Workshops

"Kontextuelle befreiende Theologien" / "Theologie der Befreiung aus Europäischer Perspektive" in Wien und in Leuven

Gemeinsam mit den Steyler Missionaren von St. Gabriel lädt die Katholisch-Theologische Fakultät Wien seit 2008 zu internationalen Workshops zur Aktualität der Theologie der Befreiung ein. Die bisherigen Werkstatttagungen waren von einer optimistischen und in die Zukunft gerichteten Atmosphäre geprägt, von der Lust am Diskutieren, sowie nicht zuletzt von zahlreichen vergleichsweise jungen Theologinnen und Theologen aus Österreich, der Schweiz und Deutschland. 2018 fand der Workshop im internationalen Ambiente von Leuven (Belgien) statt.

Der erste fand vom 3. bis 5. Oktober 2008 unter dem Titel „Theologie und Philosophie der Befreiung heute. Revisionen – Ansätze – Zukunftsperspektiven“ statt. Über zwanzig Referentinnen und Referenten hatten für die Tagung Diskussionsbeiträge vorbereitet. In diesen Vorträgen zeigte sich das plurale Gesicht der gegenwärtigen Theologie der Befreiung. So widmete man sich nicht der Schau in die Vergangenheit, sondern der Analyse gegenwärtiger theologischer, sozialer und kultureller Prozesse sowie der Herausforderung einer Kontextualisierung der Befreiungstheologie in Europa.

Auch zum zweiten Workshop  luden dieselben Veranstalter nach St. Gabriel ein. Vom 18. bis 21. März 2010 stand die Finanz- und Wirtschaftskrise, die als „Zivilisationskrise“ gewertet und mit Hilfe des theologischen Instrumentars der Theologie der Befreiung analysiert wurde, im Mittelpunkt. Der Workshop zeigte, dass die Theologie der Befreiung die analytischen Instrumente und das konstruktive Potenzial besitzt, um auch außerhalb ihres ursprünglichen Kontextes einen Beitrag zu einer menschenwürdigen Welt zu leisten. Besonders die philosophischen Beiträge auf dem Workshop machten darüber hinaus deutlich, dass sie auf einer fundierten Hermeneutik und einer kritischen Analyse der Sprachfähigkeit theologischen Denkens beruht. Schließlich zeigte die Mitarbeit zahlreicher jüngerer Kolleginnen und Kollegen deutlich, dass die Theologie der Befreiung auch in Europa noch immer attraktiv auch für junge Theologinnen und Theologen ist. Gerade von den jüngeren Teilnehmenden wurde der partnerschaftliche Diskussionsstil „auf Augenhöhe“ gelobt.

Zum vierten Mal waren wir im Mai 2014 zum Workshop eingeladen, zum ersten Mal ausdrücklich allgemein zu “kontextuellen befreienden Theologien” und nicht speziell zur Theologie der Befreiung. Die intensive Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Verbänden und Institutionen, unter anderem der ESWTR, sorgte für einen engen Austausch mit feministischen Theologien und für die Teilnahme von Theologinnen aus zahlreichen Ländern Mittel- und Osteuropas.
Wie in den Vorjahren standen vor allem die Beiträge der Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Zentrum der Aufmerksamkeit. In 26 sehr unterschiedlichen Referaten beleuchteten sie die Machtthematik aus biblischer, philosophischer, feministischer, systematischer, ethischer und poetischer Perspektive und gaben so die Möglichkeit, sehr unterschiedliche Kontexte kennenzulernen, in denen die Theologie auf die Befreiung hin ausgerichtet ist.
Immer wieder zeigte sich dabei, dass die Theologie nicht nur eine machtkritische und dekonstruierende Kraft besitzt, sondern auch selbst auf Ermächtigung der Armen und Ausgeschlossenen zielt. Durch die Ausweitung der Tagungsthematik verlor zwar das ehemals stark befreiungstheologisch geprägte Profil des Workshops an Schärfe; es konnte jedoch auch gezeigt werden, dass die Thematik von Macht und Unterdrückung, die die Theologie der Befreiung kennzeichnet, einer sehr komplexen Analyse bedarf, für die ein breiterer interdisziplinärerer Ansatz sowie die Einbeziehung vielfältiger Kontexte unumgänglich ist. Wie die drei vorangegangenen Workshops, so soll auch dieser wieder in der Reihe “Concordia Monographien” dokumentiert werden.

Die Reihe der Workshops wurde 2018 mit einem Workshop in Löwen (Belgien) fortgesetzt. In Zusammenarbeit mit dem Centre for Liberation Theologies (KU Leuven) und dem Steyler Missionswissenschaftlichen Institut (Sankt Augustin) fand der fünfte Workshop an einem nicht nur befreiungstheologisch wichtigen Ort für europäische Theologie statt. In dessen Mittelpunkt stand „die identitäre Versuchung“. Während der Titel immer umstritten blieb, herrschte große Bereitschaft, miteinander aus unterschiedlichen Perspektiven nach Lösungen für die Fragen zu suchen, die sich im Spannungsfeld von Identität und Befreiung ergaben: Inwiefern ermöglichen Identitätskonstruktionen die Befreiung der Menschen oder verhindern sie? Wie gefährden rechte und neofaschistische Identitätsbehauptungen das Zusammenleben (nicht nur) in Europa? Gerade auch junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nutzten den Workshop zur Vorstellung ihrer Forschungsprogramme.


Die Beiträge werden jeweils in Sammelbänden veröffentlicht. Die vier ersten Workshops sind bereits in folgenden Titeln dokumentiert:

  • Gunter Prüller-Jagenteufel / Hans Schelkshorn / Franz Helm / Christian Tauchner (Hg.): Theologie der Befreiung im Wandel. Revisionen – Ansätze – Zukunftsperspektiven (CONCORDIA Monographien 51) Aachen: Verlagsgruppe Mainz 2010
  • Gunter Prüller-Jagenteufel / Hans Schelkshorn / Franz Helm (Hg.): Götzendämme­rung? Die Zivilisationskrise und ihre Opfer (CONCORDIA Monographien 56) Aachen: Verlagsgruppe Mainz 2013
  • Gunter Prüller-Jagenteufel / Hans Schelkshorn / Franz Helm (Hg.): Sehnsucht Brot. Auf dem Weg zu einer globalen Tischgemeinschaft (CONCORDIA Monographien 64) Aachen: Verlagsgruppe Mainz 2015
  • Gunter Prüller-Jagenteufel  / Rita Perintfalvi / Hans Schelkshorn (Hg.): Macht und Machtkritik. Beiträge aus feministisch-theologischer und befreiungstheologischer Perspektive. Dokumentation des 4. internationalen Workshops „Kontextuelle befreiende Theologien” (CONCORDIA Monographien 70), Aachen: Verlag Mainz 2018


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Stefan Silber,
16.10.2013, 00:52
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Stefan Silber,
28.06.2011, 07:40
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