Livestream aus dem Festsaal des Rathauses St. Johann, Saarbrücken (29.Oktober 2025)
Future Imperfect – Unreife Technologien im Sprachunterricht
Kurzbiographie & Abstract
Kurzbiographie
Dr. Per Urlaub ist Professor für Germanistik und Sprachlehrforschung sowie Direktor der Abteilung für Fremdsprachen am Massachusetts Institute of Technology. Dort beschäftigt er sich mit den Auswirkungen von Technologie auf Sprache, Kultur, Übersetzung und Bildung. Neben Germanistik lehrt er Europastudien und Übersetzungswissenschaft und ist Faculty Associate am Center for International Studies des MIT. Darüber hinaus wirkt er als Associate Head of House der Sidney-Pacific Graduate Community, einer Wohnanlage für rund 700 Promovierende und Post-Docs auf dem MIT-Campus.
Bevor er 2022 ans MIT wechselte, war er Professor am Middlebury College, wo er in den Bereichen Linguistik und Erziehungswissenschaft unterrichtete und fünf Jahre lang als Associate Dean für Sprachen wirkte. Zuvor war er acht Jahre an der University of Texas at Austin tätig, unter anderem als Associate Professor für Germanistik und Sprachlehrforschung. Überdies führen ihn Gastprofessuren, Forschungsaufenthalte und befristete Lehraufträge nach New Haven, Nashville, Würzburg, und Aix-en-Provence. Er hat ein abgeschlossenes Lehramtsstudium von der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, einen M.A. von der University of Utah und einen Ph.D. von der Stanford University, die er Dank eines Vollstipendium besuchen konnte.
Er ist Herausgeber mehrerer Themenbände und Autor zahlreicher Fachartikel und Buchkapitel. Journalistische Beiträge erschienen unter anderem in Die Welt, The New Republic und der Washington Post. Seine Forschung präsentierte er auf Einladung zahlreicher Universitäten, darunter Yale, Columbia, Vanderbilt, Cornell, Princeton, Brown, Georgetown, Berkeley, Duke und Harvard sowie auf Konferenzen in Nordamerika, Lateinamerika, Asien und Europa.
Abstract
An der Schwelle zum zweiten Viertel des einundzwanzigsten Jahrhunderts wurde der Fremdsprachenunterricht an Schulen und Universitäten weltweit durch zwei Entwicklungen herausgefordert. Zunächst zwang die Corona-Pandemie zu einer urplötzlichen und ungeplanten Umstellung von Präsenz- auf Fernunterricht – ein Vorgang, der trotz immenser Schwierigkeiten vielerorts dank didaktischer Kompetenz und Improvisationstalent zahlreicher Sprachlehrkräfte durch den Einsatz digitaler Technologien erfolgreich gemeistert wurde. Als die Pandemie allmählich abklang, trat eine neue Herausforderung auf scheinbar ähnlich plötzliche Weise in unsere Welt und unsere Klassenzimmer: die Künstliche Intelligenz.
Trotz der schwindelerregenden Geschwindigkeit der aktuellen Entwicklungen im KI-sektor lädt mein Vortrag dazu ein, innezuhalten und über zwei grundlegende Fragen nachzudenken, die ich für zentral halte, um im Rahmen des Fremdsprachunterrichts Schülerinnen, Schüler und Studierende bewusst auf eine zunehmend technologisierte Welt vorzubereiten: Warum sollten wir uns nicht scheuen, neue Technologien in den Sprachunterricht zu integrieren? Und wie genau kann diese Integration stattfinden, damit selbst unreife Technologien zur Verbesserung des Unterrichts beitragen können?
Ziel meines Vortrags sind keine Pauschalurteile über den Einsatz bestimmter Technologien und Tools im Fremdsprachunterricht, sondern das Angebot von Denkmodellen, die uns dabei helfen können, sowohl heutige KI-Technologien als auch zukünftige Innovationen kritisch-konstruktiv einzuordnen. Eine solche Einordung erlaubt uns dann – abhängig von unserem jeweiligen Lernkontext – neue Technologien trotz ihrer inhärenten Unreife entweder sinnvoll in den Sprachunterricht zu integrieren oder uns bewusst und begründet gegen ihren Einsatz auszusprechen.
(in alphabetischer Reihenfolge)
Seoul National University
Korea
Die interkulturell ausgerichtete literarische Übersetzung als Methode des fortgeschrittenen Deutschlernens: Ein gemeinsames Lehrprojekt zwischen Korea und Deutschland
Kurzbiographie & Abstract
Kurzbiographie
Prof. Dr. Yun-Young Choi hat seit 2011 einen Lehrstuhl für Neuere deutsche Literatur an der Seoul National University inne. Sie studierte in Seoul und promovierte 1993 in Bonn in Neuerer deutscher Literatur. Ihre Forschungsschwerpunkte sind deutsche Literatur (Realismus), Übersetzungswissenschaft, Kulturwissenschaft und interkulturelle Germanistik. Neben Monographien - etwa zu der japanischen Schriftstellerin Yoko Tawada und zur deutschen Literatur im Kontext von Wiedervereinigung und Multikulturalität - hat sie zahlreiche Aufsätze zur Literatur- und Übersetzungsforschung veröffentlicht. Sie ist zudem als Übersetzerin deutscher Literatur ins Koreanische tätig und engagiert sich in internationalen Fachgesellschaften.
Abstract
Im Vortrag wird ein innovatives Modell vorgestellt, in dessen Rahmen die literarische Übersetzung als Medium für den Erwerb fortgeschrittener Sprachkompetenz und als Instrument interkultureller Reflexion genutzt wird. Ausgangspunkt ist eine Kooperation zwischen der Seoul National University und der Universität Tübingen, die die literarische Übersetzung nicht nur als sprachliche Technik, sondern als methodischen Ansatz für eine global ausgerichtete Deutschdidaktik versteht.
