir nach!" Nur wer seinen Blick auf Jesus richtet, kann ihm wirklich nachfolgen und für andere zum Segen werden (Hebr 12:2).
Denke keiner gegen seinen Bruder etwas Arges in seinem Herzen!
Euch allen sage ich: Haltet in derselben Gesinnung zusammen und habt Mitgefühl füreinander! Liebt euch gegenseitig als Brüder und Schwestern! Seid gütig und zuvorkommend zueinander!
Würden Christen gefragt, ob sie einander lieben sollen, würde wohl kaum jemand widersprechen. Für jeden gläubigen Christen ist klar: Wir sollen einander lieben, füreinander da sein und uns gegenseitig helfen (Joh 13:34-35). Wenn alle das wissen, bräuchte es doch keine Aufforderung mehr zur gegenseitigen Liebe, oder? Die Apostel waren jedoch offensichtlich anderer Meinung – und das aus gutem Grund.
Denn trotz dieses Wissens hapert es oft an der praktischen Umsetzung. Auch die Christen des ersten Jahrhunderts kämpften mit diesem Problem: Die Korinther waren streitsüchtig, parteiisch und übervorteilten einander (1Kor 3:3). Im Philipperbrief stellte Paulus fest, dass er nur Timotheus zu ihnen senden konnte, weil alle anderen ihren eigenen Vorteil und ihre eigene Ehre suchten (Phil 2:21). Jakobus kritisierte die "gläubigen Arbeitgeber", weil sie ihren Arbeitern den verdienten Lohn vorenthielten (Jak 5:4). Zudem gab es in den Gemeinden Wohlhabende, die Hungernden nichts zu essen gaben und schlecht Gekleidete missachteten, anstatt sie mit liebevoller Fürsorge wertzuschätzen (Jak 2:15-16).
Warum fällt es uns Christen im Alltag oft so schwer, Liebe praktisch zu leben? Warum können manche gläubige Ehepaare einander nicht mehr lieben, und weshalb gibt es in Gemeinden immer noch Streit?
Die Antwort ist vielschichtig, da in verschiedenen Konfliktsituationen unterschiedliche Ursachen vorliegen. Egoistisches Denken ist noch immer weit verbreitet und führt unweigerlich zu Verletzungen, die Wut und Bitterkeit nach sich ziehen. Ein wesentliches Grundproblem liegt darin, dass wir unseren Selbstwert noch immer über unsere Leistung oder Position definieren. Wo dies geschieht, drängen wir uns – bewusst oder unbewusst – in den Vordergrund, stellen andere zurück oder schätzen sie gering (Phil 2:3-4).
Wir müssen tief in unserem Innersten begreifen, dass unser Wert allein darauf beruht, dass Gott uns unendlich liebt und für uns den höchsten Preis – seinen Sohn – bezahlt hat (Joh 3:16 / Röm 5:8). Jede menschliche Seele ist wertvoller als die gesamte materielle Welt! Jesus machte dies deutlich, als er sagte, dass es einem Menschen nichts nützt, wenn er die ganze Welt gewinnt, dabei aber Schaden an seiner Seele nimmt (Mt 16:26).
Wer seinen eigenen Wert „biblisch" definiert, erhält ein komplett neues Bewusstsein. Aus diesem neuen Bewusstsein kann eine grundlegend andere Gesinnung entstehen, durch die wir lernen, das Gute zu denken (Phil 4:8). Die gegenseitige Bruderliebe kann nur dort erfolgreich gelebt werden, wo alle Beteiligten sich von Gott bedingungslos geliebt wissen (1Joh 4:19).
Durch dieses neue Bewusstsein können wir unser „horizontales Denken" ablegen, bei dem wir uns ständig mit anderen vergleichen, und zu einem „vertikalen Denken" gelangen, das den Blick auf unseren alles schenkenden himmlischen Vater richtet (Kol 3:2). Wenn wir auf ihn ausgerichtet und von seiner Liebe erfüllt sind, lernen wir nicht nur, das Gute zu denken, sondern werden auch mit einer vollkommen liebenden Gesinnung erfüllt. Diese befähigt uns, einander trotz aller Fehler und Schwächen zu lieben (1Kor 13:4-7)!
Die göttliche Gesinnung prägt uns mit tiefem Mitgefühl und befähigt uns, aus liebevoller Sensibilität heraus zu leben (Kol 3:12). Aus dieser Haltung erwächst eine Güte und Zuvorkommenheit, die Gott wohlgefällt (Eph 5:1-2)!
Möge uns der HERR dazu Gnade schenken!
Bist du es nicht, HERR, unser Gott, auf den wir hoffen?
Gott hat uns ewiges Leben gegeben, und wir erhalten dieses Leben durch seinen Sohn.
Gestern hörte ich in den Nachrichten, dass die iranische Hauptstadt Teheran unter akutem Wassermangel leidet. Je nach Ort und Tageszeit fließt kein Wasser mehr aus den Hähnen. Die Situation hat sich so dramatisch verschärft, dass Behörden erwägen, Teile der Bevölkerung aus dieser 9-Millionen-Einwohner-Stadt zu evakuieren. Eine bedrohliche Lage – und wie wir wissen, ist dies nicht das einzige Problem, mit dem dieses Volk zu kämpfen hat.
In Jeremia 14 lesen wir ebenfalls von einer verheerenden Dürre in Jerusalem. Die Mächtigen und Wohlhabenden schicken ihre Diener zu den Zisternen, doch diese kehren enttäuscht, beschämt und mit leeren Händen zurück (Jer 14:3). Der HERR macht durch Jeremia in diesem Kapitel deutlich: Dies war nicht bloß ein meteorologisches Problem. Vielmehr war die Wasserlosigkeit eine direkte Folge der Gottlosigkeit Israels. Statt Gott zu suchen, betete die Bevölkerung selbstgemachte Götzen an und handelte rücksichtslos (Jer 2:13 / Jer 5:23-25).
Stellvertretend für das Volk betete Jeremia in den letzten beiden Versen dieses Kapitels:
"Um deines Namens willen verschmähe uns nicht! Entehre nicht den Thron deiner Herrlichkeit! Denk ⟨an uns⟩, mache deinen Bund mit uns nicht ungültig! Gibt es unter den Nichtigkeiten der Nationen Regenspender, oder kann der Himmel ⟨von selbst⟩ Regengüsse geben? Bist du es nicht, HERR, unser Gott? Wir hoffen auf dich; denn du, du hast dies alles gemacht." (Jer 14:21-22)
Wir sind uns oft zu wenig bewusst, dass Gott der HERR es ist, der Regen und damit auch Wasser schenkt (Ps 147:8 / Mt 5:45). Wasser bildet die absolute Grundlage für alles biologische Leben! Zwar gibt es sogenannte extremophile Organismen wie die Bärtierchen, die mit sehr wenig Wasser überleben können, doch selbst diese sind in Trockenphasen nicht aktiv. Anders ausgedrückt: Fehlendes Wasser führt entweder zum Tod oder zur völligen Inaktivität.
Für das geistliche Leben gilt dasselbe! In Johannes 4:10-14 bietet Jesus der Samariterin lebendiges Wasser an, das den Durst der Seele und des Geistes für immer stillt. Auch während des Laubhüttenfestes in Jerusalem verkündete er:
"Wenn jemand dürstet, so komme er zu mir und trinke! Wer an mich glaubt, wie die Schrift gesagt hat, aus seinem Leibe werden Ströme lebendigen Wassers fließen." (Joh 7:37-38)
Was stillt unseren geistlichen Durst und was beinhaltet dieser Durst?
Es ist die tiefste Sehnsucht unseres Herzens: bedingungslos geliebt und angenommen zu sein – trotz all unserer Fehler (Röm 5:8 / 1Jo 4:10).
Diese unendliche Liebe hat Gott uns in Jesus Christus gezeigt (Joh 3:16). Ohne ihn bliebe Gottes Liebe abstrakt, die schwer greifbar wäre und uns keine wirkliche Gewissheit vermitteln würde. In Christus aber wurde sie konkret und erfahrbar (Joh 1:14 / Kol 1:15).
In ihm erfüllt sich unsere Hoffnung – er ist das lebendige Wasser! (Offb 21:6 / Offb 22:17)
So hoch der Himmel über der Erde ist, lässt er seine Gnade walten über denen, die ihn fürchten.
Wo aber die Sünde ihr volles Maß erreicht hatte, da wuchs die Gnade über alles Maß hinaus. Wie die Sünde ihre Macht ausübte, indem sie den Tod brachte, so wird die Gnade ihre Macht ausüben, indem sie uns vor Gott bestehen lässt und zum ewigen Leben führt. Das verdanken wir Jesus Christus, unserem Herrn.
Im heutigen Losungsvers fehlt ein kleines, aber bedeutsames Wort: „Denn". Es leitet eine Begründung ein – nämlich warum Gott nicht mit uns nach unseren Sünden verfährt. Psalm 103,11 erklärt dann den Grund dafür: Denn so hoch der Himmel über der Erde ist, so groß ist seine Gnade über denen, die ihn fürchten.
Der Zusammenhang dieser Verse ist so beeindruckend schön, dass ich die Passagen davor und danach unbedingt zitieren möchte. Ab Vers 8 lesen wir:
"Barmherzig und gnädig ist der HERR, langsam zum Zorn und groß an Gnade. Er wird nicht immer rechten, nicht ewig zürnen. Er hat uns nicht getan nach unseren Vergehen, nach unseren Sünden uns nicht vergolten. Denn so hoch der Himmel über der Erde ist, so übermächtig ist seine Gnade über denen, die ihn fürchten. So fern der Osten ist vom Westen, hat er von uns entfernt unsere Vergehen. Wie sich ein Vater über Kinder erbarmt, so erbarmt sich der HERR über die, die ihn fürchten." (Ps 103:8-13)
David kannte vermutlich weite Teile der Tora (die fünf Bücher Mose) sowie das Josua- und Richterbuch. Diese Schriften dokumentieren das unrühmliche Verhalten seines Volkes. Immer wieder wandte sich Israel treulos von Gott ab und handelte böse (Ri 2:11-13). Ein Beispiel dafür finden wir in Richter 10:13-14, wo Gott zu seinem Volk sagte:
"Ihr aber, ihr habt mich verlassen und habt andern Göttern gedient. Darum werde ich nicht fortfahren, euch zu retten. Geht hin und schreit zu den Göttern um Hilfe, die ihr erwählt habt! Sollen sie euch doch retten zur Zeit eurer Not!"
Damals schien es, als wäre Gottes "Geduldsfaden" gerissen und er hätte sein Volk aufgegeben – aber dem war nicht so! Gottes Gnade überragt unsere Sündenschuld so weit, wie der Himmel höher ist als die Erde (Jes 55:9). Dieser Vergleich verdeutlicht die überwältigende Erhabenheit von Gottes Gnade. Ob David diesen Psalm vor oder nach seinem Fehltritt mit Uria und Batseba verfasste, ist nicht eindeutig zu bestimmen, doch zweifellos durfte auch er Gottes unvergleichliche Gnade und Barmherzigkeit erfahren (2Sam 12:13).
Ebenso erging es Paulus, der als ehemaliger Christenverfolger eigentlich nur Tod und Verdammnis verdient hätte (1Tim 1:13-16). Doch es gefiel dem allmächtigen Gott, diesen "ersten aller Sünder" mit seiner Barmherzigkeit zu überschütten und ihm die unermessliche Größe seiner Gnade zu offenbaren, sodass er den Römerbrief verfassen konnte. In den Kapiteln 5, 8 und 11 leuchten die Gnade und Barmherzigkeit Gottes in einer Weise auf, wie wir sie sonst nirgends in der gesamten Weltliteratur finden können. Das Erbarmen Gottes und seine große Gnade entspringen letztlich seiner unvergleichlichen Liebe zu seiner Schöpfung (Joh 3:16 / 1Jo 4:9-10).
Die Gnade Gottes ist nicht einfach nur eine "nette" abstrakte Charaktereigenschaft des höchsten Gottes – nein, sie ist eine unfassbare Macht, welche die stärksten Kräfte des Universums überwindet! Die Sünde war so mächtig, dass sie jeden Menschen infizierte (Röm 3:23), und der Tod ist eine Gewalt, die alles erfasst hat (Röm 5:12). Doch Paulus macht im heutigen Lehrtext deutlich: Die Gnade ist noch mächtiger, noch höher, noch umfassender und noch überwältigender! Diese Erkenntnis war für Paulus so tiefgreifend, dass er seinen Gott nur noch anbeten und ihm mit völliger Hingabe dienen konnte (Röm 12:1). Selbst die herrlichsten Dinge dieser Welt konnten ihn nicht so sehr faszinieren und ins Staunen versetzen wie die alles überragende Gnade und Liebe Gottes (Phil 3:8).
Darum möchte ich den heutigen Lehrtext noch einmal aus der weniger bekannten, aber sehr nuancenreichen Übersetzung von Heinz Schumacher zitieren:
"Das Gesetz aber kam nebenbei herein, damit die Übertretung [noch] zunähme. Wo aber die Sünde immer mächtiger wurde, da hat sich die Gnade überfließend mächtig erzeigt, damit, wie die Sünde im Bereich des Todes königlich geherrscht hat, so auch die Gnade königlich herrsche durch Gerechtigkeit zum ewigen Leben durch Jesus Christus, unseren Herrn." (Röm 5:20-21)
Fazit: Gottes Gnade ist keine Theorie – sie ist eine aktive, mächtige Kraft, die Sünde und Tod überwindet (1Kor 15:54-57).
Behalte meine Gebote, so wirst du leben, und hüte meine Weisung wie deinen Augapfel.
Da sagte der junge Mann zu Jesus: Das alles habe ich befolgt. Was fehlt mir noch?
Die Gebote Gottes und seine Weisung (hebr. Tora) erfüllen mehrere wichtige Funktionen:
Das Behüten der Anweisungen Gottes bietet Schutz (Ps 119:11)
Das Beachten der Worte Gottes fördert Weisheit (Ps 119:98-100)
Durch das Praktizieren der Gebote Gottes werden grundlegende Erkenntnisprozesse angestoßen (Ps 119:104)
Diese Aspekte sollten wir nicht unterschätzen – auch wenn wir aus dem Neuen Testament wissen, dass das Gesetz uns weder erlösen noch zum Ziel führen kann. Obwohl wir durch das Gesetz keine Gerechtigkeit vor Gott erlangen können, bietet es doch wertvolle Orientierung für unseren Alltag (Ps 119:105).
Im Kontext des heutigen Losungsverses warnt Salomo vor den Gefahren des Ehebruchs und beschreibt die raffinierte Verführung, die das Fremdgehen verlockend erscheinen lässt. Wer das Gebot "du sollst nicht ehebrechen" befolgt (2Mo 20:14), erweist sich selbst einen großen Dienst, indem er sich, seinen Partner und die Familie vor zahlreichen Verletzungen bewahrt. Die Einhaltung dieses Gebotes steigert wesentlich die Lebensqualität. Die psychischen Schäden, die ein Ehebruch verursacht, sind deutlich schwerwiegender, als allgemein anerkannt wird.
Doch selbst wenn wir Gebote wie das der ehelichen Treue einhalten, bleibt eine entscheidende Frage: Können wir durch Gesetzeserfüllung vor Gott bestehen? Paulus beantwortet dies im Römerbrief klar und eindeutig: Kein Mensch ist in der Lage, die Gesetze Gottes vollkommen zu erfüllen (Röm 3:20). Dadurch sind alle Menschen zu Sündern geworden, haben das Ziel verfehlt und Schuld auf sich geladen (Röm 3:23). Jeder Mensch braucht Erlösung von Sünde, und niemand kann durch Gesetzeserfüllung eine vor Gott gültige Gerechtigkeit erlangen. Die Einhaltung des Gesetzes führt uns auch nicht zum Endziel – einer vollkommenen Liebesgemeinschaft mit dem himmlischen Vater und seinem Sohn Jesus Christus (Gal 2:16).
Das ganze Gesetz und die Propheten hängen an zwei Geboten: "Liebe Gott von ganzem Herzen und deinen Nächsten wie dich selbst!" (Mt 22:37-40). Die ersten vier der Zehn Gebote verkörpern die Liebe zu Gott, während die Gebote 5-10 die Nächstenliebe umfassen. Dabei schützt uns das 10. Gebot "du sollst nicht begehren" vor Unzufriedenheit und berührt somit auch die Liebe zu uns selbst (2Mo 20:17).
Der vorbildliche junge Mann aus Matthäus 19:20 hielt nach seiner eigenen Einschätzung alle Gebote, die Jesus erwähnte. Interessanterweise zählte Jesus nur die Gebote 5-9 auf und ergänzte diese mit dem Gebot der Nächstenliebe (Mt 19:18-19). Das erste Gebot "Liebe Gott von ganzem Herzen" und damit auch die Gebote 1-4 erwähnte Jesus nicht. Hätte Jesus diese ebenfalls genannt, hätte der junge Mann vermutlich auch hier behauptet, sie einzuhalten.
Doch seine Liebe zu Gott – und damit auch zu Jesus – wies einen entscheidenden Mangel auf: Er liebte seinen Reichtum mehr als Gott (Mt 19:22). Diese Szene zeigt eindrücklich, wie ein frommer Lebenswandel dennoch an der entscheidenden Stelle scheitern kann – am Herzen. Jesus stellt nicht nur Regeln in den Mittelpunkt, sondern fragt: Wem gehört dein Herz? (Mt 6:21) Diese Prioritätensetzung führte Jesus ihm durch die nachfolgende Aufforderung deutlich vor Augen:
"Wenn du vollkommen sein willst, so geh hin, verkaufe deine Habe und gib ⟨den Erlös⟩ den Armen! Und du wirst einen Schatz in den Himmeln haben. Und komm, folge mir nach!" (Mt 19:21)
Diese Aussage Jesu offenbarte, dass das Vermögen des jungen Mannes eine höhere Priorität hatte als Gott. Die genannte Aufforderung Jesu ist kein genereller Befehl an uns alle, sämtliche Vermögenswerte zu veräußern und mittellos dazustehen, sondern sie soll uns zu einer wichtigen Frage führen: "Liebe ich Jesus mehr als alles andere? Mehr als mein Vermögen, mein Ansehen, meine Familie und mein Leben?" (Lk 14:26) Verfolgte Christen werden täglich mit dieser Frage konfrontiert, weil sie durch ihren Glauben an Jesus jederzeit alles verlieren können (2Tim 3:12).
