Wo fängt man einen Geburtsbericht an? Wo fange ich an.
Was ist passiert bis dahin, in den Wochen, den Monaten zuvor? Was waren die Zeichen, was ist mir wichtig vorab zu erzählen? Wie ist es gelaufen kurz vor der Geburt? Was waren die Grundpfeiler. Und wie war die Geburt?
Nun sind fast neun Monate vergangen, bis ich diesen Bericht endlich mit all seinen Einzelteilen zusammenfüge. Und noch ist nicht alles gesagt, was ich dazu sagen kann.
Meine Tochter wurde im November in einer Nacht geboren, in der der erste Schnee des Jahres fiel. Der erste Name für sie war „Himalaya". In der Schwangerschaft, vor genau einem Jahr, verriet sie mir ihren echten Namen. Ich war bei ihrer Geburt alleine. Mein Partner war gerade unten im Badezimmer. Er hat mir den Raum gelassen – und genau das habe ich zu dem Zeitpunkt gebraucht. Mit einer einzigen Presswehe durfte ich sie komplett empfangen. Kopf und Schultern kamen zusammen. Sie kam in einer intakten Fruchtblase. Kein Dammriss. Keine außerordentliche Verletzung. Nur Ich, Sie und die Kraft. Vertrauen, Hingabe und Wissen.
Kurzer Anriss, von wo ich herkomme: Ich lebte neben dem System, im Van in Deutschland, von Erspartem. Durch die Zeit im Van und durch tiefe Prozesse und Reisen in mir selbst gewann ich ein starkes Vertrauen in eine höhere Kraft, die mich leitete. Ich lernte die Kraft der Natur und ihre übergeordnete Ordnung kennen. Ich heilte alte Wunden. War arm und glücklich, bereit, meine Welt zu verändern.
Letztes Jahr zog ich in mein Heimathaus nach Luxemburg. Wir wohnten zu dritt im Haus – meine zwei Brüder, ich und mein Partner. Ich wurde schwanger, und ich wusste von Anfang an: Geburt ist eine Sache der Natur. Ich will auf keinen Fall im Krankenhaus gebären. Dort fühlt sich nichts richtig an, was Geburt angeht. Steril, männlich, Giftstoffe, Impfungen – nein danke. Das war ausgeschlossen. Ich werde die Seele ohne weißen Kittel empfangen.
... Doch der Druck der Familie ließ mich von meinem ursprünglichen Weg abkommen, der sich richtig für mich anfühlte. Ich wollte alle Schritte neben dem System machen, mich nicht in Abhängigkeiten begeben, nicht von außen bedrängt werden. Doch es kam anders. Dadurch, dass ich so lange neben dem System gelebt hatte, wurde ich in meiner Familie und in der Nachbarschaft beäugt. Ich fing an, mich unwohl zu fühlen, und ich fing an, mich zu verstecken, brav und nett zu sein, nicht meine Wahrheit zu sprechen, um anderen nicht auf die Füße zu treten. Ich trat dafür gewaltig auf meine eigenen. Ich trat meinen Schritt wieder ins System, um selbstständig zu arbeiten. So verfing ich mich in einem Erwartungs-Verpflichtungs-Spiel. – DANKE für diese Lehren bis hierhin.
Als ich schwanger wurde, offenbarte sich ein Weg des Herzens neben dem Weg der „scheinbaren Sicherheit". Ich bekam großen Druck von der Familie meines Partners. Meine Schwiegermutter griff sehr in meinen Raum ein. Ich konnte mich schwer schützen. Die Schwangerschaft wurde eine Zeit des großen Rückzugs für mich. Ich verbrachte fast ausschließlich Zeit in der Natur. Ich beschäftigte mich fast ausschließlich mit dem Prozess der Schwangerschaft und der neuen Seele, die in mir heranwuchs. Mein Partner und ich entschieden uns auch, den Weg mit dem System zu gehen, um uns abzusichern. Ich baute einen ganz starken Schutz um mich herum auf. Mein Safe Space. Nur das kommt rein, was mir und der Seele gut tut, sonst verbannte ich alles aus meinem Feld.
Ich wollte alleine im Wald gebären. Dann ging ich den Weg zu einer Hausgeburt mit einer medizinischen Hebamme, weil das so gemacht werden „sollte" und das System Hausgeburten unterstützt. Von Anfang an wusste ich jedoch: ich will alleine gebären. Mein Traum war es, draußen zu sein, im Wald – doch es war Winter, und meine erste Geburt. Ich wollte im Wasser gebären. Dazu hatte ich alles vorbereitet. Die systemische Hebamme war „am Start".Ich fühlte sie jedoch von Anfang an nicht, ich spürte ihre Wertungen mir gegenüber, und beim letzten Sehen wurde klar, sie würde mich nicht machen lassen, wie ich es will. „Wenn ich dir sage, dass du aus dem Wasser kommen sollst, weil du kannst da nicht immer drin sein." – Achso, warum nicht? Und wenn ich das aber dann wollen würde? ... Ich war nicht viel mit ihr in Kontakt, weil es mir nichts brachte, außer der Frage: Warum verschwende ich meine Zeit hier? – Achja, wegen dem System.
Drei Wochen vor dem Geburtstermin ließ diese Hebamme mich fallen. Sie annullierte den Vertrag, weil mein Partner und ich nach dem Geburtsdokument gefragt hatten. Sie geriet in Angst. Dachte, wir wollen sie verklagen, weil wir ihr Fragen stellten. Sie konnte nicht mehr mit uns reden. Sagte um halb 11 abends, drei Wochen vor Geburtstermin, ab. Außerdem erzählte sie mir, dass sie mich bei ihren Hebammen-Kolleginnen des Geburtshauses schlecht redete – ich solle nicht denken, dass mich jemand begleiten würde.
Drei Wochen vor Geburt. Ohne Hebamme. Ganz offiziell. Und sie sagte noch: „Ist ja kein Problem, du kannst ja einfach in die Klinik gehen." Klinik war für mich keine Option. Das war meine größte Angst. Und das wusste sie.
Und sie sagte noch: „Ist ja kein Problem, du kannst ja einfach in die Klinik gehen.“ Klinik war für mich keine Option. Das war für die größte Gefahr für mich und mein Kind. Und das wusste sie.
Dann saß ich da. Mein Wunsch in Erfüllung.
Ich wollte alleine gebären.
In den Tagen danach habe ich den Segen darin gesehen. Das Geschenk.
Keiner, der mich reinfuschte. Ich habe realisiert, dass ich ganz viel Selbstanteil dazu hatte. Dass ich selber auch manifestiert hatte. Denn ich hatte immer wieder in der Schwangerschaft gesagt und förmlich ausgesprochen: „Ich will mein Baby einfach kriegen und die Hebamme gar nicht anrufen." Zu meinen Gunsten fädelte das Leben es genau so ein.
Ich zog mich also weiter stark zurück. Die Geburt rückte näher. Erzählte kaum jemandem davon. Ich brauchte jetzt nur weiter meine starke Ausrichtung halten. Keine weiteren Ratschläge. Keine Zweifel von außen. Nur ich, meine Tochter und unser Urvertrauen.
In den Wochen davor habe ich mich viel mit selbstbestimmten Geburten beschäftigt. Mit Frauen, die alleine gebären. Nicht mit professioneller Unterstützung, sondern mit emotionaler Unterstützung, mit Raum halten. Mit Kraft. Mit Vertrauen. Ich habe viele Frauen gesehen, die alleine geboren haben – ohne medizinisches Fachpersonal. Mir Videos angeschaut – nicht nur Berichte, sondern echte Geburten. Das war ein großer Gamechanger. Viele tiefe Ängste gingen. Und in den zwei Wochen vor der Geburt bildete sich in mir eine Kraft, die nur Mutter Erde mit mir fühlte. So hatte ich Vertrauen in mich selbst noch nicht gespürt. So kam unsere Geburt immer näher.
Den Tag vor ihrer Geburt kaufte ich Blumen für sie, die ich an den Altar stellen wollte. Beim Einkaufen wusste ich: Das sind ihre Blumen. Sie wird bald kommen. Mir war jedoch nicht bewusst, wie schnell sie sich auf den Weg machen würde.
Dann war der Samstag da. Ich hatte ein großes Bedürfnis, draußen zu sein. Ich lud meine Mutter ein, und wir machten eine große Runde durch den Wald. Beim Spazieren merkte ich die ersten Anzeichen – ein Ziehen im Unterleib. Ich war sehr entspannt. Meine Mutter meinte nur, dass meine Tochter bald kommen wird. Eine Sache, die ich mir immer wieder sagte, war: „Lass dir Zeit." Dass dies jedoch eine Ausrede für mich war, um mich nicht damit zu konfrontieren, dass es soweit sein könnte, war mir nicht bewusst. Ich war noch nicht soweit. Ich fühlte mich noch nicht bereit. Aber wozu soll man sich bereit fühlen? Ich wusste es nicht. Ich zögerte den Prozess durch das Mantra und die Idee „es wird Zeit brauchen" lange hinaus. Dadurch kam meine Tochter wunderschön in einer intakten Fruchtblase mit einer bewussten Presswehe – allesamt mit Kopf und Schultern – heraus.
