Bildhauerin

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Kindheit:
 Ich wurde am 4. april 1928 in Innsbruck ,Tirol, geboren.

Mein Vater ,Julius Walter Schafferer war Østerreicher (*14. oktober 1901 in Innsbruck) und meine Mutter Lilly Nicoline Schafferer (* Nielsen 19.februar 1905 ) war Norwegerin.

Mein Vater hat 1926 in Oslo gearbeitet und hat dort meine Mutter getroffen.

Sie haben dann in Innsbruck gewohnt bis ich 10 Jahre alt war.

Wir hatten es sehr schøn in Tirol und waren auch oft auf Reisen herum in Italien. Von dieser Zeit habe ich meine fruehe Interesse fuer Arkitektur Archeologi und Kunst, im besonderem fuer Skulptur.

Nach dem ”Anschluss” Maerz 1939 hat das Leben in Østerreich sich sehr geaendert. Auch der Unterricht in der Schule-es war alles Propaganda.

Mein Vater gehoerte zu keiner Politischen Partei aber er war sehr gut orientiert-es waren immer Diskussionen mit Freunden und Bekannten bei uns zuhause. Viele Menschen waren die erste Zeit begeistert fuer den Nationalsozialismus und Ihr Program. Aber mein Vater war sehr skeptisch und sagte es zeigte alles gegen einen Weltkrieg.

Was ich dieses Jahr gesehen und gehørt habe, fand ich als Kind mit 10 Jahren abscheulich. Meine Eltern haben beschlossen nach Norwegen zu fahren und haben um ”Urlaub” -Erlaubniss gesucht.

Es gab viel Angeberei. Die ironischen Aussagen meines Vater hat zu drei Vorladungen bei der Gestapo gefuerht. Seine diplomatische Art und Weisse in dieser Situation hat Ihm damals geholfen aber er bekam die Warnung: ” Naechstes Mal werden wir Sie nicht freilassen Herr Schafferer”.

Mei Vater war Philateliest mit Philateliestfreunden in der ganzen Welt.

Im Winter 1938 waren wir in der Schweiz und von dort hat er seine ganze private Briefmarkensammlung nach Norwegen gesendet.

Maerz 1939 haben wir endlich alles in Innsbruck verlassen und sind mit Zug nach Hamburg gefahren. Am Hafen in Hamburg hat mein Vater ein norwegisches Handelsschiff gefunden das schon am naechsten Tag nach Norwegen segeln sollte. Das war kurz bevor die Grenzen geschlossen wurden. Der Kapitaen hat Passagiere mitgenommen und so kamen wir Ende Anfang April mit dem Schiff ”Ottar Jarl” nach Trondheim wo die Familie meiner Mutter uns erwartete.

Jugendzeit:
Die Jahre in Trondheim bis oktober 1944 waren sehr bedeutningsvoll fuer meine Entwicklung als Mensch und spaeter als Bildhauerin. Im Anfang waren wir sehr arm. Vater hat einige Monate einem Bruder meiner Mutter im Geschaeft geholfen . Im Herbst 1939 sind wir in eine nette Wohnung eingezogen und dann hat der 2. Weltkrieg angefangen. Vor dem Haus war auch ein Garten wo ich unter dem Krieg Gemuese und Blumen gepflanz habe. Vater hat dann mit seiner Briefmarkensammlung als Philateliest seinen Erwerb und wir hatten keine Not obwohl es auch in Norwegen Ratiunierung war und es gab wenig Lebensmittel, Kleider und anderes zu kaufen.

Aber Buecher gab es!

Im Jaenner 1940 geschah etwas sehr tragisches. Ein kleiner Bruder starb unter der Geburt zuhause. Die Hebamme kam zu spaet und mein Vater konnte es nicht schaffen. Meine Mutti weihnte 2 Wochen und wurde nie wieder gluecklich .Das Verhaeltniss zwischen meinen Eltern liess sich nicht heilen. Im Heim herrschte Sorge und Schweigen und manchmal schrien meine Eltern gegen einander. Ich habe mit meinen Eltern gelitten.

Ich habe sehr schnell norwegisch gelernt und habe auch gleich viele Freundinnen bekommen. Im Sommer war ich im wunderschønem Nord Norwegen und es hat mir sehr gut gefallen bei einer Schwester meiner Mutter. Dann am 9. april 1940 als ich zur Schule ging, standen am Morgen deutsche Soldaten an der Wand der Judensynagoge.

Ich habe sie gefragt was macht Ihr denn da hier? ”Wo sind die Englaender” fragten die jungen Soldaten mit Angst”! ”Hier sind doch keine Englaender ”habe ich geantwortet . Sie hatten Hunger und einige norwegische Kronen. ”Gibt es hier Schokolade zu kauffen”? Bevor ich dann nachhause lief um meinem Vater diese Nachrichten zu erzaehlen, habe ich erst schnell in einem Kiosk in der Naehe Schokolade fuer die deutschen Soldaten gekaufft. Sie haben mir Leid getan-die jungen Burschen die in den Krieg mussten.

