25. März 2026
Riley Greene
Was passiert, wenn eine Sprache über viele Generationen weit entfernt von ihrem Ursprungsland gesprochen wird? Und wie beeinflusst eine dominante Sprache diese Entwicklung? Diese Fragen kann man gut am Beispiel von Texasdeutsch untersuchen, einer besonderen Varietät des Deutschen in den USA.
Texasdeutsch ist für mich besonders interessant, weil ich selbst in Texas lebe und es spannend finde, dass Deutsch hier eine lange Geschichte hat. Viele Menschen denken, dass Deutsch nur in Europa gesprochen wird, aber das stimmt nicht. In Texas gibt es eine eigene Form des Deutschen, die zeigt, wie Sprache sich verändert, wenn Kulturen aufeinandertreffen.
Texasdeutsch entstand im 19. Jahrhundert, als viele Deutsche nach Texas auswanderten (Boas, 2009). Diese Menschen kamen aus verschiedenen Regionen, zum Beispiel aus Hessen oder Bayern, und brachten ihre Dialekte mit. In Texas lebten sie oft in kleineren Gemeinschaften und hatten zuerst wenig Kontakt mit Englisch. Deshalb entwickelte sich eine eigene Sprachform, die Elemente aus verschiedenen deutschen Dialekten kombinierte.
Mit der Zeit änderte sich die Situation. Englisch wurde immer wichtiger, besonders in der Schule und im öffentlichen Leben. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Deutsch in den USA oft negativ gesehen, was dazu führte, dass viele Familien weniger Deutsch sprachen (Salmons, 2012). Heute sprechen vor allem ältere Menschen Texasdeutsch, und die Sprache ist vom Aussterben bedroht.
Ein interessantes Merkmal von Texasdeutsch ist der starke Einfluss des Englischen. Viele Sprecher mischen beide Sprachen im Alltag. Zum Beispiel sagen sie Sätze wie: „Ich habe den Truck repariert“ oder „Wir gehen downtown einkaufen“. Solche Beispiele zeigen, dass Sprecher flexibel mit beiden Sprachen umgehen.
In der Sprachwissenschaft nennt man dieses Phänomen Sprachkontakt. Laut Boas (2009) ist Texasdeutsch ein gutes Beispiel dafür, wie neue Sprachformen entstehen, wenn zwei Sprachen regelmäßig zusammen verwendet werden. Diese Veränderungen sind also keine Fehler, sondern ein normaler Teil von Sprachwandel.
Neben den sprachlichen Aspekten spielt auch die Identität eine wichtige Rolle. Für viele Sprecher ist Texasdeutsch ein Teil ihrer Familiengeschichte und Kultur. Auch wenn sie die Sprache nicht perfekt sprechen, fühlen sie sich oft mit der deutschen Herkunft verbunden.
Boas und Fingerhuth (2017) zeigen, dass viele Sprecher stolz auf ihre Sprache sind, sie aber immer weniger benutzen. Das bedeutet, dass Sprache nicht der einzige Faktor für Zugehörigkeit ist. Man kann sich auch zu einer Gruppe zugehörig fühlen, ohne die Sprache aktiv zu sprechen.
Ich finde diesen Punkt besonders interessant, weil er zeigt, dass Identität komplex ist. Sprache ist wichtig, aber sie ist nicht alles. Gleichzeitig frage ich mich, was passiert, wenn eine Sprache verschwindet. Geht dann auch ein Teil der Kultur verloren?
Es gibt Projekte wie das Texas German Dialect Project, die versuchen, Texasdeutsch zu dokumentieren und zu bewahren. Trotzdem ist es schwer, eine Sprache zu retten, wenn sie im Alltag kaum noch verwendet wird.
Zusammenfassend kann man sagen, dass Texasdeutsch ein spannendes Beispiel für Sprachwandel, Migration und Identität ist. Die Sprache zeigt, wie Menschen kreativ mit verschiedenen sprachlichen Einflüssen umgehen. Gleichzeitig macht sie deutlich, wie schnell eine Sprache verschwinden kann.
Was denken Sie? Sollte man solche Sprachvarietäten aktiv schützen, oder ist Sprachwandel ein natürlicher Prozess, den man akzeptieren muss?
Literaturhinweis:
Boas, H. C. (2009). The life and death of Texas German. Duke University Press.
Boas, H. C., & Fingerhuth, M. (2017). „I am proud of my language but I speak it less and less!“ – Der Einfluss von Spracheinstellungen und Sprachgebrauch auf den Spracherhalt von Heritage-Sprechern des Texasdeutschen. Linguistische Berichte, 249, 95–121.
Salmons, J. (2012). A history of German: What the past reveals about today’s language. Oxford University Press.
24. März 2026
Lucas Baker
Vor einem Jahr war ich auf der Vorbereitung für ein zweiwöchiges Auslandsstudium in Österreich. Diese Vorbereitung war meistens Hörverständnistraining für österreichische Aussprache und den Dialekt. Ich hatte Dutzende Stunden lang ÖRF-Podcasts gehört und ganze österreichische Fernsehserien geschaut, aber ich habe kaum den alltäglichen Dialekt gehört. Die einzige gute Quelle für Dialekte, die ich finden konnte, war ein Garten-YouTube-Kanal aus Linz und ein Dialekt-lehrender Kanal aus Salzburg.
Zu der Zeit hatte ich eine Sprachaustauschpartnerin aus Kärnten, und ich habe sie gefragt, ob ich ihren Dialekt hören könnte. Sie wollte nicht und sagte: „Ich spreche Dialekt nur mit Leuten aus meinem Dorf.” Sie hat auch gesagt, dass sie etwas mehr Standard-nah sprach, wenn sie Verwandte in Graz oder Wien besuchte. Ich habe ihre Antwort akzeptiert, und sie hat mir später einen Podcast geschickt mit ein bisschen Lovanttalerisch (ihr Dialekt), welche ich als Beweis halte, dass sie ihren Dialekt nicht als geheim halten wollte. Aber ich hatte noch einen Sprachpartner aus Wien. Als ich ihm meine Bitte vorgetragen habe, sagte er „Das würde sich sehr seltsam anfühlen, weil du kein Österreicher bist.“ Dieses Verhalten kann man mit der “Speech Accommodation Theory” erklären (Giles et al., 1987). Diese Theorie sagt, dass Menschen ihre Sprache verändern, je nachdem, mit wem sie sprechen. Sprache kann soziale Nähe oder Distanz zeigen. Vielleicht wollte mein Wiener Sprachpartner keine falsche Nähe herstellen. Dialekt ist oft etwas Persönliches und Regionales. Wenn er mit mir Standard sprach, blieb eine gewisse soziale Grenze da zwischen uns.
Als ich nach Österreich gereist bin, habe ich ein anderes Bild bekommen. Junge Leute konnten manchmal keinen Dialekt sprechen, aber ältere Leute sagten manchmal, dass sie nur Dialekt sprechen könnten. Was ich merkwürdig fand, war, dass ich alles, was sie sagten, ohne Mühe verstehen konnte. Es war nicht der gleiche „Dialekt“, den ich auf der Straße in den Dörfern hörte. Sie haben etwas Standard-nah mit mir gesprochen, aber sie haben es noch als „Dialekt“ bezeichnet.
Also, was ist mit dieser Bescheidenheit der älteren Generation über ihre „Hochdeutsch“ Fähigkeiten? Hier finde ich die Erklärung von Ingo Reiffenstein hilfreich: „Jeder Sprecher des österreichischen Deutsch verfügt über mehrere Sprachformen, Merkmalkombinationen, die er, abhängig von der eigenen sozialen Zugehörigkeit, vom Gesprächspartner, der Gesprächssituation und dem Gesprächsthema, wählt“ (Břenek, 2017, S. 29). Das bedeutet, dass Menschen in Österreich nicht nur Dialekt oder Standard sprechen können. Sie können mehrere Varianten und wählen sie bewusst oder unbewusst nach Situation. Das erklärt auch, was ich erlebt habe: Die älteren Leute, die sagten, sie könnten „nur Dialekt“, sprachen trotzdem mit mir eigentlich eine Form, die näher am Standard war, aber noch Dialekt Merkmale beinhaltet. Vielleicht sehen sie diese Variante trotzdem als Dialekt, weil es für sie nicht „perfektes" Hochdeutsch ist.