Im Zentrum steht die Verbindung von theoretischen Konzepten der Übersetzungsforschung – etwa Äquivalenz und Differenz oder Domestizierung und Verfremdung – mit der kritischen Analyse literarischer Texte, die in beiden Sprachräumen rezipiert werden. Dabei wird insbesondere untersucht, wie Übersetzungsstrategien kulturspezifische Subtexte transformieren und auf diese Weise neue kulturelle Bedeutungen hervorbringen.
Ein besonderer Fokus liegt auf den Werken der Schriftstellerin Han Kang, deren internationale Rezeption mit der Verleihung des Literaturnobelpreises im Jahre 2024 einen erheblichen Schub erfahren hat. Ihre ins Deutsche übersetzten Romane - darunter Die Vegetarierin und Weiß - bieten vielfältige Ansätze Analyse animistischer und schamanistischer Subtexte und verdeutlichen exemplarisch, in welchem Maße die literarische Übersetzung zugleich Sprachlernprozess, interkulturelle Vermittlung und Literaturkritik sein kann. Damit wird im Vortrag aufgezeigt, dass die interkulturell ausgerichtete literarische Übersetzung als Bildungsprozess verstanden werden kann, der die sprachliche Ausdrucksfähigkeit der Studierenden vertiefen, ihre analytischen Kompetenzen erweitern und ihre kulturelle Sensibilität schärfen kann.
Literaturhinweise
Choi, Yun-Young: Übersetzungskritik als eine Form der Literaturkritik. Im koreanischen Kontext betrachtet. Zeitschrift für deutschsprachige Kultur und Literaturen 31(2022), 285-308.
Lee, Jae-Won: Ein Beitrag zu kohäsionsorientierten Übersetzungen - In Bezug auf die englische, deutsche und chinesische Version von Han Kangs Menschenwerk. Koreanische Zeitschrift fur deutschunterricht 89 (2024), 59-83.
Mommed, Ahmed I. A.: Übersetzung als interkultureller Dialog. Sudanesische Romane in deutscher Übersetzung. LMS 2024.
Schilly, Ute Barbara: Carmen spricht deutsch: Literarische Übersetzung als interkulturelle Kommunikation am Beispiel des Werkes von Miguel Delibes. Würzburg 2003.
Yoo, Yohan: To Be Reborn to Return to the Beginning: An Analysis of the Paradigmatic Mythic Themes of The Vegetarian. Literature and Religion 24 (2019), 157-177.
Ruhr-Universität Bochum / German Jordanian University
Deutschland / Jordanien
Deutsch lernen und lehren: Ein internationaler Vergleich mit Fokus auf die jordanische Situation und die deutsche Fremdsprachendidaktik
Kurzbiographie & Abstract
Kurzbiographie
Dr. Karin Kleppin promovierte zu Sprachlernspielen im Fremdsprachenunterricht. Als Lektorin für Deutsch als Fremdsprache war sie mehrere Jahre in China, Frankreich und Marokko tätig. Sie war aktiv an zahlreichen Projekten beteiligt, u.a. dem Tertiärsprachenprojekt, an EU-Projektem zum Tandem und eTandem, der Entwicklung eines Konzepts zur individuellen Sprachlernberatung, dem Aufbau des Master-Studiengangs Deutsch als Fremdsprache (DaF) sowie aktuell einem Promotionsstudiengang an der German Jordanian University, dem Aufbau der Deutschabteilung in Kabul und an der Konzeption des TestDaF. Seit vielen Jahren kooperiert sie zudem mit dem Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) an der HU Berlin bei der Entwicklung von Lern- und Testaufgaben.
Nach ihrer Habilitation im Fach Sprachlehrforschung mit dem Schwerpunkt Motivation war sie fünf Jahre lang Professorin für Didaktik und Methodik des Deutschen als Fremdsprache am Herder-Institut der Universität Leipzig. Nach der Annahme des Rufes an das Seminar für Sprachlehrforschung fungierte sie gleichzeitig als wissenschaftliche Leiterin des Zentrums für Fremdsprachenausbildung. Aktuell lehrt sie an der German Jordanian University, gibt Fortbildungen im Ausland und kooperiert weiterhin mit dem IQB bei der Testentwicklung.
Abstract
Im nicht-deutschsprachigen Raum werden in germanistischen Studiengängen nur selten wissenschaftlich fundierte fremdsprachendidaktische Inhalte angeboten, obwohl viele Studierende ihre Berufsperspektiven in der Lehre oder in einigen Fällen in der Lern- und Lehrforschung sehen. Im Hinblick auf transnationale Bildungsangebote deutscher Hochschulen (TNB), bei denen auch der sprachliche Bezug zu Deutschland eine Rolle spielen sollte, bedeutete dies in der Vergangenheit, dass in den entsprechenden Ländern kaum Lehrende zur Verfügung standen, die eine qualitativ hochwertige Sprachausbildung gewährleisten konnten. Dem wurde zum Teil entgegengewirkt, indem Lehrende aus Deutschland entsendet wurden. An der German Jordanian University haben wir uns von Beginn an entschlossen, einen Masterstudiengang Deutsch als Fremdsprache (DaF) anzubieten und Lehrkräfte für ein DaF-Angebot an der GJU sowie für andere Länder in der MENA-Region auszubilden. Eine der großen Herausforderungen bestand darin, nicht einfach Studieninhalte aus Deutschland und Forschungsergebnisse der deutschen Sprachlern- und -lehrforschung zu übernehmen. Vielmehr galt und gilt es, die spezifischen Voraussetzungen, Lerngewohnheiten, Lernstile, Lernstrategien, Motive, Ziele der Studierenden zu berücksichtigen und einen Studiengang - mittlerweile auch einen Promotionsstudiengang - zu konzipieren, der sowohl lerner- als auch handlungsorientiert sowie auf die späteren Tätigkeiten in der Region ausgerichtet ist. Im Vortrag wird insbesondere skizziert, wie etablierte fremdsprachendidaktische Konzepte sowie Lehr- und Prüfungsformate adaptiert bzw. neu konzipiert werden sollten.
Literaturhinweise
Deutscher Akademischer Austauschdienst (DAAD) (Hrsg.) (2014): Entwicklung von Sprachenkonzepten. Ein Praxisleitfaden für deutsche Hochschulprojekte im Ausland. (https://www2.daad.de/medien/der-daad/analysen-studien/sprachenkonzepte.pdf).