Jesus hat das Gesetz für uns erfüllt – vollkommen und aus Liebe (Mt 5:17). Durch seinen Tod und seine Auferstehung hat er dich erlöst und dir seine Gerechtigkeit geschenkt (2Kor 5:21). Deshalb darfst du jetzt ganz aus Gnade leben. Es ist nicht deine Leistung, die dich ans Ziel bringt, sondern dein Vertrauen auf ihn (Eph 2:8-9).
HERR, erhebe dich in deiner Kraft, so wollen wir singen und loben deine Macht.
Als Jesus schon nahe am Abhang des Ölbergs war, fing die ganze Menge der Jünger an, mit Freuden Gott zu loben mit lauter Stimme über alle Taten, die sie gesehen hatten.
Wenn ein König auf seinem Thron sitzt und sich erhebt, hat das stets eine besondere Bedeutung. Diese Geste signalisiert, dass der König im Begriff ist, eine wichtige Erklärung abzugeben, eine Entscheidung zu verkünden oder eine bedeutsame Handlung vorzunehmen – beispielsweise jemanden zu begnadigen, einen Befehl zu erteilen oder ein Urteil zu fällen.
Vermutlich hatten die Schreiber der Bibel ein ähnliches Bild vor Augen, wenn sie vom Sich-erheben des HERRN sprachen. So kündigte Gott in Jes 33:10 an, dass er sich erheben würde, um gegen das Böse einzugreifen. In Ps 82:8 bittet der Dichter Gott darum, aufzustehen, um die Erde zu richten.
Wenn Gott sich erhebt, ist das wie ein Lichtstrahl, der durch dunkle Wolken bricht: Geringe werden gesehen (Ps 113:7-8), Unterdrückte erfahren Gerechtigkeit (Ps 103:6) – und Menschen brechen in Lobpreis aus. Wenn der HERR sich erhebt, manifestieren sich seine Gerechtigkeit und Allmacht.
Nachdem Jesus in Jericho Blinde geheilt (Mt 20:30 / Lk 18:35-43) und später in Bethanien Lazarus von den Toten auferweckt hatte – einen Mann, der bereits vier Tage verstorben war (Joh 11:17) – wuchs sowohl unter den Jüngern als auch in der Bevölkerung eine große Euphorie. Viele waren überzeugt: Jesus ist tatsächlich der verheißene und lang ersehnte Messias. Mit dieser Überzeugung verbanden sich automatisch all die Erwartungen, die aus den Verheißungen über den Messias stammten. Man glaubte, er würde alle Feinde Israels besiegen und ein beispielloses Friedensreich errichten.
Diese Gedanken begleiteten sowohl die Jünger als auch viele aus dem Volk, die zusahen, wie Jesus unter großem Jubel auf einem Eselsfohlen den Ölberg hinabritt und in Richtung Jerusalem zog (Sach 9:9). Daraufhin begann die ganze Menge der Jünger, mit lauter Stimme freudig Gott zu loben für all die Wunderwerke, die sie miterlebt hatten, und sie riefen:
"Gepriesen [sei] der König, der da kommt im Namen des Herrn!" Friede im Himmel und Herrlichkeit in der Höhe!"
Eine Masseneuphorie entwickelte sich, die hier und später im Tempel ihren Höhepunkt erreichte (Mt 21:15). Doch Begeisterung allein bietet keine tragfähige Basis, um in Krisenzeiten am Gottvertrauen festzuhalten. Die Freude jener Tage hielt nicht stand. Als sich zeigte, dass Jesus nicht der politische Befreier war, den man erwartete, kippte die Stimmung. Aus Jubel wurde Wut – und viele, die zuvor 'Hosanna' riefen, schrien nun: 'Kreuzige ihn!' (Mt 27:22-23)
Tatsächlich hat der Messias in diesen Tagen den größten aller Feinde besiegt und die Grundlage für einen Frieden geschaffen, der viel umfassender war als nur ein äußerer Friede (Joh 14:27). Doch dies geschah völlig anders, als das Volk es sich vorgestellt hatte. Jesus besiegte nicht den irdischen Feind der Juden – die römische Besatzungsmacht – und errichtete auch kein Weltfriedensreich. Stattdessen überwand er den Tod, die mächtigste Kraft des Universums (1Kor 15:54-55), und schuf die Grundlage für einen inneren Herzensfrieden. Dieser Friede ermöglicht es uns, später in das Himmelreich Gottes einzugehen, denn das Königreich Jesu ist nicht von dieser Welt (Joh 18:36)!
Wer Jesus im Herzen trägt, wird – so wie Stephanus in seiner letzten Stunde (Apg 7:55-56) – sehen dürfen, wie sich der König des Himmels erhebt. Kein Schmerz, keine Not, keine Träne bleibt dann mehr (Offb 21:4). Mit unvorstellbarer Freude werden wir vor seinem Thron niederfallen und ihn anbeten – für seine Gnade, seine Wunder und seinen Sieg über den Tod (Offb 5:13-14).
Du sollst den Namen des HERRN, deines Gottes, nicht missbrauchen; denn der HERR wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen missbraucht.
Unser Vater im Himmel! Dein Name werde geheiligt.
Sowohl die Zehn Gebote als auch das Vaterunser gehören zu den ganz zentralen Texten der Bibel und gehören quasi zum „ABC" eines christlichen Lebensstils. Während der Losungstext ein Verbot formuliert, ruft uns der Lehrtext positiv zur Heiligung des Namens Gottes auf, bei dem sich das Herz eines Beters bewusst machen darf, was oberste Priorität hat.
Der Missbrauch von Menschen in schwächeren Positionen ist ein gravierendes Problem, das regelmäßig thematisiert wird. Besonders schwer wiegt solcher Missbrauch, wenn er von Menschen geschieht, die sich Christen nennen. Warum? Weil sie dadurch auch den Namen Gottes missbrauchen, indem sie ihn für ihre eigenen Vorteile instrumentalisieren (Hes 36:20-23).
In ihrer Übersetzung gibt die Elberfelder Bibel das dritte Gebot folgendermaßen wieder:
"Du sollst den Namen des HERRN, deines Gottes, nicht zu Nichtigem aussprechen, denn der HERR wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen zu Nichtigem ausspricht."
Mit "Nichtigem" ist Leeres, Wertloses oder Falsches gemeint. Aus göttlicher Sicht ist alles, was nicht aus der Liebe geschieht, wertlos! In den ersten drei Versen von 1. Korinther 13 zählt Paulus sogar sehr wertvolle Gaben auf – wie etwa Glauben und Erkenntnis – die jedoch ohne das göttliche Motiv der Liebe zu einer nutzlosen und leeren Hülle werden (1Kor 13:1-3).
Wer den Namen Gottes mit Nichtigem und Wertlosem in Verbindung bringt, verunehrt Gott und beschmutzt seine Ehre (Mal 1:6-7). Menschen, die die Bibel nicht kennen oder nur unzureichend verstanden haben, werden sich infolgedessen von Gott abwenden und sagen: "Mit diesem Gott will ich nichts zu tun haben!"
Auch unsere Sprache ehrt – oder entehrt – Gott. Der Missbrauch des Namens Gottes geschieht nicht nur durch Taten religiöser Heuchelei, sondern beginnt oft schon in unserer Sprache (Jak 3:9-10). In Redewendungen wie „Oh mein Gott", „um Himmels willen" oder ähnlichen Floskeln wird Gottes Name häufig gedankenlos gebraucht.
Auch wenn solche Worte nicht böswillig gemeint sind, zeigen sie oft eine innere Gleichgültigkeit gegenüber dem Heiligen. Der Name Gottes steht jedoch für sein Wesen, seine Gegenwart, seine Majestät (Ps 8:2). Im Judentum war dieser Name so heilig, dass er nicht einmal ausgesprochen wurde. Diese Ehrfurcht dürfen auch wir neu lernen – nicht aus Zwang, sondern aus Liebe und Respekt vor dem lebendigen Gott.
Je bewusster wir sprechen, beten und über Gott reden, desto mehr wird unser Reden ein Ausdruck von Wertschätzung. Unsere Worte können seine Ehre widerspiegeln – oder sie entehren (Kol 3:17).
Jede Form des Missbrauchs verursacht psychische Verletzungen und beraubt Menschen ihrer Würde. Dies erschwert zugleich den Zugang zum Gott der Liebe. Dennoch wäre es falsch, den heiligen Gott mit jenen gleichzusetzen, die behaupten, seine Boten zu sein. Nicht jeder Pfarrer, Priester oder Christ ist automatisch ein Diener Gottes! Wahre Diener Gottes sind nur diejenigen, die zur Ehre Gottes und aus Liebe zu den Menschen leben wollen (Mt 7:21-23)!
Um ein wirklicher Diener Gottes zu sein, braucht man eine Kind-Vater-Beziehung zu ihm. Deshalb beginnt Jesus sein Mustergebet mit den Worten: "Unser Vater" (Röm 8:15). Wer in Gott den liebenden Vater erkennen darf – einen Vater, der uns nahe ist, für uns sorgt und uns alles Notwendige für Zeit und Ewigkeit schenkt – der kann aus einer vertrauensvollen Beziehung zu ihm leben. Gleichzeitig ist er ein Gott, der im Himmel thront und über allen Himmeln wohnt (Ps 113:4-6). Diese Erhabenheit sollte uns mit Ehrfurcht erfüllen, damit wir ihm mit dem gebührenden Respekt dienen können.
Wenn wir Gott aus kindlichem Vertrauen heraus dienen und unseren Mitmenschen in Liebe und Wertschätzung begegnen, wird sein Name nicht nur geehrt – er wird durch unser Leben sichtbar geheiligt. Möge der HERR uns auch heute die Gnade schenken, dies zu tun (Phil 2:13).
Der HERR wird seinem Volk Kraft geben.
Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.
Manchmal hat Gott Humor: Die beiden heutigen Verse reden von Kraft und Stärke, während ich genau das Gegenteil fühle – eine bleierne Müdigkeit. Die Ursache ist eine beinahe schlaflose Nacht. Der Grund dafür waren keine schwerwiegenden Sorgen oder Probleme, sondern belanglose Gedanken, die sich im Kreis drehten und nicht zur Ruhe kamen. Als ich dann kurz nach zwei Uhr endlich in einen oberflächlichen Schlaf fiel, war ich erstaunt, dass mich der Herr trotzdem kurz vor vier geweckt hat.
Mein Herr hat mir Kraft gegeben, um aufstehen zu können – nicht so, dass ich mich völlig fit und energiegeladen fühle. Wenn wir in der Bibel lesen, dass der HERR den Seinen Kraft und Vermögen schenkt (Ps 68:36), stellen wir uns das oft anders vor, als es tatsächlich ist. Am liebsten hätten wir Kraft im Voraus und im Überfluss, mit möglichst vielen Reserven. Ein ständig voll geladener "Akku" entspräche unserer Wunschvorstellung. Doch zunehmend sorgt Gott dafür, dass unser Akku leer wird, damit wir auf die gute Idee kommen, uns an die "Steckdose" anzuschließen (2Kor 12:9). So lernen wir, aus einer kontinuierlichen Verbundenheit mit Jesus Christus zu leben, denn er sagte ganz klar:
"Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht, denn getrennt von mir könnt ihr nichts tun." (Joh 15:5)
Wer in Abhängigkeit von Jesus lebt, verfügt über mehr Kraft, als jemand, der mit "vollem Akku" durch den Alltag geht – allerdings nicht im Voraus und nicht als Reserve (Phil 4:13)!
Wenn man alle Informationen über Timotheus zusammenträgt, gewinnt man den Eindruck, dass er alles andere als ein "Alphatier" war. Er fühlte sich anfangs – wie andere Gottesmänner auch – zu jung (1Tim 4:12), und er war eher schüchtern und harmoniebedürftig. Vermutlich war er ein sanfter, feinfühliger Mann. Heute würde man ihn vielleicht als "hochsensibel" bezeichnen. Mit diesem Grundcharakter neigte er jedoch auch zu Ängstlichkeit und Feigheit. So könnte man das griech. deilia auch übersetzen.
Paulus erinnert seinen geistlichen Sohn daran, dass Gott uns einen Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit gegeben hat. Gott lässt seine Kraft in unserer Schwachheit zur Vollendung kommen (2Kor 12:9), und er hat seine Liebe durch den Heiligen Geist in unsere Herzen gegossen (Röm 5:5). Zusammen mit der Besonnenheit, die uns zu göttlicher Vernunft führt und sich durch Mäßigung auszeichnet, können wir dem HERRN optimal dienen und für andere Menschen ein Segen sein – auch in Zeiten der Anfechtung und des Kampfes (Jak 1:2-4).
Nun freue ich mich darauf, mich noch einmal hinlegen zu können, und wünsche allen einen gesegneten und erholsamen Sonntag (Ps 127:2)!
Ich will euch heimsuchen, spricht der HERR, nach der Frucht eures Tuns.
Sein Herr sprach zu ihm: Recht so, du guter und treuer Knecht, du bist über wenigem treu gewesen, ich will dich über viel setzen; geh hinein zu deines Herrn Freude!
In Jeremia 21 wird beschrieben, wie König Zedekia Paschur fragt, ob die Stadt Jerusalem, die vom babylonischen König Nebukadnezar erneut belagert wurde, wieder verschont bleiben würde. Dies war seine große Hoffnung, begründet auf Erfahrungen aus der Vergangenheit. Der HERR hatte früher geholfen und gerettet (Jes 37:36-37) – vielleicht würde er es auch jetzt wieder tun. Es scheint, als wäre Zedekias Hoffnung mit Glauben verbunden, eine Kombination, die oft zu einer Rettung durch Gott führte (Hebr 11:1 / Mk 11:24).
Doch der Kontext zeigt, dass der HERR durch Jeremia ein Strafgericht über Jerusalem ankündigen muss (Jer 21:5-7). Die Hoffnung und der vermeintliche "Glaube" des jüdischen Königs werden zunichte gemacht. Doch warum blieb Gottes Hilfe diesmal aus?
Die Antwort lässt sich so zusammenfassen: "Wie kann man auf eine Rettung von Seiten Gottes hoffen und gleichzeitig das Böse praktizieren? Wie kann der König von Jerusalem darauf hoffen, verschont zu bleiben, während er in seinen Gerichtsverhandlungen die Beraubten nicht befreit (Jer 21:12)?" Biblische Hoffnung und echter Glaube sind immer mit Liebe verbunden (1Kor 13:13 / Gal 5:6)! Wer böses Handeln nicht verabscheut und andere unterdrückt, kann nicht mit Gottes Rettung rechnen (Jes 1:15-17). Das musste auch Jakobus den „gläubigen Arbeitgebern" sagen, die ihren Arbeitern keinen Lohn ausgezahlt haben (Jak 5:4). Sie hatten ebenfalls einen Glauben ohne Liebe – und das ist kein echter Glaube (Jak 2:14-17)!
Inmitten dieser Gerichtsankündigung gibt es jedoch auch Hoffnung für diejenigen in der Stadt, die der Prophezeiung Jeremias glaubten. Wer aus der Stadt herausgehen und zu den Chaldäern überlaufen würde, konnte sein Leben retten (Jer 21:9). Dies war allerdings keine leichte Entscheidung, denn als Überläufer fühlte man sich wie ein Verräter. Zedekia weigerte sich, auf Jeremia zu hören, und verlor dadurch Gottes Schutz (Jer 39:7 / Jer 52:11)!
Ganz anders erging es dem guten und treuen Knecht, der über wenigem treu gewesen war. Er wurde belohnt (Mt 25:21). Der Herr eines großen Besitzes musste für längere Zeit ins Ausland reisen. Seinen verantwortlichen Knechten übergab er ein beachtliches Vermögen zur Investition und Vermehrung. Der erste erhielt 5 Talente, der zweite zwei und der letzte ein Talent – was 6.000 Denaren entsprach und den Lohn von etwa 20 Arbeitsjahren darstellte.
Der erste Knecht arbeitete "gut" – moralisch einwandfrei und tüchtig – sowie "treu", also zuverlässig und vertrauenswürdig. Dieses Gleichnis steht für Menschen, die vom HERRN während seiner Abwesenheit mit Begabungen ausgestattet werden, um für seine Sache zu arbeiten (1Petr 4:10 / Röm 12:6-8). Da der erste Knecht "im Kleinen" treu war, konnte er seine "Investition" verdoppeln. Als Folge erhielt er vom HERRN größere Verantwortung und durfte an der Freude seines HERRN teilhaben. Was bedeutet es eigentlich, im Kleinen treu zu sein? Mehr zu diesem Thema findest du hier!
Eine tätige Liebe führt nie zu einer Ablehnung Gottes, sondern letztlich immer zu einem Lob und seiner Anerkennung (1Kor 3:13-14 / 1Petr 1:7)!
Gott, wir haben mit unsern Ohren gehört, unsre Väter haben's uns erzählt, was du getan hast zu ihren Zeiten, vor alters.
Es wird eine Zeit kommen, da sie die heilsame Lehre nicht ertragen werden; sondern nach ihrem eigenen Begehren werden sie sich selbst Lehrer aufladen, nach denen ihnen die Ohren jucken.
Gesundheit ist und war schon immer ein Thema, das uns alle beschäftigt. Wenn eine Frau ein Kind geboren hat, sagen viele: "Hauptsache, es ist gesund!" Damit bringen sie ihre Dankbarkeit über ein gesundes Baby zum Ausdruck, da wir uns alle Gesundheit wünschen. Es ist schön und durchaus legitim, wenn wir einander körperliche Gesundheit wünschen. Aber ist es wirklich die Hauptsache?
Als meine Patentochter mit einer Behinderung zur Welt kam, empfanden ihre Eltern die gut gemeinte Aussage „Hauptsache gesund!" als ziemlich schmerzhaft. Bis heute lebt meine Patentochter mit ihren Einschränkungen, doch durch ihre fröhliche und vertrauensvolle Art ist sie für uns zu einem besonderen Segen geworden (2Kor 12:9).
