Liebe Leserinnen und Leser!
Die Oper Leipzig und der Klett Verlag haben gemeinsam einen Schreibwettbewerb zum Thema „Wenn ich plötzlich Königin oder König wäre…“ veranstaltet. Unsere pupille-Mitglieder waren sofort Feuer und Flamme für diesen majestätischen Wettbewerb, in einer Videokonferenz wurden erste Ideen für die Textproduktion gesammelt.
Drei Schülerinnen haben sich anschließend entschieden, am Wettbewerb teilzunehmen: Taman Jabari und Eva Schönbucher (beide Klasse 6a) und Malika Gerlach (Klasse 10a). Die pupille-Redaktion hat entschieden, dass Malikas Text zum Thema „gleichgeschlechtliche Liebe“ in der Printausgabe erscheinen soll, die beiden anderen ebenso grandiosen Ergebnisse unserer 6.-Klässlerinnen könnt ihr hier lesen.
Und nun: Viel Spaß beim Abtauchen in königliche Welten!
Wenn ich Königin wäre….
Vor langer Zeit im 18. Jahrhundert lebte in Japan eine Königsfamilie. Diese hatte nur eine Tochter. Ihr Name war Natsuki Akira. Als sie sechs Jahre alt war, wurde sie einem jungen Mann, der auf den Namen Makkuro hörte, versprochen. Der jungen Tochter war damals noch nicht bewusst, dass ihre Zukunft nicht die sein würde, die sie sich wünschte.
Die Eltern des Mädchens und des jungen Mannes hielten sie auf Abstand zueinander, damit sie keine freundschaftlichen Gefühle zueinander entwickelten. Natsuki wuchs zu einer schönen und reifen Frau heran und hatte einen festen Freund. Sie merkte, dass sie mehr als nur eine Freundschaft verspürte, und er schien dasselbe zu empfinden. Denn eines Abends trafen sie sich wieder und er gestand ihr seine Liebe, er hielt um ihre Hand an und sie sagte: „Ja!“. Glücklich lief sie nach Hause, um ihren Eltern davon zu berichten. Doch was sie dort erwarten würde, damit hätte sie nicht gerechnet: Als sie am Palast ankam, erblickte sie vier weitere Menschen, die weder zu den Angestellten noch zu den Verwandten zählten. Doch wie so oft, ließ sie sich ihre Verwirrung nicht anmerken und lächelte die Familie an. „Natsuki, Liebes, als du sechs Jahre alt warst, versprachen wir diesem jungen Man hier, dass du ihn heiraten wirst, wenn du alt genug bist“, sprach ihr Vater. Natsuki stand der Schock ins Gesicht geschrieben, doch sie nickte dennoch nur. „Nun überlasse ich euch beiden Zeit, um einander kennen zu lernen, während wir die Hochzeit planen“, sagte ihr Vater. So verließ Natsuki mit ihrem zukünftigen Ehemann den Palast und spazierte im Garten. Dann begann der Mann zu sprechen: „Ich bin Makkuro, Sohn von Takkuro und Misaki. Ich bin 16 Jahre alt.“ Sie blieb stehen und schaute ihn nochmal genau an. Er hatte eine durchtrainierte Figur. Seine Schultern waren breit gebaut. Seine Haare hatte er zur Seite gekämmt. Außerdem trug er einen schwarzen Kimono mit zwei weißen Schwertern auf dem Rücken. Plötzlich schaute er mich mit seinen pechschwarzen Augen an. Sein vorerst nettes Erscheinen verblich augenblicklich. Er hatte einen kühlen Gesichtsausdruck. Schweigend liefen wir weiter…
Das ist jetzt fünf Jahre her. Mir kamen diese Erinnerungen hoch als ich wieder einmal am Boden lag mit halb zerrissener Kleidung, einer blutenden Lippe, einer angeschwollenen Stirn und einem blauen Auge. So ging das schon Jahre lang. Doch ich blieb stark. Wieder hatte ich einen Flashback und erinnerte mich an den Kampf von Yuko und Makkuro um meine Hand, an Yuko wie er tot am Boden lag…eigentlich hätte ich weinen sollen. Doch ich kann nicht weinen. Sonst würde jeder sehen, wie schwach ich bin. Ich entschloss mich für etwas, was falsch war, aber dennoch er hat es verdient. Ich dachte: „Diese Nacht wird seine letzte sein. Das letzte Mal, wo er mich so am Boden zerstört sehen wird. Ich werde dafür sorgen, dass keinem Mädchen und auch keiner Frau noch einmal so etwas geschieht wie mir. Ich werde die letzte sein, die sowas ertragen musste!“
Als wir dann in der Nacht im Bett lagen, schlich ich mich zu seiner Waffenkiste. Ich zog ein Schwert heraus und betrachtete es. Ruhig schloss ich die Augen und überlegte: „Es ist falsch, aber es gibt keine andere Lösung.“ Ich beugte mich über ihn, und weckte ihn. Seine Augen öffneten sich und er schaute mich zornig an, aus Reflex hob er die Hand, um mich zu schlagen, doch in genau diesem Moment trennte ich seinen Kopf von seinem Körper ab. Damit mich niemand am Morgen dafür schuldig sprechen konnte, schnitt ich mir meine linke Hand ab, die Hand, an der der Ehering war. Dann legte ich mich in das Bett, und schlief zufrieden ein. Endlich konnte ich all meinen Zorn rauslassen, endlich war ich frei!