Deutscher Akademischer Austauschdienst (DAAD) (2019): Transnationale Bildung in Deutschland. Positionspapier des DAAD. (https://static.daad.de/media/daad_de/pdfs_nicht_barrierefrei/infos-services-fuer-hochschulen/expertise-zu-themen-laendern-regionen/tnb_positionspapier_deutsch_nachdruck_2019.pdf).
Gültekin-Karakoç, N. & R. Fornoff (Hrsg.) (2022): Beruf(ung) DaF/DaZ. Göttingen.
Schaar, T., M. Altal & C. Shi Wen (Hrsg.) (2024): Fokus DaF/DaZ. Gegenwärtige Tendenzen in Forschung und Lehre. Bd. 3. Münster.
O. P. Jindal Global University
Indien
Zwischen Autonomie und Algorithmus: Eine Fallstudie aus der indischen Akademia zum KI-gestützten Schreiben im DaF-Unterricht
Kurzbiographie & Abstract
Kurzbiographie
Dr. Payal Kumari ist Juniorprofessorin für Deutsch und verfügt über interkultureller Lehrerfahrung. Seit Juli 2024 arbeitet sie am Centre for Foreign Languages der O. P. Jindal Global University in Sonipat (Haryana, Indien). Ihre Promotion hat sie an der Jawaharlal Nehru University (New Delhi) in Literatur- und Medienwissenschaft ablegt und analysiert darin alltagskulturelle Kommunikationsformen in der Weimarer Periode. Ihre bisherige Berufserfahrung umfasst Lehr- und Forschungstätigkeiten sowie Einsätze als Dolmetscherin bei hochrangigen Veranstaltungen, u.a. für die Präsidentin Indiens. In ihrer Lehrtätigkeit verbindet sie moderne Didaktik mit Fokus auf Mehrsprachigkeit und interkulturelles Lernen. Ihr besonderes Interesse gilt der Kulturgeschichte, digitalen Lehrmethoden, KI und der Förderung kreativer Ausdrucksformen im Sprachunterricht. Sie spricht Deutsch, Englisch und Hindi und verfügt über Grundkenntnisse des Türkischen.
Abstract
In diesem Vortrag wird eine empirische Untersuchung unter Germanistik-Studierenden in Indien vorgestellt. Dabei wird analysiert, wie KI‑Sprachmodelle wie ChatGPT und QuillBot die Schreibkompetenz, die Schreibmotivation und die Textautonomie von Deutschlernenden an indischen Universitäten beeinflussen, wo Deutsch hauptsächlich als Hauptfach unterrichtet wird. Die Studie zeigt ein widersprüchliches Spannungsfeld: Auf der einen Seite bieten diese Modelle wertvolle Unterstützung bei Schreibblockaden, z.B. Erleichterung des Zugangs zu akademischen Textsorten, ohne dass man unzählige Artikel herunterladen und lesen muss, um relevante Informationen zu finden. Auf der anderen Seite besteht die Gefahr, dass die sprachliche Eigenständigkeit der Studierenden abnimmt, sie weniger kritisch mit Texten umgehen und intertextuelle Tiefe verlieren – Fähigkeiten, die besonders im akademischen Kontext auf Bachelor‑ und Master‑Ebene entscheidend sind. Als Fortsetzung dieser wissenschaftlichen Analyse wurde ein praxisorientierter Artikel im Magazin „Kaleidoskop“ des Goethe-Instituts in New Delhi (2024) veröffentlicht. Dieser bietet konkrete Empfehlungen für einen effizienten Einsatz von KI zur Förderung der Schreibkompetenz im Fremdsprachenunterricht. Dabei werden ethische Fragen und didaktische Methodenentwicklung besonders betont. Der Vortrag verbindet empirische Forschung mit didaktischer Reflexion und konkreter Unterrichtspraxis im zentralen Kontext des Deutschlernens und -lehrens in Indien. Ziel ist es, Anregungen für eine ausgewogene und verantwortungsvolle Integration von KI-Modellen in den DaF-Unterricht in internationalen Germanistik-Kreisen zu geben.
Literaturhinweise
Dergaa, Ismail / Chamari, Karim / Zmijewski, Piotr / Ben Saad, Helmi (2023): From Human Writing to Artificial Intelligence Generated Text: Examining the Prospects and Potential Threats of ChatGPT in Academic Writing. Biology of Sport, 40(2), 615–622. DOI: https://doi.org/10.5114/biolsport.2023.118451
Ehlich, Konrad / Steets, Angelika (Hg.) (2003): Wissenschaftlich schreiben – lehren und lernen. Berlin/New York: De Gruyter. DOI: https://doi.org/10.1515/9783110907766
Kumari, Payal (2024): The Impact of AI Models on Students' Writing Competence and Writing Motivation in the Context of Learning German as a Foreign Language in India. International Journal for Multidisciplinary Research, 6(2). DOI: https://doi.org/10.36948/ijfmr.2024.v06i02.18516
Kumari, Payal (2024): Die Zukunft des Schreibens: KI als kreative Unterstützung. Kaleidoskop, Goethe-Institut Indien, Ausgabe
Holmes, Wayne, Jen Persson, Irene-Angelica Chounta, Barbara Wasson & Vania Dimitrova (2022). Artificial Intelligence and Education: A Critical View through the Lens of Human Rights, Democracy and the Rule of Law. Strasbourg: Council of Europe.
Manchón, Rosa M. (Hg.) (2009): Writing in Foreign Language Contexts: Learning, Teaching, and Research. Bristol: Multilingual Matters.
Vrije Universiteit Brussel
Belgien
Deutsch in Belgien: bald nur für weiße Raben?