Es gibt nicht nur körperliche Gesundheit, sondern auch seelische und geistliche. Der Apostel Johannes schreibt seinem Bruder Gajus:
"Geliebter, es ist mein Wunsch und Gebet, dass es dir in jeder Hinsicht wohl gehe und du gesund seist, so wie es deiner Seele wohl geht." (3Jo 1:2 - HSN)
Hier wünscht Johannes seinem Bruder nicht nur körperliche Gesundheit, sondern auch ein "seelisches Wohlergehen" – ein tiefes innerliches Wohlbefinden. Seelische Krankheiten sind in der Regel noch belastender als körperliche Leiden (Spr 17:22).
Jesus spricht in Lk 5:31 von "Kranken", die ihn als "Arzt" benötigen. Aus dem Zusammenhang wird klar: Die wirklich Kranken sind jene, die ein sündhaftes Leben führen – sie leiden vor allem an geistlicher Krankheit (Jes 1:5-6).
Die Lutherbibel verdeutlicht nicht ausreichend, dass Paulus im heutigen Lehrtext von einer "gesunden Lehre" spricht (griech. hygiainousēs didaskalias). Auch in 2. Timotheus 1:13 erwähnt er "gesunde Worte". Von diesem griechischen Begriff leitet sich übrigens das deutsche Wort "Hygiene" ab. Wir könnten also von einer "hygienischen Lehre" sprechen, die Geist und Seele gesunden lässt.
Gottes Wort wirkt wie ein heilsames Medikament für Geist und Seele (Ps 107:20)! Ähnlich wie ein Arzt uns empfiehlt, ein Medikament einzunehmen, um Heilung zu erfahren, müssen wir das Wort Gottes "einnehmen". Dies bedeutet, es aufzunehmen und innerlich zu verarbeiten.
Die Söhne Korachs erfuhren von ihren Vorfahren, welche Wunder Gott in der Frühzeit vollbrachte. Sie hörten auf Gottes Wort und vertrauten auf die Hilfe des HERRN. Dieses Vertrauen bildet die unverzichtbare Grundlage, um Gott gehorchen zu können. Ohne Vertrauen in den HERRN kann niemand wahrhaft gehorchen und "geistlich gesund" werden (Hebr 11:6).
Leider leben wir zunehmend in der Zeit, von der Paulus in 2Tim 4:3 spricht. Unsere Gesellschaft erlebt einen "Informations- und Bilder-Tsunami", in dem die gesunden Worte Gottes regelrecht "überflutet" werden. Heute kann sich jeder als Lehre aussuchen, was ihm am besten gefällt. Aber wie in der Ernährung gilt auch hier: "Was einem am meisten schmeckt, ist nicht unbedingt auch das Gesündeste – und was einem am besten gefällt, entspricht nicht zwangsläufig der Wahrheit!" (Spr 14:12)
Die wachsende Selbstbezogenheit führt dazu, dass Menschen vermehrt nur jenen „Lehrern" Gehör schenken, die ihre eigenen Ansichten bestätigen, statt auf Gottes Wort zu hören. Folglich können immer weniger Menschen die heilsame Lehre des Wortes Gottes ertragen. Das Resultat ist eindeutig: Der Widerstand gegen diejenigen, die treu zum Wort Gottes stehen, nimmt zu (2Tim 3:12)!
Lasst uns davon jedoch nicht entmutigt werden. Wenn diese Dinge geschehen, sollten wir vielmehr unsere Häupter erheben und auf den blicken, der vom Himmel kommen wird, um uns zu erlösen (Lk 21:28).
Höre mein Gebet, HERR, und vernimm mein Schreien, schweige nicht zu meinen Tränen.
Eine Sünderin trat von hinten zu Jesu Füßen, weinte und fing an, seine Füße mit Tränen zu netzen und mit den Haaren ihres Hauptes zu trocknen, und küsste seine Füße und salbte sie mit dem Salböl. Jesus aber sprach zu der Frau: Dein Glaube hat dir geholfen; geh hin in Frieden!
In vielen Kulturen ist die Meinung „Ein Mann weint nicht" stark verankert. Warum? Männer, die weinen, gelten als schwach und zu emotional. Manche meinen, es zeige mangelnde Selbstbeherrschung und untergrabe männliche Stärke. Diese Vorstellungen sitzen mancherorts so tief, dass Tränen bei Männern als unangemessen oder peinlich empfunden werden. Dabei wird oft vergessen, dass selbst der Sieger über Hölle, Tod und Teufel geweint hat (Joh 11:35 / Lk 19:41 / Hebr 5:7). Auch große Könige wie David und Hiskia weinten und vergossen Tränen (2Sam 15:30 / Jes 38:3).
In Psalm 39 beschreibt David die Vergänglichkeit des Menschen. Er befindet sich in tiefster Not und fühlt sich wie ein von Gott Gestrafter. Einige Bibelausleger vermuten, dass David diesen Psalm während seiner Flucht vor seinem Sohn Absalom verfasst hat. Dies war wohl die schrecklichste Situation, die sich ein Vater vorstellen kann: Der eigene, innig geliebte Sohn trachtet nach dem Leben seines Vaters. Davids Trauer war überwältigend, und er konnte nicht anders, als viele Tränen zu vergießen (2Sam 15:23). Während dieser Flucht wurde ihm vermutlich auch wieder bewusst, dass sein Schicksal teilweise die Folge seines begangenen Ehebruchs und Mordes war (2Sam 12:10-14).
Deshalb fühlte sich David als ein von Gott Gezüchtigter. Mit seiner Bitte "schweige nicht zu meinen Tränen" bringt er nicht nur seine Trauer zum Ausdruck, sondern auch seine tiefste Reue (Ps 51:19).
Tränen haben einen besonderen Stellenwert – sowohl geistlich als auch seelisch. Das Wort Gottes bezeugt dies einerseits (Ps 56:9 / Offb 21:4), während die Psychologie andererseits bestätigt hat, dass Tränen seelische Spannungen lösen und wichtige emotionale Prozesse anstoßen. Nach dem Weinen erleben viele Menschen ein Gefühl der Erleichterung oder inneren Klarheit. Tränen sind nicht nur Ausdruck von Trauer, sondern können auch Zeichen tiefer Reue sein. Zudem gibt es Freudentränen, die besonders dann fließen, wenn Menschen zutiefst berührt sind und die Liebe anderer spüren (1Mo 33:4 / 1Mo 45:14-15).
Das Schweizer Fernsehen strahlt eine Sendung namens „Happy Day" aus, in der Freunde und Verwandte Menschen nominieren können, die ein schweres Schicksal tragen. Sie schlagen vor, wie man diese Personen mit einer besonderen Überraschung erfreuen könnte. Die kreativsten Ideen werden umgesetzt, und die Reaktionen der Beschenkten werden gefilmt. Freudentränen fließen dabei regelmäßig, weil die Überraschten von der Zuwendung und Liebe ihrer Freunde oder Familie tief berührt sind.
Die Tränen der Sünderin aus Lukas 7:36-50 enthalten vermutlich mehrere Emotionen: Trauer über die Zerstörung, die ihre Sünden verursacht haben, eine tiefe, aufrichtige Reue und vor allem die Erfahrung, von Jesus bedingungslos geliebt und wertgeschätzt zu werden (1Jo 4:19). Wahrscheinlich hatte sie Jesu Liebe bereits vor dieser Begegnung erfahren – ein besonders kostbares Geschenk angesichts ihrer gesellschaftlichen Ächtung.
Jesus wurde von einem Pharisäer zum Essen eingeladen, wo die Männer vermutlich ein angeregtes theologisches Gespräch führten. Doch dann geschah das Unerhörte: Eine Sünderin betrat den Raum und wagte es, diese Unterhaltung mit ihrem "unangemessenen Verhalten" zu unterbrechen. Sie warf sich vor Jesu Füße nieder, sie weinte und benetzte seine Füße mit ihren Tränen, trocknete sie mit ihren Haaren, küsste sie und salbte sie mit kostbarem Öl. In dieser Männerrunde war dies ein äußerst anstößiges Verhalten (Lk 7:39). Doch es war ein Ausdruck ihrer tiefen Dankbarkeit und Liebe zu Jesus – wertvoller als alle theologischen Gespräche, die zuvor geführt wurden. Ihre vielen Sünden wurden ihr vergeben, weil sie viel geliebt hat – und ihre Liebe ist Ausdruck der bereits empfangenen Vergebung (Lk 7:47-48)!
Wer die Liebe Jesu erkannt und erfahren hat, kann ihn zurücklieben (1Jo 4:19). Diese Liebe zum Sohn Gottes ist wertvoller als alles, was wir mit unserer selbstgebauten Frömmigkeit sagen oder tun, denn sie bewirkt auch wahre göttliche Liebe zum Nächsten (1Jo 4:20-21)!
Der HERR führte mich hinaus ins Weite, er befreite mich, denn er hat Gefallen an mir.
Durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin. Und seine Gnade an mir ist nicht vergeblich gewesen.
David war oft auf der Flucht und durchstreifte dabei in der Wüste zahlreiche Wadis, Schluchten und Höhlen (1Sam 22:1-5 / 1Sam 24:1-4). Einerseits wurden er und seine Leute an diesen Orten weniger schnell entdeckt und fanden eher schattige Plätze mit Wasserquellen. Andererseits waren diese Orte auch beengt. David wusste aus Erfahrung, dass sie zu Fallen werden konnten, in denen man plötzlich von Feinden eingekesselt wurde. Als sie dann eine Anhöhe erreichten und in der weiten Umgebung keinen Feind erblickten, empfanden sie eine enorme Erleichterung.
Vielleicht hatte David eine solche Begebenheit vor Augen, als er von seiner Befreiung sprach, die ihm große Erleichterung verschaffte. Beengte Situationen begegnen uns in vielfältiger Form: als innere und äußere Gefängnisse, als Zwänge oder Abhängigkeiten, die unsere wahre Freiheit einschränken (Joh 8:36). Mit zunehmendem Alter bringen körperliche Einschränkungen oft eine verminderte Bewegungsfreiheit mit sich, was ebenfalls ein Gefühl der Enge hervorrufen kann. Dabei erinnere ich mich an einen Satz, den ein Prediger meiner Jugendzeit oft zitierte:
Gott führt durch das „Tal der Bewährung" auf den „Berg der Verklärung"! (Ps 23:4 / Mt 17:1-9)
In den ersten Versen des Auferstehungskapitels beschreibt sich Paulus als unwürdiger Apostel, weil er vor seiner Bekehrung die Gemeinde Gottes verfolgte (1Kor 15:9). Als anerkannter Schriftkenner und als jemand, der Gott gefallen wollte, hätte man von ihm ein besseres Verhalten erwarten können. Doch er handelte nicht nach Gottes Willen. Wahrscheinlich war ihm kaum bewusst, wie sehr er in religiöser Gesetzlichkeit gefangen war (Gal 1:13-14).
Obwohl Paulus Gott mit seinem Verhalten nicht gefallen hatte, gefiel es Gott dennoch, ihn aus seinem engen pharisäischen Denken zu befreien. So wurde er in eine „geistliche Weite" und Freiheit geführt (Gal 5:1). Gott holte ihn aus der Schlucht der Gesetzlichkeit und führte ihn in eine Weite, in der er sowohl den größtmöglichen Weitblick als auch ein weites Herz empfangen durfte. Gott offenbarte ihm seine Endziele mit der ganzen Schöpfung (Eph 1:9-10), und Paulus durfte eine geistliche Freiheit erleben, die oft in starkem Kontrast zu seinen tatsächlichen Gefängnisaufenthalten stand (Phil 1:12-14).
Von der Gnade Gottes überwältigt, diente Paulus dem HERRN mit vollkommener Hingabe. Er verstand, dass seine neue Identität allein Gottes Gnade zu verdanken war. Die Tatsache, dass Gott ausgerechnet ihn – einen ehemaligen Christenverfolger – zum Apostel berufen hatte, bewegte ihn so tief, dass er seine Arbeit aus reiner Liebe und Hingabe zu Gott verrichten konnte (2Kor 5:14-15).
Wo fühlst du dich eingeengt, bedroht und unfrei? Rufe zu Gott, wie David es tat, und vertraue auf ihn (Ps 50:15). Er kann dich jederzeit befreien. Selbst wenn deine Befreiung noch aussteht und vielleicht später eintritt als erhofft – Gott kennt deine Enge. Und er hat die Kraft und die Gnade, dich in seine Weite zu führen – heute schon in deinem Herzen (2Kor 3:17), und eines Tages für immer (Offb 21:4).
Ehe ich gedemütigt wurde, irrte ich; nun aber halte ich dein Wort.
Jesus spricht zu Simon Petrus: Simon, Sohn des Johannes, hast du mich lieb? Er spricht zu ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich lieb habe. Spricht Jesus zu ihm: Weide meine Schafe!
Früher fürchtete ich mich vor Demütigungen, weil sie mir ein Gefühl der Wertlosigkeit vermittelten. Fehlende Wertschätzung lässt uns fühlen, nicht geliebt zu sein – und das schmerzt. Heute jedoch beunruhigt mich mehr, wie ich mit einer Demütigung umgehe. Warum? Weil eine Demütigung zwei grundverschiedene Reaktionen auslösen kann: Entweder Ärger und Verbitterung, wenn ich an meinem Stolz festhalte, oder das demütige Eingeständnis, ein fehlerhafter Mensch zu sein, der auf Gottes Gnade und Vergebung angewiesen ist (Jak 4:6 / 1Jo 1:9).
In einem Demütigungsprozess durchlebe ich meist beide Phasen: Zunächst empfinde ich Ärger und aufkeimende Bitterkeit. Dann muss ich demütig erkennen, dass mein Zorn in etlichen Fällen eine Reaktion meines Stolzes und Hochmuts war. Das Festhalten am Stolz und Verharren in Bitterkeit wäre aus geistlicher Sicht eine Katastrophe – denn so verschließen wir uns selbst den Zugang zur Gnade (Jak 4:6-7). Deshalb fürchte ich einen falschen Umgang mit Demütigung mehr als die Demütigung selbst – obwohl jede Demütigung schmerzhaft bleibt. Allerdings ist es auch wahr: Mit Demut lässt sich eine Demütigung viel leichter ertragen (1Petr 5:5-6).
Stolz oder zumindest kleine Restbestände des Hochmuts gehen einer Demütigung meist voraus. Überheblichkeit ist nicht nur ein folgeschwerer Irrtum, sondern auch ein ernstes Problem für jede Gemeinschaft, die von Liebe und Wertschätzung geprägt sein sollte (Phil 2:3-4). Es ist ein Irrtum, weil uns oft nicht bewusst ist, dass alles, was wir sind und haben, ein Geschenk Gottes ist (1Kor 4:7). Und es schädigt die Gemeinschaft, weil Hochmut das Gegenüber entwertet und ihm die von Gott verliehene Würde abspricht – ganz unabhängig davon, ob unser Gegenüber schwächer oder vermeintlich weniger attraktiv erscheint.
Kurz vor seinem Tod sagte Jesus zu seinen Jüngern:
Ihr werdet alle in dieser Nacht an mir Anstoß nehmen; denn es steht geschrieben: »Ich werde den Hirten schlagen, und die Schafe der Herde werden zerstreut werden.« (Mt 26:31)
Daraufhin entgegnete Petrus mit absoluter Überzeugung: „Wenn alle an dir Anstoß nehmen werden, ich werde niemals Anstoß nehmen." Jesus antwortete ihm: „Wahrlich, ich sage dir, dass du in dieser Nacht, ehe der Hahn kräht, mich dreimal verleugnen wirst." Doch Petrus, noch immer von seiner Standhaftigkeit überzeugt, erwiderte: „Selbst wenn ich mit dir sterben müsste, werde ich dich nicht verleugnen." (Mt 26:33-35)
Vor seiner Demütigung überschätzte Petrus seine Standhaftigkeit im Vergleich zu den anderen. Er erkannte noch nicht, dass er ohne Gottes Kraft niemals treu bleiben konnte (Joh 15:5). Sein Irrtum wurde bald offensichtlich. Nach der dreimaligen Verleugnung wurde ihm schmerzlich bewusst: "Ich bin keinen Deut besser als die anderen und ohne Gottes Kraft vermag ich nichts!" Seine Demütigung – sein schmerzliches Versagen – beseitigte diesen Irrtum. Erst jetzt, als demütiger Apostel, war er fähig, "die Schafe zu weiden" – die Gläubigen mit geistlicher Nahrung zu versorgen und sie angemessen zu leiten (1Petr 5:2-3).
Um diese Aufgabe vollenden zu können, benötigte er jedoch die Liebe zu Jesus (Joh 21:15-17). Ohne diese Liebe zu Jesus bleibt jeder Dienst leer – und verliert seinen geistlichen Wert (1Kor 13:1-3). Der HERR schenke dir und mir sowohl Demut als auch diese tiefe Liebe zu Ihm.
Friede, Friede denen in der Ferne und denen in der Nähe, spricht der HERR; ich will sie heilen.
Gott hat das Wort dem Volk Israel gesandt und Frieden verkündigt durch Jesus Christus, welcher ist Herr über alles.
Wenn wir auf die Menschheitsgeschichte zurückblicken, hat es wohl kaum eine Zeit gegeben, in der es auf unserer Erde keine kriegerischen Konflikte und militärische Auseinandersetzungen gegeben hat. Dass wir in Mitteleuropa seit 80 Jahren keinen Krieg erleben mussten, darf uns freuen, aber nicht weit von uns fliegen die Raketen und Drohnen laden ihre tödliche Fracht über den Städten ab. Kein Friede in Sicht – weder in der Ukraine noch im Sudan und erst recht nicht im Nahen Osten. Die Zivilbevölkerung leidet, die Flüchtlingsströme schwellen an und der Wunsch nach dauerhaftem Frieden ist weltweit groß. Wie kann Friede gelingen?
Das friedvolle Zusammenleben der Völker ist lediglich ein Aspekt des Friedens, der ein vielschichtiger Begriff mit vielen Facetten ist: Ehefrieden, Betriebsfrieden, Tariffrieden, Koalitionsfrieden, Religionsfrieden, Völkerfrieden, Weltfrieden – all diese Begriffe verdeutlichen, dass Friede ein Beziehungsbegriff ist (Ps 133:1 / Eph 4:3). Frieden herrscht zwischen Eheleuten, Arbeitskollegen, Persönlichkeiten oder Völkern (Röm 12:18). Oder zwischen Nachbarn: „Es kann der Frömmste nicht in Frieden bleiben, wenn es dem bösen Nachbar nicht gefällt." So lässt Friedrich Schiller seinen Wilhelm Tell im vierten Aufzug des gleichnamigen Stückes sagen. Frieden hat es also immer mit Beziehung zu tun (Mt 5:9 / Jak 3:18).
