Fotos von der Restaurierung der Ulrichkapelle 2021 hjc
Impressionen aus der Christuskirche von Melanie Stuhlfauth:
Zu Veranstaltungen: Jazzgottesdienst mit Swing in, Konzert des evangelischen Kirchenchor Haßloch, Orgelimprovisation New Journey mit Chris Jarrett
Hist. Postkarte von der Christuskirche
Die Christuskirche
Abschrift aus dem Kirchenführer Haßloch – protestantische Kirchen in Haßloch
Herausgegeben 2004 von der prot. Kirchengemeinde Haßloch
Die Redaktion des folgenden Textes hatte Karl-Heinz Walz früher Chorleiter und Organist – gestorben …
Wenn ein Fremder unsere Christuskirche betritt, wundert er sich meist über die für ihn merkwürdig anmutende Anordnung des Kirchengestühls. Um diese richtig zu verstehen, sollten wir zunächst einen kleinen Ausflug in die Geschichte unserer Kirche unternehmen. Der eilige Leser mag diesen Teil übergehen und im Abschnitt Innenausstattung weiterlesen.
Geschichte
Von den drei Kirchen, die Haßloch im 14. Jahrhundert besaß, überstand nur die Ulrichskapelle die Wirren des 30-jährigen Krieges.
Die ursprüngliche Hauptkirche, die 1253 erstmals urkundlich erwähnte Galluskirche wurde im Dezember 1621 durch spanische Truppen niedergebrannt und hernach nicht wieder aufgebaut. Ihre Ruine fiel bei einem Sturm am 8. November 1724 in sich zusammen.
Die Margarethenkapelle ging nach der Einführung der Reformation in den Besitz der politischen Gemeinde über und diente bis 1707 als öffentliche Mehlwaage.
1652 also vier Jahre nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges lebte in Haßloch nur noch ein knappes Viertel der Vorkriegsbevölkerung, nämlich 360 Menschen.
2507 Morgen Ackerland lag unangebaut und verwildert.
Nur 409 Morgen wurden kultiviert.
Ähnliche Verhältnisse gab es in der gesamten Kurpfalz. Deshalb suchte man mit besonderen Privilegien - u. a. die Religionsfreiheit - Ausländer zur Zuwanderung zu bewegen. Damit ging jedoch die konfessionelle Einheit, wie sie bis 1618 geherrscht hatte, verloren. Mit der starken Zuwanderung aus der Schweiz und aus Frankreich kamen auch Lutheraner und Katholiken nach Haßloch, allerdings in so geringer Zahl, dass sie keine eigenen Gemeinden bilden konnten.
Einen neuen Schicksalsschlag hält das Jahr 1689 für Haßloch bereit. Im pfälzischen Erbfolgekrieg (1688-1697) wird der Ort wie das gesamte Gebiet der Kurpfalz durch die Franzosen niedergebrannt. Unter der anschließenden französischen Besatzung fand eine konsequente Rekatholisierungspolitik statt. 1698 nach dem Abzug der Franzosen verfügte der katholische Kurfürst Johann Wilhelm (1690-1716) in der ganzen Kurpfalz das Simultaneum. „Obwohl weit weniger als ein Drittel der Bevölkerung katholisch war, mussten die Reformierten ihre Kirche nun mit den Katholiken teilen, während die Lutheraner unberücksichtigt blieben." Erst durch die Religionsdeklaration von 1705 erhalten die Reformierten in Haßloch das alleinige Nutzungsrecht an der Ulrichskapelle zurück.
Den Katholiken wurde die frühere Margarethenkapelle, die seit der Reformation als öffentliche Mehlwaage gedient hatte, zugewiesen. Die Lutheraner gingen abermals leer aus. Da es vor dem 30-jährigen Krieg keine Lutheraner in der Kurpfalz gegeben hatte, konnten diese sich nicht auf alte Rechte berufen, so dass sie „bald in entlehnten Stuben, bald in Schemen ja mehrmals unter freiem Himmel in Regen und Schmer sich versammelt und sich elend behelfen" mussten. Durch das Anwachsen der reformierten Gemeinde in den Zeiten des Wiederaufbaus war jedoch die Ulrichska-pelle während der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts zu klein geworden. Deshalb stellte man 1740 einen Antrag auf Erneuerung der zu kleinen und baufälligen Ulrichska-pelle. Während der nächsten zehn Jahre wurden jedoch alle entsprechenden Anträge abgelehnt. Den Durchbruch brachte wohl die persönliche Vorsprache des Pfarrers Serini bei der kurfürstlichen Verwaltung. Einen Hinweis darauf finden wir in der Almosenrechnung: „weiters seynd von dem Hern Pfr. Serini wegen treibung unsers Kirchenbaues auf Manh. Heydlberg u. Schwetzingen, vor 32. Täg Diaeten Tägl. 2 fl. von Mann u. Pferd gerechnet worden 64 fl., darauf hat Er abschl. Empfangen 31 fl., den Rest der 33 fl. hatt Her Pfr. zu der neuen Orgel vermacht."
