Wer der Verfasser dieses inhaltsreichen und sprachgewaltigen Briefes ist, bleibt im Dunkeln, weil die Absenderangabe und überhaupt die Vorrede fehlt. Dies gab zu mancherlei Vermutungen Anlass. Man hielt Paulus, Barnabas, Apollos, Silas, Philippus, ja sogar Aquila und Priszilla für mögliche Verfasser. Paulus kann aber wegen Hebr 2:3 nicht der Verfasser gewesen sein, auch wenn dies Jahrhunderte hindurch geglaubt worden ist, denn er hat seine Lehre, wie er mehrfach betont, direkt vom Herrn und nicht erst durch dessen Jünger empfangen. Es ist aber wahrscheinlich, dass der Verfasser Paulus und Timotheus (Hebr 13:23) nahe stand. Vieles spricht für den redegewandten Apollos (Apg 18:24), an den auch Luther dachte. Doch letzten Endes gilt: "Wer der Verfasser war, weiß eigentlich nur Gott" (Origenes). Er schenkte seiner Gemeinde durch seinen Geist diesen bedeutenden Brief. Nach Wilhelm Michaelis könnte er "bald nach dem Jahre 80" geschrieben worden sein.
Wer waren die Empfänger? Die Überschrift "An die Hebräer" soll aus dem 2. Jahrhundert stammen und aus dem Inhalt gefolgert sein. Die Frage nach den ursprünglichen Empfängern kann so wenig wie die Frage nach dem Verfasser eindeutig beantwortet werden. Es können Judenchristen in der Diaspora gewesen sein, vielleicht der jüdische Teil einer heidenchristlichen Gemeinde. Andererseits haben nach Michaelis "auch Heidenchristen damals eine beträchtliche Vertrautheit mit dem AT besessen", an die der Verfasser anknüpfen konnte, und seine großartigen Ausführungen sind ja für Judenchristen und Heidenchristen in gleicher Weise wichtig, geht es doch zutiefst um die Person Jesu! Seine Größe und Erhabenheit wird immer wieder betont und durch Vergleiche anschaulich gemacht. Jesus ist über die Engel hoch erhaben, er ist wichtiger als Mose und der durch ihn eingeführte neue Bund viel "besser" als der alte. – Ein ganzes Kapitel widmet der Verfasser dem Wesen und dem Kampf des Glaubens (Hebr 11). Auch über die unsichtbare Welt, über den Himmel und seine Bewohner kann man aus diesem Brief viel lernen. Er enthält ernste Ermahnungen, aber auch zu Herzen gehende Ermunterungen für die Gläubigen, den Blick auf die einzigartige Person Jesu zu richten (z.B. Hebr 4:14-16 - Hebr 7:23-25 - Hebr 12:1-2).
Hebr 1:1 - Nachdem Gott in alter Zeit zu vielen Malen und auf vielerlei Weise zu den Vätern gesprochen hat durch die Propheten (1*),
1* o. in den Propheten (1Petr 1:10,11) →📗 →📚
Hebr 1:2 - hat er [nunmehr] in diesen letzten Tagen (2*) zu uns gesprochen durch den Sohn (3*), den er eingesetzt hat zum Erben des Alls (4*), durch den er auch die Weltzeiten (5*) gemacht hat.
2* o. an diesem Ende der Tage (vgl. Jer 23:20 - Hes 38:16 - Dan 10:14 - Hos 3:5 - 1Petr 1:20 - 2Petr 3:3)
3* o. im Sohn [in einem, der Sohn ist] (Joh 1:49)
4* weil er ja auch zusammen mit dem Vater der Schöpfer des Alls ist (Kol 1:16)
5* w. Äonen (vgl. 1Tim 1:17 - 2Tim 1:9 - Hebr 11:3) →📗 →📚
Hebr 1:3 - Er ist die Ausstrahlung (6*) der Herrlichkeit [des Vaters] und die Ausprägung (7*) seines Wesens und trägt das All durch das Wort seiner Kraft (8*); nachdem er die Reinigung von den Sünden (9*) bewirkt hat, hat er sich zur Rechten der Majestät in den [Himmels-]Höhen niedergesetzt (10*) [und ist]
6* o. der Abglanz, das Leuchten
7* o. Ebenbild, Abbild, Abdruck, Prägestempel, griech. charaktär (die charakteristische Eigentümlichkeit verkörpernd wie z. B. das Gepräge einer Münze)
8* Otto Michel versteht unter diesem Tragen "die Bewahrung vor dem Zerfall".