Ein friedvolles Miteinander ist ein Grundbedürfnis eines jeden psychisch gesunden Menschen. Dann müssen wir uns die Frage stellen, warum ein friedvolles Miteinander so schwer zu leben ist. Warum wohl? Weil mit dem Sündenfall, also mit der Grundentscheidung des Menschen, sein Leben autonom und ohne Gott gestalten zu wollen, der erste entscheidende Beziehungsbruch vollzogen wurde (1Mo 3:6 / Jes 59:2). Was damals im Garten Eden geschah, hat zutiefst zerstörerischen Charakter! Die entscheidende Beziehung – die zwischen Geschöpf und Schöpfer, zwischen Mensch und Gott – wurde vom Geschöpf nachhaltig gestört. Diese Beziehungskrise ist die Ursache aller Krisen, die wir heute als belastend, störend, verstörend und unheilvoll wahrnehmen (Röm 8:22). Und so wird dauerhafter Friede auf allen Beziehungsebenen unerreichbar bleiben, wenn die Beziehungsfrage zwischen dem Menschen und Gott, zwischen dir und deinem Schöpfer nicht geklärt ist (Joh 14:27 / Kol 1:20).
Von Gottes Seite ist alles getan, um die Gemeinschaft zwischen ihm und dir wiederherzustellen. Das ist die zentrale Botschaft von Petrus in seiner Rede im Haus des Kornelius.
„Gott hat das Wort dem Volk Israel gesandt und Frieden verkündigt durch Jesus Christus, welcher ist Herr über alles". (Apg 10:36)
Das Evangelium von Jesus Christus, dem Sohn Gottes, seiner Menschwerdung, seinem Stellvertretertod am Kreuz und seiner Auferstehung ist der Schlüssel, um die gestörte Beziehung zu Gott wiederherzustellen. Jesus Christus ist der Weg zum Vaterherz Gottes (Joh 14:6). Der Vorhang im Tempel Jerusalems zerriss in der Sterbestunde Jesu als Symbol dafür, dass der Weg zu Gott frei ist (Mt 27:51 / Hebr 10:20). In der persönlichen Annahme dieses gewaltigen Angebots Gottes im Glauben an seinen Sohn Jesus Christus wird die verlorene Beziehung zwischen dir und Gott wiederhergestellt – Friede wird möglich! Der Apostel Paulus formuliert das unmissverständlich: „Christus ist unser Friede" (Eph 2:14).
Der Friede als Frucht des Heiligen Geistes (Gal 5:22) strahlt auf alle anderen Beziehungsebenen aus, dafür garantiert Gott selbst, der ein Gott des Friedens ist (Röm 16:20). Gott ist auch der Garant dafür, dass Friede zwischen den Völkern herrschen wird, wenn sein Reich auf dieser Erde aufgerichtet wird (Jes 2:4 / Mi 4:3). Selbst das scheinbar unlösbare Nahostproblem wird er befrieden und die Friedenssehnsucht Israels erfüllen (Jes 9:6 / Sach 9:10).
„Friede, Friede denen in der Ferne und denen in der Nähe, spricht der HERR; ich will sie heilen.“ (Jes 57:19)
Wer sein Leben Jesus Christus anvertraut hat, darf heute schon – tagtäglich – die Verheißung aus Phil 4:7 in Anspruch nehmen:
„Der Friede Gottes, der allen Verstand übersteigt, wird eure Herzen und eure Gedanken bewahren in Christus Jesus."
Du bist ja doch unter uns, HERR, und wir heißen nach deinem Namen; verlass uns nicht!
In Antiochia wurden die Jünger zuerst Christen genannt.
Wenn sich heute jemand als Christ vorstellt, löst das ganz Unterschiedliches aus: Zustimmung, Neugier, Ablehnung – je nachdem, was der andere mit diesem Namen verbindet. Doch was sagt ein Name eigentlich über uns aus – und was sagen wir über einen Namen durch unser Leben? (Spr 22:1 / 1Petr 4:16)
Formt uns der Name – oder formen wir den Namen? Habe ich zuerst eine Identität und erhalte dann einen Namen? Oder prägt mich der Name, den ich trage, so sehr, dass daraus meine Identität erwächst? Die Antwort ist: Beides. Name und Identität beeinflussen sich gegenseitig. Der Name, den wir tragen, wirkt nach innen wie nach außen. (Jes 43:1)
Bezeichnungen, die uns gegeben werden – oder die wir annehmen – prägen unser Selbstbild. Sie schaffen Zugehörigkeit, Erwartungen und oft auch unbewusste Verhaltensmuster. Wer als Christ aufwächst, lebt aus einer bestimmten geistlichen Prägung – und das beeinflusst das Denken, Fühlen und Handeln. (Röm 8:14-15)
Gleichzeitig verleihen wir dem Namen, den wir tragen, durch unser Leben Bedeutung. Wer den Namen "Christ" trägt und Nächstenliebe, Barmherzigkeit und Vergebung lebt, prägt mit, wie dieser Name in der Welt wahrgenommen wird. Umgekehrt wirft ein liebloses, selbstgerechtes oder gleichgültiges Leben ein schlechtes Licht auf den Namen Jesu – egal, wie oft man ihn bekennt. (Mt 5:16 / Jak 2:14-17)
Ein Name ist mehr als ein Klang. Er ist ein geistliches "Programm". Hören wir „Jesus Christus", denken wir an Liebe, Gnade, Wahrheit. Hören wir „Adolf Hitler", kommt uns das Gegenteil in den Sinn: Gewalt, Hass, Zerstörung. Namen speichern Bedeutung – und rufen sie ab. (Phil 2:9-11)
Wenn ich einem fremden Menschen sage: „Ich bin Christ", wird dieser Mensch all seine bisherigen Erfahrungen mit diesem Begriff auf mich projizieren – gute wie schlechte. Vielleicht sieht er im christlichen Glauben etwas Verstaubtes oder Rückständiges. Vielleicht erinnert er sich aber auch an Liebe, Hoffnung und Versöhnung. Ich selbst entscheide mit, welches Bild sich bestätigt oder korrigiert. (2Kor 3:2-3)
Ähnliches gilt in vielen Kontexten: Wenn sich ein Jude einem antisemitisch denkenden Menschen zu erkennen gibt, löst das oft Ablehnung aus. Ein Atheist wird von einem strenggläubigen Muslim möglicherweise unverständig oder mit Sorge betrachtet. Namen machen sichtbar – und sie machen angreifbar. (Joh 15:18-19 / 1Petr 4:14)
In Jeremia 14 bittet der Prophet um Gnade für sein Volk. Er erinnert Gott daran: „Wir heißen nach deinem Namen." Doch Gott weist die Bitte zurück – denn das Volk ist abgewichen, hört auf Lügenpropheten und lebt nicht nach Gottes Willen. Der Name allein reicht nicht aus. Entscheidend ist, ob das Leben diesem Namen Ehre macht. (Jer 14:7-10 / Mt 7:21-23)
Wer den Namen des HERRN trägt, steht in einer besonderen Beziehung – und Verantwortung. Als Christen tragen wir den Namen Jesu, des Erlösers. Das ist Ehre und Auftrag zugleich. Wenn wir diesen Namen bekennen, aber gleichgültig, unbarmherzig oder eigennützig leben, verunehren wir ihn – und verfehlen den Weg, den er uns gezeigt hat. (2Tim 2:19 / Tit 2:11-14)
In Antiochia wurden die Jünger Jesu erstmals „Christen" genannt. Ein Jünger (griech. mathetés) ist aber mehr als ein bloßer Anhänger – er ist ein Lernender, ein Nachfolger. Ein Christ ist also jemand, der Jesu Lehren hört, verinnerlicht – und umsetzt. Liebe, Gnade, Wahrheit – das sind keine frommen Etiketten, sondern gelebte Haltungen. (Joh 8:31-32 / Lk 9:23)
Möge der HERR uns die Gnade schenken, dass unser Leben nicht nur den Namen "Christ" trägt, sondern ihn auch widerspiegelt – in Barmherzigkeit, Wahrheit und Treue. Damit andere in uns den erkennen, dessen Namen wir bekennen.
Meine Seele ist stille zu Gott, der mir hilft.
Es ist gerecht bei Gott, dass er denen vergilt mit Bedrängnis, die euch bedrängen, euch aber, die ihr Bedrängnis leidet, Ruhe gibt zusammen mit uns, wenn der Herr Jesus offenbart wird vom Himmel her.
Psalm 62 zeigt deutlich, dass David von Feinden umgeben war, die ihn bedrängten. Er befand sich häufig in lebensbedrohlichen Situationen – so auch hier. Zu den schlimmsten Erfahrungen zählt es, in die Hände von Feinden zu geraten, die daran Freude finden, ihre Opfer zu demütigen und zu quälen. Normalerweise löst ein solches Schreckensszenario bei jedem Menschen eine lähmende Angst aus (Ps 34:5).
Wie gelang es David, ruhig und gelassen zu bleiben, obwohl er ständig von Feinden umgeben war? War er nicht besorgt, wenn seine Lage ausweglos erschien? Auch David war mit Angst vertraut – ebenso wie wir, doch er hatte bereits in jungen Jahren den allmächtigen Gott kennengelernt. Weil er dem Wort Gottes vertraute und bewusst in einer Vertrauensbeziehung zum HERRN lebte, erlebte er immer wieder, wie Gott ihm trotz zahlreicher Bedrängnisse beistand und half (Ps 34:7-8). Durch das Gebet sammelte David Glaubenserfahrungen, die sein Vertrauen nachhaltig stärkten. Die Verse 2+3 übersetzt die Elberfelder Bibel wie folgt:
"Nur auf Gott ⟨vertraut⟩ still meine Seele, von ihm ⟨kommt⟩ meine Rettung. Nur er ist mein Fels und meine Rettung, meine Festung; ich werde kaum wanken."
Auch David stand immer wieder in der Gefahr, von Sorge und Angst überwältigt zu werden. Doch dann erinnerte er sich an Gottes Wirken in seinem Leben, was seine aufgewühlte Seele zur Ruhe brachte (Ps 77:12-13). Indem er seine Gedanken ganz auf Gott richtete, erwuchs in ihm die Gewissheit: "Gott wird mir helfen – wie auch immer!" Diese Fokussierung auf Gott war wichtig, aber das Entscheidende war letztlich das gnädige Einwirken des Geistes Gottes, der Davids Seele Stille und Gelassenheit schenkte (Ps 131:2).
Die junge Gemeinde in Thessalonich kämpfte mit ähnlichen Problemen – auch sie wurde verfolgt und litt unter Angst. Paulus versprach den Gläubigen keine schnelle Lösung ihrer Bedrängnis. Er wusste, dass Christen immer wieder mit Verfolgung rechnen müssen – das hat sich bis heute nicht geändert (2Tim 3:12)! Doch der Apostel zeigte den Thessalonichern, dass Gott jedes Unrecht sieht und bei der Wiederkunft des Herrn Jesus den Bedrängten Ruhe schenken und die Verfolger zur Rechenschaft ziehen wird.
Eines Tages wird Gott das Recht wiederherstellen und einen großen Ausgleich schaffen. Unterdrückte und Bedrängte werden für immer ihre Ruhe finden, während die Unterdrücker – sofern sie nicht von ihrer Bosheit umgekehrt sind – ihrer gerechten Strafe zugeführt werden (Offb 20:11-15). In der Endzeit wird die Entrückung der Gläubigen stattfinden, wie Paulus in 1Thes 4:13-18 prophezeit hat. Auch Jesaja deutet dieses Ereignis an, als er weissagen durfte:
"Der Gerechte kommt um (damit sind Christus und auch seine Märtyrer gemeint), aber es gibt keinen, der es zu Herzen nimmt. Und die treuen Männer werden hinweggerafft, ohne dass jemand es beachtet. Ja, vor der Bosheit wird der Gerechte hinweggerafft; er geht ein zum Frieden. Sie ruhen auf ihren Lagerstätten, ⟨jeder,⟩ der seinen geraden ⟨Weg⟩ geht." (Jes 57:1-2)
Richte deinen Blick auf Jesus und vertraue Ihm (Hebr 12:2)! Wer weiß, vielleicht wird auch dir das Wunder der Entrückung zuteil – so Gott will. Ob in Bedrängnis oder Frieden – unsere Ruhe finden wir letztlich nicht in äußeren Umständen, sondern in der Nähe unseres Herrn (Mt 11:28-30). Deshalb: Lass dein Herz still werden vor Gott, vertraue Seinem Wort und halte fest an der Hoffnung, die in Christus verankert ist (Hebr 6:19).
Unsere Abtrünnigkeit steht uns vor Augen, und wir kennen unsere Sünden: abtrünnig sein und den HERRN verleugnen.
Wenn jemand sündigt, so haben wir einen Fürsprecher bei dem Vater, Jesus Christus, der gerecht ist.
Die heutige Tageslosung stellt uns vor eine unbequeme, aber heilsame Wahrheit: Wir werden uns unserer eigenen Abtrünnigkeit bewusst. Doch gerade in dieser Erkenntnis liegt der Anfang echter Gnade.
Die wahre Selbsterkenntnis ist für jeden Menschen zunächst schmerzhaft, da er sich plötzlich so sieht, wie Gott ihn wahrnimmt (1Sam 16:7). Selbst Menschen mit einem vergleichsweise "vorbildlichen Leben" sind erschüttert, wenn der Heilige Geist ihnen zeigt, wie der HERR ihre Motive beurteilt (Spr 16:2). Es gleicht dem Erlebnis, Fenster im Halbdunkel zu putzen und bei Sonnenaufgang ernüchtert festzustellen, dass sie längst nicht so sauber sind wie gedacht. Besonders frustrierend ist, wie unbarmherzig das Tageslicht jeden einzelnen Flecken enthüllt.
So ähnlich ist es, wenn der Heilige Geist mein Herz durchleuchtet: Plötzlich erkenne ich, dass die Dinge, auf die ich einst stolz war, unvollkommen und mangelhaft sind. Ich sehe mit neuer Klarheit, wie nachlässig ich oft mit der Wahrheit umging und wie ich manchmal mehr Wert auf äußeren Schein als auf Authentizität legte (Mt 23:27-28).
Wer 1. Korinther 13, das wunderbare Kapitel über die göttliche Liebe, gelesen hat, freut sich einerseits über das liebevolle und barmherzige Wesen Gottes. Andererseits wird ihm schmerzlich bewusst, wie weit er selbst von dieser vollkommenen Liebe entfernt ist (Röm 3:23).
Interessanterweise erzeugt das Lesen dieses Textes längst nicht bei allen ein so tiefgehendes Bewusstsein über die eigene Unvollkommenheit. Manche erkennen nicht, dass mangelnde Liebe ihre Wurzel im Egoismus hat – der in Gottes Augen Sünde ist (Phil 2:3-4). Dies liegt oft an fehlender Selbstreflexion. Ich selbst mied lange eine ehrliche Selbstbetrachtung, weil ich unbewusst fürchtete, meinen Selbstwert zu verlieren. Dies geschah, weil ich meinen Wert durch Leistung und Ansehen definierte. Erst als ich erkannte, dass ich allein deshalb wertvoll bin, weil Gott mich unendlich liebt und für mich den höchsten Preis bezahlt hat (1Petr 1:18-19 / Joh 3:16), konnte ich beginnen, meine Fehler einzugestehen. Sogar für eine gesunde Selbstreflexion brauchen wir letztlich die Gnade Gottes (2Kor 12:9).
Wer sich selbst im Lichte Gottes betrachtet, erkennt – wie Jesaja – seine eigene Abtrünnigkeit, die ihm zuvor nicht bewusst war (Jes 6:5). Das hebräische Wort "pasha", das Luther mit "Abtrünnigkeit" übersetzt, beschreibt ein "Gehen" oder "Sich-Ausdehnen" und bedeutet im Kern ein "Weggehen von Gott" und seinen Werten. Wer diese Erkenntnis gewinnt, wird sich seiner Sündhaftigkeit bewusst – eine wesentliche Voraussetzung für ein aufrichtiges Sündenbekenntnis vor Gott. Dieses Bekenntnis, verbunden mit der Zusage aus Gottes Wort, führt zur Gewissheit der Vergebung. Deshalb schrieb Johannes:
"Wenn wir unsere Sünden bekennen, ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von jeder Ungerechtigkeit." (1Jo 1:9)
Dies ist nur möglich, weil Jesus unsere Sünde ans Kreuz getragen hat und uns mit seiner Gerechtigkeit beschenkt (2Kor 5:21 / 1Petr 2:24). Zugleich ist er – gemeinsam mit dem Heiligen Geist – unser Fürsprecher und Beistand beim himmlischen Vater (Röm 8:26). Welch unbeschreibliches Geschenk der göttlichen Gnade!
Heile du mich, HERR, so werde ich heil; hilf du mir, so ist mir geholfen.
Damit ihr wisst, dass der Menschensohn Vollmacht hat auf Erden, Sünden zu vergeben - sprach Jesus zu dem Gelähmten: Ich sage dir, steh auf, nimm dein Bett und geh heim! Und sogleich stand er auf vor ihren Augen und nahm das Bett, auf dem er gelegen hatte, und ging heim und pries Gott.
Der heutige Losungsvers steht inmitten von Versen über Untreue und Unglauben. In Vers 13 klagt der HERR, dass sein Volk ihn, die Quelle lebendigen Wassers, verlassen hat. In Vers 15 zitiert Jeremia seine Spötter, die ihn zynisch fragen: "Wo ist denn das Wort des HERRN geblieben?" und höhnisch hinzufügen: "Es soll doch kommen!"
