Nova Carnis’ Geschichte beginnt in den tiefen Weiten Ägyptens, in einer Nacht, die durch ein gewaltiges kosmisches Ereignis erhellt wurde. Eine nahegelegene Supernova färbte den Himmel in strahlendes Licht, das als Zeichen des Sonnengottes Ra gedeutet wurde. Doch das eigentliche Wunder ereignete sich erst am folgenden Tag: Ein Teil der Supernova, ein Meteorit, stürzte in den Nil, in der Nähe eines kleinen Dorfes. Zwei Wochen später fand ein neugieriger Dorfbewohner diesen seltsamen Stein am Ufer. Unwissend, was er da entdeckt hatte, untersuchte er den Meteoriten und schnitt sich versehentlich an einer scharfen Kante. Sein Blut tropfte in einen Riss des Steins und fast augenblicklich fühlte er sich schwach und fiel vor Schmerzen auf die Knie.
Als er dort kniete, offenbarte sich ihm eine verstörende Vision: eine zerquetschte Gestalt, begraben unter dem Meteoriten. Entsetzt alarmierte der Mann die Wachen der nahegelegenen Stadt, doch noch bevor er das Tor erreichte, brach er zusammen. Schwarze Adern breiteten sich von seiner Wunde über seinen Arm aus und zogen sich bis zu seinem Herzen hinauf. Die Dorfbewohner sahen darin ein weiteres Zeichen der Götter – dieses Mal von Anubis, dem Gott der Toten. Sie glaubten, der Mann sei dazu bestimmt, ins Reich der Toten gerufen zu werden und begannen ein Fest zu Ehren von Anubis vorzubereiten.
Am Abend trugen sie den im Sterben liegenden Mann zu einem Altar, auf dem sie für die Götter beteten. Als die schwarzen Adern seinen Körper überwucherten und er schließlich starb, zerbrach der Meteorit in einem ohrenbetäubenden Knall. Aus den Trümmern erhob sich die zuvor zerquetschte Gestalt. Ihre Haut war so blass wie der Vollmond und ihre Haare, weiß mit einem leichten Blauschimmer, schimmerten heller als alles andere im nächtlichen Licht. Das Erscheinen dieser fremden Gestalt und der Tod des Mannes geschahen gleichzeitig, was die Dorfbewohner als göttliches Wunder deuteten.
Während die Menschen abgelenkt waren, gelang es der fremden Gestalt, unbemerkt in die Stadt zu schleichen. Sie betrat ein offenes Gebäude und blickte neugierig umher. Doch als sie die Menschen draußen beobachtete, fiel ihr der große Unterschied zwischen sich und den anderen auf: Sie trug keine Kleidung. Peinlich berührt durchsuchte die Gestalt das Haus und nahm einige Kleidungsstücke, bevor sie vorsichtig hinaus auf die Straßen trat. Doch die Menschen erkannten, dass etwas nicht stimmte. Ihre Haut und Haare waren zu hell, zu anders. Schnell begannen Gerüchte über diesen Fremden zu kursieren.
Obwohl er sein Bestes tat, sich in die Gesellschaft zu integrieren, wurde er niemals wirklich akzeptiert. Sein auffälliges Aussehen und die seltsamen Ereignisse um seine Ankunft machten ihn zu
einem Außenseiter. Oft versteckte er seine weißen Haare unter einer Kapuze, um nicht aufzufallen, doch die skeptischen Blicke blieben. Eines Tages, als die Sonne bereits am Untergehen war, hörte er auf einer einsamen Straße das boshafte Lachen einer Gruppe Jugendlicher. Neugierig, aber auch vorsichtig, näherte er sich und sah, wie sie ein kleines weißes Kätzchen mit Steinen bewarfen, nur weil es anders aussah.
Zögerlich, aber entschlossen stellte sich der Fremde zwischen die Jugendlichen und das Kätzchen. Doch sie lachten nur noch lauter und begannen nun auch ihn mit Steinen zu bewerfen. Ein Stein traf ihn hart an der Schläfe und Blut rann ihm über das Gesicht. In diesem Moment verdunkelte sich der Himmel und ein gewaltiges Gewitter braute sich zusammen, als ob die Götter selbst ihren Zorn entfachten. Die Jugendlichen flohen in Panik und riefen dabei, dass der Fremde eine Reinkarnation der Götter sei.
Als er sich schließlich dem Kätzchen zuwandte, war es bereits zu spät. Das arme Tier war gestorben. Traurig hob er es auf und trug es hinaus vor die Stadt, um es zu begraben. „Auch du verdienst ein Grab“, dachte er sich und begann unter dem sanften Licht des aufgehenden Mondes, ein kleines Grab zu schaufeln. Als er das Kätzchen zur Ruhe legte, entschuldigte er sich flüsternd: „Es tut mir leid, dass ich nicht mehr tun konnte.“
Er saß noch lange Zeit schweigend vor dem Grab. Als der Mond seinen höchsten Punkt erreichte, hörte er plötzlich ein leises Miauen. Erschrocken sah er auf und begann, das Grab erneut auszuheben. Zu seiner Überraschung erhob sich das kleine Kätzchen aus der Erde, doch es sah anders aus als zuvor. Es hatte nun kleine, schimmernde Flügel. Verwirrt, aber voller Zuneigung nahm er das Kätzchen auf seine Schulter. „Du bist wohl mein einziger Freund hier“, flüsterte er. Gemeinsam mit dem wiederauferstandenen Kätzchen, das er Comet nannte, blickte er ein letztes Mal auf die Stadt zurück und entschied, sie zu verlassen.
Er wusste nicht, dass er nun selbst als Beschützer der Toten galt, doch Nova Carnis und sein Katzenbegleiter Comet begannen ihre Reise. Seitdem wandern sie durch die Welt, um anderen zu helfen und ihren Platz in der Welt zu finden.