Als Leningrader Blockade bezeichnet man die Belagerung Leningrads durch die deutsche Heeresgruppe Nord und finnische Truppen während des Zweiten Weltkrieges. Sie dauerte vom 8. September 1941 bis zum 27. Januar 1944. Mit der Schließung des Blockaderings wurden alle Versorgungslinien für die Millionenstadt abgeschnitten und die Versorgung war nur noch über den Ladogasee möglich.
Allerdings war diese Route für die Erfordernisse der Stadt nicht ausgebaut, da es keine Anlegestelle und keine Zufahrtsstraßen gab. Am 2. September 1941 wurden die Nahrungsmittelrationen reduziert. Am 8. September wurde zusätzlich eine große Menge an Getreide, Mehl und Zucker durch deutsche Luftangriffe vernichtet, was zu einer weiteren Verschärfung der Ernährungssituation führte.
Die Gesamtzahl der Opfer der Blockade ist immer noch umstritten. Nach dem Krieg meldete die sowjetische Regierung 670.000 Todesfälle in der Zeit vom Beginn 1941 bis Januar 1944, wovon die meisten durch Unterernährung und Unterkühlung verursacht worden waren. Einige unabhängige Schätzungen gaben viel höhere Opfernzahlen an, die von 700.000 und 1.500.000 reichen. Die meisten Quellen gehen aber von einer Zahl von etwa 1.100.000 Toten aus.
Die Leningrader Sinfonie:
Als Dmitri Schostakowitsch im Sommer 1941 in Leningrad (St. Petersburg) mit seiner 7. Sinfonie beginnt, fallen die Bomben. So will es ein sowjetischer Propagandafilm. Mit dem deutschen Einmarsch war der Zweite Weltkrieg in das Riesenreich eingebrochen, nahezu 900 Tage wird Leningrad belagert, Abertausende sterben. Die Kunstelite wird evakuiert, auch Schostakowitsch. In Kujbyschew vollendet er jene Sinfonie, die als «Leningrader» Musik- und Kriegsgeschichte schreibt.
Die Uraufführung ist am 5. März 1942 in Kujbyschew unter Samuil Samossud, Karl Eliasberg leitet im August 1942 eine spektakuläre Aufführung im belagerten Leningrad. Und alles scheint sonnenklar: «Ich widme meine Siebente unserem Kampf gegen den Faschismus», lässt Schostakowitsch im ZK-Organ Prawda verkünden. Zudem möchte er zunächst die vier Sätze mit Titeln versehen – «Krieg», «Erinnerung», «Die Weite der Heimat» und «Sieg». Und schließlich ist da die berühmte «Invasionsepisode» im Kopfsatz.
Wie in Ravels «Bolero» wird ein recht banales Thema, das auf Hitlers Lieblingsoperette «Die lustige Witwe» von Lehár zurückgeht, klangfarblich variiert und ins mehrfache Forte gesteigert. Damit stelle Schostakowitsch den Einmarsch deutscher Truppen dar, hieß es. Doch so einfach ist es nicht: So hat Schostakowitsch schon vor dem Krieg eine Siebente geplant; auch hat er die programmatischen Satztitel zurückgenommen und sich geweigert, das Werk mit einem propagandistischen Jubel-Chor enden zu lassen.
1. Satz - Allegretto: Dieses Thema wurde und wird im Allgemeinen als "Invasionsthema" bezeichnet. Es soll den Einmarsch der faschistischen Truppen in die Sowjetunion symbolisieren. Stilistische Mittel sind eine äußerst schlichte und monotone Melodie, die in den elf Variationen eine stete Steigerung durchmacht und schließlich das Stupide der Melodie mit einer grausamen Brutalität verbindet.
2. Satz - Moderato (poco Allegretto): Wiederum begegnet dem Hörer hier die trügerische Idylle einer scheinbar friedlichen Vorkriegszeit, die aber eben durch die Verwendung der Gewaltmotive schon den Terror und die Gewalt des Krieges in sich trug. Klarheit entsteht erst mit dem Eintritt des Trios, das von den zwei Hauptsätzen eingeschlossen wird: ein schriller Walzer voller Klänge, die an Militärsignale erinnern, eingebettet in eine gnadenlose Motorik.
3. Satz - Adagio: Im dritten Satz tritt eine Choralsatzstruktur auf. Der Eindruck einer Kirchenorgel wird durch die Dominanz von Holzbläsern verstärkt. Dies kann zwei Hinweise beinhalten: Einerseits die Wiederaufnahme der Glockensymbolik als bedeutender Teil der russischen Musiktradition als Symbol des Volkes. Ein für Schostakowitsch typisches Stilmittel findet sich schließlich im Trio des Satzes: ein Zirkusmarsch. Zirkusmärsche, bzw. Grotesken von Militärmärschen, dienten ihm immer als Symbolik einer selbstherrlichen Führung.
4. Satz - Allegro non troppo: Der letzte Satz sollte das buchstäbliche Finale einer Kriegssinfonie darstellen, also den Sieg. Allerdings tritt an die Stelle des heroischen Sieges ein ebenfalls typisches Stilmittel für die Kompositionen Schostakowitschs: eine langsame barocke Form, hier eine Sarabande. Diese barocken Formen tauchen vor allem in den Kriegskompositionen gehäuft auf und sind immer Mittel der Trauer. Es wird so das Leiden von unzähligen Menschen verdeutlicht, das durch die Zirkusmärsche und Militäranklänge in direktem Zusammenhang mit der brutalen Gewalt durch die Auslöser des Krieges gestellt wird.
Schostakowitsch hat ein Teil des Liedes "Da geh' ich ins Maxim" aus Hitlers Lieblingsoperette "Die lustige Witwe" von Franz Lehár, im ersten Satz seiner Leningrader Sinfonie verarbeitet.
Waleri Gergijew kommentiert folgenden Dokumentarfilm über die Leningrader Blockade während des Zweiten Weltkrieges.
Weitere Informationen über die Leningrader Blockade sind zu finden auf folgende Web-Seiten: