Im Jahr 1999 fanden sich in Oberdorfelden begeisterte Menschen zusammen, die eine gemeinsame Leidenschaft teilten: das traditionelle Backen im Holzofen. So wurde die Interessengemeinschaft Backofenfreunde Oberdorfelden ins Leben gerufen.
Das Herzstück unserer Backaktivitäten ist ein ehrwürdiger Backofen, dessen Grundstein um das Jahr 1760 gelegt wurde. Seit unserer Gründung wird dieser historische Ofen regelmäßig im Jahr angefeuert, um frisches, duftendes Brot zu backen.
Dabei verbinden wir Tradition und ein wenig Moderne: Während wir für die Teigzubereitung moderne Maschinen nutzen, bleibt der eigentliche Backprozess unverändert. Vom Formen der Laibe über das sorgfältige Vorheizen des Ofens mit Holz bis hin zum Backen selbst – jeder Schritt folgt den bewährten Methoden vergangener Zeiten. So entsteht ein Brot mit einzigartigem Geschmack und Charakter, das die lange Geschichte unseres Backofens widerspiegelt.
Die Interessengemeinschaft Backofenfreunde Oberdorfelden ist mehr als nur eine Gruppe von Backbegeisterten. Wir pflegen die Gemeinschaft, teilen unser Wissen und freuen uns jedes Mal aufs Neue, wenn der Duft von frisch gebackenem Brot durch Oberdorfelden zieht.
Der Backofen am Kirchplatz ist ein echtes Stück Oberdorfelder Geschichte. Bereits im Jahr 1766 – zeitgleich mit der evangelischen Kirche – wurde er als Gemeindebackofen errichtet. Über viele Jahrzehnte hinweg brachten die Dorfbewohner ihren Brotteig hierher, um ihn gemeinsam zu backen. Der Ofen war nicht nur ein Ort des Handwerks, sondern auch ein Ort der Begegnung: Während das Brot im Ofen reifte, wurde geschnackt, gelacht und Gemeinschaft gelebt.
Mit dem Wandel der Zeit und dem Aufkommen moderner Haushaltsöfen verlor der Backofen seine Funktion – und geriet langsam in Vergessenheit. In den 1990er Jahren war er nur noch eine Ruine.
Doch das sollte sich ändern: 1999 gründete sich die Initiative Backofenfreunde Oberdorfelden mit dem Ziel, das historische Gewölbe zu restaurieren und die alte Backkultur wieder aufleben zu lassen. In unzähligen ehrenamtlichen Stunden entstand ein neues Fachwerk-Backhaus auf historischem Fundament – mit dem sanierten Steinofen als Herzstück.
Seitdem heizen wir regelmäßig ein: bei Backtagen, Festen und Veranstaltungen. Was damals Brot und Gemeinschaft bedeutete, ist auch heute noch unser Antrieb. Wir bewahren nicht nur ein altes Bauwerk – wir halten eine lebendige Tradition am Leben.
Der Nebel hing noch tief über der Nidder, als Heinrich Huhn an jenem kühlen Oktobermorgen im Jahr 1845 die schwere Holztür seines Hofes öffnete. Auf dem hölzernen Schiebekarren vor ihm türmten sich sechs mächtige, mit Leinentüchern abgedeckte Gärkörbe. Darunter ruhte der Sauerteig, den seine Frau Anna bereits am Vorabend angesetzt hatte.
„Hast du das Reisig für den Meister dabei, Heinrich?“, rief Anna aus dem Haus nach.
„Liegt schon alles am Backhaus“, antwortete er und rückte seine Mütze zurech
Der Weg zum Kirchplatz war kurz, doch Heinrich genoss die Stille. Das Backhaus mit seinem markanten, pyramidenförmigen Schornstein stand wie ein treuer Wächter direkt neben der evangelischen Kirche. Es war das Herzstück von Oberdorfelden – nicht nur, weil es das tägliche Brot lieferte, sondern weil es der sicherste Ort im Ort war. In einem Dorf, in dem die Fachwerkhäuser und mit Stroh gefüllten Scheunen dicht an dicht standen, war ein unkontrolliertes Feuer die größte Angst der Menschen. Deshalb brannten die großen Öfen nur hier, unter der Aufsicht der Gemeinde.
Am Backhaus angekommen, schlug ihm bereits die vertraute Hitze entgegen. Der Backofenmeister, ein hagerer Mann mit rußverschmierten Armen, war bereits seit Stunden wach. Er fütterte den Schlund des Bruchsteinofens mit „Wellen“ – fest gebundenen Reisigbündeln.
„Guten Morgen, Heinrich! Pünktlich wie immer“, brummte der Meister. „Die Steine glühen schon fast weiß. Die Hitze steht gut.“
Heinrich half beim Wiegen der Teiglinge auf der großen, gusseisernen Brotwaage der Gemeinde. Es musste alles seine Richtigkeit haben; in Oberdorfelden achtete man auf Gerechtigkeit, auch beim Gewicht des Teiges.
Wenig später füllte sich der Platz am Kirchring. Die Nachbarn kamen mit ihren Körben, der Schmied brachte einen schweren Roggenlaib. Es wurde geplaudert und gelacht. Während die Hitze im Inneren des Ofens die Kruste der Brote langsam braun und knusprig werden ließ, wurden vor der Tür die wichtigsten Neuigkeiten ausgetauscht: Wer hatte die beste Ernte eingefahren? Wie stand das Korn auf den Feldern Richtung Niederdorfelden?
Nach einer guten Stunde war es so weit. Der Meister öffnete die schwere Eisenklappe. Ein Duft, so warm und erdig, dass einem das Wasser im Munde zusammenlief, strömte über den Platz. Mit dem langen Holzschieber holte er einen Laib nach dem anderen heraus.
Heinrich nahm sein Brot entgegen – die Kruste war kräftig, das Klopfen auf die Unterseite klang hohl und perfekt. Er legte die heißen Brote zurück in die Körbe.
Als er den Karren zurück über den Hof schob, begegneten ihm die Kinder, die bereits auf die „Abback-Kuchen“ warteten – kleine Teigreste, die flach gedrückt und mit Zwiebeln oder Speck belegt als schnelle Belohnung dienten.
Zuhause angekommen, schnitt Anna das erste Brot an. Der Dampf stieg auf, und Heinrich wusste: Solange der Rauch aus dem pyramidenförmigen Schornstein neben der Kirche aufstieg, war in Oberdorfelden die Welt in Ordnung.