Edward Snowden steht hinterm Fenster und weckt Birnen ein

Text: Daniel Mezger / Regie: Marie Bues / Spiel: Katharina Behrens & Dennis Schwabenland

Eine Koproduktion mit: Schlachthaus Theater Bern, Theater Rampe Stuttgart und Theater Winkelwiese Zürich.

Premiere: Freitag 27. Oktober 2017, 20:30, Schlachthaus Theater Bern


Weitere Vorstellungen Bern: Sa 28. (20:30) / So 29. (19:00) / Mo 30. (19:00) / Di 31. Oktober (19:00)

Theater Rampe Stuttgart: Mi 31. Januar / Do 1. / Fr 2. / Sa 3. Februar 2018 und Mi 18. / Do 19. / Fr. 20. / Sa 21. April 2018, jeweils 20:00

Theater Winkelwiese Zürich: Herbst 2018.


Zum Stück

Lindsay Mills posiert leichtbekleidet vor Sonnenuntergängen, räkelt sich an der Pole-Stange und hat kein Problem sich zu zeigen, hat nur dummerweise einen Freund, der gerade nicht aus Moskau weg kann, und hat drum nun die Wahl zwischen Einfamilienhauspärchenexil oder Skypen über schlechte Verbindungen. Und ach ja, der Freund heisst: Edward Snowden.

Nach „Als ich einmal tot war und Martin L. Gore mich nicht besuchen kam“, macht sich Bues/Mezger/Schwabenland an Teil zwei der „Trilogie der Freiheit“ und stellt so verspielt wie schonungslos die Frage: Wie verändert sich Intimität im Zeitalter der globalen Vernetzung und der permanenten Überwachung?

Beteiligte

Text: Daniel Mezger

Regie: Marie Bues

Spiel: Katharina Behrens & Dennis Schwabenland

Live-Musik: Christine Hasler

Bühne: Heike Mondschein

Video: Elvira Isenring

Dramaturgische Mitarbeit: Martin Bieri

Technik: Tonio Finkam

Produktionsleitung: Annette von Goumoëns

Hintergrund

Als Edward Snowden im Sommer 2013 mit seinen Enthüllungen zum umfassenden Ausmass der NSA-Überwachung ans Licht trat, wurde er sofort zum Gesicht für den Kampf um Privatsphäre im Internet. Aber noch ein anderes Gesicht tauchte in diesem Sommer auf: Das von Lindsay Mills, seiner Freundin, die er in Hawaii zurückgelassen hatte. Lindsay Mills führt einen mitunter recht freizügigen Blog (lsjourney.com), in dem sie sich und ihren Körper präsentiert, gerne im Gegenlicht, dazu lyrische Bestandesaufnahmen ihrer aktuellen Stimmungen. Sie scheint eine deutlich gelassenere Auffassung von Privatsphäre zu haben als ihr Freund und erscheint als Gegenstück zum sicherheitsbewussten Snowden. Als dieser in Moskau Asyl gefunden hatte, zog auch Lindsay teilweise zu ihm. Interviews gab sie nie, zu den Leaks liess sie sich nicht verlauten, bloss ihren Blog nahm sie wieder auf.

Das Stück lässt Lindsay Mills nun zu Wort kommen: Ihr Abarbeiten an ihrem Nerdfreund, der erst abtauchte und dann plötzlich als Symbol wieder da war, ihr Leiden an der Wahlmöglichkeit zwischen Sich-Einsperrenlassen im Pärchendasein in Moskau oder dem Führen einer Fernbeziehung, wo Nähe bloss digital möglich ist.

Lindsay wird zur Stellvertreterin für uns. Auch wir leben zum Teil längst digital, auch wir stellen im Netz Nähe her. Und seit die Öffentlichkeit bis in unsere Wohnzimmer hineinreicht, seit wir von da aus an der Welt teilnehmen, seit wir auf Decknamen und Avatare pfeifen und uns preisgeben, obwohl wir wissen, dass jeder unserer Klicks bewertet und gesehen wird, ist auch unsere Intimität eine andere geworden

Im Stück wird Lindsay Mills nicht bloss von ihrem Freund beobachtet, es klinkt sich bald auch eine weitere Person ein, virtuell und physisch. Social Engineering nennt sich die Technik. Mit ihr sind die Hacker eigentlich am erfolgreichsten. Man schafft Vertrauen, man verschafft sich so Zugang. Und das Ziel von Überwachung scheint dasselbe wie das der Liebe zu sein: grösstmögliche Nähe.

Ein Stück über Liebe und Intimität im Zeitalter der Internetüberwachung.

























































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