Von Demetrius Schrutz zu Murnau


ein Artikel von Jens Geutebrück

Es sei ein Varietekünstler gewesen, welcher den furchtbarsten Vampir der jemals die Tore des Kinos mit Blut befleckt hat, darstellte.
Länger als ein halbes Jahrhundert, hielten sich die absurdesten Gerüchte über den Mann der Nosferatu war.
Einige meinten Regisseur Murnau hätte seinen grausamen Vampir Nosferatu selbst dargestellt. Andere meinten Max Schreck sei nur ein Pseudonym für einen bekannten Darsteller.
Im Buch "Vampirfilmkult" schreibt man, es wäre Hans Rameau gewesen.
Erst Fred Gehler schreibt in seiner Murnau Biographie, das Schreck ein Münchner Schauspieler war.
Erst in den 90 er Jahren begannen pfiffige Cineasten nach Schreck zu forschen. Ich selbst begann damit schon Ende der 80er Jahre.
Max Schreck wurde am 6. September 1879 in Berlin-Tiergarten geboren. Sechs Jahre später erwarb sein Vater ein Haus in der damals noch zum Landkreis Teltow gehörenden selbstständigen Landgemeinde Friedenau. 
Sein Vater sieht die immer mehr wachsende Theaterbegeisterung seines Sohnes nicht gern und läßt ihn eine kaufmännische Lehre absolvieren. Die Mutter steckt ihm Geld zu, wovon er heimlich Schauspielstunden nimmt.
Erst nach dem Tode des Vaters geht er auf die Schauspielschule Marie Seebach. Er wird von seiner Mutter beinahe grenzenlos unterstützt. Nach gutem Abschluss an der Schule, zieht er mit mehreren Schmieren durch die Lande unter anderem mit Demetrius Schrutz für kurze Zeit.
Engagements folgen in Mühlhausen, Meseritz, Speyer, Rudolstadt, Erfurt, Weissenfels, bis zum ersten längeren Aufenthalt am Geraer Theater.
Größere Engagements folgen dann, vor allem in Frankfurt am Main. Von dort aus kommt er nach Berlin zu Reinhardt und an die Münchner Kammerspiele zu Otto Falckenberg. Von nun an beginnt er auch zu filmen.
Bald schon spielt er in dem Film, der damals sein Leben überhaupt nicht veränderte, aber welcher ihn später unsterblich machte. Eine Privatproduktion von einem Geschäftsmann und einem Okkultisten. Eine Schauergeschichte nach dem "Hintertreppen" Roman "DRACULA" von Bram Stoker.
"NOSFERATU - EINE SYMPHONIE DES GRAUENS"
In Amerika wäre Max Schreck mit solch einer Rolle, den gleichen Weg gegangen, wie Lon Chaney oder später Bela Lugosi. In Deutschland blieb dieses Filmgenre eine Ausnahme.
Max Schreck avanciert nicht zum international gefeierten Filmstar. Er spielt weiterhin hauptsächlich am Theater in Berlin und München. Auch filmt er bis zum Schluss. Kabarettistisch ist er aktiv, unter anderem tritt er 1933 in Erika Manns Kabarett "Die Pfeffermühle" als Koch auf: "Der Gast weint leis', weil es so scharf und er es nicht bemäkeln darf. Serviert von oben, frisst er's doch ... Ich bin der Koch!" Schreck ist Schauspieler mit Leib und Seele, bis zum Schluss.

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                  1906                                   1909                                  1915                                   1929
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Wie Max Schreck zu Murnau kam