Hier sieht man, dass Dialekt und Standard in Österreich oft keine klaren Grenzen haben. Es gibt ein Kontinuum zwischen beiden Formen. Die Sprecher bewegen sich auf dieser Skala, abhängig davon, mit wem sie sprechen. Für mich war diese Erfahrung überraschend: Ich konnte die Dialekte oft problemlos verstehen, aber die Sprecher wählten bewusst eine andere Variante für mich zu hören. Ich glaube, das zeigt, dass die Sprache in Österreich stark mit Zugehörigkeit und sozialer Beziehung verbunden ist. Dialekt markiert Grenzen, aber hat auch selbst keine.
Ich frage mich, wie sich diese Beziehung zwischen Dialekt und Standard in der Zukunft verändern wird, besonders bei jungen Menschen, die viel online kommunizieren. Die junge Generation scheint einen anderen Standard für „Hochdeutsch" zu haben, also wird die Grenze zwischen Dialekt und Standard vielleicht stärker.
Literaturhinweis:
Břenek, O. (2017). Sprachgebrauch und Sprachbeurteilung in Österreich am Beispiel der jüngeren Generation, Frank & Timme. ProQuest Ebook Central, https://ebookcentral.proquest.com/lib/utxa/detail.action?docID=4890083.
Giles, H., Mulac, A., Bradac, J. J., & Johnson, P. (1987). Speech Accommodation Theory: The First Decade and Beyond. Annals of the International Communication Association, 10(1), 13–48. https://doi-org.ezproxy.lib.utexas.edu/10.1080/23808985.1987.11678638
Kennedy Ruhland
24. März, 2026
Als ich 16 war, lebte ich in Spittal an der Drau, Österreich, etwa einen Monat lang für ein Austauschprogramm. Es gab Bergen und grünes Gras kilometerweit – das genaue Gegenteil von meiner Heimat in Mansfield, Texas. In Texas haben die meisten Menschen eine Art von Akzent. Sie sprechen wie ihre Eltern sprechen und wie die Eltern ihre Eltern sprechen oder gesprochen hatten. In Österreich gibt es ein ähnliches Phänomen – in Kärnten spricht man ein anderes Deutsch als Hochdeutsch (Südbairisch). Tatsächlich konnte ich meine Gastfamilie nicht verstehen, obwohl ich Deutsch sprechen konnte. Meine Gastfamilie fing an, in meiner Gegenwart Hochdeutsch zu sprechen. Ich erinnere mich, dass ich fasziniert davon war. Wie kann man zwei Dialekte sprechen, die so unterschiedlich erscheinen? Ich fand, dass die Österreicher, die ich kannte, ziemlich stolz auf ihren Dialekt waren. Oft zogen sie ihren Dialekt dem Hochdeutschen vor und haben versucht, uns den Dialekt beizubringen. Das wirft die Frage auf, wie sie ihren Dialekt im Vergleich zu Hochdeutsch wahrnehmen. Wie sehen die meisten Deutschsprachigen ihren Dialekt?
Dieses Phänomen ist als Wahrnehmungsdialektologie bezeichnet. Zunächst ist es wichtig, die Geschichte der Dialekte zu verstehen. Bevor es die deutsche Standardsprache gab, betrachtete man Dialekte als Phänomen des ländlichen Raums (Barbour und Stevenson, 1998, S. 63). Die Dialekte wurden als etwas Negatives angesehen. Heute ist es natürlich anders – genauso wie ich es während meiner Zeit in Österreich erfahren habe. Die Forschung hat ergeben, dass die Österreicher ihren Dialekt positiv betrachten (Wirtz und Ender, 2025, S. 14). Im Vergleich zu den Sprechern, die Deutsch als Zweitsprache lernen, betrachten die deutschen Muttersprachler in Österreich ihre Dialekte als freundlicher als Hochdeutsch (ibid.). Auf der anderen Seite empfinden die Leute, die Deutsch als Zweitsprache lernen, Hochdeutsch als die freundliche Variante (ibid.). Als ich in Österreich lebte, fand ich, dass das stimmt. Meine Gastschülerin fühlte sich in der Gegenwart von Leuten, die den südbairischen Dialekt sprechen konnten, ganz wohler. Ich jedoch fühlte mich in der Gegenwart der Leute, die bereit waren, mit mir Hochdeutsch zu sprechen, wohler. Intelligenz war auch ein subjektiver Faktor – die Österreicher sehen die Standardsprache als intelligentere als der Dialekt (Wirtz und Ender, 2025, S. 13). Ich fand, dass es stimmte, weil ich das auch so sah.
Etwas mehr darüber in Bezug auf Englisch – auf Englisch ist es ähnlich, besonders die Wahrnehmung von Intelligenz. Wir betrachten Dialekte als weniger formell und somit als weniger intelligent (z.B. amerikanische südliche Dialekte). Ich finde, dass das für viele Sprachen gilt – das Phänomen der Wahrnehmungsdialektologie gilt allgemein. Um die Frage zu beantworten, wie bairische Sprecher ihren Dialekt betrachten, finde ich, dass es nicht so anders als Englisch ist.
Insgesamt sieht die Mehrheit der Sprecher in Österreich ihren Dialekt als etwas Positives an. Ich finde, das stimmt für die Leute, die ich in Kärnten kennengelernt habe. Die Forschung dieses Bereichs der Sprachwissenschaft unterstützt diese Feststellung. Wieder frage ich – wie sehen die Sprecher in Kärnten, Österreich, ihren Dialekt im Verhältnis zu Hochdeutsch? Sie sehen es als ein Symbol ihrer Heimat und vielleicht als ein Teil von ihr. Durch das Verständnis der Einstellung der Sprache können wir die Menschen kennenlernen, und das ist wirklich wichtig in dieser Zeit.
Litaraturhinweis:
German, Barbour, S., & Stevenson, P. (1990). Variation in German. Cambridge University Press.
Wirtz, M. A., & Ender, A. (2025). Functional Prestige in Sociolinguistic Evaluative Judgements Among Adult Second Language Speakers in Austria: Evidence from Perception. Languages, 10(4), 67–67. https://doi.org/10.3390/languages10040067
20. Februar 2026
Zaida Scott
Was bedeutet es, “deutsch genug” zu sein? Reicht es, Deutsch zu sprechen, oder muss man es flüssig, fehlerfrei und ohne lange nachzudenken sprechen? Diese Frage begleitet mich besonders, wenn ich in Deutschland bin und jemand ein Gespräch mit mir auf Deutsch führt. In diesen ersten Sekunden entscheidet sich oft mehr als nur der Verlauf einer Unterhaltung. Es geht um Zugehörigkeit. Dabei habe ich gemerkt, dass Zugehörigkeit nicht einfach durch Herkunft oder Sprachkenntnisse entsteht, sondern sich in kleinen sprachlichen Momenten immer wieder neu entscheidet.
Als Tochter einer deutschen Mutter bin ich mit zwei kulturellen Bezugssystemen aufgewachsen. In den USA werde ich häufig als “europäisch” oder “deutsch” wahrgenommen. Dass ich Deutsch sprechen kann, wird als etwas Besonderes gesehen. Es wirkt wie ein Vorteil, wie eine zusätzliche Fähigkeit. In Deutschland ist das anders. Deutsch ist nichts Besonderes, sondern selbstverständlich und wird vorausgesetzt.