9* durch sein Sterben am Kreuz
10* vgl. Ps 110:1 - Mt 26:64 - Apg 2:34 - Apg 5:31 - Röm 8:34 - Eph 1:20 - Hebr 10:12 - Hebr 12:2 →📗 →📚
Hebr 1:4 - um so viel erhabener (11*) geworden als die Engel, wie er einen vortrefflicheren Namen vor ihnen (12*) ererbt hat.
11* o. größer, mächtiger, höher, besser (vgl. Hebr 7:7)
12* w. über sie hinaus →📗 →📚
Hebr 1:5 - Denn zu welchem der Engel hat [Gott] jemals gesagt: "Mein Sohn bist du, ich habe dich heute gezeugt" und weiter: "Ich will ihm Vater sein und er soll mir Sohn sein" (13*)?
13* vgl. Ps 2:7 - 2Sam 7:14 →📗 →📚
Hebr 1:6 - [Von der Zeit] aber, da er den Erstgeborenen wiederum in die bewohnte Welt (14*) einführt, sagt er: "Und alle Engel Gottes sollen ihn anbeten." (15*)
14* Hier ist bei dem Wort "oikoumenä" (das Bewohnte) nicht nur (wie in Lk 2:1 - Lk 21:26 - Röm 10:18) an den bewohnten Erdkreis, sondern auch an die Engelwelt zu denken.
15* o. sich huldigend vor ihm niederwerfen (Ps 97:7 nach der griech. Übersetzung; vgl. Offb 5:11,12) →📗 →📚
Hebr 1:7 - Von den Engeln sagt er zwar: "Der seine Engel zu Winden macht und seine heiligen Diener zur Feuerflamme",
→📗 →📚
Hebr 1:8 - von dem Sohn aber [steht geschrieben]: "Dein Thron, o Gott (16*), [währt] immer und ewig (17*) und der Stab der Aufrichtigkeit [ist] der [Herrscher-]Stab deines Königtums.
16* Auch in Joh 1:1 - Joh 1:18 - Joh 20:28 - Röm 9:5 - 1Jo 5:20 wird Jesus als "Gott" bezeichnet.
17* o. bis in die fernste Vollendung hinein (w. hinein in den Äon des Äons) (Offb 3:21) →📗 →📚
Hebr 1:9 - Du hast Gerechtigkeit geliebt und Gesetzlosigkeit gehasst; darum hat dich, o Gott (16*), dein Gott mit Freudenöl gesalbt wie [sonst] keinen deiner Gefährten." (18*)
16* Auch in Joh 1:1 - Joh 1:18 - Joh 20:28 - Röm 9:5 - 1Jo 5:20 wird Jesus als "Gott" bezeichnet.
18* o. über deine Genossen hinaus (Ps 104:4 nach der griech. Übersetzung und Ps 45:7,8) →📗 →📚
Hebr 1:10 - Ferner [heißt es] (19*): "Du hast im Anfang (20*), Herr, die Erde gegründet (21*) und die Himmel sind Werke deiner Hände.
19* Ps 102:26-28
20* o. im Uranfang (w. in den Anfängen)
21* o. der Erde ihr Fundament gegeben →📗 →📚
Hebr 1:11 - Sie werden vergehen, du aber bleibst, und sie alle werden wie ein Kleid veralten,
→📗 →📚
Hebr 1:12 - wie einen Umhang wirst du sie zusammenrollen, wie ein Kleid werden sie ausgewechselt werden (22*). Du aber bist [und bleibst] derselbe (23*) und deine Jahre werden nicht zu Ende gehen."
22* o. verändert, verwandelt werden. "Wie ein Kleid" fehlt in einigen Handschriften, sodass es heißt: "und sie werden verwandelt werden".
23* Jesus, wie auch der Vater, verändert sich nicht. Dies ist die Wesensart JAHWEs ("Ich bin, der ich bin", 2Mo 3:14). →📗 →📚
Hebr 1:13 - Zu welchem der Engel aber hat [Gott] jemals gesagt: "Setze dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde zum Schemel deiner Füße hinlege" (24*)?
24* o. als Schemel unter deine Füße lege (zum Schemel deiner Füße mache) (Ps 110:1 - Lk 20:42,43 - Apg 2:34,35) →📗 →📚
Hebr 1:14 - Sind sie nicht alle im heiligen Dienst stehende Geister, ausgesandt zur Hilfeleistung (25*) für die, die das Heil ererben sollen (26*)?