Alles, womit ich mich auf die Geburt vorbereitet hatte, konnte ich in der Geburt selber vergessen. Es hat mir nichts gebracht. Ich konnte nur Sein – mit allem, was sich zeigte. Ich wollte alleine sein. Um mit jeder einzelnen Welle umzugehen, ohne dass jemand da war.
Samtagabend 21 Uhr Ich eröffnete den heiligen Raum der Geburt – ich rief meine Ahnen, ich rief Mutter Erde, die Elemente und alle Verbündeten zu mir, zur Unterstützung für diesen Übergang. „Bitte haltet uns gesund." Die Wellen zeigten sich und waren schon jede 15 Minuten da. Ich war mir gar nicht sicher, ob das Wellen sind.
Es wurde intensiver, und ich schickte meinen Partner ins Bett. Er schlief auf der Couch. Es könnte ja jetzt echt noch länger dauern, und ich wollte mich um nichts anderes kümmern als das, wo ich gerade bin. Ich war in unserem Schlafzimmer. Alles war dunkel. Die Nacht brach ein. Ich hatte einen kleinen Altar vorbereitet und kniete an der Mauer. Die Wellen überwältigten mich sehr in ihrer Intensität, ich brauchte die Pausen dazwischen, um mich auszuruhen und wieder neu auszurichten. Meine ganze Aufmerksamkeit und Energie war nur im Hier und Jetzt.
Die Presswellen fingen gegen 23 Uhr an, und ich fühlte mich noch keinesfalls soweit. Geschweige denn, dass ich fühlte, dass ich Presswellen hatte. Ich erinnerte mich erst nach der Geburt an meine eigene Geburt und die stundenlangen Presswellen meiner Mutter. Ich habe meiner Meinung nach unsere Geburt noch einmal erlebt – doch dieses Mal auf der anderen Seite.
Sieben bis acht Stunden Presswellen. Meine ganze Aufmerksamkeit, meine Energie, meine Puste.
Die Stunden waren von vielen Emotionen geprägt, von Lachen, Freude bis hin zu Enttäuschung und Frustration. Es gab viele Momente, in denen ich mich überfordert fühlte, und andere, in denen ich mich sehr gut gerüstet fühlte, mit den Empfindungen umzugehen und einfach weiterzumachen. Eins war jedoch immer bei mir: das Wissen, dass alles gut sein wird – ich müsse nur durchhalten.
Ich beeinflusste die Zeit der Geburt meiner Tochter unbewusst mit, weil ich die ganze Zeit im Kopf hatte, „dass es noch lange dauern wird" – „ich solle mich jetzt hier nicht ausruhen, dass dies der Höhepunkt ist" – „es kommt noch viel mehr." Deswegen habe ich die Presswellen nicht identifizieren können. Ich wusste nicht, dass diese Wellen schon so hoch waren, die meinen Körper zum Pressen bewegten. Dafür ging mir alles zu schnell.
Ich war immer wieder im Fight-Flight-Modus. Ich verlor meinen Atem, wenn eine neue Presswelle kam. Diese Wucht meines Körpers, diese Kraft überwältigte mich jedes Mal. Obwohl dies so war, kam ich zwischendurch immer wieder komplett bei mir und meiner Tochter an und rüstete mich, weiterzumachen. Ich kämpfte jedoch gegen den Drang zu pressen an. Ich verkrampfte. Im Nachhinein hat mein Körper einfach komplett die Führung übernommen, und mein Kopf brauchte noch mehr Zeit. Ich konnte mir durch die Pausen Zeit nehmen zu realisieren, dass ich in der Geburt bin. Dass ich das nun machen werde.
Eine Bewusstwerdung war im Nachhinein auch, dass ich mir nie vorgestellt hatte, wie meine Tochter schlussendlich rauskam, somit war dieser Moment auch so neu, so schnell schon da.
Ich gab die Führung ab. Urvertrauen war da, ich wusste die ganze Zeit, dass alles gut ist und dass ich das schaffen werde. Mein Prozess war es, mit dem eigenen Widerstand, dem eigenen „ich fühle mich nicht bereit" noch eine ganze Weile beschäftigt zu sein und mich dahinein zu fühlen, die Kontrolle hier jetzt komplett abzugeben. Surrender.
Die Stunde davor
Es gibt eine Stunde in dieser Nacht, an die ich mich kaum erinnere. Nicht weil sie fehlt, sondern weil in ihr nichts mehr war, das zählen konnte.
Die Wellen kamen nicht mehr in Abständen. Sie kamen als ein einziges Kommen. Ich kniete im Wasser, im Dunkeln, vor meinem kleinen Altar, und irgendwann wusste ich nicht mehr, ob ich atme oder geatmet werde. Die Zeit verlor ihre Ränder. Kein vorher, kein nachher, nur dieses offene Jetzt.