Um die „Hinhaltetaktik" der kurfürstlichen Verwaltung richtig einzuordnen, muss man sich allerdings vor Augen halten, dass der Baubestand in der Kurpfalz insgesamt durch die Kriege des 17. Jahrhundert stark in Mitleidenschaft gezogen war. Hinzu belasteten gewaltige Bauvorhaben die Staatskassen. Man denke nur an das Mannheimer Schloss, den Neubau der Stadt Mannheim, den Wiederaufbau von Heidelberg, Frankenthal und Kaiserslautern. Im Übrigen überbot die Neubautätigkeit im 18. Jahrhundert die Zeit nach dem 2. Weltkrieg bei Weitem.
Im heutigen Bereich der Pfälzischen Landeskirche entstehen zu jener Zeit 213 neue Kirchen, sowie 36 größere Um- bzw. Wiederaufbauten. Dabei wurde von Seiten der kurfürstlichen Verwaltung größter Wert auf sparsames Bauen gelegt. Dies ließ sich gut mit der reformierten Forderung nach nüchterner Strenge und biblischer Einfachheit in der Gestaltung von Gottesdienst und Kirchenbau verbinden. Deshalb wurde auch auf jeglichen an den Katholizismus erinnernden Schmuck verzichtet.
Mit der Planung unserer Christuskirche wurde kein geringerer als der kurpfälzische Hofbaumeister Franz Wilhelm Rabaliat durch das Oberamt Neustadt beauftragt.Er vollendete u.a. die Jesuitenkirchen in Mannheim und Heidelberg nach dem Tode seines berühmten Vorgängers Alesandro Galli da Bibiena.
Für den Bau seiner Dorfkirchen bevorzugte er einer Einheitstypus. So wundert es nicht, dass für die Planungen von Haßloch die Pläne der Edenkobener reformierten Kirche herangezogen wurden. Allerdings erhält unsere Kirche im Gegensatz zu Edenkoben, wo noch ein reiner Rechtecksaal gebaut wurde, einen dreiseitigen Chorabschluss. Mit Sicherheit geht dies auf die mit Jesuiten besetzte Kurpfälzische Geistliche Güteradmi-nistration in Heidelberg zurück.
Diese forderte: „sollte nämlich über kurz oder lang nach der göttlichen Vorsicht (Vorsehung) die Vereinigung derer Religionen erfolgen, so kann alsdann zum Behuf deren Catholicorum dergleichen Kirchen eben so wohl zum Dienst Gottes aptiert werden, als wann annoch ein geringes ohne Raum seiendes Chor abhanden."
Spätestens jetzt wird sich der Leser fragen, wieso überhaupt unsere Kirche von der kurpfälzischen Administration erbaut wurde?
Die Antwort auf diese Frage findet sich in der Inschrift über dem Hauptportal:
DIESES GOTTESHAUS IST VON CHURPFAELTZ HOCHLÖLBL HOFCAMER AUCH VON HOCHLÖBL GEISTL ADMINISTRATION UND VON FREYHERN VON SCHLITER HERN ERBEN ALS HIESIGEN ZEHEN HERRN ZUM ALLEINIGEN GEBRAUCH DERER REFORMIRTEN VON GRUND AUS NEU MERBAUET WORDEN ANNO MDCCLII
Bis zur französischen Revolution waren die Inhaber des Großen Zehnten zum Bau und Unterhalt der Hauptkirche einer Gemeinde verpflchtet.Die innere Ausgestaltung erfolgte jedoch durch die Kirchengemeinde selbst. Und damit kehren wir wieder zum Inneren der Kirche zurück.