Als Max Schreck im Jahre 1921 an den Müchner Kammerspielen engagiert war, gab es dort auch einen Neuling, den jungen Hans Rameau.
Dieser Hans Rameau war durch gewissen Vorlieben mit F.W.Murnau in Kontakt gekommen, welcher ihm über seinen neuen Film "Nosferatu" berichtet hatte.
Die Darstellung des Vampirs war von Anfang an ganz anders geplant als die Darstellung von Max Schreck.
Man dachte an Conrad Veidt und Ernst Gronau.
Hans Rameau schlug schließlich einen Schauspieler der Kammerspiele vor, welcher durch seine Art der Darstellung gewisser Charaktere in so etwa das gesuchte Schema passen würde.
Murnau hatte bis dahin von Max Schreck noch nie etwas gehört und ließ sich Fotos zeigen.
Murnau schlug Albin Grau unter Vorlage der Fotos vor, sich mit Schreck zu treffen und gegebenenfalls zu engagieren.
So fuhr Grau nach München und besuchte Schreck in seiner Wohnung, sprach über den Film.
Max Schreck war angetan von der Idee in einer großen Rolle im Film seine Maskenkünste zeigen zu können und begann noch wärend des Besuches Grau's mit Experimenten.
Sodann ging man in die Kostümaufbewahrung der Kammerspiele und Max Schreck holte einen alten Bratenrock hervor. Man versuchte einige Varianten und am Abend war die Gestalt des Nosferatu nahezu perfekt. Das einzige,was im nachhinein verändert wurde, war der kahle Schädel, welcher Anfangs nicht geplant war.
Schreck wieß noch darauf hin,das er nur während der Theaterspielpause im Sommer zu haben wäre, da Grau schon durchblicken ließ, das sich die Dreharbeiten eventuell bis ins Ausland ziehen könnten.
Grau ließ Schreck zwei Wochen später den Filmvertrag zukommen.
Die Figur welche von Schreck erschaffen wurde, hatte ab da großen Einfluss auf die Abänderungen im Drehbuch, welches Murnau und Galeen mehrfach umschrieben.

Zu der Figur des Nosferatu ist noch zu sagen,das sie wirklich Max Schreck's ganz eigene Schöpfung ist. Fotos wärend der Aufnahmen zeigen, das Max Schreck keinen Maskenbildner brauchte, er tat dies alles selbst.

Max Schreck oder manchmal Hans Rameau ?