Kurzbiographie & Abstract
Kurzbiographie
Dr. Katja Lochtman ist Professorin für Deutsche Sprachwissenschaft und Fremdsprachendidaktik an der Vrije Universiteit Brussel und der Université Libre de Bruxelles in Belgien. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich des Fremdsprachenerwerbs und -unterrichts, der Mehrsprachigkeit und interkulturellen Kommunikation, der Didaktik des Zweit- und Fremdsprachenerwerbs in mehrsprachigen Kontexten sowie der interkulturellen und kontrastiven Pragmatik. Sie publiziert in internationalen Fachzeitschriften, darunter Studies in Second Language Learning and Teaching, Applied Linguistics Review, Fremdsprachen Lehren und Lernen, Contrastive Pragmatics, Journal of Multilingual and Multicultural Development, Journal of Immersion and Content-Based Language Education und Multicultural Education Review.
Abstract
Die deutsche Sprache spielt in Belgien – trotz geografischer Nähe und wirtschaftlicher Verflechtungen mit dem deutschsprachigen Raum – eine zunehmend marginale Rolle. Dies ergibt sich auch aus den Einstellungen belgischer Studierender gegenüber der deutschen Sprache (Lochtman 2017): Deutsch wird immer noch mit Stereotypen wie Bier, Wurst, Sauerkraut, Autos und Lederhosen assoziiert, als schwer zu erlernen eingeschätzt und in seiner Nützlichkeit für Beruf und Alltag deutlich geringer bewertet als Englisch oder Französisch. Das Interesse am Deutschlernen ist meist rein persönlich motiviert, z.B. durch Neugier oder den Wunsch nach persönlicher Mehrsprachigkeit. Hinzu kommt ein drastisch eingeschränktes Unterrichtsangebot an belgischen Sekundarschulen sowie ein fast vollständiger Mangel an Absolventen in der Lehramtsausbildung für Deutsch. Im Vortrag stehen mögliche Ursachen für das sinkende Interesse der Studierenden am Deutschen und ein Beitrag zur Neuausrichtung der Deutschdidaktik in Belgien im Mittelpunkt. Als mögliche Lösungsansätze werden unter anderem der bewusste Einsatz motivierender Methoden wie Aufgabenorientierung und Interkomprehension (Lochtman & Lutjeharms 2025), die Förderung eines modernen, vielfältigen Deutschlandbildes und vor allem die Stärkung der Rolle der Lehrkräfte, die mit Begeisterung und Geduld ein neues Interesse an der deutschen Sprache wecken können, genannt. Nur so lässt sich verhindern, dass Deutsch in Belgien zur Sprache der weißen Raben wird.
Literaturhinweise
Lochtman, K. (2017). Die Rolle des Deutschen als Fremdsprache in der Inter-nationalisierungspolitik an den Brüsseler Hochschulen: Université Libre de Bruxelles und Vrije Universiteit Brussel. Muttersprache, 1-2, 83-91.
Lochtman, K. & M. Lutjeharms (2025), Interkomprehension und sprachliche Kompetenzen. In: Fäcke, C. & J. Plikat, (Hrsg.): Handbuch der Mehrsprachigkeits- und Mehrkulturalitätsdidaktik, 2. Auflage. Tübingen: Gunter Narr Verlag (im Druck).
Queen Mary University of London
Vereinigtes Königreich
Deutsch an englischen Universitäten im Wandel: Rückzug, Restrukturierung und die Frage nach der Zukunft
Kurzbiographie & Abstract
Kurzbiographie
Dr. Falco Pfalzgraf ist Reader / Associate Professor für deutsche Linguistik an der Queen Mary University of London (QMUL). Nach dem Studium der Germanistik und Anglistik an der Universität Kassel prommovierte er im Jahre 2003 bei Prof. Martin Durrell an der University of Manchester. Seit 2004 forscht und lehrt er in London (QMUL & LSE). Seine Forschungsschwerpunkte sind Sprachpolitik, Gender in verschiedenen Sprachen undSchulbuchanalyse. Er engagiert sich stark in der internationalen Forschungslandschaft.
Dr. Pfalzgraf ist Gründer des internationalen Netzwerks „Language and Gender: Academic Research and Practical Implementation“. In Forschung und Lehre verbindet er sprachwissenschaftliche Theorie mit gesellschaftlicher Relevanz. An der QMUL leitet er den Studiengang MA in TESOL, ist Vorsitzender des Masters-Prüfungsausschusses in der School of Arts, sowie Leiter des Fachgebiets Sprache und Sprachwissenschaft am Centre for Anglo-German Cultural Relations (CAGCR). Zudem ist er Vorsitzender der Londoner (bzw. britischen) Sektion der Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS).
Abstract
Die Vermittlung des Deutschen als Fremdsprache an Hochschulen im Vereinigten Königreich befindet sich in einem tiefgreifenden Umbruch. Über die letzten zwei Jahrzehnte ist die Zahl der Germanistik-Studiengänge und der Studierenden dramatisch zurückgegangen, Lehrstühle wurden gestrichen oder in größere Einheiten integriert, und die institutionelle Sichtbarkeit des Faches hat deutlich abgenommen. Der Brexit, eine stark wirtschaftsorientierte Hochschulpolitik sowie der dominierende Fokus auf sogenannte „strategische“ Sprachen haben diese Entwicklung beschleunigt. Der Beitrag bietet eine kritische Bestandsaufnahme der aktuellen Lage an englischen Universitäten und beleuchtet dabei zentrale bildungspolitische, institutionelle und gesellschaftliche Rahmenbedingungen. Im Fokus stehen strukturelle Herausforderungen wie Budgetkürzungen, ein zurückgehendes Interesse an Sprachstudien sowie die wachsende Konkurrenz durch alternative Qualifikationsangebote. Zugleich wird gefragt, ob und wie unter diesen Bedingungen weiterhin qualifizierter Deutschunterricht möglich ist – und welche minimalen Spielräume für Innovation und Kooperation bestehen. Ziel ist es, die Situation in England als Spiegel eines größeren internationalen Trends zu diskutieren und Impulse für die vergleichende Reflexion zur Rolle des Deutschen im Hochschulkontext zu geben.