Das merke ich besonders in ganz normalen Gesprächen. Letzten Sommer, als ich mehrere Monate in Würzburg studiert habe, war dieses Gefühl besonders stark. Ich habe viele neue Leute kennengelernt, oft in Situationen, in denen ich niemanden kannte. Wenn jemand mit mir auf Deutsch geredet hat, habe ich sofort Druck gespürt. Ich weiß eigentlich, dass ich die Sprache kann, aber in diesem Moment hatte ich das Gefühl, mich beweisen zu müssen. Ich wollte schnell antworten und nicht lange überlegen. Wenn die Person dann einfach weiter Deutsch mit mir gesprochen hat, war ich richtig erleichtert. Dann fühlte es sich normal an. Als sie ins Englische wechselte, hatte ich sofort das Gefühl, wieder die “Amerikanerin” zu sein, die kein Deutsch konnte.
Das Gefühl kommt nicht nur von mir selbst. In der Sprachwissenschaft wird Identität nicht als etwas Festes verstanden, sondern als etwas, das im Austausch mit anderen entsteht. Bucholtz und Hall (2005, S. 588) beschreiben Identität als soziale Positionierung, die in der Interaktion entsteht. Das heißt, in diesen kurzen Momenten entscheidet sich, wie ich gesehen werde. Wenn das Gespräch auf Deutsch bleibt, werde ich anders wahrgenommen, als wenn plötzlich ins Englische gewechselt wird.
Meine Unsicherheit in diesen Momenten fühlt sich oft wie persönliche Nervosität an. Aber vielleicht geht es dabei um mehr als nur persönliche Nervosität. Bunk (2025, S. 164-169) beschreibt, dass das, was häufig als "Sprechangst" bezeichnet wird, oft mit sprachlichem Druck und Perfektionismus zusammenhängt. Mehrsprachige Sprecher*Innen sind sich besonders bewusst, welche Normen gelten, vor allem die Erwartung, Standarddeutsch korrekt und selbstverständlich zu sprechen. Dieser innere Anspruch kann dazu führen, dass man sich selbst strenger bewertet als andere es vielleicht tun würden. Vielleicht spüre ich diesen Druck deshalb so stark, weil ich gelernt habe, dass “gutes” Deutsch fehlerfrei und mühelos wirken sollte. Gerade, weil ich familiäre Bezüge nach Deutschland habe, ist mein eigener Anspruch besonders hoch. Es geht weniger darum, ob andere mich akzeptieren, sondern darum, ob ich selbst das Gefühl habe, diesem Ideal zu entsprechen.
Sprache hängt auch mit sozialen Gewohnheiten zusammen. Zum Beispiel wie schnell man antwortet oder wie direkt man etwas sagt. Manche Dinge fühlen sich in einem Land einfach “normal” an. Wenn ich merke, dass ich in manchen Situationen amerikanisch reagiere, wird mir bewusster, dass ich nicht ganz dazugehöre. Nicht, weil mich jemand ausschließt, sondern weil ich selbst bemerke, wie eng die Sprache und der Alltag miteinander verbunden sind.
“Deutsch genug” zu sein bedeutet für mich nicht mehr perfekt oder fehlerlos zu sprechen. Herkunft oder Sprachkenntnisse allein reichen nicht aus. Entscheidend sind die kleinen, alltäglichen Interaktionen, in denen Identität ausgehandelt wird. Zwischen zwei Sprachen zu leben bedeutet für mich deshalb nicht, unentschieden oder “nicht genug” zu sein. Es bedeutet, mit dieser Beweglichkeit zu leben und sie als Teil meiner Identität anzunehmen.
Literaturhinweis:
Bunk, O. (2025). The anxious heritage speaker? Language anxiety and insecurity in multilingual contexts. In A. Alexiadou, C. Scarvaglieri, C. Schroeder, & H. Wiese (Eds.), The construction of multilinguals as others: Do we practice what we preach? (pp. 153–177). Language Science Press. https://doi.org/10.5281/zenodo.17132453
Bucholtz, M., & Hall, K. (2005). Identity and interaction: A sociocultural linguistic approach. Discourse Studies, 7(4–5), 585–614. https://doi.org/10.1177/1461445605054407
26. Februar, 2026
Asra Kucukcetin
Das Crazy, Jugendwort des Jahres 2025. Dieser Ausdruck wird verwendet, wenn etwas überraschend und ungewöhnlich oder schwer zu erklären ist. Grammatikalisch ist der Ausdruck eigentlich unvollständig. Im Standarddeutsch würde man sagen “Das ist Crazy”. Doch diese Verkürzung macht den Ausdruck jugendsprachlich. Medienberichten haben, dass dieser Ausdruck, “Das Crazy”, nur in informellen Situationen benutzt wird, zum Beispiel in Social Media oder mit Freunden geschrieben (Cords, 2025).
Wenn ich diese Ausdruck zum ersten Mal gehört habe, war ich interessiert. Nicht, weil Deutsche Jugendliche benutzt haben, sondern es wurde in einer sehr offiziellen Nachricht Sendung in Deutschland namens Tagesschau präsentiert. (Das Video finden Sie links.) Das ist sehr interessant, weil es zeigt, wie deutsche "Slang" ein Teil der deutschen Kultur werden.
Jedes Jahr, nachdem das neue Wort des Jahres vorgestellt wurde, haben viele Menschen viele unterschiedliche Meinungen dazu und Reaktionen darauf. Manche Leute finden es lustig, aber andere, oft ältere, Menschen empfinden es als verwirrend oder störend. Mit genau diesen Reaktionen können wir erklären, warum Jugendsprache ein spannendes soziolinguistisches Phänomen ist. In diesem Blogbeitrag untersuche ich, was die heutige Jugendsprache in Deutschland über die Identität junger Menschen und des gesellschaftlichen Wandels verrät und wie besonders ältere Menschen darauf reagieren.
Wie man spricht sagt viel über wie er ist, woher er kommt, mit welchen Gruppen er räsoniert und so weiter. Jugendsprache ist die Sprache, die viele junge Menschen im Alltag benutzen. (AlleSprachen.at, 2025) Sie hilft ihnen, ihre Identität zu zeigen und sich mit anderen Jugendlichen verbunden zu fühlen. Jannis Androutsopoulos (2005), der Sprachwissenschaftler von der Universität Hamburg erklärt, dass Jugendsprache vor allem eine soziale Funktion habe. Er erklärt, wie Jugendsprache benutzt werde, um zu zeigen, dass man zu einer Gruppe gehört.
Androutsopoulos erklärt, dass Jugendsprache sehr kreativ sei und sich ständig verändere. Neue Wörter kommen durch Musik, (Ich habe viele in Rap Musik gehört), Soziale Medien, oder von Kontakt zwischen verschiedenen kulturellen Gruppen. Als jemand, der mit türkischen Wurzeln in Deutschland gelebt hat, kann ich bestätigen, dass die Türkische Sprache einen großen Einfluss auf die Jugendsprache hat. Ich glaube, es gibt keinen Begriff für die Mischung aus Deutsch und Turkish, so wie man Englisch und deutsch "Denglisch" nennt. Ein weiteres Jugendwort ist zum Beispiel: “Teuschish” = Turkisch + Deutsch. Dieses kleine Beispiel zeigt, wie einfach und kreativ Jugendsprache sein kann. Androutsopoulos schreibt auch, dass Jugendliche genau wissen, wann sie welche Sprache benutzen. An der Schule oder an der Universität benutzen sie Standarddeutsch. Dass zeigt, dass Jugendsprache kein Zeichen von “schlechtem deutsch” ist, sondern von sprachlicher Flexibilität und sozialem Bewusstsein.
Viele ältere Menschen reagieren negativ auf die Jugendsprache. Sie sagen zum Beispiel, dass die Jugendlichen nicht mehr “richtig” Deutsch sprechen oder dass sie gemein und respektlos sind. Ich stimme ihnen zum Teil zu, aber die Forschung zeigt, dass Jugendsprache kein Zeichen von Sprachverfall ist. Die deutsche Gesellschaft für Sprachwissenschaft erklärt, dass Varianten wie Jugendsprache oder Kiezdeutsch, “Eine multiethnische Variante des Deutschen, die von jungen Menschen aus multikulturellen Gemeinschaften gesprochen wird und sich in Bezug auf Wortschatz, Syntax und Phonetik vom Standarddeutschen unterscheidet” (Penney, Weirich, & Jannedy, 2024 (s.1)) und die Standardsprache nicht bedrohen.
