Die Projektarbeit erstreckte sich in verschiedenen Etappen über den Zeitraum April bis Juli 2023. Die vorliegende Dokumentation beschreibt den Projektverlauf und die Methodik und gibt Einblick in die Ergebnisse für die Beispielkommunen Hofheim am Taunus und Rüsselsheim am Main. Sie schliesst mit einer Zusammenfassung des Dialogs "Mitten am Rand"; der am 12. Juli 2023 im Deutschen Architekturmuseum stattfand, und einem Zukunftsausblick.
Ein regionales Städtesystem in unterschiedlicher Körnung verdichtet sich zunehmend von Stadt-Landschaften in eine urbane Agglomeration der Quartiere. Wie kann ein Netzwerk aus lokalen Ressourcen als regionale Idee zusammengeführt werden? Wo lassen sich die vielfältigen Potentiale als eine neue regionale Lebensform etablieren und das dynamische Wachstum für einen sozialen, ökologischen und qualitativen Umbau nutzen?
Making Rhein-Main möchte mit lokalen Experten/innen die Nischen aufspüren, die einem zeitgemäßen regionalen Alltag entsprechen. Dies berührt alle Bereiche der Daseinsfürsorge vom Wohnen, Arbeiten, Mobilität, Ernährung, Bildung, Kultur bis zur lokalen Versorgung mit Gütern und Dienstleistungen, aber folgt den aktuellen Trends und Gewohnheiten der Nutzer/inne vor Ort.
In der Pandemie wurde eine Umkehrung der Konzentration auf die Kernstädte ausgelöst, die möglicherweise besser auf die aktuellen Herausforderungen im Alltag reagiert. Möglicherweise liegt die Stadt von Morgen in der Region, ist dennoch kompakt, grün, locker und kann mit vielfältigen Freizeitangeboten zum bestimmenden Trend werden. Nachteile einer dezentralen Siedlungsstruktur werden durch neue Technologien und veränderte Umgangsformen ausgeglichen. Statt dem individualisierten Bild eines Einfamilienhauses in einer autogerechten Region entstehen neue Nutzungsgemeinschaften um dezentrale Infrastruktur- und Mobilitätsorte. Die Eigenheiten eines Quartiers entstehen aus Ihrem Kontext und ist die Adresse für Bewohner/innen und Besucher/innen.
Ausgehend von Online-Befragungen und Interviews mit verschiedenen Akteuren/innen (Bewohner/innen, Politik, Kultur, Einzelhandel, Vereinen, Pendlern/innen und Investoren/innen) und Beobachtungen vor Ort wollen wir in einer ersten Phase die Wünsche und Sehnsüchte der Nutzer/innen ermitteln, um hieraus die lokalen Stärken für ein regionales Quartier zu entwickeln. Welche Quartiere können die Lebensqualität trotz der aktuellen und zukünftigen Herausforderungen nachhaltig erhalten oder verbessern? Mit dem Projekt möchten wir insbesondere die Bevölkerung zu Wort kommen lassen, gemeinsam mit ihnen Ideen für lebenswerte Quartiere entwickeln und unter dem Aspekt begrenzter Ressourcen und Flächen sowie steigender Kosten für Wohnen, Leben und Mobilität die Bedürfnisse und Befürchtungen der Bevölkerung einbeziehen. Wir wollen die Region der Quartiere aus der Sicht der Bewohnerinnen und Bewohner neu denken und am Beispiel ausgewählter Städte im Raum des Grossen Frankfurter Bogens die Stärken.
Wir wollen mit Akteuren vor Ort ins Gespräch kommen, wollen Anzeichen für veränderte Umgangsformen entdecken und diese exemplarisch als lokales Potential für ein Quartier der Rhein-Main Region weiterdenken. Making Rhein-Main will Akteure/innen mit konkreten Ideen als Partner beim Umgang mit ihrem Quartier einbinden und Impulse für deren Entwicklung aufgreifen.
In einer ersten Phase aktivieren wir die Bevölkerung in der Region mit einer Plakat- und Flyeraktion. Wir sind in den Städten Rüsselsheim am Main und Hofheim am Taunus unterwegs und suchen den Kontakt zu den Menschen vor Ort. In kurzen Gesprächen erklären wir unser Projekt und laden sie zur Teilnahme an einer Online-Umfrage ein.
In der zweiten Phase fragen wir nach. Auf Basis der Ergebnisse aus der Online-Befragung und den Adhocgesprächen mit den Bürgerinnen und Bürgern entwickeln wir erste Bilder, die wir im direkten Gespräch schärfen möchten. Hierfür kontaktieren wir einerseits diejenigen, die sich bei unserem Projekt für ein Interview gemeldet haben. Andererseits gehen wir gezielt auf Vertretungen aus der Gesellschaft zu.
In diesen Rückmeldungen der lokale Experten/innen im Quartier suchen wir aus der Alltagspraxis nach spannenden Gewohnheiten, Wünschen oder Lebensformen die Lebensqualitäten als eine Mischung aus Zentralität und Abgeschiedenheit bereits an vielen Orten der Region vorleben. So lassen sich nicht nur neue Umgangsformen mit der Stadt und dem Quartier ableiten und ggf. in eine urbane Aktion umsetzen, sondern ebenso als eine regionale Strategie weiterdenken. Als wichtigen Meilenstein für diesen Diskurs sehen wir eine Podiumsdiskussion im Deutschen Architekturmuseum, die für den 12. Juli 2023 geplant ist. Hier möchten wir die Frage nach adäquaten Angeboten im öffentlichen Raum stellen und die Erkenntnisse der lokalen Experten/innen in den öffentlichen Diskurs stellen.