25* o. ein heiliges Amt verwaltende Geister, ausgesandt zur Dienstleistung (w. "liturgische Geister, ausgesandt zur Diakonie")
26* o. die Rettung erlangen sollen. – In außerordentlicher Weise zeigt Hebr. 1 die Größe Christi (vgl. Joh 1:1-3 - Phil 2:5-11 - Kol 1:15-20). →📗 →📚
Hebr 2:1 - Darum (27*) müssen wir umso sorgfältiger auf das Acht geben, was wir gehört haben, damit wir nicht etwa [vom Weg] abkommen (28*).
27* weil Jesus in seiner Person und mit seiner Botschaft die Engel weit überragt
28* o. das Ziel verfehlen (wie ein Schiff, das vom Kurs abkommt), w. vorbeifließen, -gleiten, -treiben →📗 →📚
Hebr 2:2 - Denn wenn [schon] das durch Engel verkündete Wort (29*) [als gültig] bestätigt wurde und jedes Übertreten und Überhören eine gerechte Vergeltung (30*) nach sich zog,
29* insbesondere das Gesetz (Apg 7:38 - Apg 7:53 - Gal 3:19)
30* w. Entlohnung (vgl. Lk 1:20) →📗 →📚
Hebr 2:3 - wie werden [dann] wir entrinnen, wenn wir ein so großes Heil missachten (31*)? Es wurde zu Anfang durch den Herrn [selbst] verkündet und ist uns [dann] von denen bestätigt worden, die [ihn] hörten,
31* o. uns um eine so wichtige Rettung nicht kümmern →📗 →📚
Hebr 2:4 - wobei Gott [selbst] mit Zeugnis abgelegt hat durch Zeichen und Wunder und mancherlei Machttaten und Zuteilungen Heiligen Geistes nach seinem Willen.
→📗 →📚
Hebr 2:5 - Denn nicht Engeln hat er die zukünftige Welt (32*) untergeordnet, von der wir reden;
32* w. die zukünftige bewohnte Welt (o. den zukünftigen bewohnten Erdkreis) (Hebr 1:6) →📗 →📚
Hebr 2:6 - vielmehr hat jemand an einer Stelle (33*) ausdrücklich bezeugt: "Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst, oder des Menschen Sohn, dass du dich seiner annimmst (34*)?
33* w. irgendwo (Ps 8:5,6,7b nach der griech. Übersetzung)
34* o. nach ihm siehst, ihn besuchst, auf ihn achtest, dich um ihn kümmerst →📗 →📚
Hebr 2:7 - Du hast ihn für kurze Zeit unter die Engel erniedrigt (35*), mit Herrlichkeit und Ehre hast du ihn gekrönt (36*),
35* o. Du hast ihn ein wenig unter die Engel erniedrigt o. ein wenig geringer gemacht als die Engel; "brachy" bedeutet "ein wenig" (Joh 6:7 - Apg 27:28) o. "für kurze Zeit" (Lk 22:58 - Apg 5:34).
36* o. bekränzt →📗 →📚
Hebr 2:8 - alles hast du [ihm] untergeordnet – unter seine Füße." Indem er ihm nun "alles (37*) untergeordnet hat", hat er nichts ausgelassen, das ihm nicht untergeordnet wäre (38*). Jetzt allerdings sehen wir noch nichts [davon, dass] ihm "alles (37*) untergeordnet" ist (39*).
37* o. das All (1Kor 15:27,28)
38* o. hat er nichts von der Unterwerfung unter ihn ausgenommen
39* Während David im 8. Psalm bei dieser "Unterordnung" unter die Herrschaft des Menschen zunächst nur an Schafe und Rinder, Vögel und Fische denkt (Ps 8:8,9 - 1Mo 1:28), erlangt das Wort hier prophetische Bedeutung im Blick auf die Herrschaft des wahren "Menschensohnes" Jesus Christus über das Weltall. Zugleich stellt der Verfasser ganz nüchtern-realistisch fest: Noch ist es nicht so weit! →📗 →📚
Hebr 2:9 - Den aber, der "für kurze Zeit unter die Engel erniedrigt" war, [nämlich] Jesus, sehen wir um des Todesleidens willen "mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt (36*)"; sollte er doch durch Gottes Gnade für jeden den Tod schmecken.