Mit anderen Worten: “Das Crazy” geht im heutigen Deutschland weit über den hinaus, was es eigentlich ist. Es weist auf gesellschaftlichen Wandel. Jugendsprache und Wörter sind nicht nur ein kurzer Trend. Besonders durch soziale Medien verbreiten sich neue Wörter heute viel schneller als früher und erreichen nicht nur Jugendliche, sondern auch die breite Öffentlichkeit, zum Beispiel durch Nachrichten wie die Tagesschau. Das zeigt, dass Jugendsprache zunehmend Teil der allgemeinen Sprachkultur wird.
Wir wissen alle, dass Sprachwandel nicht etwas Neues ist. Sprachen verändern sich ständig, egal ob es um neue Wörter, neue Ausdrucke oder neue Arten zu sprechen geht. Auch die Jugendsprache gehört dazu. Sprachwissenschaftler erklären, dass solche Veränderungen ganz normal und unvoreingenommen sind. Es zeigt, dass eine Sprache lebt und sich neue Situationen anpasst. Neue Wörter entstehen, weil sich unsere Lebenswelt verändert, durch Social Media, Migration, und Globalisierung (lehrwerk.at, 2021). Für mich zeigt das, dass Deutsch sich nicht verliert, sondern sich weiter entwickelt, genau wie die Gesellschaft selbst.
Literaturhinweis
AllesSprachen.at. (2025). Jugendsprache 2025: Definition, Beispiele und kleines Wörterbuch. https://www.allesprachen.at/blog/jugendsprache/
Androutsopoulos, J. (2005). Research on youth language. In U. Ammon, N. Dittmar, K. J. Mattheier & P. Trudgill (Eds.), Sociolinguistics / Soziolinguistik, De Gruyter Mouton. https://www.researchgate.net/publication/364678460_Research_on_Youth-Language
Cords, Suzanne. “‘Das crazy’ Is the German Youth Word of the Year 2025.” Deutsche Welle, 18 Oct. 2025, www.dw.com/en/das-crazy-is-the-german-youth-word-of-the-year-2025/a-74404721
Deutsche Gesellschaft für Sprachwissenschaft (DGfS). (n.d.). Sprachliche Innovation in Kiezdeutsch. Humboldt-Universität zu Berlin. https://www.linguistik.hu-berlin.de/en/institut-en/professuren-en/german-in-multilingual-contexts/projects/ongoing-projects/kiezdeutsch/sprachliche-innovation-in-kiezdeutsch/sprachliche-innovation-in-kiezdeutsch
Penney, J., Weirich, M., & Jannedy, S. (2024). Increased breathiness in adolescent Kiezdeutsch speakers: A marker of multiethnolectal group affiliation? Language and Speech. https://doi.org/10.1177/00238309241269059
→ Tagesschau. (2025). Jugendwort des Jahres 2025: „Das Crazy“ [Video]. https://www.tagesschau.de/tagesthemen/video-1516754.html
lehrwerk.at. (2021). Sprachwandel und sprachliche Variation. https://www.lehrwerk.at/2021/11/30/sprachwandel-und-sprachliche-variation
17. Februar, 2026
Trent Kinder
Während ich in Würzburg studierte, hatte ich die Möglichkeit, Salzburg mit meiner Familie zu besuchen, wo ich zum ersten Mal österreichisches Standarddeutsch (ÖSD) kennengelernt habe und dort ich mein Lieblingsdeutschwort, “Erdäpfel”, gefunden habe. Es gibt viele Unterschiede im Wortschatz zwischen den Sprachen: Wenn jemand in Österreich zu Fuß geht, ist man ein „Fußgeher“ statt „Fußgänger“, isst man ein „Erdäpfel“ statt „Kartoffel“, geht man „Stiege“ statt „Treppe“ hinauf/hinunter usw. Meiner Meinung nach, wegen der Entwicklung und Verwendung des ÖSD, wurde Österreich ermöglicht, seine Identität als Nation zu errichten und stützen.
Falls du schon mal in Bayern warst, könntest du dich mit diesen Begriffen bekannt sein, weil österreichisches Standarddeutsch von der österreichisch-bairischen Dialektgruppe genauso wie „deutsches“ Standarddeutsch (DSD) von Ostmitteldeutsch beeinflusst wurde (Barbour & Stevenson, 1998, S. 51-52). Und obwohl einige Wörter in ÖSD ein „Bisserl“ wie bairische Dialekte klingen, musst du niemals DSD als die Standardsprache in Österreich verwenden. Die Verwendung des DSD ist nach den Meinungen vieler Österreicher*innen tabu. Ich habe solchen einen Fehler in Salzburg gemacht, wenn ich in einem Restaurant gesagt habe, dass mein Essen mir „lecker“ schmeckt. Ein älterer Mann, der in meiner Nähe war, hat mich gehört und korrigiert, weil „lecker“ „zu deutsch“ war.
Es gab einmal eine Zeit, als es für Osterreicher*innen nicht tabu war, „deutsch“ zu sein (solange er/sie Deutsch sprach). Vor dem 2. Weltkrieg war Österreich eigentlich mit der deutschen Welt verbunden (oder zumindest seine deutschen Muttersprachler waren): Österreich war ein von den stärksten Staaten in dem Heiligen Römischen Reich und dem Deutschen Bund (vor dem Deutschen Krieg gegen Preußen), und seine erste Republik war einst „die Republik Deutschosterreich“ genannt (Thaler, 2001, S. 67-69). Aber nach dem 2. Weltkrieg war seine Verbindung ein Problem, als der Wunsch danach, mit Deutschland beizutreten, mit National-Sozialismus verbunden wurde (Cetta & Kreis, 2010).
Die neue österreichische Identität wurde teilweise erstellt, um Österreich von dieser Verbindung zu trennen. Das erste österreichische Wörterbuch wurde im Jahr 1951 publiziert und von der österreichischen Regierung statt des deutschen Duden-Wörterbuchs anerkannt (Dollinger 2019, S. 48). Durch dieses Wörterbuch wurde ÖSD offiziell anerkannt, und durch diese Sprache konnte eine Identität anerkannt werden. Und die Trennung der österreichischen Identität war erfolgreich: In einer Umfrage im Jahre 1956 sagten 46 Prozent der Beantwortenden, dass die Österreicher*innen ein Teil der Deutschen statt ihrer eigenen Nation waren. Im Jahre 1994 sagten 94 Prozent der Beantwortenden das Gegenteil: Österreicher*innen waren eine Nation (Thaler, 2001, S. 167-169). Natürlich war die Sprache nicht der einzige Faktor, aber sie war wichtig. Die österreichischen Varianten (z.B. “Jänner” statt “Januar”, “Paradeiser” statt “Tomate” und mein geliebter “Erdäpfel”) waren nicht mehr Varianten, sondern Standardbegriffe des ÖSD, und die Sprache könnte von Schulen, in der Regierung und in anderen offiziellen Bereichen verwendet werden.
Die Anerkennung des österreichischen Deutschen macht Deutsch besonders unter den pluralzentrischen Sprachen in Europa. Obwohl es andere pluralzentrische Sprachen (z.B. Englisch, Spanisch, Französisch usw.) gibt, liegt die Quelle der „offiziellen“ Pluralzentriertheit außerhalb Europas („offiziell“ in dem Sinn, dass die Variation eine nationale Standardsprache ist, z.B. amerikanisches und britisches Englisch). Das macht den Beitritt Österreichs zu der Europäischen Union ein interessanter Fall. Als Deutschland schon ein Mitglied der EU war, hatten Österreicher*innen Angst davor, dass Regelungen zum Thema Sprache (z.B. Lebensmittelkennzeichnung) die Aszension zur EU ÖSD „preußifizieren“ würde (Markhardt, 2005, in Christen, 2006, S. 362). Um diese Ängste zu beruhigen, hat Österreich für die Anerkennung der verschiedenen Begriffe der Lebensmittel argumentiert. Sein Argument war erfolgreich und in Protokoll 10 haben dreiundzwanzig Begriffe die gleiche Anerkennung wie ihre Übersetzungen in DSD. Das zeigt einfach, wie viel Österreicher*innen tun werden, um nicht “Deutsch” zu sein.
