Hrant Dink

Hrant Dink wurde 1954 als Armenier in Anatolien geboren. Er war eine polarisierende Persönlichkeit, die bei türkischen Nationalisten und der armenischen Diaspora gleichermaßen aneckte. 1980 gründete er die erste türkisch-armenisch sprachige Wochenzeitung „Agos― in der türkischen Republik und rührte unter anderem an dem größten Tabu türkischer Geschichtsschreibung: dem Genozid an den Armeniern 1915. Dink, der wie Orhan Pamuk und andere Intellektuelle wegen „Beleidigung der türkischen Nation― mehrfach vor Gericht gebracht wurde, fasste viele heiße Eisen an und wurde jahrelang bedroht, bevor ihn ein minderjähriger Täter, angeblich aus eigener Motivation, im Jahre 2007 erschoss, genau wie Talaat Pascha 86 Jahre zuvor, auf der Straße, am helllichten Tag, mit einem Schuss in den Hinterkopf.
Als armenischer Journalist hatte er dafür gearbeitet, dass es zwischen Türken und Armeniern zu einer Normalisierung kommt. Er forderte Dialogbereitschaft und gegenseitigen Respekt und warb für ein friedliches Miteinander – ein „Martin Luther King― der Türken und Armenier.
"Die ethische Haltung, die wir in der Armenierfrage brauchen, ist Empathie. Wenn wir heute die Katastrophe eines Volkes, welches 4000 Jahre lang auf diesem Boden lebte und von dem heute in diesem Land fast nichts mehr übrig ist, mit den Worten abtun wie: „Wie hätte man anders verfahren sollen, die Armenier hätten ja nicht Verrat üben müssen“ dann fehlt da nicht nur Empathie, dann heißt das auch, dass wir, wenn es nur nötig ist, heute wieder so handeln würden.
Ich glaube, die Entwicklung von Empathie ist der einzige Weg zu einem gemeinsamen Gedächtnis beider Gesellschaften..."