36* o. bekränzt →📗 →📚
Hebr 2:10 - Denn es war [Gott] angemessen, für den und durch den das Weltall [existiert], da er viele Söhne zur Herrlichkeit führt, den Begründer ihrer Rettung (40*) durch Leiden zu vollenden (41*).
40* o. den Anführer ihres Heils
41* o. zum Ziel, zur Vollendung, zur Vollkommenheit zu führen →📗 →📚
Hebr 2:11 - Denn der da heiligt und die geheiligt werden, [stammen] alle von einem [Vater]; aus diesem Grunde schämt er sich [auch] nicht, sie "Brüder" zu nennen (42*),
42* Alle Gläubigen "in Christus" (2Kor 5:17) sind nach dem NT Söhne Gottes und Brüder Jesu (Röm 8:29). →📗 →📚
Hebr 2:12 - da er spricht (43*): "Ich will deinen Namen meinen Brüdern verkündigen, inmitten der Gemeinde will ich dir lobsingen"
43* Ps 22:23 - vgl. Mt 12:50 - Mt 28:10 →📗 →📚
Hebr 2:13 - und weiter: "Ich will mein Vertrauen auf ihn setzen" und weiter: "Sieh, ich und die Kinder, die Gott mir gegeben hat." (44*)
44* vgl. Jes 8:17,18 →📗 →📚
Hebr 2:14 - Da nun die Kinder an Blut und Fleisch teilhaben, erhielt auch er in gleicher Weise (45*) Anteil daran, um durch den Tod den außer Wirksamkeit zu setzen (46*), der die Macht über den Tod besitzt, das ist der Teufel,
45* Die Übersetzung "in ähnlicher Weise" ist missverständlich (obwohl sprachlich möglich). Jesus wurde Mensch (Phil 2:7), nicht nur ein den Menschen ähnliches Wesen.
46* o. zunichte zu machen (hinsichtlich seiner Tätigkeit und Geltung zum Verschwinden zu bringen) (2Thes 2:8 - 2Tim 1:10) →📗 →📚
Hebr 2:15 - und um alle die zu befreien, die durch Todesfurcht das ganze Leben hindurch der Sklaverei anheim gefallen waren.
→📗 →📚
Hebr 2:16 - Denn sein [rettendes] Eingreifen gilt ja nicht Engeln, sondern den Nachkommen Abrahams (47*).
47* vgl. Jes 41:8,9 →📗 →📚
Hebr 2:17 - Deshalb war er verpflichtet, in jeder Beziehung den Brüdern gleich zu werden, damit er barmherzig würde und ein treuer Hoherpriester in Bezug auf das [Verhältnis] zu Gott, um die Sünden des Volkes zu sühnen.
→📗 →📚
Hebr 2:18 - Denn worin er selbst versucht wurde und gelitten hat, vermag er denen, die versucht werden, zu helfen (48*).
48* vgl. Mt 4:1 - Mt 26:37-46 - Mt 27:39-44. – Um zutiefst barmherzig zu werden, genügt es nicht, in Gedanken bei den Elenden zu sein, sondern man muss ihr Los wirklich kennen o. gar teilen. →📗 →📚
Hebr 3:1 - Darum, heilige Brüder, Teilhaber der himmlischen Berufung, richtet die Augen auf Jesus (49*), den Apostel und Hohenpriester unseres Bekenntnisses,
49* o. achtet genau auf Jesus, betrachtet sorgfältig Jesus, schaut mit Nachdenken auf Jesus →📗 →📚
Hebr 3:2 - der treu ist dem, der ihn [dazu] gemacht hat, wie [seinerzeit] Mose in [Gottes] ganzem Hause (50*).
50* w. in seinem ganzen Hause. Doch nach 4Mo 12:7 handelt es sich um Gottes Haus. →📗 →📚
Hebr 3:3 - Denn dieser wurde größerer Herrlichkeit wert geachtet als Mose, wie ja auch der Erbauer eines Hauses größere Ehre verdient als das Haus selbst (51*).
51* w. wie ja auch größere Ehre als das Haus der hat, der es hergestellt hat. Jesus ist als Schöpfer (Kol 1:16) über Menschen und Engel hoch erhaben. →📗 →📚
Hebr 3:4 - Jedes Haus wird ja von jemandem erbaut (52*); der aber alles erbaut (52*) hat, [ist] Gott.
52* o. hergestellt, zubereitet →📗 →📚
Hebr 3:5 - Und [was] Mose [betrifft], so war er zwar treu in [Gottes] ganzem Hause (50*) – als Diener (53*) zum Zeugnis für das, was [in Zukunft] verkündet werden sollte (54*) –,
50* w. in seinem ganzen Hause. Doch nach 4Mo 12:7 handelt es sich um Gottes Haus.