Hier stehen die 23 Wörter des EU-Protokolls. Weißt du, was die “deutschen Deutsch”-Übersetzungen sind?
Beiried Karfiol Paradeiser Eierschwammerl
Kohlsprossen Powidl Erdäpfel Kren
Ribisel Faschiertes Lungenbraten Rostbraten
Fisolen Marillen Schlögel Grammeln
Melanzani Topfen Hüferl Nuß
Vogerlsalat Obers Weichseln
Literaturhinweis:
Barbour, S. & Stevenson, P. (1998). Variation im Deutschen: Soziolinguistische Perspektiven. Berlin: de Gruyter.
Cetta, T. & Kreis, G. (2010) "Pangermanismus", Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/017464/2010-09-23/.
Christen, H. (2006). [Rezension von Das Österreichische Deutsch im Rahmen der EU, von H. Markhardt]. Zeitschrift Für Dialektologie Und Linguistik, 73(3), 360–364. http://www.jstor.org/stable/40505233
Council of the European Union. (1994). Act concerning the conditions of accession of the Republic of Austria, the Kingdom of Sweden and the Republic of Finland and the adjustments to the Treaties on which the Union is founded. Official Journal of the European Communities, C 241/9. https://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=CELEX:11994N/TXT:EN:HTML
Dollinger, Stefan. (2019). The Pluricentricity Debate: On Austrian German and Other Germanic Standard Varieties. London: Routledge.
Thaler, Peter. (2001). The Ambivalence of Identity: The Austrian Experience of Nation-Building in a Modern Society. Purdue University Press.
12. Februar, 2026
Sarah Oliver
Als ich letzten Sommer in Berlin lebte, war ich schockiert wie oft im Alltag Deutsch und Englisch vermischt wurden (sogar in meinem Büro!) Es waren nicht immer nur einzelne Wörter sondern ganze Phrasen und Sätze, die die beiden Sprachen miteinander verbunden. Es handelte sich nicht nur um ein "occasional deviation”, es war total normal. Das wirft also die Frage: Was verrät die heutige Jugendsprache über die Identität der jungen Generation und den gesellschaftlichen Wandel?
Jugendsprache erscheint ein soziolinguistisches Merkmal zu sein, wie eine Generation sich selbst und die Welt sieht. In Sprachwissenschaft- wird die Jugendsprache als ein wichtiges Symbol von Identität und gelegentlich, Rebellion. Im Gegensatz zu Standardsprache widersetzen Merkmale der Jugendsprache traditionellen Regeln, Normen, und sie symbolisieren die Zugehörigkeit zu eine Art Subkultur jenseits von Religion, Geschlecht, Bildungsstand, oder wirtschaftlichen Stand (Sharova, 2025).
Barbour & Stevenson’s Werk “Variation im Deutschen” beschreibt die Beziehung zwischen sozialer Dynamik und Sprache. Sie beschrieben wie die Varietäten in deutschen geographischen und sozial Umgebungen sich entwickeln - Jugendsprache ist hier keine Ausnahme. (Barbour & Stevenson, 1998).
Meiner persönlichen Erfahrung nach ist “Denglisch” eine sehr sichtbare Form der Jugendsprache (insbesondere in Berlin). Ich habe dies nicht nur bei Freunden und Fremden im Alltag bemerkt, sondern auch in meinem Büro, Filme, Werbungen, und so weiter. Mir war das Ausmaß der Folgen der Vermischung der beiden Sprachen nicht bewusst, insbesondere in Kontexten, in denen ich davon ausging, dass dies informell wäre. Ich hatte verstanden, dass dies manchmal vorkommen würde, da ich schon einmal in Deutschland gewesen war. Die Häufigkeit und die Zahl der Opfer in Berlin waren jedoch völlig neu. Es fühlte sich auch so an, als ob ich es nicht in mein erlerntes Deutsch integrieren könnte.
“Denglisch” bezeichnet die Verwendung von englischen Lehnwörtern in der alltäglichen Sprache, vor allem bei jüngeren Sprecher. Es handelt sich nicht nur um eine Modeerscheinung oder einen Slangausdruck, sondern um ein Symbol der globaler Teilhabe. Die Verwendung englischen Begriffe demonstriert in den Augen vielen Menschen “Medienkompetenz” oder “media literacy.” Dies zeigt nicht nur die Popularität von englisch sprachigen Medien, sondern auch der Einfluss von globalen Medien. Dies etabliert Englisch als eine Art Verkehrssprache (lingua franca) für jüngere Menschen - und das stimmt nicht nur in Deutschland.
Zusätzlich zu Denglisch gibt es andere Jugendsprachen wie Kiezdeutsch. Ähnlich wie Denglisch kommt es von Berlin in jungen urbanen Orten wo Sprachen wie Turkisch und Arabisch mit Deutsch vermischt sind. Jedoch lehnen viele Menschen es ab. Aber Wiese (2015) argumentiert, dass solche Varietäten auch regel orientiert und aussagekräftig sind. Der Umgang solchern Sprachvarietäten neben Standarddeutsch ist in jedem Fall eine Kunst (Wiese, 2015).
Was also deckt Jugendsprache über die Identität deutscher Jugendlicher auf? Der Gebrauch der Sprache ist kein Zeichnen von Sprachenfall, sondern von sprachlicher Vielseitigkeit und Kompetenz. Es gibt eine Kunst zum “Code-Switching” für junge Leute (Maier, 2021; Barbour & Stevenson, 1998; S.5). Die Fähigkeit in der Schule und Formellen Kontexten, Standarddeutsch zu sprechen, und Jugendsprache unter Freunden und Nachbarn sprechern ist eine wertvolle Fähigkeit. Jugendsprache vermischt Identitäten und schafft ein Raum für Zugehörigkeit. Es ist ein Spiegelbild der Jugend Gesellschaft und der einladenden Natur für global Engagements und Inklusion.
Literaturhinweis:
Barbour, S., & Stevenson, P. (1998). Variation im Deutschen Cambridge University Press.
Sharova, V. (2025). German-language youth slang as a component of oral and electronic communication: Features of formation and trends. SSRN. https://papers.ssrn.com/sol3/papers.cfm?abstract_id=5164496
Wiese, H. (2015). “This migrants’ babble is not a German dialect!”: The interaction of standard language ideology and ‘us’/’them’ dichotomies in the public discourse on a multiethnolect. Language in Society, 44(3), 341–368. http://www.jstor.org/stable/43904128
Maier, Patricia. (2021). Code-Switching among bilingual German-American Adolescents. 10.13140/RG.2.2.33399.84647.
11 Februar, 2026
Austin Jeffery
Viele Menschen wissen, dass die Schweiz vier offizielle Sprachen hat, die Deutsch, Französisch, Italienisch und Rätoromanisch sind, aber die Frage steht: was sind die Meinungen über so viele Sprachen in einem Land und wie beeinflusst diese Phänomene die Identität der Schweizer*innen?
Die klassische Idee über nationale Selbständigkeit ist, dass eine Sprache zu einem Land und Kultur gehört, aber das ist nicht ganz wahr in den meisten Fällen und die Schweiz ist keine Ausnahme. Obwohl manche Kantone eine Mehrheitssprache haben, haben viele andere Kantonen mehr als eine Sprachgemeinde. In der schweizen Verfassungen, Artikel 4, wird die Schweiz seit 1848 als viersprachiges Land definiert (Werlen, 2004, S. 1; Parpan-Blaser et al., S. 573).