Es war ja noch sehr frueh am Morgen und mein Vater war noch im Schlaf. Erst wollte er mir nicht glauben-dann ist er aus dem Bett gesprungen , rasch in die Kleider und weg zur Stadt.

Von dem Tag an, nach der deutschen Okkupation von Norwegen, hat sich vieles wieder geændert. Die Norweger hassten dann alles ”deutsche”und ich habe auch daran gelitten. In der Schule wurde ich von einigen Lehrern mit Arroganse behandelt und von fremden Jungen mit Steinen, Scheeballen und veraechtlichen Zurufen schikaniert. Manche Leute die uns nicht kannten glaubten wir waeren Spione und Angeber! Doch hatte ich gute Freunde die mich kannten. 1942 wurde ich in dem Dom von Nidaros konfirmiert. Wir waren ja Protestanten im Katolischem Tirol und ich war damals die einzige Evangelische Schuelerin. Die Lehrerinnen in Innsbruck waren nicht alle nett . Auch nach dem Anschluss 1938 wussten die Lehrer die politische Haltung meiner Eltern und auch meine und danach wurde ich auch behandelt. Keiner von uns hat ein einziges Mal den Hitler gruss gemacht. Irgendwie bin ich immer zwischen 2 Stuehlen gefallen! Jetzt nach dem 9. April 1940 in Norwegen noch einmal diese Antipatie von Lehrern und Fremden. !! Erst weil ich nicht Nazi war in Innsbruck –und jetzt in Trondheim weil man alles ”deutsche ” hasste. Es war nicht leicht- Die ungluechliche Stimmung zuhause und die Sjikanie von Lehrern und Fremden in der Strasse hat mich empfindlich und nervøs gemacht. Aber ich hatte doch viele gute Freunde und zusammen konnten wir lustig sein und viel schønes erleben : im Gebirge wandern oder mit Rad fahren…

Eine Schulfreundin hat mich einen Sonntag im Jaenner 1943 zum Christlichen Schulverrein eingeladen. Dieser Nachmittag mit allen den jungen Menschen die sich an Jesus bekennten hat mein Leben wieder geaendert.

Am Tage nachher hatte ich ein inneres Erleben, es war ein tiefer seelischer Prozess, eine dringende Sehnsucht und was ich da erlebte war wie eine ”Wahl”. Es hatte nichts zu tun mit Kirche oder Dogmen. Alles hat sich nachher geaendert und es war bestimmend fuer mein ganzes Leben. Viele Jahre nachher ,1970, habe ich die Skulptur

” Der Schulweg” gemacht. Es war ein schønes Jahr im CHristlichem Schulverrein, ”Realskolelaget”. Wir hatten einen Gesangverrein und wurden in vielen Missionslokalen eingeladen. Jeden Samstag haben wir ein Altenheim besucht mit Mitglieder des CHristlichen Studentenverrein mit einer kleinen Andacht und Gesang. Die meisten Alten lagen im Bett. Da ist auch viel komisches und lustiges geschehen. Wir hatten einen Studium-Zirkel, waren auf Ausfluegen mit Rad zu anderen Schulen im Sommer und mit Autobus im Orkdal Landesgymnasium um die Osternwoche zu feiern.

Ich habe gute Freundinnen und Freunde gefunden----fuer mein ganzes Leben .

Meine Mutti:
Meine Mutti hatte einen ganz festen Glauben ich wuerde in der Zukunft irgend etwas schaffen. So bekam ich allerhand Møglichkeiten in Innsbruck : Ballett, Eistanz im Winter, Gesang, Teater. Zeichnen mit

Unterricht in einem Atelje in der Altstadt mit Erwachsenen Schuelern.

Es hat mir nicht gefallen und in der Schule auch nicht. Gesang , Aufsats und Zeichnen waren meine besten Faecher. Sonst habe ich mich gelangweilt.

Meine Mutter war huebsch und liebenswuertig. Sie hatte ein sehr gutes Herz, hat sich um die Armen gekuemmert. Es gab so viele Kriegsinvalide nach dem ersten Weltkrieg in Innsbruck. Die hockten am Weg wenn wir Ausfluege machten, mussten betteln, fehlten Arme oder Beine, waren blind……Meine Mutti hat mich immer hingeschickt mit Geld und Speise--- Sie hatte auch ,was man kennt als parapsykologische Erlebnisse.

Ich hatte immer eine starke Gedankenueberfuehrung mit meiner Mutti.

Schon in Innsbruck mit 8 Jahren hatte ich ein besonderes Erleben. Ich hatte eine kleine ”weisse Luege” erzaehlt um Mutti zu erfreuen und sie hat es entdeckt !

Ich habe die Sorge meiner Mutter gefuehlt, obwohl sie nichts sagte.