Dieser nationale Abfall machte dem Propheten einmal mehr zu schaffen. Es entsteht der Eindruck, dass der desolate Zustand seines Volkes ihn auch persönlich krank machte. Die Situation belastete seinen Geist und seine Seele schwer. Es wäre nicht verwunderlich, wenn Jeremia sich dadurch körperlich krank fühlte oder es tatsächlich war. Vermutlich befand er sich in einem Zustand psychischer Erschöpfung (Jer 8:18-22). Ich kann das teilweise nachempfinden, da sich auch bei mir große körperliche Müdigkeit und Schwäche einstellt, wenn sich Probleme und scheinbar unüberwindbare Nöte vor mir auftürmen.
Deshalb bat Jeremia um Heilung – im Vertrauen, dass der HERR ihn wahrhaft heil machen konnte. Darin zeigt sich das tiefe Vertrauen Jeremias (Ps 103:3).
Vielleicht war diese Aussage auch eine stellvertretende Bitte um Heilung und Rettung für sein Volk. Es wäre nicht das einzige Mal, dass sich Jeremia mit der Krankheit und Not seines Volkes identifiziert und stellvertretend für sie um Heilung bittet (Jer 14:19-22).
So könnte man die Geschichte aus Lukas 5:17-26 auch überschreiben. Die Freunde eines Gelähmten wollten ihn zu Jesus bringen, was jedoch wegen des großen Andrangs im Haus unmöglich war. Da hatten sie eine erstaunliche Idee: Sie trugen ihn auf das Dach und deckten es so weit ab, dass ein Loch entstand, groß genug, um den Gelähmten ins Wohnzimmer hinunterzulassen (Mk 2:4). Man stelle sich die Szene vor: Jesus sitzt im Haus, umgeben von Menschen, die ihm zuhören und mit ihm diskutieren. Plötzlich ertönt ein Poltern an der Decke, Staub rieselt herab, und ein immer größeres Loch öffnet sich, durch das alle Anwesenden den Himmel sehen können. Wie der Hausbesitzer sich dabei fühlte, wissen wir nicht – aber erfreut war er vermutlich kaum.
Der Gelähmte wird durch das Loch im Dach von seinen Freunden zu Jesus herabgelassen, da er nicht selbst zu ihm kommen konnte. Als er vor Jesus lag, blieb er stumm. Er sagte nichts, bekannte nichts und bat um nichts. Ob er selbst Glauben hatte, wissen wir nicht. In Vers 20 heißt es nur, dass Jesus "ihren Glauben sah" – womit vermutlich in erster Linie der Glaube der Freunde gemeint ist. Der Gelähmte selbst verhielt sich völlig passiv, während seine Freunde voller Liebe, Glauben und Hoffnung waren, mit der Erwartung, dass Jesus ihm helfen würde (1Kor 13:7).
Doch Jesus heilt den Gelähmten nicht sofort, sondern sagt zuerst: "Mensch, deine Sünden sind dir vergeben." Für Jesus ist die Sünde, die von Gott trennt, das eigentliche Problem – nicht die körperliche Lähmung (Jes 59:2). Welche Erleichterung muss den Mann durchströmt haben, als er plötzlich begriff: "Mir ist vergeben! Jesus hat meine tiefste Not beseitigt und das größte Problem meines Herzens gelöst." Wie wunderbar! (Ps 103:2-3)
Den Schriftgelehrten hingegen war klar: Nur Gott kann Sünden vergeben (Jes 43:25). Durch diese Zusage hatte Jesus sich in ihren Augen Gott gleichgesetzt — was sie als Gotteslästerung betrachteten. Jesus bewies jedoch seine göttliche Vollmacht, indem er den Gelähmten heilte, sodass dieser aufstehen, nach Hause gehen und Gott verherrlichen konnte (Joh 10:37-38). Die Auslöser dieser ganzen „Heilsgeschichte" waren liebende, glaubende, hoffnungsvolle und kreative Freunde.
Gesegnet ist, wer Freunde hat, die ihn im Glauben tragen, wenn er selbst nicht mehr gehen kann (Spr 17:17 / Gal 6:2).
Wenn der HERR nicht die Stadt behütet, so wacht der Wächter umsonst.
Betet für die Regierenden und für alle, die Gewalt haben, damit wir in Ruhe und Frieden leben können, in Ehrfurcht vor Gott und in Rechtschaffenheit.
So könnte man den Psalm 127 auch überschreiben. Es ist ein Lied, das für die Wallfahrer, die zum Tempel hinaufzogen, gedichtet wurde. Wenn die Pilger nach Jerusalem reisten, um den HERRN anzubeten und eines seiner Feste zu feiern, sollten sie unter anderem dieses Lied singen. Richtige und gottgemäße Anbetung kann nur dann geschehen, wenn sich der Betende bewusst macht: Alles, was ich bin und habe, und alles, was ich tun konnte, ist ein Geschenk der Gnade Gottes (Jak 1:17)! Ja, der HERR möchte, dass wir "bauen", und er will, dass wir wachsam sind – aber stets mit dem Bewusstsein, dass nur Er das Gelingen und die Bewahrung schenken kann (Joh 15:5).
In den Versen 1 und 2 betont Salomo dreimal, dass alle menschlichen Bemühungen vergeblich sind, wenn nicht der HERR baut, bewacht und gibt. In Vers 2 heißt es dann:
"Es ist umsonst, dass ihr früh aufsteht und spät aufbleibt und sauer erworbenes Brot esst; solches gibt er seinem Geliebten im Schlaf!"
Diese Aussagen werden manchmal als Ausrede für Trägheit missverstanden – etwa nach dem Motto: 'Warum arbeiten, wenn Gott alles im Schlaf schenkt?' Doch das wäre ein Missbrauch dieser biblischen Aussage.
Heute hat mich der HERR besonders früh geweckt – das Aufstehen war ein echter Kampf. Liebend gerne hätte ich noch weiter geschlafen und mir gesagt: "Heute gibt mir der HERR alles 'im Schlaf' und darum wird auch er die Morgenandacht schreiben!" Nein! So sind diese Aussagen nicht gemeint. Die Bibel fordert uns weder zur Trägheit noch zur Faulheit auf. Ein Wächter, der nicht warnt, wird zur Verantwortung gezogen (Hes 33:6), und Bauleute, die nicht bauen, erhalten keinen Lohn. Paulus sagt auch deutlich, dass diejenigen, die nicht arbeiten wollen, auch nichts essen sollen (2Thes 3:10).
Aber der Wachende soll sich bewusst machen: Wir sind nur dann geschützt, wenn der HERR wacht (Ps 121:4). Und der Bauende soll wissen, dass das Gebäude nur dann vollendet werden kann, wenn der HERR Gelingen schenkt (Spr 16:3). Ich darf mir auch immer wieder neu ins Bewusstsein rufen, dass meine Frühschicht nur dann ein Segen sein kann, wenn der HERR die richtigen Gedanken schenkt!
Genauso ist es mit dem Gebet für die Obrigkeit! Es ist eine wichtige Aufgabe, die wir von Gott erhalten haben. Unser Beten für die Regierenden trägt die wunderbare Verheißung, dass wir „ein ruhiges und stilles Leben führen können, in aller Gottesfurcht und Ehrbarkeit". Gott allein kann uns dieses ruhige und stille Leben schenken. Nur durch seine Gnade wird es möglich!
Aber was bedeutet dieses „ruhige, stille Leben" genau? Handelt es sich lediglich um äußeren Frieden, wie wir ihn seit Jahrzehnten in Westeuropa genießen dürfen? Im Griechischen steht für „ruhig" das Wort „eremos", welches auch „leicht, langsam, leise, sanft, bedächtig" bedeutet. Das Wort für „still" (hesychios) lässt sich auch mit „schweigend, geräuschlos, friedlich, gemächlich oder gelassen" übersetzen.
Das liebende Gebet für die Obrigkeit bewirkt in uns eine andere Einstellung. Ohne dieses regelmäßige Gebet stimmen wir vermutlich in das allgemeine Jammern und Klagen über die Regierenden ein. Wir werden oft wütend und unzufrieden, wenn wir mit bestimmten Entscheidungen nicht einverstanden sind. Wenn wir jedoch die Obrigkeit segnen, schenkt uns das einen inneren Frieden, weil wir die Gewissheit haben, dass Gott die Obrigkeit auch zu unserem Segen gebraucht (Röm 13:1-4).
Ja, es gilt: „An Gottes Segen ist alles gelegen"!
Salomo sprach: Siehe, der Himmel und aller Himmel Himmel können dich nicht fassen - wie sollte es dann dies Haus tun, das ich gebaut habe?
Die Stunde kommt, und sie ist jetzt da, in der die wahren Beter in Geist und Wahrheit zum Vater beten werden.
Wenn der Mensch durch Teleskope ins Weltall blickt, begegnet er einer Größe, die ihn an seine Grenzen führt – ähnlich wie Salomo in seinem Gebet Gottes Unermesslichkeit jenseits alles Sichtbaren anerkennt. Ständig entdecken wir neue Galaxien, Exoplaneten und andere Himmelskörper. Ein faszinierendes Beispiel ist ein Neutronenstern, der sich 716 Mal pro Sekunde dreht und dabei am Äquator eine Geschwindigkeit von etwa 19,4 Millionen km/h – ungefähr 18% der Lichtgeschwindigkeit – erreicht. Das Universum ist ein Raum voller Geheimnisse: schwarze und weiße Löcher, zahlreiche unbekannte Phänomene – ein Staunen ohne Ende (Ps 19:2).
Ebenso geheimnisvoll ist die Aussage von König Salomo, der von "Himmeln und Himmeln der Himmel" spricht. Tatsächlich verwendet die Bibel von Anfang an den Begriff "Himmel" in der Mehrzahl. So steht es bereits im ersten Vers der Bibel:
Im Anfang schuf Gott die Himmel und die Erde. (1Mo 1:1)
Salomo weist in seinem Gebet darauf hin, dass es Himmel von Himmeln gibt. Aber was bedeutet das? Wenn ich von "Äpfeln von Äpfeln" spreche, meine ich eine spezielle Auswahl einiger Äpfel aus einer Vielzahl. Möglicherweise gibt es auch zwei oder drei Himmel unter mehreren Himmeln. Manche Ausleger deuten diese Wortkombination lediglich als Metapher für die unermessliche Weite des Universums. Ich vermute hingegen, dass "die Himmel der Himmel" auf Räume einer höheren Dimension hinweisen. Während der Lufthimmel und das Weltall sichtbare Himmel sind, handelt es sich beim Thronhimmel Gottes (Hi 1:6 / Offb 4 / Hebr 9:24ff) und dem "dritten Himmel" (2Kor 12:2) vermutlich um Räume einer höheren, unsichtbaren Dimension – einer Dimension jenseits unserer Raum-Zeit, die für Raketen oder Raumschiffe unerreichbar bleibt.
Der allmächtige Gott, der weder vom Universum noch von den höheren Dimensionen erfasst werden kann, neigte sich zur Erde herab zu seinem auserwählten Volk (Joh 1:14 / Phil 2:6-8). Zuerst wohnte er in einem kleinen Zelt und zog mit seinem Volk durch die Wüste. Durch diese Stiftshütte erschuf er einen Ort der Begegnung (2Mo 25:8). Später baute Salomo ein steinernes Haus, das unter Nebukadnezar zerstört und nach dem babylonischen Exil wieder aufgebaut wurde. Jesus bezeichnete diesen Tempel als Bethaus (Mt 21:13) und zitierte dabei Jesaja 56:7, wo es heißt:
„Denn mein Haus wird ein Bethaus genannt werden für alle Völker."
Der Tempel war ein Ort der Gottesbegegnung und des Gebets. Die Samariter hatten auf dem Berg Garizim ihren eigenen Tempel errichtet, der allerdings um 128 v. Chr. von Johannes Hyrkanus zerstört wurde. Dennoch bestanden sie darauf, dass der Berg Garizim der rechtmäßige Ort zur Anbetung Gottes sei – eine Überzeugung, die den bereits vorhandenen Konflikt zwischen Samaritern und Juden weiter verschärfte (Joh 4:20).
Im Gespräch mit der Samariterin machte Jesus jedoch deutlich, dass eine neue Epoche der wahren Anbetung angebrochen ist. Der Vater im Himmel kann nicht nur an einem bestimmten Ort angebetet werden, sondern von überall her! Der himmlische Vater sucht 'wahre Anbeter', die ihn 'im Geist und in der Wahrheit' anbeten (Joh 4:23-24). Aber was heißt das?
"Im Geist" bedeutet, im Sinne des Heiligen Geistes zu beten und zu handeln. Es geht um eine göttliche Gesinnung, die uns die Bibel offenbart und die durch Vertrauen zu Gott und herzliche Liebe zu den Menschen gekennzeichnet ist. Das Beten "in der Wahrheit" umfasst eine ehrliche und authentische Anbetung, die von Herzen kommt (Ps 145:18). Sie entspringt keiner äußerlich-formalen Handlung, die nur auf einem religiösen Ritual basiert, sondern einem liebenden Herzen und damit einem lebendigen Glauben. "In der Wahrheit" bedeutet auch "In Christus". Durch den Sohn, der selbst die Wahrheit ist (Joh 14:6), haben wir jederzeit und überall freien Zugang zum himmlischen Vater und zu seinem Herzen (Hebr 4:16 / Eph 2:18)! - Was für ein Wunder der Liebe Gottes!
Bist du heute bereit, Gottes Gegenwart nicht im Äußeren, sondern in deinem Herzen zu suchen – im Geist und in der Wahrheit (1Kor 3:16 / Gal 4:6)?
Wo sind denn deine Götter, die du dir gemacht hast? Lass sie aufstehen; lass sehen, ob sie dir helfen können in deiner Not!
Meine Geliebten, flieht die Verehrung der nichtigen Götter!
Zur Zeit Jeremias war es bei den umliegenden Völkern gang und gäbe, dass man sich Figuren aus Holz, Stein und Metall anfertigte, die man dann anschauen und anbeten konnte. Fast jede Stadt hatte ihre eigene Gottheit, die Schutz und Bewahrung versprach und auf die man stolz war (Jes 44:12-17).
Die Frage liegt nahe: Warum nahm die Verehrung selbstgemachter Götter in der damaligen Gesellschaft einen so hohen Stellenwert ein und wieso war der Götzendienst fest im Alltag verankert? Hierfür gibt es mehrere Gründe:
Das Bewusstsein, dass es mehr gibt als nur die sichtbare und materielle Welt (Pred 3:11).
Die Erfahrung unkontrollierbarer Schicksalsschläge und der Glaube, dass diese durch unsichtbare Mächte oder "göttliche Wesen" verursacht werden.
Die Herstellung von Götzenbildern, deren Anbetung und das Darbringen von Opfern sollten diese "Schicksalsgötter" besänftigen, um ein glückliches Leben voller Wohlstand und Genuss zu ermöglichen.
Das Bedürfnis, selbst etwas Greifbares zu erschaffen, worauf man vertrauen kann. In einem Leben voller Unsicherheiten braucht der Mensch einen verlässlichen Bezugspunkt, auf den er sein Vertrauen setzen kann (2Mo 32:1-4).
Weitere Faktoren sind sozialer und kultureller Gruppendruck, der Wunsch nach Kontrolle sowie Tradition und Gewohnheit. Dies sind die hauptsächlichen psychologischen Ursachen für den Götzendienst, doch es gibt auch zwei geistliche:
Hinter dem Götzendienst stehen dämonische Mächte, die uns beherrschen wollen. Paulus macht dies deutlich, indem er die Teilnahme an heidnischen Kultmahlzeiten mit Dämonen in Verbindung bringt (1Kor 10:14-22). Vergleiche dazu auch 5Mo 32:17.
Die eigentliche Hauptursache liegt jedoch in der Rebellion gegen den wahren Gott! (Röm 1:21-23)
Den damaligen Heiden war dies vielleicht zu wenig bewusst, aber das von Gott auserwählte Volk Israel hätte es aufgrund seiner Geschichte und des Wortes Gottes wissen müssen. Darum stellte Gott durch den Propheten Jeremia seinem Volk folgende Frage:
"Was haben eure Väter Unrechtes an mir gefunden, dass sie sich von mir entfernt haben und hinter dem Nichts hergelaufen und ⟨selber⟩ zu Nichts geworden sind?" (Jer 2:5)
In unserer heutigen Gesellschaft nimmt der dämonische Einfluss wieder zu, und die Götzen der Moderne umfassen alles Selbstgemachte, worauf wir mehr vertrauen als auf Gott (Kol 3:5). Wenn ich meiner eigenen Vorsorge mehr vertraue als Gott, werden meine Vorkehrungen zu meinem Götzen. Wenn ich der Technik oder unserem Gesundheitswesen mehr vertraue als Gott, sind diese Dinge zu meinen Götzen geworden. Und wer der künstlichen Intelligenz (KI) mehr vertraut als dem Schöpfer des Universums, der hat die KI zu seinem Gott gemacht! (Jes 2:8)
Keiner dieser "Götter" oder Götzen kann uns dauerhaft retten. Sie befreien uns weder von Schuld und Sünde, noch können sie uns mit göttlichem Leben beschenken (Jes 45:20). Dies vermag allein der Schöpfer des Menschen, der uns in Jesus Christus begegnet ist. Er beschenkt uns mit seiner Gerechtigkeit und Vollkommenheit – wenn wir Ihm allein unser volles Vertrauen schenken! (Joh 14:6 / Apg 4:12) Darum sollten wir uns bewusst von jeglicher Art des Götzendienstes distanzieren und uns vollständig dem Gott der Liebe und des wahren Lebens zuwenden (1Jo 5:21).
Wo könnte sich in deinem Leben ein moderner Götze eingeschlichen haben? Wem oder was vertraust du in der Tiefe deines Herzens wirklich? (Ps 139:23-24)
HERR, von Herzen verlangt mich nach dir des Nachts, ja, mit meinem Geist suche ich dich am Morgen.
Am Morgen, noch vor Tage, stand Jesus auf und ging hinaus. Und er ging an eine einsame Stätte und betete dort.
