ein Dorf wird ausgelöscht

Während des Bürgerkrieges in El Salvador (1980 - 1992) gab es nicht "nur" kriegerische Handlungen unter den sich mit Waffen bekämpfenden Einheiten, sondern massenhafte Gewalttaten, Tötungen, Vergewaltigungen gegenüber der Zivilbevölkerung durch das salvadorianische Regierungsmilitär. Eines dieser Massaker geschah am 11., 12. und 13. Dezemer 1981 in El Mozote, im nordosten des Landes in der Provinz Morazán. Dieses, wie auch die anderen Massaker und sonstigen Gewalttaten sind bis heute ungesühnt. Die Namen der Täter stehen durch den Bericht der Internationalen "Wahrheitskommission" überwiegend fest. Doch bis heute blieben sie strafrechtlich unbehelligt. Nachfolgend eine Information von amnesty international, El Salvador-Koordinationsgruppe hierzu. Weiterhin veröffentlichen wir eine Zeugenaussage von Rufina Amaya, eine der wenigen Überlebenden dieses Massakers.


Mahnmal in El Mozote


An diesem Tag kamen Einheiten der Regierungsarmee nach El Mozote im Departement Morazán. Sie nahmen Leibesvisitationen bei allen Dorfbewohnern und Vertriebenen aus den benachbarten Dörfern vor. Diese wurden dann gezwungen, sich in ihren Häusern einzuschließen. Am folgenden Morgen wurden alle herausgeholt und auf den Dorfplatz getrieben. Soldaten trennten Männer, Frauen und Kinder und sperrten sie in unterschiedliche Gebäude. Die Männer wurden verhört, gefoltert und ermordet, viele Frauen zu den nahe gelegenen Hügeln gebracht, vergewaltigt und an Ort und Stelle umgebracht. Die Restlichen wurden in den Gebäuden getötet. Die Kinder wurden zuletzt ermordet. Schließlich legten die Soldaten in den Gebäuden Feuer. Es gab keine Beerdigung der Toten; noch nach Wochen lagen die Leichen herum.

zahlreiche Massaker an Zivilbevölkerung durch das Militär

Gedenkstätte in El Mozote
Gedenkstätte in El Mozote
Dieselben Einheiten ermordeten zur gleichen Zeit auch die Zivilbevölkerung in den Kantonen La Joya und Cerro Pando und den Dörfern La Rancheria, Jocote Amarillo und Los Toriles. Berichten zufolge wurden mindestens 767 Menschen bei diesen Massakern getötet, in einigen Fällen war es die gesamte Bevölkerung eines Dorfes. Die meisten Opfer waren Kinder, ältere Menschen und Frauen, unter ihnen ein drei Monate altes Mädchens, ein 105-jähriger Mann und eine Schwangere im neunten Monat.

Zu jener Zeit, als die Massaker verübt wurden, führte die Armee eine Anti-Guerilla-Operation unter dem Namen "Operation Rettung" (Operacion Rescate) mit Beteiligung des Atlacatl-Bataillons, von Einheiten der Dritten Infanterie-Brigade und des Ausbildungszentrums Franzisco Gotera durch. Ziel war es, die Guerillapräsenz in einem Gebiet von Nord-Morazán zu zerschlagen, einschließlich eines Lagers und eines Ausbildungszentrums.

Die Regierung leugnete rundweg, dass das Massaker überhaupt stattgefunden hatte, eine Haltung die von der damaligen Regierung der Vereinigten Staaten unter Ronald Reagan gedeckt und unterstützt wurde. Erst im Januar 1982 traten genauere Berichte und Beweise über das Massaker zu Tage, hauptsächlich durch Recherchen ausländischer Journalisten. Innerhalb El Salvadors wurde das Massaker aus der öffentlichen Aufmerksamkeit herausgehalten.


Gerichtsmedizinerin bei der Identifizierung

Exhumierungen, die 1992 und im Jahr 2000 auf Veranlassung durch das katholische Menschenrechtsbüro Tutela Legal durchgeführt werden konnten, belegen die Richtigkeit der Zeugenaussagen über das Massaker. In einem kleinen Gebäude in der Nähe der Kirche von EI Mozote wurden 143 Skelette freigelegt, darunter 131 von Kindern unter zwölf Jahren. Bis heute wurde jedoch niemand für diese Gräueltaten zur Rechenschaft gezogen.

Beim interamerikanischen Gerichtshof für Menschenrechte (CIDH) wird am kommenden 14. August 2011 eine Klage gegen den salvadorianischen Staat wegen des Massakers von El Mozote, welches vom Batallón Atlacatl verübt wurde, eingereicht werden. Die einzige Überlebende des Massakers Rufina Amaya hat vielfach über ihre Beobachtungen berichtet und sie sind als Zeugenaussagen niedergelegt. Als weitere Beweise des Massakers werden die Ergebnisse der forensischen Untersuchungen vorgelegt werden, die argentinische Anthropologen in El Mozote durchgeführt haben.

Alle bisherigen eingereichten Klagen bei der salvadorianischen Justiz wurden mit Hinweis auf das Amnestiegesetz verworfen. Inzwischen konnten in verschiedenen südamerikanischen Ländern erreicht werden, dass höchste Gerichte festgestellt haben, dass solche Amnestiegesetze, bezogen auf (systematische) Menschenrechtsverletzungen, keine juristische Wirkung haben. Es bleibt zu hoffen, dass sich auch die Kriegsverbrecher von El Salvador juristisch für ihre Taten verantworten müssen und ihrer gerechten Strafe zugeführt werden.

Auf der folgenden Seite geben wir die Schilderungen von Rufina Amaya über das Massaker wieder. Rufina konnte sich retten, musste aber ansehen, wie ihre Kinder vom Militär ermordet wurden. 

Rufina Amaya am Gedenkstein
Rufina Amaya am Gedenkstein


Video zu El Mozote (in englischer Sprache)


Am 12. Januar 2012 hat der salvadorianische Präsident Mauricio Funes in El Mozote anlässlich des 20. Jahrestages der Friedensverträge eine (bemerkenswerte) Rede gehalten, in der er sich auch für die vom salvadorianischen Militär verübten Massaker entschuldigt hat. Die Rede von M. Funes in deutscher Übersetzung und im spanischen Originaltext - Discurso Presidente Funes en El Mozote -.


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