Am nächsten Morgen stand ich auf und tat das, was jeder tun würde: Ich schrie um Hilfe. Es stürmten Wachen in das Zimmer, während ich vorspielte zu weinen. „Meine Königin, was ist pass…“, sagte eine Wache, ehe sie auf meine Hand sah mit dem Ehering und auf den toten König. Sofort wurde ich ins Krankenhaus gebracht und es wurde ein Grab für den König gebaut, während andere nach der Ursache seines Todes suchten. Einige Monate nach der Beerdigung trat ich auf den Balkon des Palastes, auf dem ich eine Rede hielt: „Liebes Volk, ich danke euch für euer zahlreiches Auftreten. Ich möchte eine neue Regel einführen, von heute an wird es in diesem Land keine Zwangsheiraten mehr geben. Die Folgen werden katastrophal sein. Nicht für die Kinder, sondern für die Eltern. An alle, die jemals zur Zwangsheirat gezwungen wurden, nun es ist Zeit, ihr dürft euch trennen! Falls ihr jedoch zufrieden seid, bleibt da wo ihr seid. Habt keine Angst, euch zu lösen. Niemand wird euch dafür hassen und ich als eure Königin werde jeden einzelnen von euch unterstützen!“
Keiner trat hervor. Also rannte ich nach unten, weil ich in der Menge eine junge Frau erblickt hatte, welche von einem Mann gehalten wurde, nicht auf sanfte Art, sondern hart. Während ich rannte, löste sich mein Zopf. Meine langen Haare fielen mir schlaff runter. Als die Menge mich so sah, schaute sie erschrocken, doch das war mir egal. Ich lief auf die junge Frau zu und zog sie von ihrem Mann weg, der mich verblüfft anschaute. Ich merkte, dass die Frau anfing zu zittern. Ruhig fing ich an mit ihr zu sprechen. „Wie heißt du und wie alt bist du?“, fragte ich sie besorgt. Sie antwortete leise: „Ich heiße Misaki und bin 14 Jahr alt.“ Ich schaute den Mann, der sie gehalten hatte, mit zusammengeschlitzten Augen an und fragte: Und du bist?“ „Kana und 40 Jahre alt, meine Königin.“ Ich war geschockt und hielt die Hand des immer noch zitternden Mädchens. „Seid ihr ein Ehepaar?“, fragte ich sie. Sie antwortete zögerlich: „Ja.“ Ich zog das Mädchen zu mir und sagte zu dem Mann: „Es ist mir egal, ob ihr zustimmt, oder nicht, aber dieses Mädchen wird von dir getrennt sein und wird nun in meine Obhut geraten!“ Das Mädchen schaute mich erschrocken und zugleich dankbar an. Ich lächelte ihr zu.
Und so war das, bis eines Tages herauskam, dass Natsuki die Mörderin ihres eigenen Mannes war. Sie wurde von mehreren Männern umgebracht, weil sie sich so sehr für die Frauen in Japan einsetzte. Doch ihr Name wird niemals in Vergessenheit geraten. Sie wird als die Heldin der Frauen bezeichnet. Sie ist vor allem deshalb das Idol vieler Menschen, da sie, um anderen zu helfen, sich selbst geschadet hat, indem sie ihre Hand abschnitt. Sie hat zwar einen Fehler gemacht, aber dadurch zeigt sich, dass wir Menschen auch, so sehr wir auch versuchen perfekt zu sein, es niemals sind und auch niemals werden.