Offenbar erging es Jesaja wie vielen von uns: Er litt wohl hin und wieder unter Schlafstörungen. Vielleicht war es die Last der Verantwortung, die Gott ihm durch das Prophetenamt aufbürdete (Jes 6:9-13), oder es waren körperliche Gegebenheiten, die ihn hin und wieder nachts aufschrecken ließen. Aber statt sich grüblerisch auf seinem Lager hin und her zu wälzen, gab er dem Verlangen seines Herzens nach (Jes 26:9a) und nutzte die schlaflosen Nachtstunden für die Begegnung mit Gott. Ganz offensichtlich ging er ins Gebet und schrie innerlich um Kraft für seinen Auftrag oder pries Gott für seine Bewahrung und wunderbaren Führungen (Jes 25:1 / Ps 63:7).
Er dachte über Gottes Gerichtshandeln (Jes 26:9b) und sein Heilshandeln (Jes 12:2) nach und staunte über die Größe und Herrlichkeit seines Gottes, die dieser ihm in einer Vision offenbarte (Jes 6:1-3). Vielleicht waren es genau diese Nachtstunden, in denen Gott dem Jesaja die prophetische Schau vermittelte, die wir im Buch des Jesaja nachlesen können. Was bewegt dich, wenn der Nachtschlaf von dir flieht? Worüber denkst du nach, wenn du nicht einschlafen kannst oder nachts voller innerer Unruhe aufschreckst? Mach es doch wie Jesaja:
Suche die Begegnung mit Gott im Gebet – ER wartet darauf!
Kaum ist Jesaja am Morgen erwacht, wenden sich seine ersten Gedanken wieder Gott zu: „… mit meinem Geist suche ich dich am Morgen." Es liegt ein großer Segen darauf, den Tag frühmorgens mit einer Gottesbegegnung zu beginnen (Ps 5:4 / Ps 143:8)! Noch ist alles still. Die Hektik des Tages liegt noch vor uns, und wir legen diesen Tag und alles, was er mit sich bringt, in die Hand unseres Herrn (Ps 37:5).
Jesus hat genau das praktiziert (Mk 1:35). Für Jesus waren die frühen Morgenstunden an einem einsamen Ort die Zeit, in der er in der Gemeinschaft mit seinem Vater Kraft schöpfte und Wegweisung und Zurüstung für das empfing, was ihm im Laufe des Tages begegnen und ihn beanspruchen würde. Und ganz sicher hat Jesus diese Stunden auch genutzt, um seinen Vater zu loben und ihm zu danken (Ps 92:2-3).
Die Söhne Korachs, die zur Zeit Davids als Musiker im Tempel tätig waren, haben ihrer Sehnsucht nach einer Begegnung mit Gott folgendermaßen Ausdruck verliehen:
„Wie der Hirsch nach frischem Wasser lechzt, so lechzt meine Seele nach dir, o Gott. Wann endlich werde ich ´wieder zum Heiligtum` kommen und dort vor Gottes Angesicht stehen?“ (Ps 42:2-3)
Auch sie kannten die schlaflosen Nachtstunden, die ihnen zur Gottesbegegnungen wurden (Ps 42:9).
Hast Du Sehnsucht nach Gott, wie Jesaja, die Söhne Korachs und Jesus sie hatten? Wie gestaltest du die Zeit, in der du Gott ganz bewusst begegnest, um in seinem Wort zu lesen, ihm dein Herz auszuschütten, ihm zu danken und ihm deine Anliegen zu bringen (Phil 4:6 / Ps 62:9)? Gerade wenn unsere Arbeit kaum zu bewältigen scheint, meinen wir, keine Zeit für die Begegnung mit Gott zu haben. Stimmt – die Zeit haben wir nicht, die müssen wir uns nehmen! Luther wurde eines Tages danach gefragt, wie er es mit dem Gebet halte, wo doch die Arbeit so viel sei. Luther antwortete: „Ich habe heute viel zu tun, deshalb muss ich heute viel beten." (Kol 4:2 / 1Thes 5:17)
Letztlich ist es nicht entscheidend, wann du die Begegnung mit Gott suchst. Entscheidend ist, dass du Sehnsucht nach der Nähe und dem Gespräch mit deinem Herrn hast (Ps 27:4 / Ps 73:25). Manfred Siebald hat es in einem seiner Lieder folgendermaßen formuliert: „Du sollst wieder meine erste Freude früh am Morgen sein und der letzte der Gedanken vor der Nacht." (Ps 92:2-3)
Suche die Begegnung mit Gott im Gebet – ER wartet darauf!
So spricht der HERR: Ich habe dich erhört zur Zeit der Gnade und habe dir am Tage des Heils geholfen.
Jetzt ist sie da, die ersehnte Zeit, jetzt ist er da, der Tag der Rettung.
Wir wissen nicht, was uns der heutige Tag bringt. Wird es ein Tag der Freude oder des Leids? Erleben wir heute einen gewöhnlichen Samstag oder einen unvergesslichen? Wird es ein Tag, den wir nie vergessen wollen – oder einer, den wir am liebsten nie erlebt hätten? Wir wissen es nicht (Jak 4:14 / Spr 27:1).
Für viele war Samstag, der 7. Oktober 2023 ein schrecklicher Tag, an dem zahlreiche Menschen ums Leben kamen oder von der Hamas entführt wurden und in lange Geiselhaft gerieten. Für einige wurde es jedoch auch ein Tag der Rettung! Inmitten dieses schrecklichen Unheils konnten sich mindestens 30 Personen verstecken (beispielsweise in Ein HaShlosha), sodass die Terroristen sie nicht entdeckten. Schätzungen zufolge gelang es auch weit über hundert Menschen, zu fliehen und so der Gefangennahme durch die Hamas zu entgehen. Es war ein Tag voller Gebet – voller Angst, aber auch voller Hoffnung.
Jesaja 49:8 spricht von einem Gottesknecht, dessen Gebete erhört werden. In Vers 7 wird dieser als ein "Verabscheuter der Nation" beschrieben, der vom HERRN erwählt wurde. Dieser "Gottesknecht" ist niemand anderes als der Messias Jesus Christus (Jes 53:3). Über ihn lesen wir in Hebräer 5:7-10:
"Der hat in den Tagen seines Fleisches sowohl Bitten als auch Flehen mit starkem Geschrei und Tränen dem dargebracht, der ihn aus dem Tod retten kann, und ist um seiner Gottesfurcht willen erhört worden, und lernte, obwohl er Sohn war, an dem, was er litt, den Gehorsam; und vollendet ist er allen, die ihm gehorchen, der Urheber ewigen Heils geworden, von Gott begrüßt als Hoher Priester nach der Ordnung Melchisedeks."
Während seines Gebetskampfes in Gethsemane bat Jesus mit Flehen, starkem Geschrei und Tränen um Rettung (Mt 26:39). Am Tag der Auferstehung wurde er, der Retter der Menschheit, von seinem Vater aus dem Tod gerettet! Sein Todestag war der schrecklichste Tag seines Lebens, an dem er das Gericht trug, das eigentlich die Menschheit verdient hätte (1Petr 2:24). Sein Auferstehungstag wurde für ihn zum Tag der endgültigen Rettung, mit dem auch die ersehnte Zeit der Gnade begann (Röm 4:25).
In 2. Korinther 6:2 zitiert Paulus den Vers aus Jesaja 49:8 und wendet ihn auf die Gläubigen an, die in der gegenwärtigen Zeit der Gnade leben. Der Apostel macht damit deutlich, dass wir jetzt in den Tagen der Rettung leben. Doch ist diese Anwendung berechtigt? Ursprünglich bezieht sich die Stelle doch auf den "verabscheuten Gottesknecht" und nicht auf die Christen, oder?
Der Losungsvers bezieht sich eindeutig auf den Messias, doch zugleich dürfen gläubige Christen „in Christus" sein und sie sind auch „Glieder seines Leibes" (1Kor 12:27 / Eph 5:30). Dadurch werden sie Teil dieses Gottesknechtes und gehören zu Jesus Christus. Welch unbeschreibliches Vorrecht! Gerade weil Gläubige zu Christus gehören, leben sie in der Gnadenzeit und in den Tagen der Rettung (Röm 8:1)!
Vielleicht sagst du: „Ich bin kein gläubiger Christ …" Dann darfst du wissen: Gerade jetzt – in dieser Zeit der Gnade – ruft dich Jesus (Joh 10:27). Wenn du ihm heute dein Leben anvertraust, gehörst du zu ihm. Und das wird die beste Entscheidung deines Lebens sein (Apg 16:31 / Joh 1:12).
HERR, wenn ich an deine ewigen Ordnungen denke, so werde ich getröstet.
Wir wissen: Wenn unser irdisches Haus, diese Hütte, abgebrochen wird, so haben wir einen Bau, von Gott erbaut, ein Haus, nicht mit Händen gemacht, das ewig ist im Himmel.
Der Psalm 119 ist in 22 Abschnitte zu je 8 Versen gegliedert. Jeder Abschnitt beginnt mit einem Buchstaben des hebräischen Alphabets – die ersten acht Verse mit Aleph, die nächsten acht mit Beth und so weiter. Der siebte Abschnitt, der die Verse 49–56 umfasst, beginnt mit dem Buchstaben „Zajin". In diesem Teil geht es unter anderem um das Gedenken an Gottes Wort, seine Gerichte und seinen Namen.
Der Psalmist klagt darüber, dass er von den Übermütigen verspottet wird (Ps 119:51). Er erlebte eine Form von Ausgrenzung und Spott, die ihn tief verletzte. Womöglich fragte er sich auch, warum gerade ihm ein solches Schicksal widerfahren muss. In Vers 52 spricht der Psalmdichter von einem Trost, den er erfahren durfte, indem er an die Ordnungen Gottes dachte. Das hebräische Wort ‚mishpat', oft mit ‚Gericht' oder ‚Recht' übersetzt, meint mehr als nur juristisches Richten – es steht für die Wiederherstellung von Gerechtigkeit (Ps 37:28). Eine treffende Wiedergabe wäre auch „rechtschaffendes Gericht".
Der Psalmist wusste durch die Verheißungen des Wortes Gottes, dass Gott einmal alle Menschen richten wird und dass dieses Gericht absolut gerecht sein würde (Ps 96:13 / Apg 17:31). Die Gerichtsurteile Gottes werden allen Unterdrückten und Benachteiligten zu ihrem Recht verhelfen, und Gott wird ihnen das erlittene Unrecht erstatten (Ps 9:8-9). Die ungerechten und rücksichtslosen Übeltäter wird er hingegen ihrer gerechten Strafe zuführen. Die Gewissheit, dass Gott das Recht wiederherstellen wird, war für den Psalmisten ein großer Trost. Diesen hatte er jedoch nur, weil er das Wort Gottes kannte und an die Verheißungen Gottes glaubte (Röm 15:4).
Der Zustand des Unrechts und der Unterdrückung ist nur vorübergehend und keinesfalls bleibend! Es gibt jedoch noch andere Dinge, die nur vorübergehend existieren. Paulus spricht im Lehrtext von einem „irdischen Haus", von einer „Hütte", die abgebrochen wird. Was ist damit gemeint? Diese Bezeichnungen sind eine Metapher für unseren irdischen Körper, der einmal sterben wird und zurzeit für unsere Seele eine Art „Zelthütte" ist (2Kor 5:1-4). Das Zelt ist im Gegensatz zu einem festen Gebäude aus Stein nur eine vorübergehende „Unterkunft". Genauso verhält es sich auch mit unserem irdischen Körper, den wir nur für eine begrenzte Zeit besitzen.
Diese irdische Zeit ist jedoch kostbar. Hier lernen wir, aus Glauben zu leben – aus einem tiefen Vertrauen auf Gott (2Kor 5:7). In dieser Zeit, in der wir mit Schwachheiten und vielfältigen Nöten konfrontiert werden, haben wir die Möglichkeit, durch den in uns wohnenden Christus „geistliche Frucht" zu bringen (Gal 5:22-23).
Nach unserem Aufenthalt in der Zelthütte bzw. im irdischen Körper bekommen wir ein wunderbares „Haus", einen geistlichen Leib, der nicht mehr sterben wird. Dieser geistliche Leib ist das ewige Haus im Himmel, von dem Paulus im Lehrtext spricht (1Kor 15:42-44)!
Wie herrlich wird es sein, wenn wir nicht mehr in einem schwachen, vergänglichen Leib leben müssen – sondern in einem neuen, ewigen Leib, erfüllt von Gottes Kraft und Herrlichkeit (Phil 3:20-21 / 1Jo 3:2)!
Haltet meine Gebote und tut danach; ich bin der HERR.
Wer mich liebt, der wird mein Wort halten; und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen.
Welcher Schweizer kann alle Gesetze seines Landes vollkommen einhalten? Oder welcher Deutsche hat jahrzehntelang nie gegen eine Verkehrsregel verstoßen? Vermutlich niemand. Und doch würden die meisten zustimmen, dass es sinnvoll ist, sich grundsätzlich an Regeln zu halten – zum Schutz aller (Röm 13:1-7).
Dass wir in einer Zeit der Überregulierung leben, steht auf einem anderen Blatt. Aber grundsätzlich erkennen wir den Wert von Gesetzen – auch wenn wir sie nicht immer perfekt umsetzen können.
Durch das Neue Testament wird deutlich: Aus eigener Kraft können wir Gottes Gebote nicht vollkommen einhalten (Röm 3:23). Selbst die zehn Gebote überfordern uns. Nur einer hat sie vollkommen erfüllt: Jesus Christus (Mt 5:17 / Hebr 4:15).
Deshalb wird auch niemand durch perfekte Gesetzeserfüllung vor Gott bestehen (Gal 2:16). Jeder Versuch, sich durch die genaue Einhaltung des Gesetzes das ewige Leben zu verdienen, endet in Frust, geistlicher Enge und letztlich in Selbsttäuschung. Denn statt auf den Sinn der Gebote zu schauen, verliert man sich in der äußeren Form.
Die Erkenntnis, dass das Gesetz uns nicht retten kann, führte bei manchen Christen zu einer Haltung der Gleichgültigkeit gegenüber den Geboten. Man wollte „nicht gesetzlich sein" – und hat damit das Kind mit dem Bade ausgeschüttet (Röm 6:15).
Doch die biblischen Begriffe sagen etwas anderes: Sowohl das hebräische Wort shamar als auch das griechische tereo (von Luther mit „halten" übersetzt) bedeuten ursprünglich nicht „fehlerlos erfüllen und einhalten", sondern: bewahren, behüten, achtsam beachten – so wie ein Hirte seine Herde behütet.
Kein vernünftiger Mensch sagt: „Weil ich beim Autofahren nicht perfekt bin, höre ich auf, Verkehrsregeln zu beachten." Genauso wenig sollte ein Christ sagen: „Weil ich nicht alle Gebote halten kann, ist es egal, was Gott will" (1Jo 5:3).
Ein liebender Ehemann wird das Gebot „Du sollst nicht ehebrechen" nicht ignorieren, nur weil er mit sich ringt und sich selbst dabei ertappt hat, wie er eine andere Frau begehrlich anschaute. Seine Liebe bringt ihn dazu, sich dem Gebot zuzuwenden – nicht als Zwang, sondern als Ausdruck seiner Liebesbeziehung (Mt 5:27-28).
Wenn wir schon menschliche Gesetze ernst nehmen – wie viel mehr sollten wir dann Gottes Wort achten, bewahren und verinnerlichen? Er ist der höchste Gesetzgeber, der Herr über alle Instanzen. Seine Gebote zu ignorieren, nur weil wir sie nicht vollkommen einhalten können, ist gefährlich – und letztlich lieblos (Jak 4:12).
Doch wer Jesus liebt und seine Worte wie einen Schatz in sich bewahrt, der wird die tiefste Verheißung erfahren: Der Vater und der Sohn kommen und wohnen in dir. (Joh 14:23)
Christus in dir erfüllt das Gesetz – nicht durch Druck, sondern durch Liebe (Gal 2:20).
"Lass uns die Gebote Gottes nicht aus Angst oder Pflicht heraus beachten, sondern aus Liebe. Nicht, um erlöst zu werden – sondern weil wir erlöst sind." (1Jo 4:19)
Gleichwie ich über sie gewacht habe, auszureißen und einzureißen, so will ich über sie wachen, zu bauen und zu pflanzen, spricht der HERR.
Erschienen ist die Gnade Gottes, allen Menschen zum Heil. Sie erzieht uns dazu, der Gottlosigkeit und den Begierden der Welt abzuschwören und besonnen, gerecht und fromm zu leben in dieser Weltzeit.
Als meine Brüder und ich noch ein Architekturbüro hatten, hielten wir immer wieder Ausschau nach geeigneten Grundstücken, um diese mittels eines Investors zu erwerben. Dabei spielte der Zustand eines bereits vorhandenen Gebäudes eine untergeordnete Rolle: Wichtig war vor allem die Lage! Wenn das Grundstück an einer ruhigen, sonnigen, gut erschlossenen Lage mit steuergünstigen Verhältnissen war und womöglich auch noch über eine schöne Aussicht verfügte, dann war das „1a". Wenn es keine „Altlasten" hatte und auch noch der Preis stimmte, dann war das fast wie ein „Sechser im Lotto", wenn man dieses Grundstück kaufen konnte.
Damit auf diesem Grundstück ein schönes neues Gebäude mit Garten gebaut werden konnte, musste zuvor das baufällige Haus – das nicht denkmalgeschützt war – abgebrochen und das Dornengestrüpp ausgerissen werden.
Ein ähnliches Bild wird auch in Jeremia 31:28 gebraucht, um zu verdeutlichen, was Gott tun wird, um etwas Neues entstehen zu lassen. Israel war ein „baufälliges Haus" geworden! Warum? Am Stamm Ephraim hatte Gott keine Freude (Jer 31:20), und Israel wird hier als „abtrünnige oder widerspenstige Tochter" bezeichnet (Jer 31:22), die sich hin und her wendete, sich unstet und treulos verhielt. Israel war ein „abbruchreifes Haus" und „ein mit Dornengestrüpp überwuchertes Land", weil Gottlosigkeit und Gier überhandgenommen hatten. Darum musste der HERR aus- und einreißen bzw. abbrechen. Dies geschah unter anderem, indem Jerusalem erobert und die Bewohner durch die Babylonier gefangen weggeführt wurden. Das war ein schweres Gericht (Kla 1:3-5)!
Aber das war nicht das Ende. Die Gerichte Gottes verfolgen immer einen bestimmten Zweck (Hebr 12:10-11). Die Erziehungsmaßnahmen des HERRN zielen stets auf Buße und Umkehr, damit er sich der Betroffenen erbarmen und sie durch Gnade wieder aufbauen kann (Jes 54:8 / Hes 36:26-27)!
