1998 - Einmal Soul und zurück

27.07.1998 - Am Montag, den 27. Juli fragte mich Roland, mit dem ich seit ich denken kann gemeinsam Musik mache (und der heute als Gitarrist der Bundeswehrbigband durch die Lande fährt) ob ich Lust hätte, in einer Soulband einzusteigen. Ich hatte! Das war genau mein Ding und es hat viel Spaß gemacht, diese Musik zu spielen. Nach vier Jahren machte ich dann eine weitere wertvolle Erfahrung: kopiere niemals persönliche Lead-Sheets für eine Vertretung...

Von 1998 bis 2002 spielte ich in einer Bonner Soulband. Ich sprang damals recht kurzfristig ein. In einer knackigen 3-Stunden-Probe schafften wir das gesamte Programm, das bereits am darauf folgenden Sonntag gespielt werden sollte. Es war zwar ziemlich viel, aber trotzdem gar nicht so schwer, wie man denkt: wenn eine Band schon aufeinander eingespielt ist, kann man sich als Neuling ganz gut "dranhängen".

Es war meine erste Band mit kompletter Bläser-Sektion, fast alle Mitglieder waren Profimusiker. Das Programm war ganz nach meinem Geschmack und reichte von Tower Of Power über James Brown bis hin zu Simply Red. Geld gab es so gut wie keins, da die Band durch die Bläser-Sektion neun Mann stark war. Wenn man die Mini-Gage, die man in einem kleinen Live-Musik-Club bekommt, durch neun teilt, bleibt eine homöopathische Summe übrig, die grade so für das Benzin reicht. Mir war das egal, denn es hat viel Spaß gemacht, diese Stücke zu spielen! Das Highlight war mit Sicherheit der Auftritt als Vorgruppe von Joe Cocker vor 8000 Leuten im Jahr 2000.

Der Tiefpunkt war die Art, wie die Geschichte endete. Ich dachte damals noch, dass erwachsene Menschen in der Lage sind, ein Problem anzusprechen und auszudiskutieren. Doch dann habe ich etwas wertvolles gelernt: manche Leute melden sich einfach gar nicht mehr und man erfährt dann Wochen später durch einen Zufall hintenrum, dass man nicht mehr in der Band ist und jemand anders nun den Job macht! Das war mir neu.

Nicht dass ich schlecht gespielt hätte und mir dadurch den Zorn des Sängers und Bandleaders zugezogen hätte. Es war vielmehr so, dass ich nicht eingesehen habe, warum ich schon um 15 Uhr zu einem Soundcheck (der bei mir 5 Minuten dauert) kommen sollte, wenn der Auftritt erst um 19 Uhr beginnt! Ich sitze nicht vier Stunden sinnlos in der Gegend rum. Bei manchen Gigs ist es nötig einen frühen Soundcheck zu machen, in diesem Fall war es aber totaler Quatsch. Also bin ich um 17 Uhr gekommen und war um Punkt 17.05 Uhr mit meinem Soundcheck fertig. Noch 2 Stunden bis zum Gig. Kein Problem, dachte ich. Es war auch vorher so besprochen worden. Doch ich hatte nicht mit gekränkter Eitelkeit gerechnet, die dazu führte, dass dies mein letzter Gig mit der Band war.

Aber damit nicht genug: der Sänger und Kopf der Band bat mich vor dem nächsten Gig, an dem ich aus terminlichen Gründen nicht mitspielen konnte, meine selbst gefertigten Lead-Sheets für meinen "Sub" (Vertretung) zu kopieren. "Klar, kein Problem" hab ich gesagt und die meisten Sheets kopiert. Das war ganz schön naiv! Da steckten dutzende Stunden Arbeit drin, die ich einfach so hergab. Das Ergebnis war, dass mein Nachfolger, der so genannte "Sub", sich sehr freute, weil ihm das eine Menge Arbeit ersparte. Die Krönung war aber ein Brief, den ich einige Wochen später erhielt, als ich schon wusste, was gelaufen war. Wohlgemerkt durch dritte! Der Sänger bat doch tatsächlich darum, ich solle ihm noch den Rest meiner Noten als Kopie schicken! Das nenne ich dreist!

Damals hab ich mich geärgert, heute kann ich drüber lachen. Denn auch das war eine wichtige Lektion: Lead-Sheets sind mein Kapital und die gebe ich nicht mehr her. Wenn einer mich vertreten möchte, muss er sich die Arbeit selbst machen. Tut mir leid! ;-)