Literaturhinweise
Conolly, Kate (2024). It enriches your mind in every way: the fight to keep the UK learning German. In: The Guardian 17.08.2024. https://www.theguardian.com/education/article/2024/aug/17/it-enriches-your-mind-in-every-way-the-fight-to-keep-the-uk-learning-german
Pfalzgraf, Falco (2014). Sprachwissenschaft und Sprachkritik in der britischen Hochschulgermanistik. In: Niehr, Thomas (ed.). Sprachwissenschaft und Sprachkritik. Perspektiven ihrer Vermittlung. Bremen: Hempen, 2014 (Greifswalder Beiträge zur Linguistik 8), pp. 163-171. ISBN 978-3-944312-17-0.
Pfalzgraf, Falco (2016). Zur Situation der deutschen Sprachwissenschaft in Großbritannien und Nordirland. In: IDS Sprachreport 1/2016. S 10-16.
The British Academy (2019). Languages in the UK. A call for action. London: The British Academy. https://www.thebritishacademy.ac.uk/documents/61/Languages-UK-2019-academies-statement.pdf
The British Academy (2022). Languages Learning in Higher Education: Granular Trends. London: The British Academy. https://www.thebritishacademy.ac.uk/documents/4437/Languages-learning-in-higher-education-November_2022_vf.pdf
The British Council (2025). Language Trends England 2024. London: The British Council. https://www.britishcouncil.org/sites/default/files/language_trend_england_2024.pdf
Whittle Ruth (2023). Vorsprung durch Deutsch: the story of modern languages in England must change. In: University of Birmingham News. https://www.birmingham.ac.uk/news/2023/vorsprung-durch-deutsch-the-story-of-modern-languages-in-england-must-change
Kahramanmaraş Sütçü İmam Universität
Türkei
Lehrwerkforschung zu regionalen Schulbüchern für den DaF-Unterricht in der Türkei
Kurzbiographie & Abstract
Kurzbiographie
Dr. Stefan Rathert lebt und arbeitet seit mehr als 25 Jahren in der Türkei. Er ist Dozent an der Fakultät für Erziehungswissenschaften der Kahramanmaraş Sütçü İmam Universität, Abteilung für Fremdsprachendidaktik (Türkei). Er verfügt über langjährige Erfahrung als Lehrer für Englisch und Deutsch als Fremdsprache in der Türkei. In seiner wissenschaftlichen Tätigkeit beschäftigt er sich vor allem mit Translingualismus, Professionalisierung von Fremdsprachenlehrern und -lehrerinnen, krisenbedingtem Fernunterricht sowie der Integration von Nachhaltigkeitszielen in die Lehrerausbildung, die Unterrichtspraxis und in Lehrmaterialien. Ein weiterer Schwerpunkt seiner Arbeit liegt auf der Lehrwerkforschung in den Fächern Englisch, Deutsch und Türkisch. Seine Publikationen umfassen Studien zur Adaption von Schulbüchern im Unterricht sowie zur Evaluation von Lehrwerken.
Abstract
Trotz der fortschreitenden Digitalisierung im Fremdsprachenunterricht haben Schulbücher ihre Stellung in der Unterrichtspraxis bewahrt. In der Türkei spielen für die Verwendung an staatlichen Schulen produzierte regionale Schulbücher eine große Rolle. Schulbuchautoren stehen dabei vor der Aufgabe, standardisierte Kriterien, die an curricularen Vorgaben ausgerichtet sind, zu erfüllen, um die ministerielle Zulassung für ihre Lehrwerke zu erhalten. Außerdem müssen sie die didaktische Funktion von Schulbüchern als Medium zur Implementierung von fachdidaktischen und lerntheoretischen Innovationen beachten. Diese Rahmenbedingungen legen nahe, dass Schulbuchautoren im Spannungsfeld von nationalen Rahmenbedingungen und validierten Anforderungen der Fremdsprachendidaktik navigieren.
In diesem Beitrag wird ein Überblick über die Lehrwerkforschung zu regionalen Lehrwerken vor dem Hintergrund der Situation des Deutschunterrichts in der Türkei gegeben. Dabei wird evaluiert, inwieweit die drei Bereiche der Lehrwerkforschung Prozessorientierung (also die Untersuchung der Prozesse von der Entstehung von Schulbüchern bis zu ihrer Verwendung im Unterricht), Produktorientierung (also die Evaluation von Schulbücher unter wissenschaftlichen Fragestellungen, z.B. inwieweit fachdidaktische Innovationen beachtet werden), und Wirkungsorientierung (wie also die Lehrenden und die Lernenden Schulbücher in der Unterrichtspraxis verwenden) abgedeckt sind. Im Licht aktueller Entwicklungslinien des Deutschunterrichts an türkischen Schulen wird in diesem Beitrag das Potential von Schulbüchern zur Stärkung des Deutschunterrichts in der Türkei beleuchtet, und es werden Bereiche zukünftiger Forschung aufgezeigt.
Literaturhinweise
David, M., Hatipoğlu, S., & Koreik, U. (2025). DaF in der Türkei: zur aktuellen Situation und zu möglichen Entwicklungslinien. InfoDaf, 52(4), 394-396. https://doi.org/10.1515/infodaf-2025-0082
Köksal, H., Koca, N., & Koca, F. (2025). Fallstudie zu Deutsch als Fremdsprache im türkischen universitären Kontext. InfoDaf, 52(4), 487-503. https://doi.org/10.1515/infodaf-2003-0105
Seyfahrt, M. Lehrwerkforschung im Wandel: Auf dem Weg zur Triangulation werkanalytischer und empirischer Ansätze. In C. Yıldız, A. Uzuntaş, & M.T. Öncü (Hrsg.), Germanistik im Wandel III. Neue Einsichten und Perspektiven im Bereich DaF/DaZ (S. 59-79). Logos Verlag.