Durch Jesus Christus ist uns die Gnade Gottes erschienen, und durch sie werden wir auch von Gott erzogen. Nach wie vor brauchen auch wir gläubige Christen „eine Erziehung", weil wir uns täglich darin üben dürfen, uns von Gottlosigkeit und selbstsüchtigen Wünschen zu lösen, um aus der Liebe leben zu können (Röm 6:11-14). Es ist kein Unglück, sondern ein besonderes Privileg, wenn wir von der Gnade erzogen werden.
Durch die erziehende Gnade gelangen wir in einen geistlichen Wachstumsprozess, der uns befähigt, uns von weltlichen Begierden und Gottlosigkeit zu lösen und tugendhaft zu leben (2Petr 1:3-8). Daraus ergibt sich eine dreifache positive Lebensführung:
Besonnen. Dies beinhaltet ein vernünftiges, maßvolles Verhalten (1Tim 3:2).
Gerecht. Damit ist ein rechtschaffenes Handeln gegenüber anderen gemeint (Mi 6:8).
Gottesfürchtig. Hierdurch lebt man aus einer ehrfürchtigen und frommen Haltung gegenüber Gott (Spr 9:10).
Diese Tugenden sind Ausdruck des geistlichen Wachstums, das aus dem Heil in Christus erwächst (Gal 5:22-23). Ein tugendhaftes Leben ist weder langweilig, eintönig noch einengend, sondern erfüllend, weil es uns aus der Sklaverei der Begierde und Habsucht befreit (Joh 8:36 / Röm 8:1-2).
Möge der HERR uns schenken, dass wir die Schönheit eines tugendhaften Lebens entdecken dürfen (Ps 34:9).
Gott offenbart, was tief und verborgen ist.
Jesus betete: Gerechter Vater, die Welt kennt dich nicht; ich aber kenne dich, und diese haben erkannt, dass du mich gesandt hast.
„Das ist unmöglich!", sagten sinngemäß die Sterndeuter, als der große König Nebukadnezar von ihnen forderte, sie sollten ihm sagen, was er in der vergangenen Nacht geträumt hatte und ihm dann den Traum deuten (Dan 2:1-13). Wie sollte ein Mensch jemals wissen können, was ein anderer geträumt hat? Selbst wenn er in die Zukunft blicken könnte, bliebe ihm dies verborgen, denn er könnte nur tatsächliche Ereignisse sehen, nicht aber solche, die sich nur in Gedanken abgespielt haben.
Wie kam Nebukadnezar auf eine solch „verrückte Idee"? Er hätte doch wissen müssen, dass niemand in der Lage sein würde, ihm zu sagen, was er geträumt hat. Der Traum wühlte ihn jedoch dermaßen auf, dass er unbedingt seine wahre Bedeutung erfahren wollte. Ihm war auch klar: Würde er den Traum erzählen, würden ihm die Chaldäer – die in der Lutherbibel als „Sterndeuter" bezeichnet werden – eine willkürliche Deutung liefern, deren Wahrheitsgehalt er nicht überprüfen könnte.
Irgendwie ahnte der babylonische König auch, dass sein Traum einen göttlichen Ursprung hatte und es in seinem Reich jemanden geben würde, der über solche übernatürlichen Fähigkeiten verfügte – dies, obwohl seine Forderung an die Sterndeuter aus menschlicher Sicht eine absolute Zumutung war. Auch er zeigte ein gewisses Vertrauen in übernatürliche Wirkkräfte. Da ihm aber niemand diesen Traum sagen konnte, befahl der König, alle Wahrsagepriester, Beschwörer, Zauberer und Sterndeuter in seinem Reich umzubringen (Dan 2:12-13).
Als Daniel davon erfuhr, erbat er sich vom König eine Frist, um ihm die Deutung des Traums zu sagen (Dan 2:14-16). Auch Daniel wusste, dass ihm dies nicht möglich sein würde – es sei denn, Gott selbst würde ihm den Traum und dessen Deutung offenbaren. Daniel glaubte, dass Gott dies tun könnte, und so betete nicht nur er selbst zu Gott, sondern bat auch seine drei Freunde, „den Gott des Himmels um Erbarmen wegen dieses Geheimnisses" anzuflehen (Dan 2:17-18).
Nachdem Gott Daniel den Traum und seine Deutung offenbart hatte, lobte er seinen Gott mit den Worten (Dan 2:20-23):
"Gepriesen sei der Name Gottes von Ewigkeit zu Ewigkeit! Denn Weisheit und Macht, sie sind sein. Er ändert Zeiten und Fristen, er setzt Könige ab und setzt Könige ein; er gibt den Weisen Weisheit und Erkenntnis den Einsichtigen; er offenbart das Tiefe und das Verborgene; er weiß, was in der Finsternis ist, und bei ihm wohnt das Licht. Dich, Gott meiner Väter, lobe und preise ich, dass du mir Weisheit und Kraft gegeben und mich jetzt hast wissen lassen, was wir von dir erbeten haben; denn du hast uns die Sache des Königs wissen lassen."
Die tiefsten Geheimnisse über die göttliche Realität können wir Menschen weder mit unserer Intelligenz noch mit spirituellen Fähigkeiten oder wissenschaftlichen Methoden ergründen (1Kor 2:7-10). Diese Geheimnisse können wir nur dann erkennen, wenn Gott sie uns offenbart – und wenn er es tut, dann ist es eine absolute Gnade (1Kor 2:12 / Eph 1:17-18)!
Nicht zuletzt deshalb betete Jesus zu seinem Vater: „Gerechter Vater, die Welt (griech. kosmos) kennt dich nicht; ich aber kenne dich, und diese haben erkannt, dass du mich gesandt hast." (Joh 17:25) Das griechische Wort kosmos bezeichnet die von Gott abgefallene Weltordnung – das Denken der Welt, das ohne Offenbarung auskommt. Jesus stellt dem die Erkenntnis des Vaters gegenüber, die nur durch Ihn möglich ist (Joh 14:6-7 / Mt 11:27).
Diese höchste Erkenntnis – dass der Vater Seinen Sohn gesandt hat – ist das größte Geschenk göttlicher Offenbarung, weil wir nur durch den Sohn zur Erkenntnis des himmlischen Vaters gelangen können (Joh 3:16 / 1Jo 5:20). Wer dies erkennt, hat das Licht des Lebens gefunden (Joh 8:12). Dies wünsche ich jedem von Herzen.
Der HERR dachte an uns, als wir unterdrückt waren, denn seine Güte währet ewiglich.
Betet für mich, dass mir das Wort gegeben werde, wenn ich meinen Mund auftue, freimütig das Geheimnis des Evangeliums zu verkündigen, dessen Bote ich bin in Ketten.
Der Psalm 136 ist als „Großes Hallel" bekannt und wurde bei jüdischen Festen gesungen, insbesondere beim Passahfest (Mt 26:30). Der hebräische Begriff "halal" bedeutet „loben", „rühmen" oder „preisen". Das bekannte Wort „Halleluja" leitet sich vom hebräischen "halal" ab und bedeutet wörtlich „Lobt Jahwe" – ein Ausdruck der Freude und des Lobpreises.
Dieser Psalm motiviert zum Lob und Dank gegenüber Gott und beschreibt ihn als Schöpfer des Universums, als Erlöser Israels und als allgegenwärtigen Helfer. Alle 26 Verse enden mit: „Denn seine Güte währt ewig!" Dieser Satz wurde vermutlich als Refrain von der Gemeinde gesungen, während der Vorsänger die erste Zeile jedes Verses zitierte. In Vers 1 heißt es da:
"Preist den HERRN, denn er ist gut. Denn seine Güte währt ewig!"
Bemerkenswert ist, dass das Tetragramm, also das hebr. Wort Jahwe (יהוה = JaHWeH = HERR) den Zahlenwert 26 aufweist und der Refrain, „Denn seine Güte währt ewig!", 26× gesungen wird. Das hebr. Wort „chesed" wird oft auch mit „Gnade" oder „Huld" übersetzt und hängt mit der Bundestreue Gottes zusammen – seiner verlässlichen Liebe zu seinem Volk trotz dessen Versagens (Klgl 3:22-23). Diese Eigenschaften – die alle aus der Liebe stammen – beschreiben das ewige Wesen Gottes! Jahwe, der Ewigseiende, wird damit 26× als der gütige, gnädige, barmherzige und huldvolle Gott beschrieben, der in besonderer Weise an die Unterdrückten und Erniedrigten denkt (Ps 9:10).
Niemand wünscht sich, unterdrückt oder gedemütigt zu werden – und doch wendet sich Gott gerade diesen Menschen in besonderer Weise zu (Jes 57:15). Gerade sie dürfen das Vorrecht erfahren, dass der allmächtige Erlöser sie nicht vergisst, sondern ihnen besonders nahe ist. Wer sich im liebenden Fokus Gottes befindet, ist aus göttlicher Sicht ein Privilegierter – und in dieser Welt paradoxerweise oft ein Benachteiligter (Mt 5:3-12).
Auch im Neuen Testament zeigt sich diese besondere Güte Gottes gegenüber den Leidenden. Ein eindrucksvolles Beispiel dafür ist Paulus, der in einem römischen Gefängnis saß, als er den Epheserbrief schrieb und darin erwähnte, dass wir Gläubigen mit jedem geistlichen Segen aus den himmlischen Welten gesegnet wurden (Eph 1:3). Der Apostel beschreibt einen unübertrefflichen geistlichen Reichtum, den die Christen besitzen dürfen, obwohl sie die Menschengruppe sind, die damals wie heute am meisten verfolgt und unterdrückt wird (Joh 15:20). Heute betrifft dies laut Open Doors weltweit etwa 380 Millionen Menschen (Stand: 2024).
Trotz dieses geistlichen Reichtums war es dem Apostel Paulus wichtig, dass die Epheser für ihn beten. Die Gläubigen in Ephesus sollten nicht dafür beten, dass Paulus möglichst bald aus dem Gefängnis entlassen würde, sondern dafür, dass er in richtiger Weise das Geheimnis des Evangeliums weitergeben konnte (d.h. die zuvor verborgene, nun offenbarte Wahrheit über das Heil in Christus) (Kol 1:25-27). Paulus dachte nicht: „Weil Gott mir mehr Geheimnisse offenbart hat als allen anderen und weil ich der herausragendste aller Theologen bin, weiß ich stets, was zu sagen ist" — Nein! Ihm war bewusst, dass seine Verkündigung niemanden erreichen würde, wenn Gott ihm nicht die richtigen Worte schenken würde (2Kor 3:5). Paulus wusste auch, dass dabei die Gebete der Epheser eine entscheidende Rolle spielen würden (Röm 15:30)! Nur die ewige Gnade und Güte Gottes konnte Paulus befähigen, das zu sagen und die Dinge zu tun, die Ewigkeitswert besitzen (1Kor 15:10)!
Hoffe auch an diesem Tag ganz auf die Güte des HERRN und vertraue allein auf seine ewige Gnade!
Der Übeltäter lasse von seinen Gedanken und bekehre sich zum HERRN, denn bei ihm ist viel Vergebung.
Lasst euch versöhnen mit Gott!
Michael Franzese, der 1951 in Brooklyn, New York, geboren wurde, war der Sohn eines hochrangigen Mafioso. Er stieg selbst zum Boss der Colombo-Familie auf und verdiente Millionen durch illegale Benzinhandelssysteme. 1985 wurde er angeklagt und erhielt eine Haftstrafe von 10 Jahren, zahlte dann aber 14,7 Mio. $ und wurde 1989 entlassen. 1991 kam es zu einer erneuten Inhaftierung wegen Bewährungsbruch. Im Gefängnis erhielt er von einem Wärter eine Bibel und begann darin zu lesen. An einem einsamen Abend während einer Isolationshaft bekehrte er sich zu Gott (Apg 16:31). Er weigerte sich, weiterhin ein kriminelles Leben zu führen, und begann ein neues Leben (2Kor 5:17). Später wurde er ein bekannter Autor und Prediger.
Das ist eine von vielen Lebensgeschichten, die uns zeigen, wie Übeltäter umkehren und ihr von Egoismus geprägtes, böses Denken aufgeben, indem sie die Vergebung Gottes annehmen und sich mit seiner Liebe füllen lassen (1Jo 1:9 / Röm 6:23).
Jesaja 55 ist ein besonders beeindruckendes Kapitel. Es ermutigt die „Durstigen", zum „Wasser" zu kommen, und jene, die kein Geld haben, zu „kaufen" und zu essen. Gott lädt durch den Propheten ein:
"Ja, kommt, kauft ohne Geld und ohne Kaufpreis Wein und Milch!" (Jes 55:1)
Wie kann man ohne Geld "kaufen"? Was ist die göttliche Währungseinheit, mit der man erwerben kann, was Gott anbietet? Eine davon ist Zeit! Nimm dir Zeit für Gott! Komm zu ihm, neige ihm dein Ohr zu und höre auf seine Worte (Jes 55:3). Suche den HERRN, solange er sich finden lässt (Jes 55:6). Darum spricht der HERR zum Gottlosen und zum Mann der Bosheit:
"Kehre um! Verlasse deinen eingeschlagenen Lebensweg und deine Gedanken der Bosheit, so werde ich mich über dich erbarmen, denn ich bin reich an Vergebung!" (Jes 55:7)
Selbst König David, der bereits ein Leben aus Glauben führte und dennoch in Sünde fiel (er beging Ehebruch und Mord), schenkte Gott Vergebung und seine wunderbare Gnade (Ps 51)! Dies dürfte der Grund sein, warum Jesaja von den „unverbrüchlichen Gnadenerweisen an David" spricht (Jes 55:3).
Wer das Alte Testament liest, hat manchmal trotzdem den Eindruck, dass Gott „nachtragend" ist. Dem ist aber nicht so! Wenn Gott Menschen schwere und leidvolle Wege führt, dann tut er das unter anderem deshalb, weil er sie von ihrem bösen und egoistischen Lebensstil befreien und zu einem Leben aus der Liebe führen möchte (Hebr 12:5-6). Der allmächtige Gott ist nicht wie wir Menschen beleidigt oder nachtragend, sondern einer, der bedingungslos liebt und uns zu Wesen der göttlichen Liebe machen will (1Jo 4:16) – weil eine Ewigkeit nur dann Sinn ergibt, wenn alle mit seiner bedingungslosen Liebe erfüllt sind.
Darum haben wir Christen den wunderbaren Auftrag, allen Menschen – ganz egal, wie böse sie sind – zuzurufen: „Lasst euch versöhnen mit Gott!" (2Kor 5:20)
"Versöhnen" lautet im Griechischen "katalasso" und das hat vor allem den Bedeutungsinhalt von "verändern". Man könnte auch sagen: "Verändert, vertauscht eure Feindschaft zu Gott in eine Freundschaft zu ihm!" (Röm 5:10) Wörtlich übersetzt heißt es: "Seid verändert dem Gott." Das hat auch den Sinngehalt:
"Lasst die Veränderung, die Gott an euch vollzieht, geschehen, damit ihr einmal mit der von Gott geschenkten Gerechtigkeit in das ewige Haus des himmlischen Vaters einziehen könnt!" (2Kor 5:21)
Ach, HERR, sieh doch, wie bange ist mir. Mir dreht sich das Herz im Leibe um, weil ich so ungehorsam gewesen bin.
Die Frau sprach: Kommt, seht einen Menschen, der mir alles gesagt hat, was ich getan habe, ob er nicht der Christus sei!
Wieder einmal bin ich Gedanken nachgegangen, die nicht der Liebe Gottes und seiner Heiligkeit entsprechen. Wieder einmal habe ich meine Zunge nicht im Griff gehabt und andere mit meinen Worten verletzt. Wieder einmal habe ich es mit der Wahrheit nicht so genau genommen und andere mit Halbwahrheiten getäuscht. Wieder einmal habe ich Dinge angeschaut, die mich beschmutzen und meine Phantasie in unguter Weise manipulieren. Wieder einmal habe ich etwas nicht getan, was mir durch den Heiligen Geist als Auftrag ins Herz gegeben wurde. Wieder einmal … und wieder einmal …
Und plötzlich ist mir das Wissen, dass Gott mich durch und durch kennt, unangenehm und macht mir Angst (Ps 139:1-4). Wird Er mir noch einmal vergeben? Und immer wieder? Wer kennt diese Gedanken nicht?
So ging es wohl auch Jeremia, der als Prophet und geistlicher Stellvertreter Israels den Ungehorsam und alle Schuld der Bewohner Jerusalems und des Volkes aus dem Südreich vor Gott brachte. Angesichts der übergroßen Not, die Gott als Gericht über Jerusalem und Israel brachte, war ihm bange und sein Herz drehte sich im Leibe um. Und doch tat er das einzig Richtige: Er trat in seiner Herzensnot vor Gott und bekannte die Sünde des Volkes (Kla 3:40-42).
Und Gott antwortete dem Jeremia. Im dritten Kapitel des Buches der Klagelieder, dem Höhepunkt dieses biblischen Buches, schrieb Jeremia, was Gott ihn in dieser notvollen Situation hat erkennen lassen: „Ja, die Gnadenerweise des HERRN sind nicht zu Ende, ja, sein Erbarmen hört nicht auf, es ist jeden Morgen neu. Groß ist deine Treue." (Kla 3:22-23) So lobt er Gott über das Wissen, dass dessen Gnade und Treue kein Ende haben (Ps 89:3, 89:15, 89:34).
Ja, Gott kennt mich und dich, er kennt uns durch und durch. Das braucht uns nicht zu beunruhigen, sondern darf uns zum Trost und zur Freude werden. Wenn wir unser Versagen und unsere Schuld vor seinen Thron bringen, werden wir die gleiche Erfahrung wie Jeremia machen: Gottes Gnade und Vergebungsbereitschaft und seine Treue auch angesichts unseres oft treulosen Verhaltens sind nie am Ende (Ps 100:5 / 2Tim 2:13).
