Landschaft kann nur erlebt werden, wenn der Zugang zu ihr möglich ist und man sich in ihr aufhalten kann. Dieser Zugang wird aber mehr und mehr beschränkt und auch "zensiert" , indem Menschen direkt oder indirekt bestimmte "Aufenthaltsräume" in der Landschaft aufgezwungen werden. „Besucherlenkung“ wird das genannt. Dabei steht landschaftsbezogener Konsum im Vordergrund. Landschaftliche Highlights werden "erschlossen" . Wanderparkplätze, Sitzbänke und Papierkörbe signalisieren: Hier sind Aufenthalte erwünscht. Nach oder während des Konsums von Landschaft können (regionale) Konsumgüter und Dienstleistungen erworben werden. Das ist die gängige Vorstellung von der Versöhnung von Ökologie mit der Ökonomie.
Verdrängt wird der Mensch zunehmend durch Straßen mit motorisiertem Verkehr und dem entsprechenden Lärm und Gefahrenpotenzial. Die inzwischen auf großer Fläche bebauten, technisierten und intensiv genutzten Landschaften haben massiv an Aufenthalts- und Erlebnisqualität verloren. Der Ausbau von Wegen in diesen Landschaften zu befestigten Straßen für Landwirtschaft und für elektrifizierte Fahrräder (Pedelecs) verdrängt zunehmend Fußgänger, die gezwungen sind, sich in Reih und Glied an den Rändern dieser Pisten zu bewegen, immer in der Gefahr, von hinten an- oder umgefahren zu werden.
Folge davon ist, dass sich in bestimmten Gebieten zu bestimmten Zeiten, vor allem an den Wochenenden, Massenströme von Erholungssuchenden einfinden. Auf diese Weise werden dann die letzten noch attraktiven Landschaftsteile durch übermäßigen Tourismus entwertet. Hier schließt sich der Konsumkreis.
Diese Entwicklung, befeuert durch die vorherrschende Wachstumsideologie und den damit verbundenen Flächenfraß, scheint spiralig, unaufhaltsam zu expandieren. Die Entfremdung der Menschen von der Landschaft bringt eine zunehmende Distanz zur Natur im Allgemeinen, zu Pflanzen und Tieren mit sich.
Ein Aufsatz von 2005 diagnostizierte das Problem ausführlich aus Sicht des Naturschutzes, ohne jedoch eine schlüssige Antwort oder Lösung zu formulieren:
E. Bierhals, „Die falschen Argumente? Naturschutz-Argumente und Naturbeziehung“, Natur und Kultur, Bd. 6/1, S. 113–128, 2005, [Online]. Verfügbar unter: https://www.umweltethik.at/naturschutz-argumente-und-naturbeziehung/
Ähnlich klug, aber ganz offensichtlich ebenso wirkungslos, wurde schon 1992 über den Zusammenhang von Landschaftserlebnis und "umweltbewußtem Verhalten" nachgedacht und geschrieben:
"Pädagogisch wie gesellschaftlich wird es daher notwendig sein, den erlebten und gelebten Sinn dauerhaft abzulagern. Was innen bzw. leiblich angeeignet wurde, also unser Lebensraum wurde, muß derart vertraut werden, daß wir ihn vermissen, wenn er nicht mehr da ist. Verständlicherweise fällt der Schule hier eine besondere Rolle zu. Ihr Ziel ist das Erkennen der Landschaft resp. Natur. Vor dem Erkennen hat sie das Kennen zu setzen, das sich über eine affektive Verankerung (Erleben) einstellt. Umwelterziehung verstetigt sich nur, wenn sie diese spirale Stufung erfährt" (zitiert aus K.Wöhler)
K. Wöhler, „Landschaftserleben - Phänomenologische Grundlagen einer Kulturökologie“, Freizeitpädagogik 14 (1992) 2, S. 6, 1992, [Online]. Verfügbar unter: https://duepublico2.uni-due.de/servlets/MCRFileNodeServlet/duepublico_derivate_00027011/1992_2_Woehler_Landschaftserleben.pdf