2011 - Die Zahlen werden größer

14.06.2011 - Ende der 90er Jahre kaufte ich mein erstes elektrisches Klavier, kurz E-Piano genannt. Damals war ich auf der Suche nach einer akzeptablen Klavier-Tastatur zu einem vernünftigen Preis, also entschied ich mich für das kleinste Modell der CVP-Baureihe von YAMAHA, ein CVP-92. Das CVP-92 verfügte über 613 Sounds, 100 Rhythmen, war 32-stimmig, hatte ein Diskettenlaufwerk, ein unbeleuchtetes Display und war für meine damaligen Zwecke ausreichend.

Nach einiger Zeit begann mich jedoch das schlecht ablesbare Display zu stören, und so schaute ich mir im Jahr 2000 den Nachfolger, das CVP-103 mal näher an. Das Design war nahezu identisch mit dem CVP-92, die Zahlen der Sounds war jedoch auf 675 angewachsen, es gab 125 Rhythmen und eine 64-stimmige Polyphonie. Und vor allem: das Display war beleuchtet und gut ablesbar! Auch der Sound und die Tastatur erschienen mir besser, also ersetzte ich das CVP-92 durch das CVP-103.

Nach wiederum nur zwei Jahren stolperte ich bei Ebay über ein gebrauchtes CVP-203. Dabei handelte es sich um die nachfolgende Baureihe, allerdings auch um das nächst größere Modell (der direkte Nachfolger des CVP-103 war das CVP-201 technisch praktisch identisch und damit uninteressant). Ich gab ein für meinen Geschmack recht zurückhaltendes Gebot ein und bekam tatsächlich den Zuschlag, ein echtes Schnäppchen! Das CVP-203 verfügte über 788 Sounds, 240 Rhythmen, war ebenfalls 64stimmig und mit Diskettenlaufwerk versehen, hatte aber ein wesentlich größeres, beleuchtetes  und grafikfähiges Display. Ein richtiger kleiner Bildschirm, wenn auch „nur“ einfarbig.

Im Jahr 2005 fand ich wiederum bei Ebay ein traumhaftes CVP-305. Wieder eine Baureihe neuer und eine Nummer größer, über dem CVP-301 und dem CVP-303 angesiedelt war dieses Instrument schon gehobene Mittelklasse, was sich allerdings auch im Listen-Preis widerspiegelte: satte 3.690 €! Für ein E-Piano war mir das damals zu viel Geld, aber wozu neu kaufen? Das inserierte Instrument war grade mal ein Jahr alt, hatte noch Restgarantie und sah aus wie neu. Deshalb war ich mit einem Kaufpreis von 2.450 € sehr zufrieden.

Das CVP-305 war in vielerlei Hinsicht das perfekte Instrument für mich: 950 tolle Sounds, 308 Rhythmen, 128-stimmig polyphon, USB und SMC-Speicher, ein großes Farb-Display. Schier umgehauen haben mich die „Super-Artikulation“-Sounds und „Mega-Voices“ aus dem YAMAHA Tyros. So realistische Klänge hatte ich auf einem Keyboard bis dahin nicht für möglich gehalten! 

Auch das Boxen-System des CVP-305 war traumhaft: „untenrum“ ordentlich Druck und kristallklare Höhen, ein echter Hi-Fi-Sound! Die GH3-Tastatur spielte sich sehr edel. Zu guter letzt konnte man den Spieltisch recht einfach vom Stativ trennen, sodass ich das Instrument sogar mehrfach für Vorspiele transportiert habe. Kein Wunder also, dass ich es über 6 Jahre lang jeden Tag nutzte.

Im Grunde hätte ich es noch viele Jahre weiter nutzen können, wenn da nicht Ebay wäre... ;-) Dort stolperte ich am Morgen des 14.06.11 über ein CVP-409 in schwarzem Hochglanz-Lack. Das Instrument gehört zur Nachfolge-Serie des 305, war aber in diesem Fall das größte, beste, teuerste und edelste Modell mit einem Neupreis von sagenhaften 7.590 €!

Eigentlich war ich immer der Auffassung, dass diese Geräte kein gutes Preis-/Leistungsverhältnis haben, sie sind einfach viel zu teuer. Im Prinzip denke ich das auch jetzt noch, aber wenn man solch ein Instrument, das gebraucht sehr selten angeboten wird, quasi unbespielt und neuwertig für wenig mehr als die Hälfte des Neupreises bekommen kann, gerät man schon ins Grübeln.

Es war also eine recht spontane Entscheidung bei dem Verkäufer anzurufen und noch am selben Abend vorbei zu fahren um das Instrument einmal anzuspielen. In einer gewissen Vorahnung, dass dieses Teil mich umhauen würde, hatte ich zuvor mein Sparschwein geschlachtet um das Gerät im Falle des Falles direkt mitzunehmen.

Und so kam es wie es kommen musste: hingefahren, angespielt, verliebt, gekauft! Damit habe ich zwar so viel Geld wie nie zuvor für ein E-Piano bezahlt, aber was ich dafür bekommen habe ist wirklich atemberaubend. Die nackten Zahlen (1.089 Sounds, 408 Rhythmen, 256-stimmig polyphon, riesiges Farb-TFT-Display) spiegeln die Faszination dieses Instrumentes nur annähernd wieder.

Ich bin mit Superlativen recht vorsichtig, weil sie mit einigen Jahren Abstand in der Regel durch neue Superlative übertrumpft werden müssen, die Technik macht eben immer Fortschritte. Bei meiner Hammond-Orgel aus dem Jahr 1956 kann ich 1994 wie heute sagen: einen besseren Orgel-Sound gibt es nicht und wird es auch nie geben.

Bei E-Pianos bin ich mir da nicht so sicher, aber dieses CVP-409 ist einfach unglaublich gut und schon verdammt nah dran an einem 80.000-€-Konzertflügel. Die Echtholz-Tastatur entspricht in ihrem Spielverhalten zu 99% (und das ist physisch messbar!) dem größten YAMAHA-Konzertflügel. Der Sound erhält durch eine ausgeklügelte Technik (iAFC) eine klangliche Tiefe, die einen mit geschlossenen Augen wirklich glauben lässt, man sitzt an eben diesem Flügel. 

Dazu kommt, dass dieses CVP-409 für mich so etwas wie eine Aura besitzt, die ich bei elektronischen Instrumenten nur höchst selten empfinde. Dieses Instrument wirkt genau wie die Hammond schon durch das Erscheinungsbild. Man kann das schlecht beschreiben, man muss es erleben. Auch dieses Video gibt nur ansatzweise wieder, wie gut das CVP-409 wirklich ist.