--------------------------------------------------------------------------------------------------------
weitere interessante Kapitel zur Christuskirche , so z.B. zur Innenausstattung, zu den Fenstern , zu den Medaillons, zu baulichen Veränderungen etc. enthält o.a. Broschüre aus dem Jahr 2004.
Die Christuskirche
Abschrift aus dem Kirchenführer Haßloch – protestantische Kirchen in Haßloch
Herausgegeben 2004 von der prot. Kirchengemeinde Haßloch
Die Redaktion des folgenden Textes hatte Karl-Heinz Walz früher Chorleiter und Organist – gestorben …
Wenn ein Fremder unsere Christuskirche betritt, wundert er sich meist über die für ihn merkwürdig anmutende Anordnung des Kirchengestühls. Um diese richtig zu verstehen, sollten wir zunächst einen kleinen Ausflug in die Geschichte unserer Kirche unternehmen. Der eilige Leser mag diesen Teil übergehen und im Abschnitt Innenausstattung weiterlesen.
Geschichte
Von den drei Kirchen, die Haßloch im 14. Jahrhundert besaß, überstand nur die Ulrichskapelle die Wirren des 30-jährigen Krieges.
Die ursprüngliche Hauptkirche, die 1253 erstmals urkundlich erwähnte Galluskirche wurde im Dezember 1621 durch spanische Truppen niedergebrannt und hernach nicht wieder aufgebaut. Ihre Ruine fiel bei einem Sturm am 8. November 1724 in sich zusammen.
Die Margarethenkapelle ging nach der Einführung der Reformation in den Besitz der politischen Gemeinde über und diente bis 1707 als öffentliche Mehlwaage.
1652 also vier Jahre nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges lebte in Haßloch nur noch ein knappes Viertel der Vorkriegsbevölkerung, nämlich 360 Menschen.
2507 Morgen Ackerland lag unangebaut und verwildert.
Nur 409 Morgen wurden kultiviert.
Ähnliche Verhältnisse gab es in der gesamten Kurpfalz. Deshalb suchte man mit besonderen Privilegien - u. a. die Religionsfreiheit - Ausländer zur Zuwanderung zu bewegen. Damit ging jedoch die konfessionelle Einheit, wie sie bis 1618 geherrscht hatte, verloren. Mit der starken Zuwanderung aus der Schweiz und aus Frankreich kamen auch Lutheraner und Katholiken nach Haßloch, allerdings in so geringer Zahl, dass sie keine eigenen Gemeinden bilden konnten.
Einen neuen Schicksalsschlag hält das Jahr 1689 für Haßloch bereit. Im pfälzischen Erbfolgekrieg (1688-1697) wird der Ort wie das gesamte Gebiet der Kurpfalz durch die Franzosen niedergebrannt. Unter der anschließenden französischen Besatzung fand eine konsequente Rekatholisierungspolitik statt. 1698 nach dem Abzug der Franzosen verfügte der katholische Kurfürst Johann Wilhelm (1690-1716) in der ganzen Kurpfalz das Simultaneum. „Obwohl weit weniger als ein Drittel der Bevölkerung katholisch war, mussten die Reformierten ihre Kirche nun mit den Katholiken teilen, während die Lutheraner unberücksichtigt blieben." Erst durch die Religionsdeklaration von 1705 erhalten die Reformierten in Haßloch das alleinige Nutzungsrecht an der Ulrichskapelle zurück.
Den Katholiken wurde die frühere Margarethenkapelle, die seit der Reformation als öffentliche Mehlwaage gedient hatte, zugewiesen. Die Lutheraner gingen abermals leer aus. Da es vor dem 30-jährigen Krieg keine Lutheraner in der Kurpfalz gegeben hatte, konnten diese sich nicht auf alte Rechte berufen, so dass sie „bald in entlehnten Stuben, bald in Schemen ja mehrmals unter freiem Himmel in Regen und Schmer sich versammelt und sich elend behelfen" mussten. Durch das Anwachsen der reformierten Gemeinde in den Zeiten des Wiederaufbaus war jedoch die Ulrichska-pelle während der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts zu klein geworden. Deshalb stellte man 1740 einen Antrag auf Erneuerung der zu kleinen und baufälligen Ulrichska-pelle. Während der nächsten zehn Jahre wurden jedoch alle entsprechenden Anträge abgelehnt. Den Durchbruch brachte wohl die persönliche Vorsprache des Pfarrers Serini bei der kurfürstlichen Verwaltung. Einen Hinweis darauf finden wir in der Almosenrechnung: „weiters seynd von dem Hern Pfr. Serini wegen treibung unsers Kirchenbaues auf Manh. Heydlberg u. Schwetzingen, vor 32. Täg Diaeten Tägl. 2 fl. von Mann u. Pferd gerechnet worden 64 fl., darauf hat Er abschl. Empfangen 31 fl., den Rest der 33 fl. hatt Her Pfr. zu der neuen Orgel vermacht."
