Nach der vollständigen operativen Entfernung der Prostata benötigt der Körper Zeit zur Erholung. Auch wenn die äußeren Wunden meist rasch abheilen, dauert die vollständige innere Wundheilung deutlich länger. In der Regel sollte man von etwa zehn bis zwölf Wochen ausgehen, bis die inneren Nähte und das Gewebe stabil verheilt sind. In dieser Zeit ist Schonung wichtig, gleichzeitig ist regelmäßige, angepasste Bewegung ausdrücklich erwünscht.
Leichte Bewegung fördert die Durchblutung, unterstützt die Heilung und beugt Komplikationen vor. Bereits kurz nach der Entlassung sind tägliche Spaziergänge sinnvoll. Die Belastung sollte langsam gesteigert werden und sich immer am eigenen Befinden orientieren. Überforderung ist in dieser Phase kontraproduktiv.
In den ersten Wochen nach der Operation sollten Tätigkeiten vermieden werden, die den Bauchraum und den Beckenboden stark belasten. Dazu zählen insbesondere:
Heben und Tragen von Lasten über fünf Kilogramm in den ersten sechs bis acht Wochen
starkes Pressen, zum Beispiel bei Verstopfung
ruckartige Bewegungen sowie intensive Garten- oder Heimwerkerarbeiten
Sportliche Aktivitäten sollten stufenweise wieder aufgenommen werden. Eine grobe zeitliche Orientierung kann helfen, ersetzt aber nicht das individuelle Empfinden:
Spazierengehen ist sofort möglich und empfohlen
normale Alltagsbelastungen meist nach etwa sechs bis acht Wochen
Radfahren frühestens nach zehn bis zwölf Wochen
Joggen, Krafttraining, Tennis, Fußball oder andere Kontaktsportarten erst nach etwa zwölf Wochen und dann langsam steigernd
Bauchmuskeltraining sollte erst erfolgen, wenn die innere Wundheilung vollständig abgeschlossen ist.
In der frühen Erholungsphase sollten Sie vermeiden, schwere Einkaufstaschen zu tragen, Möbel zu rücken oder längere Autofahrten ohne Pausen zu unternehmen. Duschen ist in der Regel früh möglich, Schwimmbad, Sauna und öffentliche Bäder sollten jedoch erst nach vollständiger Abheilung der Hautwunden genutzt werden.
Ein vorübergehender Urinverlust ist nach einer radikalen Prostatektomie häufig und stellt keine Komplikation dar. Entscheidend für die Wiedererlangung der Kontinenz ist ein konsequentes Beckenbodentraining. Dieses beginnt meist bereits im Krankenhaus oder im Rahmen einer Anschlussheilbehandlung und sollte über Wochen bis Monate regelmäßig fortgeführt werden. Der
Erfolg stellt sich oft schrittweise ein und erfordert Geduld. Falls keine Anschlussheilbehandlung
erfolgt, kann das Training auch ambulant bei einer spezialisierten physiotherapeutischen Praxis durchgeführt werden.
Nach größeren Operationen besteht vorübergehend ein erhöhtes Risiko für die Bildung von Blutgerinnseln in den Beinvenen (Thrombose) oder für eine Lungenembolie. Dieses Risiko ist nach einer radikalen Prostatektomie erhöht, insbesondere in den ersten Wochen nach dem Eingriff, da die körperliche Aktivität oft eingeschränkt ist.
Aus diesem Grund wird in der Regel eine medikamentöse Thromboseprophylaxe durchgeführt. Dabei erhalten Sie für einen begrenzten Zeitraum ein blutverdünnendes Medikament, meist in Form einer täglichen Injektion unter die Haut des Bauches oder Oberschenkels. Diese Prophylaxe wird üblicherweise für etwa drei bis vier Wochen nach der Operation empfohlen, auch nach der Entlassung aus dem Krankenhaus.
