Auch als Audio vom Sprecher Aaron Klump (Sepplbert Rappelrübe):
Westlich des Angbarer Sees und südlich der Sindel, unweit der aufragenden Koschberge, liegt ein friedvolles Fleckchen Erde: die Baronie Sindelsaum. Hier schmiegt sich das Dorf Murmelbach in die Landschaft, flankiert von den beiden Weilern Ackerfeld und Stübbewall. Es ist die Heimat von knapp einhundert braven Koschern, die hier ihr einfaches, aber redliches Leben führen.
Seit Generationen bestellen freie Familien das Land des ansässigen Junkers. Er, das Oberhaupt des Hauses Murmelbach, hält das Grundrecht inne, spricht vor Ort Recht und zieht den Zehnt ein. Doch das tägliche Miteinander regelt meist ein anderer: der Dorfschulze. Er kümmert sich um die kleinen Angelegenheiten des Alltags, damit im Dorf alles seine Ordnung behält.
Der Weiler Stübbewall wird erst seit wenigen Götterläufen bewohnt – und das ausgerechnet von Leibeigenen der Junkerfamilie. Unter den freien Familien des Dorfes sorgt dieser Zuwachs bis heute für geteilte Meinungen.
Wer durch Murmelbach geht, begegnet den vertrauten Namen der Gegend: Da sind die Auenhüter mit ihrem Kleinvieh und den fleißigen Bienen, die Birnbaums, deren Obstgärten die Basis für manch kräftigen Brand bilden, und die Butterfolds, die den Ort mit Milch, Käse und Butter versorgen. Während die Halmhas auf den Feldern das tägliche Brot sichern und die Rappelrüben sich ganz der Ernte von Kürbis, Kartoffel und süßem Sirup verschrieben haben, liegt das wirtschaftliche Herz des Dorfes bei den Sauerbolds. In ihren Händen liegen die Mühle und die Brauerei; als Müller und Handwerker verfügen sie nicht nur über das meiste Gold, sondern stellen oft auch den Dorfschulzen, der die Geschicke der Gemeinde lenkt.
Etwas abseits, am Kohlenmeiler von Stübbewall, schuften die Wengenholmer. Als Jüngste im Bunde und Leibeigene des Junkers führen sie ein härteres Los. Im Weiler Ackerfeld hingegen widmet sich die gleichnamige Familie Ackerfeld der Zucht von Schweinen und bestellt den Boden.
Seit der Gründung im Jahre 632 BF lenkt das Haus Appelbrodt von Murmelbach das Junkergut mit fester Hand und gütigem Herzen. Heute ruht diese Verantwortung auf den Schultern von Junker Eichbart, dem aktuellen Oberhaupt der Familie.
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Man kennt sich in Murmelbach, man reibt sich aneinander – und man hält zusammen. Unter den Familien herrscht eine gesunde, zuweilen raue Konkurrenz. Da wird gestichelt, intrigiert und wenn die Gemüter beim Feierabendbier zu hoch kochen, sprechen auch mal die Fäuste. Im Kosch weiß jeder: Für das eigene Glück muss man hart arbeiten.
Doch diese Rivalität endet abrupt, sobald die Gemeinschaft gefordert ist. Wenn die Ernte vor dem Unwetter gerettet werden muss oder Krankheit ein Haus prüft, rückt das Dorf zusammen. Selbst die Junkerfamilie versteht sich nicht als ferne Herrschaft, sondern als Teil des Ganzen. Denn letztlich spüren hier alle, vom einfachen Knecht bis zum Junker: Man ist füreinander weit mehr als nur Nachbar. Es ist dieser Zusammenhalt, der Murmelbach für Viele zur Heimat macht.
In Murmelbach sind die Traditionen des Kosch tief verwurzelt, und doch haben sich hier ganz eigene Vorlieben entwickelt. Während sich andernorts das raue Imman-Spiel großer Beliebtheit erfreut, messen die Murmelbacher ihren gesunden Wettbewerbsgeist auch gerne beim Einlöffeln. Siege werden dabei oft durch kunstvoll verzierte Löffel oder Hocker verewigt – Trophäen, die als kostbare Erbstücke über Generationen in den Familien gehütet werden.
Auch Hochzeiten und Verlobungen sind Feste, an denen das gesamte Dorf regen Anteil nimmt. Beim Namenswiegen werden nicht nur die Gaben beider Familien gegeneinander aufgewogen, oft entscheiden wechselnde Spiele und Wettbewerbe darüber, welchen der beiden Namen künftig der gemeinsame Haushalt führt. Ebenso beliebt ist der Brauch des Verlobungsbaums. Dabei wird dem oder der Angebeteten heimlich ein Bäumchen vor das Haus gestellt, welches es anschließend als Zeichen der Zuneigung zu schmücken gilt.
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Das Dorf lebt vor allem von dem, was Boden und Ställe hergeben. Zwar werden Überschüsse regelmäßig auf den Märkten von Sindelsaum bis Angbar feilgeboten oder an durchreisende Kiepenkerle verkauft – und im Gegenzug alles Nötige eingekauft – doch im Kern versorgt sich Murmelbach selbst.
Den ganzen Götterlauf lang über prägen Handwerk und Viehzucht den Alltag: Rinder, Schetzenecker Langohrschafe, Hühner und die robusten Wollschweine gehören fest zum Dorfbild. Sobald der Winter weicht, bestimmt die Landwirtschaft den Takt. Vom Frühjahr bis in den späten Herbst hinein widmen sich die Bewohner dem Anbau von Getreide, Obst und Gemüse. Während die Murmelmühle im Frühjahr noch der Herstellung von Knochenleim dient, drehen sich ihre Steine vom Sommer bis zum Spätherbst unermüdlich für die Verarbeitung der Kornernte.
Seit geraumer Zeit befindet sich eine neue Sägemühle im Bau. Es ist das Prestigeprojekt der Rappelrübes, um ihren Einfluss im Ort zu vergrößern. Allerdings kommt das Vorhaben nur mühsam voran.