Tuğlu, Y., & Bakır, N. (2024). MEB kararı sonrası zorunlu Almanca dersinin kaldırılmasının üniversite etkiler [Die Auswirkungen der Entscheidung des Ministerium für National Erziehung bezüglich der Umwandlung des Fachs Deutsch vom Pflichtfach zum Wahlpflichtfach auf die Universitäten]. HUMANITAS, 12(23), 359-376. https://doi.org/10.20304/humanitas.1441949
Uyan, A. (2020). Eine Methasynthese zur Lehrwerkanalysen von regionalen DaF-Lehrwerken. Diyalog, 8(2), 331-349. https://dx.doi.org/10.37583/diyalog.845595
Zala-Mezö, E., Totter, A, & Häbig J. (2021). Schulbuch – Entstehung, Rolle und Bedeutung für Unterricht und Schule. In T. Webs & V. Manitius (Hrsg.), Unterstützungssysteme für Schulen. Konzepte, Befunde und Perspektiven (S. 105-122). wbv Publikation.
Universität des Saarlandes, Deutschland & Universität Antananarivo, Madagaskar
Deutschlernen in Madagaskar: aktuelle Trends und Perspektiven
Kurzbiographie & Abstract
Kurzbiographie
Dr. Christina Reissner lehrt und forscht seit 2009 in der Fachrichtung Romanistik an der Universität des Saarlandes. Dort leitet sie die Abteilung Frühfranzösisch und das virtuelle EuroCom-Center für europäische Mehrsprachigkeit. Ihre Arbeits- und Forschungsschwerpunkte bewegen sich in der Allgemeinen romanischen Sprachwissenschaft (Angewandte Linguistik, Kontrastive und Komparative Linguistik, Historische Linguistik und Soziolinguistik), der (Europäischen) Mehrsprachigkeit und Interkomprehension sowie der Mehrsprachigkeitsdidaktik. Daneben lehrt und forscht sie in den Bereichen Sprachlehr-und Sprachlernforschung, nationale und internationale Bildungs- und Sprach(en)politik und Border Studies. Sie ist neben der universitären Lehramtsausbildung auch seit Jahren europaweit und in Madagaskar in der Lehrerfortbildung und in internationalen Projekten tätig.
Dr. Volatiana RATSIMBA leitet das Centre de recherche : Sociétés, Dynamiques des Langues en contact et Didactologie der École Normale Supérieure an der Université d'Antananarivo, Madagaskar. Sie lehrt und forscht in der Hochschulpädagogik, der Sprachkontaktforschung und Didaktik und ist in der universitären Lehramtsausbildung, der Lehrerfortbildung und in internationalen Projekten tätig.
Abstract
Das Deutschlernen erlebt derzeit in Madagaskar einen nie dagewesenen Aufschwung. Die Angebote zum Deutschlernen vervielfachen sich landesweit, Sprachschulen werden gegründet, die germanistischen Abteilungen der Universitäten verzeichnen so viele Studieninteressenten wie noch nie für das Fach Deutsch.
Junge Menschen sehen in der deutschen Sprache den Schlüssel zu ihrer Zukunft; sie investieren viel, um die Sprache zu lernen und mit den erforderlichen Zertifikaten ein Visum für Deutschland zu erhalten; sie sind bereit, ihr Land zu verlassen, um ihre Zukunft in Deutschland zu gestalten.
Im Vortrag wird ein état des lieux der aktuellen Situation auf der Insel entworfen und dazu werden Erkenntnisse aus unterschiedlichsten Quellen und von verschiedenen Akteuren trianguliert. Zum einen werden die aktuellen Angebote für Deutschkurse, die insbesondere über Social Media verbreitet werden, analysiert, daneben Statistiken zu den Zertifikatsprüfungen ausgewertet, die über das Goethe-Zentrum in der Hauptstadt Antananarivo organisiert und durchgeführt werden. Eine weitere Perspektive wird durch Gespräche mit Deutschlehrenden und -lernenden zu ihren Praktiken, Erfahrungen und Zielsetzungen eröffnet. Damit entsteht eine vielschichtige Betrachtung der aktuellen Situation des Deutschen auf der Insel im Indischen Ozean.
Literaturhinweise
Auswärtiges Amt der Bundesrepublik Deutschland (2025): Deutsch als Fremdspsrache weltweit. (https://www.auswaertiges-amt.de/resource/blob/2728424/f7ee0558008807b8e4b1ae15907d5872/deutsch-als-fremdsprache-weltweit-data.pdf).
Fokus Afrika (2024): Deutschunterricht in Madagaskar wird ausgebaut. (https://fokus-afrika.de/deutschunterricht-in-madagaskar-wird-ausgebaut/).
Midi Madagasikara (2024): LARA, doté d'une nouvelle salle d'allemand. (https://notopia.org/img/mada/page-23.pdf).
Deutscher Akademischer Auslandsdienst (2017): Kurze Einführung in das Hochschulsystem und die DAAD-Aktivitäten. Bonn
Rahamaliarison, Hanitrarivelo Oliva (2010): Motivation im DaF-Unterricht in Madagaskar. Informationen Deutsch als Fremdsprache vol. 36, no. 4, 2009, pp. 340-355. https://doi.org/10.1515/infodaf-2009-0404.
University of Illinois Chicago
USA
Kollokationen bewusst machen:
KI-gestütztes Lernen im DaF-Unterricht in den USA
Kurzbiographie & Abstract
Kurzbiographie
Susanne Rott (PhD, University of Illinois Urbana-Champaign) leitet das Sprachprogramm an der University of Illinois Chicago. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich des Zweitspracherwerbs, insbesondere beim Wortschatzlernen. Sie untersucht unter anderem, wie Lernende mit Polysemie und Mehrwortverbindungen umgehen. Ein weiterer Fokus ihrer Arbeit liegt auf dem computergestützten Fremdsprachenlernen sowie der didaktischen Gestaltung von Lehrmaterialien.
