Entstehung
Die Bienenkiste wurde in Zusammenarbeit von Mellifera e.V. und Erhard Maria Klein entwickelt. Ziel dabei war es, ein einfaches Konzept zu verwirklichen, dass auch Anfängern ermöglicht ohne viel Aufwand Bienen wesensgemäß zu halten, um diesen oft unterschätzten und für uns doch so wichtigen kleinen Helfern das Leben zu erleichtern. Die wesensgemäße Bienenhaltung steht hierbei im Vordergrund. Es wird nicht die einzelne Biene und ihre Fähigkeiten, sondern der gesamte Organismus Schwarm oder auch "Der Bien" genannt, betrachtet. Ein hochkomplexes und intelligentes System, dass sich über 50 Mio. Jahre entwickelt hat. In der Bienenkiste, darf der Bien weitgehend ein zusammenhängender Organismus sein und sich naturgemäß entwickeln.
Die Bienenkiste wird im WEB aber auch in vielen Imkervereinen heftig diskutiert und nicht selten als "Spielzeug" oder sogar als "gefährlich" bezeichnet. Die Bienenkiste und deren Betreiber und Erfinder wollen den Imker nicht ihr Handwerk streitig machen oder behaupten, die wesensgemäße Bienenhaltung sei die bessere. Das muss jeder Bienenhalter für sich selber beurteilen.
Eine Gefahr stellt die Bienenkiste und wesensgemäße Bienenhaltung sicher nicht dar. Es wird auch hier darauf geachtet, dass Parasiten und Krankheiten behandelt werden und sich nicht verbreiten. Den Schwarmtrieb zuzulassen, über den sich Bienenvölker natürlich vermehren, stellt kein Risiko dar. Die Schwärme werden nicht sich selbst überlassen, sondern eingefangen und weitergegeben oder selbst verwendet.
Akzeptanz
Aus Sicht eines Berufsimkers, der in erster Linie auf hohen Honigertrag aus ist, mag eine Bienenkiste wie Spielzeug wirken und für einen enthusiastischen Jungimker mag das auch in gewisser Weise so sein.
"Mit der Bienenkiste kann man nicht Imkern", hat mir mal ein Erwerbsimker gesagt. Da hat er Recht - das will ich auch gar nicht. Genau so wenig wie der Betreiber einer Schweinemastfarm den Schweinen etwas Gutes tun möchte.
Das sind eben 2 Welten. Aber glücklicherweise erkannt man langsam, dass es Bienen in "naturgemäßer" Haltung besser geht.
Verantwortung
Die Bienenkiste ist wie andere Beuten zur wesensgemäßen Bienenhaltung eine Alternative. Ich persönlich verwende lieber den Begriff "naturgemäß", da "wesensgemäß" mit den Lehren Rudolf Steiners in Verbindung gebracht werden, die ich nicht unbedingt teile. Die naturgemäße Bienenhaltung in der Bienenkiste hat zum Hintergrund, dass sie nicht zur intensiven Honigproduktion gedacht ist und Eingriffe in den natürlichen Rhythmus und Lebensgewohnheiten der Bienen auf ein Minimum beschränkt. Das heißt nicht, dass nicht auch verantwortungsvoll mit dem Thema Varroa-Milbe, Faulbrut etc. umgegangen wird.
Hobby-Imker, die z.B. mit der Bienenkiste anfangen wollen, tun dies meist aus Überzeugung und haben sich bewusst für diese Methode entschieden. Manche probieren im Lauf der Zeit andere Beuten und einige wechseln.
Die Masse der Insekten, insbesondere der Schwebfliegen, Schmetterlinge und Bienen ist in den letzten 20 Jahren um 80% zurückgegangen! Eine Alarmierende Feststellung. Monokulturen, fehlende Lebensräume und nicht zuletzt die chemische Keule der Pestizide machen den Insekten den Garaus. Die Zahl der Singvögel sinkt parallel dazu, weil ihnen Nahrung und Lebensraum fehlen.
Jeder Hobby-Imker und Neu-Einsteiger hilft, dass wir nicht bald einen Kollaps erleiden. Er/sie sollte dies nicht nur mit der Pflege und dem Erhalt der Bienenvölker tun, sondern auch mit aktivem Protest gegen Mittel wie Glyphosat und Neonicotinoide.
Hilfe und Zusammenarbeit
Bienenkisten-Anfänger brauchen wie alle anderen "Jung-Imker" Hilfe. Das können andere "Bienenkistler", aber auch erfahrene Imker mit anderen Beuten sein. Diesen Kontakt halte ich für sehr wichtig und sinnvoll. Ich selber habe das Glück zu meinem Freundeskreis zwei Imker zu zählen, die zwar in anderen Systemen Imkern, aber die Bienenkiste und ihre Philosophie akzeptieren und mir mit Rat und Tat helfen.
Bienenkisten-Anfänger brauchen Hilfe - wie gesagt. Auch ich konnte nicht ohne wichtige Informationen starten. Es ist auch wichtig, dass sich gerade Anfänger nicht einfach ins Abenteuer stürzen, sondern sich auch ihrer Verantwortung bewusst sind. Es ist nicht damit getan, sich eine Kiste zusammen zu zimmern und einen Bienenschwarm (wer weiß woher) einzuschlagen.
Es gibt geschriebene wie ungeschriebene Regeln zu beachten, die jeder akzeptieren sollte, um auch die Zusammenarbeit und die Akzeptanz zwischen "herkömmlichen" Imkern und Imkern der wesensgemäßen Bienenhaltung zu fördern.
Ich bitte alle Imker-Anfänger - ob Bienenkiste oder nicht - sich vorher gründlich zu informieren, ggf. einen Kurs zu besuchen und sich einen Imker an die Seite holen, der sie/ihn bei den ersten Schritten begleitet.
Es geht mir in der wesensgemäßen Bienenhaltung wie in der Bienenkiste nicht darum "Gott" über die Bienen zu spielen oder möglichst viel Honig zu ernten, sondern darum Bienen einen naturnahen Wabenbau und Lebenszyklus zu ermöglichen ohne sie mehr als erforderlich zu stören, zu stressen oder in ihre natürliche Lebensweise einzugreifen.
Der Bien und der Mensch
Ich bin davon überzeugt, dass ein Bienenschwarm der sich weitgehend natürlich entwickeln und selbst "verwalten" kann auch ein gesünderes "Immunsystem" hat.
Es gibt zahlreiche Studien und Feldversuche, die den Organismus Bien untersucht haben und das Zusammenspiel der Bienen, Drohnen, Stockmutter und selbst dem Wabenwerk auf fantastische Weise erklären.
Bienen haben viel mit uns gemeinsam. Sie sind belastbar und relativ anpassungsfähig - bis zu einem gewissen Punkt. Wird dieser überschritten leidet das Immunsystem, Stressfaktoren sorgen für Burn-Out-Syndrome, Krankheiten breiten sich aus und der Organismus gerät aus dem Gleichgewicht und kann schließlich daran zugrunde gehen.
Bienen können ein Spiegel und ein Zeiger für uns sein, mit uns wie mit den Bienen und unserer Umwelt sorgsamer umzugehen.