Ich war allein, und das Alleinsein war nicht leer. Es war voll. In dieser Stunde war ich nicht nur eine Frau, die gebiert. Ich war der Durchgang selbst. Etwas Altes ging durch mich, größer als ich, und ich musste es nicht verstehen. Nur offen bleiben.
Immer wieder wollte mein Kopf das Steuer zurück. Warte. Noch nicht. Ich bin nicht bereit. Und immer wieder ließ mich mein Körper fallen, sanft und unerbittlich, zurück in die Welle. Er wusste. Er wusste längst, was ich noch nicht wusste.
Ich habe in dieser Stunde nicht gepresst, weil ich wusste, dass ich presse. Ich habe es geschehen lassen, ohne es zu benennen. Und genau darin lag, was ich keiner Frau vorher geglaubt hätte: Du musst es nicht wissen. Du musst es nicht steuern. Dein Körper übernimmt, sobald du aufhörst, ihn festzuhalten.
Hinter mir standen die Frauen. Meine Ahninnen, meine Mutter, alle, die vor mir geboren haben. Ich habe sie nicht gesehen, ich habe sie gefühlt. Ein Rücken, der nicht mehr nur meiner war.
Dann wurde aus dem großen Kommen etwas Kleines, Konkretes. Etwas wollte heraus. Und zum ersten Mal seit Stunden war da wieder ein Du. Nicht die Welle. Sie.
Deshalb erzähle ich diese Stunde, obwohl ich mich ihrer kaum erinnere. Weil hier das liegt, was Frauen Mut macht: Die Stunde, in der du dich am meisten verlierst, ist die, in der du am meisten gehalten wirst. Du bist in ihr nicht allein. Auch wenn niemand im Raum ist. Auch wenn du dich selbst nicht mehr findest.
Und dann, nachdem ich meinen Partner aufgeweckt hatte, in den Pool bin und wieder raus bin, die ganze Wohnung abging – hat mein Körper die ganze Arbeit von alleine getan.
Als ich ihren Kopf fühlte, gab ich mir endlich die Erlaubnis. „Ich fühle die Fruchtblase – oder ist es der Kopf?" Ich sah meinem Partner in die Augen und lachte: „Dann kann es sich nur noch um Stunden handeln." Er verstand und ließ mir meinen Raum. Das war meine Erlaubnis. Ich atmete. Die nächste Welle kam schnell danach. Ich begann nun bewusst mitzupressen. Geburt ist so unkontrollierbar und wunderschön, mächtig, kraftvoll und überwältigend.
Das war die große Einweihung.
Mein Partner war unten im Badezimmer. Ich war ganz alleine. Und ich fühlte, als die Welle kam, meine Vorfahrinnen in meinem Rücken. Und mit dieser einen Presswehe flog sie raus. So schnell. Und doch so lange vorbereitet durch die Stunden davor. Ich war erstmal total überwältigt. Brauchte ein paar Momente, bis ich sie aus dem Wasser zu mir nahm. Da war sie. In der Nacht des ersten Schnees. Als ich sie in meinen Armen hielt, an meinem Herzen, umgab mich eine unsichtbare, goldgelbe Energie. Ich fühlte mich vollkommen ganz. Als wäre ich in Watte gehüllt und würde von einer Kraft getragen, die größer war als ich selbst. Diese heilige Energie blieb noch einige Tage bei uns. Später kamen die Tränen. Dankbarkeit. Und das tiefe Wissen: Ich durfte souverän sein. Mich bewegen. Mich zurückziehen. Allein sein. Mit meinem Partner zusammen sein. In meiner Kraft bleiben.
Liebe. Mutter Erde. Ungebändigte Kraft.
Körperlich heilte ich gut. Meine Tochter half mir. Wir waren fast nur nackt. Meine Familie, meine Mutter, mein Partner, meine Brüder an meiner Seite. Mich und uns tragend. Die Erfahrung eines nährenden Stammes. Wunderschön.
Durch den Baby Blues bin ich gegangen. Dicke Augen, voller Tränen, geschwollen. Weil so viel rauskommen musste. Ich habe das ganze Gewicht der Gewalt gefühlt von der ganzen Frauenwelt in Geburt. Was ich dort erlebte – erleben Frauen im Kreissaal mit so vielen Menschen, die sie beobachten? Omg. Wie schrecklich. Ich bin so dankbar, dass ich alleine war.
Alles, womit ich mich in der Schwangerschaft beschäftigte, die Missstände, die Gewalt, die Eingriffe in Geburt – alles prasselte die Woche danach auf mich drauf. Weil ich das erste Mal wirklich erlebt hatte, was Geburt ist.