53* griech. therapon = (freiwilliger) Diener, Wärter, Pfleger
54* Schon hier klingt an, was Hebr 10:1 noch deutlicher sagt: Das Gesetz (Moses) war nur ein "Schatten zukünftiger Güter". →📗 →📚
Hebr 3:6 - Christus aber [ist treu] als Sohn, [der] über sein Haus [gesetzt ist]; dessen Haus sind wir, sofern wir die freudige Zuversicht [des Glaubens] und das Rühmen der Hoffnung festhalten.
→📗 →📚
Hebr 3:7 - Darum [beachtet], wie der Heilige Geist spricht (55*): "Heute, wenn ihr seine Stimme hört,
55* Das Zitat von Ps 95:7-11 ist Septuaginta-Fassung (Übersetzung des AT ins Griechische) mit geringen Änderungen. →📗 →📚
Hebr 3:8 - verhärtet eure Herzen nicht wie bei der bitteren Auflehnung am Tage der Versuchung in der Wüste,
→📗 →📚
Hebr 3:9 - wo eure Väter [mich] versuchten, indem sie [mich] auf die Probe stellten, und sie sahen meine Werke
→📗 →📚
Hebr 3:10 - vierzig Jahre lang (56*). Darum geriet ich in Zorn (57*) über diese Generation und sprach: Immer gehen sie mit [ihrem] Herzen in die Irre! Sie aber erkannten meine Wege nicht,
56* In Ps 95:10 wird "vierzig Jahre" zum Folgenden gezogen. So auch Hebr 3:17.
57* o. Unwillen, Empörung →📗 →📚
Hebr 3:11 - sodass ich schwor in meinem Zorn: Sie werden gewiss nicht in meine Ruhe eingehen." (58*)
58* w. Wenn sie in meine Ruhe eingehen werden! (hebr. Schwurformel). Vgl. zu Hebr 3:7-11: 2Mo 17:1-7 - 4Mo 14:21-23 - 4Mo 14:34 - 4Mo 20:1-5 - 4Mo 20:13. →📗 →📚
Hebr 3:12 - Seht zu, Brüder, dass nicht in einem von euch ein böses Herz des Unglaubens sei, das im Begriff ist, von dem lebendigen Gott abzufallen,
→📗 →📚
Hebr 3:13 - vielmehr ermuntert euch jeden Tag, solange es "heute" heißt (59*), damit nicht einer von euch durch den Betrug der Sünde verhärtet werde.
59* o. solange das "Heute" ausgerufen wird, vgl. Lk 19:5 - Lk 19:9 - 2Kor 6:1-2 - Hebr 4:7 →📗 →📚
Hebr 3:14 - Sind wir doch Teilhaber des Christus (60*) geworden, sofern wir das feste [Glaubens-]Fundament des Anfangs (61*) bis zum Ende unerschütterlich festhalten (62*).
60* o. Teilhaber des Messias (vgl. die Bezeichnungen "Brüder Christi", "Haus Christi", "Teilhaber der himmlischen Berufung" in Hebr 2:11 u. Hebr 3:1 - Hebr 3:6)
61* o. die anfängliche Standhaftigkeit (Gewissheit, Glaubenszuversicht)
62* o. fest bewahren →📗 →📚
Hebr 3:15 - Wenn [nun] gesagt wird: "Heute, wenn ihr seine Stimme hört, verhärtet eure Herzen nicht wie bei der bitteren Auflehnung" (63*) –
63* vgl. Hebr 3:7,8 →📗 →📚
Hebr 3:16 - wer waren denn die, die [sie] hörten und sich erbittert auflehnten (64*)? [Waren es] nicht alle, die unter Mose aus Ägypten ausgezogen waren?
64* o. welche denn haben gehört und voll Bitterkeit aufbegehrt →📗 →📚
Hebr 3:17 - Welchen aber zürnte er (65*) vierzig Jahre lang? Nicht denen, die gesündigt hatten, deren "Leiber in der Wüste fielen" (66*)?
65* Das griech. Wort für "zürnen" drückt Empörung, Entrüstung, Unwillen aus.
66* Zitat aus 4Mo 14:29 - 4Mo 14:32 →📗 →📚
Hebr 3:18 - Welchen aber schwor er, dass sie keinesfalls in seine Ruhe eingehen würden, wenn nicht jenen, die ungehorsam (67*) gewesen waren?
