Was ist Ejakulation Präcox?
Ejakulation präcox, auch vorzeitiger Samenerguss genannt, ist eine der häufigsten sexuellen Funktionsstörungen bei Männern. Es handelt sich um die Unfähigkeit, die Ejakulation so lange zu kontrollieren, wie es für den Mann und/oder seine Partnerin/Partner angenehm wäre. Diese Störung tritt entweder schon vor oder kurz nach dem Eindringen auf und betrifft sowohl junge als auch ältere Männer.
Man unterscheidet zwei Formen:
Primäre Ejakulation Präcox: Diese Form besteht schon seit dem ersten sexuellen Erlebnis.
Sekundäre Ejakulation Präcox: Diese Form entwickelt sich erst im Laufe des Lebens, z.B. nach einer Phase normaler Ejakulationskontrolle.
Ursachen
Die genauen Ursachen der vorzeitigen Ejakulation sind komplex und können sowohl psychische als auch körperliche Gründe haben. Zu den häufigsten Ursachen gehören:
Psychologische Faktoren: Stress, Angst, Beziehungsprobleme, Depressionen oder sexuelle Unerfahrenheit können zur vorzeitigen Ejakulation beitragen.
Körperliche Faktoren: Hormonelle Ungleichgewichte, Entzündungen der Prostata oder Harnröhre, genetische Faktoren oder neurologische Störungen können ebenfalls eine Rolle spielen.
Verhaltensfaktoren: Eine gesteigerte Sensibilität und mangelnde Erfahrung in der sexuellen Kontrolle können auch zur Problematik beitragen.
Möglichkeiten zur Selbstbehandlung
Es gibt verschiedene Strategien und Techniken, die Männer ausprobieren können, um den Samenerguss besser zu kontrollieren.
Beckenbodenübungen (Kegel-Übungen): Das gezielte Training der Beckenbodenmuskulatur kann helfen, die Kontrolle über den Samenerguss zu verbessern. Die Übungen zielen darauf ab, die Muskeln zu stärken, die während der Ejakulation aktiv sind.
Anleitung: Spannen Sie die Muskeln an, die Sie auch benutzen, um den Harnfluss zu unterbrechen, halten Sie diese Spannung für 5–10 Sekunden, und entspannen Sie sich dann. Wiederholen Sie dies 10–15 Mal pro Sitzung, 3 Mal täglich.
Die „Start-Stopp-Technik“: Bei dieser Methode unterbrechen Sie die Stimulation kurz vor dem Höhepunkt. Diese Pause hilft, die Ejakulation zu verzögern.
Anleitung: Sie oder Ihr Partner stimulieren Sie bis kurz vor dem Punkt, an dem der Samenerguss unausweichlich ist, dann stoppen Sie die Stimulation und warten, bis das Verlangen nachlässt. Wiederholen Sie dies mehrmals, bevor Sie zum Orgasmus kommen.
Die „Squeeze-Technik“: Eine weitere Technik zur Ejakulationskontrolle ist das Zusammendrücken der Penisspitze, sobald Sie den Höhepunkt nahen fühlen. Dadurch wird der Drang zur Ejakulation unterdrückt.
Anleitung: Sie oder Ihr Partner drücken sanft auf die Penisspitze (insbesondere auf den Bereich direkt unter der Eichel), bis das Gefühl der Unvermeidbarkeit nachlässt.
Veränderung der Masturbationsgewohnheiten: Eine Veränderung der Art und Weise, wie und wie oft Sie masturbieren, kann helfen, Ihre sexuelle Ausdauer zu verbessern. Versuchen Sie, während der Masturbation Techniken zur Verzögerung der Ejakulation zu üben.
Kondome mit betäubenden Substanzen: Kondome, die eine leichte Betäubung enthalten (z. B. mit Lidocain oder Benzocain), können die Sensibilität verringern und helfen, den Samenerguss zu verzögern.
Medikamentöse Behandlung
Wenn Selbsthilfemaßnahmen nicht ausreichen, gibt es verschiedene medikamentöse Therapien zur Behandlung der vorzeitigen Ejakulation.
Lokalanästhetische Cremes und Sprays: Cremes oder Sprays, die Betäubungsmittel (wie Lidocain oder Prilocain) enthalten, können auf die Penishaut aufgetragen werden, um die Sensibilität zu reduzieren und die Ejakulation hinauszuzögern. Diese Produkte sollten etwa 10–15 Minuten vor dem Geschlechtsverkehr aufgetragen und vor dem Kontakt mit dem Partner abgewaschen werden, um mögliche Reizungen zu vermeiden.
Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI): Antidepressiva wie Dapoxetin (kurzwirksames SSRI), Paroxetin, Sertralin oder Fluoxetin können die Zeit bis zur Ejakulation verlängern. Sie werden normalerweise täglich oder einige Stunden vor dem Geschlechtsverkehr eingenommen.
Nebenwirkungen: Übelkeit, Müdigkeit, verminderte Libido, erektile Dysfunktion.
Trizyklische Antidepressiva (TZA): Medikamente wie Clomipramin, die traditionell zur Behandlung von Depressionen eingesetzt werden, haben sich auch als wirksam bei der Verzögerung der Ejakulation erwiesen.
Phosphodiesterase-5-Hemmer (PDE-5-Hemmer): Medikamente wie Sildenafil (Viagra), Tadalafil (Cialis) oder Vardenafil (Levitra), die zur Behandlung von erektiler Dysfunktion verwendet werden, können in Kombination mit SSRIs oder anderen Behandlungen zur Verbesserung der Kontrolle über die Ejakulation eingesetzt werden. Diese Medikamente verbessern die Erektionsqualität und können indirekt die Ejakulationsverzögerung unterstützen.
Natürliche und pflanzliche Heilmittel: Einige pflanzliche Mittel, wie z. B. Johanniskraut oder Ashwagandha, werden manchmal als natürliche Heilmittel zur Behandlung der vorzeitigen Ejakulation empfohlen. Die wissenschaftlichen Beweise für ihre Wirksamkeit sind jedoch begrenzt.
Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?
Es ist wichtig, einen Arzt aufzusuchen, wenn:
Die vorzeitige Ejakulation regelmäßig auftritt und einen erheblichen Stress oder Beziehungsprobleme verursacht.
Selbsthilfemaßnahmen oder rezeptfreie Medikamente nicht helfen.
Andere Symptome, wie Schmerzen oder Probleme mit der Erektion, auftreten.
Ergänzende Links und Quellen
Deutsche Gesellschaft für Urologie (DGU): Fundierte Informationen zu urologischen Erkrankungen, einschließlich sexueller Funktionsstörungen.
Lifeline.de: Vorzeitiger Samenerguss: Gut verständliche und detaillierte Informationen zur Behandlung der Ejakulation präcox.
NetDoktor: Vorzeitiger Samenerguss: Ausführliche Erklärungen zu Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten.
Pro Familia: Sexualberatung: Beratungsangebote für Betroffene mit sexuellen Problemen.