Und diese ganze Gewalt: Wie Frauen heutzutage nicht mehr selbstermächtigt gebären. Wie ihnen die Verantwortung systematisch abgenommen wird. Was passiert mit den Menschen eines Tages, wenn die Frauen nicht mehr eigenständig gebären? Wie die Frauen in Geburt in Räumen mit Fremden zusammen sind. Es ist so weitreichend. Wie ihnen ihre Kraft genommen wird dadurch, was untersucht wird und welche Informationen an sie herangetragen werden. Wie eindringlich vaginale Untersuchungen in den Geburts-Wellen sein müssen. Ich hätte mir gar nicht vorstellen können, dass jemand mich in diesem Zustand untersucht, geschweige denn in meinen Prozess mit einwirkt. Alles war so verletzlich, so heilig, so still, so meins. Meins. Meine Geburt. Mein Körper. Meine Tochter.
Ich habe es geschafft, obwohl die Presswellen da waren und ich Widerstände hatte. Ich habe es geschafft, obwohl ich nicht den Krankenhausrichtlinien entsprochen habe und obwohl ich manchmal an mir gezweifelt habe oder Ängste da waren und obwohl es harte Arbeit war.
Ich wünsche allen Müttern dieselbe Freude und denselben Jubel und bin fest davon überzeugt, dass mehr Frauen diese Erfahrung machen würden, wenn unsere Kultur und unser Gesundheitssystem die natürliche Geburt unterstützen würden.
Ich bin so unfassbar dankbar, dass ich alleine war. Dass ich mich selber halten konnte. Dass ich das geschafft habe, macht mir unfassbar Mut. Ich bin getragen, geschützt, und nichts Negatives kann aus dieser Erfahrung entstehen.
Was ich nun auf jeden Fall weiß: Geburt ist kein medizinischer Notfall. Sie ist ein heiliger, unkontrollierbarer, kraftvoller Übergang. Räume, die so verletzlich sind, brauchen den größten Schutz – nicht die größte Kontrolle. Das System nimmt Frauen ihre Kraft, indem es ihnen einredet, sie bräuchten jemanden, der mehr weiß. Ich habe erfahren: Mein Körper weiß. Mein Baby weiß. Die höhere Kraft weiß.
Ich bin unfassbar dankbar für die Nacht des ersten Schnees. Für den Raum, den ich mir erschaffen habe. Für die Freiheit und die Kraft, die ich mir zeigte. Für den Segen in der Absage der Hebamme. Für das tiefe Urvertrauen, das in mir in der Schwangerschaft entstanden ist. Für die Zeit, die ich mir einräumte, die Schwangerschaft in ihren vollen Prozessen zu erfahren und mich zu transformieren.
– Vicky, Luxemburg
Warum ist das wichtig?
Was hat das medizinische System mit Geburt zu tun?
Warum unterstützen Mütter nicht natürlicherweise andere Mütter?
Ihr Wissen entsteht aus ihrer gelebten Erfahrung - aus ihrem Körper, aus ihrer Intuition.
Meine Mutter, Mutter von 4 - Meine Großmutter, Mutter von 7 - alle natürlich geboren - normal zur Welt gekommen.
photo by enrique guzman
Wenn wir den Blick weit zurück in die Vergangenheit richten, vorbei an den Betonwüsten der Moderne, den sterilen Korridoren der Krankenhäuser und den dogmatischen Lehrbüchern der letzten Jahrhunderte, sehen wir, dass unter der Oberfläche unserer heutigen Kultur ein zutiefst reiches, pulsierendes Erbe liegt, das absichtlich verschüttet wurde.
Ich schreibe heute hier als indigene, keltisch-nordische Frau, in deren Adern das ungezähmte Blut von starken, weisen und zutiefst instinktiven Frauen fließt, die über Jahrtausende hinweg Familien mit sieben, zehn oder mehr Kindern aus eigener Kraft gegründet, gehalten, geschützt und genährt haben, ohne jemals eine Universität von innen gesehen zu haben.
Meine eigene Mutter brachte vier Kinder zur Welt. Und wir alle sind für mich der lebende, pulsierende Beweis für die weibliche Intuition und die in unseren Knochen gespeicherte Zellerinnerung, die in jeder einzelnen Frau wie ein heiliges Feuer aktiviert wird, sobald sie die kosmische Aufgabe der Mutterschaft übernimmt und einem neuen Seelenwesen den Weg durch ihren Körper auf diese Erde ebnet.
Doch unsere Mütter nennen sich heute selbst oft nicht mehr Hebammen. Weil man sie ihres Stolzes beraubte, sie systematisch verunsichert, entmündigt und in kalte, technokratische Krankenhäuser gedrängt hat, wo sie unter der Geburt entpersönlicht, entwürdigt und psychisch wie physisch geschändet wurden, indem man sie an Monitore anschloss, sie in unnatürliche Rückenlagen zwang und ihnen unmittelbar nach der Entbindung ihr Neugeborenes wegnahm, nur damit eine patriarchale Krankenhausstruktur die Rolle des heroischen Retters in Weiß inszenieren konnte.
