Charakterisierung des Alevitentums
Auszug aus dem Programm welches am 31. Mai 1998 in der Programm- Tagung der Föderation der Aleviten – Gemeinden in Europa e.V. (AABF) verabschiedet wurde. Diese Charakterisierung wurde auf der Vollversammlung der Alevitischen Gemeinde Deutschland e.V. (AABF) im Jahre 2007 bestätigt.
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Die Charakterisierung des Alevitentums
Das Alevitentum ist ein lebensphilosophisch anzusehendes Glaubenssystem.
Ein Alevit:
– trägt die Heiligkeit von Allah (Gott), Mohammed, Ali (Schwiegersohn von Mohammed) in
seinem Herzen,
– ist Alis Gerechtigkeit absolut treu (Er verstößt niemals gegen Alis Gerechtigkeitssinn),
– beherbergt in seinem Herzen die Menschenliebe,
– achtet und toleriert jede Religion, Konfession, Glaubensrichtung,
– macht keine diskriminierenden Unterschiede wegen Sprache, Religion, Rasse, Farbe,
– stiehlt nicht, lügt nicht, geht nicht fremd (Er zügelt seine Hände, seine Zunge, seinen
Geschlechtstrieb),
– ist aufrichtig, freundlich, barmherzig, gerecht, liebevoll,
– legt sehr großen Wert auf Wissen (Wissenschaft),
– strebt die Vollkommenheit an,
– wendet sich angstfrei und mit Liebe dem Gott hin,
– sieht den Gott und Menschen als Einheit an,
Im Alevitentum:
-finden alle gläubigen Menschen, die dorthin kommen, seelsorgliche Aufnahme und Beistand,
– werden Prinzipien wie Gleichheit, Gleichberechtigung, Anteilnehmen verteidigt, die es ermöglichen,
daß die Menschen in der Gesellschaft freiwillig sich selbst beherschen können,
– gibt es keinen Platz für das fanatische Scheriatsrecht und wird es strikt abgelehnt,
– wird der Islam anders interpretiert als im Sunnitentum – (Alevitische Auslegung des Islams
unterscheidet sich wesentlich von der des Sunnitentums, in der starre fanatische
Religionsgesetze herrschen.),
– haben die Werte wie Ethik, Anstand fundamentale Bedeutung,
– wird der Mensch als höchst erhaben betrachtet,
– ist das Wissen (Bildung) genau so wichtig und wertvoll wie die göttliche Kraft,
– wird die Religion nicht formal (starre unveränderliche Gesetze u. Vorschriften) angesehen, sondern
als Glaube wahrgenommen; sie wird als Willenskraft und tieferer innerer Sinn evolutioniert. In der
Synthese der Vernunft und des Glaubens wird die Religion vereinheitlicht.
– werden alle aufgezählten Werte und Tugenden durch Kırklar – Cemi (Gebet von 40 – Heiligen)
inspiriert.