Um die „Hinhaltetaktik" der kurfürstlichen Verwaltung richtig einzuordnen, muss man sich allerdings vor Augen halten, dass der Baubestand in der Kurpfalz insgesamt durch die Kriege des 17. Jahrhundert stark in Mitleidenschaft gezogen war. Hinzu belasteten gewaltige Bauvorhaben die Staatskassen. Man denke nur an das Mannheimer Schloss, den Neubau der Stadt Mannheim, den Wiederaufbau von Heidelberg, Frankenthal und Kaiserslautern. Im Übrigen überbot die Neubautätigkeit im 18. Jahrhundert die Zeit nach dem 2. Weltkrieg bei Weitem.
Im heutigen Bereich der Pfälzischen Landeskirche entstehen zu jener Zeit 213 neue Kirchen, sowie 36 größere Um- bzw. Wiederaufbauten. Dabei wurde von Seiten der kurfürstlichen Verwaltung größter Wert auf sparsames Bauen gelegt. Dies ließ sich gut mit der reformierten Forderung nach nüchterner Strenge und biblischer Einfachheit in der Gestaltung von Gottesdienst und Kirchenbau verbinden. Deshalb wurde auch auf jeglichen an den Katholizismus erinnernden Schmuck verzichtet.
Mit der Planung unserer Christuskirche wurde kein geringerer als der kurpfälzische Hofbaumeister Franz Wilhelm Rabaliat durch das Oberamt Neustadt beauftragt.Er vollendete u.a. die Jesuitenkirchen in Mannheim und Heidelberg nach dem Tode seines berühmten Vorgängers Alesandro Galli da Bibiena.
Für den Bau seiner Dorfkirchen bevorzugte er einer Einheitstypus. So wundert es nicht, dass für die Planungen von Haßloch die Pläne der Edenkobener reformierten Kirche herangezogen wurden. Allerdings erhält unsere Kirche im Gegensatz zu Edenkoben, wo noch ein reiner Rechtecksaal gebaut wurde, einen dreiseitigen Chorabschluss. Mit Sicherheit geht dies auf die mit Jesuiten besetzte Kurpfälzische Geistliche Güteradmi-nistration in Heidelberg zurück.
Diese forderte: „sollte nämlich über kurz oder lang nach der göttlichen Vorsicht (Vorsehung) die Vereinigung derer Religionen erfolgen, so kann alsdann zum Behuf deren Catholicorum dergleichen Kirchen eben so wohl zum Dienst Gottes aptiert werden, als wann annoch ein geringes ohne Raum seiendes Chor abhanden."
Spätestens jetzt wird sich der Leser fragen, wieso überhaupt unsere Kirche von der kurpfälzischen Administration erbaut wurde?
Die Antwort auf diese Frage findet sich in der Inschrift über dem Hauptportal:
DIESES GOTTESHAUS IST VON CHURPFAELTZ HOCHLÖLBL HOFCAMER AUCH VON HOCHLÖBL GEISTL ADMINISTRATION UND VON FREYHERN VON SCHLITER HERN ERBEN ALS HIESIGEN ZEHEN HERRN ZUM ALLEINIGEN GEBRAUCH DERER REFORMIRTEN VON GRUND AUS NEU MERBAUET WORDEN ANNO MDCCLII
Bis zur französischen Revolution waren die Inhaber des Großen Zehnten zum Bau und Unterhalt der Hauptkirche einer Gemeinde verpflchtet.Die innere Ausgestaltung erfolgte jedoch durch die Kirchengemeinde selbst. Und damit kehren wir wieder zum Inneren der Kirche zurück.
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weitere interessante Kapitel zur Christuskirche , so z.B. zur Innenausstattung, zu den Fenstern , zu den Medaillons, zu baulichen Veränderungen etc. enthält o.a. Broschüre aus dem Jahr 2004.