67* o. unfolgsam, widerspenstig (vgl. Tit 1:16 - Tit 3:3) →📗 →📚
Hebr 3:19 - Und wir sehen, dass sie nicht hineinkommen konnten wegen [ihres] Unglaubens (68*).
68* vgl. 4Mo 14:11 - Mt 13:58 sowie Hebr 11! →📗 →📚
Hebr 4:1 - So lasst uns denn mit Furcht darauf bedacht sein, dass nicht einer von euch den Anschein erweckt, zurückgeblieben zu sein [und nicht ans Ziel zu gelangen]; noch steht [die Erfüllung] der Verheißung ja aus, "in seine Ruhe einzugehen" (69*).
69* Die "Ruhe", in die Josua das Volk Israel durch die Einnahme des verheißenen Landes einführte (Jos 21:44 - Jos 22:4), wird zum Bild für die Vollendung der Gemeinde Jesu in Herrlichkeit. Noch ist diese "Ruhe" nicht erreicht. Auch Josua brachte Israel noch nicht zur bleibenden "Ruhe des Volkes Gottes" (Hebr 4:9). Was Josua nicht voll verwirklichen konnte, wird Jesus hinausführen. →📗 →📚
Hebr 4:2 - Denn auch uns ist, wie jenen, eine frohe Botschaft verkündigt worden; doch das gehörte Wort (70*) nützte jenen nichts, weil es sich bei den Hörern nicht mit dem Glauben verband (71*).
70* o. das Wort der Kunde (w. des Gehörten)
71* o. weil es bei den Hörern nicht mit dem Glauben zusammengeschlossen (w. zusammengemischt) war. – Diese Lesart ist der anderen wohl vorzuziehen, die lautet: "weil sie nicht mit jenen verbunden waren, die gläubig zuhörten". →📗 →📚
Hebr 4:3 - Doch als Gläubiggewordene gehen wir in die Ruhe ein, während [Gott über die Ungehorsamen] gesagt hat (72*): "Ich schwor in meinem Zorn: Sie werden gewiss nicht in meine Ruhe eingehen", obwohl die Werke [Gottes] von Anbeginn der Welt an fertig waren (73*).
72* vgl. Hebr 3:11 - Ps 95:11
73* w. entstanden, geworden waren →📗 →📚
Hebr 4:4 - [Die Schrift] hat ja irgendwo über den siebten [Tag] Folgendes gesagt: "Und Gott ruhte am siebten Tag von allen seinen Werken (74*)."
74* Die Ruhe Gottes am Ende des Sechstagewerkes (1Mo 2:2) war längst vorhanden und damit die Möglichkeit auch für die Menschen gegeben, durch den Glauben in die Ruhe Gottes einzugehen. →📗 →📚
Hebr 4:5 - Und hier nun (75*) [heißt es] wiederum: "Sie werden gewiss nicht in meine Ruhe eingehen."
75* o. Und an dieser (Stelle); vgl. Ps 95:11 - Hebr 3:11 - Hebr 4:3 →📗 →📚
Hebr 4:6 - Weil es nun dabei bleibt, dass einige in sie eingehen werden, während die, denen die frohe Botschaft zuerst verkündigt worden war (76*), um [ihres] Ungehorsams willen nicht hineingekommen sind,
76* nämlich die erste Generation jener Israeliten, die aus Ägypten ausgezogen waren und denen das "Land der Verheißung" = "die Ruhe des Volkes Gottes" versprochen worden war →📗 →📚
Hebr 4:7 - bestimmt [Gott] noch einmal einen Tag, ein "Heute", und sagt durch David (77*) nach so langer Zeit – wie es vorhin (78*) erwähnt worden ist –: "Heute, wenn ihr seine Stimme hört, verhärtet eure Herzen nicht!"
77* in Ps 95:7
78* in Hebr 3:7,8 - Hebr 3:15 →📗 →📚
Hebr 4:8 - Denn wenn Josua (79*) sie zur Ruhe gebracht hätte, würde [Gott] nicht von einem anderen Tag nach dieser [Zeit] gesprochen haben.
79* griech. dasselbe Wort wie "Jesus". Tatsächlich ist Josua in der Typologie des AT (neben Mose, Josef, David u.a.) in bestimmter Beziehung ein Hinweis auf Jesu Person und Werk. →📗 →📚
Hebr 4:9 - Somit bleibt dem Volke Gottes noch eine Sabbatruhe übrig (80*).
