Möglichkeiten der praktischen Umsetzung (Beispiele)
Je nach Unterrichtsfach und Klassensituation sowie unter Berücksichtigung der persönlichen Planung und Gestaltung des Unterrichts gemäß Schulcurriculum entscheiden die Fachlehrpersonen über die Anwendung einzelner oder mehrerer der folgenden praktischen Umsetzungsmöglichkeiten.
Die nachfolgenden Beschreibungen verstehen sich als Beispiele und Möglichkeiten im Sinne einer Planungshilfe für die Lehrpersonen für die praktische Arbeit. Über den Einsatz und die konkrete Umsetzung hinsichtlich Art, Häufigkeit und Ausmaß entscheiden die jeweiligen Fachlehrpersonen.
Handlungsorientierung und Praxisnähe
Der Unterricht nach dem Konzept EDU 3.0 läuft verstärkt handlungsorientiert und praxisnah ab. Der Aktivitätsschwerpunkt liegt dabei bei den Schülerinnen und Schülern, die entweder alleine oder gemeinsam mit ihren Mitschülerinnen und Mitschüler ein bestimmtes Handlungsprodukt entwickeln. Das jeweilige Handlungsprodukt wird von der Fachlehrperson vorab definiert und gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern eingegrenzt, ergänzt oder weiterentwickelt, bevor es dann in eigenverantwortlicher Einzel-, Partner- oder Gruppenarbeit kreiert wird. Bei den Handlungsprodukten werden immer wieder neue Möglichkeiten geboten, dazu zählen beispielsweise die Erstellung von PowerPoint-Präsentationen, Mindmaps, Broschüren, Lapbooks, Collagen, Ausstellungen, Videos, Rollenspiele, Websites, Interviews, Rätsel, Podcasts usw. Um den Unterricht so praxisnah wie möglich zu gestalten, werden im Laufe des Schuljahres immer wieder Experimente durchgeführt, Experten eingeladen, Lehrausgänge organisiert und die Konsultation verschiedener Medien (z.B. zum aktuellen Tagesgeschehen) in den Unterricht als fester Bestandteil eingebaut.
Arbeit in Lernteams
Die Schülerinnen und Schüler arbeiten nach dem Konzept EDU 3.0 immer wieder in Lernteams. Dabei haben sie die Gelegenheit, sich gegenseitig beim Lernen zu unterstützen, wobei jedes Lernteam-Mitglied Verantwortung gegenüber dem Lernteam übernimmt und seinen Beitrag zum Gelingen der gemeinsamen Arbeit leistet. Im Lernteam stehen die Entwicklung von Fach- und von Sozialkompetenzen im Vordergrund. Die Heterogenität unter den Schülerinnen und Schülern und die damit zusammenhängende Vielfalt, die in einem Lernteam zusammenkommt, wird als Chance wahrgenommen. Lernteams bilden sich physisch (z.B. bei Gruppenarbeiten) und auch virtuell (z.B. bei der gemeinsamen Bearbeitung von Aufgaben auf Google Drive).
Phasen „freien Arbeitens“
In den EDU 3.0 - Klassen finden immer wieder Phasen des "freien Arbeitens" statt, wo die Schülerinnen und Schüler eigenverantwortlich an einem bestimmten Thema arbeiten. Dazu wird der "normale" Stundenplan aufgelöst und nach Themenfeldern oder Wochenplänen gearbeitet. Die Schülerinnen und Schüler haben dabei verschiedene Freiheiten und Wahlmöglichkeiten:
zeitlich (wann bzw. in welcher Reihenfolge sie welche Aufgaben erledigen möchten, wobei jede/r in ihrem bzw. seinem Tempo arbeiten und lernen darf);
räumlich (die Schülerinnen und Schüler dürfen neben ihrem Klassenraum auch die Mediathek oder den Gang zum Lernen benutzen. Bei Schönwetter kann auch auf der Terrasse gelernt werden);
kooperativ (die Schülerinnen und Schüler dürfen meist wählen, ob sie mit jemandem zusammenarbeiten möchten, ob sie in Partner- oder Gruppenarbeit arbeiten möchten und auch mit wem sie arbeiten möchten);
methodisch (die Schülerinnen und Schüler wählen aus einer vorbereiteten Lernumgebung z.B. einem Lernjob bestimmte Materialien / Aufgaben aus und bearbeiten diese);
inhaltlich (die Schülerinnen und Schüler erhalten immer wieder Wahlmöglichkeiten was die Inhalte betrifft, sodass sie nach ihren eigenen Interessen bestimmte Inhalte vertiefen und andere nur in den Grundzügen behandeln dürfen).
Personalisierte Lernaufgaben
Das Lernen nach dem Konzept EDU 3.0 erfolgt vermehrt anhand personalisierter Lernaufgaben auf verschiedenen Niveaustufen. Eine Möglichkeit hierfür stellen sogenannte Lernjobs dar, welche sehr ansprechend gestaltet sind und den verschiedenen Anforderungsniveaus der Schülerinnen und Schüler gerecht werden. Der Schwerpunkt der Aktivitäten in der Bearbeitung dieser Lernjobs liegt bei den Schülerinnen und Schülern, was den Lerneffekt zusätzlich erhöht. Aufgaben eines Lernjobs kann man nicht einfach "erledigen". Die Schülerinnen und Schüler setzen sich mit der gestellten Aufgabe auseinander und diese Verarbeitungstiefe führt zu nachhaltigem Lernen. Lernjobs tragen auch der Personalisierung in hohem Maße Rechnung, weil die Schülerinnen und Schüler durch ihre persönliche Auseinandersetzung mit dem Dokument ihr eigenes Produkt erzeugen, das auch sehr von denen ihrer Mitschülerinnen und Mitschüler abweichen kann.
Multimediales und vernetztes Arbeiten
Die Schülerinnen und Schüler arbeiten im Rahmen des Konzepts EDU 3.0 mit ihren eigenen Laptops multimedial und vernetzt. Sie erstellen auf den Geräten ihre Mitschriften, erhalten Informationen jeglicher Art über das digitale Register, empfangen Übungen und Arbeitsmaterialien über eine eigene Plattform, sie arbeiten mit den anderen Schülerinnen und Schüler online zusammen und recherchieren neue Informationen im Internet. Sie sind mit ihren Laptops mobil, sodass sie jederzeit auch den Lernort wechseln können und trotzdem Zugang zu den verschiedenen Materialien bzw. Medien haben. Durch die Anwendung verschiedener Programme bzw. Onlinetools können die Schülerinnen und Schüler kreativ arbeiten und verschiedene Lernstrategien bzw. Lernformen erproben. Für diverse Erklärungen, Präsentationen, Videos u.a. kommt die digitale Tafel zum Einsatz.
Lernberatungskonzept
Das Unterrichtskonzept EDU 3.0 Klassen umfasst auch ein Lernberatungskonzept, welches die Erhebung der Lerntypen, die Bestimmung der Einflussfaktoren auf das eigene Lernverhalten, individuelle Beratungen und regelmäßige Zielformulierungen und -überprüfungen zum eigenen Lern- und Arbeitsverhalten vorsieht.