Creation - Takhleeq
تخلیق
تخلیق
Das dritte Wesen
Dieses Buch behandelt Identität, Akzeptanz und menschliche Würde. Es geht um Menschen, die von der Gesellschaft oft gesehen, aber nicht verstanden werden, und um die Frage, ob ein Mensch trotz Unterschiedlichkeit als vollständiger Mensch anerkannt und respektiert wird.
Das dritte Wesen
Identität, Akzeptanz und die Würde des Menschen
Manche Menschen kommen in diese Welt und werden von der Gesellschaft nicht zuerst verstanden, sondern benannt, beurteilt, verspottet oder versteckt. Noch bevor gefragt wird, ob sie Schutz, Liebe, Bildung, Gesundheit, Arbeit und Würde brauchen, stellt man sie in eine Ecke der Scham. Doch ein Mensch ist nicht weniger Mensch, nur weil sein Körper, seine Stimme, sein Auftreten, seine Identität oder sein Lebensgefühl nicht in die gewohnten Schubladen der Gesellschaft passt.
Dieses Buch stellt eine einfache, aber schmerzhafte Frage: Warum wird ein Mensch für ein Dasein bestraft, das er sich nicht selbst ausgesucht hat?
Ein Kind kommt nicht als Schuldiger auf die Welt. Es braucht zuerst Arme, die es halten, ein Zuhause, das es schützt, Eltern, die es annehmen, und eine Gesellschaft, die ihm nicht sofort Angst macht. Doch wenn schon das eigene Zuhause beginnt, sich zu schämen, wenn Eltern das Kind verstecken, wenn Verwandte schweigen, wenn Nachbarn lachen und die Sprache der Menschen zur Verletzung wird, dann lernt dieses Kind sehr früh, dass seine bloße Existenz als Problem betrachtet wird.
Das eigentliche Leid entsteht oft nicht aus dem Unterschied selbst, sondern aus dem Umgang mit diesem Unterschied. Ein Mensch leidet nicht nur an seinem Körper, seiner Identität oder seiner besonderen Situation. Er leidet an Blicken, Spott, Ablehnung, Ausschluss, Angst, Einsamkeit, fehlender Bildung, fehlender Arbeit, fehlendem Schutz und einer Sprache, die ihn nicht als Menschen, sondern als Witz, Fluch oder Makel behandelt.
Dieses Buch ist kein Spektakel und keine sensationssuchende Erzählung. Es stellt den Menschen in den Mittelpunkt, der oft aus der Mitte der Gesellschaft gedrängt wird. Den Menschen, über den viele sprechen, dem aber wenige zuhören. Den Menschen, dem Namen gegeben werden, aber kein Platz. Den Menschen, der vielleicht im Gesetz erwähnt wird, aber im Alltag trotzdem keine Würde erfährt.
Akzeptanz bedeutet nicht, jede Frage zu verbieten. Akzeptanz bedeutet zuerst, die Menschlichkeit des anderen anzuerkennen. Man kann über Medizin, Recht, Familie, Kultur, Religion, Grenzen und gesellschaftliche Verantwortung sprechen. Aber kein Gespräch darf damit beginnen, dass einem Menschen seine Würde genommen wird. Wer einen Menschen beleidigt, ausgrenzt, verhungern lässt, aus dem Haus wirft, von Bildung fernhält, von Arbeit ausschließt oder zum öffentlichen Spott macht, verteidigt keine Werte. Er verletzt die Grundlage der Menschlichkeit.
Das dritte Wesen ist kein Scherz, kein Straßenbild, kein Fluch und kein Makel. Hinter diesem Dasein steht ein Herz, ein Verstand, eine Kindheit, Hunger, Krankheit, Angst, Schlaf, Hoffnung, Liebe, der Wunsch nach Bildung, die Fähigkeit zu arbeiten und das Recht, mit Würde zu leben. Wenn wir nur den sichtbaren Unterschied sehen, übersehen wir den Menschen.
Dieses Buch fragt nach dem Zuhause, das die erste Zuflucht sein sollte. Nach Eltern, die zwischen der Angst vor den Leuten und dem Recht ihres Kindes wählen müssen. Nach Schulen, in denen ein Kind nicht ausgelacht, sondern geschützt werden sollte. Nach Ärzten, die mit Wissen und Respekt begleiten müssen. Nach Arbeit, die einem Menschen Würde geben kann. Nach einem Gesetz, das nicht nur auf Papier stehen darf. Und nach einer Gesellschaft, deren Sprache oft tiefer verletzt als sie selbst merkt.
Ein Mensch braucht nicht nur Mitleid. Mitleid kann von oben herabkommen. Würde stellt den Menschen auf gleiche Höhe. Wer anders ist, braucht nicht nur Almosen, sondern Rechte. Nicht nur ein paar freundliche Worte, sondern Bildung. Nicht nur Duldung, sondern Sicherheit. Nicht nur eine Erwähnung im Gesetz, sondern Schutz im Alltag. Nicht nur eine Rolle in Feiern oder Spott, sondern ein echtes Leben.
Die größte Prüfung einer Gesellschaft zeigt sich nicht daran, wie sie mit den Starken umgeht, sondern wie sie den Schwachen, den Ausgeschlossenen und den Unverstandenen begegnet. Ein reifes Haus sagt nicht: Du bist unsere Schande. Es sagt: Du bist unser Kind. Eine reife Schule sagt nicht: Du bist anders, also bist du allein. Sie sagt: Auch hier ist dein Platz. Eine reife Gesellschaft sagt nicht: Wir verstehen dich nicht, also stoßen wir dich weg. Sie sagt: Wir müssen lernen, menschlicher zu sehen.
Dieses Buch bittet den Leser nicht darum, sofort alles zu verstehen. Es bittet nur darum, nicht sofort zu verurteilen. Nicht zu lachen, wo jemand innerlich zerbricht. Nicht zu beleidigen, wo jemand Schutz braucht. Nicht den Weg zu versperren, wo ein Mensch ohnehin schon schwer genug gehen muss.
Denn das dritte Wesen ist nicht unvollständig. Unvollständig ist eine Gesellschaft, die einen Menschen nicht vollständig als Menschen anerkennt.
Die entscheidende Frage bleibt:
Geben wir einem Menschen den Namen, den Spott und die Scham der Gesellschaft – oder geben wir ihm zuerst das, was jedem Menschen zusteht: Schutz, Akzeptanz und Würde?
Hinweis:
Wenn Sie dieses Buch lesen möchten oder weitere Informationen zur Verfügbarkeit wünschen, wenden Sie sich bitte an den Autor.
Autor: Shahid Shakil