Es war abend und am Weg nachhause als wir eben am Capuzzinerkloster vorbeigingen, wurde ich pløtzlich den Sternenhimmel wahr. Der stand so strahlend ueber den Bergen und eine ernste Stimme in mir hat gesagt ” Du musst mit dem Luegen aufhøren –sonst werdest du nie was du werden sollst” Seit dem habe ich immer Angst gehabt vor dem ” nicht ganz ehrlich zu sein” und habe vermeidet zu tun das was ich nicht offen erzaehlen kann.

Meine liebe Mutti starb im Juni 1943.

Einige Naechte nachher habe ich ganz kaotisch getreumt, allerhand Ungeheuer- ich habe mich im Bett herumgewaeltzt. Dann standen pløtzlich lichtende Wørter vor mir im Traum: ”Kommt zu mir alle Ihr die leiden ..(Matteus 11/28-30 )

Dann habe habe ich wieder Ruhe und Freude gefunden. Meine Mutter hatte keinen Schmerz mehr –es war alles gut. Meine Psyke hat sich wieder geheilt.

Endlich (1984-87) habe ich es geschafft die Skulptur

”Dona Nobis Pacem” zu tun. (Ich hatte ein Photo wo Mutti und ich auf dem Trappenabsatz einer Skulptur in Venedig die Tauben fuettern. Im Hintergrund war eine Seule) Ich war wohl in dem Photo damals 4 Jahre alt.

Im Mai 1944 am Sonntag im CHristlichem Schulverrein hat der Blitz mich getroffen. Ich habe einen ganz speziellen jungen Mann gesehen – Er war 2 Jahre aelter. Wir sind spaeter strassenlang spaziert und er hat von seinen philosofischen und mathematischen Theorien gesprochen.

Ich war so schuechtern und habe von Logik und Mahtematik nicht viel verstanden. Er war vieleicht ein Geni. Er wollte mir Mathematik lernen und es ist sein Verdienst das ich nach mehrere Jahren Examen Arbitur wissentschafflich in Oslo ablegte. (1948 ).

Ich hatte mich schon mit 14 Jahren fuer Philosophie,Psychologie und Parapsychologie interessiert und habe viel gelesen . Mein Vater hat mir Buecher gekaufft, auch ueber andre Religionen. Er hatte Angst ich wuerde fanatisch werden –hat meine Art und Weisse nicht recht verstanden. So konnten mein Freund und ich unter unseren Spaziergaengen im Regen und oder im gutem Wetter Gedanken austauschen. Es war eine wunderschøne Zeit.

Mein Vater hatte die ganzen Jahre in Drondheim ein Radio. Das war fuer Norweger verboten. Viele Philateliesten kamen nachhause zu uns um die Nachrichten aus London zu høren- Auch ein deutscher General. Er hat mir ein Buch mitgebracht: ”Goethes Gespraeche mit ----” Das war doch zu tief fuer mich mit 16 Jahren. Jeden Vormittag nach den London Neuheiten ging mein Vater eine Runde in der Stadt mit den neuesten Kriegsgeschehen von der BBC .

Ich ging damals in die 3. klasse Realschule und das war ein sehr schønes Jahr. Die Lehrer waren sehr nett und ich bekam ein guter Schueler. Der Untericht war ja auch viel interessanter.

Im Herbst 1944 habe ich im Handelsgymnasium angefangen. In der Wissenschaftlichen Klasse.

Dann im Herbst 1944 bekam mein Vater pløtzlich den Bescheid von den deutschen Behørden, wir muessten am naechsten Morgen um 9 Uhr am Bahnhof sein um zurueck in das Deutsche Reich befordert zu werden.

Ich kam nachmittag am 9. oktober von einem Examen in Matemathik mit meinem Freund nachhause –da war die Wohnung fast lehr und Vater erzaehlte mir wir muessten in der Nacht fluechten. Am Abend habe ich Abschied mit meinem Freund genommen und ich habe meinen ersten Kuss bekommen.

Mein Vater hatte seine Verbindungen mit der Widerstandsbewegung-(einer meiner Lehrer in der 3. Realschuleklasse) und es wurde sofort arrangiert mit 2. Widerstandsmaennern ueber die Grenze nach Schweden zu gehen. Sie waren Feuerwehrmaenner. Einer musste in Schweden bleiben-der 2. ging zurueck um anderen Leuten ueber die Grenze nach Schweden zu helfen.

Am 10. Oktober 1944 morgens um 3 Uhr mussten wir also wieder fluechten-mein Vater und ich. Die Brueder meiner Mutter haben unsere Wohnung sofort geraeumt und unsere Møbel und Sachen weggebracht. Als die Gestapo uns dann suchte waren wir weg und niemand wusste wohin.

Wir sind eine Woche im Schnee zu Fuss ueber das Gebirge gegangen bis die schwedische Grenzenpolizei uns gefunden haben.

Viele, viele Jahre nachher (1990) bekam ich den Auftrag von Politischen norwegischen Gefangen das Monument ueber das Konsentrationslager ”Grini”, in der Naehe von Oslo zu machen.

Schweden:
Fortsetzung folgt...