Geschlechtsangleichende Maßnahmen
In Deutschland ist der Prozess der geschlechtsangleichenden Maßnahmen (früher oft als „Geschlechtsumwandlung“ bezeichnet) für transgeschlechtliche Menschen in einem medizinischen, rechtlichen und psychologischen Rahmen eingebettet. Hier eine Übersicht der Schritte und Anforderungen:
Indikation: Bevor geschlechtsangleichende Maßnahmen durchgeführt werden, muss der Patient eine Indikation für eine geschlechtsangleichende Behandlung nachweisen. Das geschieht in der Regel durch psychotherapeutische Betreuung. Der Patient sollte mindestens 6 Monate bis zu 2 Jahre in therapeutischer Begleitung sein, um sicherzustellen, dass die Entscheidung gut reflektiert ist.
Diagnose: Die Diagnose basiert auf dem ICD-10 oder ICD-11. Bisher wurde „Transsexualität“ als Störung der Geschlechtsidentität (ICD-10 F64.0) klassifiziert. Im ICD-11 (seit 2022 in Deutschland gültig) fällt diese Diagnose unter „Geschlechtsinkongruenz“ und wird nicht mehr als psychische Störung klassifiziert, sondern als Zustand.
Gutachten: Für die rechtliche Änderung des Geschlechtseintrags und eventuell auch für operative Maßnahmen sind meist zwei unabhängige psychologische Gutachten erforderlich, die die Geschlechtsdysphorie bestätigen.
Die Hormontherapie ist häufig der erste medizinische Schritt im Rahmen der geschlechtsangleichenden Behandlung. Sie wird von einem Facharzt (z.B. Endokrinologen) überwacht und je nach Geschlechtsidentität des Patienten angepasst:
Mann-zu-Frau (MtF): Östrogene und Antiandrogene (um die Produktion von Testosteron zu reduzieren).
Frau-zu-Mann (FtM): Testosteron wird verabreicht, um männliche Merkmale zu entwickeln (z.B. tieferer Stimme, Bartwuchs).
Voraussetzungen: Vor der Hormontherapie muss in der Regel die psychologische Begutachtung abgeschlossen sein. Es ist auch sinnvoll, den Patienten über die langfristigen Auswirkungen, die Risiken und die möglichen irreversiblen Veränderungen aufzuklären.
Dauer: In der Regel müssen Patienten mindestens 6 Monate unter Hormontherapie stehen, bevor operative Maßnahmen in Betracht gezogen werden.
Diese operativen Eingriffe sind optional und umfassen verschiedene chirurgische Maßnahmen, je nach Wünschen des Patienten. Zu den möglichen Eingriffen gehören:
Mann-zu-Frau (MtF):
Brustaufbau (Mammoplastik)
GaOP (Geschlechtsangleichende Operation): Vaginalplastik, Entfernung der Hoden (Orchiektomie)
Frau-zu-Mann (FtM):
Mastektomie (Brustentfernung)
Hysterektomie (Gebärmutterentfernung) und Ovarektomie (Entfernung der Eierstöcke)
Phalloplastik oder Metoidioplastik (Aufbau eines Pseudo-Penis)
Diese Eingriffe werden von spezialisierten Chirurgen durchgeführt, und der Patient sollte detailliert über die Risiken, den Heilungsverlauf und die möglichen Komplikationen informiert werden. Es gibt auch eine gewisse Wartezeit und manchmal eine vorgeschriebene Mindestdauer der Hormontherapie vor der Operation.
In Deutschland kann der Patient nach dem Transsexuellengesetz (TSG) den Antrag auf Änderung des Vornamens und des Geschlechtseintrags stellen. Dazu sind in der Regel zwei unabhängige psychologische Gutachten erforderlich, die die Transidentität bestätigen.
Diese Änderung ist unabhängig von den medizinischen Maßnahmen und kann auch bereits vor der geschlechtsangleichenden Operation vorgenommen werden.
Der Bundestag plant eine Reform des TSG durch ein neues Selbstbestimmungsgesetz (ab 2024 in Kraft), das den Prozess vereinfachen und entpsychologisieren soll.
Der Patient benötigt nach der Operation regelmäßige Nachsorge, sowohl für die hormonelle Behandlung als auch für die postoperative Wundversorgung und Rehabilitation. Viele Patienten benötigen auch weiterhin psychologische Unterstützung, um sich mit ihrem neuen Körper und ihrer gesellschaftlichen Rolle auseinanderzusetzen.
Auch die Sexualmedizin kann nach der Operation eine Rolle spielen, um den Patienten über sexuelle Funktionsweisen und Möglichkeiten nach den operativen Veränderungen aufzuklären.
In der Regel übernimmt die gesetzliche Krankenversicherung die Kosten für psychologische Betreuung, Hormontherapie und geschlechtsangleichende Operationen. Voraussetzung dafür ist, dass die Indikation durch entsprechende Fachärzte gestellt wurde und die Krankenkasse dem Antrag zustimmt. Hierfür benötigt der Patient meist die psychologischen Gutachten sowie ggf. den Nachweis über eine längere therapeutische Begleitung.
Aufklärung: Kläre den Patienten ausführlich über die einzelnen Schritte, die Risiken und die möglichen Komplikationen der Hormontherapie und Operationen auf. Erläutere auch den Zeitrahmen des gesamten Prozesses, der sich oft über mehrere Jahre erstreckt.
Multidisziplinäre Betreuung: Du kannst den Patienten an spezialisierte Zentren oder Kliniken für Transmedizin verweisen, die eine umfassende Betreuung (Endokrinologie, Psychotherapie, Chirurgie) anbieten. Eine ganzheitliche Betreuung durch ein Team von Spezialisten kann die Erfolgschancen erhöhen und die Zufriedenheit des Patienten steigern.
Selbsthilfegruppen: Es kann hilfreich sein, den Patienten auf Selbsthilfegruppen oder Community-Organisationen für Transpersonen hinzuweisen, um Unterstützung und Austausch mit anderen Betroffenen zu ermöglichen.
In der Region Wolfsburg, Braunschweig, Hannover und Umgebung gibt es einige Anlaufstellen und Therapeuten, die sich mit der Begleitung von transidenten Personen auskennen. Hier sind einige Optionen, die du deinem Patienten empfehlen könntest:
Trans*Beratung Region Braunschweig bietet Peer-to-Peer-Beratung und Unterstützung für Menschen, die eine Transition anstreben oder Fragen zu ihrer Geschlechtsidentität haben. Die Beratung ist anonym und kostenlos
Stadt Braunschweig
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Lena Dierksmeier ist eine erfahrene Psychotherapeutin, die seit Jahren Trans*menschen begleitet und Unterstützung bei verschiedenen Aspekten der Transition anbietet. Sie hilft bei Fragen zu bürokratischen Hürden und Krankenkassen und bietet auch Online-Begleitung an
Trans-Entfaltung
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Dr. Hagen Löwenberg in Mülheim ist ein erfahrener Psychotherapeut, der Trans*-Patienten diagnostisch begleitet, psychotherapeutische Unterstützung bietet und bei der Indikation für Hormontherapien und operative Maßnahmen hilft. Obwohl er in Mülheim praktiziert, kann sein spezialisiertes Wissen auch überregionale Beratung bieten
Praxis Psychosomatik
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Auf therapie.de finden sich auch mehrere Therapeutinnen und Therapeuten im Raum Braunschweig, die verschiedene Formen der Psychotherapie anbieten, darunter Hypnosetherapie und systemische Therapie, die bei Fragen zur Geschlechtsidentität relevant sein können