Beobachtungen in der 1. Woche
Gewichtskontrolle und hohe Aktivität der Welpen auf der Suche nach den Zitzen weisen auf eine gesunde Entwicklung hin. Das gesamte Geburtsgewicht der Welpen hat sich heute am Tag 9 bereits verdoppelt.
Das Geburtsgewicht unterscheidet sich nicht wesentlich zwischen großen und kleinen Rassen. Vanillas Kinder hatten zwischen 310 g und 400 g Geburtsgewicht, das ist zwischen 1,13% und 1,46% von Vanillas Gewicht - so winzig!
Von gestern auf heute haben die Welpen zusammen mehr als 1/2 kg zugenommen. Vanilla produziert vermutlich derzeit mehr als 1 l Milch pro Tag. Sie hat es wahrlich anstrengend mit ihrer Kinderschar.
Vanilla säugt gerade ihre Welpen und es läutet an der Haustür.
Bleibt Vanilla in der Wurfkiste bei den Welpen oder läuft sie zur Haustür, weil es geläutet hat?
Vanilla scharrt im Garten in ihren Stillpausen fleißig an einer Grube unter dem Holzlager. Voller Staub kehrt sie jeweils zurück ins Haus. Das ist die Kehrseite ihrer Instinktstärke.
Wildhunde legen ihre Welpen in eine Grube, um sie mit ihrem Körper zudecken zu können. So werden die Welpen warm gehalten und vor Feinden geschützt.
Vanilla legt sich auch in der Wurfkiste manchmal ganz vorsichtig über die Welpen.
Die Kleinen sind noch tollpatschig, aber sie schauen für mich nicht mehr so zerbrechlich aus. Hungrig erkämpft sich jede/r eine Zitze - 8 Zitzen für 8 Welpen, das ist nicht einfach. Den "Weißen" sehe ich oft, wie er sich erfolgreich die "beste Zitze" erkämpft. Oft managt Vanilla die Versorgung auf 2 Etappen - und das jede Stunde.
Vanilla muss 8 hungrige Welpen versorgen - so eine Challenge!
Bekommen die Welpen ausreichend hochwertige Nährstoffe? Die Welpen nehmen zwar zu, aber ich sorge mich. Tag und Nacht gehe ich alle 2 bis 3 Stunden zur Wurfbox und versuche, Vanilla zum Fressen zu motivieren. Trockenfutter für stillende Hündinnen schmeckt ihr nicht. Ich biete ihr Babydog-Milch, grünen Rinderpansen, gekochten Rinderschlund, Rindsherz, Haferflocken, Dinkelbrei, Wasser, .... Ich freue mich, wenn es ihr schmeckt, doch es ist mühsam, sie zum Fressen zu motivieren.
Seit Vanilla bei mir ist, begleitet sie mich auf fast allen Wegen, zum Arbeitsplatz, zur Orchesterprobe, bei Konzerten, ... In nur ganz seltenen Fällen, muss sie zuhause bleiben. Wir führten ein Ritual ein: Wenn von ihr erwartet wird, zuhause zu bleiben, holen wir ein getrocknetes Schweinsohr vom Keller. Sie läuft damit in ihr Hundehaus und ich gehe ohne sie aus dem Haus. So kann sie auch hin un wieder selbst entscheiden, ob sie mich begleiten oder lieber auf das Haus aufpassen will.
Heute war ihre Entscheidung eindeutig. Sie ging mit mir zur Haustür, blieb kurz stehen, verabschiedete sich mit einem treuherzigen Blick in meine Augen und kehrte zurück zu ihren Welpen. Ein Schweinsohr brauchte sie heute nicht, ja sie nahm es gar nicht an.
Vanilla wechselt zwischen ihren beiden Rollen situativ - die alte Rolle als Begleiterin und die neue Rolle als verlässliche Mami. Sie ist so liebevoll!
Vanilla fordert mich wieder auf, mit ihr in den Garten zu gehen. Wir gehen zurück ins Haus zur Wurfkiste. Sie stellt sich in die Wurfkiste, ich streichle ihren Körper symmetrisch mit beiden Händen. Ihr Körper fühlt sich angespannt an. Um 5:55 purzelt der 1. Welpe aus ihr heraus. Rasch öffnet sie das vom Welpen herunter. Sie beißt die Nabelschnur durch. Das ist harte Arbeit. Fruchthülle und Nabelschnur ziehen sich wie Kaugummi und sie muss diese vermutlich schnell entfernen. Der Kleine könnte sonst ersticken. Gleichzeitig wird sie geplagt von den nächsten Presswehen. Sie regt die Lebensgeister des ersten Welpen durch viel Lecken an, während um 6:10 schon der zweite Welpe aus ihr herauspurzelt und die harte Arbeit von vorne beginnt: Fruchthülle abziehen, Nabelschnur durchbeißen, Welpen lecken und gleichzeitig 3. Welpen herauspressen. Nun ist es erst 6:28 - in einer halben Stunde hat sie drei Welpen geboren.
Nach dem 4. Welpen, der um 6:37 geboren ist, will sie kurz in den Garten. Ich gehe mit ihr, lasse sie nicht mehr aus meinen Augen. Was passiert, wenn der Welpe im Garten herauspurzelt? Geplagt läuft sie schnell zurück ins Haus, die Stiegen hinauf zur Wurfkiste, der 5. Welpen liegt neben der Wurfkiste. Es ist 7:26. Geschickt nimmt sie ihn sanft in ihr Maul und legt ihn zu den anderen. Sie legt sich dazu und versorgt alle mit ihrem Kolostrum.
Um 8:02 sind 7 Welpen geboren: 6 oder 7 Welpen sollten es sein laut Ultraschalluntersuchung. Der Geburtsprozess ist also zu Ende. Liebevoll schubst Vanilla ihre Welpen mit einer Vorderpfote bzw. mit ihrer Nase der Reihe nach weiter, sodass jeder Welpe nach rotierendem Prinzip ihre Zitzen zum Trinken bekommt - eine gute Managementstrategie!
Alle Welpen haben bereits Kolostrum getrunken. Die Geburt ist ohne Komplikationen verlaufen. Ich bin sehr dankbar und gerührt über Vanillas tolle Leistung und Fürsorglichkeit. Aber was glänzt denn unter ihrer Rute? Kaum zu glauben, ein 8. Welpe ist geboren. Jetzt ist es 9:06.
Offenbar ist Vanilla eine instinktstarke Hündin, die sich bei der Geburt ihrer Welpen um alles alleine gekümmert hat: Aufreißen der Amnionshülle bei der Nase des Welpen, Abstreifen der Eihülle, Durchtrennen der Nabelschnur, Säubern/Lecken des Welpen zur Aktivierung der Lebensgeister, Fressen der Plazenta, Versorgen der Welpen mit Kolostrum.
Vanilla ist sehr liebesbedürftig. Sie schaut mich "geplagt" an. Ich gehe mit ihr eine Runde im Garten. Alles rund um uns ist still und finster. Nach der Gartenrunde versuchen wir zu schlafen, doch es geht von vorne los.
In der Früh ist es dann so weit, obwohl oder gerade weil Vanilla ein Morgenmuffel ist.