In der Schweiz heutzutage gibt es zwei Varianten von Deutsch, Schweizer Standarddeutsch, die die Schriftsprache und Ausbildungssprache ist, und Schwyzerdütsch, die überall in der Schweiz gesprochen wird. Es wird von etwa zweiundsechzig Prozent Schweizer*innen gesprochen (Parpan-Blaser, S. 575). Schwyzerdütsch hat in der Vergangenheit beide gesprochen und geschrieben, aber die Buchdrucker wollten einen größeren Markt für ihre Bücher, um sie zu verkaufen (Pap, 1990, S. 112). Obwohl Universitäten Standarddeutsch für die Unterrichtssprache benutzen, benutzen die deutschsprachigen Kantone ihren eigenen Varianten von Schwyzerdütsch für Ausbildung (Hega, 2001, S. 215). Das bedeutet, dass es schwerer für Schweizer*innen ist, die kein Schwyzerdütsch können, eine Ausbildung in anderen Kantonen machen zu können.
Etwa 20,4% aller Schweizer*innen sprechen Französisch als Muttersprache (Werlen, 2004, S. 3). Es wird mit Deutsch in den Kantonen Bern, Freiburg/Fribourg und Wallis/Valais gesprochen und spielt eine größere Rolle in der Schweiz mit der Ergänzung von der Waadt/Vaud und Genf/Geneva (Pap, 1990, S. 112). Ungleich mit den anderen Sprachen in der Schweiz, sprechen meisten Französisch Sprecher*innen die Standardsprache und nicht Patois (Pap, 1990, S. 133). Das ist keine Überraschung, denn man kann die gleiche Situation in Frankreich finden. Französisch in der Schweiz ist interessant, denn es ist keine Minderheitensprache wie Italienisch oder Romansch, aber es ist nicht die Mehrheitssprache.
Obwohl Italienisch den gleichen Zustand hat und als Minderheitensprache geschützt wird, haben die Sprecher*innen eine niedriger sozial-ökonomische Situation in der Schweiz als Schweizer*innen, die Deutsch oder Französisch sprechen (Moretti, Casoni und Pandolfi, 2021, S. 253). Italienisch wird nur in Ticino und Graubünden gesprochen (Hega, 2001, S. 207). Italienisch verstärkert sich seit 1950 mit 5,9 % nach 8,4 % in 2010, denn viele italienische Gastarbeiter sind nach der Schweiz gekommen (Moretti, Casoni, und Pandolfi, 2021, S. 253).
Rätoromanisch hat die kleinste Menge von Sprecher*innen mit nur 0,5 % (Parpan-Blaser, S. 575). Es wird nur im Kanton Graubünden gesprochen. Auch ist Rätoromanisch kein Amtssprache in der Schweiz, aber es wird im Bekanntenkreis, Dörfer und Alltags noch gesprochen (Cathomas, 1981, S. 105). Die Sprache war im Rückgang, denn sie hatten 1,0 % in 1950 und in jedem Jahrzehnt wird es von 0,1 % eingegangen (Werlen, 2004, S. 4). Obwohl Deutsch Rätoromanisch verdrängte, haben die Sprecher*innen viel Sympathie für Schwyzerdütsch (Cathomas, 1981, S. 105). Genau wie Schwyzerdütsch hat Rätoromanisch viele Dialekte, denn die Gebirge isolierten Menschen (Schweizerische Eidgenossenschaft, 2024). In der Vergangenheit halfen die Gebirge mit Sprachkonservierung, aber heute ist das viel schwerer mit Migration von anderen Länder und anderen Kantonen.
Obwohl die Schweiz wie eine vielsprachige Paradise aussieht, haben die verschiedene Sprachgemeinde leider auch Probleme miteinander. Zum Beispiel fand die deutschsprachige Gemeinde Französisch sehr einfach zu lernen, denn die Schulen im deutschsprachigen Gebiet bieten Französisch Klasse an, aber die französischsprachige Gemeinde hatte viele Beschwerden über die deutschsprachige Gemeinde. Die Eidgenössische Konferenz der Kantonalen Erziehungsdirektoren machte Bemühen, so dass alle Schüler*innen eine andere Sprache, die in der Schweiz gesprochen wird, aber das könnte Probleme erzeugen, denn viele Sprecher*innen von Deutsch und Rätoromanisch sprechen sie ihren eigenen Dialekt (Hega, 2001, S. 215). So viel, dass ein Teil vom Kanton Bern sich getrennt hat und der neue Kanton Jura gründete (Pap, 1990 S. 134, ; Hega, 2001, S. 215). Auch die Menschen, die Italienisch oder Rätoromanisch sprechen, glauben, dass ihre Sprache wegen des Deutschen gefährdet seien. Diese Angst ergibt Sinn, denn Deutsch hat die meisten Sprecher*innen in der Schweiz. Heutzutage sind viele Menschen zu neuen Kantonen mit einer anderen Sprache umgezogen, aber es gibt Ausbildungsprogramme und Vereine für die kleinere Sprache wie Französisch Patois und Rätoromanisch, so hoffentlich können diese Situation eine Lösung gefunden werden (Pap, 1990, S. 133; Schweizerische Eidgenossenschaft, 2024).
Die Antwort für die Frage über Meinungen, Identität und Sprache ist kompliziert, denn die Meinungen und Identität kommen darauf an den verschieden Sprachgemeinde und an der Geschichte für jede Sprache.
Literaturhinweis:
Cathomas, T. (1981). “Die Einstellung der Rätoromanen zum Schwyzertütsch.” 33, 105-117,
Hega, G. M. (2001). “Regional Identity, Language and Education Policy in Switzerland.” Compare, 31(2), 205 - 227. DOI: 10.1080/0305792012005321 0
Moretti, B., Casoni, M., und Pandolfi, E. M. (2021). “Italian in Switzerland: Statistical Data and Sociolinguistic Varieties.” Gragoatá, Niterói, 26(54), 252-293. DOI: https://doi.org/10.22409/gragoata.v26i54.46913
Pap, L. (1990). “The language situation in Switzerland:: An updated survey.” Lingua
80(2-3), 109-148. https://doi.org/10.1016/0024-3841(90)90018-G
Parpan-Blaser, A. Girard-Groeber, S., Antener, G., Arn, C., Baumann, R., Caplazi, A., Carrer, L., Diacquenod, C., Lichtenauer, A., Andrea Sterchi, A. (). “Easy Language in Switzerland.” Handbook of Easy Languages in Europe, 573 - 622.
Schweizerische Eidgenossenschaft (2024). “Allegra! A look at Romansh, Switzerland's fourth language.” About Switzerland. https://www.aboutswitzerland.eda.admin.ch/en/allegra-a-look-at-romansh-switzerlands-fourth-language
Werlen, I. (2004). “Zur Sprachsituation der Schweiz mit besonderer Berücksichtigung der Diglossie in der Deutschschweiz.” Vereinigung für angewandte Linguistik in der Schweiz, 79, 1-30. ISSN 1023-2044
8. Februar, 2026
Jay Nagle
Wenn man transgender oder besonders non-binär (so wie ich) ist, kann es schwierig sein, sich visibel und respektiert in der deutschen Sprache zu fühlen. Als ich erstmals Deutsch lernte, gab es sofort ein Problem: Welche Pronomen sollte ich nutzen? Im Englischen ist es einfach (aber nicht unumstritten), neutrale Pronomen zu nutzen, aber im Deutschen ist das nicht so. Im Vergleich zu englischen Pronomen, mit den maskulinen, femininen und neutralen Optionen, bemerkte ich, dass es im Deutschen nur zwei Möglichkeiten gibt, die für Menschen genutzt werden können: Maskulin und feminin. Und sofort wurde mein Leben als Deutschlerner schwieriger. Ich fragte mich, ob es in der deutschen Kultur einen Platz für mich gibt und ob es sich wirklich für mich lohnt, Deutsch zu lernen, wenn mein Identität inhärent in der Sprache nicht repräsentiert wird. Offensichtlich entschied ich, dass ich nicht aufgeben sollte. In Wirklichkeit gibt es dieses Problem auch für Muttersprachler*innen, und sie dachten viele kreative (und umstrittene) Lösungen dafür aus.