Die Christuskirche
Abschrift aus dem Kirchenführer Haßloch – protestantische Kirchen in Haßloch
Herausgegeben 2004 von der prot. Kirchengemeinde Haßloch
Die Redaktion des folgenden Textes hatte Karl-Heinz Walz früher Chorleiter und Organist – gestorben …
Wenn ein Fremder unsere Christuskirche betritt, wundert er sich meist über die für ihn merkwürdig anmutende Anordnung des Kirchengestühls. Um diese richtig zu verstehen, sollten wir zunächst einen kleinen Ausflug in die Geschichte unserer Kirche unternehmen. Der eilige Leser mag diesen Teil übergehen und im Abschnitt Innenausstattung weiterlesen.
Geschichte
Von den drei Kirchen, die Haßloch im 14. Jahrhundert besaß, überstand nur die Ulrichskapelle die Wirren des 30-jährigen Krieges.
Die ursprüngliche Hauptkirche, die 1253 erstmals urkundlich erwähnte Galluskirche wurde im Dezember 1621 durch spanische Truppen niedergebrannt und hernach nicht wieder aufgebaut. Ihre Ruine fiel bei einem Sturm am 8. November 1724 in sich zusammen.
Die Margarethenkapelle ging nach der Einführung der Reformation in den Besitz der politischen Gemeinde über und diente bis 1707 als öffentliche Mehlwaage.
1652 also vier Jahre nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges lebte in Haßloch nur noch ein knappes Viertel der Vorkriegsbevölkerung, nämlich 360 Menschen.
2507 Morgen Ackerland lag unangebaut und verwildert.
Nur 409 Morgen wurden kultiviert.
Ähnliche Verhältnisse gab es in der gesamten Kurpfalz. Deshalb suchte man mit besonderen Privilegien - u. a. die Religionsfreiheit - Ausländer zur Zuwanderung zu bewegen. Damit ging jedoch die konfessionelle Einheit, wie sie bis 1618 geherrscht hatte, verloren. Mit der starken Zuwanderung aus der Schweiz und aus Frankreich kamen auch Lutheraner und Katholiken nach Haßloch, allerdings in so geringer Zahl, dass sie keine eigenen Gemeinden bilden konnten.
Einen neuen Schicksalsschlag hält das Jahr 1689 für Haßloch bereit. Im pfälzischen Erbfolgekrieg (1688-1697) wird der Ort wie das gesamte Gebiet der Kurpfalz durch die Franzosen niedergebrannt. Unter der anschließenden französischen Besatzung fand eine konsequente Rekatholisierungspolitik statt. 1698 nach dem Abzug der Franzosen verfügte der katholische Kurfürst Johann Wilhelm (1690-1716) in der ganzen Kurpfalz das Simultaneum. „Obwohl weit weniger als ein Drittel der Bevölkerung katholisch war, mussten die Reformierten ihre Kirche nun mit den Katholiken teilen, während die Lutheraner unberücksichtigt blieben." Erst durch die Religionsdeklaration von 1705 erhalten die Reformierten in Haßloch das alleinige Nutzungsrecht an der Ulrichskapelle zurück.
Den Katholiken wurde die frühere Margarethenkapelle, die seit der Reformation als öffentliche Mehlwaage gedient hatte, zugewiesen. Die Lutheraner gingen abermals leer aus. Da es vor dem 30-jährigen Krieg keine Lutheraner in der Kurpfalz gegeben hatte, konnten diese sich nicht auf alte Rechte berufen, so dass sie „bald in entlehnten Stuben, bald in Schemen ja mehrmals unter freiem Himmel in Regen und Schmer sich versammelt und sich elend behelfen" mussten. Durch das Anwachsen der reformierten Gemeinde in den Zeiten des Wiederaufbaus war jedoch die Ulrichska-pelle während der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts zu klein geworden. Deshalb stellte man 1740 einen Antrag auf Erneuerung der zu kleinen und baufälligen Ulrichska-pelle. Während der nächsten zehn Jahre wurden jedoch alle entsprechenden Anträge abgelehnt. Den Durchbruch brachte wohl die persönliche Vorsprache des Pfarrers Serini bei der kurfürstlichen Verwaltung. Einen Hinweis darauf finden wir in der Almosenrechnung: „weiters seynd von dem Hern Pfr. Serini wegen treibung unsers Kirchenbaues auf Manh. Heydlberg u. Schwetzingen, vor 32. Täg Diaeten Tägl. 2 fl. von Mann u. Pferd gerechnet worden 64 fl., darauf hat Er abschl. Empfangen 31 fl., den Rest der 33 fl. hatt Her Pfr. zu der neuen Orgel vermacht."
