Dieses Jahr 2016 jährt sich das 120-jährige Jubiläum der Gründung des Motor-Club 1906 Werneuchen.
Dieses Jahr 2016 jährt sich das 120-jährige Jubiläum der Gründung des Motor-Club 1906 Werneuchen.
In den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts war in Werneuchen bei der alten Fahrradfirma Erich Hindenberg (seit 1880) der Mechaniker Hermann Mittenzwey tätig, der ein ungewöhnliches Können und Wissen auf seinem Fachgebiet hatte. Infolge seiner Kenntnisse über den Bau und die Funktion des Explosionsmotors hob er sich weit über das Niveau eines Fahrradmechanikers hervor und war auch im Ganzen betrachtet: „ein Mann von ungewöhnlichen Können und Wissen“. Er war aber auch ein begeisterter Sportler der keine Mühe scheute, junge Leute für den erwachenden Motorsport auf das Stärkste zu interessieren und gleichzeitig die erforderlichen Kenntnisse vermittelte. Einer seiner empfänglichsten Schüler war dabei Ernst Geuder (der Sohn von Karl Geuder).Werneuchen besaß u.a. daher bereits 1904 eine für die damalige Zeit ganz ungewöhnlich hohe Zahl an Motorradfahrern, die fast ausnahmslos 2 PS F-N-Maschinen fuhren.
Das waren der Fahrradhändler Erich Hindenberg, Ernst Geuder, Tierarzt Köppen, Zigarettenfabrikant Paul Kühn und im benachbarten Weesow die Brüder Nebel. Es waren alles 2 PS-F.N.-Maschinen. Später gesellten sich noch zwei Adler Motorräder mit 2¼ PS dazu.
So wurde bei Geuder und Mittenzwey bald der Gedanke geboren einen Motorklub zu gründen.
Bei Georg Tiebel, der gerade als Bauführer einer großen Berliner Firma den Bau des Waisenhauses in Werftpfuhl bei Werneuchen leitete, ein Laurin & Klement-2 Zylindermotorrad mit Beiwagen fuhr und bei Erich Hindenberg, dem erwähnten Inhaber der Fahrradhandlung, fanden beide lebhafte Unterstützung.
Der Klub entwickelte sofort nach seiner Gründung 1906 eine ungewöhnliche Aktivität. Schon kurze Zeit später wurde trug er sich in das goldene Buch der Geschichte des deutschen Motorradsports ein und wurde zum leuchtenden Beispiel für andere Klubs.
Geuder, Mittenzwey und Tiebel waren die geistige Kraftquelle des Klubs, die sich so leicht nicht erschöpfen ließ. Ausfahrten, Picknicks und Rennen wechselten sich in bunter Reihenfolge ab. Im Klub blühte die Kameradschaft und schuf die Grundlage für ein tadelloses Zusammenarbeiten. War einmal ein Beschluss gefasst, so standen die etwa 20 Mitglieder wie ein Mann zusammen und gaben ausnahmslos ihr Bestes zu seiner Verwirklichung. Unfruchtbares Debattieren und ein Gegeneinanderarbeiten waren im Motorklub Werneuchen 1906 völlig unbekannte Begriffe und so nahm der Klub einen für die damaligen Verhältnisse unerhört schnellen Aufstieg. Auch die Lösung von Problemen wurde in die Hand genommen, die anderen befreundeten Sportskameraden Kopfzerbrechen machten.
1904 hatte das erste Bahnrennen in Berlin auf der Radrennbahn Friedenau stattgefunden und weitere Rennen waren gefolgt, die alle der Gau I Berlin-Brandenburg des ADAC organisiert hatte. Doch die Veranstaltungen litten ausnahmslos unter dem Mangel an Besuchern.
Dem Motorradsport fehlte noch jede Popularität. Die sportlich erstklassischen Rennen waren immer so schwach besucht, dass stets ein Kassendefizit zu befürchten war. Da wagte der Werneuchner M.C. es selbst die Berlin-Treptower Radrennbahn für die Abhaltung eines internationalen Motorradrennens am 5. Mai 1906 für sage und schreibe 450 Mark zu pachten und entfaltete eine Reklame, wie sie in Berlin für ein Motorradrennen noch nie gesehen wurde. Nach einem glänzenden Verlauf der Rennen vor vollbesetzten Tribünen konnte der Kassenwart Seidel danach schmunzelnd die Summe von 1.550 Mark Überschuss einstreichen. Später zog der Klub in Eberswalde-Heegermühle mit fast noch größerem Kassenerfolg wiederum ein Bahnrennen auf. So war es kein Wunder, dass der Motorklub Werneuchen 1906 der reichste Verein weit und breit war, der an Vermögen mehr besaß als selbst der ADAC-Gau.
Wenn nach viel verbreiteter Ansicht Geld im Leben kein Hindernis sein soll, so trifft das auch für einen Motorklub in vollem Umfange zu. Alle Maßnahmen des M.C. Werneuchen waren aber stets von einer gewissen Großzügigkeit getragen und er handelte entsprechend besonders auch bei gesellschaftlichen Veranstaltungen, die deshalb immer stark besucht waren.
Kam die Landesgruppe nach Werneuchen, so war es eine Selbstverständlichkeit, dass eine ganze Musikkapelle zum Empfang engagiert wurde. Der wohl 4 Liter fassende Klubhumpen, der noch Anfang der 40-ziger Jahre oft bei Sitzungen kreiste, wurde zum Willkommensgruße mit Münchener Bier, echtem Asbach-Uralt oder auch gar Sekt gefüllt und jedem eintreffendem Fahrer kredenzt. Da es auch an humorvollen Worten nie fehlte, so standen die Fahrten nach Werneuchen immer in einer besonderen Beliebtheit und Werneuchen wurde zu einem im ganzen Reiche bekannten Brennpunkt des Motorsportes.
Vereinslokal des Motorclub Werneuchen