Die Frau, mit der Jesus am Jakobsbrunnen ein heilbringendes Gespräch führte, war ganz sicher zunächst sehr erschrocken, dass dieser jüdische Wanderprediger ihre schuldbehaftete Lebensweise kannte und sie damit konfrontierte (Joh 4:17-18). Offenbar stand ihr ein Prophet gegenüber – oder war es sogar der verheißene Messias? „Die Frau spricht zu ihm: Ich weiß, dass der Messias kommt, der Christus genannt wird; wenn jener kommt, wird er uns alles verkündigen. Jesus spricht zu ihr: Ich bin es, der mit dir redet." (Joh 4:25-26)
Diese Selbstoffenbarung Jesu konnte letzte Zweifel der Frau nicht ausräumen. Aber wenn es doch wahr wäre? Müsste sie dann nicht ihren Nächsten in der Stadt davon berichten? „Kommt, seht einen Menschen, der mir alles gesagt hat, was ich getan habe! Dieser ist doch nicht etwa der Christus?" (Joh 4:29) – so lud sie ihre Nächsten zu einer Begegnung mit Jesus ein. Die Frau am Jakobsbrunnen suchte erneut die Gemeinschaft mit Jesus – trotz ihrer Schuld. Die Frucht war eine Erweckung unter den Samaritern (Joh 4:39).
Scheuen wir die Begegnung mit dem, der uns durch und durch kennt, nicht! Bringen wir alles, was uns belastet, alle Not und Schuld unter das Kreuz Jesu und nehmen wir seine Vergebungsgnade und Barmherzigkeit in Anspruch (1Jo 1:9 / Hebr 4:16)! Aus der Gemeinschaft mit Jesus erwächst ganz gewiss gute geistliche Frucht (Joh 15:5 / Gal 5:22-23).
Du bist mein Schutz und mein Schild; ich hoffe auf dein Wort.
Das ist der Wille meines Vaters, dass, wer den Sohn sieht und glaubt an ihn, das ewige Leben habe; und ich werde ihn auferwecken am Jüngsten Tage.
Psalm 119, der längste Psalm der Bibel, ist ein kunstvolles, alphabetisch gegliedertes Gebet. Der Vers 114 gehört zum Abschnitt „Samech" und spricht vom Schutz und der Hoffnung, die allein in Gottes Wort zu finden sind.
Vers 120, der diesen Abschnitt abschließt, verdeutlicht einen tiefen Respekt vor Gottes Gerichtsurteilen. Aus Vers 119 geht hervor, dass gottlose und böse Menschen diesen Urteilen nicht entkommen werden. Doch auch jene, die versuchen, vorbildlich zu leben und dabei auf ihre eigene Gerechtigkeit bauen, können Gottes Gerichtsurteil nicht entgehen (Röm 3:20 / Röm 3:23).
Der Psalmist hat erkannt, dass es letztendlich nur einen sicheren Bergungsort gibt, der ihn vor einem verdienten Strafgericht schützen kann – und das ist Gott selbst (Ps 18:3).
Als Mose die glanzvolle Herrlichkeit Gottes sehen wollte, sagte der HERR zu ihm:
"Du kannst ⟨es⟩ nicht ⟨ertragen⟩, mein Angesicht zu sehen, denn kein Mensch kann mich sehen und am Leben bleiben." (2Mo 33:20)
Aber der HERR ermöglichte es Mose dennoch, ihn von hinten zu sehen, indem er ihn in eine Felsenhöhle stellte und seine Hand schützend über ihn hielt (2Mo 33:21-23). In dieser Begebenheit diente die Felsenhöhle als Schutz bzw. Bergungsort, und die Hand Gottes wirkte wie ein schützender Schild, der Mose vor dem sicheren Tod bewahrte. Diese Situation veranschaulicht, was im heutigen Losungstext beschrieben wird, wo wir gelesen haben, dass der HERR Schutz und Schild ist.
Alle Menschen sind durch ihren Ungehorsam Gott gegenüber verlorene Sünder. Darum sind sie dem Tod geweiht (Röm 6:23). Doch weil Gott seinen Sohn auf die Erde sandte – der zugleich das fleischgewordene Wort Gottes ist (Joh 1:14) – hat er uns die Möglichkeit eröffnet, den Sohn zu sehen und an ihn zu glauben. Vor 2000 Jahren konnten die Menschen Jesus buchstäblich sehen, heute jedoch können wir ihn nur mit den Augen des Herzens wahrnehmen, indem wir sein Wort lesen, darüber nachsinnen und seinen wunderbaren Charakter der Liebe erkennen (Eph 1:18 / 1Petr 1:8).
Wer Jesus mit den Augen des Herzens sehen darf, lernt, auf ihn zu vertrauen, und dieses Vertrauen vermittelt uns das ewige Leben. Darum sagte Jesus auch in Joh 5:24:
"Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, ⟨der⟩ hat ewiges Leben und kommt nicht ins Gericht, sondern er ist aus dem Tod in das Leben übergegangen."
Am letzten Tag wird auch der verstorbene Leib auferweckt. Für wiedergeborene Christen, die in der Vergangenheit gestorben sind, wird dieser „jüngste Tag" der Tag der Entrückung sein, an dem zuerst die Toten auferweckt werden, bevor sie vom Herrn Jesus Christus in den Himmel entrückt werden (1Thes 4:16-17). Für die übrige Menschheit wird der jüngste Tag dann sein, wenn Jesus für alle sichtbar und mit großer Macht und Herrlichkeit erscheinen wird (Mt 24:30 / Offb 1:7). Dann werden auch die Märtyrer der letzten Zeit, die den Antichristen nicht angebetet haben, auferweckt werden (Offb 20:4).
Darum: Richte deinen Blick auf Jesus. Er ist dein Schutz, dein Schild, dein Leben (Hebr 12:2 / Kol 3:4). Wer ihm vertraut, findet Zuflucht, Hoffnung – und ewiges Leben (Joh 3:16). Dieses Vertrauen bewahrt vor dem Gericht und führt in das Licht der Herrlichkeit Gottes (Röm 8:1 / 2Kor 3:18).
Des Menschen Herz erdenkt sich seinen Weg; aber der HERR allein lenkt seinen Schritt.
Alles, was ihr tut mit Worten oder mit Werken, das tut alles im Namen des Herrn Jesus und dankt Gott, dem Vater, durch ihn.
Anfang dieses Jahrhunderts hegte ich zunehmend den Wunsch, eines Tages mehr Zeit für das Studium und die Verkündigung des Wortes Gottes zu haben. Mit meinen Brüdern zusammen leitete ich unser Architekturbüro, und diese Arbeit erforderte meine ganze Kraft. Ich plante, mein berufliches Pensum zu reduzieren, sobald meine vier Kinder auf eigenen Beinen standen. Doch Gott hatte andere Pläne (Jes 55:8-9).
Im Sommer 2004 machte mir der HERR klar, dass er mich ganz haben wollte: Er berief mich durch Charles Reichenbach in den vollzeitlichen Predigerdienst – ohne Anstellung, ohne Sicherheiten. Zuvor hatte ich anders geplant, weil ich mir nicht vorstellen konnte, wie ich als selbstständiger Prediger eine sechsköpfige Familie ernähren sollte. Es schien mir schlicht unmöglich (Phil 4:19).
Rückblickend kann ich nur sagen: Zum Glück hat Gott meine Pläne durchkreuzt! Einerseits hätte es noch längere Zeit gedauert, bis alle Kinder selbstständig gewesen wären, und andererseits hätte mich der Spagat zwischen Architekturbüro und Predigerdienst zerrieben.
Sprüche 16:9 erinnert uns daran: Planung gehört zum Menschsein – aber Führung ist Gottes Sache. Auch Paulus plante, nach Spanien zu gehen, und wir können heute nicht mit Gewissheit sagen, ob Gott ihm dies noch ermöglichte (Röm 15:24). In „Kleinasien" – der heutigen Türkei – plante er, in bestimmten Städten das Evangelium zu verkündigen. Doch an mindestens einer Stelle verwehrte ihm der Geist Gottes dies, weil Gott einen anderen Plan hatte: Er sollte schon bald nach Mazedonien aufbrechen (Apg 16:6-10).
Wir dürfen und sollen unseren Weg planen – aber stets im demütigen Bewusstsein, dass der HERR manchmal andere Pläne hat und uns auch jederzeit anders führen kann. Wer als Christ auf „Biegen und Brechen" seine eigenen Pläne durchsetzen will, verbrennt sich irgendwann die Finger! (Jak 4:13-15)
Die Planung „unseres Weges" sollte jedoch immer mit Gebet verbunden sein, indem wir uns fragen: „Ist das, was ich plane, auch im Sinne Gottes oder widerspricht es seinem Willen, den er uns durch die Bibel geoffenbart hat?" (Ps 143:10 / 1Thes 5:17-18)
In Kolosser 3 verdeutlicht Paulus die praktischen Auswirkungen einer geistlichen Gesinnung. Er beginnt mit einer neuen Fokussierung, indem er uns ermutigt, das zu suchen, was „droben" ist, wo Christus ist (Kol 3:1-2). Dann motiviert er uns zu einem Garderobenwechsel, bei dem wir das alte ungute „Kleid der Bosheit" ablegen und ein neues göttliches „Gewand" anziehen, das von Erbarmen, Güte, Demut, Milde, Langmut und herzlicher Liebe geprägt ist (Kol 3:12-14).
Paulus beschließt diesen Abschnitt mit dem Hinweis, dass all unser Reden und Handeln im Namen des HERRN geschehen soll, d.h. es soll alles in „Seinem Sinn" geschehen. Wer etwas im Namen einer anderen Person tut, tut es in ihrem Auftrag und mit ihrer Bevollmächtigung! (Kol 3:17)
Das ist das große Vorrecht von uns Christen: Wir dürfen lernen, alles im Sinne unseres Herrn Jesus Christus zu tun, sodass unser ganzes Reden und Handeln von seiner Liebe geprägt ist (1Kor 10:31 / Joh 13:35).
Der HERR ist hoch und sieht auf den Niedrigen und kennt den Stolzen von ferne.
Der reiche Mensch sprach: Liebe Seele, du hast einen großen Vorrat für viele Jahre; habe nun Ruhe, iss, trink und habe guten Mut! Aber Gott sprach zu ihm: Du Narr! Diese Nacht wird man deine Seele von dir fordern. Und wem wird dann gehören, was du bereitet hast?
Bruder Andrew, der Gründer von Open Doors, lebte viele Jahre lang hochriskant. Er schmuggelte Bibeln in kommunistische und später auch islamische Länder – ein Unterfangen, das jederzeit seine Verhaftung hätte bedeuten können. Und doch geschah es nie. Rückblickend sagte er:
„Es gibt keinen sichereren Ort, als im Zentrum von Gottes Willen."
Was für ein bemerkenswertes Zeugnis! Es macht deutlich: Wahre Sicherheit hängt nicht von menschlicher Kontrolle oder Vorsorge ab, sondern vom Leben in Gottes Willen und vom Vertrauen auf Gott (Ps 91:1-2).
In diesen Tagen bin ich mit einer Frau ins Gespräch gekommen, die sich von Gott dazu berufen wusste, leprakranken Menschen zu dienen. Diese Kranken leiden nicht nur körperlich, sondern vor allem unter Ausgrenzung und Stigmatisierung. Viele gelten als „unrein" und sind vom Rest der Gesellschaft isoliert – oft über Jahre hinweg ohne jede Berührung (Mt 8:2-3).
Diese Frau tat etwas Außergewöhnliches: Sie versorgte ihre Patienten häufig ohne Gummihandschuhe – nicht leichtsinnig, sondern aus Überzeugung und aus Liebe. In entlegenen Gegenden war dies manchmal die einzige Möglichkeit. Vor allem aber wollte sie den Kranken ihre Würde zurückgeben. Ihre Berührungen vermittelten mehr als medizinische Hilfe – sie gaben den Menschen das Gefühl, gesehen, angenommen und geliebt zu sein. So begann neben der körperlichen oft auch eine seelische Heilung (1Jo 4:18).
Bis heute hat sie sich nicht mit Lepra infiziert. Doch selbst wenn es anders gekommen wäre, hätte sie sich in Gottes Hand geborgen gewusst. Denn Sicherheit bedeutet nicht, schmerzfrei durchs Leben zu gehen – sie bedeutet, sich auch im Leid getragen zu wissen. Diese Frau erkrankte einmal schwer an Dengue-Fieber, aber auch da erlebte sie Gottes Nähe und Bewahrung (2Kor 12:9).
Jesus erzählt von einem reichen Mann, der durch eine große Ernte scheinbare Sicherheit gewann. Er baute größere Scheunen, wollte sich zur Ruhe setzen und das Leben genießen. Aber Gott nannte ihn einen Narren – denn noch in derselben Nacht musste er sterben. Seine Selbstsicherheit war trügerisch, seine Vorräte nutzlos (Lk 12:16-21).
Er hatte nicht gefragt, wie er mit dem Überfluss anderen dienen oder Gott ehren könnte. Stattdessen lebte er für sich selbst – und verlor am Ende alles (Mt 6:19-21).
Der Losungstext aus Psalm 138 zeigt uns: Gott sieht auf die Niedrigen und Demütigen. Wer auf ihn vertraut, ist ihm nahe. Die Stolzen aber erkennt er „von ferne" – sie leben in Distanz zu Gott und laufen Gefahr, am Leben vorbeizugehen, wenn sie sich nicht demütigen und umkehren (Jak 4:6 / 1Petr 5:5).
Wahre Sicherheit besteht nicht in Vorräten, Rücklagen oder Erfolg – sondern im Leben nach Gottes Willen. Wer aus Liebe zu Gott und zum Nächsten lebt, sammelt Schätze im Himmel. Diese sind unvergänglich – und vermitteln die Gewissheit einer tiefen Geborgenheit, die kein Mensch sich selbst geben kann (Phil 4:6-7 / Röm 8:38-39).
Gottvertrauen schenkt wahre Sicherheit.
In diesem Sinn wünsche ich allen einen gesegneten und ermutigten Tag!
Wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtet, so bist du doch, Gott, allezeit meines Herzens Trost und mein Teil.
Der Seher Johannes schreibt: Das sagt der Heilige, der Wahrhaftige: Ich kenne deine Werke. Siehe, ich habe vor dir eine Tür aufgetan, die niemand zuschließen kann; denn du hast eine kleine Kraft und hast mein Wort bewahrt und hast meinen Namen nicht verleugnet.
Asaf ringt mit dem Gedanken, warum gerade die Gottesfürchtigen mit Schwierigkeiten kämpfen, während die Gottlosen scheinbar ein sorgloses Leben führen und Erfolg haben. Sollte es nicht umgekehrt sein? Sollten nicht die Gottergebenen zu jenen gehören, die auf einer „Erfolgswelle" reiten? Diese Fragen quälten Asaf, den Musiker und Psalmsänger zur Zeit Davids, und führten dazu, dass er wankte (Ps 73:2).
Während Asaf seine Vergänglichkeit spürt und die Kräfte seines Leibes schwinden, entdeckt er ein göttliches Geheimnis: Gott selbst wird für sein Herz zu einem unerschütterlichen Felsen und zu einem „Erbteil", das ihm niemand rauben kann (Ps 73:25-26). Den heutigen Losungsvers könnte man wörtlich wie folgt übersetzen:
"Vergeht (o. schwindet) mein (vergänglicher) Leib und mein Herz: Gott ist der (unerschütterliche) Fels meines Herzens und mein Anteil (o. Erbe) auf ewig!"
Schwachheit und Hilflosigkeit gefallen uns nicht, und wir meiden diese Zustände, wann immer möglich. Doch ausgerechnet diese Zustände öffnen uns den Zugang zu dem, was bleibt, und lassen uns Gott sowie das Erbe, das er für uns bereithält, immer besser erkennen (2Kor 12:9 / 1Petr 1:3-4).
Ich weiß nicht, wie sich die Raupe fühlt, wenn bei der Metamorphose ein Großteil ihres Körpers abgebaut wird und sie sich teilweise selbst auflöst, bevor sie zu einem Schmetterling wird. Bei dieser Verpuppung spricht man auch von einer Art Selbstverdauung. Dieser Prozess klingt keineswegs angenehm. Auch unser irdisches Vergehen ist Teil eines Wandlungsprozesses – für die, die Gott vertrauen, führt er zur Herrlichkeit: Gott selbst verleiht ihnen „Flügel", wie es Jes 40:31 beschrieben wird:
"Aber die auf den HERRN hoffen, gewinnen neue Kraft; sie heben die Schwingen empor wie die Adler, sie laufen und ermatten nicht, sie gehen und ermüden nicht."
Philadelphia war die sechste der sieben Gemeinden, die in Offb 2 und 3 angeschrieben wurden. Ihr Name heißt übersetzt „Bruderliebe". Diese Gemeinde, die vermutlich auch von der Bruderliebe geprägt war, hatte eine kleine Kraft, vielleicht auch einen kleinen Wirkungsbereich, aber sie war treu, indem sie am „Wort Gottes" festhielt und den Namen Jesu nicht verleugnet hat (Offb 3:8). Möglicherweise blieb ihr so mancher Zugang, den sie sich wünschte, versperrt, aber der HERR sagt zu ihr:
"Siehe, ich habe vor dir eine Tür aufgetan, die niemand zuschließen kann!"
Wer Jesus bekennt, seinen Namen nicht verleugnet und allem glaubt, was geschrieben steht, der darf – trotz oder gerade wegen seiner Schwachheit – die Tür entdecken, die ihm den Zugang zum Haus des himmlischen Vaters eröffnet (Joh 14:6 / Mt 10:32-33).
Vielleicht fühlst du dich schwach. Oder du stehst in einer Zeit, in der dir die Kraft fehlt. Dann darfst du wissen: Gerade darin liegt der Beginn einer Verwandlung. Gott selbst führt dich durch diese Metamorphose – wie bei der Raupe, die sich aufzulösen scheint und doch in etwas völlig Neues verwandelt wird. Es ist ein schmerzhafter, aber heiliger Prozess (Röm 8:28-29 / 2Kor 5:17).
Und während du vielleicht das Gefühl hast, dass Türen sich verschließen, spricht Christus:
„Siehe, ich habe vor dir eine Tür aufgetan, die niemand zuschließen kann."
Diese Tür führt dich nicht nur in einen neuen Lebensabschnitt – sondern in die ewige Herrlichkeit Gottes (Joh 10:9 / Offb 21:3-4).