Heilstätte Hohenlychen

Die Grabowseer Heilstätten waren von ihrem Bauherren und Betreiber, dem Volksheilstättenvereins des Roten Kreuzes, ursprünglich nur für Männer mit Lungenkrankheiten vorgesehen. Um auch Frauen und Kindern Heilung in unmittelbarer Nähe zu Berlin im norddeutschen Flachland angedeihen zu können, wurden ab 1902 am Zenssee, nördlich von Berlin die "Heilanstalten Hohenlychen" errichtet.

Die Heilanstalten sollten - genau wie in Grabowsee - vor allem weniger bemittelten Patienten offen stehen, die sich eine weitere Reise in die Sanatorien in Schweiz und Italien nicht leisten konnten. Großzügige Spenden von Privatpersonen, Kommunen und Versicherungsanstalten machten den Bau und Betrieb dieser Anlage erst möglich.

Generaloberarzt Schultzen beschreibt die Entstehung Hohenlychens in einer Festschrift aus dem Jahre 1927 wie folgt: "Ich entsinne mich noch sehr gut, wie Dr. Pannwitz bald nach der Errichtung von Grabowsee emsig suchte und schließlich in seiner Heimat, in Hohenlychen, etwas Passendes gefunden zu haben glaubte. Ich erinnere mich noch lebhaft und gern daran, wie ich mit Pannwitz etwa im 2. Jahre des Bestehens von Grabowsee, 1897 oder 1898, die Lychener seenreiche und anmutige Gegend nach allen Richtungen hin durchstreifte und seine weitgreifenden Pläne entstehen und wachsen sah.

Auf dem nebenstehenden Lageplan (zum Vergrößern anklicken) lässt sich die Lage der Anstalten Hohenlychens direkt am Zenssee gut erkennen. Das Prinzip der Kur direkt im märkischen Wald mit ausgedehnter Parklandschaft an einem Seeufer ist auch in Beelitz und Grabowsee zu erkennen.

Die Heilanstalten wurden bis zu Beginn des ersten Weltkrieges sukzessive erweitert, 1911 kam sogar hoher Besuch: Kaiserin Auguste Viktoria inspizierte das nach ihr benannte Sanatorium.

Ab 1935 wurde Hohenlychen unter Leitung Karl Gebhardts vom Tuberkuloseklinikum in eine Rehaklinik für Sportverletzungen und Arbeitsunfälle mit chirurgisch-internistischer Abteilung umgebaut. Nicht nur Lungenkrankheiten, auch Gelenkkrankheiten wurden nun am Zenssee behandelt. Hohenlychen wurde unter den Nazis zum "Mode-Kurort", Rudolf Heß und Heinrich Himmler waren oft zu Gast, Hitler war auch einmal zu Besuch. Bis 1942 wurden 25.000 Patienten gezählt.

Im Zweiten Weltkrieg wurden die Heilanstalten Lazarett und medizinische Versuchanstalt. Menschenversuche zur Wundinfektion wurde mit KZ-Häftlingen aus den nahegelegenen Lagern Ravensbrück und Sachsenhausen durchgeführt.

Mit dem Einmarsch der Roten Armee wurde dieses unsägliche Kapitel in der Hohenlychener Geschichte beendet. Die Sowjets nutzen den Komplex als Lazarett und gynäkologische Klinik. Teile der Anlage wurden bis 1993 als Kaserne umfunktioniert. Seitdem stehen die meisten Gebäude leer, einige Arztvillen sind als Wohngebäuden erhalten und restauriert worden.
Untergeordnete Seiten (3): Aktuelle Fotos Historische Fotos Lageplan
Comments