Dieses gesamte medizinische System, das heute die unumstößliche Grundlage unserer modernen, scheinbar fortschrittlichen Geburtshilfe bildet, wurde in Wahrheit auf den rauchenden Scheiterhaufen der europäischen Hexenverbrennungen erbaut.
Als die Pfarrer, die Inquisitoren und die sich damals neu formierenden, akademischen Medizinmänner das jahrhundertealte, mündlich überlieferte Erfahrungswissen unserer Großmütter systematisch ausrotten wollten.
Die Kirche und das frühe Patriarchat Sie erkannten, dass die größte Bedrohung für ihre absolute Herrschaft in der autonomen, unkontrollierbaren Naturkraft der Frau lag, und so pflanzten sich die Missionare mit Abscheu und strategischem Kalkül direkt in die Zentren unserer indigenen Dörfer und Gemeinschaften. Sie bauten ihre steinernen Kirchen auf den alten, heiligen Hainen und Quellen der Kelten, um die spirituelle Nabelschnur von uns Menschen zur Erde physisch zu kappen. Uns von der Natur zu trennen. Uns von unseren Instinkten zu entfernen. In diesem grausamen Transformationsprozess wurden unsere Gemeinschaften im Kern verrottet. Der Kolonialismus in unserem Breitgrad. Der Christentum und sein Schwert des nach machtstrebenden unterdrückenden Pfarrer.
Frauen wurden zu sündigen Objekten degradiert, die den Geburtsschmerz als göttliche Strafe für Eva ertragen sollten.
Während gleichzeitig die verletzlichsten Glieder der Gemeinschaft, die Kinder, in den starren Strukturen dieser neuen Ordnung physisch und psychisch geschändet wurden, sei es durch die emotionale Kälte der patriarchalen Kernfamilie oder durch den direkten Missbrauch in den geschlossenen Räumen der kirchlichen und auch häuslichen Macht. Wir alle wurden auf die eine oder andere Weise unserer eigenen Traditionen durch die Kolonisation, durch den jetzt noch überall durchführenden Christentum - unserer Wurzeln beraubt. Unserer tiefen Weisheit und unseres mütterlichen Stolzes enteignet, um uns von unserer inneren Autorität abzuschneiden und uns von externen Institutionen abhängig zu machen. Das ist es was viele Menschen leben. Die Gesellschaft verlangt und erwartet genau das. Ja, weil die Struktur in der wir leben auf diesem patriarcharischem Boden erwachsen ist und bis jetzt immer noch agiert.
Nur getarnt: In modern
Wenn wir tief in die spärlich überlebten Dokumente des Altertums eintauchen, wie in die Naturalis historia von Plinius dem Älteren, finden wir faszinierende Fragmente darüber, wie die keltischen Druidinnen und Heilerinnen wirklich arbeiteten: Sie sammelten heilige Pflanzen wie das Eisenkraut (Verbena), das Mädesüß und die schmarotzende Mistel, die sie ausschließlich bei bestimmten Mondphasen mit goldenen Sicheln schnitten, weil sie wussten, dass die Säfte der Pflanze im Einklang mit Ebbe und Flut des weiblichen Körpers pulsieren.
Diese sogenannten Hexen waren keine finsteren Gestalten, sondern die wahren Hüterinnen der Naturmedizin.
Sie setzten gezielt den roten Mutterkorn-Pilz ein, um lebensgefährliche Nachblutungen nach der Geburt zu stoppen, und nutzten die Tollkirsche (Belladonna) sowie den Alraunen-Wein, um krampfartige Wehenschmerzen zu lindern und die Gebärmutter zu entspannen. Ihr Wissen basierte auf einer reinen, geschulten Intuition, die im altirischen und keltischen Glauben als Aisling oder Fáistine bezeichnet wurde – eine Form des inneren Sehens, das nicht aus dem rationalen Verstand entspringt, sondern eine direkte Verbindung zum kollektiven Unterbewusstsein und der lebendigen Erde darstellt.
Wenn eine Frau gebar, kamen die Frauen des Dorfes in einem geschlossenen, geschützten Frauenkreis zusammen, um einen heiligen Raum zu weben, der frei von Angst war. Aus den fragmentarischen Schriften der frühen Volksmedizin wissen wir, dass diese Kreise durch gemeinsames rhythmisches Tönen, tiefes Atmen, das Räuchern von Beifuß zur energetischen Reinigung und das Halten des Körpers der Gebärenden funktionierten, wodurch eine tiefe, Trance-ähnliche Entspannung induziert wurde, die die körpereigene Hormonausschüttung maximierte und die Geburt zu einem ekstatischen Kraftakt machte.