Es gibt die verworrene Geschichte, das Max Schreck den Nosferatu nicht in allen Szenen des Filmes darstellte, sondern eben der junge Hans Rameau.
Das stimmt nicht ganz.
Hans Rameau war sozusagen als Ersatz für Max Schreck geplant, falls dieser aus irgeneinem Grund unpässlich sei, da er ihm in Gestalt und Wesen sehr glich.
Er war wärend der ganzen Dreharbeiten anwesend und es wird immer noch behauptet, das auf den Standfotos manchmal Rameau und manchmal Schreck zu sehen sei.
Das entspricht nicht der Wahrheit.
In allen im Film erhaltenen Szenen ist es Max Schreck und auch auf den Standfotos.
Einige halten aber das Foto mit Max Nemetz und Max Schreck an Bort der Empusa immer noch für fraglich.
Da aber das Schnittmaterial dieser Szene noch existent ist, kann hier mit Sicherheit gesagt werden, das es sich um Max Schreck handelt.
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Friedrich Wilhelm Murnau - Schreck`s Entdecker für das Filmbild
Murnau wird als Friedrich Wilhelm Plumpe am 28.12.1888 in Bielefeld als Sohn des Tuchfabrikanten Heinrich Plumpe und seiner zweiten Frau Otilie geboren. Murnau hat zwei Brüder, Bernhard und Robert und zwei Stiefschwestern Ida und Anna.
1892 zieht die Familie nach Kassel, wo Murnau die Oberrealschule besucht.
Er begeistert sich für das Theater und geht häufig in die Museen der Stadt.
Sein Interesse für Kunst und Theater wird vor allem von der Mutter und seinen älteren Schwestern gefördert.
1907 schließt Murnau die Oberrealschule in Kassel ab und geht zum Philologie-Studium nach Berlin.
Dort trifft er Hans Ehrenbaum-Degele (zeitgenössischer Lyriker). Sie werden schnell Freunde und beschließen zusammen nach Heidelberg zu gehen, wo sie Kunstgeschichte und Literatur studieren.
Murnau schließt sich in Heidelberg der dortigen Studentenbühne an. Bei einer Vorführung wird Max Reinhardt auf ihn aufmerksam und bewegt ihn dazu, sich in seiner Schauspielschule in Berlin ausbilden zu lassen.
Ab 1909 ist Murnau wieder in Berlin und widmet sich ganz der Schauspielerei.
Murnau meldet sich bei Kriegsausbruch als Freiwilliger und wird im Oktober nach Potsdam eingezogen.
Er kämpft an der Ostfront und wird Kompanieführer vor Riga.
Murnau geht zur Luftwaffe und wird bei Verdun stationiert.
Er soll achtmal ohne ernsthafte Verletzungen abgestürzt sein.
Murnau verfliegt sich 1917 im Nebel bei einem Aufklärungsflug.
Er muß in der Schweiz notlanden und wird in Andermatt interniert.
In Andermatt schreibt Murnau sein erstes Filmmanuskript und inszeniert ein Theaterstück.
Nach Kriegsende kehrt er nach Berlin zurück und wohnt im Hause Ehrenbaum-Degele, sein Jugendfreund Hans überlebt den Weltkrieg nicht.
Murnau gründet die Murnau-Veidt Filmgesellschaft und dreht seinen ersten Spielfilm, " Der Knabe in Blau"
Im gleichen Jahr entsteht der Episodenfilm "Satanas" unter der künstlerischen Leitung von Robert Wiene und Conradt Veidt in der Hauptrolle.
1920 dreht Murnau weitere sechs Filme. Carl Mayer verfaßt das Drehbuch zu "Der Gang in die Nacht" und " Der Bucklige und die Tänzerin", Hans Janowitz schrieb das Drehbuch zu "Der Januskopf".
1921 dreht Murnau die Filme "Schloß Vogelöd", "Der brennende Acker" und "Nosferatu", der als einer der wichtigsten Filme des Stummfilms gilt.
1922 folgen "Phantom", nach einem Roman von Gerhard Hauptmann und 1923 " Die Finanzen des Großherzogs".
1924 gelingt Murnau mit der ersten UFA Produktion, "Der letzte Mann", der internationale Erfolg.
Der Film hat nur einen Zwischentitel und erregt durch die entfesselte Kamera von Karl Freund Aufsehen.
Nach literarischen Vorlagen entstehen die Filme " Tartüff" und " Faust".
Im März 1925 entscheidet sich Murnau, auf Vermittlung des Fox Produktionsleiters, in den USA zu arbeiten.
Am 8. Juli schließt Murnau mit dem Produzenten W. Fox einen Vierjahresvertrag.
Murnau muß zwei Filme pro Jahr für die Fox Co. realisieren.
Als erster amerikanischer Film entsteht " Sunrise" nach der Erzählung von Hans Sundermann.
Der Film erhält begeisterte Kritiken und drei Academy Awards, ist aber ein finanzieller Mißerfolg.
"Sunrise" bleibt für Murnau die Ausnahme in seiner künstlerischen und finanziellen Freiheit.
Im April 1927 kehrt Murnau noch einmal nach Berlin zurück. Bei der UFA diskutiert er mit Robert Herlth eine Verfilmung des Romans "Von Neun bis Neun" von Leo Pertuz.
Das Projekt kommt aber nicht zustande.
Auch Murnaus nächste Filme in Hollywood, "Four Devils" und " City Girl", bringen nicht den erhofften Gewinn.
Bei beiden Filmen kommt es zu Streitigkeiten über die Umsetzung des Drehbuches, beide Filme werden für den Publikumsgeschmack geändert.
Murnau wirft Fox den Vertrag vor die Füße und möchte einen Film über die Südsee realisieren.
Er will sich damit aus dem Gefängnis Hollywood befreien.
Im April 1929 segelt Murnau mit seiner Yacht Bali nach Tahiti, um ein gemeinsames Projekt mit dem Regisseur Robert Flaherty vorzubereiten.
Den geplanten Dokumentarfilm "Tabu" muß Murnau selbst finanzieren.
Während der Dreharbeiten zu "Tabu" kommt es zum Bruch zwischen Murnau und Flaherty.
Flaherty bevorzugt das dokumentarische Konzept, doch Murnau setzt sich mit der Verbindung aus Spiel- und Dokumentarszenen durch.
Murnau richtet sich in der Südsee ein, er fühlt sich hier Zuhause.
Nach dem Ende der Dreharbeiten zu "Tabu" kehrt Murnau nach Hollywood zurück. Er mußsich hoch verschulden, um den Film zu schneiden und zu vertonen.
Die Paramount ist an dem fertigen Film interessiert und offeriert Murnau einen
Zehnjahresvertrag. Murnau plant weitere Filme in der Südsee.
Bei einer Autofahrt von Hollywood nach Monterey verunglückt Murnau auf der Küstenstraße.
Murnau stirbt am 11. März in einer Klinik in Santa Monica, eine Woche vor der Premiere von „Tabu“.