Abstract
Der Gebrauch von Kollokationen gilt gemeinhin als Merkmal fortgeschrittener Sprachkompetenz (Crossley et al., 2014). Im Rahmen gebrauchsbasierter Ansätze zum Zweitspracherwerb wird die Häufigkeit von deren Auftreten im Input als zentraler Faktor für Sprachentwicklung betont (z.B. Madlener, 2022). Dennoch sind Kollokationen weder zentraler Bestandteil gängiger Lehrwerke noch sind sich Lernende und Lehrkräfte im Allgemeinen ihrer Bedeutung bewusst. Die größte Herausforderung stellen Unterschiede zwischen Erst- und Zweitsprache dar (Peters, 2016). Entsprechende Studien zeigen, dass dabei bewusstseinsfördernde Maßnahmen hilfreich sein können (Peters, 2012), inzidentelles Lernen aber nur langsam erfolgt (Webb et al., 2013). In der vorliegenden Studie wird der Einsatz von KI-Tools wie ChatGPT untersucht, um thematische Kollokationen zu identifizieren und so das Bewusstsein für Kollokationen zu fördern, Kollokationen in Inputtexten zu erkennen, und rezeptive sowie produktive Lernmaterialien zu erstellen. 27 Deutschlernende auf dem B1-Niveau erhielten ein gezieltes Bewusstseinstraining. Ihre Aufsätze zum Thema „Studieren an der Universität“ wurden mit denen von Lernenden ohne Training verglichen. Die Ergebnisse zeigen, dass die trainierte Gruppe mehr und vollständigere Kollokationen verwendete sowie über ein größeres rezeptives und produktives Wissen verfügte. Die Studie zeigt, dass KI-Tools sinnvolle Lernhilfen sein können, die für Lernende eigenständig verwendbar sind.
Literaturhinweise
Crossley, S. A., Salsbury, T., & McNamara, D. S. (2014). Assessing lexical proficiency using analytic ratings: A case for collocation accuracy. Applied Linguistics, 35(5), 1–22.
Madlener-Charpentier, K. (2022). Implizites und explizites inzidentelles Lernen aus Inputfluten: Optionen der Aufmerksamkeitslenkung durch Inputstrukturierung. In K. Madlener-Charpentier & G. Pagonis (Eds.), Aufmerksamkeitslenkung und Bewusstmachung in der Sprachvermittlung: Kognitive und didaktische Perspektiven auf Deutsch als Erst-, Zweit- und Fremdsprache (pp. 67–98). Tübingen: Narr Francke Attempto.
Peters, E. (2012). Learning German formulaic sequences: The effect of two attention drawing techniques. The Language Learning Journal, 40(1), 65–79.
Peters, E. (2016). The learning burden of collocations: The role of interlexical and intralexical factors. Language Teaching Research, 20(1), 113–138.
Webb, S., Newton, J., & Chang, A. (2013). Incidental learning of collocation. Language Learning, 63(1), 91–120.
Universität Kairo
Ägypten
Deutsch-Studien im Kontext globaler Bildungsstrategien: Literatur, Sprache und transkulturelle Kommunikation zwischen Perspektiven akademischer Spezialisierung und sozialem Engagement
Kurzbiographie & Abstract
Kurzbiographie
Prof. Dr. Dina Aboul Fotouh Hussein Salama ist Leiterin der Germanistik-Abteilung der Philosophischen Fakultät der Universität Kairo. Zudem ist sie Mitglied der Kommission des Hochschulrates in Ägypten (Supreme Council of Universities in Egypt) zur Implementierung der staatlichen Initiative des Deutschen als studienbegleitendes Fach an ingenieurwissenschaftlichen und medizinischen Fakultäten ägyptischer Universitäten, Mitglied der zuständigen Kommission des Hochschulministeriums für den Sektor der Medien- und Spracheninstitute und anderen allgemeinen Studien, Mitglied der ständigen wissenschaftlichen Beförderungskommission des Supreme Council of Universities in Egypt (SCU) für (Assistenz)Professoren der Germanistik (u.a.) und ehemalige Vize-Dekanin für Weiterbildung und soziales Engagement der Philosophischen Fakultät der Universität Kairo. Sie lehrt u.a. Germanistische Mediävistik, Rezeption, Lyrik sowie Komparatistik und forscht vorwiegend zur Inter- und Transkulturalität arabischer und deutscher Dichtung der Vormoderne unter Anwendung transdisziplinärer und kulturwissenschaftlicher Perspektiven.
Abstract
Seit dem deutsch-ägyptischen Kulturabkommen der 1950er Jahre haben sich die Deutsch-Studien in Ägypten zu einem vielschichtigen und dynamischen Bildungsfeld entwickelt. Mit über 400.000 Lernenden ist Deutsch längst nicht mehr nur akademisches Fach der Philologie, sondern zunehmend eine Zusatzqualifikation – insbesondere in Medizin, Ingenieurwesen und weiteren wichtigen Berufsfeldern. Ein zentrales Anliegen des Beitrags ist es, solche bildungspolitischen Entwicklungen und Maßnahmen in Ägypten zu skizzieren, die das Wachstum der Deutschlernenden begünstigt haben und dabei bestehende Herausforderungen wie Potenziale sichtbar zu machen.
Zugleich wird - vor dem Hintergrund globaler Bildungsstrategien wie den SDGs und der Digitalisierung – das transformative Potenzial literarischer Texte beleuchtet. Anhand ausgewählter Werke von der Vormoderne bis zur Gegenwart soll exemplarisch aufgezeigt werden, wie Literatur berufsfeldrelevante Kompetenzen fördert und Impulse zur Auseinandersetzung mit Nachhaltigkeit, sozialer Gerechtigkeit und interkulturellem Verständnis geben kann. Dies exemplarisch zu zeigen, bildet ein weiteres Ziel des Beitrags – mit dem konkreten Anliegen, innovative Lehransätze anzustoßen und zur curricularen Weiterentwicklung im Bereich der Deutsch-Studien beizutragen. Literatur fungiert als transkulturelle Brücke zwischen philologischer Expertise und gesellschaftlicher Verantwortung – mit Relevanz letzlich auch für Fachkräftegewinnung und Integration.
Literaturhinweise
Yousefi, Hamid Reza, and Ina Braun (2011). Interkulturalität: eine interdisziplinäre Einführung. WBG-Wissenschaftliche Buchgesellschaft.
Barić, Karmelka, and Katalin Hegedűs (2023). "Curriculare Entwicklung des studienbegleitenden Deutschunterrichtes in Serbien - Rückblick und Ausblick." Scripta Manent 18.2, 57-89.