80* o. vorbehalten (eine Zeit der Vollendung und Erquickung: Phil 1:6 - 2Thes 1:7) →📗 →📚
Hebr 4:10 - Denn wer in seine Ruhe eingegangen ist, der ist auch selbst von seinen Werken zur Ruhe gekommen, wie Gott von den seinigen.
→📗 →📚
Hebr 4:11 - So lasst uns nun eifrig bemüht sein, in jene Ruhe einzugehen, damit nicht etwa einer nach demselben Beispiel des Ungehorsams (81*) zu Fall komme!
81* o. der Widerspenstigkeit (Röm 11:30-32 - Eph 2:2 - Eph 5:6 - Tit 1:16 - Tit 3:3 - Hebr 4:6) →📗 →📚
Hebr 4:12 - Denn lebendig [ist] das Wort Gottes und wirksam (82*) und schärfer schneidend als jedes zweischneidige Schwert (83*) und durchdringend, bis es Seele und Geist, Gelenke und Mark [voneinander] trennt (84*), und ein Richter (85*) der Überlegungen und Gedanken des Herzens,
82* o. ergiebig, "energisch", wirksam arbeitend
83* vgl. Ri 3:16 - Spr 5:4 - Eph 6:17
84* Die sichtbaren Dinge (Schwert, Krieg, das Schlachtmesser zum Schlachten der Opfertiere o. das Messer des Operateurs) werden zum Bild für Unsichtbares, nämlich für die Scheidung (Trennung, Unterscheidung) von Seele und Geist, der psychischen und pneumatischen Bereiche, die auch Paulus unterscheidend erwähnt (1Kor 2:12-15 - 1Kor 15:44 - 1Thes 5:23).
85* o. kritischer Beurteiler (griech. kritikos) →📗 →📚
Hebr 4:13 - und kein Geschöpf ist vor ihm (86*) unsichtbar (87*), vielmehr [ist] alles bloß und aufgedeckt (88*) vor den Augen dessen, dem wir Rechenschaft zu geben haben (89*).
86* d.h. vor dem Wort (das zutiefst Jesus selber ist: Joh 1:1-3 - Offb 19:13)
87* Kein Geschöpf kann sich seinem prüfenden Blick entziehen.
88* o. offen gelegt, freigelegt (das zugrunde liegende Bild betrifft den entblößten Hals des Opfertieres)
89* vgl. Röm 14:12 →📗 →📚
Hebr 4:14 - Da wir nun einen großen Hohenpriester haben, der die Himmel durchschritten hat, Jesus, den Sohn Gottes, so lasst uns an dem Bekenntnis festhalten!
→📗 →📚
Hebr 4:15 - Wir haben ja nicht einen Hohenpriester, der mit unseren Schwachheiten (90*) nicht mitfühlen könnte, sondern [einen solchen], der in jeder Beziehung in gleicher Weise [wie wir] versucht worden ist, [doch blieb er] ohne Sünde (91*).
90* o. Kraftlosigkeiten, Schwächezuständen, Krankheiten
91* vgl. Hebr 2:17,18 - 2Kor 5:21 - 1Petr 2:22 - 1Jo 3:5 →📗 →📚
Hebr 4:16 - So lasst uns nun mit freudiger Zuversicht (92*) hinzutreten zum Thron der Gnade, damit wir Erbarmen erlangen und Gnade finden zu rechtzeitiger Hilfe!
92* o. frei und offen redend (freimütig) →📗 →📚
Hebr 5:1 - Denn jeder aus [der Mitte der] Menschen genommene Hohepriester wird für Menschen eingesetzt in ihren Beziehungen zu Gott, um Gaben und Schlachtopfer für die Sünden darzubringen,
→📗 →📚
Hebr 5:2 - wobei er mit den Unwissenden und Irrenden mitfühlend umzugehen vermag (1*), weil er ja auch selbst mit Schwachheit behaftet ist (2*),
1* o. Nachsicht zu haben vermag (verständnisvoll umgehen kann)
2* w. umkleidet ist (Schwachheit rundherum an sich trägt) →📗 →📚
Hebr 5:3 - und um dieser [Schwachheit] willen muss er, wie für das Volk, so auch für sich selbst [Opfer] für die Sünden darbringen.
→📗 →📚
Hebr 5:4 - Und keiner nimmt sich eigenmächtig diese Würde (3*), sondern er wird von Gott berufen, wie [seinerzeit] Aaron (4*).