Dieses Wissen um die weibliche Autonomie war der Kirche und den Medizinmännern ein unerträglicher Dorn im Auge, weshalb im berüchtigten Hexenhammer (Malleus Maleficarum) von 1486 explizit festgehalten wurde, dass niemand den katholischen Glauben mehr schädige als die Hebammen, da sie angeblich den Teufel herbeiriefen, wenn sie Schmerzen linderten, die laut der Kirche als Strafe Gottes erlitten werden mussten. Man verbrannte die Heilerinnen, um den Frauen zu zeigen, dass ihr eigener Körper ihnen nicht gehört, und zerstörte damit die jahrtausendealte Tradition der Frauenkreise, die spirituelle Heimat unserer Kultur waren.
Das ist unsere Geschichte.
Die Frauen, unsere Urgroßmütter - alle, die vor uns gegangen sind, die vor uns gebärt haben , haben dies alles erlebt. Das kann man sich fast nicht vorstellen, so abgrund tief dunkel die Kirche - so pechschwarz. Und so faszinierend gleichzeitig zu wissen, dass es Raum und Zeit gab, wo Frau sich miteinander verbanden und gemeinsam den Raum für Geburt in Liebe und Vertrauen hielten und von der Kraft wussten.
Es gibt Völker auf dieser Erde, die ein unglaubliches, bewundernswertes Privileg besitzen, weil sie sich ihre lebendigen, indigenen Traditionen bis jetzt mühsam bewahren und durch alle brutalen Stürme der Kolonisierung hindurch retten konnten. Während uns Frauen im europäisch-keltischen und germanischen Raum diese lebendige Kultur und Tradition vollständig genommen wurde. Bei uns gibt es keine organisch überlebten, ununterbrochenen Linien der Geburtsweisheit mehr; uns wurde das Wissen extrem tief vergraben, systematisch durch Folter und Verbrennung verschüttet und scheinbar vollständig ausgelöscht, um eine klinische, leblose und profitorientierte Geburtsmaschinerie an ihre Stelle zu setzen, die die Geburt von einem heiligen, spirituellen Initiationsprozess in einen pathologischen Krankheitszustand umdeutet.
Die aufstrebenden Medizinmänner der Renaissance lasen theoretische, oft fehlerhafte Bücher an den Universitäten, durften aber aufgrund von Keuschheitsgeboten keine Frauen berühren, weshalb sie die weisen Frauen, die Hebammenmütter, die Kräuterkundigen und die Heilerinnen der Dörfer als Hexen diffamierten und verbrannten, um den gesamten Markt des Heilens und des Gebärens gewaltsam zu monopolisieren. Doch man kann zwar die Körper der Heilerinnen verbrennen und ihre Schriften vernichten, aber der Geist und seine Energie in unseren Körper lebt weiter,
Man kann die im Fleisch und im Blut verankerte Zellerinnerung der Ahninnen nicht auslöschen. Und dieses uralte, indigene Wissen schläft nur in uns. Es wartet im Verborgenen unserer DNA, tief in unserer Intuition, in unseren Herzen und in dem wilden, ungezähmten Gefühl, das sich in uns regt, wenn wir an das Gebären denken.
Wie wir gebären, ist wie wir leben.
... und wenn wir uns der klinischen, kontrollierenden Maschinerie des Patriarchats kampflos unterwerfen, dann leben wir auch ein unterworfenes, fremdbestimmtes Leben Doch wenn wir uns an unsere unterdrückten Wurzeln erinnern und den Raum der Geburt wieder als unser ureigenes, unantastbares Territorium beanspruchen, dann treten wir ein in ein freies, selbstermächtigtes und natürliches Dasein. Und dieses uralte, indigene Wissen schläft nur in uns, es wartet im Verborgenen unserer DNA, tief in unserer Intuition, in unseren Herzen und in dem wilden, ungezähmten Gefühl, das sich in uns regt, wenn wir an das Gebären denken.
Ich schöpfe heute aus der lebenden, unerschöpflichen Quelle all jener Frauen, die vor mir den Pfad des Lebens geebnet haben.Und ich vertraue bedingungslos weiter auf meine eigenen indigenen Wurzeln, denn die Kolonisierung mag versucht haben, uns von unserer Quelle abzuschneiden, aber der energetische Kanal ist offen und bereit für die radikale Rückkehr der freien und natürlichen Geburten in unserer eigenen Kultur.Vicky - Hebamme - Birthkeeper*Stell dir ein Feuer vor. Eine Hütte. Warmes Wasser. Und Frauen, die um eine Gebärende sitzen, ganz nah, ohne Eile.