Schimmel, Dagmar. Studiengangsbezogene Fachsprache in einem studienvorbereitenden Sprachkurs: Ein Verzahnungsmodell zur Integration eines Deutschkurses in das erste Semester des Fachstudiums. Informationen Deutsch als Fremdsprache 37.5 (2010): 470-493.
Gandt, Stefanie, Tobias Schmohl, Benjamin Zinger & Christina Zitzmann (2024). Co-kreatives Lernen und Lehren. Hochschulbildung im Zeitalter der Disruption. Bielefeld : wbv Publikation.
Szurawitzki, Michael & Patrick Wolf-Farré (2024). Handbuch Deutsch als Fach-und Fremdsprache: Ein aktuelles Handbuch zeitgenössischer Forschung. De Gruyter.
Südosteuropäische Universität & Goce-Delčev-Universität
Nordmazedonien
Lernmotivation im fremdsprachlichen Kontext:
Beweggründe Studierender in Nordmazedonien für die Erlernung der deutschen Sprache
Kurzbiographie & Abstract
Kurzbiographien
Dr. Gzim Xhaferri ist seit 2013 ordentlicher Professor für deutsche Sprachwissenschaft in der Deutschen Abteilung der Südosteuropäischen Universität in Tetovo, Nordmazedonien. Nach seinem Germanistikstudium und der Promotion im Bereich der Sprachwissenschaft an der Universität Prishtina, Kosovo, übernahm er im Jahre 2002 die Leitung der Deutschen Abteilung der Südosteuropäischen Universität. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen Syntax, Morphologie, Kontrastive Linguistik, Pragmatik, Mehrsprachigkeit, Sprachpolitik sowie Deutsch als Fremdsprache. Er ist Autor zahlreicher wissenschaftlicher Publikationen im In- und Ausland und hat an verschiedenen internationalen Projekten in den Bereichen Sprachwissenschaft, Sprachpolitik und Mehrsprachigkeit mitgewirkt. Sein besonderes Augenmerk liegt auf der Verbindung theoretischer Ansätze mit didaktischen Fragestellungen im Kontext des Unterrichts Deutsch als Fremdsprache. Darüber hinaus agiert er als Gutachter und Vortragender auf internationalen Tagungen.
Dr. Biljana Ivanovska ist ordentliche Professorin für deutsche Sprache und Linguistik an der Fakultät für Philologie der Goce-Delčev-Universität in Štip, Nordmazedonien. Sie studierte Germanistik und Anglistik an der Universität „Blaže Koneski“ in Skopje sowie an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Ihren Masterabschluss erwarb sie 1999 mit einer Arbeit zur Ausdrucksweise psychischer Zustände in der deutschen und mazedonischen Gegenwartssprache. 2006 promovierte sie mit einer Dissertation zur Lexik der Emotionalität in beiden Sprachen. Seit 1998 ist sie vereidigte Gerichtsdolmetscherin für Deutsch. Sie ist Inhaberin des Lehrstuhls für Germanistik, war Koordinatorin des Masterprogramms und ist Redakteurin der Fachzeitschrift Palimpsest. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen auf den Gebieten Kontrastive Linguistik, Deutsch als Fremdsprache, Pragmatik und Interkulturelle Kommunikation. Se ist Mitglied mehrerer nationaler und internationaler Fachverbände.
Abstract
Ziel der vorliegenden Studie ist es, die Motivationslage von Studierenden der Germanistik in Nordmazedonien systematisch zu erfassen und differenziert zu analysieren. Die deutsche Sprache nimmt in Nordmazedonien sowohl im Bildungssystem als auch im gesellschaftlichen Diskurs eine zunehmend relevante Stellung ein. Die Motivation zum Erwerb der deutschen Sprache wird dabei durch eine Vielzahl interagierender Faktoren beeinflusst. Zu den primären Beweggründen zählt das Streben nach verbesserten beruflichen Perspektiven, da Deutschkenntnisse insbesondere in den Bereichen Wirtschaft, Technik und Medizin als zentrale Zusatzqualifikation gelten. Darüber hinaus beabsichtigen zahlreiche junge Menschen, ein Studium oder eine berufliche Tätigkeit in Deutschland oder anderen deutschsprachigen Ländern aufzunehmen, wodurch Sprachkompetenz zur Voraussetzung wird. Auch die intensiven wirtschaftlichen und kulturellen Beziehungen zwischen Nordmazedonien und dem deutschsprachigen Raum fördern das Interesse am Erwerb der deutschen Sprache. Die Entscheidung für das Erlernen des Deutschen ist somit häufig durch ein Zusammenspiel pragmatischer, berufsbezogener und kultureller Motive geprägt. Die hier vorgestellte empirische Studie basiert auf einer quantitativen Erhebung unter Bachelor- und Masterstudierenden der Südosteuropäischen Universität in Nordmazedonien sowie der Goce-Delčev-Universität in Nordmazedonien. Ziel der Untersuchung ist es, die individuellen Beweggründe der Studierenden für die Erlernung der deutschen Sprache zu identifizieren und im Hinblick auf ihre Motivationsstruktur wissenschaftlich zu analysieren.
Literaturanhinweise
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Csizér, K., & Dörnyei, Z. (2006). Motivation, Language Attitudes and Globalisation: A Hungarian Perspective. Teachers College, Columbia University, Working Papers in TESOL & Applied Linguistics, 2007, Vol. 7, No.1.
Ivanovska, Biljana and Xhaferi, Gzim (2020) Ставовите на студентите за учењето на далечина во време на корона криза. Годишен зборник на Филолошки факултет. Универзитет „Гоце Делчев“, Штип, Филолошки факултет, 11 (15). pp. 17-27.
Kühn, G. & Mielke, T. (2000). Deutsch als Fremdsprache in der Arbeits- und Berufswelt: Eine kommentierte Bibliografie berufsbezogener Lehr- und Lernmaterialien. BIBB. Bundesinstitut für Berufsbildung. Bielefeld. 2012.