Wenn ich eine Königin wäre …
Der folgende Text stellt einen Brief dar, den die Autorin an eine Freundin geschrieben hat, die sie zuvor gefragt hatte, was sie eigentlich machen würde, wenn sie eine Königin wäre.
Liebe Anna,
du hast mich doch gefragt, was ich machen würde, wenn ich eine Königin wäre.
Wenn ich eine Königin wäre, würde ich erstmal den ärmeren Leuten Geld geben. Danach würde ich alle schlechten Menschen versammeln und sie überzeugen, dass ein ehrliches, freundliches Leben viel, viel schöner ist. Dann würde ich die Gefangenen aus dem Gefängnis befreien. Natürlich auf Bewährung. Als nächstes würde ich allen Leuten Arbeit geben, bei der sie gut bezahlt werden. Danach würde ich dafür sorgen, dass alle ein Haus, etwas zu essen, zu trinken und Kleidung haben. Natürlich würde ich auch dafür sorgen, dass die Stadt/ das Dorf sauber bleibt. Ich würde jeden zweiten Sonntag ein Fest für alle veranstalten. Dort gäbe es ein riesengroßes Festmahl, Musik, es würde getanzt und sehr, sehr viel gelacht werden. Danach würde ich alles mit meinen Freundinnen und Freunden aufräumen, da ich keine Bediensteten haben möchte.
Ich würde auch einen riesengroßen Garten anlegen, in den jeder gehen kann. In diesem Garten wären auch ein großer Spielplatz, Kräuter- und Gemüsebeete, ein Beet voller Beeren, Obstbäume, Blumen und ganz viele Bänke, damit sich die Leute, die in den Garten gehen, dort hinsetzen und den Vögeln lauschen und die Blumen anschauen können. Jeder darf in den Garten eintreten und ernten.
Natürlich hätte ich auch ein sehr, sehr, sehr, sehr großes Schloss. Da ich aber auch nicht so viele Zimmer bräuchte, würde ich ein paar Räume als Museum einrichten. Der Eintritt würde zwei Euro pro Person kosten. Dort würde ich zeigen, wie das Leben einer Königin/eines Königs aussieht.
Ich würde auch eine Bastel- und Bauwerkstatt für Kinder einrichten. Eine für Kinder ab vier Jahren, eine ab sechs Jahren und eine für 12- bis 15- Jährige. Dort würde alles zur Verfügung gestellt werden, was die Kinder benutzen dürfen und wollen. Es gäbe aber natürlich auch eine Werkstatt für Erwachsene - dort würde wirklich alles zu Verfügung gestellt werden.
Die Kinder in der Schule hätten zwar fünf Stunden Unterricht, aber in der letzten eine Spielestunde. Die Lehrkräfte würde ich höchstpersönlich aussuchen. Sie müssten sehr gut mit Kindern umgehen können, alles erklären können und sie müssten allgemein sehr, sehr gut ausgebildet sein.
Leute werden nur in dem Bereich ausgebildet, in dem sie sich wohl fühlen und das auch möchten.
Außerdem würde ich ein Krankenhaus bauen lassen, in dem alle kranken Personen sofort geheilt werden können.
Ich würde eine Medizin erfinden lassen, die einen unsterblich machen kann.
Ich würde jedem Haushalt ein Wunschmusikinstrument geben und mich darum kümmern, dass mindestens einer dieses Instrument spielen kann.
Die Gesetze würde ich auch aufstellen:
· Niemand darf, ohne mich zu fragen, einen Baum fällen. Man muss mich fragen!
· Jeder hat Meinungsfreiheit!
· Man darf von 08:00 bis 14:30 Uhr und von 16:00 bis 21:00 Uhr laut sein.
· Jeder hat ein Recht auf Bildung.
· Jeder ist gleich, egal wo er herkommt oder wie er aussieht.
· Jeder hat ein Recht auf kostenlose Krankenbehandlung.
· Das wichtigste ist: ALLES wird auch eingehalten.
Zuletzt würde ich mich noch dafür einsetzen, dass es keinen Krieg gibt.
Niemals!!!
Leider wird das alles nicht funktionieren, da ich keine Königin werden kann. Man muss ja von einer Königsfamilie abstammen/adoptiert werden oder jemanden davon heiraten. Es ist sehr, sehr unwahrscheinlich, dass es ausgerechnet bei mir dazu kommt.
Was würdest du tun, wenn du eine Königin wärst?
Liebe Grüße
Deine Eva :)