Zusätzlich ist Bewegung ein wichtiger Bestandteil der Thrombosevorbeugung. Regelmäßiges Aufstehen, kurze Spaziergänge und das Vermeiden längerer Sitz- oder Liegezeiten tragen wesentlich dazu bei, das Thromboserisiko zu senken. Achten Sie darauf, auf längeren Autofahrten oder bei längerem Sitzen regelmäßig Pausen einzulegen und die Beine zu bewegen.
Sollten Sie plötzlich auftretende Beinschmerzen, Schwellungen eines Beines, Atemnot oder Brustschmerzen bemerken, suchen Sie bitte umgehend ärztliche Hilfe, da dies mögliche Zeichen einer Thrombose oder Lungenembolie sein können.
Nach der stationären Behandlung wird in der Regel eine Anschlussheilbehandlung angeboten. Diese dient der körperlichen Kräftigung, dem Beckenbodentraining und der allgemeinen Rehabilitation. Die Organisation erfolgt auf Wunsch über den Sozialdienst, die Kosten werden meist von der Rentenversicherung oder der Krankenkasse übernommen. Eine AHB ist aus medizinischer Sicht sehr zu empfehlen.
Nach der Operation kann es zu Erektionsstörungen kommen, selbst wenn die potenz verantwortlichen Nerven geschont wurden. Diese Nerven benötigen Zeit zur Erholung, häufig mehrere Monate. Um die Durchblutung der Schwellkörper zu erhalten und einem dauerhaften Funktionsverlust vorzubeugen, wird eine sogenannte Schwellkörper Rehabilitation empfohlen.
Hierzu werden – sofern keine Gegenanzeigen bestehen – regelmäßig Medikamente eingesetzt, die die Durchblutung des Penis fördern, beispielsweise Sildenafil oder vergleichbare Präparate. Diese werden nicht nur bei Bedarf, sondern häufig mehrmals pro Woche eingenommen. Ziel ist nicht die sofortige Wiederherstellung der Sexualfunktion, sondern der Erhalt der Schwellkörperstruktur als Voraussetzung für eine spätere Erholung. In einzelnen Fällen können ergänzend Hilfsmittel wie Vakuumpumpen sinnvoll sein.
Die regelmäßige Tumornachsorge ist ein zentraler Bestandteil der weiteren Behandlung. Nach vollständiger Entfernung der Prostata sollte der PSA-Wert innerhalb weniger Wochen unter die Nachweisgrenze sinken. Der PSA-Wert wird anschließend regelmäßig kontrolliert, um ein mögliches Wiederauftreten der Erkrankung frühzeitig zu erkennen.
In der Regel erfolgen die Kontrollen im ersten Jahr vierteljährlich, danach meist halbjährlich. Ab dem sechsten Jahr genügt häufig eine jährliche Kontrolle, insgesamt bis etwa zum elften Jahr nach der Operation. Die genauen Abstände können individuell angepasst werden.
Eine gesunde Lebensweise unterstützt die Erholung und wirkt sich positiv auf das allgemeine Wohlbefinden aus. Empfehlenswert ist eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukten und hochwertigen pflanzlichen Fetten. Fleisch, insbesondere rotes und stark verarbeitetes Fleisch, sollte nur in Maßen verzehrt werden. Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist wichtig, auch um Verstopfung zu vermeiden.
Regelmäßige, angepasste Bewegung, der Verzicht auf Rauchen, ein maßvoller Umgang mit Alkohol und das Anstreben eines normalen Körpergewichts tragen wesentlich zur langfristigen Gesundheit bei.
Bitte nehmen Sie zeitnah Kontakt zu Ihrer Urologin oder Ihrem Urologen auf, wenn Fieber, zunehmende Schmerzen, Brennen beim Wasserlassen, Blut im Urin, eine deutliche Verschlechterung der Kontinenz oder andere neue Beschwerden auftreten.
Geduld, körperliche Schonung, gezielte Rehabilitation und regelmäßige Nachsorge sind nach einer radikalen Prostatektomie entscheidend. Durch angepasstes Verhalten, konsequentes Beckenbodentraining, eine strukturierte Schwellkörper Rehabilitation und eine gesunde Lebensführung können Sie aktiv zu einem guten langfristigen Behandlungsergebnis beitragen.