Einer von diesen Lösungen, für den ich mich besonders interessiere, ist die Schaffung der neuen Pronomen. Diese Pronomen heißen ,,Neopronomen’’ und sind geschlechtsneutral. Es gibt hier keinen Standard; einige Personen bevorzuge ,,sier” oder ,,xier,” und andere bevorzuge Pronomen ähnlicher dem binäre Geschlechtsordnung wie ,,sie*er” oder ,,si_er” (TU Dortmund, 2025) Eine andere Möglichkeit ist, die Pronomen mit den Anfangsbuchstaben des Namens zu ersetzen (TU Dortmund, 2025). Ich finde das lustig, weil mein Name (,,Jay”) wirklich schon ein Buchstabe auf Englisch ist, und es würde für mich sehr komisch klingen, wenn man mich ,,J” (/jɔt/) statt ein Pronomen nennt. Aber wenn das einer anderen Person gefällt, würde ich das für diese Person gerne machen. Eine Studie von 2022 fand, dass geschlechtsneutrale Sprache non-binäre Personen hilft, sich mehr ,,included and valued” zu fühlen, und ich würde das persönlich auch sagen (Bruns & Leiting, 2024). Das scheint aber keine Priorität für jeden zu sein, und es ist nicht einfach, diese Pronomen zu integrieren, wegen der Gegenseite.
Geschlechtsneutrale Sprache ist leider sehr umstritten in der deutschen Gesellschaft, und diese neutralen Pronomen sind gar kein Standard. Die Debatte über geschlechtsneutrale Sprache handelt sich nicht nur Pronomen um, aber auch referentielle Begriffe z.B. ,,Lehrerin” und ,,Lehrer,” ,,Ärztin” und ,,Arzt,” etc., und ob sie integrativer oder neutraler sein sollten. Sollte man ,,LehrerInnen” schreiben, um neutraler zu sein? Vielleicht ,,Lehrer:innen” oder ,,Lehrer*innen” (der Genderstern ist hier besonders umstritten). Manche denken, dass ,,Lehrer” einfach genug ist, um alle zu repräsentieren. Ich finde es ironisch, weil es im Deutschen drei Optionen für das Genus eines Nomens gibt, aber nur zwei Geschlechte für Menschen; wäre es nicht sinnvoll, auch für Menschen drei Optionen zu haben? Für mich wäre es prima, wenn die deutsche Sprache neutraler wäre, aber diese Idee macht einige Menschen ganz wütend. Laut Pfalzgraf (2024) nennt der Verein Deutsche Sprache genderneutrale Sprache als ein ,,Angriff;” als ,,Mord;” als ,,Genderattacken” und ,,Gendernahkampf,” was jetzt meine neue Lieblingswörter sind; und auch als ,,Vergewaltigung,” was ich ein bisschen dramatisch finde.
Wenn Meinungen so wie diese in der Gesellschaft existieren, wird es einschüchternder, diese neutralen Pronomen und integrative Sprache zu nutzen, und das hat einen großen Einfluss auf die Antwort meiner Frage: Welche Pronomen sollte ich nutzen? Mit meinen deutschen Freunde*innen kann ich ,,xier/xien/xiem” ohne Angst nutzen, aber bis neutrale Sprache öfter akzeptiert in deutscher Kultur ist, muss ich ,,er/ihn/ihm” in aller anderen Fälle nutzen. Ich hoffe, dass in Zukunft jeder Mensch sich sicher fühlen kann, die Identität frei zu äußern, aber heutzutage ist das noch nicht möglich.
Literaturhinweis:
Bruns, H., & Leiting, S. (2024). Annoying or important? Arguments for and against gender-inclusive language use in German across age and gender. Journal of Language and Discrimination.
Pfalzgraf, F. (2024). Public Attitudes Towards Gender-Inclusive Language: A Multilingual Perspective. Berlin, Boston: De Gruyter Mouton. https://doi.org/10.1515/9783111202280
TU Dortmund. (2025). (Neo-)Pronomen - Gleichstellung. https://gleichstellung.tu-dortmund.de/projekte/klargestellt/neo-pronomen/
6. Februar, 2026
Damian del Bosque
Als ich letzten Sommer in Würzburg war, habe ich im Bus zur Altstadt das Folgendes von kleinen Jugendlichen gehört: ,,Das crazy!’’ Kurz darauf habe ich mein Handy herausgeholt und recherchiert, warum Jugendliche Englisch mit Deutsch mischen. Danach habe ich herausgefunden, was Jugendsprache ist und wie häufig sie verwendet wird. Das wirft die folgende Frage auf: Ist die Jugendsprache ein Symptom für ,,Sprachverfall” und was verrät die heutige Jugendsprache über die Identität der jungen Generation und den gesellschaftlichen Wandel?
Cheikh (2015) identifizierte Jugendsprache als eine Art des Sprechens, die von vielen Gruppen von Jugendlichen im Alter von 11 bis 14 Jahren zu verschiedenen Zeiten und unter verschiedenen Bedingungen verwendet wurde. Außerdem hat Cheikh beschrieben, dass Jugendliche in zwei Welten leben: einer, die von den Eltern geprägt ist, und einer, die von den Freund:innen geprägt ist. Jugendliche üben häufig situative Variation aus, insbesondere Code-Switching. Freywald et al. (2023) definieren Code-Switching als das, wenn Sprecher:innen je nach Kommunikationspartner:innen von der einen in die andere Sprache oder Varietät wechseln. Weiterhin ist die Funktion der Jugendsprache eine Abgrenzung zur Erwachsenenwelt sowie eine Festigung und Identifikation mit den Sprechern derselben Gruppe. In diesem Sinne können wir ein bisschen über die Geschichte der Jugendsprache lernen und darüber, warum die Jugendsprache heutzutage eine sogenannte ,,Abgrenzung" ist.
Ich habe entdeckt, dass am Ende der 70er Jahre Jugendliche in Deutschland, in der Schweiz, und anderen westeuropäischen Ländern die sogenannten ,,Jugendrevolutionen” ausgelöst haben. Auslöser der Proteste waren die Schließung autonomer Jugendzentren und die Räumung besetzter Häuser von Jugendlichen (Neuland 2018). Diese jugendlichen Hausbesetzer eint nicht ein explizites politisches Programm, sondern vor allem ihren Anspruch auf Autonomie und Selbstbestimmung. Dieser Anspruch hat sich auch in ihrem Sprachgebrauch manifestiert (Neuland 2018). In den Medien wurde von einem ,,Jugendproblem” gesprochen und die Generation der Jugendlichen als ,,Null Bock-Generation” bezeichnet (Neuland 2018). Aus diesem Grund wurde in den 80er Jahren ,,die Jugendsprache” von Vertretern aus Politik und Wirtschaft, aber auch von Eltern- und Lehrerschaft, als ,,Comicsprache” abgewertet (Neuland 2018). In dieser Zeit war die sogenannte ,,Jugendsprache” als ein Symptom für ,,Sprachverfall”.
Eine Publikation des Schriftstellers Peter Roos von 1982 unter dem Titel ,,Kaputte Gespräche” hat ein Gespräch zwischen dem deutschen Bundeskanzler Schmidt und einer Gruppe von Lehrlingen im Bundeskanzleramt beschreibt. Obwohl das Gespräch zeigt, dass Jugendliche keine echten Gespräche führen können, erwähnt Ross, dass der Grund dafür war, dass die Jugendlichen eine Taktik gegen die politisch kontrollierten Diskurse machten.