Es gab eine Zeit, da war eine Hebamme kein Beruf mit Zertifikat und kein Raum mit Kacheln. Sie war einfach die Frau, die schon oft dabei war. Die Mutter. Die Großmutter. Die Nachbarin mit den ruhigen Händen. Ihr Wissen kam nicht aus einem Buch. Es kam aus ihrem Körper, aus hundert Nächten, aus dem eigenen Gebären, aus dem Zusehen und Weitergeben.
Damals wusste man: Eine Geburt ist kein Notfall. Sie ist ein Naturereignis. Und Natur braucht vor allem eines: dass man sie nicht stört.
Was dieses Wissen wirklich war
Die alte Hebamme kannte keine Tabellen. Sie kannte den Rhythmus. Sie wusste, wann man wartet und wann man handelt. Sie wusste, dass eine Frau nicht liegen soll, wenn ihr Körper stehen will. Dass Wärme öffnet und Kälte schließt. Dass eine Stimme beruhigen oder erschrecken kann. Dass manche Kräuter Wehen sanft machen und manche Blutungen stillen und manche in der Schwangerschaft gefährlich sind.
Vor allem aber wusste sie: Die Frau macht die Arbeit. Nicht die Helferin.
Das ist der Kern. Alles andere ist Handwerk.
Was mit diesem Wissen geschah
Über Jahrhunderte wurde dieses Wissen verfolgt, verboten und verbrannt. Die weisen Frauen, die heilten und Geburten hielten, wurden zu Hexen erklärt. Man nahm ihnen das Wissen, den Namen und oft das Leben. An ihre Stelle trat eine Medizin, die von Geburt nichts verstand und Frauen nicht einmal berühren durfte.
Geburt wurde zur Krankheit umgedeutet. Aus einem heiligen Übergang wurde ein Fall für die Klinik.
Und doch: Wissen verschwindet nicht. Es schläft. In den Händen, in der Intuition, in dem Gefühl, das in dir aufsteigt, wenn du an Gebären denkst. Jede Frau trägt es in sich. Man muss es nur wieder wecken.
Was eine Frau an deiner Seite wirklich tut
Wir haben verlernt, dass eine Gebärende keine Chefin braucht. Sie braucht jemanden, der bleibt.
Das ist keine große Kunst. Es ist das, was Mütter, Schwestern und Freundinnen seit jeher ganz natürlich getan haben, ohne Ausbildung, ohne Vorwissen. Und genau das ist die Begleitung, die eine Geburt trägt.
Was diese Frau tut, ist einfach:
Sie hält den Raum. Sie sorgt dafür, dass es ruhig, warm und dunkel genug ist. Kein Lärm, keine fremden Augen, keine Sätze, die zweifeln.
Sie schweigt, wenn Schweigen dran ist. Sie redet nicht dazwischen. Sie gibt keine Ratschläge. Sie sagt nicht, wie es gehen soll.
Sie atmet mit. Wenn die Wehe kommt, atmet sie tief und ruhig, und der Körper der Gebärenden findet den Takt von selbst. Atem steckt an. Ruhe auch.
Sie hält den Körper. Sie stützt das Kreuz, hält die Hände, hält den Blick. Berührung sagt: Du bist nicht allein. Du musst das nicht allein tragen.
Sie sorgt für das Einfache. Warmes Wasser. Etwas zu trinken. Eine Decke. Ein Tuch. Ein Löffel Honig. Nicht mehr.
Sie schützt. Sie hält Zweifel, Angst und gut gemeinte Ratschläge draußen. Sie ist die Wand zwischen der Gebärenden und der lauten Welt.
Sie vertraut. Sie sagt nicht „du musst". Sie sagt „du kannst". Sie sagt „ich bin da". Und in dem Moment, in dem eine Frau das spürt, öffnet sich etwas in ihr.
Sie bleibt. Egal wie lange es dauert. Sie geht nicht. Sie gibt keine Uhr vor.
Das ist alles. Und das ist unendlich viel.
Warum das wirkt
Ein Körper gebiert leichter, wenn er sich sicher fühlt. Angst macht eng. Vertrauen macht weit. Wenn eine Frau sich gehalten fühlt, kann sie loslassen. Und Loslassen ist das ganze Geheimnis der Geburt.
Es braucht dafür keine Maschine und kein Fachwissen. Es braucht eine Frau, die da ist, ruhig, warm und ohne Angst.
Zurück zu den Wurzeln
Wir können die alten Hebammen nicht zurückholen. Aber wir können zurückholen, was sie wussten: dass Geburt der Frau gehört. Dass eine Frau an ihrer Seite das Wichtigste ist. Dass man dafür kein Studium braucht, nur ein Herz, das hält, und Hände, die nicht wegziehen.