3* o. Ehre
4* vgl. 2Mo 28:1 →📗 →📚
Hebr 5:5 - So hat auch der Christus sich nicht selbst die Ehre (5*) verliehen, Hoherpriester zu werden, sondern der, der zu ihm sprach: "Mein Sohn bist du, ich habe dich heute gezeugt" (6*),
5* o. Herrlichkeit
6* also Gott der Vater (Ps 2:7 - Hebr 1:5) →📗 →📚
Hebr 5:6 - wie er auch an einer anderen [Stelle] sagt: "Du [bist] Priester in Ewigkeit (7*) nach der Ordnung Melchisedeks." (8*)
7* w. in den Äon (in die kommende Weltzeit hinein) (vgl. Joh 4:14 - Joh 6:51)
8* vgl. Ps 110:4 - 1Mo 14:18-20 - Hebr 6:20 - Hebr 7:17 - Hebr 7:21 →📗 →📚
Hebr 5:7 - Er hat in den Tagen seines Lebens im Fleisch (9*) dringendes Bitten und Flehen mit starkem Geschrei und Tränen dem dargebracht, der ihn aus dem Tod zu erretten vermochte, und ist [seiner] Gottesfurcht wegen (10*) erhört worden (11*).
9* w. in den Tagen seines Fleisches
10* o. auf Grund seiner ehrfurchtsvollen Scheu
11* Es ist wohl an Jesu Ringen im Garten Gethsemane zu denken (Lk 22:39-44). Wieso aber wurde er erhört? Es gibt mehrere Deutungen:
a) Er wurde von Angst befreit. -
b) Gott sandte zu seiner Stärkung einen Engel (Lk 22:43). -
c) Gott schenkte es ihm, aufs Neue mit dem Willen seines Vaters eins zu werden (Mt 26:39 - Mt 26:42). -
d) Bestand dort im Garten für Jesus Todesgefahr, wollte ihn der Satan schon vor Golgatha töten? Jesus bat darum, dass dies nicht geschehen möge. -
e) Der Vater erhörte ihn, indem er ihn keineswegs dem Tod überließ, sondern am dritten Tag aus den Toten auferweckte. →📗 →📚
Hebr 5:8 - So hat er, obwohl er [Gottes] Sohn war (12*), an dem, was er litt, den Gehorsam gelernt,
12* o. trotz seiner Sohnesstellung →📗 →📚
Hebr 5:9 - und nachdem er zur Vollendung gelangt war (13*), ist er allen, die ihm gehorchen, der Urheber ewigen Heils (14*) geworden,
13* o. zum Ziel, zur Vollkommenheit gebracht worden war (Hebr 2:10)
14* o. der Veranlasser (die Ursache) ewiger Rettung →📗 →📚
Hebr 5:10 - von Gott angeredet (15*) als "Hoherpriester nach der Ordnung Melchisedeks".
15* o. begrüßt, bezeichnet, proklamiert →📗 →📚
Hebr 5:11 - Darüber hätten wir viel zu sagen, doch es ist mit Worten schwer zu erklären (16*), weil ihr im Hören (17*) träge geworden seid.
16* o. Darüber hätten wir eine lange und schwer auszudrückende Rede zu halten
17* o. mit den Ohren →📗 →📚
Hebr 5:12 - Denn während ihr der Zeit nach [schon] Lehrer sein solltet, habt ihr es wieder nötig, dass man euch über die Grundelemente des Anfangs (18*) der Aussprüche Gottes belehrt, und ihr braucht Milch, nicht feste Speise (19*).
18* o. die allerersten Grundlagen, die ersten Lektionen, das ABC. – Vgl. zu "Grundelemente" Gal 4:3 mit Anm. 2!
19* o. und ihr seid (solche) geworden, die Milch nötig haben und nicht feste Nahrung →📗 →📚
Hebr 5:13 - Denn jeder, der [noch] Milch genießt, ist unerfahren im Wort der Gerechtigkeit, denn er ist ein unmündiges Kind (20*);
20* vgl. 1Kor 3:1,2 →📗 →📚
Hebr 5:14 - für die Erwachsenen (21*) aber ist die feste Speise da – für die, die infolge der Gewöhnung geübte Sinne haben (22*), um Gut und Böse unterscheiden zu können.
21* o. Gereiften, zum Ziel der Vollendung Strebenden (vgl. Phil 3:15)
22* o. deren Sinne durch Übung geschult sind →📗 →📚