Mein Buch "Ich verliere Worte, aber nicht meine Stimme" gibt einen tiefen Einblick in das Leben mit FTD. Entdecken sie meine Autobiografie über Frontotemporale Demenz als Taschenbuch oder Hörbuch. Erfahren sie mehr über die Hintergründe und wo sie mein Werk bestellen können.
Leseprobe
Kapitel 3 – Als es anderen auffiel, bevor ich es selbst merkte
Wann meine Familie zum ersten Mal spürte, dass etwas nicht stimmte, weiß ich nicht, aber ich glaube schon bald, vermutlich schon vor mir. Von außen schien alles wie immer: Wir verbrachten Zeit miteinander, unternahmen Ausflüge, musste mich aber dafür immer anstrengen da ich keine Lust hatte etwas zu unternehmen. Die Kinder kamen zu Besuch. Das Haus war voller Stimmen, Lachen und vertrauter Bewegungen. Doch während um mich herum geredet und gescherzt wurde, stand ich manchmal da und fühlte mich wie ein Zuschauer, ein Außenstehender, dem dies alles zu viel wurde. Es war, als würde ich in einem Raum voller vertrauter Stimmen stehen, die mich erreichen wollten – und doch klangen sie, als kämen sie aus weiter Ferne, gedämpft wie durch dickes Glas. Ich sah die Gesichter, hörte die Worte, aber sie glitten an mir vorbei. Ich versuchte, mich einzuklinken, mitzuhalten – und merkte gleichzeitig, wie es nicht mehr gelang. 23 Der Rückzug beginnt Vielleicht begann es damit, dass ich mich zurückzog. Anfangs so unauffällig, dass es niemand hinterfragte. Einmal sagte ich ein Treffen ab, weil ich müde war. Ein anderes Mal erklärte ich, ich hätte zu viel Arbeit. Kleine Ausreden, die plausibel klangen. Doch im Inneren war es nicht Müdigkeit oder Termindruck – es war der Wunsch, nicht rauszugehen, nicht unter Menschen zu sein, niemanden zu sehen oder zu hören. Auf dem Sportplatz, wo ich früher jeden begrüßt und mich wie zu Hause gefühlt hatte, stand ich nun oft am Rand. Statt mich auf das Spiel zu konzentrieren, starrte ich in die Menge und dachte: Boah, sind das viele Menschen. Das Stimmengewirr, das früher ein lebendiger Klangteppich war, war jetzt nur noch ein unruhiges Rauschen. Einzelne Wörter tauchten auf wie kurze Lichtblitze, verschwanden sofort wieder. Ich spürte Blicke – oder bildete sie mir ein – und das Bedürfnis zu gehen wurde immer stärker. Doch ich konnte nicht. 24 Die Welt wird zu groß Auch im Alltag begann ich, den Blick zu senken, wenn mir jemand entgegenkam. Ich ging dicht an den Häusern entlang, als könnte ich so unsichtbar werden. Selbst Bekannte grüßte ich nur noch flüchtig – nicht aus Unhöflichkeit, sondern aus Unsicherheit, und weil ich mit niemanden sprechen wollte. Die Welt schien mir zu groß, zu laut, zu schnell. Ich merkte, wie sehr mich schon der Gedanke an soziale Situationen belastete. Das Gespräch in der Bäckerei, ein kurzer Plausch beim Einkaufen oder Straßenecke – Dinge, die früher selbstverständlich waren, fühlten sich nun wie kleine Hürden an. Wollte nur meinen Frieden und mit niemanden reden. 25 Der Augenblick, der alles veränderte Und dann kam dieser Moment. Ein Augenblick so kurz wie ein Atemzug – und doch so tief, dass er bis heute in mir nachhallt. Ich stand da, und meine Kinder kamen auf mich zu. Ihre Gesichter, die ich seit ihrer Geburt kannte, waren für einen Herzschlag lang fremd. Keine Erinnerung. Keine Namen. Nur Leere. Ein Gefühl, als hätte jemand in meinem Kopf das Licht ausgeschaltet. Ich wusste dass ich 4 Kinder hatte, nur waren mir die eigenen Kinder Fremd, kannte ihre Gesichter nicht. Ich suchte verzweifelt nach Anhaltspunkten – an der Stimme, an einer Bewegung, an der Art, wie sie standen. Und dann kehrte das Wissen zurück, wie ein warmer Strom. Erleichterung mischte sich mit einem Schmerz, der mich fast körperlich traf. 26 Wenn Vertrautes fremd wird Einige Wochen später passierte es wieder – beim Laternenumzug am Martinstag. Laternenlichter tanzten im Dunkeln, Kinderstimmen sangen Lieder. Inmitten der Menge sah ich meine Schwiegertochter. Neben ihr stand ein Mann. Ich dachte: Wer ist das? Erst nach Sekunden begriff ich: Es war mein eigener Sohn. Solche Momente hinterlassen Spuren. Es ist, als würde jemand einen feinen Riss durch die Wirklichkeit ziehen – kaum sichtbar, aber er ist da. Und mit der Zeit spürst du, wie er breiter wird.
Hörprobe vom Hörbuch
Bewertet in Deutschland am 17. Oktober 2025
Ich leite einen Pflegebereich mit schwerst dementen Menschen, auch mit frontotemp.Demenz, mich hat schon immer interresiert, wann ein betroffener Mensch bei sich Veränderungen spürt, danke jetzt kann ich noch besser verstehen ich wünsche dir und deiner Familie alles alles Liebe, viele gute Gefühle, das du dich immer sicher und geborgen fühlen kannst
Bewertet in Deutschland am 26. August 2025
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Ich war zutiefst bewegt von diesem Bericht. Ich danke Herrn Oberschmid für seinen Mut, diese Erfahrungen und Emotionen zu teilen.
Dieses Buch ist trotz allen negativen Aspekten dieser Krankheit, ein Wegweiser und eine Botschaft der Hoffnung.
Bewertet in Deutschland am 17. September 2025
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Sehr tolle und lehrreiche Buch. Absolute Kaufempfehlung!!
Rezension aus Deutschland vom 17. September 2025
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Sehr tolle und lehrreiche Buch. Absolute Kaufempfehlung!!
Rezension aus Deutschland vom 22. August 2025
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Der Autor ist offen und ehrlich, er gibt Tipps für Angehörige und schildert seine eigene Krankheit
Rezension aus Deutschland vom 29. August 2025
Wahnsinns Buch! Hut ab der Ehrlichkeit