Um die „Hinhaltetaktik" der kurfürstlichen Verwaltung richtig einzuordnen, muss man sich allerdings vor Augen halten, dass der Baubestand in der Kurpfalz insgesamt durch die Kriege des 17. Jahrhundert stark in Mitleidenschaft gezogen war. Hinzu belasteten gewaltige Bauvorhaben die Staatskassen. Man denke nur an das Mannheimer Schloss, den Neubau der Stadt Mannheim, den Wiederaufbau von Heidelberg, Frankenthal und Kaiserslautern. Im Übrigen überbot die Neubautätigkeit im 18. Jahrhundert die Zeit nach dem 2. Weltkrieg bei Weitem.
Im heutigen Bereich der Pfälzischen Landeskirche entstehen zu jener Zeit 213 neue Kirchen, sowie 36 größere Um- bzw. Wiederaufbauten. Dabei wurde von Seiten der kurfürstlichen Verwaltung größter Wert auf sparsames Bauen gelegt. Dies ließ sich gut mit der reformierten Forderung nach nüchterner Strenge und biblischer Einfachheit in der Gestaltung von Gottesdienst und Kirchenbau verbinden. Deshalb wurde auch auf jeglichen an den Katholizismus erinnernden Schmuck verzichtet.
Mit der Planung unserer Christuskirche wurde kein geringerer als der kurpfälzische Hofbaumeister Franz Wilhelm Rabaliat durch das Oberamt Neustadt beauftragt.Er vollendete u.a. die Jesuitenkirchen in Mannheim und Heidelberg nach dem Tode seines berühmten Vorgängers Alesandro Galli da Bibiena.
Für den Bau seiner Dorfkirchen bevorzugte er einer Einheitstypus. So wundert es nicht, dass für die Planungen von Haßloch die Pläne der Edenkobener reformierten Kirche herangezogen wurden. Allerdings erhält unsere Kirche im Gegensatz zu Edenkoben, wo noch ein reiner Rechtecksaal gebaut wurde, einen dreiseitigen Chorabschluss. Mit Sicherheit geht dies auf die mit Jesuiten besetzte Kurpfälzische Geistliche Güteradmi-nistration in Heidelberg zurück.
Diese forderte: „sollte nämlich über kurz oder lang nach der göttlichen Vorsicht (Vorsehung) die Vereinigung derer Religionen erfolgen, so kann alsdann zum Behuf deren Catholicorum dergleichen Kirchen eben so wohl zum Dienst Gottes aptiert werden, als wann annoch ein geringes ohne Raum seiendes Chor abhanden."
Spätestens jetzt wird sich der Leser fragen, wieso überhaupt unsere Kirche von der kurpfälzischen Administration erbaut wurde?
Die Antwort auf diese Frage findet sich in der Inschrift über dem Hauptportal:
DIESES GOTTESHAUS IST VON CHURPFAELTZ HOCHLÖLBL HOFCAMER AUCH VON HOCHLÖBL GEISTL ADMINISTRATION UND VON FREYHERN VON SCHLITER HERN ERBEN ALS HIESIGEN ZEHEN HERRN ZUM ALLEINIGEN GEBRAUCH DERER REFORMIRTEN VON GRUND AUS NEU MERBAUET WORDEN ANNO MDCCLII
Bis zur französischen Revolution waren die Inhaber des Großen Zehnten zum Bau und Unterhalt der Hauptkirche einer Gemeinde verpflchtet.Die innere Ausgestaltung erfolgte jedoch durch die Kirchengemeinde selbst. Und damit kehren wir wieder zum Inneren der Kirche zurück.
--------------------------------------------------------------------------------------------------------
weitere interessante Kapitel zur Christuskirche , so z.B. zur Innenausstattung, zu den Fenstern , zu den Medaillons, zu baulichen Veränderungen etc. enthält o.a. Broschüre aus dem Jahr 2004.