Ich bin der Ansicht, dass Jugendsprache kein Symptom für ,,Sprachverfall" ist. Ich habe drei Gründe dafür. Obwohl der Begriff ,,Jugendsprache” als ein etwas neuer Begriff gilt, ist die Sprache, die Jugend spricht, nicht neu. Im 19. Jahrhundert hatten Universitätsstudenten in den DACH-Ländern ein Register, das sie mit Freunden benutzten und nicht mit den Eltern. Zweitens bin ich der Meinung, dass die Frage: ,,Ist die Jugendsprache ein Symptom für ,,Sprachverfall?” eine Darstellung der Furcht der älteren Generationen ist, dass sie manchmal die jüngeren Generationen nicht verstehen. Wie Cheikh (2015) beschrieben hat: Jugendliche leben in zwei Welten: einer, die von den Eltern geprägt ist, und einer, die von den Freund:innen geprägt ist. Ich sehe die Sache so: Die Jugendsprache ist ein sicherer Weltraum, in dem die Jugendlichen sich nicht von den Regeln der Erwachsenen und der echten Welt einfügen. Zuletzt glaube ich, dass Jugendsprache nicht ein Symptom für ,,Sprachverfall” ist, sondern ein Symptom für Kompetenz in Sprachfähigkeiten, weil es zeigt, dass die Jugend sehr häufig und schnell zwischen verschiedenen Variationen wechseln kann. Es zeigt, dass die Jugend Code-Switching gemeistert hat.
Außerdem denke ich, dass die heutige Jugendsprache einen Wunsch von Jugendlichen verrät, ein Gefühl von Zugehörigkeit zu fühlen. Als Menschenkind haben wir eine angeborene Notwendigkeit, zu einer Gruppe zu gehören, und die Jugendsprache ist eine Lösung. Die heutige Jugendsprache (insbesondere die deutsche Jugendsprache) zeigt, dass die Jugend sich mit verschiedenen Kulturen identifiziert. Aus diesem Grund habe ich das Wort ,,crazy” in Würzburg gehört!
Literaturhinweis:
Cheikh, M. (2015). Jugendsprache in Deutschland: Entwicklung oder Zerfall der deutschen
Sprache. Revue Traduction et Langues 14(2), 113-117.
Freywald, U., Wiese, H., Boas, H., Brizić, K., Dammel, A., & Elspaß, S. (2023). Deutsche
Sprache der Gegenwart: eine Einführung. J.B. Metzler.
Neuland, E. (2018). Jugendsprache. UTB.
https://books.google.com/books?id=xgBeDwAAQBAJ&printsec=frontcover#v=
onepage&q&f=false.
1. Februar, 2026
Sarah Smith
“Prost” (while looking in the eyes), “Nay” statt "nein,” "Nutella mit oder ohne Butter;” Eintragungen vom meine “Cultural differences” Note, die ich durch meinen Sommer in Düsseldorf behalten hat. Bevor ich für mein Deutscher Sommer Praktikum abgefahren bin, ist mein Vater zu mir gekommen. Er hat für ein Jahr nach seinem Studium in Edinburgh studiert, und er hatte ein Stückchen Klugheit für mich; Ich muss die kulturellen Unterschiede zwischen Deutschland und den USA zur Kenntnis nehmen. Deshalb habe ich diese Note auf meinem Handy angefangen und meinen Sommer in Düsseldorf dokumentiert.
1 “Quasi”
Ich habe meinen Berater/andere Praktikant, Colin, auf dem ersten Tag der Arbeit kennengelernt. Er war eine 23 jähriger Student, der Marketing an der Uni Düsseldorf studiert. Unser Chef hat mir erzählt, dass Colin die tägliche Arbeit durch meine erste Woche mir erklärt. Aber als wir begonnen haben, hat er „quasi” zwischen jedem Wort und jedem Satz benutzt. Ich konnte das gar nicht verstehen. Endlich, beim Mittagessen, habe ich ihn gefragt. “Laut Sprachlern- und Linguistikquellen ist „quasi“ im Deutschen ein allgemein gebräuchliches Füllwort, das oft ähnlich wie „sort of / basically/in a way“ im Englischen genutzt wird – besonders in der Umgangssprache” (Olbrich, 2023). Deutsche Jugend benutzen es so oft wie die amerikanische Jugend benutzen “like!”
2 “Feierabend”
Das Wort “Feierabend” ist wohl das wichtigste Wort der Deutschen Arbeitstag. Es bedeutet “quitting time,” wie man in Amerika sagt, oder “end of the work day.” Ich habe zuerst gedacht, dass mein Chef jeden Tag noch eine Feier zu Hause hat. "Wow, er ist populär,” habe ich mir gedacht. Aber schnell rechnete ich aus: Die Deutschen feiern das Ende des Arbeitstages wie ein Fest. Wer hat gesagt, dass die Deutsche nicht feiern können?! Nicht bei meiner Arbeit!
3 “Ach”
“Ach!” “Achso!” “Ach ja!" “Ach echt?!" Dieser Aufschrei ist ziemlich beliebt in Deutsche Firmen. Haben Sie endlich etwas verstanden? “Achso!” Haben Sie neue, überraschende Informationen von eine Kollegen gelernt? “Ach echt?!” Möchten Sie Ihren Kollegen zeigen, dass Sie aktiv zuhören? “Ach!” Ich habe diesen Ausdruck ziemlich schnell gelernt, weil es ziemlich einfach ist, jeden Satz zu benutzen.
4 “Eine ruhige Kugel schieben”
Ach ja, das ist einfach zu verstehen; "Eine ruhige Kugel": A calm ball. “Scheiben”: to push. Aber, nein, wenn man in Deutschland diese Phrase hört, hat jemand eine entspannten Tag vorgehabt.
Herr Professor erklärt das best:
“‘Have you ever (Hast du schonmal) played bowling?’
‘Yes, the game where you have to roll a bowling ball (eine Bowlingkugel).’
Now, imagine rolling a bowling ball slowly and calmly (ruhig).
Imagine you’d do this for the whole weekend (das ganze Wochenende).
Compared to your usual hectic working week this would be actually a little bit boring (ein bisschen langweilig).
Or maybe even relaxing (entspannend)” (Herr Professor).
Auf Deutsch bedeutet “Am Wochenende schiebe ich eine ruhige Kugel” → “This weekend I’ll take it easy.”
5 Max Mustermann
Das war mein Lieblingswort des ganzen Sommers; meine Mitarbeiter haben den Namen so oft benutzt, dass ich gedacht habe, dass er eigentlich ein Freund ist, der Max Mustermann heißt. Nur wenn ich ein Witz über mein Großvater, der wirklich John Smith heißt, hat er es erklärt. Max Mustermann ist der Deutsche “John Doe” oder “John Smith.” “Sprachquellen zeigen: „Max Mustermann“ ist in Deutschland ein etablierter Platzhaltername, der meist in Formularen, Ausweisen oder Beispieldaten verwendet wird und so das Konzept eines Beispiel-Bürgers repräsentiert” (Constanze, 2019).
In der Soziolinguistik gilt Sprache nicht nur als Mittel zur Informationsübertragung, sondern als zentrales Werkzeug zur Konstruktion sozialer Identität. Besonders im Arbeitskontext zeigen scheinbar kleine sprachliche Elemente wie Füllwörter, Interjektionen oder Redewendungen, wie Sprecher Zugehörigkeit, Haltung und soziale Kompetenz signalisieren. Bucholtz und Hall betonen, dass Identität „is the social positioning of self and other“ und dass sie „entsteht durch Interaktion“ (Bucholtz & Hall, 2005, 586–587). Die in diesem Beitrag beschriebenen Ausdrücke wie „quasi“, „Ach“ oder „Feierabend“ sind daher nicht bloß Vokabeln, sondern indexieren sie kulturelle Werte und kommunikative Normen des deutschen Arbeitsalltags.
Literaturhinweis:
Bucholtz, M., & Hall, K. (2005). Identity and interaction: a sociocultural linguistic approach. Discourse Studies, 7(4-5), 585-614. https://doi.org/10.1177/1461445605054407 (Original work published 2005)
Constanze. (2019, June 19). German placeholders: Names. Transparent Language Blog. https://blogs.transparent.com/german/german-placeholders-names/
Herr Professor. (2024). This one simple sentence will make your colleagues laugh (Eine ruhige Kugel schieben). HerrProfessor.com. https://www.herrprofessor.com/en/this-one-simple-sentence-will-make-your-colleagues-laugh-eine-ruhige-kugel-schieben-2024/
Olbrich, J. (2023, January 16). The most common German filler words and how to use them. Babbel Magazine. https://